Knappe zwei Monate später auf Coruscant, das jetzt Yuuzhan'tar heißt, so wie der sagenumwobene Heimatplanet der Yuuzhan Vong – vor dem ehemaligen Senatsgebäude
Endlich!
Mustergültig säumen die erst vor kurzem angepflanzten Hecken die Allee, die zum Schacht des Welthirns führt. Eine breite Treppe beendet den Weg der Prachtstraße. Von weitem sieht es aus, als führte die Treppe in den blauen Himmel, aber hat man sie erst einmal erklommen wie jetzt Jacen Solo und sein gefangener Mitjedi Ganner Rhysode, dann sieht man den unnatürlichen Talkessel dahinter, aus dem sich ein riesiger, bemooster Pilz erhebt. Rund um den Pilz herum bevölkern Yuuzhan Vong-Priester in farbenfrohen Gewändern den Platz, flankiert von Kriegern ihres Volkes … nun ja, das geübte Auge erkennt auch einige Verwalter in ihren Zivilroben in gedeckten Farben von Beige bis dunkelbraun.
Der Anführer der Verwalterkaste jedoch trägt ein dunkelgrünes Gewand und steht ein paar Treppen unterhalb von Jacen Solo. Bislang ist alles nach Plan verlaufen und Yoog Skell betet still, dass es auch weiterhin funktionieren möge. Noch nie hat sich ein Mensch nicht nur freiwillig den Yuuzhan Vong angeschlossen wie diese elenden Friedensbrigadisten zum Beispiel, sondern auch aus freien Stücken zum Wahren Weg bekannt.
„Tschurokk*!", dröhnt Jacen Solos Stimme über den Platz. „Seht mich, den Avatar des Gottes Yun-Yammka, des Schlächters."
Yoog Skell mustert den vormaligen Jedi aus dem Solo-Clan abschätzig. Der Mensch sieht ziemlich mager aus, aber auch sehnig und zäh – wie viele Yuuzhan Vong-Krieger auch. Und das Feuer, das in seinen eingefallenen, dunklen Augen glüht, kann sich durchaus mit dem Eifer des Kriegsmeisters in diesen Dingen messen. Was für ein Kontrast zu seinem Speziesgenossen, den Jacen Solo gleich als Opfer darbringen wird. Ganner Rhysode steht wie eine schlaffe Puppe neben Jacen. Seine blauen Augen blicken matt und seine sicherlich einst muskulösen Arme hängen vom Körper herab, als seien sie lediglich angeklebt, ohne eine wirkliche Funktion zu haben.
Und das soll ein Jedi sein?
Trotzdem: dass Jacen Solo es wahrhaft geschafft hat, für so ein nobles Opfer einen früheren Kollegen einzufangen, ist für Hochpräfekt Skell ein weiterer Punkt, den er lobend in seinem Bericht an Overlord Shimrra über diesen denkwürdigen Tag erwähnen wird.
Jacen Solo breitet die Arme aus. „Liebe Gläubigen, lasst mich jetzt dem huldigen, der diese Transformation einer einst abscheulichen, von Technik verseuchten Welt erst möglich gemacht hat. Es wird nicht lange dauern."
Jacen Solo verschwindet im Horizont jenseits der Treppe und keiner wagt es, den Avatar des Gottes aufzuhalten oder auch nur zu befragen. In den Reihen der Krieger und Priester setzt ein verwundertes Murmeln ein, das sich mit jeder Sekunde, die Jacen länger abwesend ist, in ein immer unheilvolleres Raunen steigert. Yoog Skell sieht, wie sich sein Untergebener, der Exekutor Nom Anor, hektisch mit diesem lilanen Vogelwesen unterhält, das allgemein als Vergere bekannt ist. Vergere sagt etwas und Nom Anor hört auf, herum zu gestikulieren, aber das geübte Auge des Hochpräfekten erkennt Resignation, kein Beruhigtsein.
Trotz widersprechender Behauptungen Nom Anors ist Yoog Skell felsenfest davon überzeugt, dass es diese Vergere gewesen ist, die Jacen Solo eingefangen hat, denn ohne diesen Vogel an seiner Seite hat Nom Anor bislang noch keinen einzigen Jedi zum Kriegsmeister gebracht – während der gesamten Invasion nicht!
