8. Mittwelt


Nach einem Besuch in Smalllville, bei dem Barry Martha Kent kennenlernte und feststellte, dass Clark und Lois in dieser Zeitlinie nur ein Kind im gleichen Alter wie vor der Krise hatten – den kleinen Jonathan – führte Barry sein Weg zu Felicitys Wohnung. Nur dass Felicity in dieser Realität hier nicht wohnte.

„Mom, es ist Barry!", verkündete William, kaum, dass er Barry erblickte, und Barry erwartete eine andere blonde Frau, die ins Zimmer gestürmt kam, als die, die auftauchte. „Laurel", stellte er fest, und versuchte sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen.

Laurel schien zu bemerken, dass irgendetwas nicht stimmte, denn sie schickte William seine Hausaufgaben machen, bevor sie sich Barry zuwandte. Sie nahmen im Wohnzimmer platz, und Barrys Blick fiel auf ein Hochzeitfoto, das Laurel im weißen Brautkleid zusammen mit Oliver zeigte.

„Ich, ehm, ich suche Oliver, wollte mit ihm reden", gab Barry zu.

Laurel nickte. „Nun, er zeigt sich nicht gerne. Ich will glauben, dass er immer da ist, immer über uns wacht, aber …." Sie zuckte die Schultern. „Es ist hart, zu wissen, dass er noch da ist, aber getrennt von uns existiert…."

„Weil er Pflichten hat", meinte Barry.

„Weil er Pflichten hat", bestätigte Laurel.

Barry schwieg einen Moment lang. „Denkst du manchmal daran, dass auch alles anders ausgehen hätten können? Dass die Dinge schlimmer aber auch besser hätten laufen können?", wollte Barry von ihr wissen, „Mit Earth Prime, meine ich."

„Immerzu. Ich meine, ich weiß, dass wir uns glücklich schätzen können. Das Multiversum mag vielleicht weg sein, aber wir sind immer noch hier. Wir alle. Und ja, das mag zu seltsamen Momenten führen - ich meine, auf einmal habe ich eine Zwillingsschwester, die keine Chance hat nach Hause zurückzukehren, weil es ihr zu Hause nicht mehr gibt, mit der ich auf liebe Familie machen muss, trotz allem, was sie getan hat, aber -… Oliver hat uns Tommy zurückgeben, und meinen Dad, und Moira, und so viele andere. Würde ich das alles gegen einen Oliver, der immer an meiner Seite ist, tauschen wollen? Nein, keine Sekunde lang. Denn das ist die Welt, die er gemacht hat, die er uns hinterlassen hat", meinte Laurel, „Sie mag nicht perfekt sein. Ich meine, Tommy erinnert sich an eine Ehe mit mir, die es zwischen uns nie gab. Aber so wenig perfekt diese Welt auch ist, ich bin froh, dass ich in ihr leben darf."

Barry nickte, suchte dann nach einer Entschuldigung sich abzusetzen, und rannte dann durch Star City, rannte los, und hielt erst im Arrow-Bunker an. Wenn Oliver irgendwo auftauchen würde, dann doch wohl hier.

Und tatsächlich auf einmal stand der Spectre vor ihm. „Barry", stellte er fest, „du glühst."

Barry nickte nur. „Ich weiß was ich tun muss, aber … ich will es nicht tun", erklärte er seinem Freund, „Ich weiß, dass diese Welt nicht halten kann, nicht so wie sie jetzt ist. Und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis irgendeine Katastrophe über uns alle herein bricht und mich dazu zwingt alles wieder zu zerstören. Es ist wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das alles, der Versuch Earth Prime zu reparieren, er war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Schon die erste Änderung war ein Paradoxon, und seit dem ist es nur noch schlimmer geworden. Zuletzt … Bootstrapt Paradoxon, ich habe Eobard mit einem Mittel geheilt, dass zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erfunden war, sondern nur erfunden wurde, weil er eben zu diesem Zeitpunkt nicht geheilt wurde, sondern als Red Death gewütet hat. Wer weiß schon was der nächste Eingriff von mir verlangt? Ich wollte so gerne, dass alles besser bleibt, dass es nicht umsonst war, dass ich zumindest irgendjemanden retten kann: Dich, Harry und all die anderen Doppelgänger, Kate, Sara, all die halbkryptonischen Kinder…"

Er seufzte. „Es ist nicht fair", stellte er fest, „Ich habe nie danach verlangt, dass alles perfekt ist. Ich habe nur danach verlangt, dass alles besser ist. Was ist falsch an besser?"

