Planet Artorias – zweieinhalb Monate nach Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin
Die Hügel waren aus dem Meer aufgetaucht, hatten sich miteinander verbunden und formten jetzt die Strahlenarme einer Wiege, die darauf wartete, dass man ein junges Wesen hineinlegte. Kommandant Sha'kel war sich sicher, dass die so entstehende Halbinsel praktisch uneinnehmbar sein würde.
„Nun, wie gefällt dir das, Kleine?", fragte Sha'kel sein Schmusetier.
Kaye Galfridian schaute nach unten auf den achtarmigen Riesenpolypen, zu welchem sich die unscheinbaren Hügel verbunden hatten. Die aschgrauen Arme waren von leuchtend lilanen Linien überzogen. „Wozu ist das gut?"
Sha'kel tätschelte Kayes Schulter. „Ein Weltschiff, das momentan noch im Orbit in Wartestellung verharrt, wird schon bald eintreffen und sich in dieser Wiege verankern. Fünfzehntausend Yuuzhan Vong werden dann hier auf Artorias eintreffen und nach und nach diesen Planeten besiedeln."
Das war nur die halbe Wahrheit, aber irgendwann würde sein Schmusetier verstehen. Hier könnte das alternde Weltschiff möglicherweise nicht nur neue Kräfte tanken, sondern sich gar wieder verjüngen, um die jahrtausendealte Wohnstätte zehntausender Yuuzhan Vong nicht nur am Leben zu erhalten, sondern auch vitaler zu machen – nur für alle Fälle wohlgemerkt, denn die Yuuzhan Vong würden Artorias nie wieder aufgeben und diesen Planeten schon bald nicht nur in Besitz nehmen, sondern auch besiedeln, so dass das steinalte Weltschiff dann entbehrlich werden würde. Die Gestalter hatten Sha'kel jedoch ebenso gesagt, dass solch eine Verjüngung zunächst rein theoretisch war. Experimente mit neu entwickelten Substanzen harrten noch ihrer Verwirklichung in der realen Umgebung dieser neuen Galaxis, aber auch das brauchte Kaye noch nicht zu wissen.
Ihr linker Mundwinkel zuckte, so dass sich die Sommersprossen oberhalb lebhaft bewegten. „Ihr habt meine Heimat ja schon genügend vorbereitet, so dass es ihnen hier gefallen wird."
„Gefällt es dir denn, Kaye?"
Sie stutzte. So eine persönliche Frage hatte die Siebzehnjährige nicht erwartet. Andererseits hatte sie in den vergangenen zwei Monaten genügend Neugierde gezeigt. Dann und wann hatte sie trotzigen Widerstand einfließen lassen, hauptsächlich gegenüber Nebensächlichkeiten, was ihrem Herrn gerade so viel Vergnügen bereitete, dass er kein ernsthaftes Aufbegehren von ihrer Seite befürchtete.
Ihr anderer Mundwinkel zuckte ebenfalls und vervollständigte das Lächeln. „Ich werde es begrüßen, der Rest ergibt sich."
„Das ist meine Kaye", sagte Sha'kel stolz und die Klaue seines Zeigefingers ritzte eine dünne Furche in die Schulter, die er soeben getätschelt hatte.
Kaye schaute mit einem amüsierten Gesichtsausdruck hoch in seine gelben Maa'its und … wie erwartet beugte sich der Kommandant zu ihr herab, um das austretende Blut von der Kratzwunde zu lecken.
„Die Saat ist nun bereitet", erklärte Sha'kel nach einem genüsslichen Schmatzen und seine Wangenlappen bebten. „Und schon bald werden wir die Ernte einfahren."
Kaye nickte. Ich hoffe, dir gefällt die Ernte.
Sha'kel ergriff ihr Kinn, um sie noch etwas näher zu sich heranzuziehen. Ein gedämpfter Knall unterhalb der Tsam P'ah unterbrach die körperliche Annäherung. Sha'kel fuhr herum und glotzte aus dem Panoramafenster seines Sklavenschiffs. Eine grellorange Stichflamme züngelte aus der Mitte des neu erschaffenen Polypen nach oben. Die Oberfläche des dicken Knotens, wo die Tentakel zusammenliefen war aufgeplatzt und legte rohes, rotes Fleisch frei, benetzt von einer gelben Brühe, die Kaye schon vom bloßen Anblick her Ekel verursachte.
„Was machen die Gestalter denn da?", fragte sie arglos.
„Das sind nicht unsere Gestalter!", wetterte Sha'kel. „Das sind wieder diese Saboteure! Bislang haben sie nur eure technischen Abscheulichkeiten angegriffen, die wir besetzten. Aber jetzt wird eine unserer eigenen Einrichtungen zerstört! Und unser Agent, der schon seit Jahren auf Artorias lebt, hat keine Ahnung, was diese Angriffe hervorrufen könnte."
„Aber auf dem Planeten ist doch nichts mehr vom alten Leben übriggeblieben", wandte Kaye ein. „Die Invasion hat alles zerstört. Es sei denn, jemand von Ihren eigenen Leuten …"
„Schweig!", herrschte der Kommandant Kaye an. „Unsere Feuerspucker haben den Erdboden verbrannt. Wir haben jede Höhle und jeden Winkel durchsucht. Nichts dürfte mehr am Leben sein. Trotzdem muss ich jetzt meine Leute losschicken, damit sie unten bei der Wiege als Wachen dienen. Aber du kannst sicher sein, dass das, was uns angreift, nicht mehr lange leben wird."
Genau wie du.
Er bellte in einen Villip. „Minos! Bring sie zurück in ihre Zelle und sorge dafür, dass nichts Ungehöriges geschieht."
Drei Tage später an Bord der Tsam P'ah – wieder über Artorias
Kayes erstickte Schreie hallten durch den Gefangenentrakt. Die beiden Wärter, die diesen Bereich der Tsam P'ah bewachten, liefen zu der Stelle, von der das Geschrei kam. Irgendwie hatte es dieser bullige Humanoide unbekannter Spezies geschafft, Prinzessin Kaye Galfridian in seinen Würgegriff zu nehmen. Kaye röchelte.
„Ich weiß, dass euer Kommandant auf die Kleine steht", begann Arbeloa. „Ich bin bereit, eine Abmachung mit euch zu treffen. Im Tausch gegen meine Freiheit drehe ich ihr nicht den Hals um."
„Wie viel Freiheit kann es schon an Bord eines Sklavenschiffes geben?", fragte eine der Wachen.
„Ich weiß, dass sogar ihr Rettungskapseln habt", entgegnete Arbeloa abfällig. „Lasst mich gehen, den Rest des Wegs schaff ich dann schon allein."
„Er wird das Mädchen töten und dann sind wir dafür verantwortlich!", zischte einer der beiden Wächter seinem Kollegen in ihrer Muttersprache zu.
„Der Kommandant wird sich ein neues Spielzeug besorgen."
„Ja, nachdem er uns einen Kopf kürzer gemacht hat!", meinte der erste entnervt.
„Aber wir sind nur zu zweit. Wenn wir jetzt dort reingehen …"
„Das wissen die doch nicht!", schnitt ihm der Erste das Wort ab. „Die haben viel zu viel Angst vor uns, als dass sie irgendetwas tun würden."
Kayes Röcheln wurde stärker. Zögerlich legte der Erste seine Hand auf den Knoten auf der netzartigen Gittertür. Das Gewebe glitt zur Seite und die Wärter traten ein. Das Gitter schloss sich umgehend wieder hinter ihnen …
… ja, kommt noch etwas näher …
… und plötzlich entließ Arbeloa Kaye aus dem Schwitzkasten.
Der erste Wächter glotzte auf das braune Messer, welches Kaye in der Hand hielt. Die junge Prinzessin musste es schon die ganze Zeit bei sich getragen haben, aber ihre Miene ließ nicht darauf schließen, dass sie sich bei ihren Befreiern bedanken würde.
Arbeloa sprang ihn an und warf ihn in seiner gewaltigen Sprungkraft auf den Rücken. Der Wächter drehte seinen Arm, um einen seiner Ellbogendornen als Waffe zu gebrauchen, aber die Hände des anderen Humanoiden waren stärker als er erwartet hatte … und hielten jenen Arm fest. Ein weiterer Gefangener, ein Mensch, eilte Arbeloa zu Hilfe, um den anderen Arm zu fixieren. Es gelang dem Yuuzhan Vong, jenen Arm hervorzuziehen und dem neuen Angreifer die bekrallten Klauen über das Gesicht zu ziehen. Rotes Blut quoll aus Stirn und Augen des Helfers, der Griff um die Hand lockerte sich. Er wollte sich drehen, um Arbeloa zu erledigen, aber ein blauer Twi'lek war herbeigesprungen, um den Menschen zu ersetzen. Jemand zerrte den Amphistab von seinem Arm, um welchen die Waffe geringelt war. Ein Zischen ertönte. Jemand stöhnte auf, doch das änderte nichts. Seine Waffe war fort – unwiederbringlich fort.
Er konnte nicht aufstehen und aus dieser unwürdigen Position heraus sah er, wie Prinzessin Kaye seinem Kollegen das braune, offenbar selbstgefertigte Messer in die Kehle trieb. Mindestens vier andere Gefangene halfen der Prinzessin, seinen Kollegen dafür in Position zu halten. Der Amphistab lag kopf- und somit nutzlos auf dem Boden und war tot. Ein Faustschlag Arbeloas in sein Gesicht beendete die furchtbare Ansicht. Er fühlte, wie warmes Blut an seinem Gesicht herunterlief. Der Druck an seinem rechten Arm wurde schwächer, aber er selbst war zu geschwächt, um diesen Vorteil zu nutzen.
Zumindest ein Kriegertod, anstatt dass Kommandant Sha'kel uns demütigen und degradieren wird.
Er spürte einen leichten, warmen Hauch der abgestandenen Zellenluft, gefolgt von einem wuchtigen Schlag gegen die Stirn, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ. So bekam der Wächter noch nicht einmal mehr mit, wie sich Arbeloa daran machte, mit einem selbstgefertigten Keil, den er aus der Yorikkoralle der Wandverästelungen herausgebrochen hatte, seinen rechten Arm vom Körper zu separieren.
