27. Sahir POV

Seit zwei Monaten ist Belle schon weg (wobei sie immer wieder Besuche macht und mit uns rumhängt).

"Ich muss kurz zu Master Satanus", sagt Ric auf einmal, anscheinend wurde er gerufen. Als er wiederkommt, folgt ihm jemand.

"SNAPE!?", rufe ich aus. "Severin!", ruft Tom. "Tom!", das war Severus.

"Seid ihr etwa alle miteinander verwandt?", fragt Onyx. "Bevor ich mit dem verwandt bin, friert die Hölle zu!", empöre ich mich. "Tut sie jedes Jahr einmal", lächelt Iskandar.

Plötzlich hängt Tom um Severus' Hals.

"Ich dachte du wärest…", murmelt Tom leise. "Das dachte ich von dir auch! Wie kann das sein?! Die haben dich doch abgeholt!" - "Dad und Luzifer haben mich gerettet und wieder zusammengeflickt - mit 99 % Erfolg, wie du hörst." Severus sieht Tom erleichtert an und fragt: "Ist ausser deiner Stimme alles wieder okay?" - "Jaja. Mehr oder weniger, aber das kommt noch. Wie kommt es, dass du den Kuss nicht bekommen hast?" - "Nadja hat Kingsley um den Finger gewickelt. Gutes Mädchen." - "Etwa Kingsley Shacklebolt?"

"Ja."

Ric unterbricht die beiden: "Also falls ihr mal fertig seid, würde ich dich gerne vorstellen, Severin. Also Leute, das ist Severin Rosier, andere kennen ihn unter dem Namen Severus Snape." Ich sehe diesen giftig an.

"Freut mich. Dann stelle ich uns mal vor", sagt Iskandar. "Das da ist Aley, er gehört zu mir. Liam dort gehört, unschwer zu erkennen, zu Skkylar, das ist der Vampir. Ric kennst du ja schon, er ist Toms Dad, falls du das noch nicht erfahren haben solltest. Onyx ist Rics Dad. Azrael, der dort mit der Sonnenbrille, ist ein geborener Vampir. Das dort ist Alaric, wobei wir ihn alle Al nennen. Dad scheinst du zu kennen und die beiden Kleinen hier sind meine Geschwister Amir und Layla. Ach ja. Ich bin Iskandar und die anderen nennen mich Cookie." - "Du bist also Sahirs Sohn?", fragt Severus skeptisch. "Jap. Und du bist scheinbar Toms Freund, richtig? Jedenfalls herzlich willkommen, hat dir Ric die Regeln schon erklärt?" - "Ja, aber er sagte, dass du mir noch was mit Tom sagen musst, was er nicht übers Herz bringt." - "Ach so. Da Tizian Tom nicht mehr wollte, konnte er nicht wieder sein Veela werden, als sie ihn gerettet haben, also wurde Tom zu einem Sklaven. Zu unserem Sklaven, um genau zu sein." - "Was? Warum nicht zu einem 'normalen' Sklaven?", fragt Severus, wobei er das Wort 'normal' mit Gänsefüsschen versetzt.

"Falls du es dank deinem beschränkten Gehirn nicht verstanden hast, SeverIN. Tom ist von Tizian verstossen worden und Tizian hasst ihn. Das würde wohl kaum gut gehen", sage ich giftig. "Ich hätte nie gedacht, dass du mal einen flüssigen Satz aussprechen kannst, und jetzt waren es sogar drei! Ich bin beeindruckt!", sagt Severus abfällig. "Das überrascht mich kein bisschen, es muss verwirrend sein, wenn man Leute kennt, deren Gehirne nicht nur aus Stroh bestehen." Skkylar beginnt zu lachen und Ric stimmt mit ein. "Ich weiss nicht, sag du es mir doch", sagt Severus süsslich, "Darf ich dich an deine ZAG Note in Zauberergeschichte erinnern?" - "Ach ja, genau. Die Geschichte eines fremden Landes in einer fremden Sprache. Wie kann es nur sein, dass ich da nicht gut abschnitt? Grenzt ja schon fast an ein Wunder, aber vielleicht darf ich dich daran erinnern, dass du den ZAG in Verteidigung nicht einmal bestanden hast?" - "Ja, weil du mit deinem stinkenden Werwolf und dem eingebildeten Flohkissengrimm üben konntest." - "SAG NICHTS GEGEN GRIMME!", fauche ich ihn an.

"Ruhig Blut, Sahir", grinst Skkylar. Liam kichert leise und Sev meint: "Lass mich raten: In einem Anflug von Dummheit hast du dich von Black schwängern lassen und nun sind die Babys Grimme, richtig?" Ich sehe Severus hasserfüllt an und erwidere: "Das war nicht ein Anflug von Dummheit!" - "Ach ja stimmt, es war kein Anflug, weil du deine Dummheit fix eingestellt hast."

Habe ich schon erwähnt, dass ich ihn hasse? Nein? Na gut: Ich hasse ihn!

"Wusste gar nicht, dass du so kindisch sein kannst", sagt Iskandar kopfschüttelnd. "Ich bin kindisch?! Er ist kindisch!" - "Ja natürlich und ich bin der Osterhase", lacht Iskandar.

"Du bist auch ein Ingenium-Veela, nicht?", fragt Aley Severus leise. Aley wird noch immer nach und nach immer ruhiger und in sich gekehrter. Noch mehr, als er es sonst schon war.

"Ein was?", fragt Severus unverstehend. "Ein… Du kennst die Veelarassen nicht." Mit einer nachlässigen Handbewegung beamt er die Eigenschaften von einem Ingeniumveela an die Wand. Sev hebt die Schultern und meint: "Kann sein. Warum interessiert dich das?" Aley zuckt mit den Schultern und sieht zu Boden.

