Kapitel 21a

Sonntag, 11. August 2002
Frühstück bis Nachmittag

Zwei Stunden lang schlief sie, bis ein festes Klopfen an ihrer Tür sie weckte. Übernächtigt erhob sie sich und fand Ron dort, der skeptisch, aber entschlossen aussah. Hermione öffnete ihm die Tür und wandte sich ab, um eine Schublade zu durchstöbern.

„Hallo", sagte er leise.

Sie schüttelte die Jeans aus, die sie gefunden hatte, und zog sie an. Als sie sie unter ihrem T-Shirt geschlossen hatte, wandte sie sich zu ihm um.

„Guten Morgen", sagte sie.

Er scharrte mit den Füßen und sah zu Boden. Sein offensichtliches Missbehagen hätte amüsant sein können, hätte ihr der Sinn nach Erheiterung gestanden – aber dem war nicht so. Sie fühlte sich tieftraurig, als ob sie niemals wieder lachen würde. War es einfach die Ende-des-Projekts-Stimmung? So etwas hatte sie früher schon erlebt – aber sie konnte sich selbst nichts vormachen, dass dies irgendetwas mit der Arbeit zu tun hatte.

Hier ging es um Severus.

Sie zwang sich, sich auf Ron zu konzentrieren, der dort in seinen zerknitterten Jeans und einem Chudley Cannons-T-Shirt stand. „Wo ist Romilda?", fragte sie.

Vorsichtig antwortete er. „Sie ist schon zum Frühstück hinuntergegangen, aber ich wollte mit dir reden, ehe ich gehe."

Hermione nickte, setzte sich auf die Kante ihres Bettes und wies auf den Schreibtischstuhl.

„Danke", murmelte Ron und setzte sich.

Hermione betrachtete ihn neugierig. Es war ein seltsamer Gedanke, dass sie sich vor zehn Tagen als Paar gesehen hatten. Wie lange war es her, dass sie sich gefühlt hatte, als ob sie in ihn verliebt war? Seit sie Schmetterlinge im Bauch gehabt hatte, wenn er in der Nähe war? Seit die Berührung seiner Hand ihr Blut in Wallung gebracht hatte? Hatte es das jemals?

„Mione", begann er.

„Es tut mir leid, Ron", sagte sie, ehe er weitersprechen konnte. „Es tut mir leid, dass ich so lange solch eine miese Freundin gewesen bin. Ich habe dich ignoriert und hatte kein Interesse an dem, was dir wichtig war."

Sein liebes, offenes Gesicht entspannte sich, während seine Lippen sich zu einem Lächeln öffneten. „Das ist, was ich sagen wollte", sagte er zu ihr und lehnte sich nach vorn. „Und dass wir vielleicht erwachsen geworden sind und … uns irgendwie entliebt haben."

Sie nickte und lehnte sich ebenfalls nach vorn. „Ich glaube, das erklärt die Dinge", stimmte sie zu.

Ron strich mit den Handflächen über die Beine seiner Jeans, als wolle er Schweiß abwischen. „Dennoch hätte ich nicht den Zeitplan verwetten sollen, wie ich es getan habe. Das war ein Fehler von mir."

Zum ersten Mal lächelte Hermione ihn an, soweit sie sich in jüngster Vergangenheit erinnern konnte. „Ich weiß es zu schätzen, dass du das sagst."

„Ich will sichergehen, dass wir miteinander im Reinen sind", sagte er ernst. „Ich mag nicht der Mann für dich sein, aber du bist mein halbes Leben lang meine beste Freunding gewesen – das möchte ich nicht verlieren, Mione."

Als sie aufstanden und einander umarmten, meinte Hermione das Schließen einer Tür zu hören, während eine andere, ältere Tür zum ersten Mal seit langer Zeit weit aufsprang.

„Ich hoffe, du wirst glücklich", murmelte er in ihr Haar. „Und falls jemals ein Kerl verflucht werden muss, weil er dich schlecht behandelt …"

Hermione stieß ein wässriges Lachen aus. „Yeah, du bist der Erste, den ich frage." Sie ließ los und sah ihm ins Gesicht. „Ich hoffe, du wirst auch glücklich", stellte sie fest.

„Ich bin es!", schwärmte er. „Romilda ist die –"

Hermione lachte und begann, ihn wieder Richtung Tür zu schieben. „Ja, ja, aber du musst jetzt gehen, damit ich mich zum Frühstück fertigmachen kann!"