Triumphierend hielt Arbeloa den abgetrennten Yuuzhan Vong-Arm in die Höhe. Die nun nutzlosen Krallen winkten beinahe freundlich in die Runde der aufbegehrenden Gefangenen. „Dies, meine Freunde, ist erst der Anfang", rief Arbeloa. „Endlich haben wir einen Arm, um uns und die Gefangenen in den anderen Zellen zu befreien. Und jetzt …"
Er schritt zur Gittertür und hielt die tote Hand an den Knoten. Die Tür glitt auf und Arbeloa schaute zu Kaye. Die blonde Menschenfrau nickte und vollendete den Satz. „… holen wir uns einen Kopf!"
Kaye schaute zu ihrer Mutter. Seit sie auf dem Schiff angekommen waren, war Nina Galfridian nicht mehr die Frau, die sie kannte. Jetzt war etwas in ihren grünen Augen erwacht, aber ihr Körper war nach wie vor schlaff und apathisch. Die Königin von Artorias schaute auf die vier Toten, die die Revolte gefordert hatte. „Kaye, bist du sicher?"
„Glaub mir, Mom, ich war mir noch nie so sicher." Kaye wandte sich zwei Mithäftlingen zu. „Ihr beide kümmert euch um sie. Sie ist nicht sie selbst und ich will, dass sie während der Kämpfe in Sicherheit ist."
Der lethanische Twi'lek und der braunhaarige Mensch nickten. Kaye, Arbeloa und die übrigen verließen die Gemeinschaftszelle. Und mit jeder geöffneten Zelle wurden der Aufständischen mehr … und der Wärter immer weniger.
Kommandant Sha'kel fand, dass es merkwürdig ruhig auf der Tsam P'ah war. Eigentlich hatte er vor einer halben Stunde Minos ausgeschickt, um Kaye zu holen, aber sein Adjutant war bislang nicht zurückgekehrt. Er aktivierte seinen Villip, der ihn mit seinem Untergebenen verband, aber das Gegenstück blieb stumm. Ein bislang unbekanntes Grauen kroch sein Rückgrat hoch. Bislang war er davon ausgegangen, dass das Verenden des Miid Ro'ik von Kommandant Azca die Tat eines todesmutigen Einzelkämpfers gewesen war. Was, wenn es nicht bei diesem einen Selbstmordanschlag bleiben würde? Er erinnerte sich an die Explosion auf der Wiege für das Weltschiff unten auf Artorias. Es würde Tage dauern, bis der Schaden behoben sein würde und solange harrte das Weltschiff zwischen den Sternen aus – nur zur Sicherheit. Aber was war mit seiner, Sha'kels, Sicherheit?
Sha'kel saß in seinem Sessel und wartete. Natürlich konnte er jederzeit aufstehen und selbst nachsehen, doch irgendetwas lähmte ihn, hielt ihn auf dem Sessel fest, in dem er sich so oft mit der kleinen Kaye vergnügt hatte. Worauf wartete er eigentlich? Nein, Angst hatte er keine.
Die Lamellentür ging auf und Kaye Galfridian trat in des Kommandanten Zimmer. Bei ihr war nicht Minos, sondern dieser Humanoide, von dem er sogar den Namen kannte. Arbeloa, dessen Volk damals so viel Ärger bereitet hatte, bevor dessen Heimatplanet endlich unterworfen worden war. Jetzt hielt Arbeloa einen braunen Speer in der Hand – eine Stichwaffe, die er aus jener Yorikkoralle gefertigt hatte, die ihn eigentlich gefangen halten sollte.
„Kommandant Sha'kel", sagte Kaye Galfridian und ihre Stimme hatte jegliche Botmäßigkeit und jeden Gehorsam verloren.
„Prinzessin. Wo ist Minos?", fragte Sha'kel.
Kaye lächelte und jetzt tanzten all ihre Sommersprossen auf den hellen Wangen. „Ich kann mir vorstellen, Kommandant, dass Sie von mir nur zu gerne in allen Einzelheiten hören möchten, was Minos geschehen ist."
Sha'kels gelbe Maa'its glitzerten. Das war ganz die Kaye, die er liebte – gefährliche blonde Schönheit.
„Allein, ich habe wichtigeres zu tun", fuhr Kaye fort. „Denn ich habe diesem Mann Euren Kopf versprochen." Sie lachte kurz auf. „Gut, dass Ihr auf Schmerzen steht; es wird nämlich wehtun!"
Ein Prallkäfer flog durch die Luft. Sha'kel konnte nicht sehen, wer ihn geworfen hatte, denn das lebende Geschoss kam von hinten. Er war gezwungen, seinen Amphistab zu erheben, um die braune Scheibe abzufangen. Noch bevor seine geübten Kriegerreflexe damit Erfolg haben konnten, sprang Arbeloa vor und legte die massigen Pranken um seinen Hals. Kaye griff indes an seinen Gürtel, um ein Messer davon abzuziehen – ihr Messer, mit dem sie damals …
Weitere befreite Gefangene strömten in die Kammer des Kommandanten, um seine Arme zu greifen. Ein Schlag von hinten traf seinen Kopf und dann bohrte sich Kayes Messer von der Seite in seinen Hals. Zunächst hatte Sha'kel es gar nicht bemerkt, erst als er keine Luft mehr bekam … als er Blut spuckte. Nein, das waren nicht die Schmerzen, die er willkommen hieß.
Das letzte Mal schauten seine gelben Maa'its in Kayes blaue Augen. „Kommandant Sha'kel, seien Sie gewiss, dass ich meiner Mutter in allen Einzelheiten berichten werde, wie Sie gestorben sind. Ich hoffe, es geht ihr danach besser."
Nina Galfridian hörte viele Schritte und schöpfte Hoffnung. Sie sah sich um und blickte auf ihre Tochter, neben ihr der bullige Arbeloa. Anstelle des blonden Irokesenkamms, den Arbeloa normalerweise trug, prangte die Oberseite eines Yuuzhan Vong-Schädels auf seinem Haupt, nicht irgendeines Schädels, denn dieser hier trug Wangenlappen.
„Mutter, es ist vollbracht", hörte sie ihre Tochter sagen.
Nina Galfridian lächelte – das erste Mal seit ihrer Verschleppung auf die Tsam P'ah. „Das sehe ich."
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Dulac hatte König Caled und dessen Familie schon seit über einem Jahrzehnt gedient. Er hatte gelegentlich auf Finn und Kaye aufgepasst, als die beiden Kinder des Königs noch kleiner waren. Er hatte den König beraten, ihm bei technischen Dingen, in denen Caled nicht besonders bewandert war, unter die Arme gegriffen. Zuletzt hatte er dabei geholfen, einige Schiffe startklar zu machen, um Bürger von Artorias vor der drohenden Invasion zu evakuieren, nur um später festzustellen, dass die eh kleine Flotte von Artorias sabotiert worden war.
Dann hatte Dulac sich todesmutig dem Feind entgegengeworfen, Sprengsätze gezündet, um seinem Herrscher und dessen Untertanen etwas Zeit zu verschaffen. Jetzt, hier in der Umarmung des Schmerzes unterhalb der Meeresoberfläche, hatte er alle Zeit der Welt, um über sein bisheriges Leben nachzudenken. Er dachte an Zoria, seine Ehefrau, die als Zofe im königlichen Palast arbeitete. Zoria hatte sich immer Kinder gewünscht und auch für sie war die Sorge um den kleinen Finn und die noch kleinere Kaye ein Ersatz für die ungewollte Kinderlosigkeit gewesen.
Die roten Tentakel legten sich um den Hals des langjährigen Beraters und drückten zu. Dulac kam in den Sinn, dass er diese Qualen wahrhaft verdient hatte. Inmitten der friedlichen Idylle des friedliebenden Planeten war er nachlässig geworden. Caled war ein guter und gerechter Herrscher, besser als viele Befehlshaber, die er von früher kannte. Gut, vielleicht war der König manchmal ein wenig zu gutmütig wie die Politik von Artorias überhaupt, aber ansonsten war das Leben auf Artorias ein Paradies gewesen – ein Paradies, dessen schiere Existenz Dulac nie für möglich gehalten hätte. Und gerade, weil Artorias solch eine Irrealität war, musste es irgendwann enden – für Artorias – für ihn, Dulac.
Dulac röchelte. Gerade, als er meinte, ersticken zu müssen, zogen sich die Tentakel von seinem Hals gerade so weit zurück, dass er wieder normal atmen konnte … und begannen dafür seine Taille einzuschnüren. Gut, vielleicht war es auch das viele und üppige Essen, das ihm Zoria daheim im Palast bereitet hatte, was sich jetzt rächte. Daheim? Eine einsame Träne lief aus seinen blauen Augen. Das mit dem Heim war nur ein grellbunter Traum gewesen; er, Dulac, hatte niemals wirklich ein Heim gehabt.
Ein Beben lief durch den ovalen Raum, in dem Dulac in jener qualvollen Umarmung hing, gefolgt von einem dumpfen Grollen. Dulac schaute sich um. Niemand kam, um nach ihm zu sehen, aber von draußen wurden Befehlsschreie hörbar. Offenbar gab es einen Angriff und jetzt lief alles dorthin, wo die Bombe explodiert war. Die roten Schläuche, die seine Fesseln waren, lockerten sich, geradeso, als hätte das Wesen jetzt anderes zu tun. Eine Lamellentür zog sich auf und ein Schwall Meereswasser fegte heran, gekrönt von einer weißen Wolke Gischt. Dulac zappelte und die Umarmung ließ ihn frei, ebenfalls auf ihr Überleben erpicht. Dulac ruderte mit den Armen und kam auf dem Wasser zu schwimmen. Es hob ihm vom Boden hoch und die Decke des organischen Raums kam immer näher. Unter ihm zappelten die Tentakel der Umarmung des Schmerzes, aber das Tier war im Boden verankert.
