II.


„Wir müssen uns unterhalten, Seline." Dieses Mal hatte Stefan Caroline nicht mitgebracht, da sie mit den Babys beschäftigt war. Alle anderen hatte alle Hände voll zu tun, und Stefan hatte beschlossen die Gunst der Stunde zu nutzen und sofort mit Seline zu reden.

„Ich unterhalte mich immer gerne mit dir, Stefan", meinte Seline freundlich, und lächelte ihm zu, als er die Treppen herunter kam.

„Deine Schwester Sybil, sie hat eine neue Sirene gemacht. Wir hatten sie getötet, doch das hat sich als irrige Annahme herausgestellt. Sie ist zurückgekommen und hat Virginia St. John ermordet. Dieses Mal wurde sie mit Feuer getötet, was sie vernichten sollte, aber…."

Seline schüttelte den Kopf. „Nur Höllenfeuer kann uns vernichten. Normales Feuer hat die Macht dazu nicht. Und ich gehe nicht davon aus, dass ihr diese neue Sirene mit Höllenfeuer vernichtet habt, oder?", unterbrach sie ihm, „Also wird sie zurückkommen."

Verdammt.

Seline zuckte entschuldigend die Schultern. „Genau deswegen habe ich euch die Waffe gegeben. Sirenen kann man nicht einfach töten. Und schon gar nicht vollkommen vernichten. Durch unseren Deal mit Cade sind wir unsterblich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn wir doch zu Tode kommen sollten, dann landen wir in Cades Dimension, und er schickt uns zurück auf die Erde, vollkommen regeneriert. Das macht er mit allen seinen Dienern so", erklärte sie.

„Und wie sollen wir deine Schwester dann aufhalten?", wollte Stefan wissen.

„Die Waffe schwächt und hält sie fern, und wenn wir die Glocke zuerst finden, dann wird ihr Plan scheitern. Dann wird Cades Plan scheitern", erwiderte Seline.

Stefan schüttelte nur den Kopf. „Sie kann andere versklaven, ist unsterbliche, superstark, hat psychische Kräfte, und alles was wir haben ist eine riesige Gabel? Ich glaube nicht, dass uns das einen großen Vorteil bietet", meinte er.

„Ihr habt mich. Ich weiß wie sie denkt", wandte Seline ein, „Und ich bin ihr auch im Kampf gewachsen. Möglicherweise."

„Möglicherweise?" Stefan ahnte, dass ihm nicht gefallen würde, was als nächstes kommen würde.

„Sybil war zwar lange gefangen, doch ich nehme an, dass sie seit dem wieder viel … Menschenfleisch zu sich genommen hat. Ich ernähre mich nur noch von Überresten, immer dann wenn es nicht mehr anders geht. In einem direkten Kampf wäre sie mir überlegen", informierte ihn Seline.

So wie Stefan seine Tierblutdiät gegenüber anderen Vampiren immer geschwächt hatte. Falls ihre Behauptung wahr war natürlich.

„Diese andere Sirene, Alex St. John, sie hat viele eurer Fähigkeiten, doch aus irgendwelchen Gründen hat sie keine Sirenenstimme. Warum ist das so?", wollte Stefan wissen.

„Ich habe euch das gesagt, dass Sybil und ich schon vor unserem Pakt mit Cade Medien waren und schon zuvor unsere Stimmen eingesetzt haben um Schiffe zum kentern bringen. Das sind unsere natürlichen Fähigkeiten, die kann Cade niemanden verleihen, mit ihnen muss man geboren worden sein", sagte Seline, „Und es war übrigens nicht Sybil, die diese Alex St. John zu einer Sirene gemacht hat, es war Cade. Er wird ihr einen Deal angeboten haben, ähnlich wie uns damals, und sie wird ihn angenommen haben um ihr Leben zu retten. Ich nehme an, dass Sybil das Ganze in die Wege geleitet hat, doch es funktioniert nicht so wie bei euch Vampiren - wir können nicht einfach so neue Sirenen machen, wir können nur dafür sorgen, dass andere eine Chance bekommen unseren Meister ebenfalls zu dienen. Doch sie müssen sich aus freien Stücken dafür entscheiden. Sie müssen einem Deal zustimmen."

