25. Rede oder schweig im Grab!
„Was ist passiert?" Der Schock stand Bohne förmlich in der Stimme geschrieben.
Ein paar große Schritte und sie konnte einen Blick in den Raum werfen.
Sie hielt sich die Hände vor dem Mund.
Rango lag neben dem Bett auf dem Boden.
Doc war gerade dabei ihn auf den Rücken zu drehen und kontrollierte seinen Puls.
„Wie geht es ihm, Doc?", fragte Bohne mit erstickter Stimme.
„Sehr schwach, aber er lebt."
Er griff Rango unter die Schulter und hob ihn hoch.
„Könntest du mir kurz helfen?", fragte Doc, wurde aber von Jake unterbrochen.
„Ich denke, dass kannst du alleine, oder?"
Doc seufzte niedergeschlagen. „Ja, Mister Jake."
Jake nickte. Dabei fiel sein Blick auf die Gila-Echse im Bett gegenüber. Eine Wut stieg in ihm hoch, als er diese Echse so friedlich schlummern sah.
Bohnes Augen weiteren sich, als er seine Waffe auf Bill richtete.
PENG! PENG! PENG! PENG! PENG! PENG!
Bohne schrie, während Doc sich nervös den Kopf rieb, als er die vielen Einschusslöcher in der Wand direkt neben und über Bills Bett sah. Bill inzwischen hatte sich kerzengerade im Bett aufgerichtet, kurz nachdem er die Schüsse gehört hatte, die ihn nur ganz knapp verfehlt hatten. Als seine Augen Jake erblickten, hielt er sich schützend die Hände über den Kopf. „NEIN! NICHT SCHON WIEDER!"
Jake zischte vor Abscheu. „Du bist so ne feige Ratte."
„Ja, ja, du hast Recht, ich bin feige…", rief Bill vor lauter Panik. „Tu mir nichts!"
Jake stieß mit seiner Waffe vor und schob Bill die Hände weg.
„Sieh mir gefälligst in die Augen, wenn ich mit dir rede!"
Bill zitterte unkontrolliert. Jake unterdessen umkreiste sein Bett und legte einen Teil seines Körpers um Bills Oberkörper.
Bill stieß einen erschrockenen Schrei aus. „Nein, bitte!"
„Halt die Klappe!", schrie Jake ihn an. Er drückte die Waffe unter Bills Kinn und zwang ihn in seine Richtung zu schauen, sodass er sehen konnte wie Doc Rango ins Bett zurück half.
„Ich bin ein kleinwenig verärgert über deine Arbeit."
Jake drückte die Schlingen enger zusammen und kam gefährlich nahe an Bills Kopf. „Ich schwöre, sollte er wirklich sterben, ich schwöre, wenn er stirb… Hölle! Ich reiß dir deine Organe raus bevor ich dich in die Hölle schicke!"
Bill rang nach Luft. „Aber er ist doch nicht tot."
„Vielleicht noch nicht! Doch ich krieg das Gefühl von Killer-Zeit!"
Seine Rassel rasselte wie verrückt. Er grinste teuflisch als Bill mehr und mehr in Panik verfiel.
„Du kannst mich nicht umbringen!", schrie Bill. „Sie hat es mir versprochen!"
Mit zittrigen Fingern deutete er auf Bohne.
Das Echsen-Mädchen erstarrte, als Jake sie mit hasserfüllten Augen ansah.
Doc knetete nervös seine Hände. Wieso hatte er kein Betäubungsgewehr im Haus?
Für einen Moment war Jake irritiert. „Du hast was getan?"
Bohne hob beruhigend ihre Hände Geste. „Jake, ich versprach ihm nur, dass du ihn nicht tötest, bis er uns sagt, was wir wissen möchten…"
„Was redest du da?!", protestierte die Gila-Echse. „Du hast mir dein Wort gegeben…!"
„Sei still!", fuhr Jake ihn an. Bill wagte es nicht ein Wort zu sagen und blieb still, während Jake zu Bohne rüber kroch.
„Du hast ihm was versprochen… hinter meinem Rücken?!"
„Jake! Er hätte andererseits nie geredet. Wir brauchen diese Informationen!"
