Chapter 7 Version 1
Delenn starrte auf die Kerze vor sich. Es war der 3. Januar 2260 und wiederholt fiel ihr das Meditieren schwer. Ihre Gedanken drehten sich um John, dem verbrecherischen Menschen, die Sicherheitsleute vor ihrer Tür, John, schnelle Schatten, ihre Gelüste der letzten Tage und zu guter Letzt wieder um John. Sie war wütend auf ihn, aber nie für eine lange Zeit. Dafür mochte sie ihn inzwischen einfach zu sehr. Sie hatte das Gefühl, dass er ihr immer noch nicht komplett vertraute und sie konnte es ihm nicht übel nehmen. Garibaldi war einfach der logische Verbündete gewesen. Sie kannte ihn länger, vertraute ihm länger.
Die Auslieferungsanträge hatte sie vor drei Stunden an die Erdregierung und an John abgesandt. Sie nahm an, dass sich ein Regierungsbeamter noch heute mit Sheridan in Verbindung setzen würde. Mit einer verschlüsselten Nachricht hatte sie auch Minbar und den Grauen Rat informiert. Am liebsten würde sie Tom King persönlich in den nächsten Transport nach Minbar verfrachten.
Lennier betrat ihr Quartier und blieb in achtsamer Entfernung stehen.
„Was gibt es?" fragte sie, pustete die Kerze aus und erhob sich.
„Sie wollten informiert werden, wenn Mr. Allen allein in der Sicherheitszentrale ist, Delenn. Dies ist zur Zeit der Fall," erwiderte ihr Assistent.
„Danke, Lennier," sagte sie und wollte an ihm vorbei hinaus.
„Er wird sie nicht hinein lassen, Delenn. Keiner der Menschen wird das tun."
„Wir werden sehen," murmelte sie leise und ging.
Lennier sah sich um und verzog dann das Gesicht, als er sich aufmachte seiner Mentorin zu folgen.
Zack Allen stand mit zwei weiteren Sicherheitsleuten vor der Zelle. Vor ihm stand Delenn und dahinter Lennier. Vor wenigen Minuten hatte sie ihn übertölpelt und herausgefunden, in welcher Zelle sich Tom King befand und nun verlangte sie, hinein gelassen zu werden.
„Das kann ich nicht zulassen, Botschafterin," sagte er und verstellte ihr den Weg. „Sie dürfen auf ausdrücklichem Befehl vom Chief und Captain Sheridan nicht hinein zu ihm!" Auf dem Weg von der Sicherheitszentrale zu den Zellen hatte Zack beide Vorgesetzte informiert und hoffte nun, dass sich diese bald einfanden, um mit der wütenden Minbari fertig zu werden.
„Mr. Allen, ich habe ein Recht darauf mit ihm zu sprechen! Er hat mein Quartier abgehört! Und mein Quartier ist diplomatisches Terrain und gehört zu Minbar. Er hat also ein Verbrechen auf Minbar begangen und ich bin hier die Vertreterin von Minbar," erklärte Delenn mit gezügeltem Zorn. Lennier schmunzelte sacht über ihre Ausführungen. „Außerdem haben wir Minbari diese Raumstation mitbezahlt. Wer sagt Ihnen, dass nicht gerade jener Teil hier von uns bezahlt wurde?"
Zack runzelt die Stirn. Das klang alles viel zu logisch und nachvollziehbar. „Ich eh," stammelte er verwirrt.
„Jetzt lassen Sie mich durch!" verlangte sie erneut.
„Das geht nicht." Zack richtete sich auf und sah ihr so standhaft wie er konnte in die grauen Augen.
Delenn ging auf ihn zu und das, wo sie bereits ziemlich nah war. Zack warf einen verzweifelten Blick zu den Wachen an seiner Seite. „Aus dem Weg!"
Er hob seine Hand, um sie aufzuhalten und hoffte nur, er müsste keine Gewalt anwenden. „Seien Sie doch vernünftig, Botschafterin!" lautete sein letzter Versuch, bevor seine Hand Delenns Schulter berührte. In einer schnellen Bewegung hatte der bis eben noch zurückhaltende Lennier Zacks Hand ergriffen und bog diese schmerzhaft zurück. Bevor die Wachen ihrerseits ihrem Kollegen zur Hilfe eilen konnten, ertönte ein „Stopp!" hinter ihnen. Alle drehten sich um und Lennier ließ Zack los.
Garibaldi und der Captain waren endlich angekommen und sahen Lennier und die Botschafterin böse an.
Sheridan schnappte sich Delenns Ellenbogen und zog sie etwas unsanft aus Hörweite der anderen. Sie ließ es unwillig geschehen und verschränkte die Arme vor der Brust, nachdem er sie los ließ. „Was zur Hölle tust du da, Delenn?!"
„Ich will den Gefangenen sprechen, bevor ihr ihn nach Minbar ausliefert!"
„Darüber ist noch nicht entschieden worden," gab er schnell zurück und bekam einen das-glaubst-auch-nur-du-Blick von ihr. „Michael und ich halten es für keine gute Idee, dass du mit ihm sprichst. Was soll das noch ändern? Spätestens morgen ist er hier weg!"
„Ich will wissen, wieso er das getan hat," sagte sie leise. „Wieso, ich meine, nur weil er es kann, reicht mir nicht als Begründung!"
„Delenn," sagte John jetzt in sanfterem Tonfall. „Manchmal tun Menschen wirklich nur Dinge, weil sie es können oder weil sie .. die Macht dazu haben."
„Ich muss wissen, warum er mir weh tun wollte, John, und ob er auch den anderen weh getan hat." Sie legte dem Captain eine Hand auf die Brust und sah ihm bittend in die braunen Augen.
Garibaldi beobachtete die Szene aus der Ferne und warf Lennier und Zack einen Blick zu. Er seufzte und machte sich bereit, die Zelle zu öffnen.
Sheridan seufzte ebenfalls, aber mehr innerlich als äußerlich. Wie sollte er diesen Augen etwas abschlagen? „Bitte, John!"
Ach, verdammt nochmal, fluchte er. „Michael und ich kommen mit hinein und du wirst dich ihm nicht nähern, Delenn! Du hältst ausreichend Abstand zu dem Bastard!"
Sie nickte und lächelte ihn leicht an.
„In Ordnung." Sie gingen zurück zu den anderen. Der Chief sah Sheridan kopfschüttelnd an. „Wir gehen mit hinein, Michael! Fünf Minuten."
Garibaldi suchte nach den richtigen Worten. „Sie sind der Boss, Boss," kam es lapidar von ihm und er grinste schmal, war im Moment doch jedem klar, wer der wirkliche Boss hier war. Die kleine zierliche Frau, die wieder einmal ihren Willen bekommen hatte.
Zu dritt betraten sie den Raum und das Schott schloss sich wieder hinter ihnen. Tom King saß ruhig auf einem Stuhl an einem Tisch und beobachtete die Neuankömmlinge. Garibaldi und Sheridan blieben neben der Tür stehen, während die Botschafterin auf den Künstler zu ging. Sie schmunzelte zufrieden bei dem Anblick des dicken Verbandes über seiner Nase und den dunklen Augenringen. Nach einem kurzen Blick zurück und einem Nicken vom Captain setzte sich Delenn Tom gegenüber an den Tisch, legte ihre Hände darauf.
„Warum?" fragte sie ihn gerade heraus.
