HARRY POTTER
UND DER PRINZ VON SLYTHERIN


Harry Potter und alle assoziierten Charaktere und Situationen sind Eigentum von J.K. Rowling. Ich erhebe kein Urheberrecht.


Zuerst von The Sinister Man als „Harry Potter and the Prince of Slytherin" veröffentlicht

Übersetzt ins Deutsche durch LimeSon


Kapitel 8: Studio-Sitzungen

Harry starrte Hermine mit offenem Mund an, während Neville die Geschichte zu Ende erzählte. Kein Wunder, dass Jim so kleinlaut gewirkt hatte, als er das Büro des Schulleiters verlassen hatte. „Ich hoffe, ich komme hier nicht zu anmaßend rüber, Hermine, aber willst du mich heiraten?"

Finger weg, Potter," sagte Neville mit gespielter Grobheit. „Ich hab sie zuerst gesehen."

Harry, Neville und die anderen Kinder lachten, während Hermine wieder errötete, aber dabei lächelte, dann gingen sie an die Arbeit. Die ersten dreißig Minuten leitete Hermine eine Auswertung der ersten Transfigurationshausaufgabe. Alle waren beeindruckt gewesen, als sie es geschafft hatte, ihr Zündholz während der ersten Stunde in eine Nadel zu transfigurieren, aber nachdem sie ihren Gedankenprozess in Bezug zu McGonagalls Methode erläutert hatte, schafften gleich mehrere aus der Lerngruppe denselben Schritt. Harry schaffte es nach ein paar Minuten auch, sein Zündholz genauso gut zu transfigurieren, wie Hermine, während alle anderen, abgesehen von Neville, deutlich Fortschritt machten. Der Junge war davon etwas niedergeschlagen, da Hermine bestätigte, dass seine Zauberstabbewegungen dazu korrekt waren, aber er trotzdem nicht mehr schaffte, als seinem Zündholz einen silbernen Ton zu geben.

Seine Frustration abschüttelnd, übernahm Neville die Leitung vom nächsten Teil und beantwortete alle Fragen zur Kräuterkunde mit Leichtigkeit. Danach kam Harry, der scheinbar der einzige war, der das Gestammer von Quirrell verstehen und in vernünftige Notizen umwandeln konnte. Harry und Hermine übernahmen gemeinsam Zauberkunst, wonach, zu Harrys großer Überraschung, Lavender die Diskussion zu Zaubertränken leitete. Scheinbar kam sie, ungeachtet ihrer recht flatterhaften Persönlichkeit, aus einer langen Linie von Trankbraumeistern und ihre Familie hatte das Patent für mehrere kosmetische Tränke, ebenso wie die europäische Lizenz für ein asiatisches Haarprodukt namens Seidenglatts Haargel. Harry hatte die letzten Worte von Snape von dem Morgen noch im Kopf und entschloss sich, sie später auf Seidenglatts anzusprechen.

Nach zwei anstrengenden Stunden beendete die Gruppe ihre Sitzung, aber alle gaben ihr Interesse kund, sich weiterhin dienstags und freitags zu treffen. Harry, Neville und Hermine blieben zuletzt, um sich weiter zu unterhalten, nachdem die anderen gegangen waren.

„Das ging ja ziemlich gut," sagte Hermine. „Glaubt ihr, dass die Gruppe die richtige Größe hat? Oder sollen wir noch jemanden dazufügen?"

„Wir könnten die Gruppe etwas erweitern, wenn wir die richtigen Leute finden," antwortete Harry. „Anthony Goldstein ist gut in Astronomie. Anscheinend ist sein Vater ein Muggel Astronomieprofessor. Ein Puff namens Finch-Fletchley ist fasziniert von Zaubereigeschichte und schafft es tatsächlich in Binns Unterricht wach zu bleiben. Ich persönlich würde gerne Susan Bones hinzufügen, aber das hat eher politische Vernetzungsgründe, also müsst ihr sie nicht reinnehmen, nur um meine listige Slytherinseite zu beschwichtigen."

Neville verdrehte die Augen. „Also keine Slytherins? Und eine andere Frage sollte wohl auch noch gestellt werden – wird es für dich ein Problem sein, mit uns zu lernen?"

