9. Dezember: Das Schlimmste
Recht hatte Nymphadora tatsächlich. Merlin sei Dank! Kaum waren ein paar Tage vergangen, tauchte eine ganze Truppe von Ministeriumsmitarbeitern auf, die das ganze Haus auf den Kopf stellten und Nymphadora und sie unwirsch anblafften. Sie sprachen einen Haufen Zaubersprüche aus, die versteckte Muggelstämmige aufspüren sollten und überprüften skeptisch den Stammbaum der Blacks, den Andromeda ihnen zeigte, zogen aber am Ende unverrichteter Dinge ab, mit der Warnung, ihnen sofort Bescheid zu geben, wenn Ted wieder auftauchte, weil sie sonst mit gravierenden rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hatten.
Andromeda und Nymphadora lehnten sich erleichtert an die geschlossene Tür, bevor Nymphadora sich daran machte, alle Schutzzauber auszusprechen, die sie kannte. Dann nahm sie Kontakt zu Kingsley auf, der sich mitten in der Nacht endlich vom Muggelminister loseisen und vorbeikommen konnte, und eine Stunde später war sie die neue Geheimniswahrerin des Hauses.
„Danke, Kingsley", sagte sie erleichtert und drückte ihm fest die Hand. „Es war schrecklich, zu wissen, dass Bellatrix einfach so hier hereinspazieren könnte."
„Keine Ursache", winkte Kingsley ab und nahm dankbar einen der Kekse, die Andromeda heute Nachmittag vor lauter Nervosität gebacken hatte. „Wir haben bei allen Ordensmitgliedern die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, nachdem das Ministerium sie durchbrochen hat. So ziemlich alle, die noch zu Hause sind, haben jetzt einen Geheimniswahrer." Er lehnte sich zurück und schüttelte den Kopf. „Das Ministerium hat sich so sehr verändert, ich erkenne es kaum wieder. Ich hab Glück, dass sie es immer noch für sinnvoll halten, dass ich den Muggelminister beschütze. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sie so sehr in die Muggelwelt eingreifen wollen. Wahrscheinlich will Du-weißt-schon-wer warten, bis er Harry endgültig ausgeschaltet hat. Solange Harry noch lebt, hat er Angst, gestürzt zu werden. Er hatte vor Harry immer mehr Angst als vor allen anderen. Und da wir im Moment alle nicht wissen, wo er ist, haben wir immer noch eine Chance. Es tut mir nur Leid, dass Ted gehen musste, aber nach allem, was ich gesehen habe, war das die richtige Entscheidung. Im Ministerium machen sie kurzen Prozess." Er seufzte. „Ich hab Umbridge noch nie so glücklich gesehen, es ist verstörend."
Nymphadora erschauderte und schlang die Arme um ihren Körper. „Diese Frau ist die Pest", sagte sie angewidert.
„Wem sagst du das?", erwiderte Kingsley und warf einen Blick auf seine Uhr. „Ich sollte langsam los, der Minister hat morgen einen langen Tag. Schade nur, dass ich nicht mit Remus sprechen konnte, ich wollte mit ihm die nächsten Schritte absprechen."
„Jaah, schade, aber er hatte irgendwas dringendes vor. Werwolfstechnisch, du weißt schon", sagte Nymphadora mit abgewandtem Blick. Sie hatte immer noch die Hoffnung, dass Remus bald wieder da sein würde und wollte seinen Weggang nicht an die große Glocke hängen.
Kingsley nickte und stand auf. Er küsste Andromeda zum Abschied auf die Wange und drückte Nymphadora aufmunternd den Arm. „Macht's gut, ihr zwei. Wenn etwas ist, du weißt, wie du mich am besten erreichen kannst, Dora. Und sag Remus Bescheid, dass er mich so bald wie möglich kontaktiert."
Nymphadora schluckte und nickte dann. „Mach ich. Ich weiß aber nicht, wie lange das dauern wird."
„Natürlich, natürlich." Er nahm sich einen zweiten Keks. „Bis bald und passt auf euch auf. Für Ted."
Andromeda lächelte ihn schwach an und nahm sich ihrerseits einen Keks. „Du auch, Kingsley. Wir können es uns wirklich nicht leisten, noch weitere Mitglieder vom Orden zu verlieren."
„Nein, wirklich nicht. Ironischerweise bin ich wahrscheinlich der Sicherste von uns allen, mitten in der Muggelwelt."
Nymphadora lachte humorlos und schloss dann die Haustür hinter ihm. Sie tippte die Tür mit ihrem Zauberstab an. Sie leuchtete auf und war so fest verschlossen wie nur möglich. Die anderen Schutzzauber sollten eigentlich ausreichen, aber sie fühlten sich trotzdem besser.
„Ich hätte nie gedacht, dass wir mal ohne Dad sein würden. Dad war immer da", murmelte Nymphadora schließlich ungläubig.