Jetzt fühlst du mal, was du sonst immer anderen antust.
Dulac ruderte zu dem Punkt, wo die Decke am höchsten war. Der Ausgang war immer noch offen, aber der Wasserdruck aus dieser Richtung war viel zu stark, als dass er jetzt tauchen und sich gegen die Strömung behaupten würde können. Er betastete die Decke, die nur noch Zentimeter über ihm wasserlos war.
Gleich war es vorbei – so oder so.
Die Yorik-Koralle über ihm war alt, hart und unnachgiebig. Was hätte er dafür gegeben, jetzt ebenfalls irgendeinen Sprengsatz zünden zu können. Etwas zog an seinen Beinen und Dulac schaute nach unten. Sein Gesicht tauchte ins Wasser ein und jetzt sah er sie – es waren zwei Wookiees, die es mit ihren riesigen Kräften geschafft hatten, hier herein zu schwimmen und – er hielt den Atem an – ihn zu retten. Der eine Wookiee hielt ihn fest, während ihm der andere eine Atemmaske über das Gesicht streifte. Dulac fühlte, wie neue Kräfte in ihm wuchsen. Jetzt, wo die ganze Kammer unter Wasser stand, war auch die Strömung verschwunden. Dulac warf noch einen Blick zurück nach unten. Die Umarmung des Schmerzes hing schlaff und leblos an dem Gestell, welches ihr Zuhause war. Die grellen Lampen, die seine Sinne und Empfindungen registriert und aufgezeichnet hatten, waren erloschen. Ja, dieses Foltertier war tot, aber es gab noch viele andere davon.
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Die Aufständischen verließen die Zelle und blieben an dem Panoramafenster stehen, wo Sha'kel und Kaye die explodierende Wiege beobachtet hatten. Noch immer war der Schaden nicht behoben worden und Nina wusste, dass das Weltschiff, für das diese Wiege bestimmt war, niemals hier ankommen sollte.
„Ich habe es immer geglaubt, aber jetzt weiß ich es", sagte die Königin von Artorias. „Artorias gehört nicht den Yuuzhan Vong."
„Wir sollten zu Vater", sagte Kaye.
Nina nahm die Hand ihrer Tochter. „Ich kenne meinen Mann – meinen König. Er wird hartnäckig an unserem Planeten festhalten und die Feinde dort unten weiter peinigen."
„Aber wir sollten …"
„Nein, Kaye. Er hat seine Verpflichtungen und wir die unseren. Wir haben hier ein Schiff voller Leute, die wir in Sicherheit bringen müssen. Wir können noch anderen damit helfen, denn es ist ein großes Schiff."
„Aber wir wissen nicht, wie man es steuert", wandte Kaye ein.
„Dann, meine Tochter, wird es höchste Zeit, dass ich mir dieses Schiff etwas näher ansehe."
Sie betraten die Navigationskammer. Der Pilot blickte überrascht nach hinten. Es schien ihm Schmerzen zu bereiten, die Hülle abzunehmen, die ihn sensorisch mit der Tsam P'ah verband.
„Raus da!", sagte Nina Galfridian.
Der Pilot gestikulierte mit den Händen. Arbeloa nahm Sha'kels Schädel von seinem Kopf und wedelte damit vor dem Gesicht des Piloten herum. Der Mann stieg aus der muldenartigen Vertiefung aus, in der er bisher gesessen hatte, dann zog er urplötzlich ein Messer und fuhr sich damit über die Kehle, die schwarzen Augen vor Trotz sprühend.
Nina lachte. „Er glaubt doch tatsächlich, dass er der einzige ist, der dieses Schiff fliegen kann."
Nina Galfridian stieg in die Kuhle und steckte die Arme in die sackartigen Ausstülpungen, in welchen vorher die Arme des Piloten geruht hatten. „Es ist intuitiv steuerbar", sagte sie.
Kaya schaute ihre Mutter an. Ihre Stirn war von Schweißperlen überzogen, die Wangen angespannt, der Mund wie zu einem stillen Schrei geöffnet. Und ihre Augen – ihre Augen wurden zu feuchten Schlitzen. „Aber, Mama, du hast Schmerzen!"
„Schon in Ordnung, Kaye. Hauptsache, es ist getan. Das ist nun einmal der Preis, den diese Leute und ihre Geschöpfe uns abverlangen. Aber glaub mir, Kaye, er ist es wert."
Das junge Mädchen kaute an ihrer Unterlippe. „Mom, du schaust aus, als würdest du so ein Ding nicht das erste Mal fliegen."
„Überleg dir schon mal einen neuen Namen für unser Schiff, Tsam P'ah gefällt mir nicht besonders", sagte Nina, dann griff sie zur Kontrollhaube und zog sie sich über. „Ja, das ist gut", murmelte sie, während sie die Daten auswertete, die ihr die Haube übermittelte. „Nächster Halt – Dibrook!"
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Dulac folgte den beiden Wookiees durch die Lamellenschläuche der organischen Festung nach draußen. Auf ihrem Weg begegneten sie auch Menschen, die geschäftig Proben nahmen und andere überlebende Gefangene geborgen hatten. Jetzt schwammen sie alle in die Freiheit nach draußen in das Artorias, welches jetzt so anders aussah. Wie, als wäre es nur ein Traum gewesen, glitten Körper toter Yuuzhan Vong an ihm vorbei, zerfetzt von der Explosion oder aber getötet durch gezielte Blasterschüsse. Ein dritter Wookiee wartete am Eingang auf sie und Dulac sah das offene Meer – eine grüne Unergründlichkeit, mit der er sich nie beschäftigt hatte als die Landratte, die er war.
Er und die Wookiees separierten sich vom Strom der Anderen und schwammen nach rechts. Gelegentlich musste ihn einer der Wookiees auf den Rücken nehmen, denn Dulac war nach der Tortur in der Festung einfach zu schwach für Langstreckenschwimmen. Sie schwammen tiefer und er fühlte den wachsenden Druck auf den Ohren. Einer der Wookiees gestikulierte und zeigte weiter nach unten und jetzt sah er es – ein runder Eingang, hinter welchem gedämpftes grünliches Licht glomm. Als sie heranschwammen, erkannte Dulac eine sechseckige Wabenstruktur im Rund. Der Wookiee, der vorausschwamm, gab einen Code ein und die hellgrüne Halbkugel teilte sich in zwei Hälften. Dahinter gab es eine weitere Tür – eine Schleuse, um zunächst das Meerwasser abzusaugen, bevor sie weiter ins Innere des Meeresrefugiums gingen.
Glatte, bläuliche Dreieckspaneele bedeckten den Gang hinter der zweiten Schleusentür, überzogen von einem Lampenmeer, welches in der Form von Sechsecken arrangiert war. Welch ein steril-technischer Kontrast zu den organischen Räumlichkeiten, die er noch vor zwei Stunden bewohnt hatte!
Eine Tür ging auf und Dulac sah seinen Freund.
„König Caled!"
Der König nahm ihm die Atemmaske ab. „Dulac, mein Freund. Willkommen beim Widerstand."
„Ich hätte nie gedacht, Euch noch einmal zu sehen."
Caled klopfte ihm auf die Schulter. „Du hast viel durchgemacht, aber jetzt ist es vorbei. Bitte folge mir."
Sie gingen durch die Tür, durch die König Caled gekommen war, und erreichten einen Raum, dessen Wände mit Gewehren, Blastern und Kisten gefüllt waren, in denen Dulac Sprengstoff vermutete.
„Was ist das für ein Ort?"
„Wir haben ihn vor langer Zeit erbaut, Dulac. Bevor du und so viele andere, die ein Leben in Frieden suchten, hierher gelangten. Ich kämpfte für die Rebellion, als ich erfuhr, dass das Imperium sich auf den Randwelten immer weiter ausbreitete. Ich kehrte sofort nach Hause zurück, wollte das artorianische Volk verstecken und für seine Sicherheit sorgen."
Der König lächelte verschmitzt. „Mein Vater glaubte damals, es wäre überflüssig."
„Euer Vater kannte die Yuuzhan Vong noch nicht."
Caled nickte. „So oder so, bis unser Sicherer Hafen fertig war, gab es kein Imperium mehr. Ich bin trotzdem recht froh, ihn jetzt zu haben."
„Und ich bin froh, Euch wieder dienen zu können. Habt Ihr Nachricht von Zoria?"
Caleds Miene wurde traurig. „Zoria war auf dem Markt, um einzukaufen, während du dich dem Feind entgegenwarfst. Seitdem verliert sich ihre Spur."
„Die Hoffnung stirbt zuletzt", erwiderte sein Berater. „So wie Ihr an meine Rettung geglaubt habt."
Caled griff sich verlegen an seinen gestutzten Bart. „Um ehrlich zu sein, war deine Rettung ein Zufallsfund unseres Wookiee-Vorauskommandos. Wir wissen ja, dass unsere Feinde gerne Leute verschleppen."
Dulac nickte. „Aber ich wusste nicht, dass es Wookiees gibt, die für uns arbeiten."
„Eine Aufmerksamkeit von Luke Skywalker", erklärte der König. „Sie können es kräftemäßig einigermaßen mit den Yuuzhan Vong aufnehmen." Er lachte. „Und ihr Blut ist genauso schwarz wie deren Blut. Aber warum reden wir überhaupt davon? Du hast schon so lange gelitten. Du hast dir eine Ruhepause verdient."
„Caled, wenn du glaubst, ich bleibe hier, während Zoria irgendwo dort draußen ist …"
„Ich bin dein König. Muss ich dir eine Ruhepause befehlen?" Er runzelte die Stirn. „So ein Befehl würde ziemlich dumm klingen."
Dulac breitete die Arme aus. „Du hast immer ruhig über Artorias geherrscht, ohne Pomp und Zeremonien. Du hast nie die Krone getragen und du hast dich auch nie über deine Mitmenschen erhoben – bis jetzt."
