„Nun, mein junger Freund, was sagen Sie dazu?"

Harrar mustert Khalee Lah, der neben ihm steht und die Villip-Konversation mit seinem Vater schweigend verfolgt hat.

„Das ist …", der junge Kommandant ringt nach Worten. „Das hätte ich nie von ihm gedacht."

Harrar amüsiert die nur mühsam in Schach gehaltene Fassungslosigkeit des Sohnes des Kriegsmeisters, aber er verbirgt seine Belustigung hinter einer Maske der Ernsthaftigkeit, denn nichts anderes ist jetzt angebracht und zielführend. „Was hätten Sie nie von ihm gedacht?"

„Das er alles wegwirft, wofür er gekämpft und gelebt hat."

„Hat er das?", fragt Harrar und wendet sich ab, um den Villip zurück in die Nische zu legen, wo dieser schlafenderweise die meiste Zeit seines Kommunikatorenlebens verbringt. „Ist Tsavong Lah nicht immer noch ein Krieger? Will er nicht immer noch, dass unser Volk ein neues Heim findet?"

„Indem er Shimrra verrät? Der Overlord ist die Stimme, in welcher Yun-Yuuzhan zu uns spricht!"

„Sagen Sie mir eines, Khalee Lah. Hat Yun-Yuuzhan es zugelassen, dass wir die Zwillinge fangen?"

Der junge Krieger schüttelt den Kopf.

„Aber er hat Ihnen gewiss geholfen, dass Sie Tenel Ka und unsere Krieger auf Dathomir befreien konnten."

„Das ist unbestreitbar", gibt Khalee Lah zu. „Aber wie geht es denn jetzt weiter? Unser Volk ist gespalten und Shimrra wird Tsavong Lah gewiss stellen und bestrafen."

Harrar geht zum Fenster und macht eine Geste, die dem Kommandanten bedeutet, ihm zu folgen. Draußen strahlt der Stern Coruscants und in seinem Licht verblassen die vielfarbigen Ringe, die die Yuuzhan Vong um den Planeten gelegt haben, den sie jetzt Yuuzhan'tar nennen.

„Dort draußen wird gerade das Schicksal unseres Volkes entschieden, nicht hier auf Yuuzhan'tar", erklärt der Priester. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Shimrra sich entschließen muss, ob er sich dieser Entscheidung beugen oder aber sich bis zu seinem Tod widersetzen wird. Es liegt an Leuten wie uns, dafür zu sorgen, dass dieser Tag schnell heranrückt. Nämlich indem wir das tun, was ordentliche Gäste tun, die gekommen sind, um zu bleiben – so wie es vor kurzem dein Vater getan hat."

Khalee Lahs Maa'its wandern unschlüssig hin und her, dann sieht Harrar etwas in ihnen aufblitzen. „Wir sollen uns Shimrra widersetzen?", fragt ihn der Krieger.

„Jeder von uns wird es auf seine Weise tun", erwidert Harrar. „Ich werde hierbleiben, aber Sie erwartet ein anderes Schicksal."

Khalee Lahs rechte Hand schließt sich zu einer halboffenen Faust. „Sie meinen, ich soll mich meinem Vater anschließen?"

Harrar wendet seinen Blick vom ovalen Fenster seines Edelsteinschiffes ab und schaut seinen Gesprächspartner an. „Ist es das, was Sie wollen, Khalee Lah?"

„Ich werde meinen Vater nicht noch einmal enttäuschen! Das schwöre ich bei …"

Harrar hebt die Hand. „Nicht so stürmisch, Khalee Lah. Bei den Ungläubigen liegen genügend Sprengsätze herum, die auch wirklich funktionieren", er lässt eine Pause, „und das wäre wirklich schade."

„Ich werde nicht versagen, auch wenn es mich anwidert, diese technischen Dinge auch nur anzusehen."

Harrar berührt seinen Oberarm. „Sie haben sich bereits damit befleckt. Schlimmer kann es also nicht werden."

