Planet Sernpidal – Das Jahr 25 nach der Schlacht von Yavin - Am Tag Neun der Invasion der Yuuzhan Vong

„Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt", sagte die männliche Stimme der Orbitalkontrolle des Planeten Sernpidal.

„Das ging ja fix", wunderte sich Han. „Sie wollten noch nicht einmal wissen, für wen wir die Ladung bringen."

Chewie blökte etwas.

„Dass du aber auch immer Probleme sehen musst", gab Han zurück. „Wir wissen uns schon zu helfen, falls es dort unten Probleme geben sollte."

„Wir wollen ja auch nur etwas abladen", pflichtete ihm sein Sohn bei. „Und falls du Recht hast, sind wir auch schnell wieder fort."

Sie landeten den Falken auf dem ihnen von der Orbitalkontrolle zugewiesenen Dock. Es handelte sich dabei eher um eine grobe Piste, die mitten in einem verwilderten Feld angelegt worden war, in dem in unregelmäßigen grünen Flecken das Unkraut der hiesigen Flora spross. Han sah sich um. Die Leute hier waren zumeist Menschen, aber er sah auch andere Spezies wie Chevin, Rodianer oder Twi'leks, die zielstrebig irgendwohin gingen, ohne sich groß um sie zu scheren.

„Lando hatte Recht", sagte Han. „Wir ziehen die Sache schnell durch. Es sieht nicht so aus, als wäre hier übermäßig viel Abschaum zu erwarten."

Chewie knurrte.

„Ja, ein Empfangskomitee wäre doch ganz nett, da gebe ich dir recht, Kumpel."

„Vielleicht brauchen sie einfach ein bisschen Zeit", meinte Anakin.

Han schaute auf sein Chrono. „Es sind jetzt schon fünfzehn Standardminuten vergangen. Das ist selbst für Zeltronier noch zu spät."

„Wir könnten das Erz ja schon mal ausladen, bis Landos Leute kommen", schlug sein Sohn vor.

„Von mir aus", knurrte Han. „Aber langsam werde ich zu alt für derartige Taurücken-Arbeiten."

Er sah sich nach irgendwelchen Leuten um, denen ihre Ankunft etwas bedeuten könnte.

„Kann hier vielleicht mal jemand mit anfassen?"

Han Solos Stimme bei dieser Aufforderung war frustriert bis sarkastisch. Denn ganz entgegen Lando Calrissians Behauptung, dass seine Vertragspartner auf Sernpidal händeringend auf die versprochene Erzlieferung warten würden, eilten die von ihm angesprochenen Angehörigen diverser Spezies an ihm vorüber und keiner dachte daran, ihm beim Ausladen der schweren Erzbarren zu helfen. Also blieb die Ware vorerst auf dem Schiff.

Han Solo wandte sich an zwei Einheimische, weißhäutige Humanoiden mit roten Augen, Albinos offenbar, die die traditionelle Tracht von Sernpidals Männern trugen – rot-weiß gestreifte Gewänder mit riesigen Kapuzen. „Wer betreibt das Dock hier?"

„Tosi-Karu!", schrie einer der beiden Männer hektisch und beide schickten sich an, wegzurennen.

Han setzte ihnen nach. „Tosi-Karu? Wo finde ich den … oder die?"

„Oh, Sie müssen schon nach oben sehen, um sie zu entdecken, fürchte ich", erklang hinter ihnen eine nicht unangenehme Männerstimme.

„Von oben komm ich gerade her", erwiderte Han genervt und drehte sich um.

Er stand einem älteren Sernpidalianer gegenüber, dessen Haar bereits schlohweiß war, jedoch seine dunklen Augen und sein Hautteint wiesen darauf hin, dass er kein Albino war. Offenbar waren die beiden von vorhin Ausnahmen gewesen.

„So weit weg ist sie schließlich auch wieder nicht. Wenn sie es denn jemals war", sagte der Alte.

Han unterdrückte ein Aufstampfen mit dem Fuß. „Bitte tun Sie mir einen Gefallen und hören Sie auf, in Rätseln zu sprechen, denn meine Zeit hier ist begrenzt."

„So wie unser aller Zeit, mein Junge", erwiderte der Sernpidalianer ruhig. „Also, Tosi-Karu kreist über uns. Obwohl ich annehme, dass sie auch fliegen kann – weit fort, wenn die Legenden, die hier über die Göttin verbreitet werden, der Wahrheit entsprechen."

„Göttin?", wiederholte Han.

„Die Göttin Tosi-Karu besucht Sernpidal", erklärte der Alte. „Und jene, deren Leben unbescholten ist, werden reich von ihr belohnt, während die Sünder ihr verdientes Ende finden werden."

„Wo ist der Dockmeister?", drängte Han.

Der Alte lächelte milde. „Ich wüsste nicht, dass es hier einen gäbe. Wir haben auf Sernpidal nicht viel Verkehr. Hier macht jeder seins."

„Wunderbar", murmelte Han. Es gab also überhaupt keine Einfuhr- oder gar Einreisekontrolle. Kein Wunder, dass Lando hier so gerne Geschäfte tätigte. „Ich habe einen Frachtraum voller Waren."

Der Alte blieb gelassen. „Oh, ich denke, Sie werden keine Schwierigkeiten mit dem Entladen haben."

„Das Entladen ist das Eine", zischte Han. „Aber eigentlich hatte ich gehofft, dass derjenige beim Entladen hilft, für den ich das ganze Zeug überhaupt hergebracht habe!"

Der Alte zuckte mit den Schultern. „Haben Sie denn denjenigen nicht vorher Bescheid gegeben?"

Han lag etwas auf der Zunge, aber er schluckte es hinunter. Er würde sich mit Lando in Verbindung setzen. Sollte doch sein alter Freund seine saumseligen Geschäftspartner auf Trab bringen.

Anakin Solo war neben seinen Vater getreten. „Ich mach das schon, Papa", sagte der jüngste Solo und trat auf ein paar Leute zu, die vorbeiliefen.

Der Jugendliche wedelte mit der rechten Hand. „Ihr solltet wirklich stehen bleiben und uns helfen."

Die Gruppe blieb tatsächlich stehen und starrte kollektiv Anakin an, doch dann grölte einer von ihnen „Tosi-Karu!", und der Trupp setzte sich wieder in Bewegung.

Chewie, der ebenfalls den Milleniumfalken verlassen hatte, blökte und Han lachte. „Ob Meister Luke das wohl besser hinbekommen hätte? Eine gute Frage."

Er wandte sich an seinen Sohn. „Wir werden schon noch Hilfe finden."

„Tosi-Karu!" Der Schrei erscholl aus hundert Kehlen – mindestens.

„Die Göttin scheint wirklich zu kommen", sagte Anakin.

„Dann sollten wir sie uns einmal ansehen und sie fragen, ob sie auch sonst Bescheid weiß", meinte Han säuerlich.

„Dann könnt ihr auch gleich hier bleiben", mischte sich der alte Mann von vorhin wieder ein.

Han schwang zu ihm herum. „Sie? Aber Sie sind ein Mann."

Der alte Mann lachte und wies mit der Hand schräg in den Himmel gen Osten. Han, Anakin und Chewie drehten sich unisono um und dann sahen sie es.

„Ein Mond", sagte Anakin.

„Zu groß für einen Mond", versetzte sein Vater und Han klang ernstlich besorgt.

Chewie blökte und es klang aufgescheucht. Und was für ein Mond das war! Er wirkte riesig, als handele es sich um einen zweiten Planeten, ebenso groß wie Sernpidal selbst. Han überlegte, was er von dem Briefing über den Planeten, das ihm Lando vor Antritt seiner Reise gegeben hatte, noch wusste. Sernpidal hatte sogar zwei Monde. Einen großen namens Namigo und einen kleineren.

Angst erschien in Anakins blauen Augen. „Welcher der beiden Monde ist das? Dobido?"

„Es ist tatsächlich Dobido", bestätigte der alte Mann. „Und er wird mit jeder Stunde schneller."

Chewie brüllte.

„Wollen Sie damit behaupten, dass Dobido abstürzt?!", gab Han Chewies Worte an den Sernpidalianer weiter.

Der Alte nickte langsam. „Ich halte allerdings die Erklärung der Ortsansässigen, dass Tosi-Karu erschienen ist, für ein wenig weit hergeholt."

„Wie lange noch?", hörte Han seinen Sohn fragen, während sich sein Puls beschleunigte. Die Zeit rannte ihnen davon. „Zurück zum Falken!", rief er.

Der Alte lachte melancholisch. „Vielleicht ist er bereits entladen."

„Wie bitte?"

Han sah den Alten bei dieser Frage nicht mehr an. Als sie zurück zum Milleniumfalken rannten, sahen sie, wie Leute unterschiedlichster Spezies dabei waren, die Erzbarren aus dem Schiff zu tragen und in unordentlichen Haufen neben dem Schiff aufzuschichten. Ein Teil der Leute schien sich für die Natur der Ware zu interessieren, ein anderer hatte es eher auf das Vehikel abgesehen, das sie hertransportiert hatte.

„He!", brüllte Han, rannte auf die Menge zu und fuchtelte wild mit den Armen. „Weg von meinem Schiff!"

Chewbacca blökte und fuhr seine Pranken aus, was einen Teil der Plünderer die Flucht ergreifen ließ, während Anakin scheinbar entspannt zwischen den übrigen Leuten herumschlenderte, um ihnen wie beiläufig vorzuschlagen, lieber zu gehen – was zu seines Vaters Zufriedenheit dieses Mal befolgt wurde.

