Erneut erhöhte Warnstufe für Gewalt


III.


„Hier seid ihr also", stellte Sybil fest, „Ist das dein Vater, Matt? Er sieht zum anbeißen aus. Aber habt ihr mir auch das mitgebracht, was ich wirklich von euch brauche?"

Matt nickte. Er und sein Vater gingen zurück zum Wagen und hoben eine Kiste aus dem Kofferraum. „Hier drinnen ist sie", erklärte Matt, „Die Maxwell-Glocke."

Sybil musterte die Kiste unbeeindruckt. „Nun dann ….zeigt sie mir. Ich möchte sie sehen", meinte sie, und Matt kam der Aufforderung gewissenhaft nach. Die Glocke ruhte in einer eigens dafür vorhergesehenen Fassung und wirkte vollkommen harmlos. Sybil musterte sie gedankenverloren. „Ich bin beeindruckt", gab sie zu, „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ihr mir die Glocke einfach so übergebt, ihr seid vernünftiger als ich dachte."

„Wirst du jetzt Penny freilassen?", wollte Matt wissen.

Sybil musterte ihn einen Moment lang, dann lachte sie. „Oh, Matt, warum sollte ich das tun? Ich brauche euch beide doch noch. Und wenn ich deine Freundin freilassen würde, dann würdet ihr nicht mehr tun was ich sage, oder irre ich mich da?", spottete sie, „Nein, nein, das hier ist erst der Anfang einer wundervollen Freundschaft."

Matt wechselte einen kurzen Blick mit seinem Vater. „Du hast die Glocke doch schon. Für was kannst du uns sonst noch wollen?", wollte er wissen.

„Zum einem brauche ich neben der Glocke noch etwas anderes. Den Klöppel, wenn ihr so wollt. Den müsst ihr mir auch noch besorgen und zum anderen … nun zum anderen brauche ich euch damit ihr die Glocke läutet, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist", erklärte Sybil, „Und um sicher zu stellen, dass ihr das auch tut, brauche ich Penny."

Matt sah sie düster an. „Du hattest niemals vor sie freizulassen, nicht wahr? Sie war von Anfang an als dein Dauerdruckmittel eingeplant", stellte er fest.

Sybil zuckte die Schultern. „Ein Mädchen muss sich in dieser kalten Welt eben zu helfen wissen", behauptete sie, „Nimm es mir nicht übel, Matt Donovan, aber ich habe nun mal meine Pflichten. Und du hast die deinen. Manchen von uns ist eben kein Happy End vergönnt. Aber wenn du brav bist und mit mir kooperierst, dann erhältst du deines vielleicht doch noch. Nur etwas später als du dir erhofft hast."

Matt wechselte noch einen Blick mit seinem Vater. „Also schön", meinte er, „Dann lass uns keine Zeit mehr verschwenden. Was hat es mit diesem Klöppel auf sich? Wo sollen wir danach suchen?"

Sybil lächelte freundlich. „Er besteht aus zwei Teilen. Einer davon befindet sich bereits in euren Besitz, es ist ein altes Familienerbstück der Maxwells. Was den anderen angeht, nun an den zu kommen dürfte ein wenig komplizierter sein. Und ist einer der Gründe, wofür ich euch brauche. Seht ihr, meine Schwester und ich dienen unseren Meister Cade nun schon sehr lange. Allerdings ist sie nicht ganz so … pflichtbewusst wie ich. Sie hat den Stab des Arcadius in ihren Besitz, den anderen Teil, den wir noch brauchen. Und sie scheint nicht vorzuhaben ihn mir übergeben zu wollen, also müsst ihr ihn ihr abnehmen. Da ihr gegen unsere psychischen Kräfte immun seid, solltet ihr dazu in der Lage sein. Sofern sie euch nicht umbringt, versteht sich. Aber ein erfahrener Monsterjäger wie du, Matt, hat sicher einen Plan für solche Fälle auf Lager", erklärte sie, „Vergesst aber bitte nicht, dass ich mindestens einen von euch lebendig brauche, also versucht euch nicht beide umbringen zu lassen."

