Dies ist das zweite Kapitel heute. Vergewissert euch doch kurz, dass ihr nichts übersprungen habt. Viel Spass beim Lesen!

24. Tom POV

Heute ist Mittwoch und ich habe frei. Das ist das Schöne an Schichtendienst.

Ich stehe um halb zwölf Uhr auf und gehe dann gleich einkaufen. Seth ist nicht wirklich begabt darin, denn immer wenn ich ihm eine Einkaufsliste gebe, kommt er nachher mit allem anderen ausser den geforderten Sachen zurück.

Nachdem ich alles zu Hause eingelagert habe, ginge es noch eine halbe Stunde, bis Seth eintrifft, doch stattdessen erscheint er mit zwei Auroren: Theodore Nott und Anthony Goldstein. Beide haben ihre Zauberstäbe gegen mich erhoben. Verwirrt sehe ich Seth an, doch dann beginnt Nott schon zu sprechen: "Tom Riddle, Sie sind hiermit verhaftet!" Enge magische Seile binden sich von Zauberhand um meine Handgelenke und Unterschenkel. Beinahe falle ich hin, doch ich kann mich knapp noch halten. "Was...?", bringe ich zustande. Diesmal spricht Goldstein: "Die folgenden Punkte werden Ihnen vorgeworfen: Mord an über 200 Personen, wiederholter Gebrauch aller drei unverzeihlichen Flüche, Terrorismus, Menschenhandel, Bestechung und Gebrauch von schwarzer Magie an öffentlichen Orten." Ich ignoriere die Auroren und sehe weiterhin Seth an, doch dieser weicht meinem Blick aus und nimmt meinen Stab vom Tisch, damit ich ihn nicht mehr erreichen kann.

Ich habe mich nicht gewehrt, als sie mich abgeführt haben. Andere Leute müssten Monate lang auf ihre Verhandlungen warten, doch ich werde gleich als erstes verhört. Mit unnötiger Gewalt flössen sie mir das Veritaserum ein.

"Nennen Sie Ihren vollständigen Namen." - "Tom Salazar Mikaelson, geboren Slytherin-Gryffindor." Wenn man Veritaserum intus hat, vergisst man alles andere ausser den Fragen, die man beantworten soll, deswegen beantwortet man sie auch richtig. Nach und nach fragen sie mich alles ab und ich bekenne mich zu fast jedem Punkt schuldig.

"Das Urteil ist gefällt. Im nächsten Monat wird er den Dementoren vorgeführt. Werft ihn in die Hochsicherheitszelle 15." Die Auroren führen mich weg. Ich verstehe nicht, warum das alles passiert.

In einem grossen, weissen Raum wird mir befohlen, die Hände an die Wand zu legen.

"Du wirst dir das, was jetzt kommt, vermutlich gewöhnt sein, Veela. Gehorchst du nicht - Strafe. Weigerst du dich - Strafe. Antwortest du nicht - Strafe. Klar?" Ich nicke und bejahe leise, dann zieht mich ein Mann mit einem Arztkittel aus, indem er meine Kleidung einfach durchschneidet. Mit einer komischen Brause kommt er zu mir und richtet den Strahl auf mich. Ich nehme an, dass es Wasser ist, doch eine Sekunde später wird mir bewusst, dass es ein Desinfektionsmittel ist. Ich arbeite im Krankenhaus, ich weiss sowas. Das Mittel brennt in den Augen, in den Lungen und auf meinen Flügeln, aber ich sage nichts.

Der Mann gibt mir eine Gefängnis Montur, bestehend aus einem grauen, mir viel zu grossen Shirt und einer dunkelroten, ebenfalls überdimensionierten Hose. Die Farbe der Hose ist dazu da, dass man schneller sehen kann, wer welches Wesen hat. So muss man Veelas zum Beispiel nicht verpflegen und man muss sie sich nicht waschen lassen, weil das der Körper selbst übernimmt.

Der Mann im Kittel lacht und fragt höhnisch: "Willst du Weiberklamotten? Die wären sogar dir klein genug!" - "Nein", sage ich, auch wenn mir klar ist, dass das keine ernste Frage gewesen ist. Die Auroren, die die ganze Zeit dabei gewesen sind, bringen mich in eine Zelle am Ende eines langen, kalten Flures. Einer läuft vor mir, der andere hinter mir. Von links und rechts höre ich leises Wimmern. Ob ich bald auch so weit sein werde?

