Auf dem Weltschiff der Praetorite Vong auf Helska IV – im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin - am neunten Tag der Invasion der Yuuzhan Vong

Präfekt Da'Gara hielt in seiner Rede inne, als der Übertragungssack ein lautes Geräusch machte, das Danni so noch nie gehört hatte. Es war das Geräusch, das sie eigentlich erwartet hatte, als jener vermeintliche Komet auf Helska IV auftraf. Auf den Monitoren in der Station auf Belkadan hätte man dieses Geräusch freilich nicht aufnehmen können, wäre es denn je erklungen, aber jetzt hörte Danni es nicht nur, sondern sah auch live und in Farbe, wie sich der fehlgeleitete Mond Dobido in den Boden der Hauptstadt von Sernpidal bohrte.

Ihr Verstand weigerte sich zu begreifen, was ihre Augen gerade sahen. Immerhin hatte Da'Gara endlich seine langbekrallte Klaue wieder von ihrer Schulter genommen.

„Zweifeln Sie immer noch an unserer Macht?", fragte der Präfekt seine Gefangene.

Danni wandte ihren Blick vom Übertragungssack ab und sah zu dem anderthalb Köpfe größeren Mann auf. „Nein, an Ihrer Macht habe ich gar keine Zweifel."

„An was zweifeln Sie dann?"

Entgegen Da'Garas Erwartung kam keine trotzige Erwiderung. „Sie glauben wirklich, dass Sie mit solchen Aktionen die Leute einschüchtern können, so dass sie Ihnen folgen werden wie brave Shaaks."

Die melancholische Herablassung in Dannis Stimme bei dieser durchaus richtigen Feststellung provozierte ihn noch mehr und er beschloss, nicht darauf einzugehen. „Was sind Shaaks?"

„Es sind friedliche Pflanzenfresser vom Planeten Naboo", erklärte Danni dem Außergalaktischen. „Aber warum sollten die Leute Ihrer Wahrheit sonst folgen, wenn Sie sie nicht zwingen?"

Da'Gara unterdrückte das Ballen einer Faust und zwang sich zur Wahrung seiner Gelassenheit. Dann wies auf den Übertragungssack. „Weil sie ansonsten das hier erwartet."

Danni starte auf den immer noch lebendigen Bildschirm. Das hellbraune Feld, auf dem immer noch fliehende Schiffe starteten, war mit Trümmern und Leichen übersät. Da'Gara wischte über den Bildschirm und das Bild zoomte etwas weiter fort, so dass Danni einen großen Ausschnitt von Sernpidal sehen konnte – alles tot, nichts bewegte sich mehr, außer der Erde, die noch im Nachbeben zuckte … und dann, ohne jede Vorwarnung, entstand ein schwarzer Riss auf dem Bildschirm. Danni glaubte zunächst an eine technische Störung, doch leider war dem nicht so. Ein zweiter Riss ging vom ersten ab, verzweigte sich erneut und dann brach Sernpidal in mehrere Teile auseinander. Zwischen die vier, fünf … zehn auseinanderdriftenden Trümmerteilen ergoss sich eine Dunkelheit, die daher rührte, dass durch die nun rapide heruntergefahrene Gravitation der einzelnen Teile die Atmosphäre Sernpidals optisch und real auf ein Minimum reduziert worden war und der Schwärze des Alls Platz machte. Danni sah Sterne zwischen den davondriftenden Überresten des Planeten aufgehen und ihre Augen wurden feucht.

„Schon bald werden diese Reste Sernpidals einer neuen Bestimmung gewidmet werden", versprach Da'Gara und Danni stülpte sich der Magen um angesichts der pathetischen Worte, mit denen der Präfekt die monströse Zerstörung Sernpidals rechtfertigte.

Trotzdem zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Der Präfekt glaubte offenbar weiter, sie belehren und gar bekehren zu können und also musste sie auf Zeit spielen, um später weitergeben zu können, was sie bislang auf Helska IV erfahren hatte. „Und wie genau sieht diese Bestimmung aus?", fragte sie sachlich.

„Wir werden hier neue Schiffswerften bauen", verkündete Da'Gara. „Es wird genug für mehrere Weltschiffe zu fressen geben, bis sie erwachsen geworden sind und unsere Leute in sich aufnehmen können. Die Miid Ro'iks und Yorik-ets brauchen ja nicht ganz so viel Nahrung."

Danni verkniff sich die Frage danach, was nach dem Erwachsenwerden mehrerer Weltschiffe noch von Sernpidal übrig sein würde. „Gibt es denn auch Pflanzen, die Sie anbauen werden? Tiere, die Sie züchten?"

„Davon haben wir jede Menge", bestätigte der Präfekt. „Es müssen lediglich geeignete Welten gefunden werden, wo diese Nutzpflanzen und -tiere auch wachsen und gedeihen können."

„Was ist mit Belkadan?", wollte Danni wissen.

„Dort werden wir vor allem Korallenskipper anbauen. Das heiße, feuchte Klima Ihres früheren Arbeitsorts ist ideal dafür, hat mir Yomin Carr berichtet."

„Wie geht es ihm denn?"

Danni registrierte, dass Da'Gara einen Moment innehielt, bevor er antwortete. „Agent Yomin Carr hat seinen Auftrag auf Belkadan hervorragend erfüllt und sich dadurch in den Reihen der Praetorite Vong große Ehre erworben."

Danni ließ sich diese Worte durch den Kopf gehen. Entweder wollte ihr Da'Gara nichts Näheres über ihren früheren Kollegen mitteilen oder aber er wusste es schlicht und ergreifend nicht und versteckte sich jetzt hinter leeren Floskeln. Es gab einige Kulturen in dieser Galaxis, die es im Falle negativer Auskünfte genauso hielten.

„Wieso glauben Sie eigentlich, dass Ihr Lebensstil besser ist als unserer?", kam sie zu einem neuen Punkt.

„Weil unsere Schöpfungen unglaublich effektiv und gehorsam sind, anstatt in wilder Beliebigkeit vor sich hin zu vegetieren und dabei Chaos anzurichten", erklärte Da'Gara vollkommen überzeugt.

Danni starrte auf den Übertragungssack, zählte erneut die Überreste des zerstörten Planeten, die sich immer weiter voneinander entfernten. „Und es hat in Ihrer Geschichte noch niemals Fehlentwicklungen gegeben?", sondierte sie weiter.

