AN: Ewig nicht mehr hier gepostet, weil Kapitel 26 und 27 irgendwie nicht hochgeladen werden konnten. Ihr findet aber die selbe Geschichte mit den zwei fehlenden Kapiteln auch auf meinem gleichnamigen Profil bei fanfiktion . de. Hier gehts aufgrund des technischen Problems einfach mit Kapitel 28 weiter!
Vielen lieben Dank an meine Beta Anne für das sprachliche Retten des Kapitels!
Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J.K. Rowling, dies ist eine genehmigte Übersetzung der Fanfiction von Jewels5.
Vorher: Lily und James küssen sich fast, aber dann sagt Lily „nein" und dann fährt James mit seiner Familie in Urlaub und es sollte einen Monat dauern, aber in den ersten zwei Wochen ist Carlotta Meloni in der Nähe und die zwei verstehen sich gut. Sehr gut sogar, wenn ihr versteht, was ich meine ist. James und Lily werden Schulsprecher und Schulsprecherin. James ist nicht so begeistert. Donnas Eltern wurden von Voldemort in ihrem vierten Schuljahr getötet. Marlene ist immer noch in Adam verknallt und hat sich ihre Haare abgeschnitten, weil sie es satt ist, ihn anzuschmachten.
Kapitel 27 – Phönix
Oder
„Stand by me"
Am unerwarteten Ende der seltsamsten 36 Stunden ihres Lebens war Lily dabei, ihre Füße in braune, hochhackige Sandale zu stecken. Für ihre Haare gab es keine Hoffnung mehr, deshalb hatte sie sie in einen einzigen Zopf geflochten, welchen sie über ihre rechte Schulter legte und mit einer blauen Schleife zuknotete. Sie pinselte eine leichte Schicht von blauen Puder über ihre Augenlider, strich mit pinken Lippenstift über ihre aufgesprungenen Lippen und trug Elfenbein-Concealer auf die Makel ihres Gesichts auf, die in den letzten anderthalb Tagen der Verrücktheit entstanden waren. Sie fühlte sich seltsam, als sie mit ihrer Maskarabürste über ihre Wimpern strich und das Endergebnis im Spiegel betrachtete: ihr geblümtes, marineblaues Tunikakleid (das zwei Drittel ihrer Beine freilegte, die sie nur Minuten zuvor rasiert hatte), die goldenen Armreife, die auf ihren Armen hingen (und halb die blauen Flecken von dieser verdammten Tür verdeckten), und die großen Kreolen-Ohrringe, die sie zu Petunias Hochzeit angezogen hatte (fünf unendliche Woche zuvor). Ja, es war tatsächlich ein seltsamer Anblick. Die unverwechselbare Ausstrahlung von Erschöpfung (aufgedrehte, aufgeregte, stolze Erschöpfung), die sich ihr im Spiegelblick offenbarte, war das einzige Anzeichen, dass die letzten 36 Stunden etwas anderes als ein ungewöhnlicher Traum waren.
Sie waren ganz sicher kein Traum.
Irgendwie, trotz der Tatsache, dass ihre Verfassung nicht alles war, was sie hätte sein sollen, trotz ihres vergeblichen Wunsches, für diesen besonderen Anlass perfekt auszusehen und trotz ihres Wissens, dass bald Bilder von ihr gemacht werden würden, die für immer diese müde, vom Schlafentzug gezeichnete, hungrige (Sirius' Chips schienen eine Ewigkeit her zu sein) Version von ihr festhalten würden, war Lily noch nie so stolz auf ihr Aussehen gewesen. Jede Narbe, jedes Anzeichen, dass sie in der Nacht zuvor nicht geschlafen hatte, für Stunden und Stunden nicht gegessen hatte, sich seit Tagen nicht entspannt hatte, war eine Art Trophäe.
„Du siehst hübsch aus," sagte eine Stimme hinter ihr und Lily erkannte, dass sie so in den Moment vertieft gewesen war, dass ihr nicht aufgefallen war, dass sie nicht mehr alleine in diesem kleinen Raum war. James Potter stand dort, immer noch mit diesem lächerlichen (okay, vielleicht nicht ganz nutzlosen) schwarzen Hut.
„Danke," antwortete der Rotschopf seufzend, als sie sich umdrehte, um den Neuankömmling anzusehen. „Du auch. Abgesehen vom Hut…"
„Ich könnte eine Dusche gebrauchen… und ich dachte, wir hätten gelernt, uns nicht über den Hut lustig zu machen."
„Wir könnten alle eine Dusche gebrauchen und es ist immer noch ein lächerlicher Hut."
„Du bist besser darin, es zu überspielen, und der Hut hat Stil."
„Tja, du kannst dich gerne am Parfüm bedienen."
„Das würde bloß ganz neue Probleme produzieren," sagte James, und Lily wusste nicht wirklich, was er damit meinte, aber sie wollte auch nicht nachfragen.
Sie drehte sich um und legte ihre Wimperntusche wieder auf den Tisch. „Also, was machst du hier? Warum bist du nicht bei den Jungs?"
„Tatsächlich wurde ich geschickt, um dich zu holen," antwortete James. „Sie fangen in einer Minute an."
„Ich verstehe. Du hast den Kürzeren gezogen, oder?"
„Eigentlich freiwillig gemeldet," korrigierte er. Lily sah ihn neugierig an – hatte er sie nicht nach den letzten zwei Tagen satt? James zögerte, bevor er fortfuhr: „Ich… ich wollte bloß mit dir reden…"
Lily hob ihre Augenbrauen. „Über was?"
Für ein paar Sekunden zögerte James. Als er sprach, sah er aus, als ob er das eine sagen wollte, aber etwas anderes rauskam: „Ich schätze, ich wollte Danke sagen."
„Danke für was?"
James zuckte mit den Schultern, Hände in seinen Taschen vergraben. „Dass du mir vertraut hast, schätze ich. Und auch die Sache mit der Tür."
Und, ganz plötzlich, war der Anblick von James dort lächerlich liebenswürdig. Lily überbrückte die Distanz zwischen ihnen in Sekunden und zog in eine enge Umarmung. Er schien für ein paar Sekunden geschockt, bevor er sich etwas entspannte und die Umarmung erwiderte, seine Arme um ihre Taille geschlungen. Sie waren einander noch nie – dachte sie – so nah gewesen und James hatte Recht – er konnte eine gute Dusche gebrauchen, aber Lily erkannte, dass sie den vagen Geruch von Müdigkeit und Leben nicht schlimm fand. Es war James. Es war derselbe James, der mit ihr an diesem Tag gesessen und gestanden und gerannt und geschrien hatte. Er hatte ihre Hand gehalten und das hatte etwas bedeutet, obwohl sie nicht wirklich wusste, was. Sie hinterfragte es auch nicht, genauso, wie sie auch jetzt seine Anwesenheit hier nicht hinterfragte. Es war James – sie wusste jetzt, dass es besser war, bei ihm nichts zu hinterfragen.
Sie wollte nicht loslassen. Etwas seltsam Vertrautes und Fremdes zugleich regte sich in ihrer Magengrube, als sie dort standen. Ihr war plötzlich jeder Zentimeter ihres Körpers bewusst – die Stoppeln auf seinem unrasierten Gesicht, die gegen ihren nackten Arm rieben, seine Arme auf ihrem gewölbten Rücken. Sie hatte nie viel Trost in den Armen anderer gefunden (ihr war das Alleinsein behaglicher), aber gerade jetzt, war dies genau das, was sie brauchte. Sie wollte nicht loslassen, aber, als er begann, loszulassen, tat sie es auch.
„Du hast keine Witze über das Parfüm gemacht," stichelte er, als sie auseinanderrückten.
„Und du hast keine Witze über die Dusche gemacht," antwortete sie locker, bevor sie etwas ernster, aber mit einem kleinen Lächeln hinzufügte: „Danke, dass du nach mir guckst, aber mir geht's gut. Ernsthaft, ich werde okay sein."
James verschränkte seine Arme mit einem anderen Ausdruck im Gesicht. „Und was, wenn nicht?"
Aber Lily hatte nicht einmal die Zeit, um nachzufragen; Marlenes Stimme unterbrach sie, als die Hexe in der Tür erschien. Davon, dass sie als Einzige die Möglichkeit gehabt hatte zu duschen, hatte die Blondine sichtlich profitiert. Sie sah in ihrem grünen Baumwollkleid erfrischt und ruhig aus.
„Sie sind soweit," informierte Marlene die beiden, sanft lächelnd, als sie eine kurze Locke ihres neuen Kurzhaarschnitts hinter ihr Ohr schob. „Und ihr?"
Lily sah James an. „Natürlich bin ich das," sagte er ihr. „Ich hab' aber keine Aufgabe zu erledigen, oder? Bist du soweit, Keks?"
Der Rotschopf bewegte sich hastig durch den kleinen Raum zu einem Tisch in der Ecke, wo ihr Strauß mit gelben Gänseblümchen lag. Sie hob das einfache Bouquet auf und drehte sich zu den anderen zwei. „Ich bin soweit."
Als sie James und Marlene in den Flur folgte, reflektierte Lily einmal mehr, wie surreal dies alles war: in den letzten 36 Stunden war sie umarmt, gestoßen, geschlagen, verfolgt und irgendwie halb verhaftet worden… Sie war noch nie in ihrem Leben so müde gewesen und doch, wenn ihr die Wahl gegeben würde, jetzt hier zu stehen oder im weichsten Bett der Welt zu liegen, würde sie nichts ändern.
(34 Stunden zuvor)
„Nur zwei Tage nach der Enthüllung, dass der Interimsleiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung, Egbert Dearborn, wahrscheinlich die Stelle, die vor kurzem von Alexander Potter geräumt wurde, behalten wird, berichtete der Tagesprophet, dass Dearborn dabei ist, eine neue Gesetzgebung zu entwerfen, die Verordnung zum Schutz der Magischen Bevölkerung. Heute bestätigte Dearborn, dass er im Gesetzesentwurf involviert ist…"
Lilys Haarbürste verpasste nur knapp das Radio, als sie es in einem vergeblichen Ausdruck ihrer Unzufriedenheit durch das Zimmer dem beleidigenden Radio entgegenschleuderte.
„Verdammte Wahnsinnige," murmelte sie zu keinem Bestimmten, bevor sie von ihrem Schreibtisch aufstand und von Hand die Nachrichten abschaltete. Sie hob ihre Haarbürste wieder auf und zog sie ein paar Mal noch durch ihre nassen Locken, bevor sie sie auf das Bett warf. „Bei Merlin, die ganze Welt spielt verrückt…"
Es war tröstlich zu wissen, dass sie zumindest so laut sprechen konnte, wie sie wollte, ohne dass ihre Mutter an der Tür klopfte und an ihren Verstand anzweifelte. Mrs. Evans' fünftägiger Trip zum Haus der Dursleys, der vor zwei Tagen begonnen hatte, bedeutete, dass Lily das ganze Haus bis Mittwochabend für sich alleine hatte. Petunia und Vernon waren die Woche zuvor von ihren Flitterwochen heimgekommen und Petunia wollte, dass ihre Mutter etwas Zeit mit ihr im neuen Haus verbrachte, während Vernon auf Dienstreise war.
Lily, die die letzten sechs Jahre im Internat gewesen war, hatte schon lange keine Zeit für sich selbst gehabt, und hatte sich, obwohl sie ihre Mutter innig liebte, auf diese Tage allein gefreut. Dann, das hier – die Verordnung zum Schutz der Magischen Bevölkerung.
Der Tagesprophet lag neben der Haarbürste auf ihrem Bett und dessen Bericht zu Egbert Dearborns Verordnung zum Schutz der Magischen Bevölkerung war so gut wie jeder andere.
Die Abteilung für Magische Strafverfolgung wird nun für die Anzahl der muggelstämmigen Hexen und Zauberer, die zur Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei zugelassen werden, verantwortlich sein. Während zuvor allen bekannten Muggelstämmigen im Land mit ausreichenden magischen Fähigkeiten Hogwartsbriefe ausgestellt wurden, plant Egbert Dearborn diese Anzahl auf zwei pro Jahr zu limitieren, um die Möglichkeit zu minimieren, dass ein Muggelstämmiger, der sich mit einer Hexe oder Zauberer fortpflanzt, „die Muggelgene" weitervererbt.
Schnaubend zog Lily ihren Morgenmantel über und ging ins Wohnzimmer, wo sie den Fernseher anstellte, um ihre Nerven zu beruhigen. Sie hatte jede Sekunde des Tages durchgeplant: ein schönes Frühstück mit Tee, Toast und Eier; eine Stunde Fernsehen oder so; etwas Zweisamkeit mit Viktor Hugo oder F. Scott Fitzgerald, ein kurzer Lauf und dann würde sie vielleicht versuchen, etwas zum Abendessen zu kochen.
Die beunruhigenden Neuigkeiten, sowohl im Propheten als auch im Radio, dienten nur dazu, das Ziel eines solchen Tages zu ruinieren: Entspannung.
Wie es sich herausstellte, schaffte Lily es nicht einmal, fertig zu frühstücken.
Mit dem Murmeln des Fernsehprogramms im Hintergrund, begann Lily, sich herzurichten; sie trocknete ihre Haare auf magische Weise und richtete ihr Makeup, und begann dann, zwei Toastscheiben zu schmieren. Der Kessel für Tee war auf dem Herd, als es an der Haustür klingelte. Lily seufzte – es war vermutlich der Briefträger mit einer Frage, da sie sich nicht vorstellen konnte, wer es sonst war – und machte sich auf den Weg zur Tür.
Auf ihrer Veranda stand jedoch nicht der Briefträger, sondern James Potter.
Er trug ein rotes T-Shirt und einen Hut.
Lily hatte erwartete, dass ihr erstes Treffen nach dem Post-Hochzeit-fast-Kuss ziemlich peinlich ausfallen würde, aber sie hatte auch erwartete, dass dieses auf dem Hogwartsexpress oder zurück in der Schule stattfinden würde und sie hatte auch nicht damit gerechnet, dabei kaum angezogen zu sein. Die Überraschung, ihn auf ihrer Türschwelle zu sehen, während er eigentlich im Ausland im Urlaub sein sollte, hätte vielleicht jede Möglichkeit für Unbehaglichkeit vertrieben, wenn nicht Lily plötzlich sehr bewusst wurde, dass sie abgesehen von einem ziemlich übergroßen T-Shirt nur einen Bademantel trug. Sie zog sofort ihren Mantel enger.
„Nettes Shirt," sagte James, und Lily, die leicht rot wurde, starrte ihn finster an.
„Netter Hut."
James verdrehte seine Augen. „Willst du mich nicht reinbitten?"
Irgendwas in diesem Jungen brachte immer die Streitlust in Lily zum Vorschein. „Nein. Was machst du hier? Warum bist du nicht an der Küste?"
Der Zauberer ignorierte jedoch ihre Frage und stellte seine eigene: „Willst du zu einem Protest gehen?"
Lily starrte ihn an. „Was?"
„Anscheinend, Keks, hast du heute morgen nicht den Tagespropheten gelesen."
„Doch, das habe ich." Lily verstand. „Warte, geht es um das Gesetz von Dearborn…"
„Tja, sicherlich nicht um seine Lieblingsfarbe. Das ist übrigens ein wundervoller Bademantel, Keks, aber bist du dir sicher, dass die Nachbarn ihn sehen sollen?"
Lily verdrehte ihre Augen und machte einen Schritt zu Seite. „In Ordnung, komm rein. Aber nichts anfassen." James gehorchte, nahm seinen immer noch unerklärten Hut ab, aber ließ ihn in seiner Hand, als Lily ihn in die Küche führte und den Herd ausstellte.
„Ist deine Mum hier?" fragte James.
„Nein, sie ist bei meiner Schwester. Was genau ist gerade los?"
„Ziemlich unrühmliche und dubiose Dinge, hauptsächlich," antwortete er. Lily bot ihm einen Stuhl an und band dann ihren Bademantel etwas sicherer zu.
„Toast?"
„Nein, ich hab gegessen."
Lily sah ihn an.
„Vielleicht eine Scheibe."
Die Hexe legte eine ihrer Scheiben auf einen Teller und stellte ihn vor ihn auf den Küchentisch. „Und?"
„Also," sagte James, „wenn du den Propheten gelesen hast, hast du die Quintessenz, schätze ich. Vor ein paar Wochen hat das Ministerium verkündet, dass Egbert Dearborn zwischenzeitlich meinen Dad als Leiter der A.M.S. vertreten würde. Dad war kein Fan von ihm, aber Dearborn sollte nur die Vertretung der Abteilungsleitung sein, bis sie jemanden auswählen würde, der den Job tatsächlich ausführen kann."
„Aber am Sonntag hat jemand vom Ministerium mit jemanden beim Propheten gesprochen und gesagt, dass Dearborn mit Sicherheit den Job kriegt," sagte Lily. „Ich habe davon gehört."
„Genau, tja, sie verkünden morgen ihre offizielle Entscheidung."
„Sie können unmöglich Dearborn wählen," murmelte Lily, während sie unzufrieden ihren Toast kaute und sich über die Kücheninsel lehnte. „Dieser „Schutz der Bevölkerung" Quatsch – das ist quasi Todesser-Sprache."
„Keiner sollte davon wissen," sagte James ihr. „Nicht, bis der liebe Cousin Egbert den Job sicher hat."
„Cousin?"
„Tja… er ist der Cousin meiner Mum. Sie ist auch eine Dearborn. Lange Geschichte. Der Punkt ist, die Nachricht wurde gestern geleakt."
„Wie?" wollte Lily wissen. „Die Zeitung und das Radio waren nicht sehr hilfreich…"
„Keiner weiß es," sagte James, aber er grinste irgendwie verschmitzt.
„Du weißt es, oder?" sagte die Hexe halb anklagend.
„Natürlich weiß ich es. Ich weiß alles."
„Und?"
„Ich nehme an, du verstehst, dass das zwischen uns bleiben muss? Und… Padfoot und Moony und halb ein Dutzend anderer, aber…"
„Richtig. Geheimnis. Verstanden."
„Alastor Moody – der Leiter der Auroren – hat es herausgefunden. Er hat es Professor Dumbledore gesagt, Dumbledore hat eine Eule an meinen Dad geschickt und Dad hat mit Dorthea Grey vom Propheten gesprochen, die – trotz all ihrer Fehler – weiß, wie man eine Quelle beschützt. Jedenfalls ist das die Kurzversion, warum alle Potters frühzeitig von ihrem Urlaub vertrieben wurden und auch, warum ich hier bin."
„Nein, ich glaube, den Teil hast du noch nicht erklärt," sagte Lily, ihre Augenbrauen hebend.
„Hab' ich noch nicht?" James aß seinen Toast zu Ende, stand auf und wirbelte seinen Hut um seinen Finger. „Oh, super vernetzt und, du weißt schon, allgemein fantastisch zu sein, hat den Vorteil, dass ich zufällig weiß, dass in Kürze ein paar Dutzend Hexen und Zauberer vor dem Brunnen der Magischen Brüder im Ministerium für Magie stehen und fordern werden, dass Egbert Dearborn und seine Voldemort-sympathisierende Gesetzgebung abgelehnt werden. Und so wiederhole ich…" Er grinste: „Willst du zu einem Protest gehen?"
Lily zog ihren Bademantel etwas enger.
„Gib mir nur – eine Minute zum Umziehen."
James zuckte mit den Achseln und nickte und Lily ging zu ihrem Zimmer.
„Oh, zieh dir etwas Rotes an."
„Natürlich suchen die sich rot aus," jammerte die Hexe, während sie ihre ähnlich farbigen Locken grimmig ansah. Lily seufzte und ging in ihr Schlafzimmer. Sie ließ die Tür einen Spalt offen, weil sie James alleine in einer Küche voll potentiell gefährlicher Muggelgeräte nicht komplett vertraute, aber er wanderte bald in das Wohnzimmer, wo sie den Fernseher angelassen hatte.
„Was ist das?" rief er, als Lily in ihren Schubladen nach Jeans suchte.
„Was ist was?"
„Auf diesem Fern-Dings von dir? Das Programm!"
Lily fand ein paar Hosen, zog sie an und ging sie zuknöpfend in den Flur, um zu sehen, worüber James sprach.
„Es ist bloß eine Serie," beharrte sie, und ging wieder zurück zu ihrem Zimmer.
„Wer ist der hässliche Typ mit dem lächerlichen Hut?"
„Das ist Tom Baker und er ist nicht hässlich," rief Lily über ihre Schulter. „Zufällig finde ich den toll, also mach dich nicht lustig!"
„Seine Haare sind lächerlich," bemerkte James, der sich aufs Sofa setzte.
„Deine Haare sind lächerlich!"
„Er ist alt. Wie kannst du den denn gut finden?"
Lily streckte ihren Kopf aus ihrem Zimmer um zu antworten: „Ich finde Typen mit Schal gut, okay? Jetzt hör auf mich zu stören, ich muss etwas zum Anziehen finden."
Es war irgendwie ein Kampf, da Lily, eine perfekt Rothaarige, nicht viele Teile in dieser Farbe besaß. Schließlich fand sie ein einfaches, weißes T-Shirt, das sie mit etwas Hilfe ihres Zauberstabs in eine strahlende, kirschrote Farbe hexte.
