Es vergingen Tage, unerträgliche Tage für Akane. Ranma war ihr aus dem Weg gegangen. Er brauchte Zeit zum Nachdenken. Akane wollte ihm gegen Hitomis Rat, alles erklären. Aber sie kam nicht dazu. Ranma war nicht zu fassen, jedenfalls nicht für sie. Egal wie sie es versuchte, ob während des Essens, im Bad, oder nachts im Bett. Immer wenn sie angelaufen kam, verschwand er spurlos.
Schuldgefühle, Ängste, Trauer, all diese Gefühlte verursachten ihr Krämpfe. Sie konnte nachts nicht mehr ruhig schlafen und sich Tagsüber nicht mehr konzentrieren. Sie war so wütend, wütend auf Hitomi. Weil sie sie zu dem ganzen Schauspiel überredet hat. Wütend auf Nabiki, weil sie ihre Klappe nicht halten konnte. Wütend auf Ranma, weil er das ganze glaubte, weil er nicht da war, da für sie war. Aber die grösste Wut hatte sie auf sich selbst. Weil sie zu Feige gewesen ist, weil sie ihm nicht einfach gesagt hat, das sie ihn liebt.
Hitomi hatte sie noch zu ein paar wenigen Dates überredet. Aber Akane hatte die Kraft verloren, um das glückliche verliebte Mädchen zu spielen. Ausserdem war Ranma sowieso nicht da, um es zu sehen. Also was brachte es überhaupt noch. Sie zwang sich auch heute aus dem Bett, wie in den letzten Tagen. Heute würde Shota vorbeikommen und mit ihr im Dojo trainieren. Sie musste alles vorbereiten. Vor allem sich selbst. Akane hatte schon sehr lange nicht mehr trainiert und sie wollte nicht als totaler Anfänger dastehen.
Sie wusch sich das Gesicht und blickte in den Spiegel. Sie sah nicht mehr wie sie selbst aus. Sie sah müde aus, geschafft, fast schon krank. Sie spritzte sich nochmal kaltes Wasser ins Gesicht und schüttelte sich kräftig durch. Innerlich fing sie an ihr Mantra zu Wiederholen. Ich kann das. Ich schaffe das. Ich bin stark. Sie kam grad von einer verlängerten Joggingrunde und ohne Pause direkt ins Dojo.
Immer wieder schlug sie, trat sie in die Luft. Sie ging ihre Übungen mit voller Kraft durch. Der Schweiss rann nur so an ihr runter. Sie trainierte schon seit Stunden, sogar das Mittagessen hatte sie ausgelassen. Ihre Hände und Füsse waren voller Kratzer und schon ganz rot. Sie atmete sehr schwer und ihre Sicht verschwamm immer wieder. Wenn sie weiter machte, würde sie bald vor Erschöpfung zusammenbrechen.
Doch all das hielt sie nicht ab. Ihr Sturkopf war dicker, als die ganzen schmerzen, die sie körperlich hatte. „Wenn du so weiter machst, verausgabst du dich nur, ohne Fortschritte zu machen" Das kam so plötzlich, das sie ihr Gewicht falsch verlagerte und mit dem Fuss umknickte. Als sie am Boden ankam, verliess sie ihre ganze Kraft. Vor ihr wurde alles Schwarz. Das letzte was sie noch mitbekam, war wie ihr Name gerufen wurde. Immer und immer wieder. Aber sie driftete immer weiter weg. Sie konnte es nicht mehr aufhalten.
Sie spürte etwas Kaltes im Gesicht. Ihr Körper füllte sich Taub an. Noch mit geschlossenen Augen, versuchte sie sich zu bewegen. Vor Schmerz stöhnte sie auf. Jemand griff nach ihrer Hand. Es war ein sanfter Griff. Ihn ihr machte sich wärme breit. Sie wollte die Augen öffnen und sehen wer bei ihr war. Sie kämpfte mit der Dunkelheit. Sie versuchte mit aller Macht aufzuwachen. Schliesslich schaffte sie es, ihre Augen öffneten sich. Ihre Sicht war stark verschwommen, sie konnte nur Umrisse sehen und ihr Kopf schmerzte.
Sie wollte sich aufsetzten, wurde aber von zwei starken Hände, in die Matratze zurückgedrückt. „Du musst liegen bleiben und dich ausruhen" sagte eine sanfte und doch sehr bestimmte Stimme zu ihr. Sie kannte sie. Lächelnd legte sie ihre Hand auf seine, die noch ihre Schulter hielt. „Ranma" murmelte sie glücklich. Er sah verwirrt auf sie runter. Wieso lächelte sie. War froh darüber dass er da war. Gott wieso tat sie ihm das an. Er wollte doch wütend auf sie sein. Sie machte es ihm ziemlich schwer, wenn sie so glücklich aussah.