Andromeda legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich. „Wem sagst du das? Er war immer in der Bibliothek, wenn ich aus dem Gemeinschaftsraum wegen Bella geflohen bin. Und er hat mir immer geholfen, wenn ich bei irgendwelchen Hausaufgaben verzweifelt bin." Es hatte sich damals wie der Weltuntergang angefühlt, und wenn sie sich jetzt daran zurückerinnerte, waren diese Probleme so trivial gewesen, es war kaum zu glauben. „Und er war der Einzige, der keine Angst hatte, Bella entgegen zu treten. Er war schon immer der mutigste Mensch, den ich jemals kennen gelernt habe. Ich wüsste nicht, wo ich heute ohne ihn wäre. Ohne den Mut, den er mir immer gemacht hat. Am Ende hätte ich auch irgendein reinblütiges Arschloch geheiratet, so wie Narcissa, und würde jetzt tolerieren, dass er als Todesser die ganze Zauberwelt terrorisiert. Und ich hätte wahrscheinlich ein völlig verzogenes Kind, das den Schwanz einzieht, sobald es ernst wird und sich hinter seinem reinblütigen Namen versteckt, das Einzige, was etwas wert ist." Sie verdrehte die Augen. Nach allem, was sie von Remus gehört hatte, der ihren Neffen schließlich ein ganzes Jahr unterrichtet hatte, war das das einzige, wozu der kleine Malfoy fähig war. Ihre Eltern wären so stolz gewesen.
„Stattdessen hast du eine schwangere Tochter, die von ihrem Werwolf-Mann sitzen gelassen wurde und einen Ehemann, der fliehen musste, um nicht ins Gefängnis zu kommen", wandte Nymphadora deprimiert ein.
„Nein, so darfst du das nicht sehen", widersprach Andromeda. „Ich bin seit über fünfundzwanzig Jahren mit meiner großen Liebe verheiratet. Wir haben eine wunderbare einzigartige Tochter, die mutig und entschlossen ist, die sich immer ohne zu zögern für alle einsetzt, die ihre Hilfe brauchen. Die auch in den schrecklichen Dingen das Positive sehen kann. Selbst jetzt. Es kommt einem vielleicht furchtbar vor, wenn ein Kind in diese Unruhen hineingeboren wird, aber du warst damals mein größter Lichtblick und meine größte Hoffnung, dass alles wieder besser werden wird. Denn es war einfach nicht möglich, dass du wirklich in so einer schrecklichen Welt aufwachsen wirst. Und das wird jetzt wieder so sein."
„Und wenn Remus Recht hat und das Baby ist wirklich wie er?", fragte sie kaum hörbar.
„Dann wirst du es trotzdem lieben. Ted und ich auch. Es ist ein Teil von dir und ein Teil von uns", sagte Andromeda bestimmt. „Außerdem ist es wirklich nicht sicher, ob Remus' Angst begründet ist. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schon jemals von einem Werwolf gehört habe, der sich fortpflanzt. Ganz zu schweigen davon, dass du ein Metamorphmagus bist. Das ist auf jeden Fall erblich. Auch wenn keiner genau weiß, wo es eigentlich herkommt. Wer weiß schon genau, was dieses Kind alles erben wird und was nicht. Solange es den Strampler der Holyhead Harpies tragen kann, ist alles gut."
Nymphadora lachte und legte eine Hand auf ihren Bauch. „Ich hoffe, du hast Recht."
„Natürlich hab ich Recht, wann hab ich denn nicht Recht gehabt?"
„Ach, da würden mir schon ein paar Mal einfallen …", grinste sie und nahm Andromeda den Keks weg, den sie immer noch in der Hand hielt, ohne abgebissen zu haben.
Andromeda legte eine Hand auf ihr Herz und schüttelte dramatisch den Kopf. „Verraten von meinem Fleisch und Blut, soweit ist es schon gekommen!"
„Merlin, Mum, bist du bescheuert!", rief Nymphadora und stopfte sich den ganzen Keks in den Mund. Wenn sie nicht mit Kauen beschäftigt gewesen wäre, hätte sie ihr bestimmt die Zunge rausgestreckt. Andromeda lachte.
In den nächsten Tagen fanden sie sich langsam damit zurecht, dass Ted nicht mehr da war. Er schickte ihnen so oft wie möglich einen Patronus. Im Moment schien es ihm den Umständen entsprechend gut zu gehen, aber sie standen ganz am Anfang dieser dunklen Zeit und wer wusste schon, was daraus noch werden würde.
Die Lebensmittel bekamen sie ins Haus geliefert, sodass sie so wenig wie möglich raus mussten. Nächste Woche hatte Nymphadora einen Termin bei der Frauenärztin für einen ersten Ultraschall und eine Blutuntersuchung, um festzustellen, ob alles in Ordnung war, und wenn es nach Andromeda ging, wäre das das einzige, für das sie das Haus verlassen würden. Nymphadora war deprimiert, aber es ging ihr besser als Anfang des Jahres, als sie wegen Remus Liebeskummer gehabt hatte. Aus irgendeinem Grund war es tröstlich für sie zu wissen, dass Andromeda und sie im gleichen Boot saßen und sie sich hier zu Hause versteckten, während ihre Männer sich draußen herumtrieben. Außerdem hatte sie das Baby, auf das sie sich konzentrieren konnte und sie versuchte krampfhaft, nicht in allzu schlimme Depressionen abzudriften. Sie trug den Strampler der Holyhead Harpies ständig mit sich herum und schaute ihn an, wenn sie zu deprimiert wurde. Und Andromeda tat ihr bestes, sie zu beschäftigen.