Nachdem Anakin mithilfe seiner Machtsinne alle blinden Passagiere an Bord aufgestöbert und vom Falken gelotst hatte, hoben sie ab. Befreit von der schweren Erzladung, folgten sie dem unheimlichen Mond in seiner Umlaufbahn. Han erinnerte sich an das Versprechen, das er seiner Frau gegeben hatte, und überließ nach dem Start Anakin das Steuer.

„Das ist er – zehn Trillionen Tonnen Gefahr für Sernpidal", exklamierte Han. „Wirklich eine nette Liefertour, die Lando uns da aufs Auge gedrückt hat."

„Torpedos?", schlug Anakin vor.

„Das ist, als würde man versuchen, einen Bantha mit einer Stecknadel aus einem Blasrohr zu erledigen", wies sein Vater den Vorschlag zurück. „Es bräuchte schon einen Sternzerstörer, um diesen Mond zu zerschießen, und selbst dann würden die Trümmer Sernpidal zerstören."

„Was sonst?", wollte Anakin wissen.

„Immer wenn man einen Todesstern braucht, ist gerade keiner da", grummelte Han.

Chewie fummelte an den Instrumenten herum und röhrte.

„Was?", protestierte Han. „Sieben Stunden?"

Anakin riss den Mund auf.

„Ja, Junge, unser Tag ist gerade noch besser geworden", ätzte Han. „Unsere einzige Chance, diese Frist zu verlängern, besteht darin, dass Dobido noch eine Weile an der Oberseite von Sernpidals Atmosphäre entlangschliddert, bevor er sie durchbricht."

„Aber wenn er erst einmal durchbricht, geht alles sehr schnell, nicht wahr?" sinnierte Anakin.

Han klopfte seinem Sohn beruhigend auf die Schulter. „Du hast in Physik gut aufgepasst, mein Junge. Das Ding ist nur: Dieser Mond war eine Million Jahre in seiner Umlaufbahn. Wieso passiert das, und wieso passiert es jetzt?"

„Glaubst du, Lando wusste davon?", fragte Anakin skeptisch.

„Lando sicher nicht. Aber es gibt eine Menge Leute, für die er Konkurrenz ist. Aber wer von denen weiß schon, wie man einen Mond aus der Umlaufbahn holt? Das ergibt alles keinen Sinn! Und überhaupt: Wie sollen wir all diese Leute innerhalb von sieben Stunden vom Planeten bekommen?"

Han sandte ein allgemeines Notsignal aus, verbunden mit der Botschaft, dass sämtliche Schiffe in der Umgebung nach Sernpidal kommen sollten, um bei der Evakuierung der Bevölkerung zu helfen. Ein Wettersatellit, Modell Thunderstorm-63, trudelte vorbei und Chewie verband die Computer des Milleniumfalken mit den Datenbanken des Satelliten.

„Wenn ihr erlaubt, mach ich mit der Satellitenforschung weiter", sagte Anakin. „Und ihr kommt so dicht wie möglich an Dobido ran. Vielleicht gibt es irgendwelche Signale, die man nur von dort erfassen kann."

Sein Vater nickte und der Fünfzehnjährige erhob sich vom Pilotensessel, um Chewie Platz zu machen. Im Gespann mit dem Wookiee manövrierte Han sich von unten an den Mond heran, scannte ihn nach irgendwelchen Auffälligkeiten, aber es gab weder Ionenantriebe noch andere auffällige Installationen. Er ließ sich etwas zurückfallen und schob sich auf die andere, oberen Seite des Mondes – wieder nichts. Nur ein unförmiger Gesteinsbrocken, der sich in immer derselben Bahn um den Planeten herumbewegte – so kam es Anakin zumindest vor.

Es ruckelte etwas, als der Mond urplötzlich ein Stück näher an Sernpidal herankam und um diese Entfernung vom Milleniumfalken abrückte.

„Wären wir auf der Innenbahn gewesen, wären wir jetzt pulverisiert", meinte Han.

Anakin trat von hinten an sie heran. „Ja, ich denke, das ist es."

„Hast du irgendetwas herausbekommen?"

„Ja", sagte Anakin. „Da ist wirklich ein Signal. Und es kommt vom Planeten."

„Vielleicht rufen sie ihn mit ihren Gebeten zu sich", murmelte Han.

„Seht euch die Kurve an!", sprudelte es aus Anakin hervor und er zeigte auf einen bestimmten Bereich der ausgedruckten Wetterkarte. „Jedes Mal, wenn Dobido diesen Bereich des Planeten überquert, kommt er steiler nach unten. Irgendetwas zieht ihn runter und bewirkt das Abstürzen." Sein Finger zeigte auf einen Punkt auf der Wetterkarte unten auf dem Planeten. „Irgendetwas genau in der Mitte von diesem Bogen."

Han sah Chewie an. „Sieht aus wie eine Gebirgskette."

„Es muss einfach dort sein", beharrte Anakin.

Han berechnete einen Kurs und sie verließen die Mondbahn, um wieder zurück zum Planeten zu fliegen. Aber sie fanden keinerlei Hinweise auf irgendwelche Abfangkreuzer, die wie zu Imperiumszeiten mit jenen berüchtigten Schwerkraftprojektoren ausgerüstet waren, welche damals Schiffe der Rebellenallianz aus dem Hyperraum gezogen hatten, oder sie an einer Flucht in denselben hindern konnten.

Dobido durchquerte abermals den neuralgischen Bereich und sackte tiefer. Anakin, der den Mond weiterhin im Auge behielt und aufgrund der Satellitendaten und der des Milleniumfalken weiter Berechnungen anstellte, stöhnte auf.

„Was ist denn?", fragte Han.

„Das Absacken des Mondes an dieser Stelle ist exponentiell. Der Abstieg an dieser Stelle wird jedes Mal steiler. Das bedeutet, Dobido wird nicht erst eine Weile über die Atmosphäre schlittern. Und wir haben jetzt nur noch weniger als sechs Stunden …" Anakin holte Luft. „Und noch etwas … Den Berechnungen zufolge wird der Mond mitten in Sernpidal City aufschlagen."

„Was für ein Zufall", sagte Han trocken und Chewie knurrte zustimmend.

Han merkte auf. Noch nie hatte er seinen pelzigen Freund derart sarkastisch erlebt.

„Allein in dieser Stadt leben fünfzigtausend Leute", meinte Han.

„Und es gibt wahrscheinlich nicht mehr als hundert Schiffe", ergänzte Anakin.

„Es werden hoffentlich von außen ein paar Schiffe unserem Notruf folgen und zu Hilfe eilen. Wir müssen die Quelle der Anziehungskraft finden!", verlangte Han.

Sie brachten den Falken zunächst zurück zum Dock. Han verwunderte, dass sich noch nicht einmal mehr die Orbitalkontrolle von Sernpidal für sein Zurückkommen interessierte. Sicher, diese Orbitalkontrolle war nicht die rigideste, aber …

Ein dumpfes Grollen kündigte den Grund für die Zurückhaltung der Orbitalkontrolle an. Eine Welle des Bebens erschütterte den Boden des Raumhafens und der angrenzenden Wohngebiete. Gebäude schwankten. Mauern stürzten ein und Fußgänger fielen reihenweise hin.

„Gut, dass es keine Küstenstadt ist", sagte Anakin, während sie das Erdbeben beobachteten.

Han sah von einer Landung ab und zog den Milleniumfalken stattdessen nach Süden, wo sie ein Dorf überflogen, das hinter einem Bergkamm und vor einer Meeresküste lag. Anakin stöhnte und Han wusste auch bar jeder Machtfühligkeit, dass sein äußerst machtsensitiver Sohn den Tod der Bewohner dieses Dorfes gespürt hatte. Eine Flutwelle war darüber hinweggezogen und hatte Mauern unterspült, Bäume entwurzelt und Mensch und Tier fortgerissen. Während der Milleniumfalke über die Verwüstung hinweg zog, klatschte die zweite, nur wenig schwächere Tsunamiwelle gegen die Ausläufer des Bergkamms.

Han wendete den Falken und flog wieder zurück in die Stadt. Überall auf den Straßen sah man Leute auf die Knie fallen und zu Tosi-Karu beten – oder einfach nur weinen. Andere wiederum rannten an den Betenden vorbei zum Raumhafen – es war chaotisch. Han sah Chewie an. „Du machst es jetzt genau andersrum und belädst das Schiff. Zwäng so viele rein, wie du nur kannst."

„Und wir müssen alle anderen Schiffe mobilisieren", spann Anakin die Idee weiter. „Wir dürfen nicht zulassen, dass auch nur eines startet, das nicht voll ist."

Han nickte. „Aber das genügt nicht", erinnerte er. „Wir müssen die Ursache dieser Katastrophe finden und sie zum Verschwinden bringen."

„Ich kann sie finden", bot Anakin an.

Han erstarrte und sah ihn an.

„Das kann ich", beharrte Anakin. „Und dann kommst du mit Chewie und dem Falken und ihr zerstört sie."

„So wie du das sagst, klingt es so leicht", murmelte Han. „Wir beschaffen dir einen Landgleiter und du findest die Quelle. Aber gib sofort die Koordinaten durch und spiel nicht erst lang herum, ja?"

Anakin nickte, dann ging er zum Waffenschrank und schnallte sich zusätzlich zu seinem Lichtschwert einen Blaster an den Gürtel.

Als Han mit Anakin aus dem Falken stieg und die Umgebung nach einem brauchbaren Gleiter absuchte, fand er tatsächlich einen. Und gleich daneben saß der Alte, der sie vor zwei Stunden über die Natur der Göttin Tosi-Karu aufgeklärt hatte.

„Was machen Sie hier?", fragte Han.

Der Alte zuckte mit den Achseln. „Ich nehme an, ich warte auf das Erscheinen der Göttin." Er lachte leise. „Ich wusste, dass Sie zurückkommen würden."

