Zusätzliche Warnings: Horror, Gore, implizierter Kannibalismus. Ja, dieses Kapitel wird grauslich, betrachtet euch als vorgewarnt.
III.
Die Dinge liefen langsam besser. Nicht gut. Nicht wirklich. Aber besser. Von abwegigen Ideen über Anti-Depressiva für Vampire via Blutbeutel mal abgesehen, war Doktor Sulez genau das, was Damon gebraucht hatte. Jemand, der ihm half, und das ohne ihn unter Drogen setzen zu müssen. Und ja, er bewachte ihn eifersüchtig, aber das hatte seine Gründe - der gute Doc war tief in seinem Herzen ein Romantiker – er besaß zwar jeden einzelnen Roman von Anne Rices Vampirchroniken, hatte aber scheinbar nichts aus der Lektüre gelernt, und Damon wollte ihm ein unangenehmes Erwachen ersparen. Also hielt er aktiv alles andere Übernatürliche von ihm fern.
Mit den anderen lief es auch langsam besser. Caroline und Ric wurden langsam aber ständig besser darin die Zwillinge unter Kontrolle zu halten, Mary Louise erlitt keine weiteren Zusammenbrüche mehr und das Thema Hochzeit schien langsam ernst zu werden, Stefan hatte sich mit einem neuen Vampir namens Jack angefreundet, den er öfter mal mit zur Gruppe nahm, und der zu Stefan aufzublicken schien (so seltsam das auch war), und Bonnie war auf ein paar Dates mit Männern gewesen, die nicht Enzo waren, was zwar zu nichts geführt hatte, aber Damon zufrieden stellte. Enzo schwänzelte trotzdem noch immer als „nur Freund" um sie herum, aber wenn sie ihn aus der Masse der alleinstehenden attraktiven Männer aus ganz Dallas und Richmond auswählte, dann gab es nichts was Damon dagegen tun konnte, und dann würde er sich einfach damit abfinden müssen, dass Bonnie keinen Geschmack besaß, und lernen müssen mit Bonnie und Enzo als Paar zu leben, doch er hoffte immer noch, dass es nie dazu kommen würde.
Die Zeit verging, und irgendwann stellte Damon fest, dass es schon fast wieder Herbst war. Nora und Mary Louise hatten beschlossen im Goldenen Herbst heiraten zu wollen. Die Aussicht auf eine Hochzeit machte Ric sichtbar nervös, aber nicht nur ihn. Damon konnte sich auch Angenehmeres vorstellen als den Gedanken an eine weitere Hochzeit. Wenn er sich daran erinnerte, dass die letzte jetzt schon über ein Jahr her war, dann erinnerte er sich auch daran, dass Elena jetzt schon über ein Jahr weg war. Selbst wenn man die Wochen, die er im Phönix-Stein zugebracht hatte, abzog, war das doch eine erstaunlich lange Zeit, die er ohne sie verbracht hatte, und trotzdem vermisste er sie keine Sekunde weniger als an Tag Eins.
Vielleicht war es doch eine gute Idee gewesen aus Mystic Falls wegzuziehen, die wöchentlichen übernatürlichen Katastrophen blieben aus – Texas war ruhiger als Virginia wie es aussah. Abgesehen von ihren ansässigen Vampiren, Hexen, und Vampir-Hexen, und den ab und zu vorbeisehenden Werwolf schien es hier nichts Übernatürliches zu geben. Vielleicht wäre das das Leben, das Rics Kinder leben sollten - und nicht nur sie, sondern die Erwachsenen ebenfalls leben sollten, ein ruhiges Leben ohne unnötiges Drama.
Natürlich konnte es nicht so bleiben. Aber es war ein schöner Traum gewesen, solange es gehalten hatte.