Abfällig erklärt Skkylar: "Die Dramaqueen hat gedacht, er könnte vielleicht einen Freund in dir finden, aber ich denke nicht, dass du dir die Mühe machen musst. Aley ist nämlich von Natur aus hassenswert." - "Werden dir deine Sprüche nicht langsam selber zu blöd?", fragt Aley, während er Iskandar immer im Blick hält. Er hat wohl Angst, dass er ihn schlägt oder anderweitig bestraft.

Skkylar sieht ihn irritiert an. Aley hat noch nie etwas auf seine Sprüche erwidert.

Mir ist es eindeutig ein Dorn im Auge, dass Severin nun hier ist, aber ausser ein paar heftigen Streits passiert nichts.

Am Abend eine Woche später sehe ich, dass mein Sohn in einer merkwürdigen Position auf dem Sofa schläft. Alle anderen sind schon zurück und sehen ebenfalls mit einem besorgten Blick auf meinen Sohn. Sein Flügel ist merkwürdig verbogen.

"Hey, aufwachen!", sage ich leise und rüttle an seiner Schulter. Langsam öffnet Iskandar seine Augen.

"Was hast du? Hast du deinen Flügel verletzt?", frage ich besorgt.

"Nein, nein" Leicht öffnet er seinen Flügel und darunter kommt Aley hervor. Er hat seine Beine nahe an seinen Körper gezogen und Iskandars rechten Arm umklammert er mit seinen Armen. Trotzdem schläft er entspannt an Iskandars Schulter angelehnt. "Er hat in der vergangenen Nacht nicht sonderlich viel geschlafen.", sagt Iskandar leise und legt seinen Flügel wieder über Aleys Körper.

Als dieser erwacht, schiebt er die Schwinge von sich und sieht sich verwirrt um. "Master, wie lange habe ich geschlafen?", fragt er leise. "Sechs Stunden ungefähr. Willst du ins Bett?" Ganz wenig schüttelt Aley den Kopf. "Darf ich hier bleiben, Master?" - "Sicher."

Gegen zwölf Uhr sind nur noch Severin und ich da. Skkylar ist bei Liam und Azrael ist mit Tom beschäftigt. "Was ist mit dir los?", fragt Severin. Ausnahmsweise hört er sich mal nicht abfällig an. "Was?" - "Was mit dir los sei. Du hast deine Schönheit verloren." - "Willst du mich verarschen?!" - "Nein. Du bist mager und blass und deine Lebensfreude ist dir auch genommen worden. Von wem, frage ich mich." - "Was soll das?" - "Siehst du es nicht? Avery hat dich auf äusserste Eleganz trainiert und nun sitzt du da, als ob du aufgegeben hättest. Ich weiss, dass du dieses Training mochtest." - "Sev…", murmle ich. Er soll aufhören zu reden. "Setz dich vernünftig hin." Automatisch gehorcht mein Körper. Ich nehme die Schultern zurück, straffe meinen Rücken und schlage meine Beine übereinander. Meine Hände lege ich in meinen Schoss.

Dann merke ich aber, dass ich ihm gehorcht habe und lasse mich gehen. "Siehst du? Selbst nach fast 20 Jahren weiss dein Körper noch, was er zu tun hat. Hat es sich nicht gut angefühlt, etwas zu machen, was nur du kannst? Keiner von den anderen ist so wunderschön wie du. Kinder auf die Welt bringen kann hier fast jeder und viel mehr hast du in deinem Leben nicht erreicht" - "NEIN VERDAMMT!", schreie ich ihn an, obwohl er Recht hat. Er lächelt.

"Warum bist du so nett zu mir?! Wir hassen uns, schon vergessen?!", reklamiere ich resigniert. "Da können wir morgen weitermachen, wenn du das brauchst, um dein Ego aufzufrischen. Du warst nunmal mein erster Freund." - "Ja. Vor 40 Jahren für ganz genau einen Monat", sage ich sarkastisch. "Ganz genau."

Da Sev nichts bietet, auf das ich eingehen könnte, frage ich: "Was soll das heissen, ich sei mager? Veelas können ihr Gewicht nicht verändern!" - "Doch. Mit den passenden psychischen Belastungen geht das durchaus. Wann hast du zum letzten Mal in einen Spiegel gesehen?" - "Nicht mehr seit Sirius weg ist. Ich kann mich selbst nicht mehr ansehen…" - "Komm mal mit" Ich schaue ihn böse an, als er mich ins Badezimmer zum Spiegel zerrt. Er packt meine Schultern und zwingt mich förmlich, mich selbst anzusehen.

"Oh…" Ich bin echt dünner geworden… "Siehst du es?" - "Ja… Weisst du, was ich dagegen tun kann?" - "Wie wär's mit einem neuen Master? Du wirst dich von Kaufanfragen sicher kaum zu retten wissen." - "Ich habe zwei Babies, Sev", sage ich seufzend. "Ja schon aber Ric und Iskandar passen sicher gern auf sie auf." - "Ich kann sie nicht zurücklassen."

"Was ist mit Azrael? Er würde sicher liebend gern dein Master sein." - "Ich will keinen neuen Master. Ich will jemanden, der mich liebt und das kann man nicht von einem Geborenen verlangen." - "Samael? Er scheint dich sehr zu mögen." - "..."

Severus lässt meine Schultern los und ich wende mich vom Spiegel ab.

