Teil 4: Totenglocken
I.
Als die drei Vampire die Höhle betraten, in der sich das Böse befinden sollte, erwarteten sie … nun zumindest irgendetwas zu finden. Doch alles, was sie fanden, war die Überreste von lange Verstorbenen. Da war ein vergleichsweise frisches Skelett, von dem Damon annahm, dass es sich um Yvette St. John handelte. Und einige um vieles ältere Knochen. Aber das war auch schon alles – sie fanden keine Spuren von irgendetwas Lebendigem hier.
Die Sirenen waren der Waffenkammer eindeutig entkommen. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es anders gewesen wäre. Aber nein, so viel Glück hatten sie nun mal nicht.
Verdammt, ich hätte Bonnie nicht alleine lassen dürfen, ich hätte mich nie dazu überreden lassen dürfen Virginia St. John zu stalken. Wenn ich bei ihr gewesen wäre, dann hätte ich sie vielleicht davon abhalten können die Heldin zu spielen, und dann wären diese Dinger jetzt nicht frei….
Genauso frei wie vermutlich Alex St. John, die auf Rache aus war. Aber was geschehen war, war geschehen, es gab nichts mehr, was sie daran ändern konnten, sie mussten sich stattdessen mit den Konsequenzen abfinden. Und sich ihre nächsten Schritte überlegen.
Und das scheinbar dringender als sie gedacht hätten, denn als sie die Waffenkammer wieder verließen, fanden sie Bonnie am Boden liegend vor, die sich langsam aufrichtete und sich ihren scheinbar brummenden Schädel rieb, während sie „Aua" murmelte.
„Was ist passiert?", wollte Damon besorgt wissen. „Wo ist Valerie?", fügte Stefan hinzu.
„Ich weiß nicht", gab Bonnie zu und rieb sich erneut den Schädel, „Wir haben hier gemeinsam gewartet, waren immer wachsam, aber dann …" Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann mich an nichts erinnern", gab sie zu.
„Hat euch jemand angegriffen und Valerie entführt?", vermutete Stefan.
„Oder hat Valerie dich angegriffen?", warf Enzo ein.
Stefan warf ihm einen wütenden Blick zu. „Was denn?", verteidigte sich der andere Vampir, „Das ist angesichts der Umstände eine durchaus naheliegende Vermutung. Wenn diese Sirenen entkommen sind, waren sie vielleicht immer noch irgendwo in der Gegend und haben mit ihren Kräften Valerie dazu gebracht Bonnie anzugreifen und zu fliehen."
„Und wieso sollten sie das tun?", wollte Stefan wissen, „Warum sollten sie nur Valerie aufhetzen und nicht auch Bonnie?"
Enzo zuckte die Schultern. „Sehe ich aus wie jemand der weiß was mystische Sirenen warum tun?", gab er zurück.
Damon verdrehte die Augen und half Bonnie auf die Beine und stützte sie. „Das reicht jetzt. Spekulationen bringen uns nicht weiter. Wir müssen hier weg. Sirenen oder nicht, Valerie oder nicht, wir sind hier auf jeden Fall nicht sicher", meinte er streng, „Wir müssen zurück zu den anderen, uns überlegen, was wir als nächstes tun sollten, und herausfinden hinter wem die Sirenen und Alex, wenn sie mit ihnen arbeitet, als nächstes her sein kön-" Oh, verdammt, Virginia. „Okay, ich nehme es zurück. Ihr müsst das tun. Ich muss einen Zwischenstopp einlegen und zwar schleunigst", unterbrach er sich selbst. Hoffentlich kam er nicht zu spät, ansonsten drohte seine Therapie ernsthafte Rückschritte zu machen.
„Warte, Damon, du kannst jetzt nicht einfach gehen. Wo willst du überhaupt hin?", wollte Stefan von ihm wissen.
„Und noch dazu alleine", wandte Bonnie ein, „Haben wir nicht gerade festgestellt, dass es keine gute Idee ist sich im Moment irgendwo alleine aufzuhalten?"
