23. Godric POV
Gerade jetzt stehe ich vor einem Zimmer. Ich höre Stimmen und wie es meine Art ist, lausche ich natürlich.
Ein paar Minuten später kommt Sahir todtraurig aus dem Zimmer raus. Er wurde gerade verlassen, also öffne ich meine Arme, damit ich ihn knuddeln kann. Leise schluchzt Sahir gegen meine Schulter.
Er beruhigt sich erst nach einem Eis wieder. Ich merke, dass er lieber alleine sein will, also mache ich mich auf den Weg zu den Sklavenquartieren.
Unterwegs werde ich von Master Satanus Junior abgefangen. "Ric, warte!" Etwas widerwillig bleibe ich stehen. "Was ist?", frage ich unhöflich. "Komm mit in mein Zimmer. Ich möchte, dass du mir heute Abend zu Diensten bist." Mein Kiefer klappt auf und frage: "Wie bitte?!" Master Satanus sieht mich irritiert an und will wissen: "Was ist daran so schwierig?" - "Wie könnt Ihr es wagen, von mir zu verlangen, meinen Sohn zu verraten?!" - "Was meinst du?" Ich 'tzk'e und laufe ihm davon.
Ein paar Minuten später klopft es an der Tür zu den Sklavenquartieren und Master Satanus ist wieder da. Ich will die Tür zuschlagen, doch Tizian stellt seinen Fuss dazwischen. "Mitkommen", befielt er herrisch. "Aber Master Satanus, Ihr könnt nicht einfach..." - "Doch, kann ich."
"Nein, kannst du nicht, Tizian. Versuch es gar nicht erst mit Onyx. Ric, die Verbote, die Tizian dir wegen Tom gegeben hat, kannst du vergessen. Wenn du willst, darfst du ihn morgen - beziehungsweise heute - besuchen gehen. Ich gebe dir am Morgen die Adresse." Ich sehe Master Satanus mit aufgesperrtem Mund an. Kann es wirklich sein, dass ich meinen Sohn endlich wiedersehen kann?!
"Ich danke Euch so sehr, Master Satanus!", sage ich stimmlos, doch Luzifer lächelt mich an. "Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend, Ric. Und du kommst jetzt mit, Tizian, wir haben ein Gespräch zu führen."
Mit einem fetten Grinsen im Gesicht drehe ich mich zu den anderen um. Dad lächelt mich glücklich an. Er ist manchmal immer noch etwas unsicher, was das Gefühlezeigen angeht, doch er wird immer besser. Sofort stürze ich in seine Arme. Wir sind immer füreinander da, wenn wir kuschelbedürftig sind.
"Wer von euch mag Master Satanus Senior auch mehr als den Junior?", fragt Sahir belustigt. Alle ausser Aley und Cookie strecken. Die beiden zucken mit den Schultern. "Also bei mir kommt es aufs Gleiche raus", sagt Cookie. Aley nickt zustimmend.
Die ganze Nacht kann ich nicht schlafen. Ich habe mich zu Dad gelegt und der schläft nun zusammengekugelt auf der Höhe meiner Hüfte. Seine Beine hat er bis zu seiner Brust hochgezogen und mit einem seiner Arme scheint er die Beine zu umklammern.
"Kannst du nicht schlafen?", fragt Cookie plötzlich. "Nein. Ich freue mich so sehr darauf, Tom morgen zu sehen. Was ist mit dir?" - "Ich mache mir solche Sorgen um Aley. Ich weiss, dass er will, dass ich ihn an mich binde, aber ich habe doch keinen blassen Schimmer wie das geht und Dad will nicht mit mir darüber reden." - "Warum nicht?" - "Ich glaube, er schämt sich" Ich lache leise. "Sahir kennt das Schamgefühl? Mann, das ist neu." Cookie kichert leise.
"Komm, wir gehen in den Aufenthaltsraum, ich erkläre es dir", sage ich grinsend und stehe auf. Kurz decke ich Dad noch zu, dann folge ich Cookie, gegen den ich wie ein Zwerg wirke, ins Wohnzimmer.
Etwas nervös zappelt Cookie in seinem Sessel herum, bis ich zu sprechen beginne: "Es gibt zwei Arten, einen Veela an sich zu binden. Um dem Veela nicht zu schaden, müssen beide Arten erfüllt sein.
Als erstes kommt meistens die seelische Bindung. Es gibt einen Spruch, mit dem du Aley an dich binden kannst. Den und den Stab, um den Spruch zu sprechen, bekommst du von Delmore. Wenn du nur diese Bindung durchführst, wird Aleys Körper sterben und er wird als Geist bei dir sein.
Die zweite Art ist die körperliche Bindung. Es gibt einen Trank - auch den kann dir Delmore geben - den ihr beide als Gleitgel verwenden müsst wenn ihr miteinander schlaft. Der Trank wird Aleys Lust stoppen, sodass der ganze Akt eigentlich nur deinetwegen geschieht. Die meisten Masters schenken heute ihren Veelas ein schöneres erstes Mal ohne den Trank. Gibst du Aley nur die zweite Art der Bindung, stirbt sein Geist aber nicht sein Körper." - "Wie war es bei dir? Hast du ein schönes erstes Mal bekommen?" - "Ja, mein erstes Mal war schön, aber ich hatte es nicht mit meinem wahren Master. Ich weiss nicht, wieviel du über mein Leben weisst?" - "Nur, dass du uralt bist und dass dein Master Skkylars Bruder war. Ach ja. Und dass Onyx dein Dad ist. Hattest du einen Freund, bevor du zu deinem Master kamst?" - "Nein. Ich war vorher schon ein Sklave. Früher galt es als Hochverrat, wenn jemand vor der Ehe mit jemandem schlief. Ausser dieser jemand war ein Sklave. Seit meinem siebten Lebensjahr wurde ich eigentlich von Familie zu Familie weiterverkauft und ich verlor mit... ungefähr... vielleicht elf? meine Unschuld."
Cookie sieht mich ungläubig an und fragt empört: "Und du lässt dir das ernsthaft gefallen?" - "Naja... Es bleibt mir ja eigentlich nichts anderes übrig, oder? Ausserdem bin ich mit diesen Traditionen gross geworden. Damals war das eben noch normal."
Cookie sieht mich skeptisch an. "Okay, aber hast du von deinem Master ein schönes erstes Mal mit ihm bekommen?" - "Nein." Mitleid liegt nun in seinem Blick, doch ich winke grinsend ab. "Macht nichts. Wenn ich dich wäre, würde ich Master Satanus um ein anderes Zimmer bitten", lächle ich. Cookie wird, trotz seiner dunklen Hautfarbe, knallrot, was mich belustigt.
"Danke Ric", meint er schliesslich. "Kein Problem. Und wenn du wieder Fragen hast, die deinem Dad zu heikel sind, kannst du sie mir ruhig stellen." - "Danke. Ich glaub, jetzt kann ich schlafen." - "Dann gute Nacht, ich bleib noch ein wenig hier."
Cookie erwidert den Gruss, dann verschwindet er im Schlafsaal.
Die ganze Nacht sitze ich alleine im Wohnzimmer und warte einfach darauf, bis der erste wach wird. Es ist Sahir und das ist doch ziemlich selten.
"Du hast meinen Sohn aufgeklärt?", fragt er skeptisch. "Na wenn du es nicht tust, muss es eben jemand anders machen." - "Danke dafür", sagt Sahir ernst. "Gerne. Warum hast du es nicht getan? Ich kann mir schlecht vorstellen, dass du zu schüchtern bist." - "Nein, darum geht's auch nicht. Meine Bindung war sehr, sehr schmerzhaft und demütigend und..." Sahir hält inne und kaut auf seinen Lippen rum. Er sieht aus, als würde er gleich zu weinen anfangen.
"Schon gut, du musst nicht darüber reden, wenn du das nicht willst", sage ich lächelnd. "Ich will es ja. Aber ich kann nicht..." Deprimiert lässt sich Sahir neben mir auf die Lehne des Sessels fallen. "Ach komm schon, das ist... ewig her." - "Nicht bei allen ist der siebzehnte Geburtstag ewig her, Ric", brummt er nicht so gut gelaunt. Witze, die mein Alter betreffen, sind mir eigentlich schon sehr, sehr lange egal. "Deiner ist jedenfalls genug ewig her, dass du langsam darüber hinwegkommen solltest, meinst du nicht?", frage ich sanft.
"Ach ja?! Hattest du frische Onyxpiercings bei deiner Bindung?! Hattest du den Schwanz deines Masters im Mund, als ihr euch geistig gebunden habt?! Wurden deine Flügel ausgepeitscht, als dein Master dich das erste Mal als sein angesehen hat?! Ich glaube nicht, denn dann wüsstest du, dass man auch nach 40 Jahren nicht darüber hinweg kommen kann!", faucht Sahir mich an. "Nein, das hatte ich alles nicht. Es tut mir Leid, ich wusste nicht, dass es bei dir so schlimm gewesen ist", sage ich ehrlich. Sahir nickt und rutscht von der Lehne meines Sessel einfach auf meine Schoss. Er ist grösser als ich, aber vor allem schwerer. Trotzdem kuschelt er sich an mich. Ich mag es, wenn das jemand tut.
Sahir seufzt leise und sagt: "Tut mir leid, ich wollte dich nicht anfauchen, es ist nur..." - "Ich weiss. Schon gut." - "Ich fühle mich genauso launisch, wie als ich mit Cookie schwanger war", meint Sahir. Ich grinse ihn breit an. "HA! Ich wusste, dass wir dich noch rumbringen mit deinem Sohn!", rufe ich aus, als ich realisiere, dass Sahir 'Cookie' gesagt hat. "Was meinst du?", fragt Sahir verwirrt. Hat er es etwa gar nicht bemerkt?
"Du hast 'Cookie' gesagt!" - "Habe ich nicht!" - "Hast du wohl." - "Nein!" - "Doch!" - "Nein!" - "Doch!" - "Nein" - "Glaub was du willst", grinse ich schadenfreudig.
"Warum überhaupt 'Cookie'?", fragt Sahir. "Er sieht aus wie ein Keks, deswegen." - "Kekse sind Rund und Iskandar ist ganz eindeutig nicht rund. Kekse sind aus Teig und auch das ist Iskandar nicht. Kekse sind klein und wenn Iskandar klein ist, was bist dann du, huh?" - "Cookie hat eben die Farbe eines Schokokeks', er war mal pummelig, das kannst du nicht abstreiten, und früher war er genauso süss."
"Früher?", fragt plötzlich jemand von der Tür aus. Es ist Cookie. Drei Sekunden später schwebt Sahir langsam von meinen Beinen runter. "Hey! Aley! Es ist nicht nett, deinen Schwiegervater einfach wegschweben zu lassen!", ruft Sahir empört. "Ich weiss, sorry, aber dein Sohn meinte, es sei gruselig, wenn du auf Godrics Schoss sitzt. Das ist es nämlich auch", lächelt Aley scheinheilig, dann lässt er Sahir von einem halben Meter Höhe auf ein Sofa plumpsen. "Warum sollte das gruselig sein?", frage ich irritiert. "Überleg dir mal, wenn Onyx plötzlich mit Belle kuscheln würde!", empört sich Iskandar. "Als ob sich Dad das trauen würde", sage ich sarkastisch.
