Chapter 7 Version 2


Delenn sah in die Augen ihres Spiegelbildes. Sie suchte nach Schuld oder Selbstzweifel, stattdessen sah sie ziemlich zufrieden und im Reinen mit sich aus. Sie lächelte sich selbstbewusst an, als sie sich an die vielen Komplimente der vergangenen Nacht erinnerte. An ihre eigenen Worte hingegen konnte sie sich kaum noch erinnern. Nur an die leichtsinnige Zusage, die zum Glück nun nur noch ein Abendessen war. Eigentlich könnte sie gut damit leben Tom gar nicht mehr wieder zu sehen, stellte sie überrascht fest. Die Tür summte. Das musste Lennier mit den Aufgaben für den 3. Januar 2260 sein. Sie seufzte und griff nach ihrer Anstecknadel, die nicht an ihrer Robe hing. Erschrocken sah sie sich um und prüfte schnell die Robe vom Vortag, die sie vor dem Duschen ausgezogen hatte. Auch dort hing sie nicht. Zuletzt hatte sie sie in der Hand, als sie sie davor gerettet hatte zusammen mit ihrer Robe auf dem Hotelzimmerboden zu landen. Delenn schloss die Augen. Sie musste noch auf dem Nachtschränkchen liegen. Verdammt! Die Tür summte ein zweites Mal.

Die Botschafterin der Minbari verließ das Badezimmer und schloss kurz darauf die Schiebetür hinter sich. „Öffnen!"

Das Schott öffnete sich, doch statt Lennier stand Captain Sheridan davor und zögerte kurz herein zu kommen. „Guten Morgen, Delenn!" John stand ziemlich verloren in ihrem Quartier, als sich die Tür wieder hinter ihm schloss.

„Guten Morgen, John," erwiderte sie seinen Gruß und verbeugte sich leicht. Jetzt fühlte sie merkwürdigerweise Schuld und ihr Magen vermeldete auch ein ungutes Gefühl. Weswegen war er hier?

Der Captain lächelte versuchsweise, wandte dann den Blick von ihren Augen ab und räusperte sich. „Ich bin hier, um mich zu, ehm, entschuldigen." Delenns Augen weiteten sich vor Überraschung. „Ich hätte dir nicht vorschreiben sollen, mit wem du, ehm, dich triffst. Auch wenn ich dich nur schützen wollte. Und, ehm, das gehört .. praktischer Weise zu meinen Aufgaben hier: dich zu schützen." Er grinste schief.

Die Minbari und die rot Gekleidete waren hin und weg von dieser Entschuldigung.

Mit einem breiten Lächeln machte die Botschafterin zwei Schritte auf ihren Besucher zu. „Entschuldigung akzeptiert. Keine Sorge, John, ich kann nie lange böse auf dich sein."

Er traute sich wieder sie direkt anzusehen und sie lächelten sich an. Delenn unterdrückte den Impuls einfach noch näher zu gehen und ihn zu küssen. Stattdessen stand auch sie nun verloren in ihrem eigenen Quartier herum.

Die Tür hinter Sheridan öffnete sich und störte oder rettete diesen Moment. „Guten Morgen, Delenn! Die heutigen-" Lennier unterbrach sich und blieb stehen. Die Tür ging wieder zu.

„Ich, ehm, wollte sowieso gerade wieder gehen," murmelte John.

„Nein, einen Moment noch, bitte!" Delenns Gehirn hatte seine Arbeit wieder aufgenommen. Und zu ihrem Attaché: „Lennier, ich brauche einen Anla'Shok, der heute noch mit einer Botschaft und einem Datenkristall nach Minbar zu Ranger Eins reist!"

Lennier sah von einem zum anderen, legte seine Unterlagen auf ihre Kücheninsel und verbeugte sich dann. „Ich werde Ihnen einen holen, Delenn." Die Tür schloss sich erneut hinter Lennier.

„Sieh dir das an, John!" Delenn nahm das kleine, schwarze Kästchen vom Tisch und öffnete es. Sie setzte den Datenkristall in ein Abspielgerät und zwei weitere gleich dazu, um den Inhalt zu überspielen. Sheridan bemerkte den kleinen Zettel, der nun neben dem Kästchen lag, aber er ging zu Delenn hinüber, neugierig, was sie ihm zeigen wollte.

Das Miniatur-Universum erschien und mit ihm, Planeten, Raumstationen und Raumschiffe. Und überall befanden sich Punkte. Die Botschafterin tippte auf einen Punkt auf der Drazi Heimatwelt. Ein Bild eines Drazi erschien. „Zazzuk, schuldet mir noch 250 Credits, spielt gern und verliert oft. Ist gut informiert über alle Transportschiffe, da er ein hohes Tier in der Abfertigung ist," stand darunter.

„Ein hohes .. Tier?" fragte sich die Botschafterin laut. Sie schloss kurz die Augen, als sie Johns Geruch ganz nah bei sich wahrnahm.

„Was ist das, Delenn?" fragte dieser und starrte die Karte über ihre Schulter hinweg verwundert an. „Ein hohes Tier ist die Bezeichnung für .. hohe Beamte, ehm, Vorgesetzte."

Sie sah Sheridan triumphal an. „Das sind unsere neuen Informanten, John. Und bevor du fragst: sie sind von Tom King. Er hat sie uns überlassen. Stell dir nur mal vor, wieviel leichter die Anla'Shok jetzt an ihre Informationen kommen können!"

„Und du .. glaubst ihm?" fragte er zweifelnd und erwiderte ihren Blick.

