Quidditch im Regen
Nach der ganzen Aufregung um Azraels Schwert verging der September und auch der Oktober wie im Nu. Ich war beschäftigt mit meinen Aufträgen, ein paar Treffen mit meiner Muggel-Freundin Katie und selbst Lucifer war ein paar Mal in meiner Apotheke vorbei gekommen um ein Pläuschchen zu halten. Ich hatte mich natürlich immer sehr gefreut ihn zu sehen, jedoch musste ich zugeben, dass ich selbst ihn in den letzten Wochen etwas gemieden hatte. Mit jedem Augenblick, den ich in seiner Nähe verbrachte, wurden meine Gefühle für ihn stärker und ein gebrochenes Herz schien immer unausweichlicher. Lucifer hatte gemerkt, dass ich ihm etwas aus dem Weg gegangen war und hatte mich sogar darauf angesprochen. Ich tat es natürlich ab und schob es auf die unzähligen schweren Tränke, die ich hätte brauen sollen. Glücklicherweise war auch Lucifer immer sehr beschäftig mit seinem Job als ziviler Berater des L.A.P.D. und seinem Nachtclub, sodass er nicht weiter nachhakte.
Jetzt war es mittlerweile schon Anfang November und endlich erreichte mich Harrys erster Brief aus Hogwarts, auf den ich schon sehnsüchtig gewartet hatte. Ich saß gemütlich auf meinem Sofa im Wohnzimmer, Lio hatte es sich auf meinem Schoß bequem gemacht, und rollte Harrys Brief auseinander.
‚Liebe Sera,
Bei uns in Hogwarts herrscht das Chaos! Dementoren sind auf dem Schulgelände, weil sie nach Sirius Black suchen… der übrigens an Halloween in den Gryffindor-Turm eingebrochen ist! Keine Sorge, mir ist nichts passiert, aber wir mussten dann alle in der Großen Halle in Schlafsäcken schlafen, während die Lehrer das Schloss nach ihm durchsucht haben.
Aber ich schreibe dir eigentlich, weil am siebten November unser erstes Quidditch-Spiel gegen Slytherin stattfinden wird. Ich hab Professor McGonagall gefragt, sie meinte, dass Verwandte das Spiel gerne besuchen dürfen, man soll ihr einfach davor Bescheid geben. Möchtest du vielleicht, wenn du Zeit hast, kommen? Ich würde mich freuen.
Harry'
Eine Flut an Gefühlen durchströmte mich, als ich diesen Brief las. Ich war entsetzt darüber, dass Black es geschafft hatte in Hogwarts einzubrechen… Natürlich, als ehemaliger Rumtreiber wusste er von so einige Geheimgänge, die nicht einmal Filch, der Hausmeister, kannte, aber zumindest Dumbledore als Schulleiter musste doch etwas bemerkt haben! Und Dementoren auf dem Schulgelände? Die Wärter Azkabans, seelsaugend Monster, die einem jedes positive Gefühl entzogen? Super Idee, sie auf ein Gelände voller Kinder und Jugendlicher zu bringen!
Aber auf der anderen Seite war da noch diese unbändige Freude, als ich gelesen hatte, dass Harry mich zu einem Quidditch-Spiel einladen wollte. Selbstverständlich würde ich hingehen, das stand außer Frage. Also schrieb ich Harry sogleich eine Antwort, dass ich am siebten November da sein und alles andere mit Professor McGonagall abklären würde.
Als ich jedoch gerade den Brief zusammenrollen und der schönen braun gefiederten Langstrecken-Eule ans Bein binden wollte, kam ich nochmal ins Straucheln. Ich hatte doch Lucifer versprochen, dass ich ihm die britische Zaubererwelt und Hogwarts auch einmal zeigen würde. Es wäre unfair dieses Versprechen zu brechen, nur weil ich meine eigenen Gefühle nicht im Griff hatte. Also rollte ich seufzend meinen Brief nochmal auf und fügte ein kurzes Postskriptum hinzu, in dem ich Harry erklärte, dass ich einen Freund mitbringen würde, der noch nie ein Quidditch-Spiel gesehen hatte und sich außerdem sehr für Hogwarts interessieren würde. Dann band ich den Brief der erwartungsvollen Eule ans Bein und sie flog durch das geöffnete Fenster davon.
In den folgenden Tagen gab es einiges zu erledigen. Zunächst schrieb ich Lucifer einen kurzen Text via Mobiltelefon (manche Muggelerfindungen waren echt super praktisch!), dass er am sechsten November gegen Mitternacht zu mir kommen sollte .Die Zeitverscheibung nach England war leider von L.A. aus etwas ungünstig, aber mit etwas Jetlag konnte ich leben, wenn ich dafür meinen Bruder Quidditch spielen sehen würde. Ich sagte Lucifer nicht, weshalb er ich ihn um diese kryptische Uhrzeit zu mir eingeladen hatte, der Besuch in England sollte eine Überraschung werden.
Dann musste ich mit Professor McGonagall abklären, dass ich am siebten November mit einem Gast kommen würde, um das Quidditch-Spiel anzusehen. Außerdem musste ich eine Robe für Lucifer besorgen, seine edlen Anzüge würden unter den ganzen eher traditionellen Hexen und Zauberern sehr deutlich auffallen. Die Robe war jedoch schnell aufgetrieben, nachdem ich einen modebewussten Freund aus der Zaubertränke-Schule um Hilfe gebeten hatte. Dieser ließ mir sogar mehrere Roben zur Auswahl zukommen, nachdem ich ihm Lucifers Kleidergeschmack näher beschrieben hatte.
Am sechsten November, pünktlich um kurz vor Mitternacht, war es dann endlich soweit. Lucifer war, wie immer ohne Anklopfen oder sonstige Vorankündigung, in meinem Schlafzimmer gestanden, während ich gerade noch vor dem Spiegel stand und die Falten aus meiner eigenen Robe glättete. Ich hatte mich für eine meiner neuen Roben mit dem aufgestickten Potter-Wappen entschieden. Sie war rauchgrau, hatte einen hochgeschlossenen Kragen und saß am Oberkörper eng an, um dann ab der Taille in einen Bodenlangen lockeren Rock zu fließen.
