HARRY POTTER
UND DER PRINZ VON SLYTHERIN


Harry Potter und alle assoziierten Charaktere und Situationen sind Eigentum von J.K. Rowling. Ich erhebe kein Urheberrecht.


Zuerst von The Sinister Man als „Harry Potter and the Prince of Slytherin" veröffentlicht

Übersetzt ins Deutsche durch LimeSon


Kapitel 7: Derweil, in der Höhle der Löwen

Nachdem er die Potters mit offenem Mund vor dem Büro des Schulleiters zurückgelassen hatte, schlenderte Harry in die Bücherei, um nach Hermine zu suchen, die ihn eingeladen hatte, an ihrer Lerngruppe teilzunehmen. Außer Hermine waren noch Neville und einige andere Gryffs da, die sich alle um Hermine scharten, als wäre sie eine Königin. Auf dem Weg zu den anderen lief ihm Theo über den Weg und er fragte ihn, ob er auch teilnehmen wolle, aber Theo schaute nur kurz rüber zum Tisch (wobei er kurz Blickkontakt mit Hermine hatte) und flüsterte dann ein schnelles „nein", bevor er aus der Bücherei eilte.

Seinen Kopf schüttelnd, ging Harry zu Hermines Tisch rüber und stellte sich den anderen Gryffindors vor: Parvati Patil, Lavender Brown und Dean Thomas. „Ich muss gestehen, dass ich nicht so viele Leute erwartet habe. Ich dachte, es wären nur wir drei."

„Lass einfach sagen, dass Hermines Beliebtheit in den letzten Stunden in die Höhe geschossen ist," bemerkte Parvati genüsslich.

„Ach hör schon auf!" sagte Hermine, wobei sie stark errötete. „Jetzt wo ich nicht mehr mit Adrenalin gefüllt bin, ist mir das alles ganz schön peinlich!"

„Muss dir nicht peinlich sein!" erwiderte Neville. „Du warst unglaublich! Das war, was Gryffindor-Mut eigentlich sein soll, nicht sich zu benehmen, wie ein… ungehobelter Esel." Die anderen Gryffs lachten darüber, bis Madame Pince sie alle lautstark ermahnte und zum Schweigen brachte.

„Was? Weil sie Jim in Tränke zur Rede gestellt hat?" fragte Harry.

„Oh das war nur der Anfang. Irgendwann mal muss ich das Denkarium von meiner Oma ausleihen, damit du die Erinnerung selber sehen kannst, ich werde die Erinnerung auf jeden Fall mein Leben lang sehr wertschätzen," sagte Neville. „Also, das ganze lief ungefähr so ab…"


Drei Stunden früher…

Nachdem der Horror der ersten Tränkestunde vorbei war, gingen die Gryffindor Erstklässler mit gemischten Gefühlen zu ihrem Turm zurück. Bei Jim Potter war das vorherrschende Gefühl aber eindeutig Wut.

„Granger!" bellte er laut, sobald er den Durchgang zum Gemeinschaftsraum hinter sich hatte. „Gryffindors sollen zusammenhalten! Was zur Hölle fällt dir ein, mich vor der ganzen Klasse einen ‚ungehobelten Esel' zu nennen? Und das auch noch in Schniefelus' Klasse!"

„Oh, das tut mir furchtbar leid, Potter," antwortete sie unschuldig. „Ich bin nur eine bescheidene Muggelgeborene und staune noch total wegen der Wunder der Magischen Welt. Und wenn ich halt einen ungehobelten Esel sehe, der sich als Hogwartsschüler verkleidet, KANN ICH HALT NICHT ANDERS, ALS ES ZU KOMMENTIEREN!"

„Du kleine…! Warum warst du überhaupt so wütend?! Es sind nur Hauspunkte! Die kümmern eh niemanden, außer kleine Besserwisser!"

Hermines Augen funkelten gefährlich und sie zückte ihren Zauberstab. Überrascht, versuchte Jim, seinen eigenen zu ziehen, aber Hermine drehte sich nur weg und ging zu den Treppen, die zu den Schlafsälen führten. Dort angekommen, zeigte sie ihren Zauberstab die beiden Treppen hoch und, zur Überraschung aller Anwesenden, feuerte eine Reihe lauter Knaller ab, bevor sie laut rief „ALLE PRÄFEKTEN ZUM GEMEINSCHAFTSRAUM FÜR EINE NOTSITZUNG!"