Erneut mit unnötiger Gewalt werfen mich die Wachen praktisch in die Zelle, dann knallt die Tür zu.

"Tom?", flüstert eine Stimme und ich schrecke hoch. "Wer ist da?!", frage ich scharf. "Ich. Sev", sagt die Stimme. Ich taste nach ihm und er fällt mir in die Arme. An der Wand kann ich noch zwei schemenhafte Gestalten erkennen, also frage ich: "Wer noch?" - "Luc und Bella", antwortet Sev. "Oh", murmle ich unsicher.

"Ihr kennt euch?", fragt Lucius. Offensichtlich ist die Information, wer ich bin, noch nicht hier angekommen. "Mhm", sagt Severus, "Wann hast du deine Verhandlung?" - "Hatte ich schon. Ich bekomme die Dementoren, wer hätt's gedacht?", sage ich ohne grosse Reue in der Stimme.

Severin schweigt eine Weile, bevor er leise fragt: "Was ist mit Tizian? Ich meine... er kann dich hier mit der Harry Potter Masche doch bestimmt rausholen?" - "Haben wir uns tatsächlich so lange nicht mehr gesehen? Tizian hat mich verstossen", sage ich mit einem bitteren Tonfall. Überrascht fragt Sev: "Warum lebst du dann noch?" - "Ich bin der Schwiegersohn vom Teufel. Das bringt Unsterblichkeit mit sich. Luzifer konnte das meinem Dad doch nicht antun, er braucht ihn ja noch." - "Wann hat er dich verstossen?" - "Ein Jahr nach der Bindung, also '97. Aber ich habe einen anderen Dämonen geheiratet. Den, der mich verraten hat." - "Warum?" Ich zucke mit den Schultern.

In einem Versuch, das Thema zu wechseln, frage ich: "Und du? Was ist mit Nev?" - "Tot. Seit einer Woche. Seither bin ich hier." - "Tut mir leid..." - "Du kannst ja nichts dafür. Greyback hat ihn bei einem Einsatz umgebracht."

Dann schweigen wir. Nach einer Stunde geht die Tür auf und eine junge Frau steht da. "Hübsches Ding", raune ich zu Sev. Dieser sieht mich strafend an. Er steht auf und geht mit ihr und einem Wächter mit. Als er wieder kommt, frage ich gleich: "Wie kommt es, dass dich eine solche Schönheit besuchen kommt?" - "Das ist meine Tochter, Tom", erwidert Severin trocken. "Was?!" Lucius lacht leise von seiner Ecke aus.

"Ich erkläre dir das mit der Aufklärung gern nochmal, Tom, aber...", grinst Severus. Trotz der unschönen Lage, in der ich mich befinde, lache ich: "Schon gut, schon gut. Hast du noch mehr Kinder?" - "Ja. Zwei. Sanya - sie ist eine Veela und zehn Jahre alt - und Mirko - er ist ein Mensch und wird bald sechs." - "Und sie, die gerade hier war?" - "Das war Nadja. Sie ist auch ein Mensch und 18 Jahre alt. Sie passt jetzt auf die Kleinen auf. Zusammen mit Augusta."

Es vergehen ganze vier Tage, bis die zwei andern rausfinden, wer ich war. Als erstes schlägt Lucius mich ins Gesicht. Ich glaube, er hat meine Nase gebrochen. Bellatrix reagiert auch nicht sehr freudig. Ab da lerne ich, wie gut ich die beiden zum Foltern ausgebildet habe.

Bella ist noch nie eines ihrer Opfer zu früh gestorben, aber nach vier Wochen kann ich sagen, dass es vermutlich bald passieren wird. Zahllose Schläge ins Gesicht, auf meine Hände. Lucius kugelt mir die Arme immer wieder aus und ein. Bella bricht jeden einzelnen Knochen in meinen Händen und Zehen. Immer, wenn ich schreie oder weine, würgt Bella mich so lange, bis ich ohnmächtig werde. Damit ich aufwache, tritt sie mir immer in den Brustkorb. Lucius vergewaltigt mich beinahe täglich und oft hält er mich fest, damit mir Bella mit einem Gitterstab, der aus der Tür herausgebrochen worden ist, schreckliche Schmerzen zufügen kann.