Als ich nun plötzlich im Spiegel Lucifer hinter mir stehen sah, kreischte ich kurz erschrocken auf und wirbelte dann herum. Lucifer zog nur skeptisch eine Augenbraue hoch, als er mich von oben bis unten begutachtete.
„Hast du etwa irgendein stanistisches Ritual mit mir vor, Liebes? Das würde die Uhrzeit erklären und dein… hexiges Aussehen heute."
Er kam einen Schritt näher, sodass er unmittelbar vor mir stand.
„Nicht, dass ich dafür nicht offen wäre… aber als ich deine Nachricht gelesen hatte, habe ich eigentlich auf andere Aktivitäten gehofft"
Er schenkte mir ein anzügliches Lächeln und seine Augen flammten kurz rot auf. Ich schluckte und versuchte mich zusammen zu reißen.
„Ich hab' dir doch schon so oft gesagt, dass du hier nicht einfach so reinplatzen sollst! Da bekomme ich immer einen halben Herzinfarkt und wir können ja nicht alle unsterblich sein!", zischte ich und versuchte eine verärgerte Miene zu machen.
„Ich würde ja sagen, dass es mir Leid tut, aber das wäre gelogen", erwiderte Lucifer und zuckte elegant mit der Schulter. „Du siehst nunmal niedlich aus, wenn du dich erschreckst."
Ich warf ihm einen bösen Blick zu.
„Wir machen kein statanistisches Ritual und auch keine anderen Aktivitäten." Leider. „Wir gehen nach Schottland, zu meiner alten Zaubereischule. Mein Bruder spielt dort heute Quidditch, dass ist eine Zauberersportart. Es ist ziemlich brutal, es wird dir gefallen."
„Du hast es also nicht vergessen, ich hatte mich schon gewundert, wann du mich endlich mal nach England mitnehmen würdest", sagte Lucifer erfreut. „Nun, ich wäre zwar auch sehr gerne den andern Aktivitäten nachgegangen, aber es gibt ja immer ein nächstes Mal." Er zwinkerte mir zu, sodass ich wieder einmal rot anlief. „Dann auf nach England!"
„Moment", sagte ich und hielt ihn am Arm fest, als er sich gerade schon umdrehen und zur Tür laufen wollte. Überrascht blickte er auf meine Hand auf seinem Jackett-Ärmel und dann wieder zu mir. Blitzartig ließ ich ihn wieder los.
„Du musst dir noch eine Robe aussuchen… Dein Anzug ist zu auffällig. Ich hab diese drei Roben zur Auswahl, zieh dir eine davon einfach über, sie passt sich dann automatisch deinem Körper an."
Im Endeffekt entschied sich Lucifer für eine knöchellange schwarze Robe mit edlen Samtverzierungen und silbernem Besatz.
„Wie seh' ich aus?", fragte er grinsend, als er die Robe angezogen hatte.
Ich musterte sein aristokratisches Gesicht mit den beeindruckenden dunklen Augen und dem schön geschwungenen Mund. Seine Haare saßen, wie immer perfekt, die dunkle Haarpracht war sorgfältig nach hinten gekämmt. Mit der Robe sah er aus wie der Lord einer alten Reinblut-Familie. Nicht mal Lucius Malfoy würde es wagen, seine Stimme gegen ihn zu erheben.
„Unglaublich", flüsterte ich, bevor ich meine Worte aufhalten konnte.
Ein zufriedener Ausdruck trat in Lucifers Gesicht und er kam wieder auf mich zu.
„Das kann ich nur zurück geben", sagte er leise während er mir eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Noch bevor ich auch nur irgendwie auf seine Berührung reagieren konnte, trat er an mir vorbei und fragte: „So, und wie kommen wir jetzt zu der Schule?"
Ich lachte kurz auf und schüttelte den Kopf. Lucifer schaffte es immer so schnell, mich aus der Fassung zu bringen. Dann erklärte ich ihm, dass wir das Flohnetzwerk nutzen und so via Kamin reisen würden. Das war das erste Mal, dass ich Lucifer vollkommen verwirrt aussehen sah, diesen Moment musste ich sorgfältig in meinem Kopf abspeichern. Ich schmunzelte und erklärte ihm, dass er nur das Flohpulver in die Flammen werfen und dann sein Ziel nennen musste. Den Rest würde der Kamin erledigen.
„Schau mir einfach genau zu, es ist wirklich nicht so schwer", sagte ich und nahm eine Handvoll Flohpulver aus der Schachtel auf dem Kamin. Ich warf das Pulver in die Flammen, welche augenblicklich grün wurden. Dann stieg ich in den Kamin und rief laut und deutlich: „Hogwarts, Professor McGonagalls Büro!".
Augenblicklich verschwamm mein Wohnzimmer vor meinen Augen und ich wurde in einen dunklen Strudel gezogen, der allmählich langsamer wurde. Daraufhin wurde ich von einem großen Kamin in einem von Tageslicht durchleuchteten Turmzimmer wortwörtlich ausgespuckt. Ich stolperte auf den purpurroten Teppich vor dem Kamin und versuchte mein Gleichgewicht zu halten. Als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich auf und direkt in das schmunzelnde Gesicht von Professor Minerva McGonagall, Hogwarts-Lehrerin für Verwandlung, die hinter ihrem großen mahagonibraunen Schreibtisch saß. Die ältere Professorin hatte sich seit meiner Schulzeit kaum verändert, die grau-schwarzen Haare waren zu einem strengen Dutt nach hinten gebunden, sie trug immer noch die selbe rechteckige Brille, einen Spitzhut und eine dunkelgrüne Robe mit Schottenmuster.
„Miss Evans, wie schön sie einmal wieder zu sehen!", begrüßte sie mich freundlich.
Noch bevor ich etwas erwidern konnte, loderte das Feuer im Kamin erneut grün auf und Lucifer trat elegant aus dem Kamin (ich wurde direkt etwas neidisch, wie konnte er das bei seinem ersten Mal Reisen via Flohnetzwerk nur schaffen?). Professor McGonagall richtete ihren Blick auf ihn.
