Und wieder stehen die Familie Solo und Tsavong Lah am Raumhafen von Mon Cala. Dieses Mal warten sie auf Tenel Ka. Ein hapanisches Schiff landet und ihm entsteigen Hand in Hand Tenel Ka und Khalee Lah. Jacen fällt sofort der neue Radankarm auf, den Tenel Ka jetzt an ihrem linken Armstumpf trägt.
Tenel Ka umarmt zuerst ihre Freundin Jaina, dann wendet sie sich deren Zwillingsbruder zu. „Du wirkst etwas … mitgenommen, Jacen."
„Jaja, die Gefangenschaft bei den Yuuzhan Vong ... Das macht mir noch zu schaffen."
„Das mag ja sein, aber nicht nur deine Gedanken verraten dich." Tenel Ka hebt den Daumen ihrer Radankhand. „Ich denke eher, es ist wegen dem hier."
„Du sagtest damals, du wolltest niemals einen Ersatz haben", sprudelt es vorwurfsvoll aus Jacen.
Tenel Ka lächelt verlegen. „Nun, ich habe es mir anders überlegt. Und so einen organischen Ersatz hat mir bislang noch niemand angeboten."
Jacen zieht eine Fleppe. „Ja, wenn das so ist."
Der junge Jedi geht ein paar Schritte beiseite, denn jetzt möchte auch Tsavong Lah seinen Sohn begrüßen. „Harrar sagte mir einst, Sie seien umgekommen."
„Nun, Vater, das technische Gerät, das mich umbringen sollte, hat versagt. Und so bin ich hier."
Tsavong Lah denkt darüber nach. „Sie haben seitdem viele Missionen erfolgreich erledigt, wie ich hörte. Und wie ich sehe", sagt er mit Seitenblick auf Tenel Ka, „haben Sie erneut eine Mission erfolgreich abgeschlossen."
„Ich bin hier", wiederholt Khalee Lah, „genau wie Sie. Und ich denke, jetzt ist es an der Zeit, dass Sie endlich die Zeit mit mir verbringen, wie es Vater und Sohn in dieser Galaxis normalerweise tun."
„Und wer ist die junge Dame mit dem Radankarm?", möchte der Kriegsmeister wissen.
Khalee Lahs zerfranste Lippen verziehen sich zu einem stolzen Lächeln. „Sie heißt Tenel Ka und sie ist eine Jeedai und meine Verlobte."
„Das ist doch alles abartig!", schimpft Jacen laut in Richtung Tenel Ka. „Deine Freundin Jaina ist mit einem Mann zusammen, der schon so alt ist, dass sogar noch meine Großmutter Padmé in einem passenden Alter für ihn gewesen wäre …", er holt tief Luft und schaut seine Schwester an, „Und somit bist du bald Tenel Kas Stiefschwiegermutter, fast so, als wenn du wirklich Isolder geheiratet hättest!"
Jaina grinst. „Jaja, Bruderherz, es stimmt, dass ich vor zwei Monaten mal was in der Art gesagt habe. Aber … nun, was soll ich sagen … Isolder war mir einfach zu jung, verstehst du?"
Tenel Ka kichert.
„Also mir ist das auch viel zu viel traute Familienidylle bei den neuen Jedi", bringt sich Vergere ein. „So etwas hat es zur Zeit der Alten Republik nicht gegeben!"
„Sie sind doch nur neidisch, Vergere, weil Sie nie eine richtige Familie hatten", sagt Mara Jade.
„Sie unterstellen mir doch nur deshalb Neid, weil Sie selbst Neid verspüren", kontert Vergere. „Das ist ein Erbe Palpatines, nicht wahr?"
„Es geht hier aber nicht um mich", weicht Mara der Verbalattacke aus. „Es geht hier um Jacen, der in Ihrer Gefangenschaft …"
„Ich war seine Lehrmeisterin und ohne mich wäre er niemals zu euch zurückgekehrt!", unterbricht Vergere energisch.
Mara sieht Jacen nicken, doch fährt fort. „Jacen hatte also unter Ihnen als Meisterin eine sehr schwere Zeit durchgemacht. Und seit er hier angekommen ist, erlebt er immer neue Enttäuschungen und Absurditäten. Man hat ihm gesagt, dass er ein sehr bedeutsames Schicksal zu erfüllen hat und jetzt stellt sich heraus, dass sich alle Probleme dieser Galaxis plötzlich in Luft auflösen und er … wieder einmal unverstanden und alleine ist."