Er schüttelte seinen Kopf. „Ich bin Präsumtiver Erbe eines wichtigen Hauses. Ich bin in einer wundervoll antagonistischen Beziehung mit dem Jungen-Der-Lebte. Und ich habe mir einen Ruf als exzentrischer Einzelgänger aufgebaut. Es sollte also kein Problem sein. Es ist aber unwahrscheinlich, dass andere Slytherins sich uns anschließen würden, zumindest nicht, bevor wir im Unterricht nicht haushoch besser sind als sie."

Hermine zögerte kurz, bevor sie fragte „Ist… ist das, weil eine… eine Muggelgeborene die Gruppe leitet?"

Harry seufzte. „Naja, ich würde das Wort nicht benutzen, aber ja, vermutlich. Es gibt überhaupt keine Muggelgeborenen in Slytherin, es sei denn, eine der Halbblüter spielt den Bluff ihres Lebens. Es gibt noch zwei Halbblüter außer mir – Davis und Bulstrode – und ein Reinblut, dessen Familie nie Du-Weißt-Schon-Wem gedient hat, aber ich denke nicht, dass eine von ihnen es riskieren wird, es sich mit den älteren Reinblütern zu verspielen, von denen viele offen intolerant sein werden. Und, um ehrlich zu sein, ja, Draco Malfoy und Pansy Parkinson würden dich vermutlich Schlammblut nennen, wenn keine Lehrer in der Nähe sind. Crabbe und Goyle sind mehr oder weniger Anhängsel von Malfoy und werden seiner Führung folgen. Und ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung, was mit Zabini los ist. Er gleitet irgendwie durch die Gegend wie ein gesellschaftlicher Ninja."

„Was ist ein Ninja?" fragte ein verwirrter Neville.

Harry wollte gerade mit seiner Antwort anfangen, als er selbst verwirrt innehielt. „Weißt du, ich hab keine Ahnung, wie ich jemandem, der nie Muggelfilme oder Serien gesehen hat, Ninjas erklären soll! Lass einfach sagen, dass ein Ninja eine sehr mysteriöse und hinterhältige Person ist und es dabei belassen."

„Und Nott?" fragte Hermine. „Ich hab gesehen, wie du mit ihm geredet hast, bevor du hergekommen bist. Als er mich angesehen hat, sah er nicht… hasserfüllt aus. Mehr traurig als alles andere."

„Theo ist… ein besonderer Fall. Ich arbeite noch dran." Er zögerte. „Ich will keine haltlosen Gerüchte verbreiten, also behaltet das hier bitte für euch. Ich befürchte, dass, sollte Theos Vater mitbekommen, dass Theo mit Muggelgeborenen und ‚Blutverrätern' abhängt," Harry machte mit seinen Fingern Anführungszeichen bei dem Wort, „das eventuell… körperliche Konsequenzen für ihn mit sich ziehen könnte."

Neville schüttelte den Kopf, während Hermine lautstark einatmete. „Sicherlich nicht! Ich dachte, dass die Erben von Reinblutfamilien von sowas beschützt wären."

Präsumtive Erben, Hermine," antwortete Neville. „Nott hat einen älteren Bruder an Durmstrang. Das bedeutet, dass Theo nicht der Präsumtive Erbe ist, also hat er nicht wirklich viel Schutz von seinem Vater. Ich hab Verständnis für ihn." Der Junge zögerte und sah etwas gequält aus. „Ich hab das hier noch nie jemandem erzählt, aber als ich jünger war, hat mein Großonkel Algie quasi… naja… versucht mich umzubringen. Zweimal."

Harrys Augen quollen beinahe aus seinem Kopf dabei, während Hermine sehr besorgt aussah. „Du hast beim Willkommensfest gesagt, dass dein Onkel dich, als du acht warst, aus Versehen aus dem Fenster fallen gelassen hat und du vom Boden abgefedert bist," gab sie leise von sich.

