Das Schreiben geht weiter. Ich arbeite an der Geschichte. Habe sie nicht vergessen. Ideen sind zur Genüge da, aber ich habe nicht genügend Zeit sie ordentlich zu verschriftlichen. Daher kommen die Kapitel so unregelmäßig. ICh gelobe mich zu bessern, damit Ihr nicht zu lange auf die Fortsetzung warten müsst.
Zwischenspiel
Albus Dumbledore
Im Grunde wollten wir das Gleiche. Tom und ich. Die Zauberwelt aus ihrem Versteck bringen. Ich schreckte damals von meiner eigenen Macht zurück. Wagte es nicht diese Macht anzunehmen und sie einzusetzen. Tom? Nun Tom hatte diese Skrupel nicht. Ein vergessener Junge. Noch vor seiner Geburt verflucht. Verlassen von den Eltern, aufgewachsen unter Menschen, die ihn weder verstehen noch ihm irgendwie helfen konnten. Oder wollten. Hätte ich ihm damals geholfen, wäre es vielleicht gar nicht zu einem Krieg gekommen. Gut, Tom wird nie begreifen, was Liebe ist. Das hat der Flucht seiner Zeugung ihm verwehrt. Aber er hatte einen brillanten Verstand. Bevor seine Idee von Unsterblichkeit ihn so sehr spaltete, dass er das einbüßte.
Nach der Begegnung mit Harry in dem Verbotenen Wald, änderte sich das. Das wurde mir erst später klar. Später, aber nicht zu spät. Rechtzeitig, um die Welt von einem weiteren Krieg zu retten. Rechtzeitig, um Harry – der meinetwegen schon die Eltern verloren hat – aus meinen Plänen zu entlassen. Rechtzeitig, um den ersten verlorenen Jungen zu retten, der meine Hilfe gebraucht hatte. Rechtzeitig, um der eigenen Macht und der eigenen Stärke zu vertrauen, um der ganzen magischen Welt zu helfen.
Es hatte lange gedauert, um ihn von meinem Vorhaben zu überzeugen, noch länger davon, dass ich es ernst meine. Aber wie gesagt, Tom hat einen brillanten Verstand.
Kapitel 25
Der König ist tot, lang lebe der König!
Dumbledore ist tot. Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel. Diese Nachricht ließ uns alle erstarren. Besonders, da es der Dunkler Lord selbst war, der sie der magischen Welt verkündet hat. In tiefer und erschreckend ehrlich wirkender Trauer, trat er vor das Volk und sagte uns, dass einer der größten Zauberer magischer Geschichte den Verletzungen erlag, die er sich zuzog, als er an einem neuen Zauber arbeitete.
„In den vergangenen Monaten und Wochen wurde aus einem ehemaligen Feind, ein Vertrauter, ein Bruder-im-Geiste, ein Lehrer. Er wird schmerzlich vermisst werden. Eine Woche lang soll das ganze Land trauern. Dann richten wir uns auf und machen unseren gemeinsamen Traum wahr."
Es wollte nicht in meinen Kopf passen. Ich konnte es nicht begreifen! Egal wie sehr ich es versuchte, ich konnte es nicht verstehen. Dumbledore hat mit Voldemort zusammengearbeitet? Hat ihm geholfen, diese ganze Sache mit der „Öffnung des Vorhangs" auf die Beine zu stellen? Warum! Warum, um alles in der Welt sollte er das tun? Warum sollte Dumbledore dabei helfen, die Muggel zu vernichten? Vielleicht stand er unter einem Zwangszauber? Ja, genau, das wird es sein! Voldemort hat Dumbledore entführt, verhext und gezwungen für ihn zu arbeiten. Und hat ihn getötet, sobald er seine Hilfe nicht mehr brauchte. Schwachsinn! Voldemort wäre nie in der Lage so etwas mit Albus Dumbledore anzustellen. Er hat sich immer vor ihm gefürchtet. Er war ihm immer unterlegen. Immer… . Nun ja, so lange er sich selbst immer weiter zerstört hatte, in dem er immer mehr von sich abspaltete. Der Voldemort in hier und heute war… wurde anders.
„Harry?" Sirius stieß mich an und schob mir einen großen Humpen Butterbier unter die Nase. Ich schaute sehnsüchtig zu dem Glas Whiskey in seiner Hand.