Oliver schwieg einen Moment lang. Dann meinte er: „Besser gibt es nicht. Nicht wirklich. Es gibt nur anders. Bei dem Versuch die zu retten, die ich liebe, habe ich ihre Welten zerstört. Tommy, meine Mom, Quentin .. ich habe sie aus ihren Welten gerissen anstatt zu versuchen ihre Welten zu retten."

„Vielleicht auch nicht, wir wissen, dass das Multiversum immer noch dort draußen ist", entgegnete Barry, „Unendliche Welten, vielleicht sind sie immer noch irgendwo dort draußen, alle diese anderen Welten. Vielleicht ist Erde-2 immer noch irgendwo dort draußen."

„Wenn dann nicht mehr so wie sie einst war. Es gab eine Alex Danvers auf Erde-1, was wurde aus ihr? Habe ich sie ausgelöscht, auf eine andere Erde verbannt, irgendwie mit Alex verschmolzen? Wer kann das schon sagen? Nicht einmal ich kann es sagen", widersprach Oliver, „Ich bin neu im Multiversum-Erschaffen Business. Und darin offenbar nicht besonders gut."

„Ich bin nicht besser darin", gab Barry zurück, „Wir sagen immer, dass du es warst, der das neue Multiversum erschaffen hat, aber vielleicht ist das nicht wahr, nicht wirklich. Wir Paragons haben dir dabei geholfen. Vielleicht steckt genauso viel von Sara, Kara, Kate, J'onn, Ryan, Lex Luthor und mir in dieser Welt wie von dir. Vielleicht ist sie genauso unser Erbe wie sie deines ist. Und vielleicht war ich deswegen so versessen darauf sie zu reparieren. Weil ich nicht wollte, dass etwas, das so fehlerhaft ist, alles ist, was von dir und Kate und Sara und auch von J'onn und Kara zurückbleibt. Und von mir. Ein Teil von mir hat nicht mehr wirklich daran geglaubt, dass ich Nora wiedersehen werde, ein Teil von mir hat gedacht, dass ich mir nur ein wenig Zeit erkauft habe, und mein Schicksal mich eines Tages trotzdem noch einholen wird."

„Dein Schicksal ist es alt und grau zu werden, Barry Allen. Dafür habe ich mein Leben eingetauscht, dafür, dass du und Kara dieses Ziel erreichen", rief ihm Oliver in Erinnerung.

„Und genau das wollte ich nie. Ich wollte, dass du es erreichst, du und alle anderen", erklärte ihm Barry, „Für mich selbst … ich weiß nicht einmal mehr, was ich für mich selbst wollte, außer… dass ich nach der Krise, als mir klar wurde, dass ich überlebt habe, wieder anfangen wollte zu leben, so richtig zu leben, für dich und alle anderen, die ich verloren habe. Aber dann ist dieses furchtbare Jahr passiert, und ich konnte mich nicht damit abfinden, dass es so enden soll, und dass das neue Jahr genauso weiter gehen soll."

„Und was hat sich geändert?", wollte Oliver wissen, „Nachdem du dich so krampfhaft an diese reparierte Version von Earth Prime geklammert hast … Warum willst du jetzt loslassen?"

„Du meinst gerade jetzt in dieser Version der Realität, wo ich alles habe, was ich immer wollte? Happy Ends für alle, keine neuen Toten, keine Verschwundenen, mein Familie, mein Team, meine Freunde, keine Verlassensängste mehr, weil keiner mehr vor hat mich zu verlassen. Ja, das ist ironisch, nicht wahr?", spottete Barry leise, „Dass ich ausgerechnet diese Realität aufgeben will…"

Oliver sah ihn abwartend an.

