Erhöhte Warnstufe für Gewalt!


II.


Die gute Nachricht war, dass es noch keine Toten zu geben schien, als Damon die Nervenheilanstalt erreichte. Alles wirkte ganz normal. Es gab keine Spur von Polizei oder Rettung, es waren keine lauten Schreie zu hören, und ihn erwarten keine Blutspritzer oder Leichenreste vor dem Haupteingang. Falls Alex hier war, benahm sie sich gesittet. Aber leider hatte sie etwas anderes ja auch nicht nötig, wie Doktor Sulez richtig gesagt hatte, konnte sie als Virginias Schwester sogar ihre Entlassung in die Wege leiten – und besuchen konnte sie sie sowieso.

Damon andererseits war ein Ex-Patient, der unter seltsamen Umständen aus dieser Anstalt hier verschwunden war, und schon das letzte Mal daran gescheitert war sich zu Virginia durch zu manipulieren. Aber dieses Mal ging es nicht darum subtil zu sein und Informationen zu sammeln, es ging darum Virginias Leben zu retten. Und außerdem war die Waffenkammer in den letzten Monaten nicht in der Lage gewesen für Virginias Extra-Schutz zu bezahlen oder ihn gar zu organisieren. Das bedeutete, dass er einfach riskieren musste mit seinem natürlichen Charme und den guten alten Vampirtricks dort hinein zu kommen.

Und er ging nicht davon aus, dass ein Wanted-Poster mit seinem Gesicht darauf am schwarzen Brett der Anstalt hing, er sollte also nicht sofort erkannt werden. „Hi", meinte er also freundlich zum Portier, „Mein Name ist Damon St. John, und ich bin hier um meine Schwester Virginia zu besuchen. Ich wollte mich hier eigentlich mit meiner anderen Schwester Alex treffen. Sie wissen nicht zufällig, ob sie schon eingetroffen ist?"

Der Portier warf einen Blick auf seine Liste. „Alex St. John war hier, aber ich habe hier keinen Bruder auf der Liste der zugelassenen Besucher für Virginia St. John", erklärte er.

„Sehen Sie noch mal genau hin, ich bin sicher, dass ich dort drauf stehe", erklärte Damon und manipulierte den Portier entsprechend, „Oh, und wann genau ist Alex angekommen?"

Es stellte sich heraus, dass die irre Baby-Sirene nur gute zehn Minuten Vorsprung hatte. Allerdings konnten gute zehn Minuten schon mal den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Andererseits hatte Alex keine Veranlassung dazu sich besonders zu beeilen, sie wusste nicht, dass Damon ihr auf den Fersen war. Und Bürokratie konnte viel Zeit in Anspruch nehmen, ganz zu schweigen davon, dass Virginia ihre Schwester möglicherweise nicht sehen wollen würde.

„Immer nur ein Besucher zur selben Zeit", teilte ihm die kühle Lady am Empfang mit, als er sein Anliegen vorbrachte, „Eine Besucherin wartet bereits auf die Patientin. Sie sind erst dran, wenn sie fertig ist."

„Tut mir leid, aber ich kann nicht warten. Mir läuft im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit davon. Hey, sehen Sie mich an. In welchen Zimmer treffen sich die beiden noch einmal?" Er tat sein Bestes um die Aufmerksamkeit der kühlen Lady auf sich zu ziehen und ihr in die Augen blicken zu können. Manche Menschen konnte man sehr einfach geistig manipulieren, andere waren auch ohne Eisenkraut schwerer zu knacken. Das hing von vielen verschiedenen Faktoren ab, doch je aufmerksamer und offener eine Person war, desto leichter fiel es einem Vampir in der Regel ihr seinen Willen aufzuzwingen. Abweisende Personen waren etwas schwieriger zu beeinflussen.

Die kühle Lady blickte genervt zu ihm auf. Doch das reichte ihm schon aus, denn im Grunde war es egal wie der Augenkontakt zu Stande kam, die Hauptsache war, dass er zu Stande kam. Wenig später wusste Damon die Zimmernummer und hatte sich eine Sondererlaubnis in den Computer eingeben lassen.

Und war dann auch schon auf dem Weg zu dem Besucherempfangsareal. Damon kannte das alles hier vor allem von der anderen Seite aus, er war es nicht gewohnt diesen Weg hier nehmen, deswegen wusste er auch nicht, ob er mit Wachleuten zu rechnen hatte oder nicht. Aber offensichtlich ging hier niemand davon aus, dass die Besucher diejenigen waren, die Ärger machen könnten. Er traf erst direkt vor dem Gang zu den Besucherempfangszimmern auf den ersten Wachmann.

„Zimmer 112, ich habe eine Sondererlaubnis", meinte Damon und grinste freundlich.

Der Wachmann runzelte die Stirn. „So etwas gibt es nicht", meinte er sofort, „Es werden nie mehrere Besucher gleichzeitig zugelassen, außer als Begleitung von Minderjährigen. … Und Sie sehen nicht sehr minderjährig aus." Er schnaufte vielsagend.

Sehr witzig. „Meine Schwester Alex, die schon in Zimmer 112 ist, sieht vielleicht nicht so aus, doch sie wurde entmündigt. Meine Aufgabe ist es sie zu betreuen, und ich kann auf keinen Fall zulassen, dass sie unsere geistig instabile Schwester ohne mich trifft. Wer weiß, wozu sie einander überreden würden", erklärte Damon bemüht freundlich, „Sicher würden Sie niemals einen Vormund davon abhalten seine Arbeit zu tun…." Er rückte dem dunkelhäutigen ziemlich massiv gebauten Wachmann weiter auf die Pelle und versuchte auch ihn zu manipulieren. Wobei versuchen das Stichwort war.

„Davon weiß ich nichts", brummte der Wachmann, „Und wenn es so wäre, hätte man Ihre Schwester hier nicht durchgelassen. Wenn Sie verabsäumt haben unser Büro zu informieren, dann ist das Ihr Problem, aber ohne Beweise für diese Behauptung, kann ich Sie hier nicht durchlassen."

Und da ging er dahin, sein unauffälliger Ansatz. Damon hatte immer befürchtet, dass es hier drinnen mehr Personal auf Eisenkraut geben könnte, aber dass er ausgerechnet jetzt auf so jemanden traf, war wirklich Pech. Und während er hier mit dem Wachmann stritt, hatte Alex ihrer Schwester möglicherweise schon die Eingeweide herausgerissen.

Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Ich habe wirklich keine Zeit für das hier", meinte er entschuldigend, und packte den Wachmann dann und schleuderte ihn gegen die nächste Wand. Er wartete auch gar nicht erst ab, ob der Mann liegenbleiben oder wieder hochkommen würde, sondern eilte durch die Türe, die er bewacht hatte, und rannte den Gang entlang, bis er Zimmer 112 erreichte. Er wollte die Türe aufreißen, stellte aber fest, dass diese sich nicht öffnen ließ.

Eine Stromverriegelung. Komm schon, ist das hier ein Gefängnis?! Oder was soll das?! Jemanden vor einen fleischfressenden Sirene/Verrückter Wissenschaftlerin zu retten sollte nicht so kompliziert sein müssen.

Irgendjemand irgendwo saß vor dem Knopf, den er drücken musste um diese Verriegelung zu lösen, aber Damon hatte keine Zeit sich auf die Suche zu begeben, also setzte er wieder einmal auf seine Vampirstärke und brach die Türe einfach auf. Spätestens wenn sie das mitbekommen, dürften sie sich an mich erinnern.

Er hoffte nicht zu spät zu kommen, als er die Türe öffnete und in das Zimmer eilte. Zumindest erwartete ihn weder Blut- noch Leichengeruch. Und dann sah er sie auch schon – Alex St. John, die erstaunlich lebendig für jemanden aussah, der Monate lang auf Nulldiät eingesperrt gewesen war, und Virginia, die vor ihrer Schwester zurückgewichen war und sich gegen die Wand drückte. Beide sahen auf, als er hereingestürmt kam.

„Damon!", rief Virginia erleichtert aus. Offenbar erlag auch sie den Irrtum ihn für einen Ritter in strahlender Rüstung zu halten. In diesem Fall konnte er der Rolle genauso gut gerecht werden. „Weg von ihr, du Monster!", bellte er Alex entgegen.

Alex St. John wandte sich zu ihm um. „Eure spezielle Gruppe beginnt mir langsam aber sicher auf die Nerven zu gehen", verkündete sie und dann … fuhr sie ihre Klauen aus.


Matt und Penny waren immer auf uneingeladene Besucher vorbereitet. Wenn man Jahre damit zubrachte von übernatürlichen Wesen bedroht und hypnotisiert zu werden, wurde man vorsichtiger. Und versteckte überall im Haus Waffen. Matt machte einen Satz und langte nach seiner Schrottflinte – nur dass die nicht da war, wo sie eigentlich sein sollte. Er griff hinter seinen Schirmständer ins Leere.

Dann hörte er ein Klicken. „Suchst du das hier?" Er wirbelte herum und sah Valerie (ausgerechnet!) mit seinem Gewehr in den Händen hinter sich vor die Türe seines Hauses treten und die Waffe noch einmal durchladen. Dann legte sie die Waffe auf ihn an. „Ich kann vielleicht nicht reinkommen, Matt, aber ich kann auch von hier aus auf dich schießen", meinte sie, „Ziehst du das rechte oder das linke Bein vor? Auch Holzkugeln tun verdammt weh."

Matt erinnerte sich an all die Gründe, warum er die verdammten Häretiker hasste, schluckte aber nur, und hob dann beschwichtigend die Hände. „Valerie", begrüßte er die Frau, „Was willst du hier? Und wer ist sie?" Er deutete mit dem Kopf in Richtung der Frau, die Penny gefangen hielt. „Und was ist sie? Sie kann kein Vampir sein."

Die fremde Frau räusperte sich. „Ich sagte doch bereit: Mein Name ist Sybil, und ich bin hier um mich über deine Familiengeschichte zu unterhalten, Matt. Und seit wann fragt man eine Dame was sie ist? Aber du hast natürlich recht: Ich bin kein Vampir. Und ich bin auch keine einfache Hexe. Ich bin, würde ich sagen, ein bisschen mehr als beides zusammen. Und du irrst dich, wenn du denkst, dass die gute Valerie hier das Sagen hat", verkündete sie, „Sie tut was ich ihr sage. Genau wie du das tun wirst, was ich dir sage."

Matt warf der Fremden einen kalkulierenden Blick zu. „Und wenn nicht?", wollte er fordernd wissen, „Dann bringst du mich um? Oder lässt es Valerie tun?"

Sybil lachte. „Oh, nein, wo denkst du hin? Ich bringe deine Freundin hier um. Dich brauche ich, sie hingegen ist nichts anderes als eine Komplikation, die ich nicht gebrauchen kann", erwiderte sie und grinste Penny an, die ihr aber nicht die Befriedigung verschaffte auf diese Drohung auf irgendeine Art und Weise zu reagieren. „Aber so redet es sich nicht gut. Matt, sei so nett und bitte Valerie zu uns herein, ja? Ich würde es ja selbst tun, aber leider hätte es nicht den gleichen Effekt, nicht wahr?" Um die unausgesprochene Drohung zu unterstreichen, packte sie Penny ein wenig fester.

Matt seufzte. Er hatte sich ja eigentlich geschworen, dass er nie wieder einen Vampir in sein Zuhause einladen würde, aber er hatte das sichere Gefühl, dass sich die größere Gefahr bereits in seiner Wohnung befand. „Komm herein, Valerie", meinte er, und die Vampir-Hexe betrat immer noch mit seiner Waffe in den Händen seine Wohnung. Matt nickte ihr zu und raunte: „Seit wann spielst du die Handlangerin für andere? Ich dachte, du hast deinen eigenen Kopf. Was hat sich verändert?"

Valerie sah ihn nur mit einem seltsam leeren Blick an. „Sybil hat mir versprochen, dass alles wieder gut werden wird. Deswegen helfe ich ihr", erklärte sie, „Ich bin nicht ihre Handlangerin, ich bin ihre Partnerin."

„Versuch gar nicht erst Valerie gegen mich aufzuhetzen, Matt, das wird nicht funktionieren", meinte Sybil, „Sie gehört mir mit Haut und Haar. Wer einmal meinen Ruf vernommen hat, der steht für immer in meinen Bann."

Matt warf ihr einen finsteren Blick zu. „Warum versuchst du deinen Ruf dann nicht bei mir?", wollte er wissen.

„Weil du ein besonderer Fall bist, Matt Donovan. Aber mach nicht den Fehler zu glauben, dass das auch für deine Freundin hier gilt. Wenn ich wollte, dann könnte ich sie dazu bringen sich selbst vor deinen Augen auf graphische Weise das Leben zu nehmen. Aber ich hoffe, dass das nicht nötig werden wird. Siehst du, ihre Seele würde mich nichts bringen. Sie hat nicht genug Dunkelheit in sich. Sie tut was sie tut aus Unwissenheit heraus und nicht aus Bosheit. Ich will sie also nicht töten, aber ich würde es tun, wenn du mir keine andere Wahl lässt", fuhr die dunkelhaarige Frau fort.

Matt seufzte. Als ob all die Vampire nicht schon genug gewesen wären. „Was willst du von mir?", wollte er gerade heraus wissen, „Und warum kommst du immer wieder auf meine Familiengeschichte zu sprechen. Meine Mom ist eine männermordende Alkoholikerin, meine Schwester starb als Vampir schon vor Jahren, und mein Großvater war Apotheker. An mir ist rein gar nichts interessant. Ich bin kein Fell, kein Lockwood, kein Salvatore, kein Gilbert. Ich bin ein stinknormaler Mensch, ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten."

„Siehst du, genau das ist nicht genau genommen nicht richtig. Aber im Moment sind es weniger deine Fähigkeiten, die mich interessieren, als dein Erbe. Wo ist Maxwell Glocke, Matt Donovan?", wollte Sybil wissen.

„Die was?" Matt hatte keine Ahnung wovon sie da sprach.

Sybil seufzte dramatisch. „Das klang so überzeugend, dass ich nicht einmal glaube, dass du den Unwissenden nur spielst. Na gut, dann eben anders: Wo ist dein Vater, Matt Donovan? Wo ist Peter Maxwell?"


„Die Maxwell-Linie und die Bennett-Linie haben uns unter der Waffenkammer eingesperrt. Vor Jahrhunderten. Ich bin 1882 frei gekommen, Sybil aber nicht. Sie wird auf Rache aus sein, und mit dem hier könnt ihr euch gegen sie verteidigen. Es erzeugt eine Art Ton, den meine Art nicht verträgt", erklärte Seline und deutete auf das gabelartige Ding in Rics Hand, „Und alleine die Tatsache, dass ich euch das sage, sollte euch beweisen, dass ich auf eurer Seite bin."

Alle starrten auf die Gabel und dann wieder auf diese Seline-Person. „Aber warum bist du auf unserer Seite? Und warum wolltest du zu Stefan? Und woher wusstest du, dass er hier wohnt? Beobachtest du ihn etwa schon seit 1882?", wollte Caroline wissen, der dieser Gedanke gar nicht gefiel. War dieses Wesen eine Art Stalker, das Stefan schon wer weiß wie lange verfolgte?

„Ich wollte zu Stefan, weil ich ihn vor langer Zeit kennengelernt habe", erklärte Seline, „Und ich weiß, dass man ihm vertrauen kann."

So war das also. Noch eine Frauenbekanntschaft aus Stefans Vergangenheit. Wird das langsam zum wiederkehrenden Thema? Man würde meinen, dass Damon derjenige mit der langen Liste von vergangenen Liebschaften war, aber Stefan konnte er eindeutig nicht das Wasser reichen. Als ob Katherine, Rebekah, und Valerie nicht schon genug wären…. Aber nein, das ergab keinen Sinn, wenn Stefan eine Sirene kannte, warum hatte er das dann bisher niemals erwähnt? Offenbar weil er nicht gewusst hatte, dass Seline eine Sirene war! Was wieder mehr auf die Stalker-Kategorie hindeutete.

„Und er ist auch der Grund, warum ich euch helfen will. Weil ich dank der Begegnung mit ihm mein Leben geändert habe", fuhr Seline fort. Das wurde ja immer besser. Carolines Begeisterung über ihren Gast sank von Sekunde zu Sekunde weiter, was alleine deswegen bemerkenswert war, weil sie schon von der ersten Sekunde an nicht begeistert über ihre Anwesenheit hier gewesen war.

Seline sah von Caroline zu Mary Louise zur Ric und dann hinüber zu Tyler und Nora mit den Babys. „Ich verstehe, dass ihr skeptisch seid, aber leider habt ihr keine Zeit dazu. Sybil wird Tod und Zerstörung bringen und nach einem Weg suchen unseren Meister in diese Welt zu holen, denn das ist, was er wünscht. Und sie wird nach einem Objekt suchen, einem Objekt, das sie auf gar keinen Fall finden darf. Nach der einen Glocke, deren Töne den Untergang einläuten werden. Sie wird die Maxwell Glocke suchen, sie darf sie aber nicht finden. Genauso wenig wie sie die Erben der Maxwell-Linie finden darf", erklärte sie.

Caroline verstand immer noch hauptsächlich Bahnhof. Seline sprach hier von Dingen, die ihr absolut nichts sagten, und sie war sich eigentlich auch nicht sicher, warum ausgerechnet sie sich mit all dem auseinandersetzen mussten. Ja, irgendwie mochte es ihrer aller Schuld sein, dass diese andere Sirene freigekommen war, aber nur weil irgendeine Bennett-Hexe vor langer Zeit gedacht hatte, dass es ihre Aufgabe wäre die Sirenen aufzuhalten, hieß das doch noch lange nicht, dass das alles jetzt Bonnie und damit in weiterer Folge ihnen allen zufiel. Natürlich würden sie alles tun, was sie konnten um Tod und Zerstörung zu verhindern, aber gab es denn niemand anderen dort draußen, der zumindest ein wenig Ahnung von dieser ganzen Sache hatte, der sich dem annehmen konnte oder ihnen zumindest unter die Arme greifen konnte?

Wir waren uns einig und nicht von unseren Freunden abzuwenden, aber nach draußen gehen und Gefahr suchen, das ist was anderes, oder etwa nicht? Wir müssen an die Zwillinge denken!

„Maxwell", murmelte Tyler, „Doch nicht wie Peter Maxwell, Matts Dad, oder?"

Und schon war es doch wieder ihrer aller Problem. Und schon reichte eine seltsame Gabel nicht aus um sie alle zu beschützen, da derjenige, der offenbar am dringendsten Schutz nötig hatte, in Mystic Falls war, alleine, und sein Handy nicht abnahm.

Seline nickte. „Doch genau von dieser Maxwell-Linie spreche ich. Die Glocke ist ihr Erbe und ihre Bürde", sagte sie, „Und meine Schwester wird vor nichts zurückschrecken um an sie zu finden."

Es war höchste Zeit noch einmal zu versuchen Matt anzurufen.


„Oh, nein, Alex, was hast du getan?", murmelte Virginia, als sie die Hände ihrer Schwester sah.

Diese funkelte sie wütend an. „Was ich getan habe? Was hast du getan? Zuerst hast du Yvette getötet, und jetzt hast du mir das hier angetan! Wenn du nicht durchgedreht wärst, wenn du nicht Yvette eingeschlossen und Lucy getötet hättest, dann wäre nichts von allem dem passiert!" Alex wandte sich an Damon. „Alles was ich will, ist das nachzuholen, was ich damals nach den Mord an Lucy hätte tun sollen. Lassen Sie sie mich umbringen, Damon. Und ich bin bereit zu vergessen welche Rolle Sie und die anderen bei all dem gespielt haben", meinte sie.

„Dann wäre ich ganz umsonst hergekommen", stellte Damon fest, „Nein, ich glaube nicht. Sehen Sie, ich bin heute als Held unterwegs. Und ganz abgesehen davon glaube ich Ihnen nicht. Sie sind jetzt hier um Ihre eigene Schwester zu töten, wegen der Rolle, die sie bei Ihrer Verwandlung gespielt hat. Und ich soll Ihnen wirklich glauben, dass Sie keine ähnlichen Rachegelüste gegen Bonnie hegen? Wohl eher nicht. Außerdem haben Sie einen Freund von mir aufgeschlitzt, und ich war in der Waffenkammer. Ich weiß was Sie getan haben. Alles davon. So jemanden wie Sie kann ich nicht einfach frei herumlaufen lassen, das wäre nämlich verdammt dumm!"

Alex fauchte – und zwar wirklich. Und dann stürzte sie sich auf Damon und schlug mit ihren Klauen nach ihm. „Immer mit der Ruhe, Kitty!", rief Damon, während er ihrem Schlag auswich. Alex knurrte, und ihre Angriffe waren erstaunlich schnell und präzise. Und stark war sie auch noch, denn als ihr nächster Schlag Damon doch noch traf, schleuderte er ihn gegen die nächste Wand, was um einiges mehr weh tat als die Kratzer, die ihre Klauen hinterlassen hatten. „Uh…."

Der Vampir kam wieder auf die Beine und zog dann die einzige Waffe, die er bei sich hatte – Doktor Sulezs Brieföffner, den er aus dessen Haus hatte mitgehen lassen, und rannte mit diesem auf die Sirene zu und versuchte ihn in sie zu bohren. Er erwischte nur ihren rechten Oberschenkel, bevor er wieder zurückgeschleudert wurde – und dann sah er, wie Alex den Brieföffner wieder aus ihrem Oberschenkel zog und sich die Stichwunde, die der spitzte Gegenstand verursacht hatte, wieder schloss.

Na toll. Selbstheilung und Stärke. Plus Klauen und der Hunger auf Menschenfleisch … Wieso kommt es mir so vor als wären die verbesserte Versionen von uns?

Und schon attackierte sie ihn wieder. Damon konnte sehen, dass Virginia, die den Kampf bisher aus möglichst sicherer Distanz mit verfolgt hatte, einen Schritt auf sie zumachte, doch Alex fuhr herum und befahl ihr scharf: „Bleib stehen!", woraufhin Virginia erstarrte.

Aber zumindest hatte sie ihre Schwester ein paar Sekunden lang abgelenkt, was Damon die Chance gab sich die nächstbeste Waffe zu schnappen – einen der Stühle, die vor dem Tisch standen (Und ja, irgendjemand hatte die alle am Boden festgekettet, damit man sie eben nicht als Waffe verwenden konnte, aber Kette hatten Damon noch nie aufgehalten). Er schlug mit dem Stuhl nach Alex, doch dieser zerbarst an ihr anstatt sie umzuhauen.

„Du machst mich langsam wütend!", verkündete die irre Sirene, und jetzt konnte Damon erkennen, dass sich durch die Verwandlung nicht nur ihre Hände verändert hatten – nein, auch ihr Mund erschien ihm nun mehr ein Maul zu sein – ein Maul mit einer Reihe sehr spitzen und langen Zähnen, die eigentlich mehr nach dem Gebiss einer Raubkatze aussahen als dem eines Allesfressers.

Damon hatte keine Lust mit diesen Zähnen nähere Bekanntschaft zu machen, danke vielmals. Er rettete sich in Richtung Tisch, kroch unter diesem, und trat diesen dann in Richtung Sirene. Diese wurde dieses Mal zwar ein paar Schritte zurückgeschoben, war von dieser Attacke aber sichtlich nicht beeindruckt. „Ich werde mich an deinem Fleisch laben", zischte sie.

„Ich hoffe, du erstickst daran!", gab Damon zurück und warf dann den zweiten Stuhl in Richtung seiner Gegnerin, die diesen einfach abwehrte, und dann weiter auf ihn zuschritt. Und dann auf einmal mitten im Schritt innehielt, und an sich hinabblickte. Blut floss aus diversen Stellen ihres Körpers. Damon erkannte, dass Virginia wieder hinter ihrer Schwester stand und sie mit diversen spitzen Überresten von Tisch und Stühlen durchbohrt hatte. Damon nutzte die Überraschung seiner Gegnerin, sprang sie an, und brach ihr mit seinem schnellen Ruck das Genick.

Einen Moment lang schien das nichts zu ändern, doch dann sank Alex regungslos zu Boden. „Das wird sie nicht aufhalten", keuchte Virginia.