Sie erschien wieder fünf Minuten, nachdem sie ihr Schlafzimmer betreten hatte, und James sprang von der Couch auf, den Hut wieder anziehend.
„Bereit?" fragte er fröhlich.
Lily nickte. „Ich muss aber absperren." Das tat sie mit Magie. „Wir können von hier apparieren."
„Das ist okay," sagte James. Er zog seinen Zauberstab, aber Lily zögerte. „Was?"
„Ich sollte meine Mutter anrufen."
„Warum?" fragte der andere verwirrt.
„Falls sie anruft und sich Sorgen macht," antwortete die andere. Sie lief zurück zur Küche, nahm den Hörer, und wählte die Nummer ihrer Schwester, wie sie auf dem Zettel auf der Theke stand. „Wäre deine Mutter nicht besorgt, wenn sie nicht wüsste, wo du bist?" fügte Lily zu James hinzu, als es klingelte.
„Sie wäre besorgter, wenn sie wüsste, wo ich bin," antwortete James. Er lehnte sich gegen den Türrahmen. „Weshalb ich ihr gesagt habe, dass ich bei Sirius rumhänge."
Lilys Augen wurden groß, aber in diesem Moment antwortete eine Stimme am anderen Ende der Verbindung und sie wurde abgelenkt. „Hallo?"
„Oh - hallo – Petunia?"
„Ja?"
„Hier ist Lily."
Keine Antwort.
„Deine Schwester…"
„Ich weiß, wer du bist."
„Richtig. Ist Mum da?"
„Nein – sie ist einkaufen."
„Oh." Lily – die unerklärlicherweise peinlich berührt war, dass James auch nur die Hälfte dieser Unterhaltung hören sollte, beeilte sich, sie zu beenden. „Könntest du – ihr sagen, dass ich mit ein paar Freunden weg bin? Nur falls, sie anruft und ich nicht hier bin…"
Die jüngere Schwester verstummte und für ein paar Sekunden antwortete die Ältere nicht. Schließlich: „Ich sag es ihr."
„Danke."
Petunia legte auf. Lily fuhr sich nervös durch die Haare und legte dann auch auf. Sie packte ihren Zauberstab, steckte ihn in die vergrößerte Gesäßtasche ihrer Jeans und nickte James sachlich zu. „Ministerium für Magie, dann?"
„Oh – nicht ganz. Ich wollte noch zuerst woanders Halt machen. Ich dachte, du könntest mir mit der Adresse helfen…"
Lily hob ihre Augenbrauen. „Wo?"
„Oh-mein-Gott-Marlene!" kreischte Lily halb, als Marlene Price die Haustür öffnete. „Deine Haare! Sie sind…"
„Weg," schloss James.
„So schön!" fuhr Lily fort, während Marlene strahlte. Im Gegensatz zu ihrer Freundin war die Blonde schon vorbereitet, als die zwei Abholer ankamen; sie war komplett angezogen, inklusive rotem Shirt und einer brauen Beuteltasche, die über die Schulter geschlungen war.
„Danke," antwortete sie, erfreut. „Hi, James."
„Hi."
„Du hast mir nicht gesagt, dass du deine Haare geschnitten hast!" protestierte Lily.
„Ich wollte, dass es eine Überraschung ist. Findest du es wirklich gut?"
„Es ist wunderschön, wirklich! Ich kann nicht glauben…"
„Hey," unterbrach James. „Price, deine Haare sind hübsch, aber denkt ihr, wir könnten… ihr wisst schon… losgehen? Prioritäten und all das…"
„Richtig."
„Kommt MacDonald?" fügte James für Marlene hinzu.
„Warte, wie hast du davon gehört, Mar?" fragte Lily.
„Sirius hat mir vor einer halben Stunde eine Eule geschickt," sagte die Hexe, und schloss die Haustür hinter sich. „Und Mary kann nicht kommen. Sie arbeitet den ganzen Tag im Laden ihrer Eltern."
Lily sah James anklagend an.
„Hey, sprich mit Sirius," sagte er verteidigend, „Ich hab keinem eine Eule geschickt."
„Und sowieso," fügte Marlene hinzu, „ich bin nur eine halbe Stadt von Sirius entfernt. Eine Eule hätte dich sowieso nicht rechtzeitig erreicht." Ihr Ton war kurz und effizient. „Mum hat einen Gast – wir können aber von der Treppe oder dem Aufzug apparieren."
Sie entschieden sich schließlich für den Aufzug. „Wart ihr beide schon mal im Ministerium?" fragte James, als sie hineintraten. Lily nickte.
„Wir haben dort letzten Sommer mit Alice zu Mittag gegessen, als sie ihr Praktikum in der Aurorenabteilung hatte," sagte sie ihm. „Aber wir haben den Besuchereingang verwendet."
„Das sollte passen," sagte James. Die Aufzugtüren schlossen sich. „Auf drei, dann… ein… zwei…"
„Übrigens, Potter," sagte Marlene. „Was hat es mit dem Hut auf sich?"
Eine rote Telefonzelle an einer schäbigen Straße stellte den Besuchereingang zum Ministerium für Magie dar und es war der Ort, zu dem James, Lily und Marlene apparierten. Es war nicht möglich, dass sie alle drei gleichzeitig in die Zelle passen würden, deshalb schlug James vor, dass er und Marlene zuerst gehen sollten und Lily folgen sollte. Marlene hob bei der Idee bedeutungsvoll ihre Augenbrauen, aber Lily stimmte schnell zu.
„Du solltest 6-2-4-4-2 wählen," wies James sie an. „Und wenn sie dich fragen, was dein Anliegen ist, solltest du „Geführte Tour" sagen. Bereit?" fügte er zu Marlene hinzu und sie nickte.
Die beiden schritten in die Telefonzelle und Lily wartete etwas nervös draußen. Da die Tür geschlossen war, konnte sie nicht hören, was drinnen vor sich ging, aber als James die Nummer wählte und für eine Minute wartete, sagte ihr sein Gesichtsausdruck sofort, dass etwas schief gegangen war. Er und Marlene kamen einen Moment später raus.
„Was ist los?"
„Sie haben den Besuchereingang gesperrt;" sagte James stirnrunzelnd.
„Denkst du, die anderen drinnen sind in Schwierigkeiten?" fragte Marlene angespannt.
„Ich bezweifele es – aber Dearborn muss mitgekriegt haben, dass sich etwas zusammenbraut…"
Der Zauberer schien für einen Moment nachdenklich; er hob und setzte seinen Hut mehrfach von und auf seinen Kopf, hin und herlaufend. Marlene und Lily warteten darauf, dass er zu einer Schlussfolgerung kam und schließlich tat er das.
„Wir müssen einen Kamin verwenden, der mit dem Ministeriumsflohnetzwerk verbunden ist. Dory hat gesagt, dass das vielleicht passieren würde…"
„Wer ist Dory?" fragte Marlene.
„Dorcas Meadowes. Ihr lernt sie heute kennen. Sie ist eine von uns – sie ist jetzt drinnen."
„Ist nicht euer Haus verbunden?" wollte Lily wissen. „Für deinen Dad, meine ich."
„Nein, sie haben es vor ein paar Tagen abgetrennt," antwortete James. „Technisch gesehen arbeitet er dort nicht mehr. Er war verdammt fuchsteufelswild, aber er ist zu stolz, das zu tun, was jeder andere tut und jemanden zu bestechen."
„Also…" Marlene zögerte und schloss dann: „Wie kommen wir rein?"
James seufzte. „Ihr seid euch beide sicher, dass ihr noch gehen wollt?"
Lily verdrehte ihre Augen. „In unserem Haus allein gibt es drei Muggelstämmige," erinnerte sie ihn. „Dearborn will von jetzt an zwei pro Jahr erlauben…" Sie verstummte bedeutungsvoll, aber Marlene beendete ihren Gedanken.
„Was, wenn es eine von uns gewesen wäre?"
Sie sahen beide James an.
„In Ordnung," sagte er. „Wir müssen Dorcas' Floh verwenden."
„Arbeitet sie für das Ministerium?" fragte Lily.
„Nein, aber ihre Schwester. Emmeline. Beängstigende Hexe, aber… tja, ihr werdet sie auch kennenlernen. Wir müssen Seit-an-Seit-Apparieren, da ihr noch nie in deren Haus wart. Es sollte klar gehen, aber… oh, Moment, ich sollte besser Sirius Bescheid sagen."
James zog wieder seinen Hut aus, aber dieses Mal absichtlich. Er sah in ihn herein und Lily wurde kurz an Muggel-Magier erinnert, die Hasen aus Hüten zogen. Etwas murmelnd, was sie nicht verstand, reichte James in den Hut hinein, aber er zog keinen flauschigen weißen Hasen heraus, sondern stattdessen einen vertraut aussehenden Spiegel.
„Expansions-Zauber?" fragte Marlene, Lilys Gedanken aussprechend und James nickte.
Er sah in den Spiegel und sagte in einer klaren, entschlossenen Tonlage: „Sirius Black."
Für eine Sekunde passierte nichts. Dann antwortete eine Stimme, aber es war nicht die von Sirius, so wie das Gesicht, das Sekunden später erschien, nicht zu dem Rumtreiber gehörte.
„Donna?" sagte James verwirrt und Lily bewegte sich um ihn herum um einen Blick erhaschen zu können.
„Ja, ich bin's," antwortete Donna Shacklebolt und in ihrer Stimme lag ein Hauch von Frustration, obwohl sie bald feststellten, dass diese nicht gegen James gerichtet war.
„Also hat Padfoot es geschafft, Tom zu überzeugen, dir für den Tag freizugeben?" schloss James.
„Das hat er getan, ja," antwortete Donna. „Hallöchen, Lily."
„Hey, Don. Wo bist du?"
Aber ihre Freundin war kurzzeitig durch jemanden abgelenkt, der nicht in James Spiegel abgebildet war. „Schau auf dem Sims," sagte sie ungeduldig zu jemandem. „Tja, du hast es wahrscheinlich übersehen!" Donna kehrte ihre Aufmerksamkeit zurück zum Spiegel. „Black kann das Flohpulver hier nicht finden…"
„Ihr seid schon bei Dorcas?" fragte James.
„Ja. Der Besuchereingang ist geschlossen."
„Wissen wir," sagte James. „Wir haben es gerade versucht. Ihr hättet uns Bescheid sagen können. Hat Sirius McKinnon eingesammelt?"
„Er kommt erst morgen nach Hause," sagte Marlene, fast zur selben Zeit, wie Donna antwortete: „Er ist noch nicht aus dem Urlaub zurück."
„Zu schade," murmelte der Rumtreiber. „Wenn es kein Flohpulver auf dem Sims gibt, könnte etwas in der Küche sein."
„Hast du das gehört, Black? Es könnte was in der Küche sein! Ich hab es dir gesagt…!"
„Warum floht ihr nicht von deinem Haus aus, Donna?" fragte Marlene. „Seid ihr nicht wegen deines Bruders angeschlossen?"
„Eine brillante Idee," antwortete Donna sarkastisch. „Ich wünschte, ich hätte daran gedacht… nur, dass ich das habe und Black gesagt hat, dass wir… hast du es gefunden?" Das offensichtlich zu Sirius. „Er hat das Flohpulver gefunden. Wann seid ihr hier?"
„In einer Minute. Wir müssen nur rüber apparieren."
„Das Passwort ist…"
„'Dumbledore', ich weiß," unterbrach James.
„In Ordnung," sagte Donna. „Tja… ich schätze, ich sehe euch in… was?" Wieder zu Sirius. Donna schien dem zuzuhören, was der Rumtreiber auf ihrer Seite ihr sagte, aber Lily konnte es nicht verstehen. Stirnrunzelnd drehte sich Donna zurück zum Spiegel. „Potter, Black meint, dass ich fragen soll: ‚Hast du es schon gesagt?'"
„Sag ihm, dass er ein Arsch ist," sagte James ungeduldig. „Bis gleich." Den Spiegel ein paar Mal schüttelnd, steckte er ihn unter die Fütterung des Hutes und setzte sich dann den Hut wieder auf.
„Was war das alles?" fragte Lily neugierig, aber James schien sie nicht zu hören. Er nahm Marlenes Hand und wies sie an, Lilys zu nehmen. „Auf drei, dann... eins, zwei…"
Lily hatte Dorcas Meadowes noch nie getroffen, aber als James das Passwort an der Haustür aufsagte und die drei jungen Leute den Flur betraten, hatte sie direkt das Gefühl, dass sie die Frau mögen würde.
Es war ein altes viktorianisches Haus, innen unerwartet hell und freundlich. Eine gelbe Katze schlief auf der dunklen Eichentreppe und die Wände waren mit magischen, bewegten Fotos bedeckt.
„Hier lang," sagte James und führte sie einen Flur hinunter und in ein großes Wohnzimmer. Eine veraltete Fernsehkiste stand in der Ecke, möglicherweise um die Illusion zu geben, dass hier Muggel wohnten, obwohl die Tatsache, dass alle Möbel so angeordnet waren, dass keiner wirklich so saß, dass er angenehm den Bildschirm sehen konnte, diesen Zweck zunichte machte. Die Wände waren ringelblumengelb, die Sofas und Sessel toffe-braun und auf dem niedrigen Kaffeetisch stand eine Vase mit Sonnenblumen. Lily lächelte sie an – ihre Lieblingsblume – bis eine Stimme in ihrem Kopf aufploppte… James halb-besoffenes Lallen: „Du siehst aus wie eine Sonnenblume," aus der Nacht nach Petunias Hochzeit.
Plötzlich unbehaglich entfernte sich Lily in Richtung des großen Kamins. Sirius und Donna hatten anscheinend aus praktischen Gründen das Flohpulver auf dem Kaminsims stehen gelassen und James nahm sich eine Handvoll der aschähnlichen Substanz aus der Porzellanschale. Lily und Marlene taten es ihm gleich.
„Ich gehe zuerst," meldete sich Lily freiwillig, aber James schüttelte den Kopf.
„Ich gehe… falls irgendetwas schief geht…"
„Dann bist du in genau denselben Schwierigkeiten, wie ich es wäre," protestierte der Rotschopf, aber James war bereits in den Kamin getreten. Bevor sie weiter argumentieren konnte, warf er das Pulver und rief laut: „Das Ministerium für Magie!"
In einer großen Zunge von grünem Rauch verschwand der Zauberer. Lily und Marlene sahen sich an.
„Flohen macht mir Angst," sagte die Blondine mit einem Schütteln. „Du darfst sehr gerne zuerst gehen."
Lily schnaubte, aber folgte James Fußstapfen in den hohen Kamin. Sie schloss ihre Augen, warf das Flohpuder und imitierte seine Adresse: „Ministerium für Magie!"
Als sie ihre Augen wieder öffnete, waren die kühlen grünen Flammen um sie herum bereits erstorben und sie schritt heraus auf die polierten Holzböden des Atriums im Ministerium für Magie. James wartete ein paar Schritte weiter auf sie und Marlene schloss sich ihnen eine Minute später an.
„Merlin, wie ich das hasse," murmelte sie, zu den anderen beiden herüber stolpernd.
Das Atrium war voll und laut, aber von da, wo sie standen, konnte nur das Obere der goldenen Statuen gesehen werden, die den Brunnen der Magischen Brüder darstellten und Lily zumindest war gespannt zu sehen, was dort passierte.
„Also los dann," sagte James, und er führte sie durch die Menge.
Bis dahin war sich Lily unsicher gewesen, was genau sie bei der Ankunft an James so genanntem Protest erwarten sollte. Sie hatte Muggelproteste in den Nachrichten gesehen, natürlich, aber wenn ihr sechs Jahre in der magischen Gemeinschaft irgendwas beigebracht hatten, dann, dass Hexen und Zauberer Dinge oft leicht anders taten.
Was auch immer Lily bei dem Wort „Protest" erwartet hatte, was es jedoch nicht das, was sie fand. Wenn sie nicht bereits gewusst hätte, dass etwas los ist, wäre Lily nie der Unterschied aufgefallen. Hexen und Zauberer tauchten durch das Flohnetzwerk in den verschiedenen Endpunkten auf, die am Gang lagen, und eilten ungestört zu ihren Zielen. Touristen hingen herum, hörten geschwätzigen Reiseführern zu, während diese die verschiedenen Merkmale des Atriums anpriesen– die großen goldenen Magischen Gebrüder Brunnen in der Mitte, die Plaketten an der Wand und die Porträts von Geldgebern, grinsend und winkend von ihren Bildrahmen hoch oben. Der so genannte „Protest" bestand aus etwas zwei Dutzend Leuten in Rot, die auf der Ecke des Brunnen der Magischen Brüder saßen – und Lily kannte bereits etwa ein Drittel der Anwesenden.
Sie schienen nicht viel zu tun.
„Ist das ein stiller Protest?" murmelte Lily trocken zu James. Er grinste nur.
„Nein. Es hat bloß noch nicht angefangen. Komm, du wirst jeden kennenlernen wollen." Aber bevor das Kennenlernen beginnen konnte, brach eine Stimme im Lärm hervor, die seinen Namen rief.
„Prongs!"
Die drei drehten sich um und sahen, wie Remus sich zu ihnen durchschob. Er grinste breit und trug ebenfalls ein rotes Shirt und einen Hut, identisch zu dem auf James' Kopf, abgesehen von der Farbe (braun).
„Es war nur eine Stunde, Moony," bemerkte James, aber Remus verdrehte seine Augen.
„Lily! Hi!" Er gab ihr eine kurze Umarmung. „Prongs, Peter weiß nicht, wie er zu Dorcas kommt und er ist nicht sehr gut in blinder Apparation mit bloß einer Adresse. Er will, dass ihn jemand abholt, aber Sirius will nicht und – ach du Scheiße, Marlene!"
Remus schien gerade erst zu realisieren, dass die Blonde, die neben James stand, keine komplette Fremde war, sondern eine seiner Klassenkameradinnen.
„Um Agrippas Willen, ich hab dich nicht erkannt! T'schuldigung, das ist voll unhöflich, aber…" Marlene lachte Remus gestammelte Entschuldigungen weg und sie umarmten sich kurz, bevor Remus seine Schnellfeuer-Rede an James fortsetzte. „Jedenfalls will Padfoot ihn nicht abholen, also ich soll ich dich bitten, …"
„Verdammte Scheiße, ich will nicht gehen," protestierte James verärgert. „Ich bin gerade erst gekommen!"
„Dann sag das Padfoot. Er hört nicht auf mich…"
„In Ordnung." James begann zu gehen, aber dann erinnerte er sich an die zwei Hexen, die er mitgebracht hatte. „Ey, wollt ihr mitkommen? Ich kann…"
„Ist das Sarah McKinnon?" unterbrach Marlene und zeigte auf eine hübsche, zierliche Hexe, etwa zwanzig Jahre alt, die auf der Brunnenkante saß. Unter ihren roten Umhängen trug sie ein Shirt, auf das in großen grünen Buchstaben M.F.F. gedruckt war. „Ich denke, ich sage mal hallo."
„Ich gehe mit Marlene," stimmte Lily zu und James sah etwas erleichtert aus.
„Super, okay."
Und damit verschwand er mit Remus in die Menge. Marlene lief auf Sarah McKinnon zu, Adams ältere Schwester, die in Hogwarts zwei Jahre über ihnen gewesen war und Marlene immer gemocht hatte. Lily wollte ihr folgen, aber jemand tippte ihr auf die Schulter und sie drehte sich um.
Dort stand ein vage vertraut aussehender, junger Zauberer, der einen kastanienbraunen Hut trug. Er war vermutlich in seinen frühen bis Mitt-Zwanzigern und nicht viel größer als Lily, aber er war dünn und hatte ein langes Gesicht, was eine Höhe vermuten ließ, die nicht wirklich da war. Er hatte helles Haar, Sommersprossen und trug ein T-Shirt identisch zu dem von Sarah McKinnon, mit denselben grünen Buchstaben „M.F.F."
„Also du bist das Mädchen, ja?" fragte der Zauberer, fast vorwurfsvoll, aber in seinen blauen Augen war ein Schimmer von Humor.
„Welches Mädchen?" fragte Lily verwirrt.
„Die Freundin meines Cousins natürlich. Du solltest wissen, dass ich sehr beschützerisch bei meiner Familie bin."
„Ich bin nicht die Freundin deines Cousins," antwortete Lily. „Wer ist dein Cousin?"
„Wenn du nicht weißt, wer mein Cousin ist, wie kannst du überhaupt wissen, dass du nicht seine Freundin bist?"
„Weil ich niemandes Freundin bin."
„Das ist die richtige Einstellung, Mädchen."
„Nein, wirklich. Bin ich nicht."
„Oh." Der Zauberer hob eine Augenbraue. „Tja, das macht nicht wirklich Sinn, oder? Männer werden für mich immer ein Mysterium bleiben, schätze ich." Er zuckte mit den Achseln. „Aber du bist die Rothaarige, oder?"
„Ich bin eine Rothaarige, aber vermutlich nicht die einzige. Wer bist du?"
„Ich bin Sam, natürlich. Bist du Lily?"
