AN: Ein Geburtstagsgeschenk an alle Geburtstagskinder heute – so schnell ein neues Kapitel. Muss sagen, dass das wohl eines meiner Lieblingskapitel sein muss.
Vielen lieben Dank an Anne, für das Korrekturlesen und ein sehr professionelles Telefonat, bei dem Wortwohl und Grammatik diskutiert wurden.
Disclaimer: Harry Potter und seine Charaktere gehören JKR. Diese Geschichte gehört Jewels5. Dies ist eine genehmigte Übersetzung.
Vorher: England leidet unter Dürre. James hat angefangen, Carlotta zu daten, aber trotz des Drängens der anderen Rumtreiber, muss er es noch Lily sagen. Lily, Donna, Marlene, die Rumtreiber, James' Cousin Sam, Frank, Alice und ein paar der anderen Leute gehen zum Ministerium um gegen Egbert Dearborn– den neuen Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung, der Sams Bruder ist – und seine neue Gesetzgebung, die nur zwei Muggelstämmige pro Jahr zu Hogwarts zulassen will, zu protestieren. Frank schleicht sich in das Ministeriumsinnere und wird von einem gruseligen Typen verfolgt, also folgen Alice, James und Lily ihnen unter dem Tarnumhang von James (der ihn in seinem ziemlich hilfreichen Hut verstaut hatte), aber als sie durch einen fragwürdigen Zauberer namens Falstaff verfolgt werden, zeigt sich James ihm.
Kapitel 29 - „Alt, Neu, Tanzsaal und Blau"
Oder
„Fire and Rain"
„Ich habe einen Plan," James sah sie beide an. „Vertraut ihr mir?"
Alice nickte langsam und er sah Lily an. Sie zögerte für einen Moment, und nickte dann ebenfalls. „Ich vertraue dir. Was ist der Plan?"
„Fantastisch." Damit warf er seinen Umhang ab und stopfte ihn in seinen Hut, genauso wie Sirius' Taschenmesser und seinen eigenen Zauberstab. „Entschuldigt mich…" Dann öffnete er die Tür, trat in den Flur, direkt vor die Ministeriumszauberer, und hob seine Hände zur Kapitulation. „In Ordnung – ihr habt uns."
(Etwa zehn Stunden zuvor)
„Also hier übersommert also Ihre Majestät…"
„Wir haben getrunken!"
„Es war… es war einfach… ein sehr emotionaler Tag…"
„Es tut mir leid… ich… ich kann einfach nicht…"
Sie hatten sich nicht geküsst.
Sie hatten sich nicht geküsst.
„Ich bin ein Mädchen, dass alles einmal ausprobiert – ich schätze, das sollte auch auf eine tatsächliche Beziehung zutreffen…"
Stimmen und Bilder durchfluteten James' Kopf und ließen den Weg hoch zu Lily Evans Eingangstür viel länger erscheinen, als er es tatsächlich war. Als er schließlich die Stufen vor der Haustür erklommen hatte, zögerte James, bevor er auf die Klingel drückte.
Es würde okay sein. Wirklich.
Carlotta war… toll. Und exzellent. Und wunderbar geradeheraus im Vergleich.
Das würde nicht seltsam werden. Wirklich – er würde es nicht seltsam werden lassen. Er hatte nun eine Freundin und er würde über Evans hinwegkommen, die offensichtlich keine romantischen Gefühle ihm gegenüber hatte. Sie war ein Mädchen - ein liebliches, verrücktes, komplett fantastisches Mädchen, aber trotz all dem, bloß ein Mensch. Und von einer evolutionären Perspektive war die menschliche Art dazu gebaut worden, Ablehnung von anderen zu ertragen (selbst von lieblichen, verrückten, komplett fantastischen Anderen). Es würde nicht seltsam werden. Er war komplett über Lily Evans hinweg.
Er klingelte an der Tür.
Eine kurze Ewigkeit später öffnete Lily die Tür. Sie trug einen blauen Bademantel und ein gigantisches gelbes T-Shirt, was gerade das Wichtigste bedeckte und nicht viel mehr. Ihre Augen wurden beim Anblick von James groß und sie zog schnell ihren Bademantel zu.
„Nettes Shirt," sagte James fast automatisch.
„Netter Hut," entgegnete sie, ohne mit der Wimper zu zucken.
Und da wusste er es.
Nämlich, dass dies schwieriger sein würde, als er es gedacht hatte.
Verdammt.
(Etwa acht Stunden später)
Egbert Dearborn war mehr als nur ein wenig verärgert. Das rechteckige Namenschild (das vorher auf seinem Tisch gestanden hatte), das den Namen seines Vorgängers trug, lag in dem Mülleimer und lachte ihn in Anbetracht seiner Niederlage aus und Egbert fühlte sich machtlos, etwas dagegen zu tun.
Tja, noch war es keine Niederlage. Der Zaubergamot würde morgen entscheiden und dann existierten nur zwei Optionen für Dearborn – seinen Platz als Chef der A. M. S. behalten oder dem grundsätzlichen Ende seiner politischen Karriere entgegensehen.
Es war eigentlich die Schuld der Schlammblüter: die öden, befleckten Schlammblüter, deren eigene Gier nach Magie sie davon abhielt, zu sehen (oder sich dafür zu interessieren), welchen Schaden sie anrichteten. Und sie saßen im Atrium des Ministeriums für Magie, in dem Versuch, andere dazu zu zwingen, es zu akzeptieren… im Versuch, ihn feuern zu lassen.
Dearborn war ein Ideologe. Es war ihm nie per se um Macht gegangen. Er war in einem Haushalt groß geworden, in dem elitäre Reinblüter-Sentiments, wenn sie nicht direkt anti-muggelstämmig waren, regierten. Und nun, in seiner kurzen Amtszeit als Kopf der A.M.S. wollte er eigentlich nur diese Tradition aufrechterhalten: die große Tradition. Todesser und… und ihr Anführer… waren eine Reaktion – eine gewalttätige und schreckliche Reaktion und eine, die verabscheut werden musste, natürlich, aber nichtdestotrotz eine Reaktion auf eine soziale Ungerechtigkeit. Wenn das Ministerium langsam und sanft einen besseren Plan für die Reinblüter implementieren konnte – die das Muggelstämmigen-Problem nicht ignorieren würde, sondern versuchen würde, es zu regulieren – dann würde Vol… tja… die Todesser würden sich von selbst zerstreuen, ohne, dass jedes Mal die Auroren durch das Land rennen müssten, wenn jemand eine maskierte Person (oder wie kürzlich einen grünen Schimmer im Himmel) sah.
Ein Klopfen an Dearborn Bürotür sagte ihm, dass der Zauberer, den er zu sich gebeten hatte, angekommen war und er antwortete fast schrill, „Herein."
Alastor Moody stapfte herein.
Die zwei Männer hätten nicht unterschiedlicher sein können – Moody, ein großer, kräftig gebauter Zauberer mit wildem Haar und einem vernarbten Gesicht und Dearborn, ein schmaler, ordentlich angezogener Politiker mit einer so makellosen Maniküre wie sein Stammbaum es war. Egbert mochte Moody nicht besonders.
„Sie wollten mich sehen, Sir?" grunzte der Aurorenchef und Dearborn war sich nicht sicher, ob er in der Verwendung des Wortes „Sir" eine gewissen Ironie herauslas.
„Ja, das habe ich, Alastor," sagte Dearborn, der von seinem Tisch aufstand. „Ich will wissen, wo all Ihre Auroren hin sind."
„Sie sind bei einem Auftrag, Sir," sagte Moody. „Also – alle, die nicht zu Ihrer eigenen Sicherheit abgestellt wurden, Sir. Aber Sie wissen all das, Sir. Ich habe Ihnen vor nicht zwei Stunden alle unsere Protokolle gezeigt."
„Keiner von ihnen ist zurückgekehrt?" wollte Dearborn wissen. „Das ist ungeheuerlich! Sie sind schon den ganzen Tag ‚auf Mission'! Es ist schon nach sieben Uhr am Abend und diese… sie sollten sich zurückgemeldet haben!"
„Aber, Mr. Dearborn, Sir – Sie sind jetzt schon seit einigen Wochen Leiter dieser Abteilung. Sicherlich wissen Sie, dass es recht gewöhnlich ist, dass meine Auroren tagelang weg sind."
Dearborn wurde rot und setzte sich wieder hin. „Tja, rufen Sie welche zurück."
„Mr. Dearborn, Sir," sagte Moody und nun hörte er sich fast gefährlich an. „Es gab vor zwei Stunden einen Angriff in Birmingham. Fünfzehn Muggelzeugen und drei Tote… das ist ein Fall mit hoher Priorität."
„Aber alle Ihre Auroren können doch nicht in dem Fall mit hoher Priorität sein?" fuhr Dearborn ihn an.
„Vier sind auf Ihren Schutz angesetzt," fuhr Moody fort, „da ist der eine, den Sie zu einer Aufgabe verpflichtet haben, und sieben draußen im Haus in Bromley."
„Das Haus in Bromley, ja… rufen Sie sie zurück! Wenn sie bis jetzt nichts gefunden haben…"
„Das Haus steht unter großem Verdacht," unterbrach der Auror. „Es gibt sogar die Möglichkeit, zwei Todesser zu identifizieren. Nun, Mr. Dearborn, Sir, ich schätze, wenn Sie sie jetzt zurückrufen würden, und die Beweise… falsch gehandhabt würden… das wäre nicht die Art von Fleck, den Sie auf Ihrer Weste haben wollen würden… besonders, wo Sie bald als fester Leiter der A. M. S. ernannt werden." Moody runzelte die Stirn. „Ich kann Ihnen versprechen, Mr. Dearborn, dass die Auroren im Haus in Bromley gerade ihre Hände voll haben und sie jetzt zurückzurufen ein… peinlicher und schlechtberatener Fehler wäre."
(Das Haus in Bromley)
„Verdammt noch mal, Kingsley," fluchte Edgar Bones, als Kingsley Shacklebolts Pferd Bones Königin zerquetschte.
„Ich hab' dir gesagt, dass ich der Beste bin," sagte Kingsley lächelnd. „Du bist dran."
Die Tür zu der heruntergekommenen Küche ging auf und ließ Lathe hinein, dessen Gesicht mit Schmutz bedeckt war. Er legte seinen Zauberstab auf das Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf, sich Wasser ins Gesicht spritzend.
„Wie war es?" fragte Kingsley, während Bones das Schachbrett zwischen ihnen betrachtete. „Keine Toten?"
„Falscher Alarm," sagte Lathe. „Es waren keine Todesser da – das halbe Dach ist allerdings zusammengefallen, also…" Er deutete auf seinen eigenen zerzausten Zustand und setzte sich in den freien Stuhl am Küchentisch. „Halliday hat sich auch ihren Knöchel verstaucht. Sie zieht sich gerade oben um. Habt ihr eine Ahnung, wie lange wir von hier aus arbeiten müssen?"
„Beschwerst du dich etwa?"
„Merlin, nein. Es ist besser, als Ressourcen an hundert Leute zu verschwenden, die neben einem Brunnen sitzen."
„Dreihundert," verbesserte Edgar sie, während er noch immer das Schachbrett betrachtete. „Denkt Dearborn ernsthaft, dass wir dieses Haus seit neun Stunden nach Beweisen absuchen?"
„Dearborn ist nicht wirklich darüber im Bilde, was ein Auror tut," sagte Kingsley. „Unter uns, hoffe ich, dass das Zauberergamot auf die zweihundert Leute hört, die am Brunnen sitzen."
„Dreihundert," verbesserte Edgar wieder.
„Hört, hört," sagte Lathe trocken. „Irgendwelche Neuigkeiten von Birmingham?"
„Nö," sagte Bones. „Eckles ist allerdings auch gegangen. Oh, nicht wegen etwas Wichtigem. Sie wollten, dass jemand mit der Presse redet, der Prophet meckert immer, wenn sie nicht mit tatsächlichen Auroren sprechen können. Sonst aber keine weiteren Entwicklungen."
Lathe nickte. Er sah intensiv auf das Schachbrett und sprach erst wieder nach einer Minute oder so. „Bones, du kannst genauso gut aufgeben. Kingsley spielt nur mit dir. Er hat dich in drei Zügen Schachmatt."
Edgar sah hoch zu Kingsley, der nickte.
„Verdammt noch mal, Kingsley."
(Falstaffs Büro)
Eine unsichtbare Fessel war verwendet worden um ihre Hände hinter ihren Rücken zu fixieren und Lily, James und Alice wurden hastig den Flur heruntergeführt. Neben Falstaff waren drei andere Zauberer dabei, von denen einer ein Aurorenabzeichen trug.
Sie wurden in Falstaffs Büro am Ende des Flurs gebracht. Es war ein einfaches Zimmer, mit beigen bilderlosen Wänden und einem großen Eichentisch. Eine Eule saß auf einen Käfig mit einem offenen Vorhängeschloss in der Ecke und die Jalousien über dem Fenster hinter dem Tisch waren zugezogen. Auf dem Schreibtisch unterschrieb eine Feder von selbst eine von vielen Pergamentrollen, die dort gestapelt lagen. Lily, James und Alice wurde von einem der Zauberer befohlen, sich auf der Stufe vor dem Tisch in einer Reihe aufzustellen und sie standen da – mit gefesselten Händen – wie vor einem Exekutionskommando.
„Drei mehr, eh?" murrte Falstaff. „Rot, genau wie die Idioten im Atrium."
„Die da," murmelte der Auror, in Richtung von Alice nickend. „Ihr Name ist Griffiths. Sie ist im A. T. Programm."
Falstaff verdrehte seine großen, bleichen braunen Augen, näherte sich Alice und klopfte auf ihr Abzeichen auf ihrem Umhang. „Offensichtlich," murmelte er. „Die anderen zwei?"
Der Auror schüttelte seinen Kopf und die beiden anderen Zauberer taten es ihm nach. Falstaff ging auf James zu, und sah ihn sehr genau an.
„Ich hab' dich schon mal irgendwo gesehen."
„Ich bin omnipräsent," sagte James.
Falstaff fing an etwas anderes zu sagen, aber stoppte sich selbst. Er drehte sich zu den anderen drei Zauberern und sprach diejenigen an, die kein Aurorenabzeichen trugen.
„Nehmt ihre Zauberstäbe," murrte er und die Zauberer gehorchten. Der Mann, der die Aufgabe hatte, Lilys Stab zu nehmen, war ein kleiner Zauberer um die dreißig, der gerade eine Glatze bekam und er zwinkerte ihr zu, während er sie nach dem benannten Objekt abtastete.
„Hosentasche," fuhr sie ihn an. Er griff grinsend um sie herum, und lokalisierte das Objekt und Lily brauchte all ihre Geduld um ihn nicht zu treten. Der andere Zauberer nahm James' und Alices Zauberstäbe und präsentierte sie Falstaff, der seinen Kopf schüttelte und zu dem Auror zeigte. Sie wurden stattdessen ihm gegeben und dann gab Falstaff einen weiteren Befehl.
„Findet Svilt."
„Svilt ist mit dem anderen in seinem…"
„Findet ihn und sagt ihm Bescheid über das hier."
Die zwei Zauberer gingen los. Falstaff hob in der Zwischenzeit seinen Zauberstab und richtete ihn zuerst auf Lily.
„Setzen," befahl er und Lily konnte fühlen, wie sich James versteifte. Sie setzte sich auf die Stufe und Falstaff zeigte mit seinem Zauberstab auf ihre Füße. Er schwang ihn einmal und sie fühlte, wie die Muskeln in ihrem Bein verkrampften, und ihre Fußgelenke genauso zusammenschnappten, wie es ihre Handgelenke zuvor getan hatten. Sie waren wie festgeschnürt. „Setzen," sagte Falstaff zu James und er gehorchte ebenfalls. Falstaff wiederholte den Zauber bei James. Ohne Befehl wollte sich Alice ebenfalls hinsetzen, aber Falstaff schüttelte seinen Kopf.
„Nicht so schnell, Miss A.T." sagte er mit einem kleinen Lächeln. „Sie…" Er sah den Auror an und Lily schätzte, dass er wohl mit Absicht seinen Namen nicht sagte (was gleichzeitig ermutigend und verwirrend war, da es anscheinend bedeutete, dass es eine Wahrscheinlichkeit gab, dass sie drei vielleicht später in einer Position sein konnten, alles, was sie wussten, zu wiederholen). „Die A.T.s haben frei. Sie hat hier nichts zu suchen. Begleiten Sie sie aus dem Gebäude."
Der Auror nickte und packte Alice am Arm, sie – nicht sehr sanft – aus der Tür geleitend. Falstaff drehte sich um ihnen zu folgen, aber schaute dann wieder zurück zu Lily und James, wieder lächelnd.
„Geht nirgendwo hin," sagte er, wohl wissend, dass das unwahrscheinlich war. „Ich bin sofort zurück. Ihr habt nichts dagegen, wenn ich zusperre, oder?"
„Wartet," sagte Alice schnell und laut, von da, wo sie neben der Tür stand. Sie kämpfte sich aus dem Griff des Aurors und war an James' Seite, bevor irgendjemand reagieren konnte. Die Hexe lehnte sich über ihn und küsste ihn auf die Wange, gerade als der Auror sie einholte und sie zurück zur Tür brachte. Der Auror war dieses Mal etwas grober darin, Alice aus dem Büro zu führen.
„Freundin, ja?" spottete Falstaff über James. „Ich persönlich hätte ja gedacht, dass du besser zu dem Rotschopf passt." Er folgte dem Auror und Alice nach draußen. Die Tür schloss sich klickend hinter ihm und dann gab es ein weiteres Klicken, als Falstaff anscheinend von außen die Tür verschloss.
Lily und James waren alleine im Büro. Es folgte ein Moment der Stille, bevor James sprach.
„Okay, Keks…" begann er zu sagen, aber Lily kämpfte schon um ihre Arme unter sich zu bekommen, sodass sie nicht mehr hinter ihrem Rücken waren. Sie brauchte gerade mal zehn Sekunden dafür und James war beeindruckt. Er wollte es gerade kommentieren, aber wurde von der Tatsache abgelenkt, dass Lily ihm nun mit ihren gefesselten Händen in die Seite boxte.
„DAS… WAR… DEIN… PLAN?"
„Autsch! Hör… hör auf damit! Evans!" James versuchte, wegzurutschen, aber seine Hände waren immer noch hinter seinem Rücken und seine Beine waren nutzlos, also war es nicht leicht. „Ich habe nie gesagt, dass es ein guter Plan ist!"
Lily hörte auf ihn zu schlagen. „Machst du Witze, du IDIOT?" Sie fing wieder an ihn zu schlagen.
„AUTSCH! Lily! Bitte! Wir haben nicht viel Zeit!"
Lily hielt wieder einmal mit ihrer Attacke inne, was James erlaubte, seine Hände hinter dem Rücken hervorzukriegen. Sie sah ihn jedoch weiterhin mit höchstem Argwohn an.
„Das war dein Plan?" wollte sie wieder wissen.
„Wahrscheinlich nicht ganz mein bester…" gab James zu.
„War es dein schlechtester?"
„Ich denke wirklich nicht, dass das relevant ist."
„Das jagt mir unglaublich Angst ein, James."
James war jedoch schon eifrig am Werk. Er nahm seinen Hut ab und sagte: „Moony, Wormtail, Padfoot und Prongs" und erst dann erkannte Lily etwas.
„Deinen Zauberstab – du hast ihn in deinen Hut getan. Also, was haben sie dir abgenommen?"
„Einen falschen. Ich habe immer gesagt, dass falsche Zauberstäbe fantasielos sind, aber in der richtigen Situation…" Er legte den Hut vorsichtig auf seine Knie und hob die Falte an, so dass er finden konnte, was er darin vorhin versteckt hatte.
„Warum hattest du einen falschen Zauberstab bei dir?" wollte Lily wissen, während James im Hut herumsuchte.
„Ich weiß nicht, was Sirius geritten hat, sie mitzunehmen," gab der Rumtreiber zu. „Aber er, Remus, Pete und ich haben alle eine aus seinem Hut genommen, als wir uns entschieden haben, dem Phönixnetz anzuschließen. Da haben wir's…"
James fand seinen Zauberstab und richtete ihn auf Lilys Beine, den Gegenzauber zu dem Beinklammerfluch murmelnd. „Ich weiß nicht, welchen Zauber sie für unsere Hände genommen haben," fügte er hinzu, sie hoffnungsvoll ansehend.
„Versuch mal Finite Incantatum. Der ist allgemein effektiv für solche Sachen, oder?"
James versuchte es und glücklicherweise funktionierte es. Er befreite seine eigenen Beine als nächstes und dann gab er Lily den Zauberstab um seine Handgelenke zu lösen. Lily zögerte.
„Das ist nicht witzig, Keks."
„Na gut, aber du hast es absolut verdient. Finite Incantatum."
Jetzt komplett befreit nahm James seinen Zauberstab wieder entgegen und richtete ihn wieder auf das Innere seines Hutes. „Ich habe dir gesagt, dass es ein netter Hut ist," fügte er hinzu und Lily verdrehte ihre Augen. „Accio Spiegel."
Der Zwei-Wege-Spiegel flog aus dem Hut und James fing ihn.
„Sollten wir hier nicht zuerst raus?" fragte Lily, die ihre schmerzenden Handgelenke rieb.
„Zuerst das hier," murmelte James. „Wir wissen nicht, wann er zurückkommt und vielleicht haben wir sowieso keine Zeit zu entkommen. Und das hier ist wichtiger. Sirius Black!" sagte er laut in den Spiegel. Nichts passierte und der Spiegel blieb dunkel.
„Warum musst du mit Sirius sprechen?"
„Alice hat mir gesagt, was Frank Moody hätte sagen sollen."
Etwas machte in Lilys Gehirn klick. „Als sie dich geküsst hat. Oh, Merlin, das macht so viel mehr Sinn." Sie erwartete halb ein „Was? Eifersüchtig?" von James, aber er sagte nichts, sondern wiederholte nur den Namen zum Spiegel.
„Der Spiegel sollte in seinem Hut sein. Warum antwortet er nicht?" murmelte James. „Sirius! Sirius Black!"
Sie schwebten beide über dem Spiegel, lauschend und hineinspähend, aber niemand erschien. Da war ein dumpfes Geräusch, was eine Stimme hätte sein können, aber keiner konnte wirklich Worte ausmachen.
„Beeilung, Beeilung," flüsterte Lily zu keinem Bestimmten. „Bist du dir sicher, dass er ihn bei sich hat?"
„Ja, er hat ihn heute Morgen verwendet – erinnerst du dich?"
„Richtig."
„Sirius!"
Immer noch keine Antwort.
„Was war denn Franks Nachricht?" fragte Lily, während sie warteten.
James runzelte die Stirn. „Er sollte Moody sagen, dass sie ‚sie rein schicken sollen.'"
„Sie hereinschicken sollen?" wiederholte Lily. „Was genau hat Alice gesagt?"
„Sie hat gesagt ‚Vance sagt, dass Moody sie rein schicken soll."
„Sie hereinschicken… sie hereinschicken…" murmelte Lily, sich an den Tisch hinter sich lehnend, während James seinen Kampf mit dem Zwei-Wege-Spiegel fortsetzte. „Die Auroren, meinte sie, oder?"
„Ich weiß nicht. Warum würde Vance die Auroren hereinschicken wollen?"
Lily runzelte nachdenklich ihre Stirn. „Vielleicht… vielleicht will er, dass sie alle von den Auroren verhaftet werden!" erkannte sie. James hob eine Augenbraue. „Warum nicht? Was ist die Strafe? Eine Strafgebühr, vielleicht? Wenn Vance denkt, dass die Auftragszauberer unter Dearborn etwas Illegales tun würden oder Leute befragen oder so, vielleicht will er dann, dass die Auroren reinkommen und sich um alles kümmern, weil dieser Moody Typ verantwortlich ist und er alles legal halten wird."
James nickte langsam. „Das macht tatsächlich Sinn. Sirius fucking Black!"
Aber abgesehen von dem vagen dumpfen Geräusch kam weiterhin keine Antwort. Lily seufzte und sah angespannt zur Tür.
„Falstaff könnte jede Minute zurückkommen, James. Sag die Nachricht… vielleicht hört er es…"
„Ich habe nicht wirklich eine Wahl, schätze ich. Padfoot, das hier ist James," er sprach sehr klar, wie zu einem Kind. „Wir sind im zweiten Stock… in der A.M.S. In dem Büro von einem Typ namens Falstaff. Hier sind ich und Lily – Alice wird vom Gelände geführt, weil sie sie als eine A. T. erkannt haben. Vance hat Frank gesagt, dass sie die Auroren reinschicken sollen, aber du musst Vance sagen, dass seine Nachricht nicht angekommen ist und er über eine andere Art die Auroren kontaktieren muss. Ich wiederhole, für den Fall, dass du ein Idiot bist – Vances Nachricht wurde nicht übermittelt. Wir glauben, Frank wurde abgefangen…"
„Und ist bei einem Typ namens Svilt!" fügte Lily hinzu.
Sie hielten inne und warteten, in der Hoffnung, eine Art Antwort zu hören. Was sie stattdessen hörten, waren Schritte draußen auf dem Flur.
„Scheiße," fluchte James. „Ich hoffe, er hat es gehört." Er warf jedoch bereits den Spiegel und seinen Zauberstab in den Hut, bevor er alles glattstrich und ihn wieder auf den Kopf setzte. Er und Lily nahmen wieder die Positionen ein, die sie hatten, bevor sie den Fesseln entkommen waren, aber als die Schritte lauter wurden, packte James Lily plötzlich an der Schulter und drehte sie zu sich. „Wenn sie dich nach deinem Namen fragen, sag… sag, dass du Felicity McKinnon bist."
„Warum?"
„Reinblut. Sie haben Alice gehen gelassen, weil sie dachten, dass sie zu gut vernetzt ist, und wenn sie wissen, dass du muggelstämmig bist, werden sie deutlich weniger auf dein Wohlbefinden achten. Okay?"
Lily nickte.
„Fantastisch."
Das Schloss wurde aufgezaubert und James hatte wieder seine vorgetäuschte Gefangenenhaltung eingenommen, als sich die Tür öffnete.
Falstaff trat ein, dieses Mal alleine. Er schloss die Tür hinter sich und ging zu den Teenagern rüber, vor ihnen in die Knie gehend, so dass sie auf Augenhöhe waren. „Nun," begann er in einer glatten Stimme. „Du, Junge – wie ist dein Name?"
„Wer fragt?" entgegnete James.
Falstaff stach ihm mit dem Zauberstab in den Hals. „Name," wiederholte er, die vorgespielte Freundlichkeit war verflogen.
„Tom Baker."
Lily schaffte es nur mit all ihrer Anstrengung, James in diesem Moment nicht anzusehen. Was zur Hölle trieb er da?
„Ich kenne keine ‚Bakers'."
„Können Sie auch nicht kennen. Meine Leute sind Muggel."
Falstaff starrte James für einen Moment an, als ob er ihn einschätzte und drehte sich dann zu Lily. „Und du?"
Felicity McKinnon, hatte James gesagt. Felicity McKinnon.
"Lily," sagte sie. "Lily… Deslauriers."
„Und kenne ich irgendwelche Deslauriers?" fragte Falstaff.
„Kennen Sie Floristen aus dem East End?"
„Muggelstämmig."
„Was würde auch ein Reinblüter bei einem Protest für muggelstämmige Rechte machen?"
Falstaff schnaubte und richtete sich dann auf. „Ihr wärt überrascht," murmelte er. Er begann auf- und abzulaufen und in dem Moment, in dem sein Rücken den zwei Jugendlichen zugewandt war, warf James einen wütenden Blick in Lilys Richtung und sie trat ihn.
„Die Frage ist natürlich," sagte Falstaff, sich wieder zu ihnen umdrehend, sodass die beiden ihre ruhigen Positionen und Ausdrücke wieder einnehmen mussten. „was ihr hier genau tut?" Seine Augen schoben sich von Lily zu James und wieder zu Lily. „Miss Deslauriers?"
So gut wie sie es konnte, verbarg Lily die Tatsache, dass sie schlucken musste und sich plötzlich wünschte, dass sie in ihren kurzen Momenten alleine mit James über eine Coverstory gesprochen hätte. Schließlich entschied sie sich für fast die Wahrheit. „Wir haben unseren Freund gesucht."
„Mr. Longbottom," sagte Falstaff wissend, also war Frank vielleicht abgefangen worden. „Eher eine Verschwendung eurer Zeit, meine Lieben. Euer Freund ist in keiner Gefahr von uns. Wir sind das Ministerium für Magie. Wir sind hier um zu euch beschützen."
„Selbst nach der Dienstzeit?" fragte Lily. Falstaff antwortete nicht. Er sah sie weiterhin neugierig an.
„Wie seid ihr beide durch die Tore im Atrium gekommen?"
„Desillusionierungszauber," hörte sich Lily antworten.
„Und wohin seid ihr gegangen?"
„Unseren Freund suchen; haben wir schon gesagt."
„Und was hat er bei den Büros gemacht?"
„Wie soll ich das wissen? Ich habe bloß gesehen, wie er gegangen ist und wie jemand ihm gefolgt ist. Ich habe nicht nachgefragt, warum."
Falstaff stockte kurz, bevor er fragte. „Ich glaube nicht, dass sich ein paar Teenager zu ihrem Freund ins Ministerium geschlichen haben, ohne zu wissen, warum."
„Wir haben gesehen, wie ihm euer Typ mit dem Pferdeschwanz gefolgt ist," meldete sich James zu Wort. „Andere in der Menge wussten, dass er auf Dearborns Seite ist. So haben wir uns es zusammengereimt."
„Und was habt ihr gegen Dearborn?"
„Was hat er gegen Muggelstämmige?" sagte Lily. Falstaff hob seine Augenbrauen.
„Miss Deslauriers," begann er, „Ihr habt unbefugt Ministeriumsgelände betreten. Ich konnte euch verhaften lassen."
„Sie könnten und sollten. Warum haben Sie das noch nicht getan?"
„Weil ich zuerst noch Fragen habe, die ich stellen will."
„Welche Fragen?"
