XI. Der Beginn der Zukunft

Merlin nickt einem der Stallburschen zu, als er aus den Stallungen hinaus in die Sonne tritt. Er ist an diesem Morgen mit Sir Rupert ausgeritten und macht sich nun auf den Weg zurück zu Arthurs Räumen.

In den letzten beiden Wochen ist es in Camelot verhältnismäßig ruhig gewesen. Aulfric und Sophia sind wieder abgereist, nachdem sie eine Nacht in Camelot verbracht haben. Merlin hat Recht behalten, was Aulfrics Liebe zu seiner Tochter angeht, und der alte Mann hat Merlin versprochen, Arthur nichts zu tun, wenn Merlin sie in Frieden ziehen ließ. Sophia hat Arthur von da an keines Blickes mehr gewürdigt, was Merlin nur Recht gewesen ist.

Nachdem die Ritter einige Tage darauf das Versteck der Banditen in den Wäldern gefunden haben, können die Händler und Bauern wieder unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen. Merlin hat mit Magie nach den Banditen gesucht und Leon gesagt, wo sie zu finden waren, woraufhin Leon die Ritter auf ihren Patrouillen so geschickt organisiert hat, dass sämtliche der Banditen innerhalb weniger Tage eingekreist wurden und schließlich jeder von ihnen für ihre Raubzüge mit dem Leben bezahlt hat.

In der Zwischenzeit ist es Morgana auch gelungen einen eigenen Stallburschen für Sir Rupert zu finden. Der kleine Henry ist gerade einmal acht Jahre alt und da seine Mutter von den Druiden abstammt, war es nicht schwer, dem kleinen Jungen begreiflich zu machen, dass Sir Rupert über Magie verfügt, und dass er dieses Geheimnis für sich behalten muss. Obwohl der Hengst nun jemanden hat, mit dem er sich unterhalten kann, besteht er darauf, dass Merlin jede Woche ein Mal mit ihm gemeinsam zu den umliegenden Dörfern reitet. Merlin nutzt diese Ausritte seitdem um nach dem Greif zu sehen und ein wenig Zeit mit ihm zu verbringen. Nachdem sie das Tier mitgenommen haben, lebt der Greif jetzt im Eingang zu Kilgharrahs alter Höhle. Bis jetzt hat er sich daran gehalten nur nachts in den Wäldern rund um Camelot zu jagen und niemand hat ihn seitdem zu Gesicht bekommen. Merlin sehnt den Tag herbei, an dem Magie wieder Einzug in Camelot halten wird, und sich weder Sir Rupert noch der Greif länger verstecken müssen, aber er weiß, dass er Geduld haben muss.

Als er gerade einen der Säulengänge am Rand des Schlosshofes entlanggeht, hört er mit einem Mal eine Stimme in seinem Kopf, die ihn aus seinen Gedanken reißt.

Hilfe."

Merlin bleibt unvermittelt stehen und er erkennt die Stimme des Kindes in seinem Kopf sofort. Es ist Mordreds Stimme und Merlin weiß, was das bedeutet. Mordred ist hier im Schloss und genau wie in der anderen Zeit suchen die Wachen nach ihm.

Genau wie Arthur hat auch Merlin gehofft, dass der Händler, bei dem Mordred und Cerdan Kräuter kaufen wollten, sie dieses Mal nicht an die Wachen melden würde. Arthur hat in letzter Zeit Meldungen über Zauberei keinerlei Beachtung mehr geschenkt und seinen Rittern kein einziges Mal befohlen Nachforschungen anzustellen. Er hat außerdem befohlen, dass sämtliche Meldungen über vermeintliche Zauberer direkt und ausnahmslos an Sir Leon zu richten seien.

Merlin schließt für einen Moment die Augen. Sie haben gehofft, mehr Zeit zu haben, oder zumindest dafür sorgen zu können, dass sie mehr Zeit haben würden. Nun sieht es jedoch so aus, als ob das Schicksal will, dass Magie bereits jetzt wieder nach Camelot zurückkehrt. Leon hat sich gestern den Magen verdorben und Gaius hat ihm zwei Tage strikte Bettruhe verordnet. Anscheinend hat der Händler deshalb jemand anderem Meldung gemacht und die Wachen haben nach den Gesetzen Camelots gehandelt und versucht Cerdan und Mordred wegen des Verdachts der Zauberei in Gewahrsam zu nehmen.

Mordred ist anscheinend auch dieses Mal wieder entkommen und Merlin vermutet, dass es den Wachen mittlerweile bereits gelungen ist Cerdan gefangen zu nehmen. Sobald sie ihn zu Arthur bringen, müsste er den Druiden nach den Gesetzen Camelots für das Besitzen von Magie zum Tode verurteilen. Arthur würde sich jedoch weigern und der Rat würde daraufhin eine Erklärung verlangen. Dann würde Arthur gezwungen sein, zu offenbaren, dass er das Gesetz seines Vaters, das Magie in Camelot unter Todesstrafe stellt, nicht länger billigt und verkünden, dass er es mit sofortiger Wirkung abschafft. Merlin kann nur hoffen, dass Camelot dazu bereit ist.

Zwar könnten er und Arthur versuchen, sich mehr Zeit zu erkaufen, indem sie Cerdan und Mordred vor ihrer Hinrichtung unter mysteriösen Umständen zur Flucht verhelfen würden, aber sie beide haben sich geschworen Mordred dieses Mal nicht im Stich zu lassen. Wie bei Morgana auch hat ein Leben in ständiger Angst Mordred dazu gebracht, all diejenigen zu hassen, die für seine Angst verantwortlich gewesen sind. Im Moment ist er jedoch nur ein kleiner Junge und sie würden ihn und die Druiden nicht dazu verurteilen noch länger als Ausgestoßene und Verfolgte zu leben. Nicht, wenn es in ihrer Macht steht, all dem ein Ende zu setzen.

Merlin dreht sich um und geht zu der kleinen Treppe, die nach unten in den Schlosshof führt. Auf halber Strecke hört er erneut Mordreds Stimme in seinem Kopf. Der Junge war schon immer ungewöhnlich mächtig und er kann Merlins Magie spüren, auch wenn er nicht genau weiß, wer Merlin ist.