Sekunden später kamen Dutzende älterer Löwen, inklusive aller sechs Präfekten, in den Gemeinschaftsraum geströmt, wo eine wütende Hermine auf einem Tisch stand, umgeben von den restlichen Erstklässlern, die sie staunend anstarrten. Sie hatte noch immer ihren Zauberstab gezückt und sah kriegsbereit aus.

Ralph McMillan, der Präfekt der Siebtklässler, war der erste, der was sagte. „Was zur HÖLLE ist hier unten los?! Wer hat eine Präfektsitzung gerufen?!"

„Das war ich," sagte Hermine ruhig. „Ihr habt gesagt, dass wir einen Präfekt fragen sollen, wenn wir was wissen wollen. Naja, ich habe eine Frage und will jetzt bitte direkt eine Antwort haben!"

„Bist du komplett verrückt geworden?!" schrie Ralph, bevor ihm eine der Präfektinnen, Emily Rossen, eine Hand auf dem Arm legte.

„Ruhig, Ralph. Lass mich. Miss Granger, ähm, Hermine. Du bist offensichtlich wegen irgendetwas aufgeregt. Warum steckst du nicht einfach deinen Zauberstab weg, kommst vom Tisch runter und dann können wir darüber reden?"

„Nicht bevor ich meine Frage gestellt habe."

Emily nahm einen tiefen Atemzug. „Okay. Was ist deine Frage?"

„Der Hauspokal. Ist das etwas, was Gryffindor wichtig ist? Etwas, das wir gewinnen wollen? Oder ist es nur ein großer Witz, der nur ‚Besserwissern' etwas bedeutet? Etwas worüber wir nur lachen sollten, während irgendein Idiot uns Dutzende Hauspunkte in einem Schwung kostet? Denn wenn es das zweite ist, dann verspreche ich, dass ich auch aufhören kann, mir darüber Sorgen zu machen! Es wir deutlich leichter sein, meine ZAGs zu bestehen, wenn ich nicht eine ganze Menge totes Gewicht hinter mir herschleppen muss!"

Hermine funkelte Jim und Ron mit den letzten Worten an, was Percy Weasley allerdings verpasste, weil er zu seinen Zwillingsbrüdern herumwirbelte. „Oh bei Merlins Hosen, was habt ihr Idioten jetzt schon wieder angestellt?!"

Im Einklang hoben die Zwillinge ihre Hände in einer kapitulierenden Geste.

„Wir waren's nicht, oh Perfekter Präfekt Percy." „Wir haben keine Hauspunkte verloren… bis jetzt." „Hatten noch keine Zeit, um irgendwas Denkwürdiges zu tun." „Ich meine, wir haben einen Toilettensitz gestohlen, aber ich glaube nicht, dass das irgendjemand bemerkt hat."

„Wir haben's bemerkt," erwiderten Katie Bell und Alicia Spinnet, beinahe gleichzeitig und mit offensichtlichem Missfallen.

Neville unterbrach die Diskussion. „Es waren nicht die Zwillinge, Percy. Es war Jim."

„Oh vielen Dank, Verräter," schnappte Jim.

Hermine stieg vom Tisch runter und ging zu den verwirrten Präfekten rüber. „Ich weiß nicht, wie die Dinge bei euch aus den oberen Jahren aussehen, aber bei uns Erstklässlern haben Neville, Parvati, Lavender und ich eine Woche gebraucht, die zwanzig Punkte wieder gutzumachen, die Jim Potter uns an unserem ersten Morgen noch vorm Unterricht gekostet hat."

Ralph hustete kleinlaut. „Ja, naja… zugegeben ein schlechter Anfang für Potter, aber hoffentlich hat ihn das zum Nachdenken gebracht und es passiert nicht wieder…"

„Jim hat uns gerade fünfunddreißig Punkte in Zaubertränke gekostet," sagte sie ruhig.

Das Zimmer wurde still und alle sechs Präfekten starrten mit offenen Augen den Jungen-Der-Lebte an, den die Aufmerksamkeit, die nicht so positiv wie gewohnt war, zum Schlucken brachte. Dann wurde bei den versammelten Löwen ein Geräusch des Unmuts laut. Die Zwillinge waren zwar unverbesserlich, aber fünfunddreißig Punkte kosteten die beiden die Löwen vielleicht in einer Woche, nicht in einer einzigen Stunde. Das waren fast die Hälfte der Punkte, die das gesamte Haus in der ersten Schulwoche verdient hatte.

„Fünfunddreißig Punkte… in einer Klasse," murmelte Emily leise.

„Streng genommen," fügte Neville müde ein, „Fünfunddreißig Punkte in unter einer Minute."

„…WIE!" schrien ein weiterer der Präfekten.

