Kapitel 26

Besuch der jungen Dame

„Morgen geht es wieder nach Hogwarts", seufzte Neville und sammelte die Schriftrollen von seinem Arbeitstisch. „Hast du alles fertig?"

„Ja, ich denke schon", meinte ich ausweichend. Wir wussten beide, dass ich in den letzten Wochen so gut wie nichts für die Schule gemacht hatte. Fast die ganze Zeit saß ich an den Unterlagen, die Sirius und ich aus der Kammer des Schreckens mitgebracht haben. Alice half uns so oft sie konnte, aber die meiste Zeit hatte sie alle Hände voll zu tun mit Charly. Die kleine brauchte viel Aufmerksamkeit und musste die ganze Zeit beaufsichtigt werden. Und zwar nur von Mama oder Papa. Die anderen waren ihr noch nicht geheuer. Besonders die Hauselfen. Neville und ich waren nur ein wenig besser, was uns beide sehr enttäuschte.

„Gibt ihr ein wenig mehr Zeit", tröstete uns Alice. „Sie wird noch früh genug erkennen, wozu große Brüder gut sind!"

„Habt ihr etwas Interessantes herausgefunden?", fragte mich mein Bruder. Er setzte sich auf seinen Schrankkoffer und schaute mich neugierig an.

„Nein, nicht sonderlich viel. Das meiste bisher sind Rechnungen oder so was in der Art. Ein hundert Galionen für Dies, 300 Galeonen für Das. Ein paar persönliche Notizen, also so was wie – aktuelle Bestände prüfen oder zwei Fässer Wein an Emson Ritt schicken. Der Rest betrifft offensichtlich Hogwarts und die ersten Lehrpläne. Aber das haben wir noch nicht bearbeitet."

„Denkt ihr, dass die Papiere tatsächlich Salazar Slytherin gehört haben?"

„Warum hilfst du uns nicht?", fragte ich, anstatt zu antworten. Nevilles Blick wurde ernst und dunkel.

„Ihr braucht doch meine Hilfe nicht", meinte er ruhig und wollte schon aufstehen, doch ich hielt ihn auf.

„Komm schon! Warum willst du wirklich nicht mit uns arbeiten?" Der Junge seufzte und setzte sich wieder hin.

„Ihr habt ein gemeinsames Geheimnis. Du und Sirius. Da ist etwas. Ich denke da war schon immer was, aber seit letztem Jahr…." Er verstummte und schaute mich verlegen an. Ich kämpfte gegen das Chaos in meinem Kopf. Eigentlich wollte ich niemanden mehr die Wahrheit über mich erzählen, aber wenn dieses Geheimnis die Freundschaft zur Neville bedrohen sollte….

„Hey, hey, du musst es mir nicht erzählen", beeilte sich Neville zu sagen. „Es ist Okay. Weißt du, ich dacht zuerst, dass es etwas Schlimmes wäre. Dass du vielleicht Probleme hast." Ich schüttelte langsam den Kopf. Wie dumm war ich eigentlich, wenn ich glaubte, dass die anderen nichts bemerkten? Wenn Neville sich seine Gedanken machte, dann lagen Alice, Tante Bella, Großmutter Walburga und die anderen mit ihren Gedanken vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.

„Ja, das habe ich auch gemerkt." Neville interpretierte mein Kopfschütteln auf seine Art. „Ihr seid immer noch eine Familie. Nun, wir sind eine Familie. Also gibt es kein Problem. Es gibt doch kein Problem, oder?" Er klang besorgt.

„Nein, es gibt kein Problem", versicherte ich heiser. „Du kannst aber trotzdem…."

„Nein, wirklich", unterbrach er mich. „Es ist in Ordnung so! Ich interessiere mich nicht für diesen Kram. Ihr anscheinend schon. Außerdem verbringen Sirius und ich noch genug Zeit zusammen. Gestern war ich noch mit ihm in der Winkelgasse, um die Zutaten für Zaubertränke nachzukaufen. Wir hatten einen tollen Tag zusammen gehabt." Ich kicherte.

„War er sehr erleichtert, das Erastra hier geblieben ist?" Mein Bruder grinste ebenfalls.

„Oh, und wie! Er meinte, dass die Frau wohl eine Prüfung der Götter wäre und er wäre dabei diese Prüfung zu verhauen!" Wir lachten beide.