Sie saßen gemeinsam beim Essen im Saltzman-Haus. Es war so etwas Ähnliches wie das Probedinner für die große Häretiker-Hochzeit. Sogar Valerie war aufgetaucht, vermutlich weil ihr Schlimmes angedroht worden war, falls sie nicht kommen würde. Die meisten Anwesenden waren Vampire und brauchten im Grunde nur Blut, aber das hatte Nora und Mary Louise nicht davon abgehalten sich ein dekadentes Mahl für ihre Hochzeit zusammenzustellen, das alle Einwohner eines verarmten Dorfes in Afrika drei Wochen lang ernähren könnte, wie man so schön sagte.
Solange es Bourbon gab, hatte Damon dagegen aber nichts einzuwenden. „Was wurde eigentlich aus unserem Weinkeller?", sinnierte Damon, als er sein Glas voll von Bourbon in seiner Hand betrachtete, „Hat Donovon sich all unseren über die Jahrhunderte angesammelten Alkohol unter den Nagen gerissen? Hat er ihn auf Ebay weiterverkauft? Da waren Flaschen dabei, die mehr wert sein als drei seiner Jahresgehälter zusammengenommen…." Was für ein erschreckender Gedanke. Abrupt wandte er sich an Tyler. „Lockwood, das ist deine nächste Mission, geh nach Mystic Falls und rette, was von unserem Weinkeller noch übrig ist. Wenn du es gut machst, dann kannst du dir sogar auch eine Belohnung aussuchen."
Der Werwolf zog eine Grimasse. „Ich bin nicht dein Botenjunge, Damon. Wenn du ein Problem mit Matt hast, denn besprich es persönlich mit ihm", gab er zurück, „Im Übrigen weiß ich ja nicht einmal warum ich jetzt hier bin…" Er warf einen unsicheren Blick hinüber zu den Bräuten, die gerade über irgendeinen gemeinsamen Witz lachten. „Ich kenne die beiden kaum, und fühlte mich irgendwie schuldig, wenn ich auf die Hochzeit von den Mörderinnen der gesamten Polizei unserer Heimatstadt gehe."
„Schnee von gestern", behauptete Damon und schnippte die Vergangenheit demonstrativ weg, „Das war vor dem Vampir-Rehabilitationsprogramm. Außerdem sollte man die Feste feiern, wie sie fallen. Freu dich doch darüber, dass sie krampfhaft versuchen die Gästeliste aufzustocken."
Mary Louise war immer noch kein Partylöwe, sie war nicht gerade beliebt, und die paar Studienfreunde von Nora machten das Brot nicht gerade fett. Die Hochzeitsgesellschaft setzte sich vor allem aus den hier Anwesenden zusammen – Bonnie, Enzo, und Valerie, den Salvatore-Brüdern, Caroline, Alaric, und den Zwillingen, Jack, und eben Tyler Lockwood, den die Bräute bei seinem letzten Besuch hier einfach eine Einladung aufgedrängt hatten. Sie hatten auch Jeremy einladen wollen, und sogar Doktor Sulez, aber da hatte Damon die Grenze gezogen, denn nein, eine Vampirhochzeit war kein Ort für unvorbereitete Sterbliche.
Dafür dass sich die beiden Bräute eine große Hochzeit wünschte, würde sie eindeutig unterbesetzt sein, zumindest an Gästen, die sie tatsächlich kannten, Damon zweifelte nicht daran, dass sie sich eine entsprechende Masse an nichtsahnenden Gästen zusammenmanipulieren würden. Er würde sich mit Caroline zusammentun müssen um dafür zu sorgen, dass die ganze Hochzeit trotzdem noch unauffällig blieb, und Bonnie darauf ansetzen Nora auszureden Oprah einladen zu wollen.
Mary Lou kam zu ihm herüber und zupfte ihn am Arm. „Was kann ich für dich tun, Barbie?", wollte er freundlich wissen.
„Nora und ich haben darüber gesprochen und …" Mary Louise sah sich nervös um und senkte dann ihre Stimme. „… und es würde mir viel bedeuten, wenn du mich zum Altar führen würdest, Damon, anstelle eines Brautvaters."