„Ja, die gab es. Nachdem wir die Droidenrassen der Abominors und Silentiums besiegt hatten, brachen innerhalb unseres Volkes Richtungs- und Machtkämpfe aus", begann der Präfekt zu erzählen. „Besonders die Domäne Steng auf dem Planeten Ygziir war sehr renitent. Aber dann setzte der legendäre General Yo'Gand seine brillante Dovin Basal-Strategie gegen den Planeten ein."

Er ließ eine Pause, um Dannis Reaktion zu testen – und ihre Merkfähigkeit. „Yo'Gand hat einen Mond auf Ygziir herabstürzen lassen", schlussfolgerte Danni.

Da'Gara grinste. „Sehr gut, Danni Quee! Und seitdem waren alle Yuuzhan Vong vereint im Kampf und auch später während unserer langen Reise zu eurer Galaxis."

„Wann war Ygziirs Untergang?"

Da'Gara machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das ist jetzt bereits tausend Standardjahre her. Und außerdem haben wir jegliche Lebensform in unserem Umfeld derart perfektioniert, dass nichts und niemand mehr unsere Harmonie mit der Schöpfung als solcher noch stören kann."

Danni erschauderte. Tausend Jahre. Kein Wunder, dass sich diese Leute unbesiegbar glaubten! „Und wie lange sind Sie bis hierher unterwegs gewesen?"

„Tausend Jahre."

Ein Pyrrhussieg also damals auf Ygziir, dachte Danni und fragte sich, wie oft und in welchem Zusammenhang sie von Da'Gara wohl noch die Zahl Tausend zu hören bekommen würde.

„Warum sind Sie eigentlich aus Ihrer Galaxis …", sie suchte nach einem möglichst harmlos klingenden Wort, „abgereist?"

„Unser Ringen um Perfektion nach dem Willen unserer Götter erforderte einen hohen Preis", gestand der Präfekt und klang nicht mehr ganz so stolz wie vorhin. „Die Droidenrassen der Silentiums und Abominor waren tückisch und hätten unser Volk um ein Haar ausgerottet, wäre nicht Yun-Yammka erschienen, um uns die Kraft zu geben, um zu widerstehen. Glauben Sie mir, Danni Quee: Ich und jeder andere Yuuzhan Vong würde, um den Göttern zu gefallen, jederzeit erneut ein solches Opfer bringen – und das mit Freuden."

Danni schloss halb ihre Augen. „Ihre Hingabe ist in der Tat beeindruckend. Ich kann Ihnen versichern, dass die Droiden in unserer Galaxis noch nie versucht haben, die Macht zu übernehmen."

Da'Gara lächelte sie an. „Umso einfacher für uns. Und unsere Agenten sind auch noch keinem anderen natürlichen Volk hier in dieser Galaxis begegnet, welches es an Effizienz und Intelligenz mit uns würde aufnehmen können."

Danni überlegte. Ihr fielen durchaus hochintelligente Rassen wie Muuns oder Siniteen ein – durchweg friedliebende Völker, die sich bislang nicht durch kriegerische Raubzüge hervorgetan hatten – wovon sie vermutlich ihre überlegene Intelligenz abgehalten hat.

„Sie fragen sich bestimmt seit einiger Zeit, was ein Yuuzhan Vong wie ich von einem Menschen wie Ihnen möchte, weil Sie meinen Worten nicht trauen", sagte Da'Gara in verschwörerischem Tonfall.

Danni beschloss, ihn in dem Glauben zu lassen, ihre Gedanken gelesen zu haben. Ein gesprächiger Da'Gara schien guter Laune zu sein und sie musste den Anführer der Praetorite Vong bei Laune halten, um durchzuhalten, so wie sie es sich auch für Miko Reglia wünschte, den angeblich unwürdigen Jedi.

„Es ist so, dass wir Yuuzhan Vong durchaus dafür offen sind, uns durch andere Völker bereichern zu lassen, wenn wir Ausnahmetalenten wie Ihnen begegnen. Wir haben im Laufe der Jahrtausende verschiedene Spezies assimiliert, wie Sie bald feststellen werden, wenn Sie länger bei uns bleiben. Bei uns Yuuzhan Vong gibt es verschiedene Schädelformen, verschiedene Hautfarben, Augenformen und Formationen der Zähne – alles Zeichen der erfolgreichen Assimilation würdiger Vertreter fremder Spezies."

Danni schluckte. Sie trieb weniger die Frage um, was mit den Vertretern jener Spezies geschehen war, die für nichtassimilationswürdig befunden worden waren, sondern eher der begehrliche Blick von Da'Garas schwarzen Augen. Allerdings hatte sie auch mitbekommen, dass Männer und Frauen bei seinem Volk in Gleichberechtigung miteinander lebten. Sicherlich würde ihr der Präfekt nicht ungefragt zu nahe kommen – ihr Zeit lassen. Aber wieviel Zeit? Würde jemand kommen, um sie zu retten, bevor seine Geduld erschöpft sein und sie dem Yammosk doch noch als Opfer dargebracht werden würde?

Danni schaute zum Übertragungssack. Gerade trieb das letzte Stück Sernpidals aus dem Blickfeld des runden Monitors. Alles, was sie jetzt sehen konnte, war besternte Schwärze, als sei es niemals anders gewesen. In regelmäßigen Abständen blitzte der eine oder andere Stern auf, ansonsten sah alles ruhig aus, geradezu langweilig-friedlich – wie ein Bildschirmschoner. Da'Gara trat zu dem Wesen und streichelte dessen Oberseite. Sofort erlosch der Sack und hatte wieder die unscheinbare Gestalt wie vorher.

„Ich nehme an, dass Sie jetzt Hunger haben", sagte Da'Gara. „Würden Sie mich zu diesem Zweck in die Offiziersmesse begleiten, bevor ich Sie wieder zu dem Unwürdigen zurückbringe?"

Danni nickte. „Ja, gerne", sagte sie, obwohl sie nach der schaurigen Vorführung überhaupt keinen Appetit hatte, von Hunger ganz zu schweigen.

Im Prinzip lief das Ganze ab wie bei einem Date - und Danni Quee machte mit. Sie musste Zeit schinden, um später die Welten zu retten, die noch zu retten waren.