„Ich gehe dorthin, wo jeder, der an Virginia St. John herankommen will, hingehen würde", erklärte Damon, „Und da sie zu dem kleinen Personenkreis gehört, der von den Sirenen weiß, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie von allen, die gerade aus der Waffenkammer entkommen sind, dringend gesucht werden wird."
„Du besucht also Virginia?", vermutete Enzo.
Damon schüttelte ernst den Kopf. „Nein, ich habe keine Ahnung, wo Virginia steckt. Ich gehe zu ihrem Therapeuten."
Als er das Haus erreichte, kam er beinahe zu spät. Doktor Sulez lag reglos am Boden. Da er Damon aber bereits in der Vergangenheit hereingebeten hatte, konnte der Vampir nicht sofort feststellen, ob er bereits tot war oder nicht.
„Nein, nein, nein", schimpfte er, und ließ sich neben dem bewegungslosen Körper auf die Knie und drehte den Mann auf den Rücken. Überall war Blut – irgendjemand hatte den Arzt offensichtlich mit Klauen attackiert. Damon konnte einen kaum feststellbaren Herzschlag entdecken, also schlitzte er sich sein Handgelenk auf und presste es auf den Mund des Mannes. „Sterben Sie mir jetzt nicht weg, Doc, ich brauche Sie", beschwor er den Therapeuten, „Wenn das hier alles vorbei ist, habe ich vermutlich wieder zehntausend Fehler gemacht, und dann brauche ich jemanden, der mir sagt, dass ich nicht vollkommen im Unrecht war, und außer Ihnen tut das keiner, also …. Los, trinken Sie, und kommen Sie gefälligst durch!"
Sulez schien zuerst überhaupt nicht zu reagieren, doch dann endlich schien er das Blut zu schlucken, das in seinen Mund floss. Und hustete. „Damon? … Was tun Sie da?", krächzte er.
„Vampirblut hat heilende Fähigkeiten", erklärte ihm der Vampir, „Also ruhig sein und schlucken." Zu seinem eigenen Glück gehorchte ihm der Mensch.
Nach einer Weile nahm Damon ihm sein Handgelenk wieder weg und half dem Verletzten in eine angenehmere Liegeposition. „Was ist passiert?", wollte er von diesem wissen, „Wer hat Sie angegriffen? Und haben Sie denen erzählt wo Virginia ist?"
Sulez hustete noch einmal. „Da war diese Frau … Ich wollte ihr nicht helfen, aber … sie war … überzeugend…." Er legte eine kurze Pause ein. „Virginia, Virginia ist in Gefahr. Sie müssen sie retten. Damon!" Sein Blick suchte Damons Gesicht. „Sie ist in Gefahr!"
Wieso ging er eigentlich davon aus, dass Damon der Ritter in strahlender Rüstung war? Kannte er ihn nach all ihren Therapiesitzungen immer noch nicht? Andererseits war Virginia nützlich, also wäre es in seinem eigenen Interesse zu verhindern, dass die Sirenen ihr ein blutiges Ende bereiteten. „Wo ist sie?", wollte er also wissen.
„Immer noch in der Nervenheilanstalt", lautete die Antwort.
„Nun, das dürfte die Sirenen zumindest ein wenig verlangsamen, wenn schon nicht aufhalten", überlegte Damon, „Sie können dort vermutlich trotzdem einfach rein spazieren, aber wenn sie unauffällig bleiben wollen, dann müssen sie subtil vorgehen, und das könnte etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Aber wenn sie erst mal drinnen sind …." Er wollte lieber nicht daran denken, was ein wenig Sirenengesang in einer Nervenheilanstalt anrichten konnte.
„Sie kann einfach so hineinspazieren oder Virginia einfach so herausholen. Das ist kein Problem für sie", erklärte Sulez, „Ich weiß nichts von Sirenengesang, aber immerhin ist sie es, die Virginia dort zwangseingewiesen hat, sie kann sie mit einer einfachen Unterschrift wieder rausholen."
