21. Aley POV

Seit einigen Wochen bin ich nun offiziell mit Iskandar zusammen. Schon immer habe ich mir gewünscht, dass mein Master mich genauso liebt wie Skkylar Liam, doch das ist nicht der Fall. Iskandar mag mich nicht. Ich würde sogar zu behaupten wagen, dass er mich hasst.

Im Moment stehe ich hinter ihm und Sahir, den ich ziemlich gerne mag, und sehe ihm über die Schulter. Er liest ein Kapitel über Veelarassen.

Nach einer Weile beginnen sie, Rassen zu bestimmen. Zu dieser Gelegenheit schafft es Master al Mecca, mir zu sagen, dass er mein Aussehen nicht mag, dass ich Besserwisserisch bin, dass ich ihm nicht genug gehorche und Gefühlsmässig ein Eisklotz bin und dass ich immer alleine bleiben werde. Ich bin mir nicht ganz sicher, wer gefragt hat, aber die Frage, wo mein erogener Punkt sei, beantwortet Master al Mecca, indem er mir hart in den Nacken greift.

Als sich alle abgewendet haben, bedeutet Master al Mecca mir, dass ich neben ihn sitzen soll. Es kommt nicht häufig vor, dass er meine Nähe akzeptiert, deswegen nutze ich es gerne aus. Trotzdem lässt er mich nicht mit ihm kuscheln. Er massiert mich weiter im Nacken, weshalb viele kleine Blitze zwischen meine Beine schiessen. Ich will nicht!

Trotzdem halte ich ihm hin, indem ich auch den Kopf senke. So kann ich mich sogar vor Blicken schützen.

Sahir sieht zu, ich spüre seine Aufmerksamkeit. Trotzdem fühle ich, dass ich bald von einem Orgasmus überrollt werde. Angestrengt klammere ich meine Beine und Lippen zusammen. Die Beine, damit ich nicht zusammen zucke und die Lippen, um ja keinen Ton von mir zu geben. Sobald es vorbei ist, reisse ich mich von Master al Mecca los und verschwinde in unser Zimmer. Hastig schliesse ich die Tür ab und lasse mich auf meine Matratze fallen. Warum hat Master al Mecca das getan? Ich schäme mich so sehr. Sahir wird mich jetzt für immer für ein Flittchen halten. Und hat es eigentlich sonst noch jemand gesehen?

Es klopft leise und ich tu nicht auf. Ich bin zu gedemütigt.

Eine Viertelstunde später hämmert jemand beinah die Tür ein. Natürlich ist es Master al Mecca, deswegen mache ich auf. Sorgfältig schliesst er die Tür und sieht mich dann drohend an.

"Es tut mir leid, dass ich gegangen bin, Master al Mecca", sage ich. Meine Stimme zittert leicht. Genauso meine Flügel. "Wir werden jetzt zu Luzifer gehen und du verlangst die Magie absorbierenden Manschetten. Wenn du sie benutzt, um mich von dir fernzuhalten, hast du sie nicht verdient." - "Aber..." Wie immer, wenn ich widerspreche, schlägt er mir ins Gesicht.

Der Schlag klingelt noch in meinen Ohren, als er sagt: "Noch besser: Ich hole sie. Geniesse deine restlichen zehn Minuten mit deiner Magie noch und wage es nicht, diese Tür nochmals zu verschliessen!" - "Ja Master al Mecca"

Still harre ich aus, bis Master al Mecca wieder rein kommt. Traurig betrachte ich meine mit Magie nur so sprühenden Finger. Ich bin in der Lage, Magie zu sehen, wenn ich will. Ob es wohl auch verschwinden wird?

Der einzige Grund, warum mich die anderen Sklaven nicht wegschicken, ist meine Magie und jetzt nimmt Master al Mecca sie mir weg.

Leider braucht Master al Mecca nicht lang, um zurückzukehren. Er setzt sich auf sein Bett und tippt mit seinem Zeigefinger je einmal auf jedes Knie. Das bedeutet, dass ich mich vor ihn hinknien und meine Hände auf seine Knie legen muss. Tränen rinnen mir über die Wangen, als Master al Mecca mir die Handschellen und einen Halsreif, sowie zwei Reifen um die Oberarme anlegt. Ich sehe keine Magie mehr. Ich sehe keine Auren mehr. Ich kann mein Magiezentrum in meinem Bauch nicht mehr spüren. Sobald er fertig ist, weiche ich mit ein paar Flügelschlägen von ihm zurück.

"Wenn das so ist, sind wir noch nicht miteinander fertig, Aley. Dreh dich um und strecke deine Flügel nach hinten." Ich tu, was er sagt, auch wenn ich nicht weiss, was er machen will.

Mit Gewalt quetscht er meine Flügel noch weiter nach hinten und schnallt etwas darum. Sobald er sie loslässt, fühle ich einen stechenden Schmerz. Mein Meister sagt: "Du wirst es erst los, wenn wir Kinder haben, denn man kann es nur mit Blut meiner Familie öffnen. Ausserdem habe ich dir schon viele Male gesagt, dass du deine Flügel präsentieren sollst, jetzt kannst du sie eben nicht mehr falten. Gute Nacht, du wirst heute im Schlafsaal schlafen."

Mit grossen Schmerzen und hängenden Schultern gehe ich in den Schlafsaal. Niemand bemerkt mich. Traurig lege ich mich hin, doch eine halbe Stunde später kann ich das Weinen nicht mehr zurückhalten. Kurz darauf fährt mich Alaric wütend an, weshalb ich meine Schluchzer danach mit meinem Kissen ersticke.

Als Sahir dann auch noch fragt, was los ist, haue ich ab. Trotzdem folgt er mir und er quetscht nach und nach alles aus mir raus.

Leider kommt nicht lange darauf Master al Mecca. Ich habe solche Angst, dass er meine Flügel noch mehr verletzt. Still harre ich in seinem Zimmer aus, bis Master al Mecca wieder rein kommt. Er setzt sich wieder auf sein Bett. Irgendwie sieht er niedergeschlagen aus.

"Master al Mecca? Ich habe Euch doch nicht in Schwierigkeiten gebracht, oder? Es tut mir leid..." Ich knie mich auf meiner Matratze hin. "Nein. Mir tut es leid, Aley." Master al Mecca tippt wieder auf seine Knie und ich knie vor ihn hin. Die Ringe um meine Handgelenke beschämen mich sehr. Wenigstens sind die um meine Oberarme nicht sichtbar.

Mit seinen weichen Fingern fasst er mir um ein Handgelenk. Mit der anderen Hand klickt er den Ring auf und legt ihn dann auf das Bett. "Master, was..." - "Ich nehme sie dir wieder ab. Ich habe mit Dad gesprochen und er hat mir ziemlich überzeugend nahe gebracht, dass ich komplett falsch behandle. Ich dachte, ich müsste streng und unnachgiebig sein, aber ich will nicht, dass du Angst vor mir haben musst. Ich weiss nur nicht, was okay ist für dich... ich meine... Ich würde das hier niemals mitmachen, wenn ich du wäre." - "Ich danke Euch, Master al Mecca", sage ich erleichtert.

Ich sehe seine Magie wieder. Sie ist rot, stärker als meine, aber seine Magie ist nutzlos in seinem ganzen Körper verteilt, während sich meine konzentriert in meinem Magiezentrum und in meinen Fingern befindet.

"Dafür musst du mir ganz bestimmt nicht danken. Aber es interessiert mich jetzt doch noch, ob das hier okay ist für dich ist." Kurz streifen seine Finger über meine Hände, die auf seinen Knien liegen, wie er es angeordnet hat.

"Ich verstehe nicht ganz, Master..." Ich ziehe den Kopf ein. Ich weiss, dass er mich schlägt, wenn ich etwas nicht verstehe. Die erwartete Ohrfeige kommt nicht. "Ob es in Ordnung ist, wenn ich will, dass du so vor mir kniest?" - "Natürlich ist es das, Master, aber ich verstehe nicht, warum Ihr mich das fragt." - "Ist es auch in Ordnung für dich, wenn ich will, dass du so kniest, wenn wir bei den anderen sind?" Ich überlege eine Weile und nicke dann. Es könnte demütigend sein, aber da mich ja eh keiner mag, spielt es auch keine Rolle, wenn sie mich noch weniger mögen, weil ich mich meinem Master unterwerfe. "Gut", sagt mein Master nur.

"Master, wenn Ihr mir eine Frage gewährt: Warum habt ihr das mit meinem Nacken vorher getan?" - "Weil ich es witzig fand." - "Ach so", sage ich mit gesenktem Kopf. Master al Mecca macht Anstalten, noch etwas zu sagen, doch schlussendlich schweigt er. Er legt sich hin und klopft mit der flachen Hand neben sich auf die Matratze, sodass ich weiss, dass ich neben ihm liegen darf.

"Warum willst du keine Kinder, Aley?", fragt er plötzlich aus heiter hellem Himmel. "Weil mich kleine Kinder nicht mögen und weil ich bei Eurem Dad gesehen habe, wie sehr es schmerzt und weil mein Vater ein bösartiger Bastard ist - oder war - und ich nicht so werden will wie er." - "Als ob ich das zulassen würde. Warum denkst du, dass kleine Kinder dich nicht mögen?" - "Wenn ich in London bin, verstecken sie sich immer vor mir, Master al Mecca." - "Hm. Zeig mir mal deine menschliche Form." Ich setze mich auf und erhelle magisch den Raum. Skeptisch sieht Master al Mecca mich an, sobald ich verwandelt bin.