Nach und nach wachen auch die anderen auf. Um Punkt neun Uhr bekommen alle ihre Aufgaben und ich erhalte drei Galleonen und eine Adresse. Sofort reise ich via Taxistation vor das Haus, in dem sich mein Sohn aufhalten soll.
Ich mache einige Schritte auf die Tür zu.
Meine Knie werden weich.
Zweifel befallen mich.
Will Tom überhaupt noch Kontakt mit mir haben?
Ein paar Tage bevor Master Satanus Junior mir das Schreibverbot erteilt hat, habe ich Tom geschrieben. Ich habe nie eine Antwort von ihm bekommen.
Ein paar weitere Schritte; ich stehe vor der Tür.
Meine Hände zittern, als ich sie zur Klingel ausstrecke.
Auf einmal höre ich es Klingeln. Ich merke erst im Nachhinein, dass ich den Knopf berührt habe. Ich knete nervös meine Hände, dann geht die Tür wie in Zeitlupe auf. Ein hübscher Dämon steht mir gegenüber.
"Hallo, was kann ich für dich tun?", fragt er freundlich. Es ist normal, dass Veelas geduzt werden. "Könnte ich vielleicht Tom sprechen?" - "Uhm... Er schläft noch und ihn aufzuwecken grenzt an Selbstmord, aber kann ich ihm vielleicht was ausrichten?" - "Uhm... Darf ich ihn vielleicht wecken?" Der Dämon lacht: "Sicher, wenn du dein Glück versuchen willst. Komm ruhig rein." Unsicher betrete ich das schöne Häuschen und folge dem Dämonen eine Treppe hoch, bis ich meinen Sohn entdecke. Ohne auf den Dämonen zu achten, flitze ich zu Toms Bett und gehe daneben in die Hocke, damit ich mit ihm auf selber Höhe bin. Zart streichle ich über seine entspannten Gesichtszüge und küsse ihn auf die Stirn. Der Dämon räuspert sich geräuschvoll. Da ist wohl einer eifersüchtig.
"Tom! Tommy, mein Schatz, wach auf", sage ich leise, während ich weiterhin seine Haare streichle.
"Mann, hast du eine Geduld. Aber wie ihr zueinander steht, würde ich doch gerne wissen", meint der Dämon, der mit verschränkten Armen am Türrahmen lehnt. "Man könnte sagen, das sei Training. Das andere erfahren Sie, sobald Tom wach ist."
Tom rümpft leicht die Nase, und ich weiss, dass ich es geschafft habe. Ich habe diese kleine Mimik so sehr vermisst. Mit Tränen in den Augen umarme ich meinen Sohn. Langsam bewegt er sich mehr, bis er plötzlich erstarrt.
"Lass. Mich. Los", sagt Tom scharf und ärgerlich. Ich zucke vor ihm zurück, als hätte ich mich verbrannt. "Tom... Ich bin's", sage ich zutiefst getroffen. Tom sieht mich eiskalt an. "Hau ab", betont er. "Aber..."
"Du hast es gehört. Er will dich nicht sehen, wer auch immer du bist", sagt der Dämon kühl.
"Tom... Ich habe dich so vermisst..." - "Ach ja? Warum hast du mir dann nie zurückgeschrieben?!", faucht mich mein Sohn an. Verwirrt sage ich. "Ich... ich habe keinen Brief gekriegt..."
Tom scheint sich ein wenig zu beruhigen und ich versuche mich zu verteidigen: "Sieh mal, ich kann verstehen, wenn es dich beschämt, dass ich ein Sklave bin. Das kann ich wirklich, aber bitte sei nicht so abweisend zu mir. Wenn du immer noch willst, gehe ich in fünf Minuten, versprochen. Ich habe dich nur so unendlich vermisst. Ich habe ich doch so unglaublich lieb." Sanft streichle ich über Toms Haare, dann umarmt er mich plötzlich zurück. "Ich hab dich doch auch lieb, Dad." Ich höre, wie der Dämon scharf die Luft einzieht, als er Toms Anrede hört.
"Hast du wirklich keinen meiner Briefe bekommen?", fragt Tom schniefend. "Nein, aber ich habe dir mal einen geschrieben. Hast du den bekommen?" Tom schüttelt den Kopf. "Ich dachte, du seist so enttäuscht von mir, dass du keinen Kontakt mehr willst", murmelt er leise. "Warum sollte ich enttäuscht sein? Etwa, weil du für diesen verdammten Bastard zu gut bist? Ganz sicher nicht!" Tom lächelt schmal.
"Wie hast du mich gefunden?", fragt er leise. "Master Satanus hat mir deine Adresse gegeben, nachdem er herausbekommen hat, dass ich mich nicht mit dir treffen durfte und dass ich dir nicht schreiben durfte. Das hat mir nämlich Tizian verboten, dieser verfluchte... du weisst schon. Ich wusste bis gestern nicht einmal mit Sicherheit, ob du noch lebst. Jetzt aber zu was ganz anderem: Wer ist dieser gutaussehende, junge Dämon, der mich so skeptisch ansieht?" Ich sehe Tom anzüglich an und er lächelt verliebt, dann löst er sich von mir.
"Darf ich vorstellen? Dad, das ist mein Freund Seth. Seth, das ist mein Dad Ric." Seth lächelt mich freundlich an. "Freut mich, Mr... Slytherin nehme ich an?" - "Nein, Gryffindor, aber Sie können mich ruhig weiterhin duzen. Also. Wo habt ihr euch wann wie kennengelernt?" - "Als ich begann im Mungos zu arbeiten, habe ich ihn davon abgehalten, sich von seinem Krebs töten zu lassen und dann haben wir uns irgendwie befreundet und dann war dann irgendwie mehr", erklärt Tom sehr unzureichend, also ignoriere ich ihn einfach und sehe dafür Seth erwartend an.
Dieser ist etwas hilfreicher: "Nun ja. Mein letzter Wunsch war es, noch einmal die Flügel eines Veelas anfassen zu dürfen und eine Woche später stand plötzlich Tom in meinem Zimmer und liess mich seine Flügel streicheln. Wir haben gleich nochmals abgemacht und weil er allein nicht schlafen konnte - beziehungsweise es immer noch nicht kann - und er nach drei Monaten fast ohne Schlaf ziemlich fertig war, ist er bei mir im Bett eingeschlafen. Das haben wir dann zur Tradition gemacht, und als ich aus dem Krankenhaus kam, sind wir zusammen hierher gezogen." - "Oh. Seid ihr... also habt ihr... naja... Seid ihr verheiratet?" Ich sehe auf Toms Hand, wo ein mit einem Diamanten verzierter Ring steckt. Wenn sie wirklich verheiratet sind, dann bin ich bis an mein Lebensende zutiefst deprimiert, weil ich nicht dabei war. "Nein, sind wir nicht. Nicht, dass ich es nicht probiert hätte, aber er wollte keine Heirat ohne einen Vater, der ihn zum Altar führt", sagt Seth lächelnd. Tom nickt bestätigend. "Wir sind uns eher... fürs ganze Leben versprochen." - "Das ist die Definition einer Ehe, Tom", sage ich grinsend.
"Wenn wir das Ritual abschliessen, will ich, dass du dabei bist, Dad." - "Echt?", frage ich gerührt, "Ich dachte, du dachtest, dass ich keinen Kontakt mehr mit dir wollte?" - "Ja schon, aber du hast dich immer um mich gekümmert und..." - "Danke", sage ich ehrlich.
"Will jemand Frühstück?", fragt Seth. "Nein danke", murmelt Tom und ich schüttle lächelnd den Kopf. "Danke, aber ich habe schon gegessen." - "Wann bist du denn aufgestanden?", fragt Seth belustigt. "Ich habe nicht geschlafen. Ich habe mich zu sehr auf meinen Sohn gefreut." - "Ach so", kichert Seth, "Bist du auch so schwierig wach zu kriegen wie Tom?" - "Ich glaube nicht. Und wenn, dann wirft man mich eben aus dem Bett. Das hast du mit Tom aber offensichtlich noch nie probiert, denn du lebst ja noch." Seth grinst breit.
"Nein, habe ich nicht. Wollen wir das Gespräch vielleicht im Wohnzimmer weiterführen? Tut mir leid, aber ich muss noch kurz frühstücken und dann gehen", sagt Seth, "Tom, zieh doch bitte was Normales an." - "Seth! Ich bin kein kleines-... Ach, was soll's. Ja Boss." - "Ich wusste, dass du einverstanden bist!" Tom schenkt Seth einen bösen Blick, geht dann aber zum Schrank und zieht sich eine Pyjamahose an. Er ist immernoch obenohne. "Das meinte ich nicht mit 'normal', aber was soll's." Seth schüttelt den Kopf und kippt seinen Kaffee runter, den er schnell geholt hatte.
"Setz dich bitte" Ich setze mich aufs Sofa und Tom kommt sofort zu mir, dann springt er wieder hoch. "Du sagst, du hast keinen einzigen Brief bekommen?" Ich nicke kurz und er verschwindet in seinem Zimmer (ihrem gemeinsamen Zimmer? Schlafen Pärchen, die nicht Master und Veela sind, normalerweise im selben Zimmer? Schon, oder?). Nach ein paar Minuten kommt er mit einem Stapel Papier wieder. Er wirft alles auf das Sofa, auf dem ich sitze und beginnt dann, das Zeug zu sortieren.
"Was ist das?", frage ich verwirrt. Traurig sieht Tom mich an. "Das sind die Briefe, die ich dir geschickt habe." - "Wie viele sind das?" - "15. Ich habe dir an jedem Todestag von Vater geschrieben." - "Oh..." - "Ja. Sieh mal." Tom reicht mir den obersten Brief. Er ist ungeöffnet, aber es steht was aussen drauf.
Mich interessiert nicht, was du zu sagen hast. Ich bin unglaublich enttäuscht von dir - schreib mir ja nie wieder. Godric
Darunter ist ein Siegel. Das Siegel der Gryffindors. Mein Siegel.
"Tom, das habe ich nie-... Ich schwöre auf meinen Master, dass ich das niemals geschrieben habe!" - "Ich glaube dir, keine Sorge. Ich frage mich nur, wer an dein Siegel gekommen ist." - "Tizian. Er hasst mich", sage ich, "Darf ich die Briefe lesen?" - "Darfst du schon, aber vor allem die neueren sind nicht alle sonderlich nett", warnt mich mein Sohn. Ich nicke schnell und breche das Siegel des ersten Briefes.
Tom schrieb, wie sehr er mich vermisse. Im zweiten schrieb er, dass er mich niemals enttäuschen wollte. Im dritten fragte er, wie er seinen Fehler wenigstens mir gegenüber gutmachen konnte. Je neuer die Briefe werden, desto mehr erkenne ich die kaum verschleierte Wut. Schon lange laufen bei mir die Tränen. Am Ende des letzten Briefes falle ich Tom einfach um den Hals. Er hat mich die ganze Zeit unsicher angesehen.
"Es tut mir so unendlich leid, Tom! Ich hätte es wissen müssen, ich-..." - "Mach dir bitte keine Vorwürfe, Dad, du kannst nichts dafür. Im Nachhinein hätte mir eigentlich auch klar sein sollen, dass du es niemals hinbekommen hättest, so fehlerlos zu schreiben." Ich lächle leicht in seine Halsbeuge. "Nein, hätte ich echt nicht."