„Artorias hat das bisher auch nie von mir verlangt. Ich werde draußen Wachen postieren lassen, um sicherzustellen, dass du jetzt auch hier bleibst und in Sicherheit bist. Und jetzt geh und ruhe dich aus."
„Du hast ja Recht", lenkte Dulac ein. „Vielleicht war ich einfach nur übereifrig. Aber schlapp und müde nutze ich niemandem."
„Stimmt", sagte der König. „In einigen Tagen wollen wir erneut an der Oberfläche in den Vong-Gebäuden zuschlagen. Und wenn du bis dahin fit bist, darfst du dich unserem kleinen Gemetzel gerne anschließen."
Dulacs blaue Augen glänzten. „Wie mein König wünscht."
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Shirb-System, Äußerer Rand, Planet Neu-Holgha, im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin – im dritten Monat der Invasion der Yuuzhan Vong
Eins … Zwei … Drei … Vier … Fünf.
Das Zählen hatte lange gedauert. Eine dieser fünf Zahlen abzuhaken hatte vielleicht einen guten Standardtag gedauert. Es war die Zeitspanne, die die Yuuzhan Vong brauchten, um eine der fünf Heiligen Städte von Neu-Holgha zu bezwingen. Das hieß in erster Linie, die Verteidigung auszuschalten, um den Prozess so kurz und so effektiv wie möglich zu gestalten. Es war Goran Beviins Aufgabe gewesen, das Langstrecken-Planetenverteidigungsradar von Neu-Holgha zu sabotieren. Das hatten sie seit etwas über zwei Standardmonaten gewusst, aufgezeichnet und weitergeleitet, und Boba Fett bezweifelte nicht, dass die blonde Botin von Birgis seine Nachricht den Militärs oder den Senatoren der Neuen Republik überbracht hatte.
Der Mand'alor hatte sich einige Szenarien ausgemalt, wie die Reaktion der Neuen Republik auf diese seine Botschaft aussehen hätte können. Das Beste dieser Szenarien wäre zweifelsohne gewesen, die Neue Republik hatte einen fähigen Befehlshaber, beispielsweise den Bothaner Traest Kre'fey, ins Shirb-System entsandt. Kre'fey hätte den Feind in einen seiner legendären Hinterhalte gelockt und auf diese Weise garantiert nicht nur das Shirb-System vor den Invasoren gerettet.
Ein anderes Szenario wäre gewesen, dass die Neue Republik sich formell bei den Mandalorianern bedankt und erst später Hilfe entsandt hätte – vielleicht einen eher schwerfälligeren General wie zum Beispiel den Sullustaner Sien Sovv. Besser wäre natürlich dessen Vorgänger Gial Ackbar gewesen, aber der Mon Calamari und Rebellenveteran war in verdienten Ruhestand gegangen. Die Republik würde also Sovv schicken, um den Gegenangriff nicht nur zu verzögern und damit Kräfte zu sparen, sondern auch, um die Mandalorianer zu testen, wie lange sie weiter Informationen liefern würden.
Wahrscheinlicher war jedoch, dass die Neue Republik ihnen eins auszuwischen – und gar niemanden schicken würde. Fett war sich nur zu bewusst, dass man ihm und den seinen offenbar nicht über den Weg traute, wenn bis jetzt keine Reaktion von Coruscant gekommen war. Diese dritte Option war umso quälender, als er jetzt nicht mehr wusste, an wen er die mühsam gesammelten Informationen überhaupt schicken konnte. Es wäre ja durchaus möglich, dass der Feind bereits in der Hauptstadt seine Spione hatte. Möglicherweise hatten diese Spione die Botin abgefangen. Insgeheim wünschte er sich, irgendein Senator würde die Rolle der Mandalorianer laut herausposaunen, trotzdem der Senat keinerlei militärische Hilfe beschließen würde. In dem Fall wäre zwar die Rolle der Mandalorianer aufgeflogen, aber dann hätte wenigstens der unwürdige Dienst für die Krabbenbengel ein Ende gehabt.
Aber noch war es nicht soweit. Boba Fett und sein Adjutant Goran Beviin hockte in einem überstürzt aufgegebenen Fabrikgebäude am Rande der fünften der Fünf Heiligen Städte von Neu-Holgha und warteten auf den nächsten Befehl ihrer Yuuzhan Vong-Auftraggeber. Normalerweise wären sie um diese Zeit schon wieder woanders gewesen so wie bei den vier Heiligen Städten davor, aber Kommandant Tsaak Vootuh hatte sie angewiesen, sich bereit zu halten für etwas, das noch kommen würde.
Zunächst kam der Schlauch. Es war das erste Mal, dass die beiden Mandalorianer so etwas sahen und Boba Fett konnte praktisch spüren, wie seine drei Mitstreiter hinter ihren T-Visieren den Mund verzogen. Die Tarak-shi hing über der Fünften Heiligen Stadt und hatte ebendiesen hunderte Meter langen dunklen, gefleckten Rüssel ausgefahren, der über die Gebäude der Stadt fegte. Überall, wo die Mündung des Schlauchs landete, wurden Gebäude eingedrückt. Die Rüsselspitze erhob sich etwas und dann sog sie die vorbereiteten Trümmerteile einfach in sich ein, bis vom ehemals hoch aufragenden Gebäude nur noch die unregelmäßigen Kanten der Grundmauer übrigblieben.
„Das ist shab", sagte Goran Beviin und sprach damit Boba Fetts Gedanken aus. „Das ist es wirklich."
Der Mand'alor schwenkte sein Makrofernglas den Weg des gefleckten Rüssels des Miid Ro'ik entlang. Die Tarak-shi fraß nicht nur Gebäude, sondern auch Bäume … Menschen … und sicherlich auch andere Spezies ohne Unterschied, wenn es die hier gab.
„Sie tanken auf", sagte Beviin tonlos. „Das Ding verarbeitet wirklich alles. Widerlich!"
Boba Fett schüttelte sich. Dieses Ding hier vor ihnen in der Luft war wie ein Sarlacc – nur von oben. Einundzwanzig Jahre war es nun her, seit er dem Sarlacc auf Tatooine entkommen war. Er hatte die physischen Folgen der Verdauungsversuche des Erdungeheuers bewältigt. Seine Haut war mit den Jahren wieder in Ordnung gekommen. Seine Seele ebenfalls. Zumindest hatte er das geglaubt, bis er sich erneut in den Eingeweiden einer monströsen Kreatur aufgehalten hatte – ebenjener Tarak-shi. Aber da war der Miid Ro'ik zumindest noch ein normales Kriegsschiff gewesen – eines mit Waffen – sicherlich. Aber jetzt zu sehen, wie dieses Riesen-Ei nicht nur aus der Distanz Waffen abschoss, wie es normale Kriegsschiffe taten, sondern sich derart unmittelbar körperlich über den bereits besiegten Feind hermachte, erreichte in Boba Fetts Augen eine völlig neue Dimension der Kriegsführung. Irgendwo in seinem Hinterkopf dämmerte es dem Mand'alor, dass das Fressverhalten des Miid Ro'ik sich für die betroffenen Neu-Holghaner noch viel schlimmer anfühlen musste.
„Die Neue Republik hat uns nicht geglaubt", stieß Fett hervor. „Nun, vielleicht glaubt sie uns jetzt."
Goran Beviin rieb sich mit dem Rücken seines Crushgaunt-Handschuhs die Stirn. „Sie haben Truppen abkommandiert, um Pedd Vier zu verteidigen, aber dort hängen sie bereits seit zwei Wochen im Orbit und die Krabbenjungs greifen nicht an."
„Und jetzt denken sie, wir hätten sie mit Fehlinformationen versorgt, um ihre Truppen zu binden, während ein paar Informationsschnipsel der Wahrheit entsprechen, damit alles authentisch wirkt", ergänzte Fett.
„Womöglich halten es die Vong mit uns genauso, um unsere Bündnistreue zu überprüfen", meinte Beviin. „Wozu sie allen Grund hätten, falls sie unsere Pilotin vor drei Monaten wirklich abgefangen oder auch nur bemerkt haben."
Fett überprüfte die Funktionen seines Blasters. „Ich werde mir einen besseren Weg überlegen, die Neue Republik von unseren Absichten zu überzeugen. Ich bin noch nicht bereit, mich diesen elenden Barven geschlagen zu geben."
„Wie lange dauert es eigentlich, einen Planeten zu evakuieren", fragte Beviin, der sich noch nie über Operationen in jenem großen Maßstab Gedanken gemacht hatte. „Können wir überhaupt etwas für die Welten tun, die schon in einigen Wochen dran sind?"
„Das kommt auf die Logistik an, die du zur Verfügung hast", erwiderte Fett. „Mit ein paar Sternzerstörern und genügend Landungsschiffen kann es ein paar Tage dauern. Mit kleineren Schiffen, die ja alle irgendwo landen müssen, ein paar Monate. Dann kommt es noch darauf an, wie dicht besiedelt der Planet ist und …"
„Ich sage nur, dass es zahlenmäßig keinen großen Unterschied gemacht hätte, wenn die Republik den Informationen geglaubt hätte, die wir ihnen gegeben haben", unterbrach Goran ihn, verärgert über die penetrante Sachlichkeit. „So oder so werden noch Millionen sterben."
Boba Fett ignorierte Gorans Ausbruch. Er dachte an all die Daten, an all die Bioproben, die er der Neuen Republik hatte zukommen lassen. Die Wissenschaftler auf Coruscant und anderswo hätten diese Informationen in den drei Monaten effektiv nutzen können, um der organischen Technologie der Vong etwas entgegenzusetzen. Aber er hatte nichts von solcherlei Bemühungen gehört. Eigentlich hätte er sich das denken können, und doch …
„Wir werden ihnen weiter Informationen zuspielen, bis sie es schließlich kapieren."
Beviin starrte auf seinen Helm, den er unter seinen linken Arm geklemmt hatte. „Solange die Yuuzhan Vong keinen Verdacht schöpfen. Früher oder später wird ihnen auch ohne unseren Schönling Nom klar werden, dass unser Vorgehen effizienter sein sollte."