"Wie alt bist du nochmal?" - "In zwei Monaten 29, Master." - "Du siehst aus wie 50", bemerkt mein Master unhöflicherweise. Ich lösche das Licht und verwandle mich zurück. Er darf nicht wissen, dass mich das verletzt. Leise murmle ich: "Ich weiss, dass Euch mein Aussehen nicht gefällt, wenn ich etwas ändern kann, dann sagt es mir und wenn ich nichts ändern kann, dann müsst Ihr es nicht ständig wiederholen, Master al Mecca", sage ich ein wenig eingeschnappt. "Ich versuche, es nicht mehr zu erwähnen, wenn es dich glücklich macht", beschliesst mein Meister. Nein, das macht es nicht.

"Was ist es? Bitte, ich will es ändern", frage ich verzweifelt. "Du gefällst mir nicht. Deine Rasse gefällt mir nicht. Dein Charakter gefällt mir ganz und gar nicht", sagt Master al Mecca. Gepeinigt schliesse ich meine Augen. "Meine Rasse kann ich nicht ändern, aber am Charakter kann ich arbeiten und an meinem Aussehen auch. Was soll ich tun, Master al Mecca?" - "Sei nicht so introvertiert. Sprich mal mit den anderen, mach irgendwas mit uns allen und lass zu, dass ich dich auch bei den anderen berühre. Du darfst nicht immer davon rennen, wenn du dich wegen einer Flügelmassage wohl fühlst und das auch zeigst. Alle anderen wissen, wie es ist, wenn ein Veela eine Flügelmassage bekommt." Damit kann ich schon eher arbeiten.

Schnell antworte ich: "Ja Master al Mecca, ich versuche Eure Wünsche zu erfüllen. Was kann ich noch tun? Mit meinem Aussehen?" - "Kannst du deine Haare wachsen lassen oder mit Magie verlängern?" - "Ja, Master al Mecca. Wie lang möchtet Ihr meine Haare haben?" - "Ungefähr so." Mein Master legt seinen Zeigefinger ungefähr in die Mitte meines Nackens und ich zucke zusammen. Nicht schon wieder!

"Was ist?", fragt er irritiert. "Ich bin erschrocken, Master al Mecca." - "Ach so, aber trotzdem, findest du es so unangenehm, wenn ich dich dort anfasse?" - "Nein, Master al Mecca, nicht wenn wir alleine sind, aber wenn die anderen zusehen, mag ich es überhaupt nicht. Es ist sehr demütigend…" Ich hasse es. Auch, wenn wir alleine sind. Ich fühle mich immer so ausgeliefert.

Konzentriert schliesse ich meine Augen, dann lasse ich meine Haare langsam wachsen. Es ist nicht sonderlich angenehm für meine Kopfhaut.

Master al Mecca lächelt und kämmt mit seinen Fingern alle Haare nach hinten zu einem kleinen Zopf. Dann nimmt er ein Haargummi von seinem Handgelenk und bindet es darum.

"Woher habt Ihr das Haargummi?", frage ich überrascht. "Von Dad. Er lässt diese Dinger überall rumliegen. Ich sammle sie wieder ein und gebe sie ihm zurück" - "Oh. Denkt Ihr nicht, dass er was dagegen hat, wenn ich das trage, Meister al Mecca?" - "Nope." - "Und... Gefalle ich Euch jetzt ein wenig besser, Master al Mecca?", frage ich vorsichtig nach. "Ja, das tust du." Mein Master streichelt über meine Haare, dann legt er sich wieder ins Bett.

Auf dem Wecker sehe ich, dass es schon fast fünf Uhr ist. "Müsst Ihr heute arbeiten, Master al Mecca?" - "Nein, du?" - "Nein, Master al Mecca." - "Du musst nicht jedes Mal 'Master al Mecca' anhängen. Master reicht." - "Ja Master al -... oh. Ups." Mein Master lächelt und sagt: "Es macht nichts, wenn du es vergisst." Ich nicke hastig. "Danke Master. Kann ich noch etwas an mir verändern?" - "Lächle mehr, denn dann bist du wirklich hübsch." Gegen meinen Willen tu ich das dann auch.

Zufrieden kuschle ich mich nahe an ihn und murmle: "Ich will doch nur, dass Ihr Freude an mir habt und dass ihr Euch nicht schämen müsst, wenn ich bei Euch bin", sage ich leise gegen seine Schulter. "Das tue ich auch nicht." Master al Mecca dreht sich zu mir, legt seine Arme um mich und küsst mich sanft auf die Stirn. Dies war der erste Kuss, den ich je von ihm bekommen habe!

"Master..." - "Hm?" - "Ihr habt mich geküsst!" - "Ja. Du bist mein Veela, also darf ich dich küssen." - "Ja Master! Ich habe auch nichts dagegen, ich bin nur überrascht... und glücklich." - "Dann ist ja gut." Nochmals küsst er mich auf die Stirn, dann sogar noch auf die Lippen.

Plötzlich sagt mein Master: "Ich möchte dir ein schönes erstes Mal schenken." Überrascht sehe ich ihn an. "Wirklich, Master?" - "Ja. Aber wir haben noch mehr als ein Jahr Zeit." - "Ja Master. Ich kann verstehen, dass Ihr noch nicht bereit seid."

Master al Mecca sieht mich skeptisch an, dann legt er sich zurück und fragt: "Machen wir morgen etwas zusammen?" - "Uhm... naja... Ich..." - "Was ist?" - "Ich habe mich mit meinen Freunden und meinem Bruder verabredet..." - "Du hast Freunde?!" Sein Tonfall ist nicht unbedingt nett. "Ja, Master, ich habe Freunde. Zwei. Sie sind Muggel." - "Also sind deine Freunde ungefähr dreissig? Und dein Bruder?" - "Nein, Master. Einer ist 17 und einer ist 22. Mein Bruder ist 25." - "Aber bist du in deiner menschlichen Gestalt nicht zu alt für die?" - "Ich habe einen Spruch gefunden, um meine Flügel zu verstecken, ohne mich verwandeln zu müssen, Master." - "Ach so, und was macht ihr so, wenn ihr abmacht?" - "Wir sind daran, ein Computerspiel zu erfinden. Es geht um Veelas und Dämonen und so. Ein Spieler kann aussuchen, welches Wesen er haben will und dann kann er damit spielen."

Master al Mecca grinst mich an. "Und womit spielst du?' - "Ich spiele Liam. Ein Freund, er heisst Jonathan, spielt mich, was er gar nicht weiss, und der andere, Andreas, spielt Skkylar. Mein Bruder Heero wechselt immer wieder, damit wir jedes Wesen testen können." - "Komme ich in dem Spiel auch vor?", fragt mein Master interessiert. "Ja Master. Eure Figur sieht so aus." Mit einem Finger zeige ich an die Decke und sofort erscheint da ein Bild. Die Figur sieht ihm wirklich ziemlich ähnlich.

"Gefällt mir. Wie habt ihr die Figuren gemacht?" - "Ich habe sie alle gezeichnet." - "Wow. Diese Geduld hätte ich nicht." - "Ich habe nur Euch so genau abgezeichnet. Dann hatte ich eine Entschuldigung, um Euch anzustarren, Master." - "Die Rasse Intelligenzbestie passt zu dir." - "Danke" Ich lächle leicht, "Darf ich mich jetzt morgen mit meinen Freunden treffen oder wollt Ihr, dass ich Euch irgendwohin begleite? Ihr dürft noch nicht alleine raus, oder?" - "Nein. In ein paar Wochen dann. Ich würde dich gern meinen Grosseltern vorstellen. Bist du den ganzen Tag weg?" - "Ich kann absagen, Master." - "Beantworte doch einfach diese bescheuerte Frage." - "Bitte verzeiht, Master, ich bin von eins bis halb zwölf weg, wenn ich gehen darf", sage ich kleinlaut.

"Na geht doch. Dann gehen wir am Morgen zu meinen Grosseltern. Mein Grandpa ist eh nicht so fit, dass er uns den ganzen Tag ertragen könnte, er ist schon 94 und ein normaler Mensch." - "Oh... und dürft Ihr mich einfach mitnehmen?" - "Klar. Grandpa meint schon lange, dass er dich kennenlernen möchte." - "Kommt Sahir auch mit?" - "Nein. Er geht alle vier Wochen und ich alle sechs, sodass wir nur jedes zweite Mal miteinander da sind und Dad darf sein Bett im Moment ja eigentlich sowieso nicht verlassen." Ich nicke leicht.

Mein Master fragt mich: "Du magst ihn am meisten, oder?" - "Ja. Aber er tut mir sehr leid wegen seinem Freund." - "Sirius ist ein kompletter Vollidiot."