Den ganzen Tag weiche ich nicht von Toms Seite. Am Abend, als Seth zurück kommt, bin ich noch immer bei ihm, doch der Dämon scheint damit gerechnet zu haben, denn er bringt eine Tüte mit Leckereien mit.
"Soll ich Ihnen helfen?", frage ich hilfsbereit. "Nein danke und du kannst mich ruhig duzen", lächelt Seth.
Während dem der Dämon kocht, reden Tom und ich wieder miteinander.
"Was arbeitest du jetzt eigentlich genau?", frage ich interessiert. "Ich bin mittlerweile Psychologe." - "Hört sich gut an, aber was ist das?" - "Ich bin Geistheiler. Vor allem für Kinder." Beeindruckt sehe ich an. "Was läuft mit Voldemort?" - "Gar nichts mehr. Ich habe es aufgegeben, als Tizian mich aufgegeben hat." - "Hast du ihn mal noch gesehen?" - "Klar, er arbeitet auch im Mungos. Ich bin sozusagen sein Boss." Ich grinse schadenfreudig. "Wie meinst du das? Ist er etwa auch ein Geistheiler?" - "Nein, aber er ist der, der Familie und Angehörige von meinen Patienten fernhalten und diese beschützen soll. Ich geb ihm immer die Abend-/Nachtschichten." Tom grinst mich so hinterlistig an, dass er es fast mit Salazar hätte aufnehmen können.
"Wow, dem hast du's aber gegeben", sage ich sarkastisch. "Er sieht mich jedenfalls immer sauer an, wenn ich ihm begegne." - "Oh ja, du solltest auch stolz sein, deinen Master sauer gemacht zu haben." Sarkastischer geht's langsam nicht mehr. "Er ist nicht mehr mein Master, Dad. Ich bin schon lange über ihn hinweg, wirklich." - "Aber du hast dich immer so darauf gefreut, einen Master zu bekommen..." - "Ja schon, aber ich bin mit Seth glücklicher als mit Tizian. Erstens sagt Seth mir, wenn ich einen Fehler gemacht habe auch, was es war und wie ich es wieder gut machen kann und zweitens tut er mir auch unabsichtlich nicht weh."
Ich seufze leise: "Na gut. Es ist selbstverständlich deine Sache, was du tust, aber desto mehr du Tizian wütend machst, desto weniger Chancen hast du, dass er dich jemals wieder will." - "Seh' ich aus, als wollte ich zu Tizian zurück?", fragt Tom rhetorisch. Er sieht mich belustigt an.
"Aber jeder Veela will-..." Seth tritt hinter Tom, streichelt mit seinen Fingern leicht über über Toms Schläfe, über die Wange, den Hals hinab. Schliesslich legt er seine Hand auf Toms Schulter und ich halte die Klappe, weil sich Tom von selbst in die Berührung schmiegt.
"Okay, nein, siehst du nicht", sage ich kapitulierend. "Da bin ich aber froh", lächelt Seth, "Bitte mache dir keine Sorgen um ihn, ich passe gut auf ihn auf." - "Ich weiss schon, aber... das ist mein kleiner Sohn, weisst du?" Seth grinst. "Dad!", brummt Tom.
Seth verkündet: "Ich habe fertig gekocht." - "Ich übersetze es für dich, Dad: Er hat gesagt, dass er die gekauften panierten Cordonbleus und die tiefgefrorenen Karotten in den Ofen getan hat und auf den Knopf für fünf Minuten 250 Grad gedrückt hat." - "Aber dann sind die Karotten noch gefroren und die Cordonbleus schwarz? Und Karotten und Cordonbleus macht man nicht im Ofen!" - "Sag ich ihm seit sechzehn Jahren", grinst Tom.
"Ihr seid Nörgeler!", beschwert sich Seth. Tom lächelt so süss, dass ich beinah Karies bekomme. "Wissen wir", sagt er.
Das Essen kann man wirklich nicht essen.
"Dad, hilfst du mir kurz?" - "Klar, bei was?" - "Kochen." - "Klar."
Tom nimmt ein paar (nicht gefrorene) Karotten und Broccoli sowie ein Brettchen hervor und ich sehe ihn kapitulierend an. Schnell rüste ich das Zeug und gebe es Tom zurück.
"Danke schön. Das wollte ich nicht, aber ich kann einfach nicht kochen", murmelt Seth. Fröhlich antworte ich: "Kein Problem, ich koche gern!" - "Es ist schön, mal einen Veela kennenzulernen, der auch einigermassen den Klischees entspricht", murmelt Seth. Er sieht ziemlich erschöpft aus und ich kichere, währenddem ich in der Pfanne rühre.
"Was ist denn das Klischee?" - "Meine Mutter hat mir beigebracht, dass Veelas exquisit und gern kochen - Tom kocht zwar gut aber nicht gern - dass Veelas gerne den Haushalt schmeissen - das macht Tom auch nicht gern und er hat mir erzählt, dass du quasi dazu prädestiniert bist - und dann sagt das Klischee noch, dass Veelas immer unbedingt Kinder haben wollen - was Tom offenbar auch nicht tut, denn sonst hätten wir welche." - "Oh. Na dann bin ich ja voll klischeehaft. Wunderbar. Ich kenne aber keinen anderen Veela, der so denkt wie ich", sage ich lächelnd. "Die Meisten werden dazu gezwungen und du hast ja eh keine Ahnung wie es ist, frei zu sein", sagt Tom. Dies erwähnt er immer wieder. "Ich weiss, aber das was Master Satanus macht, ist nicht mehr das, was ich mag", sage ich leise. Tom sieht mich irritiert an. "Warum? Du hast ja mehr Freiheiten als bei Vater. Was sind deine Regeln? Die Aufgaben fertig machen und erscheinen, wenn dich wer ruft?" - "Darum geht es, Tom", sagt Seth verstehend, "Das sind zu wenige Regeln für deinen Dad, stimmt's?" - "Ganz genau."
Es geht ungefähr zehn Minuten, bis ich das Essen servieren kann. Tom setzt sich inzwischen schon zu Seth, der noch den Tisch gedeckt hat. In den höchsten Tönen lobt Seth meine Kreation, dabei ist es gar nichts Besonderes.
Gegen acht Uhr sind wir wieder im Wohnzimmer, als Seth plötzlich vor Tom einen Kniefall macht. "Tom, ich habe nun schon zwei Mal um deine Hand angehalten, aber alle guten Dinge sollen drei sein, richtig? Also frage ich dich: Willst du mein Mann werden?" Tom fällt Seth glücklich in die Arme.
Ich bleibe noch bei den beiden, bis mich Master Satanus' Magie von ihnen wegzieht. Natürlich habe ich noch ein dickes, fettes Grinsen im Gesicht. "Willkommen zurück", lacht Master Satanus, "So gute Laune hattest du ja schon ewig nicht mehr!" - "Tom wird Seth heiraten", flöte ich fröhlich. "Na dann, sag ihm herzlichen Glückwunsch von mir, wenn du ihn das nächste Mal triffst." Ich nicke schnell und mit seiner Erlaubnis verlasse ich die Bibliothek.
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Die Hochzeit findet am ersten warmen Tag im Frühling statt. Sie ist wunderschön und sehr romantisch, allerdings nicht kitschig. Tom hat Onyx, Skkylar und Liam auch eingeladen. Zuerst hat sich Liam geweigert, weil er dachte, dass es komisch sei, wenn er an 'Master Slytherins' Hochzeit wäre, doch schliesslich konnte Skkylar ihn überreden. Er versteht sich sehr gut mit Josh, einem von Toms Freunden, und am Ende des Tages bereut er es gar nicht, mitgekommen zu sein.
Nun haben wir Anfang Sommerferien und ich befinde mich auf dem Weg nach oben in die Bibliothek. Überraschenderweise finde ich neben den beiden Höllenfürsten auch noch einen grossen, hübschen Mann mit Sonnenbrille vor. Trotzdem gehe ich in die Knie.
"Guten Abend Godric. Ihr habt einen neuen Mitarbeiter." Ach toll. Noch mehr Langeweile für uns. "Okay?" - "Ein bisschen mehr Motivation bitte. Erkläre Azrael die Regeln und stelle ihm die anderen vor." - "Ja Master Satanus. Folge mir bit-... Oh! Ein Vampir!" Zu diesem Schluss gelange ich, weil er von einer Sekunde auf die andere schon bei dem Tor steht.
Schnell laufe ich ihm nach. Er schweigt ziemlich hartnäckig und ich habe das Gefühl, dass er mich ständig anstarrt. Ich kann es aber nicht sehen, da er ja eine Sonnenbrille trägt.
"Habe ich was im Gesicht?", frage ich verwirrt. "Nein, Godric, ich starre dich nicht an, das, was du in deinem Kopf spürst, ist meine Anwesenheit." - "Also... Kannst du etwa Gedanken lesen?!" Der Vampir zieht einen Mundwinkel hoch, was auf Vampirsprache 'totlachen' heisst. Ich überlege gerade, welche Erinnerungen er auf keinen Fall sehen darf.
"Nein, glaubst du eigentlich alles, was in Büchern steht?" Er ist wieder toternst. Seine Gesichtszüge sind angespannt. Auch das ist typisch. "Nein, aber mein Master hat das gesagt und er ist auch ein Vampir." - "Ja... Salazar. Ein Gebissener." Das Wort hört sich sehr abwertend an. "Hier rein", sage ich und halte ihm die Tür auf.
"Na sieh mal einer an", höre ich in diesem Moment zwei Stimmen sagen. Einmal Skkylar und einmal Azrael.
"Der ältere Slytherin-Bruder. Mein erstes Opfer", grinst der Vampir kalt. "Azrael...", murmelt Skkylar, der wie immer Liam auf seiner Schoss sitzen hat. "Du wirst Sklave und verwandelst dich in den schwachen Grimm zurück, den du mit 24 schonmal warst, obwohl du mich angefleht hast, ein Vampir sein zu dürfen? Wie jämmerlich ist das denn?" - "Eigentlich überhaupt nicht. Mein Grund, ein Vampir sein zu wollen, ist mir leider nach 50 Jahren davongelaufen", erwidert Skkylar resigniert. "Ja, aber danach hast du dich ja perfekt an dieses Weib heran geschmissen - wie hiess sie? Haumea?" - "Was geht es dich an?"
"Anstatt Skkylar anzupöbeln könntest du dich uns auch einfach vorstellen", sagt Sahir trocken. Der Vampir dreht seinen Kopf langsam zu Sahir und starrt ihn eine Weile durch seine Brille an, dann sagt er: "Natürlich. Mein Name ist Azrael und ich bin ein Vampir, brauchst du noch mehr?" - "Natürlich brauche ich mehr Informationen! Hast du Kinder, wenn ja, wie alt sind sie und wie heissen sie, warst du verheiratet, wenn ja, mit wem, wie alt bist du und warum trägst du eine Sonnenbrille?" - "Ich habe einen Sohn, er ist 450, er heisst Silas, ja, ich war verheiratet mit Freya, ich bin 2510 und ich trage eine Sonnenbrille, weil ich keinen Bock habe, dass ihr euch in Marionetten verwandelt solange ich euch ansehe. Reicht das?" - "Warum bist du so abweisend? Wie ich das sehe, werden wir ziemlich lange zusammen wohnen", sagt Belle.