Tyler, der das gehört hatte, hustete erschrocken, als er sich beinahe an seinem Bourbon verschluckte. Damon nahm das als süße Rache hin und versuchte zu lächeln. „Bist du sicher, dass es dir nicht lieber wäre, wenn das Enzo oder Valerie tun? Du weißt schon, deine Familie", meinte er langsam.
„Du bist auch meine Familie, Damon. Durch Lily sind wir praktisch Geschwister", gab Mary Lou zurück, „Und nein, ich will dich, denn … die Wahrheit ist, dass niemand hier jemals so etwas Freundliches für mich getan hat wie du."
Das war eine schauderhafte, wenn auch vermutlich akkurate Vorstellung. Damons Versuch Wiedergutmachung zu leisten und sich als 21. Jahrhundert-Tutor anzubieten hatte ungeahnte Kreise nach sich gezogen. Mary Louise war nicht gerade jemand, der Freunde im eigentlichen Sinn hatte, aber Damon nahm an, dass er dieser Rolle aus ihrer Perspektive gesehen am nächsten kam. Sie hatte in den letzen Monaten viel Zeit miteinander verbracht, sie war für ihn jetzt nicht mehr nur Noras Anhang oder eine von Lilys anderen Kindern - er nannte sie jetzt Barbie oder Mary Lou, und er hatte es geschafft ihr beizubringen wie man googelte, seine E-Mails abfragte, und sich online Bücher in der Bibliothek bestellte, und er hatte ihr sogar einen Netflix Account eingerichtet. Außerdem war er mit ihr zu einem Treffen der LBTQ-Alliance am Campus gegangen, und das ganz ohne Nora, und hatte sie dazu ermutigt ihren eigenen Kleidungsstil irgendwo zwischen Großmutter und Schlampe (Damon nannte es Großmutterschlampe) zu finden und damit auch glücklich zu sein.
Das alles hörte sich jetzt total selbstlos an, aber im Grunde war Mary Lou eine Mischung aus Sozialprojekt und Beschäftigungstherapie. Unnötig zu erwähnen, dass Dr. Sulez es begrüßte, wenn Damon Zeit mit Mary Lou verbrachte, weil es ihnen beiden gut tat Zeit mit jemanden zu verbringen, der ihre Probleme nachvollziehen konnte, aber der Punkt war, dass Damon nichts von all dem für sie getan hatte, er hatte es vor allem für sich selbst getan. („Ich habe Ihnen nur gesagt, dass Sie sich entschuldigen sollen, Damon, es war Ihre eigene Idee ihr bei ihren technischen und sozialen Problemen unter die Arme greifen zu wollen", würde sein Therapeut jetzt behaupten, und das war zwar richtig, aber das hatte er doch nur getan um zu verhindern, dass sie noch einmal einen derartigen Zusammenbruch in seiner Gegenwart erlitt, das war keine gute Tat an sich gewesen!).
Trotzdem schien sie ihn jetzt für eine Art Heiligen zu halten. Nun, es war eine angenehme Abwechslung zu allen anderen, die ihn immer nur beschimpften. „Wenn du darauf bestehst, dann … tue ich es natürlich gerne", sagte er also.
Mary Louise schien zufrieden und pilgerte zurück zu Nora um ihr die freudigen Nachrichten mitzuteilen. Nora ihrerseits unterhielt sich gerade mit Bonnie. Vermutlich blühte der Hexe die Ehre die andere Braut zum Altar zu führen.
„Wie hast du das denn gemacht?", wollte Tyler von ihm wissen.
„Ich habe eben ein Händchen für Frauen, Lockwood, es ist nichts, was man erlernen kann, es ist eine angeborene Gabe", informierte ihn Damon trocken.
Tyler zog noch eine Grimasse. „Jedem das seine", meinte er nur dazu, „Zuerst Enzo, jetzt sie…"
„Matt Donovan, der Rassist", hielt Damon dagegen.
„Es ist kein Rassismus, wenn es darum geht, dass die anderen einen tatsächlich fressen wollen", behauptete Tyler.
