Orbit des Planeten Dubrillion – 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin – zwei Monate nach Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong

Nom Anor schaute missmutig auf sein Komlink. Es war jetzt schon zwei Monate her, dass sich Nina Galfridian bei ihm gemeldet hatte. Der Miid Ro'ik namens Lish Q'ah von Kommandant Azca, der eigentlich Artorias hätte einnehmen sollen, war einem Selbstmordanschlag zum Opfer gefallen und von seinem Nachfolger, der jetzt Artorias verwaltete, hatte er keinen Villip. Aber selbst wenn er einen hätte … In den Nachrichten galt Nina Galfridian als verschollen und Nom Anor musste davon ausgehen, dass sie entweder aus Unwissenheit den eigenen Leuten zum Opfer gefallen war oder aber … er mochte sich diese Möglichkeit nicht einmal vorstellen. Alle Informationen, die ihm die frühere Gestalterin über Artorias gegeben hatte, waren korrekt gewesen. Es war Nina Galfridian zu verdanken gewesen, dass der Planet so schnell und weitgehend reibungslos eingenommen werden konnte. Er gab eine andere Frequenz in sein Komlink ein und dort endlich meldete sich jemand.

„Agent Lac'du, was gibt es?"

„Ich habe endlich Nachricht über den Verbleib der Königin, Exekutor. Sie ist an Bord des Sklavenschiffes Tsam P'ah von Kommandeur Sha'kel. Das Schiff ist momentan auf der Welt Rychel, um dort seine Fracht zu löschen."

Nom Anor atmete auf. „Dann ist sie also bei unseren Leuten."

„Ja, mit ihrer Tochter Kaye, die dem Kommandanten als Schmusetier dient."

Nom Anor lächelte fein. Was für ein raffinierter Schachzug! So eine Scharade hätte er seiner Agentin gar nicht zugetraut. Und das, wo Niina Zun'qel vor siebzehn Jahren so entsetzt gewesen war, als er sie auf Artorias an den Duros Dowron verhökert hatte. Jetzt also war die menschliche Ziehtochter seiner Agentin als Schmusetier bei einem Yuuzhan Vong – so war die Welt in Ordnung, auch wenn Nom Anor sich so etwas für sich selbst nicht vorstellen mochte. Es reichte schon, dass er so viele Agenten kontrollieren und abschöpfen, so viele Pläne ausarbeiten und umsetzen musste. Und er hatte auch keine Leute, die so ein Schmusetier bewachen würden, falls er nicht in seinem derzeitigen Domizil weilte. Wo würde das wohl in Bälde sein? Und es müsste schon so eine ergebene Anhängerin wie diese Twi'lek sein, die sich sein Vorgänger She'i Vish damals in seinem Quartier auf Ryloths Mond als Intima gehalten hatte. Ihm fiel sogar ein, dass die Frau Tin'de geheißen hatte. Aber was hatte man denn von einem Wesen, das einem wie eine Sprechpuppe alles nachplapperte, was man vorgab?

Seine Gedanken krochen wieder zurück ins Hier und Jetzt. Wie entsetzt die junge Kaye gewesen sein musste, dass ihre Mutter sie derart an den Feind ausgeliefert hatte. Und wie entsetzt erst, wo sie das wahre Wesen ihrer Mutter erkannt hatte. Aber warum hatte sich Nina dann immer noch nicht wieder bei ihm gemeldet? Sicherlich gab es einen triftigen Grund, dass sie jetzt keinen Kontakt aufnahm. Vielleicht war es wegen der Tochter, auf die sie noch Rücksicht nahm. Vielleicht … Das führte zu nichts.

„Was ist mit dem Jungen, Finn?", sprang er zu einem anderen Thema.

„Der Jedi Luke Skywalker ist unerwartet aufgetaucht und hat Leute evakuiert, darunter auch den Königssohn", sagte Lac'du. „Ich bin noch dabei, seine Position zu lokalisieren."

„Wie konnte Luke Skywalker so schnell reagieren, nachdem Sie die Schiffe sabotiert hatten?"

Lac'dus Mund verzog sich. „Ich sag nur eins – Jedikräfte. Ich hab mitbekommen, dass Finn Galfridian eine Ausbildung von Meister Skywalker persönlich erhalten wird."

Ein Jedi für Nagme – endlich! Sicherlich würde ihm Nina den Jungen geben, so wie sie ihre Tochter bereits dem Kommandanten Sha'kel vermacht hatte.

„Wo sind Sie jetzt?", fragte Nom Anor.

„Am ehemaligen Raumhafen von Artorias. Die Vongformung des Planeten verläuft wie geplant."

Schade, dass Nina jetzt nicht auch dort war. Das war ja ihr Fachgebiet. Blieb nur noch eine unsichere Variable.

„Agent Lac'du, ich wünsche, dass Sie sich in spätestens zwei Wochen um König Caled kümmern. Jetzt, wo seine liebende Gattin und seine Kinder nicht mehr bei ihm sind, wird er am Boden zerstört sein. Ich habe dir damals dein Glück verschafft und ich kann es dir auch wieder nehmen, wenn die Zeit gekommen ist.

Das gute Auge von Lac'du glänzte. „So wird es geschehen, Exekutor. Sie ahnen gar nicht, wie angenehm es war, sich endlich wieder in der Umarmung des Schmerzes zu befinden."

Nom Anor setzte ein verständnisvolles Lächeln auf. „Ich hatte jüngst ein ebensolches Vergnügen."

Er strich über die Mulde und der Villip stülpte sich wieder um. Wenigstens die Dinge auf Artorias liefen, wie sie sollten. Das Einzige, was noch nicht eingetreten war, war die offizielle Enthüllung von Nina Galfridian als Yuuzhan Vong. Aber sicherlich musste auch seine Agentin noch die geeigneten Vorbereitungen treffen, einen guten Zeitpunkt wählen, ihren Sohn herlocken und ihn ihm übergeben, auf dass sich Nagme freuen würde …

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„Yuledan?"

Der Ruf scholl über das Geröllplateau von Rychel. Der Pau'aner Meister Lar Le'Ung, wie die meisten seiner Spezies ein hochaufgeschossenes, schlankes Exemplar mit hellgrauer Haut und gelben Augen, stand auf einem kleinen Hügel, genauer gesagt auf einer Trümmerruine, die die Invasoren hier hinterlassen hatten. Die bereits auf der Flucht befindliche Regierungschefin der Welt Rychel hatte die Jedi um Hilfe gerufen, nachdem organische Raumschiffe riesige Wesen vom Himmel geworfen hatten, die sich in Rychels Boden bohrten und dort zu gigantischen Behausungen und Anlagen heranwuchsen. Mit den organischen Häusern waren die Soldaten der Eroberer gekommen, schwarzbedornte Hünen mit grimmigen Gesichtern, vielen Tätowierungen, jedoch bar jeder Gnade für die Zivilbevölkerung.

Also hatte sich Jedimeister Luke Skywalker zusammen mit dem Ferroaner Yuledan, dem Pau'aner Le'Ung und dem Menschen Finn Galfridian auf den Weg gemacht, um auf Rychel nach dem Rechten zu sehen. Jetzt standen drei der vier Jedi auf verschiedenen Punkten der Trümmerhalde verteilt und sahen dabei zu, wie ein olivgrünes Schlangenwesen von mindestens zwanzig Metern Länge und entsprechender Breite sowie ein riesiger, weißer Wurm von derselben Größe die Häuser plattmachten, hineinbissen oder aber sich in Rollen seitwärts wälzten, um die Hauptstadt von Rychel zu zerstören.

„Yuledan!"

Das war Luke Skywalkers Stimme.

„Meldet sich auch bei mir nicht", rief Finn zu Luke hinüber.

„Eben war er doch noch da", wunderte sich Luke.

„Wir müssen uns um diese Dinger kümmern", meinte Le'Ung und wies mit der grauen Hand auf die beiden Wesen, die die Feinde mitgebracht hatten.

„Yuledan ist noch irgendwo da draußen. Ich kann ihn spüren. Vielleicht hat er was entdeckt", meinte Luke. „Ich denke, wir nehmen uns zunächst die Schlange vor, um die Vong von den Gefangenen abzulenken, so dass wir sie befreien und mitnehmen können, Meister Le'Ung."

Der Pau'aner nickte.

„Captain Gerrison, Sie geben mir Deckung", sagte Luke zu dem Anführer der Soldateneinheit, die ihm die Neue Republik, genauer gesagt Admiral Traest Kre'fey, mitgegeben hatte.

„Jawohl, Sir", erwiderte der versierte Soldat knapp.

Die zwei Dutzend Soldaten machten sich bereit und nahmen die Stellung ein, die ihnen Skywalker zuwies. Sie zwangen die Yuuzhan Vong, die ihre Gefangenen auf dem verwüsteten Marktplatz zusammengepfercht hatten, jene unbewacht zu lassen. Da der Feind keine Luftunterstützung hatte, war die Neue Republik hier mit drei X-Wings klar im Vorteil. Aber das würde nicht lange vorhalten. Zunächst jedoch ließen die Lasergarben von oben die Feindkrieger zur Seite springen und trieben sie immer weiter von dem Gefangenenpulk fort.

Lar Le'Ung hielt mit seinem orangen Lichtschwert auf die olivgrünen Schlange zu. Und wirklich ließ das Tier von den Häusern ab und wandte sich dem Jedimeister zu. Der weiße Wurm auf der anderen Seite der breiten Allee hingegen fuhr unbeeindruckt in seinem Zerstörungswerk fort. Ein Trupp Yuuzhan Vong kam auf den Pau'aner zugelaufen, aber der Jedimeister hob eine Hand. Ein Halbmond aus Trümmern walzte über den ahnungslosen Trupp hinweg und setzte ihn außer Gefecht.

„Zweihundert Jahre Erfahrung", sagte Luke zu Finn. „Pau'aner können bis zu dreihundert Jahre alt werden."

Lar Le'Ung vollführte einen Sprung in der Macht – mindestens zehn Meter hoch. Die orange Klinge erwachte in seiner grauen Hand zum Leben.

„Meister Le'Ung!", hörte der Jedimeister die Stimme eines Piloten per Komlink. „Halten Sie das Vieh nur fest. Wir kümmern uns drum."

Der Kopf der Schlange stieß zu, um verwirrt innezuhalten, als der Jedimeister urplötzlich seitwärts flog – ganz entgegen der zu erwartenden Sprungkurve.

„Wie macht er das?", fragte Finn.

„Er kann die Luftmoleküle mithilfe eines Machtknotens bündeln und diesen fokussieren", erklärte Luke.

Der X-Wing nahm Le'Ungs Platz ein, machte einen Torpedo scharf – aber das Geschoss flog nie los. Der Jäger wurde vom Maul der Schlange einfach zerbissen. Le'Ung fälschte seine Landung seitwärts ab, um nicht von den brennenden Trümmerteilen des zerstückelten X-Wings getroffen zu werden. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Luke, Finn und ihre Soldaten die Yuuzhan Vong-Bewacher der Gefangenen erledigten. Ein Teil der Soldaten bildete einen Kordon, um jene Gefangenen sicher zum Transporter der Neuen Republik zu geleiten. Die zwei anderen X-Wings flogen zur grünen Schlange, um ihren Kameraden zu ersetzen.

„Halt, Soldaten!", rief Le'Ung. „Ihr werdet bei der Evakuierung der Gefangenen gebraucht. Mit der Schlange werde ich schon fertig. Das ist nichts, wovor ihr euch mehr fürchten müsst."

Die X-Wings drehten ab und Le'Ung setzte zu einem erneuten Sprung an. Mit der einen Hand dirigierte er einen Strudel Trümmerteile gen Kopf der Riesenschlange, in der anderen hielt er sein orange flammendes Lichtschwert, um es in die ausgespähte Schwachstelle zu stoßen - eigentlich eher ein Ablenkungsmanöver. Das Maul der Schlange schloss sich um den Sprengsatz, den Le'Ung innerhalb der machtwandelnden Trümmerwolke versteckt hatte.

Der pau'anische Jedi war am Höhepunkt der Kurve seines Machtsprungs angelangt. Noch eine Bewegung der linken Hand, um andere Trümmer gegen die Augen des Tiers zu lenken.

Rumms! Scrunnntch!

Der Sprengsatz explodierte und Flammen und Qualm entwichen den Rändern des gewaltigen Mauls. Die Schlange war ausgeschaltet; ihr riesiger Kopf sank in schlingernden Bewegungen gen Boden. Le'Ung steuerte indes seinen eigenen Abstieg, um möglichst nahe bei den anderen Jedi zu landen.

„Meister Le'Ung!"

„Tu-Scart!"

Die beiden Rufe gellten zeitgleich in unterschiedlichen Tonlagen in des Pau'aners Ohren. Finn Galfridian hatte seinen Namen gerufen. Das andere Wort kannte Le'Ung nicht. Es war in jener Sprache geschrien worden, die die Invasoren sprachen – und dieses Wort war ganz nah. Es gehörte dem Krieger, dessen Amphistab soeben im Sprung in mindestens drei Meter Höhe von hinten seine Lunge durchbohrt hatte. Immer noch im gut koordinierten Abstieg begriffen, keuchte der Pau'aner hart auf, während die Luft unkontrolliert seinem Atemorgan entwich.