Sie verließen den Raum und Da'Gara geleitete Danni über einen Flur zu einem doppelsträngigen Schacht, in welchem sich mehrere etwas mehr als mannshohe, offene Kapseln in einer durchgehenden Kette links nach oben oder rechts nach unten bewegten. Da'Gara bedeutete Danni, in eine der Kapseln zu steigen und sie traten gleichzeitig ein, um zwei Stockwerke weiter nach oben zu fahren. Sie stiegen aus und Danni sah einen großen überkuppelten Raum mit mehreren Sitzgruppen, an denen sich einige Yuuzhan Vong niedergelassen hatten, die mindestens ebenso stark tätowiert und vernarbt waren wie der Präfekt an ihrer Seite. Sie gingen an eine Theke, wo es viele Fisch- und Gemüsespeisen gab, die Danni so noch nie gesehen hatte. Da'Gara fragte sie, was sie essen wollte und erklärte ihr einige der Sorten und Danni wählte nach Gefühl aus, was sie am wenigsten wieder hervorbrechen würde angesichts der Filmvorführung eben.

Der Präfekt stellte sein Tablett auf einen Tisch nahe der Theke und begann, die Krabben zu schälen, die er sich von der Thekenkraft hatte geben lassen. Die leeren Schalen warf er einfach auf den Boden. Danni runzelte zunächst die Stirn, dann sah sie, wie eine rotbraune Raupe angekrochen kam, um den frischgefallenen Abfall zu vertilgen.

„So entsorgen Sie Ihren Müll?", fragte Danni ihren Gastgeber.

„Die Kaastoags verzehren in der Tat viele Speisereste", erklärte Da'Gara. „Am späten Nachmittag kommen dann die Gestalter und nehmen den Kaastoags die Seide ab, die sie für unsere vornehmere Kleidung in einer Drüse im Unterleib produzieren."

Danni nickte. „Eine sehr vielseitige Verwendung."

Da'Gara lächelte. „Vielseitig und effizient."

Mit den gefüllten Tabletts in ihren Händen, dirigierte Da'Gara Danni zu einem Tisch, an welchem eine Frau und ein Mann saßen. Danni konnte die Präfektin Ma'Shraid erkennen; neben ihr saß ein Mann, der ähnlich wichtig aussah. Beide trugen Vonduun-Krabbenrüstungen und ließen es sich schmecken.

„Darf ich Ihnen meinen Gast vorstellen – Danni Quee, Astronomin von Belkadan", sagte der Präfekt auf Basic.

„Guten Tag!", sagte Danni und dachte an den Yammosk.

„Präfektin Ma'Shraid kennen Sie ja bereits", wandte sich Da'Gara wieder Danni zu. „Und das ist Präfekt Dooje Brolo, dessen Weltschiff erst heute ankam."

Danni nickte dem dritten Präfekten zu, sagte jedoch nichts. Der Mann hatte genauso schwarze Augen wie Da'Gara, schlang das Essen ziemlich schnell hinunter und schien überhaupt sehr energisch bis ungeduldig zu sein. Da'Gara reichte Danni einen rotbraunen Wurm. „Wir werden uns jetzt etwas in unserer Muttersprache unterhalten", bereitete der Präfekt Danni auf eine neue Art der Konversation vor. „Setzen Sie den Tizowyrm in eines ihrer Ohren ein und sie werden verstehen."

Danni nahm den Wurm aus seiner Hand und betrachtete ihn. Das Geschöpf war vielleicht drei Zentimeter lang, würde in ihrer Ohrhöhle also geradeso genügend Platz finden. Zögerlich führte sie das Ding an ihr Ohr und der Tizowyrm glitt hinein und brachte sich in eine Position, die Danni als nicht so schlimm empfand.

„Meine Piloten sind erschöpft und fühlen sich beschämt, weil sie auf der Welt, die die Ungläubigen Dubrillion nennen, nicht die Ehre fanden, die sie ersehnt haben", begann Ma'Shraid und Danni sog die fremde Sprache in sich ein, während der Tizowyrm in ihrem Ohr ins Basic übersetzte.

„Keine Sorge", entgegnete Da'Gara der Präfektin. „Sie werden neue Energie tanken und sich neu bewaffnen."

„Aber der Planet bleibt in der Hand der Ungläubigen", moserte Ma'Shraid weiter.

„Und genauso sollte es sein, um die Feinde in falscher Sicherheit zu wiegen", erklärte Da'Gara souverän. „Es war lediglich ein Test, mit dem der Kriegskoordinator die Verteidigungsanlagen des nächsten Planeten in der Reihe überprüfen wollte. Wir wussten bereits über die Natur ihrer kleinen Kampfjäger Bescheid, seit vor fünf Tagen dieser Unwürdige mit seinen Spießgesellen über unserer Basis aufkreuzte. Und nun haben wir gar etwas über ihre größeren Verteidigungsstrukturen in Erfahrung bringen können und haben eine Ahnung davon bekommen, was ihre besten Flieger leisten können, sollten sie uns erneut begegnen."

„Und?", hakte Dooje Brolo nach. „Waren diese Verteidigungsanlagen Furcht erregend? Haben euch diese Flugkünste beeindruckt?"

Da'Gara schnaubte. „Jenes Schiff, das eine bestimmte Art von Schilden generierte, wurde von uns zerstört. Ebenso die Hälfte der Bodengeschütze. Und inzwischen ist auch die Kampfjägerflotte von Dubrillion auf eine Handvoll reduziert."

„Wünscht der Kriegskoordinator, dass sich auch meine Korallenskipper dem Kampf anschließen?", bot Dooje Brolo an und Danni sah seine dunklen Augen kampfeslustig glitzern.

Da'Gara schüttelte den Kopf. „Die Korallenskipper werden zurückkehren, um Destrillion, den Schwesternplaneten Dubrillions, anzugreifen", erklärte er. „Aber sie werden nicht lange genug im System bleiben, sondern nur als Köder für unsere Feinde dienen. Wir wollen nicht, dass sie unsere wahre Stärke erkennen. Der Kriegskoordinator hat mir gezeigt, dass mächtigere Schiffe auf dem Weg sind, um die Planeten zu beschützen. Wir wollen sie hierher locken und dann können sich Ihre Leute beweisen. Und wenn der Feind dann unsere wahre Stärke erkennt, wird es zu spät sein."

Danni hätte sich fast an einem zugegebenermaßen köstlich schmeckenden Gemüsestück verschluckt, hielt die Luft an und konnte das Würgen gerade noch aufhalten. Das Gemüse kam wieder hoch in ihren Mund und sie zerkaute es weiter – und hörte zu.

