Ein mutiger Schritt
Seit dem schrecklichen Brand waren zwei Wochen vergangen und es wunderte mich, dass mich bis jetzt noch keine Alpträume plagten. Ich schlief extrem schlecht wenn Edward nicht bei mir war, oder ich wachte in der Nacht mit dem Gefühl auf, dass Edward plötzlich weg war. Aber ansonsten hatte ich es doch besser weggesteckt als ich angenommen hätte. Und Edward, … Edward schien auch ganz gut mit den vergangenen Ereignissen zu Recht zu kommen. Natürlich hatte er keinerlei körperliche Beschwerden, aber… manchmal hatte es den Anschein, als würden ihn immer noch schreckliche Bilder von Feuer, sowie die Erinnerungen an den grausamen Schmerz verfolgen. Ich hatte keine Ahnung, wie Vampire schlimme Ereignisse psychisch verkrafteten, aber scheinbar konnte er relativ gut damit umgehen.
Für die unwissende Allgemeinheit, hatte Carlisle extra einen abnehmbaren Gips für Edward angefertigt. Jeder glaubte natürlich, Edward hätte sich schlimm verletzt und es ging sogar tagelang das Gerücht herum, Edward wäre nun völlig entstellt. Ich hatte Charlie erzählt, das Feuer hätte Edward nur an Stellen erwischt, die so nicht ersichtlich waren und dass er enormes Glück gehabt hatte. Der Gips sollte zeigen, dass Edward sich beim Sprung aus dem Fenster den Arm gebrochen hatte.
Die Schule war immer noch gesperrt und keiner wusste, wann der Unterricht wieder losgehen würde. Den meisten Schülern kam das nur recht und eigentlich hätte auch ich mich darüber freuen sollen, aber das konnte ich nicht. Zu sehr wurde ich beim Anblick der ausgebrannten Schule daran erinnert, was Edward meinetwegen durchstehen musste und… der Unterricht hätte mich wenigstens von meiner Grübelei abgehalten.
Ich war in den letzten zwei Wochen so gut wie gar nicht mit Edward in der Öffentlichkeit unterwegs, die Leute sollten noch etwas länger im Glauben bleiben, dass es Edward noch nicht allzu gut ging und auch ich vermied es mich an Orten blicken zu lassen an denen für gewöhnlich viele Menschen waren denn ich hasste es wie eine Heldin behandelt zu werden, wenn ich eigentlich gar keine war. Ich hatte lediglich aus Instinkt heraus gehandelt und ich denke… das hätte jeder getan.
„Du brauchst mit dem Abendessen heute nicht auf mich zu warten. Ich denke es wird spät werden. Die Brandermittler haben endlich ein Gutachten erstellt und werden wohl heute auf die Dienststelle kommen." Charlie war gerade dabei seine Tasche zu packen.
„Soll ich dir ein Lunchpaket machen?" fragte ich und wollte schon in die Küche, doch Charlie hielt mich davon ab.
„Nein, lass nur. Ich lasse mir einfach eine Pizza kommen. Sieh heute einfach darüber hinweg, dass ich mich ungesund ernähre."
Ich schmunzelte leicht. „Ok. Aber auf deine Verantwortung."
„Sag… wie geht es Edward?"
„Besser. Ganz gut eigentlich. Er kann wieder seine Witze reißen, also dürfte ihm nicht mehr allzu viel fehlen."
„Da hat der Junge ja wahnsinnig Glück gehabt. Sag ihm, sobald er sich wieder gut fühlt, soll er sich wieder hier blicken lassen."
„Ja, mache ich Dad. Aber jetzt beeil dich, sonst kommst du zu spät."
Ich winkte Charlie als er das Haus verließ und ließ mich dann auf die Couch fallen. Ich lauschte für ein paar Minuten dem Ticken der Wanduhr und rührte mich nicht. Ich konzentrierte mich einzig und allein auf meine Atmung und darauf für kurze Zeit an nichts zu denken. Hätte ich das nicht getan, wäre ich vermutlich in Panik ausgebrochen.
„Ok, sei kein Angsthase! Du hast lange genug damit gewartet." Murmelte ich, als ich nach meinem Handy angelte, welches ich zuvor achtlos auf den Couchtisch geworfen hatte. Ich atmete noch ein paar Mal tief durch und wählte dann.
„Hallo meine Heldin!" hörte ich seine sanfte Stimme durchs Telefon.
„Ich hasse dich!" stöhnte ich auf und warf mir meinen Arm über die Augen, als Edward zu lachen begann.
„Tut mir leid Bella, aber das musste sein."
„Jaja sehr witzig. Ich soll dir von Charlie ausrichten, dass du dich wieder mal blicken lassen sollst, wenn es dir schon so gut geht, dass du Witze reißen kannst."
„Solange es nicht wieder auf ein Mittagessen hinausläuft bin ich dabei." Antwortete Edward.
„Ich kann für nichts garantieren, aber wenn du nicht nett bist, werde ich Charlie ein 3 Gänge Menü vorschlagen."
Ich hörte Edward auf der anderen Leitung spielerisch knurren „Das wagst du nicht!"
„Scheinbar kennst du mich noch viel zu schlecht. Aber hey… ähm… Ich habe dich doch nicht von der Jagd abgehalten oder? Wolltest du gerade einem Berglöwen die Kehle aufschlitzen?"
„Nein, schon erledigt. Wir sind längst auf dem Rückweg und werden die anderen Tiere für heute verschonen."
„Was für ein Glück. Manchmal tun mir die Tiere wirklich leid." Ich räusperte mich. „Hast… du Zeit vorbei zu kommen?" fragte ich und versuchte weiterhin so beiläufig zu klingen, war mir aber fast sicher, dass Edward die Änderung meiner Stimmung mitbekommen hatte, deshalb war ich überaus dankbar dafür, dass er mich nicht darauf ansprach."