Damon nahm an, dass sie damit vermutlich recht hatte, beugte sich über seine Gegnerin, und riss der reglosen Sirene mit einer gezielten Handbewegung auch nach das Herz aus dem Leib.

„Soll sie davon heilen!", meinte er und spukte auf den toten Körper.

Dann wandte er sich Virginia zu. „Danke für die Unterstützung, aber ich dachte eigentlich, dass du mir nicht helfen kannst, weil sie dir befohlen hat stehen zu bleiben", meinte er.

„Ihre Stimme hat nicht gewirkt, wie sie sollte. Ich weiß auch nicht warum. Ich bin aus Angst stehen geblieben, das war alles", meinte Virginia, „Warum auch immer, sie hatte nicht alle Fähigkeiten, die sie hätte haben sollen."

Das war wohl Glück, denn ansonsten wäre das hier anders ausgegangen, dachte Damon, doch stattdessen sagte er: „Dafür hatte sie eine Zahnregulierung mehr als nur nötig."

„Der Legende nach zeigen sie ihr wahres Gesicht, wenn sie ausgehungert sind", meinte Virginia und starrte auf die Leiche ihrer Schwester, auf deren lange Krallen anstelle von Fingern und auf ihre riesigen Reißzähne. Von der distinguierten Alex St. John war in diesem Monster nicht mehr viel zu erkennen.

Das Innere nach außen gekehrt, ja auch damit hab ich Erfahrung. „Wir sollten von hier verschwinden", meinte Damon, „Die anderen Sirenen werden sich fragen wo sie bleibt. Wir sollten nicht mehr hier sein, wenn sie hier auftauchen." Es war schwer genug gewesen mit Baby-Sirene Alex fertig zu werden, er hatte keine Lust auf ein Sparring mit einer oder gar mehreren ausgewachsenen Versionen.

Virginia nickte wie betäubt und streckte ihre Hand nach ihm aus. Er stützte sie, bevor sie zusammenklappen konnte, und genau in diesem Moment kam das Sicherheitspersonal in den Raum gestürmt und richtete seine Taser auf sie beide.

„Wirklich? Ihr taucht auf, sobald alles vorbei ist?", beklagte sich Damon, „Wenn ich euer Boss wäre, dann würde ich euch feuern."

„Was zum Teufel ist das?!", entfuhr es einem der Wachmänner, und alle starrten entsetzt auf Alexs Leiche.

„Das war ein Monster", erklärte Damon, „Und der Grund warum ich hier dringend rein wollte. Also … was muss ich unterschreiben um meine Schwester hier rauszukriegen? Ihr versteht doch sicher, dass ich der Meinung bin, dass sie hier nicht sicher ist, nicht wahr?" Er grinste die Wachmänner leicht hämisch an.

Die schienen zumindest einzusehen, dass er nicht die Gefahr hier war und senkten ihre Waffen, und wechselten hektische Blicke. Damon hoffte nur, dass sie nicht zu viele von ihnen Eisenkraut nahmen, denn er es wäre um einiges angenehmer sich den Weg hier heraus manipulieren zu können als ihn sich heraus kämpfen zu müssen, doch er war bereit beides zu tun, wenn nötig.

Nach seiner Runde mit der Sirene wäre ein Haufen menschlicher Wachleute dagegen ein Klacks.


A/N: Ich habe für diese Fic ein wenig an der Sirenen-Mythologie herumgeschraubt, aber ich gehe mal nicht davon aus, dass es euch das besonders stören wird.

Auf jeden Fall kurz zur Erklärung warum Alex nicht alle Sirenen-Fähigkeiten hat: Sybil und Seline waren starke Medien, die viele ihre Fähigkeiten schon vor ihrem Deal mit Cade hatten, Alex war ein normaler Mensch, also bekommt sie die Unsterblichkeit, Selbstheilung, Stärke, Klauen und den Hunger auf Menschenfleisch (so wie bei mir Zähne, weil Sirenen nun mal Reißzähne haben sollten!), hat aber keine Sirenenstimme und keine Möglichkeit andere psychisch zu beeinflussen. (Das wird vielleicht später noch mal in Story angesprochen – nur so als Mini-Spoiler).

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