„Und Sie müssen wohl Miss Evans' Gast sein. Freut mich, Sie kennenzulernen."
Sie stand von ihrem Schreibtisch auf und streckte Lucifer ihre Hand entgegen, welche dieser sofort ergriff, um ihr einen eleganten Handkuss zu geben.
„Lucifer Morningstar, die Freunde ist ganz meinerseits", entgegnete Lucifer und zu meinem Verwundern konnte ich beobachten, wie Professor McGonagall leicht errötete. Ich meinte, sie „hundertprozentig Slytherin" flüstern zu hören. Tja, wohl selbst die sonst so strenge und korrekte Hexe konnte dem Charme Lucifers nur schwer widerstehen. Ich verdrehte schmunzelnd die Augen.
Nachdem auch ich Professor McGonagall die Hand geschüttelt hatte (allerdings ohne Handkuss), machten wir uns auf zum Quidditch-Feld. Auf den Schulgängen wurden wir von einigen Schülern beobachtete, es war wohl nicht alle Tage der Fall, dass Gäste zu einem Quidditch-Spiel kamen. Besonders die älteren Schülerinnen (und auch einige Schüler) schenkten Lucifer kichernd ihre volle Aufmerksamkeit, was dieser mit einem charmanten Lächeln quittierte. Ich verdrehte abermals die Augen und warf den Schülerinnen einen bösen Blick zu.
Der Gang durch die Schule und zum Quidditch-Feld ließ mich etwas nostalgisch werden. Ich erinnerte mich, als ich in meiner blau-schwarzen Uniform zu den Rawenclaw-Spielen gegangen war und mit meinen Freundinnen Wetten abschloss, wer wohl die meisten Tore schießen würde. Bei dieser Erinnerung konnte ich nicht anders, als zu lächeln. Als ich wieder aufblickte sah ich, dass Lucifer mich mit einem sanften Blick beobachtete. Er griff kurz nach meiner Hand und drückte sie, als mein Blick seinen traf.
„Danke, dass du mich mitgenommen hast, Sera", raunte er mir zu. „Es gibt nicht viel auf dieser Welt, dass ich noch nicht gesehen habe, aber das hier… ist wirklich bemerkenswert". Ich erwiderte den Druck seiner Hand kurz, aber dann ließ er meine Hand zu meinem Bedauern wieder los und schloss zu Professor McGonagall auf, die ein gutes Stück vor uns lief.
Als wir hinaus in die Kälte traten, wurde meine gute Laune etwas gedämpft. Ein wilder Sturm toste um das Schloss herum, Regen peitschte uns ins Gesicht und der Donner brüllte über unseren Köpfen.
„Na toll", stöhnte ich.
„Ach, ist doch nicht so schlimm", entgegnete Lucifer. „Ich finde das sehr atmosphärisch!"
Professor McGonagall führte uns hoch auf die Lehrertribüne, wo wir hinter zwei anderen Lehrern Platz nahmen. Der eine war Professor Flitwick, mein ehemaliger Hauslehrer. Er war leicht zu erkennen an seiner geringen Körpergröße, die er seiner Abstammung von Kobolden zu verdanken hatte. Den anderen kannte ich auf den ersten Blick nicht, auch wenn er mir merkwürdig bekannt vor kam…
Genervt vom Regen zog ich meinen Zauberstab und flüsterte einen Zauber, der das Wasser von meinem Körper abhalten sollte. Dann wandte ich mich an Lucifer und befahl ihm kurz stillzuhalten, um den gleichen Zauber auch bei ihm anwenden zu können. Er nickte mir dankbar zu und öffnete gerade den Mund um etwas zu sagen, da drehte sich Professor Flitwick zu uns um.
„Miss Evans", sagte der kleine Mann. „Hab ich's mir doch gedacht, diese Stimme erkenne ich wieder! Super Zauber, gerade! Sie hatten schon immer Talent für Zauberkünste, aber die Tränke waren ihnen wohl lieber, richtig?" Er kicherte.
„Sie kennen mich doch, Professor", antwortete ich und lächelte den kleinen Halb-Kobold an.
In dem Moment drehte sich auch der Lehrer neben Professor Flitwick um. Ich blickte wie erstarrt in sein Gesicht, welches einige Narben aufwies, die Kratzspuren ähnelten. Seine hellbraunen Augen blickten mich erstaunt an.
„Remus?", flüsterte ich, während dieser überrascht „Sera?" murmelte.
„Das glaub ich jetzt nicht!", entgegnete ich. „Wow, Remus, das ist ja eine Ewigkeit her!"
Remus lachte und erwiderte: „Hätte nicht gedacht, dir hier zu begegnen, Sera! Du hast dich total verändert, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe! Wie geht es dir? Was machen die Tränke?"
In dem Moment spürte ich, wie Lucifer seine Hand auf meinen Oberschenkel legte. Überrascht wandte ich mich ihm zu und sah, dass ein fast besitzergreifend wirkender Ausdruck in sein Gesicht getreten war.
„Möchtest du uns nicht vorstellen, Sera?", fragte er mit sanfter Stimme, während er Remus nicht aus den Augen ließ. Dieser erwiderte Lucifers Blick, seine Augen blitzen kurz gelb auf, bevor er zur Seite sah. Remus war ein Werwolf, sein innerer Wolf musste bei Lucifers gefährlichem Blick wohl den Schwanz eingezogen und ihn zur sofortigen Unterwerfung gezwungen haben.
„Lucifer, sei nett!", zischte ich dem Teufel neben mir zu. Dieser tätschelte nur kurz meinen Oberschenkel und schenkte mir ein unschuldiges Lächeln. Ich seufzte.
„Lucifer, das ist Remus Lupin. Er ist ein guter Freund meines Vaters gewesen. Remus, Lucifer Morningstar, ein Freund von mir aus Amerika."
„Aus Amerika?", fragte Remus etwas verwirrt. „Sie haben doch einen britischen Akzent?"
„Ich bin schon eine sehr lange Zeit nicht mehr in England gewesen", entgegnete Lucifer. „Ich führe alle meine Geschäfte in Amerika und an… anderen Orten", entgegnete Lucifer und seine Augen blitzen bei seinen letzten Worten auf. Remus zuckte beim Anblick des roten Glimmer zurück.