Weil der Vampir nichts sagt, anwortet Aley: "Das ist einfach so bei geborenen Vampiren. Mein Bruder ist auch so. Aber warum musst du eine Sonnenbrille tragen, dass du niemanden... verwandelst?" - "Dein Bruder ist offensichtlich nur ein halber Geborener. Das ist, weil dein Vater nur ein Gebissener ist."
"Und was meinst du mit Marionetten?", fragt Iskandar nach. "Wenn ich dich ansehe und dir sage, dass du etwas tun sollst, hast du keine andere Wahl, als es zu tun." - "Und was ist, wenn ich mich weigere?" - "Das kannst du nicht." - "Glaub ich nicht." - "Willst du testen?" - "Ja!"
Als der Vampir seine Brille abnimmt, ziehen wir alle unisono die Luft ein. Sein Augenweiss ist tiefschwarz, seine Iris ist schneeweiss und seine Pupillen sind schmale, schwarze Katzenaugen. Ich bin unglaublich froh, dass Salazar nicht so war.
"Also, Iskandar. Geh doch bitte vor deinem Veela in die Knie." Ohne den Hauch eines Widerstandes gehorcht Cookie. "Sehr gut und jetzt küsse seine Füsse." - "Nein!", sagt Aley schnell und zieht seine Beine an seinen Oberkörper, bevor Cookie sein Ziel erreichen kann. "Na gut, dann nicht. Setze dich nahe an deinen Veela und lass ihn sich an dich kuscheln, wie er das will." Cookie setzt sich neben Aley und öffnet bereitwillig seine Arme. Unsicher sieht Aley zwischen dem Vampir und seinem Master hin und her. "Er wird wütend, wenn ich ihn einfach berühre...", murmelt der blone Veela. Ganz kurz fixiert Azrael Aley mit seinen gruseligen Augen und schon tut der, was ihm gesagt wurde. "Geht doch. Und nun, Iskandar-..." - "Ich glaube, das reicht", sagt Sahir ärgerlich.
"Oh Merlin, bitte verschone mich vor dieser überbesorgen Veelaglucker!", brummt Azrael, setzt aber seine Brille wieder auf und lässt Cookie und Aley so frei. Es geht keine zwei Sekunden, bis Cookie Aley vom Sofa stösst, sodass dieser zu Boden fällt. Mit seinem Unterkörper landet er genau auf seinem Bein. Das muss weh getan haben. Schmerzerfüllt verzieht Aley das Gesicht.
"Master, ich...", flüstert Aley traurig, verstummt dann aber und rappelt sich auf. "Darf ich gehen?" Cookie nickt kurz. Niemand von uns anderen versteht, warum Cookie Aley immer so kalt behandelt aber mittlerweile sagt auch keiner mehr was.
"Das war nicht seine Schuld. Niemand kann widerstehen", sagt Azrael kühl, "Du solltest mir noch die Regeln erklären, Godric?" - "Ja, richtig. Erste Regel: Nenn mich nicht Godric sondern Ric. Zweite Regel: Wir bekommen jeden Morgen Aufgaben, die wir erledigen müssen. Du wirst mehr haben, da du ja auch schneller bist. Wenn du sie nicht in der vorgegebenen Zeit erfüllst, wirst du mit zehn Schlägen auf den Rücken bestraft pro Aufgabe, die du nicht in der Zeit gemacht hast." - "Das ist nicht ganz richtig. Das ist nur bei nicht-Vampiren so, aber das kannst du ja nicht wissen, Ric. Vampire bekommen als Strafe Schläge mit einer Feuerpeitsche, da alles andere ziemlich unnütz ist auf Vampirhaut." - "Ach so. Okay. Dann eben mit einer Feuerpeitsche. Wenn Master Satanus dich ruft, musst du zu ihm gehen und vor ihm hinknien, aber ich glaube, er ist ziemlich kulant, wenn du das noch nicht kannst. Dann müssen wir ihn 'Master Satanus' nennen, aber auch das musst du vermutlich noch nicht. Wenn du in einer Woche keine Strafe bekommen hast, kannst du in der nächsten einen Tag lang raus und du bekommst drei Galleonen. Hab ich noch was vergessen, Skky?" - "Ja. Halt dich fern von den Veelas, wenn sie das so wünschen und behandele sie nicht, als wären sie die deinen. Hier unten sind wir alle gleich und wenn du das nicht einhältst und Luzifer das erfährt, wirst du dir wünschen, nie geboren worden zu sein. Und noch was: Zwinge einen von ihnen einmal, etwas zu tun, was sie nicht wollen und dann ist Luzifer dein letztes Problem." - "Der da drüben zieht mich ja so schon in Gedanken aus", schmunzelt der Vampir, "Aber ja, selbstverständlich."
Mit 'der da drüben' meint der Vampir Sahir, der ihn abwesend anstarrt. Belle stösst ihm lachend den Ellenbogen in die Rippen und Sahir kommt zu sich.
"Deine Kinder haben Black-Blut in sich, oder?", fragt Azrael Sahir. "Die beiden, ja. Iskandar nicht. Er ist ein Avery." - "Nicht von deinem Master, was?" - "Woher weisst du das? Ich nehme nicht an, dass du weisst, wie mein Master riecht und dass du an meinen Kindern geschnüffelt hast?" - "Nein, natürlich nicht, aber du hättest es erwähnt, wenn er von deinem Master gewesen wäre. Und nun... Was macht ihr den ganzen Abend lang?" - "Meistens sitzen wir hier rum und reden, aber jetzt kommt dann bald der, der heute Abendessen gekocht hat und bringt uns noch was. Du kannst nichts essen, oder?" - "Nein. Jedenfalls nicht, wenn du nicht auf dem Menüplan stehen willst." - "Hm... Danke... Ich bin mit meinem Bluthaushalt gerade äusserst zufrieden." - "Das meinte ich nicht, Schönheit." Der Vampir hebt einen Mundwinkel und sieht zu Sahir hinüber. Dieser wird rot und tut so, als müsse er jetzt ganz dringend und konzentriert über Amirs Köpfchen streicheln.
Eine Minute später, in der sich der Vampir endlich dazu entschieden hat, abzusitzen, kommt Dad mit zwei Tabletts rein und verteilt die Portionen.
"Oh! Willst du auch was?", fragt Dad gleich fürsorglich. "Ich bräuchte Blut. Wäre auch nicht das erste Mal... Onyx." Geschockt sieht Dad zu dem Vampir auf. "Ich kenne deine Stimme... Woher...?" - "Warst du nicht ewig das Haustierchen von Ysante?" - "Würd ich jetzt nicht so ausdrücken?", fragt Onyx stirnrunzelnd. "Er drückt es aber so aus." - "Aha... Und jetzt? Bist du hier, um allen hier zu erzählen, was ich mit mir hab machen lassen, oder was?" - "Dafür hätte ich mich nicht zum Sklaven degradieren lassen müssen."
"Oh mann, bis eben verstanden wir uns hier alle gut", meint Iskandar genervt. "Wir brauchen vielleicht ein wenig Zeit, es ist gar nicht so einfach, hier neu zu sein, glaub mir", sagt Sahir ruhig. Iskandar seufzt und fragt: "Na gut. Also, was war jetzt mit ihm, Onyx?" - "Er war nur einer von den Freunden meines Masters, mehr weiss ich nicht."
"Hat Skkylar je ein Wort über deine Vergangenheit verloren? Nein? Er kennt dich genau so gut wie ich, ihn hast du einfach vergessen, weil er dich seit zweieinhalbtausend Jahren nicht mehr gesehen hat." Skky hat Dad gekannt...? "Ich konnte mich an ihn erinnern, als ich das erste Mal hier war. Aber mit seiner Stimme verbinde ich keinen Schmerz, sondern etwas angenehmes", sagt Onyx leise und setzt sich dann zu Peter. Auch noch nach diesen Jahren liebt er es, entweder bei mir oder bei Peter zu sein. Er ist nicht mehr ganz so schüchtern, wie man merkt, aber er ist anhänglich und immer noch unsicher, Gefühle zu deuten.
"Ihr kanntet euch schon vorher?", fragt Liam überrascht. "Ein bisschen." - "Wie nahe?" - "Das geht dich nichts an", lächelt Skkylar und küsst Liam kurz. "Nicht so nahe, dass du eifersüchtig sein musst, Liam", sagt Onyx leise. "Du hast ja keine Ahnung, wie schnell ich eifersüchtig bin", grinst Liam. "Auch wieder wahr. Du kannst ihnen allen schon erzählen, was war, Skkylar. Eigentlich ist es mir egal."
Cookie, der noch am Essen ist, murmelt etwas ausserhalb des Themas: "Wie kann einer, der das Essen bestimmt schon verlernt hat, so verdammt gut kochen?" Dad hat es verstanden und lächelt geschmeichelt.
"Du isst noch immer nichts?", fragt Azrael. "Nein, aber wenn Skkylar was sagt, dann trinke ich was." - "Dir ist es ernsthaft immer noch wichtig, dass sich ein jeder Veela ein wenig menschlich fühlen kann?", fragt Azrael Skkylar. "Ja." - "Oh, wie hinderlich muss das menschlich-sein nur sein?" Niemand sagt etwas als Antwort, aber es geht wohl jedem durch den Kopf, dass er ein gestörter Mann ist.
Er hebt einen Mundwinkel und verlässt dann den Raum.
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Zwölf Stunden später wache ich von Geschrei auf.
Skkylar und Azrael.
"ICH WOLLTE NICHT WIEDER SO WERDEN WIE DU! ICH KANN MEINEN VEELA NICHT NOCHMAL VERLETZEN!" - "EIN JAHRZEHNT HAST DU MICH ANGEFLEHT, EIN VAMPIR WERDEN! WAS WIR UNS GETEILT HABEN, DAS-..." - "DAS HAT GEENDET, WEIL DU MICH VERLASSEN HAST, DU ARROGANTER, HERZLOSER BASTARD!" - "Oh, du nennst einen geborenen Vampir herzlos. Das trifft mich jetzt aber. Es ist wie ein Stich... in mein Herz. Weisst du Skkylar, das ist der Unterschied zwischen uns und mitunter ist das auch der Grund, warum du nicht sein kannst wie ich. Du bist zu menschlich." - "Aber warum hast du mich dann wieder zurückverwandelt? Es war gut für mich, wieder ein Grimm zu sein!" Skkylar hört sich weinerlich an. "Jeder weiss, dass ein Geborener nicht erlauben kann, dass seine Schützlinge zerstört werden oder sich selber zerstören." - "Und wenn ich Liam weh tue, weil ich meine Menschlichkeit verliere, werde ich mich nochmals vernichten und dann endgültig. Das schwöre ich dir bei Merlin."
"Nein...", höre ich eine leise Stimme und nun stehe ich auch auf.
Im Wohnzimmer finde ich nicht das vor, mit dem ich gerechnet habe: Liam steht kreidebleich in der Tür zu ihrem gemeinsamen Zimmer, Azrael steht wie ein unbezwingbarer Feind vor Skkylar, der zusammengesunken in einem Sessel kauert und nun zu Liam aufsieht. Ich sehe in Skkylars Augen. Ausser den schwarzen Pupillen und dem grauen Rand rund um die Iriden sind sie schneeweiss.