„Ja," erwiderte er bitterlich. „Und davor hat er mich einmal ‚aus Versehen' vom Blackpool Pier gestoßen. Ich bin beinahe ertrunken, bevor er mich endlich wieder rausgefischt hat. Offiziell… naja, offiziell waren beides Unfälle. Inoffiziell gehen alle davon aus, dass er versucht hat, mich dazu zu bringen, ein unbewusstes Anzeichen von Magie von mir zu geben. Ich hab die Geschichte beim Willkommensfest erzählt, weil alle anderen ihre witzigen Geschichten erzählt haben, von den Momenten, in denen sie gemerkt haben, dass sie magisch sind und ich bin nervös geworden und hab die einzige erzählt, die ich habe. Aber ich hatte immer Zweifel, denn wie sich herausstellt, wenn ich wirklich gestorben wäre, wäre Onkel Algie nicht bloß mein Regent, bis ich 15 werde, sondern wäre direkt der Erbe für den ganzen Nachlass geworden."

„Und niemand kam auf die Idee, ihn des versuchten Mordes anzuklagen?" fragte Harry.

„Was gibt es anzuklagen? Es ist im Endeffekt legal, das Kind einer Zaubergamotfamilie zu gefährden, wenn es darum geht, unbewusste Anzeichen von Magie zu provozieren, sofern es noch keine Anzeichen gab und das Kind mindestens vier Jahre alt ist." Er zögerte. „Manchmal frag ich mich, ob das ist, warum meine Magie so schwach ist. Meine Eltern waren beide mächtige Zauberer, aber ich hab fast nie unbewusste Magie von mir gegeben und, naja, ich hab Schwierigkeiten mit allen meinen Zauberstab-Fächern. Ich frag mich, ob das, was er gemacht hat, irgendein Trauma verursacht hat, das meine magische Entwicklung verkümmert hat."

„Das ist furchtbar!" rief Hermine aus, womit sie sich noch ein Zischen von Madame Pince verdiente. „Willst du mir damit sagen, dass ich in eine Kultur eingetreten bin, in der es akzeptiert ist, Kinder zu gefährden, nur um sie dazu zu bringen, Magie zu wirken? Das ist barbarisch!"

„Gerechterweise muss man sagen, dass es das Magische Jugendamt im Ministerium gibt, das nach der Gesundheit und dem Wohlergehen von Muggelgeborenen, Halbblütern und sogar von Reinblütern von ‚geringeren' Familien sieht. Es ist ihnen nur vom Gesetz her nicht erlaubt, die Behandlung von Kindern zu hinterfragen, die von Zaubergamotfamilien sind, aber nicht als Präsumtive Erben anerkannt sind, was bei mir nicht der Fall war, bis meine Magie mich von dem Fall gerettet hat. Soweit ich weiß, war ich ein unüblicher Fall, da die meisten magischen Kinder sehr früh in ihrer Kindheit zumindest kleine Anzeichen von Magie zeigen. Jedenfalls ist unsere Regierungsform davon abhängig, so viele Zaubergamotsitze besetzt zu halten, wie irgendwie möglich, vor allem die Alten und Noblen Sitze. Sofern es das Gesetz angeht, wenn ich ein Squib gewesen wäre, wäre es das beste gewesen, mich jung sterben zu lassen, damit der Longbottom-Sitz schneller an einen tatsächlichen Zauberer weitergegeben werden kann. Ganz ehrlich, du als Muggelgeborene hast mehr gesetzlichen Schutz als Theodore Nott. Er könnte jederzeit von seinem Vater auf die Straße gesetzt werden, oder sogar noch schlimmeres."

„Jetzt verstehst du vielleicht, Hermine, warum ich das ganze Zeug wie verrückt gepaukt habe," sagte Harry. „Indem sie mich bei den Dursleys gelassen haben und nicht nach mir gesehen haben, haben die Potters und der Schulleiter mehrere Jahrhunderte alte Gesetze gebrochen." Er drehte sich wieder zu Neville. „Und nicht, dass ich das Thema wechseln will, aber du scheinst über Theos Privatleben ziemlich gut informiert zu sein."