Moment. … „Moment. Das hier … das war Alex St. John?", wollte Damon verwirrt wissen, „Wie konnte sie Sie so zurichten?"
Sulez schüttelte den Kopf. „Sie ist kein Mensch, Damon", erklärte er, „Ich habe so etwas noch nie gesehen."
Nun offenbar hatte Alex doch ihre eigenen Leute gegessen. Aber zumindest war es genau genommen kein Kannibalismus gewesen…. Na toll, das heißt diese Sirenen können andere ebenfalls in Sirenen verwandeln. Offenbar wollten die schlechten Nachrichten einfach nicht abreißen. Aber das sollte eigentlich keine Überraschung für ihn sein, nicht wahr?
„Na gut, ich gehe los und rette Virginia", meinte Damon und griff nach SulezsTelefon und wählte den Notruf, „Aber Sie machen keine dummen Sachen und lassen sich ins Krankenhaus bringen. Und wenn Sie in Zukunft ein übernatürliches Wesen nach einem Ihrer Patienten fragt, dann sagen Sie dem Ding einfach alles, was es wissen möchte."
„Keine Chance", lautete die wenig überraschende Antwort.
Märtyrer, es sind immer Märtyrer. Ich suche nicht nach ihnen, aber irgendwie finden sie mich trotzdem immer. Damon seufzte, und machte sich auf den Weg zur Nervenheilanstalt. Virginia, befürchtete er, würde auch die Art von Märtyrerin sein, die ihre Schwester, die neu verwandelte Sirene, mit Sicherheit lieber töten würde als vor ihr davonzulaufen. Was sie wiederum das Leben kosten würde. Und Alex … nun Damon nahm an, dass Alex auf Rache aus war, und an allem, was geschehen war, irgendwie ihrer Schwester die Schuld geben würde. Immerhin war diese der Grund dafür, dass Yvette eingeschlossen worden war und Alex den Tresor unbedingt wieder hatten öffnen wollen. An ihrer Stelle wäre Damon auch nicht besonders gut auf Virginia zu sprechen.
Im Grunde hatte er keine Ahnung was für Fähigkeiten diese Sirenen, auch Baby-Sirenen, besaßen. Offenbar hatten sie Klauen und/ oder Zähne und konnten Menschen in ihren Bann schlagen und psychotisch machen. Aber ob sie übernatürlich schnell oder stark waren, wusste Damon nicht. Alex schien ihre neuen Fähigkeiten noch nicht sonderlich gut zu kennen. Denn warum sonst hatte sie Gewalt und nicht ihre hypnotische Stimme eingesetzt um herauszufinden, wo sich Virginia befand?
Damon hoffte, dass ihm das einen Vorteil bieten würde, doch er verließ sich nicht darauf. Von den Monaten der Gefangenschaft in der Waffenkammer nur in der Gegenwart der Sirenen in den Wahnsinn getrieben, wäre Alex St. John so oder so unberechenbar. Vielleicht hatte sie einfach Lust darauf gehabt jemanden aufzuschlitzen. Immerhin hatte sie Rayna in die Luft gesprengt. Wer wusste was ihr als nächstes einfallen würde?
Bonnie hatte recht, ich hätte Verstärkung mitbringen sollen. Es war dumm alleine hierher zu kommen. Aber er hatte eigentlich nicht vorgehabt den Helden zu spielen. Er hatte nur sicherstellen wollen, dass mit Doktor Sulez alles in Ordnung war! Diese kleine Exkursion hier war ungeplant.
Aber er hatte ja auch nicht damit rechnen können, dass Virginia immer noch dort war, wo sie eigentlich nur wegen den Machenschaften ihre Schwester gewesen war – im Irrenhaus. Auch wenn das ein wirklich guter Ort war um sich zu verstecken, gerade weil sie niemand dort vermuten würde. Außer man quetschte ihren Arzt aus. Dann saß sie in der Falle, so wie jetzt eben.
Das alles gefällt mir gar nicht.