Hilf mir, bitte."

Als Merlin die Treppe erreicht hat, sieht er sich um und genau, wie er es erwartet hat, entdeckt er Mordred hinter dem Brunnen und ihre Blicke treffen sich.

Bitte, du musst mir helfen." Mordred wirft einen verängstigten Blick über seine Schulter und Merlin sieht die Wachen, die in diesem Moment um die Ecke in den Schlosshof kommen. „Sie suchen nach mir. Sie werden mich töten."

Den Wachen voran gehen Lancelot und Galahad und Merlin dankt dem Schicksal für diese glückliche Fügung, wenn es ihnen ansonsten schon keine Wahl lässt.

Alles wird gut", antwortet Merlin Mordred in Gedanken beruhigend. „Sie werden dich nicht töten, ich verspreche es. Ich bin Emrys und ich werde dir helfen, aber du musst mir vertrauen. Kannst du das?"

Mordreds Augen weiten sich für einen Moment, als er begreift, an wen er seinen Hilferuf ausgesendet hat. Dann nickt er mit einem entschlossenen Ausdruck in den Augen. „Ja, Emrys."

Merlin schenkt Mordred noch ein weiteres aufmunterndes Lächeln, dann steigt er die Stufen der kleinen Treppe hinunter, tritt er auf den Hof hinaus und geht auf die Wachen zu. Lancelot gibt Anweisungen den Hof zu durchsuchen, und Galahad macht sich daraufhin mit zwei Wachen zu den hinteren Säulengängen auf, während die restlichen Wachen damit beginnen einige Wagen und Kisten im Schlosshof zu durchsuchen.

„Sir Lancelot!"

Lancelot dreht sich um, als er Merlins Stimme hört und sein Gesicht ist eine harte Maske.

„Ich habe jetzt keine Zeit, Merlin. Wir suchen nach einem Druidenjungen. Der Mann, von dem wir glauben, dass er sein Vater ist, wurde bereits von Bors festgenommen," sagt Lancelot mit zusammen gebissenen Zähnen, und Merlin weiß, dass ihm seine Befehle, nach dem Jungen zu suchen, ganz und gar nicht gefallen.

Lancelot will bereits an Merlin vorbeigehen, doch Merlin hält ihn mit einer Hand an seinem Arm auf.

„Ich weiß, deswegen brauche ich deine Hilfe", sagt Merlin leise. „Der Junge versteckt sich hinter dem Brunnen hier im Schlosshof. Sein Name ist Mordred und er hat schreckliche Angst. Er verfügt über starke Magie, die er noch nicht besonders gut kontrollieren kann, und ich will nicht, dass jemand verletzt wird. Ich kann ihn nicht selbst zu Arthur bringen, also musst du ihn in Gewahrsam nehmen. Er wird bereitwillig mitkommen, wenn ich mit euch gehe. Lass mich mit ihm reden und er wird rauskommen."

Lancelot verzieht gequält das Gesicht. „Arthur wird keine andere Wahl haben als beide zum Tode zu verurteilen. Der Mann hat eine der Wachen mit Magie angegriffen. Das Gesetz von Camelot verlangt, dass sie hingerichtet werden."

„Erinnerst du dich noch daran, als ich dir gesagt habe, dass der Tag kommen wird, an dem Magie wieder frei sein wird?", fragt Merlin und als Lancelot ihn daraufhin erstaunt ansieht, lächelt Merlin und nickt bestätigend. „Wir hatten gehofft, dass wir mehr Zeit haben würden, aber jetzt bleibt Arthur keine andere Wahl. Ich verspreche dir, dass alles gut werden wird. Und niemand wird hingerichtet."

Lancelot mustert Merlin noch einen Moment lang, dann nickt er schließlich. „Na gut, dann geh und hol den Jungen."

Merlin dreht sich um, und während er über den Hof zu Mordred hinübergeht, wirkt er einen Zauber, der dafür sorgt, dass niemand ihn wirklich wahrnehmen wird, damit er kurz mit Mordred reden kann. Als er den Jungen erreicht, geht er neben ihm in die Hocke.

Hallo, mein Name ist Merlin", sagt Merlin in Gedanken. „Und wie heißt du?"

Mordred schluckt krampfhaft. „Mordred."

Hallo, Mordred", antwortet Merlin und lächelt freundlich. Dann bemerkt er die Wunde an Mordreds Arm, die er sich bei der Flucht vor den Wachen zugezogen haben muss. „Ich werde das für dich heilen, ja?" Merlin hält seine Hand über die Wunde und seine Augen leuchten golden auf, als sich der Schnitt schließt. „So ist es besser, oder?"

Mordred nickt und wirft Merlin ein schüchternes Lächeln zu.

Hör zu, Mordred, wir müssen mit den Wachen mitgehen ..."

Mordreds Augen weiten sich angsterfüllt und er schüttelt den Kopf, aber Merlin legt ihm eine Hand auf den Arm.

Es ist gut, alles ist gut. Ich verspreche es", versucht er ihn zu beruhigen. „Niemand wird dir wehtun. Das werde ich nicht zulassen. Siehst du den Mann, mit dem ich vorhin geredet habe? Das ist mein Freund, Lancelot. Er weiß, dass ich Magie habe und er ist ein Ritter. Er wird dafür sorgen, dass keine der Wachen dir etwas tut. Hier, nimm meine Hand. Ich werde nicht loslassen, das verspreche ich."

Merlin streckt Mordred seine Hand entgegen und der Junge betrachtet Merlin unschlüssig und immer noch ängstlich. Als Druide kennt er jedoch die Prophezeiung und er hat gelernt, dass er Emrys vertrauen kann. Er ist außerdem mächtig genug um Merlins Magie zu spüren und wahrzunehmen, dass Merlin die Wahrheit sagt. Schließlich nickt Mordred zaghaft und ergreift Merlins Hand.

