8. Dezember: Erste Verluste
Nymphadoras plötzliche Hochzeit wurde nebensächlich, als Ted und sie ein paar Wochen später wider besseren Wissens für den Orden eingespannt wurden, damit Harry so gefahrlos wie möglich von seinen Verwandten in den Fuchsbau gelangen konnte. Sie hatten ihr Haus so lange krampfhaft beschützt, dass es ihr sehr schwerfiel, es jetzt als Zufluchtsort anzubieten, auch wenn es höchstens eine Stunde dauern würde.
„Ich weiß nicht, Dora", sagte sie skeptisch. „Ihr wollt wirklich den echten Harry hierherbringen? Zusammen mit Hagrid? Auf Sirius' Motorrad?" Jedes einzelne Element klang noch verrückter als das vorige und sie konnte sich nicht vorstellen, dass Dumbledore diesen Plan gutgeheißen hätte. Aber sie an seiner Stelle hätte sie den Jungen auch nie zu diesen grässlichen Muggeln geschickt, also war sie wahrscheinlich nicht die Beste darin, sich in den toten Schulleiter hineinzuversetzen.
Nymphadora nickte. „Ja, genau. Ich weiß, es klingt verrückt, aber euer Haus ist am nächsten an seinen Verwandten dran. Und keiner wird glauben, dass der echte Harry bei Hagrid ist, anstatt mit Mad-Eye zu fliegen, unserem erfahrensten Auroren. Und sollte doch irgendetwas schieflaufen, ist Dad da, auch ein erfahrener Auror. Glaub mir, wir haben das lang und breit diskutiert und es ist die beste Lösung", versicherte Nymphadora ihr.
Andromeda schaute hilflos zu Ted, der die Diskussion stirnrunzelnd verfolgt hatte. „Wenn es geht, möchte ich mit Kingsley oder Mad-Eye die Schutzzauber besprechen, damit sie nicht mit unserem Geheimniswahrer kollidieren. Aber ansonsten gebe ich euch Recht, es ist ein vernünftiger Plan und wir sind eine gute Option für den echten Harry. Nicht nur ich", wandte er sich an Andromeda. „Sollte wider Erwarten etwas passieren, kannst du sie am besten heilen."
Andromeda seufzte, nickte aber schließlich. Sie waren in der besten Position zu helfen, und das würden sie auch tun. Harry für eine Stunde einen sicheren Ort bieten, bevor er zu den Weasleys ging, um dann wer weiß wie sein Leben zu riskieren. „Na schön."
Und so kam in den nächsten Tagen Kingsley vorbei und veränderte die Zauber um ihr Haus so, dass Harry und Hagrid ohne Probleme durchkommen würden, Todesser aber nicht. Dann gab er ihnen eine Haarbürste, die ein illegaler Portschlüssel zum Fuchsbau war und die Zeit, zu der er aktiviert wurde. Andromedas Gefühl wurde immer mulmiger, aber sie waren Verbündete vom Orden und sie waren in der einmaligen Position zu helfen und würden es tun, selbst wenn sie an dem Abend von Harry Potter bedroht wurde, weil er sie im ersten Moment für Bellatrix hielt. Die Schutzzauber hatten gehalten, auch wenn der Plan wohl nicht so einwandfrei gelaufen war, die Nymohadora sich das vorgestellt hatte. Anstatt sanft zu landen waren Harry und Hagrid vom Himmel gefallen und im Gartenteich gelandet, während das Motorrad in seine Einzelteile zerschellte. Andromeda überließ es Ted, Harry zu heilen, der nur ein paar leichte Verletzungen davongetragen hatte, während sie sich um Hagrid kümmerte. Halbriesen waren um einiges komplizierter als Zauberer, aber Hagrid war glücklicherweise nicht viel passiert und nach zehn Minuten war er wieder so gut wie neu und Harry und er konnten mehr oder weniger unversehrt den Portschlüssel nehmen.
Nachdem die beiden verschwunden waren, machten Ted und sie sich auf die Suche nach den Einzelteilen des Motorrads, damit ihre Muggelnachbarn nicht zufällig über die magischen Teile stolperten. „Ich glaub, ich schicke Arthur das Zeug, der ist doch begeistert von diesem Kram", murmelte Ted und zerrte den Lenker aus ihrer Rosenhecke.
Andromeda nickte abwesend und fischte das Vorderrad aus dem Gartenteich. Alle zehn Sekunden warf sie einen besorgten Blick in den Himmel.
„Mach dir keine Sorgen, sie kommen nicht durch. Wahrscheinlich sind sie schon längst wieder weg. Die Zauber halten, sonst wären sie Harry sofort gefolgt", versicherte Ted ihr und zog einen Ast aus ihren Haaren.
„Trotzdem. Sie hätten gar nicht wissen sollen, dass er heute überhaupt unterwegs ist! Sie hätten nicht angegriffen werden sollen! Voldemort war vielleicht nur ein paar Meter von hier entfernt, macht dir das keine Sorgen? Ganz zu schweigen von der Gefahr, in der Dora ist! Was, wenn ihr was passiert ist?" Sie hatten noch nichts vor ihr gehört und Andromeda wurde beinahe krank vor Sorge. Besonders, nachdem der Plan so offensichtlich schiefgelaufen war.
