Lily Evans
Der September war ohne weitere Vorkommnisse an uns vorbei gerauscht und der Oktober stand vor der Tür. Es wurde langsam kälter und das erste Quidditch Spiel stand vor der Tür. Die Lehrer hielten uns noch immer Vorträge darüber, wie wichtig dieses Jahr für unsere Zukunft sein würde und wir unsere UTZ sehr ernst nehmen sollten.
Die meiste Zeit verbrachte ich zusammen mit Remus in der Bibliothek, wo wir zusammen lernten. Meist lernten wir jeder für sich selbst, doch die Fächer die wir zusammen hatten, lernten wir auch zusammen und fragten uns die wichtigsten Dinge nach jeder Stunde nochmal ab. Ab und an waren auch Mary und Peter zu uns gestoßen. Peter versuchte sich an den Fächern, die er noch immer nicht so gut beherrschte und Mary lernte die meiste Zeit schweigend in ihrer Ecke und unterhielt sich nur dann mit uns, wenn wir sie ansprachen.
Remus und ich waren uns ziemlich ähnlich, wenn es um unsere Schulausbildung ging – ich versuchte so gut wie möglich in jedem Fach zu sein, um zu beweisen, dass man nicht unbedingt aus einer Zauberer Familie stammen musste, um Erfolg zu haben und Remus strengte sich stets an, damit Dumbledore ihn nicht von der Schule verwies wegen seinem kleinen pelzigen Problem. Das hatte uns ziemlich schnell miteinander verbunden, dass wir versuchten uns durch den Schulalltag auf in Hogwarts zu kämpfen.
Noch immer hatte Remus Angst davor, dass man ihn von der Schule nahm, wenn Jemand davon erfahren würde, dass er ein Werwolf war und seine größte Angst war es, dass er nach der Schule keinen Fuß in der Gesellschaft fassen könnte. Wir konnten sagen, was wir wollten und so oft wir es wollten, doch es schien ihn nicht zu beruhigen. Und das beunruhigte uns alle. In den folgenden Wochen sah ich oft, wie Mary Remus beim Lernen oder Essen verstohlene Blicke zuwarf, doch dieser war ganz in seiner eigenen Welt sobald er ein Buch in den Händen hielt und bekam davon gar nichts mit. Ich hatte immer das Gefühl, dass Mary sich am besten mit Peter verstehen würde, immerhin hingen die beiden die meiste Zeit miteinander rum, wenn sie nicht gerade mit ihren Freundesgruppen unterwegs waren.
Wir saßen wieder in der Bibliothek, als ich Mary dabei erwischte, wie sie ihren Kopf auf ihrer Hand abstützte und ganz ohne Sorge ihren Blick auf Remus richtete, dieser kaute auf seiner Feder herum und blätterte dabei nachdenklich in seinem Buch gegen die Dunklen Künste herum. Ich stupste meine beste Freundin sanft in die Rippen und sie ließ ihre Feder erschrocken auf den Tisch fallen und blickte mich ertappt an. „Hast du mir etwas zu sagen?", flüsterte ich, rutschte ich dabei näher an sie heran und deutete dabei auf Remus, der sich von dem Lärm nicht ablenken ließ. Mary schüttelte jedoch nur verlegen ihren Kopf.
Mary MacDonald war nicht nur die jüngste von uns, sondern auch die kleinste. Sie war eher schüchtern und nicht so aufgeschlossen wie Marlene, sie hielt sich auch eher im Hintergrund als sich in den Mittelpunkt zu stellen. Sie war ein Naturtalent in Zauberkunst und Arithmetik. Sie war die Art von Freundin, die dir viel mehr gab als sie je von dir verlangen würde und das schätzte ich so sehr an ihr, sie war immer für ihre Freunde da und doch hielt sie es einem nie vor. Wenn du Hilfe brauchst, dann ist sie auf der Stelle an deiner Seite. Selbst dann, wenn sie Angst davor hat, sie wird die helfen. Und das liebte ich so sehr an ihr. Sie war so etwas wie meine kleine Schwester, die ich nie hatte. Wir beiden verstanden uns oft auch einfach ohne Worte, was es um einiges einfacher machte, dass wir unsere Geheimnisse vor anderen verheimlichen konnten. Mary verstand sich meist super mit allen, die sie begegnete, wenn sie denn erstmal den Mut aufbringen konnte sich mit ihnen zu unterhalten. Ein sehr schüchternes, doch super liebes Mädchen war Mary.