„Ja, aber ich rate Ranger Eins trotzdem dazu, die ersten Versuche zu testen und nicht ernsthaft durchzuführen." Delenn runzelte die Stirn. „Du könntest mich in unserem .. Team ruhig etwas mehr unterstützen, John," schalt sie ihn. „So wie ich dich unterstütze und dabei deine Pizza esse."

Sheridan richtete sich auf. „Du hast recht, entschuldige!"

Die Botschafterin ging zu einem Schränkchen und nahm sich Papier und Stift zur Hand. „Ich muss nur kurz .. bevor der Anla'Shok da ist .." Sie setzte sich an die Kücheninsel und schrieb schnell ihre Nachricht an Jeffrey Sinclair.

Währenddessen ging der Captain zum Tisch zurück. „Was hat er dafür verlangt?" fragte er und sah hinüber zu Delenn, die ihn jedoch nicht zu beachten schien.

„Wer?"

„Der Künstler," erwiderte John, nahm schnell den Zettel und las die Nachricht darauf, bevor er ihn zurück legte.

„Nichts, also fast nichts. Nur ein Abendessen. Schon wieder." Delenn setzte ihre Unterschrift und begann ihren Brief zusammenzufalten und ein Band darum zu binden.

Sheridan kratzte sich am Kinn und ging zu den Datenkristallen zurück. „Er scheint sehr an dir interessiert zu sein, Delenn."

Die Botschafterin sah von ihrer fertigen Arbeit auf und grinste belustigt. „Ja, wer hätte das gedacht, dass einmal ein Mensch Interesse an mir entwickelt? Schließlich bin ich immer noch eine Minbari und war der Feind."

„Ich finde das gar nicht so ungewöhnlich," murmelte er zu leise für sie und sein Magen revoltierte

Delenn kam wieder herüber und sah auf die Kristalle. Sie beendete die Holographie und nahm einen der anderen beiden Kristalle, um ihn Sheridan zu reichen. „Hier, dann kannst du dir selbst ein Bild machen, John."

Ihre Fingerspitzen berührten sich bei der Übergabe und sie tauschten einen intensiven Blick aus.

„Und du willst tatsächlich wieder mit ihm essen? Dafür?" fragte Sheridan sie entgegen besseren Wissens.

„Ja," sagte sie langsam. „Ich neige dazu meine Schulden zu bezahlen."

„Du könntest ein .. traditionelles Essen von Lennier machen lassen. Wie bei mir." John grinste schmal.

„Könnte ich," antwortete sie und fand sogar Gefallen an der Idee. Delenn nahm den originalen Datenkristall, um ihn zurück zum Kästchen zu bringen und verstaute ihn samt Zettel darinnen. „Wir werden sehen, wann Tom wieder auf die Station kommt und ob sich seine Aufzeichnungen bis dahin als nützlich erweisen. Ein traditionelles Essen bedeutet 2 Tage Vorbereitung."

„Stimmt," sagte er und steckte sich seinen Datenkristall in die Hosentasche. „Ich glaube nicht, dass Lennier Freude daran hat."

Die Botschafterin lächelte ihn an. „Ich wusste nicht, dass es auch für dich so offensichtlich war."

Sheridan zuckte mit den Schultern und erwiderte ihr Lächeln. „Ich hätte leicht viel falsch machen können und er hätte von vorn anfangen müssen. Das musst du deinen Gästen gleich am Anfang erzählen und nicht mittendrin!"

„Tom kennt sich sicher mit traditionellem minbarischem Essen aus, aber vermutlich ist es nicht das, was er sich vorstellt," meinte sie nachdenklich.

„Ja, ehm, das denke ich auch, Delenn." Der Captain sah auf seine Schuhe.

Die Tür ging auf und Lennier kam mit einem Ranger Minbari in das Quartier. Delenn verbeugte sich vor ihm und sprach sehr leise auf ihn ein, bevor sie ihm den Datenkristall und den Brief für den Entil'Zha übergab. Der junge Minbari nickte, verbeugte sich vor allen und verließ dann in Eile das Quartier wieder.

Lennier ging zu den von ihm abgelegten Unterlagen auf der Kücheninsel, Sheridan machte ein paar Schritte Richtung Tür, als es erneut an dieser summte und jemand Einlass begehrte.

„Öffnen!" Delenn vermutete, dass der Anla'Shok etwas vergessen hatte, statt dessen stand Tom mit einem Sicherheitsmann vor der Tür.

„Sag diesem Affen, dass ich mich nicht unberechtigt hier aufhalte, Delenn!" knurrte der Künstler schlecht gelaunt ohne die anderen Personen in ihrem Quartier wahrzunehmen.

Die Botschafterin nickte dem Sicherheitsmann zu. „Es ist in Ordnung." Dieser drehte sich um und ging. Sofort trat Tom auf sie zu, schlang die Arme um ihre Taille, bereit, sie an sich heran zu ziehen und zu küssen. Delenn reagierte jedoch schnell genug und trat zurück, entwand sich aus seinem Griff.

„Was .. ?" fragte Tom verwundert, ehe er den Blicken von Lennier und dem Captain begegnete. „Ohhh!" Er grinste die anderen herausfordernd an.

Sheridans Hand ballte sich um den Kristall in seiner Hosentasche. Eigentlich wollte er gerade gehen, aber er beschloss, noch etwas Zeit zu haben.

Delenn sah kurz zu John, dann wieder zu ihrem neuen Besucher. „Ich dachte, wir hätten uns schon verabschiedet," flüsterte sie.

