III.
Sie hatten die Sirene eingesperrt, was aber vermutlich vor allem deswegen von Erfolg gekrönt gewesen war, weil sie es zugelassen hatte. Seline war verdächtig kooperativ, das musste einfach bedeuten, dass sie etwas Böses plante, davon war Caroline überzeugt. Vor allem auch, weil sie offensichtlich eine Lügnerin war – Stefan hatte einen Blick auf sie geworfen und erklärt, dass er sie noch niemals zuvor in seinen Leben gesehen hatte, und sie glaubte ihm. Er hätte keinen Grund zu lügen.
Bonnie hatte sich die gabelartige Waffe, die ihnen übergeben worden war, näher angesehen und bestätigt, dass das Artefakt von Magie erfüllt war, und nun versuchte sie mit ein paar Sprüchen mehr darüber herauszufinden. Nora und Mary Louise hatten ihr ursprünglich dabei helfen wollen, doch es hatte sich gezeigt, dass dieses Ding ihnen irgendwie zu schaden schien. Sie ertrugen seine Nähe nicht, und das kam Caroline wiederum erneut verdächtig vor, denn warum sollte ein Waffe, die gegen Sirenen helfen sollte, Magiesaugern schaden? Und noch dazu befand sich so eine Waffe im gleichen Haus wie ihre Kinder! Oh, nein, dieser Seline war eindeutig nicht zu trauen.
Was aber nicht hieß, dass sie sich deswegen weniger Sorgen um Matt machte, den sie immer noch nicht hatte erreichen können. Sie hatte ihm dutzende Nachrichten auf seiner Mailbox hinterlassen, aber er hatte sie nicht zurückgerufen, und nun betete sie, dass es dafür irgendeine andere Erklärung gab als „hat Besuch von einer Sirene erhalten".
Sie hatte die angeblich gute Sirene im Keller eingesperrt, und berieten nun darüber wie der nächste Schritt aussehen sollte.
„Wieso muss ausgerechnet ich Donovan retten?", beschwerte sich Damon über die Freisprechfunktion ihres Handys, „Er hat mich aus meiner Heimat verbannt, schon vergessen?!"
„Weil du am nächsten dran bin bist, Damon, deswegen", meinte Bonnie geduldig, „Jeremy ist auf dem Weg, aber bis er ankommt, dauert es noch. Du kannst Virginia bei der Waffenkammer absetzen und dann weiter nach Mystic Falls fahren. Wir müssen einfach mehr darüber erfahren mit wem wir es zu tun haben."
„Und genau deswegen wollte ich mit der weniger verrückten St. John Schwester zur Waffenkammer fahren und über die Sirenen recherchieren", gab Damon zurück, „Ich wüsste nicht, was Donovan beitragen könnte, das uns dabei hilft herauszufinden wie man mit ihnen fertig wird."
„Matt könnte in Gefahr sein", warf Stefan ein, „Offenbar hat einer seiner Vorfahren diese magische Glocke gegossen, und er gehört zu den wenigen Menschen, die sie auf die Art bedienen können, auf die Sybil sie benutzen will."
„Hat euch die andere Sirene verraten. Die, die angeblich schon seit mehr als 130 Jahren frei herumläuft, behauptete dich zu kennen, obwohl du dich nicht an sie erinnern kannst, und die euch eine seltsame Gabel als Friedensgeschenk gebracht hat, auf die Magiesauger irgendwie allergisch reagieren", rief ihnen Damons Stimme in Erinnerung, „Virginia sagt, dass diese Dinger ihre Opfer geistig beeinflussen können. Was mich angeht ist jedes Wort, das ihren Mund verlässt, eine Lüge."
„Das Risiko können wir aber nicht eingehen", behauptete Stefan.
„Und wenn ich Virginia alleine lasse, dann setzte ich sie einer erneuten Sirenen-Attacke aus", gab Damon zurück.
„Alex war diejenige, die hinter ihr her war, und nicht die eingesperrte Sirene", warf Enzo ein, „Für mich hört sich das alles nach einer Racheaktion an. Die andere Sirene hat keinen Grund Virginia etwas antun zu wollen. Ich an ihrer Stelle würde mir eher den Bauch vollschlagen und meine neugewonnene Freiheit genießen."
„Du kannst sie ja mitnehmen", meinte Bonnie.
„Und sie der Sirene gleich auf dem Silbertablett servieren, falls diese doch hinter Donovan her ist? Ich denke nicht", gab Damon zurück.
„Denk daran, was Elena von dir erwarten würde", meldete sich Caroline zu Wort, „Sie war bereit zu sterben um Matts Leben zu retten. Er ist ihr wichtig. Wenn du recht hast, und er nicht in Gefahr bist, dann verlierst du höchstens ein paar Stunde, danach kannst du immer noch zur Waffenkammer fahren."
Damon gab ein leidendes Geräusch von sich. „Na gut, aber wenn Donovan mich pfählt, weil ich es gewagt habe in Mystic Falls aufzutauchen, dann geht das auf eure Kappe", betonte er, und dann hatte er auch schon wieder aufgelegt.
„Damit wäre Matt abgehackt", stellte Bonnie fest, „Aber was tun wir anderen jetzt?"
Alle blickten zu der geschlossenen Türe hinüber, hinter der sich die Sirene befand. „Ich werde mit ihr sprechen", beschloss Stefan.