„Ganz gleich was dort drinstecken mag", er klopfte mit seinem Finger auf meinen Kopf. „Hier und jetzt bist du noch nicht alt genug für so was!" Das Glas in seiner Hand machte eine kreisende Bewegung und die bernsteinfarbene Flüssigkeit darin schwankte träge. Verführerischer Gedanke – sich betrinken zu können.
„Mach dir keine Hoffnungen, Junge", murrte Snape von der anderen Seite des Tisches. „Ich bin alt genug, um zu wissen, dass es nichts nützt."
„Warum hat er ihm geholfen?", fragte ich verzweifelt. „Warum hat sich plötzlich auf seine Seite gestellt!?" Die beiden Männer sahen sich gegenseitig fragend an.
„Dumbledore vermied es immer seine Macht im vollen Umfang zu demonstrieren", antwortete Severus. „Er weigerte sich immer wieder den Posten des Zaubereiministers anzunehmen. Es wurde ihm mehr als ein Mal angeboten. Er fürchtete, dass diese Macht die schlimmsten Seiten in ihm hervorbringt."
Unsere traute kleine Runde versammelte sich wieder in Snapes altem Haus, das nicht weit von meinem alten Haus stand. Ich brauchte dieses Treffen, um mir endlich all das von der Seele reden zu können, was mich schon seit mehreren Tagen quellte. Seit der Nachricht von Dumbledores Tod. Snape und Sirius waren im Augenblick die einzigen, mit denen ich offen darüber reden konnte.
„Und deshalb arbeitete er mit Voldemort?", fragte ich gereizt. „Er konnte doch unmöglich alles verraten, woran er glaubte."
„Er glaubte an das Größere Wohl", meinte Snape düster. „Hatte daran geglaubt. In seiner Jugend. Er war mir Gellert Grindelwald befreundet." Mir schwirrte der Kopf. „Leben und Lügen des Albus Dumbledore" waren vielleicht nicht ganz so frei ausgedacht, wie ich es gerne hätte. Schon damals, in meinem letzten Leben musste ich gestehen, dass Rita Kimmkorn den Fakten, die sie über Albus Dumbledore gesammelt hatte, ihre eigene Deutung gegeben hat, sie aber nicht ausgedacht hatte. Konnte es wirklich wahr sein? Dumbledore hat sich mit Voldemort zusammengetan, um das „Größere Wohl" für alle zu erreichen?
„Voldemort redet nicht mehr von totaler Vernichtung der Muggel", sagte Sirius nachdenklich. „Er gibt zu, dass die Magier ohne neues Blut, das die Muggel und die Muggelgeborenen bringen, schnell aussterben werden. Dass die Muggel durchaus Ideen haben, die auch der Zauberwelt zur Gute kommen können."
„Ich habe den neuen Lord kennengelernt. Er lügt", sagte Snape leise und trank sein Glas leer. „Zumindest macht er uns allen etwas vor." Sein Blick war leer. Seine Stimme wurde fast zu einem Flüstern. Ja, das hatte er. Dieses Kennenlernen kostete meinem fast-Onkel beinah das Leben. Beinah.
„Ein toter Märtyrer ist das Letzte, was Voldemort brauchen konnte", erklärte Sirius, ohne mich oder Severus anzusehen. Er schien nur laut nachzudenken. „Ein lebender Gegner ist viel praktischer. Sollten Snape oder Bellatrix verschwinden, würde es Fragen geben. Wütende Freunde und Familie, die Fragen stellen. Aber so…. Severus und Bellatrix wurden schwer verletzt? Bedauerlicher Unfall – die Schuldigen werden bestraft. Alles was die beiden sagen ist den schrecklichen Verletzungen geschuldet, die sie davongetragen haben. Sollte die Zeit und die Fürsorge der Familie nicht ausreichen. Wird wohl eine Anweisung in eine entsprechende Klinik notwendig sein. Also sollen sie lieber stillsitzen und dem Großen Herrscher nicht in die Quere kommen, wenn sie nicht als geisteskranke Lügner in St. Mungo eingesperrt werden wollen. Außerdem bleibt auch die Sorge, dass eine Warnung, die einmal missverstanden wurde, auch ein zweites Mal ausgesprochen werden kann und dieses Mal würde man vielleicht jemanden wählen, der für die Wahrungen dieser Art empfänglicher wäre. Neville zum Beispiel. Oder dich, Harry." Snape prostete mit seinem Glas Sirius zu, um seine Zustimmung zu demonstrieren.