„Wenn mein Vater Recht behält und unser Volk so ein neues Heim erhält, so werde ich meinen Teil dazu beitragen."

Harrar gestattet sich ein Lächeln. „Ein nobles Ziel, aber wie sieht es mit den kleineren Dingen aus, die Sie gerne tun würden?"

Khalee Lah überlegt. Das Thema Tenel Ka hat er abgehakt und sonst fällt ihm nichts ein, was er in der Galaxis nach Shimrras Beseitigung tun würde außer jagen, aber das ist zu trivial – viel zu trivial.

„Wollten Sie nicht einst, dass Tenel Ka auf unserer Seite kämpft?", wagt Harrar einen Vorstoß.

„Aber sie will nichts von mir wissen."

„Das habe ich erstens nicht gefragt. Zweitens sind Sie beide jetzt auf derselben Seite. Und ich bin mir sicher, dass Tenel Ka nur deshalb schweigt, weil sie genauso denkt wie Sie jetzt gerade."

„Woher wollen Sie das wissen?" Khalee Lahs Stimme klingt bei dieser Frage reserviert, aber dem Priester ist nicht entgangen, dass seine gelbe Maa'its ein Stück größer geworden sind.

„Mein junger Freund, wie ich Ihnen eingangs sagte, habe ich diese Angelegenheit mit meinen Vorgesetzten besprochen und geplant. Bislang haben Sie in diesem Plan eine sehr gute Figur abgegeben. Jetzt ist es an der Zeit, dass Sie auch Tenel Ka eine gute Figur machen und ihr zu diesem Zweck etwas mitbringen."

Die Miene des Kommandanten hellt sich sichtbar auf. „Denken Sie, was ich denke und im Sinn habe?"

Harrar nickt. „Ich werde dafür sorgen, dass Nen Yim mit Ihnen kommt."

Khalee Lah sinkt vor dem Priester auf die Knie. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr mich das freut, Priester Harrar. Mögen die Götter stets auf das, was Sie tun, herablächeln und Ihren Bestrebungen ihre Gunst angedeihen lassen, auf dass sie Erfolg zeitigen werden."

Der Priester versteckt seine Verlegenheit über diese Huldigung hinter einem huldvollen Lächeln. „Noch ist Tenel Ka nicht die Ihre, aber mit Yun-Txiins Hilfe wird sie es schon bald sein."

Drei Tage später auf Hapes in einem streng geheimen Labor

„So, das hätten wir", sagt Nen Yim, nachdem sie Ta'a Chume Eizellen entnommen und mit Sperma verschmolzen hat, dessen Herkunft die Königin Mutter streng geheim hält. „Und jetzt setze ich Euch das Ganze wieder ein und Ihr müsst jetzt zwei Stunden in Schieflage mit dem Kopf nach unten verharren, so dass auch alles richtig in der Gebärmutter anwachsen kann."

„Ich danke Ihnen, Meistergestalterin. Es ist schon abartig genug, dass ich in meinem Alter noch ein Kind austrage, aber meine Schwiegertochter …", sie macht eine wegwerfende Handbewegung. „Und Tenel Ka kann ich damit jetzt auch nicht belasten. Also bleibt wieder einmal alles an mir hängen, damit Hapes stark bleibt."

Nen Yim lächelt verschmitzt. „Für's Erste sollen Sie selbst brav hier hängenbleiben, dann sehen wir weiter."

Die Meistergestalterin verlässt das Labor. Vor der Tür steht Prinz Isolder, denn er hat noch eine andere Aufgabe für die Yuuzhan Vong. Mit seinem Speeder bringt er Nen Yim zurück in den königlichen Palast und dort zu seiner todkranken Ehefrau. Teneniel Djo sitzt am Fenster und ihre braunen Augen mit dem markanten Kupferstich schauen glanzlos aus dem Fenster.

„Hallo Liebes", begrüßt Isolder seine Frau.