„Dann komme ich mit dir", verkündete Caroline schnell, „Damit sie deinen Geist nicht beeinflussen kann."
„Wenn ihr beide dort hineingeht, kann sie eure beiden Geister beeinfluss", gab Enzo zu bedenken.
„Nehmt die verdammte Gabel mit", schlug Nora vor, „Dann solltet ihr vor ihr geschützt sein. Und je weiter sie von uns weg ist, desto besser. Von dem Ding bekomme ich Kopfschmerzen."
„Sie schützt nur, wenn man sie einsetzt. Und da wir nicht wissen wie man sie einsetzt, ist sie uns keine große Hilfe", widersprach Bonnie.
Alle seufzten. „Sie wird mir nichts tun, immerhin wollte sie sich mit all dem an mich wenden", beharrte Stefan, „Mit oder ohne Gabel. Ich werde mit ihr sprechen."
„Und was dann?", wollte Tyler wissen, „Angenommen sie sagt die Wahrheit, dieses Ding ist eine Waffe, ihre Schwester sucht diese geheimnisvolle Glocke, und die Schläge von dieser lassen den Teufel auf die Erde los. Wie hilft uns dieses Wissen dabei die böse Sirene aufzuhalten? Wie finden wir die überhaupt?"
Das waren alles berechtigte Fragen, auf die im Moment keiner eine Antwort zu haben schien. „War das früher leichter oder bilde ich mir das nur ein?", wollte Caroline wissen.
„Was uns fehlen sind Informationen", meinte Alaric, „Deswegen ist Virginias Trip zur Waffenkammer so wichtig. Wenn sie die Sirenen im 18. Jahrhundert eingesperrt haben, dann müssen sie das aus guten Gründen getan haben. Sie müssen mehr über die Ziele der Sirenen gewusst haben, und darüber wie man sie aufhält." Er sah einen Moment lang hinüber zum Kinderzimmer. „Ich werde hinfahren müssen", fuhr er fort, „Ich will es nicht, aber…"
„… du hast am meisten Erfahrung mit der Recherche zu übernatürlichen Fragen", stimmte ihm Caroline zu, „Ist schon in Ordnung, ich passe auf die Babys auf, bis du wieder zurück bist."
„Da mein Passwort noch aktuell ist, komme ich wohl mit", meinte Enzo.
Bonnie nickte. „Einverstanden. Ihr fahrt zur Waffenkammer, Damon übernimmt Matt, Stefan verhört die Sirene, und ich versuche herauszufinden wie man dieses Ding hier benutzt." Sie schwenkte die Gabel gut sichtbar durch den Raum. „Das kann nicht so schwer sein. Wenn es also Waffe gedacht ist, dann müsste jeder in der Lage sein es zu benutzen."
„Und der Rest von uns bewacht die Babys und die Sirene?", vermutete Nora, „Es hat mehr Spaß gemacht die Hochzeit zu planen als diese Pläne hier zu schmieden."
„Was ist mit einem Lokalisierungszauber?", wollte Tyler wissen, „Wenn ihr einen Teil von der anderen Sirene verwenden würdet …."
Mary Louise schüttelte den Kopf. „Sie sind nicht blutsverwandt, zumindest behauptet sie das. Und waren über 130 Jahre lang getrennt voneinander unterwegs, wir können nichts finden, von dem wir nichts haben. Und Valerie schirmt sich von unseren Zaubern ab. Warum auch immer", erklärte sie, „Wir können im Moment nicht mehr tun."
Und das war wirklich das Frustrierendste an der ganzen Sache. Dass sie, solange sie nicht mehr wussten, nichts tun konnten, während diese Sirene frei herumlief, Valerie und wer wusste wen sonst noch aller versklavt und verschleppt hatte, und Böses plante. Und scheinbar nicht nur Böses um üblichen Ausmaß sondern wirklich böses Böses.
Vielleicht war das ja auch einer der Gründe warum Caroline hoffte, dass Seline log, weil sie nicht wollte, dass das wirklich der Fall war. Weil sie wollte, dass Enzo recht hatte und die Sirene einfach nur ihre Freiheit genoss. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass Seline hier nicht aufgetaucht wäre, wenn nicht zumindest irgendetwas an ihrer Geschichte dran wäre. Ob sie es nun wahrhaben wollte oder nicht.
Ich tue das hier für Penny, rief sich Matt in Erinnerung, Und ich schulde diesem Mann rein gar nichts. Es war nicht so, dass er niemals zuvor mit dem Gedanken gespielt hatte seinen Vater zu suchen, es war nur so, dass er diese Idee bisher immer wieder verworfen hatte. Aus offensichtlichen Gründen. Ein Mann, der seine schwangere Freundin, die bereits ein Kind von ihm hatte, sitzen ließ, war nicht gerade das, was man als Vorbild bezeichnete. Matt hatte sich in all den Jahren mit Erfolg eingeredet, dass seine Familie ohne seinen Erzeuger besser dran war. Dass alles Schlimme, was ihnen jemals widerfahren war, letztlich auf ihn zurückzuführen sein musste. Er war es gewesen, der Kelly Donovan gebrochen hatte, der ihr die Fähigkeit genommen hatte auf gesunde Weise zu lieben. Das war Grund genug nicht in sein Gesicht blicken zu wollen.