Ich bin so unendlich froh, als die Wächter mir sagen, dass ich nun den Kuss bekomme. Mit meinen zertrümmerten Rippen und den gebrochenen Zehen kann ich nur sehr schlecht gehen, aber immer, wenn ich zu langsam werde, wird mir mit einem Rohrstock auf die Waden geschlagen.

Tizian und Luzifer sind beide gekommen, um bei meiner Hinrichtung zuzusehen. Ich sitze auf dem Stuhl, auf dem ich meine Seele verlieren soll, als ich plötzlich meinen Vater sehe und dann bewusstlos werde.

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Ich erwache in einem weissen Bett. Es ist warm und hell und irgendjemand hält sachte meine Hand. Sie schmerzt nicht!

Es ist Dad. Er ruft nach Delmore, der mir Punkt für Punkt erklärt, wo ich überall verletzt bin. Dass ich nun für immer heiser bin, ist mir eigentlich egal. Ich bin nur froh, dass ich von Bella und Lucius weg bin.

Dad und Delmore gehen nach dem Gespräch aus dem Raum. Luzifer bleibt bei mir.

"Ich sage dir gleich im Vorraus: Das Ganze war Tizian Idee. In der Zaubererwelt bist du offiziell tot, hier bist du vogelfrei. Das heisst, wenn dich jemand umbringt oder foltert, kann das rechtlich nicht verfolgt werden. Zu deinem Schutz lasse ich dich hier wohnen. Tizian möchte aber nicht, dass das ohne Gegenleistung geschieht. Du wirst für die anderen Sklaven ein Sklave sein. Du kochst für sie und du sorgst dich um ihr körperliches Wohl. Wir haben einen neuen Sklaven; Azrael. Ihn wirst du von deinem Blut trinken lassen. Und Skkylar auch, wenn er das wünscht." Ich senke meinen Kopf und frage vorsichtig: "Gehöre ich dafür wenigstens nicht mehr Tizian?" - "Ja. Du gehörst nur noch den anderen. Sie sind auch diejenigen, die deine Regeln aufstellen und dich bestrafen. Aber keine Angst, dein Dad wird dich sicherlich beschützen." Ich nicke leicht.
"Muss ich jetzt gleich anfangen?" - "Wenn Delmore grünes Licht gibt, ja." Nochmals nicke ich.

"Muss ich dich Master nennen?" - "Nein." - "Und Tizian?" - "Nein." - "Die anderen?" - "Nur wenn sie das wollen, aber ich bezweifle es. Für viele Veelas ist das unangenehm. Vielleicht bestehen Azrael, Peter, Iskandar und Skkylar darauf." Wieder nicke ich. Ich glaube nichtmal, dass es allzu schlimm wird. Natürlich freue ich mich nicht, aber ich kann endlich wieder bei Dad sein.

Dieser fällt praktisch ins Zimmer, als Luzifer die beiden wieder reinlassen will, und kommt gleich zu mir. "Es tut mir so leid, Tom!", beginnt er gleich, aber ich schüttle nur den Kopf. "Ist schon gut, Dad. Deine Freunde sind ganz sicher besser als Bella und Lucius." - "Das hoffe ich doch."

Delmore grinst: "Hey, Ric, du hättest eigentlich draussen bleiben sollen. Ich muss Tom noch untersuchen und ich gehe nicht davon aus, dass er will, dass du alles siehst, also husch!" Mit einem bösen Blick zottelt Dad davon. Luzifer geht mit ihm.

Delmore erklärt :"Irgendwie musst du jetzt dort hinüber gelangen. Willst du versuchen zu laufen oder soll ich dich tragen?" Normalerweise hätte ich gesagt, dass ich laufe, aber...
"Ich glaube nicht, dass ich laufen kann..."

Delmore hebt mich hoch und setzt mich auf dem Gynäkologenstuhl ab, der hinter einem Vorhang steht. Mit beruhigender Stimme sagt er: "Du brauchst nicht nervös zu sein, okay?" Ich nicke. Ich habe lange genug als Heiler gearbeitet, dass ich ungefähr weiss, was auf mich zukommt. Mit einem kurzen Schwenken seines Zauberstabes nimmt er mir die Kleidung ab.