Keine Reaktion.

„Sie hat viel durchgemacht", erzählt Isolder Nen Yim. „Damals vor einem Jahr wurden bei Fondor drei Viertel der hapanischen Streitkräfte vernichtet."

„Unsere Flotte wurde damals auch stark in Mitleidenschaft gezogen", erwidert die Meistergestalterin.

„Aber meine Frau hat den Verlust so vieler Hapaner derart gespürt, dass sie ihr Kind verloren hat – es sollte unser zweites werden, nachdem Tenel Ka erwachsen geworden ist. Ein Thronerbe."

Nen Yim hebt die Brauen. „Aber Sie haben eine Tochter."

Isolder zuckt mit den Schultern. „Tenel Ka ist nicht am Thron interessiert, sondern pflegt mehr ihr dathomirisches Erbe mütterlicherseits."

„Und so etwas lassen Sie zu?"

„Jeder kann sein Schicksal frei wählen", sagt Isolder. „Ich hatte mich damals für eine Frau von Dathomir entschieden und Sie können sicher sein, dass der Thron von Hapes niemals verwaisen wird, auch wenn es dann nicht mehr meine und Teneniel Djos Kinder sein werden, die auf ihm sitzen."

„Dann müssen Sie Ihre Frau sehr lieben", meint Nen Yim und setzt Blutegel an Teneniel Djos Hals und Unterarm an. Die Tests dauern eine Weile, dann sieht Nen Yim Isolder ernst an.

„Die Kindesverlustdepression hat sie schon lange überwunden", erklärt die Gestalterin, „aber die Ursache ihrer Krankheit ist … Gift!"

„Meine Mutter! Wie konnte sie nur!", entfährt es Isolder.

„Aber Sie sind ihr Ehemann, was immer diese Bezeichnung bedeuten mag", gibt Nen Yim verärgert zurück. „Wie konnten Sie die ganze Zeit über zusehen, wie Ihre Frau leidet? Haben Sie sie nie richtig untersuchen lassen?"

„Doch, doch. Meine Mutter hat regelmäßig einen Arzt vorbeigeschickt", beteuert Isolder, „aber so eine Niedertracht hätte ich ihr dann doch nicht zugetraut."

Nen Yim lässt nicht locker. „Aber wieso hat Tenel Ka als Jedi nichts dergleichen bemerkt? Ihr wart beide die ganze Zeit hier bei ihr! Und da muss erst Priester Harrar kommen und diese finstere Intrige ans Tageslicht bringen."

Isolder faltet schlaff die Hände vor dem Schoß. „Nun ja, der Krieg."

„Ohne den Krieg wären Harrar und ich überhaupt nicht hier", macht Nen Yim auch diese Ausflucht Isolders zunichte.

„Können Sie etwas gegen das Gift tun?"

„Freilich kann ich das", erwidert die Meistergestalterin. „Aber können Sie Ihre Frau in Zukunft auch besser schützen?"

„Ich werde meine Mutter für diesen Verrat zur Verantwortung ziehen", verspricht der Prinzgemahl. „Und das schwöre ich bei allen vierundsechzig Welten von Hapes!"

Nen Yim lächelt. „Schwören Sie mal nicht zu früh, Prinzgemahl, sonst könnten all Ihre vierundsechzig Welten schon bald den Yuuzhan Vong gehören. Und ob ich Sie dann noch vor dem Zorn Ihrer Mutter bewahren kann …?"

„Schon gut. Ich danke Ihnen, Nen Yim … und Priester Harrar werde ich später ebenso danken."

Isolder verlässt die Gestalterin und geht zu seiner Tochter. „Tenel Ka, wie geht es dir?"

„Ich fühle mich etwas alleine. Zunächst ist mir Khalee Lah mit seinem Anhimmeln ziemlich auf die Nerven gegangen, aber seit er vor zwei Monaten abgereist ist, vermisse ich diesen Krieger."