"Bitte denke nach, Sahir. Du kannst dich doch nicht von Black zerstören lassen." - "Ich… Ich weiss nicht… Fragst du dich nie, was hätte sein können, wenn du kein Todesser geworden wärest?" - "Doch, aber andererseits hatte ich bis vor einer Woche ein ziemlich perfektes Leben, was man von dir nicht gerade behaupten kann." - "Ich habe drei tolle Kinder", widerspreche ich. "Ich auch", lächelt Severin. "Du hast Kinder?!" - "Ja. Ich hätte eigentlich keine gewollt, aber ich habe nachgegeben, weil Neville unbedingt eine Familie haben wollte. Das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe." - "Ich habe mich bei Avery immer geweigert." - "Wie soll das denn gehen? Wenn er ein Kind von dir gewollt hätte, dann hätte er dich einfach geschwängert." - "Nein, es hat nicht funktioniert, weil ich keins wollte." - "Du bist naiv, Sahir. Vermutlich hat Averys Frau einen Unfruchtbarkeitszauber über dich gelegt." - "Aber warum hat es dann bei Dave funktioniert? Der Zauber hätte noch aktiv sein müssen!" - "Nein. Es war wahrscheinlich nur ein temporärer, damit er nicht mehr gewirkt hätte, wenn du doch ein Kind gewollt hättest." - "Oh… Ich habe mich eben gefragt, warum ich Iskandar bekommen habe, weil das wollte ich ganz sicher nicht!"

"Wer ist sein Vater?" - "Ich glaube nicht, dass das dich was angeht." - "Ach komm schon, Sahir. Wenn du es mir nicht sagst, dann frage ich eben Iskandar selbst." - "Dave. Der Bruder von meinem Master, bist du jetzt zufrieden?" - "Oh… Tut mir leid. Aber du liebst ihn trotzdem, nicht?" - "Natürlich tu ich das! Das ist mein Kind!", sage ich empört. "Und Aley? Magst du ihn?" - "Klar!" - "Siehst du Sirius jede Woche?" - "Nein! Ich habe ihn dieses Jahr etwa drei Mal gesehen. Einmal, als er mich operiert hat, weil die Schwangerschaft nicht gut verlaufen war und dann noch per Zufall. Wie alt sind deine Kinder?" - "18, zehn und sechs." - "Besuchst du sie jede Woche?" Severin nickt.

Nach einer Weile murmle ich: "Danke, dass du mit mir gesprochen hast, aber ich glaube, wir sollten langsam schlafen gehen." - "Ja… Eines noch: Können wir uns nicht einfach vertragen?", fragt er noch. Ich nicke und verschwinde im Zimmer.

Ungefähr einen Monat später kommt Aley am Abend aus seinem Zimmer in meine Arme gestürzt. Sein Gesicht ist nass wegen den Tränen. Er trägt ein Pyjama und ein merkwürdiges, schwarzes Halsband.

"Was ist los?", frage ich ihn verwirrt. Skkylar ist neben Liam, Ric, Azrael und Onyx noch da und vor Skkylar lässt Aley sich nie so gehen. "Ich bekomme ein Kind", schluchzt er. Verwirrt streichle ich ihm über den Rücken. "Was ist denn das Problem daran? Das ist doch super!", will ich wissen. Ein weiteres Schluchzen kommt über seine Lippen. "Ich will kein Kind!" - "Warum denn nicht?", frage ich möglichst einfühlsam. Wie einfühlsam kann man sein, wenn man einen weinenden 16-jährigen, der nicht der eigene Sohn ist, in den Armen hat? "Weil er dann sicher wieder in seine Clubs geht, wenn er mich nicht brauchen kann und weil ich ihm dann sicher gar nichts mehr bedeute und weil die Geburt sicher weh tut und er mir bestimmt nicht hilft und ich will nicht, dass ich für jemanden verantwortlich bin und… und..." Es geht einen Moment, bis ich verstehe, dass er mit 'er' Iskandar meint. "Was für Clubs?", frage ich verwirrt. "Er ist immer in Clubs gegangen, um… weil…"

"Weil Aley unfähig ist, Iskandar zu befriedigen", sagt Skkylar. Aley nickt und schluchzt noch mehr. "Das ist wirklich ein schlechter Zeitpunkt, um Aley zu nerven, Skkylar", sagt Azrael strafend. Aleys Griff verkrampft sich in meiner Robe. Seit wann vertraut er mir? "Wie meinst du das, Skkylar?", frage ich nach. "Um es im Fachchargon zu sagen: Dein Sohn kann sein Betthäschen nicht nageln."

"Schläft Iskandar schon?", frage ich ohne auf Skkylar einzugehen. Aley schüttelt den Kopf. Er ist bei Skkylars Äusserung zusammengezuckt, hat aber nicht widersprochen. "Hat er dir gesagt, dass du das Zimmer verlassen musst?" Wieder schüttelt Aley den Kopf. "Er… Er hat es mir… ver-... verboten, a-... aber…" - "Okay, also hast du zu allem hin eine Strafe zu erwarten?" - "Nein… e-... er hat ge-... gesagt, dass er mich nicht mehr a-... anfasst u-... und be-... bestraft." - "Wenigstens das. Also gut. Ich rede mit Iskandar, dass er gefälligst für dich sorgen soll, wenn er dich schon gegen deinen Willen schwängert, und nicht in die Clubs gehen darf. Wie kommst du drauf, dass er dich dann nicht mehr liebt?" - "ER HAT MICH NOCH NIE GELIEBT!... Es tut mir leid, ich wollte nicht… Ich… ich…" - "Schon gut", sage ich leise und streichle ihm sanft über den Kopf, "Dann frage ich anders: Warum hast du das Gefühl, so wertlos für ihn zu sein?" - "Weil ich es bin! Und das nicht nur für ihn, sondern für alle!" - "Das ist doch nicht wahr!" - "Doch. Nenne mir zwei Personen, die ich als meine Freunde bezeichnen könnte!" - "Du hattest doch diese zwei Muggel?" - "Ich darf sie nicht mehr treffen und Master al Mecca hat ihnen im Namen von mir mitgeteilt, dass ich mich nicht mehr mit ihnen abgeben will."