„Lucifer!", zischte ich erneut und rammte diesem meinen Ellenbogen in die Seite. Dieser lachte nur kurz und hob beschwichtigend die Hände.
„Es geht los!", quiekte Professor Flitwick auf einmal. Und tatsächlich flogen die Spieler auf ihren Besen in rot-goldenen und gelb-schwarzen Uniformen in das Stadion.
„Hufflepuff? Harry meinte, dass sie gegen die Slytherins spielen würden", fragte ich verwirrt.
„Sie haben den Gegner kurzfristig verändert, Slytherins Sucher, Draco Malfoy, hat sich wohl am Arm verletzt", meinte Remus, ohne seine Augen vom Spielfeld abzuwenden.
„Die Slytherins wollten einfach bei dem Wetter nicht spielen, das willst du mir wohl damit sagen", entgegnete ich. Remus und auch Professor Flitwick lachten kurz auf.
Durch den Regen war es schwer die einzelnen Spieler zu unterscheiden, trotzdem gab ich mein Bestes, um Lucifer das Spiel zu erklären.
„Siehst du die drei roten Spieler, die sich den Ball hin und her werfen? Das sind die Jäger von Gryffindor, sie versuchen mit dem Quaffel Tore zu schießen. Die Tore sind die Ringe auf den gegenüberliegenden Seiten."
„Die kann man kaum erkennen", meinte Lucifer. „Das sind echt gute Bedingungen für ein Spiel unter freiem Himmel"
„Na ja, das können wir jetzt leider nicht ändern! Wetterzauber sind verboten!", entgegnete ich.
Während ich Lucifer noch weiter die Spielregeln erklärte, sauste eine rot-goldene Gestalt nahe an der Lehrer-Tribüne vorbei und winkte mir kurz zu.
„Das musst Harry gewesen sein!", rief ich aufgeregt. „Er ist der Sucher von Gryffindor, er muss den kleinen goldenen Schnatz fangen. Ist der Schnatz von einem der Sucher gefangen, ist das Spiel beendet!"
„Die Spieler fliegen alle zurück auf den Boden", stellte Lucifer fest. „Aber ich hab nicht gesehen, dass jemand diesen Schnatz gefangen hätte. Brechen sie das Spiel ab?"
Ich schmunzelte. „Quidditch wird niemals abgebrochen. Vermutlich machen sie nur eine Unterbrechung, damit die Teams sich besprechen können".
Und so war es auch, ein paar Minuten später waren alle Spieler wieder in der Luft und das Spiel ging weiter. Gespannt folgte ich dem Balltausch zwischen den Jägern und jubelte, als Gryffindor ein Tor schoss. Lucifer warf mir einen amüsierten Blick zu.
„Was?", entgegnete ich. „Ich muss doch das Team meines Bruders unterstützen!"
„Dann solltest du jetzt lieber mal wieder auf das Spielfeld schauen, ich glaub dein Bruder hat etwas entdeckt!", sagte Lucifer und deutete auf eine rote Gestalt, die auf die Mitte des Spielfelds zu sauste. Auf der anderen Seite sah ich den Hufflepuff-Sucher, der ebenfalls in diese Richtung raste.
Dann geschah etwas seltsames. Die Atmosphäre im Stadion wandelte sich plötzlich um, das aufgeregte Geschrei erstarb. Man hörte nur noch den Regen auf den Boden prasseln und eigentlich war es vollkommen sinnlos, dass ich dieses Spiel hier besuchte… Harry würde mich so oder so nie als seine Schwester akzeptieren… ich hatte ihn zu lange im Stich gelassen… Und wieso hatte ich Lucifer mitgenommen? Er würde mir im Laufe der Zeit nur das Herz brechen… Er spielte in einer ganz anderen Liga als ich… ich war für ihn nichts weiter als eine Belustigung…
„Sera!", riss mich Lucifers tiefe Stimme aus meinen depressiven Gedanken. „Da stimmt was nicht! Da sind Trauer-Dämonen auf dem Feld!"
Er deutete auf den Boden des Spielfelds und ich riss vor Entsetzen den Mund auf. Lauter Dementoren, diese schrecklichen seelsaugende Kreaturen, die das gesamte Glück aus dir heraussagen und dich mit deinen depressivsten Gedanken zurücklassen, strömten in das Stadion hinein. Kein Wunder fühlte ich mich so abscheulich!
Ein greller Aufschrei ließ mich erneut auf die beiden Sucher blicken. Ich sah gerade noch, wie der Hufflepuff-Sucher seine Hand um den kleinen goldenen Schnatz schloss, als mein Blick auch schon von einer roten Gestalt abgelenkt wurde, die auf den Boden zu raste. Ich schlug entsetzt die Hände vor den Mund. Das musste Harry sein, der vom Besen gefallen war! Er war so nah an den Dementoren, wer weiß wie sie ihm zugesetzt hatten! Ich war vor Schreck erstarrt, doch eine Bewegung auf der Lehrertribüne löste mich aus meiner Starre. Ich sah wie Albus Dumbledore, der wohl auch die ganze Zeit hinter uns auf der Tribüne gewesen sein musste, seinen Zauberstab zückte und mit donnernder Stimme rief: „Arresto Momentum!"
Harrys Fall wurde augenblicklich verlangsamt und endlich konnte ich mich in Bewegung setzen. Ich raste die Tribüne hinunter und auf das Spielfeld, auf die bewusstlose Gestalt meines Bruders zu, die langsam von Dementoren umringt wurde.
„Harry!", kreischte ich, als ich ihn erreichte.
Sein Gesicht war blass, die Augen geschlossen, doch sie zuckten hinter den Liedern wild umher. Ich blickte kurz auf und sah, dass die Dementoren immer näher kamen. Ich merkte deutlich, wie sie versuchten, mir alle guten Gedanken zu entziehen, doch in meiner Panik um Harry schien es auch nicht mehr viel Positives in meinem Kopf zu geben. Ich kniete mich neben ihn und legte eine Hand an seine Wange. Der Regen prasselte unerbittlich auf uns nieder, der Abwehrzauber war längst erloschen.