„Ich weiß nicht, ob ich es dir je erzählt habe, aber als ich Flashpoint war, da hat Eobard mir gesagt, dass es keine echte Welt ist, dass es nur eine Schimäre ist, ein Wunschtraum. Und genau so ist es mit dieser Welt hier, es war von der ersten Änderung ab so", erklärte Barry und machte eine allumfassende Geste, „Das hier ist ein Wunschtraum, es ist nicht das echte Leben; es ist das, was ich haben wollte. Und ich war so auf all die Katastrophen und kleinen Änderungen fixiert, dass mir das Muster zuerst nicht aufgefallen ist. Mir ist aufgefallen, dass es immer weiter von dem, was Earth Prime zu Beginn war, weggegangen ist, aber erst als ich Eddie gesehen habe, da wurde mir klar wohin es gegangen ist. Nicht zur perfekten Welt hin, natürlich, weil es so etwas nicht gibt, und sich jeder etwas anderes unter einer perfekten Welt vorstellt. Aber es ging in die Richtung einer Welt, die perfekt genug ist, damit ich damit glücklich bin, in jeder Hinsicht. Ich meine, vor ein paar Welten, da waren Alex und Maggie noch getrennt, eben weil Maggie keine Kinder wollte. Und jetzt sind sie zusammen und haben ein Kind. Kara und J'onn wollten diese Welt auf einmal nicht mehr verlassen. Jefferson will nicht aufhören. Es gab nicht einmal einen verdammten Brexit. Und Eddie …." Er verstummte.

„Diese Welt hier kann gar nicht real sein", schloss er, „Und um real zu werden, um den echten Leben zu gleichen, muss sie sich selbst korrigieren. Irgendeine Katastrophe muss passieren und wird passieren, früher oder später. So wie in jeder bisherigen Welt zuvor. Denn so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Und damit kann auch diese Welt nicht bleiben."

Oliver hörte sich das alles schweigend an. „Was willst du also tun?", wollte er wissen.

„Es geht nicht darum, was ich tun will, es geht darum, was ich tun muss", korrigierte ihn Barry, „Aber ich weiß nicht, ob die Kraft dazu habe es zu tun. Ich … ich kann nicht einfach hingehen und Harry und Jesse und Leo und Laurel und die zweite Zari und Eddie und vielleicht sogar Kate einfach umbringen."

Oliver musterte ihn intensiv. „Was genau erwartest du jetzt von mir, dass ich dir darauf sage?", wollte er wissen.

„Ich weiß nicht … dass es noch andere Welten als diese gibt. Dass sie irgendwo dort draußen immer noch am Leben sind, egal was ich hier und jetzt tue. Dass aus jede Änderung der Zeitlinie, die ich vorgenommen habe, ein neues Universum geboren wurde, eine neue Version von Earth Prime, in der ich sie nicht vorgenommen habe. Ich will, dass du mir sagst, dass Lura irgendwo dort draußen lebt, dass Kathy irgendwo dort draußen von Alex adoptiert wurde, dass Laurel irgendwo dort draußen mit den Legends reist, Kate irgendwo dort draußen glücklich verheiratet ist, und es Welten gibt, in denen Harry und Nash nebeneinander leben können, es eine oder zwei Zaris geben kann, du am Leben bist, und ein Barry Allen … alles hat, was er immer haben wollte", meinte Barry verzweifelt, „Ich will, dass du mir sagst, dass das hier nicht das Ende ist."

„Es ist ein unendliches Multiversum, Barry", meinte Oliver, „Natürlich ist das hier nicht das Ende. Dort draußen gibt es noch andere Welten als diese." Er nickte Barry zu. „Du weißt, was du tun musst."

Aber etwas zu wissen und etwas auch zu tun waren zwei sehr verschiedene Dinge. Und anders als gehofft hatte, trösteten ihn Olivers Worte kein bisschen.


Er dachte darüber nach Abschied zu nehmen, wirklichen Abschied. Er dachte darüber nach lange mit Harry zu sprechen, zum vielleicht letzten Mal. Er dachte darüber nach Ralph zu sagen, dass er immer für ihn und Sue auf ein Happy End gehofft hatte, und dass sein fröhliches Wesen und seine Gegenwart ihm dabei halfen Freude am Leben zu finden. Er dachte darüber nach Eddie zu küssen, so richtig zu küssen.