„Wie seid ihr wirklich an der Wache am Eingang vorbeigekommen?"
„Sie hat es Ihnen bereits gesagt," sagte James. „Lassen Sie sie in Ruhe, ja?"
„Ihr hättet wohl kaum die Wahrheit so schnell ausgehändigt."
„Ich bin sehr ehrlich."
Falstaff zögerte. Das Braun in seinen großen Augen war so hell, dass es fast beige war und es war irgendwie beunruhigend, von diesen Augen beobachtet zu werden. „Wer hat die Bevölkerungsschutz-Verordnung an den Tagespropheten geleakt?"
Lily musste bei dieser Frage keine Überraschung schauspielern. „Wie sollte ich das wissen? Ich hab' über die ganze Sache erst in der Zeitung gelesen, wie jeder andere auch."
„Ich glaube dir nicht."
„Tja, es ist aber die Wahrheit!"
„Glauben Sie wirklich, dass jeder, der heute im Atrium war, die Antwort zu dieser Frage weiß?" unterbrach James. „Oder auch nur einer? Ernsthaft, denken Sie das? Weil wenn Sie das tun, müssen Sie dümmer sein, als ich dachte."
„Tom," fuhr Lily ihn warnend an und sie wollte ihn wieder treten, aber Falstaff hätte es gesehen.
„Mr. Baker," begann Falstaff kühl. „Ich habe keine Ahnung, was ihr wisst. Aber ich werde es herausfinden und es wird nicht schwer sein."
„Sollen wir glauben, dass Sie uns foltern werden?" fragte James trocken und Lily beobachtete die Reaktion des älteren Zauberers sehr genau. Leider lächelte er.
„Natürlich nicht," sagte Falstaff. „Aber mein Freund Mr. Svilt ist viel kreativer als ich in seinen Methoden der Befragung. Noch einmal…" Er sprach mit James, aber richtete seinen Zauberstab auf Lily; „Wer hat die Bevölkerungsschutz-Verordnung an den Tagespropheten geleakt?"
Dieses Mal zögerte James, bevor er antwortete und Lily hatte gerade genug Zeit sehr schnell zu murmeln: „Er-wird-es-nicht-tun. Er-würde-Svilt-holen."
„Still," befahl Falstaff, den Zauberstab hart gegen ihre Stirn drückend. Lily versuchte nicht komplett verängstigt auszusehen. „Mr. Baker?"
„Keiner von uns weiß es," sagte James. „Ehrlich, wir haben nur nach unserem Freund gesucht."
Falstaff betrachtete den Zauberer vor ihm. Ohne den Zauberstab von Lilys Stirn zu nehmen, griff er mit seiner anderen Hand rüber und hob James Hut an. „Der ist sehr hübsch," spottete er, während er locker mit dem Hut in einer Hand spielte. „Nun, ein letztes Mal – wer, Mr. Baker?"
„Ich weiß es nicht," sagte James steif.
Obwohl es ohne Zweifel seine Absicht war, James zu verärgern, konnte Falstaff nicht wissen, wie sehr es die beiden Teenager besorgte, als er den Hut auf seinen Kopf setzte. Sein Zauberstab drückte jedoch immer noch auf Lily und er murmelte etwas unter der Stimme, während er ihn schnalzte.
Hundert Kilometer entfernt sagte James' Stimme Lilys Namen, aber ihre Welt wurde dunkel. Bevor die schwarze Bewusstlosigkeit sie komplett überkam, waren Lily zwei Gedanken in ihrem Kopf bewusst: erstens, das Erkennen der Tatsache, dass sie geschockt worden war und zweitens, dass sie ehrlich hoffte, dass James nicht vergessen würde, so zu tun, als ob seine Hände und Beine gefesselt waren.
Lily bewegte sich und James ließ einen tiefen Seufzer der Erleichterung raus. „Merlin sei Dank," murmelte er, als ihre Augen aufschlugen. „Bist du okay? Um Agrippas' Willen – was hat er sich dabei gedacht, jemanden aus dieser Entfernung zu schocken? Du hättest dich ernsthaft…"
„Deine Hände," murmelte Lily heiser, da James ihr – so sanft wie möglich – half, sich aufzusetzen. Er lehnte sie gegen den Tisch.
„Was? Oh, Falstaff ist immer noch weg," erklärte James, reflexartig zur Bürotür blickend.
„Wie lange war ich weg?" Lily rieb sich vorsichtig die Stirn.
„Ungefähr zehn Minuten. Ich glaube, er ist los um Svilt zu holen. Du hattest tatsächlich Recht damit: Falstaff ist ein zu großer Angsthase um irgendwas selbst zu machen. Er ist bloß… was ist los?"
Denn Lily sah ihn nun mit einem einschüchternden Funkeln in den Augen an.
„Du bist wütend, weil ich ihm nicht die Wahrheit gesagt habe, als er den Zauberstab auf dich gerichtet hatte?" riet James besorgt. „Hör zu, es…"
„Du hast versucht, mich loszuwerden," unterbrach Lily.
„Oh." James runzelte die Stirn. „Okay, das, offensichtlich hat das nicht funktioniert und… wirst du mich wieder schlagen oder lässt du mich es erklären?"
„Erklären? Was erklären, TOM FUCKING BAKER?"
„Okay, ich verstehe, warum du wütend bist…"
„Wütend?" brüllte Lily, die auf ihre Füße kam. „Wütend war vor zwanzig Minuten! Ich bin auf hundertachtzig. Ich bin mordsauer!"
„Du musst dich beruhigen und mir zuhören," sagte James. „Da ist…"
„Sag mir nicht, dass ich mich beruhigen soll. Rede nicht mit mir wie mit einem Kind, vor allem nicht nach dieser Aktion. Wenn wir hier irgendwann bald herauskommen, rede ich nie wieder mit dir. Weißt du, wieso?"
„Äh…"
„Weil du tot sein wirst und ich rede nicht mit toten Leuten!"
„Aus Prinzip oder bloß aus Gewöhnung?" fragte James, der ebenfalls auf seine Füße hüpfte.
„Versuch nicht, dich hier rauszuwitzeln. Ich werde dich auf jeden Fall umbringen."
„Ist das eine Tatsache, Miss Deslauriers? Wenn wir schon davon sprechen – Lily Deslauriers? Und deine Familie sind Floristen im East End? Ich bin überrascht, dass er das nicht sofort durchschaut hat! Du hättest nicht ‚Smith' oder ‚Jones' sagen können, wie es jede andere normale Person tun würde?"
„Tja, es tut mir leid, dass ich eine Fantasie habe!"
„Tja, und mir tut es leid, dass ich versucht habe, dich hier ohne Verhaftung in deiner Akte rauszukriegen!"
„Tja, ich vergebe dir!"
„Tja, schön!"
Und dann waren sie beide still.
„Ich kann nicht glauben, dass er meinen Hut genommen hat."
„Werden sie es schaffen, reinzukommen?"
„Ich bezweifle, dass sie danach suchen werden," murmelte James. „Falstaff hat ihn nur genommen um mich zu nerven. Aber selbst, wenn sie ihn sich ansehen, braucht man ein Passwort um ihn zu öffnen."
„Moony, Wormtail, Padfoot und Prongs," erkannte Lily, als sie sich daran erinnerte, was er zuvor gesagt hatte. James nickte. Lily seufzte und verschränkte ihre Arme. „Wir müssen einen Weg hier rausfinden. Hast du eine Ahnung, wie lange wir noch haben?"
„Nein," sagte James, der über den Verlust seines Hutes noch sichtlich traurig war. „Ich dachte, er wäre bis jetzt wieder zurück."
„Wo genau ist er hingegangen?"
„Ich glaube, diesen Svilt Typen holen," sagte James. Er begann auf- und abzulaufen und versuchte nicht, die Tür zu öffnen, also nahm Lily an, dass er das bereits getan haben musste, während sie noch bewusstlos war.
„Svilt ist bei Frank," murmelte Lily vor sich hin. „Vielleicht muss er für ihn einen Aufpasser suchen, während er Svilt für uns mitnimmt."
„Vielleicht. Aber warum würden sie Frank nicht gehen lassen, so wie sie es mit Alice getan haben? Er trägt auch seine A. T. Umhänge."
Lily hatte darauf jedoch keine richtige Antwort. Sie waren beide einige Zeit still. James suchte durch die Schreibtischschubladen, vielleicht nach einem Ersatzzauberstab oder etwas, was sie für ihre Flucht verwenden könnten. Unglücklicherweise schien das gesamte Büro absolut nichts Nützliches zu enthalten.
„Hör zu, Keks," begann James gegenwärtig, als er sich wieder auf die Stufe setzte. Lily sah ihn mit erhobenen Augenbrauen an. „Wenn Falstaff zurückkommt… kannst du… kannst du bitte einfach sagen, dass dein Name Felicity McKinnon ist?"
„Dafür ist ein bisschen zu spät," antwortete Lily verärgert.
„Tja – tja, dann können wir es so aussehen lassen, als ob ich dich verrate oder so."
„Potter…"
„Nein, hör zu – wenn er zwei von uns hat, kann er einen als Druckmittel gegen den anderen verwenden und…"
„James, entspann dich – ich setze zehn Galleonen, dass das Schlimmste, was die uns antun, ein Schluck Veritaserum ist. Es ist jedenfalls sicherer und effektiver."
Der Zauberer hatte daran nicht gedacht. „Trotzdem," murmelte er. „Ich würde mich extrem schuldig fühlen, wenn du von dem distanzlosen Schockzauber Gehirnschäden davonträgst und es wäre alles meine Schuld, weil…"
„Es ist nicht deine Schuld," unterbrach Lily. „Okay? Ich habe dich gezwungen, mich mitzunehmen und ich habe die Risiken verstanden. Also, nochmal, hör auf, mich wie ein Kind zu behandeln und lass uns etwas proaktiveres machen."
„Wie was?"
„Wie uns einen neuen Plan einfallen zu lassen, als Anfang[LK1] ."
„Tja, dich loszuwerden war irgendwie mein Plan B."
„Danke dafür," sagte Lily augenrollend. „Und, was genau, war dein Plan A? Uns in einem Büro einsperren lassen?"
„Tja, ich dachte irgendwie, dass sie uns mit Frank zusammen einsperren, was zumindest unser Ziel, ihn zu finden, erfüllt hätte, ja?"
„Tja, das haben sie nicht."
„Ich habe schon zugegeben, dass das nicht mein bester Plan war, Keks."
„In Ordnung."
Zeit verging; Lily war sich nicht sicher, wie viel, aber genug, dass das Gefühl, dass Falstaff jederzeit zurückkommen musste, deutlich zurückging. Sie mussten ungefähr eine Stunde insgesamt im Büro gewesen sein, als Lily die Frage stellte, die sie am meisten störte.
„Du glaubst nicht, dass etwas passiert ist, oder?"
„Mit Falstaff?"
„Nein, Frank."
„Warum glaubst du, dass Frank etwas passiert ist?"
„Tue ich nicht. Aber…"
„Tja, dann lass uns nicht darüber reden."
„Na gut."
Lily setzte sich in den Stuhl, mit ihren Beinen auf der Schreibtischplatte und James lehnte sich mit seinem Rücken zu ihr gegen die Schreibtischfront; er konnte ihre Augen auf sich fühlen und wünschte sich irgendwie, dass sie nicht die Möglichkeit erwähnt hätte, dass mit Frank etwas passiert sei. Es ließ ihn sich noch nutzloser fühlen, hier so zu sitzen.
Es war jetzt etwa halb acht. Alice hatte gesagt, dass es etwa die Zeit war, in der das Atrium leer genug sein würde, dass die Auftragszauberer handeln könnten (wenn das tatsächlich ihr Plan war). Natürlich war es ein Tag mit vielen Ereignissen… vielleicht hatten sie noch mehr Zeit. Oder vielleicht hatte Sirius ihre Nachricht gehört und die Auroren würden kommen…
„Also – wie war es in West Country?" fragte Lily plötzlich.
James sah sie ungläubig an. „Ernsthaft, Evans?"
„Tja, was sollen wir sonst tun? Unsere Zauberstäbe und dein Hut sind weg, die Tür ist verzaubert und ich dachte, wir hätten klargestellt, dass du keine Pläne mehr hast."
James seufzte tief. „Okay. Es war okay."
„Das war's? Okay?"
„Okay, super, toll – was willst du von mir?"
Er stand auf und verschränkte seine Arme, wieder auf und ablaufend. Lily sah ihm stirnrunzelnd zu.
„Bist du sauer auf mich?" fragte sie schließlich, eher neugierig als alles andere.
„Nein."
„Tja, das ist eine Lüge."
„Ich bin nicht sauer auf dich."
„Du bist sichtlich verärgert."
„Können wir das jetzt bitte nicht machen?"
„Was tun? Ich weiß nicht, was wir machen! Du bist einfach launig und düster drauf, wie du das schon den ganzen Tag um mich herum bist und ich habe einfach keine Ahnung, warum, weil das letzte Mal, das ich nachgesehen habe, warst du derjenige, der vor den Leuten, die uns verfolgen sollten, herausgesprungen ist und gesagt hat, und ich zitiere, ‚In Ordnung, ihr habt uns.'"
James öffnete seinen Mund um etwas zu entgegen, aber stoppte sich dann selbst. Er hielt inne und seufzte. Sie hatte Recht, verdammt. „Du hast Recht. Es tut mir leid. Ich war bloß…" er schweifte ab und fragte sich, was genau er da tat. „Es tut mir leid," wiederholte er. „Der Urlaub war – sehr schön. Fantastisch, ehrlich gesagt. Und du? Wie geht es dir seit…" (ein peinlicher Moment, den beide bemerkten) „… der Hochzeit deiner Schwester?"
„Ganz okay, schätze ich," murmelte Lily, die kurz an den bereits zweimal wiederholten Traum mit einem oberkörperfreien James dachte. „Nichts Aufregendes. Oh…", erinnerte sie sich. „Ich bin Schulsprecherin."
James sah auf, aber er schien nicht überrascht. „Ja, Remus hat es mir gesagt. Das ist… gut…"
„Ich weiß aber nicht, ob es das ist."
„Warum das?"
Lily zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich bin bloß nervös wegen dem Schulsprecher."
Verwirrt hob James seine Augenbrauen. Hatte sie es schon gehört? „Wie meinst du das?"
„Tja, es ist nicht Remus. Ich hatte gehofft, dass es Remus ist. Aber das ist er nicht und es ist nicht der Ravenclaw-Vertrauensschüler – ich hab' ihm geschrieben um zu fragen – und ich habe heute Benjy Fenwick gefragt und er sagt, er hätte das Abzeichen nicht gekriegt, also weiß ich nicht, wer es sonst sein könnte, außer der Slytherin-Vertrauensschüler. Und das ist Snape."
„Oh. Äh… Evans…"
„Ich weiß," unterbrach sie. „Es scheint nicht sehr wahrscheinlich, aber der Schulsprecher ist immer ein Vertrauensschüler und er ist der einzige, der übrig bleibt! Und ich will nicht mit Snape arbeiten. Ich will nicht… über ihn nachdenken oder ihn ansehen oder… mit der Tatsache klarkommen, dass er jahrelang mein bester Freund war und dass er jetzt…" Sie hielt abrupt inne. „Ich kann einfach nicht glauben, dass ich dachte, dass ich mich mit ihm vertragen kann, oder ihn retten kann oder was auch immer es war. Ich dachte, ich…" aber wieder einmal hielt sie inne. „Jedenfalls ist es vorbei und ich will mich nicht mehr mit ihm rumschlagen. Was – ich weiß schon, unglaublich egoistisch ist. Wenn er es verdient Schulsprecher zu werden, verdient er es und ich sollte ihm kein Unglück wünschen, nur weil ich es nicht mehr aushalte, neben ihm zu stehen. Weißt du?"
„Schockierenderweise ja," murmelte James schluckend.
„Jedenfalls schätze ich, dass er es verdient," fuhr Lily unglücklich fort. „Trotz all seiner Fehler ist er ziemlich clever. Mir fällt jedenfalls niemand ein, der es mehr verdient hätte…"
„Keks…"
„Und wenn er gewählt wurde, wurde er gewählt und ich kann nichts dagegen tun, oder?"
„Aber, Evans…"
„Ich – ich denke, ich habe einfach Angst, dass, wenn ich mit ihm arbeite, ich wieder anfange, mich so zu fühlen, als ob ich ihn… ich weiß nicht… erlösen kann, irgendwie, und ich weiß, dass das falsch ist, aber…"
„Ich bin Schulsprecher," platzte es aus James heraus, als er dachte, er könnte kein Wort mehr von Lilys Tirade hören. Sie sah ihn verwirrt an.
„Was?"
„Ich bin Schulsprecher."
Sie seufzte. „James, musste immer Witze aus allem machen?"
„Nein. Ich bin ernsthaft Schulsprecher."
Lily hob ihre Augenbrauen.
„Nein. Wirklich," wiederholte er aufrichtig. „Ich bin Schulsprecher. Ich… ich hab' nicht die leiseste Ahnung, wie oder warum, aber ich hab das Abzeichen in meinem Hogwartsbrief bekommen. Ich… ich bin Schulsprecher."
Ein paar Sekunden lang glaubte Lily ihm nicht. Und dann tat sie es. Sie schlug ihre Hand vor den Mund. „Oh-mein-Gott-es-tut-mir-so-leid!"
Und warum auch immer fand James das außergewöhnlich lustig. Er begann zu lachen und so tat das Lily, obwohl sie noch immer ihr Gesicht vor Scham mit ihren Händen bedeckte.
„Es tut mir… so verdammt leid," keuchte sie. „Ich hätte einfach – einfach niemals gedacht…"
„Dass jemand, der kurz davorsteht, rausgeschmissen zu werden, Schulsprecher wird?" fragte James. „Ja, ich auch nicht. Es macht keinen Sinn…"
„Nein, es… es macht Sinn…"
„Oh, hör auf, es retten zu wollen," spottete James amüsiert. „Natürlich macht es keinen verdammten Sinn! Ich bin kein Schulsprecher-Material! Ich bin ein Quidditch-besessener Unruhestifter, der ungefähr jede Regel gebrochen hat, die es gibt. Es macht absolut, voll und ganz keinen Sinn und du weißt es."
„Hör auf, deine Vergehen zu romantisieren," rügte Lily. „Du hast Snape letztes Jahr gerettet, deshalb bist du es vermutlich geworden."
James zuckte mit den Achseln. „Oder Dumbledore lacht heimlich über mich, der Idiot," sagte er augenverdrehend. Er versuchte wieder einmal, die verschlossene Tür zu öffnen, im Wissen, dass es vergeblich war und lehnte sich dann mit dem Rücken dagegen, mit den Händen in den Hosentaschen und überkreuzten Beinen. Dort war James direkt gegenüber von Lily, die ihre Beine vom Tisch genommen hatte und jetzt etwas normaler im Stuhl saß. „Ich wünschte, ich hätte meinen verdammten Hut," murmelte er, ohne wirklichen Grund, außer, dass es ihm gerade einfiel.
Lily nickte, als ihr Trübsal wiederkehrte. Sie ließ sich mit dem Kinn in den Händen über den Schreibtisch hängen. „Lass uns hoffen, dass Sirius die Nachricht bekommen hat."
„Ich weiß aber nicht," fuhr James halb zu sich selbst fort. „Vielleicht könnte ich die Tür aufbrechen… vor allem, wenn Falstaff nicht bald zurückkommt."
„Trotz eines Versiegelungszaubers?" sagte Lily trocken. „Unwahrscheinlich."
„Ich weiß nicht, ob er einen Versiegelungszauber verwendet hat," sagte James, sich umdrehend um die Tür zu untersuchen. „Er hat sie vielleicht nur zugesperrt. Ich hab' nur das Klicken gehört."
Lily stand vom Tisch auf. „Er hat keinen… warum würde er keinen Versiegelungszauber verwenden?"
„Er dachte, wir können uns nicht bewegen," erinnerte James sie. Lily überraschte ihn damit, dass sie ziemlich plötzlich an seiner Seite erschien. „Vielleicht könnten wir den Schreibtisch nehmen und sie rammen… oder hey, hast du nicht gesagt, dass es dein erstes Stück von versehentlicher Magie war, eine Tür aus den Angeln fliegen zu lassen? Ich schätze nicht, dass du das auf Knopfdruck machen kannst?" Er sah sie grinsend an, aber Lilys Gesichtsausdruck war nachdenklich. „Was? Du kannst das?"
„Vielleicht kann ich das," sagte Lily. „Aber nicht auf die Art, die du denkst."
Sie drehte sich um und eilte zum Tisch.
„Ich habe da schon alles durchgesehen," erinnerte James sie. „Da ist nichts drin außer Federn und Tinte und Pergament und Bücher."
Lily öffnete jede einzelne Schublade, den Inhalt wegschiebend auf der Suche nach etwas, aber James wusste nicht, was. Schließlich, als sie nicht fand, was sie suchte, richtete sich Lily wieder auf und schob frustriert das Haar aus ihrem Gesicht.
„Ich brauche etwas, wie einen… einen Schraubenzieher…"
„Einen was?"
„Einen Schraubenzieher."
James warf ihr einen leeren Blick zu.
„Du weißt schon… ein Muggelwerkzeug. Plastik- oder Holzgriff, langer Metallstab mit einem Kopf… man verwendet ihn um Dinge aufzudrehen oder -zustemmen… nein? Hast du kein Muggelkunde genommen?"
„Wir haben nicht komplett alles Muggelzeug durchgenommen, Keks."
„In Ordnung, okay… wenn ich etwas hätte, mit einem flachen, schmalen Kopf, dann könnte ich…" Sie schweifte ab, als ihre Augen auf etwas fiel, was James aus seiner Perspektive nicht sehen konnte. Er gesellte sich zu ihr hinter den Tisch und folgte ihrem Blick.
„Was?"
Lily deutete auf den Schubladengriff. Er bestand aus einem Kupferstreifen, etwa zwei Zentimeter breit an den Enden, aber breiter in der Mitte des Griffes, zwischen zwei Halterungen. Lily schien sich jedoch mehr für die Kanten zu interessieren, sie kniete sich hin, betrachtete diese vorsichtig und sag dann hoch zu James.
„Du bist stärker als ich, oder?"
James verdrehte seine Augen. „Hast du dich schon mal gesehen, Zweigchen?"
„Jetzt aber mal langsam," entgegnete Lily. „Ich habe schon einmal Nick Mulcibers Kiefer ausgerenkt, wenn du dich erinnerst."
„Jetzt mach nicht auf süß," antwortete James kühl. „Was brauchst du?"
„Denkst du, du könntest einen von diesen Griffen abkriegen?"
„Schätze schon, ja – warum? Das ist aber kein Schrauben-Dingsda, oder?"
„Es könnte vielleicht funktionieren."
James seufzte und kniete sich neben sie. Er rüttelte an allen identischen Schubladengriffen, und fand, dass der oberste ganz leicht lockerer war als die anderen. Sie leerten die Schublade und nahmen sie aus dem Tisch.
James brauchte ein paar Minuten um den Griff abzukriegen, und obwohl er sein T-Shirt hochgezogen hatte, um es als Schutzschicht zwischen seiner Haut und dem Metall zu verwenden, waren seine Handflächen rot und aufgeschürft, als schließlich der Griff losgerissen war.
„Sorry," murmelte Lily, die ein Auge auf die Tür geworfen hatte. Wenn Falstaff jetzt zurückkam, wusste James nicht, wie sie verstecken könnten, dass die Beinklammern und Handgelenkfesseln schon längst verschwunden waren.
„Kein Problem – obwohl du mir vielleicht erklären könntest, was du damit genau tun willst…"
Lily verdrehte ihre Augen. „Was? Vertraust du mir nicht?"
„Sehr lustig."
James überreichte ihr den Kupfergriff und Lily eilte wieder zur Bürotür.
„Warte einen Moment," sagte sie, als sie da war. „Ich brauche etwas, mit dem ich es schlagen kann. Wie einen Hammer. Du weißt, was ein Hammer ist, oder?"
„Etwas, das mit Elektrizität zu tun hat, oder?" entgegnete James sarkastisch. „Ja, ich weiß, was ein Hammer ist. Hier…" Er joggte zum Eulenkäfig in der hinteren Ecke des Büros und zog das offene Schloss von der Tür. Es war ein großes und schweres Schloss und er gab es Lily, die es einen Moment lang skeptisch ansah.
„Das könnte funktionieren," murmelte sie. Die Eule im Käfig schrie einmal laut und Lily positionierte das flache Ende des Schubladengriffs gegen das obere Scharnier der Tür. James war näher getreten um zu sehen, was sie genau tat und sie hatte den Griff zwischen den Türbolzen und die obere Metallsprosse des Scharniers gesteckt. „Du solltest vielleicht zurücktreten," sagte sie ihm und als sie den Griff in ihrer linken Hand fester packte, hob sie das Schloss in ihrer rechten. Sie schlug das Schloss mit all ihrer Kraft auf den Griff und der Türbolzen bewegte sich minimal nach oben.
„Wo hast du gelernt, das zu machen?" wollte James wissen.
„Mein Dad hat im Sommer nach unserem zweiten Jahr unsere Küche renoviert," antwortete Lily. „Die Türscharniere unserer alten Tür haben nicht zur Deko gepasst, also musste er neue anbringen. Ich habe zugeschaut."
„Gott segne ihn," murmelte James, und Lily schnaubte. Sie fuhr fort, den Griff mit dem Schloss zu schlagen, als ob sie einen Nagel einhämmerte, bis der Türbolzen ziemlich locker wurde. Es war jedoch ein lauter Prozess und sie hielt alle paar Sekunden inne um zu lauschen, aber – abgesehen vom Flattern der Eule im Käfig – war alles leise.
Als der erste Bolzen locker genug war, griff James nach oben und schob ihm aus dem Scharnier. Die Tür blieb sicher verschlossen, aber Lily bewegte sich zum nächsten. In ein paar Minuten, war auch der zweite Bolzen entfernt, die Tür wackelte.
„Hältst du sie, ja?" fragte Lily. „Ich hätte mit dem Untersten zuerst anfangen sollen. Dad hat mir das gesagt, verdammt noch mal."
„Mach dir nicht so viele Vorwürfe," sagte James. „Du bist kurz davor, uns hier rauszukriegen."
„Nicht zu voreilig," antwortete die andere, die sich auf den Boden setzte um mit dem letzten Scharnier anzufangen. „Wenn Falstaff zurückkommt…"
„Werfen wir ihm die Tür entgegen," witzelte James, und Lily lächelte, als sie wieder einmal das Schloss gegen den Griff schlug.
Schließlich war auch der letzte Bolzen entfernt. James wäre beeindruckt gewesen, wenn er nicht so beschäftigt damit gewesen wäre, erleichtert zu sein. Er wollte jedoch nicht sofort die Tür entfernen. „Bevor wir gehen, sollten wir vielleicht überlegen, wohin wir gehen."
„Wir brauchen unsere Zauberstäbe."
„Ich brauche meinen Hut."
„Richtig. Wo in Merlins Namen denkst du, sind sie? Wir sind in Falstaffs Büro und er hat sie nicht hier gelassen."
„Vielleicht in dem Büro von dem Svilt Typen?" schlug James vor. „Ich wette, dass Frank dort ist, wenn sie ihn nicht gehen gelassen haben, als sie zwei Muggelstämmige hatten, die sie verhören können."
„Aber wo ist das? Wie würden wir das überhaupt finden?"
Sie dachten eine Minute darüber nach; Lily massierte ihre Handgelenke und Handflächen, die von dem Schubladengriff äußert lädiert worden waren. „Ich hoffe, dass Mum noch nicht zuhause angerufen hat," murmelte sie nebensächlich. „Sie wird sich Sorgen machen, dass ich noch nicht zuhause bin…"
Und das gab James eine Idee. „Halt die Tür fest, okay?"
Lily nickte. Sie sprang auf ihre Füße und hielt die Tür gerade, während James wieder zurück zum hinteren Teil des Büros lief. Er schnappte sich ein Stück Pergament von Falstaffs Schreibtisch und faltete es in ein Quadrat. Er nahm eine Feder, die schon lange aufgehört hatte, von selbst zu schreiben und fand etwas Tinte in einer der Schreibtischschubladen, die noch einen Griff hatten. Auf das Pergament schrieb er ein einziges Wort. Dann öffnete er den Käfig der Eule und der Vogel darin schrie wieder einmal. Lily hob ihre Augenbrauen.
„Wir schicken ihm ein Memo," sagte James. Er hielt das Pergament hoch, das den Namen „Svilt" trug.
„Und folgen dem Vogel," schloss Lily, die endlich verstand. „Das… ist irgendwie brillant."
„Ich habe ein paar gute Ideen."
„Beeil dich."
„Richtig. Beweg die Tür, okay?"
Die Eule, dachte Lily, war wirklich ein nettes Tier. Sobald die Tür entfernt war, konnte der Vogel leicht davon überzeugt werden, seine „Nachricht" zu dem richtigen Büro zu transportieren und Lily und James liefen ihm nach. Unglücklicherweise entpuppte sich die Verfolgung des Vogels durch die Flure als eine der nervenaufreibendsten Erfahrungen in Lilys siebzehn Jahren.
Der Flur direkt vor Falstaffs Büro war glücklicherweise (und unerklärlicherweise) leer, aber bei jeder Abbiegung erwartete Lily, dass jemand herausspringen würde. Ohne den Tarnumhang konnten sie sich natürlich schnell bewegen und waren in der Lage, mit Falstaffs Eule mitzuhalten, aber trotzdem bedeutete Geschwindigkeit gleichzeitig auch Sichtbarkeit und Lautstärke.
Der Vogel flog und Lily und James sprinteten ihm durch die Flure hinter her und für einen unabhängigen Beobachter hätte es vielleicht lustig ausgesehen, aber die Verfolger selbst hatten nicht die Zeit, amüsiert zu sein. Svilts Büro war nicht im zweiten Stock, was Lily bereits erahnt hatte, da Alice nicht erwähnt hatte, dass er überhaupt eins hatte und die Eule flog zu den Aufzugtüren, in Kreisen fliegend, während sie darauf wartete, dass sich die Türen öffneten.