„Das wird ein ruhmreicher Tag werden", meinte Ma'Shraid.

„Und dann werden wir uns den Schwesternplaneten Dubrillion und Destrillion widmen", ergänzte Brolo.

Da'Gara machte mit seiner linken Hand, die nicht mit dem Essen beschäftigt war, eine weitausgreifende Geste. „Und dann greifen wir nach dem Kern der Galaxis", verkündete der Präfekt. „Der Yammosk und ich haben geplant, diese beiden Planeten für unseren Nachschub auszubeuten und dort vielleicht eine zweite Basis zu errichten."

Ma'Shraid hielt die Luft an und Danni sah, dass Dooje Brolos Augen größer wurden.

„Der Kriegskoordinator wird sich teilen?", fragte Ma'Shraid.

„Schneller, als wir es für möglich gehalten hätten", informierte Da'Gara die andere Präfektin. „Wir werden unsere zweite Basis errichten, sobald die unmittelbare Bedrohung eliminiert ist, und diese zweite Basis wird unserem Großen Kriegskoordinator erlauben, sich auf eine weitere Teilung zu konzentrieren. Der zweite Yammosk wird unmittelbar durch seine geistige Verbindung mit dem ersten ausgebildet werden. Obwohl ich bis jetzt noch keinen Kontakt mit meinem Agenten vor Ort hatte, gehe ich außerdem davon aus, dass die Metamorphose des Planeten Belkadan beinahe vollendet ist." Er schaute Danni direkt in die Augen. „Wir werden dort schon bald Yorik-Korallen anpflanzen können, die schnell wachsen werden."

Die beiden anderen Präfekten lächelten erst sich, dann Danni an. „Dann werden die Praetorite Vong die zweite Ebene erreichen", erklärte Ma'Shraid und ihre braunen Augen zwinkerten Danni zu. „Die Ebene der Festigung und des Aufbaus und dann werden eure Völker schon sehen, was für eine blühende Zukunft diese Galaxis erwarten wird."

Danni lächelte zurück. Vielleicht meinte es diese Frau wirklich gut mit ihr – und mit dieser für sie neuen Galaxis, aber Danni dachte nur eins: Uns wird was blühen!

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Auf dem Planeten Dubrillion – am elften Tag der Invasion

Es war das zweite Gipfeltreffen, welches Luke, Mara, Han und Leia unter Lando Calrissians Schirmherrschaft auf dessen Heimatplaneten Dubrillion abhielten, um die neuesten Entwicklungen auszuwerten und über neue Maßnahmen dagegen zu beraten. Mara und Luke waren nach ihrem Flug nach Belkadan zunächst weiter nach Helska IV gereist, um Kyp Durrons Spur zu folgen und zu überprüfen, was an seiner dringenden Nachricht dran war. Auch das Jedi-Ehepaar hatte auf Helska IV Bekanntschaft mit den Korallenskippern gemacht, aber bereits Yomin Carrs Tod durch Maras Hand war beiden genug gewesen, um zu dem Schluss zu gelangen, dass der Besatzung des alten Spacecaster-Schiffes auf dem Eisplaneten höchste Gefahr drohte.

Noch bevor der Milleniumfalke den Orbit von Sernpidal verlassen hatte, war Kyp Durron mit seinem lädierten XJ-X-Wing zu ihnen gestoßen und hatte sein Puzzleteil der neuesten Ereignisse beigesteuert. Der Milleniumfalke hatte einen langen Flüchtlingskonvoi an Schiffen nach Dubrillion dirigiert – nicht ohne Zwischenfälle, denn es waren auch hier Korallenskipper aufgetaucht, um die Flüchtlinge vor sich her zu treiben – und um jene hyperraumfähigen Käfer abzusetzen, die so manches Schiff zerfraßen, bevor es in den nicht mehr ganz so sicheren Hafen, den Landos neue Heimat darstellte, fliehen konnte.

Jetzt war einer der bunten Korallenjäger im Besitz von Lando Calrissian und dieser zeigte die Beute seinen Freunden.

„Wir haben es am Rande der Stadt gefunden. Die Pilotin war bereits tot, aber wir fanden es trotzdem mit unseren Sensoren, die darauf eingestellt waren, Lebensformen zu entdecken. Das Schiff ist ein lebendiger Organismus", erklärte Lando und strich mit der rechten Hand fast zärtlich über die raue Außenhülle. „Und es ist schön – sowohl, was das Aussehen als auch den Zusammenhang zwischen Funktion und Design angeht."

„Ja, es ist wirklich schön", bestätigte Luke und fuhr mit seiner echten linken Hand ebenfalls über die raue Oberfläche, die lila schimmerte. Jetzt, wo er nicht dagegen kämpfen musste, bemerkte er, dass dieses Schiff eine dreieckige Form hatte. Es erinnerte ihn entfernt an einen imperialen Sternzerstörer en miniature, jedoch mit all den Ausstülpungen für die vielen vulkanischen Geschütze, die er schon live in Aktion erlebt hatte.

„Es ist aus einem Guss", stellte der Jedimeister fest. „Wie eine Koralle, die auf irgendeiner Felsbank im Meer heranwächst."

„Das beste Kampfjägerdesign, das meine Wissenschaftler je gesehen haben", pries Lando die Beute. „Es kann so schnell wenden wie ein A-Flügler und hat mehr Feuerkraft als beinahe alles in jeder Größe, was wir bringen könnten."

„Was ist mit der Pilotin passiert?", wollte Han wissen.

„Gebrochene Halswirbelsäule infolge einer unsanften Landung", begann Lando. „Du hättest sie sehen sollen. Muskulös wie ein hapanischer Kickboxer und am ganzen Körper bedeckt mit Tätowierungen. Kopf und Gesicht voller Narben und Unterkiefer und Nase mindestens ein dutzend Mal gebrochen – eine echte Schönheit also."

„Genau wie bei der Leiche, die wir von Belkadan mitgebracht haben", brachte sich Mara ein. „Es handelt sich also um dieselbe Spezies."

Han rümpfte die Nase und sah wieder Lando an. „Hatte die Pilotin so wenig an, dass du das alles so genau sehen konntest?"