Jacen Solo bleibt auch nach fünf Minuten verschwunden und jetzt hört Yoog Skell Nom Anor Vergere anschreien: „Er ist beim Welthirn und niemand weiß, was er dort macht!"
Das Vogelwesen hebt die beiden vierfingrigen Hände. „Dann lassen Sie es uns herausfinden."
Nom Anors eigentlich gelbes Gesicht verfärbt sich bläulich. „Und das fällt Ihnen erst jetzt ein!", herrscht der Exekutor das gefiederte Wesen an, das ihm gerademal bis zur Hüfte reicht.
Was Vergere jetzt sagt, kann Yoog Skell nicht verstehen, aber offenbar reicht es, um den aufgescheuchten Nom Anor verstummen zu lassen. Aber anstatt sich ebenfalls die Treppe hinauf zu begeben, schlägt Nom Anor einen anderen Weg ein und verschwindet zusammen mit Vergere inmitten des Gewimmels von Kriegern und Priestern.
Jetzt wird es interessant, denkt der Hochpräfekt und eilt den beiden nach.
Es gibt Leute, die behaupten, dass Nom Anor nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht wäre, dass dieser Verwalter gar den Kriegsmeister verraten würde, bekäme er denn je Gelegenheit dazu. Aber das kann Yoog Skell sich nicht vorstellen. Sicherlich ist er mit Vergere nur deshalb unterwegs, um Schlimmeres zu verhindern. Schon einige Male hat sich Yoog Skell überlegt, ob es nicht eher Vergere sein könnte, die die Yuuzhan Vong verrät, aber dieses Wesen ist bereits seit fünfzig Jahren bei den Yuuzhan Vong … und bislang wurde keines seiner Art irgendwo in der neuen Galaxis entdeckt. Vergere ist also ganz allein; sie hätte keinen Grund, die Leute, die sie einst so gastfreundlich aufgenommen hatten, zu verraten. Zu gerne hätte der Hochpräfekt gewusst, wie Vergere eigentlich zu den Yuuzhan Vong gekommen ist, aber noch nicht einmal Nom Anor, der diese Galaxis kennt wie seine Westentasche, weiß etwas darüber.
Yoog Skell sieht, wie Nom Anor schneller läuft, beinahe schon rennt. Vergere hat offenbar keinerlei Schwierigkeiten, mit dem Tempo des wesentlich größeren Mannes mitzuhalten. Aber dort ist eine Wand – sie können dort nicht weiter. Also bleibt der Hochpräfekt stehen und schaut, verborgen hinter zwei Kriegern, zu, was weiter passiert.
Nom Anor betastet den Felsen und er klafft auf. Yoog Skell reißt die dunklen Augen auf. Er hat nichts von diesem geheimen Zugang zum ehemaligen Senatsgebäude gewusst und jetzt sind Nom Anor und Vergere dahinter verschwunden – sicherlich eine sinnvolle Abkürzung, um Jacen Solo zu überraschen und ihm auf den Zahn zu fühlen.
Das Loch schließt sich wieder, als wäre es nie dagewesen. Tumult erhebt sich hinter dem Hochpräfekten. Als er sich umwendet, sieht er Ganner Rhysode immer noch allein auf dem Kamm der breiten Treppe stehen. Aber was für ein Ganner Rhysode das jetzt ist! Der zu opfernde Jedi ist nicht mehr das entkräftete, hoffnungslose Bündel Mensch, das er noch vor fünf Minuten neben Jacen Solo gesehen hat. Der Jedi reckt seine für einen Menschen mittelgroße Gestalt stolz in die Höhe.
„Niemand kommt an mir vorbei!", hört Yoog Skell Ganner Rhysodes Stimme über den Platz donnern, dann sieht er eine grüne Klinge aufblitzen.
Welcher Idiot hat Ganner Rhysode ein Lichtschwert gegeben?!