Doch er tat nichts davon, weil es ihm zu weh tun würde. Jede Sekunde, die er hier in dieser Zeitlinie verbringen würde, wäre eine Sekunde zu viel. Er hatte immer gedacht, dass Eobard damals aus seinen Käfig zu lassen und zu bitten seine Mutter für sie alle umzubringen schwer gewesen wäre, doch es war nichts gegen das hier gewesen.

Und natürlich gab es eine Person, von der er wusste, dass sie ihn aufhalten würde.

Weil es ihnen immer vorherbestimmt gewesen war genauso zu enden. Weil sie nie dazu bestimmt gewesen war ein Team zu sein, sondern immer nur dazu zu Gegnern zu werden.

„Ich kann das nicht zulassen, Barry!" Er war in den Grand Canyon gegangen, hatte ein letzes Mal auf die Weite geblickt und sich gefragt wann Chris auftauchen würde. Er hatte gewusst, dass der andere Mann erscheinen würde, bevor er auch nur loslaufen konnte, weil Chris wissen würde, was er vorhatte, genauso wie er gewusst hatte, was Bloodwork ihn hatte tun lassen.

„Es muss sein", sagte Barry nur gelassen, „Für dich genauso wie für mich."

„Nein. Wir haben Earth Prime repariert. Und wir reparieren sie weiterhin, solange bis sie in Ordnung ist! Das war der Plan, das ist es, was wir bisher getan haben! Mit Erfolg!", schleuderte Chris ihm erbost entgegen, „Ich kann nicht zulassen, dass du alles wieder zunichtemachst, nur weil du … lieber ein miserables Leben führen willst als eines, in dem alles gut ist."

„Die Realität mag nicht die beste aller Welten sein, vermutlich ist sie noch nicht einmal unter den Top 50 aller Welten, aber sie ist real. Sich ihr zu verweigern ist keine Lösung", erwiderte Barry.

„Wenn sie nicht so ist, wie sie sein sollte, dann ist es die einzige Lösung! Sieh dir Mia Smoak an! Ihr Leben war furchtbar, aber dank der Krise wurde es besser!", argumentierte Chris, „Willst du behaupten, dass ihr altes Leben realer war als ihr neues?"

„Im Augenblick hat sie überhaupt kein Leben, weil sie niemals geboren wurde", rief ihm Barry in Erinnerung.

„Details, die wir wieder in Ordnung bringen können. Wir können sie zurückholen, genau wie Karas andere Kinder, nun zumindest eines davon. Vielleicht sogar beide davon. Es gibt immer Möglichkeiten", wehrte Chris ab, „Und du willst auf sie verzichten?"

„Wir sind keine Götter, Chris", sagte Barry nur.

„Du vielleicht nicht, aber ich … ich bin das was allwissend am Nächsten kommt", konterte der andere Mann, „Jede Verbesserung, jeder Reparatur macht mich stärker. Aber wenn du jetzt alles wieder rückgängig machst, dann bin ich wieder dort, wo ich angefangen habe, und kann niemanden mehr helfen!"

„Siehst du denn nicht was aus dir wird? Siehst du nicht, dass … und ich hasse es das zu sagen … Eobard Thawne recht hatte, als er mich vor dir gewarnt hat? Vor dem, was aus dir werden wird?", versuchte Barry ihn zur Vernunft zu bringen, doch es war umsonst. Chris wollte die Realität nicht sehen, sein Kopf war so voll mit alternativen Welten, dass er darüber die Fähigkeit, das was direkt vor seine Nase war, zu erkennen verloren hatte.

„Ich werde nicht zulassen, dass du alles, was wir erreicht haben, zerstörst!", verkündete Chris und dann ließ er seine Kräfte auf Barry los.

Dieser hatte es kommen sehen, erinnerte sich daran, was mit dieser Quinzel-Frau passiert war, aber trotzdem traf es ihn auf eine Art und Weise, die er sich nicht hatte vorstellen können. Unendliche Universen, unendliche Möglichkeiten.

