Er lag in seinem Bett, schlafen wollte und konnte er nicht. Dafür war es noch zu früh. Er dachte über die heutigen Ereignisse nach. Er hatte zwei schöne Momente gehabt. Der in dem sie ihn bat zu bleiben, sie nicht zu verlassen. Und der andere war im Dojo, als er sie gekitzelt hat. Ja das war schön. Wäre dieser Mistkerl nicht aufgetaucht, wäre vielleicht noch mehr schönes passiert. Seine Miene verzerrte sich in eine Grimasse, er konnte diesen Affen Shota nicht ausstehen. Der Gedanke an ihn, reichte schon, damit er ein Magengeschwür bekommt.
Da fiel ihm die Schachel wieder ein. Er griff in seine Hosentasche und zog es heraus. Er setze sich auf und drehte es zwischen den Fingern. Er atmete nochmal tief aus und öffnete es. Bei dem Anblick, fiel ihm die Kinnlade runter. Die Farbe wich ihm aus dem Gesicht und sein Atem stockte. Das war ein Ring. Aber nicht irgendein Ring, ganz eindeutig ein Verlobungsring. Sogar Ranma erkannte dies. Er war ziemlich beindruckend und sah teuer aus. Der Stein war riesig. Ranma klappte das Kästchen schnell zu und ballte seine Faust darum.
Verdammt, was sollte er tun. Wie konnte das nur passieren, wie konnte er es soweit kommen lassen. Wieso trug dieser Arsch einen Ring mit sich herum. Natürlich um Akane einen Antrag zu machen. Aber wieso, die kannten sich noch nicht ein mal vier Wochen. Nicht Jahre, nicht Monate, es war noch nicht mal ein ganzer Monat. WOCHEN. Wieso also dieser Ring. Er öffnete es nochmal, er hoffte er hätte sich den Ring nur eingebildet. Wieder erschien dieser abartig grosse Stein vor ihm. Er konnte seinen Blick nicht von ihm wenden.
Ob Akane Shotas Heiratsantrag annehmen würde. Waren ihre Gefühle für ihn stärker, als die für Ranma. Egal wie es um Akanes Gefühle stand. Wenn sie diesen Stein sah, würde sie dem Affen um den Hals fallen. Ranma wäre ganz schnell vergessen. Die Wut packte ihn und er warf die Samtschachtel, mit seiner ganzen Kraft gegen die Wand. Er liess sich zurück in die Kissen fallen. Was sollte er nur tun. Konnte er es überhaupt noch verhindern. Seine ganzen Gefühle stürzten über ihn ein.
Hass auf diesen Shota. Entsetzten wegen des Rings. Verzweiflung wegen beidem. Liebe, Sehnsucht, Verlustängste für Akane. Wut auf sich selbst, weil er so ein riesen Feigling ist. Wenn er ein echter Mann wäre. Dann hätte er sich schon längst Akane gegriffen und ihr erklärt dass es für sie keinen anderen geben kann als ihn. Sie gehörte doch ihm. Die Tränen stiegen ihm in die Augen. Er drückte sie weg und fing an verzweifelt zu Lachen. Was war er nur für ein Weichling. Er lag in seinem Bett und heulte rum, wie ein kleines Mädchen.
Vielleicht wäre es doch besser, wenn Akane mit dem Affen zusammen war. Er war wenigstens ein ganzer Mann und konnte Akane beschützen. Sein Herz krampfte bei dem Gedanken. Er wollte sie nicht gehen lassen, er konnte nicht. Aber was sollte er tun. Den Ring einfach behalten und so tun als gäbe es ihn nicht. Aber das würde doch Shota nie von seinem Vorhaben abbringen. Er konnte Akane auch jederzeit einfach so einen Heiratsantrag machen. Vielleicht hatte er noch genug Geld, für einen neuen Ring. Zurückgeben konnte er ihn auch nicht, dann würde er den beiden ja den Weg frei machen und das ganze beschleunigen.
Das waren beides keine Lösungen. Nicht einmal nah dran. Wenn er sie nicht verlieren wollte, musste er aktiv werden und etwas dagegen tun. Aber bis ihm etwas einfiel, würde er das Schmuckstück behalten, einfach um Zeit zu gewinnen. Er sollte sich aber nicht zu viel Zeit lassen. Er stand auf und nahm den Ring wieder an sich bevor ihn noch jemand anders zu Gesicht bekam.