„Oh, natürlich, aber ich vermute, du möchtest das hier vielleicht wieder haben. Es lag auf dem Nachtschrank, Delenn," erklärte Tom nicht in einem Flüsterton und hielt ihr ihre Anstecknadel vor die Nase.

Sie sah ihn gleichzeitig böse und dankbar an und nahm sie entgegen. „Danke, ich .. muss sie gestern verloren haben."

„Wenn du das sagst," sagte er, ging an ihr vorbei weiter in ihr Quartier hinein. Die Botschafterin schloss kurz die Augen und drehte ihr Schmuckstück in den Händen. So viel zu, niemand soll irgendetwas erfahren. Menschen! Als sie sich umdrehte schien keiner der Anwesenden gehen zu wollen. Statt dessen starrte Sheridan den breit grinsenden Tom an und Lennier machte den Anschein, sich mit seinen Unterlagen zu beschäftigen. Ihren Unterlagen, berichtigte sich Delenn in Gedanken. Ihr Attaché war der einzige, der jetzt hier sein sollte.

„Mr. King," begann der Captain, der sich gefangen hatte. „Sie verlassen uns heute nach Centauri Prime?"

„Ja, ja," sagte Tom schmunzelnd. „Aber ich bin bald wieder hier."

„Und bald wäre wann?" fragte John interessiert.

„Oh, ich schätze, so schnell wie möglich." Toms Augen wanderten von Sheridan zu Delenn.

„Dann hoffe ich für Sie, dass uns Ihre Informanten wirklich weiterhelfen." Der Captain zog seinen Datenkristall aus der Hosentasche und drehte ihn zwischen den Fingerspitzen.

Die Botschafterin sah von einem zum anderen. Für ihren Geschmack bekam Tom jetzt viel zu viele Informationen, die ihn nichts angingen und die sie am liebsten auch verschwiegen hätte.

Der Künstler verengte seine Augen. „Sie gehören also auch dazu, Sheridan? Und ich dachte, für die Minbari werden Sie immer der verhasste Starkiller sein."

„Wir sind nicht mehr im Krieg, Mr. King oder Captain Baron," sagte John und lächelte falsch.

Tom erwiderte sein Lächeln. „Das ist richtig. Trotzdem sind Sie der Kriegsheld mit dem Zahnpasta-Lächeln der Erdallianz. Aber es ist wohl so, im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, Captain Sheridan."

Lennier starrte fasziniert zu den beiden Menschen. Irgendetwas ging hier vor. Er wusste zwar nicht, was genau, aber es war eine greifbare Feindseligkeit zu spüren. Delenn schien ebenso ratlos und überfordert zu sein wie ihr Assistent.

„Darauf können Sie wetten!"

„Ist das eine Drohung?" fragte Tom amüsiert.

„Ein Versprechen," knurrte der Captain finster.

Delenn unterdrückte ein Grinsen, hatte sie doch eine ähnliche, wenn auch verständlichere Unterhaltung mit dem Künstler gehabt. Jetzt gerade wusste sie nicht genau, worum es ging. Aber sie hoffte trotzdem, es würde bald enden.

Der Comm-Link des Captains zirpte. „Die Arbeit ruft, Captain," sagte Tom gut gelaunt.

Sheridan seufzte, tippte den Link an und hielt ihn sich vor den Mund. „Sheridan. Was gibt es?"

„Wie, was gibt es?" ertönte Ivanovas Stimme. „Sie sollten mich vor zehn Minuten in der Kommandozentrale ablösen, Captain!"

„Verdammt! Ich bin gleich da, Commander!" Er beendete das Gespräch und wandte sich an Delenn. „Ich muss gehen. Delenn. Lennier." Sheridan verbeugte sich. „Mr. Baron."

Der Künstler lachte laut auf, als sich die Tür hinter dem Captain geschlossen hatte. „Was für ein Bastard!"

Delenn runzelte missbilligend die Stirn. „Ich bin dir dankbar, dass du mir mein Schmuckstück wieder gebracht hast, Tom." Sie hielt es noch immer in ihren Händen. „Aber auf Lennier und mich wartet jetzt auch Arbeit."

„Ich würde gern noch kurz mit dir reden, Delenn," sagte er und wirkte plötzlich verunsichert. „Ungestört." Tom sah zu ihrem Assistenten hinüber.

Die Botschafterin nickte und deutete auf die Trennwände zum Schlafzimmer. „Also gut, ein paar Minuten habe ich noch."

Lennier blinzelte verwirrt, als Delenn mit dem Künstler in ihrem Schlafraum verschwand, um zu reden. Jedenfalls hoffte er das. Tom wirkte viel zu vertraut mit seiner Mentorin und ihr war das offensichtlich unangenehm.

Zu Delenns Verwunderung ging Tom erst einmal um ihr Bett herum und sah sich um. „Nein, kein Dolch," meinte er dann und trat erneut auf sie zu.

Die Botschafterin schmunzelte belustigt. „In der Tat. Was möchtest du noch bereden?"

Seine Hände lagen auf ihrer Hüfte und er sah sie ernst an. „Ich habe überlegt, ich dachte, vielleicht willst du das Beziehungsritual fortführen, wenn ich wieder da bin?"

„Ich will was?" fragte sie erstaunt.

„Du hast mir gestern beim Schlafen zugesehen, Delenn," erwiderte er überzeugt.

Jetzt lächelte sie irritiert und schüttelte den Kopf. „Nein, Tom, das habe ich nicht. Nicht in dem vorgeschriebenen Maße. Das war eine einmalige Sache, erinnerst du dich?"

„Ich habe darüber nachgedacht und ich will mehr als eine einmalige Sache," erwiderte er, beugte sich herunter und wurde von ihrer Hand auf seinem Mund gestoppt.