Leben mit seinen Eltern, nur mit seinem Vater, nur mit seiner Mutter, mit Joe und Iris, nur mit Joe, nur mit Francine, mit Francine und Iris und Wally, mit anderen Pflegefamilien, in Pflegeheimen, mit den Snarts…. Und das war erst der Anfang. Leben als Flash, Leben als Barry Allen, Leben als Bart Garrick, oder unter ganz anderen Namen, Leben an Iris' Seite, so viele Leben an Iris' Seite, Leben ohne Iris, Leben, in denen er Iris verlor, Leben, in denen er Iris verlor und wiedergewann, Leben als Green Arrow, ja, die gab es tatsächlich, Leben mit Iris als beste Freundin aber nicht als Geliebte hatte, Leben mit anderen Partnern, mit Eddie, mit Linda, mit Felicity, mit Leonard Snart, mit Caitlin, mit Patty, mit Kara, mit Sara, mit Oliver. Leben als CSI, Leben als Forscher, als Autor, als Polizist, als Sänger, als Mitglied eines Teams, als jemand, der vollkommen auf sich alleine gestellt war.

Barry sah es alles und noch so viel mehr. Er konnte die anderen Barry Allens sehen, die die aussahen wie sein Vater, und die, die aussahen wie der andere Flash, den er während der Krise getroffen hatten. Da waren blonde Barrys, dunkelhäutige Barrys, und weibliche Barris.

Kein Verstand konnte so viele alternative Leben auf sich einprasseln spüren ohne nachzugeben. Das war Chris' Kraft. Seine größte Kraft. Und keiner konnte ihr standhalten, nicht auf Dauer.

Doch er musste ihr nicht auf Dauer standhalten, nur lange genug um in seine Speed Force überzugehen zu können. Er musste nur einen Moment lang die Kraft in sich finden trotz allem, was er sah, loszulaufen. Aber du willst es doch gar nicht. Du willst, dass er dich stoppt, du willst dass die Dinge so bleiben wie sie sind, flüsterte ihm eine verräterische Stimme in seinem Inneren zu, Du willst, dass diese Welt deine sein kann.

Aber es war wie er Oliver gesagt hatte, es gab einen Unterschied zwischen den Dingen, die man tun musste, und denen, die man tun wollte. Wenn er diese Welt nicht änderte, würde es das Schicksal tun, die Raumzeit würde korrigieren, was sie musste, und diese Korrektur würde schlimm ausfallen. Und Chris würde durch die Konsequenzen, die Barry aus dieser Korrektur ziehen würde, nur noch stärker werden.

Das ist der einzige Weg, der einzige Weg, den ich gehen kann. Wenn ich jemals zu den Menschen, die ich liebe, zurück will.

„Sag, dass du einsiehst, dass ich recht habe, Barry!", forderte Chris, „Ich quäle dich nicht gerne, aber ich werde tun, was sein muss, um unser Erbe zu retten!"

Barrys konnte spüren wie seine Speed Force durch seinen Körper zuckte, wie sie in ihm vibrierte. Und nicht nur seine – für einen Moment, für einen kleinen Moment, konnte er die Speed Force aller Flashes von überall im alten und im neuen Multiversum spüren.

Du hast nicht recht, Chris, du hattest von Anfang an unrecht. Wir tun das hier, weil die Welten, die du erschaffst, in sich selbst zusammenbrechen müssen. Das hier ist der einzige Weg um alle zu retten. Nur so kommen wir zurück", sagte(n) der(die) Flash(es), „Nur so kommen wir zurück nach Hause." Nur so kämen sie zurück zu Iris/Iris und Eddie/Iris und Leonard/Linda/Felicity/Kara/Oliver/Patty/Caitlin/Sara/Tina/Eddie/Leonard/Iris/Iris/Iris/zu allen zurück ..- und zurück und zurück….

