29. Du hast gelogen!
„DU HAST GELOGEN!", brüllte Rango. Er war so in Rage wie noch nie zuvor in seinem Leben.
„Was meinst du damit?", fragte Bill, aber Rango erkannte dahinter sein verstecktes Grinsen.
„Es ist nicht unter der Stadt, nicht wahr?! Dein Hinweis war gefälscht. Das Versteck befindet sich irgendwo anders, nicht?"
Bill schnaubte. „Ich sagte dir doch, dass ich mir nicht sicher war, wo der Ort ist. Vielleicht war es nicht der richtige, oder?"
Das Chamäleon atmete heftig, seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Du… du… du… ich könnte dich umbringen!"
Gleichgültig lehnte sich Bill gegen den Roadrunner und sah ihn seelenruhig an.
„Das würdest du nicht zustande bringen, oder?", sagte er, nachdem er sich vergewissert hatte, dass Rango keine Waffe um den Bauch trug.
„WARUM!", fuhr Rango ihn an, in der Hoffnung sich dadurch etwas abzureagieren.
„Als kleine Rache für meine Behandlung. Niemand hat das Recht mich so zu misshandeln. Merk dir meine Worte, kleines Haustier."
„Du verfluchte Kreatur!" Rango sprang nach vorne und warf sich mit seinem gesamten Gewicht gegen das Gila-Monster.
Bill fiel nach hinten und beide Reptilien balgten sich wie zwei kleine Jungen.
„Hey! Bist du verrückt?!", rief Bill und warf Rango von sich.
Das Chamäleon rollte über den Boden, rappelte sich aber sofort wieder auf. Er rannte auf Bill zu und packte ihn an den Hosenträgern, während Bill versuchte auf seinen Roadrunner zu steigen.
„Du bleibst hier!", rief Rango.
„Geh von mir runter!" Bill schwang seinen Ellbogen nach ihm. Rango sprang hoch und wollte ihn am Gesicht packen. Doch stattdessen bekam er Bills Hut zu fassen. Er verlor den Halt und taumelte rückwärts, mit dem Hut in den Händen. Als Bill das Verschwinden seines Hutes bemerkte, drehte er sich hastig um.
„Nimmt deine verdammten dreckigen Hände von meinem Hut! Das war ein Geschenk von meinem Großvater!"
„Ach wirklich?!"
Langsam begann Rango seine Finger an den Rand des Melonen-Hutes zu kneten, was Bill zum Aufschreien brachte. „Nein! Wag es ja nicht! Ich warne dich! Ich schwöre, ich bring dich ohne Zögern um!"
Rango war kurz davor den Hut zu zerreißen.
„Mach keinen Mist!", schrie Bill. „Bist du so blöd?! Oder es wird dir leidtun!"
Knurrend sah Rango ihn an. „Dann sag mir wo der Ort ist!"
„Nein… Halt!"
Rango hatte die Hände um den Hut zusammengedrückt und drohte ihn zu zerknüllen.
„Okay! Okay! Du hast gewonnen! Aber lass meinen Hut!"
„Zuerst der Ort! Wo ist er?"
Bill biss die Zähne zusammen, aber er gab nach.
„Es liegt in den Mienen von Bohnes Vater", antwortete Bill schnell. „Aber dafür kann ich nicht garantieren. Bürgermeister John hatte diese Theorie geäußert, hatte aber nie was gefunden. Die Mienen sind gefährlich, ein richtiges Labyrinth und einige Tunnel sind einsturzgefährdet. Ohne diese Zahlen und Symbole wirst du nie den Weg finden ohne die Gefahr zu laufen dabei draufzugehen."
Rango verengte wütend die Augen. „Und du hattest vor in den Mienen zu verschwinden, während wir für gar nichts die Tunnel absuchen."
„Das war der Plan, ja", gab Bill zu, da Rango immer noch seinen Hut in den Händen hielt. „Aber zuerst müsste ich das Papier stehlen", murmelte er leise.
Knurrend wandte sich Rango von ihm ab. Bill wollte ihm folgen. „Hey, was ist mit meinem Hut?"
Doch Rango hob die rechte Hand. „Sei ruhig! Ich muss nachdenken."
Bill zischte wütend, hielt aber Abstand.
Unterdessen legte Rango die Stirn in Falten und marschierte auf und ab.
Anschließend griff er mit der Hand in die Hosentasche, wo er das Papier mit den Symbolen hervorholte.
„Na schön", murmelte er nach einer Weile und drehte sich um.
„Wir müssen zu den Mienen. Bring mich da hin."
Schnaubend verschränkte Bill die Arme. „Niemals."
Rango verengte die Augen und hielt Bills Hut hoch. Erschrocken zuckte die Gila-Echse zusammen. „Na gut, na gut! Ich tu es!"
„Das klingt schon besser", meinte Rango und pfiff durch die Finger. Sekunden später kam sein Roadrunner angelaufen und ließ das Chamäleon aufsteigen.
„Und was ist mit deiner Ex-Freundin?", fragte Bill spöttisch. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass sie dich in die Mienen lässt ohne ihre Erlaubnis."
„Sie soll sich nicht noch mehr in Gefahr begeben. Es ist einzig und allein mein Problem, wenn etwas schief gehen sollte."
Bill schnalzte verächtlich mit der Zunge. „Wie rührend."
„Diese verdammte Kreatur einer Wüstenratte!", fluchte Jake, als er Bills leeres Bett bemerkte.
„Wo sind sie hin?", fragte Bohne.
Mister Owlden kratzte sich am Kopf. „Irgendwo, aber nicht hier."
Jake knurrte laut. „Irgendwo anders, aber dieses irgendwo werde ich schon finden."
„Und er hat wirklich gesagt, das Gold befindet sich unter der Stadt?", hackte Mister Owlden nach.
„Allerdings", stimmte Bohne zu.
Missbilligend schüttelte die Eule den Kopf. „Er hätte eigentlich wissen müssen, dass das unmöglich ist."
Bohne sah ihn an. „Also, Sie glauben, er…"
Ein scharfes Zischen unterbrach ihren Satz. „Sollte diese fette Echse gelogen haben", knurrte Jake. „Dann bring ich ihn um UND…" Er warf Bohne einen verächtlichen Blick zu. „Ich gebe einen Dreck auf dein Versprechen für ihn. Wag es ja nicht mich aufzuhalten."
„Ich denke eher, es ist Zeit sich zu beeilen", versuchte Bohne das Thema zu wechseln. „Es ist für sie zu gefährlich da draußen ohne Schutz. Aber wo könnten sie nur sein? Bill könnte überall sein."
„Nicht für mich!", rief Jake und schlitterte nach draußen, wo er einmal um das ganze Haus kreiste und nach einer Spur von Bill suchte.
Bohne beobachtete ihn dabei. „Bist du sicher, dass du seine Spur aufspüren kannst?"
„Ich würde die Hölle einfrieren, wenn ich diese fette Echse nicht finden würde."
Er ließ seine Zunge über den staubigen Boden flackern und folgte der Duftspur.
Bohne massierte ihre Stirn. „Na gut. Zuerst sollten wir sie finden, bevor noch was Schlimmes passiert."
Sie wandte sich an Mister Owlden. „Und vielleicht könnten Sie uns erzählen, wo sich das Gold nun wirklich befindet."
Die Eule nickte. „Natürlich, Madame."