„Natürlich mache ich mir Sorgen, aber auf die Zauber ist Verlass und unsere Tochter ist eine ausgebildete Aurorin, die weiß, was sie tut." Seine Worte waren beruhigend, aber die Sorge stand auch ihm ins Gesicht geschrieben. Andromeda nahm seine Hand und umklammerte sie fest.
„Ich weiß", sagte sie. „Ich wünschte nur, dass wir endlich wissen, was los ist und ob es ihr gut geht." Das war immer das schlimmste. Wenn sie wusste, dass ihre Familie sich in Gefahr begab und sie nichts tun konnte als warten.
In der nächsten halben Stunde hatten sie die meisten Teile von Sirius' geliebten Motorrad zusammengeklaubt und dann tauchte endlich Nymphadoras Patronus im Garten auf und sagte ihnen, dass mit ihr alles in Ordnung war.
Was natürlich nur die halbe Wahrheit war, denn George hatte ein Ohr verloren und Mad-Eye sein Leben. Andromeda hatte ihn kaum gekannt, aber es war merkwürdig zu wissen, dass Teds Kollege und Nymphadoras Mentor nicht mehr da war. Er war so ein Standbein in der Zauberwelt gewesen wie Dumbledore. Einfach unzerstörbar, egal, womit er konfrontiert wurde. Der Orden verlor immer mehr alteingesessene Mitglieder, während Voldemort seine Anhänger aus Askaban längst wieder eingesammelt hatte. Die Gewichte der Macht verlagerten sich immer mehr und zwar nicht zu ihrem Vorteil. Wahrscheinlich hatte Voldemort schon so viele Todesser in Hogwarts in Stellung gebracht, wie nur möglich, jetzt, wo Snape Schulleiter geworden war, und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Ministerium auch vollständig in seine Hand fiel. Scrimgeour würde zwar nicht kampflos aufgeben, aber selbst er würde nicht ewig standhalten können.
Es war so viel schrecklicher als damals beim ersten Mal. Dumbledore war da gewesen und Hogwarts sicher und auch das Ministerium war nicht so in Gefahr gewesen wie jetzt. Andromeda fing langsam wirklich an, sich zu fragen, wie sie da wieder heil herauskommen sollten oder ob sie sich von einer Welt ohne Voldemort endgültig verabschieden musste.
Molly hatte Ted und sie zu Bills Hochzeit eingeladen, aber Andromeda hatte den Gedanken schnell verworfen, daran teilzunehmen. Ihr war nicht nach Feiern zumute oder dem unvermeidlichen Smalltalk mit den reinblütigen Familien, die nicht Voldemort unterstützten. Dann musste sie sich am Ende noch für ihre Schwestern rechtfertigen oder, was noch schlimmer wäre, irgendwelche Belehrungen von Tante Muriel über sich ergehen lassen und das konnte ihr gestohlen bleiben. Sie schickte dem Paar ein Geschenk und hoffte, dass die beiden sich über das unpersönliche Geschenk eines selbst-fegenden Besens freuen würde. Haushaltssachen konnte ein frisch verheiratetes Paar doch immer brauchen, oder? Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie das bei Ted und ihr war, als sie zusammengezogen waren. Sie hatten kaum etwas gehabt und ewig improvisieren müssen. Aber da sie sowieso bald zu Teds Mutter gezogen waren, war es sogar von Vorteil gewesen, nicht viel zu besitzen.
Sie wurde so melancholisch, dass sie am Abend von Bills und Fleurs Hochzeit ihre alten Fotoalben herauskramte und mit Ted zusammen durchblätterte.
„Ich kann kaum glauben, dass wir damals so ausgesehen haben", sagte er lachend und zeigte auf ihr Hochzeitsfoto. „Schau dir meine Haare an! Und was für Umhänge damals in Mode waren, einfach schrecklich!"
Andromeda lachte und kuschelte sich an ihn. „Ich weiß nicht, ich finde, du hast schon immer fantastisch ausgesehen."
Ted küsste sie zärtlich und strich ihr dann ein paar Haare aus der Stirn. „Entweder du lügst oder du hast ein Sehproblem, von dem wir noch nichts wussten."
Sie boxte ihn in den Arm und schüttelte den Kopf. „Mach dich nicht lustig über mich, Ted. Du warst schon immer meine große Liebe, das weißt du ganz genau."
Er nahm ihre Hand und strich ihr sanft über den Handrücken. „Ich weiß. Ich konnte mein Glück damals kaum fassen und das hat sich bis heute nicht geändert."
Andromeda seufzte zufrieden und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. So schrecklich auch alles war, wenigstens hatte sie noch ihn und Dora.
Im nächsten Augenblick gab es einen lauten Knall und die Wohnzimmertür flog aus den Angeln. Vermummte Gestalten stürmten mit erhobenem Zauberstab ins Wohnzimmer und im nächsten Moment durchfuhr Andromeda ein Schmerz, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Ihr ganzer Körper tat weh und sie wusste nicht, wo oben noch unten war und sie wollte am liebsten sterben, nur damit diese Schmerzen endlich aufhörten.