Lando senkte den Blick. „Sie trug in der Tat nur einen Rock, mehr ein Lendenschurz, um ihre Mitte zu bedecken. Aber ich glaube, viel wichtiger ist diese Maske, die auf ihrem Kopf saß und durch eine Schnur mit der Cockpitdecke verbunden ist. Das war ihre Verbindung zu ihrem … Gefährten."

Lukes blaue Augen wurden ein Stück größer. „Ihr Gefährte?"

„Die Pilotin war mit ihrem Schiff verbunden", sagte Lando feierlich. „Es war, als ritte sie es mehr, als dass sie es flog, wie die Sandleute auf Tatooine und ihre Banthas."

Luke schaute durch die geöffnete Luke zu der gelblichen Hülle, die wie von Lando beschrieben von der niedrigen Decke des Cockpits hing. Dann bestieg den leeren Pilotensitz, ergriff die Maske und setzte sie auf. Seine blauen Augen blinzelten kurz, denn das Schiff um ihn herum schien nicht mehr zu existieren. Luke saß mitten auf dem Platz und sah seine Freunde um sich herumstehen. So sehen sie im All während des Gefechts – ohne, dass eine Wand die Sicht nimmt. Er drehte sich um und sah hinter sich Landos Villa, welche er wegen des Hecks des Korallenskippers unmöglich sehen konnte. Faszinierend! Luke hörte ein leises Murmeln. Es klang wie die Sprache aus dem braunen Ball, den sie in Yomin Carrs Quartier auf Belkadan gefunden hatten. Offenbar konnten sie damit den Funkverkehr des Feindes abhören, wenn sie die Sprache verstanden. Luke versuchte, sich in die Macht zu versenken, um wenigstens etwas von der fremden Sprache zu verstehen, aber der große Helfer blieb stumm.

Stopp, so funktioniert das nicht.

Luke setzte die organische Haube wieder ab. Es war dieser Augenblick des Innehaltens, als Lukes Blick auf einen durchsichtigen, gallertartigen Klumpen fiel, der an der Wand des Korallenskippers in einer halbrunden Nische ruhte. Und gleich daneben in einer gleichgearteten Nische lag ein sternförmiges Quallengeschöpf.

Er schaute zu Lando, Han und Mara, die geduldig außerhalb des Korallenskippers warteten.

„Sagt der Helm etwas?", fragte Lando. „So wie ein HUD?"

Luke nickte nachdenklich. „So etwas in der Art. Wir brauchen 3PO. Ich will alles über dieses Schiff wissen." Er zeigte auf die beiden Nischen. „Und über diese beiden Dinge ganz besonders."

„Ich geh ihn holen", kündigte Han an.

Nach einer Weile erschien Han mit C-3PO im Schlepptau.

„Wieso soll ich mir das antun? Diese Kreatur wird mich zermalmen und dann ist mein Speicher für immer dahin", lamentierte 3-PO.

„Nein, wird sie nicht. Es ist doch nur – ein Schiff ... Und falls doch …", fügte Han hinzu und wies auf seinen Blaster.

„Master Solo, ich bezweifle stark …"

„Jetzt steig schon ein, sonst trifft der Blaster dich!"

C-3PO lamentierte lauter und Han lächelte. Gleich wird er nachgeben. Und tatsächlich – unter viel Gezeter betrat der goldene Droide endlich das Schiff, setzte sich auf den Pilotensitz und streifte sich die Kontrollmaske der toten Pilotin über den Kopf.

„Zumindest ist er jetzt ruhig", meinte Han zu Luke und Lando.

Es dauerte eine Weile, bis C-3PO die Maske wieder vom Kopf streifte.

„Es ist keine sonderlich schwierige Sprache, Master Luke", verkündete C-3PO. „Ähnlich wie die janguinische Sprache der Dschungelbarbaren von …"

Luke hob die Hand. „Das bitte später. Was treibt diese Schiffe eigentlich an?"

„Sie bewegen sich durch Spucken vorwärts." C-3PO wand sich verlegen. „Also durch das Benutzen des Rückstoßes ihrer Geschütze und die Manipulation der Gravitation. Und sie fressen Felsgestein, um sich zu ernähren und um ihre Waffen neu aufzuladen und sich zu regenerieren."

Die Einfachheit dieser Antworten verblüffte Luke.

„Wieso hat es dir so viel erzählt?", wunderte sich Han.

„Weil es Hunger hat", kam die hochgeschraubt-dramatische Antwort des Droiden.

„Keine Sorge, du bist aus Blech. Es wird dich nicht fressen", beruhigte Luke C-3PO, dann wies er erneut auf die beiden Nischen. „Hat dir das Schiff gesagt, um was es sich bei diesen beiden Geschöpfen handelt?"

„Das eine ist ein Schutzanzug, der sowohl vor Kälte als auch vor Hitze schützt", erklärte C-3PO. „Der Quallenstern ist eine Atemmaske."

„O.k., danke", sagte Luke. „Du kannst jetzt wieder aussteigen."

Schneller als er ihn bestiegen hatte, verließ C-3PO den Korallenskipper und trat weiter von ihm weg als all die Menschen bei ihm um das Schiff herumstanden. Luke ließ sich von ihm noch einige wichtige Hinweise geben, dann nahm er den Klumpen aus der Nische. Sofort dehnte sich die Gallerte aus, zog sich über seine Hand und von dort aus weiter den Arm hinauf. Winzige Tentakel drangen in seine Haut ein. Es schmerzte, aber Luke hatte schon Schlimmeres erlebt – den Verlust einer Gliedmaße. Dies hier jedoch war die Umkehrung davon – ein neues Organ, eine zweite Haut, die ihn schützte. Es dauerte weniger als eine Minute, dann war Luke in dem Kokon eingesponnen. Seine derart geschützte Hand griff nach dem Quallengeschöpf in der anderen Nische. Er sah den Tentakel daran und hielt sich das Ding vor den Mund – schätzte die Entfernung des Sterns bis zum unteren Ende des Tentakels ab und verglich sie mit der Länge seiner Kehle. An der Übereinstimmung beider Werte erkannte Luke, dass die Qualle den Anzug komplett machte. Er überlegte, ob er das organische Atemgerät jetzt auch ausprobieren sollte, dann entschied er sich anders. Er drückte den Punkt am Anzug, den ihm C-3PO als Aktivierungsknopf genannt hatte. Sofort zog sich der Anzug von ihm zurück und rollte sich wieder zu dem Ball zusammen, der er vorher gewesen war.