„Nur diesen Krieger, meine Tochter, oder ist da auch noch etwas anderes?"

„Nun, ja", Tenel Ka räuspert sich, „mit dem Horn auf der Stirn könnte Khalee Lah auf Dathomir fast schon als Nachtbruder durchgehen, aber die Nachtbrüder waren ja so von der Dunklen Seite durchseucht. Schwester Augwynne wäre vielleicht irritiert, wenn ich mit so einem beim Clan der Singenden Berge auftauchen würde. Und dann diese gelben Maa'it-Augen."

„Du magst ihn nicht? Immerhin hat er hat dich aus den Fängen der Nachtschwestern befreit und sicher wieder nach Hause gebracht."

Tenel Ka spielt an einem ihrer vier roten Zöpfe herum. „Also ich finde ja, dass Jacen Solo viel besser zu mir passen würde. Ich spüre auch, dass Jacen mich mag."

„Weißt du, Tenel Ka, anfangs wollte auch ich eine andere freien, Jacens Mutter, bevor ich mich dann für deine Mutter entschieden habe. Und Teneniel Djo war anfangs in Luke Skywalker verknallt – glaubst du das? Und dann hat sie, die die Macht so gut beherrscht, doch mich geheiratet – mich, Prinz Isolder, einen völlig machtunsensitiven Mann."

„Vater, was willst du mir damit sagen?"

„Ähm, gar nichts", sagt Isolder und geht.

Tenel Ka zweifelt. Hat ihre umtriebige Großmutter ihren Vater vorbeigeschickt, weil sie wieder jemanden manipulieren will? Jaina Solo an ihrer Stelle hätte Isolder umgehend danach gefragt, aber das mag Tenel Ka ihrem gebeutelten Vater nicht antun. Also schaut sie ratlos aus dem Fenster.

Ein rotgeschuppter Arm taucht urplötzlich vor ihrem Gesicht auf, die vielgliedrigen Finger mit langen, schwarzen Krallen bestückt. Die junge Jedi lässt einen Schrei fahren. Sie ist hier ganz allein in ihrem Zimmer und seit ihr Vater gegangen ist, empfindet Tenel Ka es als drückend still, so dass sie jedes Geräusch eines Eintretens sofort gehört hätte. Aber auch sonst hat sie nichts wahrgenommen. Und genau das ist es, was sie so an Khalee Lah ärgert. Man kann die Yuuzhan Vong einfach nicht in der Macht spüren, um vorgewarnt sein zu können, und das ist ihr unangenehm. Man muss ständig vor ihnen auf der Hut sein, besonders vor versierten Kriegern, die sich nicht nur lautlos von hinten anschleichen, sondern auch noch …

Tenel Ka fährt herum und die türkisfarbene Klinge erwacht zum Leben.

„Überraschung!" Khalee Lah kniet vor ihr nieder und hält ihr den rot geschuppten Unterarm hin.

„Khalee Lah, Sie verdammter Idiot!" schreit Tenel Ka. „Ich hätte Sie töten können!"

„Ich weiß und ich entschuldige mich für mein überraschendes Eindringen."

Auch ohne die Macht weiß Tenel Ka, dass es dem Krieger überhaupt nicht leid tut, sie erneut derart überrumpelt zu haben. Sie schaut auf den rotgeschuppten Arm in Khalee Lahs ebenso bekrallter Hand. Der Arm würde von der Länge her gut an ihren linken Armstumpf passen … aber sie hat allen geschworen, dass es so bleiben möge.

„Tenel Ka, Ich bringe dir dieses Verlobungsgeschenk dar", kommt Khalee Lah zum Zweck seines erneuten Besuchs auf Hapes, „einen Radankarm, so wie ihn auch mein Vater trägt. Das heißt, eigentlich hat mein Vater ein Radankbein an seinem rechten Ellbogen implantiert bekommen, weil seine Arme so dick und so lang sind, dass ein Radankarm zu dünn und zu kurz dafür wäre, aber für dich passt ein Radankarm ganz genau!"

