Drei Tage später treffen Han und Leia auf Mon Cala, dem neuen Sitz der Regierung der Neuen Republik, ein. Nur wenig später kommen auch Jacen und Vergere in einem Korallenschiff an. Während Vergere vom Geheimdienst verhört wird, erzählt Jacen seiner Familie, was ihm bei den Yuuzhan Vong auf Coruscant wiederfahren ist. Nur wenig später trifft ein neues Korallenschiff ein. Die Solo-Familie und sicherheitshalber noch einige andere Jedi gehen zum Raumhafen und dem Schiff entsteigt Tsavong Lah.

„Was wollen Sie denn hier?", fragt Jacen misstrauisch.

„Ich bin jetzt ein Verräter", sagt Tsavong Lah. „Und meine Truppen habe ich auch gleich mitgebracht. Sie und die Yammosks stehen ab sofort den Streitkräften der Neuen Republik voll und ganz zur Verfügung!"

„Sind ja wohl nicht mehr ganz so viele", entgegnet Jacen bissig. „Und außerdem: Der Verräter bin ich!"

„Jetzt sei doch nicht so kleinlich, Jacen!", mahnt Leia, dann wendet sie sich an Tsavong Lah: „Wieso?"

„Wenn Jacen und Jaina wirklich Inkarnationen unserer Götter sind, dann war unsere bisherige Politik falsch und ich werde dafür die volle Verantwortung übernehmen." Der ehemalige Kriegsmeister wendet sich an Jacen. „Es wird also Zeit, dass wir uns versöhnen."

Tsavong Lah will Jacen die Hand schütteln, aber der junge Solo weicht zurück. „Aber ich habe Ihnen auf Duro den Fuß abgetrennt. Haben Sie das vergessen?"

„Nein, natürlich nicht", versichert Tsavong Lah. „Aber Ihr Onkel Luke hat doch auch Vader beide Hände abgeschnitten und vorher hat Vader Luke eine Hand abgetrennt – am Ende war dann alles halb so schlimm und der Familienfrieden wieder hergestellt. Ich will das auch."

„Sie gehören aber nicht zur Familie!", sagt Leia scharf.

„Noch nicht", versetzt Tsavong Lah.

Han Solo bricht in Gelächter aus. „Der war gut!", gluckst der Corellianer. „Ich hätte ja nicht gedacht, dass Sie während Ihres Überlaufens auch gleich solch einen Sinn für Humor entwickelt haben, Kriegsmeister."

Tsavong Lahs Miene erstarrt in Überraschung. „Humor? Was ist das?"

Hans Blick huscht zwischen dem Kriegsmeister und seiner Frau hin und her. „Erinnern Sie sich noch an damals, wo Ihr schwerfälliger Doppelbergkreuzer kurzfristig den Milleniumfalken eingefangen hatte und Sie wollten, dass ich Ihnen Jacen Solo ausliefere?"

Tsavong Lah nickt. „Nun, das ist wohl jetzt hinfällig geworden."

„Ich hatte Ihnen damals gesagt ‚Ich setze Jacen gleich in eine Rettungskapsel und schick ihn Ihnen rüber'", fährt Han Solo in seiner Erklärung fort.

„Was Sie aber nicht taten", sagt der Kriegsmeister mit lauerndem Unterton. „Dann ist Humor also die Ankündigung eines Versprechens, das man nicht einzuhalten gedenkt?"

Han runzelt die Stirn. „Nun, beim Humor geht es immer auch um Überraschung, das ist schon richtig, aber …", er überlegt heftig. „Was Ihre Zugehörigkeit zu unserer Familie angeht, war das dann wohl kein Humor."

Leias Miene wird todernst. „Er meint das wirklich todernst", sagt sie besorgt zu ihrem Mann.

„Wieso auch nicht?", versetzt Tsavong Lah launig und fixiert Han Solo. „Also wenn jemand wie Sie es in diese Familie hineingeschafft hat, dann kann ich das wohl auch."

„Jemand wie ich?", braust Han Solo auf. „Es gibt momentan eigentlich nur eine Möglichkeit für Sie, in unsere Familie hineinzuheiraten und die …"

„Das kommt überhaupt nicht infrage!", dröhnt Leias aufgebrachte Stimme anklagend über den Raumhafen. „Und überhaupt: was ist denn mit Ithor und den ganzen anderen Planeten, die Sie während Ihrer Invasion vernichtet haben? Mein Heimatplanet wurde seinerzeit auch vernichtet!"

