Zusätzliche Warnings: Wer Felicity mag wird mit diesem Kapitel möglicherweise nicht glücklich sein


6. Realitätsbombe


„Was genau ist in dieser Realität schief gegangen?", wollte Barry von Chris wissen, kaum, dass er ihn im Gand Canyon wiedergefunden hatte.

„Du weißt was schief gegangen ist", erwiderte Chris nur.

„Sara", vermutete Barry.

„Ohne Sara Lance gab es keine Paragons, deswegen hat der Monitor in dieser Version der Zeitlinie auch niemals versucht sie zu rekrutieren. Pariah hat auch in dieser Version der Ereignisse dich und einige andere aus dem sterbenden Multiversum an den Vanishing Point gerettet, und dort wurdet ihr von Oliver Queen gefunden, doch nur er alleine konnte den Anti-Monitor stellen und das Multiversum rebooten. Dank der zusätzlichen Energie, die wir für ihn am Vanishing Point platziert haben, war er dazu auch fähig. Aber die Anstrengung hat ihn umgebracht", erklärte Chris.

„Und Doppelgänger? Gibt es die auf dieser Version von Earth Prime immer noch?", wollte Barry wissen.

„Ja, wir haben Earth Prime nach wie vor repariert, Barry", meinte Chris, „Das Problem ist nicht Oliver. Es ist Sara. Oder besser gesagt Laurel. Sie hat sich nicht dazu aufraffen können ihre Schwester der Lazarus-Grube auszusetzen. Wenn du zurück gehst, dann musst du…"

„Ich werde aber nicht zurückgehen", unterbrach ihn Barry.

Chris verstummte, und starrte ihn ungläubig an. „Ja, ich weiß, Sara und Oliver sind tot, aber dafür sind Laurel und Rip Hunter am Leben. Es steht mir nicht zu zu entscheiden wer leben darf und wer nicht. Wenn ich schon bei Embryos diese Entscheidung nicht treffen konnte, dann kann ich sie bei ausgewachsenen Menschen schon gar nicht", erklärte Barry, „Ich weiß, dass ich es schon mal gesagt habe, aber dieses Mal meine ich es auch so: Ich werde nicht mehr zurückgehen. Diese Zeitlinie, so sehr sie nicht das sein mag, was sie sein sollte, ist die, in der wir von nun an leben werden."

Chris zog eine Grimasse. „Du willst mir wirklich einreden, dass du Sara, nach allem, was du getan hast, um sie zurückzubekommen, einfach tot lassen willst? Dass du Oliver tot lassen willst?", wunderte er sich ungläubig, „Ich kenne dich, Barry Allen, du kannst nicht mit dem Wissen leben, dass es deine Taten waren, die ihnen das Leben genommen haben. Warum überspringen wir das Vorspiel nicht einfach und kommen gleich zur Sache? Du haderst mit dir selbst, tust es dann aber trotzdem, weil es eben das ist, was du tun musst."

„Nein", sagte Barry nur, „Mir gefällt nicht was diese Zeitlinien-Reparatur aus mir macht. Und mir gefällt auch nicht, was sie aus dir macht."

Chris lachte ungläubig auf. „Aus mir?", spottete er, „Was genau macht sie aus mir. … Oh, diesen Paradox-Typen, den Eobard Thawne erwähnt hat. Das denkst du also, ja? Du denkst ich bin ein Schurke. Jemand, der dich an der Nase herum führt?"

„Ich weiß, dass mir nicht gefallen hat, was du mit dieser Quinzel gemacht hast", erklärte Barry ruhig, „Vielleicht hat Jefferson recht, und manche Dinge sind einfach vorbestimmt und passieren auf jeden Fall, aber ich werde dem Schicksal in diesem Fall nicht zur Hand gehen."

Chris funkelte ihn sichtlich aufgebracht an. „Ich bin nicht dazu bestimmt irgendein Superschurke zu werden, ich bin dazu bestimmt Earth Prime zu retten. Zusammen mit dir!", spukte er dem Speedster entgegen.