Während des Abendessens herrschte drückende Stille. Akane blickte zu Ranma rüber, er war die ganze Zeit tief in Gedanken gewesen. Enttäuscht atmete sie tief aus. Sie war sich sicher das Ranma über Shota nachdachte. Wie um dies zu bestätigen, drehte sich ihr Verlobter zu Happosai um. „Du hast uns doch zugesehen" Happosai nickte nur während er weiter kaute. „Konntest du eine Schwachstelle in seiner Technik sehen?" Wieder nickte Happosai mit vollem Mund. Ranma sah gespannt zu dem altem. „Und?" sagte er etwas zu laut.
Der alte sah zu Ranma hoch „Und Was?" Genervt schnaubte er laut auf „Sag es endlich. Wo liegt die Schwachstelle?" schnauzte er den alten an. Happosai schluckte den Reis runter und zeigte mit dem Finger auf Ranma. „Das problem war nicht er oder seine Technik. Sondern du. Du hättest ihn besiegen können, wenn er nur diese Nummer mit den Schatten drauf hat. Aber du warst nicht bei der Sache." Als wäre nichts gewesen assen alle einfach so weiter. Ranma dachte über Happosais Worte nach. Er hätte ihn besiegen können. Aber wie nur.
Ranma sass noch lange nach dem Essen am Tisch und überlegte weiter. Alle anderen waren auf ihre Zimmer gegangen. Nur die beiden Väter sassen noch bei ihm. Sie schauten in den Fernseher. Ranma seufzte tief. Heute würde er nicht mehr auf eine Lösung stossen, er sollte lieber schlafen gehen und es morgen noch mal versuchen. Er stand auf und das Kästchen viel ihm aus der Tasche. Es kugelte bis vor Souns Füsse. Verwirrt hob dieser es auf. Jetzt sahen alle gespannt darauf. Soun öffnete es und der Ring kam zum vorschein.
Genma und Soun verstanden dies sofort falsch und sprangen auf. Sie fingen an Ranma zu umarmen und ihn zu beglückwünschen. „Du solltest es am besten sofort machen. Jetzt gleich" fordert Soun ihn auf. „Ja, geh rauf zu ihr." bestätigte Genma. Beide versuchten ihn an der Schulter zur Treppe zu schieben. Sie redeten immer weiter auf ihn ein. Ranma riss sich los und schnappte sich den Ring wieder. „Seid doch endlich still. Das ist nicht mein Ring" flüsterte er und sah sich um ob ihn jemand gehört hat „Den hat Shota verloren" Alle waren verstummt und sahen auf den Ring.
Genma kam als erster wieder zu sich „Ist doch egal wem er gehört, er ist für Akane bestimmt. Und wer zuerst kommt, malt zuerst. Also geh, beeil dich" Wieder wollte er Ranma zur Treppe drängen. Ranma schubste ihn aber streng weg. „Ich mach doch nicht mit einem fremden Ring einen Antrag. Da steht doch schon fett "Scheidung" geschrieben." Motzte er seinen egoistischen Vater an. Soun räusperte sich laut „Darf ich fragen wieso du denn hast?" Ranma steckte ihn wieder schnell ein „Er hat ihn beim Kampf verloren und ich hab ihn gefunden" erklärte er befangen. Er fühlte sich wie ein Dieb, aber er war keiner.
Soun sah sehr ernst aus. „Was hast du vor damit zu machen?" Ranma schluckte schwer. „Ich gebe ihn nicht zurück. Er ist nicht der richtige für Akane." Er machte eine kurze Pause und holte nochmal tief Luft „Ich hab gesehen, wie er mit anderen Mädchen zu Gange war, während er mit Akane zusammen war" klärte er seine Motive auf. Soun nickte verständlich. „Versteh mich nicht falsch, aber hast du dich nicht genauso verhalten" wurde ihm schon zum dritten Mal unterstellt. Wieso sagten das nur immer alle. Zuerst Akane, dann Shota und jetzt auch noch Soun.
Er zuckte mit den Schultern „Es geht hier jetzt aber nicht um mich. Ich versuche Akane nur von einem Fehler zu bewahren" Ohne auf weitere Argumente zu warten verliess Ranma denn Raum. Aber er ging nicht wie vorgesehen in sein Zimmer. Nein, jetzt da sein Vater denn Ring gesehen hatte, würde er ihn die ganze Nacht belästigen. Er verliess das Haus. Es war zum Glück ziemlich warm, er würde einfach auf dem Dach schlafen.