Mein Master legt einen Arm um mich und streichelt mit einem Finger sanft über meinen einen Flügel. "Au... Master, das tut weh", sage ich ganz leise. Vielleicht ist das ja sein Ziel, aber vielleicht hört er ja auch auf. Verwirrt fragt er: "Was? Warum?" - "Naja... die Nadeln von dem Band haben meine Flügel verletzt." - "Warum hast du dich nicht geheilt?" - "Wenn Ihr mich für etwas bestraft, dann heile ich mich nicht selber, das würde ja die Strafe unsinnig machen, Master." - "Oh. Richtig. Deine Flügel darfst du immer heilen." - "Danke, Master." Mit einem gedachten Zauber schliesse ich die zahllosen, kleinen Wunden auf meinen Flügeln.

"Darf ich deine Flügel jetzt wieder anfassen?", fragt Mein Master. "Das dürft Ihr immer, Master. Auch wenn sie verletzt sind." Er erwidert nichts. Er streichelt mich nur sanft weiter. Leise will ich wissen: "Darf ich schlafen, Master? Ich bin so müde..." - "Natürlich. Gute Nacht."

Aber ich bin zu müde, um etwas zu erwidern.

###

Am nächsten Morgen wache ich alleine auf. Die Dusche rauscht in unserem eigenen, kleinen Badezimmer und Master al Mecca singt etwas vor sich hin. Zufrieden überlege ich, dass ich ja einfach liegenbleiben und mich schlafend stellen kann. Vielleicht weckt er mich ja mit einem Kuss?

Wo denke ich nur hin? Nur weil er gestern ausserordentlich nett war, heisst das nicht, dass er es heute auch wieder ist. Langsam stehe ich auf und gehe ebenfalls ins Badezimmer. Die Dusche ist so verhext, dass man raus, aber nicht rein sieht. Leider.

Als ich in den Spiegel sehe, zucke ich beinahe zurück. Ich sehe mit längeren Haaren ziemlich viel anders aus. Trotzdem kämme ich sie kurz und versuche dann, sie ordentlich zusammenzubinden, allerdings klappt das nicht wirklich. "Lass es sein, ich mach es nachher", sagt Master al Mecca aus der Dusche. "Ja Master."

Konzentriert wasche ich den schmalen Blutstreifen, den das Dornenband hinterlassen hat, aus den weissen Federn. Warum können diese Dinger nicht einfach schwarz sein?! Dann wären sie nicht so heikel!

"Kannst du uns nachher zum Menschentaxi hinüberfliegen?", fragt Master al Mecca weiter. "Ich kann nicht fliegen, Master", sage ich, "Meine Flügel machen nie das, was ich will." - "Wirklich? Aber wie lange hast du sie schon?" - "13 Jahre, aber ich habe es gar nie richtig versucht. Wenn Ihr wollt, dass ich das lerne, frage ich Sahir." - "Ich bin mir nicht sicher, ob Dad überhaupt fliegen kann, aber Liam und Ric können es sicher." - "Oh... dann frage ich Liam." - "Warum nicht Ric? Also ich mag ihn ein wenig lieber als Liam, der klebt nämlich immer so an Skkylar." - "Weil Godric mich ständig berührt, Master. Ich mag das nicht. Darf ich trotzdem zuerst Euren Vater fragen, Master?" - "Ja, sicher."

Ohne irgendwelche Schamgefühle tritt Master al Mecca aus der Dusche und trocknet sich ab. Ich merke nicht, dass ich meine Hände sinken lasse und ihn im Spiegel einfach nur anstarre.

"Gefällt dir, was du siehst?", fragt er grinsend. Schnell wende ich den Kopf und tu so, als würde ich das blutverschmierte Tuch konzentriert auswaschen. Trotzdem wandert mein Blick wieder zum Spiegel. Mein Master steht da wie Merlin ihn erschaffen hat und grinst anzüglich.

"Bitte verzeiht, dass ich Euch angestarrt habe, Master", sage ich mit schlecht kontrollierter Stimme, dann mache ich mich wirklich daran, das Tuch zu säubern. Master al Mecca lacht leise und tritt von hinten an mich ran. Meine frisch geputzten Flügel werden wieder nass.

Möglichst ohne ihn zu beachten, mache ich mit meiner Arbeit weiter, doch wann immer sein Blick den Meinen durch den Spiegel auffängt, zucke ich zusammen. Sein Atem in meinem übersensiblen Nacken macht das ganze auch nicht besser.

"Es reizt mich gerade, dir einen hübschen, kleinen Knutschflecken auf deinen Nacken zu machen. Fändest du das schön?" Ich schlucke schwer. "Ich... Ich weiss nicht, Master...", murmle ich leise, "Ich glaube nicht…" Ich will das meinen Freunden nicht erklären und schon gar nicht meinem Bruder. Dieser weiss logischerweise, was ich bin, wem ich gehöre und was ich mit mir machen lasse. Er ist kein Veela. Er ist ein Vampir und dazu noch ein ziemlich unmenschlicher. Ich muss so schon jedesmal aufpassen, dass er meinen Freunden nichts verrät.

"Warum denn nicht?", fragt er mit seinen Lippen schon auf meiner Schulter. "Wenn mein Bruder das sieht, dann wird er mich vor meinen Freunden fragen, woher ich das habe und ich kann ihn nicht anlügen, weil er meine Gedanken lesen kann und wenn meine Freunde herausfinden, dass ich einen Mann... als Partner habe, dann..." - "Dann was?", fragt Master al Mecca nicht so gut gelaunt.

Wenn ich jetzt weiterrede, dann wird er richtig wütend. "Nichts, Master, es ist schon in Ordnung." - "Was passiert, wenn sie es herausfinden, Aley? Schämst du dich dann?", fragt er giftig. Ich senke den Kopf und murmle hastig: "Nein Master, dann werden sie nicht mehr meine Freunde sein wollen, weil Schwule in der Muggelwelt nicht gern gesehen sind. Zumindest nicht überall." - "Das heisst, ich muss jetzt für immer darauf achten, dass ich nichts mit dir anstelle, was man eventuell sehen könnte?" Ja... eigentlich schon…

"Nein, Master, es ist okay. Wenn Ihr mich dafür ein bisschen mehr mögt, brauche ich sie nicht", sage ich traurig. Es war schon nicht einfach für mich, eine Freundschaft mit ihnen aufzubauen… "Gut, du wirst dich heute nämlich auch nicht mit ihnen treffen." Traurig lasse ich meine Flügel hängen und murmle: "Ja Master. Darf ich ihnen das noch mitteilen?" - "Deinem Bruder, ja."

"Accio, mein Handy", sage ich leise. Das Gerät kommt sofort in meine Hand geflogen. Ironischerweise schaffe ich es, das Handy mit Magie vor der Magie zu schützen, damit es gut funktioniert.

"Ich möchte die Nachricht lesen", sagt Master al Mecca, als ich geschrieben habe. Ich nicke und reiche ihm das Telefon.

Ich kann heute nicht kommen, tut mir leid, mein Master hat es mir verboten.

Er nickt und entscheidet: "Okay. Ich möchte ab jetzt immer wissen, wem du was schickst, klar?" - "Ja Master." Er geht von mir weg.

Zwei Minuten später surrt mein Handy. Schnell frage ich meinen Meister: "Ich habe eine Nachricht bekommen, wollt Ihr die auch lesen?" Master al Mecca nickt und streckt fordernd seine Hand hin.

"Was ist dein Passwort?", fragt er. Etwas beschämt nenne ich es ihm leise und undeutlich. Verständnislos fragt er: "Was?" - "Iskandar. Das ist mein Passwort..." - "Ach so. Ist das nicht etwas zu einfach?" Ich zucke mit den Schultern. "Die, die wissen, wie man das Handy bedient, wissen nicht wer Ihr seid und umgekehrt." - "Dein Bruder?" - "Der kann in meinen Gedanken danach suchen, Master." - "Okay. Was ist das im Hintergrund? Sind das etwa deine Federn?" - "Ja, Master. Um die Nachricht zu lesen, müsst Ihr den oberen Balken nach unten ziehen und darauf drücken... Nicht so fest, sonst geht es kaputt."

Sobald Master al Mecca die Nachricht geöffnet hat, sagt er: "Okay, also dein Bruder schreibt: Was hast du getan, um dieses Verbot zu kriegen, ist es dauerhaft und wo bist du heute Abend um sieben?" - "Darf ich selbst zurückschreiben, Master?" - "Nein. Also ich schreibe: Ich habe das Verbot bekommen, weil ich mich ihm widersetzt habe. Ja, es ist dauerhaft und heute Abend um sieben bin ich wieder auf Schloss Satanus in den Sklavenquartieren, warum auch immer dich das interessiert." - "Ja Master", sage ich leise. Ich habe mich ihm nicht widersetzt. Ich habe nur seine Frage beantwortet.

"Geh dich anziehen, ich will jetzt dann gehen. Das Handy bleibt vorläufig bei mir", entscheidet er. Mir bleibt nichts als zu sagen: "Ja Master."

Schnell ziehe ich die Jeans und das Shirt an, die in meinem Schrank hängen. Schuhe und Jacken habe ich mir selbst gekauft. Muggeltauglich.