Matts Leben war dabei sich zum Besseren zu ändern. Endlich. Zum ersten Mal seit Jahren war er wieder glücklich. Es gab kein Vampir-Drama mehr in seinem Leben, die einzigen Vampire, die er zu Gesicht bekam, waren die, die er tötete. Seine Stadt war endlich sicher, wurde nicht mehr von fremden Mächten belagert die größer und stärker waren als er selbst. Es gab keine geheimnisvollen Tierattacken mehr, keine toten Camper, keine verschwundenen Touristen.
Er wusste, dass er seine Sache gut machte, so gut, dass er davon ausging, dass er bald befördert werden würde. Mit seiner Beförderung würde auch mehr Geld einhergehen, und mit mehr Geld könnte er sich ein gemeinsames Leben mit Penny zusammen aufbauen.
Er hatte noch nie jemanden wie Penny getroffen. Mit ihr machte es einfach „Klick". Zwischen ihnen standen keine Geheimnisse, und sie waren beide derselben Meinung, was den Umgang mit übernatürlichen Wesen anging – diese waren zu meiden und im Ernstfall zu töten.
Den Kopf nicht mehr ständig für Stefan, Damon, oder auch nur Caroline oder Bonnie hinhalten zu müssen war eine angenehme Abwechslung. Es war erfrischend lange her, dass sein Leben bedroht worden war. Seine letzte Wiederkehr von den Toten fühlte sich an wie ein Alptraum aus einem anderen Leben. Endlich schien er das Kapitel des Horrors, das sein Leben so viele Jahr lang bestimmt hatte, hinter sich gelassen zu haben.
Ja, natürlich vermisste er seine Freunde. Er hatte sich damit abgefunden, dass er Elena nie wieder sehen würde – noch etwas, dass er all dem übernatürlichen Chaos zu verdanken hatte, das die Salvatore-Brüder in sein Leben gebracht hatten. Ihm fehlte Tyler, aber das war nichts Neues; Tyler zu vermissen war Teil einer Freundschaft mit ihm. Er vermisste auch Jer und Alaric, und wünschte ihnen dort, wo sie gerade waren, nur das Beste, aber ihre Leben war für seinen Geschmack einfach immer noch zu eng mit dem Übernatürlichen verbunden - Jer mochte es jagen, und Alaric mit ihm unter einem Dach leben, aber beides war zu nahe an der Gefahr dran um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen, Matt hingegen suchte Vampire nicht, er nahm sich nur derer an, die in seine Stadt eindrangen oder kurz davor waren das zu tun - Normalität war ihm wichtiger als alles Abnormale zu vernichten. Natürlich vermisste er auch Bonnie, auch wenn sie nach ihrem letzten Gespräch nicht gerade im Guten auseinander gegangen waren. Er kannte sie schon sein ganzes Leben lang, und er wusste, dass sich ihre Wege eines Tages wieder kreuzen würden, und dass sie sich eines Tages wieder versöhnen würden, eines Tages, wenn Bonnie einsehen würde, dass Vampire ihrem Leben nur schadeten und es nicht bereicherten.
Und ja, er vermisste natürlich auch Caroline. Wie könnte er sie nicht vermissen? Doch er stand zu seinen Worten: Die Caroline Forbes, die er gekannt und geliebt hatte, war schon vor Jahren gestorben, er hatte nur seinerseits Jahre gebracht um sich das einzugestehen. Doch ihr Verhalten nach dem Tod ihrer Mutter hatte ihm gezeigt, dass sie nun eben doch eine von ihnen war – von den Vampiren - und dass es für sie keinen Weg zurück gab. Denn der einzige Weg, den es gegeben hätte, den wollte sie offenbar nicht einmal dann einschlagen, wenn sie es gekonnt hätte.
Und ja, ein Teil von ihm vermisste auch Stefan - trotz all dem Chaos, das er in sein Leben gebracht hatte, war er ein Freund gewesen, und Matt vermisste seine ruhige Präsenz, immer kurz bevor er sich daran erinnerte, dass Stefan auch vollkommen anders hatte sein können.
Was die anderen Vampire anging, war er froh sie los zu sein. Enzo, die Häretiker … er war einfach froh sie nicht mehr sehen zu müssen. Und Damon … nun er war Damon, es war besser ihn weit fort von hier zu wissen, besser nicht mehr ständig über alles, was er tat, hinwegsehen zu müssen, besser nicht mehr versuchen zu müssen mit dem Wissen zu leben, dass er einfach mit allem, was er anstellte, davon kam, einfach nur deswegen weil er an seinen guten Tagen Leben rettete statt sie zu nehmen. Was die schlechten Tage aber nicht aufwiegen sollte, auch wenn alle anderen immer dieser Meinung gewesen waren. Ja, selbst Matt hatte sich manchmal dabei ertappt dieser Meinung zu sein und sich dann in Erinnerung rufen müssen was mit Vicki geschehen war.
Nein, er vermisste Damon nicht; er vermisste ihn nicht, weil er Chaos und Tod brachte und moralistischen Relativismus, und davon hatte Matt die Nase voll. Klaus, Elijah, Rebekah, Nadia, Katherine, und all die anderen, er war froh sie los zu sein. Ob sie tot waren oder nur weit weg von seiner Heimat, das war ihm gleich. Er wollte einfach nicht mehr den Mensch im Monster sehen müssen, er wollte das Monster als Monster sehen können ohne sich deswegen mit seinen Freunden darüber streiten zu müssen.
Und wenn sie alle nicht hier waren, wenn Stefan, Caroline, Damon, Enzo, und alle anderen weit weg von hier waren, dann konnte er das auch. Dann konnte er vergessen, dass Elena, Tyler, und Alaric auch einmal welche von ihnen gewesen waren. Dann konnte er vergessen, dass Bonnie sie verteidigte und ihm vorzog. Dann konnte er vergessen, dass die Häretiker mit Massemord davon gekommen waren, dass Klaus mit allem, was er getan hatte, davon gekommen war, dass Damon einfach verziehen worden war, was er Vicki angetan hatte. Dann konnte er einfach nur ein normales Leben ohne sich auftürmende Leichen und ein schlechtes Gewissen führen – und das war gut so.
Sein Leben war endlich gut. Er hatte aufgehört sich zu fragen, warum sich seine Mom nicht mehr bei ihm meldete, oder warum es Sheriff Forbes hatte erwischen müssen, obwohl sie so gut gewesen war. Stattdessen machte er einfach das Beste aus seinem Leben. Zusammen mit Penny. Und das jeden Tag aufs Neue.
Für heute hatte er eine besondere Überraschung geplant, er wollte Penny bitten mit ihm zusammenzuziehen, hatte den Schlüssel für sie in einem Schmuckkästchen verpackt, was ein Klischee war, aber trotzdem ihren Gesichtsausdruck wert wäre.
Er hatte sie zu sich bestellt, sie wusste, wo der Zweitschlüssel war, und sie wartete vermutlich schon ungeduldig auf ihn – er hatte noch ein paar Berichte fertigstellen müssen und verspätete sich daher. Hoffentlich hatte sie nicht bereits zu lange auf ihn warten müssen.
Er betrat sein Haus, rief Pennys Namen, und blieb dann wie versteinert stehen. Penny war da, doch sie wurde von einer fremden Frau mit einem eisernen Griff festgehalten, die harmlos aussah, doch Matt hatte genug Erfahrungen mit übernatürlichen Wesen gemacht um zu wissen, dass sie das nicht war. Sie lächelte Matt süßlich an, als sie ihn sah.
„Matt Donovon", stellte sie fest, „Ich bin Sybil. Wir müssen uns über deine Familiengeschichte unterhalten."
„Was meint ihr mit: Valerie ist verschwunden?", wollte Nora wissen.
„Genau das", lautete Stefans lakonische Antwort, „Haltet die Augen nach ihr offen. Nach ihr und anderen Besuchern. Wir sind auf dem Rückweg." Und dann hatte er auch schon wieder aufgelegt.
Caroline zuckte die Schultern. „Tut mir leid", meinte sie, „Offenbar hat er alle Hände voll zu tun."
„Offenbar hat dieser Ausflug dazu geführt, dass Valerie verloren gegangen ist. Warum noch mal sollte es uns kümmern, wenn diese Monster aus dem Kellerverlies der Waffenkammer frei kommen?", gab Nora angespannt zurück, „Solange sie nicht hier zu uns nach Dallas kommen, kann es uns doch egal sein, oder?"
Mary Louise nickte zustimmend. „Nichts prädestiniert uns zur Monsterjagd", stimmte sie zu, „Würde der Versuch uns einzumischen nicht erst recht dazu führen, dass wir Ärger mit diesen Dingern bekommen? Ich meine, vielleicht sind sie in Wahrheit gar nicht so schlimm. Uns hat die Waffenkammer auch eingesperrt, und das vollkommen ohne triftigen Grund. Wer sagt, dass es mit diesen Wesen anders ist? Eine Irre aus dem Narrenturm! Aber das war's dann auch schon wieder."
„Meine Recherche sagt das", korrigierte sie Alaric und hantierte mit Josie herum, während er nach einem Buch in seinem speziellen Bücherregal griff und es auf den Tisch legte, „Hier seht es euch an: Die Sirenen. Menschenfleischfresser mit großen psychischen Kräften. Sie können den Verstand von anderen Wesen beeinflussen, ihnen ihren Willen aufzwingen…."
„Na und? Das können wir auch. Und wir essen zwar kein Menschenfleisch aber trinken Blut", beharrte Mary Louise, „So groß ist der Unterschied auch wieder nicht."
„Wenn ihr Blut trinkt, muss das euren Opfern nicht zwangsläufig schaden. Menschenfleisch zu essen schadet Menschen aber auf jedem Fall, daran führt kein Weg vorbei. Außerdem sind sie als extrem grausam verschrien", erwiderte Alaric und wechselte wieder den Baby-Arm, „Und laut Virginia arbeiten sie für den Teufel, vergesst das nicht."
„Valerie hat immer gesagt, dass Julian der Teufel ist", warf Nora ein, „Ich würde auf diese Aussage nicht besonders viel geben. Engel, Dämonen, und Teufel sind im seltensten Fall wirkliche Engel, Dämonen, oder Teufel. Das hat zumindest mein Okkultismus-Professor gesagt. Unterrichtest du das eine, glaubst aber etwas anderes? Mary Lou hat einen Punkt, bis jetzt haben sie nur Leuten etwas angetan, die mit der Waffenkammer in Verbindung standen. Vielleicht wollten sie einfach nur freikommen. Und jetzt, wo sie dieses Ziel erreicht haben, wollen sie nur noch in Ruhe gelassen werden."
„Irgendwie bezweifele ich das", murmelte Tyler, „So viel Glück haben wir noch nie gehabt."
„Wir sollten uns zumindest nicht darauf verlassen", meinte Caroline, „Und wir dürfen eines nicht vergessen: Dass sie die letzten Monate frei in der Waffenkammer herumgelaufen sind. Und die Waffenkammer kennt uns alle, sie weiß wer wir sind, und wo wir gewohnt haben, und … Oh, mein Gott, Matt! Matt weiß von nichts! Und wenn diese Sirenen wirklich Zugriff auf das Wissen der Waffenkammer hatten, dann wird sie ihr erster Weg direkt nach Mystic Falls führen! Wir müssen ihn warnen!" Und schon tippte sie Matts Nummer in ihr Handy.
„Er hebt nicht ab", verkündete sie.
„Das muss nichts bedeuten, Car", merkte Tyler aber, „Es könnte tausend Gründe dafür geben. Und nur einer hat mit diesen Sirenen zu tun. Und warum sollten sie von uns allen ausgerechnet hinter Matt her sein? Er ist ein einfacher Mensch, der auch nie etwas anderes war. Er hat ihnen nichts zu bieten, und Frischfleisch können sie überall bekommen."