„Für dich habe ich immer Zeit meine Liebste. Ich könnte in 20 Minuten bei dir sein."
„Ja, das… hört sich gut an. Und… vergiss deinen Gips nicht." Ich legte auf, ohne auf eine Antwort von Edward zu warten und fuhr mir mit meinen Händen zittrig über das Gesicht. Jetzt gab es einfach kein Zurück mehr. Ich würde es durchziehen, komme was wolle.
Ich beeilte mich ins Badezimmer zu kommen um mich frisch zu machen. Meine Haare waren widerspenstig wie eh und je und ich versuchte sie in einem Zopf zu zähmen, was mir zum Glück dann auch gelang. Ich war viel zu früh fertig und die Nervosität begann wieder zu steigen. Deshalb schlüpfte ich in meine Schuhe, nahm meine Tasche und Autoschlüssel und verließ das Haus, wo ich mich vor der Tür auf die Treppe setzte.
Ich musste nicht lange warten, denn Edward war wie versprochen, exakt 20 Minuten nach unserem Telefonat bei mir. Wie aus dem Nichts war er vor mir aufgetaucht und sogleich in die Hocke gegangen um mich küssen zu können.
„Du siehst Aufbruch bereit aus. Verratest du mir wo es hin geht?" fragte Edward und zog mich auf die Beine.
„Tja…" Ich ließ meinen Blick über seinen Gips schweifen, den er am linken Arm trug und lächelte leicht. „… da du ausnahmsweise mal nicht Auto fahren kannst, bist heute du derjenige der nicht gleich weiß, wo es hin geht. Jetzt weißt du mal wie das ist." Ich streckte ihm die Zunge heraus und war verwundert, dass meine Nerven nicht schon bis zum zerreißen gespannt waren. „Los komm, bevor ich es mir noch anders überlege."
Ich entriegelte das Auto und wir beide stiegen ein, doch als ich den Schlüssel ins Zündschloss steckte, wurde mir wieder viel zu heiß. Ich bemerkte aus dem Augenwinkel wie Edward mich von der Seite musterte, bestimmt lag ihm die Frage was denn los sei auf der Zunge, aber er blieb ruhig… ich hätte es ihm ohnehin nicht verraten. Ich… konnte es nicht und wusste aber nicht wieso es mir so schwer fiel es ihm einfach hier und jetzt zu sagen. Ich startete den Wagen und manövrierte ihn auf die Straße.
Mit jedem gefahrenen Kilometer wurde ich nervöser und unsicherer und ich fragte mich ob es wirklich die richtige Entscheidung von mir war, als Edward sanft seine eingegipste Hand auf meinen Oberschenkel legte. Ich zog leicht meine Mundwinkel nach oben, vermied es aber, ihn anzusehen… aus Angst in Tränen auszubrechen.
Es waren ungefähr 10 Autominuten bis zur Polizeistation, aber für mich vergingen sie wie im Flug. Edward schien zu ahnen dass irgendetwas nicht stimmte, denn er war die ganze Fahrt über ruhig. Doch als ich am Parkplatz vor dem Revier das Auto anhielt hatte seine Neugierde scheinbar gesiegt. Er runzelte seine Stirn und sah mich fragend an.
„Bella, was…"
„Edward, ich brauche dich jetzt ganz dringend ok?" begann ich und verhinderte so, dass Edward Fragen stellen konnte.
„OK!"
Ich blickte auf seine Hand, die immer noch auf meinem Oberschenkel lag und legte mir meine Worte zurecht, ehe ich meinen Kopf wieder hob.
„Ich… weiß nicht… ich… das könnte vielleicht auch für dich nicht ganz einfach werden, aber… alleine schaffe ich das nicht. Würdest… würdest du mit mir da rein gehen?" ich schluckte schwer und versuchte den schmerzenden Klos in meinem Hals loszuwerden.
„Was genau hast du vor?" Edward sah mich prüfend an und griff dann liebevoll nach meiner Hand.
„Ich… muss Ihnen sagen, wer das Feuer gelegt hat. Ich habe Angst, dass er erneut etwas versuchen könnte und es dann nicht so glimpflich für uns ausgeht. Die Polizei kann ihn im Reservat schnappen, aber je länger ich warte, desto wahrscheinlicher ist es, dass er erneut etwas plant und in die Tat umsetzt. Alice… Alice meinte dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er sich in einen Wolf verwandelt und… dann hat sie auch keine Visionen mehr die uns warnen würden."
Edward sah mich eine Zeit lang an, ehe er antwortete.
„Bist du dir im Klaren darüber, was sie dich alles fragen werden?" Edwards Stimme war sehr leise und ich nickte, doch er sah mich immer noch etwas unsicher an und sprach dann weiter.
„Sie werden wissen wollen, woher du ihn kennst, in… welcher Beziehung du zu ihm stehst und wieso er hier ist."
Ich atmete laut auf „Deshalb… brauche ich dich ja so dringend. Bitte, du…"
„Natürlich werde ich mit dir da reingehen." Unterbrach Edward mich und legte eine Hand an meine Wange. „Ich wollte nur sicher gehen dass du weißt, worauf du dich da einlässt."
Ich lächelte schwach. „Aber… bist… du dir sicher dass du es schaffst dir das alles anzuhören? Sie… werden alle Details wissen wollen und… auch… wenn ich ohne dich verhört werde… du bekommst doch trotzdem alles mit…"
„Bella, ich werde nicht von deiner Seite weichen, ganz… egal wie schwer es wird, ganz egal wie lange es dauern mag. Wenn… du es schaffst, das alles zu erzählen, dann werde ich es schaffen da zu sein und zu zuhören."