„Warte nur, bis er sich gegen die Werwölfe wendet, dann wirst du anders sprechen", entgegnete Damon.
„Du hättest eben Vicki nicht verwandeln dürfen", meinte Tyler.
„Wenn sie heute noch hier wäre und mit uns feiern würde, dann würdest du das anders sehen. Aber Donovan wäre genauso drauf wie jetzt auch, darauf wette ich", gab Damon zurück, „Man kann vorher nie wissen, wer es als Vampir machen wird und wer nicht. Ich meine, der beste Beweis dafür sitzt dort drüben mit einem Baby, das sie geboren aber nicht empfangen hat. Caroline Forbes als Vampir, und das hat funktioniert. Vicki wäre als Mensch früher oder später auch gestorben, eine Überdosis und das wär's gewesen. Du weißt das besser als jeder andere. Dein Kumpel Matt nimmt diese ganze Vicki-Sache nur als Ausrede. Ja, es war ein Fehler, Mea Culpa, aber das ist sein Problem mit mir, und nicht mit meiner ganzen Spezies."
„Er will Mystic Falls einfach nur sicher halten", argumentierte Tyler trotzdem weiter.
„Das wollte ich auch. Stefan und ich haben die letzten fünf Jahre lang genau das getan. Und als Dank verbannt er uns. Versuch keine Ausreden für ihn zu finden, Lockwood, du wirst dabei nur verlieren", schleuderte ihm Damon entgegen.
Tyler schüttelte nur den Kopf, offenbar waren ihm die Argumente ausgegangen. Oder er sah tatsächlich ein, dass er nicht gewinnen konnte.
„Worum geht es gerade bei euch?", wollte Jack der Neue Vampir gutgelaunt wissen.
„Darum wer die schrecklicheren Freunde hat", informierte ihn Damon offen.
„Oh, dabei seid ihr doch alle so wunderbare Freunde!", verkündete Jack offensichtlich leicht angeheitert, „Ich dachte, dass mein Leben vorbei ist, nun da ich ein Vampir bin, aber dann hat Stefan mich gefunden und her geholt und seit dem … denke ich, dass es gar nicht so schrecklich ist ein Vampir zu sein! Und das alles vor allem wegen euch!" Er hob sein ebenfalls mit Bourbon gefülltes Glas. „Auf die Dallas-Gang! Ein Haufen übernatürlicher…." Und das war der Moment, in dem er explodierte. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Seine Überreste klebten an Damon, Tyler, Stefan, Bonnie, und allen anderen, die das Pech gehabt hatten nahe genug an ihm dran zu sitzen - seine blutigen Überreste.
Wie auf Kommando heulten die Zwillinge los. „Oh – Mein- Gott!", verkündete Mary Lou, „Ist das ekelig!"
„Entschuldigung, aber was genau ist gerade passiert?", wollte Bonnie wissen, während Caroline und Alaric jeweils versuchten ein hysterisches Baby zu beruhigen.
„Ist er …. explodiert?!", wunderte sich Tyler.
„Ja, das sind eindeutig Stücke von Jack in deinem Haar", kommentierte Damon. Sein Blick irrte hinüber zu Stefan, der mehr als nur ein wenig aufgelöst zu sein schien und um Jacks Überreste herumtanzte - was er damit erreichen wollte, sei dahin gestellt.
„Okay, okay, keine Panik", meldete sich Valerie zu Wort, „Wir müssen rekonstruieren was genau geschehen ist…."
„Was geschehen ist, ist, dass er Bourbon getrunken hat, und dann explodiert ist", meinte Enzo trocken, „Da gibt es nicht besonders viel zu rekonstruieren." Er schnappte sich Jacks Glas und schnupperte daran. „Ja, und hier ist auch kein Eisenkraut drinnen. Es hatte also nichts mit dem Bourbon zu tun."