Kurze Zeit später stehen wir vor einem hübschen Haus mit einem grossen Garten. Eine alte Veela kniet vor einem Beet und hantiert etwas rum. "Hey, Grandma!", ruft Master al Mecca und steigt über das niedrige Gartentor. Die alte Frau blickt auf. Auf ihrem Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. "Cookie! Was für eine schöne Überraschung!", ruft die Frau und fällt meinem Master um den Hals. Dann erblickt sie mich. Ich weiss nicht so recht, was ich tun soll. Soll ich auch einfach in den Garten gehen?

Mein Master ruft fröhlich: "Komm schon rein, Aley. Grandma, das ist mein Gefährte Aley Orlow." Wie es sich gehört, verbeuge ich mich vor ihr und sie macht einen höflichen Knicks. "Freut mich, dich endlich kennenzulernen, Aley!" - "Ebenfalls, Ms...", sage ich leise.

Ist sie eine Mrs? Oder nicht? Sie nennt mir die Antwort gleich selbst: "Oh, mein Master hat mich geheiratet, also Mrs, aber nenn mich ruhig Sarina. Wollt ihr was zu trinken?" Sarina sieht auf ihre Uhr, "Oder was zu essen? Ich könnte euch Frühstück machen. Wie ich dich kenne, hast du das wieder vernachlässigt, richtig?" Sarina sieht meinen Master streng an und er grinst schuldbewusst. Sarina verdreht theatralisch die Augen und lacht: "Immer das Gleiche mit dir! Möchtest du auch was?", wendet sie sich an mich. "Nein danke", sage ich zurückhaltend. Lächelnd geht sie uns voraus in das Haus.

"Wir haben Besuch, Master!", flötet Sarina in die Wohnung hinein. Mr al Mecca ist ein sehr netter alter Mann. Es scheint wirklich, als würde er mich mögen.

Master al Mecca sagt den ganzen Vormittag nichts Negatives über mich oder mein Aussehen, was mich sehr entlastet. Ich finde es auch schön, dass er mich nicht knien lässt.

###

Nach dem Mittag legt sich Master al Mecca mit meinem Handy auf das Bett. Ich bleibe unsicher davor stehen.

"Darf ich zu Euch kommen, Master?" - "Ja." Ich krabble aufs Bett und dann deutet er mir, dass ich vor ihn liegen soll, sodass wir beide in das Telefon sehen. Als erstes wählt er meine Kontakte. Da findet er aber nur meinen Bruder und meine beiden Freunde. Als nächstes die Bilder. Es sind einige drauf. Von meinen Freunden, von meinem Bruder und mir, wie ich auf seiner Schoss sitze, als ob ich ein kleines Kind wäre.

Dann noch ein paar von meinen Flügeln und von Sonnenuntergängen. Dann habe ich noch einige Videos von unserem Spiel, aber auch ein paar, die mir meine Freunde geschickt haben. Ein paar sind ziemlich pervers und mein Master fragt mich nicht mal, bevor er sie löscht.

Meine Nachrichten liest er auch.

"Master, ich will nicht, dass Ihr das lest", sage ich leise, als er den Verlauf mit meinem Bruder anwählt. "Ist mir egal."

Ich habe meinem Bruder fast jeden Tag geschrieben. Wie in einem Tagebuch habe ich festgehalten, wie ich mich fühle. Manchmal hat er zurückgeschrieben, meistens nicht. Ich habe ihm geschrieben, wie verletzt ich bin, weil Master al Mecca mich nicht mag und wie gerne ich hätte, wenn er mich mögen würde.

Mein Handy ist eigentlich russisch eingestellt und ich habe mich auch auf diese Weise mit meinem Bruder verständigt, aber mein Master findet den Übersetzer sehr schnell. "Du hast eine so schlechte Grammatik?" - "Nein Master, aber dieser Übersetzer taugt nicht viel." Er nickt verstehend.

Nach einigen Mitteilungen hört mein Master auf zu lesen und wendet sich meiner Musik zu. Es sind nicht viele Lieder, aber die, die ich habe, sind allesamt beruhigend und romantisch. "Ich mag deinen Geschmack nicht", sagt er abschliessend. "Alles andere hätte mich auch verwundert, Master", sage ich leise. Er lässt das so im Raum stehen.

"Ich will euch noch was zeigen", sage ich und tippe auf meinem Handy herum, bis ich zu einem Bilderordner mit vielen Piercings komme. Es sind alles Ohrenpiercings. "Darf ich mir so eines machen lassen, Master?" Unsicher beisse ich mir auf die Unterlippe. Ungläubig fragt er: "Sowas gefällt dir?" - "Naja... Ja, aber Euch offensichtlich nicht. Es war nur so eine Idee."

Eine Weile ist es still, dann merkt er verheissungsvoll an: "Mit Piercings wirst du schon nicht zu kurz kommen, keine Angst. Ich will mal was mit dir ausprobieren." - "Was, Master?" - "Also das da fasziniert mich immer noch", sagt er und fasst mir wieder in den Nacken. Diesmal aber sanft und vorsichtig. Es ist fast angenehm, aber eben nur fast.

"Wenn du dich da zum Beispiel kratzt, ist es dann auch... erregend?" - "Nein, Master. Nur wenn es jemand anderes tut." - "Und hat es schon mal jemand ausser mir getan?" - "Nein Master! Natürlich nicht! Ich würde mich niemals von jemand anderem so anfassen lassen!" - "Hey, du sprichst hier mit dem Sohn von dem Veela, der sein ganzes Leben lang einen Freund hatte", lacht Master al Mecca. Er bewegt seine Hand leicht in meinem Nacken.

"Spürst du etwas, wenn ich dich einfach nur anfasse, oder wenn ich meine Hand bewege?" - "Wenn Ihr Euch bewegt... Master." - "Und tut es weh, wenn ich mehr drücke?" - "Ein bisschen, Master." Und das gemeine ist, dass er nur aus reiner Neugierde an mir herumfummelt.

Zu meiner Schande bemerke ich, dass ich feucht werde.

"Und das?" Mit zwei oder drei Fingern kratzt er über meine Haut. Sofort bekomme ich eine Gänsehaut. "Das ist sehr schön, Master", sage ich leise.

"In Dads Buch hat gestanden, dass solche von deiner Rasse auch am Rücken so empfindlich sind?" - "Nicht alle. Entweder ist es der Rücken oder der Nacken..." - "Ach so."

Ohne ein grosses Thema spricht mein Master noch sehr lange zu mir. Manchmal berührt er meinen Nacken, doch er bringt es nie zu Ende. Knapp vor dem Abendessen bin ich dann doch ziemlich frustriert. Ich glaube nicht, dass mein Master etwas von meiner Erregung mitbekommen hat.

Als er beschliesst, dass ich ihm was zu Essen machen könnte, nehme ich das an. Er mag sonst nichts von mir, vielleicht wenigstens meine Kochkünste. Ich koche gern. Vor allem für ihn.

Er bereitet gerade zwei grosse Dessertbecher zu, was seine Spezialität ist, als die Tür aufgeht. Abwesend wie ich bin, merke ich es nichtmal. "Aley" Erschrocken wirble ich herum zu...

"Heero?! Was machst du hier?!", rufe ich erschrocken. "Es freut mich auch, dich zu sehen, Bruder." - "Ich habe dir doch geschrieben, dass ich dich nicht treffen darf! JONATHAN?! DU HAST JONATHAN HERGEBRACHT?! DU GEHIRNAMPUTIERTER VOLLIDIOT!" - "Halte deine Zunge im Zaum, Aley, ausserdem ist Adrian auch da. Ich habe ihnen alles erzählt und sie wollten sich vergewissern, ob das stimmt." - "Ach ja. Hast du ihnen auch gesagt, dass ich ein Sklave bin, huh?" - "Ja. Und weisst du was? Du solltest ihnen vielleicht ein wenig mehr vertrauen."

Unsicher sehe ich Jonathan an. Dieser fragt grinsend: "Denkst du tatsächlich, dass wir dich abschiessen würden, nur weil du so ein Veela-Teil bist? Wir - auch du - haben immer davon geschwärmt, wie es wäre, wenn wir einen kennen würden!" - "Euch macht es nichts aus?", frage ich misstrauisch. "Naja, es ist schon komisch, aber wir werden uns daran gewöhnen", meint Adrian. Er war schon immer der ehrlichere der Beiden.

"Deine Nudeln gehen kaputt", bemerkt Adrian trocken. Als ich mich umdrehe, sind sie beinah am überkochen. Schnell hole ich sie vom Herd weg. Mein Master sitzt mit angezogenen Beinen auf dem Eckbank und hört uns schweigend zu. Solange er nichts sagt, ist alles gut.

"Ich wusste gar nicht, dass du kochen kannst", sagt Jonathan grinsend, "All die Fertigpizzas, die wegen uns draufgegangen sind..." - "Als ob ich für dich Kochen würde. So grosse Kochtöpfe hat Adrian bestimmt nicht in seiner Wohnung", sage ich. Jonathan sieht mich düster an, fragt dann aber interessiert: "Ist es richtig, dass du der Veela bist, den wir in unserem Spiel Nikolai getauft haben?" - "Ja, Nikolai ist mein zweiter Vorname." Ich lächle leicht.