Lily wollte gerade um die Ecke in den Flur mit den Aufzügen am Ende laufen, als James ihre Hand packte.
„Falls jemand aus dem Aufzug kommt," erklärte er, sie zurückhaltend und Lily nickte. Sie schritt sich wieder zurück um die [LK2] Ecke, und sah über James' Schulter die Eule an, er hatte ihre Hand noch nicht losgelassen.
Der Aufzug kam leer an (er musste verzaubert sein, dass er selbst für Eulen erschien) und als sich die Türen öffneten, flog Falstaffs Vogel herein und Lily und James sprinteten um noch einzutreten, bevor sich die Türen schlossen. Drinnen bemerkte James, dass er die ganze Zeit Lilys Hand gehalten hatte und er ließ sie schnell los.
„Was? Kein peinlicher Kommentar?" zog Lily ihn auf, als sich die Aufzugtüren schlossen und sie begannen, hochzufahren.
„Deine Fingernägel sind lila," bemerkte James.
„Das ist Nagellack."
„Und du hast gesagt, mein Hut wäre lächerlich."
„Idiotin."
„Trottel."
Die Eule verließ den Aufzug, als er im vierten Stock hielt, Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe, oder wie es besser bekannt war: A.F.A.M.G. Die Halle war leer und eine Uhr an der Wand sagte ihnen, dass es etwa zwölf Minuten vor acht Uhr war.
„Alice hat gesagt, dass die Halle gegen halb acht oder acht geräumt werden würde, oder?" fragte Lily, als sie James und der Eule hinterher joggte.
„Das stimmt."
„Ich hoffe, Sirius hat die Nachricht erhalten."
Sie hielten an einer Ecke an, und lugten herum um sicherzugehen, dass die Luft rein war, bevor sie wieder der Eule folgten.
„Aber wer weiß?" murmelte James. „Vielleicht sind die anderen schon weg…"
„Du hast Dory gehört – sie geht nirgendwo hin. Und nach dieser schrecklichen Aufführung von ‚Sieben Betrunkene Nächte', bin ich mir sicher, dass die Stimmung ziemlich gut ist…"
James grinste und sie gingen in den anliegenden Flur. Der Vogel war schon einen halben Flur weiter, aber er drehte bald um und flog auf eine der Türen zu. Das Pergament in seinem Schnabel fiel in eine viereckige Memobox an der Tür und als der Vogel seinen Brief ablieferte, klopfte sein Schnabel gegen die hölzerne Box, die anscheinend genau dafür entwickelt worden war.
Mit erfüllter Mission machte sich Falstaffs Eule auf den Weg zurück zu ihrem Käfig. Lily zog in der Zwischenzeit James wieder zurück um die Ecke und sie warteten beide um zu sehen, ob irgendjemand die Tür öffnen würde. Das tat jedoch niemand.
„Was jetzt?" fragte sich Lily laut. Sie lehnten sich beide an die Wand hinter ihnen, James nachdenklich seinen Kopf gegen diese tippend. Schließlich drehte er sich um Lily über seine Schulter hinweg anzusehen.
„Keks…"
„Hmmm?"
„Vertraust du mir?"
Lily schlug auf seinen Arm. „Nein, ich vertraue dir verdammt noch mal nicht! Bist du verrückt?"
„Keks, das wird alles nicht funktionieren, wenn wir uns nicht gegenseitig ein wenig vertrauen…"
„Und hast du deshalb versucht mich hier heimlich rauszumanövrieren?"
„Ich habe mich dafür schon entschuldigt!"
„Ja, aber… aber… Verdammt." Sie seufzte und verdrehte ihre Augen. „Merlin hilf uns, tu, was du tun musst."
Das war anscheinend gut genug. Er drehte sich um und ging zu Svilts stillen Büro. Ein Namensschild neben der Tür trug vier Namen, einschließlich dem von Antoine Svilt und las: „Seuchenberatungsbüro."
James runzelte die Stirn. „Ach du kacke," flüsterte er. „Er ist beim S.B.B.?"
„Was ist ein S.B.B.?" fragte Lily im gleichen Flüsterton.
James zeigte auf das Schuld. „Seuchenberatungsbüro. S.B.B. ist quasi unterste Stufe."
„Tja, vielleicht sind Teenager für sie Seuchen," schlug Lily vor und James schnaubte. Er streckte seinen Arm aus und klopfte zögerlich an der Tür. Ein paar Sekunden lang lauschten sie, aber das Büro blieb still.
„Wo sind alle hin?" wollte Lily wissen. James zuckte mit den Achseln. Er packte den Türknauf und drehte ihn.
„Ich hätte wissen müssen, dass du in all das verwickelt bist," seufzte eine Stimme hinter ihnen.
Lily und James erstarrten.
(Genau Fünfunddreißig Minuten Zuvor)
Der Trick für Alice war es gewesen, ein Flohnetzwerk zu finden, das direkt in ein Büro eines Aurors verbunden war. Sie hatte keine Ahnung, wo die Shacklebolts wohnten, und auch nicht, wo die anderen Auroren, die sie kannte, wohnten und nur Auroren war es erlaubt, ihre Kamine direkt mit dem Floh der Auroren zu verbinden.
Seit Falstaffs Auror und sein Freund sie beim Tropfenden Kessel abgesetzt hatten, ihr ihren Zauberstab wiedergegeben hatten und sie fies angegrinst hatten, war Alice am überlegen, wie sie wieder zurück in das Ministerium für Magie kommen könnte.
„Was ist mit dem anderen A.T.?" hatte der Auror Falstaff gefragt, als sie sie zu Dearborns Büro marschiert hatten (nicht, dass sie zu dem Zeitpunkt irgendeine Ahnung gehabt hatte, wo es hinging). „Jetzt, wo wir die anderen zwei haben, müssen wir ihn nicht halten."
„Haltet ihn noch, während wir auf Svilts Trank warten," hatte Falstaff geantwortet. „Die anderen sind quasi Kinder. Vielleicht wissen sie gar nichts."
Und so hatte Alice, nur für den Fall, im Tropfenden Kessel darauf gewartet (Tom arbeitete allein), dass Frank ankam. Aber er kam nicht. Fünfundzwanzig Minuten vergingen und der Kamin blieb kalt. Tom brachte ihr Butterbier, was sie gar nicht schmeckte. Und das war der Zeitpunkt, zu dem Alice beschloss, dass sie wieder zurück ins Ministerium für Magie musste.
Als bloße A. T., hatte Alice keine Flohverbindung zur Aurorabteilung und sie entschied schnell, dass die Aurorabteilung der sicherste Ort war, um sich in das Ministerium zu flohen. Sie war durch das Floh in Dearborns Büro zum Tropfenden Kessel gebracht worden, aber das wäre nicht gut und sie konnte nicht durch das Atrium zurück, da Dearborn sicherlich befohlen hatte, dass die Wache bestimmte Mitarbeiter davon abhalten sollten, wieder auf die niedrigen Stockwerke zu gelangen. Aber Alastor Moody war vielleicht in der Aurorabteilung (Vance hatte sicherlich zuvor gedacht, dass er da wäre) und sie konnte zwei Aufgaben erledigen: eins, die Nachricht dem Leiter der Auroren übermitteln, und zwei, in das Gebäude gelangen, in dem Frank gefangen gehalten wurde.
Das Problem, wie sie in das Flohterminal gelangen würde, plagte sie für einige Zeit, bevor sie zu der Erkenntnis kam, dass Caradoc Dearborn vielleicht eine Verbindung hatte. Er war kein Auror im Feld, aber er trainierte die A.T.s und arbeitete regelmäßig mit der Abteilung, also war es sicherlich möglich; und am besten war, dass Alice seine Adresse hatte. Oder zumindest hatte ihre Mutter sie.
So kam Alice dazu, in Caradoc Dearborns Küche zu sitzen, den Tee, den er ihr gegeben hatte, in die Untertasse zu verschütten, während sie durch ihre Versuche, die Situation zu erklären, stolperte.
Doc Dearborn war ziemlich anders als sein jüngerer Bruder Sam. Er war zum einen fast ein Jahrzehnt älter, hatte dunkle Haare, eine Brille und ein pragmatisches Gesicht. Er verhielt sich leiser, ruhiger, aber teilte seine freundliche Art mit seinem jüngeren Bruder, genauso wie ein deutliches Misstrauen gegenüber der Politik seines älteren Bruders, Egbert. Alice war dabei herauszufinden, wie tief dieses Misstrauen war, als er ihre Bitte beantwortete, sein Floh zu verwenden.
„Du verstehst, dass ich in ziemliche Schwierigkeiten kommen könnten, wenn ich dir erlauben würde, es zu verwenden," sagte Caradoc langsam.
„Du könntest sagen, dass ich eingebrochen bin," sagte Alice ihm aufrichtig. „Ich kann auch ein Fenster zerbrechen, wenn du willst."
Doc lächelte. „Das ist nicht nötig. Der Kamin ist dahinten."
Alice war dankbar für einen Grund, den Tee abzustellen und folgte ihm. Dearborn hob einen Keramiktopf mit Flohpulver auf und schüttete etwas in Alices Hand.
„Die Adresse ist ‚Aurorenbüro'," sagte Dearborn ihr, als sie in den Kamin schritt.
„Vielen, vielen Dank."
Caradoc zuckte mit den Schultern. „Richte Sam liebe Grüße aus."
„Scheiß drauf, nach dem hier sende ich ihm deine Geburtstagskarten, wenn du willst." Grinsend ließ sie das Flohpulver fallen und rief die Adresse.
Alice war mehrere Male in der Aurorabteilung gewesen, aber noch nie hatte sie sie leer gesehen. Stattdessen hatte sie den Eindruck gehabt, dass sie nie leer war, weil in diesen Tagen eine beachtliche Anzahl der Auroren Nachtschichten schieben mussten. Aber nun, obwohl die Büros hell erleuchtet und betriebsbereit waren, konnte nicht eine einzige Person gesehen werden.
Es war besorgniserregend. Sie trat vorsichtig auf den Flur im zweiten Stock und dachte kurz darüber nach, zu Falstaffs Büro zu gehen. Aber sie hatte keine Ahnung, ob Lily und James noch dort waren und ehrlich gesagt, war die Tatsache, dass sie dort zu zweit waren, sehr förderlich für ihre Chancen. Frank, wo auch immer er sein mochte, war anscheinend alleine und sie musste ihn zuerst finden.
Alice wusste, dass Svilt im vierten Stock arbeitete, und sie dachte, dass sie gehört hatte, wie man ihn S.B.B. genannt hatte, aber sie hatte keine Ahnung, ob er dort ein Büro hatte oder überhaupt irgendwo. Trotzdem war es der beste Plan, der ihr einfiel und so fand sie, fest ihren Zauberstab umklammernd, den nächsten Aufzug und fuhr hoch in den vierten Stock.
Ihr begegneten ein paar Sekretärinnen, als sie aus dem Lift austrat, aber sie begrüßten sie nur mit einem Nicken, bevor sie ihre Unterhaltung weiterführten. Sie ging mit hoch erhobenem Kopf, falsche Selbstsicherheit mit jedem Schritt ausstrahlend, für den Fall, dass sie jemanden treffen sollte, der ähnlich unwissend über ihren Einbruch war.
Alice hatte die Hälfte des Flurs in dieser Art erkundet, bevor sie schließlich ein Schild auf der Wand fand, dass sie zu den Räumen des S.B.B.'s deutete. Diese bestanden aus einem einzigen, engen Flur mit drei Türen auf der einen Seite und dunklen, verhexten Fenstern auf der anderen. Neben jeder Tür waren Namensschilder, aber Alice musste sie nicht lesen. Sie wusste sofort, welches Büro ihr Antworten bringen würde, da von dem einzigen Büro, das beleuchtet zu sein schien, Stimmen erklangen.
Sie verlangsamte ihren Gang und lauschte vorsichtig den Geräuschen von innen.
„Was ist mit den anderen zwei?" bellte eine männliche Stimme und obwohl sie vertraut schien, konnte Alice den Sprecher nicht erkennen. „Noch in deinem Büro?"
„Ja, natürlich."
„Du hast sie einfach dagelassen, Falstaff?"
„Mit Beinklammer und Fesseln in einem verschlossenen Büro," fuhr die zweite Stimme, ebenfalls männlich, den anderen an. „Was sollen sie machen? Alles hochjagen? Du solltest mir keinen Vortrag halten. Das ist deine Schuld…"
„Wir müssen ihn finden. Merlin weiß, was er jetzt vorhat…"
„Taft und die anderen sind an ihm dran…"
„Dann sollten wir besser zu den Kindern zurück…"
„Was soll das noch bringen? Ihr habt den Trank nicht mehr…"
„Wir könnten den Imperius verwenden. Dearborn meinte, alles, was nötig ist…"
„Wenn das rauskommt, Svilt… Du bist willens, alles für Dearborn zu riskieren…"
„Psst – wenn das jemand hört…"
Sie waren beide einen Moment lang still; Alice bewegte keinen Muskel. Dann fuhren Falstaff und Svilt mit ihrer Unterhaltung fort, aber Alice konnte fast nur jedes zweite Wort verstehen, da sie jetzt in viel leiserer Lautstärke sprachen. Schließlich hörten die Worte komplett auf und sie wusste, was kam. Sie richtete ihren Zauberstab auf das nächste dunkle Büro und flüsterte: „Alomohora."
Das Schloss klickte und sie fiel fast in den pechschwarzen Raum. Sie ließ den Türknopf nicht los, so dass es nicht klickte. Das war sehr vorteilhaft, denn eine Sekunde später hörte sie ein paar Schritte im Korridor. Sie gingen nicht am Büro vorbei, in dem sich Alice versteckte, sondern schienen stattdessen in die andere Richtung zu gehen, bis die Stimmen langsam verhallten. Sie wartete ein paar Sekunden mehr und öffnete dann die Tür gerade weit genug, dass sie den Kopf hervorstecken konnte.
Der Flur war leer.
Alice verließ das Büro, verschloss es wieder gewissenhaft, und bewegte sich dann zur mittleren Tür, aus der Falstaff und Svilt anscheinend herausgekommen waren. Das Licht war noch an, aber der Raum war komplett still. Alice hob ihren Zauberstab und griff nach dem Türknopf.
Sie schob die Tür schwungvoll auf und sie schwang zurück, gegen die Wand dahinterschlagend. Der Raum war auch leer. Sich umblickend trat Alice ein.
Es war ein großer, gut beleuchteter Büroraum, der Platz für vier Schreibtische bot, zwei auf jeder Seite mit einem Gang in der Mitte. Eine Eule saß an der hinteren Wand und unter dem Käfig stand ein Stuhl. Reste von Seilen waren über den Rücken des Stuhls drapiert und Alice schluckte ängstlich. Der Tisch rechts hinten trug ein Namensschuld „A. Svilt" und war bedeckt mit Papieren. Dort lag auch ein Zauberstab, von dem Alice dachte, dass er vielleicht Lilys war. Sie hob ihn auf und steckte ihn in ihre Umhängetasche, bevor sie sich auf den Stuhl mit den Seilen zu bewegte.
Sie waren nicht zerschnitten worden, schien es, sondern waren komplett chaotisch angeordnet: in aller Wahrscheinlichkeit aufgeknotet. Alice blickte stirnrunzelte auf die Kulisse, unsicher, was dies alles bedeutete.
„Wir müssen ihn finden," hatte Svilt gesagt. Meinten sie Frank? Aber wen sonst könnten sie meinen? War er entkommen? Aber wie im Himmel sollte er das ohne Zauberstab geschafft haben?
Alice schob mit der anderen Hand auf ihrer Hüfte ihr Haar zurück, während sie das Büro betrachtete und versuchte herauszufinden, was sie als Nächstes tun sollte. Sie stand dort für ein paar Sekunden, bevor ihre Augen auf etwas fielen, das auf einem der anderen Tische glitzerte. Sie ging hinüber und hob den kleinen Gegenstand auf.
Es war ein Abzeichen, auf dem die Buchstaben „A.T." eingeritzt waren.
Franks.
Sie war sich plötzlich sicher.
Alice steckte das ebenfalls ein und ging zur Tür, als sie plötzlich ein Klopfen hörte. Die Hexe erstarrte, ihr Herz bebte, als sie versuchte zu überlegen, was sie als Nächstes tun sollte. Ein paar Sekunden vergingen und das Klopfen wurde nicht wiederholt und Alice bewegte sich hastig hinter einen der Tische. Sie kniete dort, stumm betend, aber das Zimmer und der Flur blieben still.
Eine Minute oder zwei blieb es still und Alice wurde ungeduldig. Sie stand wieder auf, noch immer angespannt lauschend, aber konnte nichts mit Sicherheit erkennen. Dann ging sie wieder zur Tür, es klopfte wieder und sie erkannte Stimmen im Flur draußen. Sie hatte dieses Mal keine Zeit, sich zu verstecken, der kupferne Türknauf quietschte, als jemand ihn griff und Alice machte ihren Zauberstab bereit.
Die Tür öffnete sich jedoch nicht. Der Griff wurde losgelassen, und Alice hörte verwirrt zu, als jemand wieder etwas sagte. Es war eine männliche Stimme, aber in ihrem Kopf war alles schwammig und einen Moment lang konnte sie keine Worte erkennen.
Sie trat näher zur Tür.
„Ich hätte wissen müssen, dass du in all das verwickelt bist," seufzte eine männliche Stimme hinter ihnen und James ließ den Türknauf los. Sie beide erstarrten fast für eine Sekunde, bis Lily erkannte, wem diese Stimme gehörte. „Ehrlich, Evans, du musst auf der Suche nach Schwierigkeiten sein."
Sie atmete tief aus und drehte sich um, um den Zauberer dort anzusehen, während sie ihre Arme dabei verschränkte.
„Es ist an der Zeit, dass du auftauchst," entgegnete sie und Lathe – denn ihm gehörte die Stimme – verdrehte seine Augen, trotzdem grinsend.
„Ich dachte, ihr wärt in Falstaffs Büro," sagte er, als sich auch James umdrehte. „Oder seid ihr diejenigen, die die Tür aus den Angeln gerissen haben?"
„Das war sie," sagte James. „Lathe, oder?"
„Potter, oder?" antwortete Lathe und sie nickten beide.
„Wie hast du dich angeschlichen?" wollte James wissen. „Du warst gerade… ernsthaft leise."
„Verheimlichen und Aufspüren," antwortete Lathe, als ob es offensichtlich wäre. „Es ist eine der ersten Prüfungen in A.T. Außerdem war ich ziemlich klein in der Schule…" Er gestikulierte vage, „da habe ich jede Menge Übung darin bekommen, mich vor den stärkeren Kids zu verstecken." Er grinste. „Also – sollen wir?"
„Sollen wir was?" fragte Lily.
„Heimgehen," sagte der Auror, als ob es offensichtlich wäre. „Das wolltet ihr doch machen, oder?"
„Moment," sagte James schnell. „Wir sind auf der Suche nach Frank. Und Vance hat eine Nachricht für Moody…"
„Schick die Auroren rein, ja, ich weiß."
„Also hat Frank die Nachricht überbracht?" fragte Lily. „Ihm geht es gut?"
„Frank Longbottom?" fragte Lathe. „Oh, dem geht's gut. Ich meine, gerade wird er vermisst, aber Svilt und Falstaff wissen nicht, wo er ist, also sollte es ihm gut gehen."
Die Bürotür hinter Lily und James öffnete sich und sie drehten sich alle auf einmal um. Lathe hob sogar seinen Zauberstab, aber die Figur, die im Büro stand, war Alice Griffiths.
„Was meinst du mit ‚er wird vermisst'?" fragte sie, trat in den Flur und schloss die Tür hinter sich. „Hallo Lily, James."
„Alice!" seufzte Lily erleichtert. „Bist du ihnen auch entkommen?"
„Nein, aber ich bin wieder reingekommen. Sorry, aber Lathe – was meinst du mit, er wird vermisst?"
„Taft war ein bisschen vage," gab Lathe zu. „Hauptsächlich, weil es ihm peinlich ist, schätze ich. Aber ein paar von ihnen sollten ein ‚Auge' auf Longbottom in Svilts Büro hier werfen und… irgendwie hat er es geschafft, zu entkommen, einen von ihnen außer Gefecht zu setzen und einen Zauberstab zu kriegen… den er verwendet hat um ein gesamtes Set an Veritaserum zu stehlen, das sie an ihm verwenden wollten… und wahrscheinlich auch an euch."
„Also Frank hat dir nicht die Nachricht von Vance gegeben?" fragte Lily. „Ich bin so verwirrt."
„Warum würde Frank mir die Nachricht geben?"
„Das war der ganze Grund, warum wir hier oben sind," sagte James. „Vance hat Frank gesendet, um Moody zu sagen, ‚schick sie rein'."
„Und wir dachten, dass ‚sie' die Auroren sind." Fügte Lily hinzu.
„Was richtig ist," bestätigte Alice.
„Aber Frank ist nicht zurückgekommen," sagte James, „also sind wir ihm hierhin gefolgt, aber wir wurden entdeckt…"
Alice und Lily räusperten sich vielsagend. James verdrehte seine Augen.
„Wir wurden entdeckt," wiederholte er, „und dann haben sie Alice heimgeschickt und…"
„Wartet eine Minute," unterbrach Lily. „Die Auroren. Da sind Auftragszauberer im Atrium und Victor Vance meinte…"
„Nein, nein, ich weiß davon," sagte Lathe flink. „Das war die Nachricht. Es sind gerade etwa ein halbes Dutzend Auroren unten bei euren Leuten und Bones hat das Sagen, also müsst ihr euch um nichts Sorgen machen. Ihr drei habt jedoch die Aufmerksamkeit von Dearborn erregt und ich soll mich um euch kümmern. Tja, nein, Taft soll sich um euch kümmern, aber wenn ich euch zuerst einfange – was ich gerade getan habe – dann soll ich mich um euch kümmern."
„Inwiefern kümmern?" fragte James misstrauisch.
„Tja," sagte Lathe, „Taft hat den Befehl, euch zu Dearborn zu bringen – herauszufinden, was ihr hier ‚wirklich' tut und all das. Aber mir wurde dieser Befehl nie offiziell gegeben, also wenn ich nach Öffnungszeiten auf drei Schurken treffe, würde ich mich bloß verpflichtet fühlen… sie vom Gelände zu führen?"
„Könntest du uns nicht wieder runter zum Atrium führen?" fragte James.
„Leider nicht."
„Aber was ist mit Frank?" beharrte Alice. „Er könnte ihn Schwierigkeiten sein."
„Er hat drei Zauberer besiegt, während er ohne einen Zauberstab an einen Stuhl gefesselt war," sagte Lathe. „Ich bin mir sicher, dass er klarkommt."
„Aber er hat den Auroren noch nicht Vances Nachricht gegeben," begann Lily nachdenklich, „er weiß wahrscheinlich nicht, dass sie angekommen ist. Er ist vielleicht nach unten gegangen, um Moody zu suchen."
„Moody ist nicht unten," sagte Alice.
„Doch, ist er," widersprach Lathe ihr.
„Vor fünfzehn Minuten war er da noch nicht…"
„Dann hast du ihn gerade verpasst," sagte Lathe. „Er ist sicherlich jetzt dort."
„Tja, können wir nicht nachschauen, ob Frank jetzt dort ist?" fragte Alice aufrichtig. „Es dauert nur ein paar Minuten…"
„Halliday und Eckles sind gerade da unten mit Moody," sagte Lathe ihr und die Namen machten vielleicht für Alice Sinn, aber sicherlich nicht für Lily und James. „Er wird okay sein."
„Aber können wir nicht nachsehen?" flehte die Hexe wieder. „Wenn er nicht da ist, kannst du uns immer noch aus dem Aurorenflohnetzwerk rausflohen…"
„Oder ich flohe euch aus irgendeinem anderen Floh heraus, der nicht im selben Stock wie Egbert Dearborn und deshalb eine viel logischere Lösung ist."
„Bitte," bestand Alice auf ihrer Idee. „Ich würde mich nur wieder reinschleichen – ich habe es gerade schon gemacht."
„Genauso wie ich," stimmte James zu.
„Ich würde wahrscheinlich heimgehen und duschen," sagte Lily. James sah sie an. „Ich bin nur ehrlich."
Lathe seufzte. Er rieb seine Stirn. „In Ordnung," sagte er schließlich. „Aber wenn wir irgendjemanden begegnen, sagen wir, dass ich euch drei verhafte. Klar?"
„Klar," sagten sie im Chor.
„Oh!" erinnerte sich Alice und zog einen Zauberstab aus ihrer Tasche. Sie hielt ihn vor sich. „Gehört der irgendjemandem?"
„Das ist meiner!" sagte Lily und packte ihn. „Merlin sei Dank!"
„Du hast nicht meinen Hut gesehen, oder?" fragte James, aber Alice sagte ihm, dass sie das nicht hatte.
„Kommt mir," sagte Lathe. „Wir haben nicht den ganzen – äh – die ganze Nacht Zeit. Lauft vor mir, ja?"
Sie trafen niemanden im vierten Stock, aber als sie den Aufzug erreichten, stieg eine Hexe mit kurzem, hellen Haar aus. Sie kam James bekannt vor, aber es dauerte einen Moment, bevor er sie als die Hexe erkannte, die zu Beginn des letzten Jahres vor Lathe nach Hogwarts gekommen war.
Er suchte in seinem Gedächtnis nach ihrem Namen, aber bevor er ihn gefunden hatte, murmelte Lathe ihn mit offensichtlicher Abneigung zur Begrüßung: „Ms. Drake."
„Mr. Lathe," antwortete Drake kühl. Sie beäugte die drei vor ihm misstrauisch. „Was machen die hier?"
„Das sind diejenigen, nach denen Taft sucht," sagte Lathe, ruhig wie immer. Die Hexe, Drake, runzelte die Stirn.
„Das können sie nicht sein."
„Aber das sind sie."
„Es muss ein Fehler passiert sein. Mr. Falstaff hat gesagt, dass nur einer von ihnen…" Ihre Augen flackerten zu James und er erkannte plötzlich ihr Dilemma. Sie hatte ihn von ihren Befragungen zu Carlottas Unglück im Gemeinschaftsraum im September wiedererkannt. Sie wusste, wer er war und sie wusste, dass er kein ‚Tom Baker' war. „Die können das nicht sein," wiederholte sie steif.
„Sie," korrigierte Lathe.
„Was?"
„Das können ‚sie' nicht sein. Korrekterweise müssten Sie ‚sie' verwenden." Drake verstand ihn schließlich und begann wutentbrannt etwas zu sagen, aber Lathe unterbrach sie „Es tut mir leid, aber haben Sie hier etwas zu tun? Denn ich muss in den nächsten Aufzug… Verpflichtungen und so." Er lächelte sie charmant an und sie rümpfte beleidigt die Nase.
„Mr. Dearborn würde gerne mit ihnen sprechen," sagte sie. „In seinem Büro."
„Hat er das gesagt? Ich meine, hat er diesen Befehl gegeben?"
„Tja, er…"
„Denn Mr. Moody hat mir befohlen, sie zur Aurorabteilung zu bringen, also, außer ich habe den direkten Befehl dagegen…"
„Mr. Lathe, Sie erinnern sich sicher, dass ich nun Ihre Vorgesetzte bin…"
„Ich erinnere mich, dass Dearborn Sie vor zwei Tagen befördert hat. Aber ich bin Auror, Ms. Drake, und ich antworte dem Leiter der Auroren, außer unter besonderen Umständen. Wir gehören völlig anderen Befehlsketten an."
Sie konnte dem nicht widersprechen. „Dann begleite ich Sie."
„Absolut nicht," sagte Lathe. „Ich bin mir sicher, dass ich mit ein paar Teenagern klarkomme und schließlich haben Sie als Junior Vizeleiterin der A.M.S. sicherlich sehr wichtige Angelegenheiten, für die sie um acht Uhr am Abend im vierten Stock herumlaufen."
Drake blickte finster, aber nickte kurz. „Ich werde Mr. Dearborn Ihren Fund berichten, sobald ich hier fertig bin."
„Das wäre sehr freundlich und aufmerksam von Ihnen, Ms. Drake."
Mit einem letzten Blick zu der Gruppe ging Drake steif vorbei und Lathe führte sie alle drei in den Aufzug. Als die Türen geschlossen waren und sie begonnen, sich wieder nach unten zu Stock zwei zu bewegen, seufzte er.
„Tja, das ist ja schön. Jetzt bin ich mir nicht sicher, was wir tun werden."
„Was meinst du?" fragte Alice.
„Hoffentlich schaffen wir euch raus, bevor sie es zu Dearborn schafft," sagte Lathe.
„Aber wir wollen nicht gehen," argumentierte James.
„Tja, vielleicht kriegt ihr, was ihr wollt," antwortete der Auror locker. „Obwohl, ich muss nachfragen – was ist eure Meinung zu Zellen?"
„So mit Gitter und Schlüssel und Schlösser?" fragte Lily.
„Ja, genau."
„Allgemein negativ," sagte James.
„Dachte ich mir."
Sie erreichten den zweiten Stock, der jetzt deutlich belebter war, als er es zehn Minuten zuvor gewesen war, als sich Lily und James durch die Flure geschlichen hatten. Es war keiner zu sehen, als sie aus dem Aufzug stiegen, aber man konnte Stimmen und Bewegung aus einem Flur in der Nähe hören und der Flur war durchgängig beleuchtet.
„Wann seid ihr alle angekommen?" fragte Lily Lathe, und sprach damit James' innere Frage aus.
„Vor ein paar Minuten," antwortete er. „Wir sind ins Atrium gefloht. Eckles und Halliday sind allerdings runtergefahren um das Büro zu besetzen." Er führte sie zu den Aurorenbüros. „Tretet ein, tretet ein."
Das Aurorenbüro war nun hell durch magisches Licht erleuchtet und Lathe deutete sie alle an einzutreten, und sah sich schnell um, als er das tat. In dem Büro saßen eine Hexe und ein Zauberer an zwei der vielen Schreibtische. Die Hexe war in ihren Dreißigern, mit schulterlangen, glatten schwarzen Haaren und der Zauberer war älter, wahrscheinlich vierzig, mit einer Hakennase und einem rasierten Schädel.