„Ich kann ein paar gute Vermutungen machen." Neville sah sich in der Bücherei um und stellte sicher, dass niemand sie belauschte. „Letzten Sommer hat meine Oma mir Akten gegeben, die sie über all die Kinder zusammengestellt hat, mit denen ich nach Hogwarts gehen würde und deren Eltern entweder bekannte oder vermutete Todesser sind. Sie hegt gegen die Malfoys einen persönlichen Groll wegen dem, was die Lestranges meinen Eltern angetan haben, aber wenn es um die spezifischen Verbrechen geht, war Lucius Malfoy noch nicht mal so schlimm. Er war angeklagt für Bestechung, eine terroristische Gruppierung finanziell zu unterstützen und für Missetaten gegen Muggels. Falls er das Dunkle Mal freiwillig angenommen hat, statt unter dem Imperiusfluch zu stehen, dann hat er vermutlich auch mindestens einen Muggel getötet, aber das ist quasi nie zu beweisen. Er ist ein arroganter, intoleranter Snob, aber verglichen mit den meisten vermuteten Todessern ist er relativ harmlos."

Neville lehnte sich konzentriert vor. „Für all das wurde Tiberius Nott auch angeklagt, plus des Mordes an einem Dutzend Muggelgeborenen und Merlin weiß wie viele Muggels. Die Tötungen waren meistens, naja, extrem gewalttätig. Oma hat ihn einen Psychopathen genannt und hat gesagt, dass er vermutlich der schlimmste Todesser ist, der nie nach Azkaban geschickt wurde."

„Warum wurde er das nicht, wenn er so schlimm war?" fauchte eine erstaunte und wütende Hermine.

„Dafür kannst du Sirius Black danken. Die Protokolle von seinem Prozess sind immer noch versiegelt, aber laut der Information, die in der Presse veröffentlich wurde, hat er gestanden, für Du-Weißt-Schon-Wen über zwei Dutzend Zaubergamotmitglieder unter den Imperiusfluch gestellt zu haben, inklusive Malfoy, Goyle, Crabbe, Parkinson… und eben Nott. Das hat dafür gesorgt, dass sie alle davon gekommen sind, trotz dass sie das Dunkle Mal trugen. Oma schätzt, dass Black wusste, dass es um ihn geschehen war und dass er deswegen die Schuld von all den vermuteten Todesser auf sich genommen hat, die nicht bei frischer Tat ertappt worden sind."

„Ist es möglich, die Pressemitteilungen dazu einzusehen?" fragte Harry.

Hermine zeigte durch den Raum zu den oberen Stockwerken. „Da oben sind gebundene Kopien vom Tagespropheten, bestimmt mehrere Jahrzehnte zurück."

Harry nickte. Das war noch etwas, das er zu seinen Studien hinzufügen würde, was mittlerweise neben seinem normalen Unterricht auch Zaubergamotsrecht und magische Stammbaumforschung beinhielt. „Weißt du, Neville, wenn du wirklich besorgt darüber bist, irgendein Kindheitstrauma zu haben, das deine Magie begrenzen könnte, dann solltest du zu Madame Pomfrey gehen. Vielleicht ist es etwas Korrigierbares. Ich habe mit ihr schon über meine Größe geredet – die Dursleys waren nicht besonders besorgt über meine Ernährung – und die Nährtränke, die sie mir gegeben hat, sollten mich innerhalb von ein oder zwei Jahren zu Jims Größe bringen."

„Ich… werde darüber nachdenken. Danke."

Nachdem sie noch ein paar Schulsachen diskutiert hatten, trennte das Trio sich auf. Hermine und Neville gingen zurück zu ihrem Wohnheim und Harry fing an, die alten Kopien des Propheten zu studieren, angefangen mit dem Band für das Jahr 1981. Die Ergebnisse waren nicht besonders aufschlussreich. Du-Weißt-Schon-Wessen Tod war auf der ersten Seite vom ersten November 1981 und zwei Tage später hatte die Zeitung seinen Untergang offiziell ‚Jim Potter, dem Jungen-Der-Lebte' zugeschrieben, obwohl es keine direkten Zeugen seiner wundersame Heldentat, den Todesfluch zu parieren, gab. Nichtsdestotrotz war es einfach… akzeptiert, dass Voldemort den Todesfluch an Jim versucht hatte, irgendein Rückschlag ihn zerstört hatte und Jim mit seiner Narbe an der Schläfe zurückblieb. Harry fragte sich müßig, ob die V-geformte Narbe vielleicht einen Teil von Voldemort beinhalten könnte, was erklären würde, warum Jim ein so gigantischer Blödmann war, aber direkt danach schüttete er den Gedanken ab. Voldemort war zwar böse, aber Harry meinte, er müsste ja wohl deutlich intelligenter und weniger unausstehlich sein als Jim. Harry war nicht besonders überrascht, dass weder sein eigener Status noch überhaupt seine Existenz erwähnt wurden.