Erleichterung durchfuhr mich wie eine Welle und ich nickte erneut.
„Ok." Flüsterte ich und atmete noch einmal tief durch. „Dann gibt es jetzt wohl kein Zurück mehr."
EPOV
Bellas Hand war Eis kalt und schweißig als wir das Polizeirevier betraten. Die Anspannung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und ich konnte nicht erahnen, ob Bella hoffte sofort auf ihren Vater zu treffen oder eben nicht.
Es herrschte reges Treiben und Bella zuckte kurz zusammen, als die Türe hinter uns zufiel und automatisch legte ich ihr beschützend einen Arm um ihre Taille, zog sie etwas näher, um ihr Sicherheit zu vermitteln. Ich konnte regelrecht spüren, wie Bella tiefe Atemzüge nahm und dann steuerten wir direkt auf den Empfangstresen zu. Von weitem konnte ich hören, dass Charlie im Anmarsch war. Er war voll und ganz in einem Gespräch mit dem Brandermittler vertieft und insgeheim hoffte ich, dass er uns einfach nicht bemerken würde. Wenn Bella ihn dabei haben wollte, dann würde sie bestimmt nach ihm verlangen. Doch das Glück meinte es nicht so gut mit uns, denn kaum war Charlie um die Ecke gebogen, erblickte er uns auch schon.
„Bella, Edward? Was…macht ihr denn hier?" er entschuldigte sich kurz bei dem Mann der neben ihm stand und verwies ihn an einen Kollegen, dann kam er auf uns zu. Seine Gedanken überschlugen sich und er fragte sich, warum Bella so weiß im Gesicht war.
Bella setzte ein etwas gezwungenes Lächeln auf und grüßte ihren Vater.
„Edward, du siehst gut aus. Wie geht's deinem Arm?"
„Der Gips nervt und es schmerzt ziemlich, aber… es könnte weitaus schlimmer sein." Antwortete ich und versuchte einen etwas leidenden Gesichtsausdruck aufzusetzen.
„Das könnte es in der Tat. Ich bin froh, dass es dir gut geht! Aber… was schafft euch hier her?"
Ich blickte kurz zu Bella und Charlie begann sich augenblicklich Sorgen zu machen, als sich Bella etwas nervös über den Nacken fuhr.
„Ähm Dad, ich… muss dringend mit… mit Deputy Wilson sprechen." Murmelte sie und ihre Augen konnten kaum einen Punkt fixieren.
Charlie runzelte die Stirn. „Mit Lora? Aber… worum geht es denn? Hat es mit dem Brand in der Schule zu tun? Wisst ihr etwas darüber?"
„Ähm… ja. Ich… glaube zu wissen wer das Feuer gelegt hat."
„Nun gut, aber… Lora ist in diesem Fall eigentlich nicht involviert, sondern ich und Danijel."
Bella holte Luft und schluckte schwer. „Ich weiß, aber…"
„Na dann kommt mit." Charlie führte uns einen dunklen Gang entlang bis zur letzten Tür die nur angelehnt war und Bellas Herzschlag beschleunigte sich langsam aber stetig. Ich drückte ihr im Laufen einen Kuss auf den Haaransatz und strich ihr beruhigend über den Rücken.
„Das wird schon, keine Sorge. Alles gut!"
Bella nickte und gemeinsam folgten wir ihrem Vater durch die Tür ins Büro von Deputy Lora Wilson.
„Hey, Lora, ähm… meine Tochter würde gerne mit dir sprechen. Hättest du ein paar Minuten Zeit?"
Charlie tat mir leid dass er dachte dies hier würde in ein paar Minuten erledigt sein, aber ich hatte die Befürchtung, dass es sich wohl eher um Stunden handeln würde.
Deputy Wilson saß hinter ihrem Schreibtisch am Computer und erhob dann lächelnd ihren Blick. „Bella Swan? Das ist aber eine freudige Überraschung. Schön dich mal wieder zu sehen."
„Ähm hallo! Es… freut mich auch."
„Also… meine Tochter hat scheinbar Informationen über den Brand an der Schule und… hat gebeten mit dir darüber zu reden. Geht das in Ordnung? Oder hast du zu viel um die Ohren?"
„Oh?..." Deputy Wilson wirkte etwas überrascht, hatte sich aber gleich wieder gefangen, als sie Bella und mich erneut mit einem warmen Lächeln begrüßte. „Also gut, dann setz dich doch Bella." Doch Bella blieb wo sie war und wirkte für ein paar Sekunden wie versteinert, bevor sie mich ansah.
„Du… bleibst doch oder?" murmelte sie leise und drückte fest meine Hand.
„Natürlich. Das hab' ich dir doch versprochen."
Sie atmete tief durch, ließ mich los und setzte sich dann langsam auf einen der schwarzen Plastikstühle vor dem Schreibtisch.
„Ähm… also schön dann…" begann Charlie und war im Begriff den Raum zu verlassen.
„Ähm nein, Dad?... Ich… ich glaube du… du solltest das auch… hören…" auch wenn nur ich im Stande war es wahrzunehmen, aber Bellas Atmung war schneller geworden und mich beschlich kurzzeitig der Gedanke, dass sie möglicherweise auf eine Panikattacke zusteuerte. Ich ging auf sie zu, strich ihr beruhigend über den Arm und stellte mich dann mit etwas Abstand ans Fenster, um für Charlie den letzten Stuhl freizulassen.
„Ach ja?" Fragte Charlie überrascht und schloss dann die Bürotür von innen. „Ich dachte du würdest nicht mit mir darüber reden wollen."
„Ich… will… dass du als Vater anwesend bist, nicht… als Polizeichef. OK?"
„Natürlich!" antwortete Charlie und setzte sich dann neben Bella.