„Ach ja?", versuchte Han, mehr aus ihm heraus zu kitzeln.

„Sie sind der typische Held", sagte der alte Mann ruhig. „Können Sie den Mond aufhalten?"

„Ich habe nicht die Geschütze, die es dazu braucht", antwortete Han.

„Wird er irgendwie hier runtergezogen?", fragte der alte Mann überraschend. „Von einer Schwerkraftquelle vielleicht? Einem Abfangkreuzer?"

Hans Blick wurde skeptisch. „Wie kommen Sie darauf?"

„Ich habe nicht immer hier gewohnt", erklärte der Alte. „Und höher entwickelte Schiffe sind mir nicht fremd. Ich hätte dieses Volk besser schützen sollen, anstatt es lediglich zu warnen."

„Jetzt haben Sie die Chance", erwiderte Han. „Begleiten Sie meinen Sohn!"

Die Stimme des Alten wies keinerlei Zittern auf nach dieser Ansage, die ihn ins Ungewisse führen würde. „Wohin fahren wir?"

„Beeilen Sie sich. Anakin wird Ihnen unterwegs alles erklären."

Der Alte stieg in den Gleiter. Anakin reichte seinem Beifahrer die Karten, dann startete der Junge das Fahrzeug, beschleunigte und raste davon.

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Zur selben Zeit auf dem Planeten Belkadan

Yomin Carr schritt durch den Kontrollraum der ExGal-4 Station und ließ sich am Sichtschirm von Kapsel Vier nieder, die mit dem zentralen Sichtschirm, wo früher immer Danni Quee gesessen hatte. Der Yuuzhan Vong hatte den Drehstuhl etwas höher einstellen müssen, da Danni mindestens einen Kopf kleiner gewesen war als er, aber jetzt war sein neuer Arbeitsplatz perfekt, wenn man einmal davon absah, und das durfte er eigentlich nicht, dass es sich um eine ekelhafte, da leblose technische Anlage handelte. Der Sichtschirm von Kapsel Vier war immer noch so eingestellt, dass man den Planeten Helska IV sehen konnte. Damals, vor neun Tagen, hatten sich hier fünfzehn Wissenschaftler erregt darüber gestritten, was das wohl für ein Objekt sei, das den galaktischen Rand von außen kommend überquert hatte. Er war der einzige, der wusste, dass es sich in Wahrheit um Da'Garas Weltschiff gehandelt hatte. Und jetzt hatte Yomin Carr ganz im Sinne des Präfekten der Praetorite Vong die Station zu dessen Vorteil ausgerichtet.

Yomin Carr starrte auf den Bildschirm. Helska IV lag ruhig inmitten der Schwärze und nichts kam oder verließ diesen Punkt, obwohl der Yuuzhan Vong genau wusste, dass Da'Gara über der Planetenoberfläche Manöver der Korallenskipper abhalten lassen würde, um die Truppen in Bereitschaft zu halten. Vor zwei Tagen hatte er dabei zugesehen, wie das zweite Weltschiff, das der Präfektin Ma'Shraid, auf Helska IV gelandet war. Bis jetzt hatten er und Da'Gara es geschafft, sämtliche Zeugen ihres Eindringens in diese Galaxis zu beseitigen oder aber mundtot zu machen. Vielleicht würde Da'Gara mit dem Opfer von Danni Quee ja auch solange warten, bis der dritte Präfekt, Dooje Brolo, mit seinem Weltschiff auf dem Eisplaneten gelandet war. Das würde erst einmal reichen. Mehr als die Kräfte von drei Weltschiffen konnte der Yammosk ohnehin nicht koordinieren, aber wenn diese vereinte Streitmacht erst einmal den entscheidenden Sieg errungen hätte, dann wäre es doch durchaus im Bereich des Möglichen, dass auch Danni Quee die Wahrheit erkannte.

Vielleicht würde seine ehemalige Chefin ja sogar Gefallen daran finden, in was sich Belkadan schon bald verwandeln würde. Die von ihm ausgelöste Seuche hatte ihren Höhepunkt erreicht und alles bisherige Leben auf dem Planeten ausgelöscht. Zumindest die höherentwickelten Tiere und vernunftbegabten Spezies – bis auf den fetten Hutt natürlich. Es war genauso gekommen, wie er es Jerem Cadmir prophezeit hatte. Die Atmosphäre hatte ihre kritische Masse erreicht und das Klima Belkadans war gekippt. Es würde vielleicht noch fünf Tage dauern, bis sich der grüne Dunst wieder verzog und seine Leute hier Fuß fassen würden.

Er hatte dafür gesorgt, dass Dannis gefallene Kollegen eine ordentliche Feuerbestattung erhielten und er würde ihr auch den Ort zeigen können, an welchem er deren Asche vergraben hatte. Hatte Danni erst einmal die Wahrheit angenommen, dann würde es ihr auch nichts mehr ausmachen zu sehen, was er sonst noch in der Station angerichtet hatte. Bis auf Kapsel Vier arbeitete keine andere Überwachungskapsel mehr. Die Drähte waren zerschnitten, Bildschirme zerbrochen, Tastaturen zerschmettert worden, als sich Yomin Carr im heiligen Eifer der Reinigung an den technischen Gerätschaften der Station ausgetobt hatte – und das nicht nur in diesem Raum. Er schaltete den Sichtbereich der Kapsel etwas weiter nach Osten. Dort konnte man einen neuen Strom von Punkten erkennen, der sich südwärts ergoss. Er wusste, dass die Schiffe vorerst in Position gebracht wurden, bis Nom Anor das Zeichen geben würde. Und das würde der Exekutor nur dann tun, wenn es dem Yammosk gelungen war, die Verteidigungsanlagen ihrer Basis auf Helska IV fertigzustellen.

Mara Jade zog die Jadeschwert tiefer über den grüngelben Planeten herab. Auf den Bildern zuvor war Belkadan noch grün gewesen. Was war das für ein Sturm, von dem Kyp Durron berichtet hatte? Minuten zogen sich zu Stunden, während sie durch die giftig aussehende Wolkendecke brachen.

R2D2 stieß einen besonders schrillen Triller aus, als er kurzzeitig den Boden unter den mechanischen Füßen verlor. Der Boden floh vor ihm und das Schiff selbst fiel, unfähig, schnell genug auf die Veränderung zu reagieren. Mara und Luke spürten, wie die Sicherheitsgurte auf ihrer Haut drückten, um zu verhindern, dass Pilotin und Copilot an die Decke knallen würden. Luke sah seine Frau an. Mara Jade schaute auf die verrücktspielenden Skalen des Trägheitskompensators und der Schubdüsen, dann nickte sie Luke zu.

Die Jadeschwert fiel weiter, doch Mara und Luke dachten nur für einen kurzen Moment daran, das Schiff vorzeitig zu verlassen. Es ruckelte und die Systeme hatten das Schiff den veränderten Bedingungen angepasst. Tausend Meter tief waren sie gefallen, aber jetzt wurden beide Insassen wieder in die Sitze gedrückt - die Jadeschwert hatte das Luftloch über sich gelassen und flog wieder normal, so dass sich Mara anderen Dingen zuwenden konnte.

Ihre grünen Augen fixierten den gelbgrünen Dunst um sie herum. „Was ist das für eine Luftzusammensetzung?"

Luke Skywalker zuckte mit den Schultern. „Die Frage ist doch eher, wieso diese Bäume derart rotbraun und kahl sind – und wieso sie so qualmen?"

„Bleibt die Frage, ob dieser Qualm atembar ist", erwiderte seine Ehefrau härter, als sie beabsichtigt hatte.

R2D2 trillerte.

„Alles in Ordnung mit dir?", fragte Luke den Droiden spitz.

R2D2 trillerte erneut – wie ein betrunkener Pirat.

„Schwefel sagst du?", übersetzte Luke. „Ein Vulkan?"

Mara sah ihren Ehemann genervt an. „Wir werden Atemmasken brauchen, wenn wir es herausfinden wollen."

„Ich kann in diesem Dunst noch nicht einmal ordentlich navigieren", versetzte Luke.

„Dann schließ die Augen und verlasse dich auf die Macht", riet ihm seine Frau.

„Dazu müsste ich mich aber an irgendwelchen Lebensformen orientieren können, deren Präsenz uns leiten kann. Aber das einzige, was ich hier spüre, sind Tod und Vernichtung."

„Ich habe bis jetzt ebenso wenige Lebensformen gespürt, die uns bei der Ortung der Station helfen könnten", sagte Mara. „Lass die Instrumente und lehn dich für einen Moment zurück."

Luke hielt einen Moment inne, dann tat er, was seine Ehefrau ihm geraten hatte. Mara wendete die Jadeschwert und flog nach Norden. Die Eiskappe des Nordpols von Belkadan war nur noch halb so groß wie auf den Bildern, die sie in Datenbanken aufgerufen hatten. Aber die noch vorhandene Kühle dort reichte aus, um den Schwefel zurückzudrängen. R2D2 pfiff vergnügt. Zufrieden registrierten die beiden lebenden Insassen, wie sich der gelbgrüne Dunst um sie herum lichtete.

„Ich kann auch wieder etwas lesen", sagte Mara wesentlich euphorischer und schaute auf ihre wieder funktionierende Instrumententafel, dann begannen sie, eifrig Daten zu sammeln und auszuwerten.

„Spürst du jetzt etwas?", fragte Mara.

„Hmmm, also Belkadan ist nicht tot." Luke runzelte die Stirn. „Es ist nur … anders."

Mara wendete ihr Schiff und gab frischen Schub. „Immerhin weiß ich jetzt, wo wir hinmüssen."