Sie putzten das Haus von oben bis unten und misteten den Dachboden aus. Andromeda brachte alle Kisten mit Nymphadoras alten Babysachen nach unten in das kleine Gästezimmer, aus dem sie wohl das Kinderzimmer machen würden. Nymphadora hatte eine eigene Wohnung in der Nähe der Winkelgasse, in der sie mit Remus nach der Hochzeit gewohnt hatte, aber mitten im Herzen der Zauberwelt war es momentan absolut nicht sicher, also hatte sie per Eule gekündigt. Nicht, dass ihr Vermieter Probleme mit Todessern bekam, die dort nach Ted suchen würden. Und so sehr Andromeda auch gute Miene zum bösen Spiel machte, sie konnte sich nicht vorstellen, dass Nymphadora vor der Geburt hier wieder auszog. Also machten sie sich daran, die Gästemöbel auf den Dachboden zu schaffen und die Wände farbig zu zaubern. Sie konnten sich nicht einigen und so wechselten die Wände alle drei Stunden die Farbe. Aber es würde auch noch Monate dauern, bis das Baby da war, sie hatten Zeit.
Und dann klingelte eines Abends das Telefon, als Nymphadora und sie auf dem Sofa saßen und wenig begeistert EastEnders schauten. Ted hatte die Serie immer geliebt, aber Andromeda hatte sich der Sinn nie so ganz erschlossen. Doch in den letzten Jahren war die Serie zu einem Ritual in ihrem Haus geworden und das wollte sie nicht aufgeben. Es half ihr, sich vorzustellen, wie sehr Ted die jetzige Storyline hassen und wie sehr er sich aufregen würde. Ted konnte sich so herrlich hineinsteigern in diesen Schwachsinn, auch wenn er sonst immer so schrecklich besonnen war.
Andromeda streckte sich und griff nach dem Hörer. „Ja bitte?" Hoffentlich war es nicht der hiesige Arzt, bei dem sie bis zum Sommer gearbeitet hatte, der ihre Hilfe brauchte. Sie hasste es, abzulehnen, aber sie würde das Haus nur im äußersten Notfall verlassen.
„Andromeda?", hörte sie die leise Stimme ihres Schwiegersohns. Wie vom Hippogreif gebissen richtete sie sich auf. „Es tut mir Leid, dass ich dich stören muss, aber ich komme nicht mehr in die Nähe von eurem Haus und deine Nachbarin hat mir deine Telefonnummer gegeben." Er atmete tief durch. „Es tut mir schrecklich Leid, dass ich gegangen bin, ich hab einen Fehler gemacht und wenn es möglich wäre -"
„Geh zur Straßenecke", unterbrach sie ihn und stand auf. Sie eilte in den Flur und griff sich die ersten Schuhe, die sie sah, ein paar alte Flip Flops. „Ich komme sofort."
„Mum?", fragte Nymphadora besorgt und folgte ihr in den Flur. „Ist alles in Ordnung?"
Andromeda nickte und tippte mit ihrem Zauberstab an die Tür, um sie zu öffnen. „Ja ja. Bleib wo du bist, ich bin gleich wieder da." Sie eilte durch ihren Vorgarten und trat auf die Straße. Rasch sah sie sich in beide Richtungen um, und als sie niemanden entdecken konnte, eilte sie die Straße hinunter zur nächsten Ecke, wo sie eine Gestalt unruhig von einem Fuß auf den anderen treten sah.
Auf Remus' Gesicht breitete sich ein erleichtertes Lächeln aus. „Es tut mir wirklich Leid, Andromeda, und -"
Sie hob die Hand, um ihn zu unterbrechen und bedeutete ihm, ihr zu folgen. „Spar dir das, Remus, du musst dich nicht bei mir entschuldigen, sondern bei Dora. Wie konntest du nur einfach so gehen, hast du eine Ahnung, wie sehr du ihr damit weh getan hast?!"
Er verzog das Gesicht und schaute betreten zu Boden. „Ich weiß, ich weiß, ich hielt es für das Beste, aber -"
„Erklär das nicht mir, sondern ihr." Sie blieb stehen und stemmte die Hände in die Hüften. „Sag mir nur eins, Remus, bevor ich dich wieder in unser Haus lasse. Hast du vor, noch einmal zu verschwinden und sie im Stich zu lassen? Denn wenn das so ist, dann weiß ich nicht, ob ich dich reinlassen kann."
Er biss sich auf die Lippe und schüttelte nach einem langen Moment den Kopf. „Ich … nein. Nein, das hab ich nicht vor. Ich hab mit Harry gesprochen und er hat mir klar gemacht, wie dumm das von mir war. Ich mache diesen Fehler nicht noch einmal, versprochen."