Und dann rannten sie los, während immer noch unendliche alternative Leben auf sie einprasselten, und prasselten und prasselten, rannten sie und rannten sie und rannten sie und dann…

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Barry sah sich selbst, wie er sich Leonard Snart näherte, der seinerseits auf eine andere Version von Barry wartete, die gerade damit beschäftigt war die Gegend auszukundschaften. Barry zögerte nicht, sondern stürzte sich auf den Barry mit der Box voll von Spectre-Energie in den Händen, und zerrte ihn mit sich weg, bevor er Snart erreichen konnte, der sich seinerseits überrascht umwandte, als er dachte ein Geräusch gehört zu haben.

Barry brachte sein jüngeres Ich soweit er konnte weg von Snart. Blieb erst stehen, als sie im Grand Canyon angekommen waren. „Was machst du?", wollte der jüngere Barry wissen.

„Ich halte dich davon ab einen Fehler zu begehen", erklärte ihm Barry, „Du darfst Snart diese Box nicht geben."

„Warum?", wollte der andere Barry wissen, „Hat Chris uns angelogen? Wird das hier nicht das bewirken, was er versprochen hat?"

Es wäre so einfach zu lügen und einfach ja zu sagen. Doch Barry wollte nicht mehr lügen. Er war das alles hier leid, diesen ewigen Kreislauf, indem er anderen Dinge erzählte, die einfach nicht wahr waren, nur um zu Verschleiern, was wirklich wahr war.

„Oh, doch mit dieser Box würdest du Earth Prime reparieren. Nur, dass es nicht halten würde. Siehst du, das Multiversum mag es nicht, wenn man Hand an es legt, es wird zurück schlagen, wieder und wieder und wieder. Und du wirst nicht aufgeben, wirst dich an den Gedanken klammern, dass alles irgendwann besser werden muss. Bis dir klar werden wird, dass du damit nur Chris hilfst und niemand anderen", erklärte er stattdessen, „Deswegen darfst du erst gar nicht damit anfangen."

Der andere Barry starrte auf die Box in seinen Händen. „Aber Iris, Kate, Sara, und all die anderen….", setzte er an.

„All denen kannst du helfen, aber nicht so. Das ist nicht der richtige Weg", meinte Barry, „Das hier ist der Weg von Chris. Nicht unserer. Wir lösen Probleme mit unserem Herz und unseren Verstand und nicht indem wir sie einfach wegleugnen als hätte es sie nie gegeben." Er streckte dem anderen Barry die Hände entgegen. Dieser zögerte einen Moment, doch dann übergab er ihm die Box. Sie nickten einander zu.

Und dann rannten sie beide los, zurück nach Hause.


Chris spukte Gift und Galle. „Was hast du getan?!", schrie er Barry an, kaum, dass dieser wieder in der Gegenwart ankam, „Warum nur?!… Fühlst du dich wirklich so schuldig, dass du denkst, du hast es nicht verdienst glücklich zu sein?!"

„Ich werde glücklich sein", erwiderte Barry und korrigierte sich dann sofort, „Ein Barry Allen wird glücklich sein. Mit dem, was er hat."

Chris machte Anstalten nach der Box mit der Spectre-Energie zu greifen, doch Barry schüttelte den Kopf. „Das hier kann ich dir nicht überlassen", erklärte er, „Damit würde alles wieder von Vorne losgehen, du würdest dafür sorgen. Du würdest dir einfach einen anderen Dummen suchen."

„Es ist meins! Du hast keine Ahnung was ich durchmachen musste um daran zu kommen!", giftete Chris in seine Richtung.

„Ich will es auch gar nicht wissen", gab Barry zurück, und rannte dann zurück in die Speed Force, und ließ die Box dort zurück, bevor er wieder hinauskam.

Chris lachte. Doch nicht freudig, nein sein Lachen klang bitter. „Ist dir klar, was du getan hast?", wollte er dann wissen, „Du hast verhindert, dass es dich jemals gibt! Du bist jetzt ein Zeitfragment. Diese Welt, die du geschaffen hast – und du hast sie geschaffen, weil sich etwas das einmal zerschlagen wurde …."