„Tja, ich hab' sie," sagte Lathe, der sich auf einen Schreibtisch setzte, während die drei Jugendlichen verlegen daneben standen. Die Hexe mit den schwarzen Haaren stand auf.
„Du hast sie?" fragte sie überrascht. „Wie im Himmel hast du sie gefunden? Falstaff nimmt das ganze Gebäude auseinander."
„Er ist auf der Suche nach dem anderen," sagte Lathe.
„Oh nein, wir haben den." Sagte die Hexe.
„Ihr habt Frank?" fragte Alice laut. „Wo?"
„Da hinten," sagte der noch sitzende Zauberer. „Ich bin Eckles, übrigens," stellte er sich Lily und James vor. „Das ist Halliday."
„Da hinten?" wollte Alice wissen, bevor James oder Lily antworten konnten. „Warum ist er hinten?"
„Was ist hinten?" murmelte Lily zu James, aber James zuckte nur die Schultern.
„Dearborn kam vorbei und sah, dass wir ihn haben," sagte Eckles. „Anscheinend fand er es nicht professionell genug, dass ein Gefangener auf dem Sofa sitzt, also haben wir ihn in eine Zelle gepackt. Keine Sorge – Moody ist bei ihm."
James bemerkte das Möbelstück in der Ecke. „Warum habt ihr überhaupt ein Sofa hier?"
„Das ist die Frage, die du stellst?" murmelte Lily mit erhobenen Augenbrauen.
„Es ist ziemlich bequem," sagte Lathe locker. „Ich würde euch drauf sitzen lassen, aber anscheinend ist das nicht professionell. Was sollen wir dann mit euch tun? Drake hat uns gesehen," fügte er für Halliday und Eckles hinzu, „sie ist bestimmt gerade dabei, fies kichernd ihre Neuigkeiten an Dearborn weiterzugeben."
„Es wird ein bisschen dauern, bis das passieren kann," sagte Eckles. „Dearborn ist gerade wieder hochgegangen. Er wollte mit den Auroren sprechen. Sollte witzig werden."
„Wir könnten sie in die Zelle tun," schlug Halliday, die Hexe, in Bezug zu Lily, James und Alice vor. „Ich hab' gehört, so verhält man sich professionell."
„Kann ich bitte Frank sehen?" bat Alice.
„Gleich," sagte Lathe, „wir müssen zuerst entscheiden, was wir mit euch tun."
„Werdet ihr uns verhaften?" fragte James neugierig.
„Ich will das nicht besonders gerne," antwortete Lathe. „Jede Menge Papierkram. Aber ihr solltet euch in die Zelle setzen."
„Würde ich lieber nicht," sagte James. „Also ich meine, falls ihr es vermeiden könnt."
„Es wäre nicht so schlimm," sagte Halliday. „Und Dearborn kann euch so nicht kriegen."
James stellte sich kurz vor, wie Egbert Dearborn wie wild versucht, durch Gitterstäbe an ihn heranzukommen. Es war ein witziges Bild, aber trotzdem…
„Vielleicht solltet ihr nicht so reden, während die Tür auf ist?" schlug eine neue Stimme vor, als ein großer, schwarzer Zauberer das Büro betrat.
„Kingsley," grüßte Lathe ihn und Kingsley Shacklebolt schloss und verschloss die Tür hinter sich. Er legte einen Zauberstab und eine Tasche auf einen Schreibtisch in der Nähe.
„Lathe, Eckles, Halliday," antwortete Kingsley und nickte jedem von ihnen zu. Er blickt zu Alice, Lily und James. „Natürlich ist es Potter. Hallo Miss Evans, Griffiths."
„Hallo Kingsley," sagten Lily und Alice; und James nickte.
„Wie war Kent?" fragte Lathe.
„Da war nichts," sagte Kingsley. „Ein weiterer falscher Alarm - ein paar Kinder dachten, dass ein Muggelfeuerwerk das Mal sei…" Er brach ab, als ob er erkannte, dass er solche Dinge nicht jetzt besprechen sollte. „Ich habe deine Nachricht erhalten."
„Anscheinend. Warst du schon oben?"
„Im Atrium? Ja. Dearborn hat gerade seinen Tobsuchtsanfall beendet."
„Oh?"
Kingsley nickte. „Es war nicht sehr würdevoll."
„Kein Wunder, dass er bald seinen Job verliert," sagte Halliday.
„Toi toi toi," murmelte Lathe. Er drehte sich zu Lily, Alice und James wieder um. „Okay, ihr drei – ihr entscheidet. Entweder flohe ich euch hier raus, sage Dearborn, dass wir euch eine Strafzahlung für Einbruch aufgebrummt haben, ihr versprecht nicht wieder zurückzukommen und all das hier ist vorbei… oder ihr geht und setzt euch in eine Zelle, während wir so tun, als ob wir euch verhören, sodass es aussieht, als ob ihr verhaftet seid und Dearborn uns nicht alle feuert."
„Was passiert nach der Zelle?" wollte Alice wissen.
„Keine Ahnung. Moody muss sich den zweiten Teil des Plans einfallen lassen," sagte Lathe. „Es ist sowieso keine besonders gute Idee. Ich meine, für uns ist es viel einfacher, weil es bedeutet, dass wir uns nicht mit Drakes Jammern rumschlagen müssen, aber insgesamt, für euch, würde ich den ersten Plan empfehlen. Zellen sind nicht sehr bequem." Er schien nicht besonders besorgt darüber zu sein. „Also, was wird es?"
„Ich bleibe," sagte Alice.
Lily sah James an und James sah Lily an und er hatte sich bereits entschieden, aber er wusste nicht, ob sie das hatte. Nach einer Sekunde oder zwei seufzte Lily.
„Marlene ist oben," sagte sie, mehr zu sich selbst, als zu jemand anderem.
Das Hinterzimmer des Aurorenbüros war kleiner als der vordere Teil, und etwa zwei Drittel davon erstreckte sich in gigantischen Eisenzellen – übergroße Käfige eigentlich – vor denen ein breitschultriger Zauberer in schlammbraunen Umhängen saß. Sie hatte Bilder im Propheten gesehen, aber Lily hatte sich nie vorstellen können, dass Alastor Moody im echten Leben sogar noch beängstigender aussah.
Sein Haar war lang und leicht gräulich, sein Gesicht gealtert und ramponiert und das Funkeln in seinen Augen war scharf.
Als Alice, Lily, James und Lathe das Hinterzimmer betraten, redete er gerade mit Frank, der in der offenen Tür einer der Zellen stand, und mit eifriger Aufmerksamkeit dem zuhörte, was Moody zu sagen hatte. Frank trug einen schwarzen Hut. Bei Eintreten der anderen vier zuckte die zauberstabhaltende Hand von Moody, aber er blieb ruhig auf der Bank sitzen, die am weitesten von den Zellen entfernt war und sprach sie nicht direkt an.
„… Sie werden sich darum kümmern müssen," schloss der Auror gegenwärtig. „Jedenfalls sollte man sich darüber Gedanken machen." Moody drehte sich zu den Neuankömmlingen um und stand dabei auf. „Mr. Lathe. Mr. Potter. Miss Griffiths." Seine Augen drehten sich zu Lily und sie fühlte sich ziemlich klein. "Wer sind Sie?" bellte er halb.
"Lily Evans," sagte Lathe. "Sie ist von der Gruppe oben. Evans – das ist Alastor Moody."
„Seid ihr euch sicher, dass es Lily Evans ist?" fragte Moody.
„Ziemlich."
„Keine Hochstaplerin?"
„Natürlich ist das Lily," sagte James. „Ich war den ganzen Tag bei ihr."
„Aber wie soll ich wissen, dass du der echte Potter bist?" knurrte Moody.
„Du kennst mich, seit ich vier bin," antwortete James schulterzuckend. „Frag mich, was du willst."
Lily dachte, dass das eher ein rhetorischer Vorschlag war, aber der Auror nahm James' Angebot an. „Das erste Mal, dass ich dich getroffen habe, Potter, habe ich dir was gegeben. Was war es?"
„Schokolade," sagte James. „Buchstäblich die ekligste Schokolade, die ich je gegessen habe."
„Lehrt dich, nicht von jedem Süßigkeiten anzunehmen."
„Ich war vier und musste mich übergeben."
„Seine Mum war nicht glücklich," erinnerte sich Moody und einen Moment lang dachte Lily, dass er Witze machte. Dann verengten sich seine Augen bei ihrem Anblick und er sprach wieder mit James: „Teste Miss Evans, Potter. Ich kenne sie nicht, du musst es machen."
„Oh."
Lily verschränkte ihre Arme, während James verlegen mit einer Hand durch seine Haare fuhr. „Ich schätze, das kann ich…" (Frank und Alice sahen sich bedeutungsvoll an, was Lily absolut nicht interpretieren wollte). „Letztes Halloween," sagte James, sich an etwas erinnernd. „Was ist da passiert?"
Die Hexe dachte zurück; verschiedene Dinge waren passiert. Sie und James waren im Verteidigungsunterricht Partner gewesen, sie hatte Frank konfrontiert, dass er Alice die Wahrheit sagen müsste, sie war sich ziemlich sicher, dass es an diesem Tag geregnet hatte – aber abgesehen davon wusste Lily, über welchen Vorfall James sprach.
„Wir sind Freunde geworden," sagte sie lächelnd. „Potentielle."
Einen Moment lang entgegnete James ihr Lächeln und drehte sich dann nickend zu Moody um. „Nicht, dass es eine andere Möglichkeit gegeben hätte, da wir zusammen waren, seit wir aus dem Atrium raus sind, aber ja – es ist die echte Lily Evans."
Frank testete Alice mit ihrem Lieblingsliedtext und dann war Moody zufrieden.
„Tja, das hat Spaß gemacht," sagte Lathe. „Aber Dearborn wird bald da sein, also: an die Arbeit."
„Wenn ihr euch eine Zelle aussuchen könnt," begann Frank. „kann ich diese hier empfehlen. Viel bequemer."
James sah den vorherigen Schulsprecher mit erhobenen Augenbrauen an. „Ist das mein Hut?" fragte er und folgte Frank und Alice in den Käfig.
„Oh, ja. Ich habe ihn in Svilts Büro erkannt, also habe ich ihn genommen. Da sind drei Flaschen Veritaserum drin, hoffe, du hast nichts dagegen…"
Lily zögerte. „Mein Selbsterhaltungsinstinkt sagt mir, dass ich nicht einfach in eine Gefängniszelle laufen sollte," sagte sie den Auroren.
„Es ist für Ihr eigenes Wohl, Evans," sagte Moody grob.
Lathe lehnte sich mit verschränkten Armen an die Stäbe. „Mach dir keine Sorgen. Ich verhöre dich in Ungarisch, das wird spaßig."
Lily verdrehte ihre Augen, aber sie betrat die Zelle. Moody schloss die Tür hinter sich, er verschloss sie nicht und Lily schätzte, dass sie sich selbst verschließen musste.
„In Ordnung," sagte Lathe, und er schien jetzt ziemlich professionell. „Dearborn wird wissen wollen, was ihr hier tut. Am besten lasst ihr gar nicht durchsickern, dass ihr irgendwas wisst und, sehen wir den Tatsachen ins Gesicht, ihr seid eine Handvoll Teenager, er wird sich nicht anstrengen müssen, um das zu glauben."
Die Tür zu den Büros vorne öffnete sich und Halliday streckte ihren Kopf herein. „Dearborn ist auf seinem Weg nach unten," sagte sie, bevor sie sofort wieder verschwand.
„In Ordnung, Bursche," sagte Moody zu Lathe. „Jetzt schauen wir mal, ob du wirklich für den Job geschaffen bist."
„Drei Jahre hier haben mich noch nicht als fähig bewiesen?"
„Wir reden, wenn es dreißig Jahre sind."
„Aber dann bin ich alt."
„Aufpassen, Bursche."
Sie gingen und in dem Moment, in dem die Tür hinter ihnen zufiel, warf Alice ihre Arme um Franks Hals und küsste ihn.
Lily und James fühlten sich plötzlich ziemlich unbehaglich. Fast eine ganze Minute der Küsserei folgte, bevor sich James laut räusperte. Alice löste sich, aber nur leicht; ihre Stirn lehnte immer noch an Franks Schultern, Hände hinter seinem Kopf gefaltet.
„Ich habe dir gesagt, dass du nicht hier runtergehen sollst…"
„Du hättest mir nicht folgen sollen…"
„…falls dir etwas zustößt…"
„…viel zu gefährlich…"
„… was für ein Glück, dass Moody dich gefunden hat…"
„… dich hier so rumzuschleichen…"
„…komplett wahnsinnig…"
„…nur Merlin weiß, was hätte passieren können…"
„…verdammt verrückt…"
„… was hast du dir dabei gedacht?"
„… ist das ein blauer Fleck, Francis Longbottom?"
James räusperte sich wieder und dieses Mal sah Frank zu ihm hoch und Alice blickte über ihre Schulter.
„Was, Longbottom?" fragte der Rumtreiber trocken. „Kein Kuss für mich?"
Alice verdrehte ihre Augen, aber sie stellte sich neben ihren Freund, jetzt mit dem Arm um seine Hüfte, mit seinem Arm um ihre Schultern.
„Und?" sagte Lily. „Es scheint, also ob wir hier ein paar Geschichten austauschen sollten."
Frank gab zumindest zu, dass das stimmte. „Ich habe überhört, dass Svilt und einer der anderen sagten, dass sie eine A.T. in der Winkelgasse losgelassen hatten; sie hatten erwähnt, dass noch andere bei Falstaff waren, aber ich wusste nicht, dass es ihr zwei seid…" Er sah James und Lily an. „Wie habt ihr euch befreit?"
„Evans hat eine Tür aus den Angeln genommen," sagte James mit einem Anzeichen von Stolz. „Wir wollten dich finden kommen, aber dann haben wir Alice in Svilts Büro gefunden…"
„Ich habe mich mit einem anderen Flohnetzwerk reingeschlichen," sagte Alice. „Aber das Aurorenbüro war da noch leer."
„Hast du dann Moody kontaktiert?" fragte Lily Frank. Er schüttelte seinen Kopf. „Aber wer hat es dann getan? Außer es war Sirius…"
„Warum würde es Sirius sein?" wollte Alice wissen.
„Wir haben ihn vielleicht kontaktiert," sagte James. „Lange Geschichte; wir sind uns nicht sicher, ob er die Nachricht bekommen hat."
„Warte… wie konntest du die Nachricht wissen?" fragte Frank.
James sah verlegen aus.
„Ich hab es ihm gesagt," sagte Alice ihre Augen verdrehend. „Sei kein Idiot, James. Es ist keine große Sache."
„Was ist keine große Sache?"
„Sie hatten eine Affäre," sagte Lily.
„Danke, Keks."
„Ich bin wirklich verwirrt…"
„Falstaff denkt, dass sie daten."
„Willst du vielleicht jetzt schon gehen, Evans?"
Alice verdrehte wieder ihre Augen. Sie sah Frank an und sagte einfach: „Ich habe James geküsst, damit ich Zeit habe, ihm die Nachricht zu sagen, die er Moody geben soll, gerade als ich weggeführt werden sollte. Lily ist nur frech."
Lily grinste über die Bemerkung und Frank schien ungestört. „Also unter dem Strich – muss ich jemanden schlagen?"
„Nein, ich glaube nicht."
„Siehst du?" sagte James zu Lily. „Du lachst, aber ich bin derjenige, der geschlagen wird."
„Oh, ernsthaft, James…"
Die Tür öffnete sich und sie verstummten alle. Frank und Alice hatten sich voneinander getrennt, bevor der Neuankömmling ganz sichtbar war.
Es war ein Zauberer und er trat ein, flankiert von Moody und Halliday; er trug geschneiderte, dunkelgraue Umhänge mit einem hohen Kragen, der bis zur Kehle zugeknöpft war. Er hat eisengrauen Haar und Augen und ein langes, dünnes Gesicht, das zu seinem schmalen Körperbau passt. Der Zauberer – Egbert Dearborn – sah jeden einzelnen der vier Hexen und Zauberer in der Zelle an und er runzelte die Stirn, als er einen in ihrer Gruppe erblickte.
„James," murmelte er besorgt, in einem Ton, als ob er sich übergeben müsste; seine Stimme passte überhaupt nicht zu seinem Erscheinen. Jeder sah ebenfalls James an. „Lieber Junge, es hat offensichtlich einen Fehler gegeben."
„Kein Fehler, Cousin," antwortete James, fast süßlich.
„Natürlich," sagte Dearborn, jetzt in einem moderateren Ton – er gurrte jetzt fast: „Ich lasse dich sofort nach Hause bringen. Gracie muss sich solche Sorgen machen."
„Wunderbar!" sagte James fröhlich. „Die anderen mündigen Hexen und Zauberer hier werden auch nach Hause zu ihren Mums gebracht, oder?"
Dearborn zögerte. „James, du verstehst, dass es gewisse Regeln gibt…"
„Dieselben Regeln gelten für uns alle, ja?"
„Das ist anders, mein Junge. Für dich kann ich bürgen."
„Ich bin mir sicher, dass es jemanden gibt, der für die anderen bürgen kann."
„Natürlich," sagte Dearborn warm. „Frank und Alice haben jedes Recht hier zu sein…" Lily schätzte bei den überraschten Blicken der beiden, dass sie keine Ahnung hatten, dass Dearborn ihre Namen wusste.
„Und Lily?" fragte James.
„Mein lieber Cousin… ich weiß nichts über deine Freundin Miss Evans."
James lehnte sich näher und flüsterte ihr zu, „Fängst du an, mich zu verstehen, Deslauriers?"
„Halt die Klappe, Baker."
„Ich gehe nicht ohne sie," sagte James in einem, wie er fand, vernünftigen Ton.
„James, es ist keine Frage, was du willst… Miss Holiday, bitte…"
Halliday zog bei dem falschen Namen eine Grimasse, aber begann zur Zelle zu laufen.
„Ich schleiche mich nur zurück, wenn ihr mich nach Hause bringt," sagte James schnell. „Und dann müsst ihr mich wieder einsperren."
„Mr. Dearborn," meldete sich Moody zu Wort. „Ich würde empfehlen, die Kids für eine Nacht sitzen zu lassen. Ihnen eine Lektion zu erteilen."
„Aber sie wollen eingesperrt bleiben," zischte Dearborn.
„Sie haben noch nicht versucht, auf dieser Bank bequem zu schlafen," bemerkte Halliday.
Dearborn dachte für einen langen Moment lang nach. Als er schließlich zu einem Ende kam, faltete er seine Hände hinter seinem Rücken und hob sein Kinn, wieder zu Halliday sprechend: „Miss Holiday, bringen Sie Miss Evans in mein Büro. Ich wünsche, mit ihr zu sprechen." James öffnete seinen Mund um zu protestieren. „…Im Fall, dass Sie nichts dagegen haben, Miss Evans."
Lily wusste nicht, was sie sagen sollte. Es gab nicht besonders viele Optionen und so schüttelte sie ihren Kopf. „Ich habe nichts dagegen."
Halliday öffnete die Tür der Zelle.
„Evans…"
„Ich werde schon klarkommen, James," sagte sie ihm. „Und wenn nicht, gebe ich dir die Schuld."
„Mir die Schuld?"
„Mmm, dafür, dass du mich überhaupt hier hingebracht hast." Sie zwinkerte und ging mit Halliday und Dearborn raus in die Aurorenbüros.
„Mr. Moody," sagte Alice scharf, bevor er auch ging.
„Ich weiß, ich weiß," antwortete er. „Ich behalte ein Auge auf sie."
Dann schloss sich die Tür und die drei waren wieder allein. Frank und Alice rückten wieder näher zusammen.
„Dearborn würde sie nicht verletzen oder so," sagte Frank zuversichtlich. Alice sah ihn an.
„Was macht dich so sicher?"
„Er ist nicht mutig genug."
Alice schien skeptisch, aber James, dessen Rücken ihnen zugewandt war, während er sich gegen das Vordere des Käfigs lehnte, nickte und sagte: „Er hat Recht. Dearborn würde das nicht tun. Vor allem nicht, wenn er denkt, dass sie Verbindungen hat."
„Warum würde er das denken?" fragte Alice.
„Weil sie mit uns drei hier drin ist."
(Der Ideologe)
Dearborns Büro war deutlich anders als Falstaffs. Der Raum war größer, der Schreibtisch eindrucksvoller, der Stuhl gemütlicher, alles viel ordentlicher und die Wände bestückt mit vielen, vielen Büchern. Ein eleganter Kerzenhalter stand neben dem Fenster, das die falsche Nacht zeigte und in einer Ecke stand da ein eckiges, holzumrahmtes Sofa, das etwa so bequem aussah wie der Boden in der Zelle.
Lily war auf ihrem Weg dorthin nicht gefesselt, aber ging neben Halliday, dicht gefolgt von Dearborn. Als sie eintraten, wurde Halliday gesagt, dass sie zu ihren „Pflichten" zurückkehren sollte und Dearborn schloss die Tür hinter ihnen. Er zog seinen Zauberstab und schwang ihn zwei Mal und ein Stuhl aus der Ecke des Raumes sprang nach vorne vor seinen Tisch. Dearborn bot ihn Lily an und setzte sich dann selbst hinter den Schreibtisch. Sie sprachen nicht sofort, aber es war der Zauberer, der die Stille brach.
„Ihr Name ist Lily Evans," sagte er. „Sie sind muggelstämmig."
Lily nickte, weil sie es jetzt kaum leugnen konnte. Sie wusste nicht, wie er es erfahren hatte, aber es war kaum überraschend, dass er das hatte.
„Sie sind Hogwartsschülerin wie James."
Lily nickte wieder.
„Was wollen Sie?"
Das überraschte sie. Sie war sich nicht sicher, was er meinte, und so sagte sie ihm unsicher: „James, Alice und ich sind Frank gefolgt…"
Dearborn ignorierte dies. „Was wollen Sie von mir?" fragte er und es war so seltsam – er flehte sie fast an. Vielleicht war es die späte Stunde, aber er schien plötzlich erschöpft. Die Linien um seine Augen wurden stärker und sein Stirnrunzeln schien verzweifelter.
„Kann ich mir was wünschen?" fragte Lily irritiert.
Dearborn ignorierte wieder ihre Nachfrage. Er stand vom Tisch auf und begann auf und ab zu laufen. „Ihresgleichen wird – wird gnädig die Magie ermöglicht, Sie bekommen einen Zauberstab… die Undankbarkeit… die Respektlosigkeit für uns – für Reinblüter…"
Seine Stimme zitterte; Lily begann zu verstehen, was er wirklich damit bezweckte, sie in sein Büro zu bringen.
„… Die Dreistigkeit und die… Arroganz ist – un-vorstellbar. Dass Sie es wagen können, in diese Institution zu treten… ich habe niemals etwas getan, was nicht im besten Interesse der Magischen Gemeinschaft war, und dass Sie, angezogen wie normale Muggel, es wagen sollten, zu kritisieren…"
Sie war auch noch fast gewillt gewesen, ihm gegenüber Mitleid zu fühlen, als sie ins Büro getreten war…
„Und nach all dem, dieser Krieg, die Todesser – die Zauberer, die wegen Ihnen getötet wurden…"
Er war am Schwafeln, sprach gar nicht wirklich zu Lily. Und wie könnte er auch? Dearborn kannte sie überhaupt gar nicht…
„Ich würde gerne zurück zur Zelle, Mr. Dearborn," unterbrach Lily weich. Er erschrak über ihre Stimme.
„Ich hätte gerne eine Antwort," antwortete Dearborn nach einem Moment kalt.
Lily zögerte. Sie sah dem Zauberer mehrere Sekunden lang in die Augen, bevor sie antwortete. „Sie haben mir nicht die Magie ermöglicht, Mr. Dearborn. Meine gewöhnliche Muggelmutter und –vater haben das siebzehn Jahre, bevor Sie überhaupt von mir gehört haben, getan. Und Sie haben mir keinen Zauberstab gegeben: Ich habe ihn in Mr. Ollivanders Laden gekauft, wie jede andere Hexe und jeder andere Zauberer in meinem Alter auch. Ich habe nichts von Ihnen genommen, Sir, und ich will auch nichts."
(Carlotta in der Zelle)
Lily war noch keine zehn Minuten weg, als Moody wieder in das Hinterzimmer trat und Frank um ein Gespräch bat. Er öffnete die vergitterte Tür zur Zelle und Frank folgte ihm in das Aurorenbüro; Alice und James blieben zurück. Der Letztere setzte sich auf die einsame Bank in der Zelle – ein kurzes, eisernes Ding, aber es erlaubte ihm, relativ bequem mit seinem Rücken zur Wand zu sitzen.
„Und wie geht es dir so?" fragte Alice gegenwärtig, als sie sich zu James auf der Bank setzte.
„Oh, ich schätze ganz gut, in Anbetracht unserer aktuellen Lage." Er zog seinen Hut aus und warf ihn locker mit einer Hand hoch. „Wie geht es dir?"
Alice zuckte mit den Achseln.
„Wie ist das Aurorentraining so?"
Dieses Mal lächelte die Hexe. „Es ist tatsächlich großartig. Ich habe nicht erwartet, dass es ist, wie es ist, aber – es ist… es ist fantastisch." Sie sah ihn an. „Du solltest darüber nachdenken."
James schüttelte den Kopf, seine Augen auf seinen Hut fixiert. „Nein, danke."
„Warum nicht?"
„Ich weiß nicht. Bloß nichts, was mich interessiert."
„Was willst du dann tun?" fragte Alice. „Quidditch spielen?"
„Jap."
„Oh."
„Du wolltest einen Witz machen, oder?"
„Nein…"
„Ich bin gut genug, weißt du."
„Das weiß ich."
„Ich wette, ich könnte spielen, wenn ich es wollte."
„Ziemlich sicher."
James neigte seinen Kopf zur Seite. „Dann was?"
„Nichts…"
„Du denkst nicht, dass ich Quidditch spielen sollte," beharrte der Zauberer. „Ich sehe das."
„Nein, das ist es nicht," antwortete Alice. „Du – du solltest das tun, von dem du denkst, das es dich am glücklichsten macht."
„Was Quidditch ist," sagte James fest. Alice nickte.
„In Ordnung dann."
Und sie waren beide für fast eine Minute still, während James über das nachgrübelte, was sie gerade gesagt hatte. Was er dachte, was ihn am glücklichsten machte…
„Ich date Carlotta," sagte er plötzlich.
Alice' Augen wurden groß, sie drehte sich um um ihn anzusehen. „Du – du datest sie? Du meinst – du schläfst mit ihr?"
„Ich meine… ich bin mit ihr zusammen." Er prüfte Alice Reaktion genau. Sie schien es alles zu verarbeiten. Mehrere Emotionen waren in ihrem Gesicht zu sehen, bevor sie sprach und als sie es tat, lächelte sie.
„Weißt du, woher ich weiß, dass ich komplett über das Frank-und-Carlotta-Debakel von '75 hinweg bin?" fragte sie weich. „Weil das das erste Mal war, dass jemand Carlottas Namen vor mir gesagt hat, seit es passiert ist, und ich nicht instinktiv ‚diese Hure' gedacht habe." James grinste und schüttelte seinen Kopf und Alice wurde etwas nachdenklicher. „Wie ist das jetzt passiert?"
„Oh – wir… ähm… wir sind irgendwie… zusammen gekommen… erst vor ein paar Wochen…"
Alice sah ihn wissend an. „Letzten Sommer war Frank über die Ferien in eurem Haus im West Country…"
„Richtig."
„Es war da…?"
„Ja."
„Stilvoll."
„Alice…"
Alice wedelte ihn weg. „Ich hab' dir gesagt, es macht mir nichts aus. Ich denke bloß… warte eine Minute - weiß sie es?" Es war kaum eine Frage, von wem sie sprach. Trotzdem…
„Carlotta? Ja, ich schätze, sie hat es bemerkt."
„Du weißt, wen ich meine, James. Weiß Lily es?" James antwortete nicht, aber er ließ seinen Kopf ein wenig hängen und Alice verstand. „Wie kann sie es nicht wissen?"
„Ich habe sie erst gestern wiedergesehen und es kam noch nicht zur Sprache…"
„Du solltest es ihr sagen…"
„Warum sagen das alle?"
„Weil du es tun solltest."
„Aber warum?"
„Weil sie verletzt wird, wenn du es nicht tust."
James sah sie wieder an. „Wie meinst du das?"
„Ich kann es nicht besser erklären," sagte Alice schulterzuckend. „Aber sie wird verletzt sein, wenn du es ihr nicht persönlich sagst."
„Aber warum?" wiederholte James.
„Tja, warum nicht?"
Da hatte sie einen Punkt. „Weil… Lily Carlotta nicht mag. Es wäre unangenehm."
Alice hob skeptisch ihre Augenbrauen. „Mit einem Teelöffel Anstrengung mag Lily jeden. Und bist du dir sicher, dass das der Grund ist?"
„Was soll das bedeuten?"
„Nur, dass ich nicht sicher bin, dass du willst, dass Lily Carlotta mag."
„Das ist ziemlich fies."
Alice zuckte ihre Schultern. „Gegen dich sprechen Beweise aus sechs Jahren, Potter, und du hast ein paar verrückte Dinge getan, damit diese Hexe auf dich aufmerksam wird…"
James sah tatsächlich beleidigt aus. „Du denkst, dass ich mit Carlotta zusammen bin um Lily eifersüchtig zu machen?"
„Tja, es scheint ziemlich fies, wenn du es so formulierst…"
„Das ist nicht mein Plan."
„Warum bist du dann mit ihr zusammen?"
James verschränkte trotzig seine Arme. „Kannst du dir absolut gar keinen Grund vorstellen, warum jemand Carlotta Meloni daten würde, außer um ein anderes Mädchen eifersüchtig zu machen?"
„Natürlich kann ich das. Aber nicht bei dir."
„Warum nicht bei mir?"
„Weil du in Lily Evans verliebt warst, seit du elf Jahre alt bist," sagte Alice. „Oh, ja, ich hab' das laut ausgesprochen; ich habe keine Angst vor dir. Guck nicht so geschockt."