"Was sie sicher sehr erleichtert hat", sagt Skkylar. In Lichtgeschwindigkeit steht Azrael vor ihm und bricht ihm kurzerhand das Genick. "WAS HAST DU GETAN?!", kreischt Liam, als Skkylars Kopf leblos nach hinten kippt. "Ihm das Genick gebrochen, sieht man doch. Keine Angst, in zwei Stunden ist er wieder okay." Liam sieht schockiert zu Azrael. "Warum!?" - "Weil Aley jetzt eindeutig nicht genug fit für deine Erniedrigungen ist. Wenn du ganz lieb bist, dann leg ihn so hin, dass das Genick korrekt heilen kann. Wenn nicht, dann hat er eben bis zum nächsten Mal Kopfschmerzen." Sofort legt Liam Skkylars toten Körper gerade auf das Sofa.

Aley hat wieder angefangen stärker zu weinen und ich wiege ihn unschlüssig in meinen Armen. "Mich kannst du ganz sicher zu deinen Freunden zählen", sage ich leise. Ric kommt nun zögerlich zu uns und legt tröstend eine Hand auf Aleys Rücken, doch dieser dreht sich erschrocken um und faucht Ric an. Rics Blick ist verwirrt.

"E-... es tut mir leid!", sagt Aley niedergeschlagen. "Hast du eventuell in den letzten Nächten schlecht geschlafen? Deine Nerven liegen ja völlig blank!", sagt Ric besorgt. Aley nickt leicht. "E-...r weiss es schon la-... lange, d… dass ich t-... tragend bin u-... und ich d-... darf nicht m-... mehr bei ihm sch-... schlafen..." - "Wieso 'tragend'? Das hört sich ziemlich abwertend an", bemerke ich. "E-... er hat mir v-... verboten zu s-... sagen, dass i-... ich schwanger bin. E-... er hat befohlen, 'tragend' zu s-... sagen, weil… nur Veelas 'schwanger' sein d-... dürfen, die w-... würdig sind und…" Jetzt kommen mir auch langsam die Tränen. Warum geht mein Sohn nur so grausam mit seinem Veela um, der eigentlich sein wertvollster Schatz sein sollte? Ich habe noch nie gesehen, dass Aley irgendetwas verweigert oder falsch gemacht hätte!

"Du möchtest einen anderen Master, nicht?" - "NEIN! Ich liebe ihn doch so sehr!" - "Weiss er, dass du ihn liebst?" - "Ja… aber immer, wenn ich es g-... gesagt habe, h-... hat er nur gesagt, 'schön für dich' oder 'ist mir egal'. K-... kannst du ihn fragen, ob e-... er mich n-nach der G-... Geburt sterben lassen will? Bitte?" - "Das tu ich, aber warum fragst du ihn nicht selber?" - "I-... ich habe A-... Angst vor seiner Antwort." - "Okay. Wie lange bist du eigentlich schon schwanger?" - "Eine Woche." - "Warst du schon bei Delmore?" - "N-... nein. Morgen dann. Kommst du mit? Bitte…"

Eigentlich wollte ich mit meinen Kindern, Ric, Onyx und Azrael (Warum der mitkommen will, ist mir immer noch ein Rätsel) in ein Schwimmbad gehen, aber… "Natürlich. Wann willst du gehen?" - "Um 10 Uhr." - "Okay. Kleine Planänderung, Ric, Onyx und Azrael: Wir gehen erst um halb elf oder elf." Die beiden nicken. "Du hast gar keine Zeit?", fragt Aley kleinlaut. "Doch, für dich schon."

"Schläfst du jetzt hier?", fragt Azrael Aley. "Nein, sonst tötet mich Skkylar, wenn er wieder aufwacht… und Master al Mecca auch…" Aley steht auf und will schon mit hängenden Flügeln in sein Zimmer verschwinden. Er tut mir so unendlich leid!

"Aley, eine Frage noch: Was soll das Halsband?" - "Master al Mecca mag es", sagt er schulterzuckend. "Und du?" Nochmals zuckt Aley mit den Schultern. "Es tut nicht weh und er schaut mich dafür ein wenig mehr an, also ich denke schon", sagt Aley leise, dann verlässt er den Raum.

"Was habe ich falsch gemacht, bei Merlin!", murmle ich. "Ich glaube nicht, dass du etwas falsch gemacht hast, Sahir", sagt Ric. Er steht immer noch in meiner Nähe und jetzt setzt er sich neben mich. Tröstend legt er mir einen Arm um die Schulter.

"Aley ist eben auch kein einfacher Veela", sagt Azrael. "Gib niemals dem Veela die Schuld, haben dir das deine Eltern nicht beigebracht?", frage ich ihn. "Nicht wirklich. Solltet ihr alle nicht mal schlafen gehen? Es ist schon halb drei."

Am nächsten Morgen begleite ich Aley und Iskandar zu Heiler Delmore. Wenigstens scheint Iskandar sich so weit um Aley zu kümmern, als dass er ihn begleitet. "Sahir, ich denke, du solltest die beiden alleine lassen, denn ich muss bei Aley nicht nur einen normalen Ultraschall machen."

"Nein, bleib bitte hier", sagt Aley leise. Delmore nickt. "Gut. Lege dich bitte dort hin und mach deinen Bauch frei." Aley tut wie ihm geheissen, sieht aber überall hin, nur nicht auf seinen Bauch. Wenn er liegt, sieht man schon eine ganz kleine Erhebung. Delmore streicht etwas von dem Gel auf Aleys Bauch und beginnt dann mit den Ultraschall. "Sollte etwas weh tun, musst du es sofort sagen, okay?" Aley nickt leicht.