Lavender fing an, zu erklären. Sie war sehr stolz auf die zwei Punkte gewesen, die sie in Zauberkunst am Tag zuvor verdient hatte. Die Tatsache, dass Hermine sich nicht nur daran erinnert hatte, sondern sie als genauso wichtig wie die Dutzend oder so Punkte darstellte, die die Muggelgeborene selbst gewonnen hatte, hatte sie dem Mädchen sehr sympathisch gemacht. „Naja, zuerst hat er Professor Snape direkt wegen seiner Haare verspottet. Danach fing er an, darüber zu reden, wie sich sein Vater und Professor Snape anscheinend hassen und dass sein Vater ihm quasi zugetragen hat, dass er den Professor respektlos behandeln soll. Danach hat er Professor Snape ‚Schniefelus' genannt. Hab ich etwas vergessen?"

„Naja," sagte Hermine, „es war offensichtlich, dass Jim die zugewiesene Literatur nicht gelesen hatte, aber das wirkt beinahe… langweilig, verglichen mit allem anderen."

„Man muss hinzufügen," fügte Neville ein, „dass ich mir sicher bin, dass Jim weiter gemacht hätte und uns noch mehr Punkte verloren hätte, wenn du ihn nicht zum Schweigen gebracht hättest." Er drehte sich zu den Präfekten. „Wofür sie uns übrigens fünf Punkte verdient hat."

Ralph winkte das ab und wand sich an Jim. „Warum… in Merlins Namen, beleidigst du bewusst einen Hogwartsprofessor in deiner ersten Stunde?"

Jim versteifte und sah sich um. Er war bestürzt und wütend, dass der Großteil des Hauses gegen ihn zu sein schien. „Ich sollte mich nicht mit der Misshandlung durch jemanden, der schon immer gegen meine Familie gewesen ist, abfinden müssen. Ich sollte mich nicht vor der ganzen Klasse mit irgendwelchen obskuren Fragen, die kein Erstklässler beantworten kann, zum Affen machen müssen."

Hermine verdrehte ihre Augen. „Alle Erstklässler, die mindestens eine der Fragen von Professor Snape hätten beantworten können, heben bitte ihre Hand."

„Ich wusste alle drei." „Ich wusste zwei, aber nicht die Bezoar-Frage." „Wirklich? Die war auf im Seitenkasten Seite 3 dick und fett markiert." „Oh verflixt! Ich vergesse immer, die Seitenkasten zu lesen." Es schien, als wüssten alle außer Ron die Antwort zu mindestens einer von Snapes Fragen. Da knackte Jim endlich.

„HALTET DIE KLAPPE! ALLE VON EUCH! ICH BIN DER-JUNGE-DER-LEBTE, ICH SOLLTE MIR DAS ALLES NICHT ANHÖREN MÜSSEN! ICH BIN…"

„Der-Junge-Der-Lebte! Ja, wissen wir," beendete Hermine seinen Satz. „Harry hatte Recht wegen dir mit dem, was er letzten Montag gesagt hat. Du glaubst wirklich, dass die Regeln für dich nicht gelten."

Jim blinzelte ein paar mal. Hermine fühlte sich beinahe schlecht, ihn den Tränen so nah zu sehen. Beinahe.

„Ich habe Du-Weißt-Schon-Wen zerstört! Das muss doch irgendetwas bedeuten!"

Hermine nahm einen Schritt vorwärts und sah Jim direkt in die Augen. „Wie?" fragte sie ganz einfach.

„W… was?"

„Wie hast du Du-Weißt-Schon-Wen zerstört? Ich habe mehrere Bücher über den letzten Krieg gelesen. Sie alle sagen nur, dass Du-Weißt-Schon-Wer in euer Haus eingebrochen ist, deine Eltern geschockt hat und dann versucht hat, dich mit dem Todesfluch umzubringen, bis du ihn irgendwie ‚besiegt' hast. Wie hast du das gemacht?"

Jim sah sie stumm an, während sein Mund sich mehrmals öffnete und schloss wie bei einem Fisch.

„Du weißt es nicht, oder?" fuhr sie fort. „Du bist weltweit berühmt und allgemein geliebt wegen etwas, das passiert ist, als du ein Baby warst und du hast keine Ahnung, wie es geschehen ist. Es könnte genauso gut auch ein magischer Zufall gewesen sein, aber du erwartest, deswegen wie ein König behandelt zu werden." Sie schüttelte ihren Kopf und ging in Richtung der Treppen zu ihrem Schlafsaal. An der ersten Stufe wirbelte sie plötzlich rum und lächelte.