Dann griff sie nach der Kiste und wollte die Glocke aufheben. Und erstarrte. „Was zum …." Sie hielt inne und strich mit ihrer Hand über die Glocke und schien dann nach etwas zu lauschen. „Seid ihr sicher, dass das hier die Maxwell-Glocke ist?", wollte sie dann wissen, und ihre Augen erkalteten, als sie sich den beiden Maxwell-Männern zuwandte.

„Natürlich. Das hier ist die Gründerglocke", versicherte ihr Peter Maxwell, „Mystic Falls hat sie voller Stolz über Jahrzehnte hinweg ausgestellt."

Sybils Augen wurden zu Schlitzen. „Ich verstehe", meinte sie und machte einen Schritt zurück. „Wie es aussieht, habe ich euch überschätzt. Oder unterschätzt. Kommt darauf an wie man es sieht. Ich hätte nicht erwartet, dass ihr dumm genug seid mich betrügen zu wollen. Aber vielleicht seid ihr einfach nur dumm und wisst wirklich nicht, dass das hier nur eine Replik ist…."

„Was? Nein, das hier ist die einzige Glocke, die es in der Stadt gibt", behauptete Matt, „Wenn sie eine Kopie ist, dann ist sie das schon sehr lange. Darüber konnten wir gar nicht Bescheid wissen!"

Sybil zückte ihr Handy. „Lüge oder Wahrheit, du hast mich enttäuscht, Matt, das verlangt nach einer Strafe. Ich denke, dass es an der Zeit ist Valerie auf deine kleine Freundin loszulassen." Sie drückte einen Knopf und wartete ab. Und wartete weiter.

Nun war es an Matt zu Grinsen. „Na so was aber auch", stellte er fest, „Kann es sein, dass Valerie nicht abhebt?"

Sybil funkelte ihn voller Hass an. „Das war ein Fehler, Matt", meinte sie, „Ihr habt eines übersehen: Ich brauche im Grunde nur einen von euch beiden lebend. Und nichts hält mich davon ab einen Maxwell zu töten." Und dann fuhr sie ihre Krallen aus.


„Was willst du hier? Verschwinde Damon!" Valerie war kurz davor ihm die Türe vor dem Gesicht zuzuschlagen. Aber Damon fing die Türe schnell ab.

„Eigentlich suche ich Donovan. Was machst du hier? Habt ihr eine geheime Affäre? Wie unerwartet. Und verstörend. Nora und Mary Lou machen sich im Übrigen Sorgen um dich. Genau wie Stefan. Wir dachten schon du wärst von den Sirenen entführt worden, aber stattdessen finde ich dich hier bei Donovan? Hast du deswegen Bonnie niedergeschlagen? Weil du nicht wolltest, dass sie von deiner geheime Liebe erfährt?", redete der Vampir auf sie ein, „Das ist aber nicht die feine englische Art."

Valerie sah ihn genervt an. „Ich habe keine Lust dazu mich mit dir auseinanderzusetzen", verkündete sie, „Geh jetzt also, bevor ich noch etwas tue, was ich bereue."

Damon lächelte ihr freundlich zu, und feuerte dann die hinter seinem Rücken verborgen gehaltende Eisenkrautpistole auf sie ab. Doch leider hatte sie seine unmerkliche Bewegung bemerkt und wich aus.

„Das war ein Fehler", verkündete sie, und streckte ihre Hand in seine Richtung. Doch der erwartete Kopfschmerz trat nicht ein. „Was? Was hast du getan?!", rief sie aus, und begann dann zu schwanken. „Tut mir wirklich leid, aber du bist zum Feind übergelaufen", meinte Damon, „Das hier ist nichts dauerhaftes, aber es wird dir eine Weile wirklich schlecht gehen…"

Valerie klammerte sich an beiden Seiten des Türrahmes fest. „Was hast du … getan?", wollte sie wissen.

Damon hielt ihr ein Fläschchen mit schwarzer Flüssigkeit darin unter die Nase. „Raynas Blut. Die Waffenkammer hat herausgefunden, dass ihre Schamanen-Magie die uns bekannte gute alte Magie neutralisiert. Ich habe ein bisschen Alex St. John gespielt und etwas davon verdampft und in Matts Wohnung hineingeleitet. Sieh es als erfrischendes Dampfbad an. Wer weiß, vielleicht neutralisiert es ja sogar die Macht der Sirene über deinen Geist", meinte er.