"Es sieht ganz so aus, als ginge es deinem Kind sehr gut…" Abermals nickt Aley, doch diesmal rinnt ihm eine kleine Träne über die Wange. Hat er sich wirklich gewünscht, dass es seinem Baby nicht gut geht?

"Machst du mit deinem Training noch weiter?" Aley nickt und ich bin verwirrt. "Gut. Mache dich bitte untenrum frei." Aley senkt den Blick und zieht sich dann ohne zu Murren aus. Ich sehe absichtlich nicht nach unten, sondern ich streichle einfach über Aley's Oberarm, was er okay zu finden scheint.

"Winkle bitte deine Beine an." Delmore drückt Aley's Beine sanft auseinander, nachdem er sich Einweghandschuhe angezogen hat.

Plötzlich zuckt Aley heftig zusammen und bleibt angespannt. Er sieht gehetzt aus und er sieht mich flehend an.

"Entspann dich, Aley. Ganz ruhig", sagt Delmore, "Je schneller du dich lockerst, desto schneller sind wir fertig."

Aley erschrickt wieder, als Delmore mit einem Finger seinen Eingang abtastet. "Du musst mir sagen, wenn etwas weh tut, Aley, okay? Das wird jetzt kurz unangenehm." Aley nickt hastig und kneift die Augen zusammen. Er faucht leise, als Delmore ihn mit einem speziellen Gerät ein wenig dehnt. Der Heiler sagt schnell: "Okay, ist gut, du kannst dich wieder anziehen."

Delmore sieht nachdenklich auf das Gerät, mit dem er Aley gedehnt hat und legt es dann auf seinen Schreibtisch. Aley sieht ängstlicher aus, je länger Delmore nichts sagt.

"Wird es dem Kind gut gehen?", fragt Iskandar. Delmore nickt langsam. "Ja… ja, dem Kind wird es gut gehen. Dir auch, Aley, keine Angst. Ich überlege nur gerade… Aley, wenn du in den nächsten sieben Wochen noch einen Zentimeter mehr hinbekommst, darfst du dein Kind ohne ärztliche Unterstützung zur Welt bringen, sonst musst du leider wieder herkommen" Aley nickt und sagt leise: "Das kann ich schaffen." - "Gut… Dann sehe ich dich nächste Woche wieder. Iskandar, achte bitte darauf, dass du ihm seine wohlverdiente Ruhe gönnst. Eine Schwangerschaft ist für einen Veela sehr anstrengend und so wie ich das sehe, macht Aley das nicht ganz freiwillig, also gib ihm was dafür. Zuwendung und Liebe sind nie schlecht." Einmal mehr senkt Aley den Kopf, während Iskandar lächelnd Delmores Anweisungen bejaht.

###

Iskandar hat kurzerhand entschieden, dass sie auch mit zum Baden kommen. Aus einem mir unersichtlichen Grund scheint Aley deswegen sehr erleichtert. Freudig und sehr motiviert packt er alles zusammen und steht dann lächelnd im Aufenthaltsraum, bis auch wir anderen fertig sind.

"ALEY, WEISST DU WO MEIN BADZEUG IST?", brüllt Iskandar aus dem Zimmer. "Ich habe für Euch bereits alles gepackt, Master", sagt Aley in einer gesitteten Lautstärke. "Oh… Danke."

Iskandar und Azrael wollen zusammen heraus finden, von wie weit oben man noch das Schwimmbecken treffen kann, also sehen wir dabei zu, wie Iskandar mit Azrael etwa zweihundert Meter über das Becken fliegt und ihn da fallen lässt.

"Ihr seid bescheuert. Alle beide", sagt Ric zu Iskandar und Azrael. Die beiden grinsen einander an. "Wir erforschen hier nur die Sicherheit der ganzen Mensch- und Muggelheit!", kichert Iskandar. "Genau. 235 Meter und ich treffe immer noch!" - "Wärest du ein Mensch, wärest du schon lange zerfetzt, Azrael", sagt Ric kopfschüttelnd. Er weigert sich immer noch, ins Wasser zu gehen, aber er kommt trotzdem jedes Mal mit.

"Entschuldigen Sie, wir haben uns gefragt, ob sie wirklich Veelas sind", fragt uns plötzlich eine alte Frau. An ihrer Seite ist ein genauso alter Mann, der freundlich lächelt. Die beiden haben zwei kleine Jungs dabei. "Ja, das sind wir. Zumindest wir zwei und die beiden, die dort drüben versuchen unter Wasser zu fliegen." Damit meint Ric Onyx und Aley. Seit wann die beiden sich gut verstehen, weiss ich auch nicht, aber ich finde es gut.

"Oh, und die beiden?", fragt die Frau und zeigt auf Azrael und Iskandar. "Der, der fliegt, ist ein Dämon und der andere ist ein geborener Vampir. Sie sind vermutlich Menschen, nicht?" - "Ja. Schlimmer noch; wir gehören zu den ganz Ahnungslosen. Wir sind nämlich Muggel", lacht die Frau. "Wirklich? Nichts gegen Sie, aber warum sind sie denn dann hier?", frage ich irritiert. Das hier ist eigentlich für Zauberer und Hexen…

"Unsere Tochter ist eine Hexe und hat uns hiervon erzählt. Hier hat es eben viel weniger Leute." Die Frau lacht erheitert. "Sie haben sich wohl ziemlich gut über diese Welt informiert, wenn sie uns als Veelas erkennen." - "Nein, aber unsere Tochter setzt sich gerne für die vollständige Freiheit aller Wesen ein. Entschuldigen sie diese Ausdrucksform, aber…", sagt der Mann. "Oh. Eine Abolitionistin. Meine grössten Feinde", sagt Ric eher zu sich selbst.