"Okay. Und dann bist du also Iskandar, richtig?", fragt er weiter und wendet sich meinem Master zu. Dieser nickt und sagt: "Richtig. Übrigens müsst ihr nicht da stehen bleiben. Setzt euch ruhig. Und du auch, Aley." - "Dann kochen die Nudeln über und diesen Geruch will ich Euch lieber ersparen." Und niemand weiss, dass das 'Euch' einzig und allein an Master al Mecca gerichtet ist.

Jonathan fragt neugierig: "Und kniest du auch vor ihm?" Adrian stösst ihm den Ellenbogen in die Rippen und zischt: "Sowas sagt man doch nicht!" Ich antworte ehrlich: "Ja, tu ich, wenn er es verlangt." Wenn ich schonmal dabei bin, kann ich mich ja auch gleich ganz blamieren. Mein Master lächelt mich fast schon zärtlich an. Ob er vielleicht ein wenig stolz ist, dass ich das vor meinen Freunden gesagt habe?

Eine Weile herrscht eine unangenehme Stille. "Warum bist du hierher gekommen?", fragt Jonathan vorsichtig. "Weil mein Vater mich nicht mag und mich loshaben wollte." - "Du weisst, dass das nicht wahr ist, Aley", sagt Heero seufzend. "Ach ja? Man kann auch anders an Geld kommen, als seinen Sohn zu verkaufen!" Heero seufzt nochmals: "Was auch immer..."

Nach weiteren fünf Minuten räuspert sich Adrian: "Bist du wirklich 16? Ich meine... In unserem Spiel..." - "Nein, ich bin 29. Heero ist mein kleiner und nicht mein grosser Bruder, aber ein Veela bleibt auf dem Stand eines Sechzehnjährigen, bis er gebunden ist, weswegen Heero auch älter scheint." - "Also habt ihr nicht miteinander geschlafen?", fragt Jonathan. Adrian stösst ihm schon wieder seinen Ellbogen zwischen die Rippen und ich schüttle den Kopf.

Ich serviere meinem Master den vollen Teller und er gibt mir ein Handzeichen.

Die Faust ist ausser dem Zeige- und dem Mittelfinger ist geschlossen. Die Finger legt er flach neben sich auf den Bank, das heisst, dass ich dort sitzen darf. Wenn ich knien muss, krümmt er die beiden nun geraden Finger und wenn er will, dass ich liege, benutzt er seine flache Hand. Wenn ich die Handfläche sehe, liege ich auf den Bauch, sonst auf den Rücken. Wenn er meine Hände an einem bestimmten Ort, zum Beispiel auf seinen Knien will, tippt er mit dem Zeigefinger für die rechte Hand und mit dem kleinen Finger für die linke Hand dahin.

"Wollt ihr was zu trinken?", frage ich meine Freunde, bevor ich dem Zeichen meines Masters Folge leiste. Als sie fragen, was da ist, sind sie erstaunt über die riesige Auswahl an Süssgetränken, die wir wegen Tizian angelegt haben.

Endlich setze ich mich neben meinen Master. Jonathan und Adrian trauen sich beinah nicht, Master al Mecca in die Augen zu sehen, doch der isst nach einem leisen 'Danke' schweigend seine Portion und ich räume seinen Teller ab. Er sagt nicht, ob es ihm geschmeckt hat, also dann wahrscheinlich nicht.

Es ist komisch mit meinen Freunden und meinem Bruder. Er scheint aber heute ausserordentlich menschlich zu sein. Um elf Uhr brechen sie wieder auf und ich komme endlich dazu, die Küche zu reinigen. Warum niemand gekommen ist, um für die Königsfamilie zu kochen weiss ich nicht, aber es kommt mir ganz recht.

"Ich bringe dir bei Zeiten mal das Würzen bei", meint Master al Mecca nach einer Weile und ich lasse meine Flügel hängen. Natürlich mochte er das Essen nicht. Ich habe es ja gemacht. "Ja Master", murmle ich leise. Konzentriert schrubbe ich mit einem Schwamm auf der blitzblanken Oberfläche herum, nur um mich nicht zu ihm umdrehen zu müssen.

"Ich bin müde, Master, darf ich schlafen gehen?", frage ich, als er wohl langsam merkt, dass meine Putzarbeit eigentlich schon lange beendet gewesen wäre. Mit einem Nicken schickt er mich weg. Schnell verlasse ich die Küche und fliehe in die Quartiere.

"Wie ist es gelaufen?", fragt eine Stimme aus der Dunkelheit. Es ist Sahir. Bei ihm sind noch Skkylar, Godric, Onyx und Liam, den ich erst beim zweiten Mal sehe, weil er sich unter einer Decke nah zu Skkylar gequetscht hat. Zögerlich antworte ich: "Er hat mir die Manschetten abgenommen..." - "Wunderbar und weiter?" Ich zucke mit den Schultern und ergänze: "Er mag mich und alles was mit mir zu tun hat immer noch nicht." - "Dein Aussehen also auch nicht, was? Wegen den längeren Haaren, meine ich. Sieht übrigens gut aus." Ich lächle schmal. "Danke... Und nein, das mag er auch nicht." - "Was ist mit dir? Magst du ihn?" - "Ja. Sehr." - "Gibt es Momente, wo er lieb ist zu dir?" Ich muss eine Weile nachdenken, bis mir einfällt: "Es geht. Er ist ziemlich launisch. Aber heute Abend zum Beispiel waren meine Freunde da und er hat kein einziges negatives Wort über mich gesagt." Es ist nicht so toll, das vor den anderen auch noch vorzutragen, doch eigentlich ist es mir egal.

In einem unglücklichen Versuch, mich aufzuheitern, sagt Sahir: "Dann will er dich nicht vor anderen demütigen, das ist doch gut." - "Du hast gestern gesehen, was er mit mir gemacht hat, ich glaube nicht, dass es daran liegt." - "Na gut, er will dich nicht vor Leuten demütigen, die du magst." - "Ich mag dich", sage ich protestierend. Überrascht sieht er mich an. "Wirklich? Ich mag dich auch", grinst er. Ich lächle. Ich bin auch überrascht.

Entscheidend, dass ein besserer Zeitpunkt nie kommen wird, frage ich: "Ich habe eine Bitte... Kannst du mir das Fliegen beibringen? Mein Master will, dass ich es kann." Sahir sieht mich entschuldigend an. "Ich kann es auch nicht, sorry." - "Warum nicht? Ich hätte es dir sehr gerne beigebracht", fragt Godric verwundert.

Sahir breitet seine Flügel aus. Sie sind unheimlich elegant gebogen. "Wer merkt es zuerst?", fragt Sahir seufzend. "Oh", murmelt Skkylar als erster. "Was ist?", will Liam wissen. "Die wichtigsten Federn sind weg." - "Was? Welche?" - "Breite mal einen Flügel aus." Liam tut es und blickt einige Male hin und her. Die kleinen Federchen, die die Flügel aerodynamisch machen, sind grösstenteils verschwunden.

"Ist das schon immer so?", frage ich Sahir irritiert. "Nein. Mein Gefährte hat sie mir ausgerissen, damit ich nicht mehr fliegen kann." - "Oh... Mochtest du das Fliegen?", will Godric wissen. "Sicher, wer liebt es nicht?", lächelt Sahir, "Vielleicht nimmt mich Iskandar ja mal mit. Wo ist er überhaupt, Aley?" - "Ich weiss nicht... Ich habe ihm gesagt, dass ich schlafen gehen will." - "Dann gute Nacht", sagt Godric lächelnd. Unsicher lächle ich zurück, dann verschwinde ich in unser Zimmer, wo ich meine Kleider auf den Boden des Schrankes werfe und mich dann nackt auf meine Matratze hinlege.

Als ich noch ein Kind war, habe ich immer nackt geschlafen, doch in dem Massenschlag ging das dann nicht mehr so gut. Vielleicht sieht Master al Mecca so ein wenig was von mir, das ihm vielleicht gefällt.

Ich bin noch wach, als Master al Mecca reinkommt. Von meiner dunklen Ecke aus beobachte ich ihn beim Umziehen. Ich habe absolut keine Schuldgefühle deswegen.

Nackt latscht er durchs ganze Zimmer, während er sich die Zähne putzt. Er sieht traumhaft aus. Obwohl er erst 15 ist, hat er sehr schön definierte Muskeln, worauf ich ziemlich stehe. Für mich ist das ein Zeichen der Sicherheit. Schliesslich bleibt er vor seinem Schrank stehen, bückt sich, und holt etwas heraus. Ich kann mir ein Seufzen fast nicht verkneifen bei dem Anblick dieses Hinterteils. Er hat wohl was von mir gehört, denn er dreht sich um und geht vor mir in die Hocke.

"Bist du wach?", fragt er so leise, dass er mich nicht aufwecken würde, wenn ich es nicht wäre. "Ja Master, kann ich etwas für Euch tun?", frage ich in der Hoffnung, er würde sich in sein Bett bitten. "Nein, ich wollte nur wissen, ob du schläfst. Gute Nacht." - "Gute Nacht, Master."

###

Es dauert einige Wochen, bis ich am Morgen davon aufwache, dass er mich berührt. Mit seinen Fingern streift er sanft über meinen nackten Rücken. In der Nacht muss ich mich auf den Bauch gedreht und die Decke weggeschüttelt haben. Ganz zart streichelt er über meinen Hintern...