Delmore berührt mich sehr vorsichtig und ich bleibe entspannt. Zumindest bis er das Spekulum zückt. Ruhig meint er: "Entspanne dich, dann tut's auch gar nicht weh. Gut so. Achtung, nicht erschrecken, es ist etwas kühl." Langsam drückt er das Ding in mich rein, dann spreizt er es langsam. So viel zum Thema 'es tut nicht weh'.

"Es ist stark verkrustet, aber eine Infektion hast du nicht." Delmore drückt in mir rum. "Die Muskulatur sieht auch viel besser aus als noch vor einem Monat. Sehr gut", schliesst er ab, während er das Eisending wieder aus mir raus nimmt und mir normale Kleidung gibt, "Du kannst gehen." Delmore stützt mich, damit ich aufstehen kann. Es geht überraschend gut. "Oh. Ich kann ja doch laufen", bemerke ich. Delmore grinst.

Dad sieht ziemlich nervös aus, als er mit mir in die Quartiere runter geht. Es ist Mittag, also dürften noch nicht so viele wieder zurück sein.

Tatsächlich sind nur Skkylar, Liam, Sahir mit zwei kleinen Kindern in den Armen, Aley und einer, den ich nicht kenne, da. Liam sitzt rittlings auf Skkylars Schoss, hat seine Arme um dessen Hals geschlungen und sieht aus, als würde er an Skkylars Schulter schlafen. Der Vampir streichelt Liam sanft über den Rücken, aber dieser hebt den Kopf, als er Dad und mich hört.

"Hallo Tom, schön, dass du auch wieder da bist", lächelt der Vampir freundlich. Unsicher lächle ich zurück. Wissen sie schon, dass ich jetzt ihnen gehöre?

"Ich habe es ihnen schon erzählt", sagt Dad auf meine unausgesprochene Frage hin. Skkylar nickt und beruhigt mich lächelnd: "Keine Angst, wir werden dich schon nicht zu sehr umherscheuchen. Azrael wird dir später sagen, was du zu tun hast." Ich hoffe, es ist nicht allzu demütigend. Dad zieht mich neben sich auf ein Sofa. Die anderen haben je ein eigenes belegt.

"Wer bist du?", frage ich den Fremden leise. Ich glaube nicht, dass ich überhaupt noch laut sprechen kann. Dieser antwortet, während er mich neugierig mustert: "Ich bin Iskandar." Überrascht sehe ich Sahir an. War ich wirklich so lange weg? Das letzte Mal, als ich Iskandar gesehen habe, war er ein kleines Baby! Leise mache ich: "Oh..." Sahir lacht: "Nicht nur bei dir sind sechzehn Jahre vergangen, Tom!" - "Kennen wir uns etwa?", fragt Iskandar überrascht. "Ich habe dich ein- zweimal gehütet, als du noch ein kleines Kind warst", erkläre ich. "Ach so. Kennst du alle anderen?" - "Azrael nicht. Alaric kenne ich nur aus Dads Erzählungen und mit dir, Aley, habe ich glaub auch noch nie ein Wort gewechselt." - "Vermutlich nicht", sagt Aley nickend.

"Geht es dir besser?", fragt Skkylar, "Ich meine... Ich habe gehört, was du alles gebrochen, verstaucht und gerissen hattest." - "Ich lebe noch. Schläft Liam?" - "Tief und fest. Ich habe ihn gestern bis um halb drei Uhr morgens angeschrieen, dann bin ich gegangen. Ich denke, er hat in der Nacht kein Auge zugetan." - "Was hat er denn getan?", fragt Sahir verwirrt. Mit einem liebevollen Blick auf der Kleineren erzählt Skkylar: "Er war gestern bis um halb zwölf bei Dana, ohne mir was zu sagen, und aus diesem Grund bin ich etwas ausgetickt. Als ich am Morgen wieder hier war, war er schon an seinen Aufgaben dran und als ich auch fertig war, schlief er auch schon."

"Seit wann muss Liam um deine gnädige Erlaubnis bitten, irgendwohin gehen zu dürfen?", fragt Iskandar irritiert. "Das muss er nicht, aber er muss es mir mitteilen und das weiss er auch. Ich glaube, er hat gedacht, dass ich es verbiete, wenn ich weiss, dass er sich mit Dana trifft."

"Ist Dana jemand, den ich kennen muss?", frage ich. "Sie ist meine zweite Exfrau", antwortet Skkylar. "Oh, habe ich noch Cousins?" - "Ja. Vier. Zwei Cousinen und zwei Cousins. Und von seitens Godric hast du noch viel mehr."