Ich schob ihr einen kleines Stück Pergamentrolle mit der Frage „Remus Lupin?" entgegen und lächelte sie aufmunternd an, als sie mich verlegen ansah und leicht nickte. Sie lächelte ihr süßestes Lächeln, als sie nach oben blickte und Remus direkt in die Augen blickte, dieser hatte nämlich aufgehört zu lesen und sah fragend zwischen mir und Mary hin und her. „Habe ich etwas verpasst?", fragte er in seinem stets verwirrten Ton und ich fing an zu kichern, als ich seinen fragenden Blick sah, der sich nur noch mehr auf mich richtete als ich lachte. Schnell schüttelte ich meinen Kopf, als Mary mich unter dem Tisch trat und lächelte ihn unter zusammen gekniffenen Lippen an.
„Nein, alles gut. Aber ich werde nun mal in unserem Turm gehen, ich muss noch mit James etwas besprechen", log ich und grinste Mary aufmunternd an, als diese mich Hilfe suchend ansah und mich so versuchte vom Gehen abzuholen. „James ist aber mit Sirius unterwegs, du –" „Schon gut, Rem. Ich werde ihn schon finden. Wir sehen uns später", winkte ich ab und lächelte die Beiden nochmal über die Schultern an, als ich auch schon durch die Tür verschwand.
Planlos lief ich aus der Bibliothek durch die Gänge, hatten wir an dem Tag keine weiteren Stunden mehr vor uns, weshalb ich in Richtung unseres Schulsprecherturms lief, um dort meine Schultasche zu verstauen und dort etwas zur Ruhe zu kommen. Doch eine laute, mir bekannte Stimme ließ mich zusammenzucken und ich blieb mitten im Gang stehen, um zu lauschen vorher das kam. Es war eindeutig Severus, der sich mit Jemanden stritt, aber ich konnte nicht hören mit wem, denn derjenige sprach ziemlich leise. Ich lehnte mich leise an die Ecke und blickte in den dunklen Flur, aus welcher Severus laute Stimme hallte.
Es traf mich wie der Blitz, dass war James der vor Severus stand, er war ein paar Zentimeter größer wie Severus, weshalb dieser ein paar Schritte zurück wich, um so besser mit ihm sprechen zu können – besser gesagt, ihn laut anzuschreien. Um was es wohl zwischen den Beiden ging? Ich wusste zwar, dass die Beiden sich hassten. Noch so ein unbeschriebenes Gesetzt in Hogwarts. Ich wollte näher an die Beiden herantreten, umzuhören um was es ginge, doch ich blieb wie angewurzelt stehen, als ich meinen Namen aus Severus' Mund hörte. Er stand mit dem Rücken zu mir, er konnte mich also gar nicht sehen.
„Ich habe dir schon einmal gesagt, dass du dich von ihr fernhalten sollst, Potter", Severus Stimme klang verächtlich und ich hätte schwören können, dass er in diesem Moment versuchte Potter mit seinem Blick zu töten. Doch Potter ließ sich davon nicht beeindrucken, auch er schien mich noch nicht bemerkt zu haben, denn er blickte auf Snape hinab und zuckte mit den Schultern. „Weißt du, Schniefelus. Dein Problem ist, dass du noch nicht bemerkt hast, dass sie nicht mehr mit dir befreundet sein will. Remus hat mir alles von eurem Gespräch erzählt", er trat, wie ich sehen konnte, näher auf Snape zu und hielt ihm wohl seinen Zauberstab ins Gesicht, was Snape zurückzucken ließ.