Merlin grinst und steht zusammen mit Mordred auf, während er den Zauber von zuvor wieder abstreift. Er nickt Lancelot zu, der ihn im Auge behalten und auf den Merlins Zauber deshalb keinen Einfluss gehabt hat und Lancelot kommt zu ihnen hinüber.

„Wachen!", sagt er laut. „Ich habe den Jungen gefunden."

Galahad und die zwei Wachen kommen gerade aus dem gegenüberliegenden Teil des Innenhofes auf sie zu und die fünf anderen Wachen brechen ihre Suche im Hof ab. Sie stellen sich in einem losen Kreis um Merlin und Mordred herum auf, die Sperre nach vorne gerichtet und Mordred drückt Merlins Hand fester.

„Nehmt eure Waffen runter!", befiehlt Lancelot augenblicklich und als die Wachen zögern, sieht er sie scharf an. „Sofort! Er ist nur ein kleiner Junge und er wird bereitwillig mitkommen, ist es nicht so, Merlin?"

Merlin nickt bestätigend. „Ja."

Die Wachen nehmen daraufhin ihre Sperre wieder runter und Lancelot nickt knapp. „Lasst uns gehen."

Er geht voran, gefolgt von Merlin und Mordred, während sich Galahad und die Wachen hinter ihnen formieren.

Arthur unterbricht sein Gespräch mit Lord Allendale, Geoffrey und Lady Evaine, die zusammen mit ihm am Tisch in der Ratshalle sitzen, als die Tür geöffnet wird. Lady Evaines Mann, Sir Bors der Ältere, betritt gefolgt von Sir Pelleas, Sir Ector und mehreren Wachen die Halle. Zwischen Pelleas und Ector geht ein Mann, dem die Arme vor dem Körper von eisernen Fesseln zusammengehalten werden und als Arthur den Mann erkennt, hat er das Gefühl, die Zeit würde für einen Moment stehen bleiben.

Es ist Cerdan, der Druide, der zusammen mit Mordred in der anderen Zeit schon einmal nach Camelot gekommen ist und den sein Vater damals hat hinrichten lassen. Arthur wird Cerdans Gesicht niemals vergessen. Genau wie damals ist der Blick des Druiden starr und resigniert und er hat die Zähne zusammengebissen, während er von den Rittern nach vorne gebracht wird.

Arthur fragt sich kurz, wo Merlin ist, aber im Grunde spielt das keine Rolle. Sie haben nicht so viel Zeit, wie sie gerne gehabt hätten, aber Arthur hat seine Entscheidung bereits getroffen und er hofft, dass Camelot bereit für die Veränderungen ist, die sein Königreich in den kommenden Wochen erwarten werden. Mit einem entschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht steht Arthur von seinem Thron am Kopfende des Tisches auf und geht um den Tisch herum.

Sir Bors bleibt vor ihm stehen und verbeugt sich. „Mein König, dieser Druiden wurde in der Stadt gefunden. Als wir versucht haben ihn zu ergreifen, hat er eine der Wachen mit Magie angegriffen. Es war noch ein Junge bei ihm, aber er ist entkommen. Wir suchen noch nach ihm."

Sir Pelleas und Sir Ector drücken Cerdan vor Arthur auf die Knie und die Wachen beziehen zu beiden Seiten mit aufgestellten Speeren Position.

Arthur sieht Cerdan an und der Mann erwidert seinen Blick mit starrer Miene. Er rechnet damit zum Tode verurteilt und hingerichtet zu werden, und obwohl Arthur nichts lieber tun würde, als ihm ohne Umschweife zu sagen, dass ihn dieses Schicksal nicht ereilen wird, kann er das noch nicht tun. Wenn das hier funktionieren soll, dann muss er es wohl überlegt angehen.

„Wie heißt du?", fragt Arthur Cerdan schließlich, nachdem er einem Moment lang abgewartet hat.

Cerdan antwortet nicht und wirft Arthur nur einen trotzigen Blick zu.

„Du bist ein Druide?"

Cerdan schnaubt auf diese Frage hin abfällig. „Als ob Ihr mir glauben würdet, selbst wenn ich versuchen würde es zu leugnen."

Sir Pelleas, der rechts neben Cerdan steht, versetzt Cerdan mit seinem Stiefel einen Tritt in den Rücken, sodass er auf seine gefesselten Hände nach vorne fällt.

„Zeig gefälligst ein wenig mehr Respekt, wenn du mit deinem König redest!", blafft er.

Arthur zögert keinen Augenblick lang, sondern tritt nach vorne und zieht mit einer blitzschnellen Bewegung Sir Pelleas Schwert aus der Scheide, bevor er es herumdreht und es dem Ritter noch in derselben Bewegung mit dem Knauf in den Bauch stößt. Sir Pelleas stöhnt erstickt auf und krümmt sich vorne über, während Arthur bereits wieder einen Schritt zurückmacht.

„Euer König, kann für sich selbst sprechen", sagt Arthur kalter Stimme. „Und einen wehrlosen Mann zu treten, ist nicht das noble Verhalten, dass ich von einem Ritter Camelots erwarte! Geht mir aus den Augen, Pelleas."

Als Pelleas sich wieder aufrichtet, hat er die Zähne zusammengebissenen und Arthur sieht die Wut in seinen Augen. Pelleas ist beinahe so alt wie Arthurs Vater und er hat mit Uther zusammen während der Großen Säuberung gekämpft. Er gehört zu den Rittern, die Uthers Ansichten über Magie und die Druiden bedingungslos und aus voller Überzeugung teilen. Für einen Moment sieht es so aus, als ob Sir Pelleas Arthurs Befehl nicht ausführen würde, doch dann lässt der Ritter seinen Blick sinken. Er verbeugt sich knapp vor seinem König und dreht sich dann um, bevor er mit steifen Schritten, so aufrecht er kann, zur Tür der Ratshalle geht.

