„HEY! DAS IST DIE BETTWÄSCHE MEINER OMA!", wie eine Furie schrie ich Aimi und Hayato an, sodass es wahrscheinlich die ganze Nachbarschaft gehört hatte. Beide lösten sich ruckartig voneinander und starrten mich unverwandt an. Dann sprang der Schwarzhaarige auf und zog Aimi mit sich, welche sich daraufhin auch gleich wieder in seine Arme kuschelte. „Sorry, hab vergessen, dass das ein sensibles Thema für dich ist", murmelte er nun. Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder vollkommen beruhigt hatte. Doch dann wurden wir auch schon vom Klingeln meines Handys unterbrochen.

„Also nochmal zusammengefasst: Kari weiß auch schon, dass die Fotos fake waren und dass ich eigentlich drauf gewesen bin? Und, dass irgendwer ihr versucht zu helfen, herauszufinden was in der Vergangenheit passiert ist?", fragte Hayato nachdem ich ihnen von meinem Gespräch mit Kari erzählt hatte. „Ja, so ziemlich", bestätigte ich seine Aussage und fügte dann noch hinzu: „Ich hab langsam wirklich das Gefühl, dass wir ihr mal einen Besuch in Tokyo abstatten sollten… und zwar möglichst bald." „Keine schlechte Idee, aber Aimi kommt mit." „A-Aber…", diese wollte gerade etwas erwidern, doch schon unterbrach der Ältere sie wieder: „Ich müsst euch wirklich mal aussprechen und jetzt weiß sie ja auch, was passiert ist." „Du hast ja Recht… nur…" „Keine Angst, ich bin bei dir und jetzt lass ich dich sicher nicht mehr allein." Es war wirklich knuffig, wie die beiden miteinander umgingen. Einmal mehr wünschte ich mir, ich hätte genauso die Chance gehabt meine Liebe ausleben zu können. Doch andererseits war ich auch dankbar dafür, dass ich kaum Zeit hatte überhaupt darüber nachzudenken. So war ich zumindest abgelenkt und konnte weitermachen… ohne Tai.

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Der Rest des Abend verging wie im Nu und schon bald verabschiedeten sich Aimi und Hayato von mir. Doch als ich durch den dunklen Gang auf mein Zimmer zulief, strahlte durch den Spalt unter meiner Tür ein rotes Licht hindurch. Ich öffnete sie und mitten im Raum schwebte etwas… etwas, dass ich noch nie gesehen hatte… etwas, dass mir trotz allem seltsam vertraut vorkam. Und, während meine Schritte mich immer weiter nach vorne trugen, durchströmte mich eine magische Kraft, welche mich anzog wie ein Magnetfeld. Die Umrisse meines Zimmers verschwommen immer mehr. Als ich das kleine Gerät mit meiner Hand umfasse, schwand das glühende Licht immer mehr. Es wurde dunkel. Und erst als auch der letzte Lichtstrahl im Nichts verschwunden war, setzte mein Bewusstsein wieder ein. Doch sogleich erstrahlte meine Umgebung wieder. Ich war jedoch nicht mehr in meinem Zimmer! Berge, Wälder, Flüsse,… Wo…? Was…? Wie…?!

Trotz der warmen Sonnenstrahlen zitterte ich unaufhörlich. Mein Kopf schmerzte wie noch nie zuvor, sodass ich angestrengt meine Augen zukniff, und langsam konnte ich immer mehr Bilder vor meinem inneren Auge erkennen… mit Wesen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Und dann… ein Bild mit anderen Menschen. Doch so sehr ich mich auch anstrengte, ihre Gesichter wollten sich mir nicht zu erkennen geben.

„SORA?!"