„Ich weiß." Tsavong Lah macht eine wegwischende Handbewegung und nicht nur das ärgert Han Solo ungemein. „Und soweit ich noch weiß, hat Meister Skywalker doch Kyp Durron damals auch vergeben, nachdem dieser den Planeten Carida ..."

Luke hebt eine Hand und Tsavong Lah versteht, dass er diesen Satz besser nicht vollendet. Luke nickt weise und zuckt kurz darauf mit den Schultern. „Wo er Recht hat, hat er Recht."

„Außerdem hat Kyp Durron damals auf Sernpidals Trümmern unser neues Weltschiff vernichtet mit allen Einwohnern darin", rechnet Tsavong Lah auf. „Aber auch dies sei diesem Jedimeister hiermit verziehen."

Lukes Gesicht wird etwas weicher. „Das wird ungeheurer Balsam auf Kyp Durrons geschundener Seele sein. Danke."

Leia lächelt bitter. „Na, da wird sich Jaina aber freuen."

„Welcher Planet genau war eigentlich Ihr Heimatplanet, der vernichtet wurde?", fragt Tsavong Lah Leia in ehrlichem Interesse. „Meine Leute werden natürlich …"

„Ach, halten Sie einfach den Mund!", schneidet Leia ihm barsch das Wort ab.

Die Sicherheitskräfte, die das lebende Korallenschiff umstellt haben, straffen sich in erneuter Anspannung. Ein menschlicher Schemen wird in der kreisrunden Einstiegsluke von Tsavong Lahs Schiff sichtbar und tritt nach draußen auf die Zunge mit den vielen kleinen Höckern, die ein Rutschen beim Ein- oder Ausstieg verhindern sollen.

Es handelt sich um einen jungen, hellblonden Mann mit blauen Augen und einer Art Steuerungsbrille mit roten Gläsern, die er wie ein Stirnband trägt.

„Wer ist das denn?", fragt Jacen.

„Na erkennst du denn nicht mehr deinen Jedifreund Finn Galfridian aus der Invasion-Comicreihe?", erinnert ihn Tsavong Lah. „Finn war zusammen mit dir und Jaina auf Nar Shaddaa und später auf Finns Heimat Artorias. Ich bringe ihn nebst drei anderen Jedi mit, auf dass sie den Neuen Jedi-Orden verstärken mögen."

Jacen kratzt sich am Kopf. „Na, wenn Sie das sagen."

Tsavong Lah wendet sich an Luke Skywalker. „Jetzt sagen Sie doch auch mal was. Sie haben Finn Galfridian doch schließlich auf Yavin IV ausgebildet."

„Ja, stimmt", sagt Luke kurzangebunden. „Wir müssen momentan jeden Jedi nehmen, den wir kriegen können."

Ein blauer Mann mit gelben Augen erscheint auf der Ausstiegszunge.

„Und wer ist das?", fragt Luke.

„Das ist Yuledan", erklärt Tsavong Lah. „Die Gestalterin Nagme hat ihn, auch in der Invasion-Comicreihe, für grausame Experimente missbraucht, aber diese Experimente waren absolut illegal und von mir nicht autorisiert. Ich konnte ihn gerade noch vor dem sicheren Tode retten und jetzt ist er wieder bei den Seinen."

Ein älterer, schwarzhaariger Mann um die Fünfzig entsteigt dem Korallenschiff und kommt auf Luke zu. „Kubariet", sagt er kurz angebunden.

„Was soll das heißen?", fragt Luke.

„Ich bin der Jedi namens Kubariet."

Der Großmeister des Jediordens hebt die Brauen. „Von Ihnen habe ich aber nun wirklich noch nie gehört."

„Aber ich habe der Neuen Republik kurz nach dem Beginn der Yuuzhan Vong-Invasion doch ganz viele Informationen geliefert, die mir Boba Fett und die anderen Mandalorianer für euch mitgegeben hatten", erklärt Kubariet lauthals.

Jacen schüttelt den Kopf. „Boba Fett ist nun aber wirklich kein sonderlich sicherer Zeuge."

„Boba Fett und seine Leute sind o.k.", sagt Kubariet. „Ohne sie würde die Neue Republik viel länger mit dem Zurückschlagen gebraucht haben."

„Lass nur, Jacen, ich spüre seine guten Absichten", beschwichtigt ihn Luke.