"Wie meinen Sie das?", fragt der Mann überrascht. Die Jungen haben sich unauffällig entfernt. "Nichts weiter. Oh bei Merlin! COOKIE, HÖR SOFORT AUF!", schreit Ric. Erschrocken drehen wir uns alle um. Iskandar hat nun den älteren Jungen fest um die Brust umklammert und ist im Begriff, ihn über dem Becken loszulassen. Iskandar landet knapp neben uns.

Der Junge - also Iskandar, nicht der kleine - schmollt vor sich hin und brummt: "Was denn? Das waren doch nur drei Meter, das schafft jeder ausser dir!" - "Jetzt werd mal nicht frech. Einen Meter, höher nicht, hast du verstanden?!", sage ich streng. "Aber… ach, was auch immer. Azrael, was hältst du von 500 Meter?" - "Ja, warum nicht."

Iskandar fliegt mit Azrael so weit hinauf, dass sie nur noch als zwei kleine Punkte zu erkennen sind. "Finden Sie das eine gute Idee?", fragt die Frau uns besorgt. "Sie sind selber schuld, wenn sie sich verletzen", sagt Ric achselzuckend und ich stimme ihm zu.

Plötzlich ertönt ein lautes 'Rums!' und der ganze Boden vibriert. Azrael ist mitten auf der Wiese gelandet. "Oh mein Gott!", kreischt die Frau. Mit einigem Gestöhne dreht sich Azrael auf den Rücken.

"Dem geht's gut, keine Angst", sagt Ric gleichgültig. Iskandar landet lachend neben Azrael und fragt belustigt: "Alles in Ordnung?" Azrael stöhnt nur: "Ausser dass du mir den Schädel und die Hälfte der Rippen gebrochen hast? Mir geht's ausgezeichnet." - "Ups, Tut mir leid", kichert Iskandar. Er streckt Azrael eine Hand hin, doch der winkt ab. "Lass mir fünf Minuten und dann versuchen wir das gleich noch mal. Ich habe zu früh losgelassen." - "Okay. Holen wir ein Eis?" - "Sehr einfühlsam, Iskandar. Ich glaube, dich beisse ich zuerst, falls es mal eine Vampir-Apokalypse geben sollte", brummt Azrael. "Mach das. Gehen wir?"

"Bring mir ein Schokoladeneis und einen Löffel, bitte", sage ich. "Mir auch, aber ohne Löffel", schliesst sich Ric mir an. Aley und Onyx kommen auch den Pool entlang geschlendert. Beide kichern wie zwei zwölfjährige Hufflepuffmädchen. "Würdet ihr unsere Namen bitte in alle Geschichtsbücher schreiben? Wir sind die ersten, die herausgefunden haben, dass man unter Wasser nicht fliegen kann", sagt Onyx. "Das hätte ich dir auch sagen können", grinse ich. Ich habe es auch versucht.

"Wollt ihr auch ein Eis?", fragt Iskandar. "Nein danke", sagt Onyx.

"Du darfst ein Eis haben, Onyx, du warst sehr gut", sagt Azrael. Onyx sieht ihn überrascht an. "Wirklich?", fragt er begeistert. "Ja. Geh schon und hilf Iskandar." Onyx tänzelt aufgeregt hinter Iskandar her.

"Gehört dieser Onyx zu Ihnen?", fragt die Frau skeptisch. "Nein. Er gehörte einem sehr guten Freund von mir", sagt Azrael ruhig. "Oh. Geht es Ihnen gut? Das hat nicht sehr gesund ausgesehen." - "Ja, danke der Nachfrage."

Ich gebe meinen Kindern etwas von dem geschmolzenen Eis und Iskandar und Onyx setzen sich auch zu uns.

"Sind Sie etwa schon Vater?", fragt mich die Frau überrascht. "Ja. Der da ist auch noch meiner." Ich grinse Iskandar an. Verwirrt fragt die Frau: "Wie geht das denn? Entschuldigen Sie die Frage, aber Sie sind ja wohl selber kaum 20." - "Sie können mich ruhig Sahir nennen. Nein, in Wahrheit bin ich 54, aber wir Veelas werden nicht mehr älter sobald wir mal 16 sind." - "Ach so. Nun, danke für die Antworten, ich befürchte, wir müssen langsam gehen." Die beiden Muggel lächeln alle an, dann schlendern sie gemächlich in Richtung der Garderoben.

"Nicht so schnell, Süsser." Überrascht sehe ich zu Azrael, von dem ich noch nie gehört habe, dass er jemandem einen Kosenamen gegenen hätte. Bestimmt drückt Azrael Onyx' Hände nach unten, sodass Onyx mit dem Essen aufhören muss. Mit Nachdruck faucht Onyx Azrael an. Azrael faucht leise zurück und Onyx sieht ihn an, als hätte er ihm sein Lieblingskuscheltier geklaut.

Azrael sagte: "Du darfst schon das ganze Essen, keine Angst, aber ein bisschen langsamer, sonst hast du ja nichts davon." Der Vampir gibt Onyx das Eis zurück und sieht ihn mahnend an. Onyx zieht den Kopf ein, streckt aber seine Zunge wieder nach der Süssigkeit aus. Sobald Azrael wegsieht, stresst Onyx wieder.

"Du bist wie ein kleines Kind im Süssigkeitenladen, Onyx", sagt Iskandar grinsend, doch Onyx ignoriert ihn geflissentlich.