„Das bringt dir nichts, weil du … nicht hineinkannst", keuchte Valerie, „Du wurdest nicht eingeladen."

„Val, Val, Val, ich muss in meine eigene Wohnung nicht eingeladen werden", belehrte sie Damon, „Der gute Matt hat seine Besitz auf mich übertragen, nett von ihm nicht wahr?" Er präsentierte ihr die entsprechende Urkunde und trat dann über sie hinweg. „Ich spiele dieses Spiel hier schon sehr lange, Valerie, gegen mich bist du eine Amateurin."

Der Jägerinnenblut-Dampf sorgte dafür, dass auch ihm das Atmen schwer viel, also presste er sich ein Taschentuch vor den Mund und beschloss nicht allzu viel Zeit hier zu verbringen. Er hatte sich nicht sicher sein können, ob diese ganze Sache funktionieren würde, aber er war bereit gewesen das Risiko einzugehen. Häretikerin oder nicht, Damon hätte sich so oder so von Valerie nicht ins Boxhorn jagen lassen. Er hatte mehrere Pläne in Petto gehabt um mit ihr fertig zu werden.

Er sah sich in der Wohnung um und suchte nach Matts Freundin. Es gab nicht zu viele Orte, an denen Valerie sie gefangen halten könnte, und tatsächlich bald fand er sie ans Bett gefesselt vor. Also machte er sich schnell daran sie zu befreien.

„Gas?", wollte Penny besorgt wissen, kaum, dass er ihr den Knebel aus dem Mund genommen hatte, da er sich nach wie vor das Taschentuch über Mund und Nase drückte. Er nickte nur, löste ihre Fesseln, und deutete ihr dann schnell mit ihm zu kommen.

Valerie hatte sich inzwischen aus der Wohnung geschleppt, also verpasste Damon ihr zur Sicherheit noch einen Eisenkrautbetäubungspfeil um sie ruhig zu halten. „Sollten wir sie nicht pfählen?", wollte Penny wissen.

„Nein, sie steht unter dem Bann der Sirene, das hier ist nicht ihre Schuld", erwiderte Damon. Immerhin hatte er gerade einen heftigen Streit mit dem Geliebten dieser Frau über das Pfählen von fehlgeleiteten Vampiren hinter sich, und außerdem wollte er sich nicht für den Rest seines Lebens Vorwürfe von Nora und Mary Lou anhören müssen, nur weil er Valerie gepfählt hatte, als es einmal praktisch gewesen war sie auf diese Weise ruhig zu stellen. „Komm schon, wir müssen weg, bevor sie Sirene auftaucht." Er packte Pennys Arm und zerrte sie hinter sich her.

Jetzt, wo sein Gesicht nicht mehr verdeckt war, musterte ihn die Polizistin genauer und schien ihn zu erkennen. „Sie sind einer von denen. Sie sind dieser eine Vampir, vom Überwachungsvideo", erkannte sie.

„Damon Salvatore, freut mich. Schnell jetzt", erwiderte Damon nur.

Doch Penny blieb stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Nein, mit Ihnen gehe ich sicherlich nirgendwohin", verkündete sie.

„Matt hat mich geschickt um Sie zu retten, Lady", erklärte Damon leicht genervt, „Wollen Sie mir das wirklich noch schwerer machen als es sowieso schon ist?"

„Matt hat Sie geschickt?", wiederholte Penny ungläubig, „Das glaube ich nicht. Niemand hasst Vampire mehr als Matt. Er würde niemals Hilfe von einen von ihnen annehmen."