Stefan fuhr vom Boden hoch. „Er ist … man kann ihm nicht mehr retten", verkündete er mit tonloser Stimme, fast so als hätte es daran zuvor noch irgendwelche Zweifel gegeben. Dann wurde er von Valerie gepackt, die ihm sein Hemd beinahe vom Körper riss.
„Hey, seine Freundin ist gleich dort drüben!", rief Damon ihr leicht verstimmt zu. Das letzte was er jetzt brauchte war eine Stripshow mit seinem kleinen Bruder im Mittelpunkt. Doch Valerie beachtete ihn nicht. Aber zumindest entspannte sich ihre Körperhaltung, und sie schien regelrecht aufzuatmen. „Oh, gut, sie ist nicht zurückgekommen", stellte sie fest.
„Was ist nicht zurückgekommen?", wollte Damon wissen, während Stefan an sich herunterblickte.
„Die Narbe. Ich war besorgt, dass der Zauber möglicherweise irgendwie schief gegangen ist, und die Narbe sich auf Stefan zurück transferiert haben könnte", erklärte Valerie, „Aber das ist nicht der Fall. Die Narbe wurde mit Jack vernichtet."
Die Narbe! Rayna! Vermutlich war es dem Schock zu verdanken, dass es so lange gedauert hatte, aber Damon begriff endlich was passiert war. „Schnell, wir müssen auf den Live-Feed zur Waffenkammer zuschalten, holt eure elektronischen Geräte heraus!", rief er, was ihm einige verwirrte Blicke einbrachte.
„Versteht ihr denn nicht?!", rief Damon über das Babygeschrei hinweg, „Jack ist … explodiert, weil Rayna … explodiert ist! Die Narbenträger sterben automatisch, wenn ihr letztes Leben aufgebraucht ist. Und da er …. explodiert ist, ist nicht anzunehmen, dass Rayna Cruz friedlich im Schlaf gestorben oder verhungert ist! Was immer die mit ihr gemacht haben, es war nichts Natürliches!"
Er schnappte sich Bonnies Handy, die ihr Mobiltelefon gerade herausgeholt hatte, und griff so schnell er konnte auf den Live-Feed der Überwachung der Waffenkammer zu. „Nein, nein … nein….." Er zoomte mehrmals näher heran, doch das änderte nichts an dem Ergebnis. Die Türen zur Waffenkammer standen weit offen. Bonnies Zauber war aufgehoben wurde. Das Unmögliche war irgendwie möglich geworden!
Virginia St. John wäre nicht erfreut. „Wir müssen da hin, sofort! Vielleicht ist es nicht zu spät, vielleicht war das nur Alex, die sich und ihre Leute da irgendwie raus geholt hat, vielleicht sind die Sirenen zurück in ihre Höhle gegangen, schon vor Monaten", meinte er und war bereits dabei sich seine Jacke anzuziehen und warf Bonnie ihr Handy zu. „Los, beeilt euch! Kommt schon!"
Alle starrten ihn verunsichert an. „Was? Was sitzt ihr hier immer noch rum?", wollte er wissen.
„War das Gefährliche an den Sirenen nicht, dass man sie trifft? Wenn wir hingehen und sie noch dort sind, und wir unter ihren Einfluss geraten….", meinte Caroline vorsichtig, „…wäre das denn nicht noch schlimmer?"
„Als wenn sie frei rumlaufen? Nein. Wenn sie noch da sind, dann können wir sie vielleicht noch einmal einsperren. Aber wenn sie irgendwo dort draußen rumlaufen, dann … können sie wer weiß was anstellen, und das wäre definitiv schlimmer als wir unter deren Einfluss", meinte Damon, „Bon-Bon, komm schon. Ich brauche magisches Back-Up. Caroline und Ric bleiben hier. Jeder andere, der mitkommen will, ist herzlich willkommen. Los, Bewegung!"
Damon hatte kein Wort von dem, was Virginia ihm über die Sirenen erzählt hatte, vergessen. Auch nicht den Teil, der besagte, dass sie für den Teufel arbeiteten. Und Ric hatte in den letzen Monaten Nachforschungen angestellt, offenbar waren Sirenen nicht nur in der griechischen Mythologie Fleischfresser, sondern prinzipiell begeistert von Menschenfleisch. Wenn es irgendein übernatürliches Wesen gab, das man nicht frei herumlaufen lassen sollte, dann waren sie es. Und er sagte das als jemand, den solche Dinge normalerweise egal waren; nur leider hatte die Waffenkammer Aufzeichnungen über sie aller hier besessen, und wer wusste was Rayna so alles ausgeplaudert hatte, bevor sie … ihr Ende gefunden hatte.
Er wollte wirklich nicht riskieren, dass diese Dinger irgendjemanden, an dem ihn etwas lag, zu nahe kamen.
Aber zunächst musste er sich davon überzeugen, dass sie auch wirklich ausgebrochen waren. Bonnie war inzwischen aus ihrer Betäubung erwacht und kam zu ihm herüber, gefolgt von Enzo und einem scheinbar immer noch unter Schock stehenden Stefan. Auch Valerie machte Anstalten ihnen zu folgen. Gut, mehr Magie, brachte mehr Erfolgsaussichten. Zumindest hoffte er das. „Der Rest bleibt hier, für den Fall, dass wir ein B-Team brauchen, Lockwood, gib auf die Bräute und die überforderten Eltern acht, bis wir wieder da sind", entschied er noch, und dann war er auch schon auf halben Weg zum nächstbesten Auto.
Der Versiegelungszauber war tatsächlich gebrochen. Damon wies Bonnie und Valerie an draußen zu warten, während er sich gefolgt von Enzo und Stefan in die Waffenkammer begab. Zunächst fanden sie nichts und niemanden. Was ein wenig unheimlich war, wenn man die Umstände bedachte. Dann erreichten sie das Labor. Dort fanden sie das, was von Rayna Cruz noch übrig war, und relativ viel Ähnlichkeit mit dem, was von Jack noch übrig war, hatte.
Offenbar war Rayna an ein Krankenbett gefesselt worden, und ihr war Blut abgezapft worden. In Mengen. Reste davon waren immer noch vorhanden. „Nun, es ist dünkler als normales Blut, aber das liegt vielleicht an der Magie darin. Und es erklärt nicht warum sie so aussieht. Sie hätte einfach an Blutverlust sterben können, aber offenbar war das nicht der Fall", stellte Damon fest.
„Jemand hat an ihr experimentiert. Aber wer? Und wovon hat diese Person oder haben diese Personen sich ernährt?", wunderte sich Stefan.
„Die Antwort darauf wollt ihr gar nicht wissen", erwiderte Enzos Stimme von weiter weg.
Die Salvatore-Brüder wechselten einen Blick und gingen hinüber zu dem anderen Vampir, und fanden ihn vor einem angrenzenden Raum stehen, in dem die Körper von diversen Angestellten der Waffenkammer von der Decke hingen. Oder das, was von den Körpern noch übrig war. Jemand oder etwas hatte sie gegessen oder zumindest Stücke aus ihnen heraus gefressen.
„Sagt mir bitte, dass das die Sirenen waren und nicht deine Cousine Alex", meinte Damon und schüttelte sich vor Ekel, bevor er sich abwandte.
Stefan hatte sich ebenfalls abgewandt und zu den Computern begeben. „Wir müssen herausfinden, was hier passier ist", meinte er, „Hattest du ein Passwort?"
„Wenn wir Glück haben, hatten sie keine Zeit es zu ändern", erwiderte Enzo und schob Stefan vom dem Computer weg und tippte etwas ein. Offenbar war sein Passwort noch gültig, da ein Destkop erschien. Während sich die Salvatore-Brüder über seine Schulter lehnten, studierte Enzo die Aufzeichnungen. „Offenbar haben sie mit Raynas Blut experimentiert. Das ist interessant, hier seht ihr, es scheint unter gewissen Voraussetzungen alle anderen magischen Eigenschaften neutralisieren zu können. Ja, da würde Sinn machen, damit könnte sie niemand jemals in einen Vampir verwandeln. Offenbar wollte Alex einen Weg finden ihr Blut dazu zu benutzten um anderen Wesen ihre natürliche Magie zu entziehen….", erklärte Enzo und studierte die Daten weiter.