„Harry, wach auf!", fehlte ich und tatsächlich öffneten sich für einen Moment seine Augen und sein grüner Blick traf meinen.
„Mom? Wieso hast du so Angst?", fragte er schwach und wieder entglitt ihm das Bewusstsein. Die Dementoren kamen näher. Überfordert und verängstigt hob ich Harrys dünnen Oberkörper in meinen Schoß und drückte ihn an mich, in der Hoffnung ihn so etwas vor den Dementoren schützen zu können. Dann zückte ich meinen Zauberstab und rief: „Expecto Patronum!"
Meine silberne Hirschkuh schoß aus meinem Zauberstab, doch sie schien kraftlos zu sein. Sie galoppierte eine Runde um uns herum, nur um dann wieder zu verschwinden.
„Das gibts doch nicht! Expecto Patronum!" Diesmal kam nur ein silberner Nebel aus meinem Zauberstab. Frustriert kniff ich die Augen zusammen und versuchte Tränen der Überforderung zu unterdrücken. Wo war Dumbledore? Warum half mir denn keiner?
Und gerade, als ich meinen Oberkörper über Harry beugte, um ihn so gut wie möglich zu schützen, spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich blickte auf und sah Lucifers wütenden rot lodernden Blick. Doch er war nicht auf mich gerichtet, sondern auf die Dementoren, die uns umkreisten.
„Verschwindet!", befahl Lucifer ihnen mit einer tief grollenden Stimme, die so ganz anders war als sein gewöhnlicher verführerischer Bass. „Kehrt zurück in die Hölle und nehmt dort eure Posten ein!"
Einer der Dementoren trat hervor.
„Master", sagte er und verbeugte sich tief vor Lucifer. Seine Stimme klang wie Ketten, die über einen Gruftboden geschleift wurden. „Die Zauberer haben uns befohlen nach einem Gefangenen zu suchen. Wir konnten den Gefühlen nicht widerstehen… wir sind hungrig…"
„Zurück in die Hölle mit euch!", befahl Lucifer erneut und es war erkennbar, dass er keine Widerworte dulden würde. Der Dementor verbeugte sich erneut und löste sich dann auf. Nach und nach verschwanden alle Dementoren um uns herum.
Es war, als hätte jemand einen Schalter umgeknipst. Plötzlich herrschte ein enormer Geräuschpegel um uns herum und das ganze Gryffindor Quidditch-Team raste auf uns zu.
„Jemand muss Harry in den Krankenflügel bringen!", rief ein triefendnasser Junge mit sandblondem Haar.
„Zur Seite!", donnerte da Dumbledores Stimme. Er musste es wohl auch endlich auf das Quidditch-Feld geschafft haben. Die Quidditch-Spieler traten aus dem Weg und Dumbledore kam mit wehender Robe auf Harry, Lucifer und mich zu.
„Lass Harry los, Serafina. Ich beschwöre eine Trage und bringe ihn in den Krankenflügel. Es ist unglaublich, dass die Dementoren es wagten, während des Spieles hervorzukommen!"
Ich stand zitternd auf und bemerkte Lucifers Hand, die noch immer auf meiner Schulter lag. Er zog mich sanft zu sich heran. Ich drückte mich eng an ihn, um wieder etwas Wärme in meinem kalten Körper zu spüren. Er ließ es geschehen uns streichelte mir beruhigend über den Rücken. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre ich errötet und hätte versucht mich wieder von ihm zu lösen, doch ich konnte nichts tun, außer ihm einen dankbaren Blick zuzuwerfen und seine lodernde Wärme aufzusaugen.
Dumbledore hatte Harry mittlerweile auf die Trage gelegt. Er blickte mich streng aus seinen funkelnden blauen Augen an und sagte: „Auf ein Wort in meinem Büro, Serafina. In zehn Minuten."
Dann drehte er sich abrupt um und lief schnellen Schrittes in Richtung des Schlosses, die Trage meines Bruders neben ihm her schwebend. Lucifer hatte gerade den Mund geöffnet, vermutlich um sich über den schroffen Ton des Direktors zu beschweren, als ich ihn unterbrach.
„Lass' gut sein, das ist seine Art". Dann drehte ich mich in seinem Arm, bis ich ihn komplett umarmen konnte.
„Danke, dass du mir geholfen hast. Ich dachte kurz, es sei vorbei, als ich keinen Patronus mehr heraufbeschwören konnte… Es war schrecklich."
„Selbstverständlich, Liebes. Für dich immer. Und jetzt komm, lass uns diesen Schuldirektor zurecht weisen! Das er es wagt in so einem Tonfall mit mir zu sprechen!"
„Ich glaub', er hat eher mit mir geredet", entgegnete ich, doch Lucifer schritt schon mit energischen Schritten Richtung Schloss.
Ein wenig später saßen wir tatsächlich in Dumbledores Büro, auf bequemen Stühlen vor seinem Schreibtisch. Er saß uns gegenüber, hatte die Hände gefaltet und sah uns nachdenklich an. Lucifer erwiderte seinen Blick mit einer Intensität, die jeden anderen Mann schon in die Knie gezwungen hatte. Jedoch nicht Dumbledore. Dieser hatte nicht die Intuition eines Werwolfes und ahnte noch nicht, dass er es nicht mit einem Zauberer zu tun hatte, sondern mit einem viel Größeren, mächtigeren Wesen.
Ich blickte nur stumm auf meine Knie und fühlte mich etwas wie ein junges Schulmädchen, dass in das Büro des Direktors gerufen wurde, nachdem es etwas verbockt hatte.
„Nun, Serafina", begann Dumbledore schließlich. „Möchtest du mir deinen Begleiter nicht vorstellen?"
Ich blickte ihn verwundert an. Ich dachte, er würde mir sofort berichten, wie es Harry geht… Und stattdessen macht er Smalltalk?
„Das ist Lucifer Morningstar, ein Freund aus Amerika. Lucifer, das ist Albus Dumbledore, der Schulleiter hier."
Die beiden machten keine Anstalten sich gegenseitig die Hand zu geben. Sie musterten einander, der dunkle Blick Lucifers traft den strahlend blauen Blick Dumbledores. Teufel gegen Zauberer.