„Nein, Tom!" Sie ging zurück und drehte ihm ihren Rücken zu. „Bevor ich damals nach Babylon 5 kam, wurde ich über Menschen wie dich gebrieft. Ihr besucht Bordelle und trefft euch mit außerirdischen Frauen nur für .. eure Gelüste. Und das war es. Nicht mehr. Das stand in dem Bericht über dich. Deswegen hat dich Lennier auch nie zu mir durchgelassen." Sie sah ihn erneut an.

„Das könnte mit dir vorbei sein. Ich würde für dich töten, Delenn, und ich würde für dich sterben!"

Die Ernsthaftigkeit seiner Worte erschrak sie.

Tom näherte sich ihr erneut, legte seine Hand auf ihre Wange. „Du bist wunderschön. Die perfekte Symbiose von Mensch und Minbari und du hast einen messerscharfen Verstand und ich liebe deinen Humor."

„Es war eine einmalige Sache, Tom," sagte Delenn erneut mit Nachdruck. „Du kennst mich doch gar nicht und ich dich nicht. Bitte, höre auf, so zu reden!"

Der Künstler lehnte seine Stirn an ihre. „Du hast mir gestern vertraut, meinen Namen gerufen und nicht seinen! Denk darüber nach bis ich wieder da bin!"

Sie seufzte. „Da gibt es nichts nachzudenken. Ich würde nicht für dich töten und auch nicht für dich sterben. Es wäre in Ordnung, wenn ich dich nie wieder sehen würde, Tom." Die Worte waren hart und taten selbst ihr weh, aber sie sah keine Verletzung in seinen blauen Augen. Was war bloß los mit ihm?

„Du schuldest mir ein Wiedersehen," erwiderte er und bevor sie es erneut verhindern konnte, küsste Tom sie verlangend. Seine Hände wanderten über einen Körper, der sich zum Leidwesen der Botschafterin noch gut an sie erinnern konnte.

Sobald er es zuließ, löste sich Delenn und atmete schwer. „Ich begleiche meine Schulden, Tom. Aber nicht mehr. Du solltest dir überlegen, ob du sie mir nicht besser erlässt. Ich kann und will dir nicht geben, was du möchtest."

„Was hat er, was ich nicht habe?" fragte der Künstler nun.

„Wer?" Sie schien noch verwirrter als zuvor.

„Sheridan." Die ganze Zeit hatte er es vermieden, den Namen des Captains ihr gegenüber in den Mund zu nehmen. Dazu waren die Anzeichen im Garten an Neujahr zu offensichtlich für ihn.

Die Botschafterin schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, was du meinst. John und ich sind Alliierte in dem Kampf, der vor uns und vor allen liegt. Sei froh und dankbar, dass du mir nicht durch diese Zeit der Dunkelheit und des Feuers folgen wirst, Tom!"

„Aber das ist es doch. Ich würde dir überall hin folgen!"

Delenn lächelte ihn an und berührte nun ihrerseits seine Wange. „Du benimmst dich nicht rational. Was ist los?"

Tom wandte sich ab und ging frustriert im Raum auf und ab. „Ich weiß es nicht! Das heißt, vielleicht weiß ich es doch. Normalerweise hört die Attraktivität der Frau auf, sobald ich mit ihr die Nacht verbracht habe. Du .. bist die zweite bei der es nicht so ist. Vielleicht will ich dich nur, weil ich weiß, dass ich dich nicht mehr haben kann? Und Sheridan? Den habe ich schon während des Krieges nicht gemocht! Statt mich oder einen der anderen Aufklärer auf eine Friedensmission zu euch zu schicken, haben sie ihn gesandt! Kein Wunder, dass es in einer Katastrophe endete! Dämlicher Quadratschädel!"

Mit gerunzelter Stirn verfolgte die Botschafterin diesen emotionalen Ausbruch. Friedensmission? Das war John? Sie rief sich das Bild des wütenden, sich massiv wehrenden Soldaten ins Gedächtnis. John. Sie lächelte sacht. Zum Glück lief alles so ab wie es ablief. Schicksal. Hätte nur einer herausgefunden, wen sie da gefangen hatten, hätte Delenns Einfluss nicht gereicht, um ihn vor dem Tod zu bewahren.

„Wieso lächelst du?" Er stand wieder direkt vor ihr.

„Ich wusste nicht, dass das John war auf dieser Mission," erklärte sie leise. „Wir .. ich habe ihn und die anderen frei gelassen."

Tom lachte sarkastisch auf. „Du hast mitten im Krieg den Starkiller frei gelassen?"

Sie sah auf und ihre Augenwinkel zwinkerten. „Er hatte die richtigen Worte gesagt. Es war vermutlich .. Schicksal, vorher bestimmt. Er .." Delenn betrachtete Toms Gesicht. „Er ist wie .. eine uralte Seele."

„Oh nein!" Der Künstler schüttelte vehement den Kopf und ging vor ihr auf ein Knie. „Ich erinnere dich an Sinoval. Wenn, dann bin ich hier diese uralte Seele, Delenn!"

„Du kannst Sinovals Seele nicht besitzen und du erinnerst mich an den jungen Sinoval, nicht an den Mann, der Selbstmord begangen hat. Steh bitte auf!"

Beim Aufstehen stahl er der Botschafterin weitere Küsse und sie erwiderte sie wie all seine Küsse zuvor. „Du würdest nicht für mich sterben? Seit wann lügen Minbari?"