Auch er legte seine Hände auf den Tisch, beugte sich leicht vor. „Warum was?"
„Warum hast du das alles getan?" Delenn saß so gerade auf ihrem Stuhl, als hätte sie einen Stock im Rücken.
Er lachte laut auf. „Wegen dir. Das weißt du doch!"
„Und die anderen? Die Akolytin, das Mädchen aus der Arbeiterkaste. Was hast du mit ihnen gemacht?" fragte sie kühl. „Und warum?"
„Nichts, was sie nicht auch wollten." Tom grinste anzüglich. „Dasselbe, was du bereit warst zu tun, Botschafterin!"
Jetzt lehnte sie sich vor, die Augen wütend verengt. „Ich war keinesfalls dazu bereit! Du hast mich gezwungen!"
„Ach?" Er zog die Brauen hoch und fuhr sich mit der Zunge über den immer noch grinsenden Mund. „Das habe ich anders in Erinnerung. Und die Aufzeichnungen werden das bestätigen. Du hast dich mir an den Hals geworfen!"
Delenn stand schnell auf, ihr Stuhl kippte hinter ihr um. Der Captain und Garibaldi machten ein paar Schritte auf sie zu, aber sie warf ihnen nur einen bösen, warnenden Blick über ihre Schulter zu. Dann schob sie sich einen Ärmel höher und entblößte dabei ein blaues Handgelenk. „Und das hier bilde ich mir nur ein?"
Tom sah hoch zu ihr und sein Grinsen wurde noch breiter und unverschämter. „Das nennt sich .. Leidenschaft, Botschafterin. Du magst es eben etwas härter."
Nun waren Sheridan und Michael schnell bei ihr und hielten sie gerade noch rechtzeitig an den Oberarmen zurück. „Du verdammter Lügner! Du wirst dir noch wünschen, es niemals auch nur versucht zu haben!" tobte Delenn zornig.
Tom lehnte sich lässig zurück. „Ich habe gar nichts versucht, nichts Verbotenes getan. Und das Gericht auf der Erde wird das genauso sehen, Delenn! Da war nichts."
Sie hörte auf sich gegen den Griff der anderen beiden zu wehren. Stattdessen lächelte sie nun böse zurück. „Du hast mein Quartier abgehört .. verwanzt, nennen es die Menschen. Das Quartier der Botschafterin von Minbar. Du wirst uns überstellt, dafür habe ich gesorgt! Ich bin mir sehr sicher, dass sich niemand auf der Erde mit uns Minbari in der heutigen Zeit anlegen wollen wird. Und ich habe sehr deutlich gemacht, dass genau das passieren wird, wenn du nicht unserer Gerichtsbarkeit zugeführt wirst, Tom!"
Unsicherheit stahl sich auf sein lädiertes Gesicht. „Das werden sie nicht zulassen. Ich habe auch Einfluss, Geld! Das wird nicht passieren!"
„Du hast einen ernsten diplomatischen Vorfall provoziert," sagte sie leise. „Das lassen wir uns nicht gefallen! Wenn wir das ungesühnt lassen, wird uns keiner mehr glauben!"
Jetzt sah Tom von ihr zu den Männern. „Die Erde wird niemals einen eigenen Bürger im Stich lassen!"
Der Captain hob die Schultern und ließ Delenn wieder los. „Ich hätte auch nie gedacht, dass wir mit den Centauri einen Nichtangriffspakt schließen." Sein Comm-Link summte. „Ja?"
„Senator Borashevsky über den Goldkanal für Sie, Captain," ertönte Corwins Stimme.
John schmunzelte. „Ich nehme das Gespräch in zehn Minuten in der Sicherheitszentrale an."
Die Botschafterin der Minbari funkelte Tom triumphal an. Jetzt war es an ihm aufzuspringen und um den Tisch herum auf sie zu zugehen. Der Captain stellte sich dazwischen, hielt den Künstler auf und Garibaldi zog seine Waffe. „Ich hole dich mir, Botschafterin! Egal, was passiert, ich komme wieder!"
„Hinsetzen!" knurrte Sheridan bedrohlich und drückte auf Toms Schultern.
„Du hattest deinen Versuch, Tom," erwiderte Delenn eisig. „Einen weiteren wird es nicht geben. Ein schönes Rest-Leben in unseren Minen!" Und damit drehte sie sich um, um zum Ausgang zu gehen.
Der Künstler hob seine Arme und befreite sich mit einem Ruck von Sheridans Händen, wurde dann jedoch von einem Faustschlag gegen das Kinn zurück auf den Stuhl geschleudert.
„Autsch, knallhartes Kinn für so ein Würstchen," murrte der Chief und massierte sich die Knöchel, nachdem er seine Waffe wieder weggesteckt hatte.
Der Captain beugte sich zu Tom herunter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Das ist ein Versprechen," sagte er dann lauter mit einem Lächeln.
Der Künstler starrte ihn böse an. „Egal und wenn ich mich durch ganz Minbar graben muss, Captain und Sie mir dann im Weg stehen!"
Sheridan zuckte ein weiteres Mal mit den Schultern. „Das werde ich. Garibaldi!"
Damit folgten sie Delenn zur Tür und hinaus.
Garibaldi und Delenn warteten vor der Tür. Während der Chief ruhig an der Wand lehnte, lief die Botschafterin nervös hin und her.
„Doch kein Vertrauen in die Erdregierung, Delenn?" fragte er amüsiert.
„Sie etwa?" stellte sie eine schlagfertige Gegenfrage.
„Touchè!" Sie grinsten sich gegenseitig an. Da öffnete sich das Schott der Sicherheitszentrale und Sheridan registrierte verwundert diesen kurzen Moment des gegenseitigen Verständnisses zwischen Botschafterin und Chief.
Der Captain sah sich schnell im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit und räusperte sich. „Die Erdregierung hat dem Auslieferungsantrag von dir und vom Grauen Rat zugestimmt." Delenns kleine Faust ballte sich kurz. „Allerdings darf ihn zusätzlich zu seinem minbarischen Vertreter auch noch ein Mensch auf Minbar verteidigen. Morgen früh nimmt ihn ein Transport nach Minbar mit."
„Was ist mit dem Komplizen?" fragte Garibaldi.
„Er bekommt ein Verfahren auf der Erde. Wir müssen also alle Beweise kopieren und beiden Transporten mitschicken."
„Die Erdregierung betont, dass es sich hier um einen absoluten Ausnahmefall handelt, Delenn," sagte Sheridan und sah ihr ernst ins Gesicht. „Sie bedauern das Geschehene zutiefst und hoffen dadurch die guten Beziehungen zu Minbar weiter aufrecht zu erhalten."
Delenn legte den Kopf schief. „Das klingt ganz so, als hätten sie etwas als Gegenleistung verlangt," meinte sie verwundert.
Kopfschüttelnd steckte sich John seine Hände in die Hosentaschen. „Nein, keine Gegenleistung."
Sie warf Garibaldi ein Lächeln zu und seufzte danach. „Dann .. war es das." Instinktiv massierte sie sich ihr Handgelenk mit der anderen Hand.
„Du solltest damit zu Doktor Franklin gehen, Delenn," sagte der Captain, nachdem er einen kurzen Blick mit seinem Sicherheitschef ausgetauscht hatte.
„Das ist nichts. Das wird .. verblassen," wiegelte sie ihn ab. Schließlich verbeugte sie sich, um zu gehen.