Fett starrte Beviin in die blauen Augen. „Noch hat man Nom Anors Leiche nicht gefunden. Und so wie er sich auf Adumar geschlagen hat, glaube ich erst dann an seinen Tod, wenn ich die Leiche auch wirklich sehe – und nicht nur als Hologramm."
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„Was ist das?", fragte Kommandant Tsaak Vootuh seinen mittlerweile Dauergast.
Nom Anors gutes Auge schaute durch das Große Auge, die lebende Linse auf der Kommandobrücke des Miid Ro'ik herunter auf die Welt, die sie gerade erobert hatten. Dort unten lief ein Trupp von Yuuzhan Vong-Kriegern eine lange Straße entlang, die die Tarak-shi gerade abgegrast hatte. Aber der Trupp lief nicht in der lockeren Marschordnung, die die Yuuzhan Vong beim Nahkampf in Städten wie diesen bevorzugte, sondern das Vorankommen des Trupps wurde immer wieder von herumfliegenden Trümmerteilen behindert, die wie aus dem Nichts zu kommen schienen.
Nom Anor zoomte das Bild schärfer und sah eine menschliche Gestalt in Zivilkleidung, die in unnatürlich hohen und weiten Sprüngen über den Trupp hinwegsprang. Kaum war der Sprung auf die andere Straßenseite geglückt, fing das Trümmerbombardement auch wieder an, während der Mann auf einem Häuservorsprung stehend die Brockenorgie mit den Händen zu dirigieren schien.
„Also, Exekutor?", fragte Vootuh ungeduldig.
„Einen Augenblick noch, Kommandant. Es gibt in dieser Galaxis bestimmte Spezies, deren Spezialität solche Sprünge sind. Ich möchte sie ausschließen, bevor ich eine Aussage mache."
„Bis Sie ihren Ausschluss getroffen haben, hat der Typ den gesamten Schwarm zerlegt!", schimpfte der Kommandant.
Ein großer Brocken eines herabstürzenden Balkons landete in einer Vierergruppe von Yuuzhan Vong. Kameraden eilten ihnen zu Hilfe, um zu retten, wen sie konnten, als der Mann vom Rest des Balkons auf diesen Trupp zusprang. Eine grüne Klinge blitzte in der Hand des einsamen Kämpfers auf, fuhr einem Yuuzhan Vong diagonal übers Gesicht und hinterließ eine Wunde, die absolut tödlich für den derart Getroffenen war. Ein anderer Krieger wollte dem Angreifer den Glühstab entreißen, aber ein gezielter Tritt des Menschen ließ den Amphistab aus dessen Hand fallen, während sich das Lichtschwert in ein Auge der Vonduun-Krabbenrüstung des Kriegers bohrte, direkt unterhalb der Schulter.
„Der Mensch hat die Schwachstelle entdeckt. Was hat er da in der Hand?", bellte Vootuh.
Nom Anor wandte sich vom Großen Auge ab. „Ich habe genug gesehen, Kommandant", verkündete er. „Es handelt sich hier eindeutig um einen Jedi. Wir sollten ihn lebend fangen, denn ich kenne Gestalter, die ihn nur zu gern untersuchen würden."
„Die sollten ihn dabei auch gleich etwas foltern, um Informationen zu beschaffen."
Nom Anor lächelte dünn. „Genau das meinte ich mit Untersuchen."
Vootuh wandte sich wieder dem Großen Auge zu und beobachtete, wie sich seine Leute unten machten. Der Jedi hatte während seiner Konversation mit Nom Anor zwei weitere Krieger getötet und ließ gerade ein weiteres Trümmerteil auf den Rest der Kompanie herabsausen. Drei Krieger sprangen rechtzeitig zur Seite, zwei langsamere Kameraden wurden darunter begraben. Der Jedi, der auf dem Trümmerbrocken stand, wehrte mehrere Prallkäfer mit seinem Lichtschwert ab, dann sprang er auf einen der drei Krieger zu und hieb ihm derartig stark auf den kahlen Schädel, dass er gespalten wurde und die Leiche zu Boden sank, bevor der Amphistab in ihrer erschlaffenden Hand die Lichtwaffe abzuwehren im Stande gewesen war.
„Pul!", entfuhr es dem Kommandanten.
Nom Anor bemühte sich, ebenso genügend durch das Große Auge sehen zu können, ohne dabei seinem Gastgeber zu nahe zu kommen. Was er sah, entsetzte ihn. Die beiden verbliebenen Krieger begaben sich doch wahrhaftig auf die Flucht vor dem Menschen, der ihnen noch ein Dutzend Meter weit nachsetzte, um dann abrupt die Richtung zu ändern und wieder die verwaiste Straße entlang zu rennen, wie er es ursprünglich vorgehabt hatte, bevor der Schwarm Yuuzhan Vong-Krieger aufgetaucht war.
Die Krieger rannten weiter – immer auf den Miid Ro'ik zu. Vootuh wollte das Große Auge bereits wegdrehen, um ihrem Weg zu folgen, als Nom Anor ihm Einhalt gebot.
„Da bewegt sich etwas."
Am rechten Rand der runden, lebendigen Linse bewegte sich die linke Hälfte jenes Trümmerteils, das der Jedi auf seine Attackierer geworfen hatte. Tsaak Vootuh drehte das Große Auge wieder etwas nach rechts und sah einen Krieger darunter hervorkriechen, während sein Kamerad, der ebenfalls unter dem Ferrobeton gefangen war, reglos darunter liegenblieb. Der wiederauferstandene Krieger sah sich um und zog methodisch einen Kreis um das Gebiet, in dem er das Ziel vermutete. Erst als er erkannte, dass die Spur des Jeedai erkaltet war, lief er zum Miid Ro'ik zurück.
Die beiden vor dem Feind Geflüchteten standen vor ihrem Kommandanten.
„Berichtet", forderte Tsaak Vootuh.
„Wir trafen auf einen Menschen, der war ungewöhnlich stark", berichtete einer der beiden. „Er trug so einen Leuchtstab, der so gut wie alles durchtrennen kann, außer unseren Rüstungen."
„Das hatte er auch gar nicht nötig, da ihr Zwei ja bereits vorher geflüchtet seid."
„Er hat mithilfe von Gesteinsbrocken viele von uns getötet oder außer Gefecht gesetzt, und es war nicht auszuschließen, dass er Hilfe hatte, deren Dimension wir noch nicht einschätzen können", erwiderte der Krieger.
„Und diese Trümmerteile sorgten dafür, dass wir von unserem Schwarm getrennt wurden, bevor der Angreifer flüchtete", verteidigte der andere Soldat sich und seinen Kameraden.
Nom Anor fand diese Art Verteidigung interessant.
„Das hört sich ja alles sehr plausibel an", meinte Vootuh abschätzig, „und doch habe ich durch das Große Auge genau gesehen, wie ihr geflüchtet seid, um mir hier diese Lügen aufzutischen!"
Die beiden Krieger sahen sich an und schwiegen.
„Melak und Tu'er von meiner Domäne – ihr seid eine Schande für die Domäne Vootuh!", donnerte der Kommandant.
Er gab den sechs Kriegern links von ihm einen Wink. „Bringt sie zum Yanskac-Becken und beschwert ihre Körper ausreichend, bevor ihr sie hineinstoßt! Diese Brenzlits verdienen keinen Kriegertod!"
Je drei Krieger nahmen einen der beiden Unglücklichen in ihre Mitte und versiegelten ihre Hände mit Blorash-Gelee auf dem Rücken, dann führten sie die Todgeweihten ab.
„Wie ich es gesagt habe", wandte sich Vootuh an Nom Anor. „Der Jeedai hat den gesamten Schwarm plattgemacht, bevor Sie ihn identifiziert haben. Aber wie werden wir seiner jetzt habhaft?"
„Ich werde meine Mandalorianer anweisen, sich um ihn zu kümmern. Boba Fett wird genauso wenig versagen wie sein Vater vor ihm in dieser Sache."
„Was war denn mit Boba Fetts Vater?", fragte Tsaak Vootuh neugierig.
„Jango Fett war ebenfalls ein berühmter Kopfgeldjäger. Einst fing er gegen ein hohes Kopfgeld eine Jeedai namens Komari Vosa ein und übergab sie dem Auftraggeber."
„Zu welchem Zweck?", erkundigte sich der Kommandant.
„Count Dooku tötete eigenhändig seine ehemalige Padawan." Nom Anor kam zu Bewusstsein, dass er ein Wort benutzt hatte, das der Speziesgenosse unmöglich kennen konnte, seinem unwilligen Blick nach zu urteilen, „… äh, seine frühere Schülerin."
„Rache also", meinte Vootuh.
„Ein Opfer", korrigierte Nom Anor.
Vootuh kniff die Augen zusammen. „Ein Opfer für wen?"
„Für Dookus neuen Herrn, einen Sithlord."
Nom Anor erkannte, dass der Kommandant zunächst überlegte, auch nach diesem letzten Wort in Nom Anors Satz zu fragen, dann machte er eine abtuende Handbewegung. „Zunächst einmal müssen wir den Jeedai fangen. Was, wenn es Ihre Mandalorianer auch nicht schaffen?"
Nom Anor wusste, dass die Besorgnis des Kommandanten nicht ohne Grund vorgebracht wurde. Von Birgis aus war ein Schiff entkommen und Nom Anor hegte entgegen seiner Beteuerungen gegenüber Vootuh den Verdacht, dass seine Mandalorianer daran nicht ganz unbeteiligt waren. „Dann werden wir ihnen auf die Sprünge helfen, indem wir einen von ihnen als Geisel auf dem Schiff behalten, bevor wir ihnen den Sold aushändigen."
Vootuhs schwarze Augen wurden lebhaft. „An wen hatten Sie denn in dem Fall gedacht? An die kleine Blonde?"
Nom Anor runzelte ob dieses Vorschlags die Stirn. „Dinua Jeban ist viel zu jung und das könnte auf beiden Seiten zu Ärger führen. Nein, ich dachte an ihre Mutter Briika. Wir werden den Mandalorianern vorschlagen, sie als ständige Verbindungsfrau hier bei uns zu lassen."