"Nein...", sagt Liam nochmals, aber diesmal flehend. Er sinkt am Türrahmen herab. Ich gehe zu ihm und lege meine Arme um ihn. In Skkylars Blick kann ich sehen, dass er leidet. "Ich hasse dich, Azrael!", faucht Skkylar und flitzt in Vampirgeschwindigkeit zu uns. Liam zuckt vor ihm zurück, doch Skky berührt ihn nicht einfach. Er streckt die Hand aus und nähert sich Liam ganz langsam. Schliesslich schliesst Skkylar Liam doch in die Arme.
"Ich hoffe für dich, dass du meine Menschlichkeit an Liam gebunden hast, Azrael!" - "Ich habe sie an die Anwesenheit von Lebewesen gebunden. Mehr Spielraum kann ich dir nicht geben. Geniesst du es nicht? Du siehst besser, du kannst besser riechen, du spürst jeden Herzschlag deines Veelas, du bist genug stark, um ihn zu beschützen." - "Dafür bin ich nicht mehr menschlich!", faucht Skkylar, "Ich kann nicht wieder mit ihm Abendessen oder neben ihm aufwachen, oder... oder..." - "Ach du bist romantisch veranlagt? Das wusste ich ja gar nicht, und jetzt reite nicht so auf deiner Menschlichkeit rum, du kannst sie eh nur verlieren, wenn du zehn Stunden ganz allein bist und wann bist du das schon?"
Skkylar antwortet nicht direkt, sondern fragt: "Woran hast du meine Menschlichkeit beim letzten Mal gebunden?" - "An deine Freunde. Du hattest schon immer viele Freunde und das ging ja auch gut." - "Zumindest bis ich Liam grundlos geschlagen habe." - "Das wird nun nicht mehr passieren. Nun. Wann bekommen wir jetzt die Aufgaben?" - "Jetzt", sagt Skkylar leise und dann schwebt auch schon vor jedem ein Zettel in der Luft.
Ärgerlich sehe ich darauf und rufe empört: "Zwei Aufgaben?!" - "Ist dir das etwa zu viel?", fragt Liam irritiert. "Nein! Das ist viel zu wenig! Oh man! Da bin ich ja am Mittag fertig und nachher ist mir zehn Stunden lang langweilig!" - "Dann lass dir eben Zeit", sagt Liam, der sich nun nur noch in Skkylars Umarmung befindet. "Mhm. Genau. Jetzt haben wir hier gerade zwei Vampire, denen ich nicht gern mein Blut wegen der Bestrafung zu riechen gebe."
Azrael meint: "Nicht alle sind so unbeherrscht wie Salazar." - "Sage nichts gegen ihn!", fauche ich gereizt. Vermutlich verdreht Azrael die Augen, doch das kann ich hinter seiner Brille ja nicht sehen.
Schliesslich sagt der Vampir: "Was auch immer. Wann steht Aley normalerweise auf? Ich muss meine Aufgaben mit ihm erledigen." - "Der ist schon wach. Er steht meistens um halb fünf, fünf Uhr auf." - "Warum?" - "Weil Iskandar ihn da in Ruhe lässt, nehme ich an", sagt Sahir verächtlich, der sich noch die Haare fertig zusammenbindet und dann seinen Zettel ansieht. "Iskandar ist doch dein Sohn, oder?" - "Ja schon, aber das heisst nicht, dass ich sein Verhalten Aley gegenüber gutheissen muss. Das tu ich nämlich überhaupt nicht!"
Sahir geht zur Tür, die ins Zimmer seines Sohnes führt, und öffnet sie einige Sekunden nachdem er angeklopft hat. Laut sagt er: "Lass Aley gehen, er muss mit Azrael zusammenarbeiten." - "Aley hat hier noch was zu erledigen. Es ist seine Sache, wie schnell er fertig ist!" - "Luzifer ist Aleys erster Master, nicht du. Du kannst Aley nach seinen Aufgaben wieder rumscheuchen." - "Was auch immer. Geh' schon, Aley", seufzt Cookie. "Danke Master."
Mit gesenktem Kopf und hängenden Flügeln schleicht Aley an Sahir vorbei.
"Fangen wir gleich an?" Aley nickt leicht und folgt dem Vampir. Ich hänge mich ihnen gleich an. Ich muss auch mit ihnen zusammen die Bibliothek machen. Irgendwie frage ich mich, wie es sein kann, dass man die Bibliothek jeden Tag neu sortieren muss...
"Was ist mit dir?", fragt Azrael Aley. "Warum?" - "Du riechst nach Blut in den unteren Regionen deines Körpers." Aley schnaubt leise und sagt: "Das weisst du doch eh schon." - "Nein. Nicht exakt. Ich rieche, dass du dich gestern verletzt hast, als du auf dein Bein gefallen bist." - "Ja, okay, ich habe mich verletzt, ich tu es nur, um meinem Master zu gefallen." - "Ihr habt eine merkwürdige Beziehung, wirklich merkwürdig. Sowas habe ich noch nie gesehen." - "Grosszügig von dir, das eine Beziehung zu nennen", sagt Aley sarkastisch, "Also. Wir müssen die Bücher hier wieder an ihren Platz zurückstellen." - "Aha. Und wie wissen wir, wohin sie gehören?" - "Kannst du nicht einfach daran schnüffeln, um das zu wissen?" Der Vampir sieht Aley durch seine dunklen Gläser eine Weile ohne jede Regung an. Aley wird immer kleiner und gibt dann irgendwann nach: "Tut mir leid... Wir... also sie sind nach Thema und dann nach Muggel/Magie und dann nach Alphabet sortiert." - "Geht doch. Dieser Stapel da?" - "Genau."
Tatsächlich nimmt Azrael ein Buch und riecht daran, dann flitzt er quer durch die Bibliothek. Als er zurückkommt, hat er das Buch nicht mehr. "Na los, was steht ihr hier so rum?" Zögerlich nehmen wir beide ein Buch, doch als wir die versorgt haben, ist Azrael mit dem Rest schon längst fertig.
"Was noch?", fragt der Vampir. "Wir müssen noch... gar nichts mehr. WAS?!", ruft Aley. "Ich geh mich jetzt bei Master Satanus beschweren. Das geht so nicht", beschliesse ich, doch Aley sieht mich an, als wäre ich bekloppt. "Bist du verrückt?! Du kannst doch nicht mehr Aufgaben wollen?!" - "Doch. Mir war verdammt lange langweilig und das ist ein ziemlich ekliges Gefühl, deswegen habe ich gerne was zu tun." - "Luzifer kommt jetzt hierher, ich höre seine Schritte, wenn du es wirklich durchziehen willst."
Dieser hat uns wohl gehört, denn der Dämon sagt: "Wenn du mehr zu tun haben willst, Godric, darfst du dich gerne noch mit dem Stalljungen um die Einhörner und die Pferde kümmern, aber nimm erstmal Iskandar, Skkylar oder Azrael mit... am besten Iskandar." - "Wirklich?", frage ich überrascht. "Klar. Zu wenig Arbeit gibt's hier nie. Also, willst du?" - "Ja, Master Satanus!" - "Okay. Iskandar!"
Cookie steht eine Sekunde umhüllt von dichtem, schwarzen Nebel vor uns. "Ja? Hey, guck nicht so überrascht, ich kann das auch, nicht nur du!", lacht er Master Satanus an. Dieser schmunzelte und sagte: "Jaja. Jetzt hör zu: Begleite Godric bitte in die Stallungen und stelle ihn dem Stalljungen vor. Er möchte ein wenig mithelfen." - "Okay, aber kann er das nicht selbst?" - "Der Stalljunge ist ebenfalls ein geborener Vampir und ich kenne Godric gut genug um zu wissen, dass er den Mund nicht auftut, sobald er Angst bekommt." Ich schenke Master Satanus einen bösen Blick, aber eigentlich hat er ja Recht.
So kommt es, dass Cookie sich den ganzen Weg bis zu den Stallungen darüber lustig macht, dass ich ein Arbeitssüchtiger bin. Lachend kommen wir dann in den Stallungen an.
"Hallo Godric." Ich verschlucke mich an meinem eigenen Atem und huste. Stirnrunzelnd tätschelt Iskandar mir den Rücken, bis ich mich wieder erholt habe. "Aber... was... wie... warum?!", frage ich den fünfzehnjährigen Jungen vor mir. Lange, dunkelbraun/schwarze Haare, vampirische Augen, ein halbes Grinsen im Gesicht. Aber… "Du bist eine Illusion, richtig? Du bist nämlich tot und ganz bestimmt nicht fünfzehn..." - "Ich bin nicht fünfzehn, sondern siebzehn. Und ich war tot. Für zwei Wochen oder so. Aber ich war eigentlich ein Grimm. Grimme können reinkarnieren, wenn sie das wollen." - "Aber..." Ich verstehe das nicht. Warum hat mir keiner was davon gesagt, dass mein Master wieder lebt?!
"Keine Angst. Ich bin nicht mehr dein Master. Ich habe diese Stelle hier angenommen, weil ich sehen wollte, wie es dir geht. Sag mal... Wie kommt es, dass du im Stall helfen willst? Du hast Angst vor Pferden, schon vergessen?" - "Naja... Nicht mehr so sehr..." - "Es ist deine Entscheidung... Hör mal, ich bin nicht mehr 1000 Jahre alt und ich weiss nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich es noch wäre, also sei bitte nicht allzu verwirrt." Der Junge... mein Master... kommt einen Schritt auf mich zu und umarmt mich einfach. Das hat er sonst nie gemacht!
"Uhm... Also... Sal, das ist Ric, Ric, das ist Sal. Wunderbar, jetzt kennt ihr euch, du zitterst nicht vor Angst, Ric, und du bringst auch noch einen Mucks raus und jetzt verdrücke ich mich, tschüss!" Cookie verschwindet in seinem Dämonenrauch und ich habe nicht den blassesten Schimmer, was ich tun soll. Vor 17 Jahren hätte ich mich jetzt auf den Boden sinken lassen.
Gute Idee. Ausführen.
"Du musst das nicht tun. Der Boden ist ziemlich dreckig." - "... Ich bin doch verwirrt, Master Slytherin..." Ich sehe eine Hand vor mir. "Das hilft nicht", murmle ich irritiert. Master Slytherin (der tot sein sollte) nimmt meine Hand und zieht mich hoch.
"Nenne mich bitte nicht Master, denn das bin ich nicht mehr, okay?" - "Ja aber..." Jetzt ist er wieder da, und dann doch wieder nicht. Er ist zwar äusserlich mein Master, aber innerlich ist er... nett und... vorsichtig.
Er sieht mich mit einem schiefen Grinsen an und drückt mir einen Besen in die Hand. "Du kannst dann zu den Pferden, wenn du dich daran gewöhnt hast." - "Ja Master S-... Ja." Mit hängenden Flügeln mache ich mich daran, den Boden zu fegen.