Jedimeister Lar Le'Ung war stark in der Macht und gut im Lichtschwertkampf, aber das nützte ihm jetzt nichts mehr. Er hatte seinerzeit die Order 66 überlebt und später das Imperium Palpatines. Nur die Gefahr von hinten, jenes Nichts in der Macht, hatte er nicht gespürt, denn die Yuuzhan Vong waren in der Macht unsichtbar.

Zeitgleich mit dem Kopf der Schlange schlug der sterbende Körper des Jedi auf dem Trümmerfeld auf, das einst die Hauptstadt von Rychel gewesen.

Noch im Sprung zog Tsalok Shai seinen Amphistab wieder aus dem sterbenden Jedimeister heraus. Es kümmerte den Krieger auch nicht weiter, dass der dunkelblonde und der hellblonde Jedi mit seinen Gefangenen abzuhauen im Begriff war. Sollten sie doch mit ihren hässlichen Schiffen wieder abziehen. Und mit den Leuten, die jetzt für ihn wertlos geworden waren. Denn fünf Häuserblocktrümmer weiter lag jener Gefangene, der wirklich wichtig war. Tu-Scart war jetzt tot, aber Sgauru würde weitermachen. Tsalok sprang über eine Säule hinweg, landete auf einer beinahe vollständig intakten, jetzt fast waagerechten Hauswand. Vom Nachbarhaus her knirschte es. Tsalok wich aus, um nicht von den Trümmern, dem Werk von Tu-Scart, erschlagen zu werden, als er hinter sich ein Laufen hörte – ein Keuchen.

„Damit kommen Sie nicht davon!", hörte Tsalok den Mann hinter sich rufen.

Es war der, der vorhin auch den Namen des Jedi gerufen hatte, den er getötet hatte. Natürlich wollte er jetzt Rache nehmen – absolut verständlich. Aber dazu würde es nicht kommen.

„Bleiben Sie stehen! Das Haus stürzt gleich ein!"

Wieder so ein billiger Jeedaitrick! Tsalok drehte sich zu dem Jedi um. Ja, es war der semmelblonde mit den blauen Augen. Er musste ihn weg von seiner Beute locken. Ein Jedi durfte den anderen nicht spüren. Außerdem waren zwei tote Jedi besser als einer. Wie schön, wenn er diesen hier im echten Kampf Mann gegen Mann töten könnte …

Der breite Pfeiler erwischte Tsalok an der Schulter und warf ihn zu Boden. Wäre er nicht so stark, hätte ihn der Stein sicherlich sofort zerquetscht. Würde er bald, denn der Druck wurde unerträglich. Schon begannen einige Rippen zu ächzen. Lange würden seine Muskeln nicht mehr gegen den immensen Druck des Durabetongewichts über ihm ankommen können. Tu-Scart hatte wirklich gründlich gearbeitet. Und das so kurz vor dem Ziel.

Der blonde Jedi kümmerte sich zunächst nicht um ihn, wandte sich gar von ihm ab, so dass Tsalok seinen blonden Schopf nur von hinten sah. Leute liefen an ihnen vorbei.

„Schnell!", hörte er den Jedi rufen. „Lauft zu dem letzten Schiff! Ich halte euch den Rücken frei."

Dann drehte sich der Jedi zu seinem am Boden liegenden Feind um. „Du hast mir meine Familie, meine Freunde, mein Zuhause genommen."

Tsaloks gelbe Maa'its glotzten nach oben in die blauen Augen des Jedi. Warum bringt er es nicht zu Ende?

Finn Galfridian bewegte die Hand und der Pfeiler hob sich von dem eingezwängten Feind hinweg. Tsalok sah die gelbe Klinge in des Jedi Hand in der Waagerechten über sich leuchten, aber der Jedi schien es nicht eilig mit seiner Rache zu haben. Tsalok wartete noch einen Augenblick, fühlte, wie sein Brustkorb wieder frei war, vergewisserte sich, dass nichts gebrochen war.

Die Klinge war immer noch da, stach immer noch nicht zu. Was wollte der Jedi? Einen Zweikampf mit einem stehenden, gleichwertigen Gegner?

Zögerlich stand Tsalok auf. Der Jedi stand immer noch da und musterte ihn – nicht in der Art, um einen potentiellen Duellgegner abzuschätzen.

„Was? …" Mehr fiel dem Yuuzhan Vong nicht ein.

Der Blick der blauen Augen verhieß Wut, Trauer und noch etwas anderes, was Tsalok Shai nicht kannte. Immer noch griff der Jedi nicht an, senkte gar die gelbe Klinge.

„Lerne", sagte Finn Galfridian, dann drehte er sich um und ging zügig von dannen, den verdutzten Tsalok zurücklassend.

Tsalok Shai wartete, bis der Jedi außer Duellweite war. Es wäre äußerst unehrenhaft, diesen jetzt von hinten anzugreifen wie den vorigen. Er wartete weiter, bis die Schiffe der nun nur noch zwei Jedi und ihrer Soldaten wieder abgezogen waren, dann ging er zu jenem Haus, wo der blauhäutige Jedi lag, den er ganz zu Anfang der Mission aus dem Verkehr gezogen hatte. Das Sedierungsmittel, das ihm Nagme für solche Fälle mitgegeben hatte, wirkte immer noch, zumindest den geschlossenen Augen des Jedi nach zu urteilen. Der Yuuzhan Vong bückte sich, hob den bewusstlosen Mann hoch und warf ihn sich leichthändig über die Schulter. Nagme wird sich freuen … ich habe es ihr versprochen.

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Zur selben Zeit auf der Erbe der Qual – Kommandoschiff von Shedao Shai

Reißende Schmerzen zerrten an Nom Anors Füßen, als würde man ihm die Zehennägel einen nach dem anderen herausreißen. Natürlich würde das nicht geschehen, aber es war die unausweichliche Vorstellung, die zählte. Nom Anor überlegte, wie er an einen Jedi kommen könnte. Ein solcher erschien ihm ein geeignetes Mitbringsel, um Nagme bei seinem ersten Besuch seit Invasionsbeginn zu erfreuen. Aber Kommandant Shedao Shai schien es nicht sonderlich eilig damit zu haben, lebendige Jedi zu fangen. Also müsste er wohl auf eigene Faust etwas organisieren. Er wünschte sich, wieder in Nagmes Umarmung zu liegen, doch das einzige, was ihn jetzt umfing, waren die langen, roten Tentakel jener Kreatur, von der ihm Nagme vor über zwanzig Jahren erzählt hatte, dass ausgerechnet Meistergestalter Ch'Gang Hool sie installiert hatte, der Mann, mit dem seine Geliebte eine Tochter hatte. Fühler streckten sich aus und stachen dem Exekutor in die Ohren, sandten feine Nadelstiche in sein Trommelfell und schrilles Piepen erfüllte seinen Kopf. Noch ein paar Minuten länger, und es wird nie mehr aufhören.

Das Ende eines Tentakels ballte sich zu einer Kugel zusammen und schlug ihn in den Magen. Nom Anor krümmte sich – zumindest versuchte er es, aber die Kreatur hielt seine Arme und seine Beine in Position und so spannte sich sein Körper lediglich an. Wenn es Kommandant Shedao Shai wirklich auf diese Weise gelang, hier in der Umarmung des Schmerzes, dieser Inkarnation des erhabenen Leidens seines Volkes, Inspiration für die kommende Schlachtplanung zu erhalten, wieso konnte dieses verdammte Vieh ihm dann nicht wenigstens eine Idee bescheren, wie er an einen Jedi kommen konnte – einen lebendigen bitte?

Die Nadelstiche in Nom Anors Ohren begannen zu glühen. Die Tentakel unten an seinen Zehen waren von der Vorstufe des Nagelausreißens dazu übergegangen, jeden einzelnen Zeh zu quetschen. Das würde sicherlich viele blaue Flecken geben, die man in den Fußlappen oder den Stiefeln der Ungläubigen freilich nicht sehen konnte. Ob es Sinn machen würde, sich nach Coruscant zu schleichen, wo die Solos ihre Wohnung hatten? Aber die Familie war nicht oft daheim und wenn, dann waren sie meistens zusammen und dann wäre es noch schwieriger, einen der Machtsensitiven dieser Familie zu kidnappen. Ihm fiel die Unterhaltung ein, die er vor dreizehn Jahren mit Borsk Fey'lya in dieser Sache geführt hatte. Nein, er würde dabei auch heute keinerlei Unterstützung bekommen. Die Tentakel, die seine Handgelenke hielten, zogen kräftig an jenen, wanden sich weiter seine Oberarme hinauf.

Es knackte in seinem linken Schultergelenk und Nom Anor ließ einen Schrei fahren. Das
Ding hatte ihm doch wirklich die Schulter ausgerenkt! War das so vorgesehen? Sicherlich gab es Gestalter, die das wieder richten würden. Er würde später erklären, lediglich aus Überraschung geschrien zu haben, falls ihn jemand fragen würde. Nein, niemand würde so etwas fragen. Ein unsanfter, aber präziser Gegenstoß renkte die Schulter wieder ein. Ja, das war so vorgesehen gewesen!

Ohne eine Vorwarnung ließ das Wesen den Gefolterten frei. Die Tentakel zogen sich zurück und Nom Anor plumpste auf den Boden vor seinem Peiniger nieder. Er hob den Blick, peinlich darauf bedacht, die Umarmung des Schmerzes nicht mit auch nur einem Blick zurück zu behelligen. Auf einem Vorsprung, der aus der Wand ragte, sah er ein Gefäß mit frischem Wasser stehen. Bedächtig, den geschundenen Körper nicht erneut zu martern, stand er auf, ging dorthin und setzte die Schüssel an den Mund, um sie zur Hälfte leerzutrinken. Das tat so gut! Er konnte sich nicht erinnern, wann ihm Wasser ähnlich gut geschmeckt hatte – zumindest ein Gutes, das er dieser Tortur abgewinnen konnte.

Nom Anor verließ die Kammer und blickte in die steife bis blasierte Miene von Deign Lian, seines Zeichens Adjutant von Shedao Shai.

„Dieser Krieger hofft, dass der Exekutor einen erfüllenden Aufenthalt hatte."

Nom Anor warf dem Krieger einen nichtssagenden Blick zu. „Es ist in der Tat schon eine Weile her gewesen."

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Eine Stunde später im Damutek der Gestalter auf Rychel

Yuledan schlug die goldenen Augen auf. Er befand sich in einer Kugel mit grüner Flüssigkeit, die ihn zwar nährte und gut tat, ihn aber auch auf eigenartige Weise lähmte. Vor seiner ungewöhnlichen Behausung standen ein Mann und eine Frau jener Spezies, die die Welt erobert hatten, die er zu retten gekommen war. Er war mit Finn Galfridian eingeteilt worden, um einen bestimmten Sektor der Hauptstadt zu beobachten. Finn war noch nicht so gut im Erspüren der Mitjedi, ansonsten hätten die anderen ihn sicher finden können. Aber die Gefangenen – ja, natürlich waren die wichtig. Trotzdem hätten Luke Skywalker und Lar Le'Ung … Nein, ein Jedi war nicht derart selbstsüchtig. Und überhaupt ... woher wusste er eigentlich, ob es den anderen Jedi nicht noch dreckiger ging als ihm? Er streckte sich in der Macht aus. Ganz schwach konnte er den hellen Stern des Großmeisters fühlen. Finn Galfridian? Mit viel gutem Willen könnte man sagen, dass der andere Jedi auch noch lebte. Jetzt Meister Le'Ung. Da war nichts als Leere, eine traurige, entsetzliche Leere. Und diese Leere war im Gegensatz zu den beiden anderen Jedi noch ganz in der Nähe.

Yuledan hatte davon im Training gehört, aber gefühlt hatte er so etwas noch nicht. Jetzt erst verstand er. Luke und Finn waren ohne ihn und Meister Le'Ung in die Unterzahl geraten. Sie hatten alles geben müssen, um sich selbst und die Gefangenen zu retten. Er schaute zu seinen Bewachern. Gedämpftes Gezische und Gegrunze drang an seine Ohren – die Sprache der Invasoren, die er nicht verstand. Was wollten die eigentlich von ihm?

„Was ist das überhaupt für eine Spezies?", fragte Nagme den Kommandanten.

Tsalok ließ einen Pfiff entweichen und schaute auf den blauen Mann in der Kugel. „Wenn ich das wüsste. Unsere Leute müssten mal irgendeinen Wissensspeicher der Ungläubigen in die Hände bekommen."

„Ich schau mal im Qang Qahsa nach", sagte Nagme.

Das Qang Qahsa war ein braunes Speichermedium, vielleicht drei Handteller groß. Nagme klappte das muschelartige Wesen auf und drückte einige Knoten an den Rändern. Die obere Hälfte der Muschel hielt sie so, dass deren Bildschirm das Gesicht des Gefangenen mit der blauen Haut und den goldglänzenden Augen gut erkennen konnte.