Trotzdem, ein verräterischer Teil von Matt hatte immer gewartet, gehofft und gewartet, dass er eines Tages zurückkommen würde. Einmal hatte er den Fehler gemacht diesen Gedanken seiner Mutter anzuvertrauen, die daraufhin nur schmerzerfüllt geseufzt und „Oh, Mattie" gesagt hatte, in diesem Tonfall, der Matt sagte, dass er in einer vollkommen anderen Realität lebte als sie. Also hatte er nachher nie wieder etwas in diese Richtung erwähnt. Aber ein Teil von ihm hatte trotzdem gewartet.
Aber sein Vater war niemals zurückgekommen, nicht mal als Vicki gestorben war. Und damals hatte Matt beschlossen, dass jemand, den es nicht einmal interessierte, ob seine Kinder lebten oder starben, es nicht wert war, dass man sich über ihn Gedanken machte.
Also ja, er schuldete Peter Maxwell gar nichts, und wenn es nötig war ihn an dieses Wesen zu übergeben um Pennys Leben zu retten, dann würde er es tun, ohne zu zögern. Denn Penny war es wert, dass man sich über sie Gedanken machte, und sie sollte nicht für die Fehler eines anderen bezahlen müssen, niemand sollte das müssen. Also würde Matt alles tun, was nötig war, um sie zu retten. Das war das Mindeste, was er ihr schuldete.
Ja, er war sich durchaus der Ironie bewusst, dass er alle Vampire aus seinem Leben verbannt hatte, damit er nicht mehr ständig benutzt und erpresst wurde und zu Dingen gezwungen wurde, die er nicht tun wollte, und dass er sich jetzt auch ohne sie trotzdem in genau derselben Situation wiederfand, in die er nie wieder hatte geraten wollen, und das nur wegen seiner eigenen Herkunft. Diese neueste Krise hatte er nicht Damon oder Stefan zu verdanken, nein, er hatte sie seinem überaus menschlichen Vater zu verdanken.
Und nein, ich wünschte nicht, dass sie jetzt hier wären um mir zu helfen. Ich brauche sie nicht, ich komme alleine zurecht. Nur dass er nicht alleine war, nicht wirklich, nicht wahr?
Die Autotüre öffnete sich, und Sybil nahm neben ihm Platz. Sie schenkte ihm ein Lächeln, das offensichtlich süß wirken sollte, ihm in Wahrheit aber nur falsch erschien. „Das hatte ich nötig", erklärte sie.
Matt deutete auf seinen rechten Mundwinkel. „Du hast da noch etwas ….", murmelte er.
„Oh?" Sie wischte sich das Stück Fleisch vom Mund. „Danke für den Hinweis."
Ein Stück Fleisch … Matt wollte nicht darüber nachdenken, um was für eine Art Fleisch es sich handelte.
„Ach, mach nicht so ein Gesicht. Wenn es dich tröstet, es war ein wirklich böser Mann. Ich töte nur böse Menschen, Matt. Und sorge so dafür, dass sie trotzdem für irgendetwas gut sind. Ich schicke ihre Seelen zu jemandem, der sie gut gebrauchen kann", meinte Sybil, „Und so gewinnen alle. Die Welt ist diese Menschen los, und zugleich waren sie trotzdem noch zu etwas Nutze."
Matt umklammerte das Lenkrad seines Polizeiautos fester, als er das hörte. Doch er sagte nichts dazu.
Sybil musterte ihn von der Seite. „Du bist keine sehr unterhaltsame Begleitung", meinte sie und schüttelte ihre dunkle Mähne, „Wie auch immer, laut Valeries Ortungszauber befindet sich dein Vater hier in dieser Stadt. Es sollte dir keine Probleme bereiten ihn zu finden. Soll ich dich begleiten, oder schaffst du es alleine ihn zu mir zu bringen?"
„Ich brauche keinen Babysitter, ich weiß was ich zu tun habe", erwiderte Matt gepresst.
„Gut, denn ich habe keine Lust dir auf Schritt und Tritt zu folgen. Das ist anstrengend. Und kaum amüsant. Also, finde deinen Vater, finde heraus, was er mit der Glocke gemacht hat, und bring dann beide zu mir. Und dann bekommst du Penny in einem Stück zurück", erklärte Sybil gespielt liebenswürdig, „Nimm dir ruhig ein wenig Zeit um deinen Erzeuger näher kennenzulernen. Es eilt ja nicht. Aber lass dir auch nicht zu viel Zeit. Denn wenn ich ungeduldig werden sollte … nun dann werde ich Valerie dazu überreden müssen die gute Penny zu kosten, wenn du verstehst was ich meine." Sie klopfte Matt jovial auf die Schulter. „Also dann, viel Glück, und bis bald", meinte sie noch, und stieg dann aus seinem Wagen aus und spazierte davon.
Matt sah ihr einen Moment lang hinterher und spielte dabei mit dem Gedanken sie einfach niederzufahren. Aber er nahm nicht an, dass er damit Erfolg gehabt hätte. Vermutlich würde sie das nicht umbringen, sondern nur wütend machen. Und eine wütende Sybil bedeutete eine tote Penny.
Also schluckte er seinen hilflosen Zorn herunter und fuhr in die entgegengesetzte Richtung davon. Er wollte seinen Wagen zuerst noch abstellen. Wenn er mit dem Polizeiauto auftauchte, würde das seinem Vater am Ende noch verschrecken. Und es war sowieso schon alles kompliziert genug.