"Wir Veelas sind eh alle irgendwie miteinander verwandt", sagt Sahir. Eines seiner Kinder beginnt zu schreien und eine Sekunde später auch das andere. "Sie heissen übrigens Layla und Amir", informiert mich Dad, während Sahir die beiden je auf einer Seite saugen lässt.

Plötzlich fällt mir was ein: "Dann warst du der mit einer Eileiterschwangerschaft, die Sirius und Dave um Neujahr herum operiert haben?" - "Exakt. Woher weisst du das?" - "Ich bin ziemlich gut mit Dave befreundet. Er hat's mir erzählt." - "Wie kommt es, dass du mit dem befreundet bist?", fragt Sahir irritiert. "Keine Ahnung. Wir haben lange auf dem selben Stock im Mungos gearbeitet, da lernt man sich eben kennen."

Liam seufzt leise und bewegt sich leicht, dann wacht er auf. "Guten Morgen", sagt Skkylar leise. Er streichelt über Liams Kopf. Liam zuckt zusammen und geht ein bisschen von Skkylar weg. "Master...? Es tut mir so leid, dass ich einfach gegangen bin. Bist du mir noch böse?", fragt er gleich. "Natürlich nicht", antwortet Skkylar und küsst Liam zärtlich auf den Mund, "Was wolltest du eigentlich bei Dana?" - "Ich wollte... also... sie... und..." Liam verstummt und Skkylar sieht ihn skeptisch an.

"Was wolltest du?", wiederholt der Vampir. "Ich wollte, dass sie etwas für mich verzaubert." - "Und warum hast du nicht Aley oder Taron gefragt?" - "Ich wollte Dana besuchen. Ich mag sie." - "Aha. Wenn ich fragen darf: Was sollte sie denn für dich verzaubern?" - "Das will ich nicht sagen." Liam sieht Skkylar treuherzig an und dieser schmilzt dahin. "Na gut, solange du dich nicht daran verletzt..."

Eine Weile schweigt Liam, doch dann entscheidet er, dass es Skkylar trotzdem wissen darf. Er geht von dessen Schoss weg und bemerkt dann erstmal, dass wir auch noch da sind. Kurz sagt er hallo, dann verschwindet er in seinem Zimmer. Kurz darauf kommt er wieder und setzt sich diesmal neben Skkylar auf das Sofa. Ich kann eine kleine Holzbox erkennen.

"Mach auf", fordert Liam. Vorsichtig öffnet Skkylar die kleinen Verschlüsse.

Skkylar lächelt, als er das Hauswappen von Slytherin erkennt. Es ist eine hübsche, silberne Taschenuhr... Moment. Silbern?!

"Ist das Silber, Liam?", fragt Skkylar in diesem Moment zögerlich. "Nein, das ist Weissgold. Ich will dich nicht gleich umbringen, keine Angst!" Skkylar grinst und nimmt die Uhr aus ihrer Schachtel. Alle beugen sich vor, um sie richtig zu sehen. Beeindruckt sehe ich sie an. Das Grün ist Smaragd und die schwarzen Steine scheinen Onyx oder Obsidian zu sein.

"Darf ich sie mal rausnehmen?", fragt Skkylar. "Natürlich, ich habe sie für dich gemacht." - "Echt? Danke!", sagt Skkylar fröhlich und küsst Liam sehr kitschig. Liam ist aber noch nicht fertig und sagt: "Die Kette ist nicht das eigentliche Geschenk. Man kann sie aufmachen, siehst d-... Au! Verdammt!" Liam zieht seine Hand zurück und schüttelt sie wie wild. "Ach Liam, die schwarzen Steine sind doch nicht etwa Onyx, oder?" - "Doch! Ich habe es Veelasicher gemacht, ich Idiot! Du musst sie selbst aufmachen. Ich habe mich verbrannt!" Skkylar erfasst Liams Hand und nimmt den verbrannten Finger kurz in den Mund. Schon ist alles verheilt. Erleichtert sagt Liam: "Danke." Skkylar öffnet nun das Medaillon.

Es scheint mehrere, sehr schmale Öffnungen zu haben. "Hast du die Bilder selbst gezeichnet?", fragt Skkylar mit zusammengekniffenen Augen, um die Sujets besser erkennen zu können. "Ja, aber das ist auch nicht der Sinn der Kette. Puste mal auf das Bild, das du jetzt siehst." Skkylar gehorcht und plötzlich schiesst ein Lichtstrahl aus dem Medaillon.