Der Verräter Sirius Black war am 3. November 1981 von James Potter selbst verhaftet worden. Er war in einem geheimen Prozess verurteilt worden, in Übereinstimmung mit den sogenannten Todesser-Gesetzen, einer Reihe an kontroversen zeitweiligen Gesetzen, die 1980 in Kraft getreten sind, um es der Strafverfolgung und dem Justizsystem einfacher zu machen, mit dem klarzukommen, was im Endeffekt ein bewaffneter Aufstand eines nicht unbeachtlichen Teiles der herrschenden Klasse der Nation war. Harry wunderte sich, warum Voldemort, bei all dem Einfluss, den er hatte, nicht einfach dafür gesorgt hatte, dass seine Anhänger einfach die Gesetze schrieben, die ihm geben würden, was er wollte, statt massenhaft Gemetzel zu verursachen.

Die Todesser-Gesetze waren am meisten dafür bekannt, dass sie Aurorn und Hit-Zauberern die Benutzung der Unverzeihlichen Flüche gegen Todesser erlaubte, aber sie beinhielten auch die Möglichkeit für geheime Prozesse, anstelle der normalen Kriminalprozesse, in denen ein Teil des Zaubergamots als Jury diente. Die Protokolle zu diesen Prozessen wurden vor der allgemeinen Öffentlichkeit versiegelt und die Auroren, die die Angeklagten bewachten, mussten sich nach jedem Prozess gewissen Gedächtniszaubern unterziehen, damit sie die Identität der Beteiligten nicht ausplaudern konnten. Das wurde anscheinend eingeführt, damit die Namen von Zeugen und Richtern an die Öffentlichkeit geraten konnten, wodurch die Todesser sich an ihnen hätten rächen können. Anscheinend waren, bevor die Gesetze in Kraft getreten sind, mehrere Richter, die erfolgreich Todesser verurteilt hatten, später von Todessern getötet worden. Der Artikel über den Prozess von Sirius Black hatte nur bemerkt, dass das Prozessprotokoll vom Gerichtsschreiber magisch zertifiziert wurde und dass drei der zwölf anonymen Zaubergamotmitglieder, die berechtigt waren, in Kriminalprozessen als Richter zu dienen (und alle magische Eide geschworen hatten, solche Prozesse gerecht zu behandeln), dabei den Vorsitz geführt hatten. Diese drei anonymen Richter würden Blacks Schicksal bestimmen.

Die Beweisführung gegen Sirius Black hatte eidesstattliche Erklärungen von James und Lily Potter enthalten, die besagten, dass er der Geheimniswahrer von ihnen gewesen war, eine eidesstattliche Expertenaussage eines Unsäglichen (was auch immer das war – Harry fügte den Begriff zu seiner langen Liste an Themen zum Recherchieren hinzu), die aussagte, dass ein Fideliusschutzzauber nur durchbrochen werden kann, wenn der Geheimniswahrer das Geheimnis freiwillig ausgibt, und zuletzt noch ein langes Geständnis von Black, in welchem er stolz zugab, ein Todesser zu sein, die Potters verraten zu haben und eine Anzahl einflussreicher Zaubergamotmitglieder unter den Imperiusfluch gestellt zu haben. Mehr Information gab es nicht, außer das Urteil – lebenslang in Azkaban wegen mehrfacher Benutzung eines Unverzeihlichen. Ironischerweise war sein Verrat an den Potters nicht einmal ein essentieller Teil seines Urteils, da niemand dadurch gestorben war. Nachdem Harry alles gelernt hatte, was er über den Fall von Voldemort rausfinden konnte, legte Harry das Buch zurück und kehrte zu seiner Stammbaumforschung zurück. Nach einer Stunde voller Notizen bereitete er einen weiteren Brief an seinen Anwalt vor und schickte ihn mit Hedwig ab, bevor er zum Abendessen ging.