Ich bin kein guter Spion. Wie genau soll ich das anstellen? Hingehen und sagen: „Hey, Dad, ich bin es, dein Sohn Matt, was hat du in den letzten Jahren so getrieben, und übrigens was wurde aus der Glocke, die deine Vorfahren angefertigt haben?" Nein, so wird das nicht klappen. Vermutlich hatte Sybil das damit gemeint, als sie gesagt hatte, dass er sich Zeit nehmen sollte. Er sollte zuerst das Vertrauen von seinem Vater erringen, und dann vorsichtig nach dem Verbleib der Glocke nachforschen.
Matt machte sich bereit auszusteigen, und zuckte dann erschrocken zusammen, als wieder jemand die Türe zu seinem Wagen öffnete und sich neben ihn an auf den Beifahrersitz setzte.
„Wenn du willst, kannst du verdammt schwer zu finden sein, Donovan."
„Damon?" Matt fragte sich einen Moment lang, ob er träumte. Wenn das hier ein Alptraum war, dann würde das viel erklären.
„Lass den Pflock stecken, ich bin nicht hier um Ärger zu machen. Es ist nur so: du hebst dein Handy nicht ab, und Caroline, du kennst sie ja, macht sich Sorgen. Seit sie Mutter geworden ist, macht sie sich noch mehr Sorgen als vorher. Es ist, wenn wir ehrlich sind, mitunter verdammt anstrengend. Aber wie auch immer, es ist nämlich so, dass du möglicherweise in Gefahr sein könntest, weil du von der Maxwell-Familie abstammst. Das stimmt doch hoffentlich, oder? Weil, wenn es nicht stimmt und Lockwood sich irrt, dann war nicht nur Carolines Sorge umsonst, sondern auch meine Suche nach dir vollkommen überflüssig. Also, um es kurz zu machen: deine Freunde von der Waffenkammer hatten ein übernatürliches Wesen, eine Sirene, in ihren Keller eingesperrt, das entkommen ist, und nun möglicherweise auf der Suche nach den Erben der Maxwell-Blutlinie und einem magischen Gegenstand ist, der aussieht wie eine Glocke – oder tatsächlich eine Glocke ist, so sicher weiß ich das nicht – und von deiner Familie angefertigt wurde. Ich bin nur hier um dich zu warnen. Betrachte dich also als gewarnt", sprudelte Damon in genervten Tonfall los, „Das war's auch schon wieder." Er machte Anstalten wieder auszusteigen.
Möglicherweise fühlte sich so ein Schlaganfall an. Er ist gekommen um mich zu warnen. Die Absurdität dieser Situation entging ihm nicht. Eigentlich war ihm danach in Tränen auszubrechen. Stattdessen lachte er.
Damon starrte ihn ungläubig an. „Wirklich? Jahre lang bist du auf keinen einzigen meiner Witze eingegangen, aber das findest du jetzt lustig?", empörte er sich, „Ich versichere dir, das ist kein Scherz. Diese Sirene gibt es wirklich, sie frisst Menschen, ich meine wirklich mit Haut und Haar, hat hypnotische Kräfte und lange Krallen, die sich nicht gerade angenehm anfühlen. Du solltest meine Warnung lieber ernst nehmen."
Matt lachte noch lauter. Dann verstummte er. Damon sah ihn fragend an. Matt wagte es nicht ihn anzusehen, denn ansonsten würde er vermutlich noch einmal zu lachen beginnen. Stattdessen starrte er ins Nichts.
Ein Teil von ihm wollte es einfach dabei belassen, wollte Damon wieder weggehen lassen, so tun als wäre alles in Ordnung und einfach weitermachen. Das war der Teil von ihm, der in den letzten Monaten gemeinsam mit Penny Mystic Falls und Umgebung von Vampiren gesäubert hatte. Der Teil, der das Gefühl hatte die Kontrolle zu haben. Doch er war klug genug um zu erkennen, dass ihn jede Art von Kontrolle entglitten war.
„Sie hat Penny", erklärte er tonlos, „Sie hat Valerie in ihren Bann geschlagen, und die beiden halten Penny als Geisel. Sie wollen, dass ich ihnen diese Glocke bringe. Da ich aber keine Ahnung habe wo sie ist, hat sie mich hierher geschickt damit ich meinen Vater finden und ihn danach frage."
Damon erwiderte einen Moment lang nichts. „Okay, unsensibel wie ich nun mal bin, muss ich dich das fragen: Wer ist diese Penny? Ist das deine Cop-Freundin?", erkundigte er sich dann.
„Ja, Damon, das ist meine Cop-Freundin", gab Matt müde zurück.
„Okay, ich wollte nur sicher gehen, dass es eine große Tragödie wäre, wenn wir sie sterben lassen", verteidigte sich der Vampir und brachte Matt so dazu schon wieder zu bereuen, dass er ihm überhaupt gesagt hatte was los war. Sein erster Instinkt war richtig gewesen, er war ohne den Vampir eindeutig besser dran! Wütend stieg er aus dem Wagen aus.