"Das ist sehr schön, Master", sage ich leise und er zieht seine Hand so schnell zurück, als hätte er sich verbrannt. Ich hätte besser nichts gesagt.

"Ich dachte, du schliefest, tut mir leid." - "Ihr dürft mich immer anfassen, Master. Ich habe nichts dagegen, ich wünschte, ihr würdet es öfters tun." - "Du hörst dich billig an, wenn du das sagst, das ist dir klar, oder?" - "Es tut mir leid, Master", sage ich leise, "Soll ich aufstehen und für Euch Frühstück machen?" - "Nein, das macht Skkylar heute. Aber aufstehen solltest du trotzdem."

Sofort stehe ich auf. Master al Meccas Blick folgt mir, bis er merkt, dass ich es gesehen habe. Ich glaube, er mag meinen Körper. Mir wird schwindelig vor Glück, weswegen ich taumle und gegen ihn stosse, als er zu mir kommt. Sofort ziehe ich in Erwartung einer Ohrfeige meinen Kopf ein, doch stattdessen gibt er mir einen unsanften, aber schmerzlosen Klaps auf den noch nackten Hintern. "Pass auf, wohin du läufst", sagt er amüsiert. "Es tut mir leid, Master", sage ich leise.

Mein Master sagt nichts darauf und zieht sich an.

Manchmal gibt Master Satanus uns Zaubererroben, manchmal Muggelkleidung. Ich mag es, wenn mein Master Zauberroben trägt. Seine grosse Gestalt sieht darin sehr beeindruckend aus.

"Aaaaaaleeeeeey!", ruft Master al Mecca und ich sehe ihn erschrocken an. "Ja Master, habe ich was falsch gemacht?" - "Nein, aber du solltest dich wirklich langsam anziehen, so gerne ich deine Haut auch sehe." - "Ihr mögt meinen Körper?", frage ich erfreut nach. "Natürlich tu ich das. Welcher Veela hat denn bitte keinen perfekten Körper?" - "Welcher Veela gefällt denn seinem Master nicht?", frage ich sarkastisch nach, "Offensichtlich bin ich der einzige, der das geschafft hat, also lasst mir bitte die Freude daran, dass ihr irgendetwas an mir mögt, Master", bitte ich ihn.

Ich nehme meine Kleidung und ziehe mir sie schnell über. Welcher Idiot hat bitte Hemden erfunden? Da muss man Knöpfe zumachen wenn man sie anziehen will und dann zieht man das Hemd über den Kopf aus und wenn man es waschen muss, muss man jeden einzelnen Knopf wieder aufmachen, damit sie nicht ausreissen.

Um Punkt neun Uhr bekomme ich den Zettel mit den Aufgaben und mache mich schnell daran, sie zu erfüllen. Leider muss ich so sehr an meinen Master denken, dass ich nicht mehr fertig werde damit.

"Aley!", ruft Master Satanus mich, sobald ich fertig bin. Ich gehe schnell zu ihm und er tadelt mich: "Du hattest eine Stunde zu lang. Was hast du nur getan?" - "Ich konnte meine Gedanken nicht von Master al Mecca lösen", sage ich ehrlich und nicht im Geringsten beschämt. "Ihr seid doch noch gar nicht gebunden", schmunzelt der Dämon. "Nein, aber er ist auch so ein Grund zum Träumen." Master Satanus lächelt und sagt: "Na gut, aber bestrafen muss ich dich trotzdem. Eine Stunde sind zwei Aufgaben gewesen, also bekommst du...?" - "Ich weiss nicht, Master?", sage ich unsicher. Sollte ich das wissen?

"Redet ihr nie miteinander über solche Sachen?" - "Die anderen wahrscheinlich schon, Master Satanus, aber ich rede fast die mit ihnen..." - "Ach so. Pro Aufgabe sind es zehn Schläge mit diesem Seil, also 20 für dich." - "Und die Flügel, Master Satanus?", frage ich schüchtern. Er kann doch nicht...

"Strecke sie zur Seite." - "Werdet Ihr sie dann nicht trotzdem treffen?" - "Selbstverständlich nicht. Und zeige mir noch, wo die Grenze zu deinem empfindlichen Bereich im Nacken ist." Mit dem Zeigefinger ziehe ich sie nach. "Da, Master Satanus." - "Wenn du willst, kannst du deine Hände darauf legen, aber ich verspreche dir, dass ich dort nicht treffen werde. Ich habe mittlerweile ziemlich viel Übung, du kannst Godric fragen."

Ich nicke, aber decke den Bereich trotzdem mit meinen Händen ab. "Ohne Hemd", lächelt er. "Oh. Entschuldigung." Schnell entledige ich mich meines Hemdes und stehe dann verkehrt vor ihn hin.

"Iskandar hat dich schon ausgepeitscht?", fragt er mich geschockt. "Ja Master Satanus, warum?" - "Wegen den roten Striemen. Wie viele hast du bekommen und wofür?" - "33, weil ich ihn angefaucht habe, Master Satanus." - "Oh. Warum hast du ihn angefaucht?" - "Weil er mir aus Versehen auf den Flügel gestanden ist und ich noch im Halbschlaf war. Ich habe nicht nachgedacht." - "Ach so. Aber warum liegen denn bitte deine Flügel so, dass er drauftreten kann?" - "Ich schlafe nicht bei ihm im Bett, sondern auf einer Matratze und ich ich habe beim Schlafen meine Flügel über den Boden ausgebreitet."

Master Satanus sagt nichts mehr, dann spüre ich ein Seil zart über meinen Rücken streichen. Dann kommt der erste Schlag. Er schlägt nicht sehr fest. Natürlich tut es weh und natürlich zucke ich zusammen, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt.

Die Schläge kommen in kurzen, regelmässigen Abständen, sodass ich wenigstens nicht jedes Mal erschrecke. Ich zähle nicht mal im Kopf mit und eigentlich bin ich ziemlich überrascht, als es schnell fertig ist.

Nicht ein einziges Mal hat er meine Finger oder meine Flügel getroffen.
"Du kannst gehen. Nächste Woche keinen Ausgang für dich, aber morgen hat du trotzdem frei, weil du dich um Iskandar kümmern musst." - "Ja, danke Master Satanus." In der Nacht von heute auf morgen wird Iskandar seine Flügel bekommen.

###

Besorgt sieht Sahir mich an, als ich reinkomme. "Hast du eine Strafe bekommen?", fragt er gleich und ich nicke. "Wie viele?" - "20." - "Kannst du dich nicht heilen?" - "Eine Strafe ist unsinnig, wenn ich mich nachher heile, nicht?" - "Auch wieder wahr. Wo ist mein Sohn?" - "Ich weiss nicht..." Unsicher setze ich mich zu ihm.

"Warum gehst du nicht einfach dahin, wo du die letzten 30 Jahre auch warst?", fragt mich der Vampir, der mittlerweile kein Vampir mehr ist, giftig. Ich senke den Kopf. "Mein Master will, dass ich hier bin", murmle ich. "Ich werde mit ihm reden, wir wollen dich nämlich nicht hier." - "Ich weiss." Sahir seufzt leise. "Lass ihn in Ruhe, Skkylar. Er gehört nunmal zu Iskandar und er hat dir ja auch nichts getan, oder?" Sahir lächelt mich aufmunternd an und legt seine Hand auf meinen Arm. Auch wenn ich die Berührung nicht mag, beruhigt sie mich trotzdem, was mich verwirrt.

Master al Mecca kommt ein paar Minuten später rein. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt. "Was ist denn mir dir los?", fragt Godric schockiert. "Ich habe Rückenschmerzen. Wahrscheinlich wegen den Flügeln... Aley, massiere mich", befiehlt er mir. Er setzt sich zwischen meine Beine. Vorsichtig beginne ich ihn zu massieren. "Nein, nicht da, weiter unten... Genau da..." Mein Master seufzt erleichtert.

Er tut mir leid, als er sich ins Bett schleppt. Sahir überredet ihn, dass er noch duschen sollte, immerhin musste er im Garten arbeiten. Sie sind schon auf halbem Wege (Sahir stützt Master al Mecca), als ich meinen Master einfach sauber zaubere.

Unter meiner Decke ziehe ich mich aus und kuschle mich dann in die weichen Laken. Sahir dirigiert seinen Sohn ins Bett zurück. Dann setzt er sich im Schneidersitz zu ihm.

"Warst du dabei, als Jason seine Flügel bekommen hat?, fragt mein Master seinen Dad. "Nein, aber bei Dave. Um Mitternacht ist es vorbei. Soll ich dich weiter massieren?" - "Nein... Aley..." Damit Sahir keinen Blick auf meinen nackten Körper werfen kann, wickle ich die Decke um mich, dann knie ich mich zu meinem Master aufs Bett und beginne ihn erneut zu massieren.

"Warum darf Aley nicht bei dir im Bett schlafen?", fragt Sahir. "Durftest du ja auch nicht", murmelt Master al Mecca. "Ja schon, aber..." - "Ich finde es besser so." - "Aber..."