„Fühlst du dich unverstanden und alleine, Jacen?", fragt Vergere ihren Schützling mit einem Augenzwinkern.
„Wie könnte ich mich alleine und unverstanden fühlen, solange du bei mir bist, Vergere", sagt Jacen überzeugt.
Luke wirft Mara einen warnenden Blick zu. „Ich habe dir immer gesagt, dass Jacen auf solche tönenden Worte wie Schicksalserfüllung und ähnliches sehr allergisch reagiert, Mara. Jetzt hat er sich eindeutig auf Vergeres Seite gestellt."
„Tante Mara hat Recht", sagt Jacen und alle atmen erleichtert auf. „Ich muss mein Schicksal erfüllen."
Vergere strafft sich. „Dann entscheide dich und handle."
Jacen zieht das Lichtschwert und stürmt auf Mara zu. „Du hattest Anakin auch immer viel lieber als mich", klagt er seine Tante an.
Luke Skywalker überläuft ein Schaudern. Soll er sich seinem Neffen in den Weg stellen? So hat er es eigentlich immer getan, damals auf dem Zweiten Todesstern beim Imperator, später auf Wayland gegenüber Joruus C'baoth und … es fällt ihm gerade nichts mehr ein. Wenn er jetzt eingreift, um seinem Neffen Einhalt zu gebieten, dann müsste er das bis zu einem möglicherweise bitteren Ende durchziehen. Mehr noch, er könnte dabei selbst der Dunkelheit anheimfallen. Aber würde die Dunkelheit nicht auch kommen, wenn er als Witwer zurückbleiben würde? Wäre er dann für Ben als Vater überhaupt noch tragbar? Sicher, Leia würde Ben nur zu gerne als ihren Ziehsohn zu sich nehmen, vor allem nach dem Verlust Anakins. Andererseits hat Jacen Recht. Mara hatte sich Zeit ihres Lebens immer mehr um das Nesthäkchen Anakin gekümmert, während Jacen zumeist mit seiner Schwester gespielt hatte – oder mit der Droidennanny. Luke graust bei dem Gedanken, was Tsavong Lah ob der letzteren Variante denken mag.
Ihm fällt ein, dass Vader damals genauso lange gezögert hatte, als der Imperator ihn, Luke, auf dem Zweiten Todesstern mit seinen Machtblitzen gegrillt hatte. Verzweifelt hatte er immer wieder gerufen: „Vater! … Vater! … aber Vader hatte sich Zeit gelassen, bis … was wird wohl Mara jetzt von ihm denken, wenn er auch nur noch einen Augenblick länger zögert? Bestimmt hat seine Ehefrau ihr vernichtendes Urteil bereits über ihn gefällt. Da kommt es auf die Millisekunde zusätzlich auch nicht mehr an. Andererseits: Bestimmt hat Vader damals genauso gedacht, aber das war falsch. Luke Skywalker hatte bis zuletzt an das Gute in Vader geglaubt. Und so wird es auch Mara tun … bevor sie die schwarze Verzweiflung endgültig übermannen wird.
„Halt!" Die Stimme gehört Han Solo und der altgediente Haudegen stellt sich seinem nunmehr einzigen Sohn in den Weg.
Jacen vergisst Mara und richtet die grüne Klinge auf die Brust seines Vaters. Luke ist für einen Moment erleichtert, aber das hat er auch nicht gewollt. Andererseits sind so viele Jedi hier auf dem Raumhafen anwesend … und Yuuzhan Vong ebenso. Wieso eigentlich soll immer nur er, Luke Skywalker, alles entscheiden? Wieso tut denn nur keiner was?
„Vergere, so tun Sie doch was!", hört Luke die Stimme seiner Zwillingsschwester wie von Ferne an sein Ohr dringen. „Halten Sie ihn auf!"
„Warum denn?", fragt Vergere ruhig zurück. „Alles verläuft genau nach meinem Plan."
Dieser Satz Vergeres fährt wie ein Feuerstoß durch Luke … und erlöst ihn aus der Starre der Fassungslosigkeit. „Vergere, was haben Sie Jacen auf Coruscant eigentlich beigebracht?"
„Was für eine dumme Frage, junger Meister", schnaubt Vergere. „Ihr solltet lieber fragen, was Jacen jetzt tun wird."
Die grüne Lichtschwertspitze zittert vor Han Solos Brust. „Ich weiß, was ich tun muss", speit Jacen zwischen zusammengepressten Kiefern hervor. „Aber ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, es zu tun – oder eben nicht zu tun."
„Tu es!", sagt Vergere.