„Dumbledore wollte Tom zeigen, dass es nicht klug ist einfach zuzuschlagen. Das es besser wäre für beide Seiten eine rosige Zukunft zu planen. Weniger Widerstand – weniger Verluste. Vor allem weniger finanzielle Verluste. Der Dunkle Lord braucht Geld. Und Dumbledore hatte Geld. Geld, Verbindungen, Wissen und einen Haufen Schuldverschreibungen. Ich kann wetten, dass der Dunkle Lord nun Dumbledores offizieller Erbe ist. Und kann nun über alles frei verfügen. Geld, Wissen, Verbindungen und so weiter!"
„Aber warum! Warum tat er das?" Ich verzweifelte an diesem Gedanken. Warum sollte Dumbledore Voldemort so in die Hände spielen? Weil er irgendwann einmal ebenfalls daran dachte, dass die Muggel zu ihrem Besten von den Zauberern beherrscht werden sollten? Weil er….
„Wir sind die verlorenen Jungen", unterbrach meine Gedanken Snape. Er war noch nicht gänzlich betrunken, aber der Whiskey hat seine Zunge bereits gelöst.
„Du und ich und Tom", sprach mein Lehrer langsam und blickte zu mir auf. Unsere Blicke trafen sich und nach einer Weile blickte ich als erster weg.
„Verlorenen Jungen?", fragte Sirius.
„Nun, Harry vielleicht nicht. Nicht dieses Mal. Aber er hätte auch zu uns gehören sollen."
„Was meinst du?"
„Schau uns doch an. Eine kaputte Familie, schäbige Kindheit, Hogwarts als der Ort der Träume, als einziges Zuhause. Magisch begabt, talentiert, sozial unbeholfen. Wenige Freunde. Drang sich zu beweisen. Allen zu zeigen, dass man mehr ist als der Vater, der dich nicht kennen will. Oder dich erst gar nicht kennenlernen konnte. Dumbledore kannte uns alle. Hat gesehen, wie wir aufwuchsen, hat gewusst, was für eine Hölle uns außerhalb der Schule erwartete und er hat niemanden von uns geholfen." Er schaute mich an.
„Wenn das, was du von deinem letzten Leben erzählt hast, wahr ist, dann warst du auch ein verlorener Junge. Ein weiterer Knabe, dem er nicht wagte zu helfen. Du hast deine Geschichte geändert. Vielleicht hat er dich angesehen und begriffen, was aus Tom und mir hätte werden können, hätte er es gewagt seine Macht und seinen Einfluss einzusetzen um den „verlorenen Jungen" zu helfen." Ja, wir waren die verlorenen Jungen. Kinder, wie dort draußen in der Muggelwelt keiner haben wollte. Die ohne Hilfe und Unterstützung erwachsen werden mussten.
„Genug, Severus", meinte Sirius sanft und nahm die halbvolle Flasche, die vor Snape stand, an sich. Der Trankmeister nickte ergeben.
„Ja, Black, du hast recht. Es ist genug." Er erhob sich leicht schwankend. Machte ein paar Schritte zu der Couch und ließ sich darauf fallen. Fast augenblicklich war er eingeschlafen.
„Dumbledore dachte, dass es noch nicht zu spät ist den verlorenen Jungen zu helfen", meinte Sirius und schob gas volle Glas von sich weg. „Die Wahl welchem von euch war leicht. Du bist nicht länger verloren. Du hast Familie, Freunde, ein Zuhause. Snape… ist ebenfalls nicht mehr so unglücklich, wie noch vor einigen Jahren. Er braucht die Hilfe des großen Dumbledore nicht mehr."
„Es bliebt also Tom. Tom, der das Falsche tut, um das Richtige zu erreichen. Also hat er sich entschieden Tom auf den richtigen Weg zu bringen? Ihn nicht zu bekämpfen, sondern ihm bei seinen Plänen zu helfen", schlussfolgerte ich. „Warum zum Teufel!?"
„Weil die Öffnung der Magischen Welt nicht zu vermeiden ist", antwortete Sirius. „Dumbledore wusste das. Also sah er in Voldemorts Plänen die Gelegenheit, es auf die „richtige" Art und Weise zu tun." Pech nur, dass nicht Dumbledore jetzt darüber entscheidet, was „richtig" ist, sondern Voldemort.
