Kapitel 20d

Sonntag, 11. August 2002, Abend

Hermione ging direkt nach dem Abendessen nach oben, um sich für den Ball umzukleiden. Über den Rest der Schulbeiratssitzung war Severus schweigsam, aber sonst sehr aufmerksam gewesen.

In allen Büchern, die sie gelesen hatte, waren die Bälle fantastisch romantisch gewesen, und insgeheim hatte sie lange davon geträumt, an einem teilzunehmen. Heute Abend würde ihr Wunsch in Erfüllung gehen – und darüber hinaus würde sie einen Partner haben, dessen Anwesenheit allein ihren Herzschlag zum Rasen brachte – vorausgesetzt, er ließ sein dummes Kartenspiel liegen.

Sie kämmte ihren Pony nach vorn und ließ ihre Naturlocken sich kräuseln. Um die Ohren herum schuf sie Korkenzieherlocken. Das restliche, lange Haar wand sie zu einem hohen, lockeren Knoten, aus dem sich einzelne Locken über ihrem Nacken ringelten. Anschließend platzierte sie einen langen Schal aus Goldstoff direkt über dem Pony auf dem Oberkopf. Unter dem Knoten legte sie den Schal über Kreuz zu einem goldenen Band in ihrem braunen Haar, wand es um den Knoten, schob die Enden ein und steckte sie fest. Da! Eine griechische Haartracht, auf die jede Regencylady stolz wäre. Zum Abschluss steckte sie eine Menge winziger, mit Glassteinchen besetzter Haarnadeln in ihren Haarknoten, bis es aussah, als trüge sie Sterne im Haar.

Ihr seidenes Ballkleid war einfach, aber elegant. Das weiße Unterkleid war unter der Brust gerafft und fiel in einer schmalen Silhouette bis zu ihren Knöcheln. Es hatte kleine Puffärmel, die mit einem Stoff mit goldenen Rosetten mit weißen Perlchen eingefasst waren, und dieselben Rosetten zierten das breite, eckige – und unanständig tief ausgeschnittene – Dekolleté. Das Überkleid verschaffte ihrem inneren Pfau besondere Genugtuung. Aus purpurfarbener Seide mit einer kurzen Halbschleppe, war es die ganzen Vorderkanten und die Schleppe entlang mit einem metallischen Stoff aus Goldspitze verziert. Unterhalb ihrer Brüste wurde das Überkleid mit einem purpurroten Seidenband geschlossen. Sie vervollständigte ihre Toilette mit langen goldenen Abendhandschuhen und purpurroten Satinslippern.

„Du bist bildhübsch", informierte sie der Spiegel, als sie zur Tür hinausschlüpfte.

~oo0oo~

Severus wartete in der Eingangshalle auf sie, sehr korrekt in Kniehosen und Strümpfen gekleidet, und sie spürte seine Augen auf sich, als sie auf den Treppenabsatz trat. Vorsichtig schritt sie die breite Marmortreppe hinab und nahm jedes Detail der Welt wahr, die sie geschaffen hatte.

In der Eingangshalle spazierten andere Leute umher, unterhielten sich und lachten miteinander, aber weder Severus noch Hermione nahmen sie tatsächlich wahr. Er nahm den Blick nicht von ihrem Gesicht, und die Kraft seiner Aufmerksamkeit war so groß, dass sie die Augen nicht von ihm abwenden konnte. Am Fuß der Treppe erwartete er sie und hob ihre behandschuhte Hand an seine Lippen.

„Deine Schönheit bezaubert mich über die Maßen, Milady", sagte er ruhig.

Kein sardonisches Verziehen seiner Lippen, keine Spur von Spott in seinem Tonfall: Er schien nur den Augenblick zu erleben, genau wie sie. Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er ihre Hand in seinen Arm und geleitete sie in den Traum.

Die Große Halle war in einen Ballsaal verwandelt und mit elfenbeinfarbener Seide ausgekleidet worden. Kronleuchter voller Kerzen schwebten hoch oben, und die Musiker spielten melodisch und gut. Damen in farbenfrohen Ballkleidern und Herren, die korrekt in Schwarz und Weiß gekleidet waren, füllten den Saal. Die einzige Ausnahme war Xenophilius Lovegood, dessen schwarzer Rock und Hosen in einen leuchtenden Chartreusefarbton verzaubert waren, und seine vormals weiße Hemdbrust war fuchsienfarbig unter der unverändert weißen Krawatte. Die Dame, die voller Verehrung an seinem Arm hing, war Professor Trelawney, die ihr Kleid farblich exakt auf ihren Begleiter abgestimmt hatte: Chartreusefarbener Tüll über chartreusefarbenem Satin, eingefasst mit fuchsienfarbener Spitze.

Die Paare begannen, sich für einen Kontratanz aufzustellen, und Severus hob fragend eine Braue. „Sollen wir?", fragte er.

„Wenn du möchtest", erwiderte Hermione und fühlte sich ein wenig unbehaglich mit ihm. Er schien anders auf eine Art, die sie nicht genau zu definieren vermochte.

„Ich weiß nicht, war deine Absicht für diesen Abend ist, aber meine ist es, mit dir bis zum Morgengrauen zu tanzen", sagte er entschieden, als sie ihre Positionen einnahmen, „daher erledige deine Pflichttänze jetzt. Sobald die Walzer anfangen, gehörst du ganz mir."

Hermione ließ sich nach Severus von verschiedenen anderen Männern auffordern. Sie tanzte mit George, mit Neville, und mit Draco, der göttlich tanzte.

„Wer hat das Quidditchmatch gewonnen?", fragte sie ihn lässig.

Draco erbleichte. „Wovon redest du?"

Sie lachte leise. „Vergiss nicht, wer meine engsten Freunde sind", erinnerte sie ihn. „Dachtet ihr wirklich, ihr könntet mich hinters Licht führen? Ich hatte nichts dagegen, aber ich bin neugierig zu erfahren, wer gewonnen hat."

„Wir haben gewonnen", sagte Draco mit selbstgefälliger Zufriedenheit. „Harry ist Krum davongeflogen. Ich wusste, dass er es kann."

Hermione freute sich über den Stolz, den sie in Dracos Stimme hörte. „Willst du nicht mit Harry tanzen?", neckte sie ihn.

Draco verdrehte die Augen. „Wenn wir jemals austüfteln können, wer führt, tun wir es vielleicht."

Als es elf Uhr schlug, freute sich Hermione über die Gelegenheit zum Abendessen. Es gab Schalen mit geeistem Champagnerpunsch, Gelees und Crèmes, Früchte und Kompotte und außerdem herzhafte Gerichte. Severus platzierte sie an einem Tisch mit ihren besonderen Helfern und deren Partnern, und er entschuldigte sich bei ihr, um wegzugehen und mit Kingsley Shacklebolt zu sprechen. Mit Überraschung stellte Hermione fest, dass der Minister den Ball besuchte, war aber sehr froh, dass er anwesend war. Dies verlieh dem Ganzen den Anschein von Wichtigkeit.

Aber die Geschehnisse an ihrem Tisch waren interessant genug, um ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, während sie am Punsch nippte und Süßigkeiten naschte. All die Paare zu sehen, die sich in der letzten Woche gefunden hatten, war aufschlussreich, und sie empfand einen Schimmer von Stolz. Hätte sie nicht die Regency-Woche als einen Weg vorgeschlagen, Geld für Hogwarts aufzutreiben, hätten diese Menschen einander gefunden? Es war die romantische Atmosphäre, die die Gedanken sich den Herzensangelegenheiten zuwenden ließ, und es tat Hermiones Herzen gut, ihre Freunde und Helfer mit geeigneten – und ungeeigneten! – Partnern verbunden zu sehen.

Beispielsweise hätte sie sich Viktor nie als einen Mann vorstellen können, der sich zu Pansy Parkinson hingezogen fühlte, aber sie schienen ineinander verliebt zu sein, und Pansys Eltern schienen den Bulgaren sogar gutzuheißen. Sie hätte auch nie geglaubt, dass Leticia Mortelle mit ihrem reservierten Benehmen und ihrem brillanten Verstand Lucius Malfoys hartnäckigen Aufmerksamkeiten nachgeben würde, aber der enorme, funkelnde Stein an Leticias linker Hand schien eine gegenteilige Geschichte zu erzählen: Sogar furchterregend kluge Frauen konnten sich verlieben, wenn der unwiderstehliche Blonde ihrer Wege kam.

Mr Lovegood und Professor Trelawney lagen jenseits ihres Verständnisses, und sie gab sich keine Mühe, sie einzuordnen. Vielleicht waren sie kein unwahrscheinliches Paar, sondern einfach füreinander geschaffen.

Penny mit Finbar Quigley zu sehen, machte sie besonders glücklich. Penny hatte tatsächlich ihren 'fliegenden Mann' getroffen, genau wie Trelawney vorhergesagt hatte, und aus der Art, wie sie einander ansahen, war klar ersichtlich, dass sich ihre Beziehung gut entwickelte.

Noch erfreulicher war das Glück ihrer ältesten, liebsten Freunde. Harry und Draco waren das unwahrscheinlichste Paar überhaupt, aber offensichtlich waren sie auf einem guten Weg, sich ineinander zu verlieben. Ron, der ihr erster Liebhaber gewesen war – den sie eventuell geheiratet hätte, wenn er sich je die Mühe gemacht hätte, sie zu fragen, ein wirklich furchteinflößender Gedanke! –, hatte sie in Severus' Arme gestoßen, wie unabsichtlich auch immer, und jetzt schien er durch die leidenschaftliche, ständige Aufmerksamkeit von Romilda Vane aufzublühen. Neville war fest in den Händen seines hübschen jungen Veelamädchens, und George fand mit jedem Tag mehr zu seinem alten Selbst zurück, da Luna nun die Lücke in seinem Leben füllte.

Severus kam so leise wieder an ihre Seite, dass sie überrascht war, als er sprach.

„Kommst du mit mir in den Garten?", fragte er. „Eine Runde an der frischen Luft drehen, ehe wir wieder auf's Parkett gehen?"

„Das hört sich wundervoll an", sagte sie, erhob sich und ging mit ihm hinaus in die samtschwarze Nacht.

Die Luft war kühl, fühlte sich nach ihren Aktivitäten aber wundervoll auf ihrer Haut an. Die Sterne funkelten, der Mond schien, und mit jedem Atemzug nahm sie den Duft der Rosen war.

Severus beschwor einen Schal herbei, den er ihr um die Schultern legte, und sie spazierten den Weg entlang. Hermione hielt seinen Arm und widerstand dem Drang, ihr Gesicht an seinen Rock zu schmiegen. Wie konnte sie ihm klarmachen, dass sie ihn wollte? Nicht nur einfach für heute, sondern (immer, flüsterte ihr renitentes Hirn) lange genug, damit sie herausfinden konnten, ob sie wirklich so gut zueinander passten, wie es sich mit der wenigen Praxis anfühlte, die sie gehabt hatten.

„Hermione, ich würde dir gerne eine Frage stellen", sagte er, und ihr Herz begann zu rasen.

Dachte er, was sie dachte?

„Ja?", fragte sie.

„Was weißt du über die missliche Lage der muggelgeborenen Schüler, die im Kriegsjahr aus der Schule vertrieben wurden?", fragte er.

Hermione blinzelte. Dies war nicht gerade, was sie von ihm erwartet hatte – nicht, wenn eine Regencydame und ein Herr im Mondschein einer schicken Ballnacht allein im Garten spazieren gingen …

„Hermione?", ermunterte er sie.

Konzentrier dich, wies sie sich selbst an.

„Ich weiß, dass einige von ihnen wieder in die Muggelschule geschickt wurden von ihren Eltern, die verständlicherweise wenig begeistert waren von dem, was sie von der Zaubererwelt zu sehen bekamen", sagte Hermione. „Ich kann ihnen keinen Vorwurf machen, auch wenn es schade ist, dass diese Zauberer und Hexen es niemals lernen werden, ihre Magie richtig zu gebrauchen."

„Dennis Creevey ist derjenige, der meine Aufmerksamkeit auf das Problem gelenkt hat", sagte Severus. „Er wurde dafür bezahlt, um zu diesem Event zu kommen und uns auszuspionieren und für eine Klatschzeitung Bilder zu machen – Rita Skeeters Schundblatt."

Hermiones Empörung flammte wie Dämonsfeuer auf. „Dieses … dieses Insekt hatte den Nerv, das zu tun?", rief sie. „Und Dennis! Wie konnte er?"

„Er brauchte bezahlte Arbeit", antwortete Severus sofort. „Er hat weder in der Muggel- noch in der Zaubererschule einen Abschluss gemacht, und er hat fast keine Qualifikationen. Als mir sein Dilemma klar wurde, habe ich Minerva gebeten, mir beim Sammeln von Information zu helfen. Es gibt eine erschreckende Anzahl von muggelgeborenen Schülern, die durch die Lücken in der Zauberausbildung gerutscht sind."

Hermione blieb auf dem Weg stehen, und ihr Hirn arbeitete. „Das Schuljahr beginnt in weniger als einem Monat!", sagte sie. „Hast du Zeit, einen Förderunterricht zu planen und die Familien der Schüler wegen ihres Einverständnisses zu kontaktieren, um sie nach Hogwarts zurückzubringen?"