„Um .. das Gesicht zu wahren .. ich bin halb Mensch," murmelte sie und fand sich mit dem Rücken gegen eine Wand wieder. „Tom .. und wenn ich dich bitten würde? Wenn ich dich bitten würde, mich nicht weiter zu bedrängen?"

Seine Hände stützten sich neben ihrem Kopf an der Wand ab und er ließ seinen Kopf hängen. „Dann würde ich dich in Ruhe lassen."

Delenn nahm sein Gesicht in beide Hände und hob es hoch, so dass er sie ansehen musste. „Bitte."

„Also gut," seufzte er, straffte seine Gestalt und betrachtete sie ein letztes Mal mit einem tieftraurigen Ausdruck in den Augen. „Bis wir uns wiedersehen, Botschafterin!"

„Bis wir uns wiedersehen, Thomas!"


Es war wie immer viel los in der Abfertigungshalle von Babylon 5. Tom saß viel zu früh auf einem der Sitze herum, aber es hielt ihn nichts mehr hier. Seine Tasche lag vor ihm und er starrte sie an oder besser durch sie hindurch.

„Hier! Einen kleinen Teil konnte ich wiederherstellen." Gordon hielt Tom das Aufzeichnungsgerät vor die Nase. „Den Rest könnte ich auf dem Weg nach Centauri Prime ebenfalls hinbekommen."

Der Künstler nahm das Gerät an sich und befestigte es sich am Arm. „Danke."

„Was ist los? Ich dachte, du freust dich mehr."

„Nichts. Es ist nichts passiert und es wird auch nichts passieren und das nervt mich gerade extrem," knurrte Tom übellaunig.

„Verstehe." Gordon setzte sich neben ihn. „Du hast es doch wenigstens versucht. Das wirft dich sonst auch nicht zurück. Du bist ein Stehaufmännchen, Tom! In doppeltem Sinn!" Er lachte amüsiert.

King schmunzelte und warf seinem Freund einen Seitenblick zu. „Ich würde für sie töten. Ich würde für sie sterben. Aber ihr ist das nichts wert! Wenn es doch nicht ausgerechnet Sheridan wäre mit dem ich konkurrieren müsste," begann er gleich wieder zu lamentieren.

„Oha!" Gordon runzelte die Stirn. „Du hast bisher nur von einer Frau so gesprochen, Tom, und die ist dann für dich gestorben."

„Ich weiß, ich weiß." Er stand auf und ging nervös hin und her. „Was soll ich denn machen? So schnell wie möglich verschwinden erscheint mir eine gute Idee zu sein."

„Sei froh über das, was du erreicht hast und suche dir eine neue .. Aufgabe auf Centauri Prime," empfahl ihm der Techniker schulterzuckend.

Tom gestikulierte kompliziert mit einer Hand. „Ich will hier zwar schnell weg, aber auch schnell wieder zurück, um es erneut zu versuchen. Bei den Centauri reizt mich nichts. Ist das .. normal? Ich meine, ich habe ihr irgendwie versprochen, sie in Ruhe zu lassen."

„Du hast was? Wieso?" Gordon lachte verwundert auf.

„Sie hat mich darum gebeten. Mit diesen großen, grauen Augen."

„Dafür, dass du nichts außer ein paar Küssen bekommen hast, hat sie dich aber ganz schön um den kleinen Finger gewickelt, mein Freund!"

„Sie ist etwas Besonderes. Und Sheridan weiß es nicht einmal zu schätzen!" Tom trat gegen seine Tasche. „Ich überlege mir etwas bis ich wieder hier bin."

„Wie bei dieser kleinen Brakiri, wie hieß sie doch gleich, die so froh war, dass du doch nicht tot bist?" Der Techniker schüttelte belustigt den Kopf.

„Delenn ist nicht dumm, aber .. ja, warum nicht wie bei Nultia? Wir reisen in ein Kriegsgebiet. Wo, wenn nicht dort lässt sich mein Tod noch besser vortäuschen?"

„Davon ausgehend .. ihr liegt etwas an dir, Tom. Wenn du ihr egal bist, ist das Alles für nichts." Gordon musterte seinen Kollegen mitfühlend und ließ seine Augen dann über die anderen Anwesenden schweifen. „Interessant."

King folgte dem Blick seines Kollegen. Am Rande der Halle stand der Captain herum und beobachtete sie ganz offensichtlich. Tom schnaubte wütend. „Man sollte meinen, jemand wie er hätte Wichtigeres zu tun, als unseren Abflug zu überwachen!"

„Dafür ist er, so wie wir, auch viel zu früh hier," sagte Gordon.

„Hm .. Vielleicht .. ich bin gleich wieder da." Tom setzte sein überhebliches Grinsen auf und ging mit großen Schritten zielsicher auf Sheridan zu. Kurz vor ihm hob er die Brauen und eine Hand. „Was gibt es zu sehen?"

„Abreisende von meiner Station," erwiderte John ruhig auf Toms provokative Frage.

„Und wie fühlt sich das an, ein Gott einer Kleinstadt im All zu sein?" Mist! Er war eigentlich nicht hier, um Sheridan zu provozieren. Aber er konnte sich gerade leider nicht stoppen.

„Mächtig." Der Captain grinste nun ebenfalls arrogant sein Gegenüber an.

Tom zählte innerlich bis zehn. Du wolltest etwas Wichtiges. Jetzt verärgere diesen Bastard nicht gleich. „Könnten wir hier irgendwo kurz ungestört sprechen, Captain? Irgendwo gab es doch diesen .. Wartungsraum ..?"