„Sie wollen sich also den Jedi für Ihre Gestalter unter den Nagel reißen und die Mandalorianerin gleich mit?"
Nom Anors gutes Auge zog sich drohend zusammen. „Was denken Sie eigentlich von mir, Kommandant Vootuh!? Es geht darum, ein weibliches Mitglied des Teams aus jenem auszugliedern, weil man ihre Fürsorge um die Frauen ausnutzen kann, um sie gefügig zu halten, um nichts anderes!"
„Dann befürchten Sie Widerspenstigkeit Ihrer Verbündeten?", fragte Vootuh spitz.
„Sollten sie Widerstand planen, werden sie unsere Botschaft verstehen", erwiderte Nom Anor in tückischer Ruhe. „Und ansonsten wird Briika Jebans zwischenzeitlicher Aufenthalt auf dem Miid Ro'ik ihre Leistungsbereitschaft etwas anspornen. Und Sie waren es doch, der soeben die Effizienz der Mandalorianer infrage gestellt hat."
„Ja, warum eigentlich nicht?", sagte Vootuh. „Vielleicht wird sie ja erkennen, was richtig und was falsch ist. Immerhin ist sie tätowiert, schätzt also Schmerzen und angemessenen Körperschmuck."
Er holte einen Villip hervor und nach einer Minute stand ein Krieger vor ihm, dessen Gesicht und Oberarme mit auffälligen Brandnarben bedeckt waren, die sich in einem spiegelsymmetrischen Muster an den Extremitäten entlang wanden, um dann an den Hüften unter seinem Lendenschurz zu verschwinden.
„Wenn wir schon von Verbindungsleuten sprechen", hub der Kommandant an. „Das ist Bur'lorr Val, mein bester Krieger. Er wird dafür sorgen, dass sich Ihre Mandalorianer angemessen verhalten. Und Sie, Exekutor, werden Bur'lorr im Gebrauch dieser widerlichen Komlinks unterweisen, da sich Ihre Mandalorianer ja immer noch weigern, Villips zu benutzen."
„Es wird geschehen, Kommandant Vootuh", erwiderte Nom Anor und neigte den Kopf um eine Winzigkeit.
„Dies wird Ihre Bewährungsprobe sein, Untergebener Bur'lorr Val", wandte sich der Kommandant an seinen Untergebenen. „Fühlen Sie den Ungläubigen gehörig auf den Zahn und berichten Sie mir später haarklein, wie die Gefangennahme des Jeedai abgelaufen ist."
Val neigte das Haupt, an dessen Hinterkopf gerademal ein Dutzend Quadratzentimeter bleicher Haut mit schütterem Haar bedeckt war, welches der Krieger in einem langen, dünnen Zopf trug, der bis zu seiner Taille reichte.
Nom Anor zog ein Komlink aus seiner Tasche und gab es dem Krieger, der es mit angewidertem Blick in seine Krallenhand nahm. „Mit diesem Knopf nimmt man das Gespräch an", erklärte Nom Anor. „Der Angerufene sieht dann Ihre Gestalt."
„Die ganze Gestalt von Kopf bis Fuß?", fragte Bur'lorr ungläubig.
„Und Sie können den Ungläubigen genauso sehen", bestätigte Nom Anor.
Das grimmige Gesicht Bur'lorrs wurde während seiner Erklärungen, wie ein Komlink zu bedienen war, zunehmend ungeduldig und Nom Anor wusste, dass den Krieger vielmehr interessierte, wie sein Feind, der Jeedai, beschaffen war.
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Fetts Komlink summte. Widerwillig öffnete der Mand'alor die Frequenz … und sah die blaue Silhouette eines Yuuzhan Vong-Kriegers darüber.
„Ungläubiger! Hier spricht Untergebener Bur'lorr Val. Ich benötige eure Unterstützung. Ich jage einen Jeedai."
„Einen Jedi?" Fett klammerte sich an dieses Wort, von dem er nie geglaubt hätte, dass es einmal derartige Hoffnung in ihm wecken könnte. „Sind Sie sich da sicher?"
„Er hat eine Lichtwaffe. Er sprang von einem hoch aufragenden Ding, verletzte sich dabei aber nicht."
„Überlassen Sie ihn mir", sagte Fett im Befehlston. „Jedi sind meine Spezialität. Sie haben meinen Vater getötet."
„Ich werde ihn auf euch zutreiben", sagte der Untergebene. „Seine Lichtwaffe konnte meiner Rüstung nichts anhaben, was ihn zu überraschen schien."
„Stellen Sie sich mal vor, Untergebener Bur'lorr Val", Beviin akzentuierte mit Vergnügen diese Titulierung, „unserer wird sie auch nichts anhaben können."
Bur'lorr hob verächtlich die schmale Oberlippe, schluckte jedoch die Demütigung, ohne etwas zu erwidern.
Fett grinste das Holobild an. „Also noch eine Überraschung für den Jedi. Schicken Sie mir die Koordinaten."
„Lassen Sie ihn von Ihren Einheiten in die Enge treiben", bemühte sich Bur'lorr, einen ähnlichen Befehlston an den Tag zu legen. „Unsere Gestalter wollen einen lebenden Jeedai, um ihn zu untersuchen."
„Wir tun unser Bestes", versicherte Fett im Brustton der Überzeugung.
Bur'lorr gab die Koordinaten durch, dann beendete er die Verbindung. Boba Fett hingegen rief den Rest seines Einsatzteams – die Gebrüder Cham und Suvar Detta, Tiroc sowie Briika und Dinua Jeban.
„Es gibt etwas für uns zu tun, Leute. Die Yuuzhan Vong haben einen Jedi gefunden und wollen ihn lebend, um ihn zu untersuchen. Aber wir brauchen ihn dringender lebend als die. Ein Jedi kann erkennen, dass wir nicht lügen, und er kann die Daten von hier wegbringen."
„Hoffentlich ist er mit seinen Jeditricks gegenüber der Neuen Republik auch überzeugender als unsere Pilotin von vor drei Monaten", meldete sich Briika Jeban.
„Ich habe noch nie einen Jedi gesehen", sagte ihre Tochter Dinua.
Beviin setzte ein väterliches Lächeln auf und war selbst überrascht, wie einfach das für ihn war. Ja, da war vor einem Jahr dieses Versprechen an Dinuas Mutter gewesen und sie hatten bereits einige Missionen gemeinsam bestritten. Trotzdem war ihm dieses Gefühl etwas unheimlich. „Er wird nicht übermäßig erfreut sein, uns zu sehen, also nimm dich vor seinem Lichtschwert in Acht."
„Was macht denn ein Jedi hier überhaupt?", fragte Dinua.
„Das ist egal, denn er wird hier eh nicht mehr lange bleiben. Und jetzt lasst uns zu ihm gelangen, bevor die es tun."
Die Koordinaten des Überlebenden brachten sie zu einer langen Straße, die vom zentralen Marktplatz der Stadt abzweigte. Die Gebäude, die diese Straße einst gesäumt hatten, waren dem Erdboden gleich gemacht worden. Eine gleichmäßige Reihe hellbrauner Punkte kündeten davon, dass hier einst Bäume gestanden hatten, bevor der gefleckte Rüssel der Tarak-shi sie vertilgt hatte.
Fetts Durchdringungsradar und die Sensoren seines Helms registrierten sprunghafte Bewegungen, viel zu sprunghaft für ein gewöhnliches Wesen – und ein organisches Ziel mit menschlicher Körpertemperatur. Dieses Wesen bewegte sich in Zickzacklinien durch eine Häuserreihe, die ob der Magma-Waffen, die man auf sie hatte herabprasseln lassen, ziemlich stark qualmte.
„In Ordnung, wir können ihm folgen, aber vergesst nicht, dass er uns fühlen kann", warnte Fett.
Er dirigierte die Detta-Brüder mit Handbewegungen zum Südende der Gasse und Briika und Dinua zu dem kaputten Dach, von dem aus man sie überschaute. „Beviin, geh und halte den Untergebenen hin, der so gut mit unserem technischen Komlink spielen kann. Verschaff uns etwas Zeit. Tiroc, du kommst mit mir."
Fett verfolgte den Jedi bis zum Ende der Gasse, dann hörte die Bewegung, die ihn geleitet hatte, plötzlich auf. Er rief Briika an.
Die Mandalorianerin lag auf dem ihr zugewiesenen Dach, während ihr Kopf darüber hinausragte und nach unten schaute. „Siehst du ihn?", fragte sie Boba Fett. „Er ist in schlechter Verfassung."
Der Jedi war ein kräftiger, vierschrötiger Mann in mittleren Jahren, gekleidet in eine dunkelgraue Zivilhose und eine blaue Jacke, die durch die Feuer arg ramponiert war. Er war gegen eine Wand gesunken und hielt die Augen im mit Brandwunden übersäten Gesicht geschlossen, aber seine Hand umklammerte immer noch entschlossen den Griff seiner legendären Waffe.
Fett aktivierte seinen Raketenrucksack und schob ein Betäubungsgeschoss in den Pfeilwerfer am Handgelenk. Der Mandalorianer stieg über der versengten Mauer auf, aber der Jedi schaute auf und war in verblüffender Schnelligkeit wieder auf den Beinen. Er entzündete sein Lichtschwert, noch bevor Boba Fett in die Gasse sank und seinen Pfeil abfeuerte, und doch war der Schlag der Klinge nicht präzise genug. Der Saberdart zischte an der grünen Klinge vorbei und bohrte sich wie beabsichtigt in die Brust des Jedi, um dort eine elektrische Ladung freizusetzen, die das Ziel wieder auf den Boden brachte. Das Lichtschwert fiel ihm aus der Hand, deren Finger sich verzweifelt ausstreckten, zuckten, um mithilfe der Macht wieder an die Waffe zu gelangen.