Lando musterte Luke, als suche er nach Rückständen des Anzugs auf der Kleidung des Jedi. „Wie aus dem Ei gepellt."

„Vielleicht ist es sogar etwas in der Art", murmelte Luke und reichte Lando das Quallengeschöpf zum Betrachten. „Der Tentakel verbindet sich direkt mit deinen Lungenflügeln."

Lando verzog den vollen Mund. „Sehr appetitlich."

Luke schmunzelte. „Nur wer atmen kann, kann später auch essen. Wie auch immer - Helska IV ist der Schlüssel. Jetzt verstehe ich, dass sie nicht einfach auf dem Eisplaneten leben, sondern sich unterhalb der Eiskruste eingenistet haben. Du hast doch schon Mienen auf Eisplaneten ausgebeutet, oder?"

Lando nickte langsam und rieb sich bedächtig das Kinn. „Es gibt da schon Möglichkeiten wie Schiffe, mit denen man sich durch die Eiskruste bohren kann – rein und wieder raus. Ich kann bis morgen eins von Destrillion herschaffen lassen."

„Dann werde ich damit nochmal nach Helska IV fliegen", kündigte Luke an.

„So ein Griffelschiff ist nicht hyperraumtauglich", informierte ihn Lando. „Es braucht ein Trägerschiff und meine Trägerschiffe dafür sind zwar sehr solide gebaut, aber eben auch demensprechend schwerfällig im Manövrieren – du verstehst schon."

„Und damit willst du ihre Basis unter dem Eis ausspionieren?", fragte Han seinen Schwager.

Luke nickte langsam.

„Kyp konnte diesen Leuten nur knapp entkommen und Miko Reglia ist dort abgestürzt und immer noch verschollen. Wir brauchen dich jetzt hier", widersprach Mara. „Ich mache das."

Ihr Mann legte ihr fürsorglich eine Hand auf die Schulter. „Das kommt überhaupt nicht infrage."

Mara protestierte nicht und Luke nahm das als Einverständnis, dass jemand anders diese Aufgabe übernehmen würde. Da sah er, wie C-3PO sich langsam umwandte, um von der Vierergruppe fortzustreben.

„Halt 3-PO", hielt Luke ihn auf. „Wir sind noch nicht fertig."

„Master Luke?"

„Da ist noch die Sache mit dem braunen Ball von Belkadan", erinnerte Mara, jenen Villip mit ihren Händen knetend. „Vielleicht eine Botschaft."

C-3PO nahm den Villip, den Luke und Mara von Belkadan mitgebracht hatten, in seine mechanischen Hände und drehte ihn hin und her.

„Du musst ihn streicheln – da an der Kerbe", sagte Mara und der Protokolldroide tat es.

„Es handelt sich tatsächlich um eine Botschaft", sagte C-3PO. „Die Praetorite Vong gehen weiter nach Plan vor. Ihr Teil ist im Augenblick erledigt. Gute Arbeit", rezitierte C-3PO gehorsam.

„Praetorite Vong?", wiederholten Han und Luke gleichzeitig.

„Den Namen habe ich schon einmal von Yomin Carr auf Belkadan gehört", sagte Mara.

„Eine Art Söldnertruppe?", fragte Han.

Lukes Mundwinkel zuckten skeptisch. „Dann eine ziemlich große, wenn es überhaupt eine ist."

Sie gingen wieder zurück zu Leia, die im Haus geblieben war, um die neuen Erkenntnisse mit ihr zu teilen. Es bestand für keinen der fünf noch irgendein Zweifel daran, dass all die Ereignisse von Helska IV, Sernpidal, Belkadan und jetzt auch noch die Angriffe auf Dubrillion, miteinander zu tun hatten. Das waren keine zufällig örtlich gehäuften Zufälle.

„Wer auch immer jetzt nach Helska IV aufbrechen wird, um die Basis auszuspähen, wird das nicht alleine tun", eröffnete Leia ihnen. „Ich war so frei, zum Holoprojektor zu gehen und eine Nachricht abzuhören, die gerade einging. Ein Sternzerstörer der Imperial-II-Klasse namens Jungbrunnen hat auf deinen Hilferuf reagiert, Lando."

Lando zupfte kurz an der Spange, die seinen heute blauen Umhang zusammenhielt. „Von wo?"

Leia nickte. „Commander Warshak Rojo sagte, dass er im Begriff sei, von Ord Mantell aufzubrechen. Er wird morgen über Dubrillion sein, um hier nach dem Rechten zu sehen. Die Jungbrunnen hat eine Einsatztruppe dabei. Ein paar kleine Kreuzer, Kanonenschiffe, einige Frachter und sogar einen Mannschaftstransporter."

„Das ist doch schon mal was", sagte Han anerkennend. „Auch wenn die Jungbrunnen für Sernpidal zu spät war – auf Helska IV werden wir früher aufstehen."

„Wir sollten uns jetzt um ein paar anständige Felsbrocken für unser Korallenschiff kümmern", kam Luke zu einem ganz profanen Anliegen. „Schließlich hat es gesagt, dass es Hunger hat."

„Ich werde dir Jacen vorbeischicken, damit er dir dabei hilft, Farmerjunge", sagte Han zu seinem Schwager und Freund.

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Zur selben Zeit auf Coruscant – Hauptquartier der Streitkräfte der Neuen Republik

Admiral Traest Kre'fey saß in seinem Büro und studierte die jüngsten militärischen Berichte von den aktuellen Brennpunkten innerhalb der Neuen Republik. Der Bürgerkrieg zwischen Rhommamool und Osarian war immer noch nicht beendet und jetzt waren gar rhommamoolianische Truppen in Osa-Prime einmarschiert und hielten die Hauptstadt von Osarian besetzt. Shok Tinoktin, der neue Anführer der Roten Ritter von Rhommamool, hatte kurzerhand den großen Platz vor dem Regierungsgebäude in Osa-Prime in Nom Anor-Platz umbenennen und auf diesem gar eine Statue des angeblich getöteten früheren Anführers der Roten Ritter aufstellen lassen. Allerdings waren bereits am nächsten Tag Schmierereien auf dem Denkmal gefunden worden und die neuen Namensschilder des Nom Anor-Platzes waren des Nachts ebenfalls wieder abmontiert worden.

Der Bothaner mit dem schneeweißen Fell lächelte milde über seine Neigung, sich beim Lesen an derartigen amüsanten, jedoch eher unwichtigen Einzelheiten festzuklammern.

Dann war da noch die Sache mit dem Mond, der auf Sernpidal gestürzt war. Kre'fey hätte gerne bei der Evakuierung der Planetenbevölkerung geholfen, aber die Katastrophe hatte sich so schnell vollzogen, dass jede Hilfe zu spät gekommen wäre. Der Admiral überlegte, wann so etwas schon einmal vorgekommen war, dass nicht nur ein Himmelskörper auf einen anderen geprallt, sondern der Planet darunter auch zerstückelt worden war. Ihm fiel kein Fall ein außer Alderaan und das war nur fünfundzwanzig Standardjahre her, wenn man bedachte, dass sich solche hochkarätigen Katastrophen natürlicher Art auf einem Planeten höchstens alle siebzig Millionen Jahre ereigneten. Ob auch hier irgendein finsterer Bösewicht die Hand im Spiel hatte? Aber Sernpidal war friedlich. Das war Alderaan auch gewesen. Sernpidal war weit weg. Niemand hätte irgendeinen Nutzen von der Zerstörung dieser Welt. Hatte jemand einen Nutzen?

Ein Summen ertönte und seine Sekretärin meldete sich. „Da ist eine junge Pilotin, die Sie sprechen möchte."

„Wo kommt sie denn her und was möchte sie?"

„Sie ist Mandalorianerin und kommt vom Äußeren Rand. Sie sagt, sie kann nur mit Ihnen darüber sprechen."

Kre'fey drückte einen anderen Knopf und die Verbindung wechselte. „Lieutenant Huskell, sichern Sie den Flur und alle Zugänge. Ich hab gleich eine Besucherin, bei der wir Vorsicht walten lassen müssen, aber mein Gefühl sagt mir, dass es eine schlechte Idee wäre, sie einfach wegzuschicken."

„Habe verstanden, Sir!"

Er drückte den Knopf erneut und die Anlage schaltete wieder die Sekretärin zu. „Lassen Sie sie noch zwei Minuten draußen schmoren, dann schicken Sie sie rein."

Zwei Minuten verstrichen und die Pilotin trat ein, der orange Fliegeroverall mit grauen Flecken übersät, das kurze, blonde Haar strähnig und verschwitzt. „Ich bin Krina Wren", stellte sich die junge Frau vor.

„Sind sie mit der legendären Sabine Wren von der Ghost-Crew verwandt?", fragte Kre'fey.

„Ich bin ihre Tochter."

Kre'fey lachte. „Und die Haare trotzdem ganz naturbelassen, aber wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich Ihnen die zwei Minuten Wartezeit erspart."

Sie lächelte. „Besser als zwei Stunden, aber was ich für Sie habe, eilt. Außergalaktische Eroberer sind vom Dalonbianschen System aus in unserer Galaxis eingedrungen und haben die Welt Birgis besetzt. Ich habe hier einige Daten, die meine Freunde sammeln konnten, damit Sie sich gegen diese Invasoren zur Wehr setzen können."

Kre'fey hob die schmalen Brauen. „Invasoren, sagen Sie. Dann geben Sie mal her."

Er schob die überreichte Datenkarte in sein Datapad und sah die Innenaufnahme aus den Eingeweiden des Miid Ro'ik namens Tarak-shi, dann die zerstörte Hauptstadt von Birgis, in welcher einige Yuuzhan Vong-Krieger in schwarzbedornter Rüstung gruppenweise Streife liefen.

„Wie viele von diesen Leuten gibt es?"

Krina zuckte mit den Schultern. „Sie sind recht verschlagen und wissen genau, wem sie was erzählen und was sie für sich behalten. Ich war von den Verteidigungsstreitkräften von Birgis angeheuert worden, um die Verteidigung des Raumhafens zu sichern, aber es gibt auch Mandalorianer, die für die Gegenseite arbeiten. Zum Schein jedenfalls. Von ihnen habe ich diese Informationen."

Kre'fey verzog den Mund. „Das wundert mich überhaupt nicht. Die Frage ist, warum helfen sie uns, wo doch die Mandalorianer sich ansonsten nur um sich selbst scheren?"

Krinas Blick wurde eindringlich. „Wenn sich alle nur um sich selbst scheren, ist diese Galaxis bald verloren, denn diese Leute sind hochorganisiert und sehr effizient. Sie kommen von außerhalb und keiner weiß, wie viele Reserven sie noch vor den Toren dieser Galaxis für uns in petto haben."

Kre'fey schaute auf sein Display, wo eine Datenkolonne seine Aufmerksamkeit fesselte. Es waren die Namen der Planeten, die als nächste Ziele im Invasionskorridor der Yuuzhan Vong eingeplant waren, dazu noch die von den Mandalorianern geschätzten Verluste an Leben und Material, die noch kommen würden.

„Ich weiß nicht, wie der Senat so etwas einschätzt, aber ich hoffe, die Neue Republik wird Hilfe schicken."

Krina kaute nervös an ihrer Unterlippe. „Das könnte Tage, Wochen dauern, wie ich den Senat kenne. Pedd IV und Artorias bräuchten jetzt Hilfe, bevor die Krabbenjungs dort auftauchen!"

„Ich bräuchte einen offiziellen Hilferuf von Autoritätspersonen der betroffenen Planeten selbst, um einen Sternenkreuzer losschicken zu können", deutete der Bothaner eine Lösung an.

„Wir könnten nach Informationen über den Präsidenten von Pedd IV im Holonet suchen und seine Unterschrift fälschen", schlug Krina vor. „Er wird nicht mehr widersprechen können, denn er wurde vor zwei Tagen von unbekannten Attentätern getötet."

„Sie sind sehr kreativ, Krina vom Clan Wren", lobte der Admiral die Pilotin. „Also gehen wir's an. Sie können Ihren Leuten sagen, dass Commander Ackdool zu Ihnen nach Pedd IV unterwegs sein wird."

Eine halbe Stunde später verließ Krina Wren Kre'feys Büro. Das war besser verlaufen, als sie gedacht hatte. Sie hatte ihre Kontakte nicht preisgegeben. Aber sie war überzeugt davon, dass Boba Fett und seine Leute auch bei der Ermordung des Präsidenten von Pedd IV ihre Finger im Auftrag der Yuuzhan Vong im Spiel gehabt hatten. Sie kannte das Vorgehensmuster. Aber so hatte sein Tod wenigstens im Nachhinein einen Sinn erhalten.