"Onyx, die Bauchschmerzen, die du bekommst, wenn du so schnell isst, sind schlimmer als die Wehen, versprochen", meint Ric. Onyx interessiert es nicht.

"Verflucht seist du, Ysante! Onyx, Eis her." Nun nimmt Azrael Onyx das Eis aus der Hand. "Aber…", murmelt Onyx enttäuscht. "Ich habe gesagt, du sollst langsam essen. Jetzt sage eben ich, wie viel du auf einmal haben darfst." - "Onyx gehört nicht dir, Azrael!", betont Ric, "Also lass ihn in Ruhe!" - "Willst du, dass er sich den Magen verdirbt?" - "Nein… Aber gib ihm sein Eis." - "Genau!", brummt Onyx.

Er greift nach Azraels Händen mit dem Erdbeereis, um weiterzuessen, doch dann umfasst Azrael mit einer Hand Onyx' Handgelenke und mit der anderen füttert er Onyx. Iskandar kichert jedes Mal, wenn Onyx seinen Hals streckt, um noch etwas zu erhaschen. "Das ist nicht lustig, Cookie", sagt Ric ärgerlich. "Doch, sieh mal, er sieht aus wie eine Giraffe!" - "FINDEST DU ES LUSTIG, DASS ETWAS ZU ESSEN SO VIEL FÜR IHN BEDEUTET?! DAS IST EIN HIGHLIGHT IN SEINEM 3000 JAHRE ALTEN LEBEN!" - "Schrei ihn nicht an, Godric! Woher sollte Iskandar das bitte wissen?", sage ich scharf zu Ric. Onyx konzentriert sich nur auf sein Essen und bekommt gar nichts mit.

Erst als er fertig gegessen hat, ist Onyx wieder ansprechbar. "Und, hat es dir geschmeckt?", fragt Azrael. Onyx nickt glücklich und Azrael lässt Onyx' Hände los. "Toll. Bist du wieder ansprechbar?", lacht Iskandar.

Onyx grinst übers ganze Gesicht. "Wenn das mein Master wüsste… denkst du, er wäre stolz auf mich?", fragt Onyx Azrael. Ich sehe, dass Ric mit seinen Lippen 'Lüg!', formt. "Sicherlich", antwortet Azrael und Onyx grinst, wenn möglich, noch breiter.

Nach einer Weile tippt mir jemand auf die Schulter und ich sehe zu der Person hoch.

Verwirrt runzle ich die Stirn, bis mir der Groschen fällt. "Mistress Avery!", rufe ich erfreut. "Hallo Sahir!" Ich gebe meine Zwillinge Ric und stehe auf. Unsicher lächelt sie, dann umarmt sie mich so sanft, wie ihre Persönlichkeit ist. Erst bin ich ein bisschen zu überrascht, doch dann umarme ich sie zurück.

"Wie geht es dir? Bist du jetzt frei?", fragt Mistress Avery fröhlich. "Mir geht es gut und nein, bin ich nicht, wie geht es Euch, Mistress Avery?" Mia lacht ein wunderschönes Glockenspiel und stösst mich ein wenig von sich weg. "Du musst mich doch nicht mehr so nennen. Aber jetzt sag, wie geht es dir wirklich? Du bist sehr dünn geworden. Das kann nicht sonderlich gut sein für dich. Du vermisst ihn, oder?" - "Ja…", seufze ich, an Sirius denkend. "Und das, obwohl du immer gesagt hast, dass du ihn hasst", lächelt Mia. "WAS?! Nein! Ich habe Master Avery nie vermisst! Sirius ist der, den ich vermisse!" - "Sirius? Black?" - "Ja… Weisst du noch, ich habe immer von Regulus gesprochen. Ich habe gesagt, er wäre mein Freund, weil Jason mir sonst sicher verboten hätte, Sirius zu treffen."

"Bei Merlin! Bist du ein schlechter Veela!", entfährt es Ric. Grinsend sage ich: "Danke Ric. Ach ja, vielleicht sollte ich dir noch meine Freunde vorstellen, Mia. Setz dich doch zu uns." Mia setzt sich zwischen Ric und mich. Kurz stelle ich alle vor.

Freundlich sagt sie: "Freut mich. Aber warum könnt ihr hier sein, wenn ihr nicht frei seid?" - "Master Satanus ist ziemlich genial", sage ich grinsend. "Hm. Mich überrascht, dass du die Zottel behalten hast." Mia nimmt eine der Perlenketten und lässt sie sich durch die Hand gleiten, "Und die Piercings auch." - "Ja… Bei den wunderschönen Ketten, die du so liebevoll 'Zottel' nennst, hab ich's nicht übers Herz gebracht und die Piercings habe ich gewechselt, wie du siehst." - "Ist auch besser so. Hast du viele Narben?" - "Nein, fast keine. Nochmal zur Frage: Wie geht es dir?" - "Nicht schlecht, darf ich sagen. Ich hüte gerne meine Grosskinder. Bist du Vater?" - "Sieht man das nicht? Iskandar und die Babies sind meine Kinder. Und Aley dort macht mich in ein paar Wochen zum Grossvater." Aley zieht die Mundwinkel hoch, lächelt aber nicht wirklich. Iskandar hingegen grinst breit.

Mir ist schon die ganze Zeit aufgefallen, dass Aley immer irgendwie seinen Bauch verdeckt. Schämt er sich, schwanger zu sein?

Je näher der Abend kommt, desto nervöser wird Aley. "Was ist los mit dir, Aley?", frage ich ihn besorgt, als wir für alle Pommes holen. "Nichts, ich… Kann ich dich mal Etwas ganz persönliches, peinliches fragen?" Schmunzelnd antworte ich: "Mir ist nicht viel peinlich, aber du darfst es gern versuchen."