Nun, wenn man mit einer fleischfressende Sirene eingesperrt war, dann war man wohl bereit jeden Deal einzugehen, der einem das Leben rettete. Daran hatte Stefan keinen Zweifel.

„Wenn du uns wirklich helfen willst, dann musst du uns sagen wie diese Gabel funktioniert", erklärte Stefan.

Seline nickte. „Das werde ich. Und dann werdet ihr hoffentlich endlich einsehen, dass ich auf eurer Seite bin. Da ich euch dann nicht mehr daran hindern kann die Waffe gegen mich einzusetzen", meinte sie.

Stefan nickte. „Ich hole Bonnie", meinte er.

„Stefan", hielt ihn Selines Stimme auf, „ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du mir eine Chance gibst. Ich weiß, dass Caroline mir nicht traut. Und die anderen tun das vermutlich sogar noch weniger. Aber ich meine es wirklich ernst. Ich habe mich geändert. So wie du dich geändert hast."

Stefan warf ihr einen kurzen Blick zu. Dann nickte er nur.

„Und ich danke dir dafür, dass du mir eine Chance gibst es wieder gutzumachen", fuhr Seline fort.

Stefan nickte erneut, und ging dann wieder die Treppen hinauf. „Alles in Ordnung?", wollte Caroline wissen, die in diesem Moment mit Josie auf den Arm an ihm vorbei ging, und musterte ihn mit gerunzelter Stirn, „Du wirkst…. Ich weiß auch nicht."

„Alles Bestens", log Stefan, „Seline hat zugestimmt Bonnie zu zeigen wie man diese Gabel benutzt. Allerdings sollten wir die anderen warnen; sie hat auch gesagt, dass Alex St. John auch dieses Mal nicht tot bleiben wird."

Caroline seufzte. „Und hier dachten wir dir Drehtüre zur Anderen Seite wäre mit ihr vernichtet worden", meinte sie, „Gut, ich werde herumtelefonieren." Sie musterte Stefan noch einmal prüfend. „Du denkst doch an das, was ich dir gesagt habe, oder?", vergewisserte sie sich.

„Ja, das tue ich", erwiderte Stefan – tatsächlich dachte er an nichts anderes. Und trotzdem half es ihm nichts. Nicht wirklich. Seline ging ihm unter die Haut, obwohl er ihre Tricks durchschaute. Und das gefiel ihm nicht.

Aber er hatte keine Zeit dazu sich darüber Gedanken zu machen. Je schneller sie einen Weg fanden die Pläne der anderen Sirenen zu durchkreuzen, desto schneller wurden sie auch Seline los. Wenn er seine Energie darauf konzentrierte, dann würde das alles schnell vorbei sein, und dann würde er sich keine Gedanken mehr über Seline machen müssen. Und genau deswegen ging er um so schneller los um Bonnie zu holen.


Damon Salvatore hatte schon viel in seinem langen Leben getan, aber Tauchen gehörte nicht wirklich dazu. Ganz abgesehen davon, dass sich die verdammte Wickery Bridge langsam aber sicher zum Fluch seines (Un)lebens entwickelte, hätte er eigentlich niemals erwartet, dass er irgendwann einmal seine Zeit damit verbringen würde unter ihr herumzutauchen und nach einer versunkenen Glocke zu suchen. Er konnte sich wahrhaft erfüllendere Freizeitbeschäftigungen vorstellen.

Donovan, stellte sich heraus, war wieder einmal zu nichts zu gebrauchen, da er offenbar nicht nur nichts vom Tauschen verstand, sondern auch noch Angst vor dem Wasser haben zu schien. Okay, er wäre an dieser Stelle einmal fest ertrunken, aber immerhin war er derjenige, der damals gerettet worden war, Elena war es, die dort gestorben war.

Zumindest hatte Maxwell zugestimmt ihm bei der Suche nach der Glocke zu helfen, womit er im Gegensatz zu seinem Sohn nicht vollkommen nutzlos war, aber leider änderte das nichts an dem Endergebnis ihrer Suche – diese verdammte Glock war nicht zu finden!

Selbst wenn man die Strömung miteinkalkulierte, sollte eine Glocke aus massiven Gusseisen vom Fluss nicht einfach so weggespült worden sein. Sie müssten immer noch in der Lage sein sie zu finden, dass sie das nicht waren, nun das bedeutete nichts Gutes, da sie mit ihrer Suche wieder bei Null anfangen mussten, und dieses Mal überhaupt keine Hinweise hatten, denen sie nachgehen konnten.

Natürlich trafen diese Neuigkeiten Donovan am Härtesten wegen seiner gekidnappten Freundin. Aber da Damon sowieso nicht vorgehabt hatte die Glocke an die Sirene zu übergeben, änderte sich für ihn zumindest an der Situation nichts. Der Versuch die vampirmordende Polizistin zu retten wäre immer blutig geworden.

„Ich weiß, dass ihr die Glocke unbedingt finden wollt, aber ich verstehe nicht warum ihr es so schwer nehmt, dass wir sie hier nicht gefunden haben", meinte Peter Maxwell, „Wenn diese … Sirene sie nicht finden soll, dann ist es doch gut, dass sie verschwunden ist, oder etwa nicht?"

„Diese Sirene hat aber meine Freundin gekidpnapped und droht sie umzubringen, wenn ich ihr die Glocke nicht übergebe", erklärte Matt bissig.

„Was? Warum habt ihr mir das nicht gesagt?", wollte sein Vater daraufhin entgeistert wissen.

„Weil es dich nichts angeht, deswegen", lautete die knappe Antwort.

„Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich euch natürlich sofort geholfen. Matt, Junge, was denkst du von mir? Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin kein Monster. Natürlich werde ich alles tun um dir zu helfen deine Freundin zu retten", erklärte Peter Maxwell entsetzt.

„Ja, und genau deswegen sollten Sie nichts davon wissen. Weil die Sirene die Glocke nicht bekommen darf, weil sie damit die Hölle auf Erden einläuten würde. Wortwörtlich wie es scheint", mischte sich Damon ein, „Aber diese Gefahr besteht jetzt nicht mehr. Wie auch immer, wir brauchen einen Ersatzköder. Eine Fälschung vielleicht. Etwas, das aussieht wie die Gründerglocke." Damon musterte Peter Maxwell. „Kriegen Sie das hin?"

„Kriege ich was hin? … Sie wollen, dass ich eine Glock gieße? Ich habe keine Ahnung wie man eine Glocke gießt!", erwiderte der Mann verwirrt.

„Aber Sie wissen wie die Gründerglocke ausgesehen hat. Und Sie sind ein Maxwell. Liegt Ihnen das nicht im Blut?", argumentierte Damon, „Nein, das wäre zu schön um wahr zu sein, nehme ich an… Aber ich glaube, es gab eine Replik der Gründerglocke. Wenn die echte schon seit diesem Feuer verschwunden ist, haben die seitdem irgendeine Kopie an ihrer Stelle ausgestellt."

Maxwell zuckte die Schultern. „Das ist schon möglich. Wertvolle Artefakte wurden in Mystic Falls oft kopiert um sie zu schützen. Offiziell wegen ihren historischen Wert, aber natürlich hatte es in Wahrheit ganz andere Gründe", räumte er ein, „Falls es eine Kopie gibt, weiß ich wo sie zu finden sein sollte."

„Sehr gut, dann holen wir die Kopie und tun so als würden wir sie Sybil übergeben wollen. Und während ihr beide das macht, befreie ich deine Freundin Penny. Mit Valerie werde ich schon fertig", beschloss Damon und rieb sich voller Vorfreude die Hände. Ein echter Kampf wäre ihm viel lieber als sinnloses Sporttauchen.