Andromeda schaute ihn prüfend an, aber er schien es ernst zu meinen. Sie nickte zufrieden. „In Ordnung. Den Rest könnt ihr alleine klären." Sie flüsterte ihm ihre Adresse zu und marschierte dann voraus zurück ins Haus, das jetzt auch Remus betreten konnte. Kingsley hatte wirklich ganze Arbeit geleistet mit den neuen Schutzzaubern.
Nymphadora brach in Tränen aus, als sie Remus durch die Tür kommen sah und fiel ihm um den Hals, bevor er nur ein Wort herausbrachte. Andromeda tätschelte ihr im Vorbeigehen den Rücken und zog sich dann in ihr Schlafzimmer zurück, um die beiden nicht zu stören. Sie schickte einen Patronus zu Ted, um ihm zu sagen, dass ihr Schwiegersohn wieder da war und es hoffentlich auch bleiben würde und nahm sich dann einen dicken Liebesroman, den sie schon während des ersten Krieges gelesen hatte. Die Geschichte war nicht sonderlich tiefgründig und schrecklich kitschig, aber am Ende gab es ein Happy End für alle Beteiligten und das war alles, was sie sich wünschte. Jetzt, wo Remus wieder da war, waren sie einem Happy End wenigstens ein kleines bisschen nähergekommen.
Die gedrückte Stimmung, die sich seit Remus' Weggang im Haus breitgemacht hatte, wurde wieder ein wenig besser. Remus war geschockt zu hören, dass Ted geflohen war, um dem Ministerium zu entkommen.
„Ich wusste, dass er muggelstämmig war, natürlich wusste ich das, aber ich war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich vergessen habe, was das für ihn bedeuten muss", sagte er voller Selbstvorwürfe. „Vielleicht sollte ich gar nicht hier sein, wenn sie noch einmal kommen -"
„NEIN!", rief Nymphadora entschieden und umklammerte seinen Arm. „Nein! Kingsley hat gesagt, sie haben nicht das Recht, ständig hier aufzutauchen, nachdem sie sich versichert haben, dass Dad wirklich nicht mehr hier wohnt. Und wir haben so viele Schutzzauber auf dem Haus, dass sie es wahrscheinlich gar nicht mehr könnten. Außerdem hast du Zauberer als Vorfahren und von Werwölfen war in den neuen Reformen nie die Rede und du bleibst verdammt noch mal hier, Remus! Du kannst meinetwegen eine Tasche haben, wenn du fliehen musst, aber das wirst du verdammt noch mal erst tun, wenn es wirklich zum Äußersten kommen muss und nicht vorher!"
„Aber an Vollmond muss ich trotzdem -", wandte er ein. Soweit Andromeda wusste, gab es ein völlig unberührtes Waldstück irgendwo in Schottland, wo nie jemand hinkam und wo er sich immer verwandelte, ohne jemanden zu gefährden.
„Mum kann den Wolfsbanntrank brauen", fiel ihm Nymphadora ins Wort. Andromeda schaute sie überrascht an. Diesen Trank hatte sie noch nie gebraut. Sie war sehr gut in Zaubertränke gewesen, als Heilerin war das eine Voraussetzung. Aber der Wolfsbanntrank war nicht gerade einfach und abgesehen davon …
„Ich hab doch gar nicht die nötigen Zutaten", protestierte sie.
„Ich hab den Großteil schon vor einer Weile besorgt und Arthur kann uns den Rest beschaffen und mit der Post schicken", erwiderte Nymphadora. „Ich hab ihn gestern kontaktiert und er ist schon ganz wild darauf, zur Post zu gehen." Sie lachte. „Wenigstens hat er seine Begeisterung für Muggel nicht verloren. Das mag ich am liebsten an ihm."
Andromeda seufzte. „Na schön, dann brau ich euch diesen Trank. Aber sollte was schief gehen -"
„Keine Sorge, Andromeda, das letzte, was ich will, ist euch in Gefahr bringen. Im schlimmsten Fall gehe ich wieder in den Wald, das hat noch jedes Mal geklappt", versicherte ihr Remus sofort.
„Ja, aber beim letzten Mal haben sich noch nicht hinter jedem Baum Todesser versteckt", widersprach Nymphadora. „Außerdem, Dad kann nicht der Einzige sein, der vorsorglich abgehauen ist. Wahrscheinlich gibt es einen ganzen Haufen muggelstämmige Hexen und Zauberer in den Wäldern, wenn sie nicht in der Muggelwelt untergetaucht sind oder das Land verlassen haben. Merlin sei Dank sind Harry, Hermine und Ron im Grimmauldplatz untergekommen."
Andromeda war überrascht gewesen, als Remus erzählt hatte, dass er die drei in Sirius' altem Haus getroffen hatte, aber da sie bisher noch nicht aufgeflogen waren, war es vielleicht doch kein so schlechtes Versteck. Weiß der Teufel, warum Snape das Hauptquartier noch nicht hatte auffliegen lassen.