„Nun, dann sieh deine Aufgabe als erledigt an. Wir haben Earth Prime gerettet. Oliver und Sara wären die Ersten, die dir bestätigen würden, dass sie ihr Leben bereitwillig für das von Laurel geben würden. Und wenn Kate niemals Batwoman ist, verschwindet sie niemals. Und alles andere …. nun es ist der Preis, den es gefordert hat die Welt zu retten, schätze ich", entgegnete Barry, „Wir haben gewonnen, Chris, wir haben Weihnachten überstanden. Wir haben das Jahr 2020 überstanden."

„Das wird sich noch weisen", zischte Chris, und stapfte dann wütend davon. Barry rief ihm nichts hinterher, hielt ihm nicht auf. Das hier, so sagte er sich, war die richtige Entscheidung. Es musste so sein, so hart und falsch es ihm vorkam, so sehr es ihm persönlich weh tat, er durfte diese Entscheidung nicht für die anderen treffen. Dafür aber musste er für Chris entscheiden, wann es an der Zeit war, aufzuhören. Und das war es jetzt. Ob es ihnen beiden gefiel oder nicht.


Iris hatte auch in dieser Zeitlinie keine Kräfte mehr. Barry wollte Jeffersons Rat nachkommen und mir ihr über alles reden, aber irgendwie fand er die Gelegenheit dazu nicht. Und außerdem wusste er, was sie ihm sagen würde. Sie würde es sagen, weil sie ihn liebte, und weil sie es auf jeden Fall sagen würde, um ihn zu schonen, egal ob es nun die Wahrheit wäre oder nicht. Also sagte er nichts.

In Team Flash schien sich in den letzten paar Zeitlinien nichts Augenfälliges verändert zu haben. Die Dinge waren anders, aber irgendwie auch besser. Und alles was es gekostet hat sind die Leben von Sara und Oliver. Nein, darüber wollte Barry nicht nachdenken.

Weihnachten war vorüber und seine Freunde kehrten einer nach den anderen nach Hause zurück. Sogar Ralph war wieder hier, war wieder Teil von Team Flash. Barry sollte sich freuen, dass er alles hatte, was er sich gewünscht hatte – eine heile Familie, eine heile Ehe, seine verlorenen Freunde zurück, eine Welt, auf der es Harry ebenso wie Nash geben konnte. Aber das schlechte Gewissen blieb ihm erhalten.

Er musste immer wieder an Oliver denken. Und an Sara, die arme Sara, die niemals die Chance bekommen hatte zu der Legende zu werden, die es ihr bestimmt gewesen war zu werden.

Er lud Felicity zum Essen ein. Mehr aus schlechten Gewissen heraus als aus etwas anderem. Iris wusste natürlich, dass er die Zeitlinie geändert hatte – er würde das niemals vor ihr verbergen wollen – doch sie kannte die Details nicht. Falls sie den Hintergrund seiner Einladung an Felicity durchschaute, ließ sie sich nichts anmerken.

Felicity wirkte gesund und gut gelaunt, und ahnte natürlich nicht, dass sie nur eine Zeitlinie von einem Leben mit Oliver an ihrer Seite entfernt war. Als Iris den Nachtisch vorbereitete (einen, den sie gottlob aus dem Jitters geholt hatte anstatt ihn selbst zu machen), brachte Barry die Sprache endlich auf Oliver.

„Ich weiß, dass die Feiertage hart gewesen sein müssen, ich meine, es war der erste Weihnachten ohne Oliver. Es tut mir wirklich leid, ich wollte ihn retten, ich wollte es wirklich, aber …. Es tut mir leid", schloss er, und spürte einen Kloß in seiner Kehle aufsteigen.

Felicity griff nach seiner Hand. „Barry, du musst dich dafür doch nicht bei mir entschuldigen", meinte sie, „Es freut mich, dass zumindest du noch lebst. Und Oliver … ja, ich bin traurig, aber mir kommt es so vor als würdest du seinen Verlust schwerer nehmen als ich. Ja klar, ich habe ihn einmal sehr geliebt, mehr als ich irgendjemand anderen geliebt habe, aber das ist Jahre her. Ich habe nicht mehr Anrecht auf die Trauer um ihn als du oder Dig. Im Gegenteil sogar."