Yomin Carr stellte die Instrumente auf Maximal Vergrößern ein. Ein Schwarm von Punkten flog an Helska IV vorbei – in seine Richtung nach Belkadan. Schon bald würde er eine neue Aufgabe übertragen bekommen. Yomin Carr fragte sich, ob es wieder die Paru-shan sein würde, die ihn aufsammeln und mit neuem Auftrag irgendwo andershin brachte, wo er seinen Wert erneut unter Beweis stellen würde.

Ein dunkles Brummen über ihm ließ Yomin Carr in seiner Weltraumbeobachtung innehalten. Er schaute zum Fenster, konnte aber nur noch einen länglichen Schatten des schon vorbeigeflogenen Schiffs wahrnehmen. Er hechtete zum gegenüberliegenden Fenster und jetzt sah er es: Der Cockpitbereich erinnerte an einen glatten Fischkopf, die Heckflossen waren hochgezogen, und die breiten Seiten schützten gewiss die mächtigen Ionentriebwerke. Der Yuuzhan Vong musste zugeben, noch nie so ein schönes Schiff der Ungläubigen gesehen zu haben. Doch nur für einen Moment überlegte der Krieger, ob Nom Anor ihn möglicherweise wieder mit solch einer mechanischen Scheußlichkeit abholen kommen würde.

Rasch erhob er sich und schlüpfte in die miteinander verbundenen Krebsschalen seiner Vonduun-Krabbenrüstung, legte den Gurt mit den Prallkäfern um und schaute, ob das Blorash-Gallert an Ort und Stelle war. Zu guter Letzt nahm er seinen Amphistab und wirbelte ihn über seinem Kopf herum, drückte dort eine Stelle, um den Peitschenmodus des lebendigen Stabs zu überprüfen, bevor es ernst werden würde. Derart gerüstet und vorbereitet schaute Yomin Carr dabei zu, wie das fremde Schiff jenseits der Lagermauern landete. Ein Lächeln legte sich über sein Gesicht und er hoffte, dass die Eindringlinge die Mühe wert waren. Zumindest würde es eine kurzweilige Unterbrechung der Tristesse seines Wartens geben.

„Schau dir das an", sagte Mara zu ihrem Mann und zog ihn zum Kommunikationsturm.

Luke Skywalker schaute auf das zerschnittene Kabel zu seinen Füßen. „Jemand hat die Station aktiv sabotiert."

„Das meinte ich nicht."

Maras Hand zeigte auf die rotbraunen Käfer mit den seltsamen Röhrchen zwischen den beiden kleinen, gebogenen Mandibeln.

„Sie sind alle tot, wie so vieles auf diesem Planeten … Halt … da bewegen sich welche."

„Die werden auch noch sterben, keine Sorge."

Luke gefiel Maras Ton nicht. „Immerhin könnte es da drinnen noch Menschen geben, die überlebt haben."

Sie gingen zur Mauer und standen vor dem metallenen Tor, welches von dunkelroten Sprenkeln übersät war.

„Blut", bemerkte Mara. „Kyp hatte Recht. Hier ist was oberfaul."

„Das ist mehr als Sabotage. Lass uns reingehen."

Im umfriedeten Hof vor dem Stationsgebäude lagen ebenfalls tote Käfer herum, dazwischen einige, die noch lebten. Mara bückte sich, hob einen der lebenden Käfer hoch und hielt ihn sich vor die Augen. Eine klare Flüssigkeit troff von den Enden der winzigen Mundwerkzeuge und benetzte die Hand der Jedi.

„Oh."

Da war es wieder. Dieser Ton in Maras Stimme zeigte Luke, dass sie sich wieder an ihre Krankheit erinnerte. „Glaubst du, dass diese Käfer irgendetwas mit dieser Katastrophe zu tun haben?", versuchte er, sie davon abzulenken.

Mara antwortete nicht und das alarmierte Luke in höchstem Maße, aber er wollte nicht in sie dringen.

„Dieses Zeug hat etwas an sich …" sagte sie langsam.

„Wahrscheinlich Gift", meinte Luke.

Sie schüttelte den Kopf. „Etwas anderes … also ich weiß nicht …"

Luke schaute in ihre eingesunkenen, abwesend wirkenden Augen. Er wusste, dass sich in seiner Frau gerade verschiedene Eindrücke, Ahnungen zu einer Theorie verdichteten, mit der Mara Jade bislang noch jedes Mal Recht behalten hatte.

Sie betraten die Station. Um sie herum waren die Geräusche summender Computer zu hören. Lampen brannten und die Luft war im Gegensatz zu draußen geradezu köstlich zu atmen. Und doch …

„Es ist wie in einer Gruft", sagte Mara.

„Finden wir den Hauptcomputer, wo sich R2 einstöpseln und mehr Informationen beschaffen kann", schlug Luke vor.

Sie verließen den Eingangsraum und gingen durch einen Korridor, öffneten jede Tür zur Kontrolle, doch da war niemand. Sie erreichten den Kontrollraum. R2-D2 fand sofort den Hauptcomputer und stöpselte sich dort ein, ohne dass ihm jemand explizit Anweisungen geben musste.

„R2 ist beschäftigt", sagte Luke zu seiner Frau. „Ich werde mich hier weiter umsehen, während du in den Wohntrakt gehst und dort die Zimmer der Wissenschaftler untersuchst. Ist das in Ordnung für dich?"

Mara nickte und die beiden verließen den Raum. Der Astromech lud Daten herunter und trillerte leise dabei. Er hatte ungefähr siebzig Prozent der Daten gesichert, als sein Sichtsensor eine Bewegung wahrnahm. Eine Gestalt sprang aus dem Schatten des Geländers, welches einen erhöhten Bereich vom eigentlichen Arbeitsraum abtrennte. Die Gestalt trug einen schwarzen Umhang und eine ebenso schwarze, glänzende Rüstung mit vielen Dornen, wie sie R2 noch nie gesehen hatte. Mit dem Satz einer Raubkatze sprang der Fremde auf eine Kapsel, stampfte auf die dortige Konsole und ein Funkenregen sprühte daraus hervor.

„Ungläubiger! Perversion! Blasphemie!", brüllte Yomin Carr auf den Droiden herab.

R2, immer noch eingestöpselt, war in seiner Aufgabe gefangen. Es würde zu lange dauern, die Verbindung zu lösen, also trillerte er um Hilfe.

Mara Jade war durch die Wohnräume gestreift und hatte immer wieder dasselbe Bild vorgefunden. Lichter hatten gebrannt, technische Geräte gesummt und Sachen waren halb erledigt worden, um jäh abgebrochen zu werden. Dann war sie endlich fündig geworden. In einem der Räume hatte sie ein paar Karten Flimsiplast gefunden, auf denen einer der Wissenschaftler etwas über die Klimakatastrophe geschrieben hatte. Ein gewisser Yomin Carr behauptete, dass die Wetterveränderung nur etwas Vorübergehendes war. Mara las begierig weiter, doch dann endete die Seite mit einem Satz, der jäh abbrach. Schon wieder! Als hätte ein einschneidendes Ereignis all diese Wissenschaftler plötzlich in ihrem Tun innehalten und für immer verstummen lassen. Eine Phiole mit einem ebensolchen Käfer wie draußen stand auf dem Tisch. Offenbar waren auch die Wissenschaftler von ExGal-4 zu dem Schluss gekommen, dass dieser Käfer hier auf Belkadan eine Anomalie war – höchst verdächtig.

Sie hörte R2 trillern und wusste, dass der Astromech in Gefahr war. Mara steckte das Stück Flimsiplast und die Phiole mit dem Käfer ein und machte sich auf den Weg zurück ins Forschungsgebäude. Sie eilte in den Kontrollraum und das Bild, das sich ihr bot, entsetzte sie. R2 lag umgestürzt auf dem Boden, die Kopfkapsel halb verdreht, während just in diesem Moment eine runde, diskusartige Scheibe an dem Droiden vorbeizischte und dahinter in eine der Kapseln einschlug. Mara war klar, dass der Droide soeben umgekippt sein musste. Hätte R2 noch gestanden, hätte ihm die Wurfscheibe sauber den Kopf vom Rumpf getrennt. Sie kannte diese Waffe von den maladianischen Attentätern, aber die verwendeten Enthaupterscheiben aus Metall. Diese hier jedoch war braun … und jetzt löste sich das braune Ding und flog wieder zurück, als wäre es lebendig … zurück zu einem schwarzgerüsteten Mann, der in etwa zehn Meter Entfernung von dem ängstlich zirpenden Astromechdroiden wie ein Turm aufragte. Maras Blick blieb an dem ebenfalls sehr lebendig wirkenden Stab hängen, den der Angreifer in seiner rechten Hand trug.

„Aufhören!", schrie sie. „Wir sind keine Feinde!"

Der Mann wandte sich von R2 ab und ihr zu und jetzt konnte Mara Jade seine Kriegernatur klar erkennen, seine Rüstung, seine Bewegungen in Vorbereitung eines Angriffs, seine eisige, vernarbte Miene. Eine mehr als dunkle Ahnung stieg in ihr auf. Ihr kam es vor, als ob der Typ sie bereits kannte; mehr noch, es fühlte sich für Mara an, als wenn sie ihn ebenso kennen würde, obwohl sie so ein Gesicht noch nie gesehen hatte. Aber woher nur?

Mara unterdrückte den Impuls, nach ihrem Lichtschwert zu greifen. Sie fühlte sich zu schwach für einen direkten Kampf und zog stattdessen ihren Blaster.

„Sofort aufhören!"

„Es ist eine Scheußlichkeit", sagte der Krieger und starrte abfällig auf den am Boden liegenden Astromech.

„Es ist ein Droide", korrigierte sie.

„Genau das meine ich", knurrte er und grinste boshaft. „Widerwärtig. Ein Zeichen der Schwäche, die euer Volk durchdringt."