„Ein Verlobungsgeschenk", murmelt Tenel Ka, dann wird ihre Stimme deutlicher. „Das soll also ein Heiratsantrag sein?"

„Ja, ich habe mich über eure Paarungssitten informiert", erklärt Khalee Lah. „So wie dieser Radankarm zu deinem linken Armstumpf passen wird, so wirst auch du zu mir passen, Tenel Ka. Willst du meine Frau werden?"

Tenel Ka überlegt. Sie stellt sich das pikierte Gesicht ihrer Großmutter vor, kann bildhaft vor sich sehen, wie ihr Vater diese Wahl verteidigen wird. Kurz denkt sie an Jacen Solo, aber wirklich nur ganz kurz. „Ja, ich will."

Khalee Lah erhebt sich und schließt Tenel Ka in die Arme. Die Krallen des Radankarms kitzeln dabei ihren Rücken. „Wie gut, dass dieser Tage auch eine Gestalterin hier auf Hapes ist, die den Arm gleich an deinen Oberarm implantieren kann." Seine gelben Maa'its leuchten. „Und dann machen wir Flitterwochen auf Dathomir."

„Aber das habt ihr Yuuzhan Vong doch besetzt." Trotz bemächtigt sich Tenel Kas Stimme. „Ich mag nicht in besetzten Gebieten Flitterwochen machen, auch nicht, wenn uns die Kommandantin großzügigerweise Bewegungsfreiheit einräumen wird, nachdem wir ihre Krieger befreit haben."

„Das hätte ich ja fast vergessen", sagt der Krieger und hält ihr ein Stück Flimsiplast hin. „Hiermit geben die Yuuzhan Vong Dathomir als 64. Welt wieder an das Hapes-Konsortium zurück und du bist dann wieder offiziell die Königin von Dathomir."

„Ich?", wundert sich Tenel Ka.

„… Ach so, also … ich meine … dann deine Mutter …"

Tenel Ka schaut skeptisch drein.

„… oder deine Großmutter", versucht Khalee Lah einen dritten Anlauf.

Tenel Ka lacht. „Nein, die bestimmt nicht."

Mit diesen Worten zieht sie Khalee Lah an sich und gibt ihm einen Kuss.

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Prinz Isolder und Nen Yim stehen am Bett von Teneniel Djo. Die offizielle Königin von Dathomir sitzt und isst von dem Tisch, der sich über das Bett spannt, gerade von den Bliz-Eiern, aus denen ihr ihr Ehemann höchstpersönlich ein Omelett zubereitet hat.

Zärtlich streicht Isolder Teneniel Djo über das rotbraune Haar. „So viel hast du ja schon lange nicht mehr gegessen, Schatz."

Teneniel Djo isst den letzten Bissen Bliz-Omelett. „Und ich habe immer noch Hunger." Mit diesen Worten greift sie nach einem Brötchen.

„Es wird noch etwa zwei Wochen dauern, dann ist Teneniel Djo wieder ganz die Alte", verspricht die Gestalterin dem Ehegatten, der sein Glück immer noch nicht fassen kann.

„Was meinst du, Schatz?", sagt Isolder liebevoll zu seiner Frau, nachdem diese ihr Frühstück beendet hat. „Hast du schon genug Kraft, zu Tenel Ka und ihrem Verlobten zu gehen, um ihnen gute Reise zu wünschen?"

Teneniel Djo erhebt sich. „Ja, das werde ich schon schaffen."

Als sie zum Raumhafen gehen, holen sie gar Ta'a Chume ein, die, vom Priester Harrar begleitet, ebenfalls ihre Enkeltochter verabschieden möchte.

Ta'a Chume dreht sich um, als sie Schritte nahen hört und hält erschrocken inne, als sie ihre ursprünglich zum Sterben geweihte Schwiegertochter laufen sieht … und das ziemlich schnell und energisch. „Was ist geschehen?"