„Dein Wort hat hier keine Bedeutung in meiner Stadt! Wenn ich jemanden töten will, dann töte ich diese Kreatur auch!"
In hoher Geschwindigkeit machte er kehrt und presste seine Kanone auf Bills Bauch.
Bill schrie vor Schmerz, als das kalte harte Metall seine frisch vernähten Wunden berührte. Mühsam versuchte er die Waffe von sich wegzuschieben.
„Nimm das weg!", flehte Bill.
„Halt die Klappe! Glaubst du wirklich, ich würde jemanden wie dich verschonen? Du bist nicht mehr wehrt, als der Staub auf den dreckigen Straßen!"
„Jake!", rief Bohne und schritt neben Bills Bett. „Bitte, beruhige di…"
Jake atmete laut. „ICH BIN RUHIG!"
„NEEEEIIIN-Ah!", Bill schrie, als Jake seinen Druck verstärkte.
Bohne kam ihm zu Hilfe und nahm Jakes Waffe in beide Hände. „JAKE!"
„Gentlemen! Gentlemen!", rief Doc völlig außer sich.
Alle Augen wanderten zu ihm rüber.
„Bitte, reißen Sie sich doch zusammen."
Er deutete auf Rango.
Bohnes Augen weiteten sich.
„Rango!"
Jake hielt mitten in seinem Ärger inne, als er die blinkenden Augen des Chamäleons bemerkte. Doch die Zeit reichte für Jake nicht aus, um Bohne zu stoppen. Das Echsen-Mädchen vergaß alles um sich herum und umarmte Rango feste. „Ich bin so froh, dass du noch lebst."
Jake fauchte gereizt, vermied aber einen Wutausbruch.
„Genieße die letzte Umarmung von deiner Geliebten", dachte er bei sich.
Rango war immer noch benommen und wusste nicht was los war.
„Oh… Boh-ne…", murmelte er.
Jake fuhr herum, als er ein anderes Geräusch neben sich hörte. „Du bleibst hier, Bastard!"
Bill erstarrte förmlich, als er versucht hatte durch die Tür zu flüchten.
Rango blinzelte verwirrt. „B-bill? Du bist auch hier? Beiß mich nie wieder! Es tut immer noch so weh…"
Zitternd drehte Rango den Kopf zur Seite und kniff die Augen zusammen.
„Denken Sie nicht über den Schmerz nach", sagte Doc. „Sie haben gute Chancen, das zu überleben."
Jake schnaubte und stierte Bill an. „Zurück mit dir ins Bett!"
Das musste er nicht zweimal sagen. Sofort ließ Bill die Tür sein und sprang trotz aller Schmerzen schnell zurück ins Bett.
Etwas zufriedener wandte die Klapperschlange ihre Aufmerksamkeit wieder Bohne und Rango zu.
„Das reicht jetzt", meinte er dunkel.
Bohne zögerte einen Moment, dann lockerte sie ihren Griff um Rango und trat zwei Schritte zurück.
„So", begann Jake. „Jetzt da wir alle erwacht sind, könnt ihr mir auch erzählen was passiert ist!"
Sein Blick wanderte zuerst zu Bill, dann zu Rango.
„Wa… was meinst du?", stotterte Rango. Sein Kopf fühlte sich noch immer leer an.
„Mister Jake", wandte Doc ein. „Vielleicht sollten wir…"
„Nein!", unterbrach ihn die Klapperschlange. „Ich bin gekommen um Antworten zu erhalten. Ich habe nicht vor zu warten!"
Bohne hob die Hand. „Jake, bitte, lass ihn langsam anfangen. Er hat gerade eine Vergiftung hinter sich."
Jake fauchte, aber er widersprach nicht.
Bohne machte einen Schritt nach vorne, doch dann fühlte sie Jakes Waffe auf ihrem unteren Abschnitt ihres Kleides und sie musste wieder anhalten. Mit müden Augen blickte Rango sie an.
„Rango", begann Bohne sanft. „Wir müssen wissen was passiert ist. Du hast einen Roscoe erwähnt, aber was genau hast du damit gemeint?"