Caroline warf ihm einen unsicheren Blick zu. „Ich hoffe, du hast recht", meinte sie, „Wir haben Matt schon genug Ärger für drei Leben eingehandelt. Wenn die Sirenen auf der Suche nach uns jetzt auch noch dazu kämen, dann wäre das einfach nicht fair…."
In diesem Moment klingelte es an der Türe. „Ich geh schon", meinte Alaric, und musterte dann einen Moment Caroline, die Lizzie hielt, beäugte Tyler kritisch, und drückte Josie dann Nora in die Arme. Diese grinste triumphierend. „Hah. Ich bin die, die sein Baby halten darf!", verkündete sie.
Tyler verdrehte die Augen, und Mary Louise meinte sofort: „Es ist kein Wettbewerb."
„Oh, doch ist es", versicherte ihr Caroline zwischen den nächsten Versuchen Matt anzurufen, „Wir vergeben Punkte."
Tyler nickte ernst. „Und Damon gewinnt. Was wirklich deprimierend ist", meinte er.
„Entschuldigung, aber momentan ist kein guter Zeitpunkt", drang Alarics Stimme zu ihnen herüber.
„Es ist allerdings dringend", antwortete eine weibliche Stimme, „Ich muss Stefan Salvatore sprechen."
„Er ist zur Zeit nicht da, aber ich übermittle ihm gerne eine Nachricht", lautete Rics bemüht freundliche Antwort.
„Dafür ist keine Zeit, aber ihr tut es auch", meinte die weibliche Stimme, „Lassen Sie mich bitte herein." Und dann stand die plötzlich im Haus. Wenige Sekunden später fand sich Tyler mit Lizzie am Schoß wieder, und Caroline stand knurrend vor der fremden Frau.
„Wer oder was bist du?! Ich warne dich….!"
„Immer mit der Ruhe, ich will niemanden etwas tun", versicherte ihr der Eindringling, „Ich bin hier um zu helfen. Das Monster aus der Waffenkammer, ihr wollt es aufhalten, nicht wahr? Nun, das will ich auch."
„Wer bist du?!", wollte Mary Louise, die neben Caroline Stellung bezog, wütend wissen, „Und woher weißt du von der Waffenkammer oder dem Monster?!"
„Mein Name ist Seline, und ich weiß von der Waffenkammer, weil ich dort selbst eingesperrt war. Aber", sie hob ihre Hand und machte eine beruhigende Geste, „das bin ich schon seit 1882 nicht mehr. Ihr müsst keine Angst haben, ich bin kein Monster. Ich töte nur diejenigen, die es verdient haben. Und auch das nur, weil ich muss. Es ist eine lange Geschichte, aber der wichtigste Punkt ist, dass meine … Schwester … Sybil da etwas anders ist. Und sie frei gekommen ist. Ich weiß davon, weil es mir von unserem Meister mitgeteilt wurde. Er erwartet sich, dass wir uns wiedervereinen und Zerstörung und Chaos auf die Welt herab regnen lassen. Aber ich will das nicht mehr. Und deswegen bin ich hier." Sie zog etwas aus ihrer Jacke, das aussah wie eine Art riesige Gabel. „Und ich habe ein Geschenke mitgebracht."
A/N: Matts Problem war immer, dass er etwas zu einfach ist um alles zu begreifen, was um ihn herum so vor sich geht. Deswegen hat sich sein Arc im Grunde auch letztlich sehr oft im Kreis gedreht: Von Opfer und unwilliger Handlanger eines Vampirs zu jemanden, der alle Vampire hasst, und das dann wieder von vorne. Deswegen ist es irgendwie auch erstaunlich, dass er acht Staffeln durchgehalten hat. Ironischerweise hatte er in der letzten Staffel, die für alle anderen nicht gerade ein Triumph war, sein bestes Jahr, da er einen interessanten Arc hatte, der noch dazu mit der Haupthandlung zusammengehängt. Deswegen findet ihr davon auch einiges hier.
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