Arthur sieht Pelleas nach, und obwohl er die verstohlenen Blicke, die sich die Wachen zuwerfen, bemerkt, ignoriert er sie. In der Halle herrscht angespanntes Schweigen, und erst als die Tür hinter Sir Pelleas wieder geschlossen wird, bewegt Arthur sich wieder. Er übergibt Sir Pelleas Schwert an Sir Bors, der es mit zusammengezogenen Augenbrauen entgegennimmt, bevor Arthur sich umdreht und wieder vor Cerdan tritt. Der Druide betrachtet ihn mit argwöhnisch, aber gleichzeitig auch mit widerwilligem Erstaunen.

„Du bist also ein Druide", stellt Arthur ruhig fest und er verschränkt die Hände hinter dem Rücken, bevor er Cerdan aufmerksam betrachtet. „Warum bist du in die Stadt gekommen?"

„Ich habe Vorräte gekauft, die ich nirgendwo anders bekomme", sagt Cerdan unsicher, während er Arthur immer noch verwirrt ansieht.

„Hattest du vor, dabei jemandem Schaden zuzufügen?"

Cerdan schüttelt entgeistert den Kopf. „Nein. Wir Druiden sind friedliche Leute", antwortet er entschieden.

„Er hat eine der Wachen mit Magie angegriffen", gibt Sir Bors zu bedenken und Cerdan funkelt den Ritter neben ihm wütend an.

„Ich habe mich nur verteidigt!"

Bevor Sir Bors jedoch antworten kann, geht die Tür erneut auf und Lancelot kommt zusammen mit Galahad, einigen Wachen und zur Arthurs Überraschung in Begleitung von Merlin und dem jungen Mordred herein.

Cerdan dreht sich um, als er das Geräusch der Tür hört und seine Augen weiten sich, als er den Jungen sieht. „Mordred!", ruft er mit erstickter Stimme und Mordred entreißt Merlin daraufhin seine Hand und läuft an Lancelot vorbei.

Arthur gebietet den Wachen mit einer Handbewegung nicht einzugreifen und sie lassen den Jungen an ihnen vorbeilaufen, bevor Mordred Cerdan um den Hals fällt.

„Ich habe dir doch gesagt, du sollst weglaufen!", sagt Cerdan mit zusammengekniffenen Augen, während Mordred ihn festhält.

Nach einem Moment schiebt Cerdan Mordred wieder von sich weg und als er sich zu Arthur umdreht, schimmern Tränen in seinen Augen. „Bitte, verschont den Jungen, er ist nur ein Kind! Ihr könnt mit mir tun, was immer Ihr wollt, aber bitte, verschont sein Leben!"

„Ich habe nicht vor…", beginnt Arthur, aber in diesem Augenblick geht die Tür ein weiteres Mal auf und Morgana kommt mit schnellen Schritten herein.

„Arthur! Du kannst die Druiden nicht hinrichten lassen!", sagt sie mit lauter Stimme und das Geräusch ihrer Absätze hallt laut auf dem Steinboden wider, während sie mit einem entschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht die Halle durchquert.

Lancelot, Merlin und die Wachen machen ihr augenblicklich Platz und Arthur hebt beschwichtigend die Hände.

„Ich habe nicht vor…", versucht er abermals zu sagen, doch Morgana lässt ihn nicht ausreden.

„Die Druiden sind friedliche Menschen! Sie wollen niemandem ein Leid zufügen. Sie hinrichten zu lassen ist falsch!"

„Ich weiß!", sagt Arthur laut, um Morgana zu unterbrechen, aber sie redet bereits weiter.

„Nur, weil sie Magie besitzen, macht sie das nicht zu… was hast du gerade gesagt?" Morgana bricht ab und bleibt hinter Cerdan und Mordred stehen, während sie Arthur vollkommen erstaunt anstarrt.

Arthur atmet ein Mal tief durch. „Ich habe nicht vor, irgendjemanden hinrichten zu lassen."

Wieder herrscht vollkommene Stille in der Halle, bis Arthur Lord Allendales Stimme hinter sich hört. „Aber Sire, es verstößt gegen das Gesetz Magie zu verwenden."

Arthur dreht sich langsam um und betrachtet die drei Mitglieder seines Rates, die immer noch an dem länglichen Tisch sitzen, eindringlich, bevor er seinen Blick auf Lord Allendale richtet.

„Ich bin der König von Camelot", sagt Arthur, ohne dabei seine Stimme zu heben. „Und ich entscheide, was das Gesetz ist, und was nicht."

Lord Allendale sieht für einen Moment vollkommen erstarrt aus, dann senkt er seinen Blick und neigt den Kopf. Lady Evaine und Geoffrey, die auf der anderen Seite des Tisches sitzen, schweigen und Arthur dreht sich schließlich wieder um und wendet sich an Sir Bors.

„Die Wache, die verletzt wurde", sagt er. „Sind seine Verletzungen schwerwiegend?"

Sir Bors' Gesichtsausdruck ist nicht zu deuten, während er Arthur ansieht. Nach einem Moment schüttelt er den Kopf. „Nein Sire, es sind nur ein paar Prellungen."

Arthur nickt. Dann lässt er seinen Blick über die Ritter und Wachen vor ihm in der Halle wandern, bevor er zu sprechen beginnt.

„Mein Vater hatte recht Magie zu fürchten. Magie ist eine mächtige Waffe und sie kann vielen Menschen großes Leid zufügen, wenn sie für bösartige Zwecke missbraucht wird. Aber Magie kann auch für das Gute eingesetzt werden. Die Druiden sind Einwohner Camelots und solange sie die Absicht haben, als solche friedlich mit den Menschen dieses Königreiches zusammenzuleben, werden sie nicht länger verfolgt werden. Von diesem Tag an, wird zudem die Verwendung von Magie einzig dann mit dem Tode bestraft, wenn Magie dazu benutzt wird, jemandem absichtlich und in böser Absicht zu schaden."