„Lass es nicht drauf ankommen", sagte Fett von oben und kickte den silberfarbenen Griff mit der Spitze seines stachelbewehrten Stiefels nach oben, um es leichthändig aufzufangen. „Ein Grünes fehlt mir noch in meiner Sammlung."
„Sie sehen nicht aus wie General Grievous", zischte der Jedi zwischen zusammengepressten Zähnen, während neben ihm Cham und Detta Suvar aus der Luft herabstiegen.
„Und genau deshalb bin ich auch noch am Leben", erwiderte Fett drohend und gab Cham Detta einen Wink.
Der Jedi schoss hoch. „Ich auch!", rief er lauter als Fett es erwartet hatte.
Ein Tritt prallte von Fetts blaugrüner Rüstung ab, während Cham sich auf den nach hinten taumelnden Jedi warf. Zwei sonnengebräunte Fäuste kämpften gegen den gelbgerüsteten Mandalorianer an und es bedurfte noch Suvars und Tirocs Hilfe, um den widerspenstigen Jedi am Boden zu fixieren. Der Widerstand erlahmte. Jetzt erst konnte Cham Bacta auf sein zerschundenes Gesicht sprühen. Aber der Jedi dankte es, indem er aufsprang und dessen Bruder Suvar ein Knie in die Leistengegend rammte.
„Zeig etwas Respekt", mischte sich Briika ein und nahm ihn von hinten in den Schwitzkasten. „Der Mand'alor redet mit dir."
Der Jedi ließ sich von Briika auf den Boden legen und das verbrannte Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. „Dann bist du Boba Fett. Und ich wollte nicht glauben, dass Manda …"
„Ausnahmsweise brauche ich einen lebenden Jedi", unterbrach Fett die Tirade. „Du wirst genügen müssen. Also spar dir die Anschuldigungen und hör zu."
„Erschieß mich. Du weißt, was die Vong mir antun werden."
„Ich sagte: Halt den Mund." Fett hockte sich über ihn. „Wir haben euch vor diesem Angriff und der Vong-Technologie gewarnt, aber eure Leute haben uns ignoriert. Trotzdem bieten wir euch erneut unsere Hilfe an. Richtet ein sicheres Nachrichtensystem ein und wir versorgen euch mit internen Informationen, bis uns das Glück nicht länger hold ist."
Cham rammte dem Jedi eine Einwegspritze Schmerzmittel in den Hals und der Patient zuckte nicht mit der Wimper.
„Kommt ganz darauf an, wie man Glück definiert", ätzte der Jedi.
„Glaubst du allen Ernstes, das macht uns Spaß, Jedi?", fauchte Briika von hinten.
Der Jedi ignorierte sie. „Du lässt nach, Fett", sagte er heiser. „Uns mit Fehlinformationen zu füttern, ist stümperhaft."
„Pläne können sich ändern, auch die der Vong", zischte Fett verärgert. „Ich setze das Leben jedes einzelnen Mandalorianers aufs Spiel, um dir das hier zu beschaffen, Barvenfresse."
Mit einer energischen Bewegung riss er des Jedis Jacke auf und stopfte den Chip einfach in dessen Gürtel. „Na los, wirk deine Zaubertricks. Mal sehen, was deine kostbare Macht dir über unserer Absichten verrät. Und jetzt nimm das und verschwinde. Wir werden die Vong hinhalten, aber du musst es zurück zu euren Geheimdienstleuten schaffen, ohne unsere Tarnung auffliegen zu lassen. Wir sind Verräter, in Ordnung? Und solange wir insgeheim auch Verräter an den Vong sind, können wir Informationen beschaffen. Haltet eure Quelle geheim."
Der Jedi setzte sich auf, dieses Mal, ohne einen Befreiungsschlag zu versuchen. Aber seine Miene war ein einziges Aufbegehren. Seine Nase war nur Millimeter von Fetts Helm entfernt. „Aber ihr setzt uns zu. Ihr tötet Leute. Warum kämpft ihr nicht einfach?"
„Weil das selbstlose, heldenhafte letzte Gefecht eine tolle Sache für Holovids ist, aber so funktioniert Krieg nun mal nicht. Zumindest nicht, solange es noch andere Möglichkeiten gibt."
Er reichte dem Jedi die Hand und jener ergriff sie zögerlich. Boba Fett zog ihn hoch und schaute auf das volle, graue Haar, das früher einmal pechschwarz gewesen sein musste. Er drückte ihm sein Lichtschwert zurück in die Hand.
„Die Krabben müssen glauben, dass wir es ernst meinen. Ein paar Leben für die ganze Galaxis, einschließlich der Chance, sie vom Mandalore-Sektor fernzuhalten. Rechne dir Eins und Eins zusammen."
Der Jedi starrte auf seine ihm zurückgegebene Waffe. „Hast du am Ende doch so etwas wie ein Gewissen?"
Fetts Miene hinter dem Visier wurde kühl. „Nein. Ich habe die Aufgabe übernommen, Mandalore zu beschützen, und eine Abmachung ist eine Abmachung. Wenn die Vong die Macht übernehmen, gibt es für niemanden von uns eine Zukunft."
Braune Augen blickten verwundert in ebenso braune. „Ich hätte niemals …"
„Keine Ansprachen. Beweg dich. Wir schaffen dich an den Vong vorbei."
Tiroc stieß ihn an. „Krabbe im Anmarsch, Mand'alor. Überprüf dein HUD."
„Ich sehe ihn", bestätigte Fett, dann wandte er sich wieder zu dem unerwarteten Verbündeten. „Hast du ein Schiff, Jedi?"
„Ich war gerade dorthin unterwegs."
„Tiroc, sieh zu, dass er dorthin gelangt, und begleite ihn aus dem Sektor", befahl Fett, „Du weißt schon, der übliche Verfolgungsfake wie damals auf Birgis."
Der Jedi fixierte den anderen Mandalorianer, dann wandte er sein Gesicht wieder Boba Fett zu. „Kubariet", sagte er.
Fett glotzte ihn an und der Jedi erkannte seinen Fehler in der Kommunikation. „Ich bin Jediritter Kubariet. Bloß der eine Name."
Tiroc stieß Kubariet in die Seite und der Jedi rannte los. Boba Fett und die anderen schauten zu, wie Tiroc ihm einen Vorsprung ließ, bevor er langsam aufzuholen begann, dann wieder zurückfiel.
Die HUD-Signale der sich nähernden Lebensformen wurden stärker und Goran Beviin zückte seinen Merr-Sonn-Blaster, um seinem dornigen Begleiter Diensteifrigkeit zu signalisieren. Dieser Eifer war nicht ganz gespielt. Er hatte auch damit zu tun, dass über den HUD die Entscheidung des Mand'alor bekanntgegeben wurde, dass es schon bald einen Toten geben würde – und dass jenes Zweckbündnis, das Goran so sehr verabscheute, Geschichte war.
Die schwarzen Augen in den bleichen Höhlen waren kalt und hart in ihrer Entschlossenheit. „Wo ist der Jeedai?"
Bur'lorr Val schob sich an Goran Beviin vorbei – hin zu dem gewaltsam geschaffenen Innenhof der Häuserruine, von der Kubariet soeben geflohen war. Eine der Dornen, die aus seiner Vonduun-Krabbenrüstung hervorragten, streifte Beviins Schulterplatte, um einen Kratzer in der blauen Farbe zu hinterlassen. Hätte der Mandalorianer keine Beskar'gam-Rüstung getragen, hätte ihn der Stachel einfach aufschlitzen können wie eine Blechbüchse. Ein weiteres Kampfmal, dachte Goran befriedigt, und schon bald auch ein Toter dazu.
Beviins Hand glitt zu dem altertümlichen Beskad-Säbel, den er am Gürtel trug, während der HUD ihm anzeigte, dass auch Boba, Briika und die anderen ihre Waffen bereitmachten. Seine Augen hinter dem T-Visier linsten zu Bur'lorr, dessen Amphistab immer noch um seinen Oberarm geringelt war.
„Er ist hier reingelaufen", erklärte Beviin dem Yuuzhan Vong. „Wir haben ihn bis hierher verfolgt."
Sie betraten die Häuserruine und Briika kam auf sie zu, sich schützend vor ihre Tochter Dinua schiebend, wie Goran registrierte.
„Wo ist der Jeedai?"
Bur'lorrs Ton war grollend geworden und die Frau zuckte die Achseln. „Nicht hier, Kumpel", sagte Briika abweisend.
„Was habt ihr mit ihm gemacht?", rief Bur'lorr, jetzt offen zornig. „Sagt es mir!"
Briika wies in die Richtung, aus der das ungleiche Team gekommen war. „Er lief in eure Richtung und wir dachten, ihr hättet ihn endlich. Sollen wir gemeinsam nach ihm suchen oder wie lauten Ihre Anweisungen, Untergebener Burr'… ähm … wie war doch gleich Ihr Name?"
Der Krieger wirbelte herum und erwischte Beviin beinahe erneut mit seinem dornenbewehrten Arm. Dieser umklammerte den lederumwickelten Griff seines Beskads fester.
„Ganz ruhig jetzt", sagte Goran in einem Tonfall, wie als würde er mit einem Kind sprechen. „Du hättest jemandem mit diesem Ding das Auge ausstechen können."
Bur'lorr glotzte ihn an, da schnellte die schmale Klinge des Beskad in Beviins Hand nach oben und war auch schon wieder unten. Bur'lorr blinzelte. Seine Vonduun-Krabbenrüstung war nach wie vor intakt, aber etwas Braunes floss von seiner Schulter. Es war das Innenleben des Schultervillips, der ihn direkt mit Kommandant Tsaak Vootuh verband.
Seine Kiefer klafften auf und sein lippenloser Mund blieb für einen Moment offen stehen, bevor er schrie: „Verrät…"
Mit diesem Wort erwachte die Ruine noch einmal zum Leben – zum Leben eines regelrechten Tollhauses. Die lebende Rüstung veränderte sich, um des Kriegers Hals und Gesicht zu schützen, aber Beviin hatte den Beskad in einem Bogen geschwungen, der Bur'lorr an der linken Wange erwischte und seinen Kiefer nach unten hin durchbohrte. Noch während der Yuuzhan Vong auf die Knie fiel, ringelte sich der Amphistab von dessen Arm und versteifte sich zu der Waffenform, die er jetzt haben sollte. Fetts Vibroklinge stieß zu und nagelte den Amphistab am Boden fest, während Suvar herbeieilte, um den zuckenden Schwanz von der lebendigen Waffe abzutrennen.
