„Wir sind da." Lux entriegelte die Luke des Schiffs.
"Es ist sicherlich nicht das Luxushotel eurer Träume, doch es sollte ausreichend sein, bis die Situation geklärt ist. Keine Stadt in der Nähe, das heißt, es gibt kein Leben hier im Umkreis. Und Vorräte sind genügend vorhanden, um uns lange autark versorgen zu können."
Ahsoka trat aus dem Schiff und war positiv geschockt.
Lux stapelte mächtig tief. Vor ihr erstreckte sich eine malerische Landschaft. Ein Haus, welches den Namen „Versteck" nicht ansatzweise verdient hat. Es war eher ein halber Palast. Zwar nicht so groß wie sein Haus auf Onderon, aber dafür passte der Rest umso mehr: Ein großer See, ringsherum von Bäumen in den buntesten Farben geschützt und Berge als Panorama. Es war der schönste Anblick seit langem für Ahsoka. Sie spürte den Frieden, der aus jeder Faser dieses Ortes strömte. Hier könnte sie ideal meditieren und mit Katooni trainieren.
"Lux, du weißt, wie man sich immer wieder über dich wundern kann.", sagte Ahsoka schmunzelnd, während sie ihm leicht in seinen Arm boxte.
"Okay...erzähl' mir eines..." Katooni drehte sich mit offenem Mund zu Lux um. „Wie kannst du auf Onderon leben, obwohl dir das alles hier gehört? Ich verstehe es nicht." Sie kratzte sich an ihrem Kopf und war sichtlich verwirrt.
"Onderon ist meine Heimat. Natürlich bin ich ab und an hier, doch nur, um nach dem Rechten zu sehen. Onderon ist für uns als Rebellen bislang enorm wichtig gewesen und daher blieb mir für Entspannung ziemlich wenig Zeit.", sagte er augenzwinkernd.
"Kommt, ich zeige euch eure Zimmer." Er führte sie ins Haus und wies ihnen ihre Zimmer zu. Danach zeigte er ihnen den Rest des Hauses. Es gab keinen pompösen Glanz, keine vergoldeten Wasserhähne oder sonstiges, mit denen sich die typischen Reichen, die Ahsoka kannte, solche Objekte veredelten, um ihren Reichtum zu demonstrieren. Lux war da anders. Auch hier vertraute er auf einen völlig normalen Einrichtungsstil, der zwar luxuriös, aber nicht aufdringlich war.
"Kommt erst einmal an und heute Abend zeige ich euch dann ein wenig die onderonianische Küche."
"Ist das als eine Warnung zu verstehen?" Katooni verschwand lachend in ihrem Zimmer.
Lux drehte sich zu Ahsoka. „Ist alles in Ordnung mit dir?"
Ahsoka verschränkte ihre Arme vor sich. „Ja, schon. Es ist nur...seit ich Katooni getroffen habe, ist alles noch viel unwirklicher als vorher. Dazu die Vision mit Meister Yoda und die Flucht...ich weiß einfach nicht, ob ich bereit für die Herausforderungen bin, die vor mir liegen."
Lux trat näher und legte seine Hand auf ihre Schulter.
"Du hast uns damals auch viel beigebracht, sogar Saw mit seiner recht eigensinnigen Art."
"Ja, aber das war noch vor der Order. Das hier ist etwas ganz anderes..." Ahsoka schaute zweifelnd nach unten und vermied es, Lux anzusehen.
"Es ist nichts anderes, Ahsoka." Lux berührte ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu ihm. Eigentlich wollte Ahsoka sich dagegen wehren, doch plötzlich fühlte sie die Sanftheit und Wärme in seinem Griff und lies nach. Das war ein Gefühl, welches sie so noch nie gespürt hat.
"Du hast trotz allem die Möglichkeit, jemanden auszubilden, zu führen. Der Orden ist Vergangenheit, schaue nach vorn. Katooni braucht dich, und ich habe noch nie jemanden mit deiner Hingabe und Zielstrebigkeit gesehen. Du wirst das alles schaffen."
Lux sagte es ruhig, doch irgendwie war es für Ahsoka trotzdem wie eine flammende Ansprache an ihr Gewissen, was wie bei Yoda auch ihre Motivation neu entfacht hat. Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
"Danke, Lux, für alles. Aber erst einmal schaue ich mir deinen Einrichtungsstil an." Sie löste sich aus dem Griff, nickte kurz mit dem Kopf und verschwand in ihrem Zimmer. Lux schaute ihr hinterher und begab sich in die Küche, als sich die Tür hinter Ahsoka schloss.
Er hatte Ahsoka zwar schon einmal geküsst, doch nur aus Tarnung vor der Death Watch, die ihnen beiden sonst auf die Schliche gekommen wären. In keiner anderen Situation hatte sie ihn je so nahe kommen lassen. Mit einem zufriedenen Prusten begann er, die Zutaten für das Abendessen zusammenzusuchen. Es würde länger dauern, etwas Gutes für die beiden zu kochen.
Währenddessen stand Ahsoka in ihrem Zimmer und lehnte sich an die geschlossene Tür. „Was machst du hier?", fragte sie sich selbst, auf der Suche nach einer Lösung für alle Probleme.
Sie entschied sich, Rex eine Nachricht zu schicken. Vielleicht hat er schon etwas herausgefunden. Als sie die Nachricht aufgenommen hat, entschloss sie sich, die Umgebung des Hauses zu überprüfen.
Lux hat sich ein wirklich ruhiges Stück Land gekauft. Keine Schiffe waren am Himmel zu sehen, der einzige Lärm kam aus den Wäldern von den Vögeln. Direkt vor dem Haus gab es einen großen Anleger, der mitten im See endete. Das Wasser war klarer als jedes Wasser, welches sie zuvor gesehen hat. Dazu war der Garten des Hauses groß genug für einen halben Truppenübungsplatz.