Ein leises Raunen geht durch die Halle und die Wachen sehen sich gegenseitig verwundert an. Arthur mustert seine Ritter und sein Blick bleibt für einen Moment an Ector und Bors hängen. Sie beide dienen Camelot bereits seit vielen Jahren und während dieser Zeit haben sie stets loyal zu Uther gestanden. Sir Ector ist in erster Linie ein Krieger und er hat sich nie um Politik geschert, sondern immer seine Pflicht darin gesehen Camelot zu beschützen. Bors hat die Stirn in Falten gelegt und betrachtet Arthur nachdenklich, doch Arthur kennt ihn als überlegten und pragmatischen Mann, was nicht zuletzt am Einfluss seiner Frau, Lady Evaine liegt, und Arthur vermutet, dass Bors ihm genauso wie Ector keine Schwierigkeiten machen wird, solange er Camelot nicht in Gefahr sieht.

Nach einem Moment wendet sich Arthur schließlich wieder an Cerdan. „Steh auf, bitte", sagt er zu dem Druiden und Cerdan steht nach einem Moment und einem zögerlichen Blick auf die Ritter neben ihm langsam auf.

„Nehmt ihm die Fesseln ab", befiehlt Arthur als Nächstes.

Er weiß, dass Sir Bors derjenige ist, der den Schlüssel zu den Handschellen hat und Bors zögert nicht, bevor er den Schlüssel von seinem Gürtel nimmt und die Handschellen öffnet. Dabei lässt er Cerdan jedoch keinen Moment lang aus den Augen.

Cerdan reibt sich seine Handgelenk und Mordred tritt dicht neben ihn, woraufhin Cerdan dem Jungen einen Arm auf die Schultern legt. Er betrachtet Arthur allerdings immer noch mit einem abschätzigen Blick und Arthur kann sehen, dass er der ganzen Entwicklung noch nicht traut.

„Du und der Junge seid in Camelot sicher", sagt Arthur deshalb. „Niemand wird euch etwas tun. Darauf hast du mein Wort. Was die Wache angeht, die verletzt wurde, ich entschuldige mich für die unsanfte Behandlung, die ihr durch meine Männer erfahren musstet. Ich wäre jedoch sehr erfreut, wenn du die Verletzungen des Wachmanns heilen würdest, wenn du dazu in der Lage bist."

Cerdan scheint nicht zu wissen, was er darauf erwidern soll und er wirft einen verunsicherten Blick zu Mordred. Seine Augen weiten sich, als Mordred scheinbar etwas in Gedanken zu ihm sagt und im nächsten Moment dreht Cerdan mit einem Ruck den Kopf und starrt Merlin mit unverhohlenem Erstaunen an.

Merlin lächelt schmal und Arthur hört in seinem Kopf die Worte, die Merlin zu Cerdan sagt. „Es ist in Ordnung. Ihr könnt Arthur vertrauen, er sagt die Wahrheit. Euch wird nichts geschehen."

Mordred hat gesagt, du bist Emrys. Wie kann es sein, dass du hier in Camelot bist?", fragt Cerdan und dank Merlins Magie hört Arthur Cerdans Worte ebenfalls.

Merlins Lächeln wird eine Spur breiter. „Ich bin hier, weil das der Ort ist, an dem ich sein muss. Arthur ist der Einstige und Künftige König und zusammen werden wir Magie nach Camelot zurückbringen und ganz Albion vereinen, damit alle Menschen in Frieden zusammenleben können."

Cerdans Blick ruht noch einen Moment lang auf Merlin, dann drückt er Mordreds Schulter, bevor er den Kopf wieder zu Arthur dreht. Er ist immer noch misstrauisch, das sieht Arthur, aber genauso wie Mordred, hat auch Cerdan gelernt, dass Emrys die Prophezeiung erfüllen und Camelot und den Druiden Frieden bringen wird.

„Ich werde den Wachmann, den ich verletzt habe, heilen", sagt Cerdan schließlich. „Und ich entschuldige mich dafür, dass ich den Mann angegriffen habe."

Arthur nickt zufrieden. „Es freut mich, das zu hören. Ich möchte euch einladen die Nacht im Schloss zu verbringen, bevor ihr Morgen den Rückweg in eure Siedlung antretet."

Cerdan nickt, wenn auch immer noch etwas zögerlich.

„Mein Diener, Merlin und einer meiner treuesten Ritter, Sir Lancelot, werden euch zu unserem Hofarzt begleiten und euch anschließend zu einem Gästequartier bringen."

Arthur nickt Merlin zu, der die beiden Druiden mit einem breiten Lächeln ansieht.

„Folgt mir, bitte", sagt er zu Cerdan und Mordred und die beiden folgen ihm und Lancelot nach draußen.

Arthur sieht ihnen kurz nach, bevor er Sir Bors und die übrigen Ritter sowie die Wachen entlässt. Während auch sie die Halle verlassen, richtet Arthur seinen Blick nun auf Morgana, die immer noch mitten im Raum steht.

Sie betrachtet ihn einen Moment lang und ein Lächeln erscheint auf ihren Lippen, bevor sie zu ihm tritt und vor ihm stehen bleibt. „Ich dachte nicht, dass du…", beginnt sie, aber Arthur unterbricht sie.

„Ich bin nicht mein Vater", sagt er leise. „Ich werde nicht dieselben Fehler machen, die er gemacht hat. Es ist falsch unschuldige Menschen, die nie jemandem etwas getan haben, hinrichten zu lassen, nur weil sie Magie besitzen."

Das Lächeln auf Morgana Gesicht wird breiter. „Es freut mich, dass du so denkst", sagt sie, bevor sie den letzten Abstand zwischen ihnen überwindet, und Arthur in die Arme nimmt.

Arthur hält sie fest und vergräbt das Gesicht in ihren schwarzen Locken, die ihr offen um die Schultern fallen.

„Der Rat wird meinen Kopf dafür verlangen", sagt Arthur leise.

Morgana drückt ihn noch ein wenig fester an sich. „Mag sein. Aber ich werde dir den Rücken freihalten."

Arthur sitzt auf dem hölzernen Thron am Kopfende des Tisches in der Ratshalle und er beißt die Zähne zusammen, während er versucht, Ruhe zu bewahren. Die Mitglieder seines Rates diskutieren bereits seit geraumer Zeit miteinander und bisher hat Arthur sich damit begnügt zuzuhören und herauszufinden, wer am Tisch welche Position vertritt. Mittlerweile drehen sich die vorgebrachten Argumente jedoch zusehends im Kreis und Arthur spürt, wie sich langsam ein Pochen in seinen Schläfen bemerkbar macht. Er schließt für einen Moment die Augen und atmet tief durch, bevor er sich von seinem Platz erhebt und die Hände auf dem Tisch abstützt.