„Mein Volk?", fragte Mara. „Wer sind Sie?"

„Ich bin Yomin Carr, der Vorbote eures Untergangs." Er lachte finster. „Ich bringe für dich und dein Volk das Ende."

Mara verzog das Gesicht in Angewidertsein und Unglauben.

„Spotte nicht!", brüllte Yomin Carr, zog einen weiteren Prallkäfer von seinem Waffengurt und warf ihn nach der Jedi, von der er noch nicht wusste, dass sie eine war.

Sie schoss, aber die Scheibe wich wie ferngesteuert aus und nun musste sie selbst ausweichen, und gleich nochmal, als das Ding um sie herumsauste, um einen geeigneten Eintrittsvektor zu finden. Ein dritter Anlauf erfolgte, aber dieses Mal war Mara schneller und der Blasterschuss pustete den Prallkäfer aus der Luft.

Yomin Carr lachte höhnisch. „Ist das alles, was du drauf hast?"

Mara zielte wieder auf ihn. „Ich denke, Sie sollten mit mir kommen."

Er lachte lauter und zog erneut einen Prallkäfer.

„Zwingen Sie mich nicht dazu!", warnte Mara und hob ihren Blaster wieder in Richtung seiner Brust, nachdem sie den Prallkäfer in Höhe ihrer Oberschenkel erfolgreich abgewehrt hatte.

Es war, als hätte der immer noch lachende Yomin Carr darauf gewartet. Seelenruhig wartete er ab, bis der Blasterschuss von seiner Vonduun-Krabbenrüstung abprallte und zog derweil einen neuen Prallkäfer vom Gurt … und noch einen. Sie kamen wieder zu ihm zurück, da sie ihr Ziel, eine schnell ausweichende Mara Jade, jedes Mal verfehlten, aber der Krieger intensivierte sein Wurftempo.

Mara warf den Blaster fort und griff stattdessen nach ihrem Lichtschwert. Die blaue Klinge war breiter und länger und verschaffte ihr so nicht nur einen effektiveren Abwehrschild, sondern auch eine dringend benötigte Atempause.

Yomin Carrs Lachen verwandelte sich in ein Knurren, als er erkannte, dass er einer echten Jedi gegenüberstand. Seine Würfe der Prallkäfer wurden härter, aggressiver, und doch gab es für das Dutzend der um sein Opfer herumschwirrenden Wurfscheiben keine Chance, die zugegebenermaßen lückenlose Deckung seiner Gegnerin zu durchbrechen. Mit zusammengekniffenen Augen fixierte Yomin Carr den Soresu-Tanz der blauen Klinge.

Das war sie also – die sagenumwobene Waffe der Jedi!

Das Warten wurde zur zäh dahinfließenden Qual, als der Krieger mit ansehen musste, wie die Prallkäfer, die eigentlich für ihn die Arbeit verrichten sollten, Stück für Stück von dem blauen Stab aus der Luft geholt wurden, überarbeitet gegen eine Wand krachten, um von dort zu ihm zurück zu kriechen, oder aber von der blauen Klinge aufgespießt wurden, bis das Loch in ihrer Mitte so groß geworden war, dass sie irgendwann im Verlauf dieses Abwehrkampfes mit einer Spalte zu Boden fielen.

Jetzt hatte Yomin Carr nur noch seinen Stab – zumindest glaubte Mara das – und sprang in einem Vorwärtssalto auf den Krieger zu. „Jetzt zeig mal, was du ohne deine Drohnen drauf hast."

Yomin Carr zog erneut etwas von seinem Gürtel, um es nach Mara zu werfen. Aber der Krieger hatte ihren Aufschlagpunkt nach dem Salto falsch eingeschätzt und so landete das Ding nutzlos zu ihren Füßen, um dort liegenzubleiben.

„Ein Rohrkrepierer – sehr eindrucksvoll", ätzte Mara weiter und erhob ihr Lichtschwert, um es gegen Yomin Carrs schwarzen Stab zu richten.

Gleich hinter dem Stab sah sie sein zernarbtes Gesicht mit dem gespaltenen Augenlid – ihr nächstes Ziel. Aber zu ihrer Verwunderung hielt der Stab ihrem Lichtschwert stand. Sie musste den Druck vergrößern, um dagegenhalten zu können. Sie fühlte, wie sich Schweiß auf ihrer Stirn bildete. Nein, damit hatte sie nicht gerechnet, als Lando Calrissian auf Dubrillion von einem Abstecher nach Belkadan gesprochen hatte.

Mara versuchte, einen Schritt zur Seite zu machen, um den Druck ihrer am Stab des Gegners knisternden Klinge in eine andere Richtung zu lenken, allein, sie konnte nicht. Ihre Füße waren wie am Boden festgeklebt. Sie riskierte einen Blick nach unten. Ihre Füße waren festgeklebt. Der Körper, den Yomin Carr vorhin nach unten geworfen hatte, hatte seine Form, seine Konsistenz verändert. Gelber Glibber umhüllte ihre Füße, strich gegen ihre Waden, zog an ihren Schienbeinen. Vor sich hörte sie ein Heulen, das Triumphgeheul von Yomin Carr, der jetzt ein weiteres Werkzeug eingesetzt hatte, um sie zu besiegen, während auch er die Druckrichtung seines Amphistabs änderte. Jetzt erst konnte Mara erkennen, dass der Stab einen Kopf hatte. Einen Kopf mit Augen, Maul und einer roten, gespaltenen Zunge – eine Schlange! Sie fühlte, wie der Schleim sich weiter an ihr hocharbeitete, ihre Beine zusammenschnürte.

Aus den Augenwinkeln bekam sie mit, wie R2 sich aufrichtete und aus dem Raum rollte – hoffentlich um Luke zu holen. Yomin Carr war einen Schritt zurückgegangen und brachte seinen Amphistab in eine neue Position, wohl, um den finalen Tötungsstoß zu vollziehen. Mara nutzte diesen Moment, um die Masse zumindest zwischen ihren Beinen zu zerteilen, einen Fuß um ein paar Zentimeter anzuheben, ihn vom Boden zu befreien – blieb noch ein festgeleimter Fuß.

Die braunen Wurfscheiben, das Gelee an ihren Füßen, der Schlangenstab – alle Waffen dieses Kriegers lebten – aber sie konnte nichts von diesem Leben in der Macht wahrnehmen – genauso wenig wie Yomin Carr selbst – und auf einmal wusste Mara Jade, woher sie den Krieger kannte. Er verströmte dieselbe machtleere Aura wie Nom Anor auf Monor II, sonderte dieselben technikfeindlichen Phrasen ab, die sie dort gehört hatte. Aber sein Gesicht! Nom Anor trug meist eine Maske. Was, wenn es sich um dieselbe Spezies handelte? Aber Nom Anor war ein Mensch, das wusste jeder.

Mara zwang sich, diesen Gedanken auf später zu vertagen. Erneut sauste der schwarze Stab ihr entgegen, aber ihr Lichtschwert war bereit. Yomin Carr verdrehte die Hände und brachte Mara damit aus dem Gleichgewicht, denn sie hatte nur einen Fuß, um ihr Gewicht entsprechend zu verlagern – nicht weit genug, um den nächsten Schlag angemessen zu parieren.

Das Maul des Amphistabs öffnete sich und Mara konnte zwei lange Zähne sehen, von denen klare Flüssigkeit tropfte. Sie schlug mit der Hand gleich hinter jenem Kopf gegen den Stab … und das Gift schoss in einem dünnen Strahl haarscharf an ihr vorbei. Der Schlangenkopf drehte sich zum Biss, aber ihre Hand war noch schneller zurückgezogen. Dafür schnellte ihr Lichtschwert in der anderen Hand empor zu Yomin Carrs Gesicht.

Der Krieger erkannte die Natur des Manövers und wich einen Schritt zurück – genau die Zeit, die Mara brauchte, um ihren anderen Fuß unten loszuschneiden. Sie konnte beide Füße wieder bewegen, doch jener Schritt nach hinten war zäh wie, als hätte sie Kaugummi an ihren Sohlen.

Vor ihren Augen zerfloss die schwarze, gerade Linie von Yomin Carrs Waffe in gefällige Mäander, die sich urplötzlich um ihre Klinge wickelten.

„Du bist würdig", hörte sie den Krieger gratulieren.

Unter ihrem Unterarm schoss der Kopf der Schlange hervor, um seine langen Zähne durch den Ärmel ihrer robusten Kampfmontur zu bohren und in dem darunterliegenden zartrosanen Fleisch zu versenken. Mara Jade ignorierte den Siegesschrei Yomin Carrs, um all ihre Energien auf die Bisswunde zu konzentrieren, um das Gift an Ort und Stelle zu halten, es zu neutralisieren, so wie sie es schon seit über sieben Wochen mit jenem anderen Gift tat, das ihren Körper schon genügend lähmte.

Die neue Form des Stabs war eine Chance und Mara ergriff sie, deaktivierte kurz ihre Klinge, so dass der zur Peitschenschnur geringelte Amphistab im nächsten Moment kraftlos nach unten hing, bevor sich die neu entzündete Klinge wieder auf ihn stürzte. Der Schweiß lief ihr nun in Strömen vom Gesicht, troff in den Ausschnitt ihres Kampfanzugs und brannte dort. Die Peitschenschnur zuckte unter ihrem Stoß zur Seite, aber Mara stach erneut zu – immer wieder – in der Hoffnung, das schwarze Tau zu erwischen, bevor es sich wieder in jene steife Stabform begeben würde.