Moment, was? „Aber ich dachte er war die Liebe deines Lebens", wunderte sich Barry.

„Ich glaube, du verwechselst mich mit Laurel. Wir wissen doch alle, dass sie immer die Eine für ihn war. Und alles andere …. Ja, ich wollte ihn sogar heiraten, das stimmt schon, aber im Rückblick denke ich, dass ich wegen der Gefahr und dem Adrenalin mehr in diesem gutaussehenden Milliardärssohn, der immer halb nackt vor mir geturnt hat, sehen wollte, als ich wirklich für ihn empfunden habe. Es war … wie eine Art Sucht. Die Gefahr, die Ehre die Frau im Stuhl für einen Superhelden zu sein …." Felicity schüttelte den Kopf. „Sara sterben zu sehen, zu hören, dass er mich liebt und nicht Laurel, obwohl ich wusste, dass es nur war um Slade herauszulocken, das waren sehr aufregende Zeiten, deren Kosten mir erst zu spät klar geworden sind. Rückblickend betrachtet war die Rückkehr der Paralyse das Beste, was mir jemals passiert ist. Wenn ich damals nicht entschieden hätte aufzuhören … wer weiß was aus mir geworden wäre. Ich war nie eine Heldin, immer nur das kleine I.T.-Girl, aber an Olivers Seite habe ich das vergessen, habe gedacht, dass ich mehr sein kann. Ich war so besessen davon die Heldin zu spielen, dass ich mich mit einer fragwürdigen Hacker-Organisation eingelassen habe…. Um dir die Wahrheit zu sagen, und ich weiß wie schrecklich das klingt, glaub mir, nachdem ich raus war und mein Chip wieder zu arbeiten begonnen hat, da habe ich mich regelrecht befreit gefühlt: Keine ständige Lebensgefahr mehr, keine toten Freunde, und kein Drang mehr der Gefahr entgegen anstatt vor ihr wegzurennen nur um den Mann, für den ich schwärme, zu beweisen, dass ich genauso bin wie er. Vermutlich hat es mich deswegen auch nicht so hart getroffen wie euch andere, das mit Oliver meine ich, weil er schon so lange kein Teil meines Lebens mehr war, dass es nicht so weh getan hat wie es hätte tun können", schloss sie.

Nun, in dieser Zeitlinie dürfte es keine Mia geben, fiel Barry ein, aber dieser Gedanke hielt sich nicht lange, Eine Befreiung hat sie gesagt…

Felicity schien klar zu werden mit wem sie da eigentlich gerade sprach, als sie schnell hinzufügte: „Aber das war eben nur ich. Ich meine, mit dir und Iris ist das natürlich etwas anderes, ihr habt eine echte Bindung, immer schon. Oliver und ich, wir haben uns erst kennengelernt, als er zum Arrow wurde, überhaupt nur deswegen, weil er zum Arrow wurde. Deswegen war es ja immer Laurel oder Sara oder McKenna oder Shado oder sonst jemand aus seiner Vergangenheit, weil ihn mit denen etwas Reales verbunden hat. So wie dich und Iris etwas Reales verbindet."

„Wie etwa ein Ehering?", wollte Iris wissen, und stellte das Bananen-Tiramisu auf den Tisch. „Worüber sprecht ihr gerade?"

Keiner von beiden wollte ihr darauf antworten.


Keine ständige Lebensgefahr mehr, keine toten Freunde, kein Drang der Gefahr entgegen zu rennen …. Felicitys Worte verfolgten ihn. Er hatte ihr Trost über Olivers Verlust spenden wollen, doch stattdessen hatte er gelernt, dass sie keinen Trost bedurfte, weil sie ein Leben ohne Superhelden darin führte und sich in diesem Leben befreit fühlte.