„Vielleicht sollte lieber ich das fragen", versetzt Teneniel Djo. „Du hast mich vergiften lassen und die Gestalterin hier hat das herausgefunden und kann es auch beweisen!"

„Ich dachte, Nen Yim sei nur hier, um mir neuen Nachwuchs zu verschaffen", sagt die Königin Mutter giftig.

Isolder verzieht das Gesicht. „Mach es doch nicht noch schlimmer, Mutter."

Harrar lächelt. „Vielschichtiges Handeln war schon immer eine meiner Stärken. Tsavong Lah geht es ohne Gestalterhilfe jetzt viel besser und Teneniel Djo mit Gestalterhilfe ebenso. Schon bald wird es auch keinen Krieg mehr zwischen der Galaktischen Allianz und den Yuuzhan Vong mehr geben, und dann kann die wahrhafte Königin von Hapes auch unbesorgt wieder schwanger werden. Und Ihre Enkelin ebenso, am besten, nachdem der Radankarm angewachsen ist."

„Ein Radankarm?!", ruft Ta'a Chume. „Ihre Gestalterin wird meiner Enkeltochter eine von Ihren organischen Implantaten verpassen?!"

Harrar nickt langsam. „Drei Flitnats mit einer Klappe. Es geschieht gerade."

Ta'a Chumes grüne Augen hinter dem roten Schleier beginnen zu flattern. „Aber wieso? Tenel Ka wollte niemals …!"

„Es ist ein Verlobungsgeschenk des Kriegers, der sie auf Dathomir vor den Nachtschwestern gerettet hat", erklärt der Priester.

Die Stimme der Königin Mutter trieft vor Verachtung. „Eigentlich hätte ich es mir denken können. Mein eigener Sohn wollte damals die mitgiftlose Pazifistin Leia freien."

„Das ist so unfair, Mutter!", ereifert sich Isolder. „Das Imperium hat Leias Heimatplaneten zerstört!"

Ta'a Chume fährt ungerührt fort. „Und jetzt hat sich meine Enkeltochter einen ebenso heimatlosen, noch dazu barbarischen Raubritter ausgesucht, der als einziges Heim ein Schiff kennt – wie ein Pirat!"

„Wir Hapaner stammen von Piraten ab, Mutter", erinnert Isolder sie.

„Und ich bin mindestens genauso barbarisch wie Khalee Lah", mischt sich Harrar wieder ein. „Und trotzdem waren wir gut genug, um damals vor zwei Monaten von Ihnen hier auf Hapes empfangen zu werden und die Drecksarbeit zu erledigen – die Beseitigung Ihrer Feinde, Königin Mutter!"

„Hätte ich das vorher gewusst, wäre es nie so weit gekommen", gibt Ta'a Chume zu. Dann lächelt sie Harrar an. „Ich musste die ganzen Jahrzehnte über stark sein, um Hapes zu beschützen. Ganz allein – umgeben von unfähigen Dilettanten und bösartigen Neidern."

„Euch hat es immer schon an Vertrauen in die, die Euch nahestehen sollten, ermangelt", meint Teneniel Djo. „Aber vielleicht seid Ihr ja auch nur keine gute Unterweiserin gewesen, da Ihr Euch so sehr an all Eure kleinen schmutzigen Geheimnisse geklammert habt."

Ta'a Chume entfährt ein Seufzer. „Es hat zumindest gutgetan, dass mich wenigstens einmal in meinem Leben ein Gottesmann besucht hat, dem man sich unbesorgt anvertrauen kann, da dessen Schutzpatronin ihn zu äußerster Verschwiegenheit verpflichtet."

Isolders graue Augen werden groß. „Ihr habt vor Harrar eine Beichte abgelegt, Mutter?"

„Eine vollständige, mein Sohn."