Das Chamäleon gab ein paar stöhnende Laute von sich. „Ich… bin mir nicht sicher…"
„Hol erst mal tief Luft", fuhr Bohne fort. „Was ist passiert nachdem du die Stadt verlassen hast?"
Rango seufzte. „Nachdem ich die Stadt verlassen hatte, traf ich auf Bill… Er…"
Der Sheriff zögerte und suchte nach passenden Worten, und versuchte möglichst viele Details zu meiden. „Wir hatten mit Roscoe nur ein kleines Missverständnis…"
„Das war kein Missverständnis!", fuhr Bill verärgert dazwischen.
„Du bist ruhig, oder ich schieß dir den Mund ab!", fauchte Jake.
„Nun, ich denke, wir haben ihn ein bisschen wütend gemacht… mehr oder weniger. Als er weg war, unternahmen wir eine kleine Reise auf einem Zug…"
„Eine Reise?", murmelte Bill sarkastisch. „Das war ein ganz simpler Raubüberfall."
„Du hast einen Zug überfallen?", fragte Bohne ungläubig.
Rango zog den Kopf ein. „I-ich hab niemanden was zuleide getan. Ich schwöre."
„Ganz schön dreist", meinte Jake abfällig.
„E-er hat mich dazu gezwungen!", rief Rango und deutete auf Bill.
„Das ist schon okay, Mister Rango", sagte Doc. „Das ist okay. Sie haben ja Recht. Wir glauben Ihnen. Beruhigen Sie sich."
Er warf Jake einen mahnenden Blick zu, dass er es unterlassen sollte, das Chamäleon weiter zu bedrängen.
„Das ist nicht wahr…", versuchte Bill zu sagen. „Er ist freiwillig mitgekommen…"
„Du sagst nur etwas, wenn du gefragt wirst!", knurrte Jake.
Rango seufzte. „Okay, wir hatten vor gehabt den Zug zu überfallen, aber dann ist Roscoe wiederaufgetaucht und wir mussten fliehen. Aber bevor wir das tun konnten, drückte mir jemand ein Papier in die Hand."
„Du meist, dieses hier?"
Damit holte sie das Papier aus ihrem Ärmel.
Rango nickte. „Genau das."
„Wer hat dir das zugesteckt?"
„Du erinnerst dich noch an den Besucher vor wenigen Monaten, eine alte Eule…"
„Mister Owlden?"
„Ja, er hab es mir, um sicher zu gehen, dass es niemand anderes bekommt. Roscoe schien sich sehr dafür interessiert zu haben, weil er uns noch in derselben Nacht überfall und uns zwang ihm etwas aus dem Zug zu geben, was er vermisste."
„Hat Mister Owlden ihm das nicht gesagt?"
Rango senkte den Blick. „Vielleicht kann er es jetzt nicht mehr."
„Was willst du damit sagen?"
„Ich befürchte, Roscoe hat…"
Er hielt inne. Bohne schwieg betroffen und sah ihn traurig an.
„Und dann?", fragte Jake ungeduldig. „Er hat euch überfallen und dann?"
Rango wurde etwas schwindelig. „Oh… Da war eine Höhle, ein großes Kaninchen… ein Stoffhase."
Verwundert kratzte sich Doc am Kopf. „Ich glaube, er halluziniert."
„Es gelang uns zu entkommen", keuchte Rango.
„Mister Rango, beruhigen Sie sich", sagte Doc. „Lassen Sie sich Zeit, es drängt Sie keiner."
Rango nickte. „Wir flohen, Bill rannte weg, ich hinterher. Ich wollte nur das Papier. Und dann tauchte der Habicht auf, und der Biss… Und… ich... ich…"
Doc legte ihm die Hand auf die Schulter. „Vielleicht wäre das jetzt der günstige Zeitpunkt für eine Pause."
Jake schnaubte. „Na schön. Aber eine Frage ist immer noch offen."
Sein Blick fiel auf Bill. Dieser zog sich die Decke enger um seinen Körper.
„Ich denke, es ist an der Zeit den Hintergrund von all diesem zu erfahren", sagte Jake und deutete auf Bohne und das Papier in ihrer Hand. „Sag mir was du weißt, und ich rate dir, nichts darüber auszulassen."