Damon schüttelte nur den Kopf. „Wenn Sie das denken, dann kennen Sie Ihren Freund wirklich schlecht", meinte er, „Hören Sie, Sie können jetzt hier stehen bleiben und darauf warten, dass die Sirene zurückkommt und Sie wieder gefangen nimmt damit sie Matt weiterhin zu allen möglichen Dingen zwingen kann. Oder Sie können mit mir kommen und ihm das Leben so ungemein erleichtern. Es ist Ihre Entscheidung. Ich habe Sie bereits gerettet. Was Sie mit Ihrer Freiheit anstellen, das ist Ihre Entscheidung, aber wenn Sie grausam zu Tode kommen, geben Sie bitte nicht mir daran die Schuld. Ich habe Sie gewarnt."

Penny starrte ihm einen Moment lang an. Dann meinte sie: „Also gut. Gehen wir zu Matt. Wo steckt er eigentlich gerade?"


Die Sirene ließ sich von den Geschoßen, die Matt auf sie abfeuerte, nicht aufhalten. Sie schien sich nicht besonders an ihnen zu stören, aber zum Glück waren sie darauf vorbereitet gewesen, dass sie erkennen würde, dass sie die falsche Glocke vor sich hatte. Matts Vater war zurück zum Wagen gehastet und zerrte nun den Flammenwerfer aus dem Kofferraum. Und warf dann einen etwas hilflosen Blick in Matts Richtung.

„Mach schon, Dad", forderte der Deputy und tauchte unter Sybils Krallen weg. Von ihrem Schönheitsköniginnen-Aussehen war nicht mehr viel übrig, sie wirkte auf ihn wie eine Art Werwolf, der mitten in der Verwandlung stecken geblieben war, und sah dabei alles andere als attraktiv aus.

Er wusste genau warum sein Vater zögerte zu schießen, weil er befürchtete Matt zu treffen, aber mit Nichtstun half er seinem Sohn auch nicht. Ganz im Gegenteil. Matt schoss ein paar seiner Pflöcke auf Sybil ab, doch sie war kein Vampir, das alles behinderte sie nur weniger als es einen Vampir oder gar einen Menschen stören würde. Aber immerhin verlangsamte es sie. Matt rollte aus ihrer unmittelbaren Umgebung fort und hoffte, dass sein Vater endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen würde und dann … stand Sybil endlich in Flammen.

Matt sprang auf und sprintete davon, zurück zum Wagen, er befahl seinem Vater einzusteigen, und schon sausten sie davon – mit offenem Kofferraum und ohne die Replik der Gründerglocke.

Matt wagte einen Blick in den Rückspiegel - zumindest schien die brennende Sirene ihnen nicht zu verfolgen. Aber laut Damon konnte diese Wesen nicht einmal der Tod aufhalten. Er war sich ziemlich sicher, dass er Sybil wiedersehen würde. Und dass sie dann verdammt sauer auf ihn sein würde.


„Es sind Tonfrequenzen, seht ihr…." Seline schnippte gegen einen der beiden Zacken der Gabel und stöhnte dann lautstark. Und nicht nur sie. Bonnie spürte beginnende Clusterkopfschmerzen in sich aufsteigen, Nora und Mary Louise hielten sich die Ohren zu, und die Babys begannen wie auf Kommando zu weinen.

Nach wenigen Momenten war der Spuk vorbei. Seline rieb sich die Schläfen und hielt sich dann einen Finger unter die Nase und fing so beginnendes Nasenbluten ab. „Es wirkt wirklich", stellte Bonnie fest.

Seline hatte nicht gelogen, allerdings hatte sie verabsäumt zu erwähnen, dass die Waffe auch gegen Hexen und Magiesauger wirkte. Wobei Bonnie annahm, dass sie selbst noch am besten davon gekommen war. „Ich kann nicht glauben, dass ich all die Zeit damit verschwendet habe das Ding magisch zu untersuchen und nach Sprüchen zu suchen, wenn es eine Stimmgabel ist", meinte sie, warf einen prüfenden Blick auf die Gabel in ihrer Hand, und schlug diese dann gegen den Tisch. Seline stolperte zurück und landete beinahe auf ihren Hinterteil, während Nora und Mary Louise die Flucht ergriffen und die Babys lauter weinten.

„Bonnie!", hallte Carolines Stimme durch das Haus, „Was immer du tust, lass es!"