„Beeindruckend, wie Sie mit den Dementoren geredet haben. Nicht viele Sprechen die Sprache der Toten, ich selbst habe viele Jahre gebraucht, um sie zu lernen. Was haben Sie ihnen gesagt, dass sie verschwunden sind?", fragte Dumbledore direkt.
Lucifer grinste teuflisch, ein Lächeln, das zu viele Zähne zeigte und bedrohlich wirkte.
„Oh, ich habe es ihnen einfach befohlen", entgegnete Lucifer gelassen.
Dumbledore zog die Augenbrauen hoch.
„Normalerweise hören sie nur auf den, der sie gerufen hat."
„In gewisser Weise habe ich sie sogar gerufen", sagte Lucifer, immer noch mit einem Lächeln.
„Sie haben sie auf das Feld gerufen?", fragte Dumbledore mit ruhiger Stimme, während sich aber seine Stirn runzelte und so sein Missfallen kundtat.
„Nein", meinte Lucifer mit gelassener Überlegenheit in der Stimme. „Ich habe sie geschaffen. Nützliche kleine Biester, für die Arbeit, die ich verrichte.".
Ich sah ihn erschrocken an und schüttelte so unauffällig wie möglich den Kopf.
„Was meinen Sie damit?", fragte Dumbledore eindringlich.
„Nun, das würde ich gerne beantworten, aber Sera hier möchte meine Identität wohl noch etwas geheim halten".
Ich sah Lucifer ein wenig verärgert an, da er nun Dumbledores Aufmerksamkeit auf mich gelenkt hatte.
Lucifer blickte mich an und sein Lächeln wurde ein wenig sanfter.
„Tut mir Leid, Liebes. Du weißt, ich lüge nicht."
„Professor Dumbledore", sagte ich besänftigend. „Ich weiß, dass heute viele offene Fragen entstanden sind, auch was Lucifer angeht. Aber mein Bruder ohnmächtig vom Besen gefallen! Ich verspreche Ihnen, dass ich alles erklären werde, zu einem passenden Augenblick. Aber nicht jetzt. Jetzt möchte ich einfach meinen Bruder sehen!"
Dumbledore wirkte, als ob er kurz argumentieren wollte. Dann schien er sich eines besseren zu besinnen.
„Das kann ich natürlich nachvollziehen. Jetzt, da du sein Vormund bist, solltest du für ihn da sein".
Er blickte mich streng über den Rand seiner Halbmondbrille an.
Ich blieb stumm und versuchte seinen Blick so ruhig wie möglich zu erwidern, dabei pumpte mein Herz wie verrückt.
„Dir ist aber bewusst, dass Harry trotzdem für einige Zeit im Sommer zu den Dursleys gehen muss? Das ist zu seinem eigenen Schutz, wie du weißt."
„Nein", entgegnete ich sofort. „Nie wieder wird er dort hingehen müssen".
„Ich fürchte, ich muss darauf bestehen", sagte Dumbledore eindringlich.
„Nein, er kommt zu mir!", widersprach ich. „Ich kann ihn auch beschützen, er wird in Amerika sicher sein!"
Dumbledore schüttelte sichtlich enttäuscht den Kopf.
„Das ist keine weise Entscheidung, Serafina".
„Es ist aber meine Entscheidung!", sagte ich entschlossen.
Dumbledore wollte grade erneut zu Widerworten ansetzen, als sich Lucifer mit einer fließenden Bewegung erhob.
„Ich denke Sera sollte jetzt ihren Bruder auf der Krankenstation besuchen gehen. Das verstehen Sie doch, nicht wahr, Direktor?" Er sah Dumbledore auffordernd an.
„Nun, natürlich verstehe ich das, aber ich muss darauf bestehen…", setzte Dumbledore an, doch da trat erneut das feurige Lodern in Lucifers Blick. Man konnte Dumbledore zugute halten, dass er nicht zurückzuckte, jedoch wich ihm die Farbe aus dem Gesicht.
„Natürlich verstehe ich das. Bitte, gehen Sie zum Krankenflügel. Serafina, wir sprechen uns noch."
Ich nickte schnell und stand dann auf.
„Kommst du, Liebes?", fragte Lucifer, der schon zur Tür gelaufen war.
Als wir das Büro verlassen hatten, atmete ich auf.
„Puh, das lief besser als gedacht. Aber du kannst doch nicht immer die Leute einschüchtern, damit sie machen was du willst!"
Ich warf Lucifer einen gespielt bösen Blick zu.
„Nun, es funktioniert nunmal und wie sagt man so schön: Never change a winning system!"
Ein wenig später standen wir vor dem Krankenflügel. Lucifer ließ sich auf einem der Sessel im Wartebereich nieder. Ich sah in fragend an.
„Ich kann nicht gut mit Kindern, vor allem, wenn sie auch noch verletzt sind. Ich werde deinen Bruder bestimmt ein ander' Mal kennenlernen", meinte er schulterzuckend.
„Harry ist doch kein Kind mehr", erwiderte ich, jedoch war ich insgeheim erleichtert, dass er draußen warten wollte. Ein Kennenlernen unter diesen Umständen wäre Harry bestimmt unangenehm gewesen.
Als ich den Krankenflügel betrat, kam mir Harrys klatschnasse Quidditch-Mannschaft gemeinsam mit Ron und Hermine entgegen. Die beiden letzteren nickten mir kurz zu und begaben sich dann zusammen mit den anderen zum Ausgang des Raumes. Ich lief schnellen Schrittes auf das von Harry belegte Bett zu, der trübselig auf seine Bettdecke starrte.
„Harry! Geht es dir gut? Ist alles okay? Tut dir was weh?", fragte ich ihn besorgt.
Er sah von seiner Bettdecke auf und ein leicht belustigter Ausdruck trat in sein Gesicht.
„Mir geht es gut. Abgesehen davon, dass ich das Spiel verloren habe, mein Besen kaputt gegangen ist und ich mich vor meiner Schwester blamiert habe…"
Sein Blick senkte sich erneut.