Erastra Black war wahrlich eine Herausforderung. Nach wenigen Tagen, in denen sie bei uns wohnte, fiel es mir schwer mich an die Zeit zu erinnern, in der sie nicht bei uns war. Sie war überall und stelle tausende von Fragen. Wie funktionierte ein Zauberstab? Warum waren die einen Zauber blau, die anderen grün und die dritten überhaupt nicht zu sehen? Funktionierte die Toilette mit Abwasser oder Magie? Gab es überhaupt für Toiletten bestimmte Magie und wenn ja, wann und wie lernte man es? Wenn man ein Buch in eine Karotte verwandelte, konnte man es immer noch essen? Warum? Wie? Wann? Woher? Die Fragen schienen ihr nicht Mal im Schlaf auszugehen, denn sie kam jeden Morgen mit einer dicht beschriebenen Liste nach unten zum Frühstück. Die Hauselfen versteckten sich, sobald sie ihre Schritte hörten, denn auch sie hatte sie mit einem unendlichen Schwall an Fragen überschüttelt. Dabei war die weder naiv noch dumm. Sie war einfach nur unendlich neugierig und bereit alles dafür zu tun, um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

Sirius hat uns von ihrer Abmachung erzählt und es war faszinierend zu beobachten, wie sehr sie sich veränderte, wenn man ihr etwas im Vertrauen erzählte oder zeigte. Ihr Blick wurde fest und ernst. Die Haltung angespannt, die Bewegungen langsam und bewusst. Sie wurde völlig konzentriert, um wirklich jede Einzelheit aufzunehmen.

Und sie war nicht harmlos. Sirius meinte, dass sie eine Art Kampfausbildung genossen haben muss. Das merkte man an ihren Bewegungen. An der Art, wie sie sich in einem Raum umsah, wenn sie es zum ersten Mal betrat. An der Art die Personen vor ihr zu mustern.

„Als würde sie sich überlegen, wo die Schwachstellen liegen können", erklärte mein Vater, als wir uns über die Frau unterhielten.

„Kann es sein, dass wir verwandt sind?", wollte ich wissen. Sirius schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Nein, das denke ich nicht. Black ist unter den Muggeln ein häufiger Nachname. Es ist bestimmt nur ein Zufall."

„Sie ist ganz bestimmt ein Muggel. Kein Squib?", wollte ich wissen. Sirius schaute mich zweifelnd an.

„Vielleicht sollte ich sie für einen kurzen Ausflug zu den Malfoys nehmen", überlegt er sich. „Lucius hat doch das Blutpergament. Vielleicht kann ihn überreden einen kleinen Test zu machen. Aus wissenschaftlicher Neugier." Ich nickte. Gute Idee. Wahrscheinlich war es wirklich nur ein Zufall, dass ausgerechnet diese Frau als Verbindungsperson ausgewählt wurde. Black war wirklich kein sonderlich seltener Nachname. Deswegen sind die Blacks seinerzeit auch aus der Liste der Heiligen Achtundzwanzig geflogen. Zu eng erschienen damals die Verbindungen zu der Muggelwelt. Erst als die Familie Weasley im letzten Jahr auf ihr Recht verzichtet hat, wurden die Blacks wieder in die Liste aufgenommen.

Es klopfte an der Tür und einen Augenblick später steckte Erastra den Kopf in Nevilles Zimmer.

„Hey, Jungs! Eure Mutter meinte, das Abendessen sei fertig", sagte sie fröhlich und sah sich gierig um. „Sie bat mich euch zu holen." Alice wusste ganz genau, wie sie die Frau beschäftigen konnte. Die kleinen Aufträge, die sie Erastra gab, gaben der Frau Möglichkeit sich in aller Ruhe im Haus umzusehen ohne, dass einer von uns ihr über die Schulter schaute. Neville schien das Feingefühl seiner Mutter geerbt zu haben, denn er machte eine einladende Geste und die Frau schlüpfte in das Zimmer.

„Ich bin gleich fertig", meinte er. „Wenn du ein wenig wartest, können wir gemeinsam nach unten gehen." Er Schwang den Zauberstab und lies seine Kleidung sich ordentlich zusammenfalten, bevor es in den Koffer schwebte. Derweil widmete er sich den Büchern auf dem Tisch.

„Praktisch", meinte Erastra kurz. „Wie viele Sachen kannst du gleichzeitig tun?" Ich schaute meinen Bruder ebenfalls neugierig an. Mehrere Zauber aufrecht zu erhalten, erforderte Übung. Alice war in der Lage ein Dutzend Zauber gleichzeitig zu kontrollieren. Sirius mehr als zwanzig. Großvater Pollux sogar noch mehr. Ich persönlich konnte gerade Mal vier der kleineren Haushaltszauber gleichzeitig steuern.