"Hey...", sagt der Mann, der irgendwie nicht mein Master ist, und streichelt über meine Flügel. Seit Jahren hat das niemand mehr gemacht und ich erschrecke so sehr, dass ich herumfahre und ihn anfauche. Sofort schlage ich mir die Hand vor den Mund. Ich sehe ihn panisch an, doch sein Blick ist entschuldigend. "Entschuldige bitte. Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass ich deine Flügel nicht einfach anfassen sollte."
Keine Ohrfeige?
"Das... das dürft Ihr schon...", sage ich leise. "Okay, aber du kannst mich auch duzen." - "Das ist schwierig für mich..." - "Du schaffst das schon. Ich stelle dir kurz die Pferde vor. Luzifer besitzt sie alle ausser einem, das ist meiner."
Master Slytherin nennt mir zu jedem Pferd, an dem wir vorbeilaufen, einen Namen, den ich mir aber sowieso nicht merken kann. "Hast dir sicher alle Namen gemerkt, hm? Keine Angst, sie haben Halfter an, an denen sie angeschrieben sind. Du hast mal gelernt, wie man reitet, richtig?" - "Ja, das war aber vor 2500 Jahren..." - "Ich weiss. Traust du es dir noch zu?" - "Mal versuchen..." - "Okay. Du bekommst Dalya. Sie ist nett, brav, klein, falls du runterfallen solltest, und sie tut keiner Fliege was zuleide." - "Okay."
Master Slytherin hilft mir beim Aufsteigen, doch sobald ich im Sattel sitze, weiss ich wieder, was ich machen muss. Es ist lange her, aber ich konnte es mal recht gut.
Master Slytherin macht mir ein Kompliment und ich falle dann doch fast vom Pferd, was meinen Master zum Lachen bringt. "Es bringt dich ja ganz schön aus dem Konzept, wenn ich nett bin", sagt er trocken. Ich schweige und lasse mich weiter von dem Pferd durchschütteln.
"Gut, du kannst absteigen. Deine Fähigkeiten reichen aus. Kannst du die Pferde füttern?" - "Ja, aber fressen Einhörner auch Heu?" Mein Master sieht mich skeptisch an. "Warum nicht? Nur weil sie magisch sind und ein Horn auf dem Kopf haben, sollten sie kein Heu fressen?" - "Vampire essen ja auch kein normales Essen..." - "Natürlich, aber... Ach, was solls. Wissen die anderen, wo du bist?" - "Nur Iskandar und Master Satanus..."
Mein Master nickt verstehend, dann gibt er mir ein paar kleine Aufgaben, die ich machen kann.
"Stört es Luzifer und Iskandar, wenn ich dich nicht sofort zurückgebe?" - "Ich glaube nicht", sage ich in einem fragenden Tonfall. Will er noch was mit mir machen?
"Kommst du zu mir? Ich habe Feierabend." - "Ich... weiss nicht." - "Bitte? Für deinen Master, der jetzt wieder siebzehn ist und keine Ahnung vom Leben hat und dessen Hirn eindeutig einen Stoss in die richtige Richtung braucht?" - "Ihr gefallt mir so eigentlich ziemlich gut", murmle ich ein wenig grinsend.
"Godric, bitte" Wie kann ich nur nein sagen? "Ja, natürlich, wo wohnt Ihr?" - "In dem ersten, roten Haus da." Master Slytherin nickt zum ersten Haus der Stadt, das aber noch am Waldrand liegt. "Salazar Slytherin lebt in einem *roten* Haus?", frage ich lächelnd. "Tatsächlich. Aber ich nenne mich nicht mehr Salazar Slytherin. Meine Eltern in diesem Leben haben mir den Namen Salvator Carter gegeben. Aber nenne mich ruhig weiter Salazar. Meine Eltern gibt's eh nicht mehr und viel mehr Leute wissen auch nicht von mir." - "Warum?", frage ich verwirrt. "Ich warte, bis ich wieder als 24-jähriger durchgehe, dann bin ich wieder Salazar und kann weitermachen, wo ich aufgehört habe." - "Jeder, der Euch ein wenig gekannt hat, wird merken, dass Ihr nicht mehr Ihr seid." - "Ich weiss. Dafür brauche ich dich. Du weisst ganz genau, wie ich in welcher Situation reagiert hätte und du kannst es mir wieder beibringen." - "Ja Master Slytherin... ich meine Carter... oh Merlin, jetzt bin ich verwirrt..." - "Wie gesagt. Sal reicht völlig. Also kommst du mit?" - "Was... du wünschst."
"Nur noch eine Frage: Wo ist Tom? Ich habe ihn nie gesehen." - "Nein... er... Tizian hat ihn verstossen, und..." - "Er ist tot?!", fragt mein Master geschockt. "Nein, nein. Master Satanus hat ihn sozusagen freigestellt. Tommy hat in der Menschenwelt einen Dämonen geheiratet und so wie es scheint, ist er sehr, sehr glücklich mit ihm." - "Sind wir Grosseltern?" - "Nein. Noch nicht, denke ich."
Master Slytherin kommt auf mich zu und legt seine Arme um mich. "Ich weiss nicht warum, aber irgendwie habe ich das Bedürfnis, dich ständig zu berühren." - "Ich weiss schon warum. Das ist das Gefühl, das jeder Master hat, wenn er kein gebissener Vampir ist, der seine Menschlichkeit verloren hat." - "Ich hatte das Gefühl im letzten Jahr, als ich noch er war, aber auch nicht." - "Das war auch keine Menschlichkeit. Ihr wart nur besänftigt, weil ich jederzeit in Eurer Reichweite für Blut war. Im letzten Jahr habt Ihr mehr als viermal so viel von mir genommen als sonst. Ich habe Azrael gefragt. Eure Menschlichkeit hing an Euren Freunden und solche hattet Ihr nie. Ihr hattet nur Leute, die Mittel zum Zweck waren." - "Oh... Ist das jetzt Menschlichkeit?" - "Nein. Geborene Vampire sind nie menschlich. Aber Ihr seid wirklich gnädig." Er hält mich immer noch in den Armen und ich will, dass es niemals endet. "Gnädig, ja?" - "Ja... oder nett..." - "Nett. Okay. Du hast mir noch nie gesagt, dass ich 'nett' bin." Ich schüttle schweigend den Kopf.
Irgendwie kommen langsam Tränen hoch. Tränen, die ich zurückgehalten habe, als ich meine Gefühle verdrängte. Heisse Tränen rinnen über meine Wangen und in sein T-Shirt.
"Godric, ich..." Unbeholfen streichelt er über meinen Rücken. Er stösst mich nicht von sich. Ich weine und ich darf bei ihm sein! Sonst hat er mich dann immer fortgeschickt!
"Ich... soll ich einen von deinen Freunden holen? Oder deinen Dad?" Leicht schüttle ich den Kopf. "Bitte nicht, Master Slytherin." - "Was soll ich denn dann tun? Du weinst doch wegen mir..." - "So bleiben... bitte." - "Okay..."
"Master Slytherin, bitte gewährt mir eine Frage", murmle ich, als ich mich etwas beruhigt habe. "Du darfst so viele Fragen stellen, wie du willst." - "Danke. Habt Ihr eine Freundin oder einen Freund?" - "Nein. Wenn ich es mit jemandem versucht habe, waren sie alle abgeschreckt von meinen Vorstellungen, was im Bett laufen sollte." Mein Master lacht leise, "An meinen Veela kommt eben keiner ran." - "Ich kann aber auch gut zu Tom und zum Schloss schauen...", sage ich. Ich bin etwas verletzt, weil er mich offensichtlich nur auf meine Fähigkeiten im Bett reduziert. Master Slytherin kichert leise. "Natürlich kannst du das. Hast du denn einen Freund?" - "Nein! Nein, ich habe es gar nicht versucht"
"Hey!", ruft plötzlich jemand und ich fahre herum. Im Eingang des Stalles steht Aley. "Was ist?", frage ich. "Mein Master hat mir befohlen, nach dir zu sehen und dich zum Essen zu holen, aber wenn du hier lieber mit irgendjemanden kuschelst..." - "Ich habe keinen Hunger", sage ich trotzig. "Naja... Aber bist du sicher, dass du hier bleiben willst?" Mein Meister sagt schnell: "Ich tu ihm nichts. Godric, wer ist das?" - "Das ist der Veela von einem meiner Freunde." - "Also kein Sklave?" - "Doch, doch." - "Aber er ist nicht dein Freund?" - "Keine Ahnung. Er ist ein Ingenium-Veela und nicht wirklich bereit, mit jemandem Freundschaft zu schliessen." - "Ich kann es nur nicht", protestiert Aley, doch mein Master nickt verstehend: "Wie Severin." Ich nicke ein wenig. "Wenn ihr eh nur über mich redet, kann ich ja gehen", meint Aley und wendet sich ab.
Mein Master nimmt mich zu sich nach Hause. Freundlich sagt er: "Ich bin gleich bei dir. Ich brauche eine Viertelstunde."
Er drückt mir eine Schale mit Keksen in die Hand und verschwindet anscheinend ins Bad, denn kurz darauf höre ich eine Dusche rauschen.
Schnell springe ich auf und betrete das Bad. Ich nehme ein Tuch und knie mich damit neben die Dusche. Sobald er rauskommt, werde ich ihn abtrocknen, genauso, wie ich es immer getan habe.
"Was machst du da?", fragt mein Master verwirrt. "Das, was ich sonst auch immer gemacht habe... Ich werde Euch abtrocknen..." - "Oh. Daran könnte ich mich gewöhnen." - "Ja wirklich? Kein Problem, ich mache das jeden Abend, wenn Ihr das wollt und ich gerade keine Aufgabe zu erledigen habe." - "Ich meinte nicht nur das... Ich meinte, ich könnte mich daran gewöhnen, jemanden zu haben, der sich mit mir abgibt. Jemanden zu haben, der mich anstarrt, während ich dusche, gefällt mir allerdings weniger. Mein Blut weiss dann nicht mehr, wohin es gehört, wenn du weisst, was ich meine." - "Ihr habt noch nie gezögert, mich in Euer Bett zu holen..." - "Ich kenne dich offiziell seit genau einem Tag, Godric." - "Aber inoffiziell bin ich seit mehr als 1000 Jahren Euer Sklave..." - "Das hört sich so... abwertend an. Kannst du dich nicht einfach als mein Gefährte sehen?" - "Uhm... ja. Das war ich auch, schätze ich, aber ich war auch Euer Sklave und ich finde das eigentlich gar nicht abwertend. Ich bin gerne der Sklave von irgendwem, vor allem aber von Euch." - "Ich habe vergessen, dass du gerne ein niederes Wesen bist" Er sagt es nicht mit einem beleidigenden Ton, aber nur schon die Wortwahl...
Traurig senke ich den Kopf. Ich bin kein niederes Wesen. Ich bin so hochstehend wie alle anderen auch. Ich unterwerfe mich nur gern. Das hat Skkylar gesagt.
Das Wasser stoppt und er tritt aus der Kabine. Schnell stehe ich auf und beginne mit sanften, kreisenden Bewegungen, seine Beine zu trocknen. Er verspannt sich, als ich das auch bei seiner Intimzone tue. Traditionell habe ich ihm einen Blowjow verpasst, doch ich unterlasse das heute. Ich glaube, das hätte ihn nun wirklich überfordert.