„Schon gut. Ich hör auf!", versprach Bonnie und ignorierte ihren eigenen Kopfschmerz so gut sie konnte. Der zweite Test war vielleicht unnötig gewesen, aber sie hatte sicherstellen müssen, dass es nicht nur irgendeine Sirenen-Fähigkeit gewesen war, die die Stimmgabel aktiviert hatte.

„Aber damit kann man Sirenen nicht töten", vergewisserte sie sich.

„Nein, aber du kannst sie, wie du gesehen hast, schwächen. Und du kannst ihre psychische Verbindung zu ihren Opfern unterbrechen. Wenn sie ihre Fähigkeiten gegen euch einsetzt, kannst du den Effekt damit aufhalten", sagte Seline, „Ich würde dir allerdings raten Stefan die Waffe schwingen zu lassen. Wegen dem Feedback."

„Mit ein wenig Schmerz komme ich schon klar", meinte Bonnie. Natürlich würde sie das Ding nie wieder in der Nähe der Zwillinge benutzen, und Nora und Mary Lou wären auch ein Problem, aber immerhin waren sie jetzt nicht mehr wehrlos.

Sollten die anderen Sirenen nur kommen, sie waren vorbereitet.

Stefan half Seline auf die Beine. „Jetzt müssen wir nur noch diese Glocke finden", meinte er, „Bevor die anderen es tun."

Seline nickte zustimmend. „Sybil wird die Suche nach der Glocke nicht aufgeben. Aber sie wird auch nach mir suchen, und wenn sie herausbekommt, dass ich mit euch zusammenarbeite, dann wird sie es auch auf euch abgesehen haben", meinte sie.

„Nun, wir sind jetzt bereit für sie", meinte Bonnie und schwenkte die Stimmgabel.

Ein Handy läutete, doch keiner der Anwesenden reagierte. Sie konnten Caroline abheben hören. Wer wusste schon was dort schon wieder besprochen wurde, vermutlich war es nichts Gutes.

„Was ist mit dieser Glocke?", wollte Bonnie von Seline wissen, „Wo sollen wir nach der suchen, und wie sollen wir das tun? Bist du vielleicht irgendwie dazu in der Lage sie zu spüren, so wie du diese Stimmgabel spüren kannst?"

Seline schüttelte den Kopf. „Die Glocke gibt ein sehr leises Summen von sich, das ich aber nur hören kann, wenn ich direkt vor ihr stehe. Sie … vibriert auf einer gewissen Frequenz, die nur für uns Sirenen wahrnehmbar ist, aber sie ist dabei so dezent, dass wir sie nicht so einfach finden können. Ich habe die Spur der Glocke schon vor vielen Jahrzehnen verloren", behauptete sie, „Wenn ich wüsste wo sie ist, hätte ich sie mir schon geholt."

Offenbar wusste tatsächlich niemand wo diese Glocke hin verschwunden war. Aber zumindest bedeutete das, dass die anderen Sirenen auch nicht wussten, wo sie danach suchen sollten. „Könnte es sein, dass sie zerstört wurde?", wollte Stefan wissen.

Seline schüttelte den Kopf. „Nein, wenn sie zerstört worden wäre, dann hätte ich das bemerkt. Oder besser gesagt Cade hätte es bemerkt", meinte sie überzeugt, „Sie ist immer noch irgendwo dort draußen. Wartet immer noch darauf von uns gefunden zu werden."

In diesem Moment kam Caroline zu ihnen in die Küche gestürmt. „Du", meinte sie und deutete auf Seline, „bist eine Lügnerin. Sybil will nicht nur die Glocke, sie will auch den Stab von Arcadius, den du in deinen Besitz hast!"

Stefan sah Seline betroffen an. „Stimmt das?", wollte er wissen.

Seline deutete auf Bonnie. „Genau genommen habe ich den Stab nicht mehr in meinem Besitz", sagte sie, „Bonnie hält ihn gerade."

Bonnie musterte die Stimmgabel. „Das hier sieht nicht gerade aus wie ein Stab", meinte sie.