Vielleicht bin ja doch ich das Problem. Vielleicht bin ich der Faktor, durch den das alles zusammenhängt, und all meine Einmischungen haben es noch schlimmer gemacht. Für Lena Luthor, für Laurel Lance, vermutlich sogar für Batman. Er hat aufgehört mit dem, was er tut, nachdem er zu weit gegangen ist, und wer weiß schon was er danach getan hat. Vielleicht ein befreites Leben geführt, genau wie Felicity und ich habe ihn wieder zurück in sein altes Leben gezwungen. Und mit ihm alle anderen aus seiner Umgebung…

Jefferson hatte gemeint, dass manche Dinge einfach Bestimmung waren, aber er war nicht wie Kara oder Clark, seine Kräfte waren nicht angeboren, er war nicht einmal wie Oliver, sein Pfad war nicht durch Jahre hinweg auf Grund der Umstände geschmiedet worden, nein, sein Weg war ihm von der Teilchenbeschleunigerexplosion vorgegeben worden. Oder besser gesagt von Eobard Thawne.

Und durch ihn waren auch die Leben aller anderen einen bestimmten Pfad gefolgt, von Iris, über Joe und Cisco, über Caitlin bis hin zu Ralph. Sie alle würden vollkommen andere Leben führen, wenn er nie zum Flash geworden wäre. Das wusste er, da er es bereits miterlebt hatte. Und wer bin ich, dass ich sage, dass es keine besseren Leben wären?

Flashpoint war nur eine Zeitlinie gewesen, damals auf Erde-1. Inzwischen lebten sie auf einer anderen Erde, und eine Zeitlinie ohne den Flash würde anders aussehen. Nicht nur für sie, sondern auch für alle, deren Leben er durch seine Einmischungen in die Zeitlinie von Earth Prime durcheinander gewirbelt hatte. Inklusive Chris. Er sieht das Multiversum meinetwegen, wegen dem, was Eobard getan hat um mich zu erschaffen… Wenn Chris seine Kräfte niemals erhalten hätte, wäre er niemals versucht Earth Prime zu reparieren….

Aber ich bin ein Paragon, ohne mich gäbe es keinen Paragon der Liebe, und dann gäbe es Earth Prime nicht, weil niemand für Oliver die zusätzliche Energie platziert hätte, und er ohne Paragons und ohne die zusätzliche Energie vielleicht nicht in der Lage wäre den Anti-Monitor zu besiegen und das Multiversum zu rebooten…. Aber vielleicht wäre es genug, wenn es Barry Allen immer noch gäbe, aber den Flash nicht. Und war es mir nicht sowieso bestimmt mich zu opfern?

Aber nein, das waren dunkle Gedanken, fremdartige und besorgniserregende Gedanken, die sich trotz allem so gar nicht nach ihm anhörten. Er wusste, dass er als Flash sehr viele Leben gerettet und zum Bessern geändert hatte. Und er wusste, dass es auch ohne Teilchenbeschleunigerexplosion Metas geben würde. Und überhaupt, was sollte er tun? Wie sollte er Eobard jemals davon abhalten seinen Beschleuniger zu bauen? Und selbst wenn es ihm gelang seinen alten Erzfeind davon abzuhalten ihn selbst und Chris zu erschaffen … wer sagte, dass Chris dann in der neuen Zeitlinie nicht trotzdem immer noch wissen würde, dass er einst Kräfte besessen hatte und irgendwie versuchen würde sich selbst wieder welche zu verschaffen? Was wenn das erst zur Geburt von Paradox führen würde?

Nein, er hatte es sich geschworen, er hatte sich geschworen, dass er in dieser Zeitlinie leben würde, und das würde er auch. Nur weil Felicity sich befreit fühlte, bedeutete das nicht, dass sich alle anderen ebenfalls befreit fühlen würden, noch dazu wenn sie nicht einmal wüssten wovon sie befreit wären.

Und doch irgendwie hallten Felicitys Worte immer noch in seinen Kopf wieder, und irgendwie waren die Zweifel immer noch da. Sie wurden nicht weniger, wenn dann wurden sie stärker. Irgendetwas stimmt nicht mit mir, wurde Barry klar. Und es schien kein einfaches schlechtes Gewissen zu sein, keine einfache Depression, nein …. Irgendetwas wirkte nach.