Yomin Carr war gezwungen, etliche Schritte nach hinten zu gehen, um seiner Waffe zu gestatten, wieder zur Stabform zurückzufinden, während der Kopf der Schlange erneut nach einem Ziel für eine Giftattacke suchte. Ein paar Hiebe wich Mara dem Maul aus, während sie weiter vorwärts stürmte. In ihren Ohren rauschte es, während die Umwelt seltsam von ihr wegrückte.

Blutdruckabfall!

Die Jedi wusste, dass sie diesen Vorwärtssprint nicht lange durchhalten würde, wenn sie nicht bald eine Entscheidung zu ihren Gunsten erzwingen konnte. Yomin Carr sprang behände rückwärts nach hinten über das Geländer und Mara folgte ihm, während es in ihren Füßen zu kribbeln begann – nicht aufgrund der Reste des gelben Gelees, das nur ihre Stiefel umschloss.

Sie überwand das Geländer und landete vor Yomin Carr auf der erhöhten Ebene, genau neben dem Dejarik-Tisch. Die hintere Partie des schwarzen Stabs war bereits wieder steif geworden, aber noch bewegte sich der Kopf züngelnd in ihre Richtung. Auch gut, dachte Mara und ließ sich auf ein Knie sinken. Die Schlange, die darauf optierte, erneut in ihren Arm zu beißen oder dorthin zu speien, öffnete ihr Maul, bekam aber nicht Maras Unterarm, sondern die blaue Plasmaspitze zu schmecken.

Ein Stoß und Mara stieß das Schwert in den Rachen der Kreatur. Yomin Carr heulte auf und diesmal war es kein Triumphgeheul. Sie ließ ihre Klinge waagerecht sausen in der Hoffnung, in der schwarzen Rüstung eine Lücke zwischen Oberschenkel und Schienbein zu erwischen. Es gelang nicht. Yomin Carr sprang über ihre Klinge. Sie hieb noch etwas höher, in ihrer Taillenhöhe und er überwand auch diese. Sein nun wieder vollständig steifer Stab sauste auf ihr Lichtschwert herab und bildete mit diesem einen rechten Winkel in welchem sich ihr Hals befand. Nur ein falscher Druck …

Es gelang ihr, Yomin Carr gegen das Schienbein zu treten und der Krieger war gezwungen, das Gewicht aufs andere Bein zu verlagern. Aber das verschaffte ihr nur eine kurze Atempause. In ihren Ohren klingelte es heftiger und ihre Füße fühlten sich an, als gehörten sie einem völlig fremden Körper, als wären sie bereits abgestorben genau wie der Kopf der nun wohl für immer steifen Schlange über ihr, die zu einem weiteren Schlag herabsauste. Mara fing den Hieb ab und erschrak vor der brutalen Kraft, die dahinter steckte. Ein zweiter Schlag … ein dritter … und Yomin Carr wollte einfach nicht ermüden.

Mara Jade verlagerte ihr Gewicht aufs andere Knie … und zwang damit Yomin Carr, den Angriffswinkel zu verändern. Ihr Lichtschwert fälschte den Schlag seines Stabes seitlich ab, genug, um den Krieger über den Rand der Verlagerung hinauszudrängen, die er eigentlich beabsichtigt hatte. Ein leichtes Taumeln – eine Verzögerung …

… und Mara riss das Lichtschwert in einem scharfen Bogen quer über seine Knie. Endlich hatte sie eine Schwachstelle getroffen, wenn auch nur angeritzt.

Yomin Carr ächzte und fiel auf den Rücken. Mara richtete sich auf und stellte fest, dass sie vielleicht noch vierzig Prozent Kontrolle über diesen wackeligen Stand hatte. Sie versteifte sich, um Yomin Carr diese Schwäche nicht zu offenbaren. Der Krieger, nicht faul, rollte auf sie zu, um nun seinerseits eine Schwachstelle zu finden, mit den bleichen, mit schwarzen Mustern verzierten Händen seinen nun toten, doch immer noch steifen Stab verzweifelt umklammernd.

Mara erspähte eine weitere Ritze in seiner zugegebenermaßen wunderbaren Schuppenrüstung. Ein gut platzierter Tritt und Yomin Carrs Schwertarm lag paralysiert am Boden. Die hellblaue Spitze ihrer Waffe fand die Stelle und grub sich zwischen zwei Krabbenplatten in Yomin Carrs hellgraue Haut, in sein Fleisch, bis sie des Kriegers Herz fand – und es durchbohrte.

Und in diesem Moment dämmerte es Yomin Carr, dass sich Danni Quee niemals seiner Sache anschließen würde.

Dann eben … ein Opfer.

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Derweil auf dem Weltschiff der Praetorite Vong auf Helska IV

Spiele die Situation immer wieder durch, solange, bis sie ihren Schrecken verliert und überwinde sie so. Dieses Mantra hatte Luke Skywalker dem angehenden Jediritter Miko Reglia auf Yavin IV beigebracht und bisher hatte das auch immer geklappt. Nur nicht hier, auf Helska IV, wo er immer und immer wieder dem Yammosk vorgeführt wurde, um erneut in dieses schreckliche Maul gehoben, mit finsteren Endzeitgedanken traktiert und mit Schmerzen gequält zu werden, wie sie keine Jediausbildung zu keiner Zeit je vorgesehen hatte.

In der Ausbildung hatte Miko Reglia der Dunklen Seite der Macht gegenübergestanden, hatte sich mit seinen tiefsten Ängsten auseinandergesetzt – und doch war dieses Maul des Yammosk immer wieder neu für ihn – als zögen ihn die Tentakel erneut zum allerersten Mal in das Innerste des Kriegskoordinators. War es deshalb immer wieder neu, weil er es einfach nicht verstand – noch nicht verstand? Konnte man so ein rosa Monstrum überhaupt verstehen – sollte man – durfte man?

„Sie wollen dich nur studieren. Sie werden dich am Leben lassen", hörte er Danni Quees besänftigende Stimme.

„Ich weiß", sagte er, obwohl es ihm mittlerweile egal geworden war, denn die Frage lautete nicht ob, sondern lediglich wann er sterben würde.

„Dann darfst du dich nicht gehen lassen, Miko. Denk an etwas anderes, an deine Mitjedi zum Beispiel. Erzähl mir von ihnen", drang die blonde Wissenschaftlerin in ihn.

Und Miko Reglia erzählte, wie seine Jediausbildung verlaufen war. Er erzählte von den drei Solo-Kindern, von Luke Skywalker und von Kyp Durron, dessen Mission ihn überhaupt erst hierher verschlagen hatte. Es war ihm, als erzählte er von jemand anderem, von jemandem, der auch Miko Reglia hieß und auch dieselbe Kindheit und Jugend gehabt hatte wie er. Doch seit seiner zweiten, oder war es bereits die erste gewesen? – Begegnung mit dem Yammosk hatte er sich von jenem früheren Leben abgespalten – und für den neuen Miko Reglia gab es kein Zurück in jene mehr und mehr vergoldende Vergangenheit.

„Und dann hat Kyp zu seinem Droiden gesagt: ‚Den Kurs zurückverfolgen, L4.'"

Danni hatte die Geschichte des Herkommens von Kyp Durrons Dutzend-und-zwei-Rächern bereits zweimal gehört. Sie würde sie sich auch noch ein drittes, ein viertes Mal anhören, wenn sie dem Jedi damit helfen konnte. Sie würde sich alles anhören, wenn das der Schlüssel dazu war, dass Miko Reglia wieder Kraft schöpfen und sich für den unausweichlichen Endkampf sammeln konnte.

Er unterbrach seine Erzählung mitten im Satz und begann wieder zu schluchzen. „Noch einmal werde ich das nicht mehr überstehen."

Danni nahm seine Hand. „Doch, Miko. Das wirst du. Sie werden wieder nur so tun als ob, weil sie dich gegen mich ausspielen wollen. Das liegt auf der Hand."

„Ich halt das einfach nicht mehr aus hier!" Miko riss sich von ihrer Hand los und warf sich bäuchlings auf das grüne Moos, auf dem sie beide saßen.

Stück um Stück robbte der Jedi auf das Wasserloch zu, dessen vereister Rand in der Mitte der Eiskuppel gähnte, in welcher sie beide hier gefangen gehalten wurden. Mikos Kopf erreichte den überfrorenen Rand und Danni hielt seine Füße fest.

„Nein! Miko, du kannst mich nicht hier allein lassen!" Sie holte Atem. „Du kannst da nicht runter. Du hast keinen Anzug. Das weißt du."

Seine Hände klammerten sich in das raue Eis. „Natürlich weiß ich das. Aber alles ist besser als das hier."

„Natürlich ist es das." Dannis Stimme wurde sanfter. „Bitte lass mich nicht allein. Ich werde dich auch nicht allein lassen. Niemals."

Danni zog noch einmal energisch an seinen Füßen und seine Hände zogen sich vom Eisrand zurück; dann erschlaffte Mikos Körper und er begann erneut zu schluchzen – laut und hemmungslos dieses Mal. Und Danni barg seinen Kopf in ihrem Schoß und streichelte über sein wirres, dunkelbraunes Haar.

Ach könnte ich doch ... Warum kommt denn bloß niemand?, dachte Danni Quee verzweifelt. Bitte! Hört uns niemand? Fühlt uns niemand? Ist vielleicht irgendjemand dort draußen?

Hiiilfeee!