Dann waren sie plötzlich weg und jemand beugte sich direkt über sie und wollte wissen, wo Harry Potter war. Als sie sich weigerte, zu antworten, war der Schmerz sofort wieder da. Das wiederholte sich noch ein paar Mal, auch wenn sie sich nicht sicher sein konnte, wie oft sie sie nach Harry fragten. Sie war kurz davor, ihnen zu sagen, dass er im Fuchsbau war, auch wenn das wahrscheinlich nicht mehr stimmte. Harry hatte seine eigenen Fluchtpläne gehabt und Andromeda konnte diese Menschen kaum auf eine ganze Hochzeitsgesellschaft loslassen. Aber nach einer Weile war ihr das völlig egal und sie hätte ihnen alles gesagt, wenn nur der Schmerz endlich aufhören würde. Ihr wurde schwarz vor Augen, bevor es soweit kommen konnte
Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber als sie schließlich die Augen wieder öffnete, sah sie als erstes das besorgte Gesicht ihrer Tochter.
„Merlin sei Dank!", rief sie erleichtert. „Wie fühlst du dich, Mum?"
Andromeda versuchte stöhnend, sich aufzurichten, gab dieses Unterfangen aber sofort auf, als alle Muskeln in ihrem Körper protestierten. Nymphadoras Geburt war gegen diese Schmerzen der reinste Spaziergang gewesen. „Was ist passiert?", flüsterte sie stattdessen kaum hörbar. Selbst ihr Hals tat höllisch weh, nachdem sie wer weiß wie lange vor Schmerzen geschrien hatte.
„Du-weißt-schon-wer hat das Ministerium übernommen", sagte Nymphadora und legte ihr eine Hand auf die Schulter, die sie sofort wieder zurückzog, als Andromeda zusammenzuckte. „Alle unsere Schutzzauber sind hinfällig geworden und er hat sofort seine Leute losgeschickt, um Harry zu suchen. Wir sind gerade noch rechtzeitig von der Hochzeit verschwunden, als sie alle aufgetaucht sind, und sofort hergekommen. Wir haben die Todesser in die Flucht geschlagen. Glücklicherweise hatten sie wohl keine Ahnung, wer hier wohnt, sonst hätten sie bestimmt Bellatrix geschickt. Aber keine Sorge, Remus hat schon neue Schutzzauber um das Haus gelegt, so schnell kommt hier keiner mehr rein. Und wenn es Dad wieder gut genug geht, dann wird er noch mehr Zauber hier drauflegen."
Der Gedanke an ihn elektrisierte Andromeda genug, dass sie sich ruckartig aufsetzte. „Ted!", rief sie besorgt. „Geht es ihm gut? Haben sie ihn nicht getötet?"
Nymohadora schüttelte den Kopf. „Ich sag doch, sie hatten wahrscheinlich keine Ahnung, wer ihr seid. Sie wussten nicht, dass Dad muggelstämmig ist, sonst wäre er wahrscheinlich nicht so glimpflich davongekommen."
Benommen sah Andromeda sich im Wohnzimmer um und es fiel ihr ein Stein vom Herzen, als sie ihren Mann auf dem Boden liegen sah, ein großes Kissen unter seinem Kopf. Seine Augen waren halb geschlossen, aber er lächelte ihr trotzdem aufmunternd zu. Auf den ersten Blick schien es ihm gutzugehen, Merlin sei Dank.
Sie war noch nie mit dem Cruciatus-Fluch belegt worden und hatte sich jedes Mal, wenn sie Frank und Alice im Mungos gesehen hatte, gefragt, wie schrecklich sich der Fluch wohl anfühlen müsste, dass man sich so vollständig verlor. Jetzt konnte sie sich das nur allzu gut vorstellen, und sie konnte darauf verzichten. Bei der Vorstellung, dass ihre eigene Schwester diesen Fluch ohne Skrupel einsetzte, wurde ihr ganz schlecht. Das war ja schlimmer als der Todesfluch, da war wenigstens nach einer Sekunde alles vorbei.
„Wie geht es den anderen auf der Hochzeit?", fragte sie besorgt. Die Vorstellung, dass eine fröhliche Feier, wo die Gäste für ein paar Stunden alles vergessen und einfach nur glücklich feiern wollten, so ein Ende nahm, war einfach schrecklich. Hoffentlich waren alle heil davongekommen. „Und Harry? Sie haben nach Harry gesucht."
Nymphadora zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Sobald Kingsley uns gewarnt hat, dass Scrimgeour getötet wurde, sind Remus und ich dort weg. Die Zielscheibe auf uns ist bei so einer Konfrontation viel zu groß. Nicht nur wegen Remus. Snape hat bestimmt allen gesagt, dass wir Mitglieder des Ordens sind. Remus wird versuchen, sobald es möglich ist, mit den Weasleys und Kingsley Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, wie es allen geht." Sie seufzte. „Aber niemand hat bisher triumphal verkündet, dass Harry gefangen genommen wurde oder tot ist, also nehme ich mal an, dass er unbeschadet davongekommen ist."
In diesem Moment kam Remus mit besorgtem Blick ins Wohnzimmer geeilt und steckte seinen Zauberstab weg. „Andromeda, Ted, Merlin sei Dank seid ihr wieder bei Bewusstsein!" Er schaute sie beide erleichtert an und legte dann Nymphadora tröstend eine Hand auf die Schulter. „Ich habe bisher noch keine Antwort von den Weasleys oder Kingsley erhalten, aber wahrscheinlich sind keine Nachrichten im Moment sogar die besten Nachrichten. Die Schutzzauber dürften fürs Erste reichen. Dora, es ist wahrscheinlich am Besten, wenn wir erstmal hierbleiben. Wer weiß, welche Umbrüche und Säuberungsmaßnahmen sie sofort im Ministerium umsetzen werden. Mit Bellatrix da draußen und den Todessern an der Macht wirst du wahrscheinlich gar nicht mehr ins Ministerium zurückkehren können."
Nymphadora seufzte und Andromeda machte sich schon darauf gefasst, dass sie protestieren würde, denn bisher hatte sie sich entschieden geweigert, sich zu verstecken. Aber zu ihrer Überraschung nickte ihre Tochter nur zustimmend. „Wahrscheinlich hast du Recht, Remus. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sehr sie das ganze Ministerium umkrempeln werden. Gut, dass Dad schon nicht mehr dort ist. Der Tagesprophet wird wohl auch komplett in deren Hände fallen, der hat ja schon nach Fudges Pfeife getanzt, und der war nur ein Feigling und kein Diktator."
Andromeda nahm die Hand ihrer Tochter und umklammerte sie ganz fest. „Ich fürchte, es wird noch viel schlimmer werden, als wir glauben." Nymphadora schluckte und schaute von ihr zu Remus und dann zu Ted, der immer noch erschöpft auf dem Fußboden lag. Wahrscheinlich konnten sie sich noch gar nicht vorstellen, wie schlimm es werden würde.
Und das wurde es schon ein paar Tage später, wenn auch auf eine Art und Weise, mit der sie nie im Leben gerechnet hätte. Die ganzen Änderungen, die Voldemort sofort eingeführt hatten, waren nichts, was sie nicht erwartet hätte. Doch kaum hatte sich der größte Trubel gelegt und sie hatten Nachricht von den Weasleys erhalten, dass es allen den Umständen entsprechend gut ging und es keine Toten gab, da passierte etwas bei ihnen Zuhause, mit dem sie nie gerechnet hätte.
Andromeda und Ted hatten den größten Teil des Tages im Bett verbracht, um sich von den Folgen des Cruciatus-Fluchs zu erholen. Andromeda hatte ihnen einen einfachen Trank gegen Schmerzen gebraut, der auch gut anschlug, aber sie waren nicht mehr die Jüngsten und würden noch ein paar Tage brauchen, bis es ihnen wieder so gut ging wie vor dem Angriff.
Dann plötzlich hörten sie immer lauter werdende Stimmen und auf einmal wurde die Haustür zugeknallt. Alarmiert fuhren sie hoch und griffen nach ihren Zauberstäben. Waren etwa schon wieder Todesser im Haus? Die Zauber hätten doch halten sollen, Remus war ein fähiger Zauberer und Ted hatte alle Schutzzauber noch einmal verstärkt, sobald er dazu in der Lage gewesen war.
„Bleib hinter mir", flüsterte Ted ihr eindringlich zu und lugte vorsichtig um die Ecke. Langsam schlich er zur Treppe und eilte dann so schnell wie möglich herunter. „Wer ist da?!", rief er donnernd. „Ich bin bewaffnet!"
„Ich bin's nur, Daddy", rief Nymphadora zurück. Jetzt fuhr Andromeda wirklich der Schreck in die Glieder. So schmerzerfüllt hatte sie die Stimme ihrer Tochter noch nie gehört, noch nicht einmal im letzten Jahr, als sie so großen Liebeskummer gehabt hatte.
„Dora?", fragte Andromeda besorgt und drängte sich an Ted vorbei die Treppe runter. Ihre Tochter stand im Flur und starrte mit hängenden Armen auf die zugefallene Haustür. Tränen liefen ihr über die Wangen und sie versuchte, einen Schluchzer zu unterdrücken. Ohne zu zögern nahm Andromeda sie in die Arme und drückte sie so fest an sich, wie sie nur konnte. „Was ist passiert?"
„Remus ist weg", schniefte sie. „Er ist einfach gegangen. Einfach so. Dabei hat er mir doch erst vor ein paar Wochen gesagt, dass er mich nie verlassen wird."
„Warum denn das?", fragte Ted wütend und umklammerte seinen Zauberstab. „Der Vollmond war doch erst vor anderthalb Wochen und wir waren uns alle einig, dass es fürs erste das Sicherste ist, wenn wir alle bleiben, wo wir sind, bis wir uns neu geordnet haben!"
„Ich bin schwanger", erwiderte Nymphadora und wurde von einem weiteren Schluchzer geschüttelt. „Ich bin schwanger und ich hab's ihm gerade gesagt und er hat nur gesagt, dass das alles ein Fehler war und er gehen muss." Sie schniefte und vergrub ihr Gesicht in Andromedas Morgenmantel. Andromeda tätschelte ihr tröstend den Rücken und tauschte einen erstaunten und besorgten Blick mit Ted. Damit hätte sie nun wirklich nicht gerechnet. „Wie kann er mir das nur antun? Wie kann er uns das nur antun?"
„Ich weiß es nicht", sagte Andromeda beruhigend und drückte ihr einen Kuss auf die bonbonrosafarbenen Haare. Sie hätte nie gedacht, dass Remus sich so vor seiner Verantwortung drücken würde.
„Ich hab ihm doch immer gesagt, dass ich ihn liebe und dass es mir egal ist, dass er ein Werwolf ist. Unserem Kind wird es auch egal sein!"
Andromeda seufzte. Was sollte sie schon groß zu ihrer Tochter sagen, die überstürzt einen Werwolf geheiratet hatte, von ihm schwanger geworden und jetzt auch noch von ihm verlassen worden war? Remus hatte ihr einmal im Grimmauldplatz erzählt, wie viel Angst er davor hatte, jemand anderem sein Schicksal aufzubürden, auch wenn er vermutlich eher befürchtet hatte, dass er als Werwolf jemanden biss, anstatt jemanden zu schwängern. Andromeda versuchte krampfhaft, sich daran zu erinnern, ob das Werwolfgen vererbbar war, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, schon einmal von einem Werwolf gehört zu haben, der sich fortgepflanzt hatte. Es wunderte sie nicht, dass Remus Angst vor dem Schicksal seines Kindes hatte, aber es wunderte sie, dass er dieses Risiko überhaupt eingegangen war. Deshalb war sie von Anfang an überrascht gewesen, dass er und Nymphadora tatsächlich geheiratet hatten.
Resigniert ließ Ted seinen Zauberstab wieder sinken und strich Nymphadora zärtlich über den Rücken. „Ich mach uns erstmal einen Tee und es müsste auch noch etwas von Fortescues Eis da sein. Das hab ich noch gekauft, bevor er verschwunden ist. Wenn das hier kein guter Grund ist, es endlich zu essen, dann weiß ich auch nicht."
Nymphadoras Schluchzer wurden langsam weniger und sie löste sich wieder aus den Armen ihrer Mutter. Unwirsch wischte sie sich über die Augen. „Hast du auch noch welches mit Butterbiergeschmack?", fragte sie hoffnungsvoll und folgte ihm in die Küche.
„Was denkst du denn?", erwiderte Ted bemüht fröhlich und reichte ihr einen ganzen Eimer voll mit Eis und einen Löffel. Für Andromeda hatte er eine kleine Schüssel Erdbeereis und sich selbst goss er ein großes Glas Feuerwhiskey ein.
„Es tut mir Leid, dass ich euch so viel zumute", murmelte Nymphadora nach fünf Minuten, in denen sie schweigend mehrere Löffel Eis gegessen hatte. „Ich weiß, ihr wart sehr überrascht, dass wir geheiratet haben und nicht gerade begeistert und jetzt bekomme ich auch noch ein Baby, obwohl die ganze Zauberwelt gerade vor die Hunde geht …"
„Das darfst du nicht denken, mein Schatz", sagte Ted energisch und ergriff ihre Hand. „Wir lieben und unterstützen dich, das haben wir immer und das werden wir immer. Wir werden uns nicht von dir abwenden, ganz egal, in wen du dich verliebt hast."
Andromeda nickte entschieden. Das hatten sie sich damals geschworen, als ihre Eltern sie erbarmungslos für ihre Wahl verurteilt hatten. Sie hatte mit Ted nicht wirklich über Nymohadoras Wahl gesprochen, aber sie war wirklich froh, dass er immer noch dieser Meinung war.
„Und was Remus betrifft, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Jetzt ist erstmal die Frage, was du mit deiner Schwangerschaft machst", fuhr Ted fort.
Nymphadora schaute ihn verwirrt an. „Was meinst du?"
„Willst du das Kind austragen? Oder lieber nicht? Wenn nicht, solltest du wahrscheinlich am besten zu einem Muggelarzt gehen, das Mungos wird uns wahrscheinlich nicht wohlgesonnener sein als das Ministerium."
Andromeda schaute Ted überrascht an und Nymphadora lehnte sich entsetzt zurück und legte eine Hand auf ihren Bauch. „Natürlich will ich das Baby! Es war zwar nicht geplant, aber ich will es auf jeden Fall, ganz egal, was Remus sagt! Und wenn es wie er werden sollte, dann werde ich es trotzdem lieben!", sagte sie entschieden.
Ted trank einen großen Schluck Feuerwhiskey. Eine Weile starrte er ins Leere, bevor er schließlich entschlossen nickte. „In Ordnung. Dann wäre das also geklärt. Du solltest trotzdem zu einem Muggelarzt, damit wir wissen, dass alles in Ordnung ist mit dem Kind und dir. Und dann wäre es wahrscheinlich am besten, eine Hebamme für eine Hausgeburt zu suchen, damit wir so wenig wie möglich das Haus verlassen müssen und keine Aufmerksamkeit erregen." Er tätschelte ihr die Hand und nickte erneut bekräftigend. „Wir werden das schon schaffen. Wir haben dich damals im Krieg bekommen und alles gut überstanden, und das wird dieses Mal genauso sein. Du wirst schon sehen, mein Schatz. Und Remus ist ein vernünftiger Mann, der wird auch noch zur Vernunft kommen und erkennen, was für einen Fehler er gemacht hat, als er die tollste Hexe in ganz England hat stehen lassen." Er lächelte Andromeda zu. „Du natürlich ausgenommen, mein Liebes."
Andromeda winkte ab und löffelte den Rest ihres Eises aus der Schüssel. Die Situation wurde immer verfahrener und gefährlicher und sie wünschte sich inständig ihr Leben zurück, so wie es vor fünf Jahren gewesen war, aber sie hatte wohl keine Wahl. Sie dachte daran, wie es war, als sie Nymphadora bekommen hatte und was für ein Glücksgefühl es gewesen war, endlich etwas positives in ihrem Leben gehabt zu haben inmitten von all dem Schmerz und der Verzweiflung und dem Tod, dem man nicht entkommen konnte. Vielleicht würde ihr Enkelkind genauso sein. Hoffentlich würde ihr Enkelkind genauso sein. Werwolf oder nicht.
Andromeda hätte es nicht für möglich gehalten, aber in den nächsten Tagen war Remus' Weggang und Nymphadoras Schwangerschaft nicht einmal mehr ihr größtes Problem. Sie hatten sich schneller von dem Fluch erholt, als sie erwartet hatte, was sie zum Anlass genommen hatte, auf dem Dachboden nach den Kartons mit Nymphadoras alten Babysachen zu suchen. Sie hatte erfolgreich eine verstaubte Kiste in der hintersten Ecke gefunden und nach unten gebracht und hörte alten Celestina Warbeck-Liedern im Radio zu, während sie auf dem Sofa saß und seufzend einen alten Strampler nach dem anderen in die Hand nahm. Sie konnte kaum glauben, dass Nymphadora einmal so klein gewesen war, dass sie wirklich in die Sachen reingepasst hatte. Ted hatte sich zu ihr gesellt und blätterte ein Buch über Schutzzauber durch, in der Hoffnung, noch einen Zauber zu finden, der Remus und ihm entfallen war.
Nach einer Weile kam Nymphadora in ihrem Morgenmantel hereingeschlurft und holte sich eine Tasse Tee aus der Küche. Sie setze sich in den Sessel und zog die Knie an die Brust. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und ihre Haare hatten wieder eine triste mausbraune Farbe angenommen.
Andromeda hielt einen Strampler von den Holyhead Harpies hoch, ihrem Lieblingsteam, das ein uraltes Vereinslogo zeigte. Nymphadora lächelte für einige Sekunden, bevor sie missmutig einen Schluck Tee trank. Andromeda seufzte. Sie hoffte nur, dass Remus bald wieder zur Vernunft kam, sonst würde sie ihn am Ende noch suchen und hierher zerren müssen, und das war in dieser Situation, wo die Todesser draußen wie die Ameisen herumkrochen, wirklich nicht die beste Idee.
Plötzlich wurde Celestina Warbeck mitten im Refrain von „Ein Kessel voller starker Liebe" mit einem lauten Gong unterbrochen. Andromeda wäre vor Schreck beinahe vom Sofa gefallen und schaute verwirrt zu Ted und Nymphadora, um zu sehen, ob einer von ihnen für das Geräusch verantwortlich war. Aber beide waren genauso überrascht wie sie.
„Achtung, Achtung!", tönte eine laute Stimme aus dem Radio. „Liebe Mitbürger, hier spricht der neue Zaubereiminister Pius Thicknesse." Ted schnaubte und verdrehte die Augen. Der Orden vermutete, dass er unter dem Imperius-Fluch stand, aber Ted hatte vorher schon nicht viel von dem Mann gehalten. „Wie ich gestern nach der Amtsniederlage von Rufus Scrimgeour bereits angedeutet habe, werde ich in den nächsten Wochen einige längst überfällige Reformen durchführen, die in den nächsten Tagen jedem Haushalt detailliert schriftlich per Eule mitgeteilt werden. Die wichtigste zuerst: Von jedem Muggelstämmigen wird verlangt, sich umgehend beim Ministerium zu registrieren und zu einer Befragung einzufinden. Das Ministerium führt eine Überprüfung der so genannten Muggelstämmigen durch, um zu klären, wie sie in den Besitz magischer Geheimnisse kamen.
Neuere Untersuchungen der Mysteriumsabteilung zeigen, dass Magie nur von Person zu Person weitergegeben werden kann, wenn sich Zauberer fortpflanzen. Sofern der so genannte Muggelstämmige keine Zauberer als Vorfahren nachweisen kann, hat er seine magische Kraft daher aller Wahrscheinlichkeit nach durch Diebstahl oder mit Gewalt erlangt.
Das Ministerium ist entschlossen, derlei unrechtmäßige Besitzer magischer Kraft aufzustöbern, und hat zu diesem Zweck eine Aufforderung an alle so genannten Muggelstämmigen ergehen lassen, sich zu einer Befragung bei der neu eingerichteten Registrierungskommission für Muggelstämmige einzufinden.
Ich wiederhole noch einmal: Von allen Muggelstämmigen wird verlangt, sich umgehend beim Ministerium zu registrieren und zu einer Befragung einzufinden. Das Ministerium führt eine Überprüfung …"
Andromeda schaute entsetzt zu Ted, der weiß wie ein Laken geworden war. „Nein!", murmelte sie fassungslos und schüttelte energisch den Kopf. „Nein! Das können sie nicht machen, das ist absoluter Irrsinn …" So schlimm war es im letzten Krieg nicht gewesen und damals war es schon die Hölle, aber das …
„Du kannst da nicht hingehen, Dad", sagte Nymphadora drängend. „Wenn du auch nur einen Fuß ins Ministerium setzt, lassen sie dich nie wieder heraus! Wer weiß, was sie mit den ganzen Muggelstämmigen machen, die sich melden werden, wahrscheinlich schicken sie die alle nach Askaban und die Dementoren werden sich freuen, endlich normale Menschen zu bekommen und nicht nur diese Wahnsinnigen! Sie haben ja gerade mindestens ein Drittel der Zauberwelt eines Verbrechens beschuldigt und …"
„Ich gehe auf keinen Fall ins Ministerium", unterbrach Ted sie angespannt. „Du hast völlig Recht, es ist bestimmt ihr Plan, alle Muggelstämmigen nach Askaban zu schicken, sonst hätten sie diese Begründung nie so formuliert." Er atmete tief durch und schaute Andromeda dann bedauernd an. „Aber ich kann auch nicht hierbleiben."
Andromeda zuckte zusammen. „Nein!", rief sie entsetzt. „NEIN!" Sie sprang auf und stellte sich schützend vor die Tür, als ob Ted das aufhalten könnte. „Du kannst nicht einfach gehen, du kannst uns nicht einfach verlassen, da draußen bist du ihnen ausgeliefert und …" Sie erschauderte, wenn sie daran dachte, was ihm auf der Flucht alles passieren könnte. „Du kannst nicht gehen, Ted, bitte, bleib hier!"
„Glaubst du denn, mir macht das Spaß, Dromeda? Dass ich nicht viel lieber bei euch bleiben würde? Aber was habe ich denn für eine Wahl? Wenn ich ins Ministerium gehe, werde ich festgenommen. Wenn ich bleibe, werden sie mich irgendwann hier suchen kommen und festnehmen, und was sie dann mit euch machen, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Ihr beide seid sicher, als Reinblüter und Halbblüter, und Remus kann auch Zauberer als Vorfahren nachweisen, sollte er zurückkommen. Wenn ich bleibe, bringe ich euch alle in Gefahr!"
„Aber -", protestierte Andromeda und schaute hilflos zu ihrer Tochter in der Hoffnung, dass Nymphadora ein Argument finden würde, das Ted überzeugte zu bleiben. Sie wollte nicht, dass er ging. In den letzten fünfundzwanzig Jahren waren sie noch nie getrennt gewesen, sie hatten alle Krisen zusammen durchgestanden. Egal, wie unsicher die Zeiten auch wurden, darauf, dass Ted an ihrer Seite war, hatte sie sich immer verlassen können. Immer. Sie hatten schon so viel verloren und jetzt wollte man ihr auch noch ihren Mann wegnehmen? Hörte das denn nie auf?
„Ich liebe euch, Andromeda. Und du weißt ganz genau, dass ich nicht hierbleiben kann. Nicht mehr. Nicht jetzt. Ich könnte nicht mit mir leben, wenn euch etwas passiert. Gerade jetzt, wo du schwanger bist, Dora."
Sie schüttelte heftig den Kopf. „Du musst nicht gehen, nur weil ich schwanger bin, Dad. Das ist wirklich nicht notwendig."
„Du hast es doch selbst gesagt. Egal, was ich machen würde, am Ende lande ich wahrscheinlich in Askaban. Das ist die beste Möglichkeit, auf freiem Fuß zu bleiben und euch gleichzeitig zu schützen. Und wer weiß, vielleicht ist das alles bald wieder vorbei. Sie haben Harry nicht gekriegt und der hat irgendeine Mission von Dumbledore, Du-weißt-schon-wen zu Fall zu bringen. Und der Orden wird sicher auch unermüdlich weitermachen. Außerdem ist mein Dad jedes Jahr mit mir Zelten gefahren, solange er gelebt hat, ich komm schon zurecht da draußen." Er lächelte sie schwach an. Zuversicht sah anders aus.
Nymphadora liefen Tränen über die Wangen und Andromeda schüttelte unermüdlich den Kopf. Sie hatten in den letzten Jahren so oft gute Miene zum bösen Spiel gemacht und am Ende war alles immer nur schlimmer geworden. Sie wusste ganz genau, wenn er jetzt aus der Tür spazierte, dann würde sie ihn nie wiedersehen. Sie konnte nicht glauben, dass Voldemort es tatsächlich geschafft hatte, ihr die Liebe ihres Lebens zu nehmen.