Könnte es das Gas von der Attacke sein? Das Gas, das nach so vielen Tagen immer noch nachwirken sollte? Doch was sollte es sonst sein? Am liebsten hätte er Clark aufgesucht und sich in der Festung der Einsamkeit untersuchen lassen, doch der Clark dieser Zeitlinie hatte die Gasattacke nie miterlebt, er wüsste nicht einmal wonach er suchen sollte.

Also wandte er sich an Caitlin. Von Gasresten fand sie nichts, allerdings fand sie etwas besorgniserregende in seinem Blut. „Warst du in letzter Zeit einmal Ramsay besuchen?", wollte sie von ihm wissen.

„Nein, mit Sicherheit nicht", erklärte Barry überzeugt. Er hatte viele Leute besucht und war an vielen Orten gewesen, doch in keiner Zeitlinie in der Nähe von Ramsay Rosso.

„Trotzdem sind da Spuren seiner Zellen in deinen Blut, und glaub mir, wenn ich dir sage, dass das keine Überreste von vor einem Jahr sind", meinte Caitlin, „Das macht mir Sorgen."

Angesichts dessen was das letzte Mal passiert war, machte es Barry ebenfalls Sorgen. Wenn er von Bloodwork wieder infiziert worden war …. „Wir müssen dieses Zeug aus mir rausholen, bevor….", begann er, doch viel weiter kam er nicht, bevor sein Blickfeld verschwamm, und dann wieder ein Ramsay vor ihm stand, von dem er wusste, dass er nicht da sein konnte.

Nein, nicht schon wieder….

„Wie es scheint, machen wir das jetzt einmal pro Jahr", stellte Ramsay fest, „Aber hier drinnen ist es inzwischen interessant geworden, Barry. Sich ständig ändernde Zeitlinien …" Er schnalzte mit der Zunge und schüttelte tadelnd den Kopf. „Sollten wir das inzwischen nicht besser wissen?"

„Wie hast du das angestellt?", wollte Barry wissen.

„Einfach, ich habe den Klon deiner Frau infiziert, als sie mich besucht hat, und dann bei der erstbesten Gelegenheit Wirt gewechselt, so lange bis ich den gefunden habe, den ich wollte: nämlich dich, Barry Allen. Ich habe dazu gelernt, habe ich mich nicht gezeigt, nur abgewartet bis ich von Eva McCulloch auf die echte Iris springen konnte, und dann auf eine Gelegenheit gewartet dich zu infizieren, ohne, dass du es bemerkst. Dieses gemeinsame Essen mit Felictiy hat war eine gute Gelegenheit mir gleich zwei neue Wirte zu holen. Über die letzten Monaten hinweg habe ich dein ganzes Team, deine ganze Familie, infiziert. Ich habe nichts getan, einfach nur abgewartet, bis ich genug Kräfte gesammelt habe um das zu tun, was ich möchte, bis ich aus uns allen das machen kann, was du immer wollest: Eine echte Familie. Wir sind jetzt durch Blut miteinander verbunden, wir alle", erklärte ihm Ramsay freundlich, „Ich weiß ja, dass dir das letzte Mal nicht sonderlich gefallen hat, aber dieses Mal bin ich bereit für eine echte Partnerschaft, was meinst du? Ein wenig von uns beiden. Wenn das dazu führt, dass du dich nicht mehr wehrst, dann…."

„Nein!" , rief Barry aus und rannte los, als würde das irgendetwas helfen, er wusste nicht einmal, ob er wieder ohnmächtig geworden war und sich das alles nur in seinen Kopf abspielte, oder ob er bei Bewusstsein war, aber er rannte und rannte und rannte….

… und fand sich vor StarLabs wieder. In der Nacht der Teilchenbeschleunigerexplosion. Nein, was mache ich hier? Ich sollte nicht hier sein! Ich sollte nicht…..