In komischer Kapitulation warf Ron die Hände in die Luft, trat in den Korridor und schloss die Tür hinter sich.

~oo0oo~

Dreißig Minuten später ging Hermione in die Große Halle, und der Anblick der umhergehenden Gäste in ihrer legeren, normalen Kleidung traf sie wie ein Schlag.

Die Regency-Woche war wirklich vorbei.

Die Gespräche waren gedämpft, und es lag eine nostalgische Stimmung in der Luft. Erfreut sah Hermione, dass einige der Damen, die über ihre Handarbeit in Kontakt gekommen waren, und der Herren, die sich bei einem Glas Port und beim Kartenspiel angefreundet hatten, Pläne schmiedeten, einander außerhab von Hogwarts wieder zu treffen und diese Freundschaften weiter zu pflegen.

Sie nahm ihren Platz ein – den sie die ganze Woche hindurch neben dem Stuhl des Schulleiters innegehabt hatte –, aber er war nicht anwesend. Wahllos häufte sie Essen auf ihren Teller und schaute den Tisch hinunter zu ihren Freunden und Helfern. Penny Clearwater fing ihren Blick auf, und Hermione lächelte zögernd eingedenk ihrer Interaktionen mit einer eifersüchtigen Penny. Sie war ziemlich überrascht, als Penny aufstand und zu ihr hinkam.

„Ich kann nicht glauben, dass es vorbei ist", sagte Penny, und die alberne Dissonanz zwischen ihnen schien dahinzuschmelzen.

„Ich weiß", stimmte Hermione zu. „Ich fühle mich …"

„Innerlich ziemlich leer?", schlug Penny vor. „Nun, diese Woche hat einer Menge Leuten etwas sehr Spezielles gebracht." Sie erlaubte sich einen Blick den Tisch hinunter zu Fin Quigley. „Pansy und ich werden den Ballycastle Bats am nächsten Samstag beim Spiel gegen die Falmouth Falcons zusehen."

„Aber wie werdet ihr es aushalten, fast eine Woche von ihnen getrennt zu sein?", fragte Hermione in leicht neckendem Ton.

„Oh, das werden wir nicht!", versicherte Penny ihr. „Fin kommt für ein paar Tage mit mir, und Viktor geht mit zu den Parkinsons nach Hause zu einem kurzen Besuch, aber beide müssen am Dienstag zum Quidditchtraining in Irland sein." Mit dem Kopf deutete sie auf dem leeren Platz am Kopfende des Tisches. „Habt du und … nun, habt ihr irgendwelche besonderen Pläne?"

Hermione begann, Marmelade auf ihren Toast zu streichen. „Nicht wirklich", sagte sie. „Morgen bin ich wieder an meinem Arbeitsplatz, weißt du, daher bringe ich hier noch ein paar Dinge in Ordnung – mache die Veränderungen für die Regency-Woche rückgängig und bringe alles wieder in den ursprünglichen Zusand – und dann flohe ich nach Hause."

Auch nur die Worte auszusprechen, ließ sie sich schrecklich traurig fühlen. Wo war Severus? Wie konnte ihm das alles so wenig bedeutet haben, wenn sie sich fühlte, als ließe sie einen unverzichtbaren Teil ihrer selbst in Hogwarts zurück? Sie stellte sich ihr klopfendes Herz vor, das in einem mit einem Zaubertrank gefüllten Gefäß auf einem Bord hinter dem Schreibtisch des einstigen Zaubertrankmeisters stand.

Penny legte ihre Hand kurz auf Hermiones Schulter. „Hermione, möglicherweise war ich ein wenig … nun, nicht gerade freundlich letzte Woche …"

Hermione sah schnell auf. „Verschwende keinen Gedanken daran", sagte sie. „Wir waren diese Woche alle etwas gestresst."

Sie wusste sehr genau, dass Pennys Benehmen nichts mit den Pflichten während der Regency-Woche und alles damit zu tun hatte, dass sie für den Schulleiter schwärmte, aber um ihrer Freundschaft willen in der Zukunft war es besser, so zu tun als ob.

Fin kam zu Penny und nahm ihre Hand. „Ich bin bereit zu gehen, sobald du es bist", sagte er zu ihr. Dann lächelte er Hermione er. „Großartige Idee, diese Regencysache", sagte er. „Du hast erstklassige Arbeit geleistet."