"Lass gut sein", sage ich leise zu Sahir. Dieser seufzt leise: "Ich will doch nur, dass ihr eine gute Beziehung zueinander habt..." - "Lass es Dad. Ich lass ihn schon nicht zu kurz kommen." - "Okay, aber wenn irgendwas nicht gut ist, Aley, kannst du zu mir kommen." Ich nicke leicht. Als ob ich das tun würde.

Um Mitternacht spüre ich, dass etwas von innen gegen Master al Meccas Haut drückt und ich lasse die Finger von ihm. Leise stöhnt er auf, dann schreit er los. Sahir umarmt ihn väterlich und murmelt beruhigende Worte. Es fällt mir immer schwer, Sahir als Master al Meccas Vater anzusehen.

"Es heilt nicht", bemerke ich besorgt. "Das ist so bei Dämonen. Das braucht ein, zwei Tage. Shsht, Iskandar. Sie sind wunderschön. Darf Aley sie streicheln?" Mein Master zittert und vergräbt sich in Sahirs Umarmung. Ein wenig schüttelt er den Kopf, doch dann nickt er.

Vorsichtig berühre ich die blutigen, dunkelroten, ledernen Flügel, die wie tote Geschöpfe von Master al Meccas Rücken hängen. Mein Master reagiert nicht darauf. Er kuschelt sich nur weiter an Sahir und lässt sich von ihm trösten. Irgendwie fühle ich mich ein wenig überflüssig. "Kann ich etwas für Euch tun?", frage ich unschlüssig. "Könntest du bitte warmes Wasser und ein Tuch holen?", bittet mich Sahir. Sofort gehe ich das Gewünschte holen.

"Willst du seine Flügel waschen?", fragt Sahir. Ich nicke und setze mich wieder zu ihnen. Mit zitternden Händen breite ich seine Flügel aus und beginne sie behutsam abzutupfen. Sahir lächelt und sagt: "Du darfst ruhig darüberreiben. Seine Flügel sind nicht so empfindlich wie unsere." - "Ist es in Ordnung für Euch, Master al Mecca?" Mein Master nickt gegen Sahirs Schulter.

Gegen sechs Uhr lässt Sahir meinen Master langsam los und er legt sich auf dem Bauch auf das Bett. Sahir setzt sich wieder ans Bettende zurück, doch dann legt er sich quer darüber. Er ist totmüde.

Die ganze Zeit habe ich planlos unter einer Decke neben den beiden gesessen und mich gefragt, was ich tun könnte. Schliesslich habe ich damit begonnen, mit einer von Sahirs langen Federn zu spielen. Dieser hat mich kurz angelächelt und dann weiter mit meinen Master gekuschelt. Ich bin nicht wirklich eifersüchtig auf Sahir, aber ich würde trotzdem gerne an seiner Stelle sein.

"Aley, komm hierher", sagt mein Master leise. Ich krabble sofort zu ihm und sehe ihn fragend an. Er zieht seine Hand unter der Decke hervor und legt sie flach neben sich. Ich kuschle mich an ihn.

"Du gibst Handzeichen?", fragt Sahir schläfrig. "Mhm", grummelt Master al Mecca in meine Haare. "Hm", gibt Sahir zurück.

Bis um 11 Uhr bleibe ich wach, dann schlafe ich langsam ein.

Aufwachen tu ich, weil ich zu warm habe. Als ich meine Augen öffne, sehe ich erstmal nichts. Dann merke ich aber, dass ein Flügel meines Masters über mir liegt. Vorsichtig rolle ich darunter hervor.

"Master, seid Ihr wach?", frage ich flüsternd. "Ja. Machst du mir Frühstück?" - "Natürlich, was hättet Ihr denn gerne?" - "Einen nicht-schmerzenden Rücken?", fragt mein Master kleinlaut. "Habe ich leider nicht im Angebot, tut mir leid. Aber vielleicht Kuchen?" - "Willst du, dass ich wieder so fett werde, wie ich mit zehn war? Ein Yoghurt..." - "Okay. Aber Ihr seid nicht fett gewesen. Nur etwas pummelig" - "Fett" - "Nein" - "Doch" - "Nein" - "Widersprich mir nicht, Aley." - "Es tut mir leid, Master, aber..." - "Ich bin nur zu faul, um dich jetzt zu strafen", sagt Master al Mecca, der es anscheinend nicht mehr witzig findet. Ich senke den Kopf, ziehe mich hastig an und hole in der Küche das Morgenessen für meinen Master. Ich wollte doch nur ein wenig rumblödeln.

Wenn ich für ihn Essen mache, gebe ich mir immer mehr Mühe, also lege ich noch einen Keks auf das Erdbeerjoghurt und eine Orange stecke ich auf den Rand der Schale.

So serviere ich das dann. Hungrig stürzt sich mein Master darauf und ich bleibe unsicher neben dem Bett stehen. Gilt sein Handzeichen noch?

Jedenfalls gibt er mir ein neues. Ich muss neben dem Bett knien mit meinen Händen überkreuzt die Matratze berühren. Irritiert sieht er mich an. "Andersrum", murmelt er. Mich hat es auch verwundert, warum ich die Arme verkehrt halten muss.

"Bekomme ich nachher eine Strafe, Master?" - "Nein..." - "Danke Master." Ich senke kurz den Kopf, um meine Dankbarkeit auszudrücken.

Nach einer Stunde tun meine Knie weh und ich sehe endlich auf. Mein Master ist eingeschlafen. Trotzdem bleibe ich in meiner schmerzhaften Position, er hat sie ja angeordnet. Eine halbe Stunde muss ich noch ausharren, dann wacht er wieder auf.

"Darf ich aufstehen, Master?", frage ich bettelnd. "Huh?", fragt er verpennt. "Naja... meine Knie tun weh..." - "Ach so. Ja, darfst du." Meine Füsse beginnen zu stechen, weil sie plötzlich wieder durchblutet werden, aber ich bleibe stehen.

Nachdem ich ihm gesagt habe, wie spät es ist, beschliesst er aufzustehen. Sein Rücken weist nur noch verkrustete Haut auf.

Probeweise wiegt er seine Flügel hin und her, bis er mit der Kontrolle zufrieden ist, dann spannt er sie auf. Ich hatte Monate, bis ich das konnte!

Seine Flügel sind riesig. Die Spannweite beträgt die Doppelte von meiner.

"Master?" - "Was ist?" - "Also erstens sind Eure Flügel einfach perfekt und zweitens: Viel Glück zum Geburtstag!" Ich fasse kurz hinter das Nachtschränkchen und hole ein kleines, silbern eingepacktes Päckchen hervor.

"Du hast mir ein Geschenk gekauft?", fragt er überrascht, "Danke!" - "Na ja... Ich habe es selber gemacht." Aufgerekt reisst er das Papier ab. "Oh bei Merlin!", ruft er aus. Er hat es sofort erkannt, obwohl er es vermutlich noch nie gesehen hat.

Es ist eine Silberschale, die meine Magie beinhaltet. Ich kann noch immer damit zaubern, aber er hat nun auch Zugriff auf meine ruhige, kontrollierte Magie, wenn er die Schale in den Händen hält.

"Euch gefällt es?", frage ich überrascht. "Ja natürlich! Das ist ja wunderbar! Aber es geht doch eine halbe Ewigkeit, um sowas herzustellen! Und es ist sehr schwer!" Dieses Verfahren wurde eigentlich für Squibs erfunden, die so einfach die Magie ihrer Eltern brauchen können. Ich nicke leicht und erkläre: "Es waren 10 Jahre. Ich habe immer wieder daran gearbeitet, seit ich wusste, dass Ihr mein Master seid."

Seine Hand legt er sanft in meinen Nacken, dann zieht er mich zu sich hin und küsst mich zart auf die Lippen. "Ich danke dir, das hast du wirklich, wirklich gut gemacht." Ungewollt beginne ich glücklich zu lächeln. "Danke Master", sage ich glücklich. Er nimmt meine Hand und führt mich in den Aufenthaltsraum. In der anderen Hand hat er die silberne Schale.

"Auch wieder bei den Lebenden?", begrüsst uns Sahir. Mein Master sieht ihn grimmig an, doch dann stimmt Godric das Geburtstagslied an und Onyx bringt einen Kuchen. Ohne meine Hand auch nur einmal loszulassen pustet Master al Mecca die Kerzen aus und setzt sich auf das Sofa. Mir bedeutet er, mich neben ihn zu setzen.

"Hast du das gemacht, Aley?", fragt Belle, die auf der Armlehne neben Sahir sitzt, erstaunt mit einem Blick auf die Magieschale. Ich nicke kurz. Belle war mal meine Freundin und nun ist das erste Mal seit dem ich sie von mir gestossen habe, wo sie wieder mit mir spricht.

"Das ist ja wundervoll! Funktioniert es, Cookie?", fragt sie neugierig. "Vermutlich. Was muss ich tun?" - "Ihr müsst die Schale in eine Hand nehmen - genau so. Und mit der anderen Hand müsst Ihr auf etwas zeigen. Wenn Ihr Euch ganz genau vorstellt, was passieren soll, tut es das auch."

"Huch!", macht Godric erschrocken, als sich sein Glas plötzlich in eine Maus verwandelt, "Oh, die ist süss, die behalte ich jetzt, danke, Cookie und Aley!" - "Oh, ich liebe das! Das ist super!" Mich freut es so sehr, dass ihm mein Geschenk gefällt.