Brennender Schmerz zuckte durch seinen Schädel, und er krümmte sich zusammen. „Verdammt, Barry, du solltest nicht hier sein. Du darfst nicht riskieren mit dir selbst zu intergieren, das solltest du doch wissen!" Thawne? Eobard stand ihm gegenüber mit Dr. Wells Gesicht, und Barry wusste nicht einmal um welchen Eobard es sich handelte, den aus der Vergangenheit oder den aus seiner Zeit - er wusste nicht einmal ob irgendetwas von dem hier real war, oder ob es sich nur in seinen infizierten Geist abspielte.

„Bl-Bloodwork", stotterte er, „Er hat mich infiziert…."

Eobard näherte sich ihm bedrohlich. „Nun dann müssen wir dich aus dem Spiel nehmen, nicht wahr?", meinte er, und wirkte auf einen Schlag bedrohlicher als jemals zuvor.

Instinktiv wich Barry vor ihm zurück. „N-Nicht!", rief er noch aus, bevor ihn der andere Speedster attackierte. Doch Eobard hörte nicht auf ihn, er griff ihn an, und dann …wurde alles schwarz um ihn herum.


Als er wieder zu sich kam, hatte ihn jemand auf einer Liege festgeschnallt. Was ist passiert? Wo bin ich? Das hier sah nicht wie StarLabs aus, aber Barry erkannte das Haus wieder, das hier war Dr. Wells, also Eobards, altes Haus. Barry war hier gewesen, nachdem Hartley den vermeidlichen Dr. Wells angegriffen hatte. Bin ich doch in der Vergangenheit?

„Ich habe dafür eigentlich überhaupt keine Zeit, Barry. Ich muss den Teilchenbeschleunigerlaunch durchführen", erklärte ihm Dr. Wells, als er in seinen Gesichtsfeld auftauchte. Eobard! Es war, wie es aussah, eindeutig der vergangene Eobard.

„Du wirst dich freuen zu hören, dass ich Bloodworks Infektion aus dir extrahiert habe. Du bist wieder 100% du Selbst. Was gut ist, weil ich dich so haben will, wenn ich dich töte", erklärte Eobard, und warf einen Blick auf seine Uhr, „Aber das wird warten müssen."

„Warte, was hast du mit Bloodworks Zellen gemacht?", wollte Barry wissen.

„Das hat dich nicht mehr zu interessieren", meinte Eobard, „Bald hat dich nichts mehr zu interessieren. Dafür werde ich schon Sorge tragen."

„Du kannst mich nicht töten", behauptete Barry.

Eobard warf ihm einen genervten Blick zu. „Es stimmt, dass ich dich brauche, aber ich brauche den Barry Allen, der dort draußen rumläuft, und nicht den, den ich hier auf einer Liege festgeschnallt habe. Also denke ich schon, dass ich dich töten kann. Aber danke für den Hinweis", meinte er, „Natürlich könnte ich auch einfach abwarten, bis die Speed Force dich für mich erledigt, aber ich denke es macht mir viel mehr Spaß, wenn ich es selber tue. Auf jeden Fall, muss ich jetzt los. Ich kann zu meinen großen Moment nicht zu spät kommen." Er zwinkerte Barry zu, und war dann auch schon wieder weg.

Der blufft doch. Barry war sich zu 80% sicher, dass Eobard nicht vorhatte seine Drohung wahr zu machen und ihn umzubringen, aber 20% Zweifel reichten ihm aus. Er würde nicht hier festgeschnallt liegen bleiben und abwarten, was passieren würde. Es war an der Zeit sich zu befreien und aus seinen Fesseln zu vibrieren.