„Meinst du damit, ich soll es tun oder eben gerade nicht?", hakt Jacen nach.
Vergeres Stimme zieht einer hellen Glocke gleich über den Raumhafen. „Entscheide dich und handle!"
Khalee und Tsavong Lah werfen sich auf Jacen und reißen ihn um. Tenel Ka entwindet ihm mit ihrer neuen Radankklaue das Lichtschwert und die grüne Klinge erlischt.
„Sehr gut", sagt Vergere und applaudiert.
„Ach, auf einmal!", blafft Luke die kleine Fosh an.
Die beiden Yuuzhan Vong und Tenel Ka lassen von Jacen ab und dieser steht auf. „War alles nur Show, um zu prüfen, ob die Lahs auch in Ordnung sind", sagt Jacen grinsend zu Mara und zu seinem Vater.
„Warum hast du uns nicht eingeweiht?", fragt Luke vorwurfsvoll seinen Neffen.
„Nur weil du und Tante Mara ahnungslos waren, hat es auch funktioniert und konnte glaubhaft wirken."
„Ach!", mischt sich Hans sarkastisch klingende Stimme dazu, „und dass ich unwissend war, war dann wohl irrelevant."
Luke schaut Vergere entsetzt an. „Sie haben das so geplant? Was kommt als nächstes?"
Vergere faltet die gelben Hände vor dem Schoß. „Zunächst einmal hat der Geheimdienst noch ein paar langweilige Fragen an mich."
„Ich finde das ungerecht", erklärt Jacen. „Vergere hatte damals Tsavong Lah gedient und der ist jetzt übergelaufen. Was also will der Geheimdienst noch von ihr?"
„Zumal ich dem Overlord Shimrra niemals persönlich begegnet bin", ergänzt Vergere.
Luke schaut forschend auf die kleine Fosh. Wieder einmal kann er in Vergeres Argumentation keinerlei Fehler entdecken, trotzdem ist ihm nicht wohl dabei, ihr zu vertrauen. Yoda hat seinerzeit auf Dagobah niemals von Vergere gesprochen. Ob das wohl einen Grund hatte?
Es ist seine Frau, die das unbehagliche Schweigen bricht. „Es stimmt aber schon, dass ich mich zumeist mehr um Anakin gekümmert habe als um dich, Jacen. Das werde ich jetzt wiedergutmachen", verspricht Mara ihrem Neffen.
Jacen kneift die Augen zusammen. „Da hast du ja gut reden, jetzt wo Anakin tot ist."
Leia gibt ihrem Sohn einen Klapps. „Das ist jetzt aber unfair!"
Über Jacens hageres Gesicht legt sich ein goldener Hauch der Freude. „Ich nehme das wohlwollend zur Kenntnis, Tante Mara, aber niemand muss sich mehr um mich kümmern."
Han Solo klopft seinem Sohn auf die Schulter. „Ich bin ja so stolz auf dich, Jacen. Du bist schon fast so ein guter Schauspieler wie ich."
Jetzt muss Jacen lachen: „Fast?"
Leia streicht Jacen durch das dunkle Haar und streift mit einem Seitenblick Tenel Ka, die sich wieder an die Seite ihres Verlobten gestellt hat. „Und irgendwann wirst auch du dein privates Glück finden, das verspreche ich dir."
Jacen winkt ab und schenkt seiner Mutter ein Lächeln, in welchem Leia Verständnis und Verzeihen liest. Hat sie etwas Falsches gesagt?
Ihr Sohn wendet sich wieder den anderen zu, die in einem lockeren Halbkreis um ihn herum stehen. Seine Miene ist so entspannt und gelassen, wie man es sich bei einem Jedi nur vorstellen kann, aber auch erfüllt von tiefster Entschlossenheit. „Und ein derart gestählter und vielseitiger Held wie ich hat es auch überhaupt nicht nötig, irgendeinem Pairing hinterher zu hecheln. Ich bin mir selbst genug."
Mara und Luke sehen sich erstaunt ob dieser Worte an.
„Jacen", sagt Luke schließlich. „Du hast also alle Selbstzweifel und Ängste hinter dir gelassen, Gratulation!"
Jacen nickt würdevoll, dann lässt er sich in den Schneidersitz nieder und faltet die Hände vor der Brust. Er senkt den Kopf und seine Miene erfüllt ein Ausdruck tiefster Kontemplation. Sein sitzender Körper steigt empor und bleibt etwa drei Meter oberhalb des Bodens im Schneidersitz schweben.