„Auf keinen Fall. Ich habe diesem Plan zugestimmt, als wir noch dachten, dass wir die echte Glocke zur Verfügung haben würden. Aber jetzt, wo wir sie nicht mehr haben, ist es viel zu riskant. Was wenn Sybil auf den ersten Blick bemerkt, dass es sich nicht um die echte Glocke handelt? Wir wissen nicht wie ihre Herrschaft über Valerie funktioniert. Was wenn sie ihr von der Ferne eine Botschaft schickt, dass sie Penny töten soll, nur weil ich versucht habe sie zu betrügen?", protestierte Donovan sofort, „Dieses Risiko kann ich nicht eingehen."

„Komm schon, wie wahrscheinlich ist das?", warf Damon ein, „Und denkst du wirklich Valerie wäre schneller als ich?"

„Sie hat ihre Magie, du hast nichts anderes als dein übersteigertes Ego", gab Matt zurück, „Wie oft hat das schon zu Katastrophen geführt, vor allem im letzten Jahr? Du denkst immer du hast alles unter Kontrolle, aber stattdessen machst du es schlimmer. Und in diesem Fall bedeutet schlimmer, dass Penny stirbt!"

„Also ich finde, dass Damon recht hat", meinte Peter Maxwell, „Es ist besser, wenn wir es so versuchen, als wenn wir gar nichts tun. Ihr habt mir gesagt, dass diese Sirenen uns nicht beeinflussen können, aber solange sie Penny haben, haben sie Macht über uns. Sollten wir diese Macht nicht brechen, wenn sie uns für irgendetwas brauchen, das mit der Glocke zusammenhängt?"

Damon deutete vielsagend auf Maxwell. „Genau. Hör auf deinen Vater, Matt. Er bringt hier gute Argumente vor", sagte er.

Donovan funkelte zuerst ihn an und dann seinen Vater. „Wie kannst du dich nur auf seine Seite stellen?", wollte er von Maxwell wissen und deutete wütend auf Damon, „Weißt du überhaupt was er ist? Was er alles getan hat?"

Maxwell zuckte die Schultern. „Ich habe spätestens jetzt mitbekommen, dass er ein Vampir ist, Matt. Aber ich habe angenommen, dass er ein guter Vampir ist. Immerhin seid ihr gemeinsam bei mir aufgetaucht und wollt diese Sirenen aufzuhalten, die … Wie war das? … die Hölle auf Erden loszulassen wollen", erwiderte er, „Ich finde nur, dass sein Plan Sinn ergibt, wenn man die Umstände bedenkt."

„Es gibt keine guten Vampire!", schleuderte sein Sohn ihm daraufhin entgegen, „Was du wüsstest, wenn du nicht aus Mystic Falls abgehauen wärst und deine Pflichten im Gründerrat erfüllt hättest! Und nichts, was Damon jemals plant, ergibt Sinn! Immer muss jemand den Preis zahlen, und ich werde nicht zulassen, dass es dieses Mal Penny trifft!"

Langsam aber sicher wurde das persönlich und begann Damon auf die Nerven zu gehen. Wieso musste Donovan ausgerechnet jetzt die ganze Rayna-Sache wieder auspacken? Es hatte ihn noch nie sonderlich interessiert, dass Stefan von der Jägerin markiert worden war, und wenn er Damon an dem, was Elena passiert war, die Schuld geben wollte …. nun dann konnte er sich hinten anstellen. Aber Damon hatte keine Lust sich das jetzt auch noch von Matt Donovan anzuhören, nicht nach all der Zeit und Energie, die er darin investiert hatte, sich einzureden, dass es eben nicht seine Schuld war.

„Komm schon, Donovan, lass es raus, halt dich nicht zurück. Sprich es aus. Ist ja nicht so, dass ich mich bereit erklärt habe deine vampirmordende Freundin zu retten, nachdem du mich aus meiner Heimat verbannt hast. Ich wäre nicht hier, wenn Caroline nicht aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, immer noch einen Freund in dir sehen würde. Sogar Bonnie denkt, dass du den Bogen überspannt hast. Aber ja, ich verstehe schon. Ich bin also Schuld an allem, was jemals in deinem Leben schief gelaufen ist, ja? Ich habe es verabsäumt Kai gründlich genug unter die Erde zu bringen, und deswegen haben wir jetzt Elena verloren. Das ist es, was du denkst, ja? Na gut, dann sag es mir ins Gesicht, und hör auf so zu tun als hätte die Tatsache, dass ich ein Vampir bin irgendetwas damit zu tun, dass du mich hasst!", giftete Damon und öffnete seine Arme weit, „Stefan hätte dich damals unter dieser verdammten Brücke hier ertrinken lassen sollen! Dann wäre vielleicht auch alles anders gekommen!"

„Denkst du, ich wüsste nicht, dass du das denkst und immer schon gedacht hast? Denkst du es wäre mir nicht lieber gewesen, wenn er stattdessen Elena gerettet hätte, und ihr alles andere, was danach kam, erspart geblieben wäre? Inklusive und vor allem eine Beziehung mit dir?!", schleuderte Donovan ihm entgegen.

„Ehm, ich nehme an, ihr wollt das unter euch ausmachen?", warf Peter Maxwell vorsichtig ein, „Ich kann ja inzwischen die andere Glocke suchen gehen…."

„Ja, hau nur ab, wie immer eben!", knurrte Matt in seine Richtung.

Damon verdrehte die Augen. „Oh, buh huh, dein Vater hat deine Mutter verlassen. Wie furchtbar. Aber jetzt will er dir helfen Penny zu retten, und stiftet keinen Psychopathen dazu an sie in einen Dornröschen-Schlaf zu versetzen, der andauert bist deine beste Freundin stirbt. Werd erwachsen und nimm Hilfe an, wenn sie dir angeboten wird!", spottete er.

Donovan zitterte vor Wut.

„Ich – ehm – werde das mal tun. Es sollte nicht zu lange dauern", murmelte sein Vater, und ergriff dann die Flucht.

„Da geht er hin, das einzige nützliche Mitglied deiner Familie", betonte Damon.

„Ich habe keine Familie mehr! Nur deinetwegen!", brüllte Donovan ihn an, „Du hast Vicki getötet!"

Das schon wieder. Immer dasselbe alte Lied. „Okay, wir sollten das ein für allemal klarstellen, weil ich es Jahre lang geschluckt habe, auf mich genommen habe, weil Stefan nicht gerade gut darin ist Freunde zu finden, und ich wollte, dass er dich weiterhin in seinem Leben hat, aber ich habe es langsam satt. Ich habe Vicki nicht getötet. Ich habe sie verwandelt. Stefan hat sie getötet. Er hat sie gepfählt, damit sie Elena und Jeremy nicht umbringt! So ist es gewesen, finde dich endlich damit ab!", meinte Damon mühsam beherrscht.

„Du hast sie getötet, indem du sie verwandelt hast! Und warum hast du das getan? Einfach nur weil die langweilig war! Weil es dir egal war, was mit ihr passiert!", beharrte Donovan.

„Nein, ich habe sie verwandelt, weil ich sie mochte. Ich verwandle nämlich nur jemanden, den ich mag - abgesehen von all denen, die grausamen Unfällen zum Opfer fallen, nachdem sie mein Blut getrunken haben und deswegen zum Vampir werden, gibt es niemanden, der von mir verwandelt wurde, den ich nicht gemocht hätte, und um ehrlich zu sein, muss ich diejenigen, denen ich mein Blut gegeben habe, ja wohl auch irgendwie gemocht haben, sonst hätte ich mir nicht die Mühe gemacht sie zu retten, oder? So gut kann Elena nun auch wieder nicht betteln!", widersprach Damon wütend, „Newsflash, Donovan, ich mochte Vicki, sie war schräg und so voller Leben, und ich wollte, dass sie ewig lebt, aber so ist es nicht gekommen und ja, das ist vielleicht meine Schuld, aber lass es nicht an meiner ganzen gottverdammten Rasse aus! Enzo, Stefan, Caroline … die haben nichts damit zu tun, dass ich Vicki verwandelt habe!"

„Sie hatte ein Leben, aus dem du sie herausgerissen hast. Du hast gesehen wie instabil sie ist, aber es war dir egal. Du hast nicht einmal versucht sie retten!", behauptete Matt, „Du hast einfach beschlossen sie umzubringen, sie zum Vampir zu machen, du konntest sie nicht einmal in Würde sterben lassen!"

„So bin ich nun mal, Matt, ich treffe schwere und egoistische Entscheidungen in Sekundenschnelle. Frag Enzo danach! Wenn es sein muss, dann drehe ich sie einfach ab, die verdammten Gefühle, das schlechte Gewissen, all das worin sich andere suhlen. Das muss ich, weil ich ansonsten nicht überleben würde! Und das weißt du, das hast du immer gewusst! Und Vicki … Vicki war eine dumme Entscheidung, aber sie hätte es schaffen können, dass sie sich nicht unter Kontrolle hatte, war nicht meine Schuld!", erklärte ihm Damon lapidar.

„Und dafür musste sie sterben, weil sie einmal die Kontrolle verloren hat. Warum bist du dann noch hier, Damon? Warum ist Stefan noch hier? Warum sind Valerie, Mary Louise, und Nora noch hier? Warum Enzo? Warum der verdammte Klaus Mikaelson? Elena und Caroline haben auch die Kontrolle verloren, sie sogar mit Absicht aufgegeben. Warum durften sie leben, und Vicki musste sterben? Ich sag dir warum, weil meine Schwester keinem von euch wichtig genug war! Also wage es nicht zu behaupten, dass du sie gemocht hättest!", spukte Matt, „Denn du hast sie nicht genug gemocht!"

„Ich kannte sie kaum! Muss ich wirklich vor dir rechtfertigen warum ich meinem Bruder oder der Liebe meines Lebens Dinge vergebe, die Vicki das Leben gekostet haben? Muss dir irgendjemand erklären warum es etwas anderes ist, wenn Caroline durchdreht?", hielt Damon dagegen, „Wie viele Vampire hast du getötet, ohne darüber nachzudenken wem sie etwas bedeuteten?"

„Aber was ist mit Enzo, was ist mit den Häretikern, was mit Klaus?! Er hat Jenna getötet und Carol Lockwood! Und trotzdem lebt er immer noch!", beschwerte sich Matt.

„Das Leben ist nun mal nicht fair, Donovan. Wenn es fair wäre, dann wäre Liz Forbes jetzt hier, wäre immer noch der Sheriff und würde mich Sicherheit wissen, was mit dieser verdammten Gründerglocke passiert ist! Aber das Leben ist nun mal nicht fair! Dafür kann ich nichts, und daran kann ich auch nichts ändern. Ich habe keine Zeitmaschine, ich kann nicht zurückgehen und die Vergangenheit ungeschehen machen! Denkst du wirklich ich würde das nicht tun, wenn ich es könnte?!", gab Damon müde zurück, „Was willst du von mir, Donovan? Ich kann es nun mal nicht mehr ändern!"

„Sie hatte Besseres verdient. Sie war nicht schlimmer als die Häretiker oder als Enzo, aber die dürfen immer noch leben", wiederholte Donovan, „Wieso, Damon? Wieso vergebt ihr denen und habt ihr nicht vergeben?" Er klang nicht einmal mehr wütend, sondern irgendwie eher sehr jung und sehr kleinlaut.

Und Damon wurde langsam klar worum es hier wirklich ging. Und immer gegangen war. Es ging nicht darum, was mit Vicki geschehen war, nicht wirklich. Es ging darum, dass Vicki nicht mehr hier war, alle anderen aber schon.

Er wollte wieder sagen, dass es Stefan gewesen war, der Vicki gepfählt hatte und nicht er, aber letztlich spielte das keine Rolle, weil er genau das Selbe getan hätte, geplant hatte zu tun, während Stefan noch darum gebettelt hatte Vicki zu verschonen. Und weil sie trotz ihrer gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten im Grunde eine Einheit darstellten – die Salvatore-Brüder, in Matt Donovans Augen waren sie eine vereinte, wenn auch dysfunktionale, Front, die alles tat um Mystic Falls und seine Bewohner vor den Übernatürlichen zu beschützen. Aber irgendwann zwischen Enzos Auftauchen und der Aufnahme der Häretiker in ihre Gruppe hatten sie damit zumindest laut Matt Donovans Ansicht damit aufgehört und hatten stattdessen Monster mit Missetaten davon kommen lassen.

„Weil wir erkannt haben, dass wir Heuchler sind, wenn wir anderen nicht die gleiche Chance einräumen, die wir bekommen haben, Matt", meinte Damon ruhig, „Es tut mir leid wegen Vicki. Wirklich. Es ist anders abgelaufen, als ich es geplant habe, damit hast du recht. Aber das bedeutet nicht, dass ich oder Stefan oder sonst jemand von uns irgendeine Art von Vendetta gegen dich und diejenigen, die dir nahe stehen, am Laufen hätte. Ich habe versprochen dir zu helfen, und ich werde dir helfen. Wir werden Penny retten. Aber um das zu schaffen müssen wir an einem Strang ziehen."

Matt schwieg einen Moment lang. Dann nickte er. „Also gut. Aber ich kann sie nicht verlieren. Ich kann einfach nicht", meinte er sehr leise.

Damon nickte seinerseits. Er hätte gerne versprochen, dass das nicht passieren würde, aber er wollte nicht lügen. Nicht jetzt. Er hatte Virginia gerettet, und sie trotzdem verloren. Solange die Sirenen ihr Unwesen trieben, konnte man nie wissen.

Aber er würde sein Bestes tun. Aus vielen Gründen, aber vielleicht auch einfach deswegen, weil Matt nicht unrecht hatte, und Damon Vicki zwar nicht zurückbringen konnte, aber es dafür in Zukunft einfach besser machen konnte.


„Und wieso genau hast du es für eine gute Idee gehalten hier alles abzufackeln?", wollte Alaric von Jeremy wissen.

„In dem Moment hielt ich es einfach für eine gute Idee, aber jetzt sehe ich, dass es seine Probleme mit sich gebracht hat", räumte Jeremy ein.

„Nun, zumindest haben wir noch das Passwort für die Computer. Und die Bücher, die weiter vorne ausgestellt werden", versuchte Enzo das Positive an der ganzen Sache zu sehen, „Es hätte schlimmer kommen können."

„Wenn die Sirene nicht wirklich tot ist, kann es immer noch schlimmer kommen", wandte Jeremy ein.

„Ich habe ganz vergessen was für ein Haufen positiver Energie du doch bist", kommentierte Enzo diese Aussage.

„Los jetzt, Jungs, weniger Sticheleien, mehr Arbeit. Wir müssen so schnell wie möglich so viel wir können über das Thema Sirenen herausfinden", würgte Alaric die beiden ab, „Enzo, an den Computer. Jer, du machst dein Verbrechen wieder gut, indem du hier rettest, was du retten kannst. Ich sehe mir die Bücher vorne an."

Damit ließ er Jeremy vor den Überresten von Virginia St. Johns Recherche und den kaputten Bibliothekregalen mit einstmals wertvollen Inhalten zurück, und begab sich wieder in den vorderen Bereich der Waffenkammer. Dort war alles voll von regelrechten Schätzen – seltenen Artefakten, von denen Alaric bisher nur aus Legenden erfahren hatte, und lange verloren geglaubten Büchern und Manuskripten, die mehr wert waren als das ganze Gebäude hier. Ich kann nicht glauben, dass diese Leute das alles hier gesammelt haben und dann einfach … darauf gesessen sind…. Wenn sie Zugang zu dieser Sammlung hier gehabt hätten, dann wären sie mit den Urvampiren um einiges einfacher fertig geworden.

Aber so verlockend es war sich in diesen verborgenen Schätzen hier zu verlieren, er war hier, weil er Informationen über die Sirenen suchte und wegen nichts anderen. Also musste er selektiv vorgehen und für den Moment alles, was nichts mit dem Thema zu tun hatte, links liegen lassen. Das ließ aber immer noch eine Menge Zeug zum durchgehen übrig.

Alaric verlor beinahe jedes Zeitgefühl, während er die Sachen hier durchsah. Irgendwann tauchte Enzo auf. „Was Nützliches in den Computern gefunden?", wollte Alaric von ihm wissen, ohne ihn wirklich anzusehen.

„Nichts, was ich verstehen würde", räumte Enzo ein, „Hattest du Glück?"

„Bisher nicht", gestand ihm Alaric ein, „Ich nehme an, dass Virginia alles brauchbare bereits ausgesondert hatte…. Wovon wir leider nicht mehr viel haben, nun da sie …." Er führte den Satz nicht zu Ende.

„Meinst du Damon steckt das weg?", wollte Enzo leise wissen, „Er hat sie gerettet, hier gelassen, und kaum, dass er weg war, war alles umsonst. Wird ihm das zusetzen?"

Alaric zuckte die Schultern. „Wenn dann wird es er nicht zugeben, so wie immer eben. Vielleicht ist es ganz gut, dass er mit Matt beschäftigt ist, dann hat er keine Zeit darüber nachzudenken", erwiderte er.

„Wie geht es ihm prinzipiell so in letzter Zeit?", wollte Enzo wissen.

Alaric warf ihm einen verwunderten Seitenblick zu. „Wieso fragst du mich das? Und nicht ihn?", wollte er wissen.

„Weil er mit dir über solche Dinge spricht. Mit mir redet er nicht, nicht wirklich", erwiderte Enzo.

„Trotzdem scheinst du immer ziemlich genau Bescheid zu wissen, was seine Pläne angeht", merkte Alaric an.

„Es gibt reden und reden, Dinge, die er mir sagt, und Dinge, die er mir nicht sagt. Ich bin nicht Bonnie oder Stefan, er vertraut sich mir nicht an. Nicht mehr, schätze ich. Es ist zu viel vorgefallen. Ich kann nur raten was in seinem Kopf vorgeht. Und ich weiß, dass alles denken, dass es mir egal ist, aber das ist es nicht", erklärte Enzo, „Es ist nur schwierig."

Alaric nickte. „Ja, auch das ist oft mit Damon so", gab er zu, „Er stößt andere gerne weg, das ist eine seiner Taktiken. Aber man darf eben einfach nicht aufgeben. Man muss weiter dran bleiben, irgendwann gibt er es dann seinerseits auf. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, bevor alles angefangen hat schief zu gehen und Jack explodiert ist, ging es Damon endlich besser. Oder er war zumindest auf dem Weg dorthin. Dieser Therapeut hat ihm wirklich gut getan. Aber jetzt … wer weiß? Krisen sind normalerweise sein Ding, aber er hasst es zu verlieren. Und wir wissen beide, dass er mit Verlust nicht umgehen kann. Aber alles, was wir tun können, um ihm zu helfen, ist da zu sein, wenn alles auf ihn einstürzt. Und dafür zu sorgen, dass er dann auch noch da ist." Er warf einen Blick in das Buch, das er gerade in den Händen hielt, und erstarrte. „Oh."

„Was oh?", wollte Enzo wissen und lugte ihm über die Schulter.

„Hier steht was uns erwartet, wenn diese Glocke den Sirenen in die Hände fällt. Wenn sie zwölf Mal von einem Bluterben ihres Schöpfers geläutet wird, dann wird Höllenfeuer freigesetzt", berichtete Alaric.

„Ist das nicht gut? Hieß es nicht, dass man die Sirenen so töten kann?", wunderte sich Enzo.

„Ja, das kann man auch. Nur, dass die Feuerbrunst, die freigesetzt werden würde, auch alles andere im Umkreis von mehreren tausend Kilometern vernichten würde. Der zwölfte Schlag befreit nicht nur den Meister der Hölle – er lässt im wahrhaftigen Sinn die Hölle auf die Erde los", erklärte Alaric, „Wenn diese Glocke zwölf Mal geläutet wird, dann werden wir uns wünschen, dass stattdessen einfach nur eine Atombombe auf uns abgeworfen worden wäre."


A/N: Ach, Ric sei nicht immer so melodramatisch. Bisher habt ihr das Unheil noch jedes Mal abgewendet.

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