Da er immer noch angeschlagen war, brauchte er dafür länger als erhofft. Aber immerhin kam er frei und stellte fest, dass er nicht ganz sicher auf den Beinen stand. Was noch? Ach ja, ich muss die Probe finden, Bloodworks Zellen dürfen auch keinen Fall in Thawnes Hände fallen…

Das war leichter gesagt als getan, da Barry das ganze Haus durchsuchte und nichts fand. Verdammt, er hat sie mitgenommen. Er wusste, dass ich mich befreien würde, und das war ihm auch recht, es ging ihm nie um mich, er wollte Bloodworks Zellen…. Was sollte er jetzt nur tun? Er konnte nicht einfach so zu StarLabs gehen und Thawne dort vor aller Augen stellen, aber …. Wenn ich es nicht tue, wer weiß was dann mit der Zeitlinie passiert?!

Ramsays Kontrolle erstreckte sich vermutlich nicht über die Zeit hinweg, aber wenn es Eobard gelang Bloodworks Kräfte für seine eigenen Zwecke einzusetzen …. Dann könnte er den komatösen Barry infizieren und sich so einen persönlichen Flash-Sklaven heranzüchten. Und das wäre erst der Anfang. Er könnte sich Vibe und Frost auf diese Weise holen, und möglicherweise sogar Firestorm, und natürlich den Arrow, Canary, selbst Deathstroke und Malcolm Merlyn, Damien Darhk… Nein, Barry wollte diesen Gedanken gar nicht erst weiterverfolgen. Worauf es jetzt ankam war das zu verhindern. Um jeden Preis. Er musste einfach riskieren die Zeitlinie mit seiner Anwesenheit zu kontaminieren, wenn er damit dieses Alptraumszenario verhinderte.

Er kam gerade rechtzeitig an um mitzuerleben wie Ronnie und Cisco in den Teilchenbeschleuniger hinabstiegen. Mit ihnen verschwendete er keine Zeit, er achtete nicht einmal auf Caitlin, sondern stürzte sich direkt auf Eobard, zog ihn in seine Speed Force, und rannte mit ihm hinaus aus StarLabs, in eine leere Seitenstraße, die von der Polizei auf Grund der Proteste abgesperrt worden war.

„Wo ist es?! Gibt es mir! Gib mir Bloodworks Zellen!", verlangte Barry.

Eobard lachte nur. „Du verpasst gerade deine eigene Geburt, Flash", merkte er an.

„Dafür verhindere ich die Geburt von einem noch schlimmeren Monster!", gab Barry hitzig zurück, „Rück die Probe raus!"

Eobard lachte wieder. „Oh, Barry, denkst du wirklich, ich hätte riskiert, dass du sie mir so einfach abnehmen kannst? Es ist zu spät, ich habe sie mir schon lange injiziert", erklärte er.

„Du hast was?!", Barrys Stimme überschlug sich fast, als er von dieser Wahnsinnstat erfuhr. „Bist du irre? Du bist Wissenschaftler, du weißt wie gefährlich das ist! Und du weißt nicht wie diese Zellen auf deine eigenen Meta-Kräfte reagieren, wie sie mit deiner künstlichen Speed Force in Wechselwirkung treten, oder der echten Speed Force oder der …." Er kam nicht mehr dazu Explosion zu sagen, da in diesem Moment der Teilchenbeschleuniger explodierte.


„Barry, Barry hörst du mich? Ich bin's. Chris hat mich geschickt, damit ich dich hole, er hat mir gesagt was passiert ist." Jemand redete auf ihn ein.

„Wally?" Barry schlug die Augen auf, und starrte in Wally Wests besorgtes Gesicht. „Aber … wie bist du … du hast doch keine eigene Speed Force", murmelte er verwirrt.

„Ich brauche keine eigene Speed Force, ich habe die Speed Force", erwiderte Wally, „Ich glaube, du bist immer noch etwas verwirrt von der Explosion."

So konnte man es auch nennen. Chris ist einfach zu Wally gegangen? Na toll, soviel dazu seinen Weg in den Abgrund zu verhindern… Aber wieso hatte Wally eigentlich noch Kräfte? Ist die Speed Force nicht gestorben? Vielleicht war sie das in dieser Zeitlinie ja nicht.

Übrigens Zeitlinie. „Wann sind wir?", wollte er wissen.

„Heute ist der 1. Januar 2021. Prosit Neujahr", teilte ihm Wally mit, „2020 ist endlich überstanden."