Der Prinzgemahl verschränkt die Hände vor der Brust. „Aber, mit allem schuldigen Respekt, das reicht nicht. Ihr werdet Euch vor Gericht verantworten – wegen versuchten Mordes an der Königin selbst. Und bis dahin …"

„ … möchte ich mich wenigstens noch von meiner Enkeltochter verabschieden."

Es ist der letzte Wunsch seiner Mutter vor Haftantritt und Isolder kann ihn ihr nicht abschlagen, sind doch Tenel Ka und Khalee Lah bereits in Sichtweite und kommen rasch näher. Ta'a Chume wirft ihnen hinter ihrem Schleider reservierte Blicke zu und der Blick ihrer grünen Augen bleibt an Tenel Kas neuem Arm hängen. „Was werden wohl deine Jedi-Freunde dazu sagen?", meint sie spitz.

„Mit den Krallen kann ich bestimmt so einiges anstellen, was Luke Skywalker mit seiner künstlichen Hand nicht kann", erwidert die junge Frau. „Aber ich bezweifle, dass Luke Skywalker jetzt auch eine solche Hand haben will."

Ta'a Chumes Blick wird rätselhaft und Tenel Ka spürt den Hohn bereits in der Macht, noch bevor die Worte überhaupt gesprochen. „Dann hoffe ich für dich, dass deine Jedi-Freunde deinen Verlobten genauso akzeptieren wie deinen neuen Arm."

„So, das reicht jetzt … lebt wohl, Mutter." Isolder winkt zwei Wachen zu, die ihn und Teneniel Djo begleiten, auf dass sie Ta'a Chume abführen.

„Und euch zweien wünsche ich alles Gute", wendet er sich an seine Tochter und seinen Schwiegersohn in spe.

Teneniel Djo umarmt ihre Tochter, dem Krieger gibt sie die Hand.

„Was werden Sie denn jetzt tun, Harrar?", fragt Khalee Lah den Priester auf Basic, auf dass niemand sich ausgeschlossen oder gar Verrat wittern möge.

„Ich werde mit Nen Yim zurück an Shimrras Hof fliegen", erklärt der Priester. „Noch gibt es dort Dinge, die getan werden müssen, bis unser Volk vollkommen von dieser Last befreit werden kann, die derzeit noch auf ihm liegt."

Isolder lächelt sarkastisch. „Von den Lasten, die wir davon bislang zu tragen hatten, möchte ich jetzt besser nicht reden. Das ist wahrlich die geschickteste und eleganteste Umschreibung für Ihre Invasion, die ich bis jetzt gehört habe."

Harrars dunkle Augen schauen ertappt. „Wir Yuuzhan Vong lieben elegante Umschreibungen."

Isolders Blick wird etwas weicher und er streckt Harrar seine Hand entgegen. „Dann wünsche ich Ihnen daheim viel Glück, Eminenz."

Harrars dreifingrige Hand ergreift die des Prinzgemahls. „Danke, das werde ich brauchen. Aber ich hoffe, ich werde schon bald Unterstützung bekommen."

Hier gibt es mal eine Note der Autorin, denn ich fand es einfach unmöglich, wie Teneniel Djos Charakter in der Buchserie „Das Erbe der Jediritter" behandelt wurde. Ich kenne Teneniel Djo aus „Entführung nach Dathomir" von Dean Wolverton und da war mir der Charakter schon ans Herz gewachsen. Ich weiß, dass sie auch in anderen Büchern vorkommt, die nach diesem Buch und vor „Das Erbe der Jediritter" erschienen. Diese Bücher kenne ich zwar nicht, trotzdem finde ich, dass in dieser Buchreihe ziemlich lieblos mit Teneniel Djo umgegangen wird. Ihre Tragödie wird zumeist aus der Distanz beschrieben und dabei auch noch ziemlich kurz und wie beiläufig abgehandelt, brrr! Warum das Ganze eigentlich? Nur damit Tenel Ka einen Thron besteigen kann, den sie eigentlich gar nicht will? Das hat Teneniel Djo nicht verdient.