„Fünf, vielleicht sechs", überlegte Neville. Ja, das konnte gut möglich sein. Beim Brauen musste man manchmal vier oder fünf Sachen gleichzeitig machen und wenn man keinen Helfer hatte, musste man sich selbst helfen. Da er viel häufiger in seiner Freizeit Tränke braute, war er auch geübter als ich.

Während Neville zur Ende packte, sah sich die Frau in dem Zimmer um. Neugierig sah sie sich die Bücher im Regal an. Hob verwundert die Augenbrauen über die vielen Muggelbücher und blätterte fasziniert in einer magischen Kinderfibel, mit bunten sich bewegenden Bildern.

„Mögt ihr eure Schule?", wollte sie wissen, als wir auf dem Weg nach unten ins Esszimmer waren. „Ist es nicht schwer so lange ohne die Familie zu sein?"

„Man gewöhnt sich daran", antwortete ich. „Am Anfang war es schwierig, jetzt geht es, auch wenn wir die Familie immer noch vermissen."

„Euer Vater hat erzählt, dass es in eurer Schule viel… Häuser gibt. Vier Gruppen? Habe ich das richtig verstanden oder geht es wirklich um Häuser… äähm um Gebäude?"

„Große Gruppen", nickte Neville. „In jeder ist eine andere Eigenschaft wichtig. Für die Gryffindor sind Mut und Tapferkeit wichtig. Die Slytherins halten Treue für bedeutend. Hufflepuff setzt auf Hilfsbereitschaft, Ravenclaw auf Klugheit."

„Seid ihr im selben Haus?" Wir schüttelten gleichzeitig den Kopf.

„Neville ist in Hufflepuff, ich in Slytherin", erklärte ich. Es schien ihr nicht sonderlich viel zu bedeuten, aber sie blieb neugierig.

„Also lernt ihr unterschiedliche Sachen?" Ich schüttelte den Kopf. Mittlerweile war das ein sensibles Thema für mich. Ich fand im Archiv mehr und mehr Beweise dafür, dass der Unterricht der Häuser sich früher sehr unterschieden hat. Es schien so, als hätte man versucht die Ausbildung mit den Jahren immer weiter zu vereinheitlichen, bis es gar keine Unterschiede gab. Auch in den Unterlagen aus der Kammer schien es darum zu gehen, was genau in bestimmten Häusern unterrichtet werden sollte. Aber diese Texte haben wir noch nicht bearbeitet, also hatten wir – Sirius, Alice und ich – nur eine vage Vorstellung von dem Inhalt.

„Nein, nicht unterschiedliche Sachen", erklärte ich. „Nun ja, jeder Jahrgang lernt schon unterschiedliche Sachen, aber die sind dann für alle Häuser gleich." Sie schien gut mit meiner verwirrenden Erklärung zurecht zu kommen.

Als wir dem Esszimmer näherkamen, hörte ich eine bekannte Stimme und freudiges Lachen. Remus! Tatsächlich. Er grüßte uns mit einer kurzen Umarmung für Neville und mich und einem steifen Lächeln für Erastra.

„Erastra, darf ich vorstellen? Remus Lupin, bester Freund und zukünftiger Pate unsrer Tochter", sagte Sirius und legte seinem besten Freund eine Hand auf die Schulter. „Rem, das ist Erastra Black. Nein, wir sind ganz sicher nicht verwandt. Sie ist … ähm… unsere Verbringungsperson in der Neuen Abteilung. In den nächsten Wochen wird sie nicht begleiten und sich in der magischen Welt umsehen."

„Er meint, ich bin ein Muggel", lächelte Erastra nachsichtig. „Schon, gut, ich empfinde es nicht als eine Beleidigung. Schließlich musstet ihr doch irgendeine Bezeichnung für uns haben. Warum dann nicht Muggel?"

„Wie bezeichnet ihr denn uns?", fragte Alice, die mit Charly auf dem Arm zu uns kam, um Remus zu begrüßen. Er erwiderte ihre kurze Umarmung und drückte seiner künftigen Patentochter einen Kuss auf die Wange. Die Kleine kicherte vergnügt, weigerte sich aber den Arm ihrer Mutter zu verlassen, als Remus sie in den Arm nehmen wollte.

Die Frage schien Erastra zu wundern.

„Magier, Hexer, Zauberer." Sie zuckte mit den Schultern. „Wir mussten nicht viel ausdenken. Nur akzeptieren, dass die Magie real ist und es wirklich um Menschen geht, die zaubern können." Ich war mir sicher, dass es auch andere Worte gab. Weniger schmeichelhafte. Aber es war besser dieses Thema auf einen anderen Abend zu verschieben.