„Ferroaner", sagte sie triumphierend zu Tsalok. „Wir sind dieser Spezies schon einmal begegnet und zwar vor fast fünfzig Jahren und zwar auf … Zonama Sekot."

Tsalok runzelte die Stirn. „Ist das nicht diese verlorene Welt, die uns alle ins Unglück stürzen wird, wenn wir auch nur in ihre Nähe kommen?"

Die Meistergestalterin lachte. „Du glaubst doch nicht etwa an diese Märchen von früher. Außerdem ist der Planet damals vor uns geflohen."

Tsalok blieb ernst. „Auch wenn der Planet jetzt fort ist, so kann er doch jederzeit wieder irgendwo auftauchen."

„Und wenn schon", tat Nagme den Einwand mit einer schlappen Handbewegung ab. „Wir haben dann so viele Planeten, dass der eine auch keinen Ärger mehr machen kann. Dann wird auch der Kriegsmeister hier sein …", sie holte tief Luft, „… und der Overlord. Shimrra wird schon wissen, was dann zu tun ist."

„Ja, sicher", murmelte Tsalok.

Nagme war der abwesende Tonfall Tsaloks bei diesen Worten nicht entgangen. „Sag mal, wie redest du denn von unserm Overlord?"

„Ach, lass mich."

„Was genau ist denn in der Stadt eigentlich passiert?"

"Nichts Besonderes. Du hast deinen Jedi und jetzt gib Ruhe."

Sie legte ihre Hand auf seine Brust und schloss halb die Augen. „Weißt du denn eigentlich, was ich jetzt von dir haben will?"

Er drehte sich von ihr weg. „Nein, heute nicht. Ich bin nicht in Stimmung."

Enttäuscht ließ sie die Hand sinken. „Du bist manchmal aber auch komisch, Tsalok von der Domäne Shai."

Tsalok schaute auf den blauhäutigen Gefangenen. „Wir werden den Jeedai morgen verhören. Jetzt geh ich schlafen."

Nagme zog den Mund zusammen, als hätte sie in eine saure Frucht gebissen. „Dann bis morgen."

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Zwei Wochen später auf der Erbe der Qual

Hastig klappte Nom Anor den Holonet-Empfänger zusammen und versteckte das technische Gerät unter seinem Bett. Gerade hatten die Nachrichten angefangen und ausgerechnet jetzt kam wieder jemand, um ihn dabei zu stören.

„Kommandant Shedao Shai erwartet Sie auf der Kommandobrücke", teilte ihm dessen Adjutant Deign Lian mit. „Der Angriff auf Dubrillion startet in einer Viertelstunde."

Nom Anor nickte knapp und trottete dem Adjutanten hinterher.

Shedao Shai stand auf der Kommandobrücke und drehte sich kurz um. Der Kommandant bedachte Nom Anor mit einem prüfenden Blick, dann wandte er sich wieder der Aussicht vor ihnen zu. Im gemessenen Tempo schritt Nom Anor auf die Kommandobrücke und blieb rechts von Shedao Shai stehen, während dessen Adjutant links von ihm Stellung bezog. Es herrschte eine gespannte Stille, die keiner zu brechen wagte. Vor ihnen lag der blau-grüne Planet Dubrillion und Nom Anor lächelte. Bereits vor zwei Wochen, als er Da'Garas, Ma'Shraids und Dooje Brolos versprengte Korallenskipper eingesammelt hatte, war ihm der Gedanke gekommen, dass hier auf Dubrillion ein Heim für mindestens drei Domänen entstehen könnte. Es gab weite Meere, wo sicherlich auch viele Fisch- und andere Meerestierarten heimisch werden konnten, die den Yuuzhan Vong über die tausend Jahre, die sie unterwegs gewesen waren, zur Nahrung gedient hatten.

Der Kommandant machte eine Geste nach vorn und das Asteroidenfeld, in dem sie sich befanden, erwachte zum Leben. Mehrere eiförmige Miid Ro'iks schossen aus dem Felsengürtel hervor, der Dubrillion in dessen Äquatorlinie umgab, und bewegten sich auf den Planeten zu, um sich in den Positionen zu formieren, die Nom Anor als die Punkte erkannte, die seine Leute im Vorfeld ausgekundschaftet hatten. Eigentlich hätte jetzt Da'Gara die Früchte seiner Mühen ernten sollen, aber es war ihm nicht bestimmt gewesen.

Die Miid Ro'ik drehten sich auf Kommando, als wären sie ein Schiff, richteten ihre schwarzen Rückgratstacheln aus und schossen. Breite Plasmastreifen rasten hinab zur Planetenoberfläche, um die Stromwerke, Raumhäfen sowie die Fabriken, die einst Lando Calrissian gehört hatten, dem Erdboden gleichzumachen. Ein Plasmabombardement traf eine, wie Nom Anor wusste, Wohngegend. Von oben lediglich als zäh fließende Rinnsale zu erkennen, ergossen sich Ströme der überraschten Zivilbevölkerung auf die Straßen. Er wartete, dass weitere Salven dieser Art folgen würden, aber das blieb aus.

„Nur diese eine Salve in dem Wohnviertel?", hörte Nom Anor Deign Lian seinen Boss fragen.

„Was denken Sie wohl, weshalb?", fragte Shedao Shai zurück.

Deign Lian hob eine schmale Braue. „Brauchen wir so viele Sklaven?"

„Womöglich Nachschub an Sklaven, wenn es mit der ersten Charge nicht so laufen sollte wie geplant", entgegnete der Kommandant mit einer in Nom Anors Ohren ausgesprochen müde klingenden Stimme. „Außerdem gedenke ich einen halbwegs intakten Planeten einzunehmen, kein hoffnungslos verwüstetes Chaos. Und jetzt gehen Sie in die Teeküche und holen für mich und für Nom Anor je eine Schlepptangbrühe!"

„Es wird geschehen", sagte der Adjutant und eilte davon.

Deign Lian betrat den Teeküchenbereich, der etwas weiter weg von der Kommandobrücke lag. Zwei Subalterne standen vor dem Nushyn und warteten. Der Adjutant von Shedao Shai wusste, dass sich manche der Armaturen des Kommandoschiffs etwas Zeit ließen mit den Aufgaben, die sie zu erfüllen hatten – so wie er gerade.

„Gibt es gerade wieder keinen Cran-Saft?", fragte er und legte leicht den Kopf zur Seite.

„Haben Sie denn welchen?", fragte eine der beiden jungen Frauen.

Deign Lian musterte sie. Ybura war ihm schon seit einer Weile äußerst angenehm aufgefallen und jetzt ergab sich eine günstige Gelegenheit. „Kann schon sein. Lassen Sie mich mal."

Er ging zu der Mulde und die beiden Frauen traten zur Seite.

Deign Lian drückte an den Seiten des Nushyn und die kleine Vertiefung zuckte etwas.

„Ach so geht das", meinte Ybura zu ihrer Kameradin.

Roter Saft sprudelte in einem sanften Bogen aus dem geöffneten Nushyn in den Becher, der davor in der vorgesehenen Vertiefung stand. Deign Lian wartete, bis das Gefäß voll war, dann nahm er es und reichte es Ybura. „Meine Domäne ist schon seit alters her für ihre Verdienste um unser Volk bekannt."

Yburas blaue Tränensäcke zuckten. „Was waren denn das für Verdienste?"

„Das Schiff des Overlords bekam urplötzlich eine Unpässlichkeit und blieb auf der Reise zwischen zwei Weltschiffen liegen. Ein Kommandant meiner Domäne Lian opferte sein eigenes Schiff und sein Leben, um das Yorik-trema des Overlords sicher zum Weltschiff zu bringen."

„Und deshalb hat Shimrra Ihnen diese Adjutantenstelle verschafft?", fragte Yburas Freundin.

Deign Lian vermeinte, Spott aus dieser Frage herauszuhören. Aber natürlich war die Frau eifersüchtig auf ihre Freundin. So dünne Sicheln, wie sie als Tränensäcke hatte, brauchte sie sich auch nicht zu wundern. Er schmunzelte bei dem Gedanken, dass die hübsche Ybura ihrer Freundin bestimmt schon öfters die Show gestohlen hatte.

Er straffte sich und seine Hand fuhr über die Stelle seiner schwarzglänzenden Vonduun-Krabbenrüstung, wo sein Herz saß. „Dieser Krieger hat jene Adjutantenstelle bei Ihrem Kommandanten auf die persönliche Empfehlung unseres Kriegsmeisters hin erhalten."

Ybura lächelte. „Dann kennen Sie Tsavong Lah persönlich?"

Deign Lian erwiderte das Lächeln und fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe. „Selbstverständlich. Schmeckt es?"

Ybura nickte kurz. Kaberu neben ihr lächelte nicht. Sie musste sich jetzt ihren Cran-Saft selbst holen, immerhin klüger als vorhin. „Wann war das mit dem havarierten Schiff des Overlords denn?", beharrte sie auf ihrer Frage von vorhin.

„Das war vor sechshundert Jahren", gab Deign zu.

Jetzt lächelte Kaberu. „Es ist sehr großzügig von unserem Kriegsmeister, dass er Ihrer Domäne diese lang zurückliegende Begebenheit derart anrechnet."

„Es gibt selbstverständlich auch weitere Verdienste unserer Domäne", er senkte die Stimme und ließ sie dabei vorwurfsvoll klingen, „Verdienste dieses Kriegers, die nicht überall auf jedem Welt- oder Kommandoschiff herumposaunt werden können."

„Ja, ganz sicher", versetzte Kaberu. „Zum Beispiel diese Narbe auf dem Kopf, die Ihnen der Kommandant vorgestern verpasst hat. Lassen Sie mich raten … war es wegen vorlauter Widerworte oder doch eher …"

Sie ließ eine Pause, die Ybura sofort nutzte. „Das führt doch jetzt zu nichts, Kaberu. Wir alle haben doch schon einmal …"

Der Villip auf Deign Lians Schulter stülpte sich um. Der Adjutant blickte in das verärgerte Gesicht seines Vorgesetzten. „Wo bleibt denn die Schlepptangbrühe für mich und den Exekutor?", hörten alle drei Anwesenden Shedao Shais ungeduldige Stimme.

Deign Lian setzte eine ernste Miene auf. „Ist schon unterwegs, Kommandant. Es gab lediglich eine kleine Funktionsstörung in der Teeküche."

Die beiden Damen im Hintergrund kicherten.

„… wegen Zuspätkommens", ergänzte Kaberu, nachdem sich Deign Lians Schultervillip wieder umgestülpt hatte.

Das Tablett mit den beiden Säckchen mit Schlepptangbrühe in den schlanken Händen, schritt Deign Lian mit wichtiger Miene zurück zur Kommandobrücke.

Nom Anor trank einen herzhaften Zug der salzigen Algenbrühe, nachdem er gewartet hatte, bis der Kommandant zuerst einen Zug getan hatte. Durch das große Panoramafenster sah er, wie sich von bestimmten Punkten unten in der Stadt das Abwehrfeuer erhob, um erstickt zu werden, bevor die Boden-Luft-Raketen einen der Miid Ro'iks erreichen konnten. Nom Anor konnte eine Rakete erkennen, die es eigentlich geschafft hatte, jedoch von einem der vielen über das Schiff verteilten Dovin Basalen abgefangen wurde. Er schaute zu, wie sich die Rakete in Nichts auflöste - verschwunden und komprimiert in einem vom Dovin Basal produzierten Schwarzen Loch. Drei weitere Plasmaschwälle und das Abwehrfeuer erlosch – die Verteidigungsstellungen des Feindes waren ausgeschaltet worden. Nom Anor lächelte. Er hatte Spione nach Dubrillion geschickt und deren Ergebnisse an Da'Gara weitergeleitet. Jetzt war es eben jemand anders, der das Werk vollendete.

Die Miid Ro'ik nahmen eine kreisförmige Formation rund um die Hauptstadt ein und blieben dort stehen – jedes der Großkampfschiffe einen Sektor überwachend. Dann öffneten sie ihre Bäuche und quaderförmige Luftskiffs fielen nach unten. Kurz vor Auftreffen auf der Planetenoberfläche verlangsamte sich ihr Fall und sie landeten. Nom Anor konnte auch einige Yorik-Tremas erkennen, die nach unten flogen. Es waren die Schiffe des Kommandanten der Landung und von dessen Stab, um auf Dubrillion die Verwaltung zu übernehmen, bis die echten Verwalter eintreffen würden.

Schiffe stiegen auf, um zu fliehen. Jetzt wurden die langen, roten Arme am Ende der Miid Ro'iks aktiv. Die Korallenskipper, die wie Trauben an diesen Armen hingen, lösten sich und umringten die fliehenden Schiffe, schossen eines nach dem anderen ab, aber es gab auch welche, die entkamen.

„Wieso schießen wir die dort drüben nicht ab?", ereiferte sich Deign Lian erneut. „Die sind doch gut in unserer Reichweite."

Shedao Shai schnaubte. „Werden Sie etwa die Weisheit des Yammosk infrage stellen, Deign Lian? Oder meine Weisheit?"