„…nicht wieder genauso zusammensetzen kann, wie es zuvor war. Ja ich weiß, ich habe es nicht vergessen", unterbrach ihn Barry, „Diese Zeitlinie, sie ist nicht mehr die, aus der wir beide zu Beginn gekommen sind. Sie wird jetzt anders sein, nur ein wenig vielleicht, aber anders genug. Ich werde aufhören zu existieren. Und der andere Barry wird sich nicht an das erinnern, was er nie erlebt hat. Doch er wird in eine Zeitlinie zurückkehren, die sich von der unterscheidet, aus der er gekommen ist."

„Wir hatten die Chance alles besser zu machen!", schrie Chris ihn an, „Aber du … du hast das alles weggeworfen. Und jetzt … vielleicht gibt es keine Iris West-Allen mehr zu der dein anderes Ich heimkehren kann. Vielleicht ist Kara nicht mehr schwanger, Alex verbitterter Single, gar kein Wells mehr übrig, Kate tot, und Oliver Queen nicht mehr als eine schlechte Erinnerung."

Barry schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Ich meine, vielleicht ist das alles so, vielleicht aber auch nicht. Doch ich glaube, dass es nicht so ist. Ja, es wird Earth Prime sein, ein Earth Prime ohne Doppelgänger, ohne Oliver, und mit vielen Dingen, die mir nicht gefallen werden, aber zumindest wird es eine Realität sein, in der nicht hinter jeder Ecke eine potentielle Katastrophe lauert, die alles, was wir haben, wieder vernichten kann und wird."

„Ich werde das nicht vergessen, Flash!", schwor ihm Chris, „Ich werde nicht vergessen, was du getan hast. Was du mir genommen hast!"

„Ich weiß … Paradox", erwiderte Barry nur.

„Ich wollte, dass wir das zusammen lösen, dass wir Freunde sind und zusammen arbeiten, gemeinsam diese Welt retten. Aber jetzt weiß ich es besser, jetzt weiß ich, dass es uns immer nur bestimmt war Feinde zu sein", fuhr Chris fort, und wandte sich von Barry ab, starrte wütend in den Grand Canyon, und als er sich wieder umdrehte, gab es keine Spur mehr von Barry Allen. Beinahe so als hätte es ihn niemals gegeben.


Zu Weihnachten 2020 rannte Barry Allen nach Hause zu seiner Ehefrau.

„Barry, was ist passiert?", wollte Iris West-Allen besorgt von ihm wissen, „Solltest du nicht auf deiner Weihnachtsparty sein?"

„Ich hatte keine Lust mehr zu feiern", erklärte Barry und umarmte sie schnell.

Iris zog ihren Ehemann an sich. „Was ist los?", erkundigte sie sich.

Barry suchte nach den richtigen Worten. „Dort draußen gibt es noch andere Welten als diese. Aber wir müssen in dieser hier leben. Und das … ist nicht immer einfach", erklärte er dann.

Iris nahm seine Hand in ihre und drückte sie. „Das ist wahr, aber zumindest stellen wir uns allem, was uns in dieser Welt bedroht, zusammen entgegen", erwiderte sie, „Vergiss nicht, wir sind der Flash; du und ich und Cisco und Caitlin und Dad und Cecile und Allegra und all die anderen. Und dann hast du immer noch deine Superheldenfreunde. Du bist niemals alleine, Barry."

Und aus irgendwelchen Gründen, die Barry nicht näher erklären konnte, glaubte er ihr das, zum ersten Mal seit sehr langer Zeit, sogar aufs Wort.


Fin.


A/N: Und damit endet diese Fic, während in der realen Welt „Green Arrow and the Canaries" begraben wurde, was aber nicht der einzige Grund ist warum ich Mia in diesem Kapitel noch mal extra erwähnt habe.

Ich habe offen gelassen in welche neue Version von Earth Prime Barry jetzt genau zurückgekehrt ist, es kann also die Canon-Version sein oder eine ganz andere.

Welche Realität hat euch am Besten gefallen?

Und ja, ich weiß warum durfte die nicht bleiben? Weil Barry in dieser Fic lernen sollte die Realität, egal wie unangenehm sie sein mag, zu akzeptieren und dass man die Welt nicht reparieren kann indem man schummelt. Auch wenn Oliver das getan hat.

Ich hoffe diese Fic hat euch trotzdem gefallen.

Abschließende Reviews sind natürlich wie immer erwünscht.