„Jetzt warte doch mal, Donovan. Hab ich gesagt, dass ich dir nicht helfe? Nein, das habe ich nicht. Und dabei hast du noch nicht einmal gefragt", beschwerte sich Damon, der ebenfalls ausstieg „Du kannst von mir nicht erwarten, dass ich auf dem Laufenden bin, was dein langweiliges Leben betrifft. Du hast uns alle aus der Stadt verjagt, wie du dich vielleicht noch erinnerst, und davor hatte ich alle Hände voll zu tun mit einen mörderischen Vampirjägerin, die meinen Bruder umbringen wollte. Es ist ja nicht so als seien wir Facebook-Freunde. Und wenn Caroline anfängt über dich zu reden, dann driften meine Gedanken automatisch immer zu interessanteren Dingen ab."
Matt hielt inne und funkelte Damon feindselig an. „Ja, Damon, es wäre eine sehr große Tragödie, wenn wir sie sterben lassen. Um sie zu retten bin ich sogar bereit das Leben meines Vaters gegen sie einzutauschen, okay? Ist dir jetzt klar wie wichtig sie für mich ist?!", zischte er den Vampir an, „Oder hast du noch andere Fragen?"
„Eigentlich nur warum sie dich dazu erpressen muss zu tun was sie will. Warum hat sie dich nicht auch einfach in ihren Bann geschlagen so wie Valerie?", wollte der Salvatore-Bruder daraufhin wissen.
Matt seufzte. „Offensichtlich funktioniert das bei mir nicht", erklärte er unangenehm berührt.
„Oh, sieh an. Donovan, da kennen wir uns schon so lange Zeit, und ich dachte all die Jahre immer, dass du einfach nur ein wirklich uninteressanter Typ Mensch bist, den Gott beim Ausgeben der Lebensfreude übersehen hat, aber jetzt stellt sich heraus, dass du doch etwas Besonderes bist. Willkommen im Club der Vampire, Hexen, Werwölfe, Ex-Vampire, Ex-Jäger, Doppelgänger, Ex-Urvampire, Ex-Hybriden, ehemaliger Geister, Anker zur Anderen Seite, und Nicht-Mehr-Verstorbenen, du Sirenen-Immuner", erklärte Damon daraufhin beeindruckt. „Nach all der langen Zeit bist du endlich einmal nützlich."
„Davon habe ich aber nichts", meinte Matt nur, „Ich bin trotzdem hier und muss tun, was sie von mir verlangt."
„Ja, aber nur weil sie etwas gegen dich in der Hand hat. … Dein Vater müsste auch immun sein, ja? Und wenn er weiß wo diese Glocke ist …." Matt ahnte schon worauf das hinauslief.
„Vergiss es, Damon. Wir müssen Penny retten, aber wenn das nicht so wäre, dann würde ich ihn in das alles nicht einmal mit hineinziehen", erklärte er schnell, „Er mag ein Scheißkerl sein, aber er ist immer noch mein Vater."
Damon warf ihm einen tadelnden Blick zu. „Wolltest du ihn vor fünf Minuten nicht noch gegen deine Freundin eintauschen? Und jetzt bin ich der Böse, weil ich das, was er zu bieten hat, im Kampf gegen die Sirene nützen will?", meinte er nicht ganz unrichtig, „Wie auch immer, entspann dich. Du und dein alter Herr, ihr seid durch diese kleine Info eben zu den wichtigsten Menschen auf dieser Welt geworden, Donovan. Dein Vater wird vielleicht in all das hineingezogen, aber er ist womöglich auch unsere beste Chance das alles zu überstehen. Also … wo genau finden wir ihn?"
Und damit war er wieder dort angekommen, wo er gewesen war, als Damon aufgetaucht war, nicht wahr?
Die Sirene sah eigentlich ganz harmlos aus. Von Klauen und Zähnen war nichts zu sehen. Und nichts an ihr erinnerte an Damons Beschreibung der durchgedrehten Alex St. John. Sie war eigentlich sogar ganz nett anzusehen, sie war attraktiv und wirkte sympathisch. Und trotz all dem konnte Stefan sich nicht daran erinnern sie vor dem heutigen Tag getroffen zu haben.
Caroline folgte ihn in den Keller hinunter, und blieb dann einem schützenden Schatten gleich hinter ihm.
„Stefan", stellte die Sirene fest, „Ich bin froh, dass du mit mir reden willst."
Stefan musterte sie nachdenklich. Aber nein, nichts regte sich in seinem Gedächtnis. Er kannte sie einfach nicht. „Warum behauptest du mich zu kennen?", wollte er wissen.
„Weil ich dich kenne. Wir haben uns vor langer Zeit getroffen", erklärte die Sirene.
„Daran kann ich mich aber nicht erinnern", erklärte Stefan.
Die Sirene, Seline, nickte. „Weil ich die Erinnerung an unsere Begegnung aus deinem Gedächtnis gelöscht habe", erklärte sie, „Das ist eine der Fähigkeiten unserer Art, wir können das Erinnerungsvermögen von anderen manipulieren. Du kannst dich vielleicht nicht mehr daran erinnern, aber ich war da in Monterey, damals 1917."
Das war keiner seiner besten Momente. Und fiel in eine Zeit, an die sich Stefan sowieso nur noch vage erinnern konnte. Er hatte sich damals in einer wirklich schlimmen Ripper-Phase befunden, sogar Klaus war von seiner Blutrünstigkeit jener Zeit beeindruckt gewesen. Hatte ihn, als er ihn kennengelernt hatte, als den berühmte Ripper von Monterey bezeichnet. Und wenn man bedachte, dass Stefan sich auch über Jahrzehnte hinweg nicht an seine Bekanntschaft mit Klaus und Rebekah hatte erinnern können, nun dann sollte es ihn nicht überraschen, dass er sich auch nicht daran erinnern konnte Seline getroffen zu haben. Offenbar hatten mächtige übernatürliche Wesen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerne an seinem Gedächtnis herumgespielt.