„Hey! Du hast dich nicht blamiert! Du kannst nichts dafür, dass die Dementoren so eine Auswirkung auf dich haben! Wer viel Schreckliches erlebt hat, hat nunmal auch fürchterliche Erinnerungen…"
Harry schnaubte.
„Aber sonst ist niemand ohnmächtig geworden", erwiderte er trotzig.
„Was denkst du, wie ich mich gefühlt habe, als ich zu dir aufs Feld gerannt bin? Ich konnte nicht einmal mehr einen Schutzzauber sprechen!", widersprach ich ihm mit aufgebrachter Stimme.
„Ron und Hermine haben mir erzählt, dass du sofort aufs Feld gekommen hast und versucht hast mich zu beschützen. Ich erinner mich sogar daran, dich gesehen zu haben… aber ich dachte du wärst Mom. Ich kann ihre Schreie hören, wenn Dementoren in der Nähe sind."
Bestürzt griff ich nach der Hand meines kleinen Bruders.
„Das ist ja fürchterlich! Es tut mir Leid, dass du das immer wieder erneut erleben musst… Ich wünschte, diese blöden Dementoren wären nicht auf dem Schulgelände gewesen. Und alles nur wegen Sirius Black!"
Den letzten Teil des Satzes zischte ich wütend hinter zusammengebissenen Zähnen hervor. Es war schlimm genug, dass Black unsere Eltern verraten hatte, aber jetzt machte er auch noch Harrys Leben hier in Hogwarts zur Hölle!
„Es ist schon okay, Sera", erwiderte dieser, während er meine Hand leicht drückte. „Danke, dass du auf das Feld gekommen bist und mich schützen wolltest."
„Aber, ich war zu schwach, Harry!", entgegnete ich kraftlos. „Ohne Lucifer…"
„Hermine hat erzählt, dass ein mächtiger Zauberer aufs Feld gelaufen kam und alle Dementoren verschwinden lassen hat.", unterbrach Harry mich. „War das dein Freund aus Amerika?"
Er blickte mich mit einem schelmischen Grinsen an.
„Ja, genau, das war Lucifer… er wartet vor dem Krankenflügel auf mich."
„Sicher, dass er nur ein Freund ist?", fragte Harry frech.
Ich errötete und klopfte ihm leicht auf die Finger.
„Das geht dich gar nichts an, junger Mann! Aber im Ernst, wir sind nur Freunde", antwortete ich.
„Na ja, wir können ja froh sein, dass du ihn mitgebracht hast. Heute hat er wohl ganz Hogwarts den Hintern gerettet."
Ich kicherte leise über Harrys Wortwahl und fragte mich, ob ich ihn eigentlich hätte ermahnen müssen. Diese ganze Vormundsache war noch sehr neu für mich.
In diesem Moment kam Poppy Pomfrey, die Heilerin im Krankenflügel, um die Ecken.
„Mr. Potter bracht jetzt Ruhe! Also verabschieden Sie sich von Ihrem Bruder, Miss Evans, und dann nichts wie raus hier!"
Ich verdrehte die Augen über die schroffe Art der Heilerin.
„Du hast gehört was sie gesagt hat", meinte ich schmunzelnd zu Harry. „Ich geh dann jetzt mal. Schreib mir, sooft du kannst!"
„Tschüss, Sera, bis bald. Danke, dass du heute da warst, hat mich trotz allem sehr gefreut", sagte Harry während ich von seiner Bettkante aufstand.
Ich schenkte ihm noch ein kleines Lächeln und winkte ihm zu, dann verließ ich den Krankenflügel.
Ein paar Minuten später stand ich zusammen mit Lucifer erneut in Professor McGonagalls Büro. Wir verabschiedeten uns von der Professorin (in Lucifers Fall natürlich wieder mit Handkuss), dann traten wir die Reise zurück nach Amerika via Kamin an.
Ich stoplerte als erste aus meinem Kamin in meinem Wohnzimmer und wurde dort auch schon freudig von Lio begrüßt, der mir augenblicklich auf den Arm sprang. Einige Sekunden später loderte der Kamin erneut grün auf, und Lucifer trat hervor.
„Ziemlich aufregendes Spiel, dieses Quidditch, nicht wahr?", fragte ich ihn unsicher, während ich Lio etwas nervös über das Fell streichelte.
Lucifer lachte laut auf.
„Aufregend nennst du das? Ein Spiel, bei dem Jugendliche sich gegenseitig vom Besen schmeißen wollen, bei Wind und Wetter, und schließlich noch Trauer-Dämonen auftauchen? Nun, jetzt wo ich so darüber nachdenke, aufregend trifft es tatsächlich ganz gut", erwiderte er mit einem amüsierten Grinsen.
„Dementoren sind Dämonen? Das habe ich mich vorhin schon gefragt, als du das erwähnt hattest"
Lucifer ging auf mich zu, nahm mir Lio aus dem Arm und setzte sich dann mitsamt dem Kater auf mein Sofa. Ich sah ihn verwirrt an. Er klopfte mit seiner freien Hand auf das Polster neben ihm, sodass ich mich schließlich auf der anderen Seite des Sofas niederließ.
„Eure sogenannten Dementoren sind Trauer-Dämonen aus der Hölle. Ich habe sie vor abertausenden Jahren geschaffen, um mir die Arbeit als ‚Bestrafer' etwas zu erleichtern… Die ewigen gequälten Schreie sind auf Dauer etwas öde."
Er zwinkerte mir zu und ich nickte verständnisvoll, als ob ich es überhaupt nicht unglaublich fände, dass er einfach mal so eines der gefürchtetsten Wesen der Zaubererwelt geschaffen hatte.
„Deine Reaktion ist nicht halb so erheiternd, wie ich erwartet hatte", meinte Lucifer etwas enttäuscht. „Ist alles in Ordnung, Liebes?"
Ich seufzte und ließ mich schwer in die Polster des weichen Sofas sinken.
„Das waren ein paar nervenaufreibende Stunden gerade… Ich denke, ich bin einfach ein wenig ausgelaugt."
Ich biss mir auf die Lippe und warf Lucifer dann einen schiefen Blick zu.
„Willst du vielleicht… einen Film mit mir anschauen? So zum entspannen?", fragte ich zögerlich. Er hob eine Augenbraue.