„Weißt du, ich hatte gerade die witzigste Vorstellung! Wäre es nicht lustig, wenn es die ganze Zeit Harry gewesen wäre, der Du-Weißt-Schon-Wen zerstört hat? Und der Grund, warum deine Eltern ihn zu euren Muggelverwandten geschickt haben, war, um ihn versteckt zu halten, während sie dich vorhalten und berühmt machen, nur um die Tatsache geheim zu halten, dass er der wahre Junge-Der-Lebte ist?"

Während sie redete, verzog sich Jims Gesicht in eine Maske des Zorns und mit einem boshaften Knurren zog er seinen Zauberstab. Aber bevor er einen Spruch aussprechen konnte, hielten ihn zwei der älteren Gryffindors fest. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, in seinem Zorn laut zu schreien. „HALT DIE KLAPPE! HALT DEINE DRECKIGE SCHLAMMBLUT-KLAPPE!"

Die versammelten Gryffindors verstummten schockiert. Neville nahm einen unbewussten Schritt in Jims Richtung, als würde er zuschlagen wollen, aber Hermine rief seinen Namen aus und er hielt inne, seine Fäuste immer noch geballt. „Schlammblut, Potter?" wiederholte Hermine. „Ich frage mich, was deine Mutter dazu sagen würde. Vielleicht sollten wir sie fragen." Sie drehte ihren Kopf und der Rest folgte ihrem Blick zum Eingang am anderen Ende des Raums… wo die Professoren Potter und McGonagall komplett entsetzt die Szene vor ihnen verfolgt hatten.

„Ma- Mama?" fragte Jim.

Nicht. Ein. Wort. Komm her. Sofort." Lily sprach leise, aber mit einer furchteinflößenden Intensität. Jim ging langsam zu seiner Mutter rüber und wischte dabei seine Nase an seinem Ärmel ab. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und führte ihn stramm aus dem Gemeinschaftsraum. Nachdem sie gegangen waren, atmete McGonagall langsam aus, bevor sie sich an ihre Löwen wandte.

„Ich werde Ihnen keine Punkte abziehen wegen dem, was ich hier gerade mit angesehen habe. Mr. Potter wird stattdessen die gesamte nächste Woche bei mir nachsitzen. Miss Granger? Wenn ich alles richtig verstehe, war dies heute bereits das zweite Mal , dass Sie einer der berühmtesten und verehrtesten Persönlichkeiten unserer Gesellschaft standgehalten haben und ihn für sein scheußliches Verhalten gezüchtigt haben. Das sind zwei Male, in denen Sie getan haben, was richtig war, statt was einfach war. Professor Snape hat Ihnen dafür bereits fünf Punkte für die erste Instanz gegeben, welchem ich für diese zweite Instanz gleichkommen werde."

McGonagall musterte den Raum. „Ich weiß nicht, was Sie alle denken, aber ich für meinen Teil möchte den Hauspokal sehr gerne gewinnen. Es macht mich traurig, dass meine Löwen anscheinend nicht genug Stolz in ihr Haus haben, diesen Wunsch mit mir zu teilen. Aber wenn ich Sie auch nicht dazu bringen kann, sich darum zu scheren, so kann ich Ihr Leben sehr schwierig machen, wenn Sie diejenigen untergraben, denen es doch wichtig ist. Fortan werde ich jedem Punktabzug, der für eine Einzelperson fünf Punkte an einem Tag überschreitet, Nachsitzen bei mir hinzufügen, dasselbe bei jedem Punktabzug, der aus vorsätzlichem Trotz oder Respektlosigkeit gegenüber einem Hogwartsprofessor Ihnen verrechnet wird. Haben Sie mich verstanden?" Die gezüchtigte Menge machte schnell klar, dass sie sie verstanden hatten. „Gut. Dann gehen Sie jetzt wieder Ihren Aktivitäten nach."


Drei Stunden und zehn Minuten später…

Harry starrte Hermine mit offenem Mund an, während Neville die Geschichte zu Ende erzählte. Kein Wunder, dass Jim so kleinlaut gewirkt hatte, als er das Büro des Schulleiters verlassen hatte. „Ich hoffe, ich komme hier nicht zu anmaßend rüber, Hermine, aber willst du mich heiraten?"

„Finger weg, Potter," sagte Neville mit gespielter Grobheit. „Ich hab sie zuerst gesehen."


Übersetzungsnotiz: Das hier ist mein erstes großes Übersetzungsprojekt, also wenn du einen Verbesserungsvorschlag oder sonstiges Feedback hast, bitte gib mir in einem Review Bescheid :) Danke fürs Lesen!