„Das war kein Moment meines Lebens, auf den ich besonders stolz bin", sagte Stefan, „Es wundert mich, dass er dich dazu veranlasst haben soll dein ganzes Leben zu ändern."
Seline nickte. „Um ehrlich zu sein, war es ein furchtbarer Moment. Was du getan hast … Ich werde es niemals vergessen. Ich dachte, du musst ein Monster sein, schlimmer als alle anderen. Natürlich wolltest du auch mich töten, du hattest ja keine Ahnung wen du vor dir hast. Ich war bereit dich zu töten, für deine Sünden zu bestrafen und zu meinem Meister zu schicken. Siehst du, er sammelt böse Seelen. Und ich töte nur böse Wesen. Ich wollte dich töten, so wie du mich töten wolltest. Aber dann … habe ich in deine Seele gesehen und habe dort nicht das vorgefunden, was ich erwartet habe", erzählte sie, „Ich sah in dir kein Monster, das Freude an Tod und Zerstörung hat. Ich sah Schuld und Reue in dir. Selbsthass. Ich sah jemanden, der sich an jedes einzelne seiner Opfer erinnern will, aber nicht um damit anzugeben, sondern um niemals zu vergessen, was er getan hat. Aber das konntest du nicht, es waren zu viele, du konntest dich nicht an jeden von ihnen erinnern, aber du wolltest es trotzdem. Ich habe gesehen, wie du deine Liste geschrieben hast, dich dabei beobachtet wie du leidest. Und da wurde mir klar, dass wenn ein Wesen wie du, das so unaussprechliche Dinge getan hat, wie du sie getan hast, seine Taten bereuen kann, dass es dann vielleicht auch immer noch Hoffnung für mich gibt. Dass ich meine Taten vielleicht auch bereuen kann. Dass meine Taten nicht automatisch bedeuten müssen, dass ich ein vollkommenes Monster bin. Ich dachte mir, wenn du Reue empfinden kannst, und dich ändern willst und es besser machen willst, dann kann ich das ebenso. Du hast mein Leben verändert, Stefan, weil mir durch die Begegnung mit dir klar wurde, dass Gut und Böse nicht so einfach einzuteilen sind, wie ich es in den Jahrtausenden zuvor immer angenommen habe. Dass nicht jeder der Böses tut, automatisch böse sein muss. Du konntest all das tun und trotzdem nicht böse sein. Das musste etwas zu bedeuten haben. Und seit dem habe ich dich beobachtet, ich habe gesehen wie du um das Gute in dir gekämpft hast, wie du versucht hast Wiedergutmachung zu leisten. Und ich habe es keinen Moment lang bereut dich damals verschont zu haben.
Und habe versucht das Böse in mir zu bekämpfen, so wie du das Böse in dir bekämpfst. Und deswegen wusste ich, dass ich zu dir kommen kann, dass du mir helfen würdest meine Schwester aufzuhalten. Weil du dieses tiefe Bedürfnis nach Wiedergutmachung empfindest. Und alles tun würdest um deine Sünden irgendwie wieder aufzuwiegen. Genau wie ich. Denn siehst du, Sybil ist meine größte Sünde. Da sie nur meinetwegen zu dem Monster wurde, das sie heute ist. Deswegen liegt es auch in meiner Verantwortung alles zu tun, was ich kann um sie aufzuhalten."
„Was meinst du damit?", wollte Caroline wissen, und Stefan war ihr dankbar für diesen Einwurf, denn so sehr er sich nicht an Seline erinnern konnte, das was sie so eben gesagt hatte, wie sie ihn soeben beschrieben hatte, das bestätigte, dass sie ihn tatsächlich kannte, dass sie ihn tatsächlich verstand. Allerdings kann sie Gedanken manipulieren und offenbar auch lesen, also könnte sie all das auch einfach aus mir heraus gelesen haben. Jetzt gerade.
Er wollte nicht den Fehler machen ihr zu glauben, nur weil sie in sein Inneres sehen konnte.
Seline sah Caroline mit einem seltsamen Blick an. Fast so als wäre Stefans Freundin für sie eine Art Eindringling in diese Unterhaltung. „Ihr müsst verstehen, dass Sybil und ich früher Menschen waren. Wir waren keine Hexen wie eure Freundin Bonnie, doch wir besaßen die Gabe der Psyche. Wir waren Medien, Hellseher, nennt es wie ihr wollt – schon damals konnten wir anderen in die Seele blicken und die Wahrnehmung anderer manipulieren. Dafür wurden wir verbannt. Wir hätten auf einer einsamen Insel zusammen sterben sollen, doch wir erhielten uns gegenseitig am Leben, wurden zu Schwestern. Doch dann …. dann ging uns das Essen aus.