Am folgenden Wochenende entdeckte Harry den unmittelbarsten und greifbarsten Vorteil seiner Beteiligung mit der Lerngruppe. Harry war auf Lavender Brown mit ein paar eher peinlichen Fragen zu magischen Haarpflegeprodukten zugegangen, aber sie nahm ihn in ihre Obhut und beantwortete geduldig alle seine Fragen. Am Sonntagnachmittag nahmen Lavender und Parvati in einem unbenutzten Klassenzimmer ein Makeover an Harry vor und stellten ihn den Wundern von Seidenglatt vor. Als er am folgenden Montagmorgen die Große Halle betrat, war das mit der ersten perfekt sitzenden Frisur seines Lebens. Jim lachte ihn aus, aber Snape und Draco nickten ihm billigend zu. Greengrass und Davis waren auch beeindruckt und baten ihn, sie Daphne und Tracie zu nennen.

Am Dienstag stellte sich heraus, dass Hermines Lerngruppe tatsächlich wieder gewachsen war. Justin Finch-Fletchley und Susan Bones nahmen auch teil, genau wie Anthony Goldstein und Padma Patil, obwohl Padma sich wenig subtil möglichst weit weg von ihrer Zwillingsschwester setzte. Harry fragte sich, ob magische Zwillinge immer entweder heiß oder kalt liefen – entweder teilten sie sich quasi ein Hirn, wie die Weasley Zwillinge, oder waren an der Kehle des anderen, wie die Patils oder Potters. Harry verblieb weiterhin der einzige Slytherin, der etwas mit der Lerngruppe zu tun haben wollte, was vermutlich das beste war, da die Gruppe ihre Zeit aufteilte zwischen Lernen und Diskussionen über die relativen Vorteile der Muggel und Magischer Kulturen. Die Muggelgeborenen und Muggelerzogenen der Gruppe lernten eine ganze Menge über die Magische Welt, während die Reinblüter lernten, dass viele ihre Annahmen über Muggels maßlos daneben waren. Alle von ihnen verbesserten sich stark in ihren magischen Fähigkeiten, obwohl Neville langsam frustriert wurde über seinen Mangel an Verbesserung mit seinem Zauberstab.

Die zweite Sitzung beantwortete auch eine Frage, die Hermine seit dem Anfang der Schule geplagt hatte – wie sah die frühe Bildung von magischen Kindern aus? Sie hatte schnell erfasst, dass es keine magischen Grundschulen gab und trotzdem schienen alle ihre Reinblut- und Halbblutmitschüler in der Lage zu sein, auf einem Level zu lesen und schreiben, das mehrere Jahre über ihrem eigentlich Altersniveau lag, zumindest verglichen mit Muggels. Nicht verglichen mit ihr, natürlich, aber sie war überrascht davon, wie effektiv magischer Hausunterricht zu sein schien. Die Antwort war, natürlich, Zauberei.

Anthony Goldstein, ein Halbblüter, der mehrere Jahre im Ausland gelebt hatte, erklärte den Muggelerzogenen der Gruppe die Existenz von „Bildungstränke" und wie sie funktionierten. Ein Bildungstrank war, wie der Name suggerierte, ein Trank, der den Trinkenden sofort in einem spezifischen Bereich bildete. Die Anzahl und der Anwendungsbereich dieser Bildungstränke war recht limitiert, da sie sehr schwierig und teuer zu produzieren waren. Es war am einfachsten, Tränke herzustellen, die Sprachen lehrten und Schüler, die im dritten Jahr Alte Runen wählten, fingen ihr Schuljahr damit an, ein Regiment an Tränken zu nehmen, die sie fließend in Älterem und Jüngeren Futhark machten, gefolgt etwas später von ominöseren Runensprachen. Anthony hatte mit sieben einen Trank genommen, der ihn Deutsch lehrte, als sein Vater eine Lehrstelle an der Universität von Hamburg akzeptiert hatte. Er meinte, der Trank hatte scheußlich geschmeckt und hatte ihm Kopfschmerzen gegeben, die den ganzen Tag angehalten hatten, aber als er am nächsten Morgen aufwachte, war er komplett fließend in Deutsch gewesen, auch wenn er dabei einen preußischen Akzent des neunzehnten Jahrhunderts hatte.