Krieger drängen an Ganner Rhysode heran, fallen, neue Krieger branden auf den Jedi zu. Die Figur Ganner Rhysodes sticht in den blauen Horizont. Der Jedi erhebt sich immer höher über den Kamm der Treppe – und proportional dazu steigt der Leichenberg unter ihm an, den die nachfolgenden Krieger erklimmen müssen, um zu einem ehrenhaften Duell zu gelangen.
Warum tut denn niemand was?
Yoog Skell sieht, wie der Kommandant, der die Krieger befehligt, fasziniert auf diese nicht enden wollende Serie von Duellen schaut. Er versteht, dass der Krieger sich aus Ehrenkodexgründen scheut, in diese Duellserie einzugreifen. Ihm ist sogar das Welthirn egal, wo Jacen jetzt sicherlich ist. Sicher ist, dass Nom Anor und Vergere sich darum kümmern werden. Und genauso sicher weiß der Hochpräfekt, dass er über keinerlei Kampferfahrung verfügt und deshalb weiter zum Zuschauen verdammt ist.
Die Kämpfe verstummen. Der Leichenberg ist fast so hoch, wie die Treppe darunter lang ist und Yoog Skell setzt sich in Bewegung. Seine hageren Beine überwinden Treppenstufen, Leichen, das abfallende Terrain danach – den offiziellen Zugang zum Welthirn, welches die Umgestaltung dieses Planeten innehat.
Yoog Skell betritt die Halle mit dem schweflig-gelben Teich, in welchem die schwarze Kreatur haust. Gelbe Stielaugen blicken den Hochpräfekten an. Hektisch huschen dessen Augen über das Tentakelwesen, das so hoch ist wie drei Yuuzhan Vong. Er kann keinerlei Verletzungen erkennen und die großen, runden Augen des Welthirns deuten auf keinerlei Konflikt hin, auf keinerlei Aufregung infolge voriger Ereignisse … und genau das macht den Diener Yun-Harlas zutiefst misstrauisch.
„Hier!", hört er eine verzweifelte Stimme.
Yoog Skell wendet sich vom Welthirn ab und geht in die Richtung, von wo der Ruf kommt. Er sieht Nom Anor am Boden liegen, gefesselt mit Kabeln der Ungläubigen, die bereits Dekaden alt sein mögen.
Wie unwürdig!
„Was ist hier geschehen?", fragt Yoog Skell seinen Untergebenen.
„Es wäre besser, Sie fragen mich das, nachdem Sie mich befreit haben", erwidert Nom Anor bitter.
Yoog Skell unterdrückt ein Seufzen. „Na gut."
Sein Yorikkorallenmesser durchschneidet die Plastikkabel und Nom Anor steht auf. Verletzter Stolz und Enttäuschung glimmen im blauen Auge des Exekutors auf, als er sich zu seiner vollen Größe aufrichtet.
„Sie sind geflüchtet", erklärt Nom Anor niedergeschlagen. „Vergere hat hier ein Schiff versteckt und ist mit Jacen zusammen geflohen. Ich wollte sie aufhalten, aber … Vergere beherrscht die Macht wie Jacen Solo. Sie hat mich gefesselt, während Jacen das Schiff startklar machte."
Yoog Skells Stimme trieft vor Empörung. „Ein technisches Schiff – hier unten im alten Senat? Das ist unmöglich!"
„Das dachte ich auch. Aber es war eines von unseren Schiffen."
„Und Sie waren es, der Vergere erst den Weg hierher gebahnt hatte. Ich habe es gesehen."
„Ich dachte, Vergere wollte Jacen wieder einfangen, wie sie es schon so oft …"
„Sie dachten …"
„Niemand hat gewusst, dass Vergere eine Jedi ist, noch nicht einmal der Kriegsmeister!", schreit Nom Anor. „Wie also hätte ich …?"
„Sparen Sie sich diese Worte für Ihren Bericht an mich", sagt Yoog Skell ruhig. „Ich werde ihn noch heute Abend gegenzeichnen, bevor ich ihn Overlord Shimrra geben werde."
Nom Anors gutes Auge schaut nach unten. „Ach ja, der Bericht."
„Und spätestens morgen früh wird Shimrra meinen Bericht gegengezeichnet haben."