„Bye, Hermione!", sagte Penny. „Wir sehen uns im Büro!"

Der Schulleiter betrat die Große Halle, als Fin und Penny hinausgingen; Hermione sah zu, wie er Hände schüttelte und sich von ihnen verabschiedete. Dann schritt er zu seinem Stuhl, und seine schwarzen Roben bauschten sich hinter ihm. Sein Gesicht war ein wenig blass, die Augen zeigte Ringe vom Schlafmangel, aber er war frisch rasiert. Sein langes Haar war aus der Stirn zurückgekämmt und noch feucht von der Dusche, und er trug die Roben des Regency-Schulleiters. Von allen Leuten, die Hermione an diesem Morgen gesehen hatte, war er der Einzige in Regencykleidung.

Die Welle von Dankbarkeit, die sie verspürte, war eine bittersüße Woge von Emotionen, die sich in den letzten zehn Tagen in ihr zusammengebraut hatten. Ihr war zum Weinen zumute.

„Guten Morgen", sagte er, während er sich hinsetzte, und seine durchdringenden schwarzen Augen musterten sie genau. „Hast du … gut geschlafen?"

Hermione zuckte mit den Schultern. „Ich habe ein paar Stunden geschlafen. Und du?"

„Nein", antwortete er und goss Tee in seine Tasse. „Ich war in meinem Büro und habe am Curriculum des Förderunterrichts für die zurückkehrenden muggelgeborenen Schüler gearbeitet." Ein Hauself erschien mit einer Schüssel einfachen Porridges und stellte sie vor den Schulleiter. „Später heute werden Minerva und ich zusammen an einem Brief arbeiten, um ihn als erste Kontaktaufnahme zu unseren Plänen an jeden von ihnen zu schicken."

Er begann, sein spärliches, bescheidenes Mahl zu essen.

Dies ist das letzte Mal, dass ich an diesem Tisch mit ihm sitze und zusammen mit ihm esse, dachte Hermione traurig. Dann gab sie sich innerlich einen festen Ruck. Konzentriere dich auf das, was du tun kannst, nicht auf das, was du nicht haben kannst.

„Heute Morgen unter der Dusche habe ich nachgedacht", begann sie, und seine Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf sie, als ob er sie sich dort vorstellte. Sie fuhr eilig fort. „Das Programm sollte einen Slogan haben. Etwas Eingängiges, das die Aufmerksamkeit deiner Unterstützer – etwas, das die Schüler dazu bringt, daran teilnehmen zu wollen."

Er starrte sie an, sein Frühstück anscheinend vergessen. „Und ist dir etwas … Eingängiges eingefallen?"

Er spie das Wort aus, und seine Lippen kräuselten sich verächtlich – tagelang hatte er sich ihr gegenüber nicht höhnisch verhalten.

Sie holte Luft und war froh über die Empörung, die in ihr aufstieg. „Ich glaube, es ist eingängig, aber dein Hohnlächeln brauche ich nicht."

Sie schob ihren Stuhl vom Tisch weg, aber seine Hand schoss hervor und schloss sich um ihr Handgelenk. „Jetzt hohnlächele ich nicht", sagte er ausdruckslos. „Sag es mir."

Sie entriss ihm ihre Hand. „Wenn sie nicht zurückkommen und ihre Ausbildung abschließen, wird werden ihre magischen Fähigkeiten verkümmern", murmelte sie. „Der Slogan lautet „Rettet die Magie"."

Er zog seine Hand wieder von ihr zurück. „Rettet die Magie?", wiederholte er.

Sie errötete. „Wenn er dir nicht gefällt, verwende ihn nicht!", sagte sie und wünschte sich, sie hätte die Idee ihm gegenüber nicht erwähnt.

Sein Blick glitt zu jemandem hinter ihr. „Minerva", sagte er, und Hermione wandte sich um und sah McGonagall an ihrer Schulter stehen. „Hinter dem Sammeltisch in der Eingangshalle sollten wir ein Banner mit dem Text 'Rettet die Magie' haben."