Bill zögerte. „Äh… nun…"
Ein lautes Zischen ließ ihn zusammenfahren. „Rede oder schweig im Grab!"
Bill schluckte schwer, schien aber nicht so viel Angst wie vorher zu haben. Bohne würde ihr Versprechen nicht brechen.
„Okay, okay, okay, ich rede."
„Wir wissen, dass es etwas mit Gold zu tun hat", sagte Bohne. „Löffel hat uns bereits ein paar Details preisgegeben."
„Was für Details?", wollte Bill wissen.
„Über Bankräuber, die in die Stadt gekommen waren…"
„Das ist richtig. Ich erinnere mich. Es war noch lange Zeit bevor Bürgermeister John und ich Geschäftspartner wurden. Doch er hat mir mehrere Male erzählt, dass er nach dem Gold gesucht hatte, was die Räuber versteckt hatten."
„Und hat er dir auch gesagt, wo sie es versteckt hatten?"
Bill schwieg einen Moment. Er sah von einem zu anderen und schien sich zu überlegen, was klug war, was er als nächstes sagen sollte.
„Nun… das ist das Problem. Bürgermeister John hat versucht an das Gold ranzukommen, nachdem er erfahren hatte was sie transportierten. Doch der Anführer, sein Name war Sheldon, nun… das war eine verrückte Geschichte… zuerst hatten sie miteinander geredet. Sheldon hatte vor gehabt ihn etwas von dem Gold abzugeben, wenn er ins Geschäft einsteigen könnte. Doch am nächsten Tag, war das Gold verschwunden. Ebenso wie Sheldon. Nur seine Männer befanden sich noch in der Stadt. Es entbrannte ein Kampf zwischen ihnen und einigen Kopfgeldjägern, die John bezahlt hatte. Doch der Anführer war nicht dabei. Die Kopfgeldjäger suchten die ganze Gegend nach ihm ab. Doch als sie ihn fanden, brach erneut ein Kugelhagel aus. Dabei wurde Sheldon erschossen, die Kopfgeldjäger meinten, er habe Selbstmord begangen, und hat damit sein Geheimnis mit ins Grab genommen. Seitdem, weiß niemand wo das Gold verborgen ist – aber…"
„Ja?" Jake hob die Augenbrauen.
„Ähm… Bürgermeister John hatte eine Vermutung, wo es sein könnte… weil… Sheldon sich für… die… die Tunnel unter der Stadt interessierte."
„Die Tunnel?"
Doc kratzte sich am Kopf. „Kann mich nicht daran erinnern, dass sie schon so lange existieren…"
„Frag mich nicht", sagte Bill und zuckte die Achseln. „Es war nicht meine Zeit."
Stille trat ein.
„Das ist alles?", fragte Jake.
„Äh… ja, mehr kann ich nicht sagen…"
„Jake."
Die Klapperschlange wandte ihren Blick zu Bohne, die immer noch das Papier in den Händen hielt.
„Könnte es vielleicht möglich sein, dass die Symbole den Weg durch die Tunnel weisen sollen?"
„Möglich, aber wenn dem so ist… die Tunnel sind voller Wasser."
Wieder wurde es still.
Bohne sah Rango an. „Nun, wenigstens, hat du es geschafft zu entkommen."
Rango lächelte leicht. „Allerdings…"
Plötzlich durchzuckte ihm ein Gedanke.
„Was ist los?"
„Wounded Bird war…"
Er setzte sich etwas weiter auf, aber Doc hielt ihn davon ab aufzustehen. „Mister Rango! Sie müssen im Bett bleiben!"
„Was ist mit Wounded Bird?", fragte Bohne.
„Er war auch dort gewesen, in dem Versteck… Er, er sagte, dass…"
Sein Blick fiel auf Jake.
„Sag mir die Wahrheit, hast du jemanden getötet?"
Jake verengte die Augen. Dann lächelte er. „Ich habe es…"
Er unterbrach sich, dann fuhr er fort. „… noch nicht getan. Aber ich war sehr nahe dran gewesen."
„Rango, niemand wurde umgebracht", beruhigte ihn Bohne.