Zwischenspiel

Remus Lupin

Ich habe lange gezögert zu kommen. Früher war ich in diesem Haus nicht willkommen. Walburga duldete den Umgang ihres Sohnes mit einem Werwolf nie. In ihren Augen war nicht würdig die heiligen Hallen des Black-Anwesens zu betreten. Nach dem Sirius mit Harry auf dem Arm nach Hause zurückgekehrt war, änderte sich etwas. Aber ich war immer noch nicht willkommen. Aus einem anderen Grund zwar, aber ich war nicht willkommen. Erst nachdem Angriff der Todesser musste ich nicht mehr fürchten verflucht zu werden, wenn ich dieses Haus betrete. Walburga persönlich hieß mich in ihrem Haus und ihrer Familie willkommen. Ich wurde zu einer Art missratenem Cousin dritten Grades, der zwar eine Menge Blödsinn macht und nicht bei jeder Familienfeier willkommen ist, aber dennoch zur Familie gehört.

Die Einladung zum Essen stand schon lange und an diesem Abend entschied ich mich sie anzunehmen. Es war der letzte Tag der Ferien und ich würde Harry sehen können. Der Junge wurde mit der Zeit zu einer eindrucksvollen Mischung aus James und Sirius. Man konnte nicht sagen wem von beiden er ähnlicher war. Manchmal, wenn der Junge über etwas nachdachte, sah ich den jungen James vor mir und im nächsten Augenblick lächelte er und es war Sirius, der mich anblickte. Wenn man ihn und Neville nebeneinander sah, konnte man meinen, sie seien wirklich Brüder. Erstaunlicherweise war es die Ähnlichkeit mit Sirius, die die beiden Jungs einigte. Sie eiferten ihm nach, begriff ich. In der Art wie er sich kleidete, wie er sprach, sich bewegte oder wie er seinen Zauberstab hielt. Charly wird es bald den beiden Jungs nachmachen. Es sah jetzt schon so aus, als würde aus diesem Mädchen ein richtiger Rabauke werden. Nun, mit diesen Beispielen vor Augen hat sie gar keine andere Möglichkeit.

Ihre Familie wird ganz sicher dafür sorgen, dass Charly kein gewöhnliches Leben führen wird. Zum Beispiel dadurch, dass sie eine Muggel bei sich wohnen lassen. Eine Muggel mit Spezialausbildung und einer Waffe im Schulterholster. War Sirius überhaupt bewusst, dass sie eine Waffe trug? Ich kannte mich mittlerweile mit so etwas gut aus. Die letzten Jahre arbeitete ich in Sirius' Auftrag bei einer Sonderermittlungseinheit der Muggepolizei. Nicht als Polizist. Sondern als eine Art Sonderberater. Ich spielte die Rolle eines Hellsehers und nutzte unauffällig Magie und meine persönlichen Fähigkeiten, um bei der Klärung von Verbrechen zu helfen. Das half mir Wurmschwanz zu jagen. Es half mir sehr. Und wäre der Dunkle Lord nicht auf diese sonderbare Art und Weise aufgestiegen, hätte ich diese Ratte auch erwischt! Jetzt war er jedoch ein geachtetes Mitglied des Ministeriums und ebenso wie sein Herr über jeden Zweifel erhaben. Man kommt ihm nicht mehr einfach o in seine Nähe. Vielleicht sollte ich die Jungs mal fragen, ob ich mir ein dieser Gewehre ausleihen kann, mit denen man aus großer Entfernung töten kann? Ich bin mir sicher, ich kann schnell lernen mit diesem Ding umzugehen.

Die Kinder Schliefen schon und wir machten es uns vor dem Kamin, mit Whisky, Wein und Häppchen vor dem Kamin bequem.

„Was gibt es Neues, Rem?", fragte mich Sirius und ich schaute fragend zur Erastra, die uns mit großer Neugier beobachtete. Alice goss ihr Wein nach und die Frau nickte dankend.

„Erastra, wird alles, was hier in Haus gesagt wird vertraulich behandeln", beruhigte mich mein Freund. „Es bleibt unter uns." Ich seufzte. Von mir aus. Ich brauchte jemanden, der mir zuhören würde.

„Der Wolf und ich sind jetzt gute Freunde", berichte ich, um mit etwas Positivem anzufangen. Alice schaute einen Augenblick lang verwirrt drein und hob dann erstaunt die Augenbrauen.

„Du kannst dich kontrolliert verwandeln? Jederzeit?" Ich konnte mich einfach nicht davon abhalten zu grinsen.