Die alte Schottin nickte. „Das passt gut", sagte sie. „Ja, wir sollten es gleich aufhängen, ehe alle Gäste abgereist sind – und wir können das auf den Briefkopf für die Mitteilungen setzen, die wir heute abschicken." Ein seltener Ausdruck von Vergnügen erschien auf ihrem Gesicht. „Die Spenden sind höchst großzügig! Aber ich bin gekommen, um zu sehen, ob Hermione meinen Platz am Sammeltisch übernehmen kann, während ich frühstücke."

Hermione erhob sich sofort. Weg von Severus zu sein, würde sich elend anfühlen, aber sie konnte genauso gut anfangen, sich daran zu gewöhnen. Offensichtlich war der Waffenstillstand zwischen ihnen zu Ende, eine harmonische Front zu zeigen – für Hogwarts, brachte sie sich in Erinnerung. Mit ihm zusammen zu sein, wenn er ihr gegenüber so viel Gleichgültigkeit zeigte, war gar zu schwierig.

„Sofort, Professor", sagte sie. „Bitte, nehmen Sie meinen Platz. Ich weiß, Sie haben dringende Dinge mit dem Schulleiter zu besprechen."

Und ohne sich von ihm zu verabschieden, eilte Hermione hinaus in die Eingangshalle und erlaubte sich nicht, an etwas anderes als ihre unmittelbare Aufgabe zu denken. Sie zog ihren Zauberstab, beschwor ein enorm großes Stück Pergament herauf und befestigte es magisch an der Wand. Mit breiten, ausladenden Bewegungen schrieb sie in dramatischen, fetten schwarzen Buchstaben Rettet die MAGIE. Ein letztes Schlenkern ihres Handgelenk fügte einige glitzernde Punkte hinzu – weil sie wusste, dass es ihn ärgern würde.

„Was ist das, Hermione?", fragte Fortescue Parkinson, als er in die Eingangshalle kam, gefolgt von zwei Hauselfen, die mit dem Gepäck der Parkinsons beladen waren.

Hermione holte tief Luft, straffte ihre Schultern und setzte ihr S.P.E.W.-Gesicht auf, ehe sie zu erklären begann. Dies war noch wichtiger als Hauselfenrechte, und sie würde vollen Einsatz dafür bringen.

~oo0oo~

Zur Mittagszeit war ihr Sammelbüchse mit Gold und Schecks von Zaubererbanken auf der ganzen Welt gefüllt. Sie hatte die Information über das spezielle Projekt mehrfach gegeben. Dennis Creevey hatte sich bald zu ihr gesellt, nachdem sie das Rettet die MAGIE!-Banner aufgehängt hatte. Er war von dem Plan genauso begeistert wie Hermione, und er hatte hinzugefügt, dass er der Erste der vertriebenen Schüler war, der sich für das neue Programm einschrieb.

„Ich frage mich", überlegte er, „ob die Leute gerne ein Bild von sich vor dem Banner haben würden?"

Und Foto für Foto war von den stolzen Spendern vor dem Banner gemacht worden. Die entwickelten Fotografien würden die Empfänger per Eule bekommen, sobald sie fertig waren.

George Weasley, der die Treppen Hand in Hand mit Luna Lovegood herunterkam, brach in ein breites Grinsen aus, als er das Banner sah. „Das ist brillant", sagte er. „Deine Idee, schätze ich", fügte er mit einem Schmunzeln zu Hermione hinzu.

„Ich habe mir nur den Slogan ausgedacht", sagte sie. „Die Idee ist ganz die des Schulleiter und Stellvertretenden Schulleiterin." Sie trat einen Schritt näher an den Eigentümer des belebtesten Geschäfts der Winkelgasse. „George, möchtest du etwas spenden?"

Luna zog einen Scheck aus ihrer Handtasche und reichte ihn Hermione. Er war etwas zerknittert und roch nach Spulenwurzeln.

„George hat ihn gestern Abend vor dem Schlafengehen ausgestellt", sagte Luna, „nachdem wir all die Schluckplimpys aus der Toilette entfernt hatten. Er hat mich gebeten, ihn zu verwahren, bis wir dich treffen."

Hermione biss sich auf die Lippe, um ihr Grinsen zu verbergen. „Ich wusste nicht, dass das Schloss mit ... äh … Plimpies verseucht ist."

George strich mit einer Hand über Lunas langes, üppiges blondes Haar. „Ist es nicht mehr", sagte er. „Luna war vorbereitet – sie versucht, auf alles vorbereitet zu sein, nicht wahr, Liebes? Das ist es, wie sie den Kerker überlebt hat, weißt du."