Was zum Teufel weiß Bella über diesen Brand, das sie so nervös werden lässt? Wobei… ist sie nicht immer nervös? ... Wegen allem?... Ich glaube es wäre mal an der Zeit René über die ganzen Vorfälle zu informieren… sie wird durchdrehen…
„Nun gut Bella,… was genau weißt du über den Brand von vor zwei Wochen. Hast du gesehen wie oder wo das Feuer ausgebrochen ist?" fragte Deputy Wilson und lehnte sich etwas nach vor. Eine Geste, die Interesse signalisierte und auch ihre Gedanken kreisten jetzt nur um den Brand und Bella.
„Ähm nein, das… habe ich nicht, aber ich weiß mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, wer dafür verantwortlich ist." Bella räusperte sich. „Eigentlich… bin ich mir zu 100 Prozent sicher zu wissen wer es war."
„Und… hast du Diejenige oder Denjenigen gesehen? Hast du gesehen wie der Brand gelegt wurde oder… eine verdächtige Person die kurz zuvor am Schulgelände war?"
Bella schwieg kurz und ich konnte mir denken, dass sie Zweifel hatte, ob man ihr glauben würde. Kaum ein Polizist oder Richter dieser Welt würde einfach das Wort einer 17 Jährigen für bare Münze nehmen, ohne einen Beweis dafür zu haben.
„Ich… es war Adam Davis."
Charlie drehte seinen Kopf in Richtung seiner Tochter und runzelte die Stirn. In seinen Gedanken ging er all die Namen dieser Stadt durch und konnte sich nicht daran erinnern diesen Namen je gehört zu haben.
„Adam Davis? Wer zum Teufel ist Adam Davis?" fragte er und blickte zwischen Bella und mir hin und her.
„Das würde ich auch gerne wissen." Deputy Wilson griff sich etwas zu schreiben. „Bella, wer ist Adam Davis?"
„Er… er ging mit mir auf die gleiche Schule, als ich noch in Arizona lebte." Bella begann ihre zierlichen Finger zu kneten um zu verbergen, dass sie zu zittern begonnen hatte. Am liebsten wollte ich sie in meine Arme ziehen, hier und jetzt auf der Stelle, doch es schien mir unangebracht und so wartete ich weiter geduldig am Fenster und achtete darauf nicht aus Versehen das Marmor der Fensterbank zu zerbrechen.
Charlie setzte erneut an um zu sprechen, wurde aber von Deputy Wilson mit einer leichten Handbewegung unterbrochen.
„Und wieso bist du dir so sicher, dass es Adam Davis war? Er lebt doch in Arizona. Richtig?" fragte Deputy Wilson weiter und notierte sich etwas.
„Das… das ist eigentlich eine sehr lange Geschichte…" murmelte Bella. „Er… vor ein paar Wochen kam eine Freundin aus Arizona zu Besuch, Zoe und… er begleitete sie. Am… Ende hatten sie einen heftigen Streit meinetwegen und… Zoe hat sich von ihm getrennt. Sie… ist alleine abgereist und laut ihrer Aussage ist er in Forks geblieben. Sie hat ihn seitdem nicht mehr gesehen, obwohl sie die gleiche Schule besuchen."
Es war kurz stumm im Raum. Scheinbar wusste keiner so recht, was er darauf erwidern sollte und Charlie sowie auch Deputy Wilson versuchten die soeben gehörte Geschichte in ihren Köpfen zusammen zu setzen. Ich hatte für Bella gehofft, dass es reichen würde, dass sie ihr nicht zu viele Fragen stellen würden, aber das unvermeidliche würde wohl oder übel eintreten, denn ich konnte aus ihren Gedanken hören, dass das alles immer noch keinen Sinn ergab und keiner der beiden auch nur ansatzweise wusste, warum Adam deshalb die Schule in Brand gesteckt haben sollte.
„Ich… denke er wollte sich an mir rächen. Alice und… Emmett Cullen haben ihn einige Male im Wald oder in der Nähe der Schule gesehen." Fügte Bella mit zittriger Stimme hinzu.
Charlie schüttelte seinen Kopf, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Er hob einige Male an um zu sprechen, verstummte aber wieder, bis er endlich seine Gedanken geordnet hatte.
„Bella, was… ok. Du erzählst uns jetzt die ganze Geschichte. Die ganze Wahrheit, alles was dahinter steckt. Mir egal wie lange wir hier sitzen. Aber wir können niemanden festnehmen, der deiner Meinung nach das Feuer gelegt hat, um sich an dir zu rächen, weil du anscheinend seine Beziehung zerstört hast? Hörst du eigentlich wie absurd das klingt?" Charlie holte tief Luft und fuhr sich mit einer Hand über seinen Nacken.
„Das heißt nicht dass ich dir nicht glaube Bella, aber ich weiß dass da mehr dahinter steckt als du zugeben willst und ich weiß dass das alles schon viel früher begonnen hat, nämlich als du noch bei deiner Mum gelebt hast. Also raus mit der Sprache. Ansonsten haben wir nichts gegen ihn in der Hand."
„Bella, dein Vater hat recht. Wenn da noch mehr dahinter steckt solltest du uns davon erzählen. Ansonsten werden wir nicht viel tun können." Deputy Wilson blickte Bella fest an, doch diese senkte sofort den Blick und ich konnte sehen, wie auch das letzte bisschen Farbe aus ihrem Gesicht verschwand. Ihre Augen suchten kurz die Meine, ehe sie sich mit einer Hand frustriert über ihr Gesicht fuhr.
Mit ein paar schnellen Schritten war ich bei ihr und hockte mich schräg vor sie, sodass sie mich ansehen konnte. Ihr Herz ging so wahnsinnig schnell und ich legte beruhigend meine rechte Hand auf ihren Arm.