„Es ist ein metaphorischer Name. Mit dem Stab in der Hand regiert Arcadius über alles", erklärte Seline, „Es ist sein Zepter. Und ich habe euch nicht belogen, ich habe angenommen, dass ihr klug genug seid zu erkennen, dass Sybil natürlich jede Waffe gegen uns an sich bringen wollen wird."

„Aha!", rief Caroline aus, „Aber Sybil will dieses Zepter-Waffending nicht deswegen, sondern weil es sich um einen Teil der Glocke handelt!"

„Der Stab ist vielseitig einsetzbar. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass er als Waffe gegen Sybil am Nützlichsten ist. Solange wir die Glocke nicht gefunden haben, ist das sogar sein einziger Zwecke", argumentierte Seline, „Sybil mag viele Dinge darüber behaupten warum sie etwas haben will und warum nicht, aber im Endeffekt will sie vor allem nichts davon in meinen Händen wissen. Da wir die Glocke zerstören wollen, hielt ich es nicht für nötig euch darüber zu informieren, dass der Stab, wenn er umfunktioniert wurde, zu ihr gehört. Immerhin haben wir nicht vor sie zu benutzen, also ist es nebensächlich. Ihr hättet eure einzige Waffe gegen Sybil so oder so nicht in ihre Hände fallen lassen."

Bonnie wandte sich an Caroline. „Das klingt logisch", meinte sie.

Carolines Augen blitzten wütend auf. „Nicht du auch noch, Bonnie. Seht ihr denn nicht, dass sie uns die ganze Zeit über nur benutzen will? Wer weiß, ob sie uns nicht mit ihren Kräften manipuliert?", widersprach sie.

„Diese Stimmgabel negiert ihren Einfluss auf uns. Ich habe sie zweimal eingesetzt. Selbst wenn sie uns manipuliert hätte, wäre die Manipulation inzwischen wieder verflogen", argumentierte Bonnie, „Ich weiß, dass du ihr nicht vertraust, Caroline, aber bis jetzt hat sie uns nicht belogen. Sie hat uns vielleicht nicht alles gesagt, was sie weiß, aber nichts, was sie uns verschwiegen hat, war von akuter Wichtigkeit."

Caroline warf einen wütenden Blick auf Seline und stampfte dann davon.

Seline sah ihr betrübt hinterher. „Sie mag mich nicht", stellte sie fest, „Ich kann das ja sogar verstehen, aber wir verschwenden durch dieses ganze Wer vertraut wem?-Spiel Zeit. Zeit, die Sybil nutzen wird. Wir müssen die Glocke vor ihr finden. Und vor ihren Verbündeten. Wer weiß wen sie bereits alles für ihre Sache rekrutiert hat."

„Was ist eigentlich mit der anderen Sirene?", fiel Bonnie in diesem Moment ein, „Du sprichst immer nur von Sybil. Aber was ist mit Alex St. John? Jetzt, wo sie ihre Schwester getötet hat, was wird da ihr nächstes Ziel sein? Und wird das hier auch gegen sie wirken, wenn sie doch eure psychischen Kräfte nicht besitzt?" Sie schwang die Stimmgabel.

„Was sie vor hat, weiß ich nicht. Doch sie untersteht Cade, genau wie wir anderen auch. Also ist anzunehmen, dass auch sie nach der Glocke suchen wird. Und was die Waffe angeht … Nun, das ist eine gute Frage. Durch ihre Verwandlung ist sie nun mit Cade verbunden, und diese Verbindung müsste sie für gewisse psychische Einflüsse empfänglich machen, nur so kann sie mit ihm kommunizieren. Also müsste die Waffe sie beeinflussen. Allerdings vermutlich nicht im gleichen Umfang, in dem sie uns beeinflusst, oder auch nur die Magiesauber oder die Hexen", meinte Seline, „Ich an eurer Stelle würde mir das hier für Sybil aufsparen und dieser Alex einfach weiterhin mit roher Gewalt begegnen. Cade kann sie zwar immer zurückschicken, aber das braucht seine Zeit, und je öfter sie versagt, desto mehr wird er die Geduld mit ihr verlieren, irgendwann schickt er sie vielleicht nicht mehr zurück."

