Coruscant – Zentrale der ExGal-Gesellschaft – zwei Wochen nach Beginn der Yuuzhan Vong-Invasion

Das Gebäude der Zentrale der ExGal-Gesellschaft auf dem Hauptstadtplaneten lag im vornehmen Manarai-Distrikt – ziemlich nah an der Grenze zum wesentlich lauteren Uscru, was Danni Quee auch daran sah, dass es hier viel mehr fliegende Händler und Garküchen auf der Straße gab als in Richtung zur Monument Plaza, wo sich die Bankengebäude tummelten. Der bogenförmige Eingang des aus altertümlichen roten Backsteinen bestehenden Gebäudes stand offen und Danni fragte sich, wie lange das wohl noch so bleiben würde.

„Ah, Mrs. Quee!", begrüßte sie der Portier von seinem Raum aus, von dem aus sich die Eingangshalle gut überblicken ließ. „Ich habe von Belkadan gehört. Mein Beileid."

Es war drei Jahre her, dass sie hier gewesen war, und dies auch nur kurz, um sich auf ihre Mission auf Belkadan vorzubereiten. Deshalb schmeichelte es ihr, dass sich der Pförtner immer noch an sie erinnerte.

Danni lächelte den Mann an. „Danke. Es muss ja weitergehen. Ich habe einen Termin bei Dr. Terklik."

Sie ging durch den großen, breiten Flur, bog rechts ab und fuhr dann mit dem Repulsorlift in den Keller. Sie fand es im Flur des Kellergeschosses sogar noch heller als oben. Die Luft war angenehm temperiert und hin und wieder lief jemand an ihr vorüber. Alles war vollkommen normal – der in mäßigem Tempo dahinfließende Arbeitsalltag in der Zentrale einer wissenschaftlichen Einrichtung eben. Trotzdem kroch ein Grauen in ihr hoch – gerade weil alles so normal aussah. Denn auch auf Belkadan hatte alles normal gewirkt, obwohl der Maulwurf längst am Werk gewesen war.

Eine Twi'lek, vielleicht ein, zwei Jahre jünger als sie, kam ihr entgegen, die Haut hellblau genau wie ihre Augen.

„Suchen Sie irgendwen?", fragte die Twi'lek.

„Ähm, nein, ich möchte zu Dr. Terklik."

„Der ist im Raum 26."

Danni nickte schnell. „Ja, danke. Weiß ich."

Es war ihr unangenehm, dass ihr die Twi'lek ihr Unbehagen und die damit verbundene Unsicherheit angesehen und vollkommen falsche Schlüsse daraus gezogen hatte. Oder hatte sie vielleicht gespürt, was Danni umtrieb und ihr eine Fangfrage gestellt? Wäre es möglich, dass die Yuuzhan Vong nicht nur Menschen nachahmten, sondern auch andere Spezies? War der Feind bereits hier auf Coruscant? Aber Yomin Carr war älter gewesen als sie. So junge Agenten – unmöglich!

Sie spürte, wie sie unwillkürlich ihre Schritte beschleunigte. Ganz ruhig bleiben und am besten nicht mehr daran denken. Würde sich so etwas wiederholen?

Nicht mehr daran denken.

Danni in betrat den Obduktionsraum der Abteilung Exo-Biologie der ExGal-Gesellschaft. Professor Tennan Terklik, der Leiter dieser neugegründeten Abteilung, stand genau hinter der Tür und klopfte ihr zum Gruß auf die Schulter.

„Willkommen daheim, Danni."

Hinter Terkliks fülliger Silhouette waren Anfang und Ende des Obduktionstisches, des zentralen Elements dieses Raumes, sichtbar. Danni wünschte, ihr Kollege würde noch ein paar Augenblicke so stehenbleiben, auf dass sie sich besser fassen könnte, bevor ... „Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung, Tennan."

Glanz trat in seine Augen. „Danke. Ja, das sind schon aufregende Zeiten. Ich wusste immer, dass etwas aus Ihnen werden würde. Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass Sie uns eines Tages ein paar nette Bilder von außergalaktischen Himmelskörpern präsentieren würden, aber dieses Exemplar hier ist wirklich ein Prachtstück – Vielen Dank!"

Er trat zur Seite und endlich wurde der Obduktionstisch vollständig sichtbar. Danni nahm eine Hand in die andere. „Nun, ich wünschte, es wären andere Umstände, aber …"

Terklik bemerkte ihr Zögern und machte eine einladende Geste hin zum Tisch. „So kommen Sie doch näher."

Danni blieb in Türnähe stehen und starrte aus dieser Distanz auf den leblosen Körper auf dem Obduktionstisch. Hellgrau mit vielen schwarzen Zacken, Wirbeln, Verstümmelungen – Gefahr im momentanen Ruhezustand. Danni beschlich das Gefühl, dass dieser Körper nicht hier sein sollte, dass sie ihn eigentlich nie hätte sehen sollen – egal ob tot oder lebendig – nicht früher, nicht jetzt – Niemals!

Und doch trat sie näher – nur zwei Schritte, mehr konnte sie nicht. Der Tote hatte auf dem kahlen Kopf ein Gewirr von Narben, welches bereits älter sein musste, denn einige seiner Tätowierungen waren kunstvoll darum gewunden worden. Wie gut Yomin Carr diese Male seiner Spezies doch unter seiner falschen schwarzen Lockenpracht verborgen gehalten hatte. Das erste Mal sah Danni das gähnende Loch der abgetrennten Nase. Ihr Blick wanderte an dem athletischen, muskulösen Körper entlang, dessen Farbe noch etwas bleicher war als der Ooglith-Hüller, den Yomin Carr damals auf der Station getragen hatte. Ja, die Körperproportionen waren alle so, wie sie sie von Belkadan gekannt hatte. Ihr Blick folgte einem Strang ineinander verschlungener Tätowierungen die schmal zulaufende Taille weiter abwärts. Es war offensichtlich, dass diese Linien auch unter dem Lendenschurz, den der Tote trug, weitergehen würden. Aber Danni hatte nicht vor, herauszufinden, ob dem wirklich so war.

„Der Tote hat keine Nieren", sagte Professor Terklik. „Die tägliche Entgiftung der Nahrung erfolgte ausschließlich durch die Wäsche durch das Blut."

„Da bekommt der Begriff Blutwäsche gleich eine ganz andere Bedeutung – eine umgekehrte", sagte Danni endlich etwas, dann hatte sie eine Idee. „Ist das Blut der Yuuzhan Vong möglicherweise deshalb schwarz, weil sie damit ihren Körper entgiften? Wäre es normalerweise so rot wie unseres?"

Terklik überlegte kurz. „Eine gute Theorie. Aber um sie zu beweisen, müssten wir Föten untersuchen, die sich im Mutterleib befinden und noch keine fremde Nahrung zu sich genommen haben."

Danni presste die Lippen zusammen. „Der Präfekt hat zwar gesagt, es würden noch mehr von ihnen kommen, und doch würde ich liebend gerne auf solche Untersuchungen verzichten, wenn wir dafür nie wieder welche von seiner Sorte zu Gesicht bekämen."

Die blauen Augen des Professors lächelten verständnisvoll. „Sie sind traumatisiert, Danni. Ich verstehe Ihre Reaktion. Aber wir müssen uns darauf vorbereiten, falls doch noch mehr von ihnen kommen. Und jetzt kommen Sie zum Tisch."

Danni lief erneut ein Stück hin zum Obduktionstisch und blieb einen guten Meter entfernt davon stehen, während Professor Terkliks Kittel bereits den Tisch berührte, auf dem das Forschungsobjekt lag.

„Er kann Ihnen nichts mehr tun", versuchte der Professor, ihr das Unbehagen zu nehmen. „Schauen Sie doch mal auf seine Brustwunde. So einen Stich ins Herz überlebt keiner."

Danni schaute zu Yomin Carrs Brustkorb und fühlte einen Stich in ihrem eigenen Herz, geradeso als hätte Maras Klinge ein neues Ziel gefunden. „Nein, kann er nicht, aber …"

Die Wahrheit war, dass sie sich trotz alledem nicht vorstellen konnte, dass Yomin Carr ihr auch zu seinen Lebzeiten irgendetwas angetan hätte, auch wenn ihr ihr Verstand sagte, dass er auch sie dahingemetzelt hätte, wenn sie ihn vorzeitig entlarvt hätte. Noch immer waren die Leichen ihrer Kollegen nicht gefunden worden. Niemand außer Yomin Carr wusste, was mit ihnen geschehen war. Sie hingegen wusste nur, was Bensin Tomri und Cho Badelek wiederfahren war, aber deren Mörder war tot und Da'Garas gefrorene Überreste waren im All des Dalonbianschen Systems verstreut. Aber Yomin Carr hatte sie gerettet, indem er Da'Gara ein Versprechen abgefordert hatte.

Sie sah den Professor an. „Lassen Sie mich bitte allein."

Er ließ ein Lächeln aufblitzen. „Ah, auf einmal …"

Er drehte sich um und verließ den Raum und Danni blieb noch für eine Minute in der Distanz von einem Meter stehen, bevor sie sie überwand und näher kam.

Für einen Moment schämte sich Danni, Yomin Carrs beinahe völlig entblößten Körper zu betrachten. Sie schaute zu der schwarzen Öffnung in seiner Brust, unter der sein durchbohrtes Herz geschlagen hatte, dann wanderte ihr Blick weiter über sein immer noch sichtbares Sixpack, übersprang den darunterliegenden Bereich, um auf seinen kräftigen Oberschenkeln zu verweilen, deren Tattoomuster zu studieren - dann die Füße mit den zu kurzen Spitzen getrimmten schwarzen Krallen. Danni musste sich eingestehen, dass Yomin Carrs Körper, wenn sie einmal von den Narben absah, perfekt war. Sie fand seine Tätowierungen schön – wie sie in ihrem wilden Zackenmuster um die Narben herum arrangiert waren, um deren optische Wirkung nicht zu schmälern. Danni befürchtete, dass, wenn sie ihn noch länger so ansehen würde, sie am Ende auch noch die Narben schön finden würde. Nein, deshalb war sie nicht hergekommen.

Danni Quee schaute dem toten Yomin Carr direkt ins Gesicht. Sie begutachtete das gespaltene Oberlid, die Nase, von der nur noch mehrfach gebrochene Reste aus einem Loch gähnten, die mehrfach eingeritzten Lippen, wodurch sie zwei makellose Zahnreihen erblicken konnte. Ihr Blick wanderte wieder hoch zu seinen Augen. Unter dem gespaltenen Oberlid konnte sie etwas von seiner Iris erkennen – ein tiefschwarzer See, der zu einem Bad einlud.

Langsam fuhr Danni ihre Hand aus und berührte seine Wange. Yomin Carrs Haut unterhalb des mehr als scharf definierten Wangenknochens war nicht so leicht eindrückbar wie bei einem Menschen und Danni fühlte, dass das nicht nur an der Totenstarre lag. Ihre andere Hand fuhr an seinem muskulösen Oberarm entlang und folgte dabei unbewusst dem Muster der dortigen Tätowierung. Hier war die Haut naturgemäß etwas dicker als an der Wange, aber immer noch viel robuster und härter als bei einem Menschen in dieser Körperregion. Kein Wunder, dass sich diese Spezies ohne mit der Wimper zu zucken Geschöpfe über den Körper streifte, deren Tentakel sich in ihre Haut bohrte – sicherlich um bei diesen abgehärteten Leuten nur halb so viele Schmerzen zu verursachen, wie sie vor Tagen auf Da'Garas Weltschiff beim Überstreifen dieser Hüllen ertragen musste.

Danni nahm ihre Hand von Yomins Oberarm fort, aber ihre andere Hand berührte weiterhin seine Wange. Die Hand, die eben noch seinen Oberarm berührt hatte, näherte sich jetzt seinem intakten Augenlid und schob es nach oben, so dass sie direkt in sein tiefschwarzes Auge sehen konnte, das immer noch die klare Farbe hatte, als würde es noch sehen können.

„Du willst also, dass ich dein Versprechen ehre, ja?", sagte sie zu dem Toten. „Ein Versprechen, das du für mich erbeten hast, ohne dass ich darum gebeten habe. Ein Versprechen, von dem ich noch nicht einmal etwas wusste, weil du mir nichts davon erzählt hast, wie so vieles nicht."

Sie ließ eine Pause als erwarte sie, dass der tote Yomin Carr ihr antworten würde, und stellte sich vor, er würde tatsächlich etwas sagen. [Du hättest es ja doch nicht verstanden. Hast du bis jetzt noch nicht.]