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Die Beben wurden heftiger und ein starker Wind hatte sich erhoben und blies Anakin und seinem alten Beifahrer ins Gesicht. Der Alte, dem er seinen Plan erklärt hatte, war die Ruhe selbst und der jugendliche Jedi war der Meinung, dass sich viele Mitjedi von ihm eine Scheibe Gelassenheit abschneiden könnten angesichts der Gefahr, in der sie sich befanden. Und er wusste noch nicht einmal, wonach er suchen sollte. Nichts sah aus wie das verräterische Gitter eines Schwerkraftprojektors. Aber das waren die alten Modelle, die neueren im Imperium bestanden aus vier flachen Kuppeln, die an der Oberseite eines Sternzerstörers angebracht waren und im Zusammenspiel ihre Wirkung entfalteten. Vielleicht war das Ding in der Erde versteckt, aber dann müsste es irgendwo eine Grube geben, einen Riss. Aber Anakin sah lediglich die ganz frischen Risse, die das Erdbeben verursacht hatte. Er ließ seine Machtsinne schweifen und fand … nichts.

Dobido raste in noch niedrigerer Höhe über sie hinweg und eine weitere Welle fegte über das Land unterhalb des Gleiters. Anakin zog das Gefährt hoch und steuerte weiter auf die Koordinaten zu, die er vom Orbit aus anhand der Daten des Wettersatelliten erstellt hatte. Von dort oben hatte das Gebiet klein ausgesehen, aber in Wahrheit handelte es sich um eine Fläche von vielleicht tausend Quadratkilometern – immer noch groß genug, um lediglich einen Zufallsfund machen zu können, da die Zeit nicht reichen würde, systematisch jeden Quadratmeter abzusuchen.

Anakin beschleunigte und ließ sich gleichzeitig tiefer in die Macht fallen. Etwas, das den Mond mit solcher Kraft gepackt hatte, konnte in der Macht nicht verborgen bleiben. Er nahm eine Kurve und zog eine Kreisbewegung – eher zufällig, als dass er dabei einem Muster folgte. Als er den Kreis halb vollendet hatte, zog Anakin sich aus der Macht zurück, denn seine Sinne wurden mit einem Male derart überwältigt, dass er beinahe die Steuerung vernachlässigt hätte.

Es begann als sanftes Zupfen und war schließlich zu einem groben Zerren geworden, je weiter er sich von der Kreisbahn entfernte – immer auf sein Ziel zu. Er durchquerte ein Tal zwischen zwei instabil gewordenen Hügeln, gerade noch rechtzeitig, bevor ein Felsbrocken genau da in den Boden einschlug, wo eine halbe Sekunde zuvor noch der Gleiter entlang gezogen war. Der Rückenwind war ihr Verbündeter, doch Anakin erkannte, dass das kein normaler Wind war. Es war das Werk jener Gravitationsquelle, die auch den Wind zu sich heranholte. Er musste abbremsen, um nicht unkontrolliert irgendwo hinein zu krachen und nutzte die kurze Pause, um gen Himmel zu blicken. Dobido zog erneut über sie hinweg – jetzt mit Feuerschweif. Der abstürzende Mond hatte Sernpidals Atmosphäre erreicht.

Sie wichen einem Felsvorsprung aus und gelangten an ein Feld, in dessen Mitte ein schwarzer Krater gähnte. Diese Vertiefung war nicht groß, hatte nur ein paar Dutzend Meter Durchmesser. Anakin zog den Gleiter hoch und nah genug an die Vertiefung heran, aber doch entfernt genug von der deutlich sichtbaren Windströmung, die auf den Krater von oben zuströmte, um seitwärts blütenblättergleich wieder abgestoßen zu werden. Und mittendrin in diesem Loch saß ein riesiges, pulsierendes, dunkelrotes Gebilde, das Anakin an ein rotes Herz erinnerte, welches überall mit dunkelblauen Stacheln besetzt war.

Für eine Weile betrachtete der junge Jedi das unbekannte Gebilde, suchte fieberhaft nach Instrumenten, die jenes Herz kontrollierten, nach einer Energiequelle, die das Ding speiste. Er fand nichts dergleichen.

„Was ist das?", fragte der alte Mann.

Anakin antwortete nicht, sondern versuchte, die Kreatur zu fühlen. Er fühlte absolut nichts, wusste jedoch instinktiv, dass das Herz lebte. Er zog seinen Blaster und schoss. Der rote Strahl raste auf das Herz zu und … verpuffte kurz vorm Erreichen des übergroßen Ziels. Anakin schoss erneut … und wieder … mit demselben Ergebnis. Dann erinnerte er sich an die Worte seines Vaters. Keine Spielchen! Doch wenn er es jetzt mit dem Lichtschwert beendete, würde er seinem Vater und Chewie jede Menge Zeit ersparen. Er gab dem Alten sein Komlink. „Rufen Sie meinen Vater an", wies Anakin ihn an und aktivierte die grüne Klinge.

Anakin Solo sprang vom Gleiter und eilte auf den Krater zu, erreichte dessen Rand … Ein Stoß aus dem Inneren der Grube warf ihn zehn Meter zurück und er musste die Macht zu Hilfe rufen, um den Aufprall auf dem harten, vertrockneten Feldboden abzufedern. Er verstand, dass das Geschöpf seine Absicht richtig gedeutet und einen Angriff abgewehrt hatte. Aber was sollte er jetzt tun?

Ein vertrautes Dröhnen ließ ihn zum Himmel blicken. Rasend schnell stieß der Milleniumfalke herab und die Einstiegsluke öffnete sich. Anakin konnte seinen Vater sehen, der im Türrahmen stand. Also flog Chewbacca den Falken. Leichtfüßig und machtverstärkt sprang Anakin auf die ausgefahrene Rampe.

„Du bist dem Ruf aber schnell gefolgt", sagte der Sohn zum Vater.

„Der Ruf kam viel zu spät", erwiderte Han und schaute auf das Lichtschwert, das sein Sohn wieder brav am Gürtel verstaut hatte. „Ich hatte einen Peilsender am Gleiter angebracht, weil ich so etwas wie eben schon geahnt hatte."

„Dieses Geschöpf da unten." Anakin wies auf den Krater. „Es ist ein lebendiges Wesen!"

„Das ist jetzt egal", erwiderte der Vater. „Jede Sekunde Zögern bedeutet, dass noch mehr sterben werden."

„Aber der Alte", wandte Anakin ein. „Ohne ihn und den Gleiter wären wir nicht hierhergekommen."

Han gab Chewie ein Zeichen und der Milleniumfalke schwebte sanft an den Gleiter heran.

„Fliegt zurück", sagte der Alte und seine verbrauchten Hände umklammerten das Steuer. „Verlasst Sernpidal und nehmt so viele Leute mit euch, wie ihr nur könnt."

„Aber warum nicht Sie?", wollte Anakin wissen.

„Weil ich eine Schuld abzutragen habe", erklärte der alte Mann und seine braunen Augen waren auf einmal so klar, wie Han und Anakin sie seit ihrer Ankunft auf Sernpidal noch nie gesehen hatten. „Ich habe mich mit den falschen Leuten eingelassen. Und dann habe ich den Sernpidalianern etwas von Tosi-Karu erzählt. Und dann habe ich auf Helden wie euch gewartet, damit ich zumindest etwas tun kann, um diese Teufel aufzuhalten, bevor sie noch weitere Welten zerstören."

„Welche Teufel?", riefen Han und Anakin gleichzeitig.

Der Alte lächelte, dann öffnete er den Umhang und holte eine Metallröhre heraus. „Eine Thermalbombe", enthüllte er. „Und Sie sollten sehen, dass Sie von hier wegkommen."

„Sie sind verrückt!", sagte Han.

„Ich weiß", erwiderte der Alte, dann wendete er den Gleiter und hielt auf den Krater zu.

Der Falke hatte kaum wieder an Höhe gewonnen, als er von der Wucht der Explosion durchgerüttelt wurde.

„Wieso hat das Ding mich zurückgeschleudert, den Alten jedoch nicht?", wunderte sich Anakin, während er neben seinem Vater her zurück ins Cockpit wanderte.

„Er sagte doch, dass er sich mit den falschen Leuten eingelassen hatte. Und vielleicht gehörte dieses Ding – dieses Herz – auch zu diesen falschen Leuten und hat deshalb nicht erwartet, dass er sich jetzt gegen es wendete."

Chewie röhrte und Anakin schaute durch das Cockpitfenster hinunter auf den Krater. Er war immer noch schwarz, aber viel tiefer als vorher. Anakin konnte das Pulsieren von unten nicht mehr spüren und seine Augen bestätigten, was er fühlte – das Zerren war fort, denn das riesige, dunkelrote Herz hatte aufgehört zu schlagen.

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Präfekt Da'Gara war sowohl berauscht als auch erschöpft von der letzten Begegnung mit dem Kriegskoordinator. Er hatte mit dem Wesen seine Gedanken, seine Gefühle ausgetauscht und die nächsten Taktik- und Strategiezüge besprochen. Alles verlief weiterhin nach Plan. Das Einzige, was noch fehlte, war die Erlaubnis. Er hatte die Erlaubnis zunächst erst dann einholen wollen, nachdem er mit Yomin Carr auf Belkadan gesprochen hatte, doch der Agent war nicht an seinen Villip gegangen – schon den ganzen Vormittag nicht. Das konnte nur bedeuten, dass Yomin Carr entweder sehr beschäftigt war oder aber es war noch dramatischer. Letzten Endes jedoch war Belkadan tot und kein Risiko mehr. Da'Gara fand, dass es völlig ausreichen würde, wenn sich die Leute, die mit der Umformung des ehemaligen Dschungelplaneten betraut worden waren, nach ihrer Ankunft in ca. einer Woche um den Verbleib des Agenten kümmern würden. Also begab er sich vom Yammosk direkt in seine Privatgemächer, um den Villip von Nom Anor aufzuwecken. Der Exekutor antwortete sofort.

„Heute werden wir beginnen", erklärte Da'Gara.

„Geht mit Ruhm zum Sieg", erklang die angemessene Floskel. „Sterbt als Krieger."

Da'Gara gefiel der letzte Satz nicht. „Wir werden die Yuuzhan Vong nicht entehren", antwortete er, was eine Gegenfloskel war. „Sernpidal stirbt heute."