Und was wenn doch? Würde Alex St. John sie dann etwa ewig heimsuchen? „Wenn wir die Glocke zerstören, was passiert dann mit ihr? Oder mit Sybil?", wollte Bonnie wissen, „Du hast gesagt, dass euch das von Cade befreien wird, wie genau hast du das gemeint?"

„So wie ich es gesagt habe. Durch die Zerstörung der Glocke verliert er seine Macht über uns, weil er seinen Zugang zu dieser Welt verliert. Wir werden defacto sterblich. Wenn ihr Alex oder Sybil danach tötet, dann werden sie auch tot bleiben, weil es keinen Weg für Cade mehr gibt sie wieder in diese Welt zurückzuschicken. Ich bin dann endlich den Drang zu töten los, und sie sind dann keine Gefahr mehr für euch. Wenn ihr ihre Körper vernichtet, vernichtet ihr sie endgültig. Aber wie gesagt, das alles tritt erst ein, nachdem wir die Glocke gefunden und zerstört haben."

Ein Grund mehr diese verdammte Glocke zu finden. Wenn das dazu führen würde, dass sie das unsterbliche St. John-Monster endlich loswerden würden, dann war es wirklich höchste Zeit sie zu finden. Wenn sie doch nur irgendeinen Hinweis darauf hätten wo diese verdammte Glocke zu finden wäre!


Gewissenhafte Aufzeichnungen waren die halbe Miete. Das hatte Alex St. John zu Lebzeiten immer geglaubt, und auch nun in ihren neuen Existenz glaubte sie das immer noch. Mystic Falls Gründerrat hatte im Grunde das Gleiche getan wie die Waffenkammer, nur in kleineren Rahmen. Und wie die Waffenkammer hatte der Gründerrat daran geglaubt, dass es wichtig war wichtige Dinge festzuhalten. Immerhin konnte man nie wissen, wann ein möglicher Nachfolger kurzfristig die eigene Aufgabe übernehmen musste.

Ein Sheriffsdepartement ohne Sherriff war erstaunlich leicht zu infiltrieren, die wenigen vorhandenen Deputys hatten sie entweder nicht einmal versucht aufzuhalten oder keine Chance gehabt sie aufzuhalten. Sheriff Forbes Unterlagen zu studieren hatte sich als durchaus sinnvoll herausgestellt. Alex hatte sich beim Durcharbeiten der Berichte auf Fundstücke und Bergungsarbeiten konzentriert, und sie war fündig geworden.

„Hier haben wir es: Als die Leichen von Miranda und Grayson Gilbert mitsamt ihren Auto aus dem Fluss geborgen wurden, wurden zugleich auch einiges anders im Umkreis des Wagens mit aus dem Wasser geholt. Unter anderem Gegenstand A6 – die Gründerglocke. Das ist gerade mal sechs Jahre her. Es sollte Sybil leicht fallen herauszufinden was danach aus der Glocke wurde. Sie muss nur ein paar gezielte Fragen stellen." Alex legte die Akte wieder auf den Schreibtisch des Sheriffs und sah zu ihrem neuen Meister hinüber. „Stellt dich das zufrieden? Kann ich mich jetzt endlich um Damon Salvatore und Bonnie Bennett kümmern?"

Ihr neuer Meister – Cade – lächelte auf eine Art und Weise, die Zufriedenheit auszudrücken schien. Alex nahm das als Zustimmung.

In ihrer neuen Form sollten sie Sünden bestrafen. Bonnie Bennett hatte die gesamte Belegschaft der Waffenkammer zum Tod verurteilt, und Damon Salvatore war ein blutrünstiger mordender Vampir – sie hatten genüg Sünden auf ihre Seele geladen, und Alex St. John würde es eine Freude sein ihnen ihre gerechte Strafe dafür zukommen zu lassen.


A/N: Happy Halloween, Follks!

Alex ist irgendwie zur Haupfeindin dieser Fic geworden, ich habe viel Spaß mit ihr, wie ihr vermutlich bemerkt habt.

Nachdem dieser Teil vor allem Matt gewidmet hat, wird sich der nächste Teil näher mit Stefan befassen und mit Alexs Vendetta gegen Damon und Bonnie. Uh-Oh.

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