„Bella… erzähl' es ihnen einfach. Es… gibt keinen Grund, es nicht zu tun." Sagte ich leise und konnte augenblicklich Charlies neugierigen Blick auf mir spüren, doch ich schenkte ihm in diesem Moment keine Beachtung und versuchte auch seine Gedanken auszublenden.
„Ich… kann nicht." Flüsterte Bella und ihre Hände begannen mehr zu zittern.
„Doch natürlich kannst du das. Wenn du nichts sagst, schützt du sie weiter."
Bella schwieg und ich sah flüchtig zu Charlie und Deputy Wilson, bevor ich mich wieder Bella widmete. „Es ist deine Entscheidung, aber… du hast mich mal gefragt, was ich an deiner Stelle tun würde und… ich denke, dass jetzt wirklich der Zeitpunkt gekommen ist, an dem du nicht länger schweigen solltest. Du warst selbst so mutig genug hier her zu kommen, also…"
„Kannst du es ihnen nicht sagen?" unterbrach Bella mich und ich bemerkte, dass auch Charlie immer nervöser wurde, da er absolut keinen blassen Schimmer mehr hatte, worüber wir eigentlich sprachen.
„Nein, das kann ich nicht. Ich war nicht dabei."
Flehend blickte mich Bella mit ihren großen rehbraunen Augen an.
„Bella, Liebes, was… ist denn nur los?" fragte Charlie verzweifelt und suchte Bellas Blick, doch diese hatte ihren Kopf immer noch in meine Richtung gedreht.
„Bitte Edward." Flüsterte sie und ihr blieb die Stimme fast im Hals stecken.
Ich seufzte leise und legte meine Hand auf ihren Rücken um sanft darüber streichen zu können. „Also schön."
Ich dreh hier verdammt noch mal gleich durch. Das darf doch nicht wahr sein, was zum Teufel… wieso redet sie denn nicht? ... Hat sie etwa Angst vor mir? ... Edward… scheint sie wirklich zu mögen… mehr als ich dachte. Irgendwie sieht der Junge richtig fertig aus…jetzt laut und ungeduldig zu werden nützt auch nichts… dann wird sie umso weniger reden…
Ich hatte mir gewünscht, dass Bella selbst den Mut aufbringen würde, zu erzählen was passiert war, doch sie konnte es nicht. Möglicherweise hätte es zu ihrem Heilungsprozess beigetragen aber offensichtlich war sie noch nicht bereit dazu. Und trotzdem erstaunte es mich, dass sie mich darum bat es an ihrer Stelle zu tun. Ich war mir sicher, dass sie endlich die Mauer des Schweigens brechen wollte, auch wenn sie dabei Hilfe und Unterstützung benötigte.
Ich vergewisserte mich kurz, dass Bella es wirklich ernst meinte. Ihr sanftes Nicken reichte mir und ich blickte auf, sah zwischen Deputy Wilson und Charlie hin und her und hatte plötzlich selbst dieses eigenartige Gefühl von Nervosität, auch wenn mein Körper nicht so darauf reagierte wie Bellas.
„Ein paar Wochen nachdem Bella hier her gezogen ist und wir Freunde wurden, hat sie mir offenbart,… dass… sie in Phoenix kurz vor Schulbeginn letzten Jahres… von zwei ihrer Mitschüler… vergewaltigt wurde." Ich räusperte mich kurz. „Es… geschah im Zuge einer Party und… einer von ihnen war Adam Davis." Schloss ich und war immer leiser geworden.
Ich hätte nicht erwartet, wie schwer es mir fallen würde, diese Worte laut auszusprechen und noch weniger hätte ich das Gefühl erwartet, das mich durchströmte… diese eigenartige Mischung aus Zorn und Schmerz und… am aller liebsten hätte ich in diesem Moment mit Bella geweint, der stumme Tränen über die Wangen liefen.
Ich hätte auch nicht erwartet, dass Charlie äußerlich so gefasst und ruhig bleiben würde, wenn sich in seinem Inneren doch gerade ein unglaubliches Gewitter zusammenbraute.
„Bella… ist das wahr?" fragte Charlie entsetzt und wollte nach seiner Tochter greifen, besann sich dann aber anders. Sein Gesicht war aschfahl geworden und ich war mir sicher er hatte gerade überaus große Mühe seine Fassung nicht zu verlieren.
„Ja." Krächzte Bella und atmete laut auf.
„Kannst du uns sagen, wer der andere war?" fragte Deputy Wilson mit ruhiger und einfühlsamer Stimme.
„Dave Harper." Murmelte Bella und beseitigte mit ihrem Ärmel ihre Tränen, bevor sie nach meiner Hand griff und diese so fest sie nur konnte drückte.
„Und möchtest du Anzeige erstatten?"
Bella schluckte hörbar und blieb für ein paar Sekunden still. Ich konnte nicht einschätzen, wie sie sich entscheiden würde. Sie war mit dem Entschluss hier hergekommen, Adam Davis des Brandanschlags zu beschuldigen, um zu verhindern, dass erneut so etwas passieren würde. Sie war sich darüber im Klaren, dass sie wohlmöglich von der Vergewaltigung erzählen würde müssen, aber ich war mir nicht sicher, ob sie darüber nachgedacht hatte, Anzeige zu erstatten.
Langsam drehte sie sich zu ihrem Vater und atmete tief durch, während sie weiterhin meine Hand fest drückte um etwas von ihrer Anspannung loszuwerden.
„Es… es gibt keinen Beweis… dafür." Sagte sie leise. „Ich… hab… die Polizei gerufen aber… gleich wieder aufgelegt. Sie… haben mich geortet aber ich… hab Panik bekommen und bin… nach Hause gelaufen. Ich… war in keinem Krankenhaus."