„Wesen, ja, aber was ist mit dem Zauber selbst?", wollte Damon wissen, „Kann er auch neutralisiert werden, wenn er auf Objekten liegt? Sind sie so frei gekommen? Durch Raynas Blut?"
Enzo erwiderte einen Moment lang nichts. Dann meinte er: „Ich glaube, das ist der Grund warum sie sie explodieren haben lassen. Die Magie in Rayna ist eine Art Anti-Magie zu der Magie, die uns am Leben erhält, oder die durch Bonnies Adern fließt. Ihr Blut hätte nicht ausgereicht um Bonnies Zauber aufzuheben, aber diese Aufzeichnungen hier weisen darauf hin, dass Alex davon ausging, dass ein großes magisches Ereignis angetrieben von Raynas shamanischer Anti-Magie Bonnies Begrenzungszauber negieren könnte. Es wird immer wahnsinniger je weiter es fortschreitet, aber … Offenbar hat sie nach einem Weg gesucht die shamanische Anti-Magie in Rayna freizusetzen, und …"
„Das ist ihr gelungen", beendete Damon diese Erklärung.
„Sie haben sie umgebracht um von hier zu entkommen", stellte Stefan fest, „Das ist unsere Schuld. Sie wurde monatelang gequält und letztlich geschlachtet, nur weil wir sie los sein wollten. Wir haben Jack umgebracht, weil wir Rayna an die Waffenkammer übergeben haben."
„Ja, das war nicht unser intelligentester Zug. Aber zu unserer Verteidigung: Keiner von uns konnte voraussehen, dass es so kommen würde", meinte Damon, „Ich meine … es gehört ein gewisser Grad an Wahnsinn dazu um sich so etwas auszudenken." Ihm schauderte.
„Trotzdem", meinte er, „Es könnte immer noch nur Alex gewesen sein. Vielleicht hat diese Anti-Magie-Explosion die Sirenen getötet, vielleicht war das ihr Plan: Zu entkommen und ihre Mitgefangenen dabei umzubringen." Es war eine vage Hoffnung, aber sie war da.
„Wie müssen nachsehen gehen", fuhr er fort, „Wir müssen in den Tresor gehen."
Enzo und Stefan wechselten einen vielsagenden Blick. Doch dann nickten sie nur und folgten Damon in die Richtung, in die er laut Virginia auf keinen Fall gehen sollte.
A/N: …. Ich entschuldige mich hiermit offiziell für dieses Kapitel. Und für alles, was Alex getan hat oder vielleicht getan hat. Ja, ich weiß ….
Ehm, damit wären wir offiziell beim Plot der 8. Staffel angekommen. Ich kann euch verraten, dass ich nicht gerade begeistert davon war, dass sowohl Damon als auch Stefan über weite Strecken wenn nicht sogar den Großteil der finalen Staffel über böse waren, und euch beruhigen, dass das hier definitiv nicht der Fall sein wird.
Mehr über die Sirenen erfahrt ihr im nächsten Teil.
Und ja, ich habe Jack hauptsächlich erfunden um ihn in die Luft sprengen zu können, aber nicht nur deswegen, ich musste die Narbe loswerden um Stefan zu retten, und Stefan Salvatore würde nie jemanden, der seinetwegen ein solches Problem „erbt" einfach so links liegen lassen, außer diese Person würde es wirklich verdienen und es wäre unrealistisch gewesen, wenn sie so schnell einen ultrabösen Vampir aus dem Nichts hervorgezaubert hätten, also habe ich ihn zu einem Charakter dieser Fic gemacht, der schnell ein böses Ende nimmt, wie die meisten Figuren in der Serie eben.
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