Sie gab ihm eine Umarmung, was Jake ein böses Fauchen entlockte.
Schnell unterbrach Bohne den engen Kontakt und ging eilig auf Distanz.
„Kein Witz?", fragte Rango mit zittriger Stimme. „Aber wie…"
Jake zischte genervt. „Es war sehr ärgerlich, dass du abgehauen bist."
Rango zog den Kopf ein. „Tut mir leid…"
„ABER… aber ich habe gute Neuigkeiten für dich. Ich werde dich für deine Flucht nicht bestrafen."
„Oh… d-danke."
„Bedank dich bei ihr."
Mit Mühe richtete Rango sich auf und lehnte sich gegen das Kissen.
„Danke, Bohne."
Er streckte ihre Hand nach ihr aus. Bohne wollte auf ihn zugehen, doch Jake hielt sich mit einem Fauchen zurück. Sie schaute der Klapperschlange in die Augen und ihr wurde klar, dass die Zeiten vorbei waren.
Bohne mied Rangos Geste. Stattdessen schaute sie weg und nahm einen tiefen Atemzug.
„Bitte sehr", sagte sie mit zittriger Stimme.
Rango ließ die Hand sinken. „Bohne, ist alles in Ordnung?"
Ein rauschendes Geräusch erfüllte den Raum, als Jake seinen Körper zärtlich um Bohne legte.
„Nun, kleiner Mann. Deine Freundin war wirklich ein guter Engel. Ich würde sagen, du hattest deinen Spaß mit ihr."
Rango sah von einem zum anderen.
„Ich- ich verstehe nicht."
Jake gab Bohne einen Drücker. „Sag es ihm."
Bohnes Augen wanderten zu Jake. Doch dieser gab ihr nur einen kalten Blick zurück.
Unsicher sah Rango sie an. „Bohne?"
Bohne knetete nervös ihre Hände. Sie holte tief Luft, unterbrach sich aber selber und sah zu Jake.
Jake zischte. „Du sagst es jetzt!"
Sie wandte sich ab und blickte gerade aus.
Doc strich sich mit der Zunge nervös über die Lippen.
„Rango", begann Bohne. „Es war eine schöne Zeit… versteh… versteh mich nicht falsch… Ich…"
Rango konnte sich nicht erklären, was sie wollte.
„Du weißt, ich…", wieder musste Bohne innehalten. „Ich liebe dich."
Jake rasselte mit seiner Schwanzspitze.
„Ich- ich liebte dich. Und… ich werde immer an unsere schöne Zeit denken… aber… ich glaube… es wird das Beste sein, dass…"
Sie schwieg einen Moment.
Jake hob die Augenbrauen, als Rango etwas Schlimmes ahnte.
Er grinste. Du wirst für meine Niederlage bezahlen.
„Aus diesem Grund…", fuhr Bohne fort. „Wäre es das Beste, dass wir von nun an getrennte Wege gehen."
Doc schluckte und versuchte so wenig wie möglich auf Rango zu sehen und starrte an die Zimmerdecke.
Bohne unterdessen hatte Mühe ihre Augen auf Rango gerichtet zu halten. Am liebsten hätte sie weggeschaut, aber wenn das ihr letzter gemeinsamer Moment war, so wollte sie die Chance nutzen ihn von Angesicht zu Angesicht anzuschauen.
Bill saß sprachlos im Bett und verstand gar nichts mehr. Das war alles total untypisch für Bohne. Wenn sie sauer auf ihn wäre, so wäre sie doch laut. Aber dieses „Tut mir leid, ich verlasse dich" war eindeutig gezwungen.
Rango indes lag wie erstarrt im Bett und sah Bohne ungläubig an.
„W-was sagst du da?"
„Wie ich es gesagt habe", antwortete Bohne. „Wir können nicht mehr zusammen sein."
„Warum nicht?!", fragte Rango lauter.
„Tut mir leid, kleiner Mann", meinte Jake und schob Bohne mit seiner Waffe mehr zu sich heran. „Sie hört jetzt zu mir."
Rango schaute Bohne mit weiten Augen an, die in Jakes Schlingen stand mit gesenktem Blick.