Deign Lian neigte den Kopf um eine Winzigkeit, um gerade so viel Demut an den Tag zu legen, wie angemessen war. „Gewiss nicht, Kommandant. Dieser Krieger bittet lediglich um eine Erklärung."

Der Kommandant sah statt des Fragenden Nom Anor an. „Selbst dieser Exekutor hier weiß um die Notwendigkeit, einige entkommen zu lassen, damit sie uns zu ihrer Ausweichbasis bzw. ihrem Fluchtpunkt führen können. Im Übrigen waren die Daten Ihrer Aufklärung sehr hilfreich, Nom Anor."

Nom Anor zog in Erwägung, dass ihn Shedao Shai trotz des frostigen Empfangs am Vortag lobend im Bericht an den Obersten Kommandanten erwähnen würde. Er neigte den Kopf etwas weiter zur Seite, als es der aufmüpfige Adjutant zuvor getan hatte. „Wo immer ich von Nutzen sein kann."

Jetzt lächelte Shedao Shai. „Wir werden sehen."

Die Erbe der Qual setzte sich in Bewegung und schwebte den Asteroidengürtel entlang. Als der Planet zu einem Drittel umrundet war, stoppte das Kommandoschiff. Nom Anor sah Deign Lians schwarze Augen ungläubig dreinschauen, aber dieses Mal sagte der Adjutant nichts. An ihnen vorbei zogen drei eiförmige Miid Ro'iks und dann kam ein Schiff, dass wie zwei Herzen aussah, die man hintereinander ausgerichtet und miteinander verbunden hatte – ein Interdiktor der Vua'spar-Klasse, in der Größe einem Sternzerstörer der Ungläubigen vergleichbar.

Die Angriffsflotte der Yuuzhan Vong hielt sich immer noch im Asteroidenfeld versteckt, während vom Planeten Fähren aufstiegen, um an die in einer Linie aufgereihten Schiffe anzudocken und nach einer Weile wieder abzukoppeln, um zurück zur Planetenoberfläche zu fliegen. Sie warteten Minuten – eine Stunde, um zu sehen, wie dieselben Fähren wieder zurückkehrten, wohl, um weitere Fracht zu bringen. Neue Schiffe kamen von jenseits des Asteroidengürtels, um sich einzureihen und die aus silbernen und schwarzen Punkten bestehende Linie zu verlängern.

Nach einer Weile kamen keine neuen Schiffe mehr dazu und auch der Fährenstrom vom Planeten war merklich dünner geworden.

„Könnte das dort der berühmte Milleniumfalke sein?", fragte Deign Lian seinen Chef.

„Er sieht in der Tat so aus, aber wenn er es wäre, dann befänden sich Leia Organa-Solo und ihr Stab gewiss an dessen Bord und nicht an Bord jenes Schiffes, in welchem ihr Kommandant fliegt."

„Man weiß, mit welchem Schiff sie unterwegs sind?", fragte Deign Lian.

„Man wird sich früh genug um sie kümmern", erwiderte Shedao Shai. „Mir ist viel wichtiger, ihren militärischen Anführer auszuschalten, einen äußerst fähigen Bothaner namens …" Er sah Nom Anor an.

„Admiral Traest Kre'fey, der im Übrigen ein Cousin des derzeitigen Staatschefs Borsk Fey'lya ist", brillierte Nom Anor und sein gutes Auge glänzte. „Jenes weiße, langgezogene Schiff mit dem sich verbreiternden Heck, das aus mehreren Quadern zu bestehen scheint, ist ein bothanischer Angriffskreuzer, der einzige, den ich hier sehe. Das Schiff wird von X-Wings bewacht und ich denke, wenn wir es ausschalten, werden wir viele Probleme auf einen Schlag lösen."

„Das denke ich auch", gab Shedao Shai zu. „Und doch werden wir zunächst die kleineren Schiffe angreifen und schauen, wie sich die Großen verhalten."

Shedao Shai aktivierte einen Schultervillip und ein Miid Ro'ik verließ die Deckung des Asteroidengürtels, um auf den Flüchtlingskonvoi zuzuhalten. Korallenskipper lösten sich von seinen Heckranken, bildeten Staffeln und nahmen einzelne Schiffe ins Kreuzfeuer. Aus fünf Kilometer Entfernung schossen sie Plasmasalven ab, die schon aufgrund der Dichte der Schiffe im Flüchtlingskonvoi einzelne Ziele trafen. Das runde Schiff mit den beiden spiegelgleichen trapezförmigen Verlängerungen am Bug wendete, um den goldenen Plasmakugeln zu entkommen, wurde von drei Skips umringt und von jenen auf den Miid Ro'ik zugetrieben.

„Vielleicht ist ja jemand anderes Wichtiges an Bord dieses Schiffes", meinte Deign Lian.

„Dann hätten sie schon längst die Verfolgung aufgenommen", widersprach Nom Anor.

Nom Anor sah, wie der Adjutant zu Shedao Shai schaute, als erwarte er, dass sein Chef für einen von ihnen Partei ergriff, aber das geschah nicht. Mit unbewegter Miene schaute der Kommandant dabei zu, wie der Miid Ro'ik nun ebenso Plasmasalven ausstieß. Eine der Kugeln traf das Schiff vorne an der Kanzel, um ein Loch in den Transparistahl hineinzufressen. Das Schiff, das dem Milleniumfalken so sehr glich, begann zu kreiseln und spie dabei Menschen und Material aus, als handele es sich um einen dieser rotierenden Wassersprenger, die Nom Anor so oft auf dem grünen Rasen vor den Villen auf De-Purteen gesehen hatte.

Der Exekutor schob dieses beschauliche Bild von sich, denn der Feind war auf den Plan getreten. Der bothanische Angriffskreuzer ließ eine Staffel X-Wings frei, die jetzt auf die Korallenskipper zuschossen und sie mit ihren roten Laserstrahlen eindeckten. Die Skips formierten sich zu Dreiergruppen, um je einen X-Wing zu bedrängen, aber die Feindjäger gaben sich gegenseitig Deckung, indem sie derart zusammenblieben, dass ein schnelles Dazwischendrängeln den Verlust eigener Korallenskipper bedeutet hätte.

Erbe der Qual an Blutprinz. Der weiße bothanische Angriffskreuzer auf zwei Uhr ist Ziel X1", erklärte Shedao Shai dem Schultervillip. „X1 hat Vorrang im Ausschalten."

Drei der zehn Korallenskipperstaffeln, die die Blutprinz ausgespien hatte, wendeten und schossen auf die Ralroost, das Kommandoschiff des Feindes zu.

„Renegaten, uns wurde das als Felsen-1 bezeichnete Ziel zugewiesen", hörte Jaina Solo in ihrem X-Flügler die Stimme ihres Staffelführers. „Halten Sie hohes Tempo und verursachen Sie so viele Schäden, wie Sie können. Jeder behält den anderen im Auge."

Jainas R5-Droide, ein weißes Modell mit kastanienbrauner Kuppel, gab ein leises Stöhnen von sich.

„Was hast du, Sparky?"

Der Droide trillerte.

Jaina schüttelte den Kopf. „Keine Sorge, Sparky. Admiral Kre'fey kann ganz gut auf sich selbst aufpassen. Und wenn wir Felsen-1 ausschalten, wird der Bothaner auch wieder mehr Luft bekommen."

Der Droide zwitscherte und gab ihr die Zielkoordinaten.

Shedao Shai sah, wie einer der X-Wings mit der Nase nach unten schoss, dabei einem Trio Korallenskipper entkam und in Richtung der Blutprinz steuerte. Die Skips machten zunächst Anstalten, dem Schiff zu folgen, änderten allerdings synchron den Kurs, um sich ihren Kameraden anzuschließen, die die Ralroost attackierten.

Deign Lian hob eine Braue. „Sollten sie nicht lieber diesem X-Wing folgen?"

„Glauben Sie, die Blutprinz wird nicht mit einem einzelnen X-Wing fertig", fauchte Shedao Shai.

„Kommandant Shai, ich möchte Ihrem Adjutanten Recht geben", mischte sich Nom Anor ein. „Wenn es ein einzelner X-Wing wagt, allein einen Miid Ro'ik anzugreifen, dann muss darin ein verdammt guter Pilot sitzen, möglicherweise gar ein Jeedai, von denen wir noch lebende Testexemplare brauchen."

„Der Yammosk wird das feststellen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen", wiegelte Shai ab. „Und bis dahin werden Sie beobachten, zu was dieser Feindjäger fähig ist, während ich den Angriff auf X1 überwache."

Nom Anor verfolgte die komplizierten Manöver, die der einzelne X-Wing vollführte, um dem Plasmabeschuss auszuweichen. Er musste feststellen, dass der Pilot auf eine sehr raffinierte Art und Weise dem Muster des Ausstoßes der Yaret-kors folgte, indem er jene zwei Crizt abpasste, die die Plasmakanone brauchte, um sich für einen Plasmaausstoß zu öffnen. Der X-Wing sandte eine Lasersalve aus, die der Dovin Basal, der gleich neben dem Yaret-kor saß, abfangen musste. Dabei wurde unglücklicherweise auch das vorbereitete Plasmageschoss an seiner Entfaltung gehindert. Der goldene Ball wurde, kaum dass er der Öffnung entschossen, sofort wieder in das frisch entstandene schwarze Loch gesaugt, das auch den Laserblitz des Feindjägers abfing.

„Kommandant, der X-Wing …"

„Deign Lian, habe ich Ihnen gestattet, zusammen mit Nom Anor die Blutprinz zu beobachten?", schnaubte Shedao Shai.

Nom Anor freute sich still, dass nicht er es gewesen war, der Shedao Shai so verärgert hatte. Er gestattete sich einen Blick auf die Ralroost, aus deren Heck eine Qualmsäule ins All zog. Mehrere X-Wings schirmten das Schiff ab und lilane Korallensplitter säumten ihre Phalanx. Der Feind verteidigte das Kommandoschiff wie ein Fero xyn seine Jungen und …

… er hatte einen anderen Befehl erhalten. Ein roter Regen ging auf eine der Dornenfortsätze nieder, worunter sich ein Yaret-kor der Blutprinz verbarg. Eine hässliche Erkenntnis überkam Nom Anor. Der Pilot überlastet den Yaret-kor, indem er ihm widersprüchliche Signale sendet. Dovin Basal und Yaret-kor benutzten dieselbe Öffnung und waren darauf angewiesen, dass andere Plasmakanonen sie vor einer solchen Überlastung schützten. Nur, der X-Wing wich sämtlichem Beschuss der benachbarten Yaret-kors aus und hielt mit seinem Dauerbeschuss trotzdem unbeirrt weiter auf die auserkorene Öffnung drauf.

„Sie hatten Recht, Nom Anor", sagte Shedao Shai wieder mit dieser seltsam müden Stimme. „Der Yammosk hat vor der Blutprinz einen Jeedai lokalisiert. Ich werde eine Staffel zurückbeordern. Die Korallenskipper werden einen Doppelring um diesen X-Wing bilden. So wird er nicht entkommen."

Der lila Haufen flog in geordneten Bahnen zurück zu seinem Mutterschiff. Die Korallenskipper hatten gerade die halbe Distanz durchmessen, als Nom Anor sah, wie das Dauerbombardement des X-Wings verlosch. Jetzt ist dir die Munition ausgegangen. Ein einzelnes Geschoss löste sich vom X-Wing und verschwand im Tunnel des Yaret-kor, der von weitem wie ein großer, schwarzer Dorn aussah. Nom Anor kniff sein gutes Auge zusammen. Der Feindpilot hätte das nicht tun können, hätte er vorher nicht das Streufeuer losgelassen.

Noch ein Protonentorpedo erreichte sein Ziel, dann musste Jaina Solo wieder dem Feindbeschuss ausweichen. Sie kehrte den Schub um und zog eine elegante Schleife, um wieder auf ihr Ziel zuzuhalten. Die Blutprinz wendete, um die verwundete Stelle zu schützen, aber Jaina folgte der mühsam erarbeiteten Schwachstelle. Weitere Torpedos fanden ihr Ziel und alsbald konnte die junge Frau beobachten, wie sich Risse im Kanonentunnel bildeten, er in mehrere Teile auseinanderbrach und goldenes und silbernes Feuer freisetzte. Die Plasmafontäne knickte den Dorn um und der Tunnel krachte gegen den Nachbar-Yaret-kor. Ein zweiter X-Wing tauchte auf, um die heranrückenden Korallenskipper abzulenken – genau die Pause, die Jaina brauchte. Noch während sie ihren Jäger wendete, schlug ein weiteres Paar Protonentorpedos in den Schacht, den Jaina freigelegt hatte. Eine Mulde verbrannter Yorik-Koralle sackte ins Innere des Schiffs ab, dann quollen Yuuzhan Vong und Material aus dem schwarzen Kreis ins All.

„Guter Schuss, Zwölf", lobte Jaina ihren Helfer.

„Ich folge nur Ihrem Beispiel, Sticks."

Jaina lachte, während sie ihren Jäger weg vom kollabierenden Ziel lenkte. „Denen haben wir es gezeigt."