James lehnte sich zurück an die Wand, ungeduldig ausatmend. „Ich bin nicht mehr in sie verliebt."
Alice schnaubte.
„Vorsicht, Griffiths."
„Dann sag ihr das mit Carlotta."
„Werde ich, ich muss nur…"
„James."
„Na gut."
„Heute."
„Werde ich."
„Gut. Weil ich es nicht für dich tun werde."
James hob seine Augenbrauen. „Wie meinst du das?"
„Oh, denk nicht, dass du subtil bist, Potter," lachte Alice leise. „Ich weiß genau, dass du es mir deshalb gesagt hast… in der Hoffnung, dass ich es still und leise Lily weitersage. Mädchen tratschen nicht alle, weißt du."
„Und Typen sind nicht alle Angsthasen," entgegnete James. „Das war nicht mein Plan. Ich – weiß bloß nicht… ich dachte, du würdest dich vielleicht dafür interessieren. Wegen Frank."
„Oh, das ist mir völlig egal," sagte Alice.
„Komplett egal?"
Sie zuckte die Achseln. „Frank kümmert sich nicht mehr um Carlotta als um irgendjemand anderen."
Es war eine sehr unhöfliche Frage und doch konnte James sich irgendwie nicht zurückhalten, da ihn die Selbstsicherheit, mit der sie dies verkündet hatte, interessierte: „Bist du dir sicher?"
„Mhm."
Er dachte zurück an die Unterhaltung, die er vor ein paar Monaten mit einem sehr betrunkenen Frank auf dem Astronomieturm gehabt hatte. Es amüsierte ihn daran zu denken, dass die Carlotta, über die sie in der Unterhaltung gesprochen hatten, jetzt die Person war, die er seine Freundin nannte. „Ich denke, du könntest da Recht haben."
Alice grinste. „Warum sagst du das?"
„Ich habe einmal einen perfekten Rausch darauf verschwendet, ihm zuzuhören, wie er diese Auffassung vertritt."
„Wirklich? Das muss eine interessante Geschichte sein."
„Sehr interessant. Du hast zu der Zeit mit meinem besten Freund geflirtet."
Die Hexe lachte tatsächlich darüber. „Es war ein sehr seltsames Jahr, oder?"
James neigte dazu, dem zuzustimmen.
„Du erzählst Lily von Carlotta, oder, Potter?"
„J-ja."
„Gut."
„Obwohl ich immer noch nicht verstehe, was das für einen Unterschied macht."
„Du musst mir einfach vertrauen," sagte Alice.
Lathe war anscheinend gerufen worden um Lily aus Dearborns Büro abzuholen, da er es war, der sie zurück in die Zelle geleitete, und ihm folgte Frank. Lilys Gesicht schien bleicher, ernster, als sie zurückkehrte und James und Alice standen von der Bank auf, als Lathe sie wieder in die Zelle ließ.
„Was wollte er?" fragte Alice. „Bist du okay?"
Lily nickte kurz. „Oh, mir geht es okay. Dearborn könnte etwas Schlaf gebrauchen. Er schien ein wenig… erschöpft."
„Was hat er gesagt?" wollte James misstrauisch wissen.
Die Hexe zuckte mit den Schultern, ihre Gefühle mit der unschuldigen Geste überspielend. „Nicht viel. Er wollte bloß wissen, was ich will."
„Was du willst?" wiederholten James und Alice, aber sie konnten sie nicht weiter verhören, weil Lathe sie unterbrach.
„Okay, hört zu," begann der Auror müde, „Dearborn will, dass wir dich nach Hause bringen," (Das zu James) „Er möchte euch zwei ‚zum Tee' einladen…" er zeigte auf Frank und Alice, „und du sollst in der Zelle bleiben." Die letzte war natürlich Lily.
„Ich glaube nicht," sagte James kalt.
„Moody schaut, was er tun kann," stimmte Lathe zu. „Ich würde mir an eurer Stelle nicht zu viele Sorgen um euch selbst machen… es sind eure Freunde, um die ihr euch sorgen müsst."
„Wie meinst du das?"
„Als Dearborn hoch zum Atrium ist, hat er den Auftragszauberern befohlen, alle zu verhaften," sagte Frank seufzend.
„Aber sie konnten sie nicht bewegen," sagte Lathe. „Verhextes Netz, schätze ich und Dearborn war fuchsteufelswild."
„Was denkst du, wird er tun?" wollte Lily wissen.
„Ihr solltet mit Vance sprechen," sagte James. „Oder Tilda Figg."
„Sie würden nicht Dorcas oder Sam oder Em zurücklassen…" sagte Frank wissend. „Selbst, wenn sie in Gefahr wären. Ich habe Moody gesagt, dass ich sie nicht besser als irgendjemand anderes überzeugen könnte."
Sie dachten alle über diese traurige Tatsache nach. Plötzlich lachte Lathe leise vor sich hin.
„Ich sehe nicht, was hier lustig ist," grummelte Alice.
„Nichts wirklich," gab der Zauberer zu, er lehnte gegen die äußeren Gitterstäbe. „Nur kann ich mir vorstellen, wie Dearborn da unten im Atrium ausgesehen habe musste. Freeman… sie arbeitet für die Abteilung – sie war da. Sie sagte, Dearborn war quasi hysterisch, seine Arme wedelnd und all das…"
„Ich wette, diese Journalistin hatte den besten Tag ihres Lebens," sagte Lily, die sich an die blonde Hexe erinnerte, die sich in das Phönixnetz mit den anderen geschlichen hatte. „Wenn sie es schafft, es zu veröffentlichen, zumindest…"
„Welche Journalistin?" fragte Lathe.
„Da oben ist eine Hexe vom Tagespropheten," erklärte Lily. „Sie ist mit den anderen im Atrium angebunden."
Es folgte ein Moment der Stille und dann runzelte Lathe nachdenklich seine Stirn. „Ich habe vielleicht wirklich eine Idee," sagte er. „Wartet einen Moment hier."
„Wohin sollten wir gehen?" antwortete James, seine Augen verdrehend, als Lathe wieder einmal das Hinterzimmer verließ.
Er kehrte nicht zurück.
Minuten vergingen. Frank und Alice setzten sich auf die Bank, Alice ließ ihren Kopf auf die Schulter ihres Freundes fallen; sie hielten Händchen und sagten nichts. James setzte sich in der Zwischenzeit auf den Boden in der Nähe der Tür, wo sich Lily ihm anschloss.
„Also, was ist bei Dearborn passiert?" fragte James.
Lily gestikulierte vage. „Nicht viel, wirklich."
James runzelte verwirrt die Stirn. „Ich verstehe nicht – was bedeutet das?"
„Während meiner Zeit in dem Büro des erwähnten Zauberers sind nicht viele interessante Ereignisse geschehen," sagte Lily trocken.
„Witzig."
„Ich versuche es."
„Tja, was hat er zu dir gesagt? Und wag es bloß nicht mit der Schulter zu zucken…"
Lily verzog das Gesicht. „Er hat bloß – er hat bloß mit mir über Ideologie gesprochen. Es war nicht besonders interessant."
„War er – war er unfreundlich?"
„Witzige Frage."
„Du weißt, was ich meine." Lilys Stille zu dem Thema ließ jedoch Raum für breite Interpretation. „Hat er – hat er dich ein…. Du weißt schon… genannt?"
„James…" Lily seufzte.
„Das hat er, oder! Dieses Arschloch…"
„Er ist dein Cousin…"
„Kaum," sagte James, der das mit einer unbesorgten Hand wegwischte. „Er ist der Leiter der A.M.S. – er darf solche Sprache nicht verwenden, vor allem nicht gegenüber irgendwelchen siebzehnjährigen Hexen!"
Die Farbe kehrte in Lilys Gesicht zurück und obwohl sie hauptsächlich über James' Wut amüsiert war, war er zumindest froh, das zu sehen. Trotzdem hielt seine Schimpftirade gute fünf Minuten an, bevor Lily ihn anflehte, das Thema zu wechseln. Eine Weile spekulierten sie – eher angespannt – was gerade woanders im Ministerium vor sich ging und Lily versuchte wieder einmal das Geheimnis zu knacken, wie Lathe und die Auroren hergerufen worden waren.
„Erinner' mich, das nächste Mal zu fragen, wenn sie hier sind, ja?" fragte sie, verärgert, dass sie es wieder vergessen hatte.
Minuten vergingen, die Unterhaltung stockte. Frank und Alice auf der anderen Seite der Zelle hatten begonnen, flüsternd miteinander zu sprechen und James wusste, dass die Gelegenheit gekommen war.
„Keks," begann er, als sie beide für ein paar Minuten still gewesen waren.
„Hmm?"
„Da ist was – über das ich mit dir sprechen wollte…"
Lily sah ihn an. „Du bist nicht sauer, wegen der ganzen Schulsprecher-Sache, oder?" fragte sie sarkastisch. „Ich habe mich schon entschuldigt und…"
„Nein, das ist es nicht," unterbrach James sie und in seinem Lachen war etwas Nervöses, was Lilys Interesse erregte. „Nein, es ist…"
Halliday betrat jedoch in diesem Moment das Büro und lenkte die Aufmerksamkeit aller auf sich.
„Longbottom, Griffiths," begann sie, die Zellentür aufsperrend. „Dearborn will mit euch sprechen."
Frank und Alice tauschten nervöse Blicke aus, nickten aber und standen auf, Halliday in das Büro folgend. James und Lily waren nun allein.
„Was denkst du, will er ihnen sagen?" fragte Lily. „Sie werden nicht aus dem Aurorentraining geworfen, oder?"
„Keine Ahnung," gab James trübselig zu.
Lily seufzte tief. „Ich schätze, dass du auch bald dran bist."
„Nicht, wenn ich da ein Wörtchen mitzureden habe."
„James, wenn sie dich holen kommen… mach nichts Dummes."
„Dummes? Ich?" Er schien etwas beleidigt. „Wann habe ich je etwas Dummes getan?"
„Fällt dir da nichts ein, Tom Baker? Interessante Namenswahl, übrigens…"
„Das erste, was in meinem Kopf aufgeploppt ist."
„Der Punkt steht immer noch, Potter. Bitte mach nichts Dummes… vor allem nicht wegen mir. Geh heim und schlaf ein bisschen. Ich werde klarkommen."
„Das kannst du einfach nicht wissen."
„Tja, ich kann sicherlich nicht schlimmer dran sein, als wenn ich es wäre, wenn du dir Pläne einfallen lässt."
„Du machst über etwas Witze, was sehr ernst ist," rügte James sie, aber Lily lächelte nur.
„Das sagt der Richtige." Sie waren eine Weile still, und dann erinnerte Lily ihre Unterhaltung vor Hallidays Unterbrechung. „Sorry, du warst gerade dabei, etwas zu sagen…"
„Was zu sagen?"
„Du hast gesagt, du wolltest etwas besprechen? Bevor Frank und Alice gegangen sind…"
„Oh. Richtig." Verlegen nickte James. „Etwas, ja. Ich wollte mit dir über… etwas sprechen…"
Das Schicksal hatte jedoch andere Pläne.
Die Tür zu den Büros schwang wieder auf, mit einem Rumms gegen die Wand dahinter schlagend und – nicht einen anderen Auror – sondern Sirius Black hereinlassend.
„Padfoot?"
„Sirius?"
Die zwei in der Zelle standen auf, während Sirius ziemlich locker hereinstiefelte und beim Anblick der beiden grinste. „Oh, fantastisch, euch geht es beiden gut. Ich habe ihnen fast nicht geglaubt, wisst ihr."
„Was machst du hier?" fragte Lily, aber Sirius antwortete nicht, da ihm nun Auror Eckles folgte, dem wiederrum mehr Hexen und Zauberer folgten. Remus, Peter, Sam Dearborn, Dorcas Meadowes, Emmeline und Viktor Vance, Marlene – herein marschierten sie und noch mehr, die Lily nicht kannte, aber vom Atrium wiedererkannte.
Sie waren fast dreißig, als die Prozession endete, die letzten Ankömmlinge waren Moody und Lathe. Jeder war laut am Reden und der Platz außerhalb der Zellen war eng bepackt mit Körpern. Sirius und die Rumtreiber – da sie die ersten waren, die hereingekommen waren – waren gegen die Stäbe gepresst.
„Was passiert hier gerade, Padfoot?" fragte James laut.
„Ey, Kumpel – es ist ziemlich brillant… warte aber eine Minute…"
Lathe schob sich durch die dichte Menge an Leuten, nahm dabei seine Schlüssel aus der Tasche und sperrte die zweite, bisher leere Zelle auf.
„Die Hälfte hier rein!" rief Moody laut und die, die vorne waren – unter anderen die drei Rumtreiber – schoben sich kooperativ herein.
„Ey, Padfoot!" beschwerte sich James augenverdrehend, „das ist die falsche! Hier…"
Als Moody das Tor zur ersten Zelle aufschloss, schaffte es James, sich herauszuquetschen und in die andere reinzuquetschen, bevor Lathe sie wieder verschlossen hatte. Lily fühlte sich ziemlich ausgeschlossen, bis Marlene und Sam in dem Teil der Gruppe waren, die ihre Zelle betrat.
„Okay, was passiert hier gerade?" fragte sie sie, als alle anderen dafür, dass sie gerade eingesperrt wurden, ziemlich fröhlich plauderten.
„Oh mein Merlin, du hättest Dearborn sehen sollen!" sagte Marlene ihr strahlend. „Mir war das richtig peinlich für ihn!"
„Was ist passiert?" fragte Lily beharrlich nach, ihre Ungeduld gewaltsam unterdrückend.
„Egbert kam hoch zum Atrium um die Auroren dazu zu bringen, uns zu verhaften," begann Sam. „Das war… was… vor einer halben Stunde? Vor zwanzig Minuten? Aber die Auroren meinten, dass sie die Autorisierung durch Alastor Moody bräuchten…"
„Also hat er – also, Dearborn – angefangen, sie anzuschreien und dann hat er angefangen, uns anzuschreien," fuhr Marlene fort, „Und ich war direkt neben dieser Journalistenhexe – Rita So-und-so, die all die Fragen gestellt hat - oh-nein, das hast du auch verpasst. Lange Geschichte. Der Punkt ist, dass ich noch nie jemanden so aufgeregt gesehen habe. Sie war wie eine Fünfjährige an Weihnachten… oder Donna, wenn sie eine Eins für ihre Hausaufgaben bekommt…"
„Also, etwa eine Viertelstunde später," fuhr Sam fort, „ist Eg weg, aber Moody und Lathe kommen hoch und wollen mit den Vances sprechen…"
„Und wir standen genau da, sonst hätten wir nichts gehört…"
„Black hatte wohlgemerkt fast eine Panikattacke, also hat er sichergestellt, dass er genau hinhört für den Fall, dass er etwas über dich oder James hört…"
„Also, dieser Moody Typ hat Viktor und Emmeline gesagt, dass sie im Grunde zwei Optionen haben: die ganze Nacht im Atrium sitzen oder ein paar von ihnen für die Nacht hier einsperren lassen. Viktor meinte natürlich, dass es ihm nichts ausmacht, im Atrium zu sitzen…"
„Aber Moody bemerkte, dass wenn ein paar von ihnen im Atrium blieben, müssten alle bleiben. Inklusive der Propheten-Journalistin, die viel lieber die Deadline für die morgendliche Ausgabe schaffen würde."
Lily begann zu verstehen. „Oh nein…"
„Jap," sagte Sam stolz. „Gid und Fabian waren endlich überzeugt, das Netz zu entfernen, Lathe hat die Freiwilligen, die hier unten bleiben, mitgenommen… es aussehen lassen, als ob wir nicht kommen wollen, natürlich, und dann wurden wir hier runtergebracht und die anderen, unter anderem die Hexe vom Tagespropheten, wurden vom Gelände ‚geführt',."
„Dein Bruder wird wie ein Idiot aussehen, wenn sie diese Geschichte schreibt," bemerkte Lily. Sam zuckte die Schultern.
„Na und? Er ist ein Idiot und es ist nicht so, als ob er den Job braucht – dass er ohne ihn bankrott geht oder so."
„Tja, da ist zumindest das."
Marlene hob überrascht ihre Augenbrauen. „Willst du nicht, dass er gefeuert wird, Lily? Wenn Dearborn seinen Willen durchsetzen könnte, wären wir von vorne rein nicht zu Hogwarts zugelassen worden."
„Wenn er seinen Willen durchsetzen könnte, dürften sich Reinblüter überhaupt nicht mit euch abgeben," stimmte Sam zu.
„Das ist es eben, schätze ich," überlegte Lily. „Er glaubt da wirklich und ehrlich dran. Es ist fast – herzzerreißend. Natürlich will ich nicht, dass er der permanente Leiter der A.M.S. wird oder dass seine Bevölkerungsschutz-Verordnung durchkommt, aber ich- ich kann immer noch Mitleid mit ihm haben, oder?"
„Du bist verrückt," sagte Sam leicht. „Eg geht's gut. Jetzt – denkt ihr, dass sie uns rauslassen, um zur Toilette zu gehen? Ich war seit heute Nachmittag nicht mehr, wisst ihr…"
„Ich gehe nicht," sagte James dickköpfig zu Lathe, denn nun, da er von Sirius, Remus und Peter umgeben war, weigerte er sich absolut, nach Hause gebracht zu werden.
„Warum auf Erden würdest du bleiben wollen?" wollte Lathe wissen. „Es wird nicht lustig werden. Es wird verdammt mies sein."
„Dann sag Dearborn, dass du mich nach Hause gebracht hast," sagte James. „Er wird den Unterschied gar nicht merken."
„Aber was, wenn er zurückkommt um nachzuschauen?"
„Er hat sicherlich viele andere Dinge zu tun, schätze ich," sagte Sirius. „Mit dreißig Häftlingen in seiner Zelle, die der Ruhestörung schuldig sind."
„Ruhestörung?" wiederholte James verwirrt.
Marlene, die jetzt neben ihnen stand, aber auf der anderen Seite der Gitterstäbe, die die zwei Zellen trennten, grinste. „Nach Sieben Betrunkenen Nächte haben wir uns vielleicht etwas von den Kneipenliedern mitreißen lassen."
„Ich hätte gutes Geld bezahlt um das zu sehen," bemerkte Lily an Marlenes Seite.
„Ich habe meine Befehle," sagte Lathe hilflos.
James lehnte sich gegen die Stäbe. „Angst in Schwierigkeiten mit meiner Mum zu geraten, ja?" spottete er. Lathe blickte ihn finster an.
„Du denkst, dass das funktionieren wird? Meinen Mut in Frage zu stellen? Ich bin ein Auror, Potter. Ich habe viele verschiedene Trainings absolviert um vielen, vielen Arten der Manipulation zu widerstehen. Das wird nicht funktionieren."
„Tja," seufzte James resigniert. „Ich würde den großen, furchterregenden Auror nicht in Schwierigkeiten mit dem Chef bringen wollen…"
„Es wird nicht funktionieren."
Die Rumtreiber sahen ihn alle skeptisch an. Lathe starrte aufsässig zurück.
„Es wird nicht funktionieren."
Aber das tat es absolut.
„Verdammte Scheiße – wenn er hier reinkommt, stehst du besser ganz hinten, hörst du mich, Potter?"
Lily war sich nicht ganz sicher, wann sie sich freiwillig gemeldet hatte, eine Nacht in der Zelle zu verbringen, aber die Tatsache, dass die anderen dreißig dies gerade wortwörtlich getan hatten, ließ sie zögern, dies laut zu äußern.
Es wurde spät und sie begann es immer mehr zu fühlen, so dass sie sich, als ihre Beine vom exzessiven Stehen wehtaten, ein freies Plätzchen in der hinteren Ecke suchte und sie sich dorthin setzte. Sie lehnte ihren Kopf gegen die Wand, mit ihren Armen auf ihren Knien, während sie überlegte, ob sie schlafen sollte.
„Müde, Rote?"
Sam setzte sich neben sie.
„Erschöpft," gab sie zu. „Es war ein ziemlich verrückter Tag."
„Du wirst erklären müssen, wie die zweite Hälfte gelaufen ist," antwortete der Zauberer. „Du hast blaue Flecken auf deinen Handgelenken."
Er hatte Recht, Lily hatte sie kaum bemerkt.
„Ich habe eine Tür aus ihren Angeln genommen," sagte sie.
„Wie?"
„Mit einem Schubladengriff."
Sam hob seine Augenbrauen. „Das muss eine interessante Lebenserfahrung gewesen sein."
„Ich schreib es sofort in mein Tagebuch, wenn ich heimkomme," sagte Lily trocken.
„Eine Tagebuch-Mädchen bist du?"
„Es ist meine größte Schwäche, muss ich leider zugeben."
„Natürlich ist es das. Du solltest schlafen – du siehst verdammt müde aus."
„Wenn alle anderen wachbleiben, kann ich das auch."
Sam zuckte mit den Schultern. „Wie du willst," sagte er. „Aber ich wette, du schläfst ein."
Er schlief eine halbe Stunde später selbst auf Lilys Schulter.
„Du auch hier?" sagte Sirius Blacks Stimme und Lily sah auf, gerade als sich Sirius in der Zelle neben an neben sie auf den Boden setzte. Sie wurden durch die Gitterstäbe getrennt, aber das störte keine Unterhaltung oder auch nicht, wie es sich herausstellte, das Teilen von Essen. Sirius zog seinen silbernen Hut aus und hob die Klappe an, während er „Tunichtgut" murmelte. Aus dem Hut zog er eine Tüte mit Kartoffelchips – eine Muggelmarke – die er nach dem Öffnen Lily anbot.
„Heiratest du mich?" fragte Lily ernsthaft, die sich hungrig einen Chip (und dann einige mehr) nahm.
„Ich bin nicht der Typ zum Heiraten," antwortete Sirius nebenbei. „Ich sehe, dass du dich gut mit Sam verstehst." Er nickte zu dem schlafenden Zauberer auf Lilys Schulter.
„Er ist ein witziger Typ, nicht?" sagte sie leise um ihn nicht zu wecken. „Er ist absolut nicht wie sein Bruder."
„Prongs hat erwähnt, dass du den ältesten Dearborn getroffen hast…"
„Kurz, ja." Lily nahm sich noch mehr Chips. „Er ist auch nicht, was ich erwartet hatte – für einen waschechten Reinblüter, meine ich. So wie die Leute über sie reden…"
Sirius schnaubte. „Sind wir das nicht alle nicht?"
„Vielleicht nicht."
Sirius lächelte leicht bitter und warf sich noch ein Chip in den Mund. „Ich spreche Französisch, weißt du."
„Das wusste ich nicht, nein," antwortete Lily überrascht.
„Ja. Und Prongs kann vielleicht ein bisschen Griechisch… das war die Sprache, die ihm seine Mutter beibringen wollte. Die Blacks lernen aber immer Französisch. Und Gesellschaftstanz – aus irgendeinem Grund lernen wir alle Gesellschaftstanz. Und Quidditch und Koboldsgallopp, was ein Kartenspiel ist, von dem du noch nie gehört hast und den Stammbaum… wir lernen unseren Stammbaum auswendig…" Sirius schweifte ab. Einen Moment lang dachte Lily, dass er vielleicht vergessen hatte, dass sie überhaupt da war, aber er sammelte sich. „Es gibt viele Traditionen, die die alten Familien aufrechterhalten… also, die sehr alten. Potters, Blacks, Malfoys, Sellwyns… und sie sind Teil von uns. Ob es nun Gesellschaftstanz ist oder der Glaube, dass Muggelstämmige Schlammblüter sind – es ist alles dasselbe… und das ist, warum euresgleichen all das geschieht…"
„Sirius…"
„Es geht auch nicht weg," unterbrach er. „Ich kann immer noch ziemlich gut tanzen, weißt du."
„Nichts davon ist deine Schuld, Sirius," sagte Lily weich. Er sah sie an.
„Nein, ich weiß – ich wünschte nur, dass ich Glück hätte wie ihr."
„Glück?"
„Klar… vielleicht sind euresgleichen in Gefahr, aber zumindest müsst ihr euch wegen nichts schuldig fühlen."
Lily verdrehte ihre Augen, aber sie konnte nicht anders, als an das zu denken, was Dearborn davor gesagt hatte. Sie fragte sich, ob es seltsam wäre, wenn sie Sirius' Hand nahm, aber entschied sich stattdessen dafür, noch ein paar Chips aus der Tüte zu nehmen.
„Du bist anders als sie, Sirius. Du weißt das. Und was auch immer in dir von den Reinblütern – den Blacks – verblieben ist…" Sie suchte nach den Wörtern um es zu beschreiben, „tja… gegen Gesellschaftstanz ist nichts zu sagen." Sie nahm sich noch mehr Chips.
Sirius grinste sie an. „Hungrig, ja?" fragte er.
„Quasi am Verhungern." Sie erinnerte sich an etwas. „Ey – hast du unsere Nachricht gekriegt? Vom Spiegel?"
„Nö – Prongs hat das auch erwähnt, aber ich habe den ganzen Tag nichts von da oben gehört."
„Das ist seltsam," murmelte Lily. „Wer hat dann die Auroren gerufen?"
„Keine Ahnung."
Lily erinnerte sich an etwas anderes. „Oh! Der Zauberer… im Atrium. In dem blauen Umhang, mit den Pergament und der Feder; habt ihr…?"
„Oh, ich hab' mich um ihn gekümmert," sagte Sirius grinsend.
„Was hast du getan?"
„Ihn mit einem Verwirrungszauber belegt."
„Was?"
„Tja, die Auftragszauberer waren alle so abgelenkt vom ganzen Singen…"
„Merlin und Agrippa…"
„Also… habe ich ihn irgendwie… mit einem Verwirrungszauber belegt. Es ist meine Spezialität, weißt du. Dann habe ich das Pergament zu mir gerufen und es verbrannt."
„Was war das? Was hatte er geschrieben?"
„Namen," sagte Sirius. „Er hatte deinen nicht, aber viele der anderen waren drauf. Unter anderem ich…"
„Du weißt nicht, wofür das war?"
Sirius schüttelte seinen Kopf. „Er ist etwas später gegangen. Ich habe keine Ahnung, wofür das war."
„Ich mag das nicht," murmelte Lily. „Es ist besorgniserregend…"
Sam nutzte jedoch den Moment, um sich leicht zu rühren, und etwas im Schlaf zu murmeln. Sirius grinste.
„Sehr gemütlich."
Lily grinste schief. „Oh, schrecklich."
(Frühstück)
Frank und Alice hatten dieses spezielle Westbourne Grove Café im Juli entdeckt, als sie zum ersten Mal eine Woche direkt mit der Aurorabteilung gearbeitet hatten. Sie hatten meistens langweilige Aufgaben wie Papierkram, wenn sie mit den Auroren arbeiteten, aber die Schichten waren lang und die Tatsache, dass sie für diese Zeit bezahlt wurden, war nur ein kleiner Trost. Jedenfalls war das Café als Geheimtipp eines anderen Ministeriumsarbeiters eine viel größere Belohnung – es war rund um die Uhr offen und war ein magisches Geschäft, so dass man sich keine Gedanken um Muggelgeld machen musste.
Trotzdem, trotz aller schlaflosen Nächte und frühen Morgen, die sie dort verbracht hatten, hatten weder Frank noch Alice jemals eine schrecklichere Nacht als diese gehabt. Es war ein paar Minuten nach fünf Uhr morgens; seit ihrem abrupten Rauswurf aus dem Ministerium vor Stunden, hatten sie nicht viel Schlaf bekommen und waren so auf der Suche nach Trost zu ihrem Lieblingsort appariert.
„Denkst du, wir werden aus den A.T.s rausgeschmissen?" fragte Alice teeschlürfend.
Frank zuckte mit den Schultern. „Ich schätze, wir müssen warten und sehen, oder?"
„Ich bin darin nicht so gut," gab die Hexe zu. Sie lächelte über den Laminattisch, aber es war ein bloßes Abbild ihres echten Lächelns. „Ich schätze, es wird okay sein. Die Dinge, die Dumbledore mit uns besprochen hat…"
„Das sollte kein Alternativprogramm zu dem Aurorenprogramm sein," bemerkte Frank. „Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was wir ihm bringen, wenn wir keine A.T.s sind."
Alice spottete. „Sprich für dich selber."
Frank kaute stumpf auf einem Stück Bacon herum. „Du weißt, was ich meine, Ally. Als A.T.s sind wir in einer anderen Position als die meisten anderen…"
„Er will nicht bloß Auroren, Frank," antwortete Alice ernsthaft. „Er will uns."
Eine altmodische, jazzige Melodie spielte in dem leeren Café und abgesehen von dem gelegentlichen Klirr der Porzellantassen, die sich in Reihen auf das Regal hinter der Theke setzen, nachdem sie sich gewaschen hatten, schien die Musik das einzige Geräusch zu sein, wenn Frank und Alice, die einzigen Kunden, still waren. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und das gelegentlich flackernde, grün-gelbe gehexte Licht ihrer schmierigen Unterkunft, zusammen mit den Straßenlampen draußen, war das einzige Licht, was sie sehen durften.
Alice piekste ihre Spiegeleier an. „Denkst du, den anderen geht es gut? Ich wünschte, wir hätten auch bleiben dürfen. Hab dir ja gesagt, ich hätte jemanden verhexen sollen."
Frank verdrehte seine Augen. „Tja, dafür wären wir mit Sicherheit aus dem Programm geflogen."
„Hmmm, aber wie befriedigend wäre das gewesen?"
Alice legte ihre Gabel nieder ohne einen Bissen gegessen zu haben.
„Ally," begann Frank weich und sie sah ihn mit demselben falschen Lächeln an, wie zuvor.
„Hmm?"
„Ich glaube, ich steh auf dich."
Alice lachte anerkennend. „Sag es keinem, aber ich glaube, ich stehe vielleicht auch auf dich. Ich schätze, den Rest müssen wir so nehmen, wie es kommt."
„Es wird alles gut."
„Ich weiß."