„Und sie haben dir wirklich nicht gesagt, was Dumbledore ihnen aufgetragen hat?", fragte Nymphadora ungläubig. „Gerade jetzt können sie doch jede Hilfe gebrauchen. Und der Orden wäre froh, etwas Konkretes tun zu können. Wir verlieren immer mehr Insider im Ministerium und wie das dieses Jahr in Hogwarts laufen wird …"
Remus zuckte mit den Schultern. „Harry hat gesagt, dass Dumbledore die drei um Verschwiegenheit gebeten hat und sich geweigert, das Versprechen zu brechen." Er seufzte. „Aber sie scheinen einen Plan zu haben, um gegen Ihr-wisst-schon-wen vorzugehen und wir sollten einen Weg finden, das auch zu tun." Er trank einen Schluck Tee und seine Augen leuchteten auf. „Da fällt mir ein, bei Bills Hochzeit habe ich Fred und George gehört, die beiden haben überlegt, ob sie eventuell mit Lee Jordan einen geheimen Radiosender gründen, um die wichtigen Nachrichten zu verbreiten. Fudge hat ja zu Genüge bewiesen, dass man dem Propheten nicht trauen kann und jetzt verbreitet er ja wieder nur Propaganda. Lovegood versucht zwar, mit dem Klitterer zu kontern, wenn man nach der neuesten Ausgabe gehen kann, aber wer weiß, wie lange sie ihn das noch machen lassen."
„Das klingt gut", nickte Andromeda. „Ich erinnere mich noch, wie schrecklich das beim letzten Mal gewesen ist, wir wussten nie, welche Nachrichten stimmen und haben von vielem erst Wochen oder Monate später erfahren."
„Und Lee ist wirklich gut, ganz Hogwarts war sehr zufrieden, wie er die Quidditchspiele immer kommentiert hat", fügte Remus hinzu. „Er war eigentlich immer eine Stimme, der man vertraut hat."
„Sollten die Jungs das wirklich aufziehen, dann sollten sie auch Leute vom Orden haben. Kingsley würde bestimmt mitmachen, wenn es seine Zeit erlaubt. Und du auch, als Lehrer kannst du die Sachen gut erklären", erwiderte Nymphadora begeistert.
Remus nickte. „Ich werde sehen, ob ich mit den Jungs Kontakt aufnehmen und ihnen helfen kann." Er nahm Nymphadoras Hand und strich ihr über den Handrücken. „Solange das alles sicher ist. Eure Sicherheit geht vor." Nymphadora strahlte ihn an. Ihre bonbonrosa Haare wurden knallpink und sie küsste Remus überschwänglich.
Andromeda stand vom Frühstückstisch auf und ging seufzend in die Küche. Es tat gut, dass ihre Tochter wieder glücklicher war und es tat gut, Pläne zu schmieden, um die Situation wenigstens ein bisschen zu verbessern. Trotzdem hätte sie sich so viel besser gefühlt, wenn Ted an ihrer Seite gewesen wäre. Seit sie an Teenager gewesen war, war er bei ihr gewesen und es war ein merkwürdiges Gefühl, jetzt ohne ihn durch die Welt zu gehen. Sie wusste, dass sie es schaffen würde, aber sie wollte nicht. Doch Remus war auch wieder da, also bestand vielleicht doch noch Hoffnung, dass Ted am Ende dieser schrecklichen Zeit wohlbehalten wieder zu ihr zurückkommen würde. Er war immerhin ein fähiger Auror.
Sie hörte Nymphadora lachen und konnte sehen, wie Remus zärtlich eine Hand auf ihren Bauch legte. Wenigstens hatte ihre Tochter ihren Mann wieder. Das war besser als nichts.
Die nächsten Wochen und Monate waren gleichzeitig ereignisreich und fühlten sich an wie ein schrecklicher Stillstand. Voldemort weitete seine Macht weiter aus. Alle Muggelstämmigen waren entweder untergetaucht oder in Askaban, keiner außer seine Sympathisanten trauten sich guten Gewissens auf die Straße. In fast jedem Tagespropheten wurde von dem Tod von Gegnern des Regimes berichtet. In Hogwarts unterrichteten mehrere Todesser und hatten angefangen, die Kinder, die sich wehrten, zu foltern, um so deren Eltern draußen unter Kontrolle zu bringen. Molly war zutiefst entsetzt gewesen, dass Ginny anscheinend in Snapes Büro eingebrochen war. Molly war im Allgemeinen ein komplettes Nervenbündel. Percy sprach immer noch nicht mit der Familie und arbeitete weiterhin als Assistent für den Minister, der Letzte, der von Ron gehört hatte, war Remus gewesen, und Bill und Fleur waren so genervt von Molly gewesen, dass sie ihr verboten hatten, bei ihnen zuhause vorbeizuschauen. Fred und George arbeiteten fieberhaft an Produkten zur Verteidigung gegen die dunklen Künste, die sie umsonst an alle Mitglieder des Ordens verteilten und waren kurz davor, mit Lee das erste Mal auf Sendung zu gehen. Es war etwas erschwerend, weil sie vorhatten, sich jedes Mal an einem anderen Ort zu treffen und so wenig Regelmäßigkeit wie möglich aufkommen zu lassen, damit das Ministerium sie nicht fand. Remus war als erster Gast geplant und konnte es kaum erwarten, endlich wieder etwas Nützliches zu tun, wie er sagte.