„Delenn!" rief Sheridan sie nochmal beim Namen. Sie drehte sich um. „Geh .. trotzdem zu Dr. Franklin! Bitte." Die Botschafterin lächelte ihn undurchschaubar an und setzte ihren Weg dann fort.
„Sie wird nicht ins Medlab gehen," brummte der Captain und verdrehte die Augen.
„Ja," sagte Garibaldi und grinste diabolisch. „So wie Sie auch nicht gehen würden, Captain. Es grenzt an ein Wunder, dass sich zwei solche Dickköpfe wie Sie beide dann doch überwiegend so gut verstehen!"
Stunden später herrschte geschäftiges Treiben in den Andockbuchten. Nur in Andockbucht 7 befanden sich fast zu wenige Personen. Ein Shuttle wartete mit einem nervösen Piloten davor. Er hatte eine Menge Geld bekommen, die Bucht zu räumen, keine Fragen zu stellen und seine Passagiere zum wartenden Drazi Handelsschiff vor der Station zu transportieren. Es war als eines der letzten zehn Schiffe des Tages vorgesehen und sollte bald abfliegen.
Das Schott öffnete sich und vier Sicherheitsleute betraten mit jeweils einem Gefangenen die Bucht. Die zwei Männer grinsten sich an und gingen zum Geländer, ohne, dass sie ihre Wärter aufhielten. „Sind die anderen schon da?" rief Tom King ihrem Piloten zu.
„Siehst du hier noch andere?" blaffte der Mann zurück.
King lachte und drehte sich um. Die Sicherheitskräfte wechselten gerade die Kleidung und warfen die Uniformen achtlos in eine Ecke.
„Sie sollten schon längst hier sein, Tom! Vielleicht haben sie sie nicht gefunden," murmelte ein nervöser Gordon. „Wir müssen los!"
Paul Thomson kletterte aus dem Shuttle und machte sich auf den Weg zu ihnen. „Was ist? Warum sind wir noch nicht unterwegs? Wo ist Jean?"
„Dreimal darfst du raten!" Gordon hob die Arme. „Er hat sie nach unserer Flucht mit den anderen zu ihr geschickt!"
„WAS?"
Das Schott ging ein weiteres Mal auf und zwei Pfleger schoben ein Krankenbett herein. Hinter ihnen lief Jean und auch diese drei lachten erleichtert.
Der Künstler ging ihnen entgegen und zog das Tuch, das den Patienten vollständig verdeckte, zurück. „Ah, Dornröschen schläft. Gut gemacht, Jean!"
„Sie ist gut trainiert, es ist nicht einfach sie schlafen zu lassen," erwiderte die Frau und gesellte sich zu Gordon.
„Tom," begann Paul vorsichtig. „Was hast du vor?"
„Wir nehmen sie mit," erklärte King und betrachtete Delenns schlafendes Gesicht.
Gordon sog hörbar die Luft ein. „Das können wir nicht machen," flüsterte er. „Aber er wollte nicht hören! Wir können doch nicht einfach die Botschafterin der Minbari kidnappen!"
Auch Thomson sah unglücklich drein. „Du meinst, wir fliehen jetzt mehr oder minder erfolgreich, um dann von .. von Minbari, Menschen oder Vorlonen getötet zu werden?"
Tom grinste vor sich her. „Niemand wird auf uns schießen solange sie an Bord ist!"
„Also, schießen sie erst, wenn sie nicht mehr an Bord ist und jagen uns durch die halbe Galaxis?" fragte Paul.
„Minbari geben nicht auf, Tom," schloss sich ihm Gordon an. „Ohne sie werden sie uns schon an den Fersen kleben, aber mit ihr .. ist unser Tod so gut wie sicher!"
„Wieso .. Vorlonen?" fragte Jean nachdenklich.
„Die Botschafterin ist häufig mit Botschafter Kosh von den Vorlonen gesehen worden, mehr, als jeder andere hier," erklärte Paul. „Und wenn wir nicht schon die Minbari fürchten sollten, die Vorlonen sind nochmal zehn Nummern gefährlicher!"
Tom drehte sich zu ihnen um. Die „Pfleger" hatten sich inzwischen auch umgezogen und gingen bereits mit den anderen vier Männern zum Shuttle hinunter.
„Klingt für mich nach einem Himmelfahrtskommando, Tom," sagte Jean ruhig. „Hast du gut genug darüber nachgedacht?"
Der Künstler wandte sich wieder Delenn zu. „Also gut, ihr habt ja recht. Gordon, geh hinunter, kümmere dich schon mal darum, dass sie uns nachher nicht aufspüren können! Jean, weck sie auf!"
Die Telepathin stellte sich hinter den Kopf der Botschafterin, berührte deren Stirn mit der Hand und sandte den Befehl. Delenn schlug die Augen auf. Verwirrt sah sie in Toms Gesicht. War sie nicht eben noch in der Nähe des Zocalos gewesen? Zornig wollte sie sich aufrichten, aber Fesseln hielten sie an der Liege festgeschnallt. Sie bäumte sich auf.
Tom sah zu Jean. „Wir wollten sicher gehen, falls mein Befehl zu schwach ist. Du weißt, ich bin höchstens eine P4."
„Gut mitgedacht," erwiderte er grinsend. Jean entfernte sich und blieb stehen. Paul ging bereits ebenfalls langsam auf das Shuttle zu.
„Was soll das? Was hast du vor?" fragte die Botschafterin wütend.
„Mich verabschieden. Leider kannst du nicht mitkommen. Die anderen sind dagegen." Tom lachte amüsiert und versuchte sie zu küssen, erwischte allerdings nur ihre Wange, da sie sich wegdrehte. „Nein," knurrte er verstimmt und nahm ihr Kinn fest in eine Hand, um ihren Kopf zurück zu drehen. „Du musst mitspielen!"
„Ich muss gar nichts!" Ihre Augen loderten vor Zorn. Sie presste die Lippen fest aufeinander.
„Jean?" Tom sah auf.
„P4, Tom, so einen Versuch hatten wir schon und es ging schief!" Die Telepathin zuckte mit den Schultern.
„Also gut," meinte der Künstler und zog das Tuch noch etwas weiter hinunter, öffnete mit einer Hand Delenns Gürtel. „Was hältst du von einem Abschiedskuss, Botschafterin, und dafür lassen wir dich .. zugedeckt hier weiter schlafen?"
Delenn bäumte sich wieder gegen ihre Fesseln auf. „Das wagst du nicht!"
„Ich habe nicht gerade viel zu verlieren." Seine Hände öffneten ihre Robe. „Zu schade, wirklich. Es hätte sehr viel Spaß gemacht. Aber vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Gelegenheit."
„Hör auf! Bitte!" Flehend wollte sie zu der Frau sehen, aber sie befand sich außerhalb ihres Sichtfeldes.
„Wir müssen JETZT los oder kommen gar nicht mehr weg!" rief der Shuttlepilot zu ihnen herüber.
„Also? Delenn?" Tom sah sie grinsend an und seine eiskalte Hand berührte ihre Haut. Sie nickte widerwillig.
Er beugte sich herunter und küsste sie erneut. Dieses Mal ließ sie es zu und erwiderte den Kuss halbherzig. „Das geht besser!" befand er und küsste sie ein weiteres Mal.
„Hört mich jemand?!" Der Pilot wurde mehr und mehr unruhig.
Tom knurrte böse, ließ von Delenn ab und deckte sie zu. „Leg sie schlafen! Und gib ihr einen Traum von mir, wenn du schon dabei bist!" forderte er von der Telepathin und zu der Botschafterin: „Gute Nacht, Dornröschen!"
Es kostete Jean zwei Versuche, aber sie schaffte es erneut Delenn den Befehl zum Schlafen zu übermitteln. Danach folgten sie ihren Kumpanen zum Shuttle.
Wenig später verließ dieses Babylon 5 und erreichte den Drazi Transporter vor der Station, der mit seiner Fracht und den Passagieren unbehelligt das Sprungtor passierte.
„Der letzte für heute," seufzte Ivanova und lehnte sich zurück ans Geländer der Kommandozentrale. Unter ihr im Graben hörte sie Corwin „Oh nein" murmeln. „Einen Moment, Joe!" Corwin schaltete auf einen anderen Kanal. „Oh nein!" hörte sie ihn erneut ausrufen. Dieses Mal jedoch lauter.
Der Commander drehte sich um. „Sagen Sie schon, Corwin!" herrschte sie ihn an.
„Die Sicherheit meldet, dass die beiden Gefangenen, die morgen die Station verlassen hätten, geflohen sind. Sie suchen sie überall und wir sollen alle Schiffe stoppen!" meldete ihr Untergebener.
„Zu spät!" kommentierte sie lakonisch.
„Und Joe Decker von der Wartung hat eben Botschafterin Delenn auf einer Krankenliege schlafend in Andockbucht 7 gefunden. Sie lässt sich nicht wecken!"
Sie aktivierte ihren Comm-Link. „Na wunderbar! Ivanova an Medlab!"
„Medlab hier!"
„Bitte schicken sie ein Notfallteam zur Andockbucht 7!"
„In Ordnung, Commander!"
Ivanova runzelte die Stirn, nachdem sie die Verbindung gekappt hatte. „Welcher der letzten Schiffe wurde von Andockbucht 7 beliefert?"
Corwin sah auf seine Instrumente. „Keiner. Zuletzt ging dort ein Shuttle heute morgen zu einem Brakiri Transporter raus. Danach .. wurde die Bucht gewartet."
„Verdammt!" fluchte sie.
Sheridan stand hinter seinem Schreibtisch und musterte seine beiden Offiziere vor ihm böse. „Wie konnte das passieren?" fragte er Garibaldi bereits ein zweites Mal.
Dieser stand so stramm wie noch nie vor seinem CO und schluckte. „Den Aufzeichnungen nach … könnte es eine Mischung aus manipulierter Technik und vermutlich eine Telepathin gewesen sein."
„Ich dachte, die technischen Schwierigkeiten wurden beseitigt?!"
„Was soll ich sagen? Er ist gut," erwiderte der Sicherheitschef und wandte den Blick gleich wieder von den zornig drein blickenden braunen Augen ab.
„Und wie kann eine ganze Andockbucht fast den ganzen Tag gewartet werden ohne, dass es jemandem auffällt, dass sich ein Transport daraus entfernt?! Und wie kommt es, dass es davon keinerlei Aufzeichnungen gibt?!" fauchte der Captain nun seinen Commander an.
„Es .. wurde noch nichts gefunden. Das heißt nicht, dass wir es nie aufklären werden," stotterte sie und straffte sich dann. „Die Fighter, die wir den letzten drei Schiffen hinterher geschickt haben, konnten auch nichts finden. Wir haben alles versucht, Captain!" Susan schob trotzig ihr Kinn nach vorn.
Sheridan trat hinter seinem Tisch hervor. „Das war nicht genug, Commander! Bei weitem nicht genug!" Seine Stimme klang eisig und enttäuscht. Dann verließ er sein Büro und ließ seine Untergebenen allein, die sich beide unwohl ansahen und etwas entspannten.
Dr. Hobbs und Franklin starrten auf die Anzeigen. „Mist!" fluchte sie halblaut.
„Jeb," erwiderte er und klatschte in die Hände. „Alle raus, wir brauchen hier mehr Hilfe!" Das medizinische Personal und die beiden Doktoren verließen das Krankenzimmer.
Der Doktor ging zu Lennier, der neben Sheridan stand und die Bemühungen der Mediziner durch das Fenster beobachtet hatte.
„Also?" fragte der Captain stirnrunzelnd.
„Haben wir zufällig gerade einen Telepathen an Bord?" stellte Franklin eine Gegenfrage.
„Nein, aber ich verstehe nicht ..?"
„Die Gehirnströme weisen darauf hin, dass ihr ein Telepath befohlen hat zu schlafen. Es kann sie leider nur ein Telepath da wieder heraus holen," erklärte der Doktor. „Wir haben alles andere versucht. Lennier?"
Der junge Minbari wandte seinen Blick von der unruhig schlafenden Delenn ab und verbeugte sich. „Ich hole einen Telepathen der Minbari, Doktor!"
„Dankeschön!" rief Franklin Lennier noch hinterher.
„Darf ich .. ?" fragte Sheridan und deutete auf das Krankenzimmer.
„Sie wird Sie nicht hören," meinte Franklin und nickte dann. „Natürlich, gehen Sie! Wir müssen sowieso auf den Telepathen warten."
Der Captain ging hinein und trat an Delenns Bett heran, betrachtete sie im Schlaf. Ihre Augenlider zuckten, sie murmelte etwas für ihn Unverständliches, vermutlich auf Adronato. Der Kopf der Botschafterin drehte sich zur anderen Seite, ihre Hand zuckte und über ihrer Nasenwurzel bildete sich eine steile Falte.
Sheridan sah auf und durch die Glaswände hinaus, doch niemand schien auf ihn zu achten. Vorsichtig legte er dann seine Hand in Delenns und strich mit der anderen beruhigend über ihren Unterarm. Wieder ein Wortschwall auf Adronato und ein Zucken des gesamten Körpers. Aber danach schien sich Delenn zu entspannen. Ihr Gesicht wirkte nicht mehr ganz so angespannt wie zuvor und ihre Mundwinkel bogen sich nach oben, lächelten sacht. Unwillkürlich lächelte John zurück und streichelte mit dem Daumen ihren Handrücken. „Das wird schon wieder, Delenn," murmelte er. „Und ein bisschen Schlaf kannst du nach den letzten Tagen doch gut gebrauchen, oder? Hmm, auch wenn du wirkst, als hättest du den schrecklichsten Alptraum deines Lebens." Mit der Hand, die nicht die ihre festhielt, griff Sheridan hinter sich und zog sich einen Stuhl heran, setzte sich. „Ich .. es tut mir leid! Diese ganze Sache mit der Lichtshow war meine dumme Idee," sprach er dann weiter. „Hätte ich gewusst, wäre es abzusehen, dass .. das passiert, ich hätte gern die langweiligen Diplomaten ertragen." Er seufzte und starrte auf Delenns Lippen. „Wusstest du, dass sich Menschen zu Neujahr küssen, kurz nach dem Jahreswechsel? Auf den Mund oder die Wange. Es wäre wohl die Wange geworden wärst du in meiner Nähe gewesen." John lachte leise und schüttelte den Kopf. „Vermutlich nicht. Aber die Chance hätte bestanden, dass ich es, ein klein wenig, versucht hätte." Er sah auf und wieder aus dem Zimmer hinaus, nur um dann wieder Delenns entspanntes Gesicht zu betrachten. „Keine Sorge, wir werden sie kriegen! Es sind bestimmt schon die besten Kopfgeldjäger auf sie angesetzt. Jedenfalls lässt die Tirade eures Botschafters auf der Erde, die ich mir vorhin anhören durfte, darauf schließen." Delenns Hand umschloss die seine plötzlich fester, als suche sie nach Halt. „Wie wäre es, wenn du jetzt einfach so aufwachst und uns alle überraschst?" fragte Sheridan daraufhin hoffnungsvoll. „Du bist stark und gut ausgebildet, du kannst das! Und du überraschst mich praktisch jeden Tag, an dem wir uns sehen. Ich bin noch nie einer .. Minbari wie dir begegnet." Er wandte den Blick ein weiteres Mal von ihr ab, um hinaus zu sehen. Danach hob er die freie Hand und berührte Delenns Wange, strich sanft darüber bis zu ihrem Kinn. Sie war so weich wie er es sich vorgestellt hatte und er schalt sich innerlich einen Feigling vor wenigen Tagen den Rückzug angetreten zu haben und sie jetzt so zu berühren, wo er sich sicher sein konnte, dass weder sie noch jemand anderes es mitbekommen würde.
Die Tür sprang auf, Sheridan schnellte sofort vom Stuhl auf und sah auf. Lennier, Franklin und ein ihm unbekannter Minbari kamen herein. Schuldbewusst zog John seine Hand aus Delenns Griff hervor und sah keinem der Hereinkommenden ins Gesicht. Sofort begann sich der Körper der Botschafterin wieder zu verspannen. Der Captain trat zurück und machte den anderen Platz. Delenn murmelte, drehte den Kopf zur Seite.
Die beiden Minbari sahen sich überrascht an.
„Was hat sie gesagt?" fragte Sheridan.
Lennier sah vom Captain zu Franklin und hob die Schultern. „Sie sagte: ‚Komm zurück sonst kommt er wieder!'."
Der Doktor atmete tief durch. „Dann würde ich sagen, Turell, holen Sie sie da raus bitte!"
Der Telepath nickte und trat an das Kopfende des Bettes, berührte mit den Fingerspitzen sacht die Stirn der Botschafterin und schloss die Augen. Es dauerte einen kurzen Moment lang, dann öffneten er und Delenn zugleich ihre Augen wieder. Lennier trat als Erster an ihre Seite und sie lächelten sich an. Doch die grauen Augen der Botschafterin verschleierten sich und sie hob abwehrend die Arme und brüllte ihren Assistenten an, der wie vom Donner gerührt zurück trat. Turell runzelte die Stirn und fasste wieder Delenns Stirn an und sie fiel erneut in ihren unruhigen Schlaf. Der Telepath blieb bei ihr, ließ erst nach einer vollen Minute von ihr ab und sah dann die anderen Männer besorgt an.
Franklin war der erste, der sprach: „Was ist passiert?"
„Sie .. haben ihr einen Traum gegeben," sagte Turell mit dem Akzent eines Minbari, der der englischen Sprache nicht vollständig mächtig war. „Nicht richtig, ehm .." Er sah Lennier an und nannte ihm das Wort auf Adronato.
„Sie haben gepfuscht, geschlampt, schlecht gearbeitet," wiederholte der Attaché die Übersetzung für Franklin und Sheridan verständlich.
Der Captain legte seine Hand auf den Unterarm der Botschafterin und augenblicklich wurde sie wieder ruhiger, murmelte erneut Worte, die weder Sheridan noch der Doktor verstanden.
Turell beäugte die Situation genau und sah dann zu Lennier. „Ich, eh, möchte etwas .. vorschlagen?" sagte er langsam und sprach dann für ihn leichter mit Delenns Assistenten in ihrer Muttersprache.
Doch Lennier schien nicht einverstanden zu sein und die beiden Minbari diskutierten minutenlang ohne sich wirklich einig zu werden. Franklin verschränkte die Arme vor der Brust und tauschte verständnislose Blicke mit Sheridan aus.
„Mr. Lennier!" rief dieser schließlich in seinem besten Befehlston den jungen Minbari zur Besinnung.
Lenniers Mund wurde zu einem Strich bevor er sprach: „Turell schlägt vor, Sie, Captain, in den Traum der Botschafterin zu geleiten, damit Sie sie dort herausholen."
„Wie .. ? Das geht?" fragte John verwundert.
„Wieso gerade der Captain?" schloss Franklin sich an.
Der Attaché holte tief Luft. „Delenn sagte eben: ‚Gut, dass du da bist.', als Sie sie berührten, Captain. Turell ist der Meinung, dass sie Sie als Hilfe, als Schild bereits in ihren Traum integriert hat. Deswegen hält er Sie für geeigneter als jeden anderen. Er, er kann Sie dorthin bringen, aber alles andere liegt dann an Ihnen. Sie kann Traum nicht von Realität unterscheiden und hält alles für Trugbilder. Sie .. müssten sie überzeugen, ihr helfen."
„Was muss ich tun?" fragte John unsicher.
Turell lächelte sacht, nahm einen Stuhl und stellte diesen neben dem Kopfende des Bettes auf. „Setzen! Entspannen! Ruhig."
„Einen Moment," warf Franklin ein, als sich der Captain die Jacke auszog und danach setzte. „Ist das gefährlich? Welchen Effekt hat es auf den Captain?"
„Effekt?" Turell sah Lennier fragend an, der die Frage des Doktors übersetzte. Lächelnd betrachtete der Telepath daraufhin wieder Franklin und deutete auf die vielen medizinischen Geräte. „Sie .. aufpassen, Doktor. Wir, eh, brauchen eine Stunde. Standard? Standard!" Dann zog er den Captain an dessen Schulter zurück, so dass dieser sich an die Rückenlehne des Stuhls lehnte. Geübt legte er seine Hand über den Kopf Sheridans, die Fingerspitzen berührten die Stirn. Die andere Hand Turells legte sich auf Delenns Kopf. Alle drei hatten ihre Augen geschlossen.
Sheridan fiel, er fiel tief. Aber es war kein schwarzes Loch ohne Ende, es war grell weiß und schmerzte in seinen Augen. Unsanft landete er auf dem weißen Boden und stemmte sich stöhnend auf seinen Ellenbogen hoch. Turell trat an ihn heran und lächelte sacht. „Eine Stunde, Captain. Bis dahin müssen Sie sie überzeugt haben und wecken. Ich schicke Ihnen .." Der Minbari blickte verwundert drein. „Einen Hasen und ein Mädchen? Wieso? Hasen, die sprechen können mit einer Uhr?"
„Alice im Wunderland. Eine Geschichte für Kinder .. auf der Erde. Sie schicken mir ..?" Der Captain hatte sich aufgerappelt und sah sich um, konnte bis auf Turell jedoch nichts im Nichts ausmachen.
„Ich schicke Ihnen den Hasen vorbei, um Sie an die Zeit zu erinnern, Captain," fuhr der Telepath fort. „Hasen. Auf Minbar heißen ähnliche Tiere Mokl. Interessant." John hob eine Hand und versuchte sich noch immer von seinem Fall oder besser dem Aufprall zu erholen. „Ja?"
„Wieso sprechen Sie jetzt so gut meine Sprache, Turell?"
„Weil ich in ihrem Kopf bin, Captain. Sie sollten gehen!"
Sheridan hob die Brauen und gestikulierte in das Weiß. „Wohin?"
Der Telepath deutete über Johns Schulter. „Dort entlang!"
„Die Tür war aber vorhin noch nicht da!" entrüstete sich der Captain, nachdem er sich umgedreht hatte. Doch Turell war verschwunden, die Tür jedoch blieb. Sheridan schritt darauf zu. Das Schott schwang nicht zur Seite. „Eh, Turell?" rief John, aber der Telepath blieb fort. Versuchsweise betätigte John den Türsummer und wartete.
„Öffnen!" rief jemand schrill und das Schott schwang zur Seite. Dahinter befand sich ein Korridor von Babylon 5. Der Captain trat über die Türschwelle und das Schott hinter ihm verschwand komplett. Bevor er sich wundern konnte wurde er fast von einer Horde Sicherheitsleute umgerannt. Er folgte ihnen schnell und zusammen erreichten sie die Tür, die zu einem Hotelzimmer im roten Bereich führte. „Schnell! Aufbrechen!" ertönte die Stimme von Garibaldi.
Die Sicherheit machte sich am Türschloss zu schaffen, erreichte jedoch nichts. Der Sicherheitschef kontaktierte die Wartung und diese versicherte, schnellstmöglich jemanden vorbei zu schicken, der die Schotttür auf bekommen würde. Sheridan runzelte die Stirn und ging auf Garibaldi zu.
„Sollten Sie nicht einen Schweißbrenner anfordern, Chief?" fragte er verwundert und sich an den Bericht erinnernd.
„Wozu?" erwiderte Garibaldi und schob Sheridan beiseite, als wäre er nur eine störende Fliege.
Der Captain sah sich um. Alles wirkte irgendwie falsch und deplatziert. John ging zum sich anschließenden Hotelzimmer, steckte seine Karte hinein und tippte den Überbrückungscode ein. Die Tür öffnete sich, er sah zu Garibaldi hinüber und schüttelte den Kopf. Im Raum ging er auf die Wand zu, an dieser in der Realität ein Loch geschweißt wurde. „Verschwindet!" hörte er Tom von nebenan hinaus brüllen. Danach hörte er Schüsse. All dies war nie passiert, nie so geschehen. Sheridan berührte die Wand vor sich. Sie war aus festem Metall. Er tastete sich daran entlang und stolperte dann fast durch ein Loch, das offenbar existierte und doch nicht da war, ins Nebenzimmer.
„Hört auf zu schießen!" herrschte Garibaldi seine Leute an. „Sonst erwischt ihr noch die Botschafterin!"
„Ja, hört auf zu schießen!" höhnte Tom an der Tür und schoss selbst auf die Männer und Frauen davor.
Der Captain schlich zum Bett. Delenn lächelte sacht, als sie ihn sah. Er legte seinen Zeigefinger auf den Mund und befreite sie dann von den Fesseln um ihre Knöchel. Stirnrunzelnd schloss er ihre halb offene Robe und zog sie an den Handfesseln vom Bett herunter, um sie zu der Stelle zu bringen, an der er hinein gekommen war.
„Dummköpfe!" Das Schott schloss sich wieder. Tom heulte vor Zorn auf, als er die beiden Fliehenden bemerkte.
Sheridan schubste Delenn durch das Loch, das es immer noch zu geben schien und duckte sich unter Toms Schuss weg. Dann folgte er Delenn hinaus. Hinter ihm war ein lautes FUMP zu hören, als der Künstler gegen eine feste Wand lief.
„Verrückt!" John berührte das Metall irritiert.
„Danke!" Delenn hielt ihm ihre gefesselten Hände entgegen. „Ich wusste, du würdest wieder kommen!"
Während er ihr die Fesseln löste betrachtete Sheridan die Botschafterin genau. „Ich bin nicht wirklich hier. Du auch nicht, Delenn. Dies ist alles nur ein Traum oder Alptraum von dir," erklärte er. „Einer eurer Telepathen hat mich hierher gebracht, um dich zu holen."
Sie sah ihn verständnislos an und rieb sich die Handgelenke. „Ein Traum? Wirklich? Es wirkt nicht .. wie ein Traum." Sie berührte Sheridans Gesicht und kniff ihn in die Wange.
„Au!" rief dieser aus.
„Siehst du! Alles echt!" grinste Delenn schmal.
„Nein, nein, hör mir bitte zu!" John fuhr sich mit der Hand über die schmerzende Stelle. „Du träumst das alles nur! Er hatte eine Telepathin dabei. Erinnerst du dich nicht wie sie dich in der Andockbucht zurückgelassen haben?"
Nebenan wurden wieder Schüsse laut. Und während die Botschafterin noch versuchte sich zu erinnern, trat der bewaffnete Tom ins Zimmer ein. Sheridan stellte sich vor Delenn und schirmte sie mit seinem Körper ab.
„Nicht schnell genug, Starkiller!" tönte der Künstler und schoss ihm vor die Füße. „Der nächste Schuss wird treffen, wenn Sie sie mir nicht zurückgeben!"
„Bitte nicht, John," flehte sie hinter ihm und legte ihre Hand in seine.
„Kann man .. in einem Traum auch sterben?" fragte er leise. „Es ist dein Traum, Delenn! Beeinflusse ihn!" Er spürte ihren Kopf an seinem Rücken und schloss die Augen, als sich der Schuss aus Toms Waffe löste.
Als er sie wieder öffnete befanden sie sich nicht mehr auf Babylon 5. Diesen Ort kannte er nicht. Und ganz offensichtlich war er auch nicht tot. Der Captain drehte sich um und begegnete Delenns Blick. „Alles in Ordnung?" fragte er sie. Sie nickte nur und sah sich ebenfalls um.
„Das ist Minbar," sagte sie und ging auf ein graues Gebilde vor ihnen zu. „Eine der Jakk-Prüfungen vom Tempel."
„Jakk-Prüfungen?" wiederholte Sheridan.
„Es ist, nun, vergleichbar mit euren Labyrinthen auf der Erde," erklärte Delenn und deutete auf das Gebilde. „Allerdings besteht es nicht aus Pflanzen wie bei euch."
Er folgte ihr widerstrebend. „Delenn, ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre dort hinein zu gehen!" Plötzlich spürte er etwas Weiches an seinem Bein vorbei huschen. Ein plüschiges Etwas, einem Kaninchen nicht unähnlich, stürmte auf das graue Labyrinth zu, blieb davor stehen, sah auf eine Uhr und rief: „Noch vierzig Minuten! Noch vierzig Minuten! Ich bin zu spät!" Dann hoppelte er hinein.
Die Botschafterin lachte unwillkürlich auf. „Ein sprechender Mokl?"
„Oh, ehm," begann John und massierte sich den Nacken. „Das ist ein Zeichen von Turell, dem Telepathen, wie viel Zeit mir bleibt, dich davon zu überzeugen, dass dies ein Traum ist. Delenn, wir sind im Medlab und du hängst schlafend in diesem Traum fest, weil es dir ein Telepath von diesem Künstler so suggeriert hat. Glaube mir!" Er trat noch näher an sie heran. „Vertraue mir!"
Sie hob ihre Hand und er zuckte kurz zurück bei der Erinnerung von vor wenigen Minuten, doch Delenn schüttelte sacht den Kopf und lächelte. „Das tue ich!" Dann strich sie ihm über die Wange und sah zum Labyrinth. „Ich weiß nur leider nicht wie ich aufwachen soll. Vielleicht sollten wir dem Mokl folgen!"
„Ein Hase," brummte Sheridan. „Es sollte ein Kaninchen von der Erde sein, Turell!" rief er in den Himmel. „In Alice im Wunderland kommen keine Mokls vor!"
Die Botschafterin nahm ihn bei der Hand und schritt auf das Labyrinth zu, kurz davor spürte sie seinen Widerstand, als er sie zurück hielt. „Was erwartet uns darinnen?"
Sie sah zu ihm auf. „Normalerweise ein Prüfer und verschiedene Aufgaben. Mental, physisch, beides. Und die Wände verändern sich und man sollte den Ausgang vor dem Prüfungsende finden."
„In unserem Fall innerhalb der nächsten vierzig Minuten bevor Stephen mich hier heraus holt." Aufmunternd nickte er ihr zu und sie gingen hinein.
Die grauen Wände waren 3 Meter hoch, schätzte Sheridan. Ein einzelner Gang mündete am Ende in einem Podest, auf dem zwei Drehstühle standen, die sich bei ihrer Ankunft unheilvoll knarzend umdrehten.
Die weiß gekleidete Minbari erhob sich und zuckte mit den Schultern. „Der Auftritt war ihre Idee." Sie deutete neben sich.
Kichernd schob sich die rot gekleidete Frau die Kapuze vom Kopf und stand ebenfalls auf. „Du verstehst eben keinen menschlichen Spaß!" Ihre Augen blieben auf Sheridan kleben. „Ohhhh! Ist er das? Der Echte?" Die Frau stolperte enthusiastisch vom Podest in die Arme des Captains, der sie auffing. Irritiert sah er zu Delenn, dann zu Delenn und zur sehr menschlichen Delenn, die ihn anstrahlte.
„Oh Mann!" Er betrachtete die komplette Minbari auf dem Podest verwirrt. Er war immer davon ausgegangen, dass er Delenn nur als jetzige Erscheinung attraktiv finden würde. Aber selbst als volle Minbari hatte sie ihre Augen, ihre Lippen und das kleine, feine Lächeln. „Oh Mann!"
Die Rote löste sich von ihm und zog die Augenbrauen zusammen. „Was ist los mit ihm?"
„Vermutlich hast du ihn kaputt gemacht," erwiderte die Weiße und stieg nun auch hinunter zu ihnen.
John sah hilfesuchend zu seiner Delenn, die ihn grinsend beobachtet hatte. „Was ..?"
Sie hob die Hände. „Ich weiß es nicht genau. Ich vermute, sie sind so etwas wie mein Gewissen, meine innere Stimme und seit letztem Jahr gibt es zwei von ihnen," erklärte die Botschafterin.
„Und wir sind sehr erfreut, dich endlich kennenzulernen. Also in echt, hier, bei uns. Sehr erfreut," sagte die Rote mit einem breiten Lächeln und berührte den Oberarm des Captains, als prüfe sie seine Muskeln. Sheridan war noch zu verwirrt und sah der komplett menschlichen Delenn ins Gesicht. Drei von ihnen. Plötzlich war er sehr froh, dass sie sich nicht in seinem Kopf, in seinen Gedanken oder, Gott bewahre, in seinen Träumen befanden. Bitte, lass Turell jetzt nichts davon mitbekommen, dachte er inständig.
Die Weiße griff nach dem Arm der Roten und zog sie vom Captain fort. „Entschuldigen Sie sie bitte, Captain," murmelte sie förmlich und spürte seinen Blick erneut auf sich. „Aber wir sind aus einem bestimmten Grund hier."
Die Botschafterin sah zu beiden Seiten. „Wir müssen uns für einen Weg entscheiden."
„Richtig," erwiderte die Minbari mit derselben melodischen Stimme.
„Ich glaube, er ist wirklich kaputt," sagte die Frau und näherte sich John wieder, stupste ihn mit dem Zeigefinger auf die Brust.
Sheridan erwachte aus seiner Starre und fing den Zeigefinger ein. „Ich bin nur mit einer Delenn schon manchmal überfordert. Auf drei .. war ich nicht vorbereitet," erklärte er schmunzelnd.
Die Rote grinste und sah zur Botschafterin. „Ja, sie überfordert auch uns. Aber du hast einen guten Einfluss auf sie und da sind wir uns ausnahmsweise auch einmal einig, die Minbari und ich."
„Hab ich das?" fragte er herausfordernd und ließ ihren Finger wieder los.
„Oh ja, das hast du," kam es sogleich zurück und ihre grauen Augen blitzten nicht minder herausfordernd.
„Entschuldigung," sagte die Minbari mit Nachdruck. „Wir haben hier eine Aufgabe und keine Zeit für .. Spielchen! Menschen!"
Die Rote verdrehte die Augen, aber der Captain blinzelte. Was trieb er hier eigentlich? „Wir haben nur begrenzt Zeit," murmelte er. „Also, welchen Weg nehmen wir, Delenn?" fragte John und ging um die Echte herum, um etwas Platz zwischen sich und die Rote zu schaffen. Wie einfach es ihm fiel mit ihrem menschlichen Teil zu flirten und wie ungelenk er sich sonst immer in der Nähe der Echten aufführte.
Die Botschafterin deutete zur linken Seite. „Bei meiner Prüfung bin ich dort entlang."
„Hast du bestanden?" fragte Sheridan grinsend.
„Natürlich," erwiderte sie, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. „Ich war gut."
„Du warst abgelenkt und kannst froh sein, die Prüfung so gut abgeschlossen zu haben," warf die Weiße ein.
„Sinoval," seufzte die Rote schwärmerisch.
„Sinoval?" fragte der Captain mit hochgezogenen Brauen.
Delenn winkte ab. „Was befindet sich links?" fragte sie die Minbari.
„Geheimnisse aus dem Krieg. Ein dunkler und steiniger Weg zum Ende."
„Und rechts?"
„Träume, die du vielleicht lieber nicht offenbart wissen willst," antwortete nun die Rote kryptisch mit einem kurzen Blick auf Sheridans Rücken.
Sie verstand den Wink sofort. „Wir gehen nach links, John!" Die Botschafterin ging voran.
Sheridan runzelte kurz die Stirn und verbeugte sich dann. „Ich, eh, war auch erfreut euch kennenzulernen, eh, Delenn und Delenn." Danach folgte er der Echten den linken Weg entlang.
„Das war .. merkwürdig," sagte er, als sie einige Minuten schweigend dem Weg gefolgt waren.
Sie sah ihn von der Seite aus an. „Welche gefiel dir am besten?"
„Welche? Ehm." Was für eine typische Frage einer Frau! Mit seiner Antwort konnte er nur verlieren. „Ich weiß nicht. Ich bin schon mit der Hälfte von beiden überfordert, wie gesagt. Ich konnte mir dich nie als diese beiden Versionen vorstellen. Das war wirklich, wirklich merkwürdig."
Sie lachte auf. „Und jetzt stelle dir vor, du hättest tagtäglich diese beiden verschiedenen Stimmen im Ohr!"
„Ein Wunder, dass du so ruhig bleiben kannst."
„Ich meditiere viel," erwiderte sie und sie grinsten sich an.
Doch dann änderte sich ihre Umgebung plötzlich und sie befanden sich nach einer Wegbiegung auf einem Schiff der Minbari. Delenns Gesicht wurde ernst und dunkel. Überall liefen Minbari herum, schienen jedoch keine Notiz von ihnen zu nehmen. Dann gelangten sie zu einem Korridor. Ein Leichnam wurde an ihnen vorbei geschoben und am anderen Ende ..
„Das bin ich," sagte Sheridan atemlos zu dem Menschen, der genau wie der zweite Mensch auch gesichtslos erschien und von Minbari festgehalten wurde.
„Das .. warst du?" Die beiden Männer erhielten nun doch Gesichter. „Das .. wusste ich nicht."
Die Hälfte der Unterhaltung hatten sie verpasst.
„Was ist es, dass sich in Dukhats heiligem Ort befindet?" hörten sie die verschleierte Satai fragen.
„Isil-zha! Isil-zha!"
„Lasst sie gehen!"
Sheridan wandte den Blick wieder vom bekannten Szenario ab. „Und das .. warst du?" Delenn senkte den Kopf und nickte. Vor ihnen erschien wieder der übliche Weg durch das Labyrinth. Doch die Botschafterin zögerte weiter zu gehen und drehte sich um. Der Captain legte ihr seine Hände auf die Schultern. „Es war Krieg, Delenn. Und du hast uns doch gehen lassen."
„Aber erst nach deinen Worten, die du nur von Lenonn haben konntest," erwiderte sie leise. „Davor wollte ich euch töten lassen. Der Schmerz über Lenonns Tod hätte mich fast erneut falsch entscheiden lassen!"
„Nur fast, Delenn. Du hast richtig entschieden," sagte er erneut.
„Vielleicht hätten wir nach rechts gehen sollen." Delenn sah immer noch zum zurückliegenden Weg.
„Ich hätte schon gern deine Träume gesehen," gab John unumwunden zu. „Aber nur bei diesem Weg hier sprachen sie von einem Ende."
Sie drehte sich zu ihm um. „Du hast recht! Gut, dass du da bist!"
„Wir ergänzen uns gut," schmunzelte er.
In ein neues Schweigen verfallend gingen sie weiter. „Nur gut, dass ihr nicht wusstet, wen ihr da gefangen hattet," fing er dann wieder an.
„Du wärst vermutlich nicht gleich sondern auf Minbar getötet worden," sagte die Botschafterin leise. „Und meine Stimme wäre dabei vollkommen egal gewesen. Satai oder nicht, in dem Fall hätte dich nichts gerettet."
„Dabei ist deine Stimme doch sonst immer die entscheidende gewesen, Botschafterin," ertönte plötzlich vor ihnen der Spott von Tom.
Sheridan stürzte sich sofort auf ihn, damit dieser nicht wieder zur Waffe greifen konnte. Nach kräftigem Ringen entglitt dem Künstler die PPG und er fing sich einen Kinnhaken nach dem anderen vom Captain ein. Delenn hob die Waffe vom Boden auf und richtete sie auf die beiden kämpfenden Männer. Tom wich weiteren Schlägen aus und verprügelte nun Sheridan effizienter. Dieser taumelte zurück und ermöglichte Delenn ein freies Schussfeld. Und sie schoss. Tom fiel getroffen auf den Boden.
„Ist er .. tot?" fragte sie ohne sich ihm zu nähern.
„Es ist dein Traum. War er jemals tot?" fragte John zurück und japste nach Luft.
Die Botschafterin schüttelte den Kopf. „Nie lange genug, um sich sicher zu fühlen."
„Dann schnell weiter!" forderte er und winkte sie zu sich heran. Im größtmöglichen Bogen umgingen sie den Leichnam und setzten ihren Weg fort.
„Schnell weiter, schnell weiter!" rief der Mokl vor ihnen, sah auf seine Uhr. „Noch zehn Minuten!" Damit verschwand er um die Ecke.
„Zehn Minuten?" fragte Sheridan und wischte sich mit dem Ärmel Blut von der Lippe. „Die Zeit vergeht hier viel schneller als gedacht."
Delenn grinste breit. „Ich mag den Mokl. Woher stammt er genau?"
„Es ist ein Kaninchen," brummte John. „Aber Turell scheint mich ärgern zu wollen. Er stammt aus einer Kindergeschichte von der Erde: Alice im Wunderland."
„Alice im Wunderland," wiederholte sie, als sie sich unter seinem Arm einhakte und sie dem Mokl folgten. „Davon habe ich noch nie gehört."
„Das Kaninchen guckt zu Beginn der Geschichte immer auf eine Uhr und sagt, es wäre zu spät dran. Und die Heldin der Geschichte, Alice, folgt dem Kaninchen in seinen Bau hinein," erklärte Sheridan langsam und dachte darüber nach.
Als sie ebenfalls um eine Ecke bogen, erreichten sie das Ende. Allerdings war dort kein Ausgang zu sehen. Vor ihnen befand sich eine feste Wand. Delenn tastete die Wand ab. „Das sollte nicht hier sein. Bei der Prüfung war das nicht hier!"
„Das ist nicht dein Traum, Botschafterin," sprach nun wieder Tom hinter ihnen. „Das ist meiner. Du kommst hier nicht heraus!" Der Künstler blieb weit genug entfernt von ihnen stehen und lehnte sich lässig an die Wand.
Sheridan ließ seinen Blick über den Boden schweifen und entdeckte ein winziges Loch. Dann tastete er seine Hosentaschen ab und sein Gesicht erhellte sich. „Delenn, du solltest öfter auf deine innere Stimme hören," sagte er und schob sie in die Nähe des Lochs. „Besonders auf die menschliche!" Er zog zwei Fläschchen aus der Tasche und reichte ihr eines. „Und als Alice dem Kaninchen folgen will, findet sie einen Trunk, der sie kleiner macht, damit sie in den Bau hinein passt." Er öffnete seines und nickte ihr zu. „Vertraue mir!"
„NEIN!" rief Tom, als er erkannte, was sie vorhatten.
Doch der Captain und die Botschafterin tranken die Flüssigkeit aus, schrumpften und verschwanden im Loch auf dem Boden ins Nichts.
Kaum hatte John seine Augen geöffnet, zog er sich wackelig am Krankenbett hoch und sah Delenn ins Gesicht. Auch ihre Augen öffneten sich. „Willkommen im Wunderland, Alice," begrüßte er sie lächelnd.
„Wir haben es geschafft?" fragte sie heiser.
„Geschafft," bekräftigten Sheridan und Turell unisono. Der Telepath atmete tief durch und machte dann Dr. Franklin Platz, der einen Scanner über Delenn laufen ließ.
„Lennier," sagte sie, als sie ihren Attaché bemerkte und lächelte.
„Delenn, ich, eh, bin froh, dass es Ihnen besser geht," sagte dieser und trat neben ihr Bett.
„Ich werde Sie trotzdem bis morgen früh hier behalten, Delenn," bestimmte Franklin und betrachtete ihre Werte.
„Denken Sie nicht, ich habe genug geschlafen, Doktor?" fragte die Botschafterin scharfsinnig.
„Haben Sie denn gut geschlafen oder eher schlecht geträumt?" erwiderte er ebenso klug.
Sie stöhnte gequält. „Sie haben gewonnen."
„Danke. Ich gewinne oft gegenüber meinen Patienten," sagte Stephen und schmunzelte. Er gab ihr ein Sedativum, das sie binnen weniger Minuten in einen traumlosen Schlaf versetzte. Danach scheuchte er alle aus ihrem Krankenzimmer hinaus.
Fortsetzung folgt.