Seufzend stand Ted auf und griff nach seinem Zauberstab. „Ich fange am besten sofort an, zu packen. Und dann nehmen wir die meisten Schutzzauber von diesem Haus, damit die Todesser ohne Probleme hier nach mir suchen und feststellen können, dass ich weg bin. Und wenn sie sich dessen versichert haben, dann wirst du der Geheimniswahrer und lässt niemanden außer Remus hier herein." Vor Harrys Abstecher hier vor ein paar Wochen hatten sie ihren letzten Geheimniswahrer seiner Aufgabe entbunden, damit Harry und Hagrid überhaupt hierher gelangen konnten. „Geht nur ins Dorf, und zwar so unkenntlich wie möglich, und ansonsten verschanzt ihr euch hier, bis alles vorbei ist. Versprecht mir das! Eure Sicherheit hat oberste Priorität, also tut nichts, was euch unnötig in Gefahr bringt. Versprecht mir das!" Er schaute sie flehentlich an.
„Nur wenn du uns das auch versprichst", erwiderte Andromeda mit belegter Stimme. Sie würde ihn nicht aufhalten können. „Nur wenn du uns versprichst, dass du so schnell wie möglich wiederkommst, sobald es sicher ist. Dass du nicht den Helden spielst und kein Risiko eingehst und in der Sekunde wiederkommst, in der es möglich ist."
„Natürlich!" Ted kam zu ihr und zog sie in seine Arme. Andromeda umklammerte ihn so fest sie konnte und wollte ihn nie wieder loslassen. „Natürlich. Ich komme so schnell wie möglich zurück. Ich will doch nicht mein erstes Enkelkind verpassen. Niemals."
Nymphadora schluchzte laut und Ted zog auch sie in seine Arme, sodass die ganze Familie eng umschlungen im Wohnzimmer stand. Das letzte Mal hatten sie sich so an Doras erstem Schultag umarmt. Merlin, es war alles so schrecklich geworden!
Ein paar Stunden später war Ted weg. Er hatte ein altes Muggelzelt auf dem Dachboden gefunden und das Innere seines Rucksacks so sehr vergrößert, dass das allernötigste reinpasste. Er packte ein paar ihrer Essensvorräte und eines ihrer alten Fotoalben ein, nahm sein Handy, und umarmte Nymphadora und sie noch einmal mindestens zehn Minuten. Er nahm die stärksten Schutzzauber von ihrem Haus und dann disapparierte er in ihrem Garten, wo sie vor ein paar Tagen noch die Teile von Sirius' Motorrad zusammengesucht und zu Arthur geschickt hatten. Sie hatte sich damals schon entsetzliche Sorgen gemacht und da hatte sie noch nicht ahnen können, wie furchtbar alles noch werden würde. Es war ihr nie in den Sinn gekommen, dass sie einmal von Ted getrennt werden würde. Er war immer dagewesen, ihr Fels in der Brandung.
Nymphadora starrte eine Weile auf den dunklen Gartenteich, bevor sie auf dem Absatz kehrt machte und zurück ins Haus ging. „Ich werde Kingsley kontaktieren, damit er sich bereithält und uns bei dem Spruch für den Geheimniswahrer behilflich ist und zusätzlich noch ein paar Sprüche auf das Haus legt. Einmal kann das Ministerium hier rein und dann nie wieder. Nicht, dass Bellatrix am Ende noch hier auftaucht."
„Meinst du, das ist eine Möglichkeit?", fragte Andromeda erschrocken und folgte ihr zurück ins Haus. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht.
„Nicht beim ersten Mal, nein", erwiderte Nymphadora sicher und Andromeda atmete erleichtert auf. Ihre Tochter war zwar noch sehr weit unten auf der Karriereleiter, aber sie kannte sich im Ministerium zehn Mal besser aus als Andromeda. Diese interne Politik war ihr immer zuwider gewesen. Ihr reichte schon das bisschen, mit dem sie im Krankenhaus konfrontiert worden war. „Das muss alles den Anschein einer seriösen Aktion vom Ministerium haben. Die versuchen doch mit allen Mitteln, so lange wie möglich zu vertuschen, dass Du-weißt-schon-wer jetzt am Hebel sitzt, sonst hätten sie Scrimgeours Tod nicht als Rücktritt verkauft. Da können sie keine Hausdurchsuchungen mit erwiesenen Todessern machen, die aus Askaban ausgebrochen sind und nicht für das Ministerium arbeiten. Besonders, wenn sie wirklich damit rechnen, Dad hier zu finden. Ich weiß nicht, wie lange sie das durchziehen werden, aber für den Augenblick glaube ich nicht, dass sie kommt. Deshalb hat Dad so betont, dass wir nach dem ersten Mal so viele Schutzzauber wie möglich hochziehen, dass hier keiner mehr reinkommt, den wir nicht absolut hier haben wollen."
„In Ordnung", nickte Andromeda und hoffte inständig, dass Nymphadora Recht hatte.
TBC…