„Kubariet kommt auch nur in Karen Traviss' Kurzgeschichte ‚Boba Fett – ein Pragmatiker' vor", erklärt Tsavong Lah. „Er ist dort auch nie anderen Jedi begegnet. Kein Wunder, dass ihr alle ihn nicht kennt."

Ein mittelgroßer Mann mit sanften Gesichtszügen, blauen Augen und schulterlangen, blonden Haaren entsteigt als letzter mitgebrachter Jedi dem Korallenschiff Tsavong Lahs. „Ich bin Jorallen", stellt er sich vor.

Luke und Jacen schauen einander an. Man kann deutlich erkennen, dass den beiden auch dieser Mit-Jedi völlig unbekannt ist.

Aber Danni Quees grüne Augen hellen sich auf und sie läuft auf Jorallen zu. „Du bist doch mein Love-Interest aus der Knightfall-Trilogie, die leider für die Buchserie gestrichen wurde!"

„Na wenigstens einer, der einen der von mir mitgebrachten Jedi kennt", sagt Tsavong Lah halbwegs zufrieden.

„Es hätte mich auch ungemein geärgert, wäre ich die ganze Buchserie über ohne irgendein Pairing geblieben. Danke, Tsavong Lah", sagt Danni Quee, hängt sich bei Jorallen unter und himmelt diesen an.

„Und das mit uns in Band Eins, Zwei und Vierzehn zählt gar nicht?", mault Jacen.

Danni Quee schüttelt den Kopf. „Nein, das war nur Freundschaft."

Jacens dunkle Augen beginnen zu glühen. „Aber damals, als ich dich aus dieser Eiskuppel befreit hatte, da hast du dich hinterher in diesem Griffelschiff so an mich geschmiegt. Es hat dir etwas bedeutet, Danni, das habe ich gespürt!"

Danni zupft sich verlegen an einer gelockten Haarsträhne. „Nun ja, das Griffelschiff war ziemlich eng, wir waren dort alleine, du hattest mich gerade gerettet – was hätte ich denn sonst tun sollen?"

Jacen wendet sich von Danni Quee ab und seiner Mutter zu. „Kommt denn auch Tenel Ka irgendwann hierher?"

„Ja, spätestens in zwei Wochen, wenn die Zeremonie der Erhebung in den Ritterstand für viele Jedi stattfindet, wird auch Tenel Ka nach Mon Cala kommen", verspricht Leia ihrem Sohn.

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Eine Woche später kommt Jaina von ihrem Einsatz auf Kashyyyk zurück. Ihre Eltern und ihr Bruder holen sie vom Raumhafen ab und Tsavong Lah ist auch da.

„Was macht er hier?", fragt Jaina misstrauisch.

„Tsavong Lah ist jetzt einer von den Guten und hat sich mit seinen Truppen der Galaktischen Allianz angeschlossen", sagt Jacen mit belegter Stimme. „Und er hat neue Jedi mitgebracht, die keiner hier kennt." Er zögert vor dem nächsten Satz. „Außer Danni Quee."

Jaina wird puterrot. „Sie sollten sich schon mal eine geeignete Werkstatt suchen, so fern von daheim", blafft sie den Kriegsmeister an.

Tsavong Lah mustert die junge Solo von oben. „Wie ich gehört habe, sind Sie mit unseren Schiffen bereits bestens vertraut, Jaina Solo." Er lächelt. „Wenn mein Schiff etwas brauchen sollte, dann gebe ich Ihnen Bescheid."

Jainas braune Augen fixieren den roten Radankarm an des Kriegsmeisters rechter Seite, dann wandert ihr Blick weiter nach unten zu seinem Vua'sa-Fuß. „Ich meinte eigentlich Ihre ganzen Ersatzteile." Sie schaut kurz an ihre Hüfte und Tsavong Lah erkennt, dass sie zu ihrem Lichtschwert schaut. Dann hebt sie wieder den Blick. „Auch Ersatzteile können schnell mal kaputtgehen, verstehen Sie!"

„Jaina, Admiral Traest Kre'fey möchte dich sprechen – so bald wie möglich", unterbricht Jacen die feindselige Konversation. Er zeigt mit dem Finger auf den Kriegsmeister. „Aber Sie will der Bothaner zuerst sehen."

Die Sicherheitsleute kommen und führen Tsavong Lah fort. Jaina schaut ihm düster hinterher.

„Jaina?", sagt Jacen besorgt.

„Danni Quee ist auch hier, hast du schon mit ihr gesprochen?", wechselt seine Schwester plötzlich zu einem Thema, mit dem er am allerwenigsten gerechnet hätte.