„Das spielt für eine Anzeige keine Rolle." Charlie griff langsam nach Bellas freier Hand und war doch etwas überrascht darüber, dass sie es zuließ… er konnte nicht ahnen, dass sich ihr Herzschlag kurzzeitig um ein Vielfaches erhöhte. Vorsichtig löste ich meine Hand aus ihrer Umklammerung und ging wieder dazu über beruhigend über ihren Rücken zu streichen.
„Dein Vater hat Recht. Eine Anzeige kannst du unabhängig davon machen ob es Beweise gibt oder nicht. Und… in seltenen Fällen ist es möglich bei einer verspäteten Untersuchung Narbengewebe festzustellen, die auf eine Vergewaltigung deuten lassen."
Bella sah etwas unsicher zu Deputy Wilson und dann wieder zu mir.
„Was… ist mit den Anrufen und Drohnachrichten? Die kann man doch bestimmt zurückverfolgen?" warf ich ein und hatte nicht mit Charlies Reaktion gerechnet.
„Drohnachrichten? Diese Bastarde haben dir auch noch gedroht?" donnerte er, sodass Bella erschrak, zusammenzuckte und ihm ihre Hand entzog. Es tat ihm augenblicklich leid, aber es war zu spät.
„Tut… tut mir leid Bella. Ich wollte dich nicht erschrecken!"
„Nein… schon gut." Bella begann erneut ihre Finger zu kneten und suchte dann den Blick von Deputy Wilson. „Ich… möchte Anzeige erstatten." Sagte sie dann leise und krallte dabei ihre Finger in ihre Oberschenkel.
„Ok. Dann werden wir beide in den Raum gegenüber gehen und du kannst mir alles von Anfang an erzählen, bis zum Ausbruch des Feuers. Wenn du möchtest, kann dein Vater anwesend sein."
Zu meiner Verwunderung schüttelte Bella den Kopf. „Nein, das… schaffe ich alleine."
„Möchtest du jemanden vom Opferschutz dabei haben?"
„…Ähm…Ok."
Meine eigene Befragung hatte nicht einmal 30 Minuten gedauert. Ich hatte den Polizisten alles bis ins kleinste Detail erzählt. Darüber, wie Bella mir auf Papier geschrieben hatte was passiert war, über ihren Zusammenbruch ein paar Tage später. Ich erzählte ihnen wie wir auf Zoe und Adam getroffen waren, wie Bella mir ihre Sorgen darüber erzählte dass Adam Zoe etwas antun könnte. Und ich schilderte ihnen meine Erlebnisse, als das Feuer in der Schule ausbrach. Sie stellten mir nicht allzu viele Fragen sondern hatten eher Schwierigkeiten alles so schnell festzuhalten. Scheinbar waren sie mit meiner Aussage zufrieden denn sie entließen mich sehr schnell und nun saß ich im Flur und musste mich zusammen reißen. Ich hatte Schwierigkeiten meine Wut zu beherrschen, denn ich konnte laut und deutlich Bellas Aussage hören. In ihrer schrecklichen und brutalen Ausführung und… ich durfte mir nichts anmerken lassen, denn Charlie saß mir gegenüber, nicht minder Zornig als ich es war.
Ich ließ mich etwas nach hinten sinken und versuchte so auszusehen, wie ein Teenager, dem langsam alles zu viel wurde, als ich von weitem meinen Namen hörte und Schritte, die ich nur allzu gut kannte.
…Edward, die Polizei hat mich informiert. Ich bin gleich bei dir. Spiel einfach mit…
Ich konnte hören, wie Carlisle am Empfang nach mir fragte und kurze Zeit später kam er bereits den Gang entlang, auf mich zu.
Ich war überaus froh ihn zu sehen und musste keinesfalls meine schauspielerischen Talente ausgraben und auch Carlisle registrierte sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Ich blickte auf und versuchte überrascht auszusehen. „Carlisle?"
„Edward, Charlie, was ist denn passiert?"
Ich setzte mich etwas aufrechter hin, während Carlisle und Charlie sich die Hand schüttelten. Dann zog mein Pflegevater einen Sessel heran und gesellte sich zu mir.
„Edward, die Polizei hat mich darüber informiert, dass du hier bist. Was ist passiert?" fragte er und legte seine Hand auf meine Schulter.
„Ähm.. nichts, ich… bin nur hier wegen meiner Aussage. Wegen dem Feuer, das ist alles. Du hättest nicht extra herkommen müssen." Antwortete ich. Ich blickte auf und sah eine Regung in Carlisles Gesicht, als er mit anhörte, wie Bella im Nebenraum weiterhin über die Vergewaltigung befragt wurde, aber er schaffte es ohne Mühe, seine Gedanken vor mir fern zu halten.
„Edward, geht es dir gut?" fragte er leise und ich schüttelte nur den Kopf, bevor er mich in seine väterlichen Arme zog. Und für einen kurzen Moment fühlte ich mich tatsächlich wie ein 17 jähriger Junge, der mit der Situation überfordert war, der nicht wusste ob er richtig handelte und alles wieder in den Griff bekommen würde.
Als Carlisle mich wieder los ließ, bemerkte ich, dass Charlie aufgestanden war und nun im Gang auf und ab lief. Ich konnte mir kaum ausmalen, wie er sich im Moment fühlen musste. Nicht wissend, wie es seiner Tochter gerade ging und wie lange das alles noch dauern würde.
„Hey ähm… du musst nicht hier bleiben. Bella… wird noch vernommen und… ich würde gerne auf sie warten. Keine Ahnung wie lange das dauert, aber…" doch Carlisle schüttelte sanft den Kopf.
„Ich werde mit dir warten. Brauchst du irgendetwas?"
„Nein… danke."