Nur zwei Stunden später stellte die Sekretärin ein Gespräch von Leia Organa-Solo zu ihrem Chef durch.

„Admiral, es geht um eine Invasion großen Stils", begann die alderaanische Prinzessin, die nicht mehr so genannt werden wollte. „Es handelt sich um Humanoide, die von außerhalb unserer Galaxis kommen. Die sogenannten Yuuzhan Vong haben auf dem Planeten Helska IV eine Basis errichtet und von dort aus mit sehr unkonventionellen Biowaffen die Nachbarplaneten Belkadan, Sernpidal und jetzt auch Dubrillion angegriffen."

„Das sind ja gleich drei Planeten auf einmal", gab Kre'fey zunächst eine etwas dümmliche Antwort. „Aber das deckt sich mit anderen Berichten, die ich erhalten habe."

Er hörte, wie Leia am anderen Ende der Verbindung aufatmete.

„Wir konnten bereits den Sternzerstörer von Commander Warshak Rojo über Ord Mantell per Hilferuf requirieren", sprach Leia weiter, „aber ich befürchte, das wird gegen diese hochgerüsteten Eroberer nicht ausreichen."

„Ich habe gerade Commander Ackdool in dieser Sache mit seiner Schlichter an einen anderen Ort in der Nähe entsandt, aber für eine kleinere Entsatzflotte für Commander Rojo wird es schon noch reichen", versprach der Bothaner.

„Sollte sich Commander Ackdool nicht auf Coruscant für den Ermittlungsausschuss in Sachen Rhommamool zur Verfügung halten?"

„Im Falle solcher Dringlichkeit brauchen wir jeden Militär", erklärte der Bothaner. „Ich habe den Staatschef überreden können, die Ermittlungen vorerst ohne Ackdool fortzuführen. Im Zweifelsfall kann man ihn auch über Interkom befragen, wo leben wir eigentlich?"

Leia lächelte. „Es war sicherlich nicht einfach, Borsk zu überzeugen. Ich danke Ihnen, Admiral. Ich bin auch schon dabei, einen Bericht für den Senat zu verfassen und hoffe, den mit weiteren Fakten füttern zu können, falls unsere Maßnahmen Erfolg haben."

„Tun Sie das, Prinzessin. Und Ihre Fakten in des Staatschefs Ohr. Wann werden Sie dem Senat den Bericht in dieser Sache vorlegen?"

„Sobald wir auf Helska IV fertig sind."

Kre'fey stützte das Kinn auf eine Hand. „Sie nehmen sich also ihre Basis vor. Haben Sie vielleicht eine Ahnung, wie groß die Streitmacht dieser Außergalaktischen ist?"

„Tut mir leid, Admiral, aber sie schirmen ihre Basis auf Helska IV sehr effektiv ab und wir wissen noch nicht einmal, wie viele von denen noch jenseits des galaktischen Rands warten."

„Gibt es sonst noch etwas, was ich für Sie tun kann, Leia?"

„Vielleicht interessiert es Sie, zu erfahren, dass Chewbacca auf Sernpidal getötet wurde."

Kre'fey senkte den Kopf. „Das tut mir leid. Richten sie Ihrem Mann mein Beileid aus."

„Ja, das werde ich", sagte Leia, doch sie glaubte nicht, dass Han das wirklich trösten würde.

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„Wir sollten direkt nach Helska fliegen", erklärte Commander Warshak Rojo von der Kommandobrücke der Jungbrunnen aus. „Die Ranger-Kanonenboote würden mit den kleineren Feindschiffen – wie haben Sie sie genannt? Korallenskipper? – zurechtkommen, während die Jungbrunnen sich um die Basis dieser Barbaren kümmert. Wir werden sie mit einem Schlag erledigen. Das kann ich Ihnen versichern, und dann können wir uns um die wichtigeren Dinge kümmern, mit denen die Neue Republik es zu tun hat. Wenn Sie wollen, können Sie sich tiefer im System anschließen", bot der glatzköpfige Mann mit dem eindeutig rasierten Schädel an.

„Sechs Tage", sagte Leia, die mit Han, Luke und Lando an einem kleinen, runden Tisch in einem eher kleinen Raum von Landos Villa saß und auf den Schirm schaute, der auf des Tisches Mitte stand. „Bis dahin werden wir drei Schlachtkreuzer, einen Abfangkreuzer, einen weiteren Sternzerstörer und die zugehörigen Sondertruppen haben, um Ihre Flanken zu sichern. Das hat mir Admiral Traest Kre'fey persönlich zugesichert."

Gerade eben hatte Commander Rojo seinen Kopf etwas zur Seite bewegt und der Diamantohrring, den er im rechten Ohr trug, glitzerte eitel dabei. „Wir brauchen nicht zu warten", bügelte Rojo Leias Angebot ab. „Ich habe genug Feuerkraft, um die feindliche Basis dem Erdboden gleichzumachen, und wenn es notwendig ist, auch den Planeten, auf dem sie sich befindet."

„Ich glaube, ich habe Sie verstanden", sagte Han in einem Tonfall, der mehr Fragen offenließ, als die Worte es bedeuteten.

„Wir fliegen", erklärte Rojo, „zur Not auch allein, wenn es nicht anders geht."

Die Übertragung brach ab und Leia seufzte. „Wofür hab ich mir eigentlich die Mühe mit den ganzen Anrufen gestern und heute gemacht?"

„Ein halsstarriger Corellianer eben – wie ich vor zwanzig Jahren", tröstete Han seine Frau.

„Und genauso leichtsinnig wie damals", sagte Leia. „Nur ist Commander Rojo fast so alt wie du."

Sie fühlte eine Veränderung und sah, wie ihr Zwillingsbruder den Kopf drehte. Und dort draußen, jenseits des Fensters sah sie es. Die langgezogene Silhouette des von Lando versprochenen Griffelschiffes hatte sich in den Nachthimmel von Dubrillion erhoben – und Leia hoffte wie ihr Bruder, dass dessen Name Glückauf auch hielt, was er versprach.


Note der Autorin: Auch in diesem Kapitel finden sich wieder viele Begebenheiten und Zitate aus „Die Abtrünnigen", dem ersten Band der Reihe „Das Erbe der Jediritter" von R.A. Salvatore (2000).