Luna hob bewunderd ihre Augen zu seinem Gesicht, und George gab ihr einen schnellen Kuss. Dann verabschiedeten sich die Liebenden und gingen Hand in Hand davon. Est als sie zur Tür hinausgingen, schaute Hermione auf den Betrag auf dem Scheck.

Das Papier wurde ihr aus den Fingern gerissen, als Draco über ihre Schulter griff. „Weasleys Zauberhafte Zauberscherze", las er. „Guter Gott, er macht gute Geschäfte, oder?"

Hermione griff nach dem Scheck, den Draco höher hielt.

„Wo ist deine Spende, Malfoy?", forderte sie.

Draco lachte. „Ich bin nicht der Reiche in dieser Beziehung", informierte er sie mit einem warmen Blick auf Harry. „Wende dich an Potter hier."

Mit ernstem Blick nahm Harry den Scheck von Draco und gab ihn Hermione zurück. „Ich kann es nicht glauben, dass ich bis jetzt nie an die muggelgeborenen Schüler gedacht habe", sagte er, und seine grünen Augen hinter den runden Rahmen seiner Brillengläser waren ernst. „Vier Jahre ist es her, und es ist mir nie in den Sinn gekommen …"

Hermione drückte seine Hand. „Keiner von uns hat daran gedacht", sagte sie. „Mach dir keine Vorwürfe – aber unterstütze die Aktion, wenn du es dir leisten kannst."

„Ich habe mein Scheckbuch nicht dabei, aber morgen auf der Arbeit gebe ich dir einen Scheck", versprach er ihr.

Hermione wandte sich ab, um Georges Scheck in die Sammelbox zu legen. „Du kannst ihn einfach dem Schulleiter eulen", sagte sie dumpf.

Harry drehte sie um, bis sie ihm wieder ins Gesicht sah. „Wirst du Severus nicht treffen?", fragte er besorgt.

Draco betrachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. „Natürlich wird sie das", sagte er.

Hermione schaute von ihnen weg. Sie brauchte weder Freundlichkeit noch Sorge, weil sie diese Dinge zum Weinen bringen würden. Sie sollte irritiert und ärgerlich sein. „Ich habe keine Pläne, ihn in Zukunft zu treffen", sagte sie und zog sich von ihnen zurück. „Gibt es nicht jemand anderen, den ihr ärgern könntet?"

„Aber du bist gerade hier und verfügbar", gab Draco vernünftig zu bedenken. Dann legte er einen Arm um Harrys Schultern. „Ich gehe mit ihm ins Haus meiner toten Großtante Walburga", informierte Draco sie. „Dieser grauslige Elf, Kreacher, wohnt dort immer noch. Es wird wie eine Familien-Wiedervereinigung sein – nur ohne die Famile natürlich. Das sind die besten."

Harry sah noch immer besorgt aus. „Du solltest zum Grimmauld Place kommen und bei uns bleiben", drängte er sie. „Damit du nicht allein in dieser winzigen Wohnung bist."

Daraufhin schaffte Hermione es zu lachen. „Am Grimmauld Place mit dir, Ron, und euren neuen besseren Hälften? Würde mich das nicht aufheitern?"

Harry umarmte sie. „Okay, vielleicht ist es eine Scheißidee – aber du weißt, mein Heim ist immer dein Heim."

Hermione erwiderte seine Umarmung und schob ihn dann von sich. „Würdest du bitte nach Hause gehen?", fragte sie.

Draco beugte sich vor, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken, dann schleppte er Harry aus dem Schloss hinaus. Hermione lächelte dem seidigen blonden und dem verstrubbelten schwarzen Kopf trübselig hinterher. Dann wurde sie von einer lauten Gruppe von Menschen abgelenkt, die die Marmortreppen herunterkamen und ihr Gepäck selbst trugen. Lavender, Parvati und Padma hatten Dennis im Schlepptau.

„Nehmt ihr ihn mit?", platzte sie heraus.

Dennis grinste und sah ziemlich zufrieden inmitten der älteren Frauen aus. „Ich werde sie für den Quibbler interviewen", schwärmte er. „Und ich werde auf ihrem Sofa schlafen, bis die Schule losgeht!"

Hermione begleitete sie hinaus in die Nachmittagssonne und dachte darüber nach, dass nur Dennis Creevey es schaffte, auf einem Sofa zu schlafen sich wie eine aufregende Chance anhören zu lassen.

Für eine Weile blieb sie stehen und atmete tief die frische Luft ein. Sie fühlte eher, als sie es hörte, dass Severus hinzukam.

„Das ist das Schicksal", sagte er ruhig. „Alle deine Gäste sind abgereist, Milady."

Tränen traten ihr beim Gebrauch seines Kosenamens für sie in die Augen. „Nicht", sagte sie mit belegter Stimme und ging an ihm vorbei zu den Türen.

„Wohin gehst du?", fragte er.

„Ich muss Räume wieder in Ordnung bringen", sagte sie, ohne zu ihm zurückzuschauen. „Das ist es, was ich heute tun werde, Severus."

Sie hörte, wie er geräuschvoll Luft holte, als habe ihn die Erinnerung an seine Worte vom Abend gepikst. Darauf hoffte sie.

Sie betrat das Schloss und marschierte in den Herren-Clubraum. Dort gab es so viele Möbelstücke, die an ihre richtigen Standorte bewegt werden mussten, und zwei Wände mussten wiederhergestellt werden … unter ihrer Anleitung konnten Hauselfen die Arbeit erledigen, aber im Moment wollte sie sie selbst tun.

Die beste Kur gegen Herzschmerz war Arbeit.

~oo0oo~

Severus runzelte die Stirn über der spinnenartigen Handschrift, die das Pergament bedeckte, dann fügte er eine letzte Zeile hinzu. Auf seinem Schreibtisch lagen vier zerknäulte Pergamente und zeugten von den bisherigen Versuchen.

„In Ordnung, wie ist das?", fragte er und begann laut zu lesen.

Portrait Dumbledore hörte ernsthaft zu, und am Ende nickte er entschieden mit dem Kopf. „Das ist es, Schulleiter!"

Severus nahm die Feder wieder in die Hand, unterschrieb und schrieb in Druckschrift darunter Severus Snape, Schulleiter.

„Herpie!"

Der Hauself ploppte in das Büro des Schulleiters und verbeugte sich sofort tief. „Ja, Schulleiter Snape, Sir?"

„Bring dies zu Professor McGonagall."

Minerva würde mit Hilfe der anderen Hauslehrer die Duplizierzauber ausführen, und vor Einbruch der Nacht würden die Briefe an alle muggelgeborenen Schüler geschickt, die nicht mehr nach Hogwarts zurückgekehrt waren, nachdem der Krieg die Schule für sie zu einem todbringenden Ort gemacht hatte. Damals war Severus Schulleiter gewesen, in diesem Jahr seiner Schande – seines schlimmsten, wahrgewordenen Alptraums, als Todesser sich frei in den Hallen von Hogwarts bewegt und auf Schüler Jagd gemacht hatten. Er selbst schuldete den fehlenden muggelgeborenen Schülern diese Wiedergutmachung, und wenn nötig würde er persönlich, von Angesicht zu Angesicht, an sie appellieren.

Für den Augenblick mochte der Brief der beste, schnellste Weg sein, ihnen die Nachricht zu übermitteln und ihre Antworten zu erhalten. Wir erwarten Ihre Antwort schnellstmöglich mit der zustellenden Eule, stand in seinem Brief.

Sein ruheloser Blick bewegte sich zu den beiden anderen Blättern auf seinem Schreibtisch; eines davon war eine To-do-Liste, das andere war ein … persönliches Schreiben. Erstere musste vollständig abgearbeitet sein, ehe er über das zweite Blatt nachdenken konnte.

Trödle nicht!, ermahnte er sich selbst. Sie könnte jeden Moment abreisen. Sie ist nicht allzu glücklich.

Er zog die Liste der zu erledigenden Aufgaben zu sich. Das Curriculum war zusammengestellt, die Liste der Schulbücher erstellt (Schüler, die finanzielle Unterstützung brauchten, würden ihre Schulbücher und andere Materialien von der Schule erhalten), und Unterkünfte waren arrangiert worden. Der letzte Punkt auf der Liste war der Brief, den er eben fertiggestellt hatte. Er hakte ihn ab. Die To-do-Liste war erledigt.