„Ja." Etwas klickte in Lilys Kopf und sie erinnerte sich, wo sie diese Person zuvor gesehen hatte – im Pub, am Donnerstag in der Woche der Forderungen. Er saß bei… „Warte, bist du…?"
„Tja, ich hatte angenommen, dass du James' Mädchen bist," plapperte Sam locker weiter. „Du bist die, mit der Black ihn immer aufgezogen hat. Ich schätze, du bist die Rothaarige, aber nicht das Mädchen."
Wäre sie weniger abgelenkt gewesen, wäre Lily vielleicht rot geworden. So war sie nur etwas nervös. „Du bist James Potters Cousin?"
„Fast. Der Cousin seiner Mutter, eigentlich, aber es ziemlich dasselbe. Tja, wenn du nicht James' Mädchen bist, schätze ich, dass ich doch nett zu dir sein kann. Glücklicherweise, wirklich, weil du scheinst, Spaß zu verstehen." Er nahm seinen Hut ab und verbeugte sich leicht. „Sam Dearborn und – bevor du fragst, ja, ich bin, leider ziemlich verwandt mit dem Typ, gegen den wir protestieren. Eg' ist mein älterer Bruder… war schon immer ein pompöses Arschloch, als wir klein waren. Kinder heutzutage… ehrlich… tja, worauf wartest du?"
Lily begann den Rhythmus von Sams ziellosem Geplapper zu erkennen. „Darauf, dass ich auch mal zu Wort komme," antwortete sie und als er zur Antwort grinste, machte sie es ihm nach.
„Ich meine, müsstest du nicht alle kennenlernen?" fragte er. „Ich soll auf dich aufpassen, weißt du."
„Wer sagt das?"
Sams Grinsen wurde nur breiter. „Wer denkst du denn? Lily… Hayes, oder?"
„Nicht einmal nah dran. Evans."
„Verdammt. Trotzdem schön, dich kennenzulernen."
Lily nahm die angebotene Hand.
„Komm mit," fuhr Sam fort, sich halb von ihr wegdrehend. „Du solltest alle anderen kennenlernen. Ey – Dory!"
Eine kleine, mittelalte Hexe in langen, scharlachroten Umhängen drehte sich bei Sams Ruf um. Sie hatte drahtiges Haar auf Schulterlänge, tintenschwarz, bis auf eine Strähne von schneeweißem Haar, die sich um ihr herzförmiges Gesicht legte. Alles an ihr – von ihren fröhlichen braunen Augen bis zu ihrer plumpen Figur, war deutlich gerundet und als Lily die Frau mit dem Haus verknüpfte, durch das sie zuvor gereist war, dachte sie, dass sie ziemlich gut passten.
„Hallo Liebes," sagte die Hexe. „Wer bist du?"
„Lily Evans."
„Ich bin Dory. Dorcas Meadowes."
„Ich komme tatsächlich gerade von deinem Haus. Ich…"
„Oh, tust du das?" fragte Dorcas abwesend. „Die Katze hat nicht gebissen, oder? Maura ist schrecklich temperamentvoll."
„Nein, sie hat geschlafen."
„Oh, lieblich. Warum warst du in meinem Haus?"
Lily war sich nicht sicher, ob Dorcas Witze machte.
„Zum Flohen natürlich, meine Liebe," meldete sich Sam zu Wort. „Ignorier Dory, Lily Evans. Sie ist senil."
„Das bin ich sicherlich nicht."
„Ich kann dir nicht genug danken," sagte Lily trotzdem. „Es ist ein schönes Haus."
„Tja, bist du nicht nett?" Dory strahlte die jüngere Frau an. „Du musst wohl die Rothaarige sein."
„Passt wie die Faust auf's Auge, oder?" stimmte Sam zu. „Sorry," fügte er zu Lily hinzu, „wir sind manchmal ziemlich unhöflich. Dory hat mich quasi aufgezogen, weißt du, und manchmal vergessen wir, dass andere Leute uns beim Quatsch erzählen zuhören. Wo ist Emmeline, meine Liebe? Lily sollte Emmeline treffen… ihr zeigen, dass nicht alle Reinblüter völlig irre sind. Es gibt ein paar vernünftige Einzelpersonen unter den… oh, Lily, dir macht das Wort doch nichts aus, oder?"
„Welches Wort?"
„Reinblüter."
„Äh… nicht besonders, nein."
„Perfekt. Ich kannte mal einen Typen, der extrem ungehalten wurde, wenn ich das Wort sagte. Ich will niemanden beleidigen. Ich war mal ein Hufflepuff für ein paar Tage, also…" Er verstummte, als ob was er sagen wollte offensichtlich sei, doch Lily hatte keine Ahnung. „Oh, da ist Em. Em!"
James hatte Emmeline als Dorcas Schwester beschrieben, aber die zwei hätten nicht unterschiedlicher sein können. Lily hatte nicht erwartet, dass sie tatsächlich eine von ihnen war. Emmeline war deutlich größer und jünger, etwa 35, nach ihrem Aussehen zu schätzen, mit weichem, braunem Haar, das in einen ordentlichen, McGonagall-ähnlichen Knoten gezogen war. Sie war dünn und in vernünftigen Businesskleidern und sie strahlte nicht, wie Dorcas es als Antwort getan hatte, sondern hob eine dünne, manikürte Augenbraue.
„Was ist, Samuel?"
„Du solltest Lily kennenlernen. Sie ist gerade angekommen," sagte Sam, sehr schnell. „James Potter hat sie mitgebracht."
„Es sind schon zu viele Teenager hier," sagte Emmeline mit einem Anflug von Anspannung in ihrer Stimme. „Ich meine es nicht persönlich," fügte sie hinzu, „und wir sind dankbar für deine Anwesenheit, aber so riskant, wie es ist, mit all diesen jungen Leuten, die hier rumlaufen…"
„Ignorier' meine Schwester," sagte Dory, breit lächelnd. „Sie kam mit vierzig auf die Welt."
„Ich kam pragmatisch auf die Welt, Dorcas."
„Wie auch immer du es nennen willst, Em," zog sie die ältere Frau auf. „Jedenfalls, so wie ich es sehe – umso mehr junges Blut, desto besser. Niemand glaubt den Älteren."
Sam schnaubte. „Jung im Herzen, Liebes. Lass uns sehen – wen solltest du sonst noch treffen? Oh, da sind Gideon und Fabian Prewett…"
Aber Lily kannte die zwei langen Rotschöpfe schon sehr gut, die sich als die Prewett Zwillinge herausstellten. Sie waren in Hogwarts ein paar Jahre älter als Lily gewesen – beide Gryffindor und Mitglieder des Quidditchteams (Gid ein früherer Treiber, Fabian ein Sucher). Sie standen etwas entfernt, fast auf der anderen Seite des Brunnens und Lily hatte sie nicht gesehen. Sie lächelte und winkte und wäre wahrscheinlich herüber gegangen, hätten sich nicht zwei andere vorherige Schulkameraden genähert: Frank und Alice.
„Lily!" quietschte Alice quasi und warf ihre Arme um den Nacken der Rothaarigen. Sie und Frank trugen beide braune Umhänge, mit eingravierten silbernen Abzeichen im Revers, auf denen stand: A. T. Frank sah noch ziemlich genauso aus, wie er es im Juni getan hatte – das letzte Mal, das Lily die beiden älteren Schüler gesehen hatte – aber Alices Haare waren länger und glatter, und im Moment in einem tiefen Pferdeschwanz. Fast direkt nach ihrem Ausruf zuckte Alice mit großen Augen zurück: „Gütiger Merlin, ich höre mich so mädchenhaft an. Ich hatte keine Möglichkeit, diese Stimme seit Juni zu verwenden! Um Agrippas Willen, Lily, du siehst wundervoll aus! Wie geht es dir? Wie ist der Sommer? Hast du…?"
„Wirst du sie auch antworten lassen?" fragte Sam, und Alice schnitt ihm eine Grimasse.
„Still, Dearborn."
„Ihr zwei kennt euch?" fragte Lily überrascht. „Ich fühl mich so ausgeschlossen."
„Ich habe einen Cousin, der ein Dearborn ist," sagte Alice, „und Sams Bruder ist einer unserer Trainer… Aurorentrainer, meine ich."
„Dein Bruder…?"
„Oh, nicht Egbert," sagte Frank, sich zu Wort meldend. „Doc. Apropos – kommt Doc, Sam?"
„Wahrscheinlich nicht," antwortete der Zauberer, seine Augen verdrehend. „Er denkt, es ist alles ziemlich lächerlich. Natürlich versucht Doc unpolitisch zu bleiben, selbst wenn, tief drin, seine Loyalität am rechten Fleck ist. Doc und ich sind die schwarzen Schafe der Dearborns…"
„Warte eine Sekunde," unterbrach Lily. „Es ist nicht Caradoc Dearborn, oder?"
„Oi, das stimmt!" erinnerte sich Alice. „Du kennst Doc, oder? Er ist eingesprungen, als Professor Black…" sie brach ab. „Jedenfalls kennst du Doc, schätze ich."
„Tja, da hast du es," sagte Sam. „Nicht ganz so ausgeschlossen, am Ende."
„Wann bist du angekommen, Lily?" fragte Frank. „Und wie hast du davon gehört?"
„James Potter ist vor einer halben Stunde auf meiner Tür aufgetaucht," antwortete Lily. „Ich bin ehrlich gesagt immer noch etwas verwirrt über das, was wir hier eigentlich genau machen."
„Gerade noch nichts," antwortete Alice. „Wir warten darauf, dass der Zaubergamot aus dem Rat herauskommt."
„Warum?"
„Tja, da Potter Senior vor der eigentlichen Frist abgedankt hat," erklärte Frank, „müssen sie seinen Ersatz wählen."
„Die Wahl ist erst morgen," sagte Sam. „Aber trotzdem, denken wir, wäre es viel effektiver zu einer Zeit zu marschieren, wenn der gesamte Zaubergamot nicht in einem abgelegenen Kerker eingesperrt ist."
„Marschieren?"
„Merlin, James hat dir nicht viel gesagt, oder?" fragte Alice.
„Stimmt, wenn ich darüber nachdenke," gab Lily zu, „hat er sich sehr kurzgefasst." (Kurzangebunden, wirklich. War er sauer auf sie?)
„Wir gehen durch das Atrium," sagte Sam. „Es ist sehr historisch, weißt du. Zauberer, die für Muggelstämmigen-Rechte protestiert haben, haben es 1845 und 1963 getan…"
„Sie will keine Geschichtsstunde," unterbrach eine neue Stimme hinter Lily und sie drehte sich um, als sie die Stimme erkannte.
„Sirius."
„Lily," antwortete er. Er trug ein scharlachrotes T-Shirt, das ihm gut stand und einen schicken, silbernen Hut.
„Weißt du," sagte sie, als James und Remus neben ihrem Freund auftauchten, „ich glaube, der Hut steht dir."
„Das kann doch nicht dein Ernst sein…" grummelte James und Sirius grinste.
„Also, wer holt Peter?" fragte Lily.
Remus verdrehte seine Augen. „Wir alle. Diese zwei konnten sich nicht einigen, wer gehen muss."
„Wann kommen die anderen A.T.s, Frank?" fragte James.
„Auror Trainees," erklärte Alice auf Lilys nachfragenden Blick hin.
„In zehn Minuten. Alle außer Dawlish."
„Alle der Auroren-Trainees sind gegen meinen Idioten Bruder?" fragte Sam überrascht. „Nicht, dass ich dagegen bin – es ist bloß überraschend."
„Nicht wirklich," sagte Alice. „Die A.T.'s arbeiten viel in der Aurorenabteilung und das ist ein Teil der A.M.S. Niemand hier scheint ihn wirklich sehr zu mögen, warum es so ein Schock ist, dass ihm dieser Job auf lange Zeit gegeben werden soll."
„Da wurde wohl jemand bestochen," sagte Sam trocken.
„Er ist ein Arsch," stimmte Frank zu. „Nichts gegen dich, aber er kann sich nicht mal den Namen seiner eigenen Sekretärin merken. Apropos, ich glaube, Reese wird sich uns anschließen."
„Wie kommt es, dass sich alle A.T.s uns anschließen können?" fragte Lily. „Ich meine, habt ihr kein Training?"
„Es ist Urlaubswoche für uns," sagte Frank. „Die ist alle paar Monate."
Donna und Marlene schlossen sich der Gruppe an, sowie Sarah McKinnon, die sofort neben Sam stand und einen Arm um seine Schulter legte. „Elphias sagt fünfzehn Minuten," sagte sie ihm und den anderen. „Und Miss Shacklebolt sagt, dass ihr Bruder sich uns nicht anschließen wird."
„Er ist auf einer Mission," elaborierte Donna. „Jedenfalls so was in der Art…" Diesen letzten Teil murmelte sie ziemlich leise, so dass er von den meisten gar nicht bemerkt wurde.
„Ich schätze, so ist es auch besser," sagte Frank. „Die A.T.s haben Urlaub, aber die Auroren sicherlich nicht und die haben einen Job, der getan werden muss, egal, wer der Leiter der Abteilung ist."
„Außerdem" stimmte Alice zu, „haben wir schon Emmeline Vance – sie ist von A.M.S."
„In Ordnung," sagte James. „Dann schätze ich, wir sollten besser los."
„Richtig," sagte Sirius. Er drehte sich zu Lily. „Wenn ich zurück bin, läufst du besser mit mir, Evans. Da sind ein paar Dinge, die wir besser besprechen sollten."
„Welche Dinge?"
„Komm schon, Sirius," sagte Remus laut.
Sirius zwinkerte Lily zu und die drei Rumtreiber drehten sich um und verschwanden in der Menge vor den Flohnetzwerken.
„Worum geht's denn da?" fragte Alice, und Lily schüttelte bloß ihren Kopf.
„Frag mich nicht. Die verhalten sich schrecklich geheimnisvoll…"
(Opposition)
Die drei Rumtreiber äugten um die Ecke der Gasse, in die sie gerade appariert waren. Niemand schien in der Nähe zu sein und so schritt James forsch hervor.
„Du hast es Lily also noch nicht gesagt," sagte Sirius, seine Arme verschränkend, als er und Remus ihrem Freund dicht folgten.
„Habe ihr noch nicht was gesagt?" fragte James schroff.
„Egal was," sagte Remus. „Ich schätze, du hast auch noch nicht das Schulsprecher-Abzeichen erwähnt?"
„Es hat sich noch nicht ergeben," verteidigte der andere sich. „Wir waren ein wenig beschäftigt, falls du es noch nicht bemerkt hast."
„Sie würde das gerne wissen, vor allem, da sie Schulsprecherin ist," sagte Remus. „Und sie hat mir letzte Woche eine Eule geschickt… bevor ich wusste, dass du es wurdest, war sie verängstigt, dass Snape es werden würde."
„Warum würde sie das verängstigen?" wollte James wissen, als sie eine Straße überquerten. Sie waren noch immer ein paar Blöcke von Peter entfernt.
„Ich weiß es nicht," sagte Remus. „Aber sie denkt, dass es vielleicht Snape ist, weil sie bereits die Gryffindor und Ravenclaw Vertrauensschüler in unserem Jahr ausschließen kann, also solltest du sie wirklich beruhigen."
„Oh, wen zur Hölle kümmert's?" grummelte Sirius. „Was ist mit der anderen Sache?"
„Ja, was ist damit?" wollte Remus auch wissen.
James verdrehte seine Augen, und beschleunigte seinen Gang, sodass er etwas vor den anderen lief. „Ich weiß nicht, warum ihr zwei so darauf fixiert seid, dass ich Lily von Carlotta erzähle. Es ist nicht, als ob ich da irgendeine Verpflichtung hätte…"
„Vielleicht keine offizielle Verpflichtung," protestierte Remus. „Aber jeder weiß, dass du und Lily eine… Geschichte habt."
„Nein, Lily und ich haben keine Geschichte. Ich habe eine Geschichte, aber Lily und ich tun das nicht, was in der anderen Nacht sehr klar gemacht wurde…"
„Ihr habt euch fast geküsst!" argumentierte Sirius.
„Fast! Aber das haben wir nicht, was hier das wichtige Detail zu sein scheint, das ihr ignoriert."
„Für mich sind das immer noch gemischte Signale."
James spottete. „Es gibt eine Menge Dinge, über die mir Lily gerechtfertigter Weise einen Vortrag halten könnte, aber gemischte Signale sind da nicht dabei."
„Okay, warte, Prongs," sagte Sirius, den Arm seines Kumpels packend und zum Anhalten zwingend, sodass er die anderen zwei Rumtreiber in der Mitte des Gehwegs anschauen musste. „Die Tatsache ist, dass du Lily heute zum Ministerium gebracht hast… das muss etwas bedeuten."
„Nein, das tut es nicht – Carlotta ist in Italien. Ich hätte sie niemals erreichen können."
„Aber von allen Menschen aus der Welt," fuhr Remus fort, „hast du Lily Evans mitgebracht."
„So ist das nicht! Ich hab dir gesagt: Carlotta und ich werden tatsächlich eine Beziehung versuchen und ich werde nicht…"
„Nein, nein, nein," unterbrach Remus. „Das ist es nicht."
„Wir wollen bloß wissen, warum Carlotta und warum jetzt?" fragte Sirius. „Ist es, weil sie richtig heiß und irgendwie schlampig ist?"
„Padfoot, halt die Klappe." James begann wieder zu gehen, aber Remus und Sirius hielten ihn auf.
„Warte, Padfoot meinte es nicht so!" beharrte Remus. „Er meinte bloß… ich meine, jetzt wo Lily gerade warm wird mit dir…"
„Springst du ins Bett mit Carlotta?" beendete Sirius. „Es macht keinen Sinn. Ich würde sagen, ‚das bist nicht du', abgesehen davon, dass es typisch du ist, etwas Dummes zu machen, wenn Lily gerade mit dir warm wird. Unter normalen Umständen würde ich sagen ‚mach ruhig! Carlotta ist unglaublich gutaussehend und gute Arbeit, wenn du sie schnappen kannst.' Aber jetzt?"
James stöhnte. „Warum kümmert es euch?" wollte er wissen. „Ernsthaft, warum zur Hölle kümmert das euch das überhaupt?"
Sirius blickte ihn finster an. „Du willst wissen, warum es uns kümmert?"
„Ja."
„Willst du das wirklich wissen?"
„Ja!"
„Moony, sag ihm, warum es uns kümmert."
Remus verschränkte seine Arme und schüttelte seinen Kopf in anscheinend unaussprechlicher Verärgerung. „Uns kümmert's," sagte er, „weil wir sechs Jahre lang Schimpftiraden und Beschwerden und stundenlange Brainstorming-Sitzungen aushalten mussten, während du dir wirklich schreckliche Wege überlegt hast, dieses Mädchen auf ein Date einzuladen…"
„Wir haben Dingen zugehört," sagte Sirius, „denen kein Mann mit… irgendwas in der Hose jemals zuhören müssen sollte! Die Hälfte der Zeit hast du nur mit dir selbst geredet! ‚WARUM ist Lily Evans mit Schniefelus befreundet? WARUM denkt sie, dass ich der illegtime Sohn des Teufels bin? WARUM hat sie nicht zugestimmt, mit mir auf ein Date zu gehen, als ich ihr Abendessen dazu verhext habe, sie zu fragen? WARUM dachte ich, dass es eine gute Idee sei, ihr Abendessen so zu verhexen, dass es sie fragt?"
„Und auf all das folgte stets – nicht, dass es mich wirklich kümmert," fuhr Remus fort und Sirius verdrehte seine Augen. „Aber natürlich kümmerte es dich! Du hast das Mädchen sechs Jahre lang gestalkt! Du hast aufgehört, Leute zu verhexen… du hast aufgehört, zu rauchen…"
„Ich habe nicht wegen Lily Evans aufgehört zu…"
„Ja, als ob," unterbrach Remus und beide seiner Freunde waren über die Forschheit ihres üblich sanften Freundes erschrocken. „Du wärst vom Astronomieturm gesprungen, um sie zu beeindrucken! Wirklich, ich bin froh, dass du daran nicht gedacht hättest, denn wenn es dir eingefallen wäre, hättest du es getan! Und dann hätte uns dein Geist verfolgt, wäre durch die Flure gewandert und hätte gejammert, dass Lily Evans nicht beeindruckt war, als du dich für sie umgebracht hast!"
„Seid ihr zwei fertig?" fragte James verärgert.
„Fertig?" wiederholte Sirius. „Prongs, das ist bloß die Spitze des Besenstiels. Ich würde wetten, dass sich … 72 Prozent deiner wachen Gedanken, seit du in Hogwarts angefangen hast, um Lily gedreht haben. Und ich will nicht mal über deine nicht-wachen Gedanken denken, weil das ist, ehrlich gesagt, eklig."
„Okay, vielleicht vor zwei Jahren," unterbrach James. „Aber das war vor zwei Jahren. Zeiten verändern sich und …"
„Und du bist ein Idiot," sagte Remus. „Vor zwei Jahren hielt Lily Evans es nicht aus, im selben Raum wie du zu sein. Heute Morgen bist du vor ihrer Haustür erschienen und sie folgt dir ziemlich blind zum Ministerium für Magie!"
„Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ihr euch fast geküsst hättet!" fügte Sirius hinzu. „Ich kann nicht der einzige sein, der sich daran erinnert!"