Zeitgleich war es zuhause schrecklich langweilig. Nymphadora und Remus verließen nur für ihre Arztbesuche das Haus, während Andromeda gar nicht mehr hinausging. Als Metamorphmagus hatte Nymphadora einen enormen Vorteil und sie ging sicher, dass sie jedes Mal völlig anders ausschaute, während sie Remus einfach immer in verschiedene alte Klamotten von Ted steckten und ihm jedes Mal einen anderen Hut aufsetzten. Bisher waren sie noch nicht entdeckt worden, Merlin sei Dank. Mit Nymphadoras Schwangerschaft war glücklicherweise alles in Ordnung, ihre Blutwerte waren so normal, wie sie nur sein konnten und auf den Ultraschallen hatte man nichts Ungewöhnliches feststellen können. Remus traute diesen Neuigkeiten keine Sekunde, aber Andromeda und Nymphadora weigerten sich, sich auch noch darüber Sorgen zu machen. Das Baby war gesund und damit basta.
Andromeda fiel mittlerweile die Decke auf den Kopf. Sie hatte jede Folge von EastEnders gesehen, die sie finden konnte, und angefangen, auf Muggelart zu stricken. Nach drei Monaten sah das Endprodukt sogar wirklich wie ein Pullover aus und sie nahm sich vor, bis zur Geburt ihres Enkelkindes ein paar Babyschuhe gestrickt zu haben, die man tatsächlich so nennen konnte. Außerdem hatte sie eine alte Kamera gefunden und angefangen, einen Haufen Fotos zu schießen, die sie anschließend selbst entwickelte.
„Mum!", beschwerte sich Nymphadora genervt. Sie hatte ein Glas Wasser auf ihrem Babybauch balanciert und war wegen des Blitzes der Kamera so sehr zusammengezuckt, dass das Glas umgefallen war und ihr T-Shirt völlig durchnässt hatte. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs trocknete Andromeda ihre Sachen.
„Was?", fragte sie verständnislos. „Du wirst schon sehen, in ein paar Jahren wirst du froh sein, dass ich so viele Bilder von der Zeit gemacht habe. Dann könnt ihr und das Kind sie euch ständig anschauen und euch darüber amüsieren."
„Ich sehe aus wie ein Wal, davon brauch ich keine Bilder", protestierte Nymphadora halbherzig.
Andromeda schnaubte und betrachtete ihre Tochter von oben bis unten. Das einzige, was bei ihr zunahm, war ihr Bauch, der mittlerweile eine kleine Kugel war. Von hinten konnte man nicht einmal erkennen, dass sie schwanger war. Wenn Andromeda da an ihre eigene Schwangerschaft dachte …
„Wir können uns gerne Bilder von meiner Schwangerschaft anschauen, die deine Aussage widerlegen, mein Schatz." Sie war damals auch nicht begeistert gewesen, dass Ted so viele Bilder gemacht hatte, aber im Nachhinein war sie froh gewesen. Es war schön, ein paar Andenken an diese Zeit zu haben und sich an die schönen Momente zu erinnern. „Außerdem habt ihr schon keine Bilder von eurer Hochzeit, so hat euer Kind wenigstens etwas von der Zeit." Nymphadora verdrehte die Augen. „Du wirst schon sehen, Schatz!", beharrte sie und machte schnell einen Satz rückwärts, als Nymphadora Anstalten machte, ihr die Kamera wegzunehmen.
So ging das immer weiter und ehe sie sich's versahen, war Weihnachten. Andromeda hatte einen kleinen Plastikweihnachtsbaum auf dem Dachboden gefunden, der wohl noch vom letzten Krieg übriggeblieben war. Er brachte wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung in die Bude, auch wenn sie nicht umhinkam, sich wehmütig an letztes Jahr zu erinnern, in dem Ted und sie gemeinsam einen schönen Baum ausgesucht und geschmückt hatten. Jetzt war das einzige, was sie von Ted hatte, ein Patronus gewesen, der ihr hastig frohe Weihnachten gewünscht und ihr versichert hatte, dass es ihm immer noch gut ging und er sich mittlerweile mit einem von Harrys Mitschülern zusammengetan hatte, der ebenfalls auf der Flucht war.
Die Zwillinge und Lee waren schon mehrfach auf Sendung gewesen und hatten großen Anklang gefunden. Lovegood bekam immer mehr Druck vom Ministerium und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er darunter zusammenbrach. Sie wusste, dass der Orden ihm seine Unterstützung angeboten hatte, aber Lovegood war und blieb ein komischer Kauz und hatte keine nennenswerte Unterstützung gewollt.