Als er aber weiter herumspielt fragte ich: "Master, Ihr wisst schon, dass Ihr nicht beliebig viel Magie verwenden könnt, oder?" - "Ja... wie viel kann ich?" - "Wenn der Nebel in der Schale drin weiss ist, ist es voll geladen. Wenn er schwarz ist, ist sie leer." - "Aber es ist ja jetzt schon fast schwarz!" - "Ja, Master. Das ist, weil ihr ein neues Lebewesen erschaffen habt. Das braucht sehr viel Kraft." - "Ach so."

Später bekommt mein Master von Skkylar und Liam noch jede Menge Süsses. Von seinem Dad bekommt er eine wunderschöne, weisse Schreibfeder und ein Buch. Sahir sagt, dass das das Familienbuch der Familie Avery sei.

Alle erkundigen sich immer wieder nach dem Wohlergehen von Master al Meccas Rücken. Es scheint immer besser zu gehen.

"Ric, bringst du Aley und mir das Fliegen bei?", fragt mein Master. "Klar."

###

Mein Master will, dass ich die Nacht bei ihm im Bett verbringe. Er verlangt sogar, dass ich nackt bin. Seine Hände wandern sofort über meinen Körper und er sieht mich gierig an. Überrascht blinzle ich zu ihm hoch. "Master... was...?" - "Schweig." Okay...?

Er küsst mich und schon ist es mir egal, dass er mir Redeverbot erteilt hat. Immer noch überrascht, aber nun auch sehr, sehr glücklich sehe ich ihm in die Augen.

Bestimmt drückt er mich an den Schultern auf die Matratze und küsst mich erneut. Hätte ich reden dürfen, hätte ich ihn gefragt, ob ich ihn auch anfassen darf, aber ohne eine explizite Erlaubnis will ich das nicht riskieren.

"Du darfst schon sprechen, aber frag nicht nach, ja?" - "Ja Master. Danke..." Jetzt darf ich zwar sprechen, aber meine Frage darf ich trotzdem nicht stellen. "Ich würde Euch gern anfassen, Master..." - "Das darfst du."

Schon bald entwickelt sich das zu einer wilden Knutscherei. Ich spüre etwas Hartes an meinem Bein.

"Master, ihr..." - "Ich will dich!" - "... Oh... aber..." Er hat doch vor drei Wochen oder so noch gesagt, dass er noch nicht bereit dafür ist? "Was ist?", fragt mein Master kontrollierend. "Naja... Ihr habt vor ein paar Wochen erst gesagt, dass Ihr das nicht wollt..." - "Hm. Ja, weil ich ein noch nicht sechzehnjähriger Dämon war und... ach was, ich habe gesagt, dass du nicht fragen sollst." Seine Lippen treffen erneut auf meine, diesmal aber nicht so sanft.

"Es tut mir leid, Master", sage ich leise, als er kurz Luft holt, und öffne gehorsam meine Beine. Wenn er mich brauchen will, dann ist es selbstverständlich seine Entscheidung, wann er das tut.

"Du bist unsicher." - "Ja Master. Ich mache das zum ersten Mal." - "Das hoffe ich." Ich nicke leicht und versuche mich zu entspannen. Es wird schon nicht weh tun.

Es tut verdammt weh. Mit zwei Fingern erkundet er mich neugierig, doch für mich ist es einfach nur schmerzhaft. Ich fühle mich, als würde er mich zerreissen. Ich sage nichts. Ich nehme an, dass das dazugehört und dass ich das eben ertragen muss. Eine Träne kullert über meine Wange, weil ich mich bis eben noch so darauf gefreut habe, endlich von ihm gebraucht zu werden und meine Freude nun wie eine Seifenblase geplatzt ist.

Mein Vorsatz zu schweigen breche ich, sobald er mich endgültig nehmen will. Laut wimmere ich, weil es so weh tut. Sofort hält mein Master inne. "Was hast du?", fragt mein Master ungeduldig. "Nichts, Master, es ist alles gut", murmle ich schnell. Er geht von mir runter und sieht mich ärgerlich an. "Lügner! Was ist los? Habe ich deine Flügel eingeklemmt?" - "Nein, Master. Aber es fühlte sich an, als würdet ihr mich zerreissen und es hat sehr weh getan. Ihr müsst mir kein schönes erstes Mal schenken, ich finde es sowieso nicht schön." Ich verstehe auch nicht, wie es Veelas geben kann, die darauf stehen. Sind die etwa alle masochistisch?

"Bist du überhaupt zu was anderem ausser deiner Magie nützlich?", fragt mich mein Master herablassend. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Ein paar Mal will ich etwas sagen, aber dann fällt mir immer ein, dass mein Master das ja auch nicht mag. Schliesslich schüttle ich traurig den Kopf und murmle niedergeschlagen: "Ich würde alles tun, um Euch zu gefallen, Master..." - "Weisst du, was mir gefallen würde?!", fragt er zischend. Ich schüttle nochmals den Kopf. "Einen Gefährten, der auch nur ein bisschen zu mir passt, also jeder andere ausser dir!" - "Ja Master. Ich gehe morgen sofort zu Master Satanus und bitte ihn, Euch einen anderen Gefährten zu geben." - "Nenne ihn nicht 'Master' in meiner Nähe! Ich bin dein Master und niemand anderes, klar?!" - "Bitte verzeiht mir, Master!"

Master al Mecca schickt mich auf meine Matratze. Traurig sitze ich da und sehe zu ihm hoch.

"Master, warum sagt Ihr nicht einfach, dass Ihr mich nicht wollt? Dann würde ich sowieso sterben..." - "Genau deswegen. Ich will nicht, dass du stirbst!" - "Aber ich kann Euch ja sowieso nicht gefallen, also bringt es gar nichts, wenn ich weiterlebe und wenn Ihr mich sowieso nicht als Gefährten wollt..." - "Ich will nicht über dich nachdenken, sondern schlafen, also sei so gut und schweige endlich." - "Darf ich wenigstens bei Euch schlafen?" - "Als Belohnung für deine grossartige Leistung? Vergiss es!"

Weinend versuche ich zu schlafen, doch es will nicht funktionieren.

Tatsächlich gehe ich sofort zu Master Satanus, nachdem ich sein Morgenessen gemacht habe. Dankend nimmt er es entgegen und ich bleibe am Boden knien.

"Du wolltest mich noch was fragen, was Iskandar gesagt hat?" Ich sehe hoch. "Nein, Master Satanus." - "Nein? Ich dachte, du wolltest fragen, ob ich dich von ihm wegnehmen kann?" - "Ja... Nein... Eigentlich wollte ich Euch das eben nicht fragen..." - "Ach. Aber ihm wolltest du sagen, dass es nicht geht, oder?" Ich schweige und er sagt seufzend: "Aley, das geht so nicht. Du bist für Iskandar bestimmt und ich kann euch nicht einfach trennen." - "Aber er wird mich verstossen, weil ich zu nichts gut bin..." - "Du bist ein exzellenter Magier, ich denke nicht, dass du zu nichts zu gebrauchen bist." - "Es bringt ihm nichts mehr. Ich könnte mich im Nachhinein selbst ohrfeigen, aber ich habe eine Magieschale für ihn gemacht. Er kann das nun selbst tun. Er wollte gestern mit mir schlafen und nicht mal das hat funktioniert und das sollte das normalste für einen Veela sein, oder nicht?" - "Das war nicht klug, das stimmt. Und ja, es sollte normal sein, aber nicht für dich. Du hast eine Verengung. Suche im Hexnet und im Internet danach, wie du das los wirst, dann wird es dir auch Spass machen." - "Aber warum habt Ihr mir einen Gefährten gegeben, dem ich nichts Recht machen kann?" - "Das wird schon noch. Verzweifle nicht. Es geht wahrscheinlich nicht mehr lange, bis er dir endlich sagt, was er von dir will. Aber zum jetzigen Zeitpunkt weiss er es selbst noch nicht. Er merkt nur, dass etwas nicht stimmt. Er ist sechzehn und Sechzehnjährige suchen nie den Fehler bei sich, sondern bei den anderen. Du kannst gehen." - "Ja Master Satanus und... danke…"

###

Ich bin nicht glücklich über das Ergebnis meiner Recherche. Es gibt einen non-operativen Weg, aber den finde ich ziemlich demütigend. Es ist ganz einfach Stretching.

Am Abend unterbreite ich meinem Master diesen Vorschlag zögerlich. Er nickt und meint: "Gut. Um dich ein wenig zu motivieren: Solange du unnütz für mich bist, werde ich eben in Clubs gehen. Oder du machst es mir mit dem Mund. Ich habe keinen Bock, auf dich zu warten." Mir klappt der Mund auf, doch dann beschwere ich mich doch nicht.

"Ich besorge dir die... Dinger, die du brauchst."

So kommt es, dass ich ab diesem Tag immer einen leichten Schmerz in den unteren Regionen verspüre, aber jedesmal, wenn er an einem freien Tag nach London in einen Club geht, setze ich mir eine grössere Stufe ein, auch wenn es unendlich weh tut.