„Das reicht", sagt er und obwohl seine Stimme nicht laut genug gewesen ist, um das Stimmengewirr um ihn herum zu übertönen, reicht der entschiedene Tonfall, der seine Worte begleitet, aus, um seine Ratsmitglieder augenblicklich verstummen zu lassen.

Arthur lässt seinen Blick über die Mitglieder seines Rates wandern und er nimmt sich die Zeit, jeden von ihnen einen Moment lang anzusehen. Morgana, die links neben Arthur als erste an der langen Seite des Tisches sitzt, begegnet seinem Blick mit einem dankbaren Lächeln auf dem Gesicht. Sie vertritt die Ansicht, dass es Unrecht ist, die Druiden zu verfolgen, nur weil einige von ihnen mit Magie geboren werden und sie ist davon überzeugt, dass der friedliche Gebrauch von Magie jedem Bewohner Camelots zu Gute kommen wird. Dieser Meinung ist auch Lady Evaine, die neben Morgana sitzt, während ihr Mann, Sir Bors, eine Änderung der Gesetze vom Standpunkt eines erfahrenen Kriegers aus sieht, der Camelot bereits viele Male gegen den Zorn und die Gier feindlich gesinnter Zauberer verteidigt hat. Er und Sir Leon, die rechts neben Arthur am Tisch sitzen, sind Magie gegenüber im Grunde nicht feindselig eingestellt, befürchten aber, dass mit der Verbreitung von Magie mehr Menschen auf die Idee kommen könnten, diese Kräfte für selbstsüchtige und niederträchtige Zwecke zu missbrauchen. Geoffrey und Gaius, die neben Lady Evaine sitzen, bringen dagegen vor, dass Magie in Camelot vor der Großen Säuberung weit verbreitet und erlaubt gewesen ist. Magie hat damals vielen Menschen geholfen und der Großteil der Zauberer hat stets friedlich mit dem weitaus größeren nicht magischen Teil der Bevölkerung zusammengelebt.

Lord Allendale, ein drahtiger Mann um die fünfzig, mit grauen schulterlangen Haaren und einem grauen Spitzbart, sitzt am Ende des Tisches auf der rechten Seite. Er scheint Magie gegenüber ebenfalls nicht feindlich gesinnt zu sein, obwohl er es gewesen ist, der alle Versammelten in der Ratshalle kurz zuvor daran erinnert hat, dass es gegen die Gesetze Camelots verstößt, Magie zu verwenden. Arthur traut ihm jedoch nicht, da er es gewesen ist, der Agravaine von Uthers Unfall berichtet hat. Allerdings versucht Arthur, sich kein vorschnelles Urteil zu erlauben, denn er weiß nicht, wie weit die Freundschaft zwischen Agravaine und Lord Allendale tatsächlich gegangen ist und ob Allendale von Agravaines Zusammenarbeit mit Cenred gewusst hat. Arthur bezweifelt es jedoch, da Lord Allendale stets das Wohl Camelots im Blick hat.

Zwischen Sir Bors und Leon sitzt Lord Willard am Tisch und er sieht Magie im Allgemeinen und die Druiden im Besonderen als Wurzel allen Übels. Außerdem scheint er davon überzeugt zu sein, dass die Druiden im Geheimen Camelots Untergang planen. Er ist ein Jahr jünger als Arthur, mit kurzen schwarzen Haaren und hat immer versucht sich bei den Rittern und besonders bei Arthur einzuschmeicheln. Auch Willard hatte damals dabei gestanden, als Merlin Arthur an seinem zweiten Tag in Camelot beleidigt hat. Willards Vater ist einer von Uthers engsten Vertrauten gewesen, bevor er vor einem halben Jahr gestorben ist und Willard seinen Platz geerbt hat. Arthur hat Lord Willards Vater wegen seiner Engstirnigkeit und seinem Starrsinn nie leiden können und da sein Sohn diese Charakterzüge offensichtlich teilt, hält Arthur auch von ihm nicht besonders viel.

Die letzte auf der linken Seite des Tisches ist Lady Odilia. Sie ist die Tante von Sir Galahad und es ist unschwer zu erkennen, dass sie verwandt sind, denn sie haben beide das gleiche hellblonde Haar, die feinen Gesichtszüge und den hellen Teint, der in ihrer Familie vorherrschend ist. Lady Odilias Mann und ihr Bruder sind lange Jahre Ritter im Dienste Camelots gewesen, bis sie beide vor etwa zehn Jahren beim Angriff eines Zauberers auf Camelot getötet worden sind. Lady Odilias Angst vor Magie liegt daher vornehmlich darin begründet, dass sie ihren Neffen nicht auch noch verlieren möchte. Allerdings ist sie sich auch der Tatsache bewusst, dass viele Zauberer Camelot nur deswegen angegriffen haben, weil sie von Uther gnadenlos gejagt und ihre Liebsten auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind.

Arthur sieht jeden seiner Ratsmitglieder noch für einen Moment lang an und er wünscht sich mehr denn je, dass Merlin ebenfalls unter ihnen am Tisch sitzen würde, anstatt immer noch als Arthurs Diener hinter seinem Thron zu stehen.

„Ihr seid mein Rat", sagt Arthur schließlich mit gefasster Stimme. „Ich schätze eure Ratschläge, aber ich bin der König von Camelot und ich werde den blutigen Feldzug, den mein Vater gegen Magie geführt hat, nicht fortsetzen."

„Sire, ich bitte Euch. Wir müssen in dieser Sache besonnen vorgehen", gibt Lord Allendale zu bedenken.

Arthur nickt unbeeindruckt. „Und das werden wir. Aber ich werde nicht den Befehl geben, Cerdan und Mordred hinrichten zu lassen, nur weil sie Magie besitzen."