„Nein, du bist es, der hier nichts versteht!", sagte sie schärfer. „Was ist denn mit dem Versprechen, das du damals abgegeben hattest, als du die Verpflichtungserklärung bei Eintritt in die ExGal-Gesellschaft unterzeichnet hast? Wieso sollte ich auch nur einen Credit auf das Versprechen geben, dass du damals von Da'Gara für mich erbeten hast?"

Sie ließ wieder eine Pause. [Weil es eine Ehre ist.]

Sie stemmte die Arme in die Hüften. Es hätte so vieles gegeben, was sie Yomin Carr hätte sagen, was sie ihm beichten, dessen sie ihn bezichtigen könnte. Aber all diese angedachten Worte verblassten gegenüber dem, was Yomin Carr darauf erwidern würde. [Du bist schwach. Du bist ungläubig. Du bist nicht würdig.]

Ihre Hand bewegte sich und tätschelte seine Wange. „Weißt du was, Yomin? Ich werde Dein Versprechen ehren. Aber anders, als du es dir je in deinen kühnsten Träumen vorgestellt hast. Jetzt wirst du endlich deinen Teil zur Erforschung des Raumes und des Lebens jenseits unserer Galaxis beitragen, so wie du es damals versprochen hattest. Und ich werde ebenfalls meinen Teil dazu beitragen, verlass dich drauf!"

Sie ließ erneut eine Pause und dieses Mal gab der tote Yomin Carr keine imaginäre Antwort.

„Und jetzt …",

ihre Hand strich noch ein letztes Mal zärtlich über seine bleiche Wange, während ihre grünen Augen in seine schwarzen schauten, die so tief und unergründlich waren wie der Leere Raum jenseits der Galaxis,

„… lebe wohl, Yomin Carr."

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Zur selben Zeit im Orbit des Planeten Pedd IV – Miid Ro'ik namens Tarak-shi

Nom Anor saß in seinem Raum an Bord der Tarak-shi und versuchte, Präfekt Da'Gara zu erreichen. Es war sein dritter Versuch an diesem Tage und mittlerweile war der Exekutor sehr unruhig geworden. Es war schon schlimm genug, dass Yomin Carr bereits seit Tagen verschollen war. Eigentlich hatte heute Dubrillion an der Tagesordnung sein sollen, aber von dort aus gab es immer noch normale Kommunikation in den Rest der Galaxis, wie die Spione vermeldeten. Also tat Nom Anor etwas Ungewöhnliches und ziemlich Ketzerisches: Er holte den tragbaren Holonet-Empfänger hervor und schaltete ihn ein, darauf achtend, dass die Lautstärke leise genug war, so dass niemand außerhalb des Raumes etwas von dieser technischen Perversion mitbekommen würde.

Es war Prime Time und die Holonet-News begannen gerade. Die Senatsstreitigkeiten auf Coruscant erheiterten Nom Anor. Die Nachrichten von anderen Regionen beruhigten ihn zumindest in dem Sinne etwas, weil er entweder bereits davon wusste, oder aber weil zusätzliche schlechte Nachrichten über aufflammende Konflikte davon kündeten, dass er unfreiwillige Helfer hatte, die ihm einen Teil der Arbeit abnahmen.

Und jetzt eine Meldung aus dem Dalonbian-Sektor", vermeldete der Nachrichtensprecher. „Wie erst jetzt bekannt wurde, hat eine aufgrund eines Hilferufs entsandte Verteidigungsstreitmacht der Neuen Republik im Verbund mit den Jedi Luke Skywalker, seiner Frau Mara Jade …"

Der Name traf den Exekutor wie der Hieb eines Amphistabs im Peitschenmodus. Wieso war Mara Jade noch nicht tot? Wieso dauerte das so lange?!

„… sowie jüngeren Mitgliedern der Jedi-Akademie die Basis einer militanten Gruppierung namens Praetorite Vong auf dem Planeten Helska IV vernichtet, wobei der gesamte Planet durch Verdampfung des Meeres gesprengt wurde. Die Praetorite Vong hatten zuvor durch biologische Sabotageaktionen systemnahe Planeten verwüstet. So ist mittlerweile klar geworden, dass der Sturz des Mondes Dobido auf seinen Mutterplaneten Sernpidal ebenso auf das Konto dieser gewalttätigen Gruppe geht, wie eine Klimakatastrophe auf Belkadan, wodurch auch auf diesem Planeten jegliches Leben ausgelöscht wurde. Während des Angriffs durch die Truppen der Neuen Republik konnte eine Astronomin und Biologin namens Danni Quee befreit werden, die von der Terrorgruppe auf ihre Basis verschleppt und dort als Geisel gefangen gehalten wurde. In diesem Zusammenhang wurde auf Belkadan ein Anhänger der Praetorite Vong gestellt und getötet, der sich verkleidet in das ExGal-Team eingeschlichen hatte, welches Quee bis zu ihrer Verschleppung nach Helska IV geleitet hatte. Quee behauptet, dass die Praetorite Vong außergalaktischen Ursprungs seien. Ein Sprecher von Staatschef Fey'lya teilte mit, dass es in dieser Angelegenheit eine gründliche Untersuchung geben wird, um Klarheit in die verworrene Situation am nördlichen Rand unserer Galaxis zu bringen.

Und jetzt die Kulturnachrichten."

Nom Anor schaltete den Holonet-Empfänger wieder aus und klappte ihn zusammen. Er hatte Da'Gara gewarnt, die Frau zu behalten. Warum hatte der Präfekt sie nicht geopfert, wie Yomin Carr es vorgeschlagen hatte? Wieso war Yomin Carr jetzt tot, wieso waren sie alle tot, während diese Danni Quee weiterlebte, als hätte sie die Kräfte der verschwundenen Praetorite Vong in sich aufgesogen? Aber noch viel schlimmer war, dass die Yuuzhan Vong, die noch auf Sernpidal oder Dubrillion ausgeharrt hatten, jetzt versprengt durch die Galaxis irrten und niemand da war, der sie koordinieren konnte. Dabei hatte er doch alles dafür getan, dass die Kräfte der Republik anderweitig gebunden und die Politiker so nicht imstande gewesen waren, ihre Aufmerksamkeit der wahren Bedrohung der Neuen Republik zuzuwenden. Und trotz alledem hatten Da'Gara und der Kriegskoordinator versagt.

Nom Anor war der Überzeugung, dass es allein Da'Garas Schuld war, weil er die Frau behalten hatte. Wer sonst hätte den Jedi etwas über die verwundbaren Stellen der Praetorite Vong erzählen können. Aber was wusste Danni Quee überhaupt, wenn Da'Gara sie die ganze Zeit in einer Zelle gefangen gehalten hatte, wie er versichert hatte? Oder hatte der Präfekt sie etwa durch das Weltschiff spazieren geführt, um seine Gefangene zu beeindrucken? Möglich wäre es, so eitel, wie Da'Gara zu Lebzeiten gewesen war.

Nom Anor dachte noch einmal über die Anschuldigung nach. Allein hätte Danni Quee schwerlich entkommen können. Tatsache war, dass sie während eines Angriffs der Jedi und Truppen der Neuen Republik geflohen war. Also war es doch lediglich simples Pech gewesen, dass vor einer Woche dieser Jedi aufgetaucht war, um im Dalonbian-Sektor herumzuschnüffeln, weil es Großmeister Luke Skywalker einfach nicht schaffte, seine Leute genügend an offensichtlichen Brennpunkten in der Galaxis zu beschäftigen. Ja, so musste es gewesen sein. Zumindest war in den Nachrichten nichts vom Yammosk berichtet worden. Das gab ihm Hoffnung.

Aber in Wahrheit begann er allmählich, sich auf dem Miid Ro'ik von Kommandant Vootuh unwohl zu fühlen. Mit dem Debakel auf Helska IV waren nicht nur die Praetorite Vong insgesamt vernichtet worden, sondern auch genau die Krieger, auf die sich Nom Anor bislang stets verlassen konnte. Die Praetorite Vong waren, obwohl Krieger, direkt der Verwalterkaste unterstellt und somit Nom Anors ureigener Kraftquell und Rückhalt gewesen. Aber nun hatte ihn der Feind dieser seiner Basis beraubt, ihn von seinen Wurzeln abgeschnitten. Kommandant Tsaak Vootuh jedoch war direkt Nas Choka unterstellt und Nom Anor betete, dass der Oberste Kommandant seinen Bericht so interpretieren möge, dass nicht allzu viel Schuld an der Niederlage an ihm hängenbleiben würde. Für Vootuh hingegen war es nur eine Frage der Zeit, bis man den plötzlich glücklosen Exekutor degradieren oder zumindest von dem Miid Ro'ik abberufen würde.

Natürlich könnte Nom Anor wieder auf irgendeiner Welt Unruhe stiften, wo ihn noch keiner kannte. Er würde erneut Chaos veranstalten so wie weiland auf Rhommamool. Aber dazu brauchte er eine neue Identität, denn Nom Anor durfte sich erst dann wieder als Nom Anor zeigen, wenn die Invasion auf einen guten Weg gebracht worden war. Doch dieses Ziel, kaum erreicht, war auf einmal wieder in weite Ferne gerückt. Nein, er wollte nicht wieder auf eine Stufe zurückfallen, die er längst überwunden geglaubt hatte. Und doch musste er. Wer wusste schon, welche wertvollen Informationen er auf diese Weise noch sammeln konnte? Er würde diese Zeit dazu nutzen, einen neuen Plan zu ersinnen. Einen, der ihn davon fortführen würde, sich neue Hinterwäldlerplaneten zu suchen, sich ständig wieder mit neuen, dummen Wesen abgeben zu müssen, die er in ihr Unglück stürzen lassen würde, so dass ein neuer Brennpunkt entstand, um den sich die Regierung auf Coruscant zu kümmern hatte. Aber noch hatte er keine Ahnung, wo genau ihn dieser neue Plan hinführen würde.

Ein Schmatzen der Tür zeigte Nom Anor einen Besucher an. Hastig packte er den Holonet-Empfänger in jenes Fach unter seinem Bett, dann erhob er sich von selbigem und begab sich zur Tür. Ein Krieger stand davor.

„Exekutor Nom Anor, Kommandant Vootuh wünscht Sie zu sprechen."

Nom Anor ging hinter dem Krieger her in einen Raum nahe der Kommandobrücke der Tarak-shi. Die Lamellentür schloss sich hinter dem Exekutor und Vootuhs Miene ließ keinen Rückschluss darauf zu, was der Kommandant des Miid Ro'ik dachte.

„Der Oberste Kommandant wünscht, dass Sie sich umgehend bei Kommandant Shedao Shai melden und ihm die Überreste unserer Streitkräfte, die bis jetzt über den Welten namens Sernpidal und Dubrillion ausharren, aushändigen."

Der Befehl traf Nom Anor wie ein Peitschenhieb. Nicht nur, weil dann die letzten Reste der Praetorite Vong an die Kriegerkaste gingen und somit für immer seinem Zugriff entzogen wären. Nas Choka hatte ihn gedemütigt, indem er ihm diesen Befehl nicht persönlich mitteilte, sondern über Dritte, die diese Demütigung voll auskosten würden.

„Der Oberste Kommandant geht davon aus, dass Sie die wichtigen Codes der Praetorite Vong besitzen, um diese Mission zum Abschluss zu bringen", fuhr Vootuh fort. „Im Anschluss werden Sie auch diese Codes Kommandant Shai übergeben und sich in vierzehn Tagen wieder auf der Tarak-shi einfinden."

Nom Anor schluckte. Hatte Tsaak Vootuh auch Holonet geschaut oder woher wusste er von der Niederlage? Ihm wurde bewusst, dass er seit Vootuhs Ankunft in der neuen Galaxis nicht mehr der einzige Yuuzhan Vong war, der über Exklusivinformationen über das zukünftige Heim seines Volkes verfügte. Was das andere anging: natürlich hatte Nom Anor Generalcodes der Praetorite Vong, um sich im Zweifelsfall einmischen und bestimmte Entwicklungen korrigieren zu können. Aber es könnte Wochen dauern, bis er diese Mission zum Abschluss bringen konnte, wenn man bedachte, dass der Feind auf Dubrillion noch ungebrochen war.

„Es wird geschehen", erwiderte Nom Anor pflichtschuldig, während er sich bereits einen Reiseplan überlegte, um die versprengen Yorik-ets möglichst schnell einzusammeln und anschließend zu dem Punkt zurückzukehren, an welchem sich die Tarak-shi laut weiterem Vorgehensplan in vierzehn Tagen befinden würde.

Vootuh reichte ihm einen Villip und Nom Anor wusste, wem das Gegenstück dazu gehörte. „Wir sehen uns dann über Ciutric IV, Kommandant Vootuh."