Doch Bur'lorr wehrte sich immer noch. Er schrie aus vollem Halse, wand sich, schlug so heftig um sich, dass es Goran nicht gelang, seinen Beskad aus dessen Unterkiefer herauszuziehen. Briika sprang ihnen bei und hechtete nach oben, um ihre Vibroklinge in dem Bereich seiner Kehle zu vergraben, den die Vonduun-Krabbenrüstung nicht schützte. Briikas Waffe bohrte sich in Bur'lorrs Schlüsselbein und ein Springbrunnen schwarzen Blutes schoss ihr entgegen, benetzte die Krabbenrüstung und Briika rutschte aus.
Briika Jeban spürte einen Stich in der Herzgegend. Eine der verfluchten Dornen hatte sie genau an einer Ritze zwischen zwei Brustplatten erwischt. Immer noch steckte ihr Vibroklinge im Körper des am Boden liegenden Feindes, doch der schrie und wehrte sich immer noch. Sie gab ein Grunzen von sich, während sie ihre Klinge aus seinem Leib zog und erneut zustach – fester dieses Mal. Ihre Klinge glitt ab, denn die lebendige Rüstung hatte die neuralgische Lücke geschlossen.
„Fierfek! Elende Krabbenbarve!", fauchte Briika.
Das geöffnete Maul des verstümmelten Amphistabs tauchte vor dem Visier ihres roten Helmes auf und spritzte etwas. Briika drehte ihren Kopf seitlich und hörte das Geräusch, als der Amphistab sein Gift gegen ihren Helm spie. Und Bur'lorr Val schrie: „Do-ro'ik vong pratte!"
Ihre Stimme wurde ein Krächzen. „Bringt ihn zum Schweigen, um Fierfeks willen …"
„Shabla-Klauen. Passt auf."
Beviin ließ den Säbel los und packte die urplötzlich gepanzerte Kehle des Kriegers mit seinen Crushgaunts. „Lass uns ein Spiel spielen, shabuir." Er drückte zu und die Augen des Untergebenen starrten ihn an, und sein Mund öffnete sich weit. „Es heißt: Beskar schlägt Krabbenpanzer."
Der verkürzte Amphistab fiel aus Bur'lorrs Hand. Die durch mikronisiertes Beskar-Eisen verstärkten Hände Goran Beviins drückten dem Yuuzhan Vong die Luft aus der Kehle und dessen schwarze Augen traten beinahe aus ihren Höhlen. Die Rüstung zuckte und die bleichen, bekrallten Klauen des Kriegers griffen noch einmal ins Leere.
Und mit diesem unreinen, widerwärtigen Komlink hat es begonnen!
Dann erschlaffte alles an Bur'lorr Val und er erstarrte für immer. Augenblicke des Schweigens folgten.
Beviin blickte auf seine behandschuhten Hände und lächelte abwesend. „Wir waren wirklich dämlich, die zu verbieten."
„Erinnere mich daran, das zu widerrufen, sobald ich zurück bin", sagte Fett.
„Dann stirbt die Rüstung also, wenn der Soldat darin stirbt?" Suvar Detta machte sich daran, Stücke vom Amphistab abzuschneiden, von dem Untergebenen und dessen Rüstung ebenso.
„Bioproben, keine Trophäen, okay?", ermahnte Boba Fett Suvar. „Wir müssen so viele Informationen über diese … Dinger sammeln, wie wir können."
Briika rappelte sich auf und alle sahen, dass Blut von ihrer Brust, von ihrem Arm herunterlief. „Wir können eine Crushgaunt-Fabrik aufmachen. Ein Kinderspiel. Oh, ich meine ... oh."
Sie sank wieder auf die Knie, die Hände auf die Brustplatten gepresst.
„Buir? Buir!" Dinuas Stimme war dünn und schrill, als sie ihre sterbende Mutter anrief.
„Sie hat eine Stichwunde von einer dieser verdammten Dornen! Nehmt ihr die Platten ab!", forderte das Mädchen.
„Nein", widersprach Cham. „Vielleicht halten diese Platten sie am Leben. Bringt sie zur Slave I zurück – und zwar schnell."
„Sie verblutet!", sagte Dinua mit zitternder Stimme.
Beviin beugte sich herab und hob Briika in seine Arme, um sie fortzutragen.
Sie sah ihn an. „Du hast es versprochen."
„Es geht schneller, wenn wir sie mit Raketenrucksäcken transportieren", schlug Fett vor. „Dinua, du kümmerst dich um die Leiche. Falls die Vong ihn finden, werden sie erkennen, dass er nicht von einem Lichtschwert aufgeschlitzt wurde."
Dinua wirkte einen Augenblick, als würde sie widersprechen, doch dann justierte sie den Flammenwerfer am Handgelenk, ehe sie wieder zu ihrer Mutter schaute.
„K'oyacyi, Buir." Halte durch, Mama.
Sie hoben ab und Beviin wurde von Boba Fett links und von Cham rechts gehalten, während er Briika weiter in seinen Armen trug.
„Du hast es versprochen", wiederholte sie etwas leiser und sah in sein blaugestrichenes T-Visier.
„Du solltest nicht an so etwas denken, Briika", kam die beruhigend klingende Antwort. „Wir sind gleich bei der Slave I. Dort haben wir Blutkonserven … Plasma."
Briikas Stimme war nur noch ein Hauch. „Du hast es versprochen."
Sie erreichten die Slave I und Boba Fetts Medi-Droide war vorbereitet, hatten seine Sensoren doch die Daten der Verletzten bereits erfasst, während die Mandalorianer landeten. „Bluttransfusion erforderlich", verkündete der Droide.
„Dann führ eine Transfusion durch, du hut'uun, und quatsch nicht dumm rum!" schrie Beviin, bevor er sich sanfter an die Patientin wandte. „Ich bin hier, Briika, alles in Ordnung. Du kommst wieder auf die Beine."
Goran nahm Briika den Helm ab und sah sie an. Ihre braunen Augen glänzten und er konnte nicht sagen, ob es der Fieberglanz der letzten Lebensminuten oder aber wilde Entschlossenheit war.
„Du hast es versprochen." Briikas Stimme war wieder so laut und klar wie, als sie diesen Satz das erste Mal an diesem Tag ausgesprochen hatte und Goran lächelte. Sie erholt sich bereits. Schon bald wird Briika …
„Dinua. Gai bal manda." Goran hörte wohl den Satz, weigerte sich jedoch, die Unabänderlichkeit zu glauben. „Das habe ich", versicherte er. Er nahm seinen Helm ab und sah in ihr Gesicht. „Ich schwöre es. Mach dir darüber keine Gedanken. K'oyacyi. Halte durch."
Der Medi-Droide führte Katheter in Briikas Arm und Hals ein und die Schläuche füllten sich mit der roten Flüssigkeit, die der Verletzten zugeführt wurde. Beviin blinzelte hektisch und wandte sich dem Fenster zu in Erwartung der zurückkehrenden Tochter.
Der Medi-Droide piepste und Goran zuckte zusammen, wagte nicht sich umzusehen. „Kein Puls", verkündete die Maschine. „Wiederbelebung nicht möglich."
Dinua kam herangestürmt; ihre Stiefel klapperten über die Einstiegsrampe der Slave I – eine Minute zu spät. Die Rüstung des jungen Mädchens war an der rechten Hälfte versengt – Brandspuren, die dem Beskar-Eisen nichts anhaben konnten, aber auf einen riskanten Kampfeinsatz schließen ließen. Das Mädchen denkt mit. Wieder einmal merkte Beviin, wie gut Briika ihre Tochter ausgebildet hatte.
„Dinua …" Goran Beviin fasste sie an der angekokelten Armschiene, bevor sie zum Leichnam ihrer Mutter gelangen konnte. „Ni kyr'tayl gai sa'ad." Er warf Boba Fett einen Blick zu, denn hauptsächlich galten diese Worte ihm als Zeugen. „Ich erkenne dich als mein Kind an."
Dinua zog ihren Helm vom Kopf und starrte ihn an – erstarrt in ihrer eigenen Bewegung – ganz in sich selbst versunken. Und Boba Fett schaute das Mädchen an und versank in einer längst vergangenen Zeit, wo er ebenso erstarrt auf dem Boden jener Arena gekauert hatte – einen Helm in den Händen, seinen Vater betrauernd, noch voller Zweifel darüber, dass es überhaupt geschehen konnte. Es war einer dieser seltenen Momente, wo sich Boba Fett direkt mit einer anderen Person verbunden fühlte – mit Dinua, die ihren einzig verbliebenen Elternteil nicht durch, sondern für einen Jedi verloren hatte.
Dieses Kapitel enthält die Ereignisse der Comics „Invasion I: Angriff der Yuuzhan Vong" von 2010 sowie „Invasion II: Die Rettung" von 2012, dem ersten und zweiten Teil der Star Wars-Invasion-Comicreihe von Panini, der zeitlich zwischen Band 2 und 3 der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" angesiedelt ist.
Der zweite Abschnitt enthält den vorletzten Abschnitt der Kurzgeschichte „Boba Fett – Ein Pragmatiker" von Karen Traviss, die dem Roman „Opfer" von derselben Autorin, dem fünften Band der Buchreihe „Wächter der Macht" (2007) als Anhang beigefügt wurde.
*Pul – Yuuzhan Vong-Sprache für Nein
*Brenzlit – Yuuzhan Vong-Sprache für Feigling
*Shabuir – Mando'a für Dummkopf
*Shabla – Mando'a für Versager
*Gai bal Manda – Mando'a für Name und Seele. Damit gibt man ein Kind zur Adoption frei.