Shedao Shai schaute dabei zu, wie ein X-Wing nach dem anderen auf seinem lebendigen Monitor erlosch. Er hatte keine Muße, sich an diesem Verlust zu erfreuen, denn für jeden X-Wing wurden drei Yorik-ets zerstört. Und dann sprang die Ralroost in den Hyperraum.

„Offenbar war der Schaden an X1 doch nicht so groß", meinte Deign Lian.

Shedao Shai schoss seinem Adjutanten einen zornigen Blick zu. Als er seinen Blick wieder der Blutprinz zuwandte, war von dem Miid Ro'ik nur noch ein großer Trümmerhaufen übrig, dessen Feuer rasch vom Vakuum des Alls erstickt wurde. Der Kommandant wandte seinen Blick von der verendeten Blutprinz ab, um zu beobachten, wie ein Schiff des Flüchtlingskonvois nach dem anderen in den Hyperraum sprang.

„Und da wollen Sie …", brachte sich Deign Lian wieder vorwurfsvoll ein.

Shedao Shai hob die Hand. „Noch nicht."

Ein Villip auf des Kommandanten Schulter stülpte sich um. „Untergebener Shar'darr Bhul, was gibt es."

„Dantooine", sagte der Mann außer Atem. „Sie gehen nach Dantooine."

Geschrei wurde im Hintergrund hörbar, dann stülpte sich der Villip urplötzlich wieder um.

„Feuer frei", befahl Shedao Shai. „Jetzt haben wir die Information, auf die ich gewartet habe."

Der Vua'spar-Interdiktor verließ das Asteroidenfeld und nahm den Platz der pulverisierten Blutprinz ein. Es waren zwar nicht mehr allzu viele Schiffe des Flüchtlingskonvois übriggeblieben, aber dieser Rest würde ausreichen, um den Ehrgeiz der übrigen Schiffskommandanten zumindest ansatzweise zu befriedigen.

„Ich rufe die Kriegerehre, sich folgende Ziele vorzunehmen", begann der Kommandant, neue Ziele zuzuweisen.

Und hinter dem Vua'spar-Interdiktor, den Shedao Shai soeben angerufen hatte, warteten noch drei Miid Ro'iks auf neue Ziele.

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Drei Tage später im Orbit über Dantooine

Die Erbe der Qual hielt sich so weit oben im Orbit von Dantooine auf, dass man sie vom Planeten aus nicht sehen konnte. Diese Unsichtbarkeit war wichtig, denn für den Plan des Kommandanten Shedao Shai war es von entscheidender Bedeutung, dass der Feind zunächst auf jener Landmasse versammelt war, die man den Äquatorialkontinent nannte. Zwei schmale Landzungen verbanden diesen Kontinent mit der nördlichen und der südlichen Landmasse von Dantooine, die sich bis zu den Polen des Planeten erstreckten. Durch das Große Auge konnte Shedao Shai erkennen, dass an der nördlichen Landzunge eine Staffel X-Wings patrouillierte und an der südlichen ebenso eine. Ein belangloses, wenngleich augenfälliges Detail waren die riesigen lilanen Grasfelder, die das Land dies- und jenseits des Äquators bedeckten. Sie erinnerten den Kommandanten an jene lavendelfarbene Kluft, die er getragen hatte, als er Nom Anor empfing. Würde ihm Dantooine jetzt einen besseren Empfang bereiten?

Er zoomte das Große Auge näher an die Planetenoberfläche heran. Das Lila bekam erste Risse. Diese Risse entpuppten sich als Arbeiterkolonnen, die Gräben aushoben.

„Sie bereiten sich auf ihre Verteidigung vor", meinte Deign Lian.

„Was nicht heißt, dass sie nicht auch einen Angriff planen", versetzte sein Chef.

Im zentralen Bereich der Talsenke, wo sich die Flüchtlinge und ihre militärische Eskorte formierten, standen mehrere bauchige Frachter, aus denen eifrig entladen wurde.

Shedao Shai lächelte schief. „Das sind also ihre Vorräte. Die heben wir uns für das letzte Drittel auf."

Der Kommandant schaute auf die schwerfällig aussehenden Maschinen, die am Rand der entstehenden Zeltstadt aufgestellt wurden. Dank seiner Späher am Boden wusste er, dass es sich um Abwehrgeschütze handelte.

Zur selben Zeit unten auf dem Planeten

Die Ralroost, das Kommandoschiff von Admiral Traest Kre'fey war nur knapp dem Inferno von Dubrillion entronnen. Sie hatten das hintere Ende des Flüchtlingskonvois auf Landos früherem Heimatplaneten zurücklassen müssen. Jene Schiffe hätten sie angesichts der erdrückenden Übermacht des Feindes ohnehin nicht mehr verteidigen gekonnt. Jetzt saß der abgekämpfte Bothaner zusammen mit den wichtigsten Leuten dieser Evakuierungsmission zusammen, um die neue Strategie zu beraten.

„Sie beginnen bereits, Belkadan umzugestalten", begann Luke. „Sie pflanzen dort in den Sümpfen jene Villips an, von denen wir einen in Yomin Carrs Zimmer gefunden hatten. Sie setzen gefangene Sklaven ein, die eindeutig nicht von Belkadan stammen. Sie manipulieren diese Gefangenen mit Korallenimplantaten, die ihnen aus Hals und Rücken wachsen."

„Diese Implantate sind direkt mit dem Rückenmark und also auch mit dem Gehirn verbunden", ergänzte Kre'fey.

Leia nickte. „Wenn der Senat meinen Bericht aufmerksam studiert hat, dann muss spätestens jetzt etwas auf Coruscant passieren, damit das aufhört. Denn heute sind es Sklaven, denen sie diese Dinger einsetzen, um sie in ihrem Sinne zu lenken. Morgen können es andere Wesen sein."

Senator Elegos A'Kla meldete sich zu Wort. „Wenn es auch nur irgendeinen Weg gibt, diesen Krieg durch Verhandlungen zu beenden, dann werde ich ihn beschreiten. Das Problem ist, dass die Yuuzhan Vong mit ihren bisherigen Eroberungen zufrieden scheinen und wir ihre weitere Strategie nicht kennen. Wir wissen noch nicht einmal, ob sie der Vernunft überhaupt zugänglich sind."

Danni Quee hob die Hand. „Die Yuuzhan Vong sind so von sich überzeugt, dass sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, ihr Handeln von anderen hinterfragen zu lassen, geschweige denn, ihre eigenen Motive infrage zu stellen. Sie wollen alles, und sie werden es sich nehmen – mit oder ohne beschwichtigende Worte von unserer Seite."

Gavin Darklighter, Führer der Renegatenstaffel, runzelte die Stirn. „Die Yuuzhan Vong mögen ja nicht uns reden, aber ihren bisherigen Weg zurückverfolgend sieht es ganz so aus, als wenn sie sich an den Grenzen zum Restimperium entlanghangeln, um von dort aus einen Keil in die Galaxis zu treiben – bis hin zum Kern."

„Ich und Anakin sind ihrer Vorhut hier auf Dantooine begegnet", brachte sich Mara Jade ein. „Und es sieht nicht so aus, als würde dieser Vortrupp alleine bleiben. Und deshalb nehme ich an, dass sie noch andere Welten infiltriert haben, von denen wir noch gar nichts wissen."

Admiral Kre'feys weißes Fell sträubte sich am Hinterkopf. „Wir brauchen mindestens anderthalb Tage, bis wir unsere Reise über Agamar weiter in den Kern fortsetzen können."

„Und bis die Ralroost wieder vollständig repariert ist", ergänzte Leia. „Wir haben auch immer noch keine Nachricht von den Jedi Corran Horn und Ganner Rhysode auf Bimmiel erhalten."

Elegos sah Leia an: „Warum sind die beiden Jedi denn auf Bimmiel?"

„Vor drei Monaten hatte die Universität von Agamar eine Gruppe von Xenoarchäeologen auf diese Welt geschickt", erklärte Leia. „Seitdem hat man nie wieder etwas von ihnen gehört. Die Universität machte sich zunächst keine Sorgen, weil ein Pulsar in der Nähe die Kommunikation nach und von Bimmiel schwierig gestaltet, aber seit den Angriffen auf Sernpidal und Belkadan macht man sich auf Agamar große Sorgen und fragte bei Luke Skywalker an, ob man nicht Jedi nach Bimmiel schicken könnte, um nach dem Rechten zu sehen."

„Ich habe ein gutes Gefühl, was Horn und Rhysode auf Bimmiel angeht", sagte Luke. „Sie werden sich melden."

Gavin Darklighter biss sich auf die Unterlippe, bevor er sprach. „Das wird kein leichter Kampf. Sobald sie uns in den Luftkämpfen gebunden haben, könnten sich andere Truppen von ihnen über die Flüchtlinge und Zivilisten hermachen. Das Streufeuer der Laser oder einer dieser Plasmabälle kann, wenn die Schilde in Ordnung sind, nur den Lack von einem Jäger brennen, aber die Fußsoldaten werden binnen einer Sekunde gegrillt. Ich habe eine Simulation vorbereitet, wie sie vorrücken könnten."

Der Staffelführer schaltete sein Datapad ein und ein riesiger Käfer auf einer Vielzahl von Beinen erwachte zum Leben, pflügte mit seinen Mandibeln den Boden vor ihm um und schoss aus einer Vielzahl von Öffnungen auf die Verteidiger, schluckte das Gegenfeuer mit seinen eingebauten Dovin Basal-Anomalien.

Jaina Solo erhob die Hand und Gavin nickte ihr zu. „Wir könnten die Dovin Basale austricksen, indem wir Protonentorpedos kurz vor dem Ereignishorizont von ihren kleinen Schwarzen Löchern explodieren lassen. Das könnte ihren Bodentruppen um ihre Geschütze herum viele Verluste bereiten."

Traest Kre'fey wiegte das weiße Haupt und lächelte. „Der Gedanke gefällt mir, junge Solo. Warum mehrere Protonentorpedos verschwenden, um an einer Stelle hundert Prozent Trefferquote zu erzielen, wenn man mit derselben Anzahl an mehreren Stellen siebzig Prozent Verluste verursachen kann?"

„Ich werde mit dir und den anderen Renegaten für diese Strategie nochmal extra eine Besprechung machen", versprach Gavin. „Jetzt sollten wir zusehen, dass die Schützengräben fertiggestellt werden."

„Ich gehe schon", sagte Jacen Solo, der während der Besprechung neben Danni Quee gestanden hatte. „Ich brauch frische Luft."

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Eine Viertelstunde später

Jacen Solo stand hinter der Brustwehr, die er und die anderen Jedi und Flüchtlinge errichtet hatten, um sich auf dem Planeten Dantooine vor einem Angriff der Yuuzhan Vong zu schützen. Trotzdem er todmüde war und seinen Hunger bereits mit einer Essensration gestillt hatte, war er hellwach. Wie konnte man auch schlafen, wenn der Feind ante portas wartete, vielleicht gerade die antizipierte Müdigkeit seiner späteren Opfer ausnutzend. Also hatte Jacen einen Mann, der eigentlich Wachdienst gehabt hätte, in sein Zelt geschickt, damit jener seine Kinder zu Bett bringen konnte. Wenigstens eine gute Tat, wenn er schon kein Auge zukriegen konnte.

Er dachte an die Ereignisse der zurückliegenden Woche und betastete die Wunde, die in seinem Wangenknochen unterhalb des rechten Auges prangte. Die Yuuzhan Vong hatten sie ihm während seiner Mission auf Belkadan verpasst, um ihrem Gefangenen dort eines ihrer Korallenimplantate zu verpassen, auf dass er den Invasoren als willenloser Sklave dienen möge. Sie hatten ihn in dieses ekelhafte Gestell mit den roten Tentakeln gehängt. Die Tentakel hatten sich um ihn gewunden, ihn gewürgt, gequetscht und auf andere Art und Weisen gequält. Aber dann war sein Onkel gekommen, hatte die Macht entfesselt und seinen Neffen von diesem Martermonstrum befreit.

Sicher, er und Luke waren von der Hölle Belkadans entkommen, aber die Wunde war noch da. Der Schorf war dick, aber Jacen konnte bereits den Schmerz der zusammenwachsenden Adern, das Kribbeln der Heilung fühlen.

„Kratz nicht an der Wunde herum, Jacen", hörte er eine angenehme Frauenstimme. „Wenn sie sich entzündet, stehst du am Ende mit einer hässlichen Narbe da."

Endlich kam die angenehme Ablenkung, die sich Jacen gewünscht hatte. Immerhin war auch Danni Quee auf Belkadan gewesen. Jemand, mit dem er darüber reden konnte. Also drehte sich der junge Jedi zu der blonden Astronomin um und schenkte ihr ein Lächeln, welches durch die Narbe gewiss seltsam verzerrt wirken musste. „Eine Narbe würde mich verwegener aussehen lassen, meinst du nicht auch?"

Danni legte ihren Kopf zunächst in einer ironischen Pose schief, dann schüttelte sie ihn. „Du brauchst keine Narbe. Du siehst, so wie du bist, wirklich gut aus – vorausgesetzt, du wirst den sorgenvollen Blick los."