Das Chamäleon war wie gelähmt. Nur Jake grinste kühl. Für ihn war es eine Freude in die Augen seines Rivalen zu schauen.
„D-das kannst du nicht…", stotterte Rango. „Wir hatten eine Abmachung, du weißt…"
„Ja, wir hatten eine Abmachung, solange du mir keinen Ärger machst. Und du wolltest mir Ärger machen, oder etwas nicht?"
„Nein… ich wollte nur…"
„LÜG NICHT!", brüllte Jake.
Jeder im Raum erstarrte. Niemand wagte mehr ein Wort zu sagen. So langsam wurde Jake wieder ruhiger und wandte sich wieder an Bohne. „Es war ihre eigene Entscheidung, oder etwa nicht?"
Bohne nickte. „Ja, das war es."
Rango schüttelte den Kopf. „Aber… aber…"
„KEIN ABER!", unterbrach Jake ihn laut. „Meine Abmachung mit ihr ist hieb und stichfest."
Rango sah zu Bohne, in der Hoffnung sie würde etwas noch sagen. Aber ihre Lippen blieben geschlossen.
„Du… du meinst…" Rango wollte es nicht aussprechen. „Was meinst du damit?"
Jake rollte gelangweilt die Augen. „Das bedeutet, kleiner Mann, dass sie jetzt mit mir zusammen ist und nicht mehr mit dir. Und wenn du es noch genauer haben willst, sie wird von jetzt an bei mir leben und du hast kein Recht in ihre Nähe zu kommen. Hast du das jetzt kapiert?!"
Stille trat ein. Rango sah Bohne in die Augen und diese sprachen deutlich „Ja, es ist wahr."
„Äh, die verlässt dich aber sehr früh", sagte Bill, versteckte sich aber kurz darauf schnell unter der Bettdecke, als Jake ihn wütend anzischte.
„Ich denke, dazu gibt es nichts Weiteres zu sagen, oder?", fragte Jake.
Doc sah Rango von der Seite an. „Äh… Mister Rango?"
Der Arzt erschrak, als er Rangos zitternde Hände bemerkte.
„Mister Rango, nicht aufregen, ganz ruhig bleiben. Ganz ruhig durchatmen. Mister Rango! Grund gütiger. Nehmen Sie es nicht so schwer!"
Rango war blass geworden, genauso wie sein Körper. Es fiel ihm schwer zu atmen.
Über Jakes Gesicht glitt ein teuflisches Grinsen. Es erfüllte ihn mit Stolz das ganze Leiden zu erblicken. Es machte ihn zufrieden.
„Oh Gott!" Doc griff nach einer Spritze und injizierte sie in Rangos Arm.
Sekunden später rollte Rango die Augen nach hinten und fiel in einen tiefen Schlaf.
Jake kicherte und schob Bohne zur Tür. „Gehen wir. Ich denke, unser Patient braucht seinen Schlaf."
Bohne blickte ihn traurig an, aber sie nickte. Doch bevor Jake den Raum verließ, drehte er sich noch einmal um.
„Und du…!"
Bill zog den Kopf ein.
„Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen."
„Du kannst mich nicht töten", wandte Bill hoffnungsvoll ein.
„Vielleicht nicht ich… aber ich könnte jederzeit jemand anderen beauftragen. Es gibt genügend Jäger in diesem Land, die froh sein werden jemanden wie dich um die Ecke zu bringen."
Bill wurde blass. Daran hatte er nicht gedacht.
Jake grinste dunkel. „Ich hoffe der kleine Mann erleidet keinen Herzinfarkt."
Mit diesen Worten verschwand er durch die Tür. Doc checkte Rango nochmal kurz durch, um sicher zu gehen keine Komplikationen übersehen zu haben. Danach verließ auch er den Raum. Er warf Bill einen mitleidigen Blick zu, dann schloss er die Tür.
Für einen Moment war Bill unfähig sich zu rühren. Dann schlug er die Hände über den Kopf.
„VERDAMMT!"
Er sah zu Rango rüber, der im gegenüberliegenden Bett schlief.
„Bitte, werde schnell wieder gesund!", flehte Bill.