Nom Anors gutes Auge blinzelt, aber der Exekutor sagt kein Wort, also fährt Yoog Skell fort: "Und todsicher wird der Overlord eine Kopie meines Berichts dem Kriegsmeister zukommen lassen, auf dass jener sie ebenfalls gegenzeichnet."
„Todsicher", wiederholt Nom Anor. „Jetzt, wo Sie es sagen, Hochpräfekt, fällt mir etwas Wichtiges ein."
„Tun Sie sich keinen Zwang an, Nom Anor."
„Gewiss nicht."
Nom Anor greift ruhig in seine Tasche, holt einen gelben Batzen Blorash-Gallert heraus und wirft ihn Yoog Skell vor die Füße. Das gelbe Gelee bindet des Hochpräfekten Füße und er fuchtelt aufgeregt mit seinen Armen.
„Was tun Sie denn da, Nom Anor?"
Das gelbe Gesicht Nom Anors ist freudlos, als der Exekutor seinen Amphistab erhebt.
„Achtung, Hochpräfekt, es wird gleich ein wenig jucken", kündigt Nom Anor mit ruhiger Stimme an.
Überdeutlich scharf erkennt Yoog Skell die schwarzen Tätowierungen, die sich über Nom Anors Stirn winden, um in zwei säuberlichen Schnörkeln an des Exekutors Brauen zu enden … Hochpräfekt Yoog Skell hat diese Tätowierungen schon immer gerne betrachtet. Und jetzt dämmert ihm: Sie sind das letzte, was er sehen wird.
Und dann saust auch schon das dicke Ende des Amphistabs auf seinen Kopf nieder.
Immerhin … Es hätte schlimmer kommen können.
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Ein paar Tage später auf dem Weltschiff der Domäne Dal
Kriegsmeister Tsavong Lah unterzieht sich zum wiederholten Male einer ziemlich langwierigen Behandlung durch den Gestalter Ghithra Dal, denn sein neuestes Implantat, ein Radankbein, das seinen geopferten rechten Unterarm samt Hand ersetzen soll, will nicht so recht anwachsen. Zu allem Überdruss ist auch noch Jacen Solo zusammen mit Vergere geflohen und damit ist die Idee vom Zwillingsopfer endgültig passé.
Immerhin ist er jetzt mit dem Priester Harrar allein in der Kommandozentrale des Weltschiffs und kann also mit seinem Freund offen über alles sprechen, was ihn umtreibt.
„Ich wünschte, Nom Anor und Vergere hätten ebenso einen Bluteid mir gegenüber geleistet, so dass ich sie für Jacens Flucht zur Rechenschaft ziehen könnte, wie sie es verdienen."
Harrar faltet die Hände vor der Brust. „Manchmal ist es besser, die falschen Leute leben zu lassen, als die falschen Leute hinzurichten. Das Agieren Ihres Sohnes hat immerhin dazu geführt, dass sich zumindest das Hapeskonsortium nicht gegen uns stellt."
„Was zum größten Teil Ihr Verdienst war, nehme ich an."
„Ohne Khalee Lah wäre mir das niemals gelungen", gibt Harrar bescheiden das Lob weiter.
Tsavong Lah ballt die Radankklaue – mehr schlecht als recht, denn die beabsichtigte Faust bleibt halb geöffnet. „Aber das Zwillingsopfer!"
„Vielleicht wollen die Götter dieses Zwillingsopfer ja gar nicht", wagt Priester Harrar einen Vorstoß.
Tsavong Lah ballt die andere, natürliche Hand zur Faust. Vor drei Monaten erst hat ihn Nom Anor beschwatzt, dass dieses Zwillingsopfer ungeheuer wichtig für die Yuuzhan Vong sei, und jetzt hat sich der Exekutor erneut mit einem seiner fehlgeschlagenen Pläne blamiert. Womöglich hat Harrar Recht, aber noch mag der Kriegsmeister nicht so recht daran glauben. Er möchte überzeugt werden.
„Und wie begründen Sie das?"
„Nun, Jacen Solo ist geflohen. Jaina konnten wir auch nicht einfangen. Und wenn die beiden wirklich und wahrhaftig die Inkarnationen der Götter Yun-Yammka und Yun-Harla sind, dann wäre es auch unangemessen, sie bei uns festzuhalten. Immerhin streben wir nach dem Wohlwollen der Götter, nicht umgekehrt."