Er fragte sich wer der grössere Trottel der beiden ist. Er weil er sie nicht vergessen konnte, oder sie weil sie so glücklich über seine Anwesenheit war. Ihre Sicht klärte sich langsam auf. Sie sah in Ranmas wütendes Gesicht. „Du solltest das nicht tun" verwirrt blickte sie zu ihm hoch. „Was?" fragte sie immer noch lächeln. „So hart trainieren, du zerstörst nur deinen Körper damit." Sagte er mit einem sehr grimmigen Blick. „Danke" sagte sie heiser. Es überraschte ihn. Ranma sass auf der Bettkante und sah auf sie runter. „Wofür?" Ihr Kopf war immer noch so benebelt und ihr Mund trocken.
Ihr war gar nicht klar, wie stark sie ihn anstrahlte. „Dafür dass du da bist" sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, um diese zu befeuchten. „Das du dir sorgen, um mich machst" ergänzte sie. Ihm klappte die Kinnlade runter. Hatte sie das wirklich gesagt. Er stand auf und wollte gehen. Plötzlich bekam sie ihre ganze Kraft zurück. Sie wollte nicht dass er geht. Sie sprang auf und wollte ihm hinterher. Was sich als grosser Fehler herausstellte. Alles um sie herum fing an sich zu drehen und ihre Beine gaben nach.
Wenn Ranma sie nicht aufgefangen hätte wäre sie gestürzt. „Ich hab doch gesagt, du solltest liegen bleiben" sagte er zornig. „Wieso machst du nie das, was man dir sagt" Sie klammerte sich zitternd an sein Hemd „Nicht gehen" war alles was sie raus bekam. Sie konnte die Tränen nicht unterdrücken und klammerte sich nur noch fester an ihm. „Bitte, verlass mich nicht" schluchzte sie. Und dann war sie schon wieder weg. Ihr Körper erschlaffte. Er hob sie schnell hoch in seine Arme. Ranma legte sie aufs Bett und sah ihre schlafende Gestalt an.
Sie war so klein, so zierlich. Er verspürte das Bedürfnis sie zu beschützen. Sie in seine Arme zu ziehen und nie wieder loszulassen. Er beugte sich ein wenig näher und wischte ihr die Tränen vom Gesicht. Die waren für ihn, sie hatte für ihn geweint. Nein, um ihn. Akane wollte nicht das er sie verliess. Er muste Lachen. Denn er wusste nicht wie er sonst reagieren sollte. Sie verwirrte ihn Total. Was wollte sie von ihm, was erwartete sie. Das sie mit diesem Lackaffen ausgeht und wenn sie nach Hause kommt, das Ranma auf sie wartet.
Sie konnte sie nicht beide haben. Er nahm ihre Hand. Was wenn sie ihn liebte, ihn immer geliebt hatte. Was wenn sie versuchte hatte das zu vergessen und nur mit dem Affen ausging, um sich abzulenken. Ranma fragte sich, wie sehr er sie wohl verletzt hatte, durch seine Aktionen. Am liebsten hätte er sich zu ihr gelegt und sie in den Arm genommen, aber das konnte er nicht. Er konnte nicht ständig um sie sein und dann zusehen wie sie in die Arme dieses Mistkerls ging. Er liess ihre Hand los und verliess das Zimmer.
Er verspürte einen Stich ins Herz, als er an ihre Worte dachte. Als sie ein wenig später aufwachte, wusste sie nichts mehr von der Szene. Die sich vorher abgespielt hatte. Ihr Kopf schmerzte. Aber das war nicht das schlimmste. Ihr ganzer Körper tat ihr weh. Alle ihre Muskeln füllten sich an, als würden sie gleich reissen. Mit aller Kraft zog sie sich aus dem Bett und stolperte ins Badezimmer. Ein heisses Bad, würde ihr sicher guttun. Sie fragte sich wie sie überhaupt in ihr Zimmer gekommen war.
Sie erinnerte sich nur noch, wie sie im Dojo ohnmächtig geworden war. Mehr ging nicht, in ihrem Gehirn rauschte es nur noch. Vielleicht hatte Kasumi, oder ihr Paps sie gefunden und rauf gebracht. Als sie sich ins heisse Wasser gleiten liess, war das wie Erlösung für sie. Wohlig seufzte sie. Zum glück würde Shota erst um fünf kommen, somit hatte sie noch genug Zeit, sich zu erholen.
Nach einer ganzen Stunde im Bad und ein paar Kopfschmerztabletten, lief sie durch Haus und wieder Richtung Dojo. Sie wunderte sich, das es so still war. „Wo sind denn nur alle" sagte sie zu sich selbst. Kasumi hätte sie doch in dem Zustand nie allein gelassen. Es war schon ziemlich Komisch.
Wieder im Dojo, liess sie es langsamer angehen. Sie wollte sich nicht mehr zu sehr auspowern, bevor Shota kommt. Sonst hätte das alles keinen Sinn. Sie ging grad eine Schlagabfolge durch, als sie Schritte hörte und die Tür aufgerissen wurde. „Sag mal, du tust nie was man dir sagt" wurde sie zornig angefahren.
