7. Ein letztes Mal in die Schlacht
Zunächst hatte er schon befürchtet, dass er ein neues Flashpoint machen würde müssen, dass der einzige Weg Eobard aufzuhalten darin bestünde zu verhindern, dass er jemals zu Dr. Wells wurde, dass er jemals Barrys Mutter umbrachte. Aber das wäre ein wirklich einschneidender Eingriff in die Zeitlinie, auch wenn ein Teil von ihm auch ohne Ramsays Einflüsterungen immer noch der Meinung war, dass das vielleicht besser für alle wäre.
Das Problem damit war aber, dass sie einfach nicht vorhersagen konnten, wie sich die Abwesenheit des Flashs auf die Zeitlinie auswirken würde, irgendeine Zeitlinie, was das anging.
Also mussten sie um das Problem herum arbeiten, kreativ werden - und Chris hatte recht, keiner seiner Vorschläge sagte Barry besonders zu. Red Death hatte in der Zeitlinie, in der sie sich nun befanden, gewütet, und das nicht zu knapp. Er galt als eine Mischung aus Naturkatastrophe und Serienmörder; wie Chris richtig gesagt hatte, trug Eobard nicht einmal an all den Toten, die auf sein Konto gingen, die direkte Schuld, da er seine neuen Kräfte nur bedingt hatte kontrollieren können. All die Toten … bevor es Barry gelungen war Eobard in dieser Zeitlinie aufzuhalten, hatte er ganze Teile von Central City entvölkert.
Barry wollte gar nicht wissen, wer aller zu seinen Opfern gehörte, er wollte ihn einfach nur aufhalten, wollte diese spezielle Zeitlinie aus der Existenz löschen, bevor sie eine Chance hatte sich zu festigen. Und letztlich fiel ihm nur ein Weg ein das zu tun.
In der Vergangenheit von Earth Prime hatte der Flash Red Death aufgehalten, indem er seine Kräfte neutralisiert hatte. Barry würde das Gleiche ebenfalls tun müssen, nur in der Vergangenheit. Doch das konnte er erst nachdem Eobard zu Red Death geworden war, nicht davor, was viel einfacher wäre. Doch danach … danach würde Eobard ihn erwarten, würde mit ihm rechnen, und wäre Barry ihm überhaupt gewachsen?
Er hatte keine Ahnung welche Kräfte Red Death besaß, und ob er diese kontern könnte. Immerhin war er nicht der Barry Allen dieser Zeitlinie, der gelernt hatte, gegen diesen Feind zu bestehen.
Trotzdem musste er es versuchen. Er musste einfach den richtigen Moment erwischen und darauf hoffen, dass er dazu in der Lage wäre Eobard zu überraschen. Und das war die Aufgabe von Chris, er war derjenige, der feststellen musste, wann der richtige Zeitpunkt wäre Eobard zu überraschen und seine Kräfte zu rauben.
Doch inwiefern konnte er sich auf Chris verlassen? Ihre letzte Auseinandersetzung setzte ihnen immer noch beiden zu, und selbst wenn Chris ihn nicht absichtlich an der Nase herumführte, dann hatte er in Wahrheit nicht die volle Kontrolle über seine Kräfte, mit der er für sich selbst warb. Oder zumindest gab er sich nicht genug Mühe alle Konsequenzen aus jeder Änderung nach zu verfolgen. Außerdem sah er manche Änderungen in der Zeitlinie, die Barry für bedeutsam und lebensverändernd hielt, nicht als große Sache an.
Wer wusste also was Barry in der Gegenwart erwarten würde, selbst wenn es ihm gelingen würde Red Death aufzuhalten? Wer wusste wer ihn erwarten würde?
Trotzdem, von allen Änderungen, allen Zeitlinien, war die augenblickliche diejenige, die er am direktesten zu verantworten hatte. Er hätte früher bemerken müssen, dass etwas nicht stimmte und sich von seinen Zweifeln niemals zurück zur Nacht der Teilchenbeschleuniger-Explosion lotsen lassen dürfen. Und er hätte niemals zulassen dürfen, dass Eobard ihn überwältigte. Ja, er war nur der Idiot, der Ramsay und Eobard die Möglichkeit gegeben hatte Red Death auf diese Welt loszulassen, aber es gab keine Entschuldigung dafür dieser Idiot zu sein. Er musste das alles wieder in Ordnung bringen.
Und danach, danach konnte er vielleicht endlich wirklich aufhören, und damit beginnen in der Welt zu leben, in der er existierte, anstatt sich mühselig seine eigene zu erschaffen.
Aber dazu muss es eine Welt geben, die es wert ist, dass man darin lebt.
Chris hatte ihm einen Zeitpunkt genannt, an dem er zuschlagen sollte. Barry hatte diesen Zeitpunkt hingenommen, und war bereit für seine letzte Schlacht gegen Eobard Thawne (nur, dass es in Wahrheit niemals seine letzte Schlacht gegen Eobard Thawne war, nicht wahr?).
Er rannte wieder los, rannte wieder in die Vergangenheit. Hielt erst inne, als er dort angekommen war. Und dann machte er sich an die Arbeit.
Er fand Red Death dort, wo er ihn laut Chris finden sollte. Vor den Toren von Starling City. Darin wüteten gerade Slade Wilsons Mirakuru-Soldaten, probten den Aufstand, versuchten die Stadt an sich zu reißen. Barry hatte das alles verschlafen, war im Koma gelegen, während Olivers und Felicitys Stadt im Sterben gelegen war. Chaos, Gewalt, und Vernichtung –und Blut – waren Faktoren, die Red Death anzogen. Die Ereignisse in Starling City zogen ihn an als wären sie Katzenminze und er ein überdimensionierter Kater.
Seine eigenen Kräfte sind ihm zu diesem Zeitpunkt noch neu, hatte ihm Chris erklärt, Er wird sie noch nicht vollkommen unter Kontrolle haben, und die Ereignisse in Starling City werden ihn ablenken. Das ist deine Chance, dein Überraschungsmoment. Jetzt würde sich herausstellen, ob das auch wirklich stimmte.
Eobard schien ihn nicht zu bemerken, als Barry auf ihn zugestürmt kam. Doch im allerletzten Moment wirbelte herum und packte Barry an der Kehle, bevor dieser ausweichen konnte. Eobard war noch schneller als er es jemals zuvor gewesen war, falls das überhaupt möglich war.
„Dachtest du wirklich, du könntest mich überraschen, Barry?!", spottete Eobard und klang dabei gar nicht mehr wie Harrison Wells, sondern eher wie Bloodwork, „Ich bin nicht mehr der Mann, den du gekannt hast, ich bin jetzt mehr. So viel mehr."
„Genau das ist ja das Problem", stieß Barry gepresst hervor, und versuchte sich dann aus Eobards Griff hinaus zu vibrieren, „Da drin muss doch genug von dir übrig sein um zu erkennen, dass dem so ist."
Eobard lachte. „Du denkst ich habe keine Kontrolle mehr", spottete er, „Doch die habe ich." Kaum, dass er das gesagt hatte, schien er zu erstarren, und sein Kopf drehte sich zurück in Richtung Stadt. Irgendetwas musste gerade in Starling passiert sein, das zu seinen Kräften sprach.
Soweit zu deiner Kontrolle, dachte Barry, und nutzte die Tatsache, dass der andere abgelenkt war um sich zu befreien, was ihm wiederum Eobards Aufmerksamkeit einbrachte. Und dann wurde er von dem anderen Speedster angegriffen. Wieder einmal. Eobard war nicht nur schneller, er war auch stärker, und brutaler. Seine Schläge würden zu mehr als nur ein paar blauen Flecken führen, und die Art und Weise wie er ihn schlug … er wollte ihn zum bluten bringen.
Natürlich war genau das der Moment, in dem Barry die noch schrecklichere Alternative einfiel. Bisher war er davon ausgegangen, dass der schlimmste Ausgang dieser Begegnung der wäre, dass er verlor, dass er daran scheiterte Eobard aufzuhalten, Red Death nicht Einhalt gebieten konnte. Doch nun wurde ihm klar, dass er die schlimmste Variante übersehen hatte: Was wenn es Eobard irgendwie gelang ihn zu infizieren, und es am Ende nicht nur einen Red Death gab, sondern zwei? Dann würde alles noch schlimmer werden, in dieser und in jeder anderen möglichen Zeitlinie.
Nein! Nein, dann wäre wirklich ich das Problem! Und das kann und werde ich nicht zulassen! Iris, Joe, Cisco, Caitlin und all die anderen, sie brauchen mich, sie verlassen sich auf mich. Kara und Alex, ich schulde es ihnen ihre Leben nicht noch mehr durcheinander zu wirbeln. Ich schulde es J'onn ihm eine Welt zu hinterlassen, die er verlassen kann um auf den Mars zu gehen. Ich schulde es Jefferson ihm die Möglichkeit in Superheldenpension zu gehen einzuräumen und seinen Töchtern eine Welt zu erben, die sie auch wirklich beschützen können. Ich werde nicht zulassen, dass das mein Schicksal ist. Ich werde Red Death aufhalten – hier und jetzt.
Er klammerte sich an diesen Gedanken, suchte Kraft in ihm, und führte dann einen gezielten Schlag in Richtung Eobard aus. Dieser sah den Schlag kommen, fing seine Faust ab, und schnaufte. Und Barry nutzte dies um den anderen Speedster in genau diesem Moment mit der linken Hand die Spritze mit dem Gegenmittel in den Nacken zu rammen.
Sie fielen beide aus der Flashtime, kehrten in die Normalzeit zurück. „Was … was hast du getan?", keuchte Eobard.
„Das werden wir gleich sehen", meinte Barry und ließ dem anderen dann keine Zeit mehr sich weiter zu wundern, sondern ergriff die Flucht.
Er rannte so schnell er konnte, ließ Eobard Thawne dort vor dem Rand von Starling City zurück, und begab sich wieder in die Gegenwart.
Red Death hatten sie aufgehalten, all seine Morde, all seine Untaten, die waren nun niemals geschehen. Das Gegenmittel hatte gewirkt. Doch es hatte die Welt noch von Eobard Thawne und dem Reverse Flash befreit. Was soll's gegen Red Death nehme ich den Reverse Flash alle mal gerne zurück.
Und doch würde diese Zeitlinie wieder eine andere sein. Barry wusste das, ohne, dass er Chris fragen musste. Chris bestätigte ihm, dass das Jahr 2020 ohne große Katastrophe in der Superheldengemeinschaft zu Ende gegangen war. Mehr wollte Barry gar nicht wissen, alles andere, nun das würde er selbst sehen. Jetzt wollte er eigentlich nur einfach nach Hause. Ramsay, Eobard, Red Death … alles, was er wollte, war mit seiner Seelenverwandten sprechen.
„Iris?" Barry betrat das Loft und blickte sich suchend nach seiner Frau um, konnte sie aber nirgends entdecken. Dann piepste sein Handy, und er las eine Textnachricht. Wo steckst du? Sag nicht, du hast auf das Essen bei Dad vergessen?, stand da zu lesen.
Nun zumindest wusste er jetzt, wo er sie finden würde. Barry zog sich schnell um und rannte dann zum Haus der Wests und trat ein.
„Hey, Barry, willkommen im neuen Jahr!", meinte Cecile sofort, die in an der Türe begrüßte und auf die Wange küsste und Jenna in den Armen hielt, „Wir haben uns schon Sorgen gemacht."
„Ich hatte nur noch schnell etwas zu erledigen, das ist alles", versicherte Barry der kleingewachsenen Frau, und sah dann, dass sich schon alle am Tisch versammelt hatte. Joe winkte ihm zu, genau wie Wally, der nicht so wirkte als ob er sich an die vorhergehende Zeitlinie erinnern konnte. Ceciles Tochter Joanie war anwesend, was selten genug vorkam, und Barry nickte ihr freundlich zu, bevor er sich Iris zuwandte und erstarrte.
Neben Iris saß noch jemand, den er hier nicht erwartet hätte. „Bar, du bist spät dran", meinte Eddie Thawne freundlich.
„Hi, Eddie", erwiderte Barry nur, da er nie wirklich dazu in der Lage war etwas anders zu sagen, wenn er einen lebendigen Eddie Thawne erblickte, denn … das war selten genug der Fall.
„Barry? Ist alles in Ordnung?" Cecile stand plötzlich neben ihm und musterte ihn besorgt. Vermutlich konnte sie sein Gefühlschaos spüren und wusste nichts damit anzufangen.
„Doch, alles ist in Ordnung. Alles ist in bester Ordnung", versicherte ihr Barry wahrheitsgetreu, „Ich hatte nur … einen schweren Tag." Wie aufs Kommando traten ihm Tränen in die Augen.
Iris war aufgesprungen und kam zu ihm geeilt. „Barry, was ist los? Was ist passiert?", wollte sie besorgt wissen, doch Barry hatte keine Antwort für sie parat, sondern ließ sich nur stumm von ihr umarmen. „Willst du lieber nach Hause?", wollte Iris von ihm wissen, doch er schüttelte nur den Kopf.
„Ich hatte nur ein wirklich schweres Jahr", murmelte er, „Und ich sehe nicht wie dieses besser werden soll."
„Das ist nur seine Blitzschlag Psychose", warf Eddie in Richtung Joanie ein.
„Genau", meinte Joe nach einem kurzen Moment des Zögerns wenig hilfreich.
Joanie verdrehte die Augen. „Wenn es um Flash-Business geht, dann könnt ihr ruhig darüber reden", meinte sie, „Ich bin nicht dämlich, wisst ihr? Ich weiß, dass Barry der Flash ist. Ich meine, ich bin mir nicht sicher, wie das überhaupt irgendjemand in dieser Stadt nicht wissen kann."
Iris und Cecile führten Barry zum Tisch und platzierten ihn zwischen Joe und Eddie. „War das kein Traum?", wollte Wally wissen, „Irgendwas mit einem Red Death…."
Barry nickte nur. „Ich lerne nicht dazu, nicht wirklich", gab er zu, „Ich mache die selben Fehler, immer und immer wieder, einfach nur weil ich … will, dass die Dinge endlich besser werden und dass alle glücklich sein dürfen. Und dann denke ich immer wieder … dass ich das Problem bin."
„Das ist doch Unsinn, Bar", meinte Joe, „Warum solltest du das denken?"
„Weil ich so viel Leid in die Leben anderer bringe", erklärte Barry und bemerkte, dass Eddie seine Hand genommen hatte und ihn besorgt musterte, „Und ich weiß wie viele Leben ich gerettet habe, und wie oft ich diese Stadt gerettet habe, aber macht das alles andere wieder gut? Alle, die nur meinetwegen …." Er unterbrach sich und schüttelte den Kopf. „Er hat sie nur umgebracht, weil er mir wehtun wollte. Damit hat alles angefangen. Und seitdem hat es nicht aufgehört. Und Felicity hat gesagt, dass sie sich befreit fühlt ohne Oliver und all das Superheldenzeug, und vielleicht wärt ihr das ja auch. Vielleicht war es einfach nur ein kosmischer Irrtum, vielleicht ist nicht Earth Prime das Problem, vielleicht bin ich es. Es war mein Schicksal zu sterben, aber ich bin nicht gestorben, stattdessen wurde das gesamte Multiversum vernichtet, Oliver ist gestorben, und Earth Prime wurde zu dem, was sie ist. Ich wollte nicht sterben, aber dass ich lebe, ist vielleicht einfach falsch."
Iris hatte ihn von hinten umarmt und flüsterte ihm tröstliche Dinge ins Ohr.
„Jetzt hör mir zu: Kosmischer Irrtum oder nicht, du bist mein Sohn, ich bin dankbar dafür, dass du überlebt hast. Wir alle sind das. Mich persönlich schert es nicht was bestimmt war und was es nicht ist, mich schert nur, dass wir dich nicht verloren haben, und so leid es mir für alle anderen tut, die deswegen gestorben sein mögen, ich lebe in diesem Universum hier, und in diesem bist du am Leben, und das ist verdammt gut so", sagte Joe, „Und eines weiß ich nach all den Jahren bei der Polizei mit Sicherheit: Man kann nicht ein Element austauschen und denken, dass es so einfach ist. Das Universum funktioniert so nicht. Wenn die selbe Frau endlich Anzeige gegen ihren sie misshandelnden Ehemann erstattet, kann sie trotzdem zwei Tage später tot sein, weil ein Auto sie überfahren hat, oder zwei Jahre später von ihrem neuen Freund totgeprügelt werden. Solche Dinge passieren. Wir können sie nicht ändern. Wir können Morde erst lösen, wenn es Leichen gibt, so ist es nun einmal. Nachher ist man immer klüger, aber währenddessen – nun die meisten Opfern merken erst, dass es zu spät ist, wenn sie gerade ermordet werden. Also nein, du bist mit Sicherheit nicht das Problem. Und das weißt du auch. Du weißt es, Barry. Du hast es schon mal versucht, hast du das schon wieder vergessen? Und nichts ist dadurch besser geworden."
„Und ich würde mich niemals befreit fühlen, wenn ich dich nicht mehr in meinen Leben hätte, Barry Allen", meinte Iris bestimmt, „Ich würde mich stattdessen leer fühlen, unvollständig. Ich wäre jemand, der die Kräfte seines Kindes unterdrückt, weil ich es für das Beste halte. Und so jemand möchte ich nicht werden."
„Ich auch nicht", fügte Eddie hinzu, „Wir hatten die Wahl, konnten uns entscheiden – für dieses Leben oder ein einfaches. Wir haben dieses gewählt, mit allem, was dazu gehört."
„Aber ihr könntet sterben", sagte Barry, „Ihr alle könntet sterben deswegen. Jederzeit, vielleicht gibt es andere Zeitlinien, in denen ihr bereits tot seid, in diesem Moment nicht hier sitzt, sondern in euren Gräbern zu Staub zerfallt."
„Besser ein kurzes Leben voller Liebe, als ein langes Leben voller Einsamkeit", meinte Cecile, „Solange wir einander haben, sind wir niemals einsam, selbst dann nicht, wenn wir wirklich alleine sind."
„Keiner hier würde sein Leben gegen ein anderes eintauschen wollen", meinte Wally, „Ich hätte bei den Legends bleiben können, wenn ich das gewollt hätte. Es ist wie Eddie gesagt hat, wir haben das hier gewählt, jeder von uns. Und das Beste aus dem gemacht, für das wir uns entschieden haben."
„Abgesehen von mir, ich habe mich nur dazu entschieden, hier essen zu wollen. Was offenbar eine schlechte Entscheidung war, aber hey, man lernt aus seinen Fehlern, nicht wahr?", murmelte Joanie und spielte mit ihrem Smartphone.
Cecile warf ihr einen strafenden Blick zu, während alle anderen sie ignorierten.
„Der Punkt ist Barry", nahm Iris den Faden wieder auf, „Dass die Dinge vielleicht nicht immer so laufen wie sie laufen sollten, aber wir trotzdem das Beste aus den Karten, die uns das Leben gegeben hat, machen, weil das eben gleichbedeutend mit Leben ist. Und wir alle hier lieben dich, und finden, dass unser Leben durch dich besser und nicht schlechter geworden ist. Egal wo es uns noch hinführen mag. Oder wie lange es noch andauern mag."
Barry nickte und schniefte. Und wünschte sich, dass er in diesem Moment hier verharren könnte, so seltsam er auch war mit Joanie an ihren Smart-Phone und der kleinen Jenna, die sie alle mit großen Augen anstarrten ohne zu verstehen was eigentlich los war, so perfekt war er auch. Und Barry wusste, er wusste einfach, dass er nicht anhalten würde. Weil er es niemals tat.
Iris und Eddie hatten ihn nach Hause gebracht, weil alle gefunden hatten, dass er Schlaf bräuchte. Barry hatte die Fotos im Loft, die er vorhin, als er nur kurz da gewesen war, nicht beachtet hatte, angestarrt ohne richtig zu begreifen was er sah. Sich selbst, Iris und Eddie, als wäre es immer so gewesen. Selbst am Hochzeitsfoto.
Er hatte nichts gesagt, hatte sich ins Bett komplimentieren lassen, und war eingeschlafen. Als er wieder aufwachte waren die Fotos immer noch da. Das hier war die Realität, das hier war sein Leben. Für den Moment zumindest.
„Hey, Iris musste los in die Redaktion. Sie und Kamilla und Allegra sind an einer riesigen Story dran, behaupten sie zumindest." Eddie reichte ihm eine Tasse Kaffee und küsste ihn dabei kurz auf Lippen. Barry wusste, dass ihm das seltsam vorkommen sollte, doch stattdessen war es einfach nur richtig, es tat fast weh wie richtig so richtig fühlte es sich an.
„Hey, was ist los? Ist es immer noch wegen Gestern? Du kannst es mir sagen", wollte Eddie besorgt wissen, dem seine Miene alles zu sagen schien.
„Was, wenn es nie aufhört?", murmelte Barry, „Es wird immer irgendwas sein. Es wird nie … einfach so bleiben, wie es ist."
Eddie musterte ihn mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. „Und wir stellen uns allem entgegen, was immer es auch ist", meinte er, „Das ist es, was wir tun."
Barry sah ihn traurig an. „Was, wenn es das hier nie gegeben hätte? Was, wenn die nächste Krise dazu führen würde, dass alles anders ist? Dass du gestorben wärst, nicht gestern, oder vor einer Woche, sondern vor sehr langer Zeit?", wollte er wissen, „Würdest du es dann immer noch nicht bereuen? Mich getroffen zu haben, meine ich."
Eddie schenkte ihm eines dieser strahlenden von Herzen kommenden Lächeln, die Barry schon immer schwach werden hatten lassen. „Niemals, Barry Allen", versprach er, „Ich konnte ein Held sein, Leben retten, und ich habe Liebe erfahren, mehr kann ein Mensch vom Leben nicht verlangen, oder?"
„Aber was ist mit dem Happy End?", wollte Barry wissen.
„Ein Happy End ist nur ein beliebiger Punkt, an dem eine Geschichte abgebrochen wird", gab Eddie zurück, „Haben wir das nicht aus sieben Staffeln Once Upon a Time gelernt?"
Seltsamerweise konnte Barry es sich regelrecht vorstellen - sich selbst und Eddie und Iris beim Binge Watchen dieser Serie, zusammen, glücklich.
„Ich muss los", sagte er dann, „Ich habe ein paar Besuche zu erledigen, Kollegen aufzusuchen…."
Kara und Mon-El saßen gerade mit Alex und Maggie beim Frühstück. Lura war da, existierte, strahlte, schien glücklich zu sein ihn zu sehen. Kathy war auch da, schlief aber.
„Weg nein, warum sollten wir von hier wegwollen? Die Erde ist unsere Heimat", meinte Kara, und Mon-El nickte zustimmend, „Wir sind hier glücklich."
„Glücklicher als wir es jemals woanders waren, zumindest in meinem Fall", fügte Mon-El hinzu.
„Ganz abgesehen davon, dass ich Alex niemals verlassen könnte", fügte Kara hinzu.
Alex warf ihr einen vielsagenden Blick zu. „Ich würde ohne dich klar kommen, das weißt du, oder?", meinte sie, „Natürlich würde ich dich vermissen, aber ich würde klar kommen."
„Das weiß ich doch", legte Kara schnell nach, „Aber ich würde es vielleicht nicht."
„Oh…." Und schon waren die Schwestern einander in die Arme gefallen.
Maggie und Mon-El tauschten einen Blick. „Es hat Vor- und Nachteile Einzelkind zu sein", meinte der Daxamit.
„Wie wahr", seufzte Maggie nur.
Barry nächste Weg führte ihn in J'onns Detektei und das Hauptquartier der Superfriends.
„Weggehen. Nein, das könnte ich nicht", meinte J'onn, „Kara und Alex sind wie Töchter für mich, und die Erde braucht mich. Und der Mars …. der Mars wird noch eine Weile ohne mich klar kommen."
„Aber was ist mit M'gann?", wollte Barry wissen.
„M'gann sieht das genauso", klärte ihn J'onn auf.
„Heißt das sie bleibt auch hier? Auf der Erde?", vergewisserte sich Barry.
J'onn nickte. „Solange wir zusammen sind, kommt es nicht darauf an, wo wir sind", meinte er, „Und mein Bruder wird vermutlich auch wieder zurück auf die Erde ziehen. Jetzt wo auf dem Mars Frieden herrscht, braucht man ihn dort nicht mehr. Man braucht keinen von uns dort, wir können dort sein, wo wir sein wollen."
Nia und Brainy kamen herein, begrüßten Barry, und alles war einfach nur so, wie es sein sollte.
„Aufhören? Nein, ich meine, ich glaube, dass Anissa und Jennifer noch einen Seniorpartner gebrauchen können", sagte Jefferson und klang dabei etwas überrascht, „Ich kann nicht einfach aufhören, das wäre doch … zu früh. In ein paar Jahren vielleicht. Aber Freeland braucht Black Lightning. Als Symbol genauso wie als Streiter für ihre Sache. Tobias mag weggesperrt sein, aber trotzdem gibt es immer noch einiges zu tun. Und wenn ich es nicht tue, wer tut es dann? In unserem Metier, da kann man nicht einfach in Pension gehen, und dafür bin ich, wenn wir ehrlich sind, doch sowieso noch nicht alt genug. Oder?"
„Nein, nein, natürlich nicht", beeilte sich Barry ihm zu versichern, „Es war nur …ich dachte, du hättest so etwas irgendwann einmal angedeutet."
Jefferson schüttelte nur den Kopf. „Ich werde aufhören, bevor ich in einem Sarg ende. Aber diese Gefahr besteht gottseidank nicht, ich meine, ich bin nicht mehr alleine. Ich habe meine Töchter, die mir den Rücken freihalten. Eine Schwiegertochter, die das ebenfalls kann. Und ein ganzes Team voller Freunde. Es gab niemals eine bessere Zeit um Black Lightning zu sein", gab er zurück, und er hörte sich so an, als würde er das tatsächlich auch glauben.
Als er in dieser Zeitlinie die Waverider betrat, wurde er gleich von Sara begrüßt, die am Leben und nicht-entführt war. „Ja, es waren Aliens, aber das ist eine lange Geschichte, vielleicht für ein anderes Mal", erklärte Sara, „Ava, du erinnerst dich an Barry, oder?"
„Ja klar, von der Weihnachtsparty", meinte Ava Sharpe und fügte in vertraulicheren Tonfall hin, „Normalerweise trinke ich nicht so viel."
Mick, der hinter ihr stand, machte eine „Mal so, mal so"-Handbewegung, woraufhin Ray, der neben dem Pyromanen stand, ihm einen strafenden Blick zusandte.
„Und ist ansonsten ist alles in Ordnung? Keine wütenden Göttinnen oder dergleichen? Kein Versuch von Constantine den Brexit zu verhindern?", wollte Barry wissen.
„Was ist ein Brexit?", lautete Saras einzige Antwort darauf.
„Oh, da sind sie ja. Barry, du erinnerst dich natürlich an Nate und Behrad. Und das sind Behrads Schwestern: Zari und Zari", meinte Ray, als Nate Heywood, Behrad Tarazi und zwei identisch aussehende Frauen hereinkamen.
Es gab also wirklich zwei davon. Wieder, sollte er vielleicht sagen. Barry begrüßte beide Frauen, beschloss sich nicht zu wundern und sich einfach auf alles einzulassen. Wenn es um die Legends ging, dann war das die beste Strategie mit allem umzugehen, wie er inzwischen gelernt hatte.
Sein nächster Besuch brachte ihn nach Gotham.
Batman war wieder verschwunden, Kate war wieder Batwoman, doch der Joker lebte, und Mary Hamilton war wieder einmal begeistert ihn kennenzulernen.
„Ich glaube, ich hab dich das nie gefragt, aber bist du eigentlich glücklich?", wollte Barry von Kate wissen, als sie nebeneinander am Dach eines Hochhauses saßen und die Beine herunter baumeln ließen, „Damit Batwoman zu sein, meine ich?"
Kate dachte über diese Frage nach. „Es ist das Abenteuer meines Lebens", meinte sie, „Ja klar, hatte ich manchmal Zweifel, besonders als mein Dad sich gegen mich gewandt hat und all das, aber seit er weiß, dass ich es bin, hat er ein Einsehen. Und irgendjemand muss die Stadt beschützen, und ich weiß wie wichtig Batwoman vielen Menschen ist. Und nicht nur Batwoman als Symbol, sondern diese Batwoman hier, ich. Ich könnte nicht einfach weggehen und das Feld Julia oder sonst jemanden überlassen. Batwoman ist wer ich bin. Im Guten wie im Schlechten. Und meistens ist es gut so. Ich meine, das ist ein Job, den nicht jeder machen kann, und ich habe die Ausbildung, die Fähigkeiten, und den Willen dazu."
„Und sonst? Bist du mit jemanden zusammen?", wollte Barry wissen, „Mit Sophie?"
Kate schüttelte den Kopf. „Nein, Sophie ist jetzt mit Julia zusammen. Aber ich habe jemanden … es ist noch frisch, und ich weiß nicht wo es hinführen wird, aber ich habe ein gutes Gefühl dabei. Ihr Name ist Renee, und sie ist Polizistin, und wirklich sexy", meinte sie verschwörerisch und blinzelte Barry zu, „Und was ist mit dir? Sind du und Mrs. Flash immer noch polyam mit dem hübschen Cop glücklich?"
„Eddie ist nicht hübsch, ich meine er ist hübsch, aber … man nennt das nicht so bei Männern. Er ist extrem attraktiv, gutaussehend, sexy, aber nicht hübsch", erwiderte Barry automatisch.
„Oh, er ist hübsch. Aber keine Sorge, du bist auch immer noch hübsch genug, Barry Allen", erwiderte Kate nur.
Barry starrte sie empört an.
Kate lachte. „Ich freue mich für dich, Barry", sagte sie dann, „Ich freue mich darüber, dass du mutig genug bist so zu leben, wie es für dich selbst richtig ist."
Barry nickte. „Das tun wir alle", meinte er, „Jeder auf seine Weise."
In dieser Zeitlinie schien alles beinahe perfekt zu sein. Jeder schien das Leben zu führen, das er oder sie führen sollte.
Zu Schade, dass es diese Zeitlinie nicht mehr lange geben würde.
A/N: Oh, nein, Barry, was meinst du denn damit schon wieder?
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