Der goldene Glanz, der zunächst lediglich sein Gesicht umspielte, umhüllt Jacen nun völlig und der schwebende Jedi spricht folgende Worte: „Ich bin eins mit der Macht und die Macht ist eins mit mir. Und solange das so bleibt, kann ich das Gleichgewicht in dieser Galaxis wahren oder wiederherstellen – so wie mein Großvater vor mir."
Vergeres gelber, breiter Mund verzieht sich zu einem Lächeln. „Das ist genau mein Jacen!"
„Jacen", sagt Luke. „Du musst das nicht alleine tun. Immerhin bin ich Vaders Sohn und kann dir bei der Wahrung des Gleichgewichts helfen."
Alle schauen den vergoldeten Jacen an und warten auf eine Antwort, da erlischt die goldene Aura auf einmal und Jacen plumpst auf den Boden.
„Aua!", sagt Jacen und sieht Tsavong Lah an. „Was für ein köstlicher Schmerz."
Der Kriegsmeister reicht Jacen eine Hand und der Jedi ergreift sie, um sich hochziehen zu lassen. „Danke, Kriegsmeister. Das ist sehr höflich."
Tsavong Lah lächelt. „Keine Ursache."
Jacen geht auf seinen Onkel zu und greift erneut zu seinem Lichtschwert. Die goldene Freude und Gelassenheit sind vollständig aus seinem Gesicht gewichen. Luke schaudert ob der finsteren Gefühle, die ihm plötzlich von seinem Neffen entgegenwabern. Und dann spricht Jacen auch noch: „Du als Vaders Sohn willst mir also helfen, ja? Du, der vorher derart lange gezögert hat, um seiner Frau und hernach seinem Schwager zu helfen?"
Luke beschließt, Jacen diesen Ausrutscher zu verzeihen und das Beste daraus zu machen. Er lächelt verschmitzt. „Nun, das war doch genau Vergeres Plan. Du wirst Vergeres Weisheit doch nicht etwa anzweifeln wollen, Jacen."
Jacen lässt den Lichtschwertgriff wieder los und grinst jungenhaft. All die Dunkelheit, die Luke noch vor kurzem in Jacen gespürt hat, ist wieder fort, als hätte es sie nie gegeben. „Nein natürlich nicht, Onkel Luke, aber dieser kleine Rüffel musste sein."
„Außerdem gibt es nur eine, die Luke Skywalker richten darf", mischt sich Tsavong Lah ein, „nämlich seine Zwillingsschwester."
Han und Leia klappen die Kiefer herunter bei dieser Ansage, aber Tsavong Lah schenkt ihnen ein belustigtes Lächeln. „Das war doch nur ein Witz."
Han Solo bricht in Gelächter aus. „Jetzt wissen Sie also, was Humor ist, Kriegsmeister. Der war aber auch wirklich gut!"
Leia kneift ihren Mann in die Seite. „Wenn du weiter so machst, dann werde ich dich richten. Aber vorher küsse ich noch Lowbacca, auf dass es dir auch so richtig wehtut."
Han strahlt seine Frau an. „Und genau dafür liebe ich dich so sehr."
Vergere zwinkert dem Kriegsmeister zu. „Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich Sie und Jacen wirklich einmal zusammenführen würde."
Tsavong Lah nickt. „Nom Anor hätte Maras Jades Tod sicherlich gefreut, aber ich wäre absolut enttäuscht von Jacen gewesen."
„Der neuen Republik zu dienen und den Jedi zu helfen ist für uns Lahs absolute Ehrensache!", sekundiert Khalee Lah seinen Vater. „Jedes gerettet Jedileben, ach was sag ich, jedes gerettete Leben überhaupt ist ein Lächeln der Götter, die mit ihrer Gunst und ihrem Wohlwollen jene überhäufen, die in ihrem noblen Weg streben und leben."
Tsavong Lah steigen Tränen der Rührung in die Augen. „Da wird sich Opa Czulkang ja freuen, wenn Sie ihm das so vortragen, mein Sohn. Sie holen ihn doch nachher vom Raumhafen ab, ja?"
„Das ist doch selbstverständlich, Vater."
Tsavong gibt Jaina noch einen Kuss. „Jetzt muss ich aber los, Liebste. Die Sitzung des Hohen Rates beginnt in einer Viertelstunde."
Kyp Durron schlendert um die Ecke. „Na, dann können wir ja zusammen hingehen, Kumpel Planetenkiller."
Die beiden Männer machen High-Five und gehen zusammen mit Luke Skywalker davon.