„Was wird wohl Shimrra dazu sagen?", gibt der Kriegsmeister zu bedenken.
„Wahre Anführer brauchen nicht die Erlaubnis eines anderen, um das Richtige zu tun, Mächtiger Herr!"
Tsavong Lah denkt darüber nach. Es ist eine absolute Ehre für ihn, dass ihn sein Freund eben so genannt hat. Priester erweisen Kriegern nur höchstselten solchen Respekt. Also findet Harrar das wirklich wichtig. „Das heißt, ich soll ab sofort den Jeedai folgen?"
„Was bleibt Ihnen denn anderes übrig", sagt Harrar beschwörend. „Bereits nach der Eroberung von Coruscant hat der Overlord Sie vor allen versammelten Würdenträgern gedemütigt. Er braucht einen Schuldigen dafür, wenn etwas schiefläuft." Des Priesters Stimme wird mitfühlend. „Gestern war es Ch'Gang Hool, der hingerichtet wurde, weil die Umgestaltung Yuuzhan'tars nicht so verläuft wie gewünscht. Morgen schon können Sie es sein."
„Dann sollen wir wirklich überlaufen? Mit allen Truppen, die ich befehlige?"
Harrar lächelt. „Wenn Sie der Neuen Republik außer Ihren Truppen noch etwas, jemand anderes mitbringen würden, dann würde das die Aufrichtigkeit Ihrer Absichten und ihrer Motivation vor allem gegenüber den Jeedai bedeutend untermauern."
„Aber ich muss jede Woche einmal zum Gestalter Ghithra Dal, damit der meinen Radankarm inspiziert", wendet der Kriegsmeister ein.
„Hat Ghithra Dal nicht neulich selbst gesagt, dass Ihre problematische Gliedmaße eher eine Angelegenheit für die Götter ist als für Gestalter?"
Tsavong Lah hebt die Brauen. „Ich fürchte, ich verstehe nicht recht."
„Auf dieser Reise werden Sie ja sehen, ob Sie wirklich Ghithra Dals Gestalterrat brauchen oder eher nicht. Und wenn doch, können wir immer noch Nen Yim rufen."
Tsavong Lah findet, dass das eine gute Idee ist. Die ketzerische Gestalterin schuldet ihm noch etwas und das wird er auch einfordern, wenn nötig.
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Zwei Tage später
Prinzessin Leia und Han Solo befinden sich auf einer geheimen, diplomatischen Mission. Unterwegs wird der Milleniumfalke aus dem Hyperraum gerissen und zwar von einer Yuuzhan Vong-Flotte, die dafür ihre Dovin Basal-Minen einsetzt. Doch da eilt plötzlich ein Geschwader Klauenjäger zur Stelle und vertreibt die Feinde. Anführer der Klauenjäger ist ein Mensch namens Jagged Fel, der zur Belohnung an Bord des Falken darf, um dort mit einer warmen Mahlzeit verköstigt zu werden.
„Wie geht es Jaina Solo?", fragt er das altgediente Ehepaar.
„Jaina schaut sich immer wieder diese Holo-Ansprache von Tsavong Lah auf Duro an", beginnt Leia. „Neulich habe ich sie wieder dabei erwischt und sie wurde puterrot!"
„Aber warum tut Jaina so etwas?", wundert sich Jagged Fel.
„Wahrscheinlich verspürt sie wahnsinnige Schadenfreude dabei, wenn sie daran denkt, dass Jacen dem Kriegsmeister kurz vor dieser seiner Rede einen Fuß abgetrennt hat", erklärt Leia mit einem Lächeln und schneidet sich mit dem Tranchiermesser ein großes Stück Fleisch vom Schmorbraten ab, welcher in der Mitte des Esstisches thront.
Jagged Fel beginnt zu würgen, schafft es aber, sein Essen bei sich zu behalten. „Wo ist Jaina denn jetzt?"
Leia zuckt mit den Schultern. „Was weiß ich denn? Hoffentlich bald wieder zu Hause. Wie geht es denn dem Restimperium?"