Liam, der sich nun die langen Ärmel seines Pullovers über die Hände gezogen hat, um sich nicht nochmals zu verbrennen, richtet das Licht auf die weisse Wand. Plötzlich können wir alle einen kleinen Film erkennen: Es sind Skkylar und eine mir unbekannte Frau, die sich innig Küssen. Dann kommen zwei kleine Kinder angerannt. Beide lachen laut und springen ihren Eltern in die Arme. Als alle vier in die Kamera lachen, ist der Film zu Ende.

Ungläubig starrt Skkylar die Wand an, die nun nur noch das unbewegte Bild der lachenden Familie zeigt. "Oh Liam! Das ist ja wundervoll!", sagt Skkylar und küsst Liam gleich nochmal. Etwas selbstgefällig grinst Liam: "Arno hat mir viele Erinnerungen gegeben, die ich in der Bibliothek im Denkarium aussortiert habe. Er war ja schon der Sklave deiner Eltern. Mach mal die erste Erinnerung auf!" Wieder wird ein Video projiziert. Ein kleiner Junge, der mit einem schwangeren, muskulösen, Riesenveela spielt. Der kleine Junge gibt sich grosse Mühe, das mit ein paar Kernen errichtete Kunstwerk des Älteren immer wieder aufs Neue zu zerstören, bis der Ältere genug davon hat und den Kleinen auf seine Schoss nimmt.

"Bin ich der Kleine? Oder ist das Salazar?", will Skkylar wissen. "Nein, nein, das sind du und Arno." Der Film geht aber noch weiter.

Kurz nachdem dieser Arno Skkylar auf die Schoss genommen hat, steht er auf und bringt den kleinen Jungen zu zwei ungefähr 25-jährigen Leuten in noch altmodischerer Kleidung als Arno. Die Frau nimmt Arno den kleinen Skkylar lächelnd ab. Der Mann lächelt die Frau und dann Skkylar an, dann ist auch dieser Film fertig.

"Ohje, warst du süss", quietscht Dad kindisch und mädchenhaft. "Du zerstörst die Schönheit des Augenblickes, Ric", sagt Sahir todernst.

"Sind alle Erinnerungen so, dass ich sie hier zeigen kann oder ist noch was sehr Privates dabei?" - "Das Schlimmste ist Knutschen. Und die Drittletzte würde ich nicht zeigen. Das ist nämlich unsere Bindung."

Die dritte Erinnerung zeigt Skkylar, wie er mit Arno rumknutscht. Skkylar beginnt zu lachen: "Oje. Daran kann ich mich sogar noch erinnern!" - "Wie alt ist Arno eigentlich?", fragt Liam. "Etwa 300 Jahre jünger als Ric. Er ist Onyx' Kind und er hat meinem Grossvater gehört." - "Moment mal. Wenn Arno dein Grossvater war, dann war er ja auch Vaters Grossvater und Dad stammt direkt von Onyx ab, dann müsste ich...!", interveniere ich. "Nein, nein. Arno war nur der Sklave meines Grossvaters. Er hat keine Kinder von ihm."

"Von jemand anderem schon?", will Liam wissen. "Ja. Früher hat man noch Sklaven gezüchtet und Arno war sehr viele Male schwanger." - "Das ist barbarisch", bemerkt Liam. Skkylar zuckt mit den Schultern und meint: "Die Muggel finden Sklaverei an sich schon barbarisch."

Kurz darauf geht die Tür auf und ein grosser Mann mit einer dunklen Sonnenbrille steht da. Lange richtet er seinen Blick auf mich, dann beginnt er einschüchternd zu grinsen. Instinktiv ziehe ich den Kopf ein.