„Sie kennen sich gut aus." John deutete hinter sich und ging dann voran. Vor dem Raum steckte er seine Karte in den Slot und öffnete so das Schott. Die beiden Männer gingen hinein. Tom sah sich kurz um. In den Ecken und an den Wänden standen diverse elektronische Gerätschaften, der Raum selbst war nicht besonders groß und nur notdürftig beleuchtet.

Sheridan kreuzte seine Arme ablehnend vor der Brust und sah Tom fragend an.

Dieser kratzte sich nervös am Kinn. „Ich wollte Sie um etwas bitten, Captain," sagte er und hätte sich am liebsten die Zunge rausgerissen. „Soweit ich das bisher verstanden habe, bilden Delenn und Sie eine Art .. Allianz für eine bevorstehende Bedrohung .. und .. ich glaube, das hält sie davon ab eine Beziehung zu mir aufzubauen .. eine tiefere Beziehung." Tom sah seinem Konkurrenten kurz lauernd ins Gesicht und er konnte Sheridans Überraschung erkennen. „Wenn Sie ihr einfach sagen würden, klar machen würden, dass das zwischen ihnen beiden professionell bleibt, wird sie sich vielleicht bei meiner Rückkehr eher .. auf mich einlassen. Oder lösen Sie diese Allianz und gehen ihr aus dem Weg!"

Der Captain wusste im ersten Moment nicht, was er darauf erwidern sollte. Dann schüttelte er den Kopf und lachte auf. „Sie verstehen da etwas falsch, Mr. Baron. Delenn ist diejenige, die diese Allianz bildet und Kräfte für den bevorstehenden Krieg sammelt. Naja, sie und Kosh. Ich werde den Teufel tun und sie dabei im Stich lassen, nur weil Sie sie zu sich ins Bett zerren wollen!"

Tom lächelte schmal. „Jetzt haben Sie etwas falsch verstanden, Captain. Diesen Teil hatten Delenn und ich schon. Es geht darum es zu … vertiefen!" Es bereitete ihm pures Vergnügen Sheridans Emotionen auf dessen Gesicht zu beobachten.

John löste seine ablehnende Armhaltung auf und ging auf Tom zu. „Ich hasse Lügner!"

„Sie hat immer noch kleine, blaue Hautpartien auf ihrem Körper, besonders in der Nähe des Bauchnabels, wie es die Minbari haben," sagte der Künstler und starrte grinsend in die braunen Augen des Captains. „Oh und sie kommt wie ein Vulkan!" Lachend hielt er Sheridans heransausenden Faustschlag auf. Der zweite traf ihn jedoch unvorbereitet in den Magen und trieb ihm die Luft aus den Lungen. Tom hustete, beugte sich vor und schaffte etwas Platz zwischen sich und John. „Wenn ich mich wehre, lassen Sie mich doch wieder in die Brigg werfen, oh mächtiger Gott von Babylon 5," höhnte er.

Sheridan zog sich sekundenschnell die Jacke aus und warf sie auf eins der technischen Geräte. „Jetzt bin ich in Zivil," knurrte er mit geballten Fäusten.

Grimmig warfen sich die beiden kräftigen Männer aufeinander. Tom landete einen Faustschlag an Johns Kinn, der Captain traf die bereits bestehende Messerwunde des Künstlers an der Seite. Mit Voranschreiten des Kampfes traf Tom mehr und mehr Sheridans Körper, während dieser bei Tom mehr Kopftreffer landen konnte. Ihre Kleidung riss, Schweiß tropfte von ihren Gesichtern und Toms Messerwunde blutete sich Stück für Stück durch sein Hemd. Immer wieder rammten sie dabei Geräte und die Tür mit ihren Körpern. Das letzte Mal jedoch ging diese kurz vorher auf und Captain und Künstler landeten nach kurzem Straucheln unsanft auf dem Boden davor. Mit den Händen an dem Hemdkragen des jeweils anderen sahen sie hoch und in die gezückten Waffen der Stationssicherheit.


Dr. Hobbs reinigte sorgsam die neuen Wunden in Toms Gesicht, nachdem sie dessen Messerwunde versorgt hatte. Leider war ihr Patient nicht sehr folgsam und starrte immer wieder zur anderen Liege ein paar Meter entfernt, bei der Franklin gerade die Rippen des Captains untersuchte. Auch von dort wurden böse Blicke in ihre Richtung geschleudert. Sheridan hatte keine Chance, dass ihn der Doktor endlich gehen ließ. Stephen drückte ihn immer wieder unsanft auf die Liege zurück.

„Was hat Ihnen der Captain nur angetan, dass Sie innerhalb kürzester Zeit erneut hier behandelt werden müssen, Mr. King?" fragte die Ärztin seufzend und tupfte etwas Liquid auf eine seiner aufgeplatzten Augenbrauen.

„Es ist eher seine bloße arrogante Existenz," murmelte Tom müde.

Die Schiebetüren des Medlab öffneten sich und Ivanova kam mit Delenn hinter ihr herein. Stirnrunzelnd sah der Commander von einer Liege zur anderen. „Oh verdammt nochmal," murmelte sie verärgert. „Sind wir jetzt hier in einer verfluchten Seifenoper?!" Sie ging auf Franklin zu. „Stephen, wir könnten kurz deine Hilfe gebrauchen!"

Der Doktor drehte sich um und wollte die Störenfriede eigentlich vertreiben. Beim Anblick, wer ihn da um Hilfe bat, schluckte er seine rüde Ablehnung jedoch hinunter. Er winkte zwei kräftige Pfleger zu sich und stellte so sicher, dass sein Patient nicht einfach aufstand und verschwand. Dann bedeutete er Susan und Delenn ihm in eins der von außen einsehbaren Krankenzimmer zu folgen. Tom und John sahen der kleinen Delegation neugierig hinterher.

„Also, was gibt es?" fragte Dr. Franklin, als sie für die anderen zwar sichtbar aber unhörbar waren.

Delenn und Ivanova sahen sich an. „Die Botschafterin hat die Nacht mit dem Künstler verbracht, Stephen, und jetzt fragen wir uns, da sie gerade in ihrer Eisprungphase ist, ob ob .."

„Ob sie davon schwanger werden könnte?" fragte Stephen und fuhr sich kopfschüttelnd mit der Hand über die müden Augen. „Nein, nein. Ich glaube nicht, dass Sie überhaupt je ein Kind bekommen können, Delenn. Sie wissen das. Das tut mir leid. Erst recht nicht von einem Menschen!"

Die Botschafterin nickte. So ein Gespräch hatten sie bereits im letzten Jahr. „Es ist nur so," nahm sie nun an der Unterhaltung teil. „Dieser zum größten Teil menschliche Körper hat es die letzten Tage sehr stark darauf abgesehen gehabt sich mit einem Mann zu paaren, Doktor. Dieses immense Verlangen war vollkommen neu für mich."

Stephen drückte nun kurz seine Nasenwurzel. „Warum sind Sie dann nicht eher zu mir gekommen?!" brummte er verstimmt und wandte sich einem Computerterminal zu.

Delenn öffnete den Mund und schloss ihn wieder, als sie Susans warnendes Kopfschütteln bemerkte.

Dr. Franklin rief sich die geschützte Krankenakte der Botschafterin auf und studierte seine Ergebnisse der letzten Untersuchungen. „Sie hätten gar kein .. Verlangen entwickeln dürfen. Jedenfalls nicht stark."

„Es war sehr stark, Doktor," insistierte die Botschafterin.

Er seufzte und drehte sich wieder um. „Also gut, Delenn, sehen Sie, ich habe nichts für einen Minbari-Mensch-Hybriden. Aber ich könnte Ihnen etwas für Menschen geben. Das müssten Sie vertragen. Ich brauche nur Ihre Zustimmung."

Sie nickte. „Diese haben Sie hiermit."

Franklin nickte ebenfalls, verließ das Krankenzimmer, um zum Medikamentenschrank zu gehen und diesen mit seinem Code zu öffnen und darin herum zu kramen.

„Was ist eine .. Seifen .. oper, Commander?" fragte Delenn derweil neugierig.

Susan deutete auf die zwei verletzten Männer, die mehr oder minder oft zu ihnen hinüber sahen. „Das da, Delenn, das ist eine Seifenoper! Zwei erwachsene Männer, die sich .." Sie unterbrach sich und sah die Botschafterin sanft an. „Die sich benehmen, als wären wir noch Affen, die auf Bäumen leben und keine weiter entwickelte Spezies!"

„Sie scheinen sich geschlagen zu haben," stellte die Botschafterin nachdenklich fest. „Miteinander?"

„Oh ja, darauf wette ich!" Der Commander wollte noch etwas sagen, aber Franklin kam wieder herein und reichte Delenn zwei Tabletten und ein Glas Wasser.

„Zuerst einmal die hier, Delenn!"

Sie nahm die Tabletten in den Mund und spülte sie mit dem Wasser hinunter. Der Doktor hob dann das Gerät mit der Injektionsnadel. „Und das hier wird ein Jahr verhindern, dass Sie ungewollt schwanger werden. Selbst wenn Sie mit keinem Mann mehr schlafen sollten, es unterdrückt das starke Verlangen etwas – bei Menschen. Wollen wir hoffen, dass es bei Ihnen ebenso wirkt!" Er hielt ihr das Gerät an den Hals und Delenn spürte wie sich die dünne Nadel durch ihre Haut bohrte und ein Medikament in ihr System in Umlauf brachte. Dr. Franklin beobachtete sie genau. „Alles in Ordnung?"

Die Botschafterin nickte mit einem kleinen Lächeln. „Danke, Doktor!"

„Nichts zu danken. Sehen Sie nur zu, dass Sie nicht noch mehr gewaltbereiten Männern den Kopf verdrehen, Delenn! Ich muss mich wieder um den Captain kümmern." Er verließ das Zimmer und setzte davor seine Behandlung von Sheridan fort.

Ivanova bemerkte Delenns Verwirrung und seufzte. „Er meint, dass sich die beiden wegen Ihnen geschlagen haben, Delenn."

„Wieso?" fragte sie verwundert. „Was, bei Valen, kann sie dazu veranlasst haben?"

Ein Schmunzeln schlich sich auf Susans Lippen. „Nochmal Delenn: Sie. Hören Sie, der Captain mag Sie, auch wenn er sich das noch nicht eingestehen würde. Und Sie mögen ihn genau so, auch wenn Sie es sich nicht eingestehen wollen. Für alle anderen ist das offensichtlich, Delenn."

Die Botschafterin senkte ihren Kopf und sah dann hoch zur Behandlungsliege des Captains.

„Das ist auch nicht schlimm. Es sei denn, Sie geben Ihren Hormonen nach und verbringen die Nacht mit einem wie Tom. Eifersucht kann bei menschlichen, männlichen Exemplaren zu solchen Schlägereien führen," fuhr der Commander fort und beobachtete das Geschehen vor dem Krankenzimmer nun intensiver, während sie weiter sprach. „Lassen Sie sich Zeit, um sich Ihrer Gefühle klar zu werden, Delenn, so zehn bis zwölf Monate vielleicht. Oder warten Sie bis der Captain soweit ist. Es ist kompliziert, ich verstehe das schon."