„Weißt du, ich hab mir dieses Gerät gekauft, einen Fernseher, so nennen es die Muggel. Katie hat mir das empfohlen. Na ja, auf jeden Fall kann man da so Filme anschauen, das ist wie bewegte Bilder mit Ton-"
„Ich weiß, was ein Fernseher ist", unterbrach Lucifer meinen Redeschwall belustigt. Dann sah er auf meine Wanduhr, die über besagtem Gerät hing. „Nun, es ist erst fünf Uhr morgens, vor acht Uhr sollte der Detektive mich im L.A.P.D. nicht vermissen. Also los, schauen wir einen Film!"
„Ich hab aber leider nur einen da, es ist Katie Lieblingsfilm. ‚Cast Away' heißt der, kennst du ihn?"
Lucifer schmunzelte.
„Ich glaube fast jeder hier in L.A. hat ‚Cast Away' schon einmal gesehen."
„Oh… ist das dann okay für dich ihn nochmal anzuschauen?", fragte ich vorsichtig.
„Mach ihn einfach an, Liebes", erwiderte Lucifer, immer noch schmunzelnd.
Ich nahm die DVD vorsichtig aus der Hülle und stellte mich dann vor den Fernseher. Verwirrt versuchte ich die DVD immer wieder in das Gerät zu schieben. Aber der Bildschirm wollte sie wohl einfach nicht einsaugen!
Ich hörte Lucifer hinter mir seufzen. Als ich mich zu ihm umdrehte, um ihm zu sagen, dass das alles komplizierter war, als ich gedacht hatte, stockte mir der Atem. Lucifer hatte sich seiner Robe entledigt und auch sein Jackett hatte er ausgezogen. Er saß nun in einer perfekt sitzenden dunklen Anzughose und einem weißen Hemd auf meinem Sofa und sah einfach unverschämt gut aus.
„Ich mach das, Liebes. Setz dich einfach wieder aufs Sofa", meinte er belustigt. „Dafür, dass ihr Hexen so unglaubliche Fähigkeiten von meiner Mutter bekommen habt, seid ihr mit den einfachen Dingen des Lebens schrecklich unbegabt."
Ich schob schmollend die Unterlippe vor und trottete zurück zum Sofa.
Wenig später hatte Lucifer den Film zum Laufen gebracht und sich wieder zu mir gesellt. Lio, der Verräter, hatte natürlich direkt wieder auf seinem Schoß platz genommen. Ich ließ mich wieder tiefer in die Polster sinken, während ich fasziniert das bunte Treiben auf dem Bildschirm beobachtete. Doch schon nach ein paar Minuten des Stillsitzens übermannte mich die Müdigkeit und mein Kopf fiel zur Seite, auf ein äußerst bequemes warmes Kissen. Zufrieden kuschelte ich mich noch etwas enger an mein Kissen, bevor ich wohlig wegdämmerte.
— Lucifers P.O.V. —
Überrascht blickte Lucifer auf die kleine Hexe, die mit einem Mal ihren Kopf auf seine Schulter gelegt hatte und eingeschlafen war. Normalerweise würde er sich selbst fragen, was er wohl falsch gemacht hatte, dass eine Frau in seiner Nähe einfach einschlief. Aber nicht bei Sera. Sera war… anders. Ob das gut oder schlecht für ihn war, hatte Lucifer noch nicht beschlossen. Aber er genoß es, ihr die Röte ins Gesicht zu treiben, mit kleinen Berührungen hier und da und ein paar schmeichelnden Worten. Und insgeheim musste er zugeben, dass auch er selbst die Nähe zu ihr genoß. Sie war erfrischend, wie der Sommerwind, der ein herannahendes Gewitter angekündigte. Sera war freundlich, loyal und intelligent. Noch dazu hatte sie die faszinierendsten grünen Augen, die Lucifer je gesehen hatte. Aber der Teufel steht nur sich selbst nahe, zumindest war das Lucifers Ansicht. Jedes Gefühl, das er für Sera, aber auch für Chloe und Linda und sogar die kleine Trixie aufgebaut hatte, begrub er gekonnt.
Aber wenn er so auf die Hexe niedersah, wie sie auf seiner Brust lag, wie ihre wilden schwarzen Haare einen Kontrast zu seinem weißen Hemd darstellten, wie ihr rosiger Mund leicht geöffnet war und ihre Lippen sich zu einem sanften Lächeln verzogen, da konnte Lucifer nicht anders, als ihr sanft über die Wange zu streichen.
Rechts von sich hörte er ein fast belustigt klingendes Maunzen. Lucifer wandte den Blick ab von der Hexe und sah ihren Kater, der ihn mit einem wissenden Blick anstarrte. Er seufzte und stand in einer eleganten Bewegung vom Sofa auf. Sera gab einen leisen Laut des Protests von sich, wachte aber nicht auf. Lucifer schnappte sein Jackett und wollte sich gerade auf den Weg aus der Wohnung machen, als er erneut das Maunzen des Katers vernahm. Diesmal klang es vorwurfsvoll. Er seufzte abermals und ging noch einmal in das Wohnzimmer zurück, um den Fernseher abzuschalten und die Wolldecke, die am Ende des Sofas lag, über die schlafende Hexe auszubreiten. Nach einem letzten unergründlichen Blick auf Seras schlafendes Gesicht, drehte sich Lucifer endgültig um und verließ schnellen Schrittes die Wohnung.
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Hallo:) Ich hoffe, ihr seid alle gesund und wohlauf! Nach einigen Monaten habe ich nun endlich auch wieder ein neues Kapitel geschrieben. Wie immer möchte ich mich bei allen bedanken, die ein Review geschrieben haben! Außerdem geht mein Dank natürlich noch an jeden, der diese Story favorisiert und zu den Alerts hinzugefügt hat:)
Und zum Schluss: Ich habe einen Twitter-Account eingerichtet, zwalt6
Wenn ihr Fragen, Anregungen, Kritik oder einfach nur Infos haben möchtet, wann die Story weitergeht, könnt ihr mir dort gerne folgen:)
Bis bald und bleibt gesund
Eure Zwalt