„Der Druide hat versucht, eine der Wachen zu töten!", wirft Lord Willard verärgert ein und schlägt dabei mit seiner Faust auf den Tisch.

Morgana fasst den jungen Lord scharf ins Auge. „Cerdan wollte sich nur verteidigen und er hat sich entschuldigt und den Mann geheilt. Ist es nicht so, Gaius?"

Gaius nickt. „Das stimmt, Milady. Die Druiden besitzen sehr großes Wissen über die heilende Magie. Cerdan hat sämtliche Verletzungen des Mannes geheilt."

Lord Willard schnaubt abfällig. „Er hätte den Mann genauso gut doch noch umbringen können. Es war nur Glück, dass er es nicht getan hat."

Morgana gibt einen verächtlichen Laut von sich und öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, aber Arthur hat nicht vor, die Diskussion von Neuem aufflammen zu lassen.

„Genug!", sagt er bestimmt und kommt seiner Schwester zuvor.

Morgana macht ihren Mund wieder zu, obwohl sie sich dazu zwingen muss, aber Lord Willard funkelt Arthur wütend an und will erneut dazu ansetzen etwas zu sagen.

„Lord Willard", sagt Arthur mit gefährlich leiser Stimme. „Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, wenn Ihr noch ein einziges weiteres Wort in blindem Hass von Euch gebt, dann lasse ich Euch in den Kerker werfen."

Lord Willard zögert, bevor er abermals Luft holt, um zu sprechen, aber als Arthur ihn noch einmal scharf ansieht, beißt der junge Mann schließlich die Zähne zusammen und schweigt.

Arthur nimmt einen weiteren tiefen Atemzug, um Ruhe zu bewahren. Dann sieht er wieder in die Runde seines Rates. „Die Druiden sind nicht unsere Feinde. Sie haben Camelot nie angegriffen, obwohl mein Vater sie jahrelang gejagt hat."

„Das haben sie nicht, mein König, aber was ist mit all den anderen Zauberern, die über die Jahre hinweg versucht haben Euch und Euren Vater zu töten? Wie können wir sicher sein, dass solche Angriffe nicht zunehmen werden, wenn wir nicht länger entschieden gegen diejenigen vorgehen, die Magie praktizieren?", fragt Lady Odilia. In ihrer Stimme liegt aufrichtige Besorgnis und sie hat mit dem, was sie sagt nicht Unrecht.

„Diese Zauberer haben Camelot nur deshalb angegriffen, weil Uther ihre Familien getötet hat und sie gezwungen waren ein Leben in ständiger Angst zu führen", entgegnet Morgana. „Der einzige Weg, das zu beenden, ist eine friedliche Nutzung von Magie nicht länger zu verfolgen oder zu bestrafen."

Arthur nickt. „Es hat in Camelot in den letzten zwanzig Jahren mehr Angriffe von Zauberern gegeben, als in den Zeiten als Magie erlaubt gewesen ist."

„Das mag sein, aber ich stimme Lady Odilia zu", sagt Sir Bors. „Wenn Magie offen praktiziert werden kann, dann kann das Wissen darüber leichter erlangt werden und damit wird es einfacher diese Kräfte zu missbrauchen um anderen zu schaden und sich selbst zu bereichern."

„Dann wird es unsere Aufgabe sein, das Wissen über Magie zu regulieren", sagt Geoffrey besonnen und lässt seinen Blick dabei über seine vor sich gefalteten Hände hinweg über jeden am Tisch wandern. „Während der Großen Säuberung wurden beinahe alle Bücher zerstört und obwohl die Möglichkeit besteht, dass einzelne Werke überlebt haben, ist viel Wissen verloren gegangen. Die letzten noch verbliebenen Bücher über Zauberei befinden sich hier in den Verliesen."

Leon schüttelt den Kopf. „Darauf können wir uns nicht verlassen. Einigen Zauberern ist es gelungen unentdeckt zu bleiben und ihr Wissen im Geheimen weiterzugeben."

Arthur fasst Leon ins Auge, aber Leon hält seinem Blick stand. Sie sehen sich einen Moment lang an, aber Leon ist nicht Lord Willard, der kopflos mit Anschuldigungen um sich wirft und Arthur lässt seinen Blick schließlich sinken. Er will nicht, dass seine Berater aus Angst vor ihm schweigen und auch wenn ihm ihre Ansichten manchmal vielleicht nicht gefallen, ist das nicht die Art von König, die er war, und nicht die Art von König, die er wieder sein will.

Als Arthur Leon einen Moment darauf wieder ansieht, nickt er Arthur kaum merklich zu.

Lady Evaine ergreift als Nächstes das Wort. „Ich stimme Gaius zu, dass heilende Magie viele Leben retten könnte, aber mein Gemahl hat recht. Was hält einen Zauberer davon ab, eines Tages zu entscheiden, dass er selbst gerne König sein möchte, wenn er seine Magie offen praktizieren und sein Wissen über Jahre hinweg mehren kann? Und wer soll letztendlich entscheiden, welches Wissen über Magie für alle zugänglich sein soll und was davon verboten bleibt?"

„Es wird immer diejenigen geben, die ihre Kräfte für eigennützige und verwerfliche Zwecke einsetzen", gibt Morgana mit einem Kopfschütteln zu bedenken. „Es ist genau wie mit selbst ernannten Machthabern wie Hengist oder Helios."

„Aber sie würden Camelot niemals direkt angreifen, weil sie wissen, dass wir sie dann vernichten würden", sagt Sir Bors. „Gegen Magie können wir nur wenig ausrichten und ein Zauberer, der Zeit hätte, um mächtig genug zu werden, könnte ein Dutzend Ritter mit nicht mehr als ein paar Worten töten."

Leon nickt zustimmend und auch in den Gesichtern der anderen am Tisch kann Arthur sehen, dass das der wahre Grund dafür ist, warum sie Magie fürchten. Jeder kann ein Messer oder ein Schwert in die Hand nehmen und damit einen anderen Menschen töten, aber mit Magie kann ein einzelner Zauberer weitaus verehrende Dinge tun. Ein einzelner Mann mit einer Waffe kann von den Wachen des Schlosses überwältigt werden und die Ritter Camelots haben bereits vielen marodierenden Banditen ohne große Anstrengung Einhalt geboten, aber gegen einen Zauberer, der nur mit einem Zauberspruch die Mauern des Schlosses zum Einsturz bringen oder Feuerbälle heraufbeschwören kann, sind sie machtlos.