Als ich mit dem Körper fertig bin, nehme ich ein anderes Tuch und trockne damit noch seine Haare. Normalerweise hätte er jetzt mit einem Arm um meine Schulter und mit der anderen Hand um meinen Kopf gefasst und mir Blut entnommen, bis ich ohnmächtig geworden wäre und mich dann auf irgendein Sofa gelegt, auf dem ich mich erholen konnte.
"Hat es dir weh getan, wenn ich dir Blut abgenommen habe?", fragt er, als hätte er meine Gedanken gelesen. "Nicht direkt, aber ich hatte danach immer Kopfschmerzen und mir war schwindelig..." - "Oh. Du magst es also gar nicht, was?" - "Mir ist es egal, Ihr könnt es ruhig machen." Ich lege meinen Kopf auf die Seite. Er beisst mich immer rechts, ich weiss nicht, warum. "Wirklich? Ich hatte noch nie Blut von Lebenden..." - "Von was dann? Totes Blut ist doch giftig für Vampire!" - "Konserven. Von Dämonen, die das freiwillig machen." - "Ihr könnt mich gern beissen." Nochmals lege ich den Kopf auf die Seite. Diesmal nimmt er mich wieder in den 'Jägergriff', wie ich ihn nenne und beisst zu.
Leise wimmere ich. Er hat nicht ganz richtig getroffen. Das ist ihm seit 900 Jahren nicht mehr passiert. Es tut höllisch weh. Kurz geht er von meinem Hals weg und beisst nochmals. Diesmal hat er getroffen und ich entspanne mich. Langsam wird mir schwindelig und dann wird alles schwarz.
Als ich wieder erwache, liege ich auf einem Sofa. Irgendetwas kühles fährt langsam über meine Stirn und etwas anderes drückt auf meinen Hals, der brennt, als stünde er in Flammen.
"Godric? Hörst du mich?" Langsam öffne ich die Augen. "Master... Was...?" - "Wie heilt es? Es blutet so stark!" - "Was...?" - "Godric! Konzentrier dich! Dein Hals blutet so stark!" - "Hm?" - "GODRIC!", zischt er mich an und plötzlich bin ich hellwach.
"Euer Speichel wird mich heilen..." Skeptisch sieht er mich an, doch dann senkt er wieder seine Lippen auf meinen Hals und er leckt ganz vorsichtig über die Wunde. Sofort schliesst sie sich. Der kalte Lappen auf meiner Stirn hilft nicht wirklich, aber es ist eine nette Geste.
"Geht es einigermassen? Es tut mir leid, das wollte ich bestimmt nicht", sagt mein Master entschuldigend. "Schon gut." - "Willst du vielleicht noch etwas ausruhen? Oder was zu trinken? Ich hab leider nur ganz normales Leitungswasser..." - "Nein danke..."
Mein Master zieht mich sanft hoch in eine sitzende Position. "Ist es normal, dass du so groggy bist?" Ich nicke leicht, obwohl das mein Gehirn dazu bringt, sich um seine eigene Achse zu drehen. Leise frage ich: "Kann ich vielleicht doch noch kurz die Augen schliessen?" - "Natürlich!" Nochmals bettet er mich auf das Sofa zurück.
"Wieso seid Ihr so nett zu mir?", frage ich verwirrt. "Wieso auch nicht? Ich mag dich und ich bin kein Gebissener mehr, also kann ich auch nett sein. Und wenn ich heute gesehen habe, wie sehr du strahlst, tut es mir Leid, dass ich es vorher nicht war."
Nach einer halben Stunde erholt sich mein Kopf langsam.
"Godric?" - "Ja?" - "Möchtest du hier schlafen?" - "Sehr gerne, aber ich muss morgen um neun zurück sein." - "Kein Problem, ich wecke dich um acht. Ich leide eh unter einem Schlafproblem." Mein Master schmunzelt. Ich stehe auf und schwanke bis zur nächsten Wand, doch da hat mich mein Master auch schon aufgehoben. Sanft legt er mich auf dem Bett ab.
"Danke, Master Slytherin. Warum habt Ihr eigentlich ein so grosses Bett, wenn Ihr nicht schlaft?" - "Ich gehe gern in Clubs und manchmal nehme ich eben jemanden hierher mit, um... Du weisst schon..." - "Oh... natürlich." Ich liege an diesem Ort, an dem sich mein Master mit anderen vergnügt hat. Wunderbar.
"Tut mir ja Leid, aber ich brauche nunmal auch meinen Spass!" - "Ja, Master Slytherin, aber Ihr dürft Euch sicher sein, dass ich Euch gern zur Verfügung stehe." Master Slytherin sieht mich ernst an und fragt: "Du willst also wirklich, dass ich wieder dein Master bin?" Ich nicke. "Wollt Ihr denn das auch?" - "Ich weiss es nicht. Wenn, dann will ich, dass du möglichst oft bei mir bist." - "Also wollt Ihr, dass ich mich nicht mehr mit meinen Freunden abgebe?" - "Doch, das darfst du natürlich. Aber kommst du vielleicht immer zum Schlafen hierher?" - "Gern, Master Slytherin."
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Es dauert genau sechs Wochen, bis Master Slytherin sich überwindet und ich mich endlich auch um sein körperliches Wohlergehen kümmern darf. Ich trockne gerade seine vom Duschen nassen Oberschenkel und plötzlich spüre ich seine Hand in meinem Nacken.
Mein Master lässt mir die Möglichkeit, mich zu widersetzen, doch das käme mir nicht mal in den Sinn. Ohne zu zögern senke ich meine Lippen auf sein halbhartes Glied. Meine Arme verschränke ich hinter meinem Rücken, wie ich es immer gemacht habe. Wie immer hält seine Hand mich bestimmt. Er entscheidet, wie schnell oder wie langsam es gehen soll und das ist für mich in Ordnung.
Es geht nicht lange, bis er mein Gesicht in seine Schamhaare drückt und tief in meinem Hals kommt. Mir bleibt nichts anderes, als zu schlucken und ihn dann sauber zu lecken. Zart streichelt er über meinen Kopf. "Du bist einfach genial - immer noch." Normalerweise hätte ich nun eine halbherzige Ohrfeige bekommen als Zeichen, dass ich ihn weiter abtrocknen sollte, doch stattdessen streichelt er mir sanft über die Stirn und macht einen kleinen Schritt zurück.
"Ist alles okay?", fragt er besorgt, als ich kommentarlos weiter mache mit Trockenreiben. "Natürlich, Master Slytherin", antworte ich. Was sollte denn nicht okay sein?
Sobald ich fertig bin, nimmt er mich in seinen Jägergriff und beisst mich. Das tut er fast jeden Tag.
Heute ist das erste Mal, wo ich in seinen Armen aus meiner Ohnmacht erwache. Es ist schön, wenn das erste, was man spürt, das ist, was man am meisten liebt. Mit einem Finger streichelt er abwesend über meine Wange und als er merkt, dass ich wach bin, küsst er mich auf den Mund. Leider bin ich noch zu weit weg, um mitzumachen.
"Master?", frage ich undeutlich. "Was denn?" - "Wollt Ihr mit mir am nächsten Sonntag Tom treffen?" - "Hast du ihm was von mir erzählt?" - "Ihr habt doch gesagt, dass ich das nicht darf?" - "Das heisst doch nicht automatisch, dass du es auch eingehalten hast." - "Natürlich heisst es das!", protestiere ich. Was denkt er nur von mir?! "Oh. Na dann. Gerne."
So kommt es, dass ich am Sonntag derselben Woche Master Slytherin dabei habe, als ich an der Tür klingle. Seth kommt raus. Er sieht wütend und übernächtigt aus.
"Was ist los?", frage ich den jungen Dämonen besorgt. "Tom ist seit vier Tagen in Azkaban." - "WAS?! WARUM?!" - "Frag doch nicht so scheinheilig. Du weisst ganz genau, dass er Voldemort war!", zischt Seth, "Geh und komm ja nie wieder!" Toms Ehemann knallt mir die Tür vor der Nase zu. Ich sehe das massive Holz ungläubig an.
"Ich habe geahnt, dass sowas passieren könnte", murmelt mein Master. Er nimmt mich an der Hand und reist mit mir in die Dämonenwelt.
"My Lord, Ihr müsst Tom helfen; Er ist in Azkaban", sagt Salazar, sobald er mit mir in den Thronsaal geflitzt ist. Master Satanus nickt und sagt: "Tizian ist schon dabei. Sie sind jetzt mal soweit, dass Tom wenigstens nicht den Dementorenkuss bekommt. Tom weiss nichts davon und es ist meine Anweisung, dass dies auch so bleibt, bis wir ihn holen können. Dies gilt auch für dich, Salazar, sonst brechen wir unsere Rettungsmission ab." - "Ja, Master Satanus. Wisst Ihr, wie es ihm geht?", frage ich besorgt. "Mies. Sowohl geistig als auch körperlich. Er teilt sich die Zelle mit Bellatrix Lestrange, Severin Rosier und Lucius Malfoy, wobei Severin der einzige ist, der Tom in Ruhe lässt." - "Kann ich irgendwas tun, um das zu beschleunigen oder um zu helfen?" - "Nein. Salvator, du kannst gehen und du brauchst nicht auf Godric zu warten." Mein Master nickt und verschwindet dann.
Master Satanus wendet sich mir zu und sagt bestimmt: "Ich will, dass du immer von sieben Uhr abends bis neun Uhr morgens bei den anderen bist und nicht bei Salvator schläfst." - "Wieso, Master Satanus? Bisher war das doch auch kein Problem!" - "Weil ich nicht will, dass du das Schloss verlässt in dieser Zeit. Ich habe euch gestern alle gerufen und du warst nicht da. Von einer körperlichen Strafe sehe ich ausnahmsweise ab." - "Aber Master Slytherin ist mein wirklicher Master..." - "Das stimmt nicht. Master Slytherin gibt es nicht mehr. Dein Master ist tot. Irgendwann wird Salvator einen neuen Gefährten haben. Es tut mir leid, Godric, ich weiss, dass du ihn liebst, aber dies ist mein letztes Wort."
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-"Godric!"-, höre ich jemanden einen Monat später in meinem Kopf. Es ist Master Satanus. Sofort gehe ich zu ihm. Er wird wohl Näheres von Tom wissen. Endlich!
Master Satanus reicht mir eine Jacke und sagt kurz angebunden: "Zieh dich an, wir holen Tom aus Azkaban."
Ich bin unglaublich aufgeregt, als wir auf die Insel teleportieren. Es weht ein eiskalter Wind und ich bin sehr froh, dass ich die Jacke habe. Ob Tom wohl auch eine hat? Ich hoffe so sehr, dass es ihm einigermassen gut geht!
"Was wollen Sie hier?", fragt einer der beiden Wächter ärgerlich. Master Satanus zeigt ihm einen Brief und der Mann nickt. "Ach. Voldemort wollen Sie abholen? Das ist super, dann stirbt er wenigstens nicht hier. Riesen Papierkrieg, wissen Sie? Ich zeige Ihnen den Weg."
'Dann stirbt er wenigstens nicht hier'!? Ist er etwa krank?!
Ich vernehme leises Gestöhne und Gewimmer aus den Zellen, an denen wir vorbeilaufen.
Vor der letzten Zelle sind zwei Wachen. Beide sind geborene Vampire. Es braucht nicht so viel, um meinen Sohn einzuschüchtern, aber das weiss das Ministerium ja nicht.