„Mit Betonung auf ‚fast'!"
„Mit Betonung auf ‚du bist ein Idiot!'"
„Das sind vier Worte, Padfoot."
„Semantik! Der Punkt ist…"
„Was ist der Punkt?"
„Du willst den Punkt wissen?"
„Ja!"
„Du willst wissen, was der Punkt ist?"
„JA!"
„Sag ihm den Punkt, Moony."
„Der Punkt ist, dass… all das… das Jammern, all das Planen, all das Nicht-nach-Tabak-riechen, all das Bangen…"
„Ich habe nicht gebangt…"
„ALL DAS BANGEN wird für NICHTS gewesen sein, weil du, Prongs, aufgeben wirst? Du gibst nie bei etwas auf – erinnerst du dich an das zweite Jahr, als du dich um einen Quidditchplatz bewerben wolltest, aber Declan Kapitän war und er meinte, dass alle Positionen besetzt sind, aber du hast ihn tagelang genervt, damit er ein Probetraining ansetzt und dann hat er das getan und dann bist du ins Team gekommen…"
„Und hast nebenbei einen Fünftklässler rausgeworfen," bemerkte Sirius. „Das war nicht schön."
„Aber du hast noch nie bei etwas aufgegeben, bevor du nicht das Ergebnis hattest, das du wolltest," fuhr Remus fort. „Nicht bei den Animagi oder der Karte des Rumtreibers und vor allem nicht bei Lily Evans. Also, auf einer gewissen Ebene, kümmert es Sirius und mich nicht…"
„Tut es nicht?"
„Tut es nicht?"
„Nein. Offensichtlich ist Carlotta Meloni…" Er schweifte ab.
„Heiß," gab Sirius zu.
„Wirklich, wirklich gutaussehend," stimmte Remus zu. „Und es ist nicht so, dass wir dagegen sind, dass du eine Freundin hast…"
„Äh. Ich bin ein bisschen dagegen."
„Aber, komm schon, nach all der Zeit, all der Anstrengung, all dieser Ablehnung, jetzt, wo es gerade… voran geht mit Lily, willst du einfach aufgeben?" Irgendwann war Remus' Streitrede in eine ehrliche Frage übergegangen. Er wartete mit einer gewissen Aufrichtigkeit auf James' Antwort. James' Antwort war jedoch etwas unerwartet.
„Hört ihr euch selbst?" fragte er. „Ehrlich – ihr beschreibt mich in den letzten sechs Jahren und ich höre mich wie ein Idiot an… ich klinge verrückt! Anscheinend wäre ich willentlich vom Astronomieturm gesprungen? Und das für ein Mädchen, das es nicht mal aushalten konnte, ‚im selben Raum wie ich zu sein'?"
„Das ist nicht, was ich…"
„Aber es stimmt. Und ich ‚komme nicht voran' mit Lily. Sie wird… sie wird nie so für mich fühlen. Wenn mich die andere Nacht etwas gelehrt hat, dann das. Und – ich fühle mich nicht so super dabei, aber habe ich nicht das Recht, es zumindest zu versuchen? Lily ist…" Er suchte nach den Worten, „Sie macht mich irgendwie verrückt, falls ihr es nicht bemerkt habt und ich weiß, dass ihr das habt. Carlotta – ich mag Carlotta. Sie macht mich nicht verrückt; ich kann einfach – genießen bei ihr zu sein. Sie ist… witzig. Ich verdiene zumindest das…"
„Aber…"
„Aber nichts, Padfoot! Wenn ich Lily aufgebe, heißt das nicht, dass all die Anstrengungen, mit denen ich versucht habe, sie dazu zu kriegen mich zu mögen, ein Haufen Scheiße waren… es heißt einfach nur, dass das Ziel vielleicht nicht das war, was ich dachte, das es war. Weil… ich so ziemlich alles gemacht habe, was ich tun kann, um mich gut genug für sie zu machen und sie will nur befreundet sein, also… also muss ich damit klarkommen und loslassen."
„Aber was ist mit ‚dem Quaffel und dem Schnatz'?" fragte Sirius, in einem letzten Versuch. „Verfolg nicht den Quaffel, wenn du…"
„Erstens," unterbrach ihn James, „zitier' meine Mutter nicht vor mir. Zweitens, Sirius – ich bin ein Jäger. Vielleicht soll ich gar nicht den Schnatz fangen…, weil, du weißt schon, der Quaffel ganz okay ist. Mit dem Quaffel ist nichts falsch. Du wirst ihn herum, er versucht sich nicht, vor dir zu verstecken…"
„Planst du, Carlotta herumzuwerfen?"
„Es ist eine Metapher, verdammt."
„In Ordnung, okay," sagte Remus fest. „Prongs, das einzige, das hier wirklich wichtig ist, ist, dass du wirklich über Lily hinweg bist. Also bist du das?"
James seufzte. Das verdammte heiße Wetter setzte ihm so langsam zu. „Ja," sagte er schließlich. „Wirklich," fügte er auf Sirius skeptischen Blick hinzu. „Können wir jetzt Peter abholen?"
Und er drehte sich um und lief den Block hinunter.
„Ja, als ob," murmelte Sirius, als sie ihm folgten.
„Vielleicht sagt er die Wahrheit," überlegte Remus. „Schließlich hat er Sam gesagt, dass er ein Auge auf sie haben soll und der Prongs der vergangenen Jahre hätte Lily keinem anderen Kerl anvertraut."
Sirius schnaubte. „Ja, aber es ist Sam."
„Na und?"
Sein Freund sah den jungen Werwolf verwirrt an. „Sam, Moony."
„Ich weiß. Und?"
„Sam. Sam Dearborn."
„Ich weiß, wer er ist! Worüber redest du?"
„Du weißt es wirklich nicht?" fragte Sirius ungläubig.
„Weißt was nicht?"
„Lily ist… nicht direkt Sams… Typ."
Remus verdrehte seine Augen. „Lily ist ein gutaussehendes, intelligentes, witziges und talentiertes Mädchen. Was genau an ihr ist nicht der Typ eines jeden Kerls – noch viel weniger Sams?"
Und dann begann Sirius zu lachen. „Der letzte Punkte auf dieser Liste, Moony. Merlin, und du sollst der schlaue sein! Ey, Prongs, weißt du was, …!" Er joggte voran um James einzuholen.
Remus trat einen Kiesel vom Gehweg. „Warum erzählt mir nie einer was?"
(Zeitgeist)
Lilys Schätzung von etwa zwei Dutzend „Protestierenden" („Marschierenden", wie Sam sie nannte) entpuppte sich als falsch. Zu der Zeit, an der sie anfingen zu gehen, waren etwa fünfzig Hexen und Zauberer involviert, von denen die Hälfte entweder nach Lily angekommen war oder von denen – wie bei Emmeline – Lily nicht angenommen hatte, dass sie Teil der Anti-Dearborn-Sache waren. Trotzdem trug die Mehrheit einen Rotton.
Ein älterer Zauberer in einem senfgelben Dreiteiler näherte sich der Gruppe, in der Lily gerade stand – die jetzt Donna, Marlene, Frank, Alice, Sam, Sarah McKinnon und Gideon und Fabian Prewett beinhaltete – und wurde als Elphias Doge vorgestellt. Doge informierte sie über die Marschroute – quer durch die Atriumhalle, zurück zum Brunnen und um ihn herum – und warnte sie alle, eng beisammen zu bleiben und ihre Zauberstäbe nur im absoluten Notfall zu ziehen.
„Wir gehen für etwa eine Stunde," sagte er ihnen. „Zeigen ihnen, dass wir keine Verwendung für Egbert Dearborn und seinen ‚Bevölkerungsschutz' haben."
Damit ging Doge zur nächsten Gruppe um sie einzuweihen.
Wie es sich herausstellte, war Doges Einschätzung des Tages fast vollständig falsch.
Aber später mehr dazu.
„Er hat es so langweilig klingen lassen," beobachtete Sam. Er hakte sich bei Lily ein. „Gehst du mit mir, Evans? Du kannst mich beschützen. Ich bin ein verdammter Angsthase, weißt du."
„In Ordnung, aber nur wenn du mir erzählst, was es mit diesen Hüten auf sich hat…"
„Es geht darum, fabelhaft auszusehen," antwortete Sam, als ob es das Offensichtlichste in der Welt wäre. Die Leute schienen eine Art breite Schlange zu bilden, in die sich Lily und Sam einreihten, während Lily mit ihrem freien Arm rüberreichte und den Hut von Sams Kopf schnappte. „Du musst geisteskrank sein," warf Sam ihr tatenlos vor. „Braun mit deinem Haar zu tragen."
„Ich finde, es ist ziemlich bezaubernd," witzelte Lily, obwohl sie annahm, dass der Hut, in Kombination mit ihren Haaren, in Kombination mit ihrem T-Shirt, ein wahrlich gruseliger Anblick sein musste.
„Oh, ja, schrecklich," stimmte Sam sarkastisch zu.
Die Rumtreiber waren noch nicht zurückgekehrt, als die fünfzig von ihnen anfingen zu marschieren und Lily wäre besorgt gewesen, wenn sie nicht viel zu damit abgelenkt gewesen wäre, wie peinlich es am Anfang war. In den Nachrichten wurde nie berichtet, wie peinlich sich die ganze Sache wirklich anfühlte.
Jede Menge anderer Menschen im Atrium starrten sie an. Manche schauten ihnen aus purer Neugier zu, lasen die Worte, die Elphias Doge in roten glitzernden Buchstaben über ihren Köpfen beschwört hatte, „Haltet Dearborn aus dem Ministerium raus, Haltet ihn aus Hogwarts raus." („Ein bisschen sperrig," bemerkte Sam, seine Augen verdrehend. „Armer Doge – er hätte etwas Einprägsameres wählen sollen, wie „Weg mit Dearborn!" Und Lily machte sich nicht die Mühe, die Ironie in Sams Aussage zu erklären.) Eine Minderheit der Außenstehenden warf den Marschierenden ermutigende Blicke zu, aber die meisten schienen das Ereignis als eine vorübergehende Kuriosität und nicht viel mehr anzusehen.
Jedoch, die erste signifikante Steigerung in Lilys Stimmung erschien in der Form von fast zwanzig Aurorentrainees, die sich der Gruppe anschlossen, bevor sie einmal das Atrium umrundet hatten. Die neuen A.T.s trugen kastanienförmige Umhänge, genau wie Franks und Alices Uniformen und, hellten die Stimmung deutlich dadurch auf, dass sie die Anzahl der Gehenden um fast die Hälfte erhöhten. Sie waren auch verantwortlich dafür, dass ein Sprechgesang von „Dearborn raus!" aufkam, in den Sam fast sofort einstieg und Lily konnte nicht anders, als über seinen Enthusiasmus ein wenig zu lächeln.
Schließlich nahm er eine Pause vom Singen – obwohl die anderen, inklusive (zu Lilys Überraschung) Donna und Marlene, weitermachten – und drehte sich lange genug zu Lily um zu fragen: „Wie ist es so… in Hogwarts?" Er hatte auch die Worte über ihnen betrachtet und war anscheinend auf das letzte fokussiert.
Lily hob ihre Augenbrauen. „Es… ist brillant. Bist du nie gegangen?"
„Ich bin gegangen," sagte Sam. „Wurde aber nach Hufflepuff gesteckt, und wenn man meine Mum fragt, hat mich das quasi zum Squib gemacht. Also hat sie entschieden, dass es genug ist und mich nach Hause gebracht."
„Oh…"
„Es ist Jahre her," fuhr Sam grinsend fort. „Ich schätze, ich bin drüber hinweg. Aber trotzdem, frage ich mich, wie es sein muss… immer um Leute in seinem eigenen Alter herum zu sein."
„Du wurdest also zu Hause unterrichtet?" fragte Lily neugierig und Sam nickte. „Tja… es ist brillant. Ich wünschte ich könnte sagen, das wäre es nicht, aber… alles dort ist – fantastisch. Immer neu."
„Das Schloss ist hunderte von Jahren alt, weißt du…"
„Mmm, aber es ist – es verändert sich immer. Du weißt nie, was du erwarten sollst. Und es gibt immer etwas zu tun und etwas herauszufinden und… ich weiß nicht. Es gibt… doppelt so viele Dinge über die Welt herauszufinden als damals, bevor ich wusste, dass ich… du weißt schon, eine Hexe bin." Lily biss sich auf ihre Lippe, im Versuch einen Nachteil zu finden. Nicht in der Lage, welche zu finden, versuchte sie eine andere Strategie: „Aber du bist in einem Reinblüter-Haus aufgewachsen, also… schätze ich, dass du das alles da hast."
„Vielleicht," sagte Sam ausweichend.
Lily runzelte die Stirn. „Jedenfalls bin ich deshalb hier."
„Oh?" Ihr Begleiter erheiterte ein bisschen, Schalk in seinen blauen Augen. „Ich dachte, du wärst hier für meinen Cousin."
„Oh, weil ich ein Mädchen bin," sagte Lily sarkastisch, „und mein einziges Anliegen Jungs sind."
„Nein, weil mein Cousin extrem heiß ist…"
Lily lachte. „Tja, ich bin nicht hier um hinter James herzuhecheln," sagte sie. „Ich finde bloß, dass jedem, der zaubern kann, erlaubt sein sollte, nach Hogwarts zu gehen. Du nicht?"
Sam antwortete nicht. Stattdessen klaute er sich seinen Hut zurück. „Sorry, Rote, aber es ist wirklich nicht deine Farbe."
In den nächsten zwanzig Minuten war das Marschieren wenig ereignisreich. Der Ruf „Dearborn raus!" erwachte und erstarb immer wieder, und obwohl das Atrium ruhiger wurde, als der Morgen länger wurde, waren die Marschierenden nicht weniger enthusiastisch. Lily schloss sich manchmal den Rufen an, und manchmal sprach sie mit denen um sie herum – Marlene, Donna, Sam, natürlich, und Frank und Alice – und zu einem Zeitpunkt, hatte sie eine kurze Diskussion mit einem Zauberer, den sie nicht kannte, der sie gefragt hatte, ob sie sich speziell für das Event die Haare gefärbt hatte.
(Die Rumtreiber waren noch immer nicht zurückgekehrt.)
Es war fast 10 Uhr dreißig, bevor irgendwas wirklich Interessantes passierte.
Es begann mit einem Aufflackern von grünen Flammen in einem der Kamine und zwei Zauberer erschienen in ihm, in T-Shirts wie denen von Sam und Sarah McKinnon, bedruckt mit dem grünen „M.F.F."
„Sind das Elisha und Garrett Jordan?" fragte Sam niemanden bestimmten. „Aber das macht keinen Sinn… sie sollten in Cartagena sein…"
Sarah McKinnon gesellte sich in weniger als einer Minute zu Sam. „Was machen denn Elisha und Garrett hier?"
„Und was ist mit den T-Shirts?" wollte Marlene wissen, die einen Blick auf Sams und Sarahs übereinstimmende Kleidung warf.
„M.F.F." antwortete Sarah abgelenkt. „Magie für Frieden. Wir sind Mitglieder."
"Sind das nicht die Hexen und Zauberer, die im Juli zerschlagen wurden?" fragte Donna Lily leise und die Rothaarige nickte. Die Neuankömmlinge, die ihren Clubkameraden eine solche Überraschung bereitet hatten, fanden bald Sam und Sarah und sie waren am Strahlen.
„Was macht ihr hier?" fragte Sarah. „Solltet ihr nicht in Kolumbien sein?"
„Haben ein paar Portschlüssel vor zwanzig Minuten geschnappt," sagte einer der Zauberer. „Tilly hat uns angefloht."
„Tilly?" wiederholte Sam. „Tilly ist involviert?"
Der Zauberer nickte und sowohl er als auch sein Begleiter (Bruder, würde Lily später herausfinden) sahen beide seltsam aufgeregt aus. „Warte, bis du es siehst. Es ist alles Potters Arbeit."
„Graces Machschaften?" fragte Sarah. „Was meinst du?"
Aber bevor der Zauberer antworten konnte, flammten die sechs Kamine neben der Menge nun auf – kein ganz unübliches Ereignis, natürlich, außer dass Elisha und Garrett ganz scharf darauf waren, zu sehen, wer angekommen war. Zwei Hexen und ein Zauberer in M. F. F. Shirts waren unter den sechs; ein Zauberer, von dem Lily dachte, dass es vielleicht Benjy Fenwick war (der Hufflepuff Vertrauensschüler in ihrem Jahr) und Remus Lupin und Peter Pettigrew waren die anderen drei.
„Peter! Remus!" rief sie sofort und als die zwei Rumtreiber in die Menge fanden, bewegten sie sich zu ihr. Aber die Show war noch lange nicht vorbei, da die Flohendpunkte wieder einmal aufleuchteten und mehr Hexen und Zauberer, manche mit „M.F.F." Shirts und roten Umhängen, manche ohne. Sirius war in der nächsten Gruppe und er gesellte sich zu seinen Freunden, ziemlich zufrieden mit sich aussehend.
Emmeline Vance konnte gesehen werden, wie sie einen winzigen Zauberer befragte, der gerade in scharlachroten Umhängen angekommen war und Lily drehte sich zu den Rumtreibern um.
„Was passiert hier gerade?"
Alle Marschierenden hatten nun angehalten um zuzuschauen und viele der Dutzenden der Ministeriumsarbeitern, die sich durch das Atrium bewegten, hatten ebenfalls in ihrer eigenen Arbeit innegehalten.
„Es war James' Idee," antwortete Sirius auf Lilys Frage (vier weitere Zauberer schlossen sich der Menge an – einer, der tatsächlich ein Banner trug, auf dem „Dearborn raus!" stand), „wir haben bei den Potters angehalten und…" Aber er brach ab, und winkte jemandem zu, der gerade erst im Floh aufgetaucht war - James selbst.
Lily hatte sich schon lange mit der Tatsache anfreunden müssen, dass James Potter ein gutaussehender Typ war, und da sie zu der Zeit eine Art Feinde gewesen waren, hatte sie das nur zögerlich getan. Aber in all ihren Jahren der Bekanntschaft mit ihm hatte Lily ihn noch nie so gutaussehend gesehen, wie er es jetzt aussah. Er grinste und etwas an ihm schien plötzlich eine gewisse Energie zu haben…
„Die Hälfte des M. F. F. ist hier," wunderte sich Sarah. „Bloß Tilly hätte jeden so schnell kontaktieren können…"
„Jemand muss sofort erklären, was hier gerade vor sich geht," beharrte Donna, ihre Arme verschränkend. „Denn mein Kopf fängt an, weh zu tun."
„Das ist kein hübscher Anblick," stimmte Marlene zu.
James zog seinen Hut aus, anscheinend für den bloßen Zweck, mit der Hand durch sein Haar zu streichen, bevor er wieder den Hut auf seinen Kopf setzte. „Sirius und Lupin und ich sind Peter abholen gegangen," begann er in schnellem Tempo. „Und als wir ihn eingesammelt hatten, ist mir aufgefallen, dass ich… ah, tja, dass ich etwas zu Hause vergessen hatte, von dem ich dachte, dass ich es besser bei mir habe, falls ich es für etwas brauche."
Lily sah Sirius an, der sich näher lehnte und wisperte, „Der Umhang."
„Also haben wir uns entschieden zurück zu meinem Haus zu gehen um es mitzunehmen," fuhr James fort. „Und als wir dort ankamen, hatte Mum ein Treffen mit Tilda Figg. Tilly ist die Anführerin von M.F.F. und sie und meine Mum plauderten darüber, was ihr nächster Schritt mit dieser Dearborn Sache sein würde… also habe ich es riskiert, meine Mutter in eine komplett Irre zu verwandeln, die mich für die nächsten elfeinhalb Jahre in einen Schrank sperren wird, und habe mich entschlossen, von diesem kleinen Kaffeeklatsch hier zu erzählen."
„Sie wusste davon nichts?" fragte Sarah überrascht. „Ich dachte, Tilly wusste alles."
„Tja, natürlich wusste sie davon," antwortete James. „Sie haben eine Minute lang im Radio darüber gesprochen, aber sie hatte nicht gedacht, dass es eine große Sache ist… was, wenn wir ehrlich sind, es nicht war."
„Also hat Tilly," fuhr Sirius fort, „gesagt, dass sie die Zahlen in einer halben Stunde verdoppeln könnte, weil sie als Präsidentin des M.F.F.s Wege hat, alle von ihnen zu kontaktieren."
„Und vergesst nicht die andere Sache," sagte Peter fröhlich. „Der Tagesprophet und die Hexe vom WWN…"
„Richtig," sagte James. „Nachdem Mum damit fertig war, mich anzuschreien, weil ich sie angelogen hatte, hat sie mir natürlich verboten, zurück zum Ministerium zu kommen…"
„Was etwa eine Minute gedauert hat," sagte Remus trocken, „weil James sich da wie ein Ekel herausgeredet hat…"
„Hau ab, ich war brillant," beharrte James. „Und ich habe Mum gefragt, wie man es anstellt jemandem beim Tagespropheten einen Tipp zu geben, der sich dafür interessieren könnte, dass ein paar hundert Hexen und Zauberer aus dem ganzen Land im Ministerium für Magie gegen Egbert Dearborn marschieren."