„Jederzeit. Bei Vollmond ist es zwar unumgänglich, aber ich bleibe ich. Kein Wahnsinn, kein Geheul, kein Geknurre." Sirius klopfte mir anerkennend auf die Schulter.

„Beim letzten Mal haben wir uns Sorgen gemacht", gab er zu. „Du hast zwar selig vor dem Kamin geschlafen, aber hast jeden Angeknurrt, der dir zur nahegekommen ist." Ja, ich erinnerte mich daran. Das war ein Test. Für mich und die Bestie in mir. Ich habe mir bewiesen, dass ich das Tier kontrollieren kann und der Wolf in mir begriff, dass nicht jeder Zweibeiner sein Feind ist. Und auch ein Test für die anderen, die mir genug vertrauten, um in einem Haus mit einem verwandelten Werwolf zu übernachten. Gut, Sirius und ich sind am Tag davor durch das Haus gegangen und überall auf mich gerichtete Zauber angeracht, die mich auf der Stelle zur Asche verwandeln würden, sollte ich die Kontrolle verlieren.

„Erastra, Liebes, geht es dir gut? Du bist ja ganz blass!" Wir schauten erst zur Alice und dann zur der Muggelfrau, die tatsächlich bleich, wie Schnee war. Ihr Blick war ungläubig auf mich gerichtet, die Hand fast auf ihrer Waffe.

„Sie sind…", flüsterte sie. „Sind ein …"

„Werwolf", half ich ihr nach.

„Heilige Maria….", sie verstummte und löste ihre Hand langsam von ihrer Waffe. Erst jetzt merkte ich, wie Sirius sich angespannt hatte und Alice ihre rechte Hand in den linken Ärmel schob. „Schon gut! Schon gut! Wir entspannen uns alle wieder", meinte sie mit beruhigender Stimme. „Sie sind also wirklich ein Werwolf?", fragte sie und etwas an dieser Frage ließ Alice und Sirus entspannt grinsen.

„Wirklich", gestehe ich amüsiert. Sie zappelt ungeduldig an ihrem Platz und es schien, als würde sie vor Neugier gleich platzen.

„Ich habe so viele Fragen an Sie!" Sirius hüstelte, um ein Lachen zu verstecken. Alice klopfte ihm mir gespieltem Mitgefühl sachte auf den Rücken. Erastra schaute zu den beiden, seufzte und lehnte sich enttäuscht zurück.

„Ihr könnt ja zusammen ausgehen", schlug Alice unschuldig vor. „Erastra kann dich mir Fragen löchern und du kannst ihr an deinem Beispiel zeigen, wie ein Leben an der Grenze der beiden Welten funktioniert." Ich fresse ein Besen, wenn sie es nicht genau so geplant hatte! Listige Hexe. Sie schaut mich mit einem Lächeln an. Sirius' Blick spricht ebenfalls Bände. Elender Verräter! Erastra steht kurz davor vor innerer Spannung zu explodieren. Wenn ich sie jetzt abwimmle, wird ihre Enttäuschung dicht genug sein, um sie in Falschen abfüllen zu können. Ob Snape dafür Verwendung hätte?

„Mister Lupin…", beginnt sie atemlos. Verdammt!

„Remus", korrigiere ich sie. „Wie wäre es nächsten Freitag um acht?" Sie nickt so heftig, dass ich mir Sorgen um ihren Hals mache.

„Ja, das ist perfekt! Können Sie mich hier abholen?" Sirius macht große Augen und grinst. Sie merkt es nicht, weil sie ganz und gar auf mich konzentriert ist.

„Sicher", nicke ich. „Es wird mir eine Freude sein!" Dieses Mal grinst Alice und zieht die Frau mit sich in die Küche, um mit der „Planung des Abends" zu beginnen. Ich schaue den beiden etwas verwirrt hinterher. Was war hier gerade passiert?

„Sie ist nett", versicherte mir mein bester Freund. „Besonders, wenn sie endlich aufhört Fragen zu stellen." Ich seufze.

„Also werde ich diese „besonders nette" Version nie kennenlernen?" Ich bin mir sicher, dass die Freu nie aufhören wird zu fragen. Der elende Verräter grinst vielsagend.

„Dir wird doch eine Möglichkeit einfallen, eine Frau daran zu hindern dir unangenehme Fragen zu stellen!" Ich werfe mit dem Sitzkissen nach ihm und er lässt sich laut lachend erwischen. Als wir beide uns wieder beruhigen, schaut Sirius ernst und verwandelt sich unmerklich aus einem Freund zu meinem Vorgesetzten.

„Was gibt es Neues, Rem?"