Die Glocke über der Tür zur Straße klingelte, als ein junger Zauberer eintrat, einen Stapel Zeitungen tragend, den er auf die Theke fallen ließ. Der Besitzer – ein älterer Zauberer, in einem dünnen grauen Umhang – erschien aus der Küche und bezahlte den Jungen, der lächelte und ging.
„Ich hol uns eine Zeitung, ja?" sagte Frank. „Ich schätze, es wird interessant sein, zu sehen, was sie über letzte Nacht zu sagen haben."
Er ging um eine Zeitung zu holen und als er zurückkehrte, waren seine Augen groß, als er die Schlagzeilen las.
„Was ist?" fragte Alice besorgt.
Frank hob seine Augenbrauen. „Hast du je von Rita Skeeter gehört?"
„Äh… nein, ich glaube nicht."
„Tja, ich schätze, das wirst du."
(Ein anderes Frühstück)
„Sind Chips alles, was du zum Essen mitgebracht hast?" beschwerte sich Peter, als Sirius eine weitere (seine dritte) Tüte davon herausnahm und dann den Snack an die Gruppe der noch Wachen (niemand über fünfundzwanzig) weitergab.
„Ich sehe nicht, dass du uns hier ein Gourmet-Essen bietest," entgegnete Sirius.
„Wer ist dran?" wollte Marlene wissen, und blickte sich in dem improvisierten Kreis aus Hexen und Zauberern um, der sich in den zwei Zellen gebildet hatte und durch den die Stäbe in der Hälfte schnitten. Die Rumtreiber und die Prewetts saßen auf einer Seite und Lily, Sam und Marlene auf der anderen. Jeder hielt Karten, aber niemand außer James und Sirius verstand die Regeln des Spiels. „Das ist doch Quatsch – können wir nicht wieder Zauberschnippschnapp spielen?"
„So kompliziert ist es gar nicht," protestierte James. „Ehrlich, wenn Sirius es schafft, verstehe ich nicht, wie ihr alle so viele Probleme habt."
„Jedenfalls hat Emmeline gesagt, dass Zauberschnippschnapp zu laut ist," sagte Lily. „Ich hab' ein Paar - das bedeutet etwas, oder?"
„Nein, du brauchst drei."
„Aber Gideon hatte gerade eben ein Paar und das hatte etwas zu bedeuteten…"
„Richtig, aber Gideon war der Ausleiher zu der Zeit…"
„Was zur Hölle ist ein Ausleiher?"
„Die Person, die die meisten Dreier-Paare hat…"
„Man kann keine Dreier-Paare haben," bemerkte Marlene. „Ein Paar ist immer zwei."
„Ich denke nicht, dass das stimmt," sagte Peter. „Ich denke, man kann ein Paar aus drei haben, aber man muss es spezifizieren."
„Nein, ein Paar ist immer zwei," stimmte Lily zu. „Es ist wie beide. Immer zwei."
„Außer sie steht darauf," sagte Sirius. „Oh, guck nicht so böse, das war lustig…"
„Ruhe da hinten!" stöhnte Dorcas Meadowes von hinten aus Lilys Zelle. Jeder hatte nun auf dem Boden Platz genommen, außer die wenigen Glücklichen, die sich die Bänke geschnappt hatten und fast jeder war am Schlafen oder versuchte, einzuschlafen. Die, die in das Inter-Zellen-Kartenspiel involviert waren, waren die einzigen, die ihren zwangsläufigen Wachzustand begrüßt hatten.
Es war jetzt nach fünf Uhr. Die Sonne würde bald oben sein und Lily hatte ihren Tiefpunkt überstanden, und war nicht mehr erschöpft. Sam hatte ein paar Stunden geschlafen, genau wie die Prewettbrüder, aber die Rumtreiber, Lily und Marlene waren wach geblieben. Halliday saß mit einem Buch in einer Ecke des Raumes, wurde ab und zu für kleine Erledigungen von Eckles oder Lathe abgelöst, aber meistens saß sie dort. Sie achtete kaum auf ihre Schützlinge.
„Du bist so alt, Dory" entgegnete Sam. „Zu einer Zeit wie dieser schlafen!"
„Du hast vor Mitternacht geschlafen," bemerkte Lily, aber Sam ignorierte sie.
„Ihr seid quasi alle Teenager – ich dachte, ihr könntet überall schlafen!" grummelte Dorcas.
„Nur mitten am Tag," antwortete James munter.
Dory grunzte und rollte sich dann zu einem kleinen Ball, wieder ihre Augen schließend.
„Wie lang, denkt ihr, sind wir noch hier drin?" fragte Peter laut flüsternd, als das Spiel weiterging. „Ich könnte für etwas Besseres zu Essen töten."
„Das hier sind schmackhafte Chips," verteidigte Sirius seinen Snack trotzig.
„Ja, aber ein warmes Essen…"
„Eine heiße Dusche," seufzte Marlene seufzend.
„Ein nettes Bett," sagte Fabian.
Lily dachte lieber nicht über diese Dinge nach und fokussierte sich stattdessen auf das Kartenspiel. „Du bist dran, Remus," sagte sie.
Trotz all ihres Gesprächs war um sechs Uhr zumindest fast jeder am Dösen. Lily war es jedoch nicht bequem genug, um zu schlafen, und anscheinend fühlten sich James und Remus ebenso. Nur die drei blieben wach, als ein paar Minuten nach sechs Lathe den Raum mit einer Zeitung betrat. Er deutete den drei Teenagern, zur Tür zu kommen und sie standen sofort auf.
Es war harte Arbeit, ohne auf jemanden zu treten, zur Tür der Zelle zu gelangen und Lily musste sich mit viel Vorsicht auf Zehenspitzen durch die schlafenden Körper ihrer Begleiter kämpfen um zu vermeiden, dass sie auf Köpfe oder Hände trat. Lathe schloss die Türen beider Zellen auf und Lily, James und Remus traten in die Büros.
„Tja," flüsterte der Auror, „schaut es euch an."
Da war es –
Dearborn aus der A.M.S.: Hingebungsvoll und Wahnhaft
Von Rita Skeeter
Lily überflog die Geschichte. „Tja, Remus – du warst da. Stimmt es?"
„Mehr oder weniger, ja," gab er nickend zu.
„Er hört sich wahnhaft an, so wie sie ihn beschreibt," sagte James. Er sah Lathe an. „Wann wählt der Zaubergamot?"
„Sie gehen um zehn in die Kammer."
„Wie, denkst du, wird die Wahl ausfallen?" wollte Lily wissen.
„Dumbledore wird Dearborn nicht unterstützen," sagte James. „Das ist zumindest einer."
„Er hat keine Chance," verkündete Lathe. „Wer im Zaubergamot wird für den Typen stimmen, der im Atrium ‚Schlammblut' schreit? Er hört sich verrückt an."
„Wen werden sie stattdessen nehmen?" fragte James. „Ich habe gehört, dass jemand Clovis Bagman gesagt hat…"
Lathe zuckte bloß mit seinen Schultern. „Ich schätze, wir werden es heute herausfinden, nicht?" Er lächelte freundlich. „Tja, die anderen werden bald aufwachen. Eckles macht allen Tee, weil er tief in seinem Herzen ein Teddy ist, aber wenn ihr euch waschen wollt und die Toilette nutzen wollt, würde ich euch empfehlen, das zu machen, bevor alle anderen aufwachen, sonst müsst ihr euch mit dreißig anderen um einen Platz in der Schlange schlagen."
Lily und Remus gingen zuerst und wurden dann zu den Zellen zurückgebracht, während James losging um sich zu waschen. Lily war kurz in Versuchung, dieses Mal in die Zelle der Rumtreiber zu gehen, aber sie wollte Marlene nicht alleine lassen, also ging sie wieder in ihre frühere zurück. Remus schob Sirius' schlafende Masse zur Seite, sodass er sich direkt neben Lily in die Ecke setzen konnte.
„Was für ein Tag, oder?" fragte er. „Bist du okay?"
„Mir geht's gut," sagte sie. „Was ist mit dir?"
„Alles prima."
Lily lächelte schwach.
„Was ist los?" fragte Remus, der ihre Sorge erkannte. Lily schüttelte nur ihren Kopf.
„Ich weiß nicht," antwortete sie. „Ich frage mich bloß, wie das alles enden wird, weißt du?"
„Enden? Tja, hoffentlich damit, dass wir alle nach Hause gehen und schlafen."
Lily nickte und erklärte sich nicht weiter, weil sie wusste, dass Remus verstanden hatte, was sie wirklich mit „Ende" meinte, aber dass er, weise, daran lieber nicht denken wollte.
Als alle aufwachten, gab es mehr Lärm und Spekulation über die bevorstehende Entscheidung des Zaubergamots. Die Gelenke waren steif und niemand war besonders ausgeruht, aber eine Energie kursierte durch die Zellen, als die Stunde des Treffens des Zaubergamots sich näherte.
„Dearborn ist wieder im Gebäude," informierte ein älterer Zauberer, den Lily nicht kannte, die Gruppe, als er von der Toilette zurückkehrte. „Ich hab' gehört, wie ein paar Auroren geredet haben – er ist wohl anscheinend in einem schlechten Zustand."
„Nach einer Titelgeschichte wie der von Rita Skeeter?" murmelte Marlene. „Da wäre ich auch in einem schlechten Zustand."
„Wird er hierherkommen?" wollte Lily wissen. Der Zauberer zuckte mit den Achseln.
„Keine Ahnung – hab den Typ nie persönlich kennengelernt. Ich arbeite hier, weißt du… Unfälle und Katastrophen, aber ich hab' nie viel mit Dearborn gearbeitet."
„Wirst du nicht in Schwierigkeiten geraten, weil du nicht zur Arbeit kommen kannst?" fragte Marlene.
„Meine Frau wird wohl eine Eule schicken, dass ich krank bin," antwortete er fröhlich. „Jedenfalls ist's wert, um etwas Interessantes zu machen. Man könnte ja meinen, dass Unfälle und Katastrophen eine faszinierende Abteilung is', aber es kann ziemlich langweilig sein. Obwohl – letzte Woche, wohlgemerkt, hatten wir ma' Spaß… wir sollten's regnen lassen."
„Offensichtlich hattet ihr keinen Erfolg," bemerkte Lily. „Es ist schon seit Monaten trocken."
„Das ist das Problem, oder?" antwortete der Zauberer. „Der Himmel wollte sich einfach nicht öffnen. Noch nie so einen trockenen Sommer gesehen…"
Am Ende kam Dearborn nicht zur Aurorabteilung und als es zehn Uhr war, wusste Lily, dass sie ihn nicht erwarten musste. Er würde auf die Entscheidung des Zaubergamots warten.
Es war entschieden – und Lily wusste nicht von wem – dass sie alle um Mittag freigelassen werden würden, wenn das Atrium voll mit Ministeriumsarbeiter war, die zu Mittag aßen. Wie man dreißig Personen loswurde, ohne viel Aufregung im Ministerium zu verursachen, was ein anderes Problem; manche, wurde entschieden, würden zum Aurorenfloh gebracht werden, manche zu den Hauptflohnetzwerke im Atrium und manche zu dem Besucherausgang.
Als der Morgen voranschritt, wurde das Büro der Auroren immer lauter und voller. Um elf Uhr gab es einen großen Wirbel von Aufregung und einige Auroren stiegen eilig in das Flohnetzwerk. Alle in den Zellen konnten sich den Grund vorstellen, aber sie sprachen nicht viel darüber.
Der Morgen streckte sich. „Ich hoffe, sie verkünden es bald," sagte Lily zu Sam, als sich der Zeitpunkt ihrer Entlassung näherte. „Es wäre doof, wenn wir es erst heute Abend um fünf erfahren."
Aber sie mussten, in der Tat, nicht bis fünf Uhr warten.
Die Verkündigung fand um elf Uhr zwanzig statt, nach nur anderthalb Stunden Überlegung. Eckles, der nun Halliday als Wachauror ersetzte, hatte das Radio mitgebracht und hörte den Neuigkeiten zu.
Es gab jede Menge Jubel.
„Wer zur Hölle ist Barty Crouch?" wollte Marlene wissen.
„Warte eine Minute - war er nicht vor ein paar Jahren in Hogwarts?" fragte Peter verwirrt.
„Nein, das war sein Sohn…" sagte James.
„Tja, wer ist er?" wollte Marlene weiterwissen.
„Er ist nicht Egbert Dearborn," sagte Gideon Prewett. „Das ist sicher. Er ist notorisch Anti-Todesser."
„Tja, das ist gut," sagte Lily.
Jeder andere in den Zellen war immer noch dabei, Dearborns Niederlage zu beklatschen.
„Beruhigt euch!" jammerte Eckles. „Ich versuche, das Radio zu hören!"
(Wieder die echte Welt)
Lily war zu aufgeregt um ihren Hunger und ihre Müdigkeit richtig wahrzunehmen, obwohl beide dieser Bedürfnisse stärker frustriert waren als sonst. Sie hüpfte quasi mit den Rumtreibern, Sam, Marlene, den Vances und den Prewetts durch das Atrium, während sie Remus' Arm dabei festhielt. „Ich glaube, das ist vielleicht so, weil ich in den letzten vierundzwanzig Stunden nicht geschlafen oder etwas anderes als salzige Kartoffelchips gegessen habe," sagte sie selbstsicher. „Aber ich fühle mich irgendwie berauscht."
Remus lachte.
„Okay, hier lang," rief Lathe, ihnen den Weg zeigend. Sie gingen durch ein volles Atrium und Emmeline, Viktor und die Prewetts stiegen mit einem letzten ‚Auf Wiedersehen' zu ihren jüngeren Mitstreitern in einen der Kamine. Die anderen liefen zu dem Besucherausgang weiter. Sam und Marlene stiegen in den Aufzug und verschwanden einen Moment später.
Lily war gerade dabei, zu Remus einzusteigen, als ihr etwas einfiel. Sie drehte sich wieder zu Lathe.
„Warte eine Minute," begann die Hexe schnell. „Es gibt noch eine Sache, die mich verwirrt – wer hat die Auroren gerufen? Es war nicht Frank, es war nicht Sirius… wer könnte es sonst noch gewusst haben? Ich meine - du wusstest sogar, dass wir in Falstaffs Büro waren und dass Frank bei Svilt war… ich verstehe nicht…"
Sirius und Remus fuhren hoch, aber Lily und James warteten mit gespanntem Interesse auf eine Antwort.
Lathe lächelte, seinen Nacken kratzend. „Ich habe letzte Nacht eine Eule erhalten," antwortete er langsam und vorsichtig, „von… einer gemeinsamen Freundin, die eine sehr seltsame und verstümmelte Nachricht weiterleitete, die ich übersetzen musste, Merlin weiß wie, aber die machte es am Ende ziemlich klar, dass ich, falls etwas dir oder Potter zustoßen würde, nicht mehr im Tropfenden Kessel willkommen wäre."
Es dauerte eine Sekunde, bevor Lily erkannte – „Donna?"
Lathe beugte seinen Kopf.
„Aber wie konnte sie…?"
„Der Spiegel!" sagte James laut. „Natürlich, der Spiegel! Wir haben gestern nicht mit Sirius über den Spiegel gesprochen! Wir haben mit Donna gesprochen! Der Trottel hat vergessen, sich ihn von ihr zurückzuholen und hat dann vergessen, dass er es vergessen hat!"
„Sie hat die Nachricht gehört und dann Lathe eine Eule geschickt!" schloss Lily. „Stimmt das?"
Lathe zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich hab' nicht viele Fragen gestellt."
„Danke," sagte Lily. „Dass du uns geholfen hast."
„Wir sind jetzt einfach quitt," antwortete der Auror. Er nickte zu dem Lift. „Deine Freunde warten hier."
Sie standen alle auf der Straße, die einfach weitermachte, ohne auf sie und die Nacht, die sie hatten, zu achten.
„Und jetzt?" fragte Remus niemanden direkt.
„Ich muss essen," sagte Lily.
„Und duschen," sagte Marlene mit Verlangen in ihrer Stimme.
„Eigentlich fühle ich mich gut," sagte Sirius fröhlich. „Ich sage, wir gehen zu Prongs' nach Hause."
„Warum willst du zu mir?" fragte James.
„Weil ich deine Mum vermisse."
„Sei nicht seltsam."
„Kann nichts dagegen machen – sie hat diesen Effekt auf mich."
„Tja," sagte Remus, „meine Mum arbeitet nicht bis drei und es wäre viel einfacher, wenn ich versuche ihr all das zu erklären, wenn ich bereits wieder präsentabel bin, also gehe ich zu den Potters."
Irgendwie war es dann klar, dass alle zu den Potters gehen würden. Marlene versprach, sie dort zu treffen, aber sie wollte kurz nach Hause, kurz duschen und Mary abholen. Dann hatte Lily eine Idee.
„Wartet einen Moment," sagte sie, bevor alle apparierten. „Da ist noch was, was ich zuerst tun sollte."
Sam begleitete Lily hoch zum Tropfenden Kessel, denn, während Marlene weniger Probleme mit blindem Apparieren zur Adresse der Potters hatte, fühlte sich Lily in ihren Fähigkeiten etwas weniger sicher.
Sie traten in den Pub und Lily lächelte beim Anblick von Donna, die wie immer hinter der Theke stand.
Es dauerte einen Moment, bis Donna sie erblickte, aber als sie es tat, huschten ein Dutzend Emotionen über ihr Gesicht, bevor sie ihren Gesichtsausdruck zwang, entschieden ruhig zu sein.
„Ich sehe, dass ihr gut rausgekommen seid," sagte sie steif.
Lily setzte sich an die Bar. „Du hast Lathe eine Eule geschickt, oder?"
„Ich bin fast vor Schock gestorben, als ich gehört habe, wie meine Hose mit James Potters Stimme zu mir spricht," sagte Donna düster. „Es hat fast eine Minute gedauert, bis ich verstanden habe, was passiert ist… ich hatte komplett vergessen, dass ich den Spiegel habe."
„Sirius hat auch komplett vergessen, dass du ihn hast," antwortete Lily.
„Also, was macht ihr beide hier?" fragte Donna, zu Sam nickend. „Ihr seid nicht auf einem Date, oder?"
Lily und Sam lachten beide darüber.
„Sie ist süß," gab Letzterer zu, der sich auf einen Barhocker neben Lily fallen ließ, „aber nicht so süß."
„Wir sind eigentlich hier, um dich zu holen," sagte Lily. „Wie lange geht deine Schicht noch?"
„Ich arbeite bloß noch eine halbe Stunde," sagte Donna verdrießlich. „ich sollte eigentlich bis sechs arbeiten, aber mein Ersatz ersetzt mich."
„Was bedeutet das?"
„Die Hexe, die Tom angestellt hat, um mich zu ersetzen, wenn ich zurück zur Schule gehe," führte Donna aus. „Sie ist größer als ich und Tom meinte, dass ich früher heim kann, weil sie um ein Uhr hier ist und sie schon weiß, wie alles läuft."
„Perfekt! Du kannst mit uns zu den Potters kommen!" sagte Lily aufgeregt. Donna blickte finster.
„Es ist nicht perfekt! Ich werde ersetzt!"
„Ja, aber es ist ja nicht so, als ob du dein gesamtes Leben lang eine Barkeeperin sein wolltest," bemerkte Lily. „Du bist bloß wütend, weil sie größer ist als du. Wie ist das eigentlich möglich?"
„Du bist eine verdammte Riesin," stimmte Sam zu.
„Es ist unglaublich," murmelte Donna. „Ihr solltet sie sehen. Ich glaube, sie hat vielleicht wirklich Riesenblut in sich, weil das nicht normal sein kann…"
Lily und Sam tranken Butterbier, während sie das Ende von Donnas Schicht erwarteten und dann sagte sie ihnen, dass sie zuerst kurz heimspringen wollte, um sicherzugehen, dass alles okay war mit Mrs. Fowler, der Haushälterin, die ihre Geschwister an diesem Nachmittag zu einem Muggelzoo mitnehmen wollte. Sie würde sie bei den Potters treffen.
Lily und Sam traten wieder auf die Straße, die unnachgiebige Sonne und erdrückende Trockenheit des Tages begannen bereits ihren Zoll zu fordern.
„Ich sollte auch meine Mum anrufen," sagte Lily nachdenklich. „Für den Fall, dass sie das Haus angerufen hat, und sich Sorgen macht, dass ich nicht geantwortet habe."
„Lebst du nicht bei deiner Mutter?" fragte Sam neugierig.
„Ja, aber sie besucht gerade meine Schwester."
„Was wirst du ihr sagen, wenn sie fragt, wo du warst?"
Lily schüttelte ihren Kopf. „Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Warum wartest du nicht im Pub – ich appariere heim, rufe meine Mum an und treffe dich in zehn Minuten?"
„In Ordnung – aber wehe, du duschst dich heimlich… wenn wir anderen uns wie Müll fühlen, musst du das verdammt nochmal auch!"
Mrs. Potter war nicht glücklich. Auf einer Skala von eins bis wütend, war sie fuchsteufelswild.
„Was genau hast du dir gedacht, James Alexander Potter?" wollte sie in dem Moment, in dem er durch die Haustür lief, und Remus, Sirius und Peter mitbrachte, von ihrem Sohn wissen.
James seufzte. „Ihr drei geht besser zum Blauen Zimmer," sagte er müde zu den anderen; „ich hatte gehofft, dass sie glücklich wäre mich zu sehen, aber es sieht aus, als ob es doch eine unglückliche Wiedervereinigung wird."
Sirius führte die anderen fröhlich nach oben und James blieb alleine mit seiner Mutter zurück.
„Du hättest gestern Nacht zum Abendessen zurück sein sollen," informierte sie ihn. „Und dann, weißt du, habe ich eine Eule von Alastor Moody um neun Uhr erhalten, nachdem ich zu Tode besorgt war, die gesagt hat, dass du in Sicherheit bist, aber es so aussieht, als ob du die Nacht da bleibst? Kannst du dir das vorstellen? Kannst du dir auch nur ausmalen, wie es sich angefühlt hat, das zu erfahren?"
„Es tut mir leid, Mum!"
„Und natürlich," fuhr Mrs. Potter fort, „war dein Vater auch keine Hilfe! ‚Wenn Alastor sagt, dass er sicher ist, werde ich das nicht hinterfragen.' Was für ein Quatsch! Ich habe letzte Nacht keine Sekunde geschlafen!"
„Tja, ich auch nicht!" argumentierte James.
Mrs. Potter stockte. „Wo genau hast du die Nacht verbracht, James?"
„Mum, das ist eine dieser Sachen, die du besser nicht weißt. Tröste dich einfach mit der Tatsache, dass ich von Freunden umgeben war und keiner am Ende tot und schwanger war. Alles in allem kein schlechter Rekord für die Nacht…"
„James Alexander Potter…"
„Ja, Mum?"
Mrs. Potter seufzte tief. „Komm mit. Wir diskutieren das oben."
„Warum oben?"
„Weil man da Leichen besser entsorgen kann."
„Es ist beängstigend, wie schnell dein Kopf zu Mord umschaltet."
„Mit dir als Sohn ist es schockierend, dass ich es noch nicht wirklich getan habe."
(Eine Frage)
Das Wasser im Kessel auf dem Feuer in Franks Küche war fast ganz verkocht, aber Frank und Alice bemerkten es nicht. Der Plan einer Tasse Tee war an Stelle einer schöneren Aktivität vernachlässigt worden. Schließlich lösten sie lange genug voneinander, so dass Frank eine lose Strähne aus ihrem Gesicht wegstreichen konnte.
„Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn dir irgendetwas passiert wäre," murmelte er, bevor er sich wieder nach vorne lehnte und sie sanft küsste.
„Gleichfalls," flüsterte sie gegen seine Lippen. Er nahm einen Schritt nach vorne und presste sie gegen die Küchentheke. „Also was unternehmen wir jetzt dagegen?"
„Problematisch," gab Frank zu. „Wenn man berücksichtigt, welchen Beruf wir uns ausgewählt haben."
Alice ließ ihre Stirn gegen die ihres Freundes fallen, ihre Arme um seinen Hals schlingend. Das Lächeln, das sie trug, war jedoch traurig und Frank berührte sanft ihre Wange.
„Ich liebe dich, Alice Geraldine Griffiths."
Und Alice sah ihm in die Augen. Das traurige Lächeln hatte sich verändert; in ihrem Gesichtsausdruck war wieder Wärme und sie sah in mit einer solchen Zuneigung an, dass ein Moment lang eine Antwort auf seine Verkündung unnötig schien.
„Was?" fragte Frank lachend. „Warum lächelst du mich so an?"
Sie hielt inne. Dann –
„Heirate mich."
Franks Augen wurden groß. Trotzdem antwortete er fast sofort: „Ja." Dann schüttelte er sich. „Ich meine, nein. Ich meine, ja, aber… du solltest nicht mich fragen. Ich sollte dich fragen! Guck, guck, ich habe…" Er löste sich, und verschwand für fast eine Minute in das anliegende Schlafzimmer. Als er wieder zur Küche zurückkehrte, (eine verwirrte Alice hatte den jetzt leeren Kessel vom Feuer genommen), trug Frank eine kleine schwarze Samtbox, die mit Potential schimmerte.
Alice grinste. „Das sind keine Ohrringe, oder?"
„Nein," murmelte Frank. „Ich habe auf den ersten September gewartet, weil das das achtjährige Jubiläum unseres Kennenlernens ist und…"
Alice unterbrach ihn mit einem Kuss, den sie nicht unterbrach, selbst als sie ihn am Umhangkragen ziehend zum Schlafzimmer führte. Sie trat die Tür zu, fiel dagegen zurück und brachte Frank mit sich. Er lächelte, als er ihren Hals küsste und sie zog an seinen Kleidern.
„Bett," murmelte er, sein Atem warm auf ihrer Haut und sie nickte nur hastig.
Erst später bekam Alice den Ring selbst zu sehen. Sie lagen in seinem Bett, als es ihr auffiel.
„Ey – wo ist mein Ring?"
Frank lachte. „Ich weiß nicht. Ich glaube, ich hab' ihn fallen lassen."
„Abgelenkt, ja?"
„Ziemlich, ja."
Er küsste sie wieder auf die Lippen, bevor er lange genug die Decken verließ um die Samtbox in einem Haufen von Kleidern auf dem Boden zu finden. Er kletterte zurück ins Bett und spielte nachdenklich mit der Box. Alice hob ihre Augenbrauen.
„Zweifel?"
„Wohl kaum."
„Tja, dann bist du dran, Francis. Ich habe das letzte Mal den Antrag gemacht."
Er grinste und öffnete die Box. Einen Moment lang sagte Alice nichts. Der Ring, der dort saß, hatte ein goldenes Band und einen runden, nicht eingelassenen Diamanten, der Alice im orangenen Lampenlicht anfunkelte. Sie lächelte und streckte erwartungsvoll ihre Hand aus.
„Alice Griffiths…"
„Ja, mein Lieber?"
„Willst du mich heiraten?"
„Ja, mein Lieber."
Frank schob den Ring auf ihre Finger und sie nahm sich keinen Moment um zu sehen, wie er dort aussah, bevor sie ihn einen tiefen Kuss zog – tief und traurig und überglücklich zur selben Zeit. Sie fiel auf die Kissen zurück und in den wenigen Sekunden, in denen ihre Lippen zwischen den Küssen getrennt waren, schaffte sie es zu flüstern, „Ich liebe dich, weißt du."
„Ich liebe dich auch."
Alice hatte noch nicht die Hälfte der Küsse geschafft, die sie ihm geben wollte, als sich Frank wieder löste, auf seine Lippe biss und nachdenklich auf die Bettlaken irgendwie hinter Alices linker Schulter starrte. Sie hob eine Augenbraue.
„Frank?"
Und dann lächelte er.
„Frank?" fragte sie wieder, etwas erleichtert über die Veränderung seines Gesichtsausdrucks. „An was denkst du?"
Er entgegnete wieder ihren neugierigen Blick. „Ich habe eine Idee."
(Die Potters)
Das Haus ließ ihren Atem stocken.
„Das – das ist sein Haus?"
„Eins von ihnen, ja," sagte Sam, amüsiert über die Ehrfurcht im Gesicht seiner Begleiterin.
„Kein Wunder, dass er keine Probleme hatte, sich im ersten Jahr daran zu gewöhnen, in einem Schloss zu wohnen."
Sam grinste. „Amaryllis," sagte er den großen Doppeltüren und sie öffneten sich langsam. „Gracies Lieblingsblumen," fügte Sam hinzu, aber Lily hörte kaum zu. Das Innere war, wenn überhaupt, noch grandioser. Die Türen öffneten sich in eine enorme Eingangshalle. Der Boden bestand aus Marmorplatten und exquisite Landschaftsgemälde bekleideten die Wände zu Lilys (entfernten) Linken und Rechten. Direkt vor den beiden war eine weite, prachtvolle Treppe, mit einem Geländer aus Elfenbein, das aufwendig zu Weinranken geschnitzt worden war.
Die Wände hinter den Gemälden waren perlweiß, und strahlten in dem Licht von dem Kristallkronleuchter, der über ihnen hing (nein, schwebte, erkannte Lily). Die gewölbte Decke – sehr hoch oben – schien nicht zu existieren. Sie war nicht verhext um den echten Himmel zu imitieren, so wie es die Decke in der Großen Halle war, sondern stattdessen schien sie aus nichts außer Wolken zu bestehen: weiche, himmlische weiße Wolken.
Sam grinste – wahrscheinlich über ihre Naivität.
„Es ist wunderschön," gab Lily zu, erleichtert, dass sie sich nicht komplett ehrfürchtig anhörte, als sie sprach. „Ich wundere mich, dass er mir nie gesagt hat, dass er im Buckingham Palace wohnt. Er gibt genug an." Sie riss ihre Augen von der Eingangshalle weg. „Und was meinst du mit ‚eins von ihnen'? Es gibt noch andere?"
„Klar. Willst du sie sehen?"
Lily hob eine Augenbraue. „Jetzt?"
„Bilder." Sam nickte zu einer der Wände und Lily folgte ihm dorthin. „Das ist das Haus in London… das ist die Unterkunft in West Country – Harthouse, wo er die letzten paar Wochen war und das ist die auf der Französischen Riviera." Lily blickte von dem Gemälde der französischen Villa zu Sam.
„Er hat ein Haus im Süden Frankreichs?" wollte sie wissen. Sam nickte. „Oh, jetzt gibt er bloß an…"
Sam lachte. „Bevor du dir einfallen lässt, ihn für sein Geld zu heiraten…" (Lily schnaubte), „solltest du wissen, dass er die nicht alle bekommt. Tante Gracie ist gerade dabei, das Haus in der Riviera zu verkaufen. Wohltätigkeit oder so. Dem Stadthaus wird es genauso ergehen, wenn Alex stirbt. James bekommt nur diesen alten Sarg und das Haus in Godrics Hollow."
Lily erinnerte sich an den Brief, den sie von James zu Beginn des Sommers erhalten hatte. Er war zur Zeit des Briefes in diesem Ort Godrics Hollow gewesen…
„Das ist es, hier," sagte Sam, und führte sie zu einem Bild, was weiter weg hing. Es war genauso, wie sich Lily vorstellte, was sie vor zweihundert Jahren ein Landhaus genannt haben mussten, mit seinen beigen Steinwänden und bilderbuchartigen Giebeln. Trotzdem war es ein wunderschönes Haus: der Vorgarten war grün, besonders im Vergleich zu dem grauen Himmel (ein kleiner schwarzer Umriss von Vögeln konnte gesehen werden, die über den Hintergrund der Leinwand flogen) und das ganze Ding war irgendwie romantisch. „Ich mag es," entschied sie.
„Warum? Das ganze Dorf ist todlangweilig."
„Es hat Seele."
„Merlin, du hörst dich an wie Gracie."
Lily begann von den Gemälden wegzuwandern. „Wo denkst du, sind die anderen?"
„Keine Ahnung – wir können einen Elfen fragen. Zu neunzig Prozent wissen sie es."
„Einen Elfen? Einen Hauselfen? James hat Hauselfen?"
„Klar," antwortete Sam, der sie zu einer Tür in der Halle führte, „wie alle der ältesten Familien. Natürlich macht Gracie nichts so, wie es die alten Familien tun, also hat sie sie sofort befreit, nachdem sie Alex geheiratet hat. Aber natürlich ist es oft so, dass wenn freie Elfen gefunden werden, sie sofort wieder versklavt werden und es wird behauptet, dass sie seit Jahren in der Familie seien, weil es den Stammbaum reinblütiger aussehen lässt. Also meinte Gracie, dass alle, die keinen ordentlichen Job finden, wieder zurückkommen können um hier bezahlt zu werden und ein paar wollten sowieso bleiben, weil sie denken, dass es ihre Pflicht ist, der Familie ihrer Ahnen zu dienen. Ich weiß nicht – wir hatten immer nur eine, und sie ist uralt…"
Sie betraten die Küche, ein großer, sauberer Saal, der komplett aus weißem Stein geschnitten zu sein schien. Lily staunte, während sie an einer Seite des rechteckigen Raumes vorbeiging, und unbewusst mit einem Finger über eine Theke strich. Mehrere Kristallkugeln, die in der Nähe der Decke schwebten, sorgten für Licht (zusätzlich zu einer Reihe von hohen, schmalen Fenstern), sie blieben nicht wie Muggellichter an einem Ort, sondern schwebten herum wie ein Dutzend langsame Glühwürmchen.
Es gab zwei Hauselfen im Raum und einer war bei einem gigantischen Waschbecken beschäftigt; er war am nächsten zur Tür und diesen Elfen sprach Sam an. Die andere Elfe saß eher hinten, an einem kleinen hölzernen Tisch in der Ecke auf der anderen Seite des Saals. Der Tisch konnte nicht für Hauselfen gebaut worden sein, da er - obwohl er recht zierlich war – menschengroß schien und doch konnte sich Lily kaum vorstellen, wie die Art von Mahlzeiten, die in einer Küche wie dieser zubereitet wurden, jemals auf einem so vergleichsweisen uneleganten Möbelstück verzehrt werden konnten.
„Hallo," grüßte Lily die Hauselfe dort. Die Elfe saß an dem Tisch, ihre Beine hingen von dem Stuhl, während sie an einem großen Glas von etwas Braunen und eklig Riechenden nippte.
Die Kreatur sah mit großen, unheimlichen grünen Augen zu ihr hoch. „Guten Tag, Miss Evans!" quiekte sie.
Lily hob ihre Augenbrauen. „Hast du gerade… wie wusstest du…?"
„Lily!" unterbrach Sams Stimme vom anderen Ende der Küche. „Twitchet sagt, dass sie im Blauen Zimmer sind."
Lily, mit einem letzten skeptischen Blick zu der Hauselfe (die sich jetzt wieder zu ihrem Getränk gedreht hatte), war sich nicht sicher, ob sie sich nur einbildete, dass die Elfe vor Schuldgefühlen rot anlief, aber sie drehte sich um und folgte Sam wieder aus der Küche heraus und zurück in die Eingangshalle.
„Wie konnte diese Elfe meinen Namen wissen?" fragte sie Sam, der nur mit den Schultern zuckte.
Von dort aus erklommen sie die große Treppe – mit jedem Schritt fühlte sich Lily mehr, als ob sie schrumpfte. Der runde Treppenabsatz im zweiten Stock war durch ein ähnliches Geländer wie die Treppe vor ziemlich hohen Stürzen in den ersten Stock abgesichert und Sam deutete auf einen der abgehenden Flure, der James Zimmer enthielt. Lily war neugierig, aber sie folgte ihrem Gastgeber zu einer Treppe, die etwa zwanzig Schritte von dem Ende der großen Treppe begann; diese zweite Treppe hangelte sich an der Wand entlang, wandte sich an der Außenwand entlang und sorgte dadurch für einen viel längeren Gang in den dritten Stock. Die Aussicht war jedoch bemerkenswert.
Im dritten Stock führte Sam sie durch einen schmalen Flur, der mit gemalten Porträts von unvertrauten Hexen und Zauberer bestückt war – ein paar von ihnen sahen sehr freundlich aus, und bei ein paar war Lily sehr glücklich, dass sie sie nie treffen würde.
Dieser Flur war thematisch deutlich anders als die Eingangshalle; dunkle Holzbalken verliefen zwischen etwa der Hälfte der Porträts, während Türen in ähnlichem Material zwischen den anderen standen, die meisten von ihnen verschlossen. Gelegentlich konnte Lily etwas in ein Wohnzimmer oder unbenutztes Schlafzimmer reinspähen, aber Sam ging weiter.
Sie gingen um eine Ecke und Sam, der ab und zu etwas von dem Haus erzählt hatte, wurde still; Lily erkannte recht bald, warum. Stimmen ertönten von einer angelehnten Tür auf einer Seite des Flurs. Eine von ihnen war weiblich – jedoch eine sehr unzufriedene weibliche Stimme.
„Tja, das sind sie nicht," bemerkte Sam leise, der herüberschaute, als sie vorbeiliefen. „Das ist bloß Gracie, die James anschreit."
Eine kurze Sekunde lang, durch die halboffene Tür, erhaschte Lily einen Blick auf eine große, ältere Frau mit kurzen rotbraunen Haaren mit grauen Strähnen. Sie ragte über James, trotz seiner größeren Körpergröße, wütend mit (oder vielleicht zu) ihm sprechend, während er versuchte, ein Wort hier oder da einzuwerfen. Seine Haltung war eine Mischung aus entschuldigend und verteidigend, aber er schien nicht schrecklich besorgt. Lily schnappte nur ein paar Worte der Unterhaltung auf, bevor sie an der Tür vorbei waren.
„… Die ganze Nacht lang weg, mit nicht einmal einer Eule…"
„Mum, ich hab' gesagt, dass es mir leid tut…"
„Und jetzt finde ich heraus, dass du es absichtlich getan hast…"
„…Aber ich musste…"
„… und dazu noch in einer Gefängniszelle!"
Weder Mutter noch Sohn bemerkten Lily und Sam, als sie vorbeiliefen.
„Er wird nicht in zu vielen Schwierigkeiten stecken, oder?" fragte Lily leise, als Mrs. Potters und James' Stimmen fast ganz verblasst waren.
„Ne, das glaube ich nicht," antwortete Sam locker. „James kommt mit allem davon. Gracie ist mehr wie eine Oma oder eine nette Tante als eine Mum. Hab mir immer gewünscht, dass meine alte Dame sich mal ein Beispiel daran nimmt, aber so ein Glück habe ich nicht. Jedenfalls, selbst wenn sie ihn bestraft – und das muss ich erst noch erleben – ist er nächste Woche wieder zurück in der Schule und ich schätze, sie ist ziemlich zufrieden damit, dass er Schulsprecher wurde."
Lily lächelte über das mentale Bild von Mrs. Potters Reaktion auf diese Neuigkeiten (sie schätzte, dass es eine Mischung aus Schock und Freude gewesen sein musste) und Sam bemerkte es und grinste.
„Du hast davon gehört, oder?"
„Was? Oh – von der Schulsprechersache. Ja. James hat es mir in Falstaffs Büro gesagt."
„Hat er? Habt ihr euch ein bisschen das Herz ausgeschüttet, ja?"
„Nicht wirklich," schnaubte Lily. „Ich dachte, der Vertrauensschüler aus Slytherin wäre es geworden, und ich hab' mich darüber gerade ausgelassen, bis er mir gesagt hat, dass er derjenige ist."
„Magst du keine Slytherins? Keiner scheint das zu tun."
„Tja, es ist kompliziert," versuchte Lily zu erklären. „Es ist eher dieser spezifische Slytherin… wir… kommen nicht klar." (Das war zumindest die einfachste Erklärung.) „Ich habe mich nicht darauf gefreut, mit ihm zusammenzuarbeiten."
Sam deutete auf die Tür am Ende des Flurs als Eingang zu dem sogenannten Blauen Zimmer.
„Zusammenarbeiten, sagst du?" fügte er hinzu, als sie weitergingen. „Bist du dann eine Vertrauensschülerin?"
Lily nickte. „Und jetzt Schulsprecherin."
Sam sah sie an. „Bist du das? Das wusste ich nicht. Nicht sehr regelkonform für ein Mitglied der Schulleitung, oder?"
„Verglichen mit James bin ich Professor McGonagall," bemerkte Lily, bevor sie erkannte, dass Sam vielleicht keine Ahnung hatte, was das bedeutete. „Sie ist der Kopf von Gryffindor. Sehr streng."
„Richtig, ich erinnere mich," antwortete Sam.
Sie erreichten das Blaue Zimmer und als Sam die Tür aufschob, war Lily erleichtert, die anderen darin rumlungern zu sehen.
Es war ein großer, quadratischer Salon, der in einem tiefen Königsblau gestrichen war. Die zwei Sofas und Liegen waren ähnlich geblümt – cremefarben mit blauen Rosen und Zweigen aus Schleierkraut – während der Holzboden aus derselben dunklen Eiche war, die bereits im Flur und in vielen Teilen des Hauses zu Geltung gekommen war. Ein Klavier stand in einer Ecke und obwohl niemand auf seiner Bank saß, produzierte das Instrument eine leise, vage impressionistisch klingende Melodie. Das Nachmittagslicht fiel durch die Spitzenvorhänge (dichtere, seidene cremefarbene waren zurückgezogen) und sich bewegende, magische Fotografien reihten sich auf dem Kaminsims der Feuerstelle zu Lilys Rechten auf; sie hätte sie gerne angesehen, jedoch ließ ihr die Wiedervereinigung mit ihren Freunden keine Gelegenheit dafür. Jeder sah zu den Neuankömmlingen auf.
Sirius war auf der Chaiselongue ausgestreckt, mit einem halb gegessenen Apfel in seiner Hand, während Remus und Peter in den flankierenden Stühlen saßen. Marlene und Mary waren ebenfalls angekommen (Marlenes blondes Haar war noch nass von ihrer langerwarteten Dusche) und sie saßen auf einem der Sofas, während Donna auf dem anderen saß.
„Sie ist eingetroffen," sagte Sirius grinsend. „Und dir auch hallo, Sam."
„Danke," antwortete Sam sarkastisch.
„Was hat so lange gedauert?" wollte Donna wissen. „Ich musste noch nach Hause und war trotzdem schneller."
„Sie musste ihre Mum anrufen und ich hab' ihr eine kurze Führung gegeben," erklärte Sam, als er sich auf die Klavierbank setzte und Lily ließ sich neben Marlene auf die Couch fallen. „Oh, und ich hab' ihr noch das Haus gezeigt."
„Sehr lustig," sagte Lily. Marlene hob nachfragend ihre Augenbrauen. „Hab bloß mit Pemberley geliebäugelt.", erklärte Lily locker; die Blondine – die einzige, die Anspielung verstehen konnte – guckte trotzdem noch interessierter.
„Ist das so, Lizzie Liebes?"
„Wer hat irgendwas von Lizzie gesagt? Ich bin Tante Gardiner."
„Hört auf Dinge zu sagen, die keiner versteht," beschwerte sich Sirius, der den Apfel beäugte, als ob er überlegte, noch einen Bissen zu nehmen. „Und wo zur verdammten Hölle ist James?"
„Gracie liest ihm die Leviten," sagte Sam.
„Immer noch?" fragte Peter. „Das geht schon seit fast einer Stunde so! Und ich bin am Verhungern…"
„Ich auch," sagten Lily, Donna und beide Prewetts im Chor.
„Tja, lasst uns essen," sagte Sirius. „Wir können einen Hauself rufen. Twitch! Twitchet!"
Mit einem lauten Krachen erschien die kleine, verschrumpelte Kreatur mit großen Augen und größeren Ohren aus der Küche neben Sirius Ellbogen.
„Twitch, wir haben Hunger," sagte Sirius. „Würdest du so lieb sein und etwas bringen? Wir waren heute alle ziemlich heroisch, weißt du."
Der Hauself verbeugte sich, als ob ihm etwas peinlich wäre. „Master James hat gesagt, dass, wenn Master Sirius etwas essen will, er zur Küche gehen muss. Twitchet würde nur zu gern Master Sirius und seinen Freunden etwas zu essen bringen, aber Master James hat gesagt."
Remus lachte und Sirius blickte finster. „Cleveres Arschloch. Er hat das extra gemacht, wisst ihr. Er war immer neidisch, dass die Hauselfen mich besser mochten, als ich hier gewohnt habe, also hat er gesagt, ich wäre faul. In Ordnung, du kannst gehen, Twitch. Wir sind bald unten."
Twitchet verbeugte sich wieder und verschwand, mit einem letzten breiten, gruseligen Lächeln, wieder einmal lautstark.
„Ich frage mich, ob James irgendwelche Regeln bezüglich Alkohol aufgestellt hat," überlegte Sirius. Remus verdrehte seine Augen.
„Du bist so faul."
„Bin ich nicht. Ich bewahre meine wertvolle Energie und sowieso, ich habe die ganze Nacht kaum geschlafen."
Remus und er fuhren mehrere Minuten lang fort sich zu zanken, bis Mary, die nur Teile der Geschichte der letzten dreißig-noch was Stunden gehört hatte, sich eine komplettere Version wünschte. Sam, nachdem er sich ihr mit einem dramatischen Absetzen seines braunen Hutes vorgestellt hatte, begann zu reden, und es gab tatsächliche viele Details, die Lily ebenfalls zum ersten Mal hörte.
Sam, so schien es, war gerade mit Dorcas Meadowes beim Frühstück gewesen, als Dory von ihrer Schwester erfuhr, dass mehrere besorgte Individuen planten, im Protest gegen Egbert Dearborn und der Magischen Bevölkerungsschutzverordnung durch das Atrium zu marschieren. Sam, immer der erste, der eine Gelegenheit beim Schopfe packte, bei der er öffentlich Ungerechtigkeit (und seinem älteren Bruder) widersprechen konnte, lief mit, aber nicht, bevor er Sarah McKinnon und James, der erst am Abend zuvor aus dem West Country zurückgekehrt war, abfing. James wiederum apparierte rüber um Sirius und Remus abzuholen (dieser Teil der Geschichte wurde von Sirius selbst erzählt), aber – da Peter noch im Bett war – wurde ihm über seine Mutter eine Nachricht hinterlassen.
Sam fügte hinzu, dass Sarah McKinnon und er den Prewetts Bescheid gesagt hatten und sie – zusammen mit Emmeline, Victor und Dorcas – den Rest der ursprünglichen Gruppe zusammengetrommelt hatten (abgesehen von natürlich Lily, Marlene und Donna, die von den Rumtreibern abgeholt worden waren).
Von da an wusste Lily das meiste der Geschichte und trug zu ihrer Wiederholung für Mary bei. Peter und Remus erklärten, wie die Auroren ankamen, während Lily von ihrer Gefangennahme erzählte (sie vermied absichtlich, den Tarnumhang der Rumtreiber zu erwähnen) und erwähnte kurz die Zeit in Falstaffs Büro und dann die Aurorabteilung. Jeder war genügend beeindruckt von der Tür-aus-den-Angeln-brechen-Geschichte.
Marlene erklärte, wie es zu dem Rita Skeeter Artikel kam und die Geschichte war fast ganz beendet, als schließlich James im Blauen Zimmer ankam. Twitchet, der Hauself, hatte den Befehl seiner Master umgangen, in dem er zwei Tabletts Butterbier gebracht hatte, als James – mit dem Hut in der Hand und gefolgt von seiner Mutter – reinschlenderte.
„Ich sehe, du lebst noch," bemerkte Sirius.
„Mach Platz, du fauler Sack," sagte James, aber er beschwörte einen Stuhl von dem Tisch für seine Mutter herbei, bevor er sich selbst auf die Chaiselongue setzte.
„Du bist auch noch nicht aus dem Schneider, Sirius Black," rügte Mrs. Potter, ihre Arme verschränkend. „Du auch nicht, Samuel."
Sam sprang von der Klavierbank auf, durchquerte den Raum und nahm die Hand seiner Cousine. „Gracie, du bist nicht wirklich sauer auf mich, oder?"
„Hmm, werden wir sehen," war die geheimnisvolle Antwort der Hexe, aber ihre Lippen zuckten amüsiert.
Abgesehen von dem kurzen Blick vor fast einer Stunde im Korridor hatte Lily Mrs. Potter schon zu verschiedenen Gelegenheiten gesehen. Sie war immer anwesend gewesen um James am Kings Cross Bahnhof zu verabschieden und es war schwierig, die besonders gut gekleidete Mutter eines der beliebtesten Schülers Hogwarts zu übersehen. Jedoch konnte Lily nun die besagte Hexe etwas genauer betrachten und vielleicht aufgrund ihrer seitdem geänderten Meinung über ihren Sohn, schien die Mutter auch verbessert – sicherlich mehr als eine durchschnittliche reiche Dame.
Grace war gertenschlank gebaut, wie immer elegant gekleidet in champagnerfarbenen Umhängen. Sie trug nicht viel Schmuck, aber das, was sie trug – einen Diamantenring, einen einfachen goldenen Ehering und große Saphirohrringe – war da, um bemerkt zu werden. Sie funkelten im Licht des Fensters. Mrs. Potters Haare waren braun mit Einschlägen von rotbraun und grau und die Form und die Farbe ihrer Augen waren ziemlich ähnlich zu James'.
„Ich schätze, du solltest alle kennenlernen," schien James plötzlich einzufallen, der wieder von der Chaiselongue aufsprang und den Hut daließ, um seinen Platz vor Sirius zu sichern. „Natürlich kennst du die meisten von uns. Ich bin James, dein einziger Nachkömmling."
„Ja, leider."
„Der einzige Nachkömmling, von dem ich weiß, jedenfalls. Das ist Sirius – er ist ein Arsch – und das ist Remus, den du dir als Sohn gewünscht hättest…" Er kam schließlich zu den echten Vorstellungen. „Das ist Donna, aber ich schätze, ihr kennt euch auch schon…"
„Miss Shacklebolt," sagte Grace warm. "Es ist viel zu lange her."
"Es ist schön, Sie wiederzusehen," antwortete Donna und Lily war geschockt von der un-Donna-haften Höflichkeit, die sie zeigte.
„Das ist Mary Macdonald und Marlene Price – sie sind in meinem Haus und Jahr," fuhr James fort. „Und… oh, tja, ich schätze…" er stolperte fast unbemerkt, „… das ist Lily Evans, selbe Geschichte. Alle: meine Mutter."
Und da war das typische Nicken und Händeschütteln und Lächeln: „Ich hoffe, mein Sohn hat Sie nicht alle zu sehr in Schwierigkeiten gebracht…"
„Aber, Mum," sagte James. „Ich weiß, dass Sirius hier mal gewohnt hat, aber er ist nicht wirklich dein Sohn…"
„Halt die Klappe, Idiot," sagte Sirius, seinen Freund tretend.
„Seid lieb," befahl Mrs. Potter.
„Mach dir keine Sorgen, Mum. Ich hab' dir schon gesagt – die Auroren haben uns alle als unbekannte Personen aufgeschrieben. Wir wurden nicht mal ernsthaft verhaftet…"
„James hat keinen in zu viele Schwierigkeiten gekriegt, Mrs. Potter," versicherte Sirius ihr. „Allerdings ist er ein Arsch, weil er versucht, mich zu Tode zu hungern…"
James saß relativ weit von Lily entfernt, aber sie konnte nicht anders, als zu bemerken, dass er während der Anwesenheit seiner Mutter unüblich angespannt war und sie fragte sich, ob das auf seine frühere „Unterhaltung" mit Mrs. Potter bezogen war. Schließlich entschuldigte die ältere Frau sich, erklärte, dass sie nach Erfrischungen schauen würde und ging.
„Weiß irgendwer, wer letzte Nacht das Vorsaisonspiel gewonnen hat?" fragte Marlene gegenwärtig. „Ich habe komplett vergessen, nach dem Punktestand zu sehen."
„Die Harpies haben die Tornados abgeschlachtet," sagte Sirius ihr. „Keine Überraschung. Die neue Kapitänin soll brillant sein…"
„Das ist sie," sagte Donna enthusiastisch, jetzt, wo sich die Unterhaltung Quidditch zugewendet hatte. „Zweiundzwanzig Tore gegen die Canons im letzten Monat…"
„Tja, das sind die Canons," sagte Sirius.
„Oh, ich mag sie," argumentierte Marlene. „Die haben etwas Liebenswertes."
„Was wäre denn das genau?" fragte James. „Ihre Unfähigkeit ein Spiel zu gewinnen?"
„Ich wette, sie sind verflucht," sagte Peter.
„Nö, es ist ihr Management…"
„Aber sie hatten drei verschiedene Besitzer in einem Jahrzehnt…"
Und es war besonders seltsam, dort in James' Potters Salon zu sitzen, und nach dem Tag und der Nacht und dem Morgen und dem Nachmittag, den sie alle gerade gehabt hatten, über Quidditch zu reden. Es war bizarr und fast surreal und das wurde durch die Tatsache verstärkt, dass Lily seit Stunden nichts gegessen hatte. Das einzige, was ihren Hunger gerade dann überstieg, war ihre Erschöpfung, die sie sogar zögern ließ, ein wenig von der Couch aufzustehen um nach einem zweiten Butterbier zu greifen.
Sie ließ ihren Kopf auf Marlenes Schulter fallen, wenig zu dem Diskurs beitragend, aber hauptsächlich zuhörend und zuschauend.
Sirius – der wie ein abgelegter Mantel auf der Chaiselongue drapiert war– lachte viel.
Marlene spielte gedankenverloren mit ihrem neuen Haarschnitt.
Sam konnte nicht stillsitzen und sprang bei jeder seiner Wortmeldungen auf.
Remus schien müde, aber unschuldig müde: er schien nicht überdrüssig, noch zermürbt, sondern einfach nur, als ob ihm Schlaf fehlte.
Peter musste kämpfen um zu Wort zu kommen.
Donna stritt mit jedem.
Mary sprach wissender über die Harpies, als sie es kaum über ein anderes Team hätte tun können.
James hörte kaum auf zu reden.
Zeit verstrich mit einem ungewöhnlichen Tempo. Augenblicke dehnten sich unnatürlich aus, aber sehr bald war mehr als eine Stunde vergangen und es schien nur ein paar Minuten gedauert zu haben.
Schließlich erschien eine andere Hauselfe mit Essen – Käse und Tee und Kekse und Kuchen – und Lilys Bauch grummelte sehnlich, als sie sich nach einem Stück von letzterem ausstreckte. Sie wurde jedoch davon unterbrochen, dass ihr Name gerufen wurde.
„Lily, Liebes?"
Sie sah auf; Mrs. Potter stand wieder bei der Tür.
Verdammte-Kacke-wenn-sie-nicht-bald-etwas-zu-essen-bekam-würde-sie…
„Ja?" antwortete die jüngere Hexe verwirrt. Die anderen plauderten laut weiter, niemand außer James bemerkte die Unterbrechung.
„Hier ist jemand um dich zu sehen," sagte Mrs. Potter ihr.
„Um mich zu sehen?" fragte Lily dümmlich.
Mrs. Potter nickte.
„In Ordnung."
Kurzzeitlich den Kuchen vergessen, stand Lily auf und folgte James' Mutter hinaus in den Flur.
„Wer will mich sehen?" fragte sie sich, als sie gingen.
„Alice Griffith tatsächlich."
„Alice? Ist Frank Longbottom bei ihr?"
„Nein, bloß Alice. Auch ein süßes Mädchen. Sie… naja, egal, du wirst sehen." Mrs. Potter lächelte auf eine James-ige Art. „Seid ihr beiden eng befreundet?"
„Ziemlich eng," sagte Lily und sie war unerklärlicherweise nervös. „Alice war die erste Freundin, die ich in meinem Haus in der Schule hatte."
„Unbezahlbar," bemerkte Mrs. Potter. „Oh, hier lang, Liebes. Es ist viel schneller. Bist du dann eine Gryffindor?"
„Ja."
„James' Vater war auch ein Gryffindor…"
„Ja, das hat James erwähnt."
Mrs. Potter sah sie an; „James spricht über seinen Vater?"
„Nein… tja… manchmal. Es war tatsächlich eine der ersten Dinge, die er je zu mir gesagt hat… im Zug auf dem Weg nach Hogwarts im ersten Jahr hat er gesagt, dass er ein Gryffindor werden will, wie sein Dad…" Sie erinnerte sich lebhaft an den Vorfall. „Er hat so getan, als ob er ein Schwert schwingen würde…"
Mrs. Potter brach in Gelächter aus. „Dieses Kind…"
Sie kamen im Erdgeschoss an und Mrs. Potter deutete auf einen kleinen Salon zu ihrer Linken. „Alice ist im Studierzimmer – da geht es lang," sagte sie, sie zu dem Zimmer leitend. „Sie wollte zuerst mit dir alleine sprechen."
„Ist alles in Ordnung?"
„Ich schätze, das musst du sie selbst fragen," sagte die ältere Hexe, aber sie war am Strahlen, als ob sie absichtlich ein großes Geheimnis für sich behielt. Sie erreichten das Studierzimmer und Alice stand dort drin, auf- und ablaufend und nervös ihre Hände wringend. Sie erschrak bei Mrs. Potters Begrüßung.
„Oh! Oh, hallo."
„Ich lasse euch dann allein," sagte Grace.
„Vielen, vielen Dank," sagte Alice und Mrs. Potter nickte, bevor sie in den Flur verschwand.
„Alice, ist alles okay bei dir?" fragte Lily, die zu ihrer Freundin eilte. „Wie hast du mich hier gefunden?"
„Wir haben im Radio gehört, dass ihr alle raus seid, also bin ich zu deinem Haus, aber niemand war zuhause – dann bin ich - bin ich zu Marlenes…" (Sie war ziemlich abgelenkt), „Aber Marlenes Mum hat gesagt, dass sie zu den Potters mit einer Gruppe von Freunden ist, und ich habe angenommen, dass wenn sie hier ist, du es auch wärst…"
„Ist etwas los? Lathe hat gesagt, dass die Auroren euch nach draußen begleiten… ich dachte… Ist Frank etwas zugestoßen?"
„Was? Nein. Nein, natürlich nicht. Tja… da ist – etwas, das uns beiden zugestoßen ist."
Lily hob ihre Augenbrauen. „Ich bin verwirrt."
„Das Ding ist," begann Alice, ihre Knöchel knacken lassen, „ich habe mich gefragt, ob du mir vielleicht etwas – also, falls das für dich okay ist – mir… mir etwas ausleihen könntest."
„Dir etwas ausleihen?" wiederholte Lily. „Dir was ausleihen?"
„Es ist ziemlich egal," sagte Alice ihr. „Ohrringe… aber keine Halskette. Ich hab' schon eine Kette – eine blaue. Aber vielleicht Ohrringe, oder sonst irgendwas, wirklich. Eine Strumpfhose. Eine Strumpfhose wäre auch gut."
„Ohrringe und Strumpfhosen? Al, wovon redest du?"
„Tja," sagte Alice wieder, „ich muss etwas ausleihen…"
„Ja, aber warum?"
„Weil… weil, du siehst, ich habe schon ein Kleid… ein altes und neue Schuhe und die Kette ist blau, wie ich gesagt habe, also… schätze ich, brauche ich noch etwas Ausgeliehenes."
Lily starrte sie an.
„Alice – bist du…?"
Alice strahlte. Sie hielt ihre linke Hand nach oben, bei der ein wichtiger Finger mit einem diamantenen Verlobungsring bedeckt war.
„Ich heirate in zwei Stunden, Lily."
Sprachlos für mehrere Sekunden war sich Lily nicht einmal sicher, was sie fühlte oder dachte, noch viel weniger, was sie sagen sollte. Dann traf sie alles auf einmal – inklusive der Erkenntnis, dass Alice dies ziemlich ernst zu nehmen schien –und Lily hörte, wie sie selbst sagte: „Ich habe vielleicht eine Strumpfhose."
Dann umarmte sie Alice und dann erklärte Alice, wie sie und Frank sich verlobt hatten und wie Frank einen Typen aus dem Amt kannte und dass Mrs. Longbottom fuchsteufelswild wegen der ganzen Sache war und dass sie um sechs Uhr in einem standesamtlichen Büro in der Winkelgasse sein sollten und dass Franks Bruder sein Trauzeuge sein würde und dass natürlich jeder oben willkommen war, mitzukommen, denn es waren nur Alices und Franks Familien, die bis jetzt Bescheid wussten und es war schrecklich traurig eine Hochzeit zu feiern ohne Freunde dazuhaben.
„…Aber ich wollte zuerst mit dir alleine sprechen," sagte Alice, die jetzt ihre Schnellfeuerrede verlangsamte. „Weil – tja, sich Hestia gerade in Monaco auf dem Strand sonnt und ich nur Brüder habe und – wie ich gesagt habe, Franks Brüder für ihn Trauzeuge sein wird, also habe ich irgendwie gehofft, dass du… ich meine, wenn du nichts dagegen hast – würdest du – meine Trauzeugin sein?"
Lily war sichtlich geschockt.
„Tja, meine Güte, Alice," begann sie langsam. „Ich meine, es ist verdammt kurzfristig – natürlich werde ich deine Trauzeugin sein! Um Agrippas Willen, ihr seid beide verdammt verrückt, aber natürlich mache ich das!"
Dann war da mehr Umarmen und vielleicht wäre da noch Weinen gewesen, wenn sie genug Zeit dafür gehabt hätten. So wie es war, musste eine große Menge an wesentlichen Informationen – wie war die Verlobung passiert? Was hat ihre Mutter gesagt? Was würde Alice anziehen? – sehr schnell kommuniziert werden.
„Oh, und denkst du, dass einer der Rumtreiber eine gute Krawatte hat? Ich liebe Frank mehr als alles andere, aber die Krawattensituation des Typen ist fürchterlich…"
„Wir finden etwas," sagte Lily abwesend. „Hast du gesagt, dass du pink trägst? Liebes, nein – weiß ist eine Notwendigkeit."
„Aber ich habe keine weißen Kleider…"
„Wir sind Hexen, oder? Mary wird mich unterstützen: du musst weiß tragen." Sie hielt plötzlich inne. Alice sah sie verwirrt an.
„Was ist los? Du hast dich doch nicht an eine andere Hochzeit erinnert, bei der du heute Abend Trauzeugin bist, oder?"
Lily schüttelte ihren Kopf. „Alice," begann sie ernsthaft. „Ich liebe dich und Frank, du weißt das. Ihr seid das Märchen, von dem ich Donna erzähle, wenn sie schlecht gelaunt ist…" Alice grinste anerkennend. „…Aber seid ihr euch ganz sicher? Seid du und Frank euch absolut und komplett sicher? Ich bin mir sicher, dass es sich richtig anfühlt, aber macht es… macht es auch alles Sinn… in deinem Kopf?"
Alice lächelte.
„Absolut."
Und Lily glaubte ihr. „Ihr seid irre." Sie seufzte, lächelte und schüttelte ihren Kopf. „Lass uns nach einer Krawatte sehen, ja?"
Es ist vielleicht nur für wenige eine Überraschung, dass die Planung einer Hochzeit in zwei Stunden ziemlich schwierig ist. Lily schaffte es nie, ein Stück vom Kuchen im Blauen Zimmer zu haben, da es plötzlich eine Million Dinge gab, die getan werden mussten, unter anderem die Geschichte allen oben zu erzählen (wobei ein paar schmutzige Einzelheiten, die Alice Lily in ihrer ersten Erzählung der Verlobung verschmitzt erzählt hatte, ausgelassen wurden).
Dann wurde die ganze Sache ziemlich unerwarteterweise ein Gruppenprojekt. Frank war bereits zu dem Zeitpunkt in der Winkelgasse und füllte seinen Teil des Papierkrams aus und ihm schlossen sich bald die Rumtreiber und Sam an, die Kleidung (und natürlich Krawatten) mit sich brachten, zu Franks großer Überraschung – und vielleicht seiner heimlichen Erleichterung. Er war mit den Prewettbrüdern in der Schule eng befreundet gewesen und sie wurden ebenfalls hastig mündlich eingeladen.
Mary, die nicht die Nacht in einer Gefängsniszelle verbracht hatte, musste nur nach Hause hüpfen, eins ihrer vielen Kleider auswählen (sie entschied sich für ein kleines magentafarbenes) und wieder quer durch London hüpfen, was sie tat. Sie schloss sich auch Frank und den Jungs an, weil sie sagte, dass Sirius und James die einzigen waren, denen sie vertraute, dass sie eine passende Krawatten-Socken-Kombination auswählen könnten (James' Krawattenauswahl war so groß gewesen, dass es fast schon peinlich war) und sie vertraute ihnen nicht, aus Spaß keine lächerliche Kombination auszuwählen.
Die anderen Mädchen gingen in der Zwischenzeit zu sich nach Hause, holten die „bloßen Notwendigkeiten" und trafen sich wieder im Griffiths' Haus.
Marlene füllte Alices Papierkram aus, und reichte der Braut gelegentlich die Feder und das Pergament für eine Unterschrift, füllte aber den Großteil des Formulars selbst aus nach Alice' Diktat aus. Lily zauberte schlussendlich das Kleid weiß, während ihr die Ironie sehr bewusst war, da die ursprüngliche weiße Farbe ihres eigenen T-Shirts längst durch das magische Rot durchsickerte. Jedoch steckte sie deutlich mehr Anstrengung in Alices Kleid, einem einfachen, aber eleganten Sommerkleid.
Marlene ging um sich selbst umzuziehen und sie nahm eine streitlustige Donna mit sich mit. Lily richtete, assistiert von einer zappelnden Mrs. Griffiths, Alices Haar mit dem Zauberstab. Sie ließ es auf Alices Bitte hin lockig und begann dann ihr Make-up.
„Ich kann das selber machen, Lily, ehrlich…" bemerkte die Braut. „Du bist immer noch nicht angezogen…"
„Ich kann mich dort umziehen, so wie du," antwortete Lily, sich auf die Lippe beißend, als sie sich darauf konzentrierte, den weißen Eyeliner in ihrer Hand genau richtig aufzutragen.
„Aber du musst dein Kleid holen gehen."
„Nein, Marlene geht zu mir nach Hause um etwas für mich zu holen."
„Aber…"
„Keine Widerrede und sitz still oder ich pieks' dich ins Auge."
Donna kehrte als erste in einem dunkelvioletten Kleid zurück, dass sie sich widerstrebend von Marlene geliehen hatte, weil die Blonde am ehesten ihre Größe hatte und sie sich weigerte, nach Hause zu gehen um ihre eigenen Kleider zu holen. Tatsächlich schien Donna durchgehend widerspenstig bei der ganzen Sache zu sein, die einzige, die nicht einmal ein bisschen enthusiastisch schien.
„Du siehst wundervoll aus, Donna," sagte Alice, während Lily ihre Augenbrauen richtete.
Donna nickte kurz und setzte sich dann wieder.
„Don, was ist los?" fragte die abgelenkte Lily.
„Ich habe es schon gesagt," antwortete die andere. „Das ist eine schlechte Idee."
„Dass ich heirate, meinst du?" rief Alice, deren Position es verlangte, dass ihr Rücken auf Donna gerichtet war.
„Ja, natürlich."
„Tja, falls es schief geht, darfst du gerne ‚Ich hab's dir doch gesagt' sagen."
Donna verdrehte ihre Augen. „Warum würdest du überhaupt heiraten wollen, Alice? Du bist doch praktisch ein Kind."
„Ich bin tatsächlich praktisch eine Aurorin."
„Das ist kein Grund um zu heiraten."
„Du glaubst nicht an die Ehe," bemerkte Lily, kurz von ihrer Arbeit aufsehend. „Würdest du dem mehr zustimmen, wenn sie siebenunddreißig und zwei Jahre lang verlobt wären?"
„Nicht sehr viel mehr," gab Donna zu. „Aber das hier ist bloß sehr viel offensichtlicher ein Fehler. Ich weiß, dass ihr alle die Idee mögt, euch schick zu kleiden und Lilys romantische Seite muss temporär ihre rationale ausgeknockt haben…" (Lily verdrehte ihre Augen) „Aber ernsthaft, Alice, ich verstehe nicht, wie du denken kannst, dass das eine gute Idee ist."
Lily und Alice sahen sich an und dann richtete sich die Erstere auf und trat weg, sodass sich Letztere umdrehen konnte um Donna anzusehen.
„Ich werde Auror sein, Donna," begann sie langsam. „Und Frank auch. Und wir haben keine Ahnung, was morgen passieren wird. Es hört sich klischeehaft an, aber ich – ehrlich… also… was, wenn er nächste Woche stirbt und…?"
„Aber was, wenn er nächste Woche nicht stirbt?" unterbrach Donna aufrichtig. „Ich bin mir sicher, dass es leicht ist, das hier zu tun, wenn man das ganze so ansieht – als ob man jede Minute tot sein könnte… aber was, wenn keiner von euch stirbt? Was, wenn ihr heiratet, bleibt am Leben und steckt dann euer Leben lang fest miteinander?"
Alice lächelte und hob amüsiert ihre Augenbrauen. „Donna, das ist der Plan. Morgen zu sterben ist nicht, was wir wollen, es ist eine Möglichkeit – ehrlich gesagt, ist es die Möglichkeit, über die wir nicht oft genug nachdenken. Aber der Sinn, jetzt heiraten zu gehen, ist es, zusammen zu leben, nicht bloß zusammen zu sterben."
Donnas Gesichtsausdruck war nicht direkt interpretierbar. Nach einer Sekunde oder zwei seufzte sie und verdrehte ihre Augen – Standard Donna Reaktionen – bevor sie ihre Arme verschränkte und sich in ihrem Stuhl zurücklehnte.
„Ich schätze, ihr macht sowieso, wie ihr wollt," sagte sie einfach. Alice schien nicht zufrieden, aber sie hatte weniger Erfahrung als Lily darin zu erkennen, wann Donna nachgab.
Eines Tages in der nicht zu entfernten Zukunft würde Sirius Black der Trauzeuge bei der Hochzeit seines besten Freundes sein. In der Zwischenzeit erhielt er gute Übung mit Frank Longbottom.
„Feuerwhiskey?" fragte er, einen Flachmann hochhaltend, den er aus seinem silbernen Hut produziert hatte.
Frank, der beschäftigt damit war, durch ein paar letzte Papiere zu gehen, schüttelte seinen Kopf und Sirius zuckte mit den Achseln. Er gab den Flachmann an einen ungewöhnlich nachdenklichen James weiter, der einen Schluck nahm, bevor er ihn Remus weiterreichte. Die Rumtreiber, die Prewetts, Sam Dearborn, Frank und Franks Bruder, Geoffrey, besetzten ein kleines Zimmer, das ihnen in dem Backsteinbüro in der Winkelgasse, das die Hochzeitlocation sein würde, für ihren Gebrauch bereitgestellt worden war. Die Familien – Alices Brüder und die Eltern von sowohl Braut und Bräutigam – warteten in dem Büro des Trauzauberers, während die Braut und die Hexen, die sie begleiteten, in dem Zimmer auf der anderen Seite des Flurs waren.
Peter stand nah am Fenster und sah runter auf die Straße.
„Seltsames Wetter haben wir," beobachtete er. „Diesig."
„Vielleicht wird es regnen," spekulierte Sirius hoffnungsvoll, während er zu Peter rüberging um selbst zu schauen. Geoffrey Longbottom schnaubte.
„Wohl kaum. Das Ministerium hat in all den Monaten nicht geschafft, etwas gegen die Dürre zu tun und es wird nicht erwartet, dass bis September von alleine etwas geschieht."
„Schade," bemerkte Remus abgelenkt, der sich zu Peter und Sirius am Fenster stellte.
James hatte mit der Wochen-Quaffel – einem Magazin, das er von der Rezeption gestohlen hatte – in einer Ecke gesessen, aber nun sah er zu seinen drei Rumtreiber auf, die alle am Fenster standen. Mit der Idee, den Flachmann abzustauben, der sich nun in Peters Besitz befand, stand er auf um sich ihnen anzuschließen.
Peter händigte ihm den Feuerwhiskey aus und sie sahen den Passanten in der Straße unten ohne echtes Interesse zu.
Ein komischer Gedanke kam James – dass er nur vor weniger als drei Monaten Lily im Gryffindor Gemeinschaftsraum gebeichtet hatte, dass er nicht wirklich einen Sinn darin sah, für ein siebtes Jahr zu Hogwarts zurückzukehren. Alles hier ist – Sirius…
Lily hatte ihn natürlich dafür ausgeschimpft, dass er ein Idiot war, und sie hatte Recht gehabt, denn hier standen sie vier (bei einer Hochzeit um Merlins Willen), und bereiteten sich darauf vor für ihr letztes Jahr zurückzukehren. James fühlte sich plötzlich sehr alt.
„Wisst ihr," murmelte er, gerade laut genug, dass er nur die Aufmerksamkeit der Rumtreiber auf sich zog, „ihr seid nicht schlecht, so als Freunde."
Die anderen sahen ihn verwirrt an, aber James wurde vor einer weiteren Ausführung gerettet, da Frank seinen Papierkram beendete und den Flachmann erbat.
James meldete sich freiwillig auf die Bitte von Mary und Donna, Lily zu suchen, als die sich zu der Braut hinten im Flur gesellten. Anscheinend waren sie – mit Marlene – noch immer mit Alice beschäftigt und sie brauchten jemanden, der ihrer verschollenen Trauzeugin Bescheid sagte, dass die Zeremonie bald begann.
Der Trauzauberer – ein kleiner, älterer Zauberer, der chronisch gestresst wirkte – informierte James, als er ihm im Flur über den Weg lief, dass er die „rothaarige Hexe" zu einem Raum geschickt hatte, in dem sie sich fertig machen konnte. James folgte denselben Richtungsangaben und kam zu einer halb geöffneten Tür am Ende eines Korridors.
Es war eine kleine Kammer mit zwei runden Tischen, einem körpergroßen Spiegel und Lily. Auf dem Tisch in der Ecke lag ein Blumenstrauß mit Gänseblümchen, während auf dem anderen – näher zu Lily und dem Spiegel – eine Samttasche lag, aus der Kosmetik, etwas, das nach Lilys Zauberstab aussah, und mehrere Kämme und Haarbürstens, deren Notwendigkeit sich James nicht vorstellen konnte, herausschwappten. Ein paar Jeans, Turnschuhe und ein verblassendes rotes T-Shirt lagen in einem Haufen auf dem Boden unter dem Tisch.
Lily sah ihre Reflektion im Spiegel an – starrend, wirklich, als ob sie nach etwas in den bekannten Linien ihres Gesichts suchte. Schließlich schüttelte sie sich und nahm die Wimperntusche, trug sie auf ihre Wimpern auf und betrachtete dann wieder ihr Spiegelbild.
James vergaß zu klopfen.
„Du siehst hübsch aus," sagte er ihr wahrheitsgemäß und Lily erschrak. Sie sammelte sich schnell wieder und drehte sich um zu ihm.
„Danke. Du auch. Abgesehen vom Hut…"
„Ich könnte eine Dusche gebrauchen… und ich dachte, wir hätten gelernt, uns nicht über den Hut lustig zu machen."
„Wir könnten alle eine Dusche gebrauchen und es ist immer noch ein lächerlicher Hut."
„Du bist besser darin es zu überspielen und der Hut hat Stil."
„Tja, du kannst dich gerne am Parfüm bedienen."
„Das würde bloß ganz neue Probleme produzieren," sagte James, der sich fragte, was Carlotta denken würde, wenn sie das Parfüm eines anderen Mädchens auf seinen Feiertagsumhängen riechen würde. Nicht, dass Carlotta früher zurück sein würde als in ein paar Tagen…
Lily verstand die Bemerkung nicht, fragte jedoch stattdessen nach seiner Anwesenheit dort.
„Tatsächlich wurde ich geschickt um dich zu holen," erklärte er. „Sie fangen in einer Minute an."
„Ich verstehe. Du hast den Kürzeren gezogen, oder?"
„Eigentlich hab' ich mich freiwillig gemeldet," Lily sah ihn neugierig an. Das Kleid musste von Satan selbst entworfen worden sein. „Ich - ich wollte bloß mit dir reden."
„Über was?"
Und er wollte es ihr sagen. Das wollte er wirklich. Er wollte das mit Carlotta erklären und erklären, wie das eine gute Sache war, weil es bedeutete, dass es zwischen ihnen nicht komisch sein musste und er war sonst so gut darin zu sagen, was sich seinem Kopf befand, aber… das war anders.
Denn es zu erwähnen würde implizieren, dass sie neugierig war und das war nur eine weitere Unterhaltung, die er nicht haben wollte. Dann gab es zwei andere Optionen: erstens, dass es ihr gar nichts aus machen würde und zweitens, dass sie erleichtert sein würde. Er wollte, dass sie von den Neuigkeiten erleichtert war (oder zumindest wollte er, dass er das wollte), aber er dachte nicht, dass er es aushalten könnte, ihre Erleichterung zu sehen.
Und so…
„Ich schätze, ich wollte danke sagen."
„Danke für was?"
James' Hände fanden seine Taschen. Er dachte an ihren Gesichtsausdruck in Falstaffs Büro, als er versucht hatte, sie aus allem rauszuhalten. „Dass du mir vertraut hast, schätze ich. Und auch die Sache mit der Tür."
Er lächelte ein wenig über die Erinnerung an Lily Evans – die gegen die Türangeln hämmerte – und sah ihr in die Augen. Aber nur für einen Moment, denn – ziemlich plötzlich – umarmte sie ihn.
Und zum ersten Mal, seit er zur Küste gegangen war, hinterfragte James seine Annahme.
Sie hatten sich nicht geküsst.
Sie hatte gesagt, dass sie es nicht konnte.
Sie wollte ihn nicht.
Er hatte das gewusst. Er war so überzeugt gewesen. Aber war da eine Chance gewesen, dass er falsch gelegen hatte? Und, wenn er falsch gelegen hatte, würde es einen Unterschied machen?
Denn Carlotta war auf viele Arten recht fantastisch. Er genoss es in der Tat, mit ihr zusammen zu sein. Und so sehr sie ein Glückspiel sein mochte, stellte Carlotta Meloni nicht halb das Risiko dar, wie es das Warten auf Lily Evans tat.
Lily sah wirklich wunderschön aus, also ließ er sie los.
„Du hast keine Witze über das Parfüm gemacht," sagte er, in der Hoffnung, dass sie nicht bemerken würde, wie sich seine Stimme gar nicht richtig anhörte.
„Und du hast keine Witze über die Dusche gemacht," antwortete sie leicht. James' Zweifel verschwanden. Das war zu einfach für sie. Bloß Freunde. Wie sie es der Tagesprophetenreporterin gesagt hatte. „Danke, dass du nach mir guckst, aber mir geht's gut." Er wollte protestieren, aber sie fügte hinzu: „Ernsthaft, ich werde okay sein."
„Und was, wenn nicht?" fragte er. Weil die letzten sechsunddreißig Stunden im Vergleich zu dem, was zwangsläufig vor ihnen zu liegen schien, wie ein kleiner Kampf wirkte.
Lily hätte vielleicht an seinem veränderten Ton spüren können, was er meinte, aber sie hatte keine Gelegenheit zu antworten. Marlenes Stimme durchbrach ihre Zweisamkeit.
„Sie sind soweit." Die Blonde betrat den Raum. „Und ihr?"
Lily sah James an, als ob sie die Frage für ihn wiederholte, ihn fragend, ob es noch irgendetwas gab, was zwischen ihnen beiden gesagt werden musste. „Natürlich bin ich das," antwortete James. „Ich hab' aber keine Aufgabe zu erledigen, oder? Bist du soweit, Keks?"
Lily nahm ihren Trauzeugenstrauß. „Ich bin soweit."
Sie folgte James und Marlene aus dem Raum und irgendwo im Flur lehnte sie sich mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen rüber. „Woher kennt dein Hauself meinen Namen?"
James gab vor, sie nicht zu hören.
Es gab keinen Einmarsch, sehr wenig Zeremonie, wirklich, in dem Büro, in das sie sich alle gezwängt hatten, zu Lily und Alice mit den von der Trauzeugin verzauberten Gänseblümchen.
Frank strahlte und der Zauberer in schwarz sagte seinen Teil, aber James bezweifelte, dass Braut oder Bräutigam auch nur hörten, was er zu sagen hatte. Sie sahen sich nicht an; ihre Augen waren nach vorne gerichtet, aber sie hielten Händchen und er wusste – er wusste es einfach – dass jedes Stückchen ihrer Konzentration aufeinander fixiert war.
Wenn es eine richtige Art zu heiraten gab, dachte James, dann musste es diese sein – nicht, weil sich Frank und Alice keine Sorgen um Gästelisten und Blumenarrangements machen mussten… es war, weil sie Frank und Alice waren und jeder hier überzeugt war, dass dies richtig war – selbst die ewig skeptische Donna, schätzte er. Die Zeremonie hätte monatelang geplant sein können, vorsichtig arrangiert mit einem Orchester und einer Million magischer Familientraditionen und das wäre auch ganz nett gewesen. Aber in diesem Moment war es perfekt. Und das kam von jemandem, der sich nicht ganz sicher war, dass er an die Ehe glaubte.
Er warf Lily wieder einen heimlichen Blick zu, die mit weinenden grünen Augen seinen haselnussbraunen entgegenblickte. Sie zog eine Grimasse – wahrscheinlich im Glauben, dass er sich über ihre Sentimentalität lustig machte – weil sie natürlich nicht wusste, wie sie da aussah… was die Tränen mit der Farbe ihrer Augen und ihrer Wangen machte… wie er verzweifelt wollte, dass es ihm egal war…, dass er sie überhaupt nicht wollte…
Er würde es versuchen (weil erwidertes Schwärmen vielleicht netter war als unerwiderte Liebe).
Er würde nicht denken, dass er zum Scheitern verurteilt war (selbst, wenn er das war).
Er würde sein Bestes geben (es war nur fair).
Aber in dem vollen kleinen Backsteinbüro – mit seinen drei besten Freunden und verschiedenen Klassenkameraden und Sam und all den Longbottoms und den Griffiths und dem Zauberer in schwarz und Frank und Alice und den Gänseblümchen und Lily – hatte ihn nichts und niemand je so fühlen lassen. Und als Lily nicht sofort wegsah, wusste James, dass sie sich hier irgendwie verstanden.
Alice war alles, was Frank tat, hyperbewusst; sein Atem, sein Zwinkern, wie er aussah, als ob er sich übergeben musste.
Es war irgendwie wunderschön.
Sie heiratete gerade.
Sie heiratete gerade Frank.
Perfekt.
Frank konnte sehen, wie sie ihn ansah, selbst, wenn es nur aus dem Augenwinkel war. Ihre Hand zitterte nicht, während sie eng umpackt in seiner blieb; er dachte, dass er sich vielleicht übergeben müsste.
Auf eine gute Art und Weise.
Er heiratete gerade Alice.
Natürlich tat er das.
Nur so konnte dieser Tag enden.
Lily lächelte durch ihre Tränen hindurch und an einem Punkt bemerkte sie, wie James sie angrinste. Er machte sich über sie lustig, aber es war ihr egal und sie schnitt ihm eine Grimasse.
Sie war müde und hungrig und verdammt, sie würde auch sentimental sein.
Für einen Moment, nur eine Sekunde eigentlich, schaute Lily nicht von James weg und in diesem Moment, war es fast, als ob sie etwas teilten – einen Gedanken kommunizierten… eine leise Reflektion über alles, was (zwischen ihnen) an diesem Tag passiert war… ein gewisses Verständnis, was sie beide über dieses Ereignis hatten – dass vielleicht nur sie hatten.
Perfekt.
„Ehemann und Ehefrau," sagte der kleine Zauberer, und alle klatschten und James schloss sich an, als Frank und Alice sich küssten. Lily lachte unter Tränen mit den anderen, die Hand der nahesitzenden Marlene packend und drückend.
James riss seine Augen weg und bemerkte, dass Sirius ihn beobachtete.
„Was?"
„Nichts," sagte Sirius, (widerwärtig wissend) mit den Schultern zuckend. „Überhaupt nichts."
Sie traten nach draußen auf die gepflasterte Straße der Winkelgasse, stolpernd und lachend, halb im Delirium vor Erschöpfung. Frank packte Alices Hand, sie genau da auf der Straße herumwirbelnd und Sirius dazu bringend, seine Augen zu verdrehen. Der Rumtreiber nahm im Gegenzug Lilys Hand und imitierte die Geste, so dass Alice ihre Zunge herausstreckte und weiter mit ihrem neuen Ehemann tanzte.
Sie sollten eigentlich zum Tropfenden Kessel herüberwandern (zu Mrs. Longbottoms großen Entsetzen), doch während die Erwachsenen (die nun Sam und die Prewetts beinhalteten) drinnen trödelten und plauderten, verweilten die Teenager auf der Straße.
„Ich kann nicht glauben, dass du verheiratet bist, Longbottom!" sagte James ihm.
„Ich kann nicht glauben, dass Sam Dearborn bei meiner Hochzeit war," sagte Alice.
„Es ist bizarr!" wunderte Peter sich. „Ihr seid so… alt!"
„Danke, Pete," sagte Frank augenrollend.
„Und zu denken," überlegte Sirius, „dass ich nur vor ein paar wenigen kurzen Monaten mit der Braut auf einem Date in Hogsmeade war."
Lily schlug Sirius auf den Arm und Remus stöhnte laut. „Halt die Klappe, du Idiot!"
„Es ist schon okay," sagte Frank fröhlich; „Black hat jedes Recht ein schlechter Verlierer zu sein."
Die anderen lachten darüber und Alice stellte sich auf ihre Zehen um Frank zum wahrscheinlich hundertsten Mal der letzten zwei Minuten zu küssen.
„Eklig," sagte Donna, die so tat, als ob es sie schüttelte.
„Halt die Klappe," murmelte Frank, an Alices Lippen lächelnd. „Oder wir laden dich aus dieser verschwenderischen Hochzeit aus."
„Und die Gästeliste zu diesem Zeitpunkt zu verändern, wäre so eine Schererei," lachte seine Frau.
„Also gut," sagte Sirius. „Umtrunk im Pub, ja?"
„Nichts außer dem Besten," witzelte Frank.
Sie begannen vage auf den Tropfenden Kessel zu zulaufen, aber waren bloß ein paar zickzackige Schritte weitergekommen, als Lilys Stimme sie stoppte.
„Wartet eine Minute!"
Sie drehten sich alle um die Rothaarige anzusehen, deren Augen dagegen nach oben gerichtet waren.
„Was ist los?" fragte Mary.
Langsam begann Lily zu lächeln.
„Keks?" fragte James.
„Habt ihr das gefühlt?" fragte sie, ihre Hand nach oben gerichtet ausstreckend.
„Was gefühlt?" begann Donna zu fragen, aber dann wurden ihre Augen groß. „Verdammter Merlin!"
„Was? Ich verstehe nicht…" Remus hielt inne. „War das ein Regentropfen?"
Das war es.
Und alle Jugendlichen richteten ihre Augen in Richtung Wolken, als sie sich – nach Monaten der Trockenheit – öffneten und es zu regnen begann.
Tropfen fielen, härter und härter und Sirius begann zu lachen.
„Du wirst dein Kleid ruinieren!" bemerkte Mary angespannt zu Alice, aber der Braut schien es egal zu sein. Mit ihrer linken Hand noch immer in Franks' hob sie ihre andere um den Regen zu begrüßen. Eine wundervolle, kalte Dusche schnitt durch die Hitze und die zehn Hexen und Zauberer schwelgten dort drin wie Neunjährige. Sirius nahm Marys Hand, und führte sie in einer seltsamen Art von Walzer.
Mary schrie halb, lachte halt, als der Regen ihr perfekt arrangiertes kastanienbraunes Haar zerpflückte und die anderen lachten auch, hauptsächlich über Sirius' irrwitzige Show.
Marlene ließ ihren Kopf zurückfallen und atmete. Das Wasser lief ihr die kurzen blonden Locken hinunter und das war genau, was sie brauchte. Alles würde okay sein – konnte sie nicht anders, als zu denken.
Frank schob eine nasse Locke aus Alices Augen. Perfekt.
Donna suchte nach ihrem Zauberstab, weil zumindest sie nicht durchnässt werden wollte. Aber in der Sekunde, bevor sie einen Impervius-Zauber auf sich hexte, zögerte sie, nur um ein paar Regentropfen wirklich zu spüren und sie dachte, sie könnte vielleicht irgendwie den Reiz verstehen…
Alice küsste Frank wieder, dieses Mal mit geschlossenen Augen sanft auf die Lippen; sie war sich nicht sicher, ob da irgendwelche ihrer echten Tränen mit den Regentropfen vermischt war.
Remus zwinkerte Wasser aus seinen Augen, lachend und den Kopf über Sirius schüttelnd, der jetzt seinen Hut zu Mary tippte.
Peter sah die anderen drei Rumtreiber an und er war hauptsächlich einfach glücklich.
James bedeckte seine Brille vor dem Regen und er sah nicht wirklich viel, bevor Lily sich zu ihm stellte.
„Danke," sagte sie laut, über das Getöse des Regens und der Stimmen der anderen. Zusätzlich waren noch andere Bewohner, Ladenbesitzer und Einkäufer der Winkelgasse hinausgetreten um den ersten Regen seit Monaten zu bewundern.
„Für was?" fragte er verwirrt.
„Dafür, dass du mich gestern abholt hast."
„Du bist nicht wütend auf mich, weil ich dafür gesorgt hab, dass du so halb verhaftet wurdest?"
Lily zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Es wird eine gute Geschichte werden, schätze ich."
James schüttelte den Kopf. „Dir macht das auch Spaß, oder?"
„Was?"
„Bürokratische Ungerechtigkeit zu bekämpfen."
Lily lächelte. „Tja, ich schätze, es war unumgänglich."
„Was war unumgänglich?"
„Das wir schließlich denselben Kampf gewählt haben, du und ich."
Sie hatte auch Recht.
„Ich schätze auch," stimmte James grinsend. „Es ist so langsam Zeit, oder?"
„Das ist es sicherlich."
Und das war es sicherlich.
„Nun, verdammt noch Mal, James, können wir bitte etwas Essen gehen?"