Arthur beißt die Zähne zusammen. Er hat gewusst, dass es letztlich darauf hinauslaufen würde. Er unterdrückt den Impuls sich zu Merlin umzudrehen und seinen Blick zu suchen, aber einen Moment darauf hört er bereits Merlins Stimme in seinem Kopf.

Du musst es tun, Arthur. Es ist der einzige Weg."

Arthur schließt für einen Moment die Augen. Sie haben vermutet, dass ihnen keine andere Wahl bleiben würde, als Merlin oder besser gesagt Emrys, zum Hofzauberer zu ernennen, damit der Rat und alle Menschen in Camelot wissen würden, dass der mächtigste Zauberer von allen über den Einsatz der Magie im Camelot wacht. Arthur hat jedoch trotzdem gehofft, dass ihnen etwas einfallen würde, wie sie den Rat davon überzeugen könnten, ihn dabei zu unterstützen Magie nach Camelot zurückzubringen, ohne von Anfang an zu offenbaren, dass Merlin, der persönliche Diener des Prinzen und nun des Königs, ein Zauberer ist und Arthur die ganze Zeit darüber Bescheid gewusst hat. Angesichts der besorgten Gesichter, die Arthur am Tisch sieht und der Bedenken, die Lord Allendale, Lady Odilia, Bors und Leon vorbringen, bleibt ihnen jedoch tatsächlich nichts anderes übrig, als diesen Weg zu gehen, denn nur so ist Arthur in der Lage, den Mitgliedern seines Rates zu versichern, dass kein Zauberer eine Gefahr für Camelot darstellen wird. Bis auf Merlin selbst, den sie unweigerlich als größte Gefahr von allen sehen werden, aber Arthur hofft, dass er seinen Rat in dieser Beziehung überzeugen kann, auch wenn ihm immer noch nicht gefällt, was Merlin dafür bereit ist zu tun.

„Wäre es anders, wenn wir einen Zauberer auf unserer Seite hätten? Jemanden, der mächtig genug ist, Camelot gegen magische Angriffe zu verteidigen und der für Ordnung unter den Zauberern sorgen könnte? Jemanden, dem wir vertrauen könnten?"

Arthur lässt seinen Blick über die Mitglieder seines Rates wandern, und als er Gaius' Blick begegnet, sieht er, dass er alte Hofarzt die Stirn in Falten gelegt hat. Natürlich ahnt er bereits, von wem Arthur spricht.

Lady Odilia lächelt schwach und schüttelt den Kopf. „Natürlich, Sire. Das würde die Dinge grundlegend verändern. Aber woher könnten wir wissen, dass wir so einem Zauberer wirklich vertrauen können, und dass er seine Macht nicht gegen Camelot richten würde?"

Arthur mustert Lady Odilia für einen Moment, bevor er wieder in die Runde sieht. „Was wäre, wenn wir diesen Zauberer bereits in unserer Mitte hätten?", fragt er schließlich.

Es dauert einen Augenblick und die Mitglieder des Rates tauschen verwunderte Blick untereinander, bis Lady Evaine schließlich ausspricht, was alle denken.

„Mein König? Ich verstehe nicht ganz", sagt sie verwirrt.

„Was, wenn ich euch sage, dass wir bereits seit einiger Zeit einen Zauberer hier im Schloss haben", entgegnet Arthur.

Lord Willard schnaubt verächtlich. „Was? Das ist vollkommen lächerlich!"

Wieder werden über den Tisch hinweg verwirrte Blicke getauscht, aber Arthur zieht lediglich die Augenbrauen nach oben und mustert Lord Willard ungerührt.

„Warum glaubt Ihr das, Lord Willard?"

„Weil ich es bemerkt hätte!", sagt Lord Willard scharf und Morgana schnaubt daraufhin verächtlich. Als Lord Willard sie verständnislos ansieht, schüttelt sie den Kopf und betrachtet ihn geringschätzig.

„Glaubt Ihr das wirklich?", fragt sie. „Genauso wie Ihr bemerkt habt, dass Lady Helen in Wahrheit eine böse Zauberin war? Ich erinnere mich daran, wie Ihr noch kurz vor dem Festmahl mit ihr geflirtet habt."

Lord Willard macht den Mund auf, um etwas zu sagen, scheint aber zu empört zu sein, um auch nur einen Ton herauszubringen.

„Das habe ich mir gedacht," sagt Morgana herablassend und wendet demonstrativ ihren Blick von ihm ab.

Sie konnte Lord Willard noch nie besonders gut leiden und erst recht nicht, seit er vor etwas mehr als einem Jahr versucht hat, ihr Avancen zu machen.

„Der Zauberer, von dem ich rede, ist seit Monaten hier bei Hof", fährt Arthur fort, ohne Lord Willard, der immer noch entrüstet nach Luft schnappt, weiter zu beachten. „Er hat seine Magie benutzt, um das Königreich und jeden von uns zu beschützen, und er hat nie eine Gegenleistung dafür verlangt."

„Warum sollte ein Zauberer Camelot beschützen?", fragt Lord Allendale verwundert.

„Weil es sein Schicksal ist", antwortet Arthur schlicht. „Gaius, bitte erzählt allen hier von der Prophezeiung."

Alle Augen richten sich auf Gaius und Arthur sieht, wie ein missbilligender Ausdruck auf Gaius' Gesicht tritt. Für einen Moment glaubt Arthur, dass Gaius seinem Befehl nicht Folge leisten würde, doch dann beginnt er zu sprechen. „Es gibt eine Prophezeiung über den Einstigen und Künftigen König. Er wird ganz Albion unter einem Banner vereinen und eine glanzvolle Zeit des Friedens und des Wohlstandes begründen, in der Magie wieder frei sein wird. Bei dