Planet Helska IV – 25 nach der Schlacht von Yavin - zwei Wochen nach Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong

Jaina Solo hatte die Glückauf, in welchem sich der abschussbereite und bemannbare Eisbohrer befand, in eine perfekte Position zwischen dem Stern Helska und dessen vierten Planeten gebracht.

„Schieß schon", bat Jacen seine Zwillingsschwester.

„Bleib nicht länger als ein paar Minuten dort unten, hörst du? Ich sitze hier oben ziemlich hilflos."

„Wenn sie dich entdecken, flieg einfach nach Dubrillion zurück – und jetzt schieß mich schon ab."

Jaina betätigte den Auslöser und das Griffelschiff löste sich vom Träger, um auf die eisige Oberfläche von Helska IV zuzuhalten. Der Siebzehnjährige trug nichts als den Waffenrock der Pilotin, woran sich ein seltsam gezacktes Messer befand – superscharf geschliffene Koralle, wie C-3PO aus dem Schiffsspeicher erfahren hatte. Aber der Rock war noch das einfachste gewesen. Jetzt kam der Teil, vor dem es ihm graute. Er schaute auf den gelblichen Ball vor ihm auf dem Boden und streckte sich, um ihn mit den Zehen zu berühren. Von den Zehen über die Knöchel, weiter hoch bis über die Knie erklomm das grausame Geschöpf seinen Körper, hüllte ihn ein und schob seine Tentakel in seine junge Haut.

„Onkel Luke hat es auch im Selbstversuch geschafft", fiel ihm Anakins Bemerkung dazu ein, als er sich mit seinen Geschwistern über die seltsamen lebendigen Helfer der Yuuzhan Vong und ihre Nutzung unterhalten hatte.

Und doch erschien es ihm unmenschlich, sich mit solch einem Geschöpf zu verbinden. Sicher, die Yuuzhan Vong waren keine Menschen, vielleicht sogar empfindungsärmer, wenn er an die ganzen Narben und Tätowierungen dachte, die man bei der Pilotin und dem toten Yomin Carr gefunden hatte. Aber er als Jedi fühlte besonders viel und das machte es noch abartiger, sich derart intim mit einem Geschöpf zu verbinden, das er noch nicht einmal in der Macht fühlen konnte. Aber Jacen wusste, dass ihm das Schlimmste noch bevorstand – das Anlegen der Gnullithmaske.

Der Würgereiz endete und der Tentakel hatte sich mit Jacens Luftröhre verbunden. Die weiße Eiskugel vor ihm wurde größer und größer, füllte bald den gesamten Sichtbereich aus. Jacen Solo konnte die sanfte Wölbung erkennen, welche Onkel Luke bei seinem Besuch von vor zwei Tagen als Basis des Feindes ausgemacht hatte. Das Griffelschiff würde sich genau neben den Hügel ins Eis bohren und dann musste er sich verhalten wie ein Yuuzhan Vong.

Jacen Solo hielt inne und spannte alle Sinne an. Da war etwas, etwas Wichtiges – und der junge Jedi lauschte. Es war ein Ruf, wie er ihn in dieser Eindringlichkeit schon lange nicht mehr vernommen hatte, vielleicht gerade deshalb, weil es um ihn herum bis auf das Summen des Motors des Griffelschiffs vollkommen ruhig war. Und es war kein gewöhnlicher Ruf, sondern ein Hilferuf – gesendet durch die Macht!

Jacen konzentrierte seine Gedanken auf diesen Ruf, schloss die Augen und ließ sich von der Macht leiten. Ohne weiter nachzudenken, berührte er leicht die Kursdüsen und zündete sie für kurze Zeit, so dass er möglichst über der Quelle des Rufs ins Eis stoßen würde. Ihm war egal, ob er dadurch den Feind alarmierte. Kyp Durron hatte ihnen gesagt, dass Miko Reglia hier abgestürzt war. Jacen kannte Miko kaum, aber nun vermehrte sich seine Hoffnung, dass Kyp Durrons Kampfgefährte noch lebte.

Lilane Punkte sausten heran, unterbrachen des Jedis Konzentration. Jacen hätte beinahe vergessen, die Hitzeladung zu zünden, die das Eis für sein Eindringen vorbereiten sollte. Er betätigte den Zünder – zwei Sekunden bis zum Eintritt ins ewige Eis.

Platsch!

Es hatte funktioniert. Das Eis war geschmolzen und gewährte dem Griffelschiff sicheres Passieren. Jacen schaute auf ein kleines Display, welches ihm das Heck des Griffelschiffes und die Umgebung dahinter anzeigte. Das Eis hatte sich in Sekundenschnelle wieder über ihm geschlossen – ein lilaner Schatten glitt über der opaken Schicht hinweg, die sich rasch verdunkelte und dem Rest von Helska IVs mehr als dezimeterdicker Eisschicht anglich. Er tat die Verfolger als lästigen, aber durchaus vernachlässigbaren Faktor ab, denn da war wieder dieser Ruf – jetzt ganz in seiner Nähe.

Die Luke öffnete sich und Jacen kroch hinaus ins offene Wasser. Bei sich hatte er einen kleinen Sensorschlüssel, der ihn zum Griffelschiff zurückführen würde, das er am unteren Rand der schrundigen Eiskruste vertäut hatte. Und dann sah er die Lichter – ein Kreis – die Basis, ein rundes, dunkles Ungetüm mit denselben, wenn auch viel größeren Ausstülpungen, wie er sie an dem Korallenskipper in Landos Besitz gesehen hatte. Doch der Ruf kam nicht von der Basis, sondern aus der anderen Richtung – aus Eiskrustennähe. Er hielt auf den Ruf zu und sah wandernde kleine Lichter – eine Prozession der Feinde, die direkt auf ihn zu schwamm.

Seine Frage, ob er den Feinden ausweichen oder sich ihnen stellen sollte, wurde dadurch beantwortet, dass der Trupp sein Verhalten und sein Tempo nicht änderte. Sie halten mich für einen von ihnen. Es waren sechs und alle trugen mürrische Mienen zur Schau. Der Anführer hatte nur ein Auge, während Jacen in der anderen Höhle einen seltsamen Knoten ausmachen konnte. Die wenige Haut, die Jacen zwischen Schutzhülle und Gnullith sehen konnte, war kunstvoll tätowiert, die anderen fünf hatten keine oder nur wenige Tätowierungen oder Narben in diesem Gesichtsbereich. Ihm kam der Gedanke, dass die beiden Leichen, die Luke und Lando geborgen hatten, zu Lebzeiten wohl eher hochrangige Mitglieder dieses seltsamen Volkes gewesen waren.

Der Sechsertrupp bewegte sich auf die Quelle des Rufes zu. Jacen folgte seiner Intuition und begab sich demütig dreinschauend ans hintere Ende des Trupps. Sie erreichten die Oberfläche, wo sich ein Loch befand, über welchem Jacen eine milchige, eher kleine Kuppel sehen konnte. Jacen wusste sofort, dass der Rufer sich unter dieser Kuppel befand. Einer nach dem anderen stiegen die Männer aus dem Wasser und Jacen als letzter, immer die anderen Männer im Blick behaltend, um ihre Bewegungen gut und rechtzeitig nachahmen zu können.

Endlich war Jacen aus dem Loch gestiegen und musste sich gehörig anstrengen, um das Entsetzen in seinen Augen zu verbergen. Da war wirklich Miko Reglia, doch der Jedi saß ängstlich zusammengekauert an der Wand – nur noch ein klägliches Abbild des Jedi, der er einst gewesen. Würde Miko Reglia je wieder …?

Der Anführer des Trupps stieß Miko mit dem Fuß an und zerrte ihn am Arm hoch. Jacen wandte den Blick ab, um zur anderen Seite der Kuppelwand zu schauen – dort saß eine blonde Frau, deren Kampfgeist noch ungebrochen war – die Quelle des Rufes in der Macht!

Yuth ugh!"* Die beiden Worte waren ein einziges Bellen und sie störten ihn in seiner Konzentration – störten ihn bei allem, was ihn momentan umtrieb.

Jacen wandte sich dem Anführer zu und sah an der herrischen Geste seiner rechten Hand, dass er zurück ins Wasser springen sollte – offenbar, um Wache zu schieben, während alle anderen Krieger in der Kuppel bleiben durften. Jacen Solo hatte nicht vor, diesem Befehl Folge zu leisten, trotzdem drehte er sich zunächst zum Loch um.

„Komm, Miko", hörte er den Anführer in Basic mit schwerem Akzent sagen. „Es ist Zeit zu sterben."

„Lasst ihn in Ruhe!", flehte die Frau. „Ihr werdet doch nur wieder so tun als ob. Sie meinen es nicht ernst, Miko."

Jacen hörte einen dumpfen Schlag und fühlte sofort die Schmerzen der Frau. Es war Zeit zu handeln und er drehte sich wieder um. Die Gefangene lag vornübergekippt auf dem grünen Moosboden und krümmte sich, keuchte schwer. Der Anführer hatte ihr offensichtlich die Faust in die Magengrube gerammt, um sie zum Schweigen zu bringen.

Yuth ugh!", schrie ein anderer Krieger Jacen an, dann veränderte sich plötzlich dessen Miene. „Bos sos si?" Der Krieger zeigte auf den Gürtel oberhalb des Rocks der Pilotin.

Jacen lächelte. Der Krieger hatte sich offenbar die Zeit genommen, genauer zu untersuchen, woher die Unbotmäßigkeit des Neuen kam. Kurz zuvor war diese Waffe noch unter dem Rock versteckt gewesen, aber dann hatte der Anführer befohlen, dass Jacen ins Loch zurückspringen sollte – genau der rechte Augenblick, jenes Detail zu ändern und jetzt …

Er ignorierte den verblüfften Krieger zunächst und schaute nach rechts, wo zwei der Barbaren Miko brutal hochrissen. Er schaute nach links und von dort kamen zwei weitere Krieger auf ihn zu und begehrten mit derselben Frage wie vorhin zu wissen, was er da am Gürtel trug. Jacen Solo hatte nicht vor, ihnen noch länger die Antwort auf diese Frage vorzuenthalten.

Danni riss ihre grünen Augen weit auf, als sie den grünen Schein der Jediklinge vor sich aufleuchten sah. Ihr Retter aus der Vision von vor zwei Wochen auf Belkadan war erschienen. Jetzt würde alles gut werden.

Die grüne Klinge schlug einen Querbogen und trennte dem Krieger direkt neben ihm, der Mikos rechten Arm fixiert hielt, beide Beine oberhalb des Knies ab. Der Mann stieß ein gequältes Heulen aus und fiel auf das Moos, tränkte es mit schwarzem Blut, was einen metallischen Geruch in der Kuppel verbreitete.

„Los, Miko!", hörte Danni den anderen Jedi rufen.

Jetzt erst realisierte sie, dass er ein Mensch war wie sie. Sie schaute zu ihrem Mitgefangenen. Miko war zur Hälfte befreit, aber der andere Krieger hielt weiter Mikos Hand fest und der Jedi stand wie gelähmt, ohne seinem unverhofften Verbündeten zu helfen. Danni hatte nichts anderes erwartet und jetzt hörte sie das lautlose Seufzen des möglichen Befreiers. Jacen gab dem nun beinlosen Feind einen Tritt und der Mann fiel ins Loch, wo das eisige Wasser seine beiden Wunden kühlen würde bis zum Schluss.

Ein Doppelzischen brachte Jacen dazu, sich schnell wieder umzuwenden. Zwei Prallkäfer waren von zwei Untergebenen auf ihn losgelassen worden, aber das Lichtschwert holte sie beide in nicht allzu langen Abständen aus der Luft und sie verendeten auf dem Moos.

Angesichts der akuten Bedrohung durch einen frischen, moralisch noch ungebrochenen und vor allem bewaffneten Jedi, ließ auch der andere Bewacher Miko los und dieser fiel wie ein nasser Sack auf die Erde.

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Da'Gara lächelte, als der Yammosk den Jedi lokalisiert hatte, der urplötzlich, aber nicht unerwartet aus dem Dunkelraum aufgetaucht war. Jetzt hing das feindliche Schiff im Orbit seines derzeitigen Heims und schien auf irgendetwas zu warten. Etwas löste sich vom Rumpf des Eindringlings, um auf den Planeten herabzufallen und auf der Oberfläche des Eises zu verschwinden, als wäre es eine harmlose Schneeflocke. Da'Gara kam in den Sinn, dass es für die Späher von ExGal-4 auf Belkadan von der Ferne fast genauso ausgesehen haben mochte, als sein Weltschiff auf Helska IV gelandet war. Er musste dem Kriegskoordinator auch keine weiteren Befehle erteilen, denn der Yammosk wusste, dass sein Chef den Jedi lebend wollte. Ein Schwarm Korallenskipper stieg auf, um das wartende Schiff in die Zange zu nehmen. Und was für ein Schiff das war – klobig und ungelenk flog es in eine bestimmte Richtung – viel zu langsam, um den Korallenskippern auf lange Sicht zu entkommen. Es flog in Richtung Sonne, von wo es gewiss auch hergekommen war, um die Abwehr der Basis zu täuschen und für eine Weile unsichtbar zu bleiben. Aber einen Yammosk konnte man nicht täuschen. Und die Korallenskipper, die sich jetzt aus genau dieser Gegenrichtung auf das feindliche Schiff zubewegten, konnte der Eindringling zunächst genauso wenig mit bloßem Auge sehen wie Da'Gara das ungewöhnliche Schiff des Jedi von unten. Der Präfekt befahl dem Yammosk, vorsichtshalber die mutmaßliche Aufschlagstelle des herabfallenden Objekts unter Beobachtung zu halten.

Ein großer Punkt sprang aus dem Dunkelraum und der Yammosk teilte Da'Gara mit, dass er weitere Punkte ausspie. Die Ungläubigen hatten einen Kreuzer geschickt – ein Manöver, dass der Jedi in dem klobigen Frachter sofort nutzte, um hinter der Entsatzflotte in die wartende Sicherheit zu verschwinden, während mehrere Staffeln X-Wings auftauchten, um in der charakteristischen Keilformation seinen Platz einzunehmen. Der dreieckigen Form des großen Schiffes zufolge musste es sich um einen jener Sternzerstörer handeln, von denen ihm Nom Anor einige Geschichten erzählt hatte.

Das Dreieck versprühte rote Strahlen und die drei Flammkäfer, welche jene drei Korallenskipper simulierten, die gerade abgeschossen worden waren, verloren auf Da'Garas Schlachtplansimulation ihr Leuchten. Sie krochen in normalem Rot in eine Ecke des runden Feldes zurück, um zu warten, bis sie erneut gebraucht wurden, um einen Feind darzustellen. „Rrush'hok ichnar vinim'hok*!", murmelte der Präfekt, um die Gefallenen zu ehren.

Der Verlust kümmerte Da'Gara indes nicht sonderlich, waren jene Yorik-ets doch lediglich als Lockmittel ausgesandt worden, um den Feind in Position fürs kommende Abschlachten zu lotsen. Weitere, erheblich kleinere Schiffe tauchten aus dem Dunkelraum auf, um sich zunächst um den Sternzerstörer zu scharen, dann etwas weiter im Raum auszugreifen. Jetzt schaute der Präfekt dabei zu, wie sich seine Korallenskipper wieder zurückzogen … und die X-Wings ihnen folgten – immer auf die wahre Macht des Großen Kriegskoordinators zu. Der Präfekt lächelte gierig. Heute würden die Yuuzhan Vong Geschichte schreiben, sogar noch gewichtigere als gestern auf Sernpidal.

Der Präfekt streichelte einen Schultervillip, der sich sofort umstülpte. „Präfekt Dooje Brolo, es ist so weit", sagte Da'Gara, „Ein kapitales Schiff der Ungläubigen ist aufgetaucht. Entsenden Sie mindestens drei Schwärme und helfen Sie uns, es fertig zu machen!"

„Es wird geschehen."

„Sind alle miteinander verbunden?", versicherte sich Da'Gara.

Da'Gara spürte das Vertrauen des Yammosk in die planetarischen Verteidigungsanlagen und badete darin. Die Verteidigung der Basis, deren wichtigste Last der Yammosk selbst trug, bestand vor allem aus einem gigantischen Energiefeld, das das Tentakelwesen im Verbund mit den Dovin Basalen der drei Weltschiffe selbst erzeugte, die wiederum ihre Energien aus der Planetenoberfläche saugten. So entstanden Traktorstrahlen, die einen kleinen Mond vom Himmel reißen konnten, viel mehr noch X-Wings oder größere Schiffe.

[Ja, alles ist miteinander verbunden.]

Jetzt waren alle Praetorite Vong vereint. Es konnte beginnen.

Die Schwärme verließen die Hangars, unscheinbar wirkende Gauben im oberen Bereich der drei Weltschiffe, und stellten sich dem Feind. Die großen und kleinen Schiffe der Ungläubigen begannen, ihre roten Strahlen auszuspucken und einige Korallenskipper wurden getroffen, da sie keinen Platz hatten, um auszuweichen, ohne andere Piloten ihres Schwarms zu touchieren.

Ein größeres Schiff des Feindes, ein Ranger-Kanonenboot, das mit Commander Rojos Jungbrunnen mitgereist war, ging in die entstandene Bresche, um der Feindflotte den Weg zu bahnen. Der Yammosk griff zu … und das Kanonenboot sackte ab, um in einem Loch zu verschwinden – eine etwas größere Ausgabe eines Schwarzen Lochs, wie sie nur ein Yammosk erzeugen konnte.

Durch die Kontrollhaube sah Da'Gara den Orbit von Helska IV, als gäbe es das Weltschiff, den Kommandoraum um ihn herum nicht. Nachdem ihr Kanonenboot spurlos verschwunden war, zogen sich die Feindschiffe zurück. Ein Super-Yorik-et folgte ihnen. Von außen sah er aus wie ein nur etwas größerer Korallenskipper. Zwei Kanonenboote nahm das Schiff von den gegenüberliegenden Seiten ins Visier und der Korallenskipper begann sich zu drehen, als sei er getroffen worden. Die beiden Kanonenboote kamen näher, wohl, um zur Sicherheit weitere Treffer zu landen. Verständlich, da niemand einen Aufprall eines Geschosse oder eine Explosion wahrgenommen hatte.

Der Superskip drehte sich schneller und absorbierte die Lasergeschosse, verband sie zu einem gewaltigen, rot leuchtenden Schwerkraftfeld. Erst jetzt merkten die Feinde, dass sie jenes Feld nicht kontrollieren konnten. Da'Gara sah, wie sie sich ausrichteten, ruckten, um zu fliehen. Aber das Superskip drehte sich schneller und schneller – und die beiden Kanonenboote drehten sich mit ihm wie zwei Monde, die um einen Planeten kreisten … oder wie Planeten um eine Sonne.

Die drei im Strudeln gefangenen Schiffe stießen zusammen und die Sonne des Superskips verwandelte sich in eine gleißende Supernova, um sich und die beiden glücklosen Feindschiffe in genau das Schwarze Loch zu reißen, dass sie selbst verursacht hatte.

Genau dafür braucht es einen Yammosk, dachte Da'Gara und rieb sich die bekrallten Hände. Denn der Yammosk konnte jene Superskips auch unbemannt fliegen und verenden lassen. Der Präfekt war zufrieden mit dem, was er sah. Einzelne Skips wurden vom Feindbeschuss zerstört, doch die große Mehrzahl schaffte es mit ihren Dovin Basalen an Bord, und unterstützt durch das Energiefeld des Yammosk, die Treffer des Feindes in winzigen Schwarzen Löchern vor ihrer Außenhülle wirkungslos verpuffen zu lassen.

Die überwältigende Mehrheit der Korallenskipper und weitere Superskips, die vor allem die mittleren Schiffe des Feindes attackierten, trieben die kleineren Jäger des Feindes zurück – hin zu jenem Sternzerstörer, der die größte Hoffnung der Angreifer schien. Jetzt lag das Schiff, von dem Da'Gara nicht wusste, dass seine Feinde es Jungbrunnen nannten, schutzlos vor der anrückenden Phalanx der Korallenskipper. Es war lediglich eine Frage der Zeit.

Anakin Solo betrachtete von seinem Geschützstand des Milleniumfalken aus die erschreckend genaue Koordination der Korallenskipper beim Angriff auf die Jungbrunnen. Er selbst hatte solche Manöver bereits mit seinen Geschwistern und anderen Jedi durchgeführt, aber das hier war eine ganze Flotte von Tausenden von Skips! Und die Yuuzhan Vong waren keine Jedi, noch nicht einmal in der Macht wahrzunehmen. Und doch gab es eine gewisse Energie dort unten.

„Sie stehen miteinander in Verbindung", rief er seinen Eltern im Cockpit zu.

„Sie sind nur gute Piloten", erwiderte Leia.

„Hab schon bessere gesehen", meinte Han abfällig, aber Anakin wusste, dass es sich lediglich um eine trotzige Abwehrreaktion seines ratlosen Vaters handelte.

Das war genau die Reaktion, die Anakin Solo Angst bereitete. Er würde später mit seinem Onkel, seiner Mutter, seinen Geschwistern, möglicherweise sogar mit den anderen Jedi darüber sprechen müssen.

Die Yorik-ets und der Yammosk schafften es aus der Distanz zwar nicht, dem Sternzerstörer die Schilde herunterzureißen, aber das mussten sie auch gar nicht. Ein Korallenskipper landete einen Treffer und seine Flügelmänner trafen in genau dasselbe Loch auf der Oberseite des feindlichen Dreiecks – Yammosk-Präzision. Das große Feindschiff wendete, um durch seine schiere Größe den Feind zu verdrängen und seine perfekte Angriffsformation zu stören, aber die Korallenskipper folgten dem Wendemanöver und schossen unbeirrt weiter in die Breschen, die ihr Beschuss bereits verursacht hatte.

Weitere Löcher tauchten in der Außenhülle der Jungbrunnen auf und vergrößerten sich durch den koordinierten Beschuss. Feuerwalzen krochen aus diesen Löchern und ihrer wurden immer mehr. Andere Schiffe des Feindes eilten dem verwundeten Riesen zu Hilfe, nur, um ebenfalls von den Korallenskippern ins Kreuzfeuer genommen zu werden. Die Schiffe des Feindes, die gekommen waren, um zu helfen, wurden daran gehindert, aber dann waren sie auf einmal wieder frei, um ihre Aufmerksamkeit auf die Jungbrunnen in Nöten zu richten.

Da'Gara lächelte selbstgefällig. Natürlich verstand der Feind nicht, warum er, nein, der Yammosk, die Korallenskipper wieder abgezogen hatte. Sein und des Yammosks Denken und Fühlen waren miteinander verschmolzen, so dass Da'Gara manchmal nicht wusste, welche Idee von wem von beiden gekommen war. Aber das spielte jetzt keine Rolle. Das große Schiff war so gut wie tot, aber es konnte dort immer noch eine unliebsame Überraschung geben.

„Orbitalbombardement einleiten", sagte er zum Yammosk.

Eine Ausstülpung seines Weltschiffes schwoll an und dann schoss ein gewaltiger Magmastrahl gen Himmel, um der Jungbrunnen den ohnehin bereits durchlöcherten Bauch zu versengen. Das Schiff erzitterte und ein zweiter Strahl derselben Art traf das verendende Schiff. Ein gleißender Feuerball erhellte diesen Teil des Orbits um Helska IV, um sogleich von der Schwärze des Alls wieder verschluckt zu werden, als auch der Rest der Atmosphäre der Jungbrunnen entwich.

Der Tod des Sternzerstörers war die Wende. Korallenskipper stürzten sich auf fliehende Schiffe, die alle denselben Austrittsvektor aus dem Realraum anstrebten. Da'Gara wusste, dass sie zurück nach Dubrillion wollten, woher sie gekommen waren. Irgendwann würde er ihnen dorthin folgen, aber nicht jetzt.

„Vielen Dank, Großer Yammosk."

[Ich schütze, was mir anvertraut.]

Da'Gara aktivierte zwei Schultervillips. „Präfektin Ma'Shraid, Präfekt Dooje Brolo – Wir alle haben heute einen großen Sieg errungen. Und das sollten wir feiern – Yun-Yammka!"

„Yun-Yammka zum Ruhm!", kam es von beiden Schultervillips zurück.

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Die junge Frau hielt sich an der Wand, um mit zusammengekniffenen Augen zuzusehen, wie die grüne Klinge einen weiten Bogen schlug, um den Anführer des Trupps auszuschalten, aber der Mann reagierte schnell. Er ließ sich zurückfallen, so dass die Klingenspitze gerademal seinen Anzug anritzte. Zwei seiner Untergebenen schoben sich vor ihn und der Anführer blieb an der Wand stehen und schaute ruhig dabei zu, wie seine vier verbliebenen Untergebenen den Angreifer umzingelten.

Vier Yuuzhan Vong-Krieger rannten in Gegenrichtung um das Loch herum, um den Jedi zu fangen. Aus den Augenwinkeln bekam Danni mit, wie der Anführer in seinen Waffengurt griff, um einen Prallkäfer herauszuziehen. Ohne lange zu überlegen, sprang Danni ihm auf den Rücken, zerkratzte ihm das Gesicht und grub ihre Finger tief in seine Augenhöhlen oberhalb des Gnullith, doch der Krieger ließ sich nicht beirren und packte sie am Arm. Danni fuhr ihren anderen Arm aus, suchte und fand den Druckpunkt, um den Ganzkörperhüller zu lösen und der Mann stand nur noch im Lendenschurz vor ihr. Er zog Danni am Handgelenk, an dem er sie gepackt hatte, nach vorn, doch die Gefangene biss ihm in sein Handgelenk und er jaulte auf. Das war ein Kampfkniff, den sie damals auf Belkadan geübt hatten, um sich gegen den Angriff eines Rotkammpumas verteidigen zu können. Sie vollendete den Kniff, drehte ihr eigenes Handgelenk und seine bereits durch den Biss verletzte Hand gab sie frei. Danni wartete nicht, bis er erneut zu seinen Waffen griff, sondern senkte Kopf und Oberkörper nach vorn, rammte ihren Kopf in seine Magengrube und gab ihm damit den Schubs, der ihn zu seinem beinlosen Untergebenen hinabplumpsen ließ, während das dunkelgrüne Meereswasser Helska IVs über ihm zusammenschlug.

Ihre Freude dauerte nur einen Augenblick, denn nur wenig später sah sie, wie sich bleiche Krallen von unten kommend wieder in den Rand des Eisloches bohrten. Der stark vernarbte Kopf des Mannes folgte wenig später, das eine Auge schwarz und wild zuckend, der Knoten hing durch Dannis Attacke von hinten halb aus der leeren Höhle. Der Anführer japste, war eindeutig am Hyperventilieren, und jetzt erst sah Danni, dass sie ihm infolge ihres Angriffs von hinten auch den Gnullith hatte verrutschen lassen. Danni Quee beugte sich herab, um es zu vollenden, da fühlte sie einen Schmerz in der Brust. Der Treffer des Prallkäfers war nicht tödlich, reichte jedoch aus, um sie k.o. zu schlagen. Sie sackte auf den Boden und verlor das Bewusstsein. So bekam sie nicht mehr mit, wie das dunkle Wasser den Anführer langsam aber sicher wieder zurück nach unten in seine eiskalte Umarmung zog.

Jacen blockierte einen Keulenschlag, um gleich darauf einen Prallkäfer aus der Luft zu holen. Drei Yuuzhan Vong-Krieger hatten ihn umzingelt. Der vierte hielt sich bereit, um einzuspringen, denn mehr Leute konnten in der Kuppel nicht gemeinsam kämpfen, ohne sich gegenseitig zu verletzen. Jacen konterte, drehte sich, sprang in Salti über seine Angreifer hinweg. Seine Gegner waren gut ausgebildet und er hatte keine Ahnung, wie lange er ihren gut koordinierten Attacken würde standhalten können. Die Krieger schlugen gleichzeitig von oben und unten zu, so dass Jacen springen musste, um einem Keulenhieb von unten gegen seine Knie auszuweichen, während er gleichzeitig mit dem Lichtschwert einen Prallkäfer aus der Luft holte, der ansonsten seinen Hals aufgeschlitzt hätte. Er schätzte, dass er einen von ihnen gut besiegen konnte, mit viel Glück vielleicht zwei, aber keine drei, von vieren gar nicht erst zu reden, wenn der vierte Mann in Ruhestellung beschloss, einen Gefallenen zu ersetzen.

Zwei Hände erschienen auf den Gesichtern von zwei seiner Kontrahenten. Diese menschlichen Hände lösten die Schutzanzüge, die die Krieger trugen. Miko Reglia hatte in den Kampf eingegriffen und er hatte nicht vor, es jetzt bei diesem kleinen Vorteil für Jacen bewenden zu lassen. Zwei Hände stießen und zogen beide Krieger, die immer noch damit beschäftigt waren, des Jedis grüne Waffe abzuwehren, nacheinander ins Loch. Der dritte Kämpfer beging den Fehler, ihnen nachzuspringen, um seine Kameraden zu retten. Jacen brachte sein Lichtschwert in Position, um ihm damit in den Rücken zu stechen, als der vierte Mann eingriff. Jacen versetzte dem Dritten noch einen Tritt, der ihn schneller ins kalte Nass beförderte, dann zog er seine Klinge herum. Der vierte Mann hatte das Manöver erkannt und war zurückgewichen. Jacens Klinge stach ins Leere. Der Yuuzhan Vong machte einen Salto über Jacen und das Loch hinweg und versuchte dabei, mit seiner Keule Jacens Kopf zu erwischen.

Der Keulenschlag ging haarscharf an Jacens Nase vorbei, aber dafür hatte er den Kopf etwas zurückneigen müssen. Das kostete ihn die Balance. Sein verbliebener Feind musste nun keine Rücksicht mehr auf Kameraden nehmen, die er verletzen könnte. Der Mann hatte Reserven gespart und jetzt warf er alles gegen den Feind, was er hatte und konnte.

Der Jedi rutschte auf dem grünen Moos aus und fiel nach hinten. Er musste seine Klinge deaktivieren, um sich nicht selbst zu verletzen. Darauf hatte sein frisch ausgeruhter Gegner nur gewartet. Ein zweiter Salto und der Yuuzhan Vong flog keulenschwingend wieder über die Grube zurück. Die Keule traf das Moos, welches Jacens abermals weggezogener Kopf als neues Ziel des Schlages anbot. Noch während die Keule auf dem Moos aufschlug, zog der liegende Jacen seine Beine nach oben und versetzte seinem auf ihn herabstürzenden Gegner einen kräftigen Doppeltritt. Der Krieger flog wieder von ihm weg und …

… landete im Loch. Behände kletterte der Yuuzhan Vong wieder nach oben, aber die Hände der wiedererwachten Danni waren im Weg. Jacen stellte sich hinter sie und ließ seine grüne Klinge ebenfalls wieder zum Leben erwachen. Der grüne Schein huschte über Dannis blonden Schopf hinweg und bohrte sich dem Krieger tief in die noch vom Wasser nasse Brust.

„Danke", sagte er zu seiner Helferin.

Aber die Frau schaute nicht einmal hoch, sondern kroch noch ein Stück weiter auf das Loch zu. „Miko!"

„Sie haben einen Anzug und eine Maske für ihn mitgebracht", sagte Jacen zu der ihm unbekannten Frau. „Ziehen Sie sie an!"

Dann sprang er selbst in das Loch, um den dritten Mann zu erledigen, der bis zuletzt versuchte, seine beiden Kameraden zu retten. Aber er war zu entkräftet, um zu verhindern, dass Jacen ihm nach einer Reihe von Ausweichmanövern den Kopf von den Schultern schnitt. Als Danni Quee mit Anzug und Gnullith angetan ebenfalls ins Wasser sprang, sah sie Miko Reglia leblos im Wasser treiben, die toten Hände immer noch um die Unterarme der beiden ebenfalls hüllenlosen Yuuzhan Vong-Krieger gekrallt, während im Hals der dritten Feindesleiche ein schwarzes Loch prangte, aus welchem kein schwarzes Blut entwich.

Eine Hand griff nach ihrer Hand und zog sie hoch zur Unterseite des Eises. Danni sah ein langes, schmales Etwas und hoffte, dass dieses Schiff schneller und stabiler sein würde als die alte Spacecaster von vor zwei Wochen.

Sie zwängten sich in das Griffelschiff, erst Danni, dann Jacen, um ihren Rückzug zu sichern. Er betätigte das Triebwerk und das nadelähnliche Schiff löste sich von der Eiskruste, um einen Bogen nach unten zu schlagen. Jacen beschleunigte, dann setzte er die zweite Sprengladung frei. Es wurde heller um sie herum und das Griffelschiff schoss durch das erneut geschaffene Loch nach oben. Ein wartendes Skip wurde gestreift, drehte sich einmal um seine Achse und heftete sich dann an seine ihm bereits einmal entkommene Beute.

Jacen hielt auf Helska IVs Stern zu und er und Danni spürten die Hitze, die durch die gepanzerten Wände des Schiffs drang. Hinter ihnen feuerte der Skip ein paar Magmasalven ab, aber sie zogen an ihnen vorbei und drehten dann in weiten Bögen ab. Die Sonne kam immer näher und Jacen wurde unerträglich heiß. Er schaute auf das Chrono und sah, dass die Zeit des Austritts aus dem System schon überfällig war. Er hoffte, dass seine Schwester noch auf ihn wartete und schaltete die Kom-Anlage ein.

„Jaina, bist du hier oben?"

„Hab zwischendurch einen kleinen Ausflug gemacht, aber deiner war der Macht sei Dank viel länger, Bruderherz", hörte er Jainas angespannte, aber euphorische Stimme. „Du solltest doch nur ein paar Minuten dort unten bleiben."

Jacen ließ einen leisen Pfiff entweichen. „Ein paar Minuten … ein paar Krieger, die unbedingt besiegt werden wollten."

„Und? Hast du nebenbei auch die Basis ausgekundschaftet?"

Jacen drosselte die Geschwindigkeit. Der Skip hinter ihm war abgedreht, da seine Korallen-Außenhaut offenbar nicht für diese sonnennahen Temperaturen gemacht war. Jetzt konnte er gemütlicher zum Treffpunkt gleiten, so dass ihn seine Zwillingsschwester an Bord der Glückauf leichter einsammeln konnte. „Für reine Spionage hatte ich leider keine Zeit, aber ich habe hier jemanden bei mir, der sie hatte."

„Ich seh dich", hörte er Jaina rufen. „Geh nach elf Uhr. In zwei Minuten schalte ich den Traktorstrahl ein und komme dich holen."

Die Glückauf hatte die kritische Zone verlassen und Jaina bestätigte ihrem Bruder, dass auch die Jadeschwert und der Milleniumfalke in Sicherheit waren. Das war der Moment, in dem sich Jacen ein Aufatmen gestattete. Er und Danni drückten auf die Punkte, die die Gnulliths und Schutzanzüge von ihren Körpern lösten und sie waren frei – Jacen nur bekleidet mit dem Rock der Pilotin, während Danni ein dünnes, weites Hemd trug. Er konnte ihre Haut, ihr Fleisch darunter fühlen und jetzt, wo sie sich zu ihm umdrehte, sah er, wie schön diese Frau war, obwohl ihr Gesicht so verhärmt, ihre blonden, lockigen Haare verfilzt und zerzaust waren. Aber Jacen sah die Kraft in ihrem Geist, die Hoffnung in ihren grünen Augen und ihm kam erneut zu Bewusstsein, dass sie und nicht Miko Reglia die Quelle des Rufs gewesen war.

Nein, sie war keine Jedi, aber sie könnte eine werden, eine verdammt gute gar. Er zog seine Hand hoch, sorgsam darauf achtend, die befreite Gefangene nicht an der falschen Stelle zu berühren.

„Sie sind jetzt in Sicherheit." Die Hand war endlich nach oben gezogen und er legte vorsichtig einen Finger auf ihre Wange.

„Miko", sagte die Frau leise und es klang wie ein Schluchzen.

Jacen nickte stumm. Diese Frau hatte viel durchmachen müssen. Es würde seine Zeit brauchen. Er wagte es, seine Hand auf ihren Hinterkopf zu legen und seine Finger durch ihr dichtes, lockiges Haar gleiten zu lassen. Mit der anderen Hand zog er sie an sich und genoss die Nähe. Sie wehrte sich nicht, sondern vergrub ihr Gesicht stumm an seiner Schulter. Dann begann sie hemmungslos zu weinen.

Sie waren nicht weit von Dubrillion entfernt, als die Verbindung zwischen der Glückauf, der Jadeschwert und dem Milleniumfalken hergestellt wurde.

„Jacen, mein Junge. Schön, dass du wieder hier bist", hörte der junge Solo seines Vaters Stimme.

„Habt ihr es ihnen gegeben?"

Jacen und Danni hörten die Pause und beiden war nicht wohl dabei. „Wir haben einen Sternzerstörer verloren und müssen uns neu formieren", sagte Han mit belegter Stimme.

„Einen Sternzerstörer?", rief Jacen entsetzt.

„Die Jungbrunnen von Commander Warshak Rojo", präzisierte Han. „Die Korallenskipper haben das Schiff regelrecht zu Klump und Asche geschossen, als es schon längst manövrierunfähig war. Rojo ist tot. Ich hoffe, bei dir lief es besser."

„Miko Reglia ist auch tot", begann Jacen. „Aber ich habe eine Frau gerettet. Eine ganz besondere Frau."

„Danni Quee?", hörte er die Stimme seiner Mutter.

„Genau die", sprach Danni in die Konsole der Glückauf. „Man hat mich also vermisst."

„Wir haben die Spur Ihrer Spacecaster bis nach Helska IV verfolgt. Nur so konnten wir diesen Barbaren überhaupt auf die Schliche kommen", erklärte Luke Skywalker.

„Einer dieser Barbaren war bereits auf Belkadan. Und ich habe ihn nicht erkannt, da er maskiert war", sagte Danni.

„Yomin Carr", meldete sich Mara Jade von Bord der Jadeschwert. „Wir haben seine Leiche von Belkadan mitgenommen. Wenn Sie mögen, können Sie sie gerne identifizieren."

Danni schluckte. „Ich fürchte, es wird nicht mehr der Yomin Carr sein, den ich kannte, aber wenn ich helfen kann, dann werde ich es tun."

Und dann begann Danni Quee, ihre Geschichte zu erzählen. Als sie zum Tag ihrer Bekanntschaft mit dem Yammosk kam, wurde sie von Leia unterbrochen. „Könnte es sein, dass dieses Yammosk-Geschöpf unsere Feinde irgendwie miteinander verbunden hat?"

Danni nickte. „Die Yuuzhan Vong selbst sagen immer wieder, dass sie durch den Kriegskoordinator miteinander verbunden sind."

„So wie ein Korallenskipper mit seinem Piloten", ergänzte Luke.

„Ich habe es gespürt", sagte Jaina, die zwischen Danni und Jacen stand. „Schon in großer Entfernung vom Planeten. Aber unten, in der Nähe der Oberfläche, war es geradezu überwältigend."

„Ja, das ist es in der Tat", pflichtete ihr Danni bei. „Ihr solltet wirklich mal so einer Zeremonie beiwohnen, wo der Yammosk die Truppen auf einer Art Appellplatz koordiniert und aufpeitscht."

„Das hört sich aber gruselig an", sagte Anakin Solo. „Gibt es irgendeinen Weg, wie man diesem Yammosk beikommen kann?"

„Wir müssten einen einfangen und untersuchen", meinte Danni.

„Mir gehen Commander Rojos Worte nicht aus dem Kopf, als wir noch auf Dubrillion waren", sagte Han. „Er hat gemeint, er würde die Basis dem Erdboden gleich machen, und wenn es sein muss, auch den ganzen Planeten."

„Wenn unsere Feinde sowieso dort alle versammelt sind, wie Mrs. Quee meint, könnten wir dann nicht genügend Feuerkraft zusammenbringen, um den ganzen Planeten zu vernichten?", fragte Anakin.

Leia rümpfte die Nase. „Und dort gibt es ansonsten kein intelligentes Leben?"

„Ein paar Fische und Algen in Vulkannähe am Meeresboden vielleicht", steuerte Han bei.

„Ja, es gibt Fische", bestätigte Danni. „Aber die Praetorite Vong werden durch die ganze Galaxis ziehen, durch ein System nach dem anderen. Sie werden das eine System vernichten und das andere so entsprechend ihren Wünschen umgestalten, dass die Ureinwohner dieser Welten ihre Heimat nicht wiedererkennen werden, sollten sie die Umgestaltung überleben."

„Wir müssen sie kalt erwischen, bevor dieser Yammosk angemessen reagieren kann - so wie sie uns auf Sernpidal überrascht haben", schlug Lando Calrissian vor, der sich ebenfalls an Bord des Milleniumfalken befand.

„Schade, dass man nicht einfach die Vulkane stoppen und das Ding im Eis erfrieren lassen kann", warf Jacen ein.

Eine Pause trat ein und Jacen war drauf und dran, seine Worte zu bereuen, als ...

„Und wie sollen wir das machen?", fragte Han Solo. „Es ist auf diesem Planeten schon so kalt wie nur irgend möglich."

„Beinahe", meinte Anakin heimtückisch. „Aber nicht ganz."

„Der absolute Nullpunkt?", fragte Luke.

„Lasst es mich euch erklären", hub Anakin Solo an und alle hörten zu, während sich sein Bruder langsam wieder entspannte.

༺═────────────═༻

Präfekt Da'Gara war unruhig geworden. Der Sieg über die Feinde war gefeiert worden. Alle drei Präfekten hatten ihre Kräfte dem Yammosk anvertraut und so eine Flotte in die Flucht geschlagen, an welcher sogar einige Jedi beteiligt waren, wie ihm der Yammosk mitgeteilt hatte. Jetzt würde die Republik zwar unweigerlich vollends Kunde von ihrem Eindringen in die Galaxis erhalten, aber schon bald würde sich der Yammosk teilen und bis Dubrillion fiel, wo sich der neue, zweite Yammosk niederlassen würde, war nur eine Frage von Tagen. Dann würden die Praetorite Vong unaufhaltbar sein und hätten mehr Ruhe, um die weitere Expansion zu planen. Binnen eines Jahres würde sich mindestens einer der Yammoske erneut teilen und dann gäbe es gleich drei neue Standorte, deren Schilde sich gegenseitig überlappen würden. Und so würde es immer weitergehen.

Aber da waren zwei Wermutstropfen. Der eine war, dass sich Yomin Carr immer noch nicht von Belkadan gemeldet hatte. Der Präfekt hielt den Krieger für zu versiert, als dass er sich von den lokalen Bestien Belkadans hätte reißen lassen. Was Da'Gara hingegen noch viel mehr umtrieb, war der Verlust seiner Gefangenen. Es war schon ärgerlich genug gewesen, dass der unwürdige Jedi Miko Reglia beim Siegesappell nicht dem Yammosk vorgeführt werden konnte. Natürlich hatte Da'Gara vor Ma'Shraid und Dooje Brolo so getan, als wäre es niemals anders geplant gewesen, nachdem die beauftragte Einheit nicht von ihrem Dienstgang zur Gefängniskuppel zurückgekehrt war. Er hatte nach dem Appell einen Suchtrupp losgeschickt und dieser Trupp wurde jede Minute erwartet. Er hörte Schritte vor der Tür und öffnete sie. Vilyu stand vor ihm und lächelte ihn an.

„Meinen herzlichen Glückwunsch zum Sieg über die Ungläubigen, Mächtiger Herr."

Der Präfekt lächelte knapp. „Es ist schön, dich zu sehen, Vilyu Anor, aber ich habe zu tun. Wie wäre es in einer Stunde?", wollte er sie wieder ausladen.

„Auf was wartest du?", begehrte seine Geliebte zu wissen.

„Ich warte auf eine dringende Nachricht, die kriegswichtig ist", wich er der Wahrheit aus.

„Und?" Sie neigte den Kopf und sah ihn herausfordernd an.

Ihm lag etwas auf der Zunge, um sie endgültig fortzuschicken, aber dann kam ihm ein Gedanke und er überlegte es sich anders.

„Komm rein", sagte er und fasste sie sanft am Arm. „Und ich freue mich, dass du vom Weltschiff deiner Domäne wieder zu mir zurückgekehrt bist."

Sie trat ein und er zog sie an sich, um sie zu küssen, da knarrte die Türmembran erneut. Er ließ Vilyu los und gab der Tür ein Zeichen. Die Lamellen glitten zur Seite und ein Krieger trat ein.

„Präfekt, ich muss vermelden, dass der Schwarmführer Ygaz Shoolb getötet wurde, genau wie seine fünf Untergebenen", rapportierte der Soldat. „Der Jeedai Miko Reglia fand ebenfalls den Tod. Und die Gefangene Danni Quee ist geflohen."

„Ganz allein?"

„Sie muss einen Helfer gehabt haben, Präfekt, denn von den Leichen, die wir fanden, weisen drei kauterisierte Wunden auf, so wie als wäre die Wunde mit einem langen, heißen Gegenstand ausgebrannt worden."

„Ich verlange einen Untersuchungsbericht", forderte der Präfekt. „Und bereiten Sie alles für die Bestattung der Opfer vor."

„Und der tote Jeedai?", fragte der Untergebene.

Da'Gara überlegte einen Moment. „Den bringen Sie in die Offiziersmesse und werfen ihn den Kaastoags zum Fraß vor, so dass die Kommandanten noch eine Erbauung nach unserem Sieg haben."

„Bevor wir das machen", mischte sich Vilyu ein, „könnte ja noch ein Gestalter einen Blick drauf werfen, um die Jeedai-Kräfte zu entschlüsseln."

„Bringen Sie die Leiche vorher zu den Gestaltern", ordnete Da'Gara an, zornig, nicht gleich und vor allem nicht selbst auf diese Idee gekommen zu sein. „Die Gestalter sollen Miko Reglias Leiche mit denen von Bensin Tomri und von diesem …", er machte eine wegwischende Handbewegung, „… diesem anderen Menschen vergleichen. Die Gestalter wissen schon Bescheid."

Er machte eine weitere scheuchende Bewegung und der Krieger trat ab.

„Dann ist dieser Jeedai wenigstens zu etwas nütze, er war sowieso unwürdig", meinte Da'Gara abfällig zu Vilyu.

„Genau wie diese Danni Quee", giftete Vilyu. „Erkennst du jetzt, dass diese Frau zu behalten ein Fehler war?"

„Was geschehen ist, ist geschehen", bügelte Da'Gara die Anschuldigung ab, die er bei jedem anderen mit körperlicher Züchtigung geahndet hätte. „Aber wichtigeres steht an. Unsere Feinde sammeln sich zu einem zweiten Angriff. Ich hege den Verdacht, dass dieser erste Angriff auf unsere Basis lediglich ein Täuschungsmanöver war, um uns in Sicherheit zu wiegen, bevor unsere Feinde ihr wahres Potential enthüllen. Und wenn es stimmt, dass Danni Quee einen Helfer hatte, dann sind sie möglicherweise nie wirklich weg gewesen."

„Aber Nom Anor hat dir doch alle Zahlen gegeben, was das militärische Potential der örtlichen Streitkräfte angeht", widersprach Vilyu. „Und der Rest ist anderswo in der Neuen Republik gebunden. Woher also sollen sie diese gewaltige Streitmacht nehmen, die uns bezwingen könnte?"

„Vielleicht war die Schlacht gestern auch nur ein Ablenkungsmanöver, um Danni Quee und dem Jeedai die Flucht zu ermöglichen. Sie hat es nicht vom Planeten heruntergeschafft und jetzt kommen sie, um sie zu holen."

Vilyu zog abfällig die feine Oberlippe hoch. „Du nimmst diese Menschenfrau wirklich viel zu wichtig. Sie hat noch nicht einmal Jedikräfte!", ereiferte sie sich.

„Vilyu Anor, du magst vielleicht eifersüchtig sein, aber ab jetzt ist der Grund dafür entfallen. Wir müssen herausfinden, was unser Feind jetzt vorhat. Willst du mich zum Yammosk begleiten?"

Sie henkelte sich an seinem Oberarm ein. „Aber gerne doch."

Er zog sie an sich und küsste seine Geliebte endlich. Dann lösten sie sich wieder voneinander und verließen den Raum in Richtung Kriegskoordinator. Sie betraten die Stätte, wo der Yammosk saß und Da'Gara berührte die Partie zwischen seinen Augen.

[Ja, es gibt einen Angriff], berichtete der Yammosk. [Aber diese Streitkräfte sind verglichen mit den vorherigen geradezu winzig. Das einzig neue, was die Ungläubigen derzeit aufbieten, sind sechs riesige, aber schwerfällige Schildschiffe, die dazu gedacht sind, Hitze standzuhalten und das Sonnenlicht zu reflektieren.]

„Aber wozu sollte das gut sein?", wunderte sich der Präfekt. „Wollen sie die Eisschicht schmelzen und uns direkt im Meer abkochen?"

[Dafür reicht die Energie nicht aus], erwiderte der Yammosk still. [Der Feind könnte viel mehr versuchen, mit den Schildschiffen das magnetische Energiefeld rund um den Planeten zu stören, um so die Funktion unserer Dovin Basale zu beeinträchtigen und damit unsere Zielfertigkeiten zu sabotieren. Aber ich werde dem entgegensteuern. Ich werde meine Jungen, die Dovin Basale, weiterhin anleiten.]

„Die Truppen sind miteinander verbunden?"

[Ja.]

Da'Gara und Vilyu vernahmen einen Ruf. Es war der Ruf des Yammosks an jene Yorik-et-Staffeln, die sich bereits auf den Weg gemacht hatten, um das System zu verlassen und mit der Jagd zu beginnen. Aber das war nur die Vorhut, um die Feinde anzulocken. Wichtiger war, dass der Yammosk die bereits vor der ersten Schlacht installierten Verteidigungsanlagen wieder hochgefahren hatte.

Der Präfekt überlegte, ob er den Yammosk fragen sollte, ob Danni Quee den Planeten wirklich verlassen hatte, aber dann ließ er es sein. Erstens verfügte die junge Frau nicht über jene Kräfte, anhand derer es dem Yammosk gelingen könnte, sie in der Nähe aufzuspüren. Zweitens wollte er Vilyu nicht erneut verärgern. Außerdem machte Danni Quees Flucht kaum einen Unterschied. Die Feinde hatten über Helska IV, Sernpidal und Dubrillion genügend Korallenskipper abgeschossen, um auch so Informationen zu erhalten. Trotzdem war er traurig darüber, dass ihm die blonde Menschenfrau entkommen war, denn er hätte sie nur zu gerne weiter studiert und noch näher kennengelernt.

Luke Skywalkers Aufgabe war es, die Korallenskipper von den Schildschiffen wegzulocken und diesen damit zu ermöglichen, ihre Arbeit zu tun. Intervallmäßig stiegen Verdunstungsnebel vom Planeten auf, in denen er sich verstecken konnte. Ein bunter Schweif von Korallenskippern folgte ihm – gespenstisch gut koordiniert vom Yammosk unter ihnen. Aber Luke verließ sich nicht auf die Instrumente, die in dem seltsam kalten und zugleich feuchten Klima ohnehin klamm und bewegungsunfähig geworden waren. R2 stieß ein träges Pfeifen aus und Luke beschloss, seine Dienste vorerst nicht in Anspruch zu nehmen. Der Großmeister des Jediordens ließ sich in die Macht fallen, der einzigen Kraft, die der Yammosk offenbar nicht ausschalten konnte. Er wich knapp dem Zusammenstoß mit einem Korallenskipper aus, dann ließ er sich jäh abwärts fallen. Er zog zwei Korallenskipper mit sich, die dachten, ihn einholen zu können. Luke versuchte, den X-Wing wieder hochzuziehen, aber der Steuerknüppel rief trägere Reaktionen hervor als sonst – und der X-Wing fiel weiter.

Da'Gara begab sich in die Kommandozentrale, um sich die Sensorkappe überzustülpen, die ihn mit allen wichtigen Vorgängen in und um das Weltschiff herum verband. Einer seiner Schultervillips stülpte sich um.

„Ein X-Wing ist in die Atmosphäre Helska IVs eingedrungen", vermeldete ein Kommandant.

„Schicken Sie drei Staffeln Yorik-ets raus und fangen sie ihn ab!", befahl der Präfekt. „Und quetschen Sie den Piloten nach der Gefangenen namens Danni Quee aus!"

„Es wird geschehen", erwiderte der Kommandant.

Es muss geschehen!, dachte Da'Gara. Danni Quee kann noch nicht weit sein. Ich werde sie zurückholen und dann werde ich sie behalten – für immer.

Danni Quee war tatsächlich noch in der Nähe. Sie saß zusammen mit Mara Jade und Jaina Solo in der Jadeschwert, flankiert vom Milleniumfalken. Die beiden Jedifrauen hielten mit gekonnten Manövern die Korallenskipper davon ab, sich den Schildschiffen aus Landos Produktion zu nähern und Danni hielt ihnen dabei den Rücken frei, wo sie nur konnte. Jaina kippte die Jadeschwert zur Seite, geriet dabei in den Weg eines Korallenskippers, was ihrer rotblonden Tante die Gelegenheit gab, den lilanen Feind abzuschießen. Sie wich der Explosion gerade noch rechtzeitig aus, schob die Jadeschwert dem nächsten Korallenskipper in den Weg, kippte wieder und Mara schoss. So ging das eine ganze Weile, bis Jaina erneut ein Ziel ausmachte, sich ihm in den Weg stellte, kippte und … nichts.

„Danni, übernehmen Sie kurz?"

Jaina musste ihr das nicht zweimal sagen. Die nur etwas größere Frau nahm ihren Platz in der Pilotenkanzel ein und Jaina eilte ins Heck des Schiffes und blieb dort wie angewurzelt stehen. Mara Jade war an ihrem Platz zusammengesackt; ihr Kopf hing schlaff zur Seite.

„Tante Mara?" Diese verdammte Krankheit! Die Siebzehnjährige wusste, dass sie mit der unerfahrenen Danni Quee alleine nicht bestehen würde. Sie rüttelte ihre Tante erneut durch … und die Jadeschwert trieb im Sturzflug auf die eisige Oberfläche Helska IVs zu. Jaina erkannte, dass sie hinten nichts tun konnte und löste Danni im Cockpit wieder ab. Sie legte Hebel um, zog an anderen – nichts … die Kontrollen funktionierten nicht oder viel zu spät. Der Vorschlag ihres Bruders und der damit verbundene Klimawandel auf und über dem Planeten begannen, ihren Tribut zu fordern.

Luke war nur noch ein paar Meter von der Planetenoberfläche entfernt, bis es ihm gelang, den X-Wing zumindest wieder in die Horizontale zu bringen, um, den natürlichen Rückstoß der Planetenoberfläche nutzend, wie Seevögel entlang jener eisigen Oberfläche dahinzugleiten, bis er in einen neuen Schwarm von Korallenskippern geriet, diesen hinter sich ließ, und wieder aufstieg. Da sah er die Jadeschwert herankommen – ebenso im unfreiwilligen Sturzflug wie er vorhin.

Luke Skywalker verlor die Hoffnung. Er gab vollen Schub und versuchte, auf Abfangkurs zu dem stürzenden Schiff seiner Ehefrau zu gehen. Die augenfälligen Bemühungen der Jadeschatten, in die Waagerechte zu kommen, zeigten ihm an, dass da zumindest noch jemand an den Kontrollen saß. Er zog mit seinem X-Wing eine Schleife, um in möglichst paralleler Ausrichtung an die Jadeschwert heranzukommen. Es bedurfte einiger Manövrierschlenker, dann hatte er es geschafft, den X-Wing an den blankliegenden Unterleib der Jadeschwert zu schmiegen. Zunächst drückte er das Schiff seitwärts und kippte es dabei sanft, kippte es immer mehr, bis er die Jadeschwert soweit gedreht hatte, dass sein X-Wing sie praktisch trug. Er musste alle Repulsoren aufbieten, aber das dauerte nur eine kurze Weile. Das Gewicht verringerte sich und Luke sah und fühlte, wie sich Maras Schiff wieder von dem X-Wing erhob und aus eigener Kraft normal weiterflog.

Seine Erleichterung wich Ungewissheit. So etwas wie jetzt hatte noch niemand gewagt, noch nicht einmal das Imperium, das wenig zimperlich mit unterworfenen Welten umgegangen war. Würde Anakins und Landos Plan aufgehen oder würde es zu unvorhergesehenen und schrecklichen Nebenwirkungen kommen? Würde aus seinem jüngsten Neffen ein zweiter Kyp Durron werden?

Die Luft um ihn herum war verändert. Der Nebel sank entweder erkaltet herab oder aber verdickte sich zu Eiskristallen, die im oberen Teil der Atmosphäre wie Fallbeile in der Luft schwebten. Manche davon sanken ab und schossen dann auf die Planetenoberfläche zu. Manche, deren Standort er kreuzte, lösten sich vor der Nase seines X-Wings wieder auf. Die Verdampfung nahm ihren Lauf und Luke lief ein Schauer über das Rückgrat ob dem, was sie schon bald entfesseln würden.

„Die Außentemperatur oberhalb der Eisfläche liegt bei minus hundertfünfzig Grad", vermeldete eine weibliche Stimme im Helm von Da'Garas Kommandozentrale.

„Dann lasst diese X-Wings und anderen Schiffe in Frieden und greift endlich diese Schildschiffe an, bevor unser Yammosk gefriert!", befahl Da'Gara, dem endlich aufging, was der Feind vorhatte.

Über einen anderen Sichtbereich des Helms wurde eine Explosion angezeigt und gleich darauf erwachte auch einer der Schultervillips von Da'Gara zum Leben.

„Das erste Schildschiff explodierte unter dem Beschuss unserer Yorik-ets."

„Ich werde den Piloten eine Belobigung aussprechen. Weiter so!", sagte der Präfekt.

„Wieso dauert das so lange?", knurrte Han und wandte seinen Frust gegen Lando.

Dieser hob hilflos die Hände. „Ich verstehe ja nicht einmal genau, was wir da versuchen."

„Genauso wenig, wie du verstanden hast, in was für eine Misere du mich und Chewie auf Sernpidal geschickt hast?"

„Han, bitte!", mischte sich Leia ein und legte ihrem Mann die Hand auf die Schulter, dann wandte sie sich an C-3PO. „Kannst du das erklären?"

Der goldene Protokolldroide stammelte etwas und Han brüllte: „Links!"

Eine Gruppe wild feuernder Korallenskipper tauchte vor ihnen auf und nahm den Falken unter Beschuss, so dass Jacen an den unteren Geschützen gerademal einen Treffer landen konnte, dann mussten sie die Energie in die Deflektorschilde leiten, um nicht von den vielen goldenen Bällen getroffen zu werden. Und da war wieder diese absolute Koordination und Präzision, von der sie nun wussten, woher sie kam.

„Komm schon!", knurrte Han das Schaltpult an, als auch die Schilde verschwanden.

Ein Knall in der Ferne und die Besatzung des Milleniumfalken sah einen leichten Angriffskreuzer in Flammen aufgehen. Ein lauter Knall in der Nähe und das zweite Schildschiff war dahin.

„Wir sollten von hier verschwinden", riet Lando.

„Unmöglich", widersprach Leia heftig. „Das ist unsere einzige Gelegenheit."

„Wir vermelden den Abschuss eines größeren Kreuzers des Feindes", kam eine weitere Meldung, die Da'Gara zunächst erzürnte. „Sie sollten doch die Schildschiffe ausschalten!"

Belek tiu, aber dieser Kreuzer schützte ein Schildschiff", verteidigte sich der Kommandant.

Da'Gara lächelte „Schützte?"

Eine zweite Explosion zeigte sich auf dem Bereich der Kommunikationshaube, die den Raum über der Planetenoberfläche anzeigte. „Ein zweites Schildschiff wurde ausgeschaltet, Präfekt Da'Gara", kam die neueste Meldung herein.

„Dieses Tempo gefällt mir."

„Achtung, eine Warnung. Die Temperatur der unteren Atmosphäre beträgt jetzt minus zweihundert Grad. Um das Weltschiff zu erhalten, ist auch im Inneren eine Temperatursenkung um zehn Grad erforderlich", verkündete die weibliche Stimme von vorhin.

Da'Gara merkte erst nach Ende dieser Durchsage, wie kalt ihm geworden war. Er begann zu frösteln und die Temperatur in der Kommandozentrale würde noch weiter sinken - um mindestens fünf Grad, wie er schätzte.

„An alle Einheiten! Ziehen Sie Ihre Schutzanzüge an und setzen Sie ihre Gnullithmasken auf!", befahl Da'Gara. Mit den Schutzhüllen könnten sie noch gut fünfzig Grad kälter aushalten, dann würde die Situation kritisch werden.

Der Villip auf Da'Garas Schulter stülpte sich erneut um. „Präfekt, das dritte Schildschiff wurde ausgeschal…"

Ein Knall unterbrach die Meldung und der Villip stülpte sich wieder um, ohne dass der Präfekt die Gelegenheit hatte, den oder die Schützen zu belobigen. „Rrush'hok ichnar vinim'hok!", sagte er stattdessen, um dem in seinem Dienst Gefallenen einen guten und ehrenvollen Tod zu wünschen.

Nom Anors Worte von ihrem letzten Gespräch kamen ihm in Erinnerung. Würde er, Da'Gara, die Yuuzhan Vong an diesem Tage ehren oder entehren? … Könnte er letzteres mit seinem Leben überhaupt sühnen? Nein, denn andere würden fortführen, was er begonnen – und seinem Werk so den Sinn zurückgeben. Dafür würde er sein Leben geben, und das mit Freuden, so hatte er es Danni Quee versprochen.

„Danni Quee wurde gesichtet", vermeldete ein anderer Schultervillip. „Sie befindet sich an Bord des Schiffes, das die Ungläubigen Jadeschwert nennen. Und bei Danni Quee ist Mara Jade und noch eine andere Jedi, wie der Yammosk vermeldet."

Da'Gara wollte gerade einen neuen Befehl herausgeben, die Jadeschwert unter Intensivbeschuss zu nehmen, um das Schiff zum Boden abzudrängen, als sich in seinem Helm wieder die weibliche Stimme meldete, die der Präfekt mittlerweile fürchten gelernt hatte. „Die Außentemperatur beträgt minus zweihundertfünfzig Grad und fällt weiter. Wir empfehlen die Evakuierung der Basis."

Seine Gelassenheit war endgültig dahin. „Wieso dauert das so lange?!", brüllte Da'Gara in den Kommandoraum, wo außer ihm noch vier Subalterne Dienst taten, die bei diesem Ausbruch zusammenzuckten.

Der Schultervillip stülpte sich um. „Viertes Schildschiff vernichtet", sagte eine männliche Stimme, aber Da'Gara erkannte, dass es sich lediglich um eine Botschaft handelte, deren Übermittler wohl gerade anderes zu tun hatte, wenn er überhaupt noch lebte, was Da'Gara bezweifelte. „Rrush'hok ichnar …"

In der Kontrollhaube erschien eine Meldung – vom Yammosk persönlich. Es war eine simple Botschaft und gerade deshalb fuhr sie Da'Gara durch Mark und Bein.

[Ich erfriere.]

„Vier futsch, zwei bleiben", sagte Anakin halb optimistisch.

Zwei Korallenskipper stießen vor ihnen zusammen.

„Guter Schuss!", lobte Han seinen jüngsten Sohn.

„Nicht von mir", kam es aus der unteren Kapsel zurück.

„Ich hab auch nicht geschossen", meldete sich Jacen von den oberen Geschützen.

Han und Leia sahen einander, dann Lando an. Drei weitere Korallenskipper streiften einander und gerieten ins Trudeln.

„Also da hab ich schon bessere Piloten gesehen", spöttelte Han Solo.

Anakin betätigte sein Geschütz und schoss einen der nun wehrlos erscheinenden Korallenskipper ab.

„Wir haben es geschafft!", schrie der jüngste Solo siegestrunken. „Wir können sie alle abschießen, bevor sie auch nur in die Nähe unserer Schutzschilde kommen!"

Leia runzelte die Stirn und Anakin zuckte zusammen, weil er die Gedanken seiner Mutter spürte, ohne dabei ihr Gesicht sehen zu müssen.

„Ja, das könnten wir, aber wozu noch die Mühe, wenn die zwei restlichen Schildschiffe den Rest erledigen werden?", warf Lando ein.

„An alle Yorik-ets: Sofort zur Basis zurückkehren und alle Energien zur Systemerhaltung der Weltschiffe bereitstellen!", brüllte Präfekt Da'Gara.

Dann riss er sich die Kontrollhaube vom kahlen, vernarbten Kopf und rannte aus der Kommandozentrale, während die Hülle der Kommunikationsmaske leer und nutzlos an der nabelschnurartigen Verbindung herabbaumelte, die sie mit der Decke der Kommandozentrale verband. Noch während er durch die eisigen Räume des frierenden Weltschiffs rannte, zog sich Da'Gara selbst den Schutzanzug an, holte seinen Gnullith hervor. Rechts und links von ihm in den Gängen lagen Krieger und Bedienstete, deren Anzüge bereits versagt hatten, die verständnislosen, erschrockenen schwarzen Augen an die mosaikartig und bunt gesprenkelte Decke des Korridors gerichtet. Mit einem Male wurde Da'Gara bewusst, wie warm es in der Kommandozentrale noch gewesen war, dem am besten temperierten Raum in diesem Weltschiff der Praetorite Vong.

Er hastete weiter den Gang entlang, den er früher immer so selbstsicher und majestätisch entlanggeschritten war. Die Türmembran zu jenem Raum, wo er einst mit Danni Quee gestanden und ihr vom ankommenden Weltschiff der Präfektin Ma'Shraid erzählt hatte, stand unzulässigerweise offen und er konnte deutlich das Panoramafenster an der linken Seite sehen – und nur das Panoramafenster, welches keinen Ausblick mehr gewährte, da es mit einem üppigen Teppich von Eisblumen und –ranken bedeckt war. Eiskalte Lebendigkeit, die den Tod verhieß.

Der Boden unter ihm begann zu vibrieren. Zunächst befürchtete Da'Gara ein Erdbeben, doch dann erkannte er die simple Wahrheit: Das Weltschiff der Praetorite Vong fror erbärmlich und zitterte, um so dringend benötigte Wärme zu erzeugen. Hektisch versuchte er, eine Verbindung zu den benachbarten Weltschiffen der Präfekten Ma'Shraid und Dooje Brolo herzustellen – keiner der beiden gleichrangigen Kollegen antwortete.

Da'Gara verließ das Weltschiff über einen Tunnel, der ihn direkt zum Yammosk auf jenem Versammlungsplatz brachte. Das Rosa der Kreatur war heller geworden, und als er näher kam, erkannte er die Reifschicht über der dicken Haut. Die Augen des Kriegskoordinators waren immer noch schwarz, aber jeglicher Glanz war aus ihnen gewichen. Erst jetzt sah Da'Gara zu Füßen des Yammosk Vilyu liegen. Der Kriegskoordinator, den seine spätere Geliebte ihm damals vor sechs Klekket beschafft hatte, hatte zwei seiner Tentakel um die Frau geschlungen, um sie zu wärmen, aber jetzt waren sie zu reifüberzogenen Eiszapfen geworden. Vilyus blaue Augen standen offen und schauten hoch zum Kriegskoordinator, der jetzt nichts mehr für sie tun konnte. Der Präfekt fühlte, wie die Hülle seines Schutzanzuges härter wurde. Und mit der Härte kam die Kälte auch zu ihm. Sie kroch von überall durch den Anzug, der dazu bestimmt war, Temperaturen bis zu hundert Grad plus und minus zweihundertfünfzig Grad zu widerstehen. Langsam hob Da'Gara seinen Arm, um den Punkt zwischen den Augen des Kriegskoordinators zu berühren, aber der Yammosk strahlte keine Energie mehr aus, von Wärme ganz zu schweigen. Er berührte die runden schwarzen Augen – sie waren kalt und gefroren – so wie der Rest des Großen Yammosk.

Niemand in der Schar der Jedi und Militärs, die von Dubrillion angerückt waren, interessierte sich noch für die verstört davonschießenden oder hilflos umhertrudelnden Korallenskipper. Alle schauten wie gebannt auf den Planeten unter ihnen. Als hätte es ein Theaterdirigent angewiesen, hob sich mit einem Mal der Nebel rings um Helska IV, und der Blick auf die Eiswelt wurde klarer und klarer, bis innerhalb von Sekunden kein Hauch von Dampf mehr in der Atmosphäre zu sehen war.

Leia stöhnte entzückt auf, als ein vertrauter Umriss vor der Cockpitscheibe des Milleniumfalken auftauchte – die Jadeschwert war zurückgekehrt! Aber bevor sie auch nur mit Jaina oder Danni sprechen konnte, wirkte der Planet plötzlich verschwommen und verzerrt, als schauten sie ihn durch eine Glaskugel an.

„Die Mezzicanley-Welle!", ächzte Anakin. „Der vierte Aggregatzustand! Es muss eisig dort drunten sein. Zumindest ist alles Wasser jetzt gefroren!"

„So wie ihr Kriegskoordinator", fügte Jacen hinzu und grinste.

Helska IV hörte auf, sich zu drehen und Da'Gara wurde schwindlig vom plötzlichen Stillstand seines derzeitigen Heims. Der Boden, auf dem er in der Blase der Atmosphäre stand, die der Yammosk damals durch sein Rülpsen auf dem Meeresgrund erschaffen hatte, erzitterte – und Da'Gara erkannte, dass es dieses Mal wirklich ein Erdbeben war. Die atembare Luft der Blase trübte sich immer mehr, bis auch sie von jenen Eiskristallen durchsetzt war, die die Korallenskipper bereits oben über der Eisschicht kennengelernt hatten. Die Welle des Bebens ließ einen Vulkan in der Ferne bersten und dann zog sich der Riss immer länger, bis er Da'Garas Weltschiff von denen der bereits toten Präfekten Ma'Shraid und Dooje Brolo durch den tiefen Graben abtrennte. Da'Garas sich trübende Augen konnten nicht mehr erkennen, dass dieser Riss sich von Pol zu Pol des Planeten erstreckte, den er einst sein Heim genannt hatte.

Da'Gara wurde unbeschreiblich kalt und er erstarrte in dieser Position – ein schwarzes Standbild, dessen Vonduun-Krabbenrüstung nicht mehr glänzte, da sie unter dem Anzug ebenso erfroren war wie ihr Träger. Jegliches Gefühl wich aus des Präfekten Gliedern; ja, er schaffte es nicht einmal mehr, die nun toten Augen zu schließen, da seine Augenlider ebenso eingefroren waren wie der Rest seines einst so ehrfurchtgebietenden Körpers. Da'Gara war jetzt nichts als ein stummer, nutzloser Wächter seiner toten Geliebten und des einst mächtigen Yammosk.

Es knirschte, knackte – und mit einem Mal löste sich der gefrostete Boden unter der toten Dreieinigkeit auf, denn der ganze Planet explodierte – eine berstende, blitzende Explosion von Eiskristallen, die davonspritzten und die Strahlen der Sonne des Systems in einer Myriade von Farben einfingen. Und aus dieser sich ausdehnenden, farbenfrohen Wolke schoss ein einzelner schwarzer Fleck – ein X-Flügler, der auf dem Kamm jener sich nach allen Seiten hin auswälzenden Woge dahinraste, um zu den Seinen aufzuschließen, die bereits auf dem Rückweg nach Dubrillion waren.

Luke Skywalkers Gedanken waren bei seiner Frau, die sich seit dem Absacken der Jadeschwert noch nicht wieder bei ihm gemeldet hatte. Doch er spürte genau, dass Mara Jade noch lebte. Aber weder er noch einer der anderen auf Helska IV anwesenden Jedi hatte das wellenartige Anschwellen und Abebben der lauten oder lautlosen Schreie der Yuuzhan Vong auf dem nun verschwundenen Planeten verspürt, die erschollen waren, um hernach für immer zu verstummen. Denn die Jedi konnten die Angehörigen dieses Volkes in der Macht einfach nicht wahrnehmen.


Note der Autorin: Auch in diesem Kapitel finden sich wieder viele Begebenheiten und Zitate aus „Die Abtrünnigen", dem ersten Band der Reihe „Das Erbe der Jediritter" von R.A. Salvatore (2000).

Mit diesem Kapitel endet auch die Beschreibung der Ereignisse dieses Buches, welche in Kapitel 19 dieser Geschichte begann. Die nächsten Kapitel werden sich nicht mehr derart ausgiebig mit einem Band der Buchreihe beschäftigen, weil Nom Anor dort nicht mehr so häufig vorkommt. Es wird also zügiger weitergehen und es werden auch nicht alle Bände der Buchreihe in dieser Geschichte verarbeitet werden.

* „Yuth ugh!" – Yuuzhan Vong-Sprache „Vorwärts!"

*„Rrush'hok ichnar vinim'hok!" – Yuuzhan Vong-Sprache „Aller Ruhm für dich, Krieger!"

Krina Wren gibt es so nicht. Sie ist in dieser Geschichte jene blonde Pilotin, die in Karen Traviss' Kurzgeschichte „Boba Fett: Ein Pragmatiker" namenlos im Birgis-Part vorkommt. Diese Kurzgeschichte wurde dem Roman „Opfer" von derselben Autorin, dem fünften Band der Buchreihe „Wächter der Macht" (2007) als Anhang beigefügt.