"Lass ihn in Frieden, Azrael", befiehlt Skkylar. Azrael wendet seinen Kopf kurz zu Skkylar, dann wieder zu mir und sagt: "Na gut. Dann werde ich dir eben erst die Regeln mitteilen. Die Veelas waren so nett und haben das Peter, Iskandar, Skkylar und mir überlassen. Erstens: Die von uns, die das wollen, sprichst du richtig an, also mit 'Master' und dem Nachnamen. Iskandar und Skkylar wollen das. Und ich natürlich. Iskandar heisst al Mecca, Skkylar heisst Slytherin und ich heisse Morgan. Zum Zweiten sollst du für die, die was essen wollen, Frühstück, Mittag- und Abendessen zubereiten. Drittens: Wenn dich jemand ruft - Aley wird über dich gleich noch den gleichen Zauber sprechen, den Luzifer über uns gelegt hat - musst du zu uns kommen. Viertens: Am Donnerstag hast du jeweils frei. Da kannst du auch schlafen solange du willst, sonst werfe ich dich jeweils um sieben aus dem Bett. Fünftens: Wie du sicherlich bemerkt hast, sind Skkylar und ich Vampire. Du musst jeden Tag entweder mir oder ihm von deinem Blut geben." Ich weiss von Dad, dass das ziemlich weh tun kann, trotzdem nicke ich. "Der letzte Punkt betrifft nur Iskandar und mich. Du wirst auch für unser körperliches Wohl verantwortlich sein, wenn du weisst, was ich meine. Ich weiss, dass du verletzt bist, deswegen lassen wir das in nächster Zukunft noch sein." Aley sieht etwa gleich fassungslos aus, wie ich mich fühle. Azrael nickt, er ist seine Rede in seinem Kopf wohl nochmals durchgegangen und hat keine Mängel gefunden. Abschliessend sagt er: "Wunderbar, das war's."

Sahir sagt: "Ich habe noch eine Bitte. Du musst es nicht tun, aber könntest du vielleicht auf Amir und Layla aufpassen, wenn sonst keiner da ist? Normalerweise können sie jeweils dort in der Ecke spielen und Aley macht einen Überwachungszauber hin, aber ehrlich gesagt ist mir das nicht so ganz geheuer. Wie gesagt: Du musst das nicht machen, wenn du nicht willst." - "Doch, doch, das kann ich machen", sage ich nickend.

"Was ist mit deiner Stimme passiert?", will Liam wissen, während Aley Iskandar immer noch ungläubig anstarrt. "Meine Stimmbänder sind kaputt gegangen", sage ich leise und versuche mich zu räuspern, aber wie schon die tausend anderen Versuche bringt es auch jetzt nichts. "Oh. Wird das wieder gut?" - "Nein."

Gleich am Abend koche ich zum ersten Mal für die anderen. Ich habe alle gesucht und dann gefragt, ob sie was essen wollen. Nur Iskandar und Peter wollen das. Iskandar hat gesagt, dass ich Spaghetti und Tomatensauce machen soll und Peter war auch damit einverstanden. Die beiden sind zufrieden damit und ich bin ziemlich froh darum. Azrael hat mir nicht gesagt, wie und ob ich bestraft werde, aber eigentlich will ich es auch gar nicht rausfinden.

Nach dem Nachtessen teilt Belle uns mit, dass sie eine Halloweenparty organisieren sollen und danach kommt Azrael wieder zu mir. Herrisch sagt er: "Du schuldest mir noch ein paar Schlucke Blut. Lege deinen Kopf auf die rechte Seite." Ich tue es, spanne mich aber an und kneife die Augen zusammen. "Wenn du bitte nicht so aussehen würdest, als würde ich dich jetzt gleich umbringen..." Ohne auf eine Reaktion zu warten, beisst er zu. Es tut nicht so weh, wie ich gedacht habe. Nur langsam spüre ich, wie es mir schwarz vor Augen wird.

Plötzlich bin ich wieder hellwach. Dad sitzt neben mir und hat seine Arme um mich geschlungen. "Morgen, Tom", sagt er leise. "Dad...? Ich dachte immer, dass man Kopfschmerzen hätte nachher?" - "Ich habe dir von meinem Blut gegeben. Das sollte auch deine Schmerzen im Unterleib eindämmen", sagt Azrael ruhig. "Oh. Danke." Azrael sieht mich streng an. Ich überlege, was ich wohl falsch gemacht habe, dann fällt es mir ein: "Ach so. Danke, Master Morgan?" - "Das wollte ich hören."

"Bekomme ich eigentlich Strafen?", frage ich nun vorsichtig. "Willst du etwa?" - "Nein, Master Morgan." - "Gut, dann gib uns keinen Anreiz dazu, etwas zu erfinden, ich bin nämlich unheimlich unkreativ." Schnell nicke ich.