Nom Anor ging zurück in seine Kammer. Die Praetorite Vong waren zwar verloren, aber es gab immer noch das Netz von Agenten, dass er über die Galaxis gespannt hatte und befehligte. Und dieses Netz würde er jetzt anzapfen, um den Vormarsch der Yuuzhan Vong zu beschleunigen.

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Nom Anor musste nicht lange warten, bis Nina Galfridian auf die Botschaft reagierte, die er ihr per Villip übermittelt hatte. Das war in letzter Zeit nicht so gewesen, aber jetzt, wo überall im Holonet verkündet worden war, was die Yuuzhan Vong für eine Niederlage erlitten hatten, waren die Agenten verständlicherweise aufgescheucht und drängten auf neue Taten, um eine weitere Katastrophe dieser Art abzuwenden.

„Ich danke Ihnen für Ihre bisherige Arbeit, Königin Nina Galfridian", sagte Nom Anor. „In zwei Tagen wird sich Kommandant Azca an Bord der Lish Q'ah auf Artorias einfinden und ich erwarte, dass Sie ihm einen gebührenden Empfang bereiten. Ich habe ihm Ihre Liste mit den Zielen bereits gegeben. Und nach der Eroberung werden Sie sich zu erkennen geben."

Die Königin des Planeten Artorias setzte eine hoheitsvolle Miene auf. „Ich werde Kommandant Azca einen gebührenden Empfang bereiten. Und ich freue mich bereits darauf, mich zu erkennen zu geben als das, was ich bin."

„Es wird ein Fanal für die Ungläubigen sein", tönte Nom Anor. „Ich kann es kaum erwarten, mich Ihnen in diesem Punkt anzuschließen, sobald es die Umstände zulassen."

Ja, das glaube ich. Und auch wieder nicht.

Nina Galfridian sah zu, wie der Villip Nom Anors nun unmaskiertes Gesicht in sich einsog. Noch glaubte ihr Mann, dass der politische Anführer von Rhommamool tot war, aber bald würde sie ihm die Wahrheit beichten. Zuvor jedoch stand etwas anderes an. Caled Galfridian feierte seinen fünfzigsten Geburtstag und seine liebende Ehefrau wollte dafür sorgen, dass es ein unvergessliches Fest werden würde.

Es ging Nom Anor schon viel besser nach diesem Gespräch. Aber bevor er seine Reisevorbereitungen für die neue Mission traf, setzte er sich an seinen Schreibtisch, um für den Obersten Kommandanten jenen Bericht über seine erste, persönliche Niederlage in dieser für ihn nicht mehr neuen Galaxis anzufertigen – typische Verwalterarbeit eben, für die seine Kaste zuständig war.

Zwei Tage später im Orbit über dem Planeten Artorias im Äußeren Rand

Selten war ein ungewöhnlicheres Duo auf einer Forschungsreise unterwegs gewesen. Panha, die die Expedition leitete, war eine blauhäutige Chiss und Sarkkin an den Kontrollen ein braunfelliger Wookiee. Ihr rostbraunes Schiff war klein und ähnelte von weitem einem Blaster, aber es hatte keine Waffen an Bord außer den Handfeuerwaffen, die die beiden Besatzungsmitglieder mit sich führten. Hauptsächlich jedoch nutzte die Zweimannbesatzung der Pythea die wissenschaftlichen Instrumente, um diesen Teil des Äußeren Randes zu erforschen. Die Kom-Konsole knackte und eine dringende Botschaft wurde angezeigt.

Sarkkin schaltete den Kanal frei und ein paar rote und ein paar braune Augen sahen einen bullig aussehenden Humanoiden, dessen wettergebräuntes Gesicht so grimmig aussah, als wolle er sie direkt durch die Kom-Verbindung angreifen.

„… hoffe, dass diese Aufzeichnung empfangen wird", begann der Fremde. „Wir waren Krieger … wir waren brutal. Wir waren skrupellos. Sobald sie laufen konnten, brachten wir unseren Kindern bei zu kämpfen. Unsere klügsten Köpfe versuchten nie, Krankheiten zu heilen, nur Schwächlinge wurden von Krankheiten heimgesucht. Stattdessen arbeiteten unsere Wissenschaftler an Werkzeugen der Zerstörung. Wir waren stark, aber das nützte rein gar nichts gegen die Yuuzhan Vong."

Panha horchte auf. Diese Spezies, die Yuuzhan Vong. Sie kannte den Namen aus alten Geschichten. Sie schaute zu Sarkkin, der ganz still war und weiter lauschte.

„Ich bin Arbeloa, der letzte unseres Volkes. Wir waren so stolz … und nun sind wir ausgelöscht. Ich sende diese Warnung in der Hoffnung, dass sie jemanden erreichen wird. Irgendwen. Die Yuuzhan Vong kommen. Ihr könnt sie nicht bekämpfen, also sage ich euch: Flieht!"

Eine Reihe von unbekannten Geräuschen und Signalen überflutete die Skalen und Bildschirme im Cockpit. Panha stürzte zu Sarkkin. „Überprüfe die Langstreckenscanner."

Es war zu spät. Als sie erneut aus der Cockpitscheibe schauten, schwebten vor ihnen recht regelmäßig geformte Körper, die sehr organisch aussahen. Panha schaute Sarkkin an, aber auch der Wookiee konnte sich auf diese seltsame Flotte keinen Reim machen. Und dann wendete eines der Schiffe, ein riesiges braunes Ei mit großen schwarzen Flecken und mehreren langen Armen, die schräg nach unten hin wegstanden wie die Flossen eines Urzeitfisches seiner Heimat Kashyyyk, und hielt direkt auf sie zu. Direkt dahinter konnte die Chiss kleinere weißliche, eiförmige Schiffe ausmachen, deren Oberfläche von mehreren parallellaufenden schwarzen Diagonalgräben durchzogen wurde. Ein kleineres Schiff, rund und mit Spiralarmen, als sei es selbst eine kleine Galaxis, hielt sich weiter hinten. Seine Umrisse wirkten eigenartig verschwommen. Nein, das Schiff war nicht klein, erkannte Panha. Es war nur noch sehr weit weg. Es glitt relativ langsam dahin und war von einem Ring geradezu winzig erscheinender Schiffen umgeben, offenbar zum Schutz, während sich das am nächsten liegende braune Schiff rasch näherte.

[So eine große Flotte?]

„Nur die vorderen Schiffe, Sarkkin. Im Spiralschiff weiter hinten sind die Zivilisten."

[Wieso schleppen sie die Zivilisten mit in den Krieg, anstatt sie zuhause zu lassen?]

„Weil sie keine Heimat haben", erklärte Panha. „Aber wir Chiss sind schon vor fünfzig Jahren mit solchen Piraten fertig geworden und jetzt wird es nicht anders sein. Welchen bewohnten Planeten können wir als nächstes erreichen?"

Der Wookiee checkte die Konsole. [Artorias.]

„Sende ihnen eine Nachricht", befahl Panha.

[Ich bekomme keinen Empfang.]

„Dann müssen wir näher ran."

[Wenn wir den Kurs beibehalten, wird diese Flotte uns abfangen!]

Sie zuckte die Achseln. „Das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Meine Spezies ist den Yuuzhan Vong schon einmal begegnet. Selbst in geringer Anzahl waren sie fast nicht aufzuhalten. Wir müssen den Artorianern eine Chance ...

… Still! Endlich!"

Derweil auf Artorias in der Zentrale der planetaren Orbitalüberwachung

„Ich dachte eigentlich, du wolltest die Interkom-Anlage reparieren, nicht einfach nur mit einem stumpfen Gegenstand beharken. Äußerst sensibles Vorgehen", sagte Mann, der gerade die Komm-Zentrale betreten hatte.

„Es war sensibles Vorgehen", verteidigte sich der Angesprochene. „Bis ich immer frustrierter wurde. Und überhaupt, was weißt du schon darüber, wie man Interkom-Anlagen repariert?"

„Warum lässt du es mich nicht einmal versuchen, Sparky?"

Der sorgsam gestutzte Kinn- und Oberlippenbartkreis des anderen verzog sich. „Warum eigentlich nicht? Schlimmer kannst du es auch nicht mehr machen. Warum bist du überhaupt hier unten?"

„Mir gefällt die Vorstellung nicht, dass Artorias vom Rest der Galaxis abgeschnitten ist."

Sparky lächelte etwas gezwungen. „Wenn es dir gelingt, das Kom-System wieder zu reparieren, kannst du dann bitte erzählen, dass ich es war? Immerhin ist das mein Job."

Sein Kollege strahlte über das ganze Gesicht. Das war seine Chance. „Geht klar, Sparky."

Sparky verließ den Interkomm-Raum und der Neue kauerte sich hin, um die Bescherung zu begutachten. Er bog ein dünnes Paneel gerade und zog eine Schraube fest, dann noch eine. Es knisterte und dann ertönte eine Stimme mit ziemlich hartem Akzent im Basic. „Hallo? Können Sie mich hören?"

Der Hilfstechniker sah eine Frau, von der er nicht wusste, dass ihre Haut auch in Wahrheit so blau war wie das Holobild, das nun endlich zum Leben erwacht war.

„Hallo", erwiderte er. „Hier spricht Artorias."

„Hier spricht das Forschungsschiff Pythea. Wir sind auf ein gewaltiges Invasionsheer gestoßen und werden gerade angegriffen. Ich übermittle alle Details, die wir mit Hilfe unserer Scanner über die Flotte der Yuuzhan Vong zusammentragen konnten … von einem Planeten, den sie zerstörten, wissen wir bereits, und sie halten Kurs auf Artorias. Ihr müsst eure Welt evakuieren!"

„Ihre Nachricht und die Daten wurden empfangen. Im Namen aller Artorianer, wir danken Ihnen. Viel Glück."

Die Verbindung erlosch und der Hilfstechniker erhob sich. Wie gut, dass er die Interkom-Anlage repariert hatte und nicht …

Er erhob sich und sah Sparky zurückkommen. „Na? Glück gehabt beim Reparieren der Komm-Anlage?"

Er grinste. „Nein, du hattest Recht. Ich habe auch nur drauf rumgehämmert."

„Was soll's?", meinte Sparky. „Es kann wohl nicht schaden, noch etwas länger im Dunkeln zu tappen."

Der Aushilfsmonteur lächelte. „Nein, ganz und gar nicht."

Sarkkin erstarrte, als seine Kapitänin urplötzlich herumfuhr und im Lauschen erstarrte. Ja, da hinten war etwas und es hörte sich nicht gut an.

Panha hörte Geräusche, von denen sie nie geglaubt hätte, sie jemals in dieser Intensität zu hören. Sie war sich nicht sicher, ob es ein lautes Zischen oder doch eher ein gieriges Schmatzen war, aber das Knistern, das auf dieses erste Geräusch folgte, kündete unmissverständlich davon, dass etwas weggeschmolzen wurde. Und dem organischen Aussehen der fremden Schiffe nach zu urteilen, die sie gerade in Augenschein genommen hatte, konnte das nur eines bedeuten.

„Sarkkin, unsere Piraten sind dabei, uns zu entern. Jetzt wird's eng!"

[Was nun?]

„Sind sie nur zu zweit, dann schreie ich laut, sobald ich hinten bin. Mit dir an meiner Seite habe ich gegen zwei vielleicht eine Chance. Ansonsten …", ihr Blick sondierte die Lage vor der Cockpitscheibe, „wende das Schiff und halte direkt auf den großen Braunen dort zu." Panhas Mundwinkel zuckten in der Andeutung, die der Wookiee als Lächeln erkannte. „Ich bin mir sicher, du wirst seine Kommandobrücke besser sehen als er unsere."

Sarkkin verließ die Kontrollen und machte sich bereit. Als er auch nach fünf Sekunden kein Schreien hörte, ließ er sich wieder auf dem Pilotensessel nieder und wendete die Pythea.

Schwere Schritte ertönten und Sarkkins scharfe Ohren machten mindestens vier Mann aus – zwei Wimpernschläge später sah er sie: Krieger in dorniger Rüstung und oberhalb derselben bleiche, vernarbte Gesichter. Einer von ihnen hielt Panha am Oberarm und zerrte sie daran nach vorn. Sarkkin konnte Panhas Hände und Unterarme nicht mehr sehen und schloss daraus, dass man die Hände der Kapitänin hinter dem Rücken gefesselt hatte.

Einer der Enterer erkannte die Gefahr und schrie Panha an. „Sag deinem Fellfreund, er soll das Schiff wenden!"

Die Chiss zuckte mit den Achseln und grinste ihn an. „Sag's ihm doch selbst. Er versteht Basic genau wie ich … oder du."