Sybil war bereit zu sterben, ich war es nicht. Ich war nicht bereit sie sterben zu lassen. Zunächst verführte ich sie zum Kannibalismus. Und dann als sie erkannte, was sie getan hatte, wollte sie sich das Leben nehmen, doch ich ging einen Pakt mit Cade ein – dem ersten Menschen mit der Gabe der Psyche, dessen Tod eine eigene Dimension erschuf, in der er nach seinem Dahinscheiden residierte. Cade erkannte uns als seinesgleichen und bot uns das Leben an, wenn wir ihm dienen würden. Ich machte den Deal für uns beide – und so wurden wir zu Sirenen – unsterblichen Wesen, die sich von Menschenfleisch ernähren und Seelen für Cade sammeln, mit denen er seine Jenseitsdimension füllt. Ich war es, die diese Entscheidung für Sybil getroffen hat, und ich war es die sie in der Waffenkammer alleine zurückließ. All ihr Hass und ihre Bitterkeit, für die bin ich verantwortlich. All die Leben, die sie genommen hat und noch nehmen wird, das habe ich ihr ermöglicht", erklärte Seline, und blickte dann Stefan an, „Ich weiß, dass du verstehen kannst, wie es ist, wenn man jemand anderen zu einem Monster gemacht hat, nur weil man nicht ohne diese Person weiterleben wollte."
Stefan tat sein Möglichstes um sich nicht anmerken zu lassen wie sehr sie damit ins Schwarze traf. Natürlich würde die Sirene wissen, was ihre Worte bei ihm bewirkten, aber sie würde auch bemerken, dass er ihr nicht genug vertraute um ihr offen zu zeigen, was er empfand.
Also gut, offenbar sah sie einen verwandten Geist in ihm. Jemanden mit einer ähnlichen Vergangenheit, den sie sich zugleich zum Vorbild nahm – oder zumindest wollte sie, dass er das dachte. Die Enthüllung ihrer Vergangenheit sollte ihn eigentlich vor allem noch misstrauischer machen, doch irgendwie spürte er, dass sie ihm die Wahrheit sagte. Doch woher sollte er wissen, dass sie ihn mit ihren Kräfte – der Gabe der Psyche – nicht nur dahingehend beeinflusste, dass er so empfand?
„Wenn ihr auf einer einsamen Insel war, wie konntet ihr euch da als Kannibalen betätigen?", wollte Caroline wissen.
„Wir lockten Schiffe in ihr Verderben, ließen sie kentern – wir setzten unsere Kräfte dazu ein, durch unsere Stimme", erklärte Seline ohne ihre Augen von Stefan abzuwenden.
„Der Sirenengesang aus den Mythen", erkannte Caroline, „Das ward ihr."
Seline nickte. „Zuerst taten wir es in der Hoffnung die angespülten Vorräte essen zu können, doch dann wollte ich mehr. Ich wollte Rache." Sie wirkte nachdenklich. „Ja, es stimmt, schon bevor wir verwandelt wurden, waren das unsere Fähigkeiten, wir haben sie beibehalten, als wir die Unsterblichkeit geschenkt bekommen haben. Cade machte uns nur stärker und widerstandfähiger. Alles andere – das waren immer unsere Entscheidungen. Selbst das Menschfleisch … wenn wir es nicht essen, dann altern wir. Und unsere wahre Gestalt zeigt sich." Sie schwieg einen Moment lang. „Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht, aber die Wahrheit ist, dass der Hunger oft kaum auszuhalten ist. Und Cade ist ein unerbittlicher Meister. Solange wir ihm dienen, können wir niemals frei sein, und uns niemals dafür entscheiden wirklich aufzuhören. Ich ernähre mich inzwischen hauptsächlich von Leichen, aber Seelen verlangt Cade immer noch von mir, und wenn ich böse Seelen treffe, dann … ist es wie eine Art innerer Zwang, ich kann nicht anders, ich muss ihnen geben, was sie verdient haben."
Jetzt wandte sie ihren Blick endlich von Stefan ab und sah Caroline an. „Letztlich ist das der Grund, warum ich hier bin. Ich will, dass ihr mir dabei helft mich von Cade zu befreien. Ich weiß, dass ich die Stärke in mir habe aufzuhören. Aber das kann ich nur, wenn ich von ihm frei bin. Wenn der innerer Zwang das Böse zu vernichten, ihm Seelen zu darzubringen, verschwunden ist. Ohne Diener ist Cade hilflos. Und ohne Seelenfutter noch mehr. Wenn wir Sybil aufhalten und die Glocke vernichten, die er dazu braucht um sich aus seiner Gefängnisdimension zu befreien, dann wird seine Macht über mich gebrochen sein, und dann bin ich endlich frei."
Caroline nickt Stefan zu, und der warf Seline noch einen vorsichtigen Blick zu und verkündete: „Wir werden darüber nachdenken." Und dann war verließen die beiden Vampire den Keller.
„Ich glaube ihr nicht", verkündete Caroline, „Das alles passt zu gut um wahr zu sein."
„Sie hat sich ehrlich angehört", meinte Stefan.
„Das ist es ja gerade. Sie lügt mit der Wahrheit, sie hat uns genug erzählt was wahr ist um uns dazu zu bringen ihr zu vertrauen, damit sie uns über die Dinge, auf die es wirklich ankommt, belügen kann", erwiderte Caroline, „Ich glaube ihr, dass sie ihre Schwester und diesen Cade loswerden will. Ich weiß noch, als Katherine mich gezwungen hat für sie zu arbeiten, da wollte ich auch nichts mehr als sie endlich loszuwerden. Aber ich bin nicht sicher, ob sie uns die Wahrheit darüber sagt, wie sie das bewerkstelligen will. Wer sagt uns, dass sie nicht einfach nur ihre Rivalin loswerden will und die Glocke dann gegen ihre eigene Freiheit eintauschen möchte? Nein, wir können ihr nicht trauen, davon bin ich überzeugt."