Molly und Arthur hatten sie eingeladen, im Fuchsbau mit ihnen, Ginny und den Zwillingen zu feiern, aber sie hatten abgelehnt. Sie würden das Haus wirklich nur im Notfall verlassen. Zu ihrer Erleichterung hatte sie den Wolfsbann-Trank ohne größere Probleme brauen können, was es Remus ermöglichte, sich einfach im Wohnzimmer zu verwandeln und niemanden in Gefahr zu bringen. Andromeda fragte sich insgeheim, ob Snape nicht einfach übertrieben hatte, als er Remus ständig daran erinnert hatte, wie aufwendig dieser Trank war und was für einen großen Gefallen er ihm getan hatte.
Und so ging es weiter. Ihnen fiel zuhause die Decke auf den Kopf, aber wenigstens fühlten sie sich so sicher wie es nur ging. Sie hatten sich auf ein warmes Sonnengelb für das Kinderzimmer geeinigt und mittlerweile alle nötigen Möbel zusammen. Nymphadora kaufte nach jedem Arztbesuch ein neues Stofftier, das sie auf die Wickelkommode setzte, und in den Kleiderschrank hatten sie sämtliche Babyklamotten gestopft, die Andromeda hatte. Mittlerweile wussten sie, dass das Baby ein Junge war, und Andromeda hoffte, dass er nicht allzu viel gegen die rosafarbenen Strampelanzüge einzuwenden haben würde. Sie hatte versucht, sie hellblau zu färben, aber das hatte nur dazu geführt, dass sie jetzt aussahen, als hätten sie Masern.
Doch an diesem Tag war Andromeda ganz aus dem Häuschen, weil sie seit Monaten endlich zum ersten Mal wieder vor die Tür konnte. Nymphadora hatte ihren letzten Arzttermin vor der Geburt und Remus hatte sie eigentlich begleiten wollen, hatte aber in letzter Sekunde zugesagt, bei der Sendung von Lee und den Zwillingen aufzutreten, da Kingsley kurzfristig hatte absagen müssen.
Sie hatte sich eine blonde Perücke aufgesetzt und einen großen schwarzweiß gepunkteten Strandhut, den Ted ihr einmal zum Spaß geschenkt hatte. Nymphadora hatte sich zwanzig Jahre älter gemacht und schwarze Haare, die ihr bis zur Hüfte reichten. Ihren ausladenden Bauch konnte sie leider nicht verstecken, aber für den kurzen Weg zum Arzt würde es reichen.
Andromeda und sie gingen so rasch wie möglich zur Praxis und achteten penibel darauf, dass sie nicht verfolgt wurden. Trotzdem war es herrlich, endlich mal wieder an der frischen Luft zu sein und andere Menschen zu sehen. Im Wartezimmer kam sie mit einer anderen werdenden Großmutter ins Gespräch und sie tauschten sich über die besten Strickmuster für Babysachen aus. Ihr stiegen Tränen in die Augen, als sie beim Ultraschall dabei sein durfte und sehen konnte, wie ihr Enkelkind sich bewegte und fröhlich strampelte. Der Arzt versicherte ihnen, dass alles gut aussah und einer Hausgeburt nichts im Weg stehen würde. Nymphadora steckte glücklich das neueste Bild ihres Babys ein und dann machten sie sich vorsichtig auf den Heimweg.
„Ich glaube wirklich, dass du darüber nachdenken solltest, dir die Haare blond zu färben, Mum", sagte Nymphadora lachend, als sie sah, wie sich Andromeda sofort, nachdem sie das Haus betraten, die Perücke vom Kopf riss. Sie hatte ganz vergessen, wie kratzig die Dinger sein konnten.
„Auf gar keinen Fall werde ich jemals blond werden!", widersprach sie vehement. „Du kannst deine Haare vielleicht verändern, wie du willst, aber mir steht blond überhaupt nicht."
„Ich weiß ja nicht, Mum, eine kleine Typveränderung würde dir vielleicht ganz guttun. Stell dir vor, wie überrascht Dad sein wird, wenn er dich mit einer neuen Frisur sieht."
„Es wäre mir schon sehr Recht, wenn mein Mann mich erkennt, wenn er mich das erste Mal sieht, vielen Dank", protestierte Andromeda und nahm ihrer Tochter den Mantel ab. „Und ich mich auch. Ich will nicht in den Spiegel schauen und eine fremde Person schaut zurück."
„Ich mach das dauernd, das ist nicht schlimm", erwiderte Nymphadora schulterzuckend und warf einen Blick in den Spiegel im Flur. Ihre langen schwarzen Haare zogen sich zurück und wurden zu ihrem gewohnten Kurzhaarschnitt. Sie nahmen eine babyblaue Farbe an. Seit sie wusste, dass sie einen Sohn bekam, trug sie die Farbe immer öfter.
„Jaah, aber du bist das gewohnt. Außerdem kannst du das in Sekundenschnelle ändern, wenn's dich stört. Ich kann es meinen Haaren nicht zumuten, sie dauernd umzufärben, bis ich bei der Farbe angekommen bin, die sie ursprünglich sowieso hatten." Sie kannte sich gut genug, um zu wissen, dass es so kommen würde.