„Und Mrs. Potter hat zugestimmt, ein paar Leuten, die sie beim Tagespropheten kennt, und einer Hexe, die auf WWN eine Sendung hat, Bescheid zu geben…" schloss Remus.
„Aber ich verstehe nicht – diese Leute sind nicht alle M.F.F.," sagte Sam stirnrunzelnd. „Wer sind all die anderen?"
„Das ist das Beste," sagte Remus. „Sie alle haben Freunden oder Familie oder wem auch immer Bescheid gesagt. Wir waren bloß, was, fünfzehn Minuten bei Dorcas und fast ein hundert Leute sind aufgetaucht um von dort zu flohen…"
„Es muss für die Nachbarn seltsam ausgesehen haben," fügte Peter hinzu. „All diese Leute, die reinliefen, als ob sie eine Party schmeißen würde."
„Und es kommen noch mehr," sagte James. „Morty Fenwick ist M. F. F. und seine Frau arbeitet in der Kobboldstelle, also lassen sie Leute ihr flohangeschlossenes Haus verwenden… Curly ist hier tatsächlich auch irgendwo…"
„Sein Name ist Benjy," erinnerte Remus ihn kopfschüttelnd.
„Richtig. Benjy. Was auch immer."
In einer halben Stunde (sie waren jetzt zweimal um das Atrium gelaufen) wurden aus 70 140, dann etwa 240, bevor die Stunde um war. Etwa die Hälfte von denen, die angekommen waren (und es kamen immer noch mehr per Floh an) trugen M.F.F. T-Shirts unter ihren roten Umhängen. Lily erkannte ein Dutzend der Neuankömmlinge als frühere Hogwartsschüler, aber es gab auch eine große Anzahl von deutlich älteren Hexen und Zauberern, die Lily nicht kannte. Emmeline Vance lächelte fast.
Ein rothaariger Zauberer schloss sich dem Marsch neben Sam an, den er anscheinend kannte. Er begann eine Unterhaltung, bei der er sich an einem Punkt zu Lily umdrehte und ziemlich höflich nachfragte: „Entschuldigung – bist du eine Weasley?"
„Nein…" antwortete sie unsicher und der Zauberer lachte.
„Es tut mir schrecklich leid," entschuldigte er sich gut gelaunt. „Ich habe nur wegen den Haaren nachgefragt, weißt du." Er gestikulierte zu seinen eigenen flammenden Locken. „Ich bin Arthur."
„Sie ist mit James Potter befreundet," sagte Sam.
„Ich verstehe!" sagte Arthur. „Bist du dann die Rothaarige?"
„Ich wünschte, jemand würde mir sagen, was das bedeutet," grummelte Lily, während Sam lachte.
„Sie ist muggelstämmig, Arthur," sagte er und dies schienen magische Worte zu sein, da Arthur sofort begann, Lily mit Fragen über Muggel zu bombardieren – alle enthusiastisch und höflich gestellt.
Ihr Marsch endete später als vorhergesagt, gegen Mittag, als sich das Atrium wieder einmal mit Ministeriumsarbeiter auf dem Weg zum Flohbahnhof für das Mittagessen füllte. Die Marschierenden hatten sich selbst nun beim Brunnen der Magischen Gebrüder versammelt, und stachen aufgrund ihrer Umhänge heraus. Lily wollte nicht, dass es zu Ende war und mit diesem Gefühl musste sie nicht alleine gewesen sein, da ein mittelalter Gentleman (möglicherweise in seinen Vierzigern oder Fünfzigern, aber es war bei Hexen und Zauberern immer schwierig zu erkennen) auf den Rand des Brunnens trat und zu sprechen begann.
„Das ist Viktor Vance," erklärte Sirius Lily. „Emmelines Ehemann. Du hast Emmeline getroffen, oder?"
Lily sagte, dass sie das hatte und nahm sich dann die Zeit, Victor zuzuhören.
„Ein paar von euch hier," begann er, und seine Stimme war freundlich, aber fest, „sind sehr jung. Und…" er lächelte, „ein paar von euch hier würden sagen, dass ich sehr jung bin. Egal zu welcher Kategorie ihr gehört, ihr könnt ihr euch wahrscheinlich sehr klar daran erinnern, als die ersten Personen durch die Hände Voldemorts verschwanden." Ein Schaudern – entschuldigt das Klischee – schien durch die gesamte Halle zu laufen. Vance hatte seine Stimme nicht magisch verstärkt, aber sie hallte im Atrium wider, als er sprach und die, die ausschließlich professionell dort waren – jetzt inklusive der sechs eifrig schreibenden Journalisten – schienen inne gehalten haben um zuzuhören.
„Die ersten," fuhr Vance fort, „schienen zufällig und unabhängig. Und dann gab es einige Morde – ein paar mit hoher Bekanntheit, ein paar, die kaum berichtet wurden…" Lily sah zu Donna hinüber, deren Gesicht steinern Vance anstarrte. Ihre Hände zittern fast unmerklich. „Und Voldemort hat sich zu diesen bekannt, und wir alle wussten es. Und wir wussten schon eine lange Zeit, dass manche mit ihm und was er tut, sympathisieren, aber ich denke, wir – wir hatten gehofft, dass es genügend gibt, die es besser wissen. Und wir hatten gehofft, dass das Ministerium… dass die, die uns beschützen sollten, es besser wissen. Einige im Ministerium tun das, und manche haben tatenlos zugesehen, aber ich denke nicht, dass einige jemals so aktiv Voldemorts Agenda in der Gesetzgebung unterstützt haben."
Zuerst war Lily gar nicht bewusst, dass sie klatschte, und dann war sie es. Sie war auch nicht alleine, die anderen Marschierenden schlossen sich im selben Moment an und für fast eine Minute füllte das Tosen des Applauses die Halle. Ein weiterer Chor von „Dearborn raus!" hatte begonnen und Lily fühlte sich nicht komisch dabei, mitzumachen… teilweise, weil Sirius in ihrer Nähe es quasi sang.
Er bemerkte, dass sie über ihn lachte und winkte sie zu sich herüber, zum Rand der Menge, am weitesten von Brunnen entfernt. Es waren ziemlich wenige Leute zwischen ihnen und den normalen Ministeriumsarbeitern, von denen vielen die gestiegene Anzahl bemerkten und von denen nun ein größerer Anteil mit weniger als zufriedenen Ausdrücken zusah.
„Was war so wichtig, dass du vorher meintest, du wolltest es mit mir besprechen?" fragte sie, halb witzelnd.
Sirius wurde etwas ernster. „Ganz viele verschiedene Dinge," wich er wenig überzeugend aus. „Ich habe dich in Wochen nicht gesehen, Liebes. Ist da nicht irgendwas, was du mit mir besprechen willst?"
„Nicht wirklich."
„Tja, danke."
„Naja, ich hab dir zweimal geschrieben," verteidigte sich Lily. „Ey - ich bin Schulsprecherin geworden! Oder hab ich dir das schon erzählt?"
„Moony hat es mir gesagt." Sirius seufzte dramatisch, als die Menge um sie herum dröhnte. Victor Vance stieg vom Brunnen herab, um von Dorcas Meadowes ersetzt zu werden. „Ich schätze, du wirst ab jetzt herumspringen, Nachsitzen austeilen und mir Punkte abziehen."
„Ich habe nicht vor herumzuspringen," antwortete Lily. „Abgesehen davon klingt das ziemlich akkurat."
Sirius grinste.
„Da ist was, was du mir nicht sagst," warf Lily ihm vor, ihn genau beobachtend. „Was ist es?"
„Tja, Liebes, es gibt jede Menge Dinge, die ich dir gerade nicht sage. Wir sind im Ministerium für Magie. Will nicht verhaftet werden, oder?"
Lily protestierte, aber bevor sie viel ihrer Beschwerde loswerden konnte, erklang eine andere Stimme – nicht Dorcas' und viel lauter als irgendeine andere in der Halle, so dass selbst in all dem stumpfen Getöse der Stimmen, dieser Schrei klar und erschreckend war.
„Schlammblüter!" kreischte ein Zauberer und da Lily am Rand stand, musste sie sich nur umdrehen um den Mann zu sehen. Er war groß und dunkelhaarig, mit einem Ziegenbart und grauen Augen, und sein bleiches Gesicht war leicht gerötet, als er schrie: „Schlammblüter und Blutsverräter, ihr alle! Aber ihr werdet kriegen, was ihr verdient!"
Fast in einer Bewegung, schob Sirius Lily weiter zurück in die Menge, weg von dem Zauberer und griff nach seinem Zauberstab. James schien aus dem Nirgendwo zu erscheinen, und zuerst dachte Lily, dass er seinen auch ziehen würde, aber das tat er nicht. Er sagte Sirius' Spitznamen in gedämpfter Stimme, während der wütende Reinblüter weiterhin die Gruppe anschrie und Lily – noch stolpernd von Sirius' Stoß – schaffte es zu Sirius zu gelangen und seine zauberstabhaltende Faust zu packen.
„Ihr alle! Die Zeiten verändern sich und all diese Gott verdammte Schlammblüter-Verschwendung wird enden!" Ein leicht kleiner Zauberer in etwa demselben Alter (fünfzig oder so), stand an seiner Seite, selbstgefällig nickend als Zeichen seiner Zustimmung.
Remus erschien eine halbe Sekunde später; er packte Sirius andere Schulter, aber Lily erkannte, dass er ihn nicht zurückhielt. Es war fast eine beruhigende Geste.
„Lasst mich los," murmelte Sirius.
„Gib mir deinen Zauberstab," entgegnete James und sein Freund händigte ihm den Stab ohne Fragen aus. Lily zögerte, ihn loszulassen, weil sie Angst hatte, dass Sirius dem schreienden Zauberer etwas Unbesonnenes antun würde, aber Remus, der bereits einen Schritt zurück gemacht hatte, warf ihr einen flehenden Blick zu und so ließ sie die Hand des Rumtreibers los.
Sirius trat nach vorne, sich von der Menge loseisend – von denen fast alle den schreienden Zauberer anschauten (Lily war sicherlich nicht die einzige Hexe, die durch einen überenthusiastisch beschützenden Zauberer zurückgedrängt worden war).
„Denkst du nicht, dass du besser nach Hause gehen solltest?" sagte Sirius laut und die Augen des älteren Zauberers flackerten zu dem Jüngeren. Überraschung, dann Wut, dann Bosheit flammten nacheinander auf seinem Gesicht auf. „Ich bin überrascht, dass sie dich überhaupt aus dem Haus gelassen hat. Du musst dich gut benommen haben…" Und trotz der spottenden Worte sprach er in gleichförmiger, emotionsloser Stimme.
Lily erkannte plötzlich, wer dieser Zauberer sein musste.
„Du," flüsterte der Mann fast. „Ich hätte es wissen müssen."
„Vielleicht…" begann der selbstgefällige, kleinere Zauberer leise, „sollten wir keine Zeit mehr verschwenden."
Der andere Zauberer ignorierte seinen Begleiter. Er trat näher zu Sirius. „Wie geht's deinem Auge?" fragte er weich und wenn Lily nicht direkt hinter ihrem Hauskameraden gestanden hätte, hätte sie ihn nicht gehört. „Wieder ganz geheilt?"
Sirius' Faust ballte sich zusammen; Remus und James warfen sich einen Blick zu. „Geh," sagte Sirius. „Jetzt."
Und dann unterbrach eine weitere Stimme den Austausch. Dorcas sprach von der Stirnseite der Menge und alles, was sie sagte, war dies: „Horatio Meadowes, 1972." Praktisch jeder drehte sich um, um sie anzusehen, bis auf Sirius und der Zauberer, die in ihrer eigenen Welt verloren waren. Dorcas fuhr fort: „Philip Stoake, 1976. Abel Diggory, 1976…" Ihre Stimme zitterte.
„Jonah McKinnon, 1972," meldete sich Sarah McKinnon energisch.
„Ellis Smith, 1975," sagte die Stimme einer Hexe, aber sie stand weit entfernt und Lily konnte sie nicht sehen.
„Hawthrone Longbottom, 1974," sagte Frank.
„Marquis und Christine Shacklebolt," sagte Marlene und Donna sah sie überrascht an. „1974."
„Cary Young, 1976," sagte einer der Tagesprophet-Journalisten.
„Ava Lescano, 1976," sagte jemand, den Lily nicht kannte und mehr folgten. Sie drehte sich wieder zu Sirius um.
„Komm jetzt, Cygnus," sagte der dunkle Zauberer, der den Blickkontakt mit Sirius noch nicht gebrochen hatte. „Wir würden doch kein Schmutz auf unsere Umhänge bekommen wollen."
„Josiah Johnson, 1975."
„Ja, geh schon, Onkel Cygnus," murmelte Sirius gehässig. „Jemand könnte sehen, dass er mit seinem Sohn verkehrt."
„Rainier Prewett, 1976."
„Faye Weasley, 1972."
„Du bist nicht mein Sohn," spuckte der Zauberer geradezu. Dann mit einem Rauschen seines schwarzen Mantels, drehte er sich um und ging hastig zu den Flohnetzwerken, eng gefolgt von Cygnus. Sirius drehte sich um und gesellte sich wieder zu seinen Freunden.
„Augustus Pepper, 1973…"
Sirius sah keinem seiner Freunde in die Augen, bis Lily nach einer Minute ihren Arm durch seinen hakte. „Tja, zumindest habe ich jetzt die Familie kennengelernt," witzelte sie und Sirius lachte bitter. Er verwuschelte ihre Haare mit seiner freien Hand.
„Miguel LaMonica, 1973."
„Avery Crouch, 1974."
„Nari David, 1976."
„Also, James, du kommst von einer Zaubererfamilie. Wie würdest du sagen, dass die Ankündigung von Dearborn dich betrifft?"
Zu sehen, wie James Potter die Fragen beantwortete, die von der Reporterin des Tagespropheten gestellt wurden – einer hübschen, dunklen Frau, deren Feder schnell alles niederschrieb – war fast, wie eine andere Person zu beobachten. Nein, verbesserte Lily sofort in ihrem Kopf: es war wie eine andere Inkarnation desselben alten James Potter. Es war wie ihm dabei zu zusehen, wie er über Quidditch oder die Rumtreiber sprach… nur noch mehr. Er schien vollständig leidenschaftlich – ob er Enthusiasmus über die Zahl der Leute ausdrückte, die sich entschieden hatten, zu protestieren oder Wut über die tatsächliche Ankündigung. Das Goldene und Grüne und Blaue seiner Augen wurde deutlicher, sein Tonfall stärker. Wenn Lily irgendetwas, was er gesagt hatte, nicht zustimmen würde, wäre sie verängstigt gewesen, nun gegen ihn zu debattieren (obwohl sie nicht bestreiten konnte, dass die Vorstellung auch auf mysteriöse Art berauschend war).
„Tja," antwortete James der Hexe, „zunächst, betrifft es mich. Das sollte festgehalten werden. Das hier betrifft jede Hexe und jeden Zauberer. Es ist ein – ein schrecklicher Affront gegenüber der gesamten magischen Gemeinschaft – und zusätzlich zu all den moralischen Problemen, jemandes Recht, einen Zauberstab zu tragen, zu beschränken, ist es extrem gefährlich, eine magische Gesellschaft so zu limitieren. Und zweitens, selbst, wenn es mich nicht direkt betreffen würde… selbst, wenn manche meiner besten Freunde nicht Halbblut oder muggelstämmig wären…ist es einfach eine Sache von richtig und falsch. Ich würde mich nie mit mir selbst oder der Zauberergesellschaft wohl fühlen, wenn ich wüsste, dass diese Art von Dingen passierte. Ich meine – wir sind schon so nicht perfekt… aber Dearborn und seine „Bevölkerungsschutz' Prozedur sind einfach – es geht einfach weiter in die falsche Richtung."
„Nun hat es seit ein paar Jahren keine Demonstrationen wie diese gegeben," fuhr die Journalistin fort. „Die Todesser scheinen die Leute davon abzuschrecken, zu kommen. Warum ist das hier anders?"
„Tja, ich schätze, jeder heute hier hasst die Todesser Bewegung – ich meine, das ist ohne Frage – aber wir sind nicht hier, um gegen diese zu protestieren. Dies ist das Ministerium für Magie… dies ist die Gruppe, die für uns arbeiten soll…"
James fuhr fort, die Frage zu beantworten und Lily konnte nicht anders, als zu lächeln, als er das tat. Seine Gesten, Ausdrücke und Worte waren einfach so James – es war faszinierend, sie in diesem unüblichen Kontext zu sehen. Er hatte Spaß dabei; das war offensichtlich, obwohl die Situation alles andere als fröhlich war. Selbst wenn er wütend war (und er tat nichts, um seine Wut bei dem Wort ‚Todesser' oder dem Namen, den er so unbeirrt äußerte: „Voldemort", zu verstecken), schien er die Situation zu genießen.
Lily dachte gerade über diese Tatsache nach, als die Reporterin eine neue Frage stellte: „Wie denkst du, fühlen sich die Muggelstämmigen heute hier?"
„Oh, ich bin sicher, die sind noch ein gutes Stück wütender als ich," sagte James seine Arme verschränkend. „Aber Sie fragen die falsche Person." Er nickte zu seiner Begleiterin. „Lily ist muggelstämmig."
Lily erstarrte, als sich die Journalistin zum ersten Mal seit ihrer hastigen Vorstellungsrunde vor fünf Minuten für sie interessierte, bei der die beiden – Lily und James – gefragt worden waren, ein paar Worte zu sagen. „'Lily' war das? Exzellent. Also, wie fühlst du dich?"
„Ähm…" Sie sah James an, der bekräftigend nickte, mit einem durchtriebenen, schiefen Grinsen in seinem Gesicht. Gereizt (oder vielleicht auch motiviert) sah Lily der Journalistin in die Augen. „Verängstigt," sagte sie. „Wirklich, panisch eigentlich. Mir – ähm – wurde klar gemacht, dass ich eine Hexe bin, bevor mein Hogwartsbrief ankam. Ich habe es herausgefunden, als ich etwa neun war. Ich, ähm, konnte von Schaukeln fliegen ohne mich zu verletzen und ich konnte Blumen zum Blühen bringen… ich habe einmal eine Tür aus dem Rahmen gesprengt… einfach, solche Dinge. Wenn ich nie meinen Hogwartsbrief bekommen hätte… nie in diese Welt gelassen worden wäre, was hätte ich mit diesem Teil von mir getan? Also, ich habe Angst um all diese brillanten Hexen und Zauberer, die durch diese Entwicklung bedroht werden. Ich habe auch Angst um die magische Welt – wie James gesagt hat – weil das auch meine Welt ist. Ich habe Angst, dass wir eine Regierung haben, die den Forderungen eines Mörders und seinem Gefolge nachgeben würde. Aber, ich meine, zur gleichen Zeit, bin ich optimistisch… weil hier so viele Leute sind – muggelstämmig, reinblütig, was auch immer – und sie haben keine Angst hier zu sein, obwohl es… tja, ehrlich gesagt, gefährlich ist."
Aus ihrem Augenwinkel konnte Lily sehen, wie James sie ansah – der durchtriebene Gesichtsausdruck war weg und ersetzt mit etwas, das man nur durch periphere Sicht nicht entziffern konnte.
„Was hast du zu dem Gerücht zu sagen, dass Auroren kommen und den Protestierenden ihre Zauberstäbe abnehmen werden, während sie auf dem Boden des Ministeriums sind?"
„Tja, das ist zum einen unglaublich illegal. Wir haben deutlich gezeigt, dass wir mit friedlicher Absicht hier sind. Wir haben nichts zerstört und das Atrium soll für die Öffentlichkeit offen sein."
„Ich denke nicht, dass sie das tun werden," fügte James selbstsicher hinzu. „Es würde hunderte von Hexen und Zauberer verteidigungslos im Ministerium für Magie zurücklassen – das ist wie eine offene Einladung für Todesser und das Ministerium will genauso wenig wie wir, dass die auftauchen."
„Genau."
Die Hexe nickte langsam, etwas auf ihrer Pergamentrolle nachschauend. „Und was denkt ihr, ist das generelle Gefühl ihnen gegenüber…?"
Es waren etwa fünf von „ihnen" gerade, Hexen und Zauberer, die in der Halle anhielten um die Marschierenden anzuschreien und anzubrüllen. Die Hexen und Zauberer selbst waren andere, aber es hatte einen stetigen Zufluss gegeben, seit Sirius' Vater und Onkel vor Stunden gegangen waren.
„Es sind bloß Worte," murmelte Lily.
„Zumindest verhexen sie keinen," stimmte James zu.
„Genau. Ehrlich gesagt sollte diese ganze Sache nur zwei Stunden lang dauern… ich glaube, es waren die Leute, die uns anschreien, uns „Schlammblüter" und „Blutsverräter" nennen, die uns länger bleiben wollen ließen."
„Genau," sagte James wieder.
Die Journalistin lächelte plötzlich. „Wie lange seid ihr zwei denn schon zusammen?" fragte sie etwas lockerer.
„Den ganzen Tag," sagte James. „Wir sind hierhergekommen, um, was? Neun? Etwa sieben Stunden, also?"
Lily wurde rot. „Nein, James, sie meinte…"
„Oh. Oh! Nein. Wir sind nicht…"
„Wir sind nicht zusammen," stimmte Lily zu. „Wir sind bloß…"
„Kumpel," schloss James. „Bloß Freunde. Kampfgefährten, gerade. Aber nicht… Sie wissen schon… so etwas."
„Überhaupt nicht," fügte Lily hinzu. James sah sie an.
„Na danke."
„Ich habe bloß gemeint…"
„Ich weiß, was du gemeint hast."
Die Reporterin vom Tagespropheten nickte, aber sie hatte ein leichtes, wissendes Lächeln auf ihrem Gesicht. „Also, seit dieses Gesetz – wenn es durchkommt – erst nächsten Herbst in Kraft tritt, welchen Effekt erwartet ihr, als Schüler, für das nächste Schuljahr?"
Sie beendeten das Interview zehn Minuten später. Man konnte Sirius beobachten, wie er mit einem Zauberer vom WWN sprach, und er schien sein Feuer wieder erlangt zu haben. Remus und Peter standen bei Marlene, Donna, Frank und Alice und als Lily und James zu der singenden Masse beim Brunnen zurückkehrten, grinste James sie an. „Du warst dahinten gut, weißt du das."
„Du warst auch nicht so schlecht," gab Lily grinsend zu. „Ich denke, dir hat das Spaß gemacht."
„Was? Bürokratische Ungerechtigkeit? Oh, ja, ich bin ein riesen Fan…"
Lily schüttelte ihren Kopf. „Bürokratische Ungerechtigkeit bekämpfen," führte sie weiter aus. „Ich denke, du magst es, etwas zu tun."
„Tja, du nicht? Jedenfalls weißt du besser als jeder andere, dass ich einen guten Kampf mag."
„Ich weiß. Ich bin überrascht, dass du noch keinen geschlagen hast."
„Tja, der Nachmittag ist jung."
„James…"
„Keine Sorge, Keks. Ich werde niemanden schlagen. Ich bin kein Idiot."
„Hmmm, fraglich."
„Idiotin."
An dem Punkt, wurden die beide in dem Trubel der Menge getrennt – die gerade für den letzten Zauberer, der auf dem Brunnenrand gesprochen hatte, jubelte. Lily fand sich wieder in der Gegenwart von Sam Dearborn, dessen Applaus und laute Zustimmung etwas enthusiastischer waren als die eines jeden anderen. „Dir ist es nicht peinlich, mit mir gesehen zu werden, oder doch, Kind?" zog Sam sie auf, nachdem er auf eine Anti-Todesser-Aussage hin laut pfiff.
„Eigentlich ist es beschämend."
„Oh, sehr witzig." Sam zog seinen Hut aus und faltete die Kante um, wie es James zuvor getan hatte. „Hungrig, Kind?"
Erst, als Sam es gesagt hatte, erkannte Lily, dass sie tatsächlich am Verhungern war. Sie hatte seit dem Toast an dem Morgen nichts gegessen, und als Sam ihr zwei Kekse reichte, die in Plastik verpackt waren, hatte Lily noch nie so etwas Wundervolles in ihrem Leben gesehen.
Fünf Uhr war das Ende des normalen Arbeitstages, obwohl das Ministerium nie komplett leer stand und ein großer Teil der Belegschaft viel länger blieb – inklusive der Auroren. Aber das war das Seltsame heute: es schienen keine Auroren da zu sein. Lily würde zugeben, dass sie nicht viele Auroren mit Namen kannte, aber sie kannte einige vom Sehen (unter anderem die, die im letzten Jahr als Sicherheitskräfte in Hogwarts stationiert gewesen waren), zusätzlich zu den wenigen, die sie tatsächlich kannte (Kingsley Shacklebolt und Lathe, zum Beispiel) und den ganzen Tag lang, obwohl sie jede Menge Ministeriumsangestellte durch das Atrium gehen gesehen hatte, hatte sie nicht einen erkennbaren Auror gesehen. Tatsächlich war ihr nicht einmal eine Hexe oder Zauberer aufgefallen, die die typischen Umhänge und Abzeichen der Abteilung trugen.
Und das war seltsam. Sie dachte, dass die Auroren vielleicht ein spezielles Flohnetzwerk auf ihrer Etage verwendeten.
Es war fast fünf Uhr, als Egbert Dearborn seinen Assistenten schickte. Der Assistent war ein großer, dünner Typ, dessen physischen Merkmale und Gesten unglaublich denen eines Grasshüpfers ähnelten. Lily bemitleidete ihn, weil der arme Zauberer absolut nicht dort zu sein wollen schien.
Eine der A. T.'s, eine Muggelstämmige, hatte gerade ihre Rede auf dem Brunnenrand über ihre eigenen Erfahrungen in Hogwarts beendet und als sie runter schritt, konnte man die magisch verstärkte Stimme des Assistenten hören, obwohl ihn seine Position auf dem anderen Ende des Brunnen quasi unsichtbar machte.
„Meine Damen und H-h-herren…" krächzte der Mann und Lily hastete durch die Menge zum Brunnen. Sie, wie viele andere, kletterten auf den Rand, um den Mann, der sie ansprach, besser sehen zu können. „Sie müssen alle nun sehr müde sein, und der Leiter der A-a-abteilung der magischen Strafverfolgung…" Es gab ein paar Buhrufe – Lily schloss sich nicht an, weil sie hören wollte, was sonst noch gesagt wurde – und der Zauberer wischte sich den Schweiß mit einem Taschentuch von seiner Stirn, „Der Leiter der Abteilung für magische Strafverfolgung bittet Sie, … sofort die Halle zu verlassen."
„Oh, Eg bittet, ja?" konnte Lily Sam abfällig flüstern hören.
„Wenn Sie das nicht tun," fuhr der Zauberer fort, „will Mr. Dearborn, dass Sie wissen, dass er g-g-gezwungen sein wird, gegen jegliche T-t-t-teilnehmer, die den Ff-f-frieden b-b-b-beinträchtigen, Maßnahmen zu ergreifen."
Sam, der sehr nah bei Lily gestanden hatte, entschuldigte sich und ging um den Brunnenrand herum um sich direkt vor den Assistenten zu stellen. Es war ein schwieriger Weg, da ein Dutzend andere sich ebenfalls für eine bessere Sicht auf den Rand gestellt hatten, aber er schaffte es recht schnell und sprach den Zauberer in einem bitteren Tonfall an.
„Jetzt aber, Caleb, solltest du nicht besser nach Hause? Mein Bruder lässt dich nicht schon wieder persönliche Anliegen nach der Schicht erledigen, oder?" Er stach heraus wie eine einzige Flamme aus all den roten Kohlen der anderen Marschierenden.
„Es ist noch nicht fünf Uhr," entgegnete der Assistent namens Caleb würdevoll.
„Aber das tut er, oder?" antwortete Sam mit einem Grinsen.
„Samuel, komm da runter," murmelte Emmeline Vance, die sich durch die Menge auf ihn zuschob. „Du darfst dich nicht aufbringen lassen…"
„Einen Moment, Em. Caleb, du bist so viel besser als das hier. Ich denke, wir wissen beide, dass wer auch immer meinen Bruder ersetzt, auch ein deutlich besserer Chef sein wird." Caleb sagte nichts. Er richtete seine runde Brille. „Also, ich hoffe, dass du dem guten alten Eg meine lieben Grüße ausrichtest und ihm sagst, dass sein kleiner Bruder nicht geht, bevor er das tut."
„Samuel."
Sam hüpfte vom Brunnen und der Zauberer namens Caleb war sehr bald nicht mehr da.
Tilda Figg, eine ältere Hexe mit rauschendem braunem Haar, die zuvor als Leiterin des M.F.F. vorgestellt worden war, näherte sich ihnen ebenfalls und ihr Gesichtsausdruck gegenüber Sam war mütterlich streng. Er akzeptierte seine milde Standpauke fröhlich, da er als ein M.F.F. nicht in so einem Kontext etwas entgegnen sollte.
Lily kletterte vom Rand und wanderte davon, bis sie Marlene und Donna nicht weit entfernt fand.
„Ihr denkt nicht wirklich, dass sie uns wirklich… verhaften könnten oder irgendwas, oder? fragte Donna und obwohl ihr Ton definitiv neugierig war, war in ihrem Gesichtsausdruck ein Hinweis auf etwas anderes.
„Keine Ahnung," sagte Marlene, seltsam unbekümmert über die Vorstellung. Lily hob ihre Augenbrauen über ihre Freundin. „Es gibt hunderte von uns, unter anderem ein Potter, ein Dearborn, ein Black, ein Longbottom… sie werden nicht alle ins Gefängnis stecken."
„Richtig," stimmte Donna zu. „Natürlich." Sie schien leicht besänftigt.
„Was?" wollte Marlene wissen. „Nervös, Shacklebolt?"
„Du weißt genau, dass so was nicht mein Ding ist," fuhr Donna sie an, ihre Arme verschränkend. „Beteiligung und all das. Ich bin ein ‚Leben und Leben Lassen' Typ."
„Leben und sterben lassen, eher," entgegnete Marlene und Donna sah sie finster an. Lily dachte, dass sie Donnas Haltung ein bisschen besser verstand, aber war auch nicht glücklicher darüber und gleichzeitig auch nicht williger, sie zu verteidigen.
„Neues Thema," schlug sie vor. „Sieht nicht… äh… Remus heute großartig aus?"
Donna verdrehte nur ihre Augen und Marlene beendete schulterzuckend die Diskussion. Jedoch begann kurz danach ein neuer A. T., der auf dem Brunnenrand angefangen hatte zu sprechen, einen neuen Chor von „Dearborn raus!" und Donna hielt ein wachsames Auge auf das sich schnell füllende Atrium. Mehr und mehr Ministeriumsarbeiter liefen durch das Atrium, so wie sie es zur Mittagszeit getan hatten, aber in größerer Anzahl und es gab auch eine größere Zahl von denen, die abwertende Wörter, wie die von Black Senior zuvor, brüllten.
Und dann, um genau fünf Uhr, betrat ein neuer Fluss von Minsteriumsangestellten das Atrium. Sie kamen durch die Flure, die zu den Aufzügen führten und trugen einheitliche kohlengraue Umhänge. Es waren ungefähr zwei Dutzend, durchgängig männlich, und sie gingen nicht zu den Flohnetzwerken. Auch schlenderten sie nicht, sondern gingen – marschierten, eher – auf geordnete Weise. Manche hielten neben dem Brunnen an (wenige Schritte von der Grenze der rotgewandeten Protestierenden entfernt) in der Nähe der Aufzüge, und manche gingen herum, aber alle paar Meter, hielt ein weiterer Zauberer an und drehte sich um, den Brunnen mit einem festen, entschlossenen Ausdruck auf seinem Gesicht anblickend.
„Auftragszauberer," hörte Lily jemanden flüstern und sie ließ Donna und Marlene für einen Moment alleine um Alice nach Bestätigung zu fragen.
„Ja, das sind Auftragszauberer," sagte Alice, als die grau-umhangenen Zauberer weiter die rotgekleideten Gäste umstellten.
Donna war Lily zu ihrer A. T. Freundin gefolgt und sie sah nicht glücklich aus. „Wir werden verhaftet werden," murmelte sie aufgebracht. „Das wird nicht gut in meiner Akte aussehen."
„Beruhig dich, niemand wird verhaftet," beharrte Alice. „Auftragszauberer sollen Kriminelle fangen."
„Wozu wir gehören könnten, falls wir bis nach den Öffnungszeiten bleiben," bemerkte Donna.
„Ja," gab die A.T. zu, „aber Auftragszauberer sollen keine Verhaftungen von Ministeriumsangestellten im Ministerium machen, das ist die Aufgabe eines Aurors. Es ist eine lächerliche Verordnung, die wir in unserer ersten Trainingswoche auswendig lernen mussten."
„Warum sind sie dann hier?" fragte sich Lily. „Und warum würden sie keine Auroren schicken?"
„Können sie nicht, schätze ich," sagte Alice, aber sie fuhr das nicht weiter aus, da sich Frank Longbottom und Viktor Vance zu ihnen gesellten.
„Bist du dir sicher?" fragte Vance Frank, der einen ernsten Gesichtsausdruck trug, während er nickte.
„Ja," sagte der jüngere Zauberer. „Es ist am besten, wenn ich es tue."
„Wenn du was tust?" wollte seine Freundin wissen, aber Frank schüttelte nur seinen Kopf, in einer „Ich erzähl's dir später" Art und Weise.
Emmeline gesellte sich zu ihrem Ehemann und sie wurde noch von Tilly Figg und Sam begleitet, genau wie Elphias Doge und seinem senfgelben Dreiteiler.
Wie Bienen auf Honig hatten sich auch die Rumtreiber und die Prewett Zwillinge ihrem kleinen Kreis angeschlossen um zu hören, was die „Höheren" zu sagen hatten. „Hast du gesehen…?" wollte Sirius von Lily wissen, und sie nickte, den Auftragszauberern einen Blick zu werfend. Sie sah sich nach Marlene um, falls etwas gesagt werden würde, dass die Blondine hören sollte, aber ihre Freundin war etwas weiter weg, in einer angespannten Unterhaltung mit Sarah McKinnon. Etwa die Hälfte der Menge fuhr fort zu singen, aber jeder in Lilys Kreis war abgelenkt.
„Worauf warten die?" murmelte Sirius zu niemand Bestimmten.
„Darauf, dass die Halle leer wird," erkannte Alice.
„Gehen wir?" wollte Donna wissen. Sie sahen alle Emmeline, Dorcas, Elphias und Tilly an, die eine Reihe geformt hatten, die parallel zu der der Auftragszauberer lief. Emmelines stählerne Augen verrieten zum ersten Mal an diesem Tag echte Emotionen und Lily dachte, dass es vielleicht Angst war. Der Ausdruck war jedoch so schnell, wie er gekommen war, verschwunden und Dorcas sprach: „Ich nicht, nicht jetzt."
„Ich auch nicht," sagte Sam sofort.
„Aber sie werden euch verhaften," argumentierte Donna.
„Nein, das werden sie nicht," sagte Gideon Prewett. „Sie warten darauf, dass es ruhiger wird. Das gibt uns genug Zeit um… uns zu beschützen."
„Ihr werdet gegen sie kämpfen? Das ist idiotisch…"
„Wir müssen nicht gegen sie kämpfen," murmelte Fabian nachdenklich. „Wenn wir bloß…"
„Oi," Lilys Stimmung erhellte sich. „Wir könnten es auf die Muggelart tun und uns an etwas anketten!" Sie sahen sie an. „Anscheinend ist keiner von euch so enthusiastisch über die Idee wie ich es bin."
„Warte eine Minute," sagte Gideon, „das ist vielleicht keine so schlechte Idee… ich meine, nicht direkt anketten… wartete eine Minute, ich werde kurz mit Sarah sprechen… sie wird helfen können. Komm schon, Fabian…"
„Die Jüngeren sollten besser heimgehen," sagte Emmeline, als die Prewetts weg waren. James und Sirius begannen sofort zu widersprechen, aber sie schüttelte ihren Kopf. „Ihr seid Kinder."
„Wir sind volljährig!" fuhr Sirius sie an.
„Ihr seid noch Schüler," antwortete Emmeline, kühl und ruhig. „Ich weiß, dass ihr glaubt, dass es gerade die richtige Entscheidung für euch ist, aber ihr macht nächstes Jahr eure U.T.Z. Prüfungen – im nächsten Jahr startet ihr eure Karrieren… das Gesetz zu brechen sieht nicht gut in eurer Akte aus."
„Ihr habt genauso viel zu verlieren, wie wir das haben," entgegnete James. „Frank und Alice haben sogar mehr zu verlieren."
„Alastor Moody wird uns nicht aus dem Aurorenprogramm werfen," sagte Alice zuversichtlich. „Es gibt einen Grund, warum sie Auftragszauberer statt Auroren geschickt haben und ich wette dir alles, dass Alastor Moody dahintersteckt. Und wenn jemand dazwischenfunkt und ihn zwingt, uns zu feuern, dann ist das ein Risiko, was ich willens bin, einzugehen."
„Und mir ist meine verdammte Akte egal!" fuhr James fort. „Sie können meinen Zauberstab zerbrechen, so egal ist mir das!"
„Ihr seid nicht vernünftig," sagte Emmeline. „Ihr fühlt euch jetzt so, aber ihr könnt nicht aufgrund von Emotionen urteilen."
„Tja, ich bin rational," sagte Lily laut. „Wenn diese Sache durch geht, ist es bloß eine Sache der Zeit, bevor sie meinen Zauberstab sowieso zerbrechen. Stimmt das nicht?"
Emmeline sah Lily in die Augen und war eine Weile still. „Miss Evans, bei dir muss etwas anderes noch beachtet werden. Du bist muggelstämmig. Wir…" Sie zeigte auf die versammelte Menge von Dorcas, Frank, Alice, Sam und den Rumtreibern, „kommen von großen, einflussreichen Familien. Es tut mir leid, aber das ist die Wahrheit. Potter, Meadowes, Black, Dearborn, Longbottom, Griffiths… diese Namen bedeuten etwas in England."
„Was willst du damit sagen?" fragte Lily.
„Wir sind unberührbar," seufzte James.
„Nicht ganz," fügte Alice hinzu. „Aber wir sind ein gutes Stück sicherer vom Ministerium als du es bist."
„Ist mir egal," schnappte Lily. „Ich bleibe."
„Ich auch," sagte James.
„Ich auch," sagte Sirius.
„Ich auch," sagten Remus und Peter.
„Jungs, Lily, denkt nach," flehte Dorcas sie an. „Ihr müsst auch an eure Eltern denken…"
„Ich nicht," unterbrach Sirius.
„Und ich auch nicht," stimmte James zu. „Ich bin volljährig und sie konnten mich nicht mehr kontrollieren, seit ich vier war."
„Selbst dann," gab Remus zu. „Und ich bleibe auch."
„Ich schätze, Mum wäre stolz," stimmte Peter zu.
„Ihr könnt uns nicht zwingen, zu gehen," sagte Lily ihnen. „Und ihr solltet es auch nicht wollen. Jede Menge der anderen… haben Familien und Jobs, die sie berücksichtigen müssen und können oder werden nicht bleiben wollen. Ihr braucht Zahlen und wir werden bleiben, selbst wenn sie uns dafür in Azkaban einsperren."
„Du hast noch nie einen Dementor getroffen, Lily," sagte Frank dunkel. „Sonst wäre das hier keine so einfache Wahl."
„Sie werden uns nicht in Azkaban einsperren," sagte Sirius augenverdrehend. „Das meiste, was wir bekommen würden, ist ein Strafgeld für… ich weiß nicht, Störung des Hausfriedens."
Die Älteren in der Gruppe tauschten Blicke aus. Sichtlich nicht zufrieden mit dieser Entwicklung seufzte Emmeline trotzdem. „In Ordnung. Aber du musst dich deiner Mutter stellen. Wenn sie zu meinem Haus kommt, um jemanden zu finden, den sie verantwortlich machen kann, weil ihr einziger Sohn im Gefängnis ist…"
„Sage ich ihr, dass es Sam war," antwortete James, der anfing zu grinsen.
Lilys Herzschlag wurde in Erwartung von dem, was passieren würde, schneller. Sie war nicht dumm – sie wusste, es war riskant und wahrscheinlich eine schlechte Idee, aber jetzt zu gehen… es wäre wie aufgeben. Emmeline hatte Recht: sie mussten bleiben.
Gideon und Fabian schlossen sich ein paar Minuten später wieder der Gruppe an und die Zwillinge erklärten ihren Plan.
„Gid, Sarah und ich könnten ein Netz aufbauen," begann Fabian, als die anderen näher rückten. „Kein normales Netz, natürlich; es ist ein magisches Netz. Es macht es möglich, dass jemand sich – natürlich unsichtbar – an einen spezifischen Ort oder Objekt anbindet."
„Wir dachten an den Brunnen hier," fuhr Gideon fort. „Passend, oder? Magische Gebrüder und alles."
„Und natürlich wird es besser sein als ein richtiges Netz," sagte Fabian. „Man wird nicht an einem Ort festkleben. Man kann sich herumbewegen, in einem bestimmten Bereich um den Brunnen herum.
„Und jeder kann sich hinzufügen oder vom Netz entfernen, wann man will, so lange man das Passwort hat," sagte Gideon.
„Aber niemand kann jemanden anderen aus dem Netz rausnehmen, außer die Person sagt auch das Passwort," schloss Fabian. „Verstanden?"
„Was ist das Passwort?" fragte Peter.
„Wir kommen da auf euch zurück," sagte Fabian. „Sobald uns eins eingefallen ist."
Ein bedeutungsvolles Lächeln wuchs auf Dorcas Meadowes Lippen. „Wie wäre es mit ‚Phönix'?" schlug sie sanft vor, die Heiterkeit, die Lily bis jetzt stetig in Dorys Augen gesehen hatte, war weg, aber ein Schatten der Durchtriebenheit blieb. Plötzlich erkannte Lily, dass Dorcas keine durchschnittliche, mittelalte Hexe war. Viele der anderen – die Prewettbrüder, Frank, Alice, Elphias, Victor und Emmeline – schienen die Bedeutung des Wortes, das Dory geäußert hatte, zu verstehen, aber Lily tat das nicht und einen Blick auf die Rumtreiber zeigte ihr, dass sie es auch nicht verstanden.
„Können wir machen," sagte Gideon. „Also, stimmen wir alle zu?"
Das taten sie.
„Bleiben die Kinder?" fragte Fabian; er meinte Lily, Donna und die Rumtreiber.
„Es scheint so," sagte Emmeline steif.
„Typisch," sagte Gideon grinsend. „Marlene Price hat die Idee auch gehört, als wir bei Sarah waren und sie hat sich auch geweigert zu gehen."
„Und was soll das hier mit ‚Kindern'?" wollte James wissen. „Ihr zwei seid, was? Nicht mal zwanzig?"
„Jetzt bloß keinen Trotzanfall, James," zog Sam ihn auf und Sirius schnaubte. James sah ihn böse an.
„Was?"
„Du weißt genau, was, Idiot."
„Trottel."
„Hippogreif."
„Kniesel."
„Tja, das ist nicht wirklich nett."
„Jungs," unterbrach Lily, sie effektiv zurückpfeifend.
„Wer bleibt sonst noch?" fragte Remus pragmatisch. „Lily hat recht – nicht jeder wird es können."
„Ich verbreite die Nachricht unter den anderen," meldete sich Sam freiwillig.
„Aber nur denen, denen du absolut vertrauen kannst," sagte Emmeline streng. „Und keine Journalisten." Den letzten Teil sagte sie mit einem bedeutungsvollen Blick zu der besagten Gruppe der Journalisten, die gerade ein paar Ministeriumszauberer interviewten, die nicht rot trugen. Sam versprach es und ging los zu ein paar M.F.P. Mitgliedern und andere aus der Gruppe zerstreuten sich, während Gideon und Fabian subtil ihre Zauberstäbe zogen und mit den Vorbereitungen anfingen.
Minuten vergingen und an einem Punkt, gingen auch die Rumtreiber, während Lily bei Donna stand und die unbewegten Auftragszauberer ansah. Die Zahl der Ministeriumsarbeiter, die für diesen Tag ihre Arbeit einstellten, wurde immer noch größer, aber Lily schätzte, dass sie bald weniger werden würde und ihr graute es davor. Sie verschränkte ihre Arme und beobachtete die Szene angespannt.
Ein bestimmter Zauberer fiel ihr auf. Er trug himmelsblaue Umhänge und stand gerade hinter den Auftragszauberern, ein kurzer, älterer Mann mit Feder und Pergament, auf das er so schnell schrieb, als ob sein Leben davon abhing. Lily hatte ihn nicht bei den anderen Journalisten gesehen und er schien seltsam fixiert auf seine Aufgabe.
Aktuell kehrte Gideon Prewett zu dem Platz in der Nähe des Brunnens zurück. „Das Netz ist oben," sagte er und tat seinen Zauberstab zurück in seine Tasche. Jeder, der gehen will, sollte das besser tun, während es noch voll ist. Ich schätze, dass die Auftragszauberer etwas nervös werden, falls jemand geht, nachdem die Menge sich ausgedünnt hat. Wenn ihr euch dem Netz hinzufügen wollt, wollt es, haltet euren Zauberstab und sagt das Passwort." Er sah etwas nervös aus, als er ihnen auf Wiedersehen sagte und zu den nächsten ging um die Nachricht zu verbreiten.
Lily nickte. Sie fühlte nach ihrem Zauberstab in der Hosentasche, aber zog ihn nicht direkt.
„Ich muss gehen," sagte Donna plötzlich und Lily drehte sich zu ihrer Freundin. „Kingsley ist auf einer Mission und wenn er die ganze Nacht weg ist, kann ich nicht Mrs. Fowler mit den Kindern alleine lassen."
Sie sprach über ihre Brüder und Schwestern zuhause und Lily verstand es fast. Nichtdestotrotz sag Donna ein wenig – schuldbewusst, richtig und die Freundin dachte, dass sie auch das Gefühl verstand.
„Sie werden okay sein, Donna. Du…"
„Ich muss gehen," wiederholte Donna fest und ihre Hände zitterten wieder, wie sie es getan hatte, als Vance gesprochen hatte. „Es – es ist nicht nur Brice und Isaiah und Bridget… ich habe…" Sie zögerte, „das hier ist nicht mein Ding. Ich bin nicht wie du, Lily – ich… ich mag es nicht, in Dinge verwickelt zu sein."
„Don, es ist okay…"
„Es tut mir…" Aber Donna, aus Prinzip, entschuldigte sich nicht, so dass, als sie abbrach, Lily nickte.
„Es ist okay," wiederholte sie. „Du solltest jetzt gehen, bevor Dinge wieder ruhiger werden…"
Donna runzelte die Stirn und zog langsam ihren roten Umhang aus, sodass ihr restliches Outfit aus einer Bluse und einer Jeans bestand, die sie an diesem Morgen zur Arbeit getragen hatte.
„Ich… sehe dich bald, Lily?"
„Richtig. Bis bald."
Und sie ging, sich in den Rest der Menge einreihend.
„Du solltest auch gehen," sagte James, und Lily erschrak über den unerwarteten Klang seiner Stimme. Er stand hinter ihr, wo, er anscheinend lange genug gestanden hatte um den Hauptteil ihrer Konversation mit Donna mitzubekommen.
Lily sah ihn streng an. „Ich gehe, wenn alle anderen gehen."
„Evans…"
Aber sie hatte bereits ihren Zauberstab gezogen. James Stab war in seiner Hand, so wie die vieler anderer waren, aber sie schienen alle auf etwas zu warten. Lily sah kein Bedürfnis mehr zu warten, und so, bevor James weiter protestieren konnte, schloss sie ihre Augen, ihren Zauberstab fest in ihrer Hand und flüsterte das Wort:
„Phönix."
„Es ist nicht sicher," sagte James.
„Warum hast du mich dann überhaupt hier hin eingeladen?" fuhr Lily ihn an, ihre Augen öffnend. „Ehrlich, du verhältst dich so seltsam, und Sirius macht diese Andeutungen, als ob… was auch immer. Und die Hälfte der Zeit ignorierst du mich und…"
„Tja, es tut mir leid, wenn ich ein wenig abgelenkt bin durch den Krieg, der um uns vor sich geht…"
„Hau ab, Potter, das hat damit nichts zu tun. Das weiß ich. Du verhältst dich seltsam, weil…"
Sie wurde davon abgehalten, ihren Satz zu beenden durch die Ankunft von Fabian Prewett. „Entschuldigung für die Unterbrechung," sagte er mit erhobenen Augenbrauen, als Lily mit verschränkten Armen zurückfuhr. „Aber ihr könnt euch jederzeit hinzufügen."
„Gid' hat uns Bescheid gesagt. Ich hab es schon getan," sagte Lily etwas kurz angebunden, weil sie immer noch sauer auf James war. „Wie wissen wir, ob es funktioniert hat?"
„Es hat funktioniert," antwortete Fabian. Er grinste und zeigte auf Lilys Handgelenk, wo eine Art Armband erschienen war: es war ein einziges goldenes Band, nicht viel dicker als ein Faden, aber Lily staunte, dass sie es nicht sofort bemerkt hatte. Fabian drehte sich zu James, als Sirius, Remus und Peter kamen um sich zu ihrem Freund zu gesellen. Sie trugen auch noch nicht die goldenen Armbänder.
„Also bereit?" fragte Fabian, mit weißen Fingerknöcheln um seinen Zauberstab.
„Bin ich immer," murmelte Sirius. Sie hielten alle ihre Zauberstäbe zu ihrer Seite, steifarmig und sprachen alle gleichzeitig das Wort, das sie an den Brunnen ketten würde.
„Phönix."
Goldene Bänder erschienen sofort um ihre Handgelenke und Fabian lächelte. Jedoch war da in seinen Augen Spuren von Zweifel.
„Gut. Es hat funktioniert."
„Es wird klappen," sagte Sirius selbstsicher. „Und sowieso, Fabian. Du hast schon immer gern Position bezogen."
„So wie du, Black," antwortete der ältere Zauberer seine Augen verdrehend. Er schien jedoch minimal sicherer. „Ich gehe mal Gid suchen. Bis nachher, ihr."
Als die Rumtreiber und Lily alleine waren, sprach Sirius die Hexe an. „Shacklebolt ist gegangen, oder?"
Lily nickte. „Sie musste nach Hause zu ihren Brüdern und Schwester."
„Richtig."
Und weiter wurde nichts gesagt. Lily hatte ihren Streit mit James nicht vergessen, aber das schien für ihn selbst nicht zu stimmen. Er schlug vor, dass sie sich alle auf den Brunnenrand setzten und Lily dachte sich, dass sie die Diskussion besser mal ein anderes Mal fortfuhren. Also ging sie mit den Rumtreibern zum Brunnenrand, wo sich alle hinsetzten. Sam Dearborn schloss sich ihnen sehr bald an, mit einem goldenen Band um sein Handgelenk und ihm folgten Sarah McKinnon und Marlene, die beide auch Armbändchen hatten.
Benjy Fenwick blieb ebenfalls, natürlich, so wie die Prewett Brüder, Emmeline Vance und ihre Schwester und ihr Ehemann, Tilda Figg, Elphias Doge, eine Handvoll anderer, die Lily erst heute getroffen hatte und viele, die sie gar nicht kannte.
Gegenwärtig kamen Frank und Alice auf Lily und die anderen, die dort saßen, zu und sie schienen sich zu streiten.
„Kann einer von euch ihn zur Vernunft bringen?" sagte Alice scharf, die ein goldenes Band trug. Frank tat dies nicht.
„Bleibst du nicht?" fragte Lily überrascht.
„Natürlich bleibe ich," sagte Frank leise. „Aber da ist… da ist etwas, was ich zuerst machen muss."
„Er wird in die Aurorenbüros hochgehen um mit Moody zu sprechen," erklärte Alice unglücklich. „Victor Vance will, dass er eine Nachricht überbringt, aber…"
„Ist Moody da oben?" fragte Lily. „Ich habe heute keinen einzigen Auror gesehen."
„Es sind heute nicht viele da," murmelte Frank. „Ich denke, Moody hat die Abteilung geleert, falls Dearborn sie gegen uns bestellt. Er könnte von irgendwo sonst aus arbeiten."
„Stehen nicht auch die Auftragszauberer unter dem Befehl von diesem Typ?" fragte Peter.
„Ja, aber sie dürfen niemandem im Ministerium für Magie verhaften," sagte Alice zum zweiten Mal. „Nur in extremen Fällen dürfen sie das tun, sonst ist das die Aufgabe von Auroren. Deshalb warten sie darauf, dass alle gehen…"
„Was sollst du Moody sagen?" wollte Marlene wissen.
„Darf ich nicht sagen," murmelte Frank.
„Du solltest nicht gehen," fuhr Alice ihn an. „Falls jemand weiß, dass du zu uns gehörst…"
„A.T.'s sind quasi Ministeriumsangestellte, und es muss ein Angestellter sein…"
„Vance kann seine Frau senden. Oder ich gehe. Ich will nicht, dass du gehst."
„Ich habe schon zugestimmt, Al. Komm schon…" Frank flehte halb. „Ich bin fünfzehn Minuten weg und wenn ich nicht zurück bin, kannst du die Truppen reinschicken."
„Welche Truppen?"
„Ich weiß nicht. Die Rumtreiber?" Er grinste die vier Zauberer an, aber Alice schien nicht amüsiert.
„Francis Longbottom, du gehst besser verdammt sicher, dass du in fünfzehn Minuten zurück bist."
„Versprochen."
„Gut."
Sie stand auf ihren Zehen und küsste seine Wange. „Lieb dich."
„Lieb dich auch." Frank warf Lily einen Blick zu. „Kannst du ein Auge auf sie werfen?"
„Das tue ich immer."
„So wie ich," witzelte Sirius.
„Nicht lustig, Black."
„Ich bitte um Entschuldigung."
Alice verdrehte ihre Augen und setzte sich neben Marlene auf den Brunnenrand. Frank warf ihr ein letztes Lächeln zu und ging von der Gruppe weg, zu und dann an den Auftragszauberern vorbei. Er erreichte die goldene Schranke, die zwischen ihm und den Büros lag. Frank nickte dem Sicherheitszauberer mit sichtbarem A.T. Abzeichen zu und Lily verstand, warum nur ein Ministeriumsangestellter Vances Aufgabe erfüllen konnte: sie mussten durch die Sicherheitsschleuse gelangen.
Zunächst, als Frank durch das goldene Tor schritt, schien er der einzige zu sein, der in diese Richtung ging, aber er war noch nicht ganz verschwunden, als ein weiterer Zauberer dieselbe Route nahm. Lily sah sein Gesicht nicht, aber er war groß und hatte einen langen, grauen Pferdeschwanz.
„Oh nein," murmelte Alice angespannt; sie hatte sich gereckt um zu sehen, wie ihr Freund davon ging und runzelte nun die Stirn.
„Was?" fragte Marlene.
„Der Typ, der ihm gefolgt ist…"
„Ist das ein Auftragszauberer?" sagte Remus und Alice schüttelte ihren Kopf.
„Nein, aber Caradoc hat gesagt, dass er einer von Egbert Dearborns Kumpanen ist… was war sein Name? Script oder Salt oder irgendwie so etwas. Ich sollte besser Viktor Bescheid sagen…"
„Wir sagen ihm Bescheid," sagte Sirius, während er aufstand. „Moony, komm mit. Lily…?"
Lily verstand seine implizierte Bitte und nickte, weil sie nun Franks Bitte, ein Auge auf Alice zu werfen, voll und ganz verstand. Er hatte gemeint, dass sie ihm nicht zu den Büros folgen sollte. Sirius und Remus gingen los, um Vance zu finden und Peter folgte ihnen, aber James blieb zurück.
Zeit verging und Marschierende schlüpften hindurch, die Anzahl der Rotgekleideten stetig schwindend. Bald blieben bloß etwa hundert und in dem großen Atrium schien das wie eine sehr kleine Zahl. Die meisten saßen auf dem Rand des Brunnens der Magischen Gebrüder, einige standen und die Auftragszauberer blieben. Lily beobachtete sie, wie sie sie beobachteten.
Es gab etwas Schwierigkeiten mit Emmeline, bevor viel Zeit vergangen war; eine der Journalistinnen, eine Blondine mit roten Lippen und einem listigen Lächeln, schien sich bei denen, die blieben, eingeschlichen zu haben und Emmeline gefiel dies nicht. Sie stürmte vor sich hin murmelnd an Lily vorbei, aber es schien unmöglich, viel dagegen zu tun, da die Reporterin das Geheimnis des Netzes gelernt hatte und an ihrem Handgelenk dasselbe goldene Band war wie an Lilys und dem der anderen.
Frank kehrte nicht zurück. Alice wurde immer angespannter und begann auf und ab zu laufen.
„Sie… sie würden ihn nicht verletzen?" fragte Lily so taktvoll wie möglich, als Alice sich wieder neben sie auf den Brunnenrand setzte.
„Ich weiß es nicht," gab sie zu. „Ich meine… rechtlich gesehen, können sie das nicht. Aber wenn sie unoffiziell arbeiten…" Sie sah James an, der noch immer bei ihnen war. „Ich kenne dich jetzt schon lange und wenn es jemanden gibt, dem ich vertrauen würde, eine Idee zu haben, was man in einer Situation wie dieser machen könnte… tja – Sirius ist zu forsch und Remus ist zu vernünftig…"
„Du meinst, wenn es jemanden gäbe, der für dich die Regeln brechen könnte," sagte James. Er nickte. „Denkst du, wir können an ihn rankommen? Würdest du wissen, wohin man müsste?"
„Wartet, was?" wollte Lily wissen; sie saß zwischen den beiden und sah beide an. „Denkt darüber nach…"
„Ich denke, ich sollte wissen, wo wir hinmüssten," sagte Alice.
„Aber wie würdet ihr irgendwo hinkommen, ohne dass die euch sehen?" wollte Lily leise wissen, zu den Auftragszauberern nickend.
James tippte auf seinen Hut. „Ich habe den Unsichtbarkeitsumhang."
„Aber wie wollt ihr darunter kommen?"
„Stimmt," pflichtete James ihr bei. Er lehnte sich hinüber um Alice besser zu sehen. Sie sah ihn mit einer solchen Kombination aus Verzweiflung und Vertrauen an, von der Lily sofort wusste, dass James ihr nicht widerstehen konnte.
„Ihr wisst nicht einmal, ob Frank in Schwierigkeiten ist," bemerkte sie trotzdem. „Er ist vielleicht ins Plaudern gekommen und jetzt einfach etwas spät dran."
„Es ist jetzt schon eine halbe Stunde," sagte Alice. „Und es dauert fünf Minuten um zur Aurorabteilung zu kommen."
„Vielleicht konnte er Moody nicht finden."
„Dann würde er wiederkommen," flüsterte Alice grimmig zurück. „Die Wahrheit ist, dass wenn Salt oder Skit oder… Merlin, was war sein Name? Svilt. Das war's. Jedenfalls, wenn er Frank ausfragt… Frank weiß, wer die Bevölkerungsschutz-Ordnung an den Tagespropheten geleakt hat. Natürlich würde er es nicht sagen, aber wenn sie Veritaserum haben…"
„Aber warum würde er Frank überhaupt befragen?"
„Er muss Frank bei uns gesehen haben. Er ist ihm in den Flur gefolgt!"
„Aber wir wissen nicht…" Trotzdem wusste Lily, dass die Schlacht verloren war.
Während Lily und Alice hin und her argumentierten, arbeitete James an den Details, bis er schließlich sagte: „Das Problem ist, wie wir unter den Umhang kommen." Er schaute sich um. „Ich werde Sirius brauchen."
Sirius saß bei Remus, Peter und Sam auf der anderen Seite des Brunnens. Der Rumtreiber wurde rüber gerufen und, um den wachsamen Augen der Auftragszauberer (oder gar Emmeline Vance) zu entkommen, saßen sich die beiden sich verstohlen wieder hin.
„Wir brauchen eine Ablenkung," sagte James. Sirius erstrahlte. „Nichts Illegales." Sirius fiel in sich zusammen. „Am liebsten eine, die keine Magie benötigt."
Sirius hob eine Augenbraue. „An was denkst du, Prongs?"
„Ich weiß nicht. Zwölf Schläge?"
„In dieser Stimmung? Jemand könnte sich verletzen. Wie wäre Weißer Hase?"
„Moony denkt, dass das unmoralisch ist."
„Moony denkt, dass alles unmoralisch ist," sagte Sirius augenverdrehend. „Wie wär's mit Idiotenchor?"
James dachte darüber nach. „Das könnte vielleicht funktionieren."
„Ich mache das nicht alleine."
„Schnapp dir Moony und Wormtail. Wormtail sieht aus, als ob er sowieso einen Muntermacher benötigen könnte." Und tatsächlich erschien der Rumtreiber recht nervös, als er dort am Brunnen saß, mit wenigen anderen zwischen sich und den Auftragszauberern.
„Gideon und Fabian und Sam würden wahrscheinlich auch helfen."
„Aber sag ihnen nicht, warum."
„Ich weiß nicht, warum."
„Stimmt." James lehnte sich hinüber, vortäuschend, dass er seine Schnürsenkel band. Sirius folgte ihm subtil. „Wir gehen Frank holen."
Sirius setzte sich sofort auf und sah Alice an. „Bist du dir sicher?"
„James konnte ihn kaum alleine finden," bemerkte sie. „Und ich bin eine der besten im A. T. Kurs."
„Ich zweifle nicht deine Fähigkeiten an, aber…"
„Es ist Frank," unterbrach Alice steif. „Natürlich bin ich mir sicher."
Nichtdestotrotz sah Sirius nicht glücklich aus. „Du nimmst den Umhang, Prongs?"
„Natürlich."
„Ich komme mit," sagte Lily plötzlich.
„Nein," sagten James und Sirius im Chor. Sie starrte sie böse an.
„Ich bin besser mit Frank befreundet als ihr beide."
„Irrelevant," sagte James. „Es ist gefährlich genug mit allein zwei Leuten, durch das Ministeriumsgebäude zu schleichen."
„Ich habe ein paar Slytherins plattgemacht, bevor du überhaupt deinen Zauberstab gezogen hattest," erinnerte Lily ihn. Sie wendete sich an Alice für Unterstützung, aber Alice schien auch weniger als sicher.
„Ich will nicht, dass du wegen meinem Freund verletzt wirst oder in Schwierigkeiten gerätst, Lily…"
„Und ich vertraue keinem von euch, dass er sich benimmt," beharrte sie. „Alice, du hast dich da reingesteigert und James ist…" Sie sah ihn an. „James."
„Danke."
„Es ist eine gute und eine schlechte Sache."
„Es ist eine gute Sache?"
„Tja, ich meine…"
„Wenn ihr zwei fertig seid," unterbrach Sirius, und James trat ihn.
„In Ordnung," sagte Alice schließlich. „Lily kann mitkommen." James sah sie ungläubig an, aber Alice hatte ihren Kiefer fest angespannt und in ihrem Tonfall war etwas so Entschlossenes, dass dieser Punkt abgehakt war.