Das Mondlicht beleuchtete sein hartes Antlitz nicht vollständig, das nun wie eine Ansammlung langer Flächen und vorspringender Kanten erschien, aber sie konnte das Lächeln sehen, das nun seine schmalen Lippen bog. „Ich sehe, wir sind einer Meinung", kommentierte er, wandte sich um und machte sich mit ihr wieder auf den Weg zurück zum Schloss. „Ja, ich habe das Problem heute den Schulräten vorgestellt, und sie haben einhellig dafür gestimmt, dem Muggelgeboren-Rückgewinnungsprojekt ihre volle Unterstützung zu gewähren."

Hermione drückte seinen Arm. „Das ist wunderbar! Aber du wirst einen besseren Namen als das dafür brauchen. Und woher wird das Geld dafür kommen? Wie willst du das bezahlen?"

Von der Seite warf ihr einen verschmitzten Blick zu. „Hast du gedacht, ich habe keinen Plan?", neckte er.

Hermione lachte. „Ich bitte um Vergebung, Sir!"

Sie betraten wieder den Salon, wo der Zaubereiminister eine Ansprache hielt, das Event, die Mittel, die es eingebracht hatte, und die Menschen lobte, die all dies möglich gemacht hatten. Dies wurde mit donnerndem Applaus seitens der versammelten Gäste beantwortet. Als Nächster ergriff Lucius Malfoy das Wort und begann über den Plan zu sprechen, die muggelgeborenen Schüler zu kontaktieren, die durch den Krieg auf der Strecke geblieben waren, und deren Ausbildungsdefizite zu korrigieren.

„Zweifellos können Sie die dringende Notwendigkeit erkennen, dieses Problem zu beheben, das diese Schüler ohne eigene Schuld ereilt hat ", sagte Lucius.

Aus der Menge drang allgemeines, zustimmendes Gemurmel.

„Daher bitten wir Sie wieder einmal, Ihre großzügigen Herzen zu öffnen, um dieses Programm zu finanzieren, was nur von kurzer Dauer, aber von unschätzbarem Wert für die Zaubererwelt in ihrer Gesamtheit sein wird. Sie können einen Scheck auf ihre Bank ausstellen und ihn jedem beliebigen Mitglied des Schulbeirats, dem Schulleiter oder der Stellvertretenden Schulleiterin übergeben. Wenn Sie es vorziehen, Ihre Spende in Gold zu leisten, bitten wir Sie, es bei Professor McGonagall abzugeben, die Sie für den Rest des Abends und morgen früh wieder an einem Tisch in der Eingangshalle finden. Danke für Ihre Unterstützung für Hogwarts!"

Erneut klatschten die versammelten Hexen und Zauberer, und es gab sogar einiges Fußgestampfe, während sie sich selbst zu ihren guten Taten beglückwünschten.

Lucius streckte Professor Mortelle eine Hand hin, die – in azurblauem Satin atemberaubend gekleidet – an seine Seite trat. „Als eine persönliche Angelegenheit", fuhr der gutaussehende Blonde fort, „möchte ich meine Verlobung mit dieser unvergleichlichen Dame bekannt geben, die zu Weihnachten meine Frau werden wird."

Hermione schaute auf Severus, weil sie seine Freude für seinen Freund mit ihm teilen wollte, aber sie stellte fest, dass er sie betrachtete, als ob er Lucius gar nicht zuhörte. Fragend neigte sie den Kopf leicht zur Seite, aber weder sprach er, noch sah er weg.

„Die Musiker stimmen wieder", sagte er. „Sollen wir in den Ballsaal zurückgehen?"

~oo0oo~

Es war nicht, wie sie es sich vorgestellt hatte – aber es war ganz so, wie sie es sich erträumt hatte.

Er führte sie zum Tanz und lehnte es für den Rest des Abends ab, sie einem anderen Herrn zu überlassen. Bei einer echten Regencydame wäre dies schockierendes und unschickliches Benehmen gewesen, aber Hermione hatte keine Einwände. Sie war zu sehr damit beschäftigt, sich in jedem einzelnen Augenblick zu verlieren.

So sehr sie sich bemühte, jeden Aspekt des Restes dieser Nacht vollständig aufzunehmen, stellte Hermione fest, dass ein Großteil der Zeit in einem Schleier von Details verschwamm – welchen Tanz sie tanzten, wer zwischen den Tänzen mit ihnen sprach, was die anderen Damen trugen –, während jeder Ausdruck auf Severus' unlesbarem Gesicht und jede Gefühlsnuance, die sie empfand, sich unauslöschlich in ihr Herz brannte.

Als er mich so angelächelt hat, habe ich mich so gefühlt, dachte sie, während sie in seinen Armen über das Parkett wirbelte, und all die anderen Menschen dafür nur den Hintergrund bildeten, für die fantastischste Nacht ihres Lebens. Es wurde spät, und die paarweise verließen die Gäste den Saal, murmelten etwas vom frühen Morgen, über Packen und Weggehen und über die Rückkehr nach Hause.

Aber Hermione blendete sie aus. Sie wollte nicht darüber nachdenken, diesen Traum abzubrechen – ihre schönen Regencykleider einzupacken und ihre Jeans und T-Shirts anzuziehen –, sie konnte nicht an diese Dinge denken, nicht, wenn die Musik spielte, die Kerzen brannten und der Zauberer, der ihr Herz gestohlen hatte, sie in den Armen hielt und mit ihr tanzte.

Erst waren noch vier Paare übrig, dann drei, und als Einzige waren Lucius und Leticia und Severus und Hermione noch auf dem Parkett. Die Musiker spielten weiter – hatte Hermione es sich eingebildet, oder war Lucius bei ihnen gewesen, und Gold hatte die Hände gewechselt? –, und Severus gab den in Regencyzeiten korrekten Abstand auf und zog sie enger an sich, bis ihre Wange an seiner Schulter lag, und er sein Gesicht in ihrem Haar begrub.

Wenn die Zeit stehenbleiben könnte, dachte sie und atmete tief all die Duftnoten ein, die sie für immer mit 'Severus Snape' verbinden würde, wenn ich für immer leben könnte, ganz in diesem Moment, könnte ich mir niemals mehr wünschen.

Aber es gab mehr. Da waren seine halb geschlossenen Lider über den mitternachtsschwarzen Augen, die sich in dem Moment schlossen, als sein Mund ihren einfing. Da waren seine fordernden Lippen, seine schleichende, suchende Zunge und die Kraft seiner drückenden Arme. Und da waren sein Verstand, so schnell und sicher wie ihr eigener, sein Scharfsinn und seine Intelligenz und – am wichtigsten von allem – seine Ehre. Oh ja, sie wusste, dass es mehr gab, und so wonnig dies alles sein mochte – denn sie war sicher, dass dies alles war, was sie jemals von ihm bekommen würde –, sehnte sie sich nach ihm in einer Weise, die so elementar war wie Feuer und so alt wie die Zeit.

Jedoch war die Zeit ein Herrscher, der so unbeugsam war wie Gamps Gesetz der Elementaren Transfiguration. Trotz ihres verzweifelten Begehrens sie anzuhalten, vergingen die Minuten, und um halb sechs am Morgen brach der Tag an.

„Das war's, Leute!", rief der erste Geiger, als die Decke der Großen Halle die aufgehende Sonne widerspiegelte. „Danke, dass wir bei euch sein durften! Gute Nacht – und guten Morgen!"

Lucius hob eine Hand zum Abschied, ehe er Leticia davonführte, und Hermione stand mit Severus allein im Ballsaal, der sich im Tageslicht wieder in einen übergroßen Speisesaal verwandelte.

„Es ist so schwer, es vorbeigehen zu lassen", sagte Hermione leise.

„Nicht so schwierig, wie dich gehen zu lassen", sagte er zu ihr.

Sie fragte, obwohl sie seine Antwort kannte.

„Kommst du –", begann sie.

Seine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln, und er legte einen Finger auf ihre Lippen. „Schlafzimmer sind zum Schlafen da", teilte er ihr mit. „Und es ist schon neuer Tag – einer, an dem vieles meiner Aufmerksamkeit bedarf."

Hauselfen strömten in die Halle und wirbelten wie verrückt durch den Raum, um ihn in den passenden Zustand für das Frühstück zurückzuversetzen.

„Es tut uns leid, Schulleiter Snape, Sir", quietschte Herpie der Hauself, „aber die Arbeit muss gemacht werden!"

Severus bewegte sich weder von der Stelle, noch gab er dem Elfen eine Antwort; er sah Hermione ins Gesicht.

„Du hast dies ein Jahr lang getan", sagte er und deutete dabei auf den Regency-Ballsaal, „und du hast es großartig gemacht."

Hermione unterdrückte ein Schluchzen und flüsterte, „Danke, dass du das sagst."

„Dies ist meine Frage an dich, Milady", fuhr er fort, und seine Stimme war liebkosend, seine Augen suchten in ihrem Gesicht nach etwas, von dem sie nicht wusste, was es war. „Was wirst du morgen tun?"

Und mit einer letzten Liebkosung seiner Fingerspitzen auf ihrer Wange wandte er sich um und ließ sie allein in der sich schnell auflösenden Illusion eines Ballsaals zurück.