Jacen blinzelte. „Ich bin nicht besorgt, nur verwirrt. Und das sollte eigentlich nicht so offensichtlich sein, es sei denn, du liest meine Gedanken in der Macht."

„Ich habe geübt, was deine Schwester mir gezeigt hat, aber ich habe mich die meiste Zeit damit abgegeben, leichte Sachen anzuheben und meine Gefühle abzuschirmen." Sie drückte die Arme enger an ihren Körper, so dass es die Brüste etwas mehr zusammendrückte. „Seit ich Verbindung mit der Macht habe, bin ich mir bewusst geworden, wie leichtfertig die Leute mit ihren Gefühlen umgehen. Manche sind nichts als Gefäße, bis oben angefüllt mit Emotionen, die sie überall ausschütten."

Jacen griff in die Macht hinaus und spürte, dass Danni ein ängstliches Schaudern überlief. „Du hast die Dinge ganz gut unter Kontrolle, aber deine Furcht sollte auch dazugehören. Furcht führt zu Hass und …"

Danni erhob die Hand, um seinen Satz abzuschneiden. „Ich weiß, die Furcht ist ein Schritt auf dem Weg zur Dunklen Seite." Sie atmete langsam aus, dann stieg sie zu ihm auf den Wall und starrte in die Finsternis jenseits der Brustwehr hinaus. Der Widerschein der abgefeuerten Geschosse infolge des Luftkrieges in noch respektvoller Ferne ließ ihr Haar golden aufflackern. „Die Yuuzhan Vong hatten mich schon mal, und ich möchte nicht noch einmal ihre Gefangene werden. Das würde ich nicht aushalten; das könnte ich einfach nicht."

„Die Vong hinterlassen nicht gerade einen guten Eindruck bei ihren Gästen, wie?"

„Nein." Sie wandte sich ihm zu und sah ihn an. „Ich wünschte, ich könnte so mutig sein wie du. Du machst noch Witze darüber, ein Gast der Vong zu sein."

Jacen schob die Brust nach vorn und lehnte sich dabei über die Brustwehr. „Es heißt friss oder stirb, Danni. Es ist gar nicht so schwer, mutig zu sein, weißt du? Mut besteht zum größten Teil in der Missachtung dessen, was um einen herum passiert. Ich hatte gar keine Zeit, Angst zu haben und die hattest du auch nicht, als wir von Helska IV fliehen mussten. Als es darauf ankam, hattest du jedenfalls keine Angst."

Der Blick ihrer grünen Augen wurde eindringlich. „Aber jetzt habe ich welche. Ich spüre einfach überall Furcht. Überall."

Jacen nickte bedächtig. „Ja, es gibt eine Menge Furcht in diesem Lager und noch mehr da draußen." Er deutete in die Dunkelheit. „Du kannst dieses unheimliche Summen in der Macht vermutlich auch fühlen. Onkel Luke und ich haben herausgefunden, dass diese Wahrnehmung mit den Sklaven der Yuuzhan Vong zusammenhängt. Ich nehme an, dass die erste Welle ihres Angriffs aus Sklaven bestehen wird. Die sind ersetzbar und die Yuuzhan Vong können mit ihnen ihre Vorgehensweise erproben, ohne allzu viele ihrer eigenen Leute zu opfern."

„Meinst du, wir werden siegen?"

Er zuckte die Achseln. „Ich kann nicht erkennen, dass wir eine andere Wahl haben. Ich könnte auch sagen, dass, wenn ich mich irre, niemand mehr da ist, um darüber zu diskutieren."

Danni zog eine Braue hoch. „Kein Hinweis auf die Zukunft in der Macht?"

„Nein. Dazu müsste ich mich tage- oder gar wochenlang in Meditation versenken. Jetzt jedoch werde ich als Jedikämpfer gebraucht."

Danni lächelte verhalten. „Aber du wünschst es dir, mehr über die Zukunft herauszufinden, nicht wahr?"

Jacen erwiderte ihr Lächeln. „Ja, so ist es."

Danni wickelte eine blonde Haarsträhne um ihren Zeigefinger. „Vielleicht ist dein Weg ja genau wie die Zukunft – immer in Bewegung. Und immer, wenn du an eine neue Weggabelung gelangst, kannst du dich neu entscheiden – aufgrund deiner Erfahrungen."

Jacen schüttelte langsam den Kopf. „Was habe ich denn schon für Erfahrungen gemacht? Aber so, wie du das sagst, hört es sich an, als hättest du dir bereits viele Gedanken über die Macht gemacht."

„Nicht nur über die Macht, sondern auch über das Leben an sich. Ich musste mich damals für einen Weg entscheiden. Wir alle müssen das. Ich hätte damals auf Commenor bleiben, heiraten und Kinder haben können, stattdessen habe ich mich bei der ExGal-Gesellschaft beworben und die Stelle auf Belkadan bekommen. Wenn ich diesen Krieg heil überstehe, erhalte ich vielleicht die Chance, meine frühere Entscheidung noch mal zu überdenken."

Jacen fühlte die aufwallende Hitze in seinen Wangen. Sicherlich errötete er jetzt gerade. Und das, wo er kurz zuvor von der Beherrschung von Gefühlen gesprochen hatte. „Du willst heiraten und Kinder haben?"

„Ja, das ist gut möglich, wenn mir der richtige Mann über den Weg läuft." Sie zuckte die Achseln. „Aber bei allem, was sich im Moment ereignet, bin ich nicht sicher, ob ich meinen Gefühlen überhaupt trauen kann. Dankbarkeit, Furcht, Neugier – das alles vermengt sich in mir."

Jacen senkte den Blick seiner braunen Augen. „Es gibt niemanden, mit dem du dich triffst?" Jacen spürte, wie die Frage einen Augenblick lang in der Luft hängen blieb, um dann bleischwer zu Boden zu fallen. Mit einem Mal wurde ihm die Tatsache bewusst, dass Danni ganze fünf Jahre älter war als er, dass sie wahrscheinlich reifere Männer bevorzugen würde, dennoch … Sie hat gesagt, ich sehe gut ausTrotzdem sieht sie in mir nur einen Jungen. Ich bin sicher … Nein, ich bin überhaupt nicht sicher

„Romanzen gehörten eigentlich immer zu dem Teil meines Lebens, den ich auf später verschoben habe", hörte er Danni sagen, während sie an ihm vorbei in die dunkle Ferne schaute. „Aber vielleicht ist später ja jetzt, ich weiß es nicht." Sie sah ihm in die Augen und schenkte ihm ein Lächeln. „Wenn du ein bisschen älter wärst, oder ich ein bisschen jünger … oder wenn die Umstände ganz andere wären … ich weiß auch nicht. Ich meine, ich empfinde etwas für dich, Jacen, aber auch diese Gefühle vermischen sich mit allem anderen. Du bist so aufmerksam und hast mir die Holografien und Erinnerungsstücke von unserer Forschungsstation auf Belkadan mitgebracht. Du ahnst ja gar nicht, wie viel mir das gegeben hat …"

Enttäuschung fraß sich in Jacens Magengrube. „Und bei allem, was geschieht, kannst du deinen Gefühlen nicht trauen?"

Danni nickte langsam. „Flüssigkeiten, die unter Druck stehen, kochen nicht dann, wenn sie es sollen, und Gefühle haben die Neigung, sich genau andersherum zu verhalten. Ich finde dich ganz wunderbar und schätze dich als einen Freund. Was alles andere angeht, nun, wie du selbst gesagt hast, ist die Zukunft ständig in Bewegung."

„Nein, das hattest du gesagt!", schoss Jacen zurück und schalt sich sogleich, zu viel Schärfe in seine Stimme gelegt zu haben.

Manche Leute sind nichts als Gefäße, bis oben angefüllt mit Emotionen, die sie überall ausschütten, gellten ihm ihre anderen Worte von vorhin im Kopf. Sie wird denken, ich bin unachtsam mit meinen Gefühlen.

Er überlegte, ob sie auch damals in der Rettungskapsel seine aufkeimende Erregung gespürt hatte – sie beide auf engstem Raum stundenlang in einer körperlichen Intimität gefangen, die für eine Erstbegegnung ungewöhnlich, ja unziemlich gewesen war. Ja, er hatte sich damals über Helska IV Fantasien hingegeben, sich darüber bewusst werdend, dass diese Fantasien mehr mit der überkommenen Romantik eines Helden zu tun hatten, der eine schöne Maid aus größter Not befreit, als mit irgendetwas sonst. Und trotzdem, Danni war verdammt schön. Sie war klug und einfühlsam … und er begehrte sie!

Ihr Blick glitt sondierend über sein Gesicht. „Ich habe dich verletzt, nicht wahr?"

Jacen schenkte ihr ein tapferes Lächeln. „Jediritter kennen keinen Schmerz, Danni. Und in Zeiten wie diesen ist eine gute Freundin wahrhaftig ein Schatz. Wenn man bedenkt, was hier geschieht, auch mit unseren Leben, dann ist Freundschaft vermutlich das Beste, was uns passieren kann."

Ihre Linke streichelte seine rechte, verletzte Wange. „Das war eine sehr erwachsene Antwort, Jacen. Du bist wirklich jemand ganz Besonderes."

Er drehte den Kopf weg unter ihrer Berührung, weg von ihrem Lob von einer anderen Ebene herab, dann lächelte er ein gequältes Halblächeln. „Danke, meine Freundin."

Er starrte nach draußen in die Dunkelheit. „Freunde bringen meistens meine besten Seiten zum Vorschein."

Sie drückte ihr Rückgrat durch. „Weißt du Jacen, da ist eine Sache, die mir nicht aus dem Kopf gehen will. Damals auf dem Weltschiff auf Helska IV."

Ruckartig drehte er sich wieder zu ihr um. „Was meinst du?"

„Als mich Präfekt Da'Gara in Augenschein nahm, nachdem er Bensin Tomri getötet hatte, da hat er gesagt, Agent Yomin Carr hätte Respekt für mich eingefordert."

Jacen zuckte die Schultern. „Sie haben in dir Potential gesehen und wollten dich umdrehen. Das machen viele Eroberer, die neue Leute rekrutieren wollen."

Danni schüttelte ihre blonde Mähne. „Ja, schon, aber dann hätten sie es auch mit den anderen tun können, aber das haben sie nicht. Es hätte mir bereits damals auf Belkadan auffallen müssen, aber meine Gedanken waren überall, nur nicht dort, wo sie hätten sein sollen."

Jacen hob eine Braue. „Du machst dir doch nicht etwa Vorwürfe, dass du zu spät erkannt hattest, dass Yomin Carr ein Agent der Praetorite Vong war?"

„Yomin Carr war der letzte Neuzugang im Team, bevor Da'Garas Weltschiff in unsere Galaxis eindrang. Ich hatte mich damals gewundert, wieso er so zurückhaltend war, während die meisten anderen Männer auf der ExGal4-Station", sie schaute ob ihrer folgenden Worte genant nach unten, „mir hin und wieder zu verstehen gegeben haben, dass sie mit mir ausgehen wollten. Manchmal jedoch habe ich mitbekommen, dass Yomin Carr mich verstohlen beobachtet hat. Aber immer, wenn ich mich ihm zugewandt habe, hat er so getan, als wäre gar nichts."

„Das würde ich als Geheimagent auch so machen, wenn ich nicht enttarnt werden möchte."

„Und doch verdanke ich nicht nur dir, sondern auch Yomin Carr meine Rettung. Es war mein Ruf in der Macht, den du gespürt hattest, nicht der vom ausgebildeten Jedi Miko Reglia."

Jacen grinste schief. „Und Yomin Carr als von der Macht völlig abgeschnittener Yuuzhan Vong-Krieger hat das gespürt und dich deshalb gerettet und damit seine eigenen Leute dem Untergang preisgegeben, weil du uns ihre Geheimnisse, vor allem die Sache mit dem Yammosk, verraten hast. Irgendwie absurd, findest du nicht?"

Danni senkte ihre Augenlider. „Die Macht geht manchmal Wege, die wir nicht verstehen, Jacen. Auch wenn die Yuuzhan Vong sie nicht spüren können, so ist sie doch da und wirkt auf alles ein, was sich hier befindet. Was, wenn Yomin Carr gerade durch seine Präsenz auf Belkadan von der Macht zu einem Werkzeug auserkoren wurde, um uns den Schlüssel zu unserer Rettung in die Hand zu geben?"

Jacen verzog angewidert den Mund. „Yomin Carr hat dein gesamtes Team niedergemetzelt. Irgendwie eine grauenhafte Vorstellung, dass ausgerechnet dieser Yuuzhan Vong uns die Mittel zum Sieg in die Hand gegeben hat."

„War nicht auch dein Großvater eigentlich ein ziemlich übler Bursche, bevor er wieder zurück ins Licht fand? So hat es mir zumindest Jaina erzählt."

„Aber Anakin Skywalker hatte sich bewusst dafür entschieden, nicht mehr Darth Vader zu sein – das ist sein Vermächtnis, während Yomin Carr einfach nur tot ist – völlig ungeläutert wohlgemerkt, wir mir Tante Mara berichtete", erwiderte Jacen spitz.

„Trotzdem hat Yomin Carr etwas an mir gelegen. Das weiß ich jetzt."

„Eben hast du noch gesagt, er hätte lediglich irgendetwas in dir gesehen, das besonders ist."

Danni kringelte erneut die Haarsträhne um ihren Finger. „Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem. Aber seit meinem Aufenthalt in ihrem Weltschiff weiß ich, dass auch Gutes in den Yuuzhan Vong steckt. Sie haben einen Sinn für Ehre und Wahrhaftigkeit, der vielen Leuten in unserer Galaxis abhandengekommen ist. Und wenn wir es behutsam anstellen, dann können wir nicht nur uns, sondern auch sie retten."

„Ja, sicher … ganz behutsam." Jacen runzelte die Stirn und schaute in den dunklen Himmel, wo gelegentlich Plasmaentladungen der Korallenskipper zu sehen waren, die den Vormarsch der Sklavensoldaten der Yuuzhan Vong von der Luft aus absicherten – gekreuzt von den roten Plasmastrahlen der X-Wings und anderer Kampfjäger der Flugstaffeln der Republik. „Wenn das wirklich stimmen sollte, dann fühle ich diese deine Zukunftsvision sehr, sehr weit von uns entfernt. Und das allerwenigste, was ich bei den Yuuzhan Vong fühlen kann, ist Behutsamkeit und ich bezweifle, dass sie diese deine Überlegungen teilen."

Danni kräuselte die Unterlippe. „Mag sein, dass es jetzt so ist. Aber Präfekt Da'Gara hat mich damals aufgefordert, die Bitte Yomin Carrs um Respekt für mich zu ehren. Und ich werde sie ehren – auf meine Weise …", sie lächelte nachsichtig, „… und du spielst schon wieder an deiner Narbe herum."

Jacen lächelte breit, doch sie erkannte die Verlegenheit, die er auf diese Weise zu verbergen suchte. „Nun, vielleicht lässt mich diese Narbe ja tatsächlich verwegener aussehen. Aber an den Narbenkopf Yomin Carr komme ich vermutlich nicht heran."

Danni lachte. „Immerhin bist du im Gegensatz zu ihm noch quicklebendig. Bis dann, Jacen!"

„Bis dann, Danni."

Sie wandte sich ab, um in der Nacht Dantooines zu verschwinden. Jacen sah ihrer schlanken Gestalt nach, dann schaute er wieder grimmig über die Brustwehr hinaus. Er hatte gerade noch drei Sekunden, als der Alarm losheulte.

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Die Säule des angekündigten Sturms wälzte sich von Norden kommend auf Dantooines Äquatorialkontinent zu.

„Entfesselt die Rakamats!", ordnete Shedao Shai an.

Ein Miid Ro'ik senkte sich herab und gab seine Last frei. Die beiden Rakamats waren gepanzerte Ungetüme mit zahlreichen ihnen angezüchteten Plasmageschützen. Flankiert wurden die riesigen Echsen von wandelnden Plasmakanonen, die helfen sollten, das Abwehrfeuer des Feindes auf sich zu ziehen, so dass das Rakamat ungehindert wirken und wüten konnte. Die Luft über der vorrückenden Bodenkolonne war gesichert durch zehn Staffeln Yorik-ets, deren lilane Punkte Nom Anor von oben durch die Reihe der Wächterdrohnen, die vor Ort dem Großen Auge die Bilder lieferten, deutlich erkennen konnte.

„Diese X-Wings sehen komisch aus", sagte Deign Lian.

„Es handelt sich um sogenannte Missgeburten", erklärte Nom Anor. „Das sind Feindschiffe, die aus Teilen verschiedener Raumjägertypen zusammengeschustert wurden."

Shedao Shai schaltete einen anderen Wächter zu. Die vom Feind gesicherte Zeltstadt erwachte angesichts des Vormarsches der Yuuzhan Vong zum Leben. Leute verließen die Zelte, irrten umher, suchten einander oder auch nur etwas, das sie in eine ungewisse Zukunft mitnehmen konnten.

Der Kommandant schaltete wieder zurück zur eigentlichen Front. Ein greller Feuerball entfaltete sich vor dem ersten Rakamat. Die Fußtruppen der reptiloiden Chazrach, die das Waffentier flankierten, wurden zu Hunderten zerfetzt, flogen durch die Luft und blieben wie Puppen auf dem Boden Dantooines liegen. Der X-Wing, der die verhängnisvolle Ladung abgefeuert hatte, schien jetzt erst recht Blut geleckt zu haben. Geschickt nutzte er die Verlangsamung des Vormarsches, um das Rakamat mit rotem Streufeuer einzudecken – zunächst ohne Erfolg.

„Das ist der X-Wing, der die Blutprinz über Dubrillion auf dem Gewissen hat", sagte Nom Anor und Deign Lian nickte.

Deign Lian schnaubte. „Selbst, wenn er den Rakamat vernichtet – unsere Kolonne ist fünf Kilometer lang. Die können sie unmöglich aufhalten."

„Dort unten sind jede Menge hochkarätiger Feinde versammelt, darunter viele Jeedai", mahnte Shedao Shai an. „Eine Verlangsamung unseres Vormarsches könnte ihre Flucht und damit eine unnötige Verlängerung dieses Krieges bedeuten."

„Eine Verlängerung, die doch wohl eher unseren Feinden schadet als uns", konterte Deign Lian.

Shedao Shai stellte die Schlepptangbrühe ab, erhob sich von der Bank, auf der er saß, und wandte sich seinem Adjutanten zu. „Ich hoffe wirklich, dass Tsavong Lah nicht genauso denkt wie Sie." Er holte mit der Faust aus und versetzte seinem Untergebenen einen Schlag gegen das Kinn. Deign Lian taumelte rückwärts. Sein kahler Kopf krachte gegen die Lamelle der Wand hinter ihm.

„Und diese Antwort schadet eher Ihnen als unseren Feinden", dröhnte Shedao Shai, dann ließ er sich wieder auf der Bank nieder, wo auch Nom Anor saß, und nahm einen tiefen Schluck aus seiner von Deign Lian mitgebrachten Schlepptangbrühe.

„Vielleicht bekommt er davon ja zumindest eine hübsche Narbe", wagte Nom Anor zu scherzen.

Zu des Exekutors Zufriedenheit lächelte der Kommandant. „Solange es nicht zu viele Narben dieser Art werden."

Shedao Shai schaltete wieder zur Wächterdrohne im Flüchtlingslager. Einer seiner Schultervillips stülpte sich zeitgleich um.

„Untergebener Shar'darr Bhul, berichten Sie."

„Sie bereiten ihre Flucht und damit die Evakuierung vor", sagte der Yuuzhan Vong. „Ich schätze …"

Leia hatte etwas gespürt. Wie von ihrem Zwillingsbruder erwartet, war ihre Schwägerin nicht willens gewesen, sich auszuruhen, sondern hatte sich die ganze Nacht im Flüchtlingslager nützlich gemacht. Die ehemalige Staatschefin wusste, dass Mara Jade-Skywalker sogar noch viel lieber vorne bei ihrer Nichte Jaina gewesen wäre, die jetzt schon ziemlich lange dieses riesige Waffentier der Yuuzhan Vong mit ihrem X-Wing beharkte. Aber jetzt war sie froh, dass Mara hier an ihrer Seite war.

„Siehst du dieses Zelt?"

Mara nickte. „Ja, schon, aber …"

In dem Zelt bewegten sich Menschen, aber die Macht sagte ihnen etwas anderes. „Eben waren da noch drei Leute drin – und ich habe sie gefühlt", sagte Leia. „Das ist … unmöglich."

„Nicht ganz", keuchte Mara und rannte los, das blaue Lichtschwert mit einem Zischen aktiviert.

Die blaue Klinge schlitzte die Bahn des Zelteinganges auf … Drei Tote lagen an der Seite auf dem Boden. Die drei Leute, die sie außerdem sah, waren eine alte Frau und zwei junge Burschen. Alle drei Menschen, aber als Mara genauer hinschaute, entdeckte sie die Zipfel der Kapuze, die der Ooglith war, der lediglich die Köpfe der Eindringlinge bedeckte. Und darunter wurde graue Haut sichtbar. Ihre blaue Klinge fand ihr Ziel, bevor die Yuuzhan Vong in Tarnung zu ihren organischen Waffen greifen konnten. Wenig später schloss sich ihr Leias grüne Klinge im Vernichten der Infiltratoren an.

Ein Yuuzhan Vong, vollgepumpt mit Maras Blasterschüssen, sank zu Boden, aber der zweite stürzte sich auf Leia. Etwas Dünnes, Scharfes ritzte ihren Unterarm an, dessen Hand das grüne Lichtschwert hielt. Der Schmerz kam mit der Lähmung der Hand. Leia ließ das Lichtschwert fallen. Noch bevor er sich auf sie stürzen konnte, ging ein grauer Schatten dazwischen. Ihr Noghri-Leibwächter Bolpuhr warf sich auf den Feind, riss ihn zu Boden – und blieb dort liegen – für eine Sekunde. Dann flog der Noghri in hohem Bogen gegen die Zeltwand und der Yuuzhan Vong stand wieder auf. Leia streckte ihre Linke aus, um ihr Lichtschwert wieder zu sich zu rufen. Sie fühlte das noch warme Metall in ihrer Hand – Geschafft! Der Krieger lief noch zwei Schritte auf sie zu und Leia zündete die Klinge, da blieb er plötzlich stehen und fiel nach vorn. Leia trat zur Seite und ließ ihn zu Boden gehen. Aus seinem Rücken sah sie die dreiseitige Klinge austreten – Bolpuhrs Stilett. Wie in Zeitlupe bekam sie mit, wie Mara den dritten Mann mit dem Lichtschwert erledigte, dann drehte sie sich ebenso verlangsamt zur Zeltwand um. Ihr getreuer Leibwächter lag dort, als würde er friedlich schlafen, aber seine gelben Augen starrten blicklos zur Zeltdecke. Bolpuhr hatte damals vor dreizehn Jahren auf Coruscant geholfen, die Geiselnahme ihrer drei damals noch kleinen Kinder im Regierungsgebäude zu beenden. Der Noghri hatte auch jetzt seine Pflicht erfüllt und den Angriff gestoppt. Es war sein letzter Leibwächterdienst gewesen. An Bolpuhrs Hals und in seiner Brust konnte Leia die tiefen Wunden sehen, die die langen Klauen des Yuuzhan Vong im Abwehrkampf in den Körper ihres Leibwächters gerissen hatten.

Lebe wohl, Bolpuhr!

Das doppelte Zischen ließ die drei Yuuzhan Vong auf der Kommandobrücke der Erbe der Qual zusammenzucken. Der Schultervillip Shedao Shais stülpte sich urplötzlich wieder in seinen Urzustand zurück.

Rrush'hok ichnar vinim'hok!", murmelte der Kommandant, um die soeben Gefallenen zu ehren.

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Jaina Solo kämpfte gegen Ungeduld und Langeweile an. In immer neuen abenteuerlichen Winkeln stieß sie auf das panzerplattenbewehrte Tier herab, wich Korallenskippern von oben und Plasmakanonen von unten aus – und wartete auf ihre Chance. Sie kehrte den Schub um und flog über das Tier hinweg, den Zug der Eroberer kreuzend, dann senkte sie die Nase ihres X-Wings plötzlich ab und schoss unter dem Waffentier hindurch – ein wahnwitziges Manöver, wobei ihre Cockpitkanzel den schrundigen Bauch des Tieres streifte. Die Fläche unterhalb dieses Bauches war indes die einzige, wo sie ungestört arbeiten und ihre Fracht abladen konnte. Als sie ihren Jäger wieder hochzog, hefteten sich zwei Korallenskipper an ihre Fersen. Jaina schlug einen Haken und schrammte haarscharf an einem anderen Korallenskipper vorbei, der vom versehentlichen Beschuss ihrer Verfolger zerfetzt wurde.

Ungerührt setzte das schwerfellige Rakamat seinen stampfenden Vormarsch fort und schien nicht aufzuhalten zu sein. Nur der Formalität halber ließ die junge Jedi noch ein paar Lasersalven zwischen seine Schuppenplatten regnen, dann drehte sie ab und suchte sich neue Ziele, bevor ihre innere Unruhe sie auffressen würde.

Das zweite Rakamat erreichte die Stelle, wo Jaina zuvor unter dem ersten hindurchgeflogen war. Die junge Solo war zwar jetzt einen Kilometer weit entfernt, aber das genügte. Sie drückte einen Knopf und der Thermaldetonator, den sie zuvor unauffällig hatte fallen lassen, explodierte. Brocken roten Fleisches und Fontänen bräunlichen Blutes spritzen durch die Gegend, dann sackte das Tier tot zusammen und verursachte einen Stau, der sich binnen weniger Minuten wieder auflöste, als sich die Chazrach und die kleineren Schiffe in zwei kontrollierten Strömen um das verendende Tier herum bewegten.