Das war, wenn er ehrlich war, die geringste von Barrys Sorgen. Er richtete sich auf und sah sich um. Er schien sich in einer dunklen Gasse zu befinden, saß am Boden. „Was ist passiert?", wollte er wissen.

„Der Teilchenbeschleuniger ist explodiert, und ich habe dich von dort weggeholt, gerade noch rechtzeitig bevor die dunkle Materie dich erwischen konnte. Wer weiß was die sonst mit dir angestellt hätte? Chris hat mir erzählt, dass ihr euch zerstritten habt, du solltest ihm danken, vermutlich hat er dein Leben gerettet, Mann", erklärte Wally.

„Was ist mit Thawne?", wollte Barry wissen.

„Den vergangenen oder den gegenwärtigen?", erkundigte sich Wally.

„Beiden. Er hatte Bloodworks Zellen. Hat sie sich injiziert…." Barry schauderte. Sein Alptraumszenario hatte Gestalt angenommen, er hatte es nicht verhindern können.

„Wer oder was ist Bloodwork?", wollte Wally wissen.

Nun, Barry nahm an, dass er mit dieser Frage hätte rechnen sollen. „Das ist im Moment egal. Was ist mit Thawne nach der Explosion passiert?", wollte er wissen.

„Nun, er wurde Red Death, nur wusste das zunächst keiner", sagte Wally, „War das nicht immer so?"

„Red Death?" Barry verstand gar nichts mehr. „Eobard ist der Reverse Flash. Gelber Anzug, böser Speedster?", meinte er, „Klingelt da nichts bei dir?"

Wally blickte an seinem eigenen Anzug hinab. „Ich bin der gelbe Speedster", meinte er leicht verschnupft.

Ich sehe schon, dass das zu nichts führt. „Ich glaube das hier wird einfacher, wenn ich mit Chris spreche", meinte er.

Wally schnaubte. „Viel Glück, er will nämlich nicht mit dir sprechen. Ist beleidigt, weil du ihn abgeschossen hast und dann ohne seine Hilfe zurück in die Vergangenheit gereist bist", erklärte er.

„Das war ein Unfall", verteidigte sich Barry, „Was er eigentlich genau wissen sollte. Und wenn er dich geschickt hat um mich zu retten, dann kann er nicht allzu sauer auf mich sein."

Wally zuckte nur die Schultern. „Das letzte Mal hab ich ihn in StarLabs gesehen", meinte er, „Vielleicht redet er ja doch mit dir."

Das wollte Barry ihm auch gerate haben. Er rannte nach StarLabs. Chris schien ihn zu erwarten, saß vor den Satelliten-Daten, und drehte sich zu Barry um. „Und du denkst wirklich ich wäre die Gefahr von uns beiden?", wollte er mit belegter Stimme wissen.

„Spar dir das. Es war nicht meine Schuld. Es war die von Bloodwork. Was immer es ist, Ramsay und Eobard haben es zu verantworten, ich bin nur der Trottel, der es ihnen ermöglicht hat", erwiderte er bitte, „Sag mir lieber wie schlimm es ist."

„Oh, es ist sehr schlimm", meinte Chris, „Auf uns wartet eine Menge Arbeit, und selbst dann … ich kann nicht versprechen, dass wir diese Zeitlinie retten können. Jetzt wo ein anderer Speedster im Spiel ist, noch dazu Eobard Thawne…"

„Sag mir einfach nur, was ich tun muss", wollte Barry wissen, „Wie kann ich ihn aufhalten?"

Chris schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht sicher", räumte er ein, „Du müsstest weit genug zurück, und …. Nein, nichts davon würde dir gefallen."

„Sag mir nur wie viele er getötet hat", forderte Barry zu erfahren.

„Absichtlich oder unabsichtlich?", gab Chris zurück. Weil das ja genau die Art von Antwort war, die man auf so eine Frage hören wollte.


A/N:Nun, zumindest ist Weihnachten vorbei, sieh es positiv, Barry.

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