„Nur kurz", sagt Jacen kurz angebunden.

Ein Lächeln huscht über Jainas Gesicht. „Bist du mit Danni zusammen?"

Jacen verzieht das Gesicht. „Gut, dass du erst jetzt von Kashyyyk zurückgekommen bist. Sie hat jetzt jemanden."

„Und das bedrückt dich?"

„Es hätte wahrscheinlich eh nicht funktioniert. Ich meine, sie ist fünf Jahre älter als ich."

„Dad ist mindestens zwölf Jahre älter als Mom. Was zählt das schon?"

„So wie du das sagst, klingt es so leicht." Seine Stimme wird melancholisch. „Danni hat all diese akademischen Grade. Warum sollte sie sich für mich interessieren – ich bin nur ein Jedi."

„Nur ein Jedi?", platzt es aus Jaina heraus. „Kein Wunder, dass die Yuuzhan Vong uns so überrennen konnten. Kein Wunder, dass Danni einen anderen gewählt hat. Was hat dir dieses seltsame Vogelwesen damals über Myrkr und später auf Coruscant eigentlich alles ins Hirn geblasen?"

Jacen versucht, zumindest einen Bruchteil seiner Würde zu bewahren. „Das ist … kompliziert."

Sie tätschelt seine Schulter. „Schon gut, Bruderherz. Ich bin wohl kaum die Richtige, um dir Ratschläge in Liebesangelegenheiten zu geben."

Plötzlich ist Jacen sehr interessiert. „Ach ja? Und wie meinst du das?"

Sie starrt ihn an und erkennt ihren Fehler. „Es bedeutet, was es bedeutet", sagt sie abweisend.

Ein weiterer Funke Neugier tritt in seine dunkelbraunen Augen. „Und wen bedeutet es?"

Sie schaut wieder in die Richtung, in die Tsavong Lah mit den Wachen davongegangen ist.

Die Überraschung in Jacens Gesicht verwandelt sich in pures Entsetzen. „Das ist doch nicht dein Ernst, Jaina!", ruft er. „Dieser blutrünstige Schlächter? Er ist ein bisschen alt für dich, findest du nicht?"

Seine Zwillingsschwester verschränkt die Arme vor der Brust. „Ich möchte lieber nicht darüber sprechen."

„Gut", sagt Jacen wenig überzeugt. „Denn es sieht so aus, als hättest du während meiner Abwesenheit eine verblüffende Anzahl Herzen erobert. Erst der Sohn von Baron Fel, und dann habe ich vorhin eine ähnliche Irritation zwischen dir und Kyp Durron, dem unberechenbarsten Jedi des neuen Ordens überhaupt, gespürt." Er holt tief Luft. „Und Zekk hat dich während der Myrkr-Expedition auch gelegentlich so seltsam angeschaut. Und jetzt also der Kriegsmeister des Feindes. Jetzt sag mir bloß, Tsavong Lah ist nur wegen dir zu uns übergelaufen. Also da ist ja sogar dieser aufgeblasene restimperiale Kampfpilot noch besser, dieser Jagged …"

Jaina legt ihm einen Finger auf den Mund. „Du weißt überhaupt nichts über ihn."

Er schüttelt den Kopf und damit ihren Finger fort. „Danke, aber auf Duro habe ich genug von ihm gesehen, was er Mom angetan hat."

Sie senkt den Kopf. „Das war damals über Duro, aber jetzt ist er hier."

Jacen findet es an der Zeit, das Thema zu wechseln. „Hast du vielleicht für morgen etwas vor? Ich meine, wir könnten …"

Sie berührt seinen Unterarm. „Morgen fliege ich wieder nach Kashyyyk zurück, um meine neuen Piloten weiter auszubilden. Und jetzt muss ich wirklich los, denn Admiral Kre'fey erwartet mich."

„Aber jetzt, wo Tsavong Lah mit dem Großteil seiner Truppen zu uns übergelaufen ist, wozu willst du dich dann noch derart überarbeiten und in einem fort neue Piloten ausbilden?", wundert sich Jacen.

„Overlord Shimrra hat sich immer noch nicht ergeben", erwidert Jaina. „Außerdem gibt es noch andere Feinde der Neuen Republik. Und überhaupt - man kann nie wissen."

Jacen schaut seiner Schwester hinterher, die in dieselbe Richtung geht wie Tsavong Lah, und ihm ist sehr unwohl dabei.