Mit einer Hand rieb er sich über das Gesicht. Die morgendliche Dusche hatte geholfen, ihn ein wenig wacher zu machen, aber das war vor Stunden gewesen, und jetzt spürte er den Schlafmangel.

Er stand auf und ging zum Fenster, das auf das Quidditchfeld hinauszeigte. Longbottom hatte das Labyrinth und den Garten darin beseitigt, ehe er mit seiner liebestrunkenen Gabrielle abgereist war. Potter war in Draco verliebt, und Weasley war vollauf mit der Vane-Frau beschäftigt – sogar Krum hatte in Pansy Parkinson eine Angebetete gefunden. Alle engsten Freunde Hermiones waren vergeben – alle möglichen Rivalen um ihre Aufmerksamkeit, derer er sich bewusst war –, aber gab es irgendein Detail, das er übersehen hatte? Gab es etwas, das er bei all seinen Plänen nicht berücksichtigt hatte?

Das Schloss war jetzt seltsam still ohne die Gäste – genau, wie es normalerweise war, wenn die Schüler abwesend waren. Aber noch hielt sich Hermione irgendwo unten auf; er konnte ihren Funken tief in sich spüren, eine warme, pulsierende Präsenz. Unwillkürlich drückte er eine Hand auf seine Brust, als wolle er sie dort halten.

Das ist dein Herz, du Dummkopf!, dachte er. Aber es war nicht länger seines. Sie war durch die Mauern geschlüpft, die er hochgezogen hatte, um andere draußen zu halten, und hatte ihm sein Herz gestohlen, und sie hatte es mit solcher Leichtigkeit getan …

Aber jetzt war sie kratzbürstig. Beim Frühstück war sie schnell eingeschnappt gewesen, und später war sie vor ihm weggelaufen, als sei sie ärgerlich auf ihn – aber dazu hatte er ihr keinen Anlass gegeben.

Nein, sie ist nur unglücklich, weil die Regency-Woche vorbei ist. Es hat nichts mit mir zu tun, dachte er.

Er schaute hinüber zu dem unfertigen Schreiben auf seinem Schreibtisch, ging aber nicht vom Fenster weg. Von Anfang an hatte sie keine Angst gehabt, dorthin zu gehen, wohin ihr Herz sie führte, und gedacht, er würde ihr folgen. Wie viele Male hatte sie ihn in ihr Zimmer eingeladen? Was bedeutete diese Einladung, wenn sie von einer Frau wie ihr kam? Und er hatte jedes Mal abgelehnt. Es gab tausend Gründe, weshalb er weiter 'nein' zu ihr – zu sich selbst – sagen sollte und nur einen, dies nicht zu tun.

Weil er sie wollte.

Liebe sie!, insistierte sein innerer Halbwüchsiger, aber er schob diesen Gedanken entschieden beiseite. Liebe war für Schulkinder, aber Begehren, Bewunderung, Respekt, echtes Mögen – dies waren die Bausteine, auf denen Erwachsene eine Beziehung aufbauten, und er fühlte sie alle für Hermione Granger.

Die Karten sagen, sie ist deine Seelengefährtin – natürlich liebst du sie!, flüsterte die innere Stimme.

„Ich muss schlafen", sagte er laut, um das Gemecker seines inneren Halbwüchsigen zu ersticken.

„Dann halte ein Nickerchen, Severus", schlug Dumbledores Portrait vor.

Er schritt hinüber, um das Portrait zu betrachten. „Später werde ich hier ein Meeting haben. Ich erwarte, dass du und all deine Kumpane die Klappe haltet und die ganze Zeit über schlaft. Kein Pieps von euch allen!"

Dumbledore zwinkerte ihn an; mit dem dummen, knallbunten Pokerhut sah er albern aus. „Natürlich, Schulleiter. Ich sage es weiter." Und er verschwand eilends in den Rahmen seines nächsten Nachbarn.

Severus setzte sich an seinen Schreibtisch und zog den unfertigen Brief zu sich. Es war Zeit, sein sinnloses Zaudern aufzugeben und das verdammte Ding zu schreiben. Nichts, was er tun konnte, würde ihre Antwort ändern, vorausgesetzt, seine Formulierung war adäquat. Sie würde entweder 'ja' oder 'nein' sagen.

Er tauchte seine Feder in die Tinte und schrieb.