„Ok. Ich bin gleich wieder da." Carlisle erhob sich, klopfte mir nochmal kurz auf die Schulter und verschwand dann für ein paar Minuten um die Ecke, ehe er mit einer Tasse Kaffee für Charlie zurückkam.
„Willst du dich nicht lieber setzen Charlie?" fragte Carlisle und reichte ihm die Tasse Kaffee.
„Nein ich… ich bin zu aufgebracht."
„Das kann ich verstehen." Entgegnete Carlisle mit ruhiger Stimme.
Das glaube ich wohl eher weniger. Wenn du wüsstest wieso meine Tochter wirklich einvernommen wird…
„Dein Sohn… ist wirklich etwas Besonderes." Murmelte Charlie leise, scheinbar in der Annahme ich würde ihn somit nicht hören können. „Du hast tolle Erziehungsarbeit geleistet, das… muss ich schon sagen. Ich wünschte… alle jungen Männer wären so wohl erzogen und höflich wie Edward." Fügte er grimmig hinzu und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.
„Ich denke viele Eltern wünschen sich das. Aber… Bella ist genau so ein tolles Mädchen. Ich werde ihr nie vergessen, was sie für Edward getan hat. Sie schafft das schon, du wirst sehen."
Carlisle schaffte es mit seiner bloßen Anwesenheit und ein paar Worten, dass sich Charlie wieder setzte und etwas ruhiger wurde. Es war seine Art von Gabe. Nicht so stark wie Jaspers, er konnte keine Gefühle beeinflussen, aber mit seiner Ruhe und seinem Mitgefühl hatte er schon einigen helfen können.
Bella hatte begonnen zu weinen und langsam hielt ich es nicht mehr aus. Ich war drauf und dran in dieses Zimmer zu stürmen und wusste, dass dies die Situation nicht besser machen würde. Ich ließ mich nach vor fallen, stützte meine Ellenbogen auf meinen Oberschenkeln ab und verbarg mein Gesicht in meinen Händen. Ich konnte ihr im Moment nicht beistehen und fühlte mich hilflos… und diese Hilflosigkeit ließ mich fast wahnsinnig werden.
Jetzt wo Charlie etwas ruhiger geworden war, hatte sich Carlisle wieder zu mir gesetzt.
„Nächstes Mal rufst du mich an. Oder Esme. OK? Du… bist zwar fast erwachsen, aber so etwas musst du nicht alleine durchstehen." Sagte er so leise, dass es für Charlie kaum möglich war dem Gespräch zu folgen. „Niemand sollte das."
Ich musste ganz kurz schmunzeln als ich daran dachte, dass ich mehr als nur erwachsen war,… aber Carlisle wusste auch, dass ich durch meine Verwandlung das Gefühlsleben eines 17 Jährigen behalten hatte.
Ich seufzte leise und nickte. „Ok, versprochen."
Ich konnte hören, dass die Befragung endlich dem Ende zusteuerte und nach fast einer geschlagenen Stunde öffnete sich die Tür und Bella trat mit rot verweinten Augen und blassem Gesicht auf den Flur.
Sofort waren Charlie und ich auf den Beinen und Bella kam auf mich zugestolpert und fiel mir in die Arme, welche ich fest um sie legte. Sie drückte ihr Gesicht gegen meine Schulter und versuchte sich zu sammeln.
„Ich bin so stolz auf dich" flüsterte ich leise, sodass nur sie es hören konnte und drückte ihr einen liebevollen Kuss auf den Kopf.
„Ich will nach Hause." Murmelte sie und ich strich ihr über ihr Haar, ehe wir uns voneinander lösten.
Etwas scheu blickte Bella zu ihrem Vater, der mit etwas Abstand neben uns stand und ließ sich dann schlussendlich auch von ihm in den Arm nehmen.
„Es tut mir leid."
„Was denn Liebes?" fragte Charlie verwundert.
„Dass… ich nichts gesagt habe."
„Das muss dir nicht leid tun. Und ich bin froh, dass du es jetzt getan hast."
Bella entzog sich wieder aus Charlies Umarmung und legte dann schützend ihre Arme um ihre Körpermitte.
„Ich muss noch schnell etwas Papierkram erledigen. Das dauert vielleicht ein paar Minuten und dann bringe ich dich nach Hause ok?" sagte Charlie.
„Ich… lass dir nur Zeit Dad. Ich kann selbst fahren." Doch Charlie schüttelte sofort den Kopf.
„Auf keinen Fall. Ich will euch Beide jetzt nicht hinter dem Steuer wissen. Ich…"
„Charlie,…" Bella zuckte kurz zusammen, als sie Carlisles Stimme vernahm. Vermutlich war ihr jetzt erst aufgefallen, dass er überhaupt da war. „… wenn es dir nichts ausmacht, kann ich beide nach Hause bringen. Lass dir Zeit mit dem Papierkram."
Charlie runzelte kurz die Stirn. „Ich weiß nicht…"
„Dad… das… das einzige was ich jetzt noch machen werde ist… schlafen zu gehen ok? Also… mach deine Arbeit fertig und… wir reden morgen." Sagte Bella leise.
„Bist du dir sicher?"
Bella nickte. „Ja und… Edward… kann doch so lange bei mir bleiben. Oder?"
„Natürlich. Edward," Charlie drehte sich zu mir. „…du kannst so lange bleiben wir du möchtest und es deinen Eltern recht ist. In Ordnung?"
„Danke Charlie." Antwortete ich. Ich konnte deutlich sehen, dass Charlie mit der Situation mehr als nur überfordert war. Bestimmt musste er selbst erst mal einen kühlen Kopf bekommen und vielleicht war es besser, wenn Bella und Charlie nicht gleich gemeinsam nach Hause fahren würden um zu reden. Denn auch Bella war richtig geschafft und brauchte Ruhe und Erholung.