"Händigt mir den Gefangenen Nummer 15-728 aus. Er wird nun seinen Kuss erhalten, sein Master ist anwesend", sagt der Wächter zu den Vampiren.
NEIN!
Bevor ich etwas sagen kann, spricht Master Satanus einen Silencio über mich und versteckt mich hinter seiner grossen, schwarzen Schwinge.
Toms Atem geht rasselnd und schleppend. Langsam ist auch sein Gang. Immer wieder schlägt der Wächter Tom mit einem Rohrstock auf die Waden und ich kann nichts sagen.
Widerstandslos lässt sich mein Sohn auf einen Verhörstuhl festbinden. Zusammengesunken sitzt er da. Er beachtet Tizian nichtmal, als dieser näher geht und so erschrickt er, als Tizian ihm eine gepfefferte Ohrfeige gibt. Tom sieht kurz auf, aber er scheint gebrochen. Ist es nötig zu sagen, dass meine Tränen schon lange fliessen? Kein Vater der Welt will seinen Sohn in einem solchen Zustand sehen!
Mit unnötiger Gewalt flössen sie ihm eine gute Menge Veritaserum ein.
"Name", bellt der Wächter. "Tom Salazar..." Tom hustet stark und wimmert leise, "Tom Salazar Mikaelson, geboren Slytherin-Gryffindor." Toms Stimme ist nicht viel mehr als ein Flüstern. "Hast du uns alle Namen von Todessern und Mitstreitern verraten?" - "Ja." - "Deine letzten Worte?" - "Ich liebe dich, Dad." Der Wächter lacht höhnisch und verlässt den Raum.
Kurz darauf erscheinen zwei Dementoren. Verzweifelt versuche ich meine Hände aus Master Satanus' Griff zu befreien. Schliesslich lässt er los und ich stürze gleich zu Tom. Wie von Zauberhand verschwinden die unheimlichen Gestalten und Toms Fesseln zur selben Zeit. Tom sieht nicht hoch, bis ich ihn umarme. Keine fünf Sekunden später fällt er in meinen Armen in Ohnmacht.
"Master Satanus, bitte helft ihm!", flehe ich den Dämonen an. Dieser sieht mich beruhigend an und hebt Tom vom Stuhl. Master Satanus Junior nimmt meinen Arm und schon sind wir in Delmores Praxis. Er wartet schon auf uns.
Mit einer Bewegung seines Stabes zieht Delmore Tom komplett aus. "Berühre ihn ja nicht, Ric", sagt Delmore streng zu mir. Vorsichtig frage ich: "Kann ich seine Hand halten?" - "Wie ich das sehe, haben die seine Hände komplett auseinander genommen, also würde ich das unterlassen."
Delmore spricht einen Diagnosezauber über Tom. Eine lange Liste entsteht. "Tom war wohl mit seinen besten Folterknechten in der Zelle, was? Hände: Jeder Knochen gebrochen. Füsse: Jeder Zeh einzeln auseinander genommen. Beide Arme wurden mehrmals aus- und wieder eingerenkt. Beide Kniescheiben wurden auch mehrere Male aus ihren Gelenken gezogen und der Kiefer ist genauso gebrochen wie die Nase. Durch heftigen Druck auf die Stimmbänder, vermutlich von Würgen, sind sie fast vollständig zerstört. Heiser wird er für immer bleiben. Seine Lungen sind von einer sehr starken Entzündung leistungsschwach. Drei Rippen sind komplett gebrochen, zwei weitere angeknackst und vier verstaucht. Von Vergewaltigungen hat er beide Schliessmuskel am After gerissen, sowie eine starke Verformung der Gebärmutter, was zu Komplikationen in einer möglichen Schwangerschaft führen kann. Zudem gibt es noch starke Überdehnungen in der Scheidenmuskulatur. Schmerzhaft, aber es geht von allein wieder weg", sagt Delmore sachlich zu Master Satanus Junior.
Ich übergebe mich auf den Fussboden. Kommentarlos lässt Delmore dies mit Hilfe seines Stabes verschwinden und Master Satanus stützt mich, damit ich wenigstens nicht auch noch hinfalle.
Während Delmore damit beginnt, Tom wieder zusammenzuflicken, setzt Master Satanus mich auf einen Stuhl. "Willst du, dass ich Onyx hole?", fragt er mit leiser, beruhigender Stimme. Ich schüttle den Kopf.
"Kann Skkylar ihm nicht von seinem Blut geben?", frage ich mit weinerlicher Stimme. "Nein, Godric. Vampirblut kann Wunden schliessen, Blutvergiftungen bekämpfen und Narben verschwinden lassen, aber alles andere geht nicht." - "Wird er es überleben?", frage ich nun Delmore. Der seufzt und antwortet: "Sein Körper sicher, aber sein Geist wird vermutlich für immer Narben tragen. Und wir haben Tom nicht um seinetwillen da rausgeholt, sondern für dich. Tom wird nicht wieder Tizians Veela. Er gehört nun allen zugleich. Er wird bei euch unten wohnen, aber die Regel, dass alle gleich sind, gilt nicht für ihn. Er wird Befehle selbst von euch Sklaven entgegennehmen müssen. Er wird für euch kochen, eure Wohnung instand halten, Sahirs Kinder hüten und er wird sich um euer körperliches Wohlergehen kümmern. Er gehört ganz euch."
"NEIN! DAS KÖNNT IHR IHM NICHT ANTUN!", schreie ich Master Satanus an. Schon spüre ich seinen Handabdruck auf meiner Wange. Hysterisches Weinen ist nur der Vorname.
"Was hat Tom Euch getan?!", schluchze ich. "Mir nichts. Das war ganz allein Tizians Entscheidung. Wenn du willst, dass Tom weiterhin ein lebenswertes Leben hat, dann rede mit deinen Freunden, damit sie Tom nicht zu sehr hin und her scheuchen. Du kannst entweder hier bleiben oder ich rufe dich dann, wenn er aufwacht." - "Ich bleibe hier!" - "Okay, wie du willst."
Ich muss drei Stunden warten, bis Delmore mir erlaubt, an Toms Bett zu gehen und ihm über die Wange zu streicheln. Selbst im künstlichen Schlaf, in den Delmore Tom gesetzt hat, ist dessen Gesicht schmerzverzerrt. Tom hat nichtmal so schlecht ausgesehen, als er im Dementorenraum auf dem Verhörstuhl gesessen hat.
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Ich verpasse beinahe das Augenflattern. Tom liegt bis jetzt genau seit einem Monat im Koma, doch jetzt lässt Delmore Tom langsam wieder aufwachen. Ganz langsam öffnet Tom seine Augen und blinzelt mich verwirrt an.
"Dad? Wo bin ich...?", fragt er krächzend. "Delmore!", rufe ich freudig bis nach hinten ins Büro, dann wende ich mich Tom zu. "Du bist in der Praxis von Heiler Delmore. Kannst du dich noch erinnern, was geschehen ist, bevor du ohnmächtig geworden bist?" Eine Weile überlegt Tom schweigend. "Ich war in der Zelle und dann... Tizian und Dementoren... warst du noch da?" Ich nicke rasch. Tom räuspert sich, als er merkt, wie schlecht es seiner Stimme geht.
Dann ist auch schon Delmore da. Master Satanus kommt eine Sekunde später. Der Heiler fragt: "Hallo Tom, wie fühlst du dich?" Tom sieht Delmore eine Weile unverstehend an, dann senkt er den Kopf. "Gut." Es ist ganz offensichtlich eine Lüge.
Delmore scheint von der Antwort auch nicht überzeugt zu sein, denn er meint mit sachlicher Stimme: "Dann fangen wir doch einfach oben an. Deine Nase war gebrochen. Spürst du dort noch Schmerzen?" Tom schüttelt den Kopf. "Gut. Weiter mit dem Kiefer. Er war ebenfalls gebrochen." - "Ich spüre nichts." - "Wunderbar. Du wirst selbst bemerkt haben, dass du heiser bist. Leider kann ich dagegen nichts tun, das wird so bleiben." Tom nickt kurz.
"Zu den Schultern. Die linke war ganz ausgerenkt, die rechte war mal ausgekugelt, aber korrekt wieder eingerenkt. Gehe ich recht in der Annahme, dass du da auch nichts mehr spürst?" Wieder nickt Tom.
"Im Brustbereich sollte es noch hier, hier und hier ein wenig stechen, dort waren die Rippen nämlich gebrochen. Du hattest noch zwei angeknackste und vier verstauchte, sonst sollte alles gut sein, richtig?" Nur ein Nicken. "Das Stechen wird in etwa zwei Wochen ganz verschwunden sein. Zu den Brüchen hin hattest du noch eine sehr starke Lungenentzündung, du solltest dich in nächster Zeit nicht sportlich betätigen. Deine Hände habe ich auch wieder zusammen gesetzt. Es waren 54 Knochen und 54 Brüche. Um zu sehen, ob alles voll funktionstüchtig ist, solltest du diese Übungen machen." Delmore zeigt Tom einige Bewegungen vor und er ahmt sie ohne Schwierigkeiten mit beiden Händen nach. Delmore nickt anerkennend und sagt: "Wunderbar. Was ist mit dem Unterleib?" Tom bekommt rote Wangen und sieht unsicher zu Master Satanus, doch dann beginnt er leise zu reden: "Es tut sehr weh, vor allem wenn ich mich bewege oder wenn ich mich anspanne. Kann ich noch Kinder kriegen?" - "Grundsätzlich ja, es kann aber zu Komplikationen kommen. Die Gebärmutter ist stark verformt. Die Schmerzen, die du hast, kommen teils daher, teils aus einer heftigen Überdehnung. Die Schmerzen am After stammen von zwei Rissen der Muskulatur. Du musst mir nicht sagen, was es war, aber ich muss doch wissen, ob es etwas war, was eine Infektion auslösen könnte."
"Wäre die dann nicht schon lang gekommen?", will Master Satanus wissen. "Ja, aber Tom würde es nicht von den anderen Schmerzen unterscheiden können."
Leise antwortet Tom: "Es waren Eisenstäbe, die aus dem Gitter gefallen waren." - "Dann muss ich mir das noch genauer ansehen." - "Was ist mit der Überdehnung? Geht das wieder weg?" - "Ja, aber das wird lange dauern. Vielleicht noch drei Monate, leider kann ich den natürlichen Heilungsprozess nicht beschleunigen. Du musst nichts schonen, aber es wird noch eine Weile weh tun. Als letztes kommen wir noch zu den Füssen. Wie fühlen sich diese an, wenn du die Zehen und die Knöchelgelenke bewegst?" - "Ich spüre nichts", sagt Tom nach einem Versuch.
Delmore fasst zusammen: "Wie gesagt, schonen musst du nichts ausser deine Lunge, auch wenn es weh tut. Ich werde dich nachher gleich nochmals gründlich untersuchen, dann kannst du gehen." - "Wohin?", fragt Tom verloren, "Seth hat mich den Auroren ausgeliefert und ich kann nirgends anders hin." - "Du bleibst hier. Luzifer wird dir alles erklären, bevor ich dich untersuche. Ric, lassen wir die beiden kurz alleine." Schnell folge ich Delmores unmissverständlichem Befehl.