~oo0oo~

Auf einem der runden Tische im Salon der Damen fand Hermione ihre unfertige Stickarbeit wieder, die sie auf den Stickrahmen gespannt zurückgelassen hatte. Sie war sehr schlecht ausgeführt, da sie sich nie damit geplagt hatte, Nadelarbeiten zu lernen, und diese schien mehr Aufmerksamkeits für das Detail zu erfordern, als sie ihr zu widmen bereit gewesen war. Sie folgte eine ungleichmäßigen Linie französischer Knoten, die die Blütenblätter einer Glockenblume zeigen sollten. Diese hatte sie gestickt, während sie im Geiste vollauf mit Plänen beschäftigt gewesen war, Severus in ihr Zimmer – in dein Bett, insistierte ihr Verstand – zu locken, aber keiner ihrer Versuche hatte genügt, ihn zu akzeptieren in Versuchung zu führen. Er wollte sie, dessen war sie sich sicher – seine Küsse verrieten ihr das sehr deutlich. Etwas anderes hielt ihn von ihr fern, und sie hatte keine Idee, was sie daran ändern konnte.

Plötzlich fielen ihr Worte wieder ein – Worte, die genau in diesem Raum gesprochen worden waren.

Der dunkle Mann steckt voller Konflikte … Der Konflikt ist nicht klar umrissen, aber er muss überwunden werden, damit die Liebenden ihre Bestimmung erfüllen."

Trelawney in ihrem Zigeunerkostüm, mit ihren lächerlichen Tüchern und Armreifen – mit ihrer seltsamen Intensität, als sie für Hermione die Karten gelesen hatte. Konnten die Worte wahr gewesen sein, eine der seltenen Gelegenheiten, wenn die Seherin tatsächlich sehen konnte?

Konflikt … wenn der Konflikt in ihm steckte, dann gab es nichts, was Hermione tun konnte, um ihn zu lösen; sie konnte lediglich ihre Gefühle und Wünsche so klar wie möglich äußern.

Das charakteristische Plopp! einer Apparation kündigte die Ankunft von Herpie an, der auf einem Silbertablett ein gefaltetes Pergament brachte.

„Für Sie, Miss!", verkündete Herpie und verbeugte sich tief.

Hermiones Herz taumelte. Lieber Gott – war es von Severus? Sie hatte herumgetrödelt in der Hoffnung, er würde …

Sie schnappte das Pergament und mit zitternden Händen brach sie das einfache Wachssiegel, um an den Inhalt zu gelangen.

Milady,

vielleicht weißt du mein Zögern zu schätzen, unser Regencyidyll zu Ende gehen zu lassen. Ich bitte um das Vergnügen Deiner Gesellschaft für einen letzten Abend zu einer Feier im Regencystil. Ich möchte mit dir ein Festmahl teilen, um den großen Erfolg Deines Plans zu feiern, der jede Erwartung übertroffen hat. Ich bitte, dass Du die Einladung annimmst und mir den Versuch erlaubst, Dir meinen tiefempfundenen Dank zu übermitteln.

Das Abendessen wird um sieben Uhr im Büro des Schulleiters serviert. In Erwartung Deiner Antwort

Dein gehorsamer Diener,

Severus

P.S. Wenn Du so freundlich wärst, das Kleid zu tragen, das Du auf dem Ball getragen hast, stünde ich in Deiner Schuld.

Sie las es dreimal, und innerlich jubelte sie. Sie hatte ihm wieder und wieder mit ihren Einladungen den Ball zugespielt, und hier kam endlich ein Zug von seiner Seite. Süße Circe, sie hatte gehofft, er gäbe ihr irgendein Zeichen seines Interesses, ehe sie das Schloss verließ, und hier war es.

„Ist der Schulleiter jetzt in seinem Büro, Herpie?"

Der Elf schaute leicht alarmiert. „Der Schulleiter schläft in seinem Bett, Miss – Herpie soll ihn nur wecken, wenn Miss seine Einladung ablehnt."

Severus schlief? Dann sollte sie das auch tun. Keiner von ihnen hatte eine erholsame Nacht genossen.

„Miss akzeptiert die Einladung, Herpie. Um sieben werde ich in seinem Büro sein."

Der Elf verbeugte sich und verschwand, und Hermione eilte in ihr Zimmer, ihre unfertige Stickerei mit in einen Hand, ihr Billet-doux in der anderen.