„Und die Bevölkerung?"

Da'Gara wusste, wem Nom Anors Sorge galt. „Viele versuchen zu fliehen, und dadurch werden unsere Krieger eine neue Herausforderung finden", gab Da'Gara zurück. „Der Kriegskoordinator hat vier vollzählige Schlachtgruppen losgeschickt, um die Flüchtlinge abzufangen und zu jagen. Sie werden sich von dem Flüchtlingskonvoi zum nächsten Planeten leiten lassen und dort mit dem offenen Krieg beginnen."

Do-ro'ik vong pratte", erklärte Nom Anor.

Da war sie – die Erlaubnis, die Da'Gara so sehr ersehnt hatte.

Do-ro'ik vong pratte war der Kriegsschrei der Kriegerkaste der Yuuzhan Vong. Dieser Schrei verhieß ungezügelte Wildheit, die Freisetzung der niedrigsten Kriegerinstinkte. Unter solchem Befehl wurden Yuuzhan Vong-Krieger die reinsten Mörder, Zerstörer und noch vieles andere mehr.

Do-ro'ik vong pratte", stimmte Da'Gara zu.

Nom Anors Villip stülpte sich wieder um und Da'Gara ging in eine Art Audienzzimmer, wo seine blonde Gefangene auf ihn wartete.

„Nun, Danni Quee, werden Sie erneut Zeugin des Ruhmes der Praetorite Vong werden", verkündete der Präfekt und strich über einen unförmigen Sack, der auf einem rotgeäderten Sockel an der Wand stand. Der Sack erwachte zum Leben und Danni sah einen ihr fremden Planeten, über den ein eiförmiger, zerklüfteter Felsbrocken hinweg flog.

„Was ist das?", fragte Danni.

„Das ist Dobido", sagte Da'Gara in heiterer Ruhe. „Ich nehme an, Ihnen als Astro … nomin ist dieser Name ein Begriff."

Natürlich kannte Danni Dobido. Sernpidal und seine beiden Monde waren in direkter Nachbarschaft zu Belkadan, Helska IV, korrigierte sie ihr Denken. Bisher waren sowohl Sernpidal als auch seine beiden Monde für sie nur bunte Kugeln auf einer Sternenkarte gewesen. Aber wieso war Dobido so nahe und was war das für ein gigantischer Feuerschweif, den der eher mickrige Mond auf einmal hinter sich her zog.

Ihre grünen Augen verengten sich. „Was soll denn das werden?"

„Es dürfte sich nur noch um Minuten handeln", erklärte Da'Gara in der ihr verhassten Seelenruhe. „Es handelt sich hierbei um eine Taktik, die wir Yo'Gands Kern nennen. Ein Dovin Basal, der normalerweise unsere Schiffe antreibt, indem er die Gravitation des Ziels nutzt, richtet von einem Planeten aus seine Energie auf einen Mond, der daraufhin unweigerlich auf die Welt stürzt, die er zuvor umrundet hat."

„Aber …" Danni schnappte nach Luft. „Das wird das Leben auf dem gesamten Planeten auslöschen."

Da'Gara nickte.

„Aber die Bevölkerung hat Ihnen nichts getan!", begehrte Danni auf. „Und Sie werden nur unnötig Leute gegen sich aufbringen, wenn Sie derart rabiat vorgehen!"

Da'Gara brachte sein Gesicht so nahe an ihres heran, dass sie gerade ein Dutzend Zentimeter voneinander trennte. „Sie sind also nicht nur Astronomin und Biologin, sondern auch noch eine politische Strategin, wer hätte das gedacht?"

„Vielleicht lief das ja in Ihrer Galaxis so, aber hier werden Sie damit nicht durchkommen!", warnte Danni.

Seine Hand berührte ihre Schulter und Danni zuckte zusammen. „Oh glauben Sie mir, Danni Quee", säuselte der Präfekt in ihr Ohr. „Wenn das Schicksal dieses Planeten erst einmal bekannt wird …"

Anakin und Chewie standen auf dem Raumhafen von Sernpidal City und sortierten die Leute in die, die es wert waren, gerettet zu werden und jene, die man zurücklassen musste. Der Milleniumfalke war bereits mit Flüchtigen gefüllt, aber da war noch diese Fähre gleich in der Nähe, die gerade abheben wollte, aber plötzlich von den Trümmern eines erneuten Bebens am Start gehindert wurde. Anakin benutzte die Macht, Chewie seine immensen körperlichen Kräfte, um die Trümmer beiseite zu räumen. Neben ihnen heulten die Triebwerke des Milleniumfalken. Han stand wieder im Türrahmen und wartete ungeduldig darauf, dass sein Sohn und sein Freund zurückkehren würden.

Nur noch ein Stück. Nur noch ein Brocken – und was für einer!

„Starten Sie!", schrie Anakin zu der Frau, die sich ans Steuer der Fähre gesetzt hatte.

Triebwerke heulten auf und Chewie und Anakin vereinten ihre Kräfte, um das letzte und größte Permabetonstück vom Heck der bereits zum Bersten gefüllten Fähre zu hieven. Das Gefährt bäumte sich auf und …

… Klong!

Die Fähre war frei und erhob sich – gerade noch rechtzeitig, als ein erneutes Beben den Boden überzog. Chewie und Anakin liefen zurück zum Falken, stolperten dabei immer wieder über hektisch Umherirrende und bereits Verletzte. Anakin ging zu Boden. Der Wookiee zog ein gerademal dem Krabbelalter entwachsenes Kind in seinen linken Arm, mit dem rechten packte er Anakin und schleifte diesen hinter sich her, bis der Jugendliche wieder selbst laufen konnte – zumindest für ein paar Schritte. Sie waren bereits an der Rampe des Falken angelangt, als eine weitere Bö einen Steinregen an ihnen vorbeischießen ließ. Einer der Steine traf Anakins Kopf und er fiel erneut. Chewie heulte auf und zog ihn wieder hoch, während der Falke, auf einmal ein dutzend Meter von ihnen entfernt, knapp über dem Boden dahinschlidderte. Chewie warf das einjährige Kind in Richtung der Einstiegsluke – und Han fing es auf, um es ins Innere seines Schiffs weiterzureichen.

Chewie packte erneut zu. Anakin wurde vom Boden hochgehoben und fühlte sich in den starken Armen des Wookiee auf einmal leicht wie eine Feder. Wie lange war es eigentlich her, dass ihn jemand derart hochgehoben und in den Armen getragen hatte? War es Winter gewesen … oder die Droiden-Nanna … oder doch Leia, seine Mutter?

„Chewie!", hörte Anakin seinen Vater schreien, dann flog er dem Kind von vorhin hinterher – geradewegs in die Sicherheit des Milleniumfalken.

Zwei starke Arme, deren Geruch er kannte, fingen ihn auf, dann verlor Anakin Solo das Bewusstsein. Der endlose Fall ins Nichts endete, als sich der Boden unter Anakin bewegte. Der Falke zog hart nach oben und Anakin erhob sich, um zu seinem Vater ins Cockpit zu taumeln. Als er durch den kreisförmigen Hauptaufenthaltsraum kam, entdeckte er im Gewühl der Geretteten jenes einjährige Kind. Man hatte dem Jungen einen bequemen Sitzplatz am runden Dejarik-Tisch gegeben - und jetzt strahlten Anakin von dort die grünen Augen an, die zuvor dankbar Chewbacca angeschaut hatten. Der Kleine hatte ihn wiedererkannt!

Er riss seinen Blick von dem Jungen los und lief weiter, bis er das Cockpit erreichte. Erleichtert ließ sich Anakin neben seinem Vater in den Copilotensessel fallen und schaute in Sernpidals Abendhimmel, bevor er sich der Steuerung zuwenden würde. Aber diese kleine Pause musste sein.

„Wo ist er!?", schrie Han seinen Sohn an.

Anakin glotzte seinen Vater an.

„Wo ist Chewie!?"

Anakin überlegte fieberhaft. Er war doch gerade erst wieder aufgewacht. Sicher war Chewie gleich nach ihm … Aber dann säße der Wookiee hier im Sessel und nicht er … und sein Vater würde nicht ... „Nach links", presste er schließlich hervor.

Han wendete und dann sahen sie Chewie, der unten auf dem Boden stand, umringt von anderen Verzweifelten, Zurückgelassenen. Und hinter dem Wookiee und all den Verlorenen vollzog sich der finale Abstieg von Dobido, die Ankunft jener Göttin in all ihrer vernichtenden Glorie, die die frommen Bewohner von Sernpidal, die immer noch auf den trümmerübersäten Straßen beteten, verkündet hatten. Anakin wusste sofort, dass ihnen keine Zeit mehr blieb – für niemanden. In seinen jungen Ohren gellte der flehentliche Schrei seines Vaters, ihn zurückzubringen – zurück zu Chewie. Aber der junge Jedi wusste, dass sie dann alle zum Tode verdammt sein würden. Anakin Organa-Solo zog die Nase des Milleniumfalken hoch und beschleunigte.

Chewbacca unten wurde immer kleiner. Noch sahen sie seine erhobenen Arme, seinen aufgerissenen Mund. Anakin vermeinte gar noch das letzte trotzige, verzweifelte Brüllen des Wookiee zu hören, als all diese Bilder hinweggefegt wurden – in jenem Moment, in welchem sich der Mond Dobido in die Erde seines Mutterplaneten Sernpidal hineingrub.


Note der Autorin: Auch in diesem Kapitel finden sich wieder viele Begebenheiten und Zitate aus „Die Abtrünnigen", dem ersten Band der Reihe „Das Erbe der Jediritter" von R.A. Salvatore (2000)