Zum zweiten Mal in meinem … in meiner Existenz erlebte ich die Beerdigung von Albus Dumbledore. Der Tag wurde zur offiziellen Staatstrauer erklärt. Die magische Welt trug Trauer. Mehr oder minder freiwillig. Der ehemalige Feind und Gegner wurde mit allen Ehren bestattet. Als Mitglied der Heiligen Achtundzwanzig stand ich bei der Feier in der ersten Reihe und sah Voldemort nur einige Meter vor mit hinter dem Rednerpult stehen. Für einige Sekunden trafen sich unsere Blicke und ich sah ihn. Den Alten Tom. Voldemort. Ein Monster, das nicht aufhören wird mich zu jagen, nur weil ich nicht mehr einer seiner Horkruxe bin. Aus seiner Sicht bin ich immer noch eine Bedrohung. Und je mehr Macht und Einfluss er gewinnt, desto größere Gefahr stelle ich für ihn dar. Es fühlte sich so an, als wäre die Verbindung zwischen uns immer noch da, als brauchte ich nur einen Schritt zu tun, um zu seinem Geist zu gelangen. Hastig zog die Okklumentik-Schilde um meinen Verstand hoch und das Gefühl verschwand. Ein flüchtiges Lächeln schlich sich auf die Lippen des Dunklen Lords und verschwand wieder. Ich blickte weg. Als ich ihn wieder ansah, sah ich das, was die anderen sehen sollten. Einen Mann in seinen besten Jahren. Ein wenig zu dünn und zu blass. Als hätte der Mann eine lange Krankheit überstanden. Dichtes schwarzes Haar, dunkle Augen. Feste nicht zu laute Stimme. Die sichere Haltung eines Menschen, der weiß was er kann und sich sicher ist mit der gegenwärtigen Situation gut umgehen zu können. Perfekt sitzende Robe, aus teurem Stoff. Griffbereiter Zauberstab in dem linken Ärmel.
Er spricht darüber, dass es eine Schande ist, dass er und Albus sich so lange auf verschiedenen Seiten befunden haben. Dass die fruchtbare Zusammenarbeit viel mehr hätte bringen können, wäre es möglich gewesen, die gegenseitigen Missverständnisse schon vor Jahren aus dem Weg räumen zu können. Er sprach darüber, dass er es bedauert so einen guten Freund, Lehrer und Unterstützer verloren zu haben.
„Angesicht dieses Verlustes können wir uns nicht mehr leisten uneinig zu sein", sprach er in die Stille der Versammlung hinein. „Wenn Albus Dumbledore in der Lage war seine Fehler zu zugestehen und auf mich zu zugeben, sind wir alle verpflichtet nicht weniger als das zu leisten. Über sich und die eigenen Bedürfnisse hinaussehen und zum Wohle aller zu handeln."
In meinen Ohren klang das alles heuchlerisch. Jedes Wort klang falsch und es fühlte sich so an, als würde Tom sich zwingen manche Sachen auszusprechen. Doch es schien mir allein aufzufallen. Die anderen um mich herum – selbst Sirius und Snape – hörten ihm aufmerksam zu, schienen jedes Wort aufzusaugen. Vielleicht sollte ich mit Pollux über eine neue Munditia Magna reden? Es wäre nicht auszudenken, was passieren würde, wen Sirius sich bewusst auf die „dunkle" Seite stellt. Derweil sprach Voldemort weiter.
„… nicht unsere Wurzeln vergessen! Das, was unsere Vorfahren uns hinterlassen haben, darf nicht vergessen werden. Ihre Weisheit sollte uns auf unserem Weg in die Zukunft leiten! Wir haben bereits einige Schritte in die richtige Richtung gemacht. Wir haben die Gesetze des Alten Blutes wieder ins Leben gerufen. Wir werden diesen Weg weitergehen und wir werden es besser machen! Besser für uns und besser für diejenigen, die nach uns kommen!" Er zog seinen Stab, machte eine weite Bewegung und in der Luft neben ihm erschien eine überdimensionale Schriftrolle. Eine Gesetzestafel. Paragraf um Paragraf reihten sich die neue Gesetze auf dem geisterhaft schimmerndem Bogen Papier.