„Wie du meinst. Ich glaube trotzdem, dass es zu dir passen würde."
Sie machten die Wohnzimmertür auf und blieben erstarrt stehen, als sie Remus mit bestürztem Gesicht auf dem Sofa sitzen sahen. Er sprang auf, als er sie sah und eilte zu ihnen.
„Ist alles in Ordnung?", fragte Andromeda sofort besorgt.
„Geht es dir gut?", wollte Nymphadora wissen und schaute ihn von oben bis unten an. „Ist bei der Sendung irgendwas passiert?"
Er schüttelte den Kopf. „Nicht bei der Sendung, nein. Lief alles super. Aber kurz danach haben wir eine Nachricht von Kingsley erhalten. Ein paar Greifer sind gesichtet worden und Kingsley und Arthur haben die Stelle überprüft, sobald sie sicher sein konnten, dass sie weg waren." Er schluckte. „Sie haben Spuren eines Kampfes gefunden und …"
„Und?", fragte Andromeda drängend. Ihre Fingernägel bohrten sich in ihre Handfläche. Sie wusste genau, was kommen würde, aber sie hoffte, dass sie sich täuschte. Bitte mach, dass sie sich täuschte.
Remus atmete tief durch. „Und man hat Tote gefunden. Einen Kobold und …" Er nahm Nymphadoras Hand, die jetzt ununterbrochen den Kopf schüttelte. „Und Ted. Er war wohl sofort tot, Arthur und Kingsley konnten nichts mehr für ihn tun."
„Nein!", rief Nymphadora entsetzt. „Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein!" Remus schloss sie langsam in die Arme, während sie immer und immer wieder „Nein" sagte. Dann fing sie leise an zu schluchzen.
Andromeda ging wie in Trance zum Sofa und ließ sich langsam darauf sinken. Sie hatte gewusst, dass sie Ted nie wiedersehen würde. In dem Moment, in dem er sich dazu entschlossen hatte, zu gehen, hatte sie gewusst, dass es das letzte Mal sein würde, dass sie ihm in die Augen schauen würde. Ihn berühren würde. Seine Stimme hören würde. Sie hatte gehofft, dass ihr Bauchgefühl sich irrte, aber gerechnet hatte sie damit nicht. Und Remus hatte gesagt, dass es einen Kampf gegeben hatte und nur noch ein toter Kobold gefunden worden war. Das hieß, dass zumindest Harrys Mitschüler noch am Leben war, dass Ted gestorben war, als er jemand anderen verteidigt hatte, dass er bis zur letzten Sekunde für das Richtige gekämpft hatte, für eine bessere Welt für sie alle. Mehr konnte sie sich nicht für ihn wünschen. Außer dass er im hohen Alter starb, am besten, nachdem sie schon tot war, umgeben von seinen unzähligen Enkeln und Großenkeln. Jetzt würde er das Baby nie kennen lernen. Er würde es nie im Arm halten können und das Baby würde nie wissen, wie wunderbar sein Großvater war.
Merlin, was sollte ihr denn noch genommen werden? Sie hatte schon den letzten Rest ihrer tolerierbaren Familie verloren. Ihre Arbeit. Ihre Freiheit. Jetzt auch noch ihren Ehemann. Es war nicht fair, es war einfach nicht fair, es war eine absolute Katastrophe und sie hätte Voldemort am liebsten eigenhändig umgebracht. Und wenn er tot wäre, dann würde sie sich Bella vorknöpfen. Jetzt hatte sie endlich, womit sie Andromeda schon vor Jahrzehnten gedroht hatte, und hatte noch nicht mal einen Finger rühren müssen. Wahrscheinlich würde sie vor Freude in die Luft springen, wenn sie davon erfuhr, dass ihr verhasster schlammblütiger Schwager endlich das bekommen hatte, was er verdient hatte, und tot war.
„Mum?" Andromeda hob den Kopf und schaute Nymphadora überrascht an. Sie hatte ganz vergessen, dass sie im Zimmer war. Aus verheulten Augen schaute ihre Tochter sie an. Sie setzte sich neben sie auf das Sofa und umarmte sie so gut es mit ihrem großen Bauch ging. „Es tut mir so leid."
„Ich weiß, Schatz", murmelte Andromeda und legte den Arm um sie. „Ich weiß. Mir auch. Mir auch."
TBC…
Bezug auf andere Geschichte im 10-kleine-Dinge-Universum: Weihnachtliche Momentaufnahmen, Kapitel 4: Remus und Tonks
Guest: Nein, du bist nicht allein damit, diese Parallelen zu sehen. Ich war überrascht, wie viel von der allgemeinen Situation so natürlich in die Geschichte eingeflossen ist und ich hab das sehr bewusst so geschrieben. Aber es ist auch nicht wirklich überraschend, Geschichte wiederholt sich schließlich häufig, ohne das man wirklich daraus lernt und die Bücher haben das sehr gut gezeigt.