„Benutzt du noch einmal dieses abscheuliche Wort in ihrer Gegenwart, dann passiert aber was. Komme Lily nicht zu nahe, Schniefelus. Ich will dich nicht in ihrer Nähe sehen, weder im Unterricht, auf den Fluren noch sonst wo. Du und deine Todesesser Freunde solltet euch von ihr fernhalten" „Oh, oh. Soll ich nun Angst haben, Potter?" „Solltest du. Ich werde nicht zulassen, dass du ihr wehtust" und nun war es, der ihn gegen die Wand drückte, wie es einst Remus am Anfang des Schuljahres getan hatte und James Worte hallten nun durch den ziemlich ruhigen Flur. „Und sollte ich von ihr oder auch nur irgendwem anderen hören, dass du sie gegen ihren Willen anfassen tust, dann breche ich dir jegliche Knochen so oft, dass Madam Pomfrey die nicht so einfach wieder zusammengesetzt kriegt!"
Er stoß ihn gegen die Wand und schritt von Snape weg, ohne ihm einen weiteren Blick zu würdigen, doch der Slytherin Schüler schien sich in seiner Sache zu sein, denn ich konnte seine Stimme gleich darauf wieder vernehmen, nachdem er seine Robe wieder gerichtet hatte. „Lily wird dich nie mögen, Potter. Sie hasst dich. Und du bist ihr zu wider, mit deinen ganzen reinblütige Freunden, als würde sie sich als Schlammblut mit euch anfreunden."
Meine Hände ballten sich zu Fäusten, als ich um die Ecke trat und tief Luft holte, um diese anzuhalten. James Blick war starr nach vorne gerichtet, er hielt noch immer seinen Zauberstab fest mit seinen Fingern umschlossen. Er sah mich erschrocken an, als er mich erkannte. „Evans", flüsterte er als ich neben ihm stehen blieb und Severus herablassend ansah; er sollte nur nicht sehen, wie verletzt ich von seinen Worten war.
Er zog seinen Zauberstab hervor, meine Hand war genauso schnell bei meinem, welcher in meiner Umhangtasche lag. „Wag es nicht, Schniefelus", murrte ich und blieb neben James stehen, hielt ihn jedoch mit meiner Hand davon ab sich umzudrehen. „Du willst wirklich einen Zauber gegen die Schülersprecherin aussprechen? So mitten im Flur und am Helligen Tage, ohne besonderen Grund? Was habe ich dir nur getan, dass du so tief gesunken bist", ich rümpfte leicht meine Nase und hielt meinen Zauberstand weiterhin schützend vor mir, stets darauf bedacht ihn zu entwaffnen.
„Seid ihr nun Freunde, Evans?", mein ehemals bester Freund musterte mich mit Ekel in den Augen und ich biss mir auf die Unterlippe, denn ich wollte ihm nicht die Genugtuung überlassen, dass er mich mit seinen Worten und Taten verletzte. Das würde er nie wieder zu sehen bekommen. „Selbst wenn, ist das ein Grund deinen Zauberstab zu erheben. Hast du etwa Angst –", doch bevor ich überhaupt zu ende sprechen konnte richtete Snape seinen Zauberstab auf mich und schrie „Stupor" In dem Moment war ich so geschockt, dass ich nicht dazu kam einen Gegenzauber auszusprechen und ich machte mich auf die Wirkung des Schockzaubers bereit, doch im selben Moment hörte ich James neben mir „Expelliarmus" rufen, wobei er den Zauber von Snape zwar nicht abhielt doch ihn entwaffnete.
Ich flog mit einem Stöhnen einige Meter weiter nach hinten und fiel mit einem lauten Krachen auf meinen Rücken. „WIE KANNST DU ES WAGEN SIE ANZUGREIFEN?", hörte ich James schreien und wollte aufstehen, doch mein Rücken tat so sehr weh, dass ich meinen Kopf wieder sinken ließ und langsam spürte, wie alles um mich herum schwarz wurde, denn ich war ziemlich doll mit dem Kopf aufgekommen, als ich auf dem kalten Marmorboden zu fall kam. „Was ist hier denn los?", hörte ich Professor McGonagalls Stimme leise und verlier schlussendlich mein Bewusstsein.