Der Krieger gab ihr eine Ohrfeige und Panha ging zu Boden. Er hatte nicht lange Zeit, die Genugtuung seiner Bestrafungsaktion zu genießen, denn jemand riss an seinem Arm – sehr stark an seinem Arm. Der Yuuzhan Vong wurde hochgehoben und gegen die Wand geschmettert. Sarkkin ergriff einen anderen Yuuzhan Vong an der Kehle, riss mit der anderen Pranke dessen Stab aus der Hand, bevor er reagieren konnte, und schmetterte beides zu Boden. Dann bückte sich und riss Panhas Hände aus dem Blorash-Gallert, welches sie gefesselt gehalten hatte.

Panha erhob ihre befreiten Hände, um den Blaster aufzufangen, den ihr ihr Copilot zuwarf. Ein Yuuzhan Vong verstand nicht gleich, was sie damit wollte, und bekam eine Salve ins Gesicht verpasst. Die Chiss änderte die Richtung der Mündung, um einen Prallkäfer abzufangen, der auf sie zuflog. Gleichzeitig bekam sie aus den Augenwinkeln mit, wie Sarkkin dem vierten Yuuzhan Vong, der sich über die Kontrollen gebeugt hatte und hektisch irgendwelche Knöpfe drückte, den Schädel nach hinten zog, nur um ihn einen Augenblick später voll nach unten gegen die Armaturen knallen zu lassen. Es knackte vernehmlich und der Mann glitt leblos von den Armaturen nach unten auf den Boden.

Der Wookiee schoss herum, um zu sehen, wie der erste Mann, der Panha am Arm gehalten hatte, seinen Arm erhob – in der Hand einen Prallkäfer. Sarkkin wich aus, schaffte es aber nicht ganz. Der Prallkäfer streifte ihn am Arm und der Wookiee heulte auf. Er vergalt es dem Krieger mit einem Tritt voll in die Magengrube. Noch im Fall ergriff Sarkkin seine Kehle und hob den röchelnden Yuuzhan Vong hoch. Der hängende Krieger zappelte, rang nach Luft, und seine schwarzen Augen drehten sich zum Cockpitfenster. Sein Zappeln erstarb, als er erkannte, dass ein weiterer Überlebenskampf eh keine Rolle mehr spielte. Die durchsichtige Trennwand kam immer näher und mit ihr die Kommandobrücke. Auf dieser vorgeschobenen Zunge nun sah er seinen Chef stehen, den Kommandanten Azca in seiner eindrucksvollen Dornenmontur, deren aus dieser Distanz filigran wirkende Einzelheiten er deutlich erkennen konnte. Wieso eigentlich musste der Kommandant die Schiffsbesatzung unbedingt lebend gewollt haben? Warum jetzt, so kurz vor dem Ziel, der neuen Heimat? Und wieso konnte er selbst nicht wenigstens einen anständigen Kriegertod bekommen wie Ferkk, dem das Fellbündel den Kopf auf die Steuerung geknallt hatte?!

Nur Wimpernschläge später schlug das Schiff, von dem er nicht wusste, dass es Pythea hieß, durch die durchsichtige Frontscheibe und löste eine Kettenreaktion aus, die zum Tod des Angriffskreuzers führte.

Dem gleißenden Feuerball des verendenden Miid Ro'ik entstieg ein Yorik-Vec, ein ebenfalls organischer Transporter, welcher einige Überlebende der Katastrophe barg und zum nächsten Schiff der Flotte in Sicherheit brachte. Und in diesem Yorik-Vec stand Kommandant Tsalok Shai und freute sich – nicht nur über sein Überleben. Die neue Galaxis hatte ihn dieses Mal mit Gewalt und Zerstörung empfangen und er wollte mehr davon.

Zuerst kamen die Sprengsätze. Sie waren unvermittelt explodiert und hatten Tote unter den Invasoren hinterlassen. Den Toten folgten noch mehr Krieger, um der Ursache des Widerstandes auf den Grund zu gehen. Der Marktplatz in der Hauptstadt von Artorias war gut gefüllt, als die Invasoren ihn erreichten. Nina Galfridian war mit ihrer Tochter Kaye etwas einkaufen, eher shoppen, wenn sie ehrlich war, denn jene Vase, die ihr die Verkäuferin, ihre gute Freundin Jenny, zeigte, stand nicht auf der Einkaufsliste, genauso wenig wie der nietenbesetzte Gürtel, den sie vor fünf Minuten für Kaye gekauft hatte.

Die Vase fiel zu Boden und zerschellte, als Jenny vornüberkippte. Nina beugte sich über ihre Freundin. Jenny atmete schwer und Nina stellte eine Diagnose: Herzinfarkt. Sie begann, den Brustkorb zu massieren, um das Leben der Frau zu retten, als ihr Komlink summte.

„Lauf zum Palast", sagte Nina zu ihrer Tochter, dann nahm sie die Verbindung an.

„Nina, geht es dir und Kaye gut. Wo seid ihr?", fragte der König seine Frau.

„Wir sind immer noch auf dem Markt", erwiderte Nina. „Wir müssen uns unterhalten."

„Später", beschied sie ihr Ehemann. „Artorias wird evakuiert. Komm zurück."

„Wir beeilen uns. Und du setzt den Notfallplan in Kraft – du weist welchen."

„Es ist bereits geschehen." Caled Galfridian ging mit Dulac, seinem Berater und langjährigen Freund, in den Hangar, wo die großen Transporter standen. Die Leute vom Markt und von anderswo strömten ihnen hinterher, wurden von Sicherheitskräften den Schiffen zugeteilt – und konnten doch nicht hinein.

„Jemand hat die Schiffe sabotiert – jedes einzelne", sagte Dulac, ein Mensch mit schwarzen Haaren und intensiv blauen Augen. „Und noch etwas: Nichts weist darauf hin, dass die Invasoren hier waren. Wer das durchgezogen hat, befand sich bereits auf dem Planeten, vielleicht arbeitet ein Artorianer mit den Invasoren zusammen."

„Das bringt nichts", meinte der König. „Wir müssen diese Schiffe startklar machen. Der Feind rückt näher, also müssen wir uns Zeit erkaufen."

Nina und Kaye sahen die bedornten Soldaten näher rücken. Aus Richtung der Zentralbank hörten sie einen weiteren Sprengsatz explodieren. Im Regierungsgebäude ebenso. Die Königin wusste, dass dies Zeichen dafür waren, dass ihr Mann den besprochenen Notfallplan in die Tat umsetzte. Bald würden noch mehr Sprengsätze hochgehen. Und zwar genau an den Orten, die sie auch Nom Anor mitgeteilt hatte. Denn dort würden die Yuuzhan Vong einmarschieren – und den Alarm auslösen, sobald bestimmte organische Materialien eine unsichtbare Grenze überquerten – mit fünf Minuten Verzögerung, bis auch genügend Feindziele am Sprengort versammelt waren. Denn im Gegensatz zu Borsk Fey'lya und der Mehrheit der Senatoren der Neuen Republik hatte Caled Galfridian es sofort geglaubt, als ihm seine Frau von der neuen Bedrohung der Galaxis erzählt hatte.

Zwei Krieger stürzten sich auf Nina und Kaye musste ansehen, wie ihre Mutter paralysiert dastand, versteinert, bevor sie von den beiden grauhäutigen Hünen abtransportiert wurde. Ein Krieger packte die Siebzehnjährige am Handgelenk und Kaye biss ihm in dasselbe.

„Na warte, Kleine."

Das Messer war wie von selbst in Kayes Hand gesprungen. Der Blick ihrer blauen Augen suchte eine Schwachstelle und fand … einen Spalt zwischen den schwarzglänzenden Platten seiner Rüstung. Der Stich ging sauber in seine Hüfte und der Krieger grunzte.

„Noch mal!", feuerte er Kaye an. „Gut! Ich denke, dich behalte ich."

„Du wirst gar nichts behalten", spottete die Prinzessin. „Ein letzter Versuch."

Der Stab, den der Krieger in seiner Hand hielt, wandelte sich zu einer Peitsche. Kaye duckte sich unter dem ersten Hieb hinweg, kam wieder hoch, bevor die Schlange erneut in ihren Windungen nach unten sausen würde … und erwischte den Bereich zwischen Schulter und Oberkörper, rammte ihre kurze Klinge schräg in den Spalt, so dass sie das Herz treffen musste – wenn es bei dieser Spezies dort saß.

Kayes Messer war so scharf, der Stich so schnell, dass der Krieger es erst merkte, als sein Herz begann zu schmerzen. Er hatte die Kleine unterschätzt – aber immerhin einen ordentlichen Kriegertod bekommen. Und für ihn standen bereits drei Ersatzmänner in Wartestellung. Wer von den Dreien die Kleine wohl bekommen würde?

Die Schiffe, die beim königlichen Palast landeten, waren ganz konventionelle, technische. Einem von ihnen entstieg ein dunkelblonder Mann, den so gut wie jeder in der Galaxis kannte.

„Meister Luke Skywalker", begrüßte König Galfridian den Gast. „Ich wusste ja, dass Jedi vieles fühlen können, aber ich wusste nicht, dass sie so schnell sind."

„Wir haben euren Hilferuf erhalten", sagte der Jedimeister.

Caled schaute verwundert zu seinem Sohn. „Finn, hast du die Jedi gerufen?"

Der Achtzehnjährige schüttelte den Kopf. „Es ist schon so, dass ich etwas gefühlt habe, aber … ich konnte es nicht einordnen."

„Es war nicht Finn", sagte Luke, „sondern Ihre Frau."

Caled lächelte. „Nina denkt eben an alles."

„Ich habe eine kleine Flotte mitgebracht, um viele Ihrer Leute zu evakuieren", sagte Luke.

Caled sah Dulac, seinen Freund, der herankam, aber respektvollen Abstand hielt, als er den Jedimeister bei seinem König erblickte. „Dulac, weise bitte die Leute auf die neuen Schiffe ein. Sparky hat derweil vielleicht auch einige von unseren Schiffen reparieren lassen können."

Sofort lief der Berater des Königs davon, um den Befehl auszuführen. Luke Skywalker sah ihm kurz hinterher, dann wandte er sich an Caleds Sohn: „Wenn du nichts dagegen hast, Finn, würde ich dich gerne zum Training mit nach Yavin IV mitnehmen. Du musst das hier überleben, denn dein Volk braucht auch später einen Anführer."

Der blonde Jugendliche schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Anführer. Und auch kein Jedi."

Luke lächelte. „Nein, noch nicht. Aber deine Mutter hat mir auch gesagt, was in dir steckt. Und du kannst beides werden."

Der Kampflärm kam näher. Und mit ihm kam des Königs Berater zurück.

„Mein König, ich werde sie aufhalten", rief Dulac und zeigte dem König ein paar Granaten. „Das wird Euch und der Evakuierung Zeit verschaffen."

„Bitte Dulac, Nina und Kaye sind noch nicht vom Markt zurückgekommen. Geh du nicht auch noch."

Dulacs blaue Augen schauten in des Königs braune. „Wenn der Dienst mich ruft, dann werde ich folgen."

Caled Galfridian nickte seinem langjährigen Freund noch einmal zu, dann stürmte jener davon, geradewegs auf die feindlichen Linien zu. Die Yuuzhan Vong von der Ferne rannten auf ihn zu und eine Granate explodierte.

„Dann will ich sein Opfer ehren und wir sollten keine Zeit verlieren", sagte Caled und Luke nickte traurig.

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Die Tsam P'ah war ein großes, bauchiges Schiff – eines von denen, wo es viel Platz gab, um so viel Beute wie möglich davonschleppen zu können – lebende Beute in diesem Fall, denn es handelte sich um ein Sklavenschiff. Die Königin von Artorias, ihre Freundin und ihre Tochter waren in ein Geflecht gepackt worden, worin sie stehen, aber nicht weglaufen konnten. Die braune Schiffswand hinter ihnen roch nach Schweiß und Blut. Vor ihnen strömten immer mehr Artorianer ins Schiff, angetrieben von Yuuzhan Vong, die die neuen Sklaven zu anderen offenen Räumen trieben, um sie dort einzusperren.

„Wir sind Königin und Prinzessin, diese Titel werden uns auch hier nützen", flüsterte Nina ihrer Tochter zu. „Aber trotzdem müssen wir tun, was sie von uns verlangen, nun ja, nur fast alles, damit sie uns respektieren."

Das sommersprossige Mädchen sah ihre Mutter an. Es war das erste Mal, dass sie etwas gesagt hatte. Endlich war sie wieder aus ihrer Starre erwacht.

Ein Krieger packte Nina an der Schulter. „Du kommst mit. Du wirst unserem Kommandanten dienen", sagte der Mann und Nina wusste sofort, dass er einen Tizowyrm im Ohr hatte.

„Ich bin Nina Galfridian. Ich bin die Königin von Artorias. Und ich diene nur dem artorianischen Volk."

Zwei Krieger zerrten an der Königin, um sie fortzubringen. Aber Nina Galfridian blieb stehen, so dass die drei nicht vom Fleck kamen. Einer der Krieger erhob seine Hand und verpasste der Königin eine schallende Ohrfeige. Nina sank auf den Boden, aber zwei ihrer weiblichen Untertanen fingen sie im Fallen auf.

„Aufhören!", schrie ihre Tochter die Krieger an.

Diese drehten sich zu ihr um. „Aufhören! Bitte, ich gehe mit euch."

„Kaye! Nein!", rief ihre Mutter.

Kaye baute sich vor dem anderthalb Köpfe größeren Mann auf. „Ich bin ihre Tochter. Ich habe auch königliches Blut. Das wollt ihr doch, richtig? Ich werde eurem Kommandanten dienen."

Entsetzte grüne Augen richteten sich auf sie. „Kaye!"

Die Tochter lächelte tapfer. „Ich krieg's hin, Mom. Kümmere du dich um Jenny."

Als Kaye abgeführt wurde, schaute ihr ein massiger Humanoider hinterher. Es war jener Mann, der den Notruf an das Forschungsschiff namens Pythea gesandt hatte. Er fühlte neue Kraft in seinen Adern fließen, denn gerade hatte ihm die blonde Menschenfrau Hoffnung zurückgegeben. Andere Sklaven hatten ihm zugeraunt, dass Kaye Galfridian ganz allein einen Yuuzhan Vong Krieger umgebracht hatte. Irgendwie hatte er das gute Gefühl, dass es nicht bei diesem einen bleiben würde.

Die Prinzessin wurde in einen runden Raum gebracht, in dessen Mitte der Kommandant des Schiffes auf einem fleischigen, bequem wirkenden Sessel saß. Vor ihm stand ein runder Tisch, der auf einem hyperbelförmigen Sockel ruhte, welcher aus dem Fleisch des Schiffes zu wachsen schien. Der Tisch selbst war eine einzige Mulde, in der allerlei Essen lag, das Kaye als Baum- und Strauchfrüchte identifizierte.

„Setzen, iss!", war das erste, was der Kommandant zu Kaye sagte.

Kaye blieb stehen. „Ich dachte, ich soll deine Sklavin sein."

„Bist du auch. Das war keine Einladung. Du wirst dich setzen und essen, sonst töte ich dich. Ich habe eure Sprache studiert. Ich brauche Übung."

Sie setzte sich und hob zögerlich eine gelbe Frucht aus der Tischmulde, um hineinzubeißen. Sie musterte dabei den Kommandanten, der sich nichts zu essen nahm. Er trug im Gegensatz zu seinen Untergebenen, die durchweg schwarz gekleidet waren oder nur einen Lendenschurz trugen, eine rote Krabbenrüstung, aus deren Schulterstücken eindrucksvolle Dornen hervorragten. An den Wangen trug der Kommandant im Gegensatz zu seinen Untergebenen Wangenlappen, die Kaye an Nimbanel oder Quarren erinnerten. Ob er ein Mischling aus der Yuuzhan Vong-Spezies und einer anderen war?

„Kennst du Schmerz?", fragte der Kommandant.

„Ihr habt alles zerstört, was ich war. Ich kenne Schmerz."

„Du bist ziemlich jung. Du bist nicht die Königin", sagte der Kommandant.

Sie ließ die Hand mit der gelben Frucht sinken. „Nein, ich bin ihre Tochter."

„Du hast auf dem Planeten einen unserer Krieger getötet."

„Ja."

Der Kommandant setzte einen genüsslichen Gesichtsausdruck auf und ließ sich in seinem Sessel etwas bequemer nach hinten sinken. „Erzähl mir davon."

Kaye nahm sich die Zeit, einen weiteren Bissen von der Frucht zu nehmen, bevor sie in allen Einzelheiten erzählte, wie sie den Krieger ausgeschaltet hatte.

„Beeindruckend", sagte der Kommandant, nachdem Kaye ihre mörderische Erzählung geendet hatte.

„Wenn Sie den Tod beeindruckend finden: Warum habt ihr Artorias zerstört?"

„Kleine, hier geht es nicht nur um deine Welt. Wir werden eure ganze Galaxis erobern. Und im Gegenzug werden wir sie von den ganzen schändlichen Maschinen reinigen und hernach alles mit euch teilen, was wir haben. Unsere lebendigen Helfer, unsere Götter, unseren Schmerz."

„Es gibt da bei uns ein Sprichwort, das besagt: Geteilter Schmerz ist halber Schmerz."

Der Kommandant lächelte. „Glaub mir, Kleine, Schmerz haben wir genug für alle. Und ihr werdet ihn begrüßen – so wie wir."

Der Kommandant erhob sich von seinem fleischigen Sessel und zog ein Messer, nicht irgendein Messer, sondern das von Kaye, mit dem sie den Krieger abgestochen hatte. Jetzt bohrte sich ihr Messer in ihre eigene Schulter. Das junge Mädchen zuckte zusammen und ließ ein Keuchen entfahren, schrie jedoch nicht auf.

„Sehr gut", sagte der Kommandant und setzte sich, als hätte er ihr lediglich einen Spritzer Brei aus dem Gesicht gewischt. „Wie heißt du?"

„Ich bin Kaye, Prinzessin von Artorias."

„Und ich bin Sha'kel, Kommandant nicht nur dieses Sklavenschiffes. Und du, Kaye, wirst von jetzt an mein Schmusetier sein. Mal sehen, ob du mehr aushältst als mein letztes."

Kaye legte die Frucht am Muldenrand ab und starrte ihn trotzig an.

„Komm her, Kaye."

„Kommen Sie doch und holen Sie mich."

Sha'kel schnellte aus seinem Kommandosessel, wie es Kaye nicht für möglich gehalten hätte. Andererseits hatte sie den Krieger unten in der Stadt vorhin ähnlich überrascht. Aber was nützte das noch? Sha'kel und überwand die Distanz des Tisches. Er griff nach der Hand, die die Frucht gehalten hatte und riss das Mädchen einfach nach oben über den Tisch zu sich, so dass die gelbe Frucht von selbigem gefegt wurde. Dann ließ er sich mit Kaye über sich wieder zurück in seinen Kommandantensessel plumpsen. Kaye versuchte, sich seinem Griff zu entwinden. „So macht man das bei uns aber nicht."

„Für Sklaven gelten andere Regeln als für freie Frauen", bellte Sha'kel, packte sie mit der anderen Hand am Hals und zog sie zu sich heran, so dass ihr Gesicht direkt vor seines kam.

Kaye holte aus und versetzte ihm eine Ohrfeige. Sha'kel lachte, dann spreizte er ihre Beine und schob diese rechts und links neben seine breiten Hüften. Nachdem er ihre Beine derart fixiert hatte, packte er ihre Arme und begann, ihr das Blut von der Schulterwunde zu lecken. Sie drehte scharf den Kopf und ließ ihn gegen seinen krachen, um etwas mehr Freiraum zu gewinnen, aber es tat höllisch weh und sie knurrte.

„Ja, das ist gut, Kleine", grunzte Sha'kel, dann schob sich seine scharf bekrallte Hand zwischen ihre gespreizten Oberschenkel.

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Orbit von Dubrillion – Kommandoschiff Erbe der Qual

Nom Anor hatte mit seiner Mission, Da'Garas und der anderen beiden Präfekten versprengte Truppen einzusammeln, auf Belkadan angefangen, weil er dort keine Gegenwehr befürchtete und sich zunächst eine brauchbare Eskorte aufbauen wollte, bevor er sich ins immer noch zur Neuen Republik gehörige Dubrillion aufmachte. Er hatte seinen auf Artorias von Dowron bekommenen Chryya-Flieger mitgenommen, um auf Dubrillion weniger Aufsehen zu erregen. Dabei wäre er fast draufgegangen, als ihn zwei der aufgespürten Skips zunächst pulverisieren wollten. Er hatte daraufhin einen Korallenskipperpiloten davon überzeugen können, mit ihm das Schiff zu tauschen. Jetzt saß also ein des Basic völlig unkundiger Yuuzhan Vong in jener technischen Scheußlichkeit und kommunizierte mit ihm per Villip ohne Gesichtskennung, den er für solche Gelegenheiten dabei hatte. Der Mann brauchte es nicht zu fliegen, sondern sollte einfach nur auf ihn warten. Nom Anor saß währenddessen im Yorik-et und zog, versteckt zwischen dem Brocken des hiesigen Asteroidengürtels, seine Kreise, um dann und wann ein Signal abzusetzen, auf das hin sich versprengte Schiffe nach und nach bei ihm meldeten.

Vua Shoolb saß in dem Chryya-Jäger und wartete. Es war jetzt schon zwei Tage her, dass ihn der Exekutor in dem Blechungetüm der Ungläubigen abgesetzt hatte, um mit seinem geliebten Korallenskipper Dubrillion zu umrunden und Kameraden einzusammeln. Nom Anor hatte ihm einige Verpflegungskugeln mitgegeben, auf dass er sich nicht an dem Essen der Ungläubigen auf dem Schiff selbst bedienen musste. Wasser gab es auch, doch das Warten in diesem Schiff, das für ihn nach Tod und Sünde roch, war das Schlimmste, was er seit seinem Eintritt in diese Galaxis erlebt hatte. Und er konnte noch nicht einmal irgendetwas tun, um die Eroberung weiter voranzubringen.

Ein gefährliches Brummen ertönte von außerhalb des Schiffes, kam näher und verstummte. Ein Feindschiff war gelandet und Vua Shoolb sollte weiter warten. Aber was, wenn die Feinde ins Schiff kamen? Stimmen wurden laut, Fäuste klopften gegen die Einstiegsluke des Chryya. Vua Shoolb schlich sich neben die Einstiegsluke und beschloss, sie zu überraschen. Hämmern wurde hörbar, hörte wieder auf. Etwas surrte und dann stand die Tür offen und zwei Männer traten ein, gekleidet in die orange Fliegertracht des Feindes. Sie stießen Laute der Überraschung aus, als sich der Yuuzhan Vong ihnen entgegen warf. Sie zogen ihre Blaster, aber Shoolb wich aus. Er trug keine Vonduun-Krabbenrüstung, war also ganz allein auf seine Schnelligkeit und seine Waffen gestützt. Ein Prallkäfer fand sein Ziel und der eine Pilot ging zu Boden. Der andere zielte mit seinem Blaster, aber Vua Shoolb sprang über den Schuss hinweg und riss den Tisch aus der Verankerung des Bodens, der ihm jetzt als Schild diente. Zwei Blasterschüsse prallten an diesem Behelfsschild ab, der dritte ging in Vuas Knöchel und ließ ihn zu Boden sinken. Der Mann kam an sein angeschossenes Opfer heran und wollte den Tisch wegziehen, dann überlegte er es sich offenbar anders, verließ das Schiff und schloss von außen die Tür.

Vua Shoolb setzte ihm nach, wollte die Tür öffnen, da hörte er ein vertrautes Geräusch. Es war das Brennen und Knistern der Plasmabälle, die Yorik-ets auf ihre Feinde abfeuerten. Im All konnte man davon für gewöhnlich nichts hören, aber hier im Orbit von Dubrillion hatte Vua Shoolb es ziemlich oft gehört – und es genossen, da es von erfolgreichen Treffern kündete. Er beschloss, erneut zu warten und dieses neue Warten fühlte sich nicht so schlimm an wie das vorige. Die Tür öffnete sich und der Exekutor trat ein, hinter ihm das qualmende Wrack eines Feindschiffs, dessen Besatzung noch nicht einmal aussteigen konnte, um ihrem Kameraden zu helfen, der zerfetzt am Boden lag, kaum dass er den Chryya-Flieger wieder verlassen hatte.

„Wir sind hier fertig", erklärte Nom Anor. „Und Sie haben sich wacker geschlagen und möchten bestimmt wieder Ihr Schiff zurück."

Vua Shoolb ging zu seinem Korallenskipper, den Nom Anor hinter dem Feindschiff abgestellt hatte, bestieg ihn und setzte sich die Steuerungshaube auf den Kopf. Endlich war seine Welt wieder in Ordnung gekommen. Nom Anors Chryya-Flieger erhob sich und mit etwa hundertfünfzig Korallenskippern im Schlepptau steuerte der Exekutor die Erbe der Qual an, jenes Kommandoschiff, auf welchem sie Kommandant Shedao Shai erwartete.

Die Erbe der Qual war ein riesiges, gelbliches Schiff, welches aus mehreren Ebenen bestand, die wie lose Halbkugeln auf- und nebeneinander geschichtet und durch mehrere, von der Ferne fragil wirkende Korridorschläuche miteinander verbunden waren. Es war schon lange her, dass Nom Anor ein solches Schiff gesehen hatte. Sie ließen sich zur vorgesehenen Andockbucht leiten. Zuerst schwebte der silberne Chryya hinein, dann folgten die Korallenskipper, einer nach dem anderen.

Nom Anor konnte den Kommandanten Shedao Shai sehen, der erschienen war, um die Rückkehrer zu begrüßen. Der hochgewachsene Yuuzhan Vong trug eine lilane Tracht, die mit einem goldenen Gürtel zusammengehalten wurde. Im Vergleich dazu wirkte Nom Anors braune Leinentracht, die er für Missionen dieser Art gerne verwendete, geradezu ärmlich, wenn nicht gar schlampig. Aber das, wovor ihm am meisten graute, war die Miene des Kommandanten, die sein scharfes Auge bereits von der Ferne sehen konnte. Shedao Shai schaute nicht nur reserviert, sondern offen feindselig und Nom Anor wurde sehr unwohl, je näher sein Chryya-Flieger sich dem Landeplatz näherte.

Er stieg aus und bewegte sich auf Shedao Shai zu, während die Korallenskipperpiloten in einiger Entfernung ausstiegen, um sofort von bereitstehenden Subalternen in die für sie organisierten Unterkünfte gebracht zu werden.

„Ich grüße Sie, Kommandant Shedao von der Domäne Shai, und wünsche Ihnen den Beistand Yun-Yammkas in den folgenden Operationen", begann Nom Anor.

Shedao Shai zog die dreifach geschartete Oberlippe hoch. „Exekutor Nom Anor, haben Sie diesen Beistand auch den Präfekten Da'Gara, Ma'Shraid und Dooje Brolo gewünscht?"

Ich habe ihnen sogar gesagt ‚Do-ro'ik vong pratte'. Aber solch eine freche Antwort würde den Kommandanten gewiss noch mehr erzürnen, also sagte Nom Anor: „Ich glaube nicht, dass das für Sie und Ihre Pläne noch eine Rolle spielt."

„Ihre früheren Aktivitäten spielen für mich insofern eine Rolle, als durch Ihr Versagen unsere Pläne verzögert wurden", erwiderte Shai. „Ich habe mir Ihren Bericht zukommen lassen, den Sie an den Obersten Kommandanten geschickt haben. Und nicht nur Ihren Bericht."

„Worauf wollen Sie hinaus?"

„Wir wollten diese Galaxis möglichst unauffällig betreten, Nom Anor. Und was ist geschehen?", dröhnte Shedao Shai und alle Offiziere oder Krieger im Umkreis von dreißig Metern drehten sich um. „Selbst so ein kleiner Außenposten des Feindes wie der auf Belkadan konnte den Eintrittsvektor der Praetorite Vong lokalisieren und ihnen folgen. Oder wie erklären Sie denn, dass Danni Quee und ihre Leute nach Helska IV geflogen sind?"

„Mit Verlaub, Kommandant, aber ich saß nicht an der Steuerung jenes Weltschiffes. Ich kann nur das analysieren und planen, was mir geliefert wird."

Verachtung für diese Rechtfertigung troff von Shedao Shais Mundwinkeln. „Und was können Sie mir zu dem fehlerhaften Yammosk sagen, der noch mehr Feinde angezogen hat, da Präfekt Da'Gara ihnen ja auch unbedingt auch diese unsere Errungenschaft präsentieren wollte?"

Nom Anor bewahrte die Gelassenheit. Natürlich könnte er die Schuld für den Yammosk jetzt seiner Halbschwester anlasten, allein, ihm behagte das ganz und gar nicht. Erstens hatte er aufgrund der Berichte von Da'Gara wirklich keinerlei Mängel an dem Kriegskoordinator feststellen können. Zweitens war Vilyu seine Halbschwester. Drittens würde sie nie wieder irgendetwas für ihn tun, wenn er sie jetzt anschwärzen würde. „Soweit ich weiß, arbeitete der Yammosk auf Da'Garas Weltschiff einwandfrei, bis die Feinde das Klima sabotierten, aber ich würde vorschlagen, dass wir diese Unterhaltung anderswo in ruhigerer Atmosphäre fortsetzen."

„Vielleicht wäre es dann ja für Sie gemütlicher, Nom Anor", ätzte Shedao Shai in derselben Lautstärke wie vorhin. „Aber würde es die Wahrheit erträglicher machen? Die hässliche Wahrheit, dass Sie und Ihre Praetorite Vong versagt haben?"

„Es geht hier auch um Sachen, die nicht unbedingt jeder hören sollte", wandte Nom Anor indigniert ein, „um Dinge, die nur für Kommandantenohren bestimmt sind."

„Ah, um Dinge, die nur für meine Ohren bestimmt sind, meinen Sie?"

Nom Anor nickte.

„Und was ist mit den Dingen, die nur für meine Augen bestimmt sind? Oder für alle Leute hier im Hangar?", bohrte der Kommandant und starrte penetrant in Nom Anors gutes Auge.

Der kleinere Yuuzhan Vong schaute an sich herunter. Sicher, sein Aufzug war nicht der schickste, aber er kam von einem Bergungseinsatz, nicht von einem abendlichen Empfang auf einem Kommandoschiff wie diesem … oder einem Weltschiff.

„Und Sie wissen noch nicht einmal, wovon ich spreche", zischte Shedao Shai. „Sie merken es einfach nicht!"

Der Kommandant schaute an dem Exekutor vorbei – hin zu dessen Chryya-Jäger, wo der Blick seiner schwarzen Augen hängen blieb, während sich seine Oberlippe erneut in Ekel hob.

„Sie dürfen mir glauben, dass es mich zutiefst anwidert, mit solchen mechanischen Scheußlichkeiten unterwegs sein zu müssen", beteuerte Nom Anor, dem viel zu spät ein Licht aufgegangen war, „aber da der Feind noch immer auf Dubrillion ist, fand ich es unumgänglich …"

„Sie fanden es unumgänglich, solch eine Perversion der Ungläubigen auf mein Schiff zu schleppen, so dass alle Leute sie hier sehen können, inklusive meiner Wenigkeit natürlich", deklamierte der Kommandant. „Ist es das, Exekutor Nom Anor?"

„Hätte ich das Schiff denn einfach dort lassen sollen? Beim Feind? Ich brauche es noch."

„Natürlich hätten Sie es einfach stehenlassen und per Villip ein angemessenes Transportmittel von mir erbitten können. Aber Sie brauchen Sie es ja noch, Exekutor Nom Anor!", höhnte Shedao Shai.

Nom Anor fand es unerträglich, wie Shedao Shai seinen Titel benutzte. Der Kommandant brachte es doch tatsächlich fertig, das Wort Exekutor wie eine Beleidigung auszusprechen. Und sein Spott traf ihn – jedes Mal, wenn der andere das Wort aussprach.

„Sie brauchen dieses Schiff, Nom Anor, weil Sie es bislang nämlich nicht geschafft haben, unsere Invasion derart voranzubringen, dass Sie derartige Versteckspiele gar nicht mehr nötig hätten!"

„Ich habe die Codes bei mir, die Sie bekommen sollen", überging Nom Anor den erneuten Spott. „Ich werde sofort starten, so dass mein Schiff Ihr Kommandoschiff nicht länger behelligt – genauso wenig wie ich."

„Nicht so schnell, Exekutor!", bellte Shai. „Ich verstehe durchaus, dass Sie zu lange unter den Ungläubigen gelebt haben und deshalb biete ich Ihnen jetzt die Chance zur Erholung und Läuterung."

Das letzte Wort brannte in Nom Anors Ohren. Er zwang sich zur Ruhe, dass die Spitzen seiner Ohren nicht zittern mochten.

„Nom Anor, Sie werden sich auf Ebene Drei begeben. Dort steht eine Umarmung des Schmerzes für Sie bereit, die Sie vier Stunden lang nutzen dürfen. Anschließend ist es Zeit fürs Abendessen, welches Sie mit mir in der Offiziersmesse einnehmen werden. Anschließend wird Ihnen ein Quartier zugewiesen und anschließend werden Sie für einen Monat mein Gast sein, um zu sehen, wie versierte Krieger die Welt Dubrillion einnehmen werden – keine Möchtegernkrieger, die eigentlich Verwalter sind."

„Mit Verlaub, ich hatte mit Kommandant Tsaak Vootuh besprochen, dass ich in vierzehn Tagen …"

„Das werde ich alles mit dem Obersten Kommandanten persönlich regeln", unterbrach ihn Shedao Shai. „Aber zunächst einmal: Willkommen auf der Erbe der Qual, Nom Anor."

Der gedemütigte Exekutor griff in eine Brusttasche und überreichte Shedao Shai den organischen Speicher in Käferform, der die Codes enthielt, die ihm einst Präfekt Da'Gara gegeben hatte. Für einen Moment bedauerte Nom Anor, auch diese letzten Überreste der Praetorite Vong an die eigentliche Kriegerkaste übergeben zu müssen. Allerdings verfügte er weder über einen Miid Ro'ik, noch über andere größere Kampfschiffe, um jenen Korallenskippern eine eindrucksvolle Basis und damit ein militärisches Heim zu bieten. Von jetzt an war er in seinen Unternehmungen auf Gedeih und Verderb der Kriegerkaste seines Volkes ausgeliefert, wenn seine Missionen auf heiße Kämpfe hinausliefen.

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Coruscant – Senat der Neuen Republik – genau zwei Monate nach Beginn der Yuuzhan Vong-Invasion

Leia Organa-Solo war nervös. Es war so ähnlich wie, als sie zum ersten Mal als blutjunge Achtzehnjährige eine Ansprache im damals imperialen Senat gehalten hatte. Jetzt war sie keine Achtzehn mehr. Der Imperator war fort und doch war der Senat der Neuen Republik nicht mehr der, dem sie damals nach der Schlacht von Endor unter der Leitung von Mon Mothma als Ratsmitglied gedient hatte.

Da saßen mehr Nichtmenschen als Menschen an den Pultreihen und mindestens die Hälfte davon waren neue Gesichter. Sie konnte Senatorin Viqi Shesh von Kuat ausmachen. Die Kuati mochte nur wenige Jahre jünger sein als Leia und sie war nicht unbedingt eine politische Verbündete. Rechts und links von Viqi saßen zwei Männer, deren wesentlich jüngeres Alter als das ihrer Chefin man erst auf den zweiten Blick sehen konnte. Leia wusste, dass es sich bei diesen beiden Männern um Telbuns handelte, die rein formal als Sekretäre bzw. Stabsmitarbeiter galten, aber privat noch ganz andere Dienste für die Senatorin erbrachten, Dienste, bei denen sich Leias Oberlippe kräuselte.

Ihr Blick schweifte weiter zum ebenfalls menschlichen Senator Cal Omas, der die Exilalderaaner vertrat. Der grauhaarige Mann lächelte ihr zu, aber nur kurz, während seine nichtmenschlichen Senatskollegen nebenan ihren Blick geflissentlich mieden und Leia wusste warum, auch wenn sie es nicht – noch immer nicht verstand.

Rechts neben Leia stand ihr getreuer Noghri-Leibwächter Bolpuhr, aber auch er würde sie nicht vor den stichelnden Gemeinheiten schützen, die im Senat der Neuen Republik mittlerweile gang und gebe waren. Sie schaute rückversichernd über ihre Schulter nach hinten links und sah Danni Quee. Die frühere Leiterin des nun zerstörten Außenpostens ExGal-4 auf Belkadan hatte zusammen mit Leia und anderen Wissenschaftlern wochenlang an dem Bericht gearbeitet, dessen wichtigste Punkte sie nun dem Hohen Haus vortragen wollten. Aber die frühere Staatschefin wusste auch, dass harte Fakten und logische Argumente nicht immer ausreichten, um andere Leute zu überzeugen – nicht die Senatoren und Ratsmitglieder von heute und vor allem nicht den jetzigen Staatschef. Dieser Staatschef ließ sie warten – und Leia war sich nicht sicher, ob dieses Wartenlassen aus purer Böswilligkeit erfolgte oder aber wirklich nur dem protokollarischen Prozedere des geplanten Sitzungsablaufes geschuldet war – einem sehr langen Prozedere, wenn sie daran dachte, dass sie bereits seit anderthalb Monaten auf diese Anhörung gedrängt hatte.

„Vielen Dank, Senator Wynl, für Ihren Beitrag. Es passiert nicht oft, dass unser Haus von einer ehemaligen Staatschefin beehrt wird, die noch nicht einmal mehr Senatorin ist und sich vollständig aus dem politischen Leben zurückgezogen hat. So dachte ich bislang zumindest", begann Borsk Fey'lya mit brummender Stimme. „Und daher ist es mir eine besondere Freude, einmal mehr eine Frau in dieser Kammer willkommen zu heißen, die hier stets mehr zu Hause war als irgendjemand sonst in der Geschichte des Senats. Ich darf Ihnen also Leia Organa-Solo, die Botschafterin von Dubrillion, vorstellen."

Leia Organa-Solo schritt auf die Empore, auf welcher zwei Sprechpulte standen – eines für sie und am Pult rechts davon stand der Staatschef, der diese Senatssitzung leitete.

Vor einem Monat war sie auch offiziell zur Botschafterin eines angegriffenen Planeten ernannt worden. Im Gegensatz zu ihrer üblichen opulenten Aufmachung als Staatsrepräsentantin oder Prinzessin trug Leia jetzt schwarze Hosen und dazu farblich passende Stiefel sowie eine einfarbig türkise Seidenbluse. Ihr Haar hatte sie bar jeden sichtbaren Haarschmucks zu einem strengen Knoten zurückgebunden – alles Anzeichen für die ernste, ja kriegerische Natur dessen, was sie nun vortragen würde – aber die simple, ja karge Tracht war auch symbolisch für ihre Erfahrung mit solchen Situationen und für ihre Entschlossenheit.

„Danke, Staatschef Fey'lya. Hoch geschätzte Senatoren, verehrte Gäste, ich überbringe Ihnen die Grüße und besten Wünsche der Bevölkerung von Dubrillion, deren Anliegen es ist, dass ich Sie über eine ernste Krise im Äußeren Rand in Kenntnis setze", hub sie an. „Eine bislang unbekannte Spezies hat unlängst am Rand unserer Galaxis eine Serie von Angriffen durchgeführt. Sie haben die Forschungsstation ExGal-4 auf Belkadan ausgelöscht, Dubrillion überfallen, bei Helska IV das republikanische Kampfschiff Jungbrunnen zerstört und schließlich den Planeten Sernpidal vernichtet, indem sie den Mond dieser Welt auf die Oberfläche stürzen ließen. Es ist uns gelungen, den Stützpunkt der Fremden auf Helska IV zu lokalisieren und zu zerstören, aber damit ist die Gefahr noch nicht gebannt."

Leia ließ eine Pause, blickte zu ihrer Zuhörerschaft und sah konsterniert, wie viele Senatoren sich zu langweilen schienen, als wäre sie nur die Erzählerin in einem Kuati-Sittenstück. Eigentlich verwunderte sie das nicht, denn diese Neuigkeiten waren längst bekannt. Und genau deshalb fand Leia es an der Zeit, dass diese Übergriffe der Extragalaktischen endlich auch Thema im Senat der Neuen Republik wurden, anstatt weiterhin geflissentlich vom Hohen Haus ignoriert zu werden.

„Luke Skywalker hat auf Belkadan Hinweise auf eine ökologische Katastrophe gefunden, die die Zusammensetzung der Atmosphäre dieser Welt von Grund auf verändert hat. Diese Katastrophe wurde bis zu einem fremden Agenten zurückverfolgt, der sich auf dem Planeten aufhielt und getötet wurde, als er auf Mara Jade Skywalker losging. Diese Hinweise legen den Schluss nahe, dass die Fremden den Planeten zu ihrer Invasionsbasis machen wollten."

Sie hielt erneut inne, und der bucklige, reptiloide Senator, der vor Leia gesprochen hatte, nutzte die Pause, um sich von seinem Sitz zu erheben. Sofort wandten so gut wie alle Senatoren ihre Aufmerksamkeit dem braunen Baragwin zu, dessen Spezies-Gemeinden, die er hier vertrat, überall in der Galaxis verstreut waren.

Fey'lya nickte Senator Wyln zu und dieser öffnete seinen lippenlosen Mund. „Ich würde die Sprecherin gerne fragen, ob sie dieselbe Leia Organa-Solo ist, deren sogenannte Friedensbemühungen auf Rhommamool dazu geführt haben, dass vor zwei Monaten der dortige Anführer Nom Anor zu Tode kam, was dazu führte, dass die Rhommamoolianer Osarian besetzten."

Leia hob die Hände. „Bei allem schuldigen Respekt, Senator Wyln, aber der Krieg zwischen Rhommamool und Osarian hat wenig bis nichts mit der Invasion zu tun, von der ich hier spreche."

Fey'lyas Mund deutete ein ironisches Lächeln in ihre Richtung an. „Wenig bis nichts? Das würde bedeuten, dass es möglicherweise doch irgendeine Verbindung gibt."

Leia nickte unbehaglich. Der Baragwin hatte sie aus dem Konzept gebracht und in ihrer Erwiderung auf seine Provokation hatte sie einen Gedanken herausrutschen lassen, den sie bislang nur mit ihrer Familie und mit Lando besprochen hatte. „Als der Eindringling Mara angriff, versuchte er zuerst, R2D2 zu zerstören, den Astromechdroiden meines Bruders. Dabei brüllte der Fremde die gleichen gegen Droiden gerichteten Sprüche, die auch die Roten Ritter für das Leben von Rhommamool während ihrer Säuberungszüge verwenden."

Borsks violette Augen zwinkerten. „Wollen Sie damit sagen, dass die Roten Ritter hinter der Vergiftung von Belkadan, der Vernichtung von Sernpidal und hinter dem Überfall auf Dubrillion stecken? Und dass sie Waffen besaßen, die einen Mond aus seiner Umlaufbahn zerren konnten, aber nicht in der Lage waren, ihren Anführer gegen einen Angriff der Osarianer zu verteidigen? Verstehe ich Sie da richtig?"

Leia legte einen Eiseshauch in ihre Stimme. „Nein, ich glaube nicht, dass Sie das tun, Staatschef Fey'lya. Ich glaube keineswegs, dass der Fremde auf Belkadan unter dem Einfluss der Roten Ritter stand, aber es ist durchaus möglich, dass die Roten Ritter Teil eines Komplotts zur Zerschlagung der Neuen Republik sind."

Niuk Niuv, Senator von Sullust, erbat das Wort und bekam es erteilt. „Ich denke, Sie wollen uns von der Bedrohung ablenken, die der Jedi-Orden gegenwärtig für die Neue Republik darstellt. Es ist bekannt geworden, dass einer der Jedi aufseiten der Osarianer gekämpft und damit den Krieg vom Zaun gebrochen hat. Sie sagen, ein Jedi habe Ihnen von diesem Fremden auf Belkadan und von seinen Worten berichtet. Ich bin nicht dumm genug, um nicht die Hand eines Jedi zu erkennen, der uns von den Schwierigkeiten ablenken will, die uns sein Orden anderswo beschert hat."

Leias Stimme wurde einige Töne höher und lauter. „Der Jedi auf Belkadan war mein Bruder, der Jedimeister Luke Skywalker!"

„Und wer könnte ein größeres Interesse daran haben, die Fehler seiner Schüler …", der Sullustaner ließ eine dramatische Pause, „… oder die Fehler des Zwillingsbruders vergessen zu machen?

In den hinteren Rängen kicherten einige Senatoren und Leia zwang sich, den Griff um das Pult wieder zu lockern. „Ich weiß um die Kontroverse, die um die Rolle der Jedi entbrannt ist, aber ich bitte Sie nach bestem Wissen und Gewissen, über diesen Streit hinwegzusehen und Ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was ich Ihnen zu sagen habe. Jenseits der Grenzen unserer Galaxis wurde eine Invasion ins Werk gesetzt, die die Neue Republik auslöschen wird, wenn Sie nichts dagegen unternehmen."

Der Quarren-Senator Pwoe stand auf und fuhr mit den Fingerkuppen über das tentakelbewehrte Kinn. „Ich bin verwirrt, Botschafterin. Sie haben uns eben mitgeteilt, dass Sie Teil eines Unternehmens zur Zerstörung der eindringenden Streitmacht waren. Ich war zu der Überzeugung gelangt, Sie hätten Erfolg gehabt."

„Ja, hatten wir."

„Es hat also keine weiteren Sichtungen dieser Invasoren mehr gegeben?"

„Nein, aber ..."

Pwoes schwarze Augen glitzerten tückisch. „Besitzen Sie Beweise, die sie mit den Roten Rittern in Verbindung bringen, die über bloßes Hörensagen hinsichtlich gewisser Bemerkungen eines inzwischen verstorbenen Individuums hinausgehen?"

„Das nicht, jedoch …"

„Besitzen Sie überhaupt irgendwelche greifbaren Beweise für die Existenz dieser ominösen Invasoren?", fiel Pwoe Leia erneut ins Wort.

„Einige. Ein paar Leichen, einige ihrer Korallenskipper."

Fey'lya lächelte und ließ die spitzen Zähne aufblitzen. „Korallenskipper?"

Leia schloss die Augen und seufzte. „Diese Fremden scheinen von genetisch erzeugten biomechanischen Organismen abzuhängen. Sie züchten ihre Sternjäger aus sogenannten Yorik-Korallen."

Der Bothaner schüttelte den Kopf. „Wollen Sie uns damit erzählen, dass sie Mineralien benutzt haben, um einen Sternzerstörer vom Format der Jungbrunnen zu vernichten?"

Leia musste sich anstrengen, den Kopf nicht zu senken. „Ja."

Fey'lyas violette Augen blinzelten und Leia erinnerten sie in diesem Moment an gleichfarbige Korallenskipper.

„Ehemalige Staatschefin Leia", setzte der Quarren sein Kreuzverhör fort, „Sie sagten doch vorhin, dass Sie die Basis dieser Invasoren auf Helska IV vernichtet hätten. Welche Beweise dafür, dass die Fremden dort eine Basis hatten, gibt es denn überhaupt?"

„Wir haben den ansonsten unbewohnten Planeten gesprengt; wir mussten es tun, sonst hätten die Yuuzhan Vong noch weitere Welten zerstört!", rief Leia.

Übelwollender Glanz erschien in Pwoes Augen. „Genau wie die Invasoren Sernpidal und Belkadan. Wissen Sie eigentlich, was es für ein Sternensystem bedeutet, wenn man einfach so einen Stern aus dessen Mitte nimmt? Wenn ich mich recht erinnere, ist Helska IV in der Tat der mittlere Planet von insgesamt sieben gewesen, und gerade Sie als Überlebende eines vernichteten Planeten müssten verstehen, dass so etwas unverzeihlich ist, egal ob der Planet bewohnt ist oder nicht!"

Leia schnappte nach Luft. „Wie können Sie es wagen!"

Aber Pwoe war noch nicht fertig. „Leia, als jemand, der in der Vergangenheit zu Ihnen aufgeblickt hat, bitte ich Sie inständig, fürderhin zu schweigen. Merken Sie nicht, wie bejammernswert Sie hier erscheinen? Sie haben sich für den Rückzug aus dem öffentlichen Leben entschieden. Es steht Ihnen nicht zu, jetzt vor uns zu erscheinen, und das mit dieser Geschichte - einem derartig durchsichtigen Versuch, die Kontrolle von uns zurückzuerlangen."

„Von Ihnen?!", fragte Leia scharf.

„Ja, von uns Nichtmenschen." Pwoe sah sich siegessicher im von Nichtmenschen dominierten Senat um. „Ich verstehe ja, dass Sie Ihren Bruder und Ihre Kinder schützen wollen, aber glauben Sie wirklich, dass wir nicht in der Lage wären, künftige Katastrophen auch ohne Sie zu überstehen? Wir alle kennen das Verlangen der Menschen nach Macht", er ließ eine Pause, um seinen Triumph auszukosten. „Wir haben Sie dafür bewundert, dass Sie dieses Verlangen solange zu beherrschen vermochten, doch jetzt sage ich Ihnen: Ihre Zeit ist vorbei. Genießen Sie Ihren Ruhestand und verschonen Sie uns mit solchen Bedrohungsszenarien, um sich wichtig zu machen."

Leia hob beschwörend ihre Hände. Sie hatte keine Lust, sich weiter mit den grotesken Anschuldigungen des Quarren auseinanderzusetzen. „Alles, was ich Ihnen sage, ist die Wahrheit. Es geschieht wirklich. Mag sein, wir haben die Vorhut zurückgeschlagen. Aber sie werden kommen."

Der Sullustaner Niuk Niuv bedeckte theatralisch die Ohren mit den Händen. „Bitte, Leia, kein Wort mehr, kein Wort. Ihre Treue zu den Jedi ist lobenswert, aber dieser Versuch, uns gegen eine derart imaginäre Bedrohung beizustehen …", er schüttelte verächtlich den Kopf, so dass seine gelben Wangenlappen erzitterten, „… ist Ihrer nicht würdig!"

Sein Baragwin-Kollege Wyln rümpfte die stumpfe Nase. „Aber sehr menschlich."

„Menschlich oder nicht", bügelte Leia den Angriff ab. „Ich habe hier eine Augenzeugin, die sich eine Woche lang in Gefangenschaft dieser Fremden befunden hat. Darf ich Ihnen Danni Quee, Leiterin des von den Invasoren verwüsteten Außenpostens ExGal-4 auf dem verheerten Belkadan vorstellen?"

Danni Quee ging zum Podium, um sich neben Leia zu stellen.

„Natürlich – wieder ein Mensch", mokierte sich der Senator von Rodia.

Fey'lya nickte und Leia trat zur Seite, damit Danni Quee das Wort ergreifen konnte: „Senator, ich hätte Ihnen gerne auch meine Twi'lek-Kollegin Tee-ubo Doole vorgestellt, doch leider fand man ihre Leiche auf Belkadan, vergiftet von den Gasen, die mein früherer Kollege, der verkleidete Yuuzhan Vong Yomin Carr, auf Belkadan verbreitet hatte."

Pwoe zeigte anklagend mit einem langen, weißlichen Finger auf die Astronomin. „Wie kam es denn überhaupt, dass Sie allein überlebt und von den ach so grausamen Invasoren verschont wurden, Mrs. Quee, während all Ihre Kollegen starben?"

„Ich muss doch sehr bitten, Kollege", erklang von der linken Seite ein süßlich klingende Stimme.

Leia schaute zu Senatorin Viqi Shesh, die sich von ihrem Sitz erhoben hatte und auch sogleich vom Staatschef das Wort erteilt bekam. „Es ist natürlich eine Tragödie, die Ihrer Station auf dieser Randwelt wiederfahren ist, Mrs. Quee. Ich weiß, dass es nicht immer einfach für Sie war, Gelder für eine angemessene Forschung oder Ausrüstung zur Verfügung gestellt zu bekommen, wenn ich zum Beispiel an das alte Schiff denke, in dem sie gefangen genommen wurden. Ich bin überzeugt davon, dass Ihre Informationen für die Zukunft ein Segen für die ExGal-Gesellschaft sein werden, sobald ihre Richtigkeit bestätigt wurde."

„Die Mittel waren ausreichend, so dass wir die Invasoren auf frischer Tat ertappen konnten", konterte Danni. „Und ich habe bereits alles, was ich auf Belkadan und Helska IV herausgefunden habe, in dem Bericht niedergeschrieben, den Botschafterin Leia Organa-Solo diesem Haus bereits hat zukommen lassen."

Viqi Shesh fuhr sich mit der fein manikürten Hand durch ihr büstenlanges Haar, das so schwarz war wie die Teergruben von Alurion. „Dann sollten diese Ihre Erkenntnisse auch weiterhin in neutraler Hand bleiben, anstatt von bestimmten Gruppierungen als Druckmittel missbraucht zu werden, um eigene Machtansprüche durchzusetzen."

„Wenn es solche Versuche gibt, dann nicht von den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite", widersprach Danni.

„Dann schauen Sie doch einfach mal links neben sich, Mrs. Quee", sagte Senator Wyln spitz und seine orangen Augen fixierten Leia. „Diese junge Frau kommt Ihnen doch gerade recht, nicht wahr? Sie können mit ihrem Schicksal so herrlich Mitleid erregen und glauben, damit zu bekommen, was immer Sie wollen."

„Wie können Sie es wagen!?", erklang eine Stimme aus dem Zentrum des Plenarsaals und alle schauten dorthin.

Ein schlanker Nichtmensch mit goldenem Fell und Purpurstreifen, die sich von den Augenwinkeln schräg aufwärts nach hinten über seinen Kopf zogen, war aufgestanden und richtete sich zu seiner vollen Größe von ein Meter neunzig auf.

„Wie kann es auch nur einer von Ihnen wagen, so mit ihr zu sprechen? Wenn es diese Frau und die Opfer ihrer Familie nicht gegeben hätte, wäre niemand von uns hier. Die meisten von uns wären längst tot." Senator Elegos A'Kla öffnete die dreifingrigen Hände. „Ihre offenkundige Undankbarkeit verleiht der Vorstellung der Imperialen, nach der wir alle nur Tiere sind, im Nachhinein Glaubwürdigkeit!"

Der rodianische Senator stieß seinen mit Saugnapf bewehrten Finger nach dem Caamasi-Senator. „Vergessen Sie nicht, dass Leia früher im imperialen Senat saß! Sie war eine von ihnen."

Elegos A'Kla kniff die lilanen Augen zusammen. „Merken Sie eigentlich, wie schwachsinnig Sie sich dabei anhören? Leia mit den Imperialen in einen Topf zu werfen ist die pure Verleumdung – imperiale Propaganda vom Feinsten!"

Der Sullustaner Niuk Niuv meldete sich erneut zu Wort. „Ihr Tadel hätte mehr Gewicht, Senator A'Kla, wenn Sie nicht dafür bekannt wären, schon früher mit den Jedi zusammengearbeitet zu haben. Ihre Sympathien für die Jedi reichen tief. War Ihr Onkel nicht einer von ihnen?"

Elegos warf in einer eleganten Bewegung den Kopf zurück. „Meine Verbundenheit mit Freunden und Verwandten, die zu den Jedi gehören, macht mich nicht blind für das, was Leia hier zu sagen versucht hat. Bitteschön, es steht Ihnen allen frei, in den Jedi eine Gefahr zu sehen – ich will sogar einräumen, dass die Handlungen mancher von ihnen mir wenig erfreulich erscheinen -, aber sie berichtet hier von einer neuen, möglicherweise weit größeren Bedrohung für die Neue Republik. Diese Gefahr mutwillig zu ignorieren ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit!"

Pwoes Fangarme rollten sich im Zorn auf. „Was Sie sagen ist schön und gut, A'Kla, aber Ihr Volk hat sein Überleben um großen Teil Leia und ihrer Familie zu verdanken. Viele Ihrer Leute sind auf Alderaan ums Leben gekommen, und Sie stehen seit Jahrzehnten unter dem Schutz des Schuldbewusstseins und der Wohlfahrt der Menschen. Da ist es nicht überraschend, dass gerade Sie sich hier erheben und für sie sprechen. Sie gleichen einem Nek-Kampfhund, der die Hand des Trainers leckt, der ihn gezähmt hat."

Danni fühlte, wie diese Bemerkung Leia traf und erschütterte. Sie spürte auch, dass die andere Frau etwas darauf erwidern wollte und räumte das Rednerpult.

„Sie mögen mir alle erdenklichen finsteren Motive unterstellen. Ich verstehe sogar, dass Sie Ihre alten Ressentiments auf mich übertragen, wenngleich ich geglaubt hatte, meine Geschichte hätte Sie gelehrt, für welche Seite mein Herz schlägt. Sie betrachten die Neue Republik als Ihren Besitz und dass Sie sich endlich dazu durchgerungen haben, Verantwortung zu übernehmen, findet meinen Beifall. Ganz gleich, was Sie denken mögen: Diese Versammlung hier erfüllt mich mit Stolz. Was mich indes enttäuscht, ist Ihre Selbstsucht. Die Kraft der Neuen Republik erwuchs stets aus der Vereinigung der unterschiedlichen Völker." Leia zuckte die Achseln und richtete sich noch etwas höher auf. „Ich werde Ihnen alles überlassen, was wir über die Invasoren in Erfahrung gebracht haben. Ich hoffe, Sie werden diese Informationen nutzen, wenn Sie die Zeit finden, sich mit ihnen zu beschäftigen."

„Ich denke, das war ein gutes Schlusswort meiner Vorgängerin in diesem Amt", schaltete sich Borsk Fey'lya wieder ein, um Leias Besuch und damit auch die Debatte zu beenden. „Und jetzt ist es Zeit für die Mittagspause."

Die Senatoren tuschelten noch etwas, dann erhoben sie sich und verließen den Plenarsaal.

Leia drehte sich zu dem Mann um, der seit zwei Jahren ihr Nachfolger als Staatschef der Republik war. Borsk schien sie mit seinen lilanen Augen zu prüfen, bevor er fragte: „Was werden Sie jetzt unternehmen, Leia?"

Sie schaute ihn an und spielte gedanklich alle finsteren Szenarien durch, die den Bothaner umtreiben mochten, sie jetzt in ein Gespräch zu verwickeln. Hast du etwa Angst, ich könnte einen Staatsstreich anzetteln, Borsk?

„Ich werde tun, was ich tun muss. Die Neue Republik mag mich im Stich lassen, aber ich werde die Republik jedenfalls nicht im Stich lassen. Dieser Bedrohung muss Einhalt geboten werden."

Das Rückenfell des Bothaners richtete sich langsam auf. „Sie bekleiden kein öffentliches Amt mehr. Sie können nicht einfach Ausrüstung anfordern, Befehle erteilen und dergleichen."

Sie erkannte, dass er auf ihre erfolgreichen Aktivitäten anspielte, die Jungbrunnen und andere Schiffe für die Operation Helska IV heranzuziehen. Langsam schüttelte sie den Kopf, dann lächelte sie, als sie Senator A'Kla von der Seite kommen sah. „Ich kenne die Regeln, Staatschef Fey'lya. Sowohl die öffentlich festgelegten als auch die, nach denen das Spiel wirklich gespielt wird. Es ist nicht mein Wunsch, mich gegen Sie zu stellen; zwingen Sie mich also nicht dazu."

Elegos legte Leia begütigend eine Hand auf die Schulter. „Dieser Senator möchte mehr über die drohende Gefahr erfahren. Ich denke, Staatschef Fey'lya, es besteht kein Interessenkonflikt zwischen meinen Ermittlungen und meinem Amt."

„Ein Interessenkonflikt, nein …" Die violetten Augen des Bothaners verengten sich zu Schlitzen. „Aber gehen Sie mit Bedacht zu Werk. Neugier ist willkommen, Verrat jedoch wird bestraft werden. Sie verstehen mich."

Der Caamasi nickte und Leia tat es ihm gleich. „Ihre Botschaft ist angekommen, Staatschef Fey'lya. Senator A'Kla und ich werden sehr vorsichtig sein, aber das Gleiche sollte auch für Sie gelten. Eine Verurteilung wegen Hochverrats in diesen Zeiten könnte die gesamte zukünftige Geschichte gegen Sie aufbringen, falls die Invasoren jemanden davonkommen lassen, der sich darum noch schert."

Der Hauch eines Lächelns umspielte Fey'lyas Mund. „Ich sorge dafür, dass es nicht so weit kommt."

Die Botschaft hörte Leia wohl, allein, ihr fehlte der Glaube. Natürlich wirst du wie immer deinen Kopf aus der Schlinge ziehen, während andere für deine Versäumnisse büßen müssen, Borsk.

Fey'lyas Lächeln wich einer sachlichen Miene. „Ich wünsche Ihnen beiden viel Erfolg. Passen Sie auf sich auf."

Die Stimme des Staatschefs war voll und tief bei diesen Abschiedsworten und für einen Moment schien es Leia, dass er sich wirklich um sie und den Caamasi sorgte, dass Borsk Fey'lya vielleicht sogar verstand, was für sie alle auf dem Spiel stand.


Note der Autorin: Der dritte und vierte Abschnitt dieses Kapitels enthalten Ereignisse des Comics „Invasion, Teil I: Angriff der Yuuzhan Vong" von 2010 und „Invasion, Teil II: Die Rettung" von 2011 der Star Wars-Invasion-Comicreihe von Panini, die beide zeitlich zwischen Band 1 „Die Abtrünnigen" und Band 2 „Die Schwarze Flut" der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" angesiedelt sind.

In Teil I dieser Comicreihe kann man auch eine sogenannte Umarmung des Schmerzes sehen. Dieses Wesen wurde bereits in Kap. 6 dieser Geschichte „Auf der Jagd", erwähnt, welches im Jahre 2 nach der Schlacht von Yavin spielt. Kap. 9 und 10 beschäftigen sich mit der Vorgeschichte zu Nina Galfridian.

Der fünfte Abschnitt dieses Kapitels enthält Begebenheiten und Zitate aus „Die schwarze Flut" von Michael Stackpole, Bd. 2 der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von 2001.