„Schlecht", brummt Jagged Fel. „Großadmiral Pellaeon spielt mit dem Gedanken, sich mit den Yuuzhan Vong gegen die Neue Republik zu verbünden."
„Das ist ja interessant", meint Han. „Wir wollten auch gerade mit Pellaeon über ein Bündnis des Restimperiums mit der Neuen Republik reden."
Fel lächelt bitter. „Na dann, viel Glück."
Jagged Fel verlässt den Milleniumfalken und Han zupft seine Frau am Ärmel. „Aber Schatz, warum erzählst du dem jungen Mann denn so etwas von Jaina und diesem blöden Holovid?"
Leia runzelt die Stirn. „Dieser junge Mann ist ja ganz nett und er hat uns jetzt geholfen, aber ich möchte einfach nicht, dass unsere Tochter einen Imperialen heiratet!"
Han legt ihr den Arm um die Schulter. „Pass auf, was du dir wünschst, Prinzessin. Es könnte wahr werden."
Leia hält auf einmal inne. „Was ist denn, Schatz?", fragt Han.
„Jacen", haucht Leia. „Jacen lebt!"
Der Milleniumfalke landet auf Bastion, wo ihnen Großadmiral Gilad Pellaeon einen großartigen Empfang bereitet. Beim Essen später werden die Solos desillusioniert.
„Ich persönlich würde mich ja schon sehr gerne mit der Neuen Republik verbünden", versichert Pellaeon seinen Gästen, „aber der Moff-Rat wird dagegen sein."
„Ja, wieso denn das?", fragt Leia verständnislos.
„Der Moff-Rat möchte, dass das Imperium solch ein Bündnis aus einer Position der Stärke heraus eingeht. Das erfordert einige Planeten, die die Neue Republik uns nach einer Anzahl gut abgesprochener Scharmützel überlässt, so dass ich dem Moff-Rat demonstrieren könnte, wie stark unser Imperium ist und dass es keine Angst vor der Neuen Republik zu haben braucht."
„Wir sollen Ihnen unsere Planeten geben?", fragt Han verärgert. „Dazu braucht es kein Bündnis mit Ihnen. Dann greifen Sie uns doch einfach an und holen Sie sie sich!"
Leia legt Han eine Hand auf den Unterarm. „Schatz, er meint Planeten, die wir von den Yuuzhan Vong zurückerobern werden."
„Das sind auch unsere Planeten", zischt Han.
„Die Neue Republik hat viel mehr Planeten als das Restimperium", sagt Pellaeon vorwurfsvoll.
„Und es wird die Yuuzhan Vong nichts kosten, falls Sie stattdessen doch ein Bündnis mit denen eingehen und nicht mit uns", ätzt Han.
„Das Imperium? – Ein Bündnis mit den Yuuzhan Vong?" Pellaeon lacht laut und künstlich auf. „Wie kommen Sie denn bloß auf diese absurde Idee?"
„Wie wäre es statt Planeten mit einigen technischen Informationen über die Yuuzhan Vong?", macht Leia einen anderen Vorschlag. „Yammosks, Dovin Basale, Ooglithmasken – das volle Programm! Und Sie geben uns dafür Informationen über Routen in und aus dem Tiefkern?"
Pellaeons braune Augen strahlen. „Meine liebe Prinzessin, warum sagen Sie das denn nicht gleich? Ja, solch einem Handel wird der Moff-Rat gewiss zustimmen. Und damit stimmt irgendwann auch wieder unsere Planetenzahl."
Han gefällt dieser letzte Satz des Großadmirals nicht besonders, aber er verdrängt das und strahlt stattdessen seine erleichtert-glückliche Frau an. „Und Staatschef Cal Omas wird sich über die Routen in und aus dem Tiefkern freuen."
Leia zwinkert schelmisch. „Wenn dieser Krieg vorbei ist, machen wir im Tiefkern zweite Flitterwochen. Dort soll es so einige lauschige Plätzchen geben."
*Tschurokk heißt in der Yuuzhan Vong-Sprache so viel wie: „Seht her, seid Zeuge."