Aley druckst etwas rum, bis er ganz leise fragt: "Hat Dave gerne… Toys gebraucht?" - "Ja, warum? Tut das Iskandar auch?" Aley nickt ein wenig. Schnell entscheide ich: "Wir sprechen heute Abend." - "Danke und es tut mir leid, dass ich so viele Probleme mache..." - "Tust du nicht. Es ist sehr gut, dass du dich überwunden hast, etwas zu sagen. Ich habe ewig gebraucht. Eines frage ich mich aber doch: Warum kommst du zu mir? Ric zum Beispiel ist doch viel einfühlsamer als ich und er weiss immer, was er sagen muss." - "Du hörst mir zu und du hast früher immer mit uns spielen wollen - mit Belle und mir - und du hast Belle aufgenommen, als ich sie weggescheucht habe..." - "Ich dachte, sie sei eine nervige Klette für dich." - "War sie auch, aber du hattest Recht: Wenn man einen Master hat, der einen nur im Bett nicht ignoriert, dann wünscht man sich jemanden wie Belle." Ich nicke und genau dann stellt die Kassiererin drei Teller Pommes auf den Tisch und wir gehen zu den anderen zurück.

Am Abend schicke ich Skkylar und Iskandar aus dem Aufenthaltsraum und wende mich an Aley. "Also, du hast gesagt, dass Iskandar Toys mit dir benutzt… Du willst das offensichtlich nicht." - "Nein… Ja… Ich weiss nicht... Wenn ich nicht mitmache, dann nimmt er eben Tom und das will ich ja auch nicht…" - "Ich hatte mich nach zwei Wochen daran gewöhnt, ist das bei dir nicht?" - "Nein… Es tut jedes Mal so weh…" - "Was heisst 'jedes Mal'? Jeden Tag?" Aley nickt und murmelt: "Meistens." - "Und dir macht das gar keinen Sp-..." Es klopft dreimal.

"Ja~ha!", brülle ich. Master Satanus betritt den Raum und fragt: "Wo sind alle anderen?" - "Die habe ich weggeschickt." - "Azrael auch?" - "Ja, der ist bei den anderen im Schlafsaal. Soll ich ihn holen?" - "Nein, schon gut. Ich wollte ohnehin mit dir reden, Aley." - "Mit mir? Warum?" - "Iskandar."

"Ja, dieses Thema hatten wir auch gerade. Soll ich kurz gehen?", frage ich Master Satanus. "Nein. Iskandar sollte doch mittlerweile gesagt haben, was er von dir will?", fragt Master Satanus wieder Aley. "Ja…" - "Und doch bist du immer noch unglücklich?" Aley sagt nichts und Master Satanus seufzt schwer.n"Warum? Ich kapiere es nicht. Du kannst ihm geben, was er will… normalerweise ist das das, was Veelas glücklich macht. Oder kannst du etwas nicht?" - "Doch schon, aber nichts, was mir gefällt, gefällt ihm und was ihm gefällt, mag ich dafür nicht… Und zwar wirklich gar nichts." Master Satanus seufzt nochmals und lässt sich in den Sessel fallen, den Azrael sonst für sich beansprucht. "Ich weiss nicht, was bei euch los ist… Hat er keine Freude daran, dass du schwanger bist?" - "Doch. Sehr..." - "Das ist doch super, dann habt ihr eine Gemeinsamkeit!" - "Eben nicht! Ich will kein Kind…" - "Uhm… Was…?" Master Satanus sieht Aley so verwirrt an, dass ich denke, dass seine Augenbraue gleich unter dem Haaransatz verschwindet.

Der blonde Veela sagt eingeschnappt: "Ja, ich weiss, ich bin schon wieder anders als alle anderen und ja, ich weiss, ich muss eben damit leben." Aley steht auf und geht zu seinem Zimmer. "Bleib bitte noch ein wenig hier. Ich wollte dich nicht verletzen, falls ich das getan haben sollte." - "Nein, aber... " Aley verstummt und setzt sich wieder.

"Ich habe das richtig verstanden? Du willst kein Baby. Kein süsses, kleines, knuddliges Baby?" - "Nein, ich will kein kleines, schreiendes Baby, das mir meinen Master noch ganz wegnimmt." - "Ach so. Aber du hast nie versucht, deinem Kind zu schaden, oder?" - "Nein, mein Master würde mich dafür umbringen."

Aley zieht die Knie an seine Brust und umarmt seine Beine mit beiden Armen. Verzweifelt murmelt er: "Ich weiss nicht, was ich tun soll… In spätestens einer Woche wird Tom vermutlich wieder hinhalten müssen…" - "Nein, das sicher nicht. Ein Dämon hat kein Interesse an anderen, wenn der eigene Veela den Nachwuchs austrägt, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Dafür wirst du ihn in den ersten Tagen danach nicht mehr los." - Aley lässt den Kopf hängen.

"Du magst es also auch nicht, dich ihm hinzugeben…", stellt Master Satanus fest. "Eigentlich doch, aber er will Dinge von mir, die ich nicht will und das jedes Mal…" - "Kannst du ihn nicht um einen Kompromiss bitten?" - "Ich trau mich nicht… Ich habe Angst, dass er Tom nimmt, wenn ich ihn darum bitte…" - "Könntest du nicht sagen, dass es völlig okay ist für dich, aber du es doch schön fändest, wenn ihr es mal nach deinen Wünschen machen würdet?" - "Ja, das kann ich mal versuchen…" - "Gut, wenn du es nicht kannst, sags einfach. Ich lasse dich nicht bei ihm, wenn du von ihm weg willst." - "Danke, Master Satanus."

Trotzdem ist und bleibt Aley schweigsam und zurückgezogen.