Das Magische Jugendamt stellte ein paar Bildungstränke an alle Britischen Reinbluts- und Halbblutskinder zur Verfügung, sobald sie sechs Jahre alt wurden, damit sie, wenn sie nach Hogwarts gingen, des Lesens, Schreibens und der grundlegenden Mathematik fähig waren, verglichen mit einem intelligenten Muggelkind, das die zweite Klasse beendet hatte. Verständlicherweise waren die muggelerzogenen Kinder genervt, dass sie die sechs Jahre vor Hogwarts bereits zur Schule gegangen waren, wenn sie denselben Nutzen nach ein paar Tagen mit den jeweils passenden Tränken hätten haben können, aber Anthony erklärte auch, dass es mehrere größere Lücken im Nutzen und der Verfügbarkeit dieser Tränken gab. Zum Beispiel gab es einen Trank, der grundlegende Mathematik deckte, aber die meisten Zauberer schienen komplett ahnungslos gegenüber der Tatsache, dass es höhere Mathematik gab, wie zum Beispiel Algebra und Infinitesimalrechnung, oder überhaupt dass es ganze matheabhängigen Studienfelder gab, wie Ingenieurswesen und Architektur. Denn wer brauchte schon Ingenieure und Architekten für den Gebäudebau, wenn man einfach Rohstoffe transfigurieren kann und Gebäude magisch verstärken kann, ganz egal wie strukturell instabil es eigentlich sein müsste? Im Wahlfach Arithmetik, das man im dritten Jahr wählen konnte, würden zwar Elemente der Geometrie und Trigonometrie vorgestellt werden, aber nur in dem Umfang, der die magischen Konsequenzen der jeweiligen Mathematik erklärte. Es gab außerdem Bildungstränke, die magischen Kindern lesen und schreiben auf dem Level eines Muggelachtklässlers lehrten, aber das Vokabular und die Syntax waren seit über einhundert Jahren nicht aktualisiert worden, weswegen Reinblutkinder, die nicht viel Gesellschaftsumgang hatten, so seltsam formale Sprachmuster hatten.

Alle Bildungstränke, die außerhalb der Bereiche der Fähigkeiten zum Lesen, Schreiben und grundlegenden Mathematik lagen, mussten privat und zu nicht unerheblichen Preisen erworben werden. Es gab viele Optionen für Sprachtränke, aber nur wenige für die Naturwissenschaften. Der beliebteste war für solche Leute entworfen, die Studien in der Alchemie verfolgen wollten und gab den Trinkenden ein komplettes Verständnis des Studienfachs der Muggelchemie… wie sie 1893 verstanden wurde. Der Physiktrank war so veraltert, dass es tatsächlich kontraproduktiv war, ihn zu trinken, da der Trinkende danach überzeugt war, dass Feuer durch brennendes Phlogiston erzeugt wurde und dass Vakuum voll von Äther war. Es gab nur wenige Tränke zur Zaubereigeschichte und gar keine zur Muggelkunde – Susan Bones, dessen Vormund eine hochranginge Ministeriumsangestellte war, wusste nicht, wer momentan an der Spitze der britischen Monarchie stand, und niemand der Reinblüter hatte eine Ahnung davon, wie das Parlament funktionierte. Zuletzt war es außerdem unmöglich, Tränke zu brauen, die auch nur ein kleines bisschen praktisches Wissen über irgendeine Facette der Zauberei lehren konnten, nicht einmal über so scheinbar banale Fächer wie Kräuterkunde oder Pflege magischer Geschöpfe, was der Grund dafür war, warum Hogwarts trotz allem noch so notwendig war. Die vorherrschende Erklärung für diese Lücke war „Merlin hat irgendwas gemacht, damit wir keine Tränke machen können, die praktische Zauberei lehren".

Verständlicherweise waren sowohl Harry, als auch Hermine mit dieser Erklärung mehr als nur unzufrieden.


Übersetzungsnotiz: Das hier ist mein erstes großes Übersetzungsprojekt, also wenn du einen Verbesserungsvorschlag oder sonstiges Feedback hast, bitte gib mir in einem Review Bescheid :) Danke fürs Lesen!