Die Fahrt zu Bella war schweigsam und angespannt. Carlisle versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er mehr wusste als Bella lieb war, aber ich konnte ihre Nervosität deutlich spüren und auch an ihrer Körperhaltung sehen. Ich griff nach ihrer Hand und drückte diese sanft, aber Bella blickte weiter stur aus dem Fenster.
Ich öffnete ihr die Tür und half ihr aus dem Wagen als wir bei ihr ankamen und beugte mich dann noch einmal ins Auto zu Carlisel.
„Danke. Wir sehen uns morgen, denke ich."
Carlisle nickte. „Ruf an, wenn ihr etwas benötigt. OK?"
„Ja. Mach ich." Ich schloss die Tür und drehte mich dann zu Bella, die etwas verloren in der Auffahrt stand. Ich legte ihr vorsichtig meinen Arm um sie und führte sie ins Haus. Es schien so, als würden ihr tausende Gedanken durch den Kopf gehen und so sehr ich diese Stille auch liebte, die Bella umgab, so sehr wünschte ich mir in diesem Moment zu wissen was sie dachte.
„Soll ich dir etwas kochen? Du bist doch sicher am verhungern."
„Ähm nein, ich… eigentlich… hab' ich keinen Hunger. Ich… werde nur eben schnell duschen gehen. Ich… beeile mich." Stammelte sie und ihr Puls begann wieder zu steigen.
Vorsichtig zog ich sie zu mir und legte meine Hände auf ihre Arme.
„Hey, ganz ruhig. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst und ich warte hier unten auf dich." Sagte ich leise, woraufhin Bella nur nickte und dann nach oben verschwand.
Zwanzig Minuten später lagen wir dicht zusammengedrängt auf der Couch im Wohnzimmer und sahen uns einen Film an. Ihr war ganz und gar nicht nach Reden zumute und… mir auch nicht. Ich wollte Bella nur bei mir behütet wissen, das war das Wichtigste. Auch ich hatte das heute Geschehene oder wohl eher Gehörte noch ganz und gar nicht verdaut und wollte eigentlich in diesem Moment überhaupt nicht daran denken. Es hätte mich nur wieder so unglaublich wütend gemacht und das wäre das Letzte gewesen, was mein Engel gerade brauchte. Somit lagen wir schweigend da und verfolgten mehr oder weniger den Film, einfach um uns etwas abzulenken.
Bella war längst vor Erschöpfung eingeschlafen, als ich Charlie hörte, wie er mit seinem Wagen vorfuhr und dann das Haus betrat. Er wunderte sich kurz darüber, dass alles dunkel war, bis er das Flackern des Fernsehers sah. Schnell verbarg ich mein Gesicht in Bellas Haaren, schloss die Augen und nahm tiefe Atemzüge, als Charlie kurz nach uns sah und dann den Fernseher abstellte.
…werde diese Schweine umbringen… Herr Gott nochmal,…warum ausgerechnet sie….
Charlie sah uns eine Weile an, griff dann nach einer dünnen Decke und warf diese über uns, ehe er sich auf leisen Sohlen in die Küche schlich.
… vielleicht alles anders gekommen… wenn sie die Ferien hier verbracht hätte… hätte darauf bestehen sollen…
Ich versuchte Charlies Gedanken auszublenden, was mir leider nur sehr mäßig gelang. Vorsichtig zog ich meinen Arm unter Bella hervor, ohne sie zu wecken und wickelte sie sorgsam in die Decke, bevor ich die Couch verließ und langsam in Richtung Küche ging. Charlie saß mit einem Glas Wasser am Tisch und blickte ins Leere. Ich räusperte mich kurz um ihn nicht zu erschrecken, bevor ich die Küche betrat.
„Edward! Oh, ich… wollte dich nicht wecken."
„Nein, schon gut, ich… konnte ohnehin nicht so richtig… schlafen." Erwiderte ich und ließ mich auf einen Stuhl gegenüber von Charlie fallen. Wie verfielen ein paar Minuten ins schweigen, bis ich die Stille unterbrach, als ich seine grüblerischen Gedanken nicht mehr ertragen konnte.
„Es… tut mir leid."
Charlie blickte hoch und zog fragend seine Augenbrauen zusammen. „Was gibt es denn, das dir leid tun müsste?"
„Ich… musste Bella mein Versprechen geben, dass ich niemandem davon erzähle. Sie… wollte nicht, dass sonst jemand etwas davon erfahren würde und… ich konnte sie nicht umstimmen. Ich hab' es einige Male versucht, aber… vergebens." Ich fuhr mir kurz über den Nacken bevor ich weitersprach. „Ich … hatte ein… sehr schlechtes Gewissen dir gegenüber, als du mich fragtest ob… ich wissen würde was mit ihr los sei und ich es dir nicht sagen konnte."
Charlie blieb einen kurzen Augenblick stumm, ehe er mir antwortete. Seine Gedanken waren das reinste Chaos, was ihm aber auch nicht zu verdenken war, denn… mir ging es ganz ähnlich.
„Dass du es nicht verraten hast, zeigt deine charakterliche Stärke. Dafür solltest du niemals ein schlechtes Gewissen haben,… ganz im Gegenteil. Ich bin überaus froh, dass sie sich scheinbar… der richtigen Person anvertraut hat und… sie wirklich auf dich zählen kann." Charlie seufzte leise auf. „Edward du solltest auch versuchen zu schlafen. Das war… ein sehr schlimmer Tag für alle von uns."
Ich nickte leicht und erhob mich dann, als Charlie mich doch noch kurz aufhielt.
„Danke Edward." Sagte er nur leise und entließ mich dann zurück zu Bella, die immer noch tief und fest schlief und sich sofort wieder an mich kuschelte, als ich mich wieder zu ihr legte.