Sirius gab als nächstes nach, jedoch nicht glücklich. „Ich rede mit Moony und den anderen," sagte er, und stand auf. „Ich lasse mir besser eine Ausrede einfallen…"
„Das ist verrückt," murmelte James, als Sirius gegangen war, aber schien auch nachgegeben zu haben.
„Vertraust du mir nicht?" fragte Lily augenverdrehend.
„Vertrauen ist nicht das Problem," antwortete James.
Lily hatte nicht mehr Ahnung, was ein „Idiotenchor" war, als sie wusste, was „Zwölf Schläge" oder der Remus-verpönte „Weiße Hase" war. Tatsächlich dauerte es bis nach sechs Uhr, bis sie es herausfand.
Die Auftragszauberer hatten sich nicht bewegt.
Sirius kehrte zurück und händigte James etwas aus, was aussah wie ein Taschenmesser, und das James in seinen erweiterten Hut platzierte. All dies passierte, während Lily und Alice als Schild vor den beiden standen, und locker plauderten; es schien jedoch nicht so wichtig zu sein. Die Auftragszauberer schienen nicht besonders damit beschäftigt sein, ein sehr genaues Auge auf ihre Schützlinge zu werfen und Lily fragte sich wieder einmal, warum sie überhaupt hier waren.
„Die Halle ist üblicherweise gegen halb acht oder acht komplett leer," sagte Alice. „Sie wollen uns einschüchtern, damit wir gehen, würde ich wetten. Dann können sie sagen, dass die Autragszauberer uns rausgeschmissen haben, ohne, dass sie wirklich ihre Hände schmutzig machen mussten."
Lily dachte immer noch, dass etwas an den Auftragszauberern seltsam war, aber behielt dies für sich, weil Alice gestresst genug schien. Die Ministeriumsmitarbeiter liefen in stets schwindender Zahl durch und als weniger Leute um sie herum waren, wurde es Alice unbehaglicher.
„Auf was warten wir, James?"
„Den richtigen Zeitpunkt," antwortete er geheimnisvoll.
Der kleine Zauberer in himmelsblauen Umhängen, den Lily zuvor schon dabei erblickt hatte, wie er etwas auf sein Pergament schrieb, war immer noch dabei, etwas aufzuschreiben, was sie an die Hexe erinnerte, die James und sie vorher interviewt hatte. Aber dieser Zauberer war anders, er blickte immer wieder auf und dann wieder auf sein Pergament, aber er zeigte wenig Gefühle über das, was er schrieb. Er hatte auch den ganzen Umkreis um den Ring, der durch die Auftragszauberer gebildet wurde, mehrfach abgelaufen, ohne auch nur ein bisschen danach zu schauen, wohin er lief.
Plötzlich erkannte Lily, warum.
„James," flüsterte sie und er sah sie an. „Wir brauchen diesen Notizblock."
Sie nickte zu dem Zauberer in blau.
„Warum?"
„Er schreibt Namen auf."
„Woher weißt du das?"
„Schau dir an, wie er die Leute anguckt. Er versucht, so viele wie möglich zu identifizieren."
James folgte ihrem Blick. „Na und? Es ist uns egal, wenn das Ministerium weiß, wer wir sind."
„Er trägt kein Ministeriumsabzeichen."
Und sie hatte Recht. Alice stand sofort auf und bewegte sich zu Emmeline Vance, vermutlich um die Botschaft weiterzutragen.
„Em wird sich darum kümmern," sagte James. „Wir müssen uns auf Frank konzentrieren."
„Richtig," stimmte Sirius ihnen zu, als Sam, Gideon, Fabian und die anderen Rumtreiber sich zu ihrem Platz an der Brunnenwand gesellten. „Konzentriert euch darauf, nicht verhaftet zu werden. Bereit?" Sein letztes Wort war an Remus, Sam und die anderen gerichtet. Sie nickten. „Fantastisch. Dann, lass uns hinsetzen." Und das taten sie.
Remus und Peter saßen neben Sirius, aber Gideon, Fabian und Sam bewegten sich zu den anderen Teilen der nur dünneren, rotgekleideten Gruppe. Eine Weile lang passierte nichts. Elphias Doge stolperte nach vorne und hielt eine kurze Rede und dann stand Dory Meadowes auf und las wieder eine abgekürzte Version der sogenannten Bevölkerungsschutz-Verordnung, gefolgt von einer Liste von Muggelstämmigen, die durch Todesser getötet worden waren. Die blonde Tagesprophet-Hexe, über die Emmeline so wütend gewesen war (deren Name anscheinend Rita war) fuhr fort, so ziemlich jeden zu interviewen, während ihre rotgemalten Lippen die ganze Zeit lächelten.
Lilys Magen war wie verknotet und ihr waren alle ihre eigenen Bewegungen sehr bewusst. Die Zahl der arbeitenden Hexen und Zauberer im Atrium fuhr weiter fort, kleiner zu werden.
Dann, um etwa viertel nach sechs, wurde es plötzlich leise. Dorcas setzte sich und eine Minute lang, nahm niemand ihren Platz ein.
Schließlich stellte Alice sich flüsternd die Frage, die sie nun mehrere Male abgetan hatte, wenn sie durch Lily gestellt worden war: „Wo sind die Auroren?"
Abgesehen von einem vagen Murmeln und dem Klackern von Absätzen über den polierten Holzboden war das Atrium gruselig still.
Dann erschallte plötzlich eine laute, klare Stimme ganz nah bei Lily. Für eine halbe Sekunde dachte sie, dass sich jemand anderes hingestellt hatte, um eine Rede zu halten. Es war jedoch Sirius und er war weder am Stehen noch am Redehalten.
Er war…
Verdammte Scheiße, er war am Singen.
„Als ich am Montagabend heimkam, so betrunken, wie man nur betrunken sein kann… da sah ich einen Besen an meiner Tür, wo mein alter Besen sein sollte… Tja, ich rief meine Frau und sagte zu ihr, würdest du mir bitte sagen… wem dieser Besen gehört an meiner Tür, wo mein alter Besen sein sollte? Oh…"
Ein Trinklied auch noch.
Ein paar Leute lachten – Dorcas Meadowes unter ihnen – und dann schlossen sich Remus und Peter und Sam für den Rest der Strophe an.
„Du bist betrunken, du bist betrunken, du dummer alter Trottel, du kannst nur nicht sehen… das ist ein lieblicher Besen, den meine Mutter geschenkt hat…"
Lily sah James an. „Träume ich?"
"Ich glaube nicht, nein."
„Ein Trinklied über Untreue? ‚Idiotenchor'?" fragte sie, aber er hatte bereits mit der zweiten Strophe begonnen, so wie das Gideon und Fabian auf der anderen Seite des Brunnens getan hatten.
„Und als ich Dienstagabend heimkam, so betrunken, wie man nur betrunken sein kann… da sag ich einen Umhang hinter der Tür, wo mein alter Umhang sein sollte…"
Ziemlich unerwarteterweise fuhr nicht nur Victor, sondern auch Emmeline Vance mit den nächsten paar Zeilen fort, und sie wurden begleitet durch ein halbes Dutzend anderer, inklusive eines lachenden Auftragszauberer mit gerötetem Gesicht.
„Tja, ich rief meine Frau und ich sagte zu ihr: Würdest du mir bitte sagen, wem der Umhang hinter der Tür gehört, wo mein alter Umhang sein sollte?"
Und ein paar mehr begannen den nächsten Refrain:
„Oh, du bist betrunken, du bist betrunken, du dummer alter Trottel, du kannst nur nicht sehen, das ist ein wollener Schal, den mir meine Mutter gab…"
Die blonde Reporterin schien ihre Interviews vergessen zu haben; sie sah den Sängern zu – die nun aus zwei Drittel der Menge bestanden. Es war, als ob ein halbes Dutzend kleine Bomben in der Gruppe losgegangen wären, abgesehen davon, dass die radioaktiven Folgen nicht aus Trümmern und Feuer bestanden, sondern aus zusätzlichen Stimmen zu dem wahrscheinlich albernsten Lied, das Lily sich je selbst singen hören hatte.
„Als ich Mittwochabend heimkam, so betrunken wie man nur betrunken sein kann… da sah ich einen goldenen Becher, wo mein alter Becher sein sollte… ich rief meine Frau und ich sagte zu ihr: Würdest du mir bitte sagen, wem der Becher hinter der Tür gehört, wo mein alter Becher sein sollte? Oh, du bist betrunken, du bist betrunken, du dummer alter Trottel, kannst du denn nicht sehen? Das ist ein goldener Schnatz, den mir meine Mutter geschickt hat… Tja, ich habe die ganze Welt gesehen und bereist, aber Feuerwhiskey in einem goldenen Schnatz, das habe ich sicher noch nicht gesehen…"
Ab der fünften betrunkenen Nacht waren alle von Elphias Doge bis zu Sarah McKinnon auf ihren oder seinen Füßen, als ob sie statt einer Kneipenballade eine Nationalhymne sängen.
Alle, bis auf einen Auftragszauberer lachten (zwei machten mit), der Unnachgiebige war steinern und wachsam, aber einer in seiner Kohorte machte sich laut darüber lustig, dass er zu ernst war und er wurde rot. Der kleine Zauberer in blau hörte auf zu kritzeln, um mit ungläubigem Gesicht die Szene zu betrachten.
Lauter als der Rest (und seine Stimme war nicht schlecht) nahm Sirius seinen silbernen Hut ab, legte ihn auf seine typische dramatische Sirius-Art über sein Herz und leitete die letzte Strophe ein. Die letzten Chöre wurden sogar noch lauter gesungen, sodass die gesamte Halle mit den vermischten, oft schrägen Stimmen echote und so, dass niemand außer Sirius und ein paar anderen bemerkte, dass drei ihrer Zahl verschwunden waren.
Glücklicherweise waren Lily und Alice beide relativ klein: Lily konnte nicht anders, als sich zu fragen, wie mehr als ein Rumtreiber sich mit irgendeiner Geschwindigkeit unter diesem Umhang bewegte. So wie es war, war es ziemlich schwer, sich durch die Halle zu bewegen, nachdem sich Lily, Alice und James von dem Phönixnetz entfernt hatten.
„Hab's dir gesagt," flüsterte James Lily zu, aber er schien nicht mehr ernsthaft verärgert, dass sie mitgekommen war. Sie erreichten die Tore zu den Aufzügen, als die letzten Töne von „Sieben Betrunkene Nächte" ertönten.
Der langsamere Fluss von Hexen und Zauberern aus den inneren Teilen des Ministeriums machte es unerwartet leicht in den Korridor zu kommen, wo sie den Aufzug betreten würden. Sie zogen sich in eine Ecke des Flurs zurück, wo sie keiner überhören konnte.
„A.M.S. ist im zweiten Stock," sagte James flüsternd und sich unter diesem Umhang zu unterhalten, musste eine der peinlichsten Dinge auf dieser Welt sein. „Du hast gesagt, dass Svilt einer von Dearborns Kumpanen ist, richtig? Also sollte er da sein."
„Das hatte ich mir überlegt," sagte Alice. „und Falstaff hat da ein Büro."
„Wer ist Falstaff?" fragte der Zauberer.
„Er ist ein Freund von Dearborn und der Leiter von einer der Auftragszauberer-Truppen."
„Glaubst du, dass sie Frank dahin bringen würden?"
„Wenn sie ihn nicht richtig verhaftet haben, dann ja."
Einen leeren Aufzug zu erwischen war keine leichte Aufgabe, und selbst, als sie es geschafft hatten, lag konstant die Angst in der Luft, dass jemand bemerken würde, wie ein leerer Aufzug nach unten fährt.
„Gibt es keine Treppen?" fragte Lily nervös, als sie am sechsten Stock vorbei waren und zum fünften weiterfuhren.
„Im dritten Stock," sagte Alice. „Wir können von dort aus zum A.M.S runterlaufen."
Eine Hexe wartete im dritten Stock auf den Aufzug, aber sie war so sehr durch den dicken Stapel Pergament abgelenkt, durch den sie blätterte, als sie eintrat, dass sie nicht das Geräusch von Schritten hörte, als zwei unsichtbare Hexen und ein unsichtbarer Zauberer an ihr vorbeischlüpften.
„Heilige Scheiße," seufzte Alice. „Hier lang."
Sie führte sie an mehreren Büros vorbei – inklusive der Vergissmich-Zentrale und des Magischen Unfallumkehr-Kommandos– bis sie das Ende des Flurs erreichten, wo eine kleine Tür einfach mit „Treppe" beschriftet war.
Mit einem kurzen Blick um sicherzugehen, dass niemand in der Nähe war, öffnete Alice die Tür durch den Umhang hindurch und, als sie im Treppenhaus waren, schloss Lily sie wieder hinter ihnen. In der Einsamkeit des Treppenhauses zog James den Umhang von ihnen und sie gingen hastig die Treppe hinunter.
„Ich weiß, es ist vielleicht ein bisschen spät, diese Frage zu stellen," sagte Lily, während sie nach unten eilten. „Aber was genau ist der Plan, wenn wir Frank finden?"
„Sie können ihn nicht ohne einen Grund auf legale Weise halten," sagte Alice, die weiter unten war, als Lily oder James. „Und mit James' Umhang werden sie hoffentlich nicht beweisen können, dass es wir waren, die ihn geholt haben. Richtig, also was können sie tun? Frank verhaften, wenn er zum Training kommt, weil er sich einem illegalem Verhör widersetzt hat? Unwahrscheinlich, weil sie alles quietschend sauber haben wollen, solange Dearborn so im Rampenlicht ist und alles."
Sie erreichten eine Tür, die mit der Nummer „2" beschriftet war.
„Das ist es," sagte Alice.
James hielt wieder den Umhang hoch und beide Hexen bückten sich unter ihn. Sie betraten den Flur so leise wie möglich und Alice hatte die Aufgabe, Falstaffs Büro zu finden. Das war an sich schon kompliziert, da die A.M.S. die größte Abteilung im Ministerium war und sich dies in der physischen Repräsentation der Räume widerspiegelte.
„Ich bin ein dutzend Mal daran vorbeigelaufen," grummelte Alice zu sich selbst. Lily umklammerte ihren Zauberstab etwas fester.
Sie versuchten eine Reihe von verschiedenen Fluren, die keine Ergebnis lieferten, bis schließlich Alice ein abgelegener Flur ins Auge fiel.
„Das ist er. Es ist da unten. Es gab Papierkram in den Zauberergamot-Verwaltungsbüros und wir mussten da lang gehen… das ist er. Ich weiß, dass er das ist." Und sie führte sie hinunter zu dem verlassenen Korridor. Der Korridor teilte sich am Ende in zwei Richtungen und Alice nickte zu ihrer linken, diese Seite als ihre Wahl markierend.
„Hier lang," flüsterte sie, als sie um die Ecke gingen. Als sie es taten, trat jedoch ein Zauberer aus einem der ersten Büros und er hielt plötzlich inne, er hatte anscheinend etwas von Alice gedämpften Satz gehört.
Die drei Jugendlichen erstarrten; Alices Hand bedeckte ihren Mund. Der Zauberer – ein großer, breitschultriger Mann, mit scharfen Gesichtszügen und langem grauen Haar, den er in einem Pferdeschwanz trug – sah sich stirnrunzelnd um. Er ging zurück durch die offene Tür, in das Büro, das er gerade verlassen hatte und sprach mit jemandem dort drin.
„Die anderen sind weg, oder, Crawford?"
„S' stimmt," grunzte eine Stimme von drinnen. Lily wusste es bereits, aber Alice haute James einen Ellbogen in die Seite und nickte eifrig, mit ihrem Mund „Das ist er!" formend.
„In Ordnung," antwortete der Zauberer, Svilt. Er schloss die Bürotür hinter sich und bewegte sich den Flur hinunter. Lily, James und Alice schafften es nur knapp zu verhindern, dass sie nicht gegen ihn streiften und sie warteten, bis er ein gutes Stück von ihnen entfernt war, bevor sie wieder losliefen.
„Falstaffs Büro ist am Ende," flüsterte Alice und sie gingen in diese Richtung los.
Sie hatten gerade die Hälfte des Weges geschafft, als sich jedoch die letzte Tür auf der linken Seite des Flurs öffnete, und mehrere Zauberer herausließ.
Vier, um genau zu sein und sie füllten die gesamte Breite des Flurs aus. Die drei unter dem Unsichtbarkeitsumhang mussten sich aus dem Weg begeben oder würden entdeckt werden. Lily zog an James' Arm und führte sie in dem ungemütlich langsamen Prozess des stillen Rückwärtsgehens zurück in den anliegenden Flur.
„Ich hoffe, dass sie hier nicht abbiegen," murmelte James. Sie drei lehnten sich eng an die Wand.
„Wir sollten uns besser bewegen, im Fall, dass sie es tun?" fragte Lily.
Alice nickte zur Zustimmung und fügte hinzu, „Der dünne Kerl ist Falstaff. Wir sollten ihm besser folgen."
Die vier Zauberer gingen langsam und sprachen in gedämpften Tönen miteinander und Lily erkannte, dass Svilt in seiner Annahme, dass alle im Flur weg waren, falsch gelegen hatte.
Alice wollte vorgehen, schritt um James herum, aber trat ihm währenddessen auf den Fuß; er fluchte leise vor sich hin. Lilys Augen wurden groß und sie starrte den Zauberer böse an, aber sie hatten andere Probleme. Die Zauberer im anliegenden Flur hatten aufgehört zu sprechen und gehen.
„Haben die das gehört?" sagte Alice lautlos, obwohl natürlich keiner ihrer Begleiter die Antwort wusste.
„Was ist, Falstaff?" fragte einer der anderen Zauberer.
„Ich dachte, ich hätte etwas gehört."
Lily erkannte, dass sie unter dem Umhang waren, aber sie konnten sich nicht sehr viel weiter im Flur bewegen ohne entdeckt zu werden, vor allem, wenn dieser Kerl Falstaff die Ohren spitzte. Während sie sich nach einer Fluchtmöglichkeit umsah, bemerkte sie die vielen Bürotüren. Kein Licht schien von drinnen und Lily pikste James in den Arm, bevor sie zu der nächsten Tür zeigte.
James nickte forsch und die drei schlichen so leise wie möglich zu der nächsten Tür.
„Crawford ist noch immer hier – sein Büro ist genau hier."
„Ja. Und trotzdem…" Er machte einen Schritt nach vorne, seine Schuhe quietschten auf den hölzernen Fußboden. Der Zauberer erschien noch nicht sofort an der Ecke, aber er näherte sich offensichtlich.
Lily griff nach dem Türknauf unter dem Umhang, aber die Tür war verschlossen. Sie sah James an, der nachdenklich schien. Dann zog er seinen Hut von seinem Kopf und murmelte etwas, das selbst Lily, selbst in dieser extremen Nähe zu ihm, nicht richtig hören konnte. James kramte unter dem Rand des Hutes herum, wie er es zuvor getan hatte, bevor er schließlich das Taschenmesser herauszog, von dem Lily gesehen hatte, wie Sirius es ihm im Atrium gegeben hatte.
Er knautschte den Umhang zusammen, sodass er den Türknauf erreichen konnte und begann dann, das Schloss zu knacken. Lily dachte nicht, dass dies eine gute Idee war, aber sie waren drei Personen und ein Umhang, also hatte sie nicht wirklich eine Wahl.
Sie war zusätzlich überrascht, als die Tür ein paar Sekunden später klickte.
James grinste in einem stillen Sieg und sie schlüpften in das dunkle Büro.
„Das war eine Tür – ich dachte, jeder wäre heimgegangen…" konnte man Falstaff zu den anderen sagen hören. Lily biss sich auf die Lippe und schloss ihre Augen.
Falstaffs Schritte, entweder in denselben Flur oder in den, der in die andere Richtung ging, Lily wusste es nicht, aber sie wurde von dem Gefühl abgelenkt, dass der Unsichtbarkeitsumhang über ihren Kopf gezogen wurde. Sie öffnete ihre Augen und sah, wie James ihn über seinen Arm faltete.
„Was machst du?" flüsterte Alice.
„Ich habe einen Plan," sagte James, mit bloß einem leichten Zittern in seiner Stimme. Er sah sie beide an, sein Gesicht im dunklen Büro kaum sichtbar. „Vertraut ihr mir?"
Alice nickte langsam. Lily öffnete ihren Mund um zu argumentieren, aber schloss ihn wieder. Sie dachte darüber nach, dachte an die Zauberer draußen und an Alice und Frank und an die Auftragszauberer… dann nickte sie. „Ich vertraue dir," flüsterte sie. „Also, was ist der Plan?"
„Fantastisch," murmelte James. Er nahm wieder seinen Hut ab, aber er nahm nichts Neues heraus. Stattdessen drückte er den Umhang hinein, und ließ ebenfalls sein schlossknackendes Taschenmesser und seinen Zauberstab hineinfallen. Er platzierte den Hut wieder auf seinem Kopf. „Entschuldigt mich."
Er öffnete die Bürotür und schritt wieder in den Flur hinaus, die Tür hinter sich weit offen lassend. Er hob seine Hände, als ob er kapitulierte und sagte: „In Ordnung, ihr habt uns."