Susan schrak zusammen, als Delenn plötzlich neben ihr zuckend zusammen brach. „Stephen! Doktor!" rief sie und beugte sich zur Botschafterin herunter. „Ach, verdammt nochmal!" Sie tippte ihren Comm-Link an. „Stephen! Notfall! Schnell!" brüllte sie in diesen. Vor dem Raum drehte sich Franklin wieder um, rief etwas in das Medlab und sofort kamen mit ihm auch ein paar Pfleger und Dr. Hobbs zum Commander herein. Mit geübten Handgriffen hoben sie Delenn auf ein Krankenbett und begannen Untersuchungen und Behandlung.


Die Botschafterin wachte Stunden später im Medlab auf, es waren sehr viele Stunden später. Auf der Station hatte die Nacht wieder angefangen. Verwirrt versuchte sie sich zu orientieren und stemmte sich auf ihre Ellenbogen hoch. Da bewegte sich ein Haarschopf neben ihrer Hand und leuchtend blaue Augen sahen sie besorgt im gedimmten Licht an. Ihr Mund war trocken. [Was ist passiert?]

[Du hast die Medikamente nicht vertragen, die sie dir gegeben haben.] erklärte Tom leise und rutschte mit dem Stuhl noch etwas näher heran. [Mehr weiß ich leider auch nicht.]

Sie sah zur Seite. [Wasser?]

[Ich gebe dir etwas. Moment.] Der Künstler stand auf und griff nach einem halbvollen Wasserglas neben ihrem Krankenbett. Vorsichtig hob er Delenns Kopf mit einer Hand an und flößte ihr mit der anderen etwas Wasser in den Mund.

Sie hob die Hand und er stoppte. [Danke.] Er nickte lächelnd, stellte das Glas wieder ab und setzte sich erneut. Delenn runzelte die Stirn. [Dein Transport?]

[Ich nehme morgen früh den ersten und reise den anderen hinterher. Ich .. wollte nicht fort ohne zu wissen, ob es dir wieder gut geht.]

Sie sah ihn traurig an. [Es tut mir leid.]

Tom nahm ihre Hand und küsste diese. [Ich weiß. Es ist nicht deine Schuld. Ich wollte trotzdem bleiben. Mich verabschieden.]

Dr. Hobbs kam herein und zückte einen medizinischen Scanner. „Sie sind wieder unter uns, Botschafterin!" stellte sie erfreut fest und warf einen Blick auf die Anzeigen neben dem Bett, bevor sie den Handscanner über das Gesicht der Minbari führte. „Wie fühlen Sie sich?"

„Als hätte ich Stunden geschlafen," antwortete Delenn.

„Nun, im Prinzip stimmt das auch. Wir haben das Medikament aus .. der Spritze wieder aus ihrem Organismus gespült. Offenbar gab es eine unvorhersehbare Wechselwirkung mit den Tabletten für .. mit den Tabletten, die Sie bekommen haben." Dr. Hobbs sah zu Tom. Er war weder ein Angehöriger noch ein guter Freund in dem Sinne. Er hatte nur Glück, dass weder Sheridan noch Lennier hier bleiben konnten oder wollten, während er hier war. „Dr. Franklin wird Ihnen morgen sicher mehr dazu sagen. Sie sollten sich noch ausruhen! Und Sie sollten endlich gehen, Mr. King!"

„Ich bleibe," schnappte der Künstler in einem Ton, der Delenn zeigte, dass dies nicht seine erste Diskussion mit der Ärztin darüber war.

„Wenn die Botschafterin möchte, dass Sie gehen, dann gehen Sie!" Dr. Hobbs sah von Tom zu Delenn.

Diese schüttelte den Kopf ein wenig. „Er kann bleiben, Doktor."

„Also gut. Ihre Entscheidung." Die Ärztin rauschte wieder aus dem Krankenzimmer.

Tom lachte amüsiert auf. „Ich glaube, sie explodiert jetzt, weil sie nicht glauben kann, dass du mich nicht wegschickst."

Delenn hob ihre Hand und berührte sein Gesicht. „Das .. habe ich heute schon einmal getan, Tom. Und es war schwer genug."

Seine Hand legte sich über ihre an seiner Wange. „Ich kann nicht gut mit Ablehnungen umgehen, Delenn," sagte er leise. „Aber ich sehe ein, wenn es keinen Sinn mehr macht zu kämpfen."

Sie lächelte ihn dankbar an.

„Trotzdem .. wir verbringen gerade unsere zweite Nacht miteinander, Botschafterin. In Folge! Es ist zwar nicht so gemütlich und angenehm wie unsere erste Nacht, aber wer wird denn wählerisch sein." Lachend küsste er ihr Handgelenk.

„Du bist, wie sagen es die Menschen, unverbesserlich?" grinste Delenn belustigt.

„Und deswegen hast du mich wenigstens ein bisschen gern?" fragte er hoffnungsvoll.

„Ein bisschen," erwiderte sie und schloss ihre Augen wieder. „Wie einen Gok, der einfach nicht von meinem Schoß springen will."

„Ich mag Goks und deinen Schoß."

Sie seufzte. „Unverbesserlich." Und dann schlief Delenn wieder ein.

Tom beobachtete sie noch etwas beim Schlafen, legte seinen Kopf, wie zuvor schon, neben ihrem Arm auf ihr Krankenbett und schlief ebenfalls ein.


Fortsetzung folgt.