Sie inspizierte den Wald und bemerkte, dass Lux auch dort an alles gedacht hatte. Das Grundstück war komplett mit neuartigen, fast unsichtbaren Strahlenschilden umzäunt, was ein Eindringen nahezu unmöglich machen würde. Hier könnte man es tatsächlich lange aushalten, sofern die Grundversorgung gewährleistet war.
Zurück am Haus nahm sie sich einen Stuhl auf der Veranda. Kurz darauf folgte Katooni und setzte sich zu ihr. Beide schauten eine Zeit lang auf den See, der die blutrote Farbe der Abendsonne annahm, ehe Katooni Ahsoka ansah.
"Also, was ist dein Plan?"
Ahsoka musste zugeben, dass sie zum ersten Mal seit langer Zeit keinen Plan hatte. Nicht aus Hilflosigkeit, sondern weil es gerade wirklich nicht notwendig war. Die Zweifel, die Gedanken, sie waren seit dem Gespräch mit Yoda immer mehr verschwunden. Diese gesamte Umgebung war einfach zu heilend.
"Ich weiß es nicht. Ich finde es schön hier und wir haben genug Platz für unser Training. Es ist alles so ruhig." Sie schloss ihre Augen und nahm einen tiefen Atemzug.
"Wir werden uns heute noch ausruhen und beginnen morgen mit dem Training, was meinst du?"
"Super! Sofern wir dann noch in der Lage dazu sind." Katooni nickte schmunzelnd in Lux' Richtung, der gerade schwer beschäftigt aussah, ein Stück Fleisch platt zu klopfen.
Ahsoka schüttelte belustigt den Kopf. Sie hatte schon vieles von Lux gesehen, aber Kochen war noch nicht auf der Liste.
Während sie ihn beobachtete, spürte sie, dass Katooni sie von der Seite ansah. "Was ist los?"
"Wie lange kennt ihr euch schon? Ihr wirkt so eingespielt.", fragte Katooni. Ahsoka legte den Kopf in den Nacken und überlegte.
"Ungefähr vor drei Jahren habe ich ihn das erste Mal auf Raxus getroffen, als ich Senatorin Amidala begleitet habe. Danach gab es noch eine Reihe weiterer Treffen, zuletzt auf Onderon, als die Jedi den Rebellen im Kampf gegen die Separatisten beraten haben. Das war vor etwa einem Jahr. Danach haben wir uns nicht mehr gesehen. Wir haben schon einiges zusammen erlebt. Separatisten, die Death Watch und jetzt das hier. Er ist loyal und freundlich, etwas, was in dieser Zeit nur noch selten ist."
Katooni wollte gerade etwas sagen, als Lux zur Tür kam.
"Ich hoffe, ihr habt euren Nachlass geregelt, denn das Essen ist gleich fertig. Kommt doch schon einmal herein."
Es war fantastisch. Ahsoka hatte lange nicht mehr so gut gegessen. Frisches Gemüse, saftiges Fleisch und eiskaltes Quellwasser...es war ein wahrer Genuss. Weder das Essen im Orden und erst recht das Kantinenessen bei den Klonen war ansatzweise so gut wie das hier. Auch Katooni war begeistert.
"Lux, ich wusste gar nicht, dass du so gut kochen kannst.", sagte Ahsoka und klopfte sich dabei gesättigt mit der Hand auf ihren Bauch.
"Ich gebe zu, ich wusste es bis heute auch nicht. Aber ich freue mich, dass es euch geschmeckt hat und ich mich nicht für zwei Morde rechtfertigen muss." Alle brachen in Gelächter aus. So ging es den ganzen Abend weiter. Es war einer dieser Abende, die nie enden sollen. Im Kamin brannte das Feuer, als die drei sich Anekdoten erzählten, bis tief in die Nacht. Für Ahsoka waren an diesem Tag alle Ängste und Probleme zweitrangig und als sie danach müde, aber zufrieden im Bett lag, fragte sie sich, wann sie das letzte Mal so fröhlich war.
Auf Onderon stand Cutler Torrey mit seinen Agenten vor dem Haus von Lux Bonteri. Die Wachen am Tor waren kein Problem für sie. Auf normale Personen mögen sie ob ihrer Statur abschreckend wirken, aber für ihn und seine Leute waren es bloß zwei weitere Ziele auf ihrer Liste. Dementsprechend schnell vorbei war der Kampf. Vor Torrey lagen die beiden Wachen reglos auf dem Boden, das weitere Personal war in dem Haus.
"Wer wohnt hier bloß alleine? So ein Haus für nur eine Person habe ich noch nie gesehen.", sagte Torrey, als er seinen Gang durch das Haus beendet hat.
"Cutler! Keiner der Wachen weiß, wo Lux Bonteri ist und es gibt keine Anzeichen, dass noch jemand hier ist.", rief einer der Agenten aus dem Foyer.
„Alles klar. Eliminiere sie.", wies er den Agenten an.
Das war bedauerlich. Torrey hasste es, wenn er gute Männer umbringen musste, doch die Situation hat nur das erlaubt.
Ein anderer Agent kam aus einem Nebenzimmer, mit einer weiteren Person hinter ihm.
"Das hier ist der Sicherheitschef, der sich versteckt hat. Und du wirst es nicht glauben, aber Bonteri hatte Besuch." Der Agent hielt Ahsokas Kleidung in der Hand.
"Höchst interessant.", sagte Torrey, zog seine Waffe und hielt sie dem Mann an den Kopf. „Und jetzt rate ich dir, mir alles zu erzählen, was du weißt."