Die reptiloiden Sklavensoldaten der Yuuzhan Vong hatten die Zweihundert-Meter-Grenze erreicht, bis zu der man die Flüchtlinge noch effektiv verteidigen konnte. Die Transporter füllten sich erneut und bei einigen liefen bereits die Motoren, um den Start vorzubereiten. Die Verteidigung hinter den Brustwehren schoss gezielt und ohne Aufregung, aber auch wenn Krieger niedergingen, so rückten die übrigen Reptiloiden einfach weiter vor, unbeeindruckt vom Verlust der Kameraden.

Als die Chazrach-Vorhut auch die Hundert-Meter-Grenze durchbrach, hatte Luke Skywalker die Muße, das neueste Aufgebot des Feindes näher zu betrachten. Die Reptiloiden ähnelten Trandoshanern. Aus ihrer breiten, fliehenden Stirn ragten je ein Paar knochiger Auswüchse, die mehr Beulen als Hörnern glichen.

„Damit kontrollieren sie sie", sagte sein Neffe Jacen, „wie ihre Sklaven auf Belkadan."

Luke nickte. „Immerhin kann man sie in der Macht wahrnehmen. Das ist doch schon einmal was."

In den Händen hielten die anstürmenden Soldaten Amphistäbe, jedoch eine kürzere Version. Und Luke fiel auf, dass sich diese Amphistäbe ausnahmslos in steifem Zustand befanden. Die Krieger pflügten Zelte nieder, hieben auf die aufgescheuchten Zivilisten ein, ließen das dicke Ende ihrer Amphikeulen auf die Köpfe der Verteidiger knallen, ließen jedoch die in Ruhe, die sich nicht wehrten und zusammengerollt wie Embryonen ängstlich am Boden lagen, insofern sie nicht der Bequemlichkeit und Effizienz halber über sie hinwegtrampelten.

Danni Quee kauerte im Zentrum des Flüchtlingslagers und versorgte einen Verwundeten. Sie fühlte, wie Leia auf sie zustürzte und wandte sich ihr zu. Leias rechter Arm war notdürftig verbunden worden und die junge Wissenschaftlerin fuhr alarmiert aus ihrer hockenden Position hoch.

„Danni, ich brauche Ihre Hilfe."

Danni nickte steif.

„Sie können gut Emotionen wahrnehmen", fuhr Leia fort.

„Ich spüre Angst", sagte Danni. „Überall. Auch in mir."

„Hören Sie, Danni. Hier im Lager treiben sich verkleidete Yuuzhan Vong herum und wir müssen sie aufspüren … alle."

„Yuuzhan Vong?" Dannis Puls beschleunigte sich. „Hier im Lager?"

Leia packte ihre linke Schulter. „Reißen Sie sich zusammen. Sie können das. Sie müssen."

Die beiden Frauen schlichen durch die aufgescheuchten Flüchtlinge und lauschten. Die Macht um sie herum toste, während ein Schiff nach dem anderen startete und vom Boden Dantooines abhob. Diesen Posten haben wir schon einmal aufgegeben, dachte Leia, vor vielen Jahren. Wie konnte es nur wieder soweit kommen?

„Dort drüben – zwei Leute ohne Macht", hörte sie Danni neben sich. Sie sah in ihre grünen Augen und erkannte, dass die Angst in der anderen Frau schon viel schwächer geworden war. Leia berührte Danni in der Macht und sandte ihr Kraft.

„Ich bin bereit. Scheuchen wir sie auf und bringen wir sie zur Strecke!", sagte Danni Quee und Leia lächelte.

Sie sahen die Staffeln der X-Wings zurückkehren. Danni zählte und erkannte, dass mindestens die Hälfte der vor Stunden ausgeschwärmten Piloten fehlte. Die Kampfjäger schienen schneller zu fliegen und Danni und Leia wussten, dass dem tatsächlich so war. Denn weiter hinten walzte eine schwarze Säule auf sie zu, nur einen halben Kilometer hinter dem ersten Rakamat, welches fauchend und spuckend am Lagerrand stehengeblieben war. Der Sturm gab dem Feind wortwörtlich Rückendeckung – und beschleunigte dessen Vormarsch.

„Der Sturm wird uns später bei der Flucht helfen", meinte Leia und ein wehmütiges Lächeln huschte über ihre abgehärmten Züge. „Vorausgesetzt wir nutzen seine Thermik richtig."

Danni nickte, dann zeigte ihre Hand mit dem Blaster auf ein bestimmtes Zelt, das noch stand. Leia folgte ihr. Noch dieses eine, denn dort drinnen waren die wahren Feinde – die, die wirklich wehtaten.

Shedao Shai sah dabei zu, wie das erste und einzig verbliebene Rakamat die Grenze zum Flüchtlingslager erreichte und dort stehenblieb. Von hier aus konnten seine Geschütze problemlos alle Ziele erreichen – nur nicht die, die wegflogen – und das waren doch ziemlich viele Schiffe der Ungläubigen. Er schaute auf die reptiloiden Sklavensoldaten. Die Chazrach kämpften wirklich gut. Sie würden nachher eine kleine Belohnung erhalten. Und er hatte auch schon den einen und anderen Kandidaten von ihnen im Auge, den er zum Kommandanten eines Zugs befördern würde. Deign Lian würde die Zeremonie hierfür organisieren.

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„Nom Anor, die Jeedai konnten zwar allesamt fliehen, aber Dantooine ist unser", verkündete der Kommandant feierlich seinem Gast. „Ihr Aufenthalt auf der Erbe der Qual ist hiermit beendet und ich hoffe, er war für Sie genauso erbaulich wie die Ereignisse der letzten Tage und Wochen für mich."

„Kommandant Shedao Shai, ich fühle in der Tat erneute Zuversicht, diesen Feldzug doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen und möchte Ihnen für Ihre Gastfreundschaft danken."

Shedao Shai lächelte knapp. „Das freut mich zu hören, Exekutor, aber Ihre Zweifel waren fehl am Platz. Ihre Ratschläge hingegen während der Schlachten waren durchaus wertvoll und werden in meinem Bericht an den Obersten Kommandanten erwähnt werden. Und richten Sie Kommandant Tsaak Vootuh meine besten Grüße aus."

Nom Anor neigte den Kopf und lächelte etwas länger als der Kommandant. „Ich danke Ihnen und werde sie ausrichten."

Shedao Shai saß in der Kommandozentrale mit Deign Lian zusammen und bereitete den Bericht an den Obersten Kommandanten Nas Choka vor.

„Ich finde ja nicht, dass Nom Anor allzu viel zum positiven Ausgang der Schlachten um Dubrillion und Dantooine beigetragen hat", meinte der Adjutant skeptisch.

„Deign von der Domäne Lian", begann Shedao Shai in herablassendem Tonfall, der der Ehrerbietung in der Anrede Hohn sprach. „Ich erwarte auch gar nicht, dass Sie all das verstanden haben, was Nom Anor während seiner Zeit hier in Ihrer Gegenwart gesagt hat, aber er ist ein guter und verlässlicher Organisator und Planer. Und ich bin zu der Einsicht gelangt, dass das Versagen der Praetorite Vong ein notwendiges Opfer war, das niemand verhindern konnte. Nom Anor war lange Zeit nicht in unserer Mitte, aber jetzt, wo er hier gewesen ist und auch in die Umarmung des Schmerzes zurückgefunden hat, wird er schon bald sein volles Potential entfalten."

Deign glotzte seinen Chef verständnislos an. „Sein volles Potential?"

„Nom Anor mag zu bescheiden sein, um es offen zu zeigen, aber ich habe seine Ergebenheit gegenüber dem Wahren Weg und sein Vertrauen in die Götter klar und deutlich gespürt."

Der Adjutant blinzelte. „Also wenn Sie das so sagen …"

„Ja, dieser Kommandant sagt das", bekräftigte Shedao Shai mit Nachdruck. „Und unser Kriegsmeister schätzt Leute, die nicht nur mit Umsicht, sondern auch mit Hingabe an die Götter für unsere heilige Sache kämpfen. Gerade Leute wie Sie könnten sich an dem Exekutor getrost ein Beispiel nehmen."

Deign Lian war nach Besprechung des Berichts an Nas Choka umgehend in seine Kammer gegangen und hoffte, dass ihn jetzt niemand stören mochte. Er griff in das Fach unter seinem Bett und holte den Sklipun hervor, jene Muschel, die man dafür benutzte, um Wertgegenstände aufzubewahren. In diesem Sklipun befand sich ein kleiner Villip, den Deign Lian aktivierte.

Die Kerbe stülpte sich um und zeigte ein vernarbtes Gesicht, dessen schwarze Augen im Feuer des Eifers brannten. Weiß beperlte Akzentzöpfe zierten die Vorderpartie seiner Haare und ließen die dicke Mähne der restlichen Haare dahinter erahnen.

„Was gibt es, mein Diener?"

„Mein Meister, Nom Anor ist wieder abgereist und Shedao Shai ist mit ihm zufrieden gewesen."

„Was? Das passt nicht zu Shedao Shai", wunderte sich der andere.

„Shedao Shai meint, dass Nom Anors Ratschläge für beide Schlachten von großem Wert gewesen seien und er wird das auch so in seinem Bericht an Nas Choka erwähnen."

„Das ist sehr interessant, Deign Lian. Und weiterhin viel Erfolg."

Der Villip stülpte sich wieder um und der Adjutant schloss den Sklipun wieder weg.

Shedao Shai schaute dabei zu, wie sich Nom Anors silberglänzendes Schiff wieder von der Erbe der Qual entfernte. Endlich war der Schandfleck fort! Der Kommandant lächelte. Nicht nur darüber, dass der undurchsichtige Verwalter wieder abreiste. In Wahrheit freute sich Shedao Shai bereits auf den Tag, an dem Tsavong Lah die wahre Natur des Mannes erkennen würde, den er gegenüber Deign Lian am Tag zuvor in den höchsten Tönen gelobt hatte. Aber warum sollte es dem Kriegsmeister auch besser ergehen als ihm, dem Kommandanten Shedao Shai, der sich jetzt schon über acht Klekket lang mit dieser penetranten und inkompetenten Nervensäge namens Deign Lian herumärgern musste, und dies nur, weil Tsavong Lah der Ansicht war, dass dieser angeblich vielversprechende Krieger noch etwas mehr Schliff und mehr Schulung seiner Kriegertugenden von Seiten eines erfahrenen Kommandanten an vorderster Front wie ihm, Shedao Shai, bedürfen würde.

Der Kommandant hörte Schritte, die von der Seite zu ihm herankamen. Er drehte sich um und sah Ybura, die Villipdienerin.

„Ich bringe Nachricht von der Welt, die die Ungläubigen Bimmiel nennen", sagte die Villipdienerin mit sorgenvoller Miene. „Zwei Jeedai wurden dort gesichtet und während eines Kampfes in einem Grashal wurden Ihre Cousins Neira und Dranae Shai von den Ungläubigen getötet. Andere Krieger haben den Ort des Kampfes gesichert und erwarten Ihre weitere Anweisungen."

„Das ist bedauerlich", grollte der Kommandant, dann entließ er die Botin mit einem Wink und wandte sich dem Navigator zu „Setzen Sie Kurs auf Bimmiel."

Er schaute zu Deign Lian, aber es schien seinen Adjutanten nicht sonderlich zu bekümmern, dass sein Chef gerade zwei Angehörige seiner weiteren Familie verloren hatte. „Deign Lian, das mag sich vielleicht wie eines jener belanglosen Scharmützel anhören, in die unsere Leute gelegentlich verwickelt werden. Aber ich habe das Gefühl, zumindest endlich Kunde vom Schicksal meines lang verschollenen Großvaters Mongei Shai erhalten zu können."

Deign Lian setzte eine höfliche Miene auf. „Das hoffe ich für Sie und für Ihre Domäne, Kommandant."


Note der Autorin: In diesem Kapitel gibt es wieder viele Ereignisse und Zitate aus „Invasion, Teil I: Angriff der Yuuzhan Vong" von 2010 der Star Wars-Invasion-Comicreihe von Panini, die zeitlich zwischen Band 1 „Die Abtrünnigen" und Band 2 „Die Schwarze Flut" der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" angesiedelt sind.

Darüber hinaus gibt es Begebenheiten und Zitate aus „Die schwarze Flut" von Michael Stackpole, Bd. 2 der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von 2001, dessen Wiedergabe mit diesem Kapitel abgeschlossen ist.

Das Rakamat taucht zunächst namenlos in „Die Schwarze Flut" auf und wird mit diesem Namen noch einmal in „Rebellenträume" von Aaron Allston, dem 11. Band der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von 2005 verwendet.

Tu-Scart und Sgauru tauchen auch im Roman „Planet der Verlorenen" von Kathy Tyers auf, dem sechsten Band der Reihe „Das Erbe der Jediritter" von 2003.

Ein Crizt ist eine nicht näher definierte Einheit der Zeit bei den Yuuzhan Vong. Sie taucht nur einmal, im Roman „Verräter" von Matthew Stover, dem 13. Band der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von 2006 auf.

Ein Fero xyn ist ein Tier der Yuuzhan Vong. Es taucht im Roman „Stern um Stern", in der deutschen Ausgabe enthalten in „Das Ultimatum", von Troy Denning, dem 9. Band der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von 2005 auf.