Endlich brach die Menge die Stille und es wurde gemurmelt und geflüstert. Es wurde halblaut diskutiert und flüsternd geflucht. Ich konnte nicht alles lesen – die Projektion verschwand schnell wieder – doch was ich erkennen konnte versprach einige große Änderungen.
„Die neuen Gesetze werden im Laufe der nächsten Monate von dem neu ins Leben gerufenem Magischen Rat besprochen, geprüft und beschlossen", verkündete Voldemort und es wurde wieder still. „Die Mitglieder der Heiligen Achtundzwanzig, sowie die Angestellten des Zaubereiministeriums werden anschließend jeweils eine Vetostimme abgeben können, falls sie nicht mit einem der Gesetze einverstanden sind." Leises, aber aufgeregtes Murmeln. „Die Gesetze mit den meisten Vetostimmen, werden überarbeitet und zur neuen Abstimmung gestellt." Während diejenigen, die dagegen gestimmt haben entweder gefoltert, unter den Imperius gestellt oder auf sonst eine Weise gezwungen werden ihre Meinung nächstes Mal für sich zu behalten?
Er sprach weiter. Erinnerte uns alle noch einmal daran, welchen Verlust wir alle erlitten haben, welchen Beitrag Albus Dumbledore zu der Entwicklung der neuen Gesetze geleistet hat und wie sehr er sich freute diesen neuen Weg mit uns allen gemeinsam zu gehen. Er hoffte, dass seine Gegner – sollte es denn welche geben – sich ein wenig in Geduld üben mögen und ihm die Chance geben, allen zu beweisen, dass ein glückliches gemeinsames Leben möglich ist.
Sirius fand mich an diesem Abend im Garten. Das ganze Haus war in einer Starre. Großmutter war nach der Trauerfeier wieder abgereist. Pollux ging es immer schlechter und sie wollte an seiner Seite sein und helfen, so weit es ging. Bellatrix, die immer noch nicht ganz genesen war, zog sich zusammen mit Snape in den Keller, um an einem Trank weiterzuarbeiten. Alice brachte Charly ins Bett. Neville fühlte sich nicht gut und war deswegen schon früher ins Bett gegangen.
„Du zweifelst an mir", stelle Sirius leise fest, als er sich neben mich setzte. Ich blickte fragend zu ihm hoch und er lächelte. „Genau diesen Blick meine ich. Du schaust mich an, ab ob du entscheiden willst ob du mir treuen kannst oder nicht." Ich zuckte mit den Schultern.
„Dein Schwur der Familie gegenüber bedeutet nicht, dass du Voldemort nicht folgen wirst. Wenn du dich entscheidest, dass sein Weg zum Besten der Familie ist, dann wird die Magie keinen Grund sehen dich irgendwie zu bestraffen." Er sagte eine Weile nichts, dann holte er einige Bilder aus der Tasche. Magische Fotos. Einige kannte ich bereits. Aus diesem und auch aus dem letzten Leben. Meine Eltern, Alice Arm in Arm mit Frank und viele Familienfotos. Neville und ich auf unseren ersten richtigen Besen. Draco und ich – beide als Piraten verkleidet – jagen Ruhr hinterher. Sirius und Alice auf ihrer Hochzeitparty. Lupin in seiner Wolfsgestallt – schlafend auf der Couch in unserem Wohnzimmer. Bella mit der kleinen Charly in den Armen. Er reicht mir ein Bild nach dem anderen und weckt damit all die Erinnerungen.
„Nein, die Magie wird nicht verhindern, dass ich überlaufe", stimmt Sirius mir zu. „Aber all das wird es. Du und Neville und Charly. Alice, deine Tante Bella und – die Götter mögen mir beistehen – Snape. Meine Familie. Ich erinnere mich jeden Tag daran, was Voldemort uns allen genommen hat. Dir, mir, Neville, Alice, Bella, Snape, tausenden und abertausenden anderer." Er drehte mich so, dass ich ihn direkt ansehen musste. Sanft hob er mein Kinn hoch, damit wir uns in die Augen sehen können.
„Ganz gleich, was zu geben er verspricht. Ganz gleich, was er uns allen tatsächlich gibt – es wird nicht das wiedergutmachen, was er uns genommen hat, Harry." Ich nickte mit einem Kloß im Hals. „Vertraust du mir?"
„Ich vertraue dir", flüsterte ich heiser. Er lächelte und zog mich in eine Umarmung. Seit diesem Abend hatte ich eine Sorge weniger.