„Aber was wenn sie die Wahrheit sagt, wenn sie sich ändern will und Sybil wirklich nur aufhalten möchte um Wiedergutmachung zu leisten?", wollte Stefan wissen.
Caroline warf ihm einen wissenden Blick zu. „Sie kennt dich, Stefan, kennt deine Gedanken. Sie manipuliert dich damit, dass sie dir Dinge erzählt, die du nachvollziehen kannst, weil du sie ähnlich empfindest. Aber konzentrier dich nicht auf die Gemeinsamkeiten zwischen euch beiden. Konzentrier dich auf die Unterschiede. Du wolltest Damon niemals vernichten, du wolltest ihn nur zur Vernunft bringen. Und keiner von euch hat jemals einen Meister aus einer anderen Dimension gedient, der Seelen gesammelt hat, und euch irgendwie kontrolliert hat. Und Damon konnte sich ändern, er hat dazu nur den richtigen Anstoß gebraucht", erklärte sie, „Nicht zu vergessen, dass keiner von euch beiden vor eurer Verwandlung Menschenblut getrunken hat. Sie hat dir das alles nur erzählt um dich zu manipulieren."
Stefan nickte zustimmend. „Das ist mir klar, Car, aber wenn sie uns mit ihren Kräften dazu bringen könnte ihr zu helfen, warum macht sie sich dann die Mühe dazu es viel komplizierter anzugehen? Warum will sie, dass wir ihr glauben? Ich denke, dass sie die Wahrheit sagt, dass sie sich geändert hat und Sybil aufhalten will", meinte er, „Ich sage nicht, dass wir ihr blind vertrauen sollten oder ihre diese Glocke aushändigen sollen, aber ich weiß, dass wir gemeinsame Gegner haben. Und dass wir die Hilfe von jemanden mit ihrer Macht gut im Kampf gegen diese gebrauchen können."
Carolines Zweifel waren offen aus ihrem Gesicht abzulesen. „Nun, zumindest darauf können wir uns einigen", meinte sie, „Aber wir müssen wirklich vorsichtig mit ihr sein. Dieses Mal müssen wir schlauer sein als all die anderen Male, wenn wir mit jemanden zusammengearbeitet haben, der uns später erst recht betrogen hat. Versprich mir, dass du dich vor ihr in Acht nimmst, Stefan. Versprich mir, dass du nicht auf sie hereinfällst. Glaub mir, egal was du als Ripper getan hast, wenn auch nur die Hälfte von dem stimmt, was sie uns erzählt hat, dann hat sie viel schlimmere Dinge getan über eine viel längere Zeit hinweg. Sie ist nicht wie du, Stefan, das hat sie selbst zugegeben. Sie hat selbst gesagt, dass du nicht böse bist. Aber sie ist es. Versprich nur, dass du das nicht vergisst."
„Ich verspreche es", meinte Stefan ernst. Doch schon als er diese Worte aussprach, wusste er, dass das leichter gesagt als getan sein würde.
A/N: Neben der Tatsache, dass ich den Handlungsstrang nicht offen enden lassen wollte, gibt es zwei weitere Gründe, warum ich mich entschlossen habe den Sirenen-Handlungsstrang doch zu machen, obwohl ich kein sehr großer Fan davon bin. Zum ersten habe ich Seline gebraucht um Stefan offen zu legen und zweitens wollte ich Matt offen legen und rehabilitieren und dafür wollte ich Sybil und ihre Suche nach der Maxwell Glocke und Peter benutzen. Und wenn ich offen legen sage, meine ich nicht das, was die Autoren mit Stefan in Staffel 8 gemacht haben.
Denn die Behauptung, dass Stefan irgendetwas so Unverzeihliches getan hätte, dass er den Tod verdient hätte, ist Unsinn. Ripper zu sein ist so als wäre man Alkoholiker, man hat keine Kontrolle über seine Taten, das Einzige, was man kontrollieren kann, ist was man dagegen tut – und Stefan hat im Laufe seines Lebens oft etwas dagegen getan um zu verhindern, dass er sich als Ripper betätigt. Und diese Metapher stammt nicht mal von mir, sie wurde von der Serie selbst benutzt. Und in der 8. Staffel da war er unter Fremdeinfluss, er hat sich geopfert um die Zwillinge zu retten und seine Taten danach waren nicht aus seinem Freien Willen heraus geboren. Warum also sollte irgendetwas davon unverzeihlich sein? Die Sache ist nur die, dass Stefan das natürlich denkt, aber das ist ähnlich wie die Damon-Sache in Staffel 7, nur weil er das denkt, stimmt es nicht und man sollte es nicht einfach so stehen lassen.
Und das werde ich auch nicht. Trotzdem ist Seline durch ihre scheinbaren Ähnlichkeiten zu Stefan aber ein gutes Mittel um seine Probleme und Ansichten aufzudecken. Deswegen ist sie in dieser Story und gegenüber den Canon auch ein wenig zurückgefahren in ihren Verhalten. Oder tut zumindest so. Das werdet ihr noch genauer erfahren.
Also lange Rede kurzer Sinn: Keine Sorge wegen Monterey, das hier ist ein Fix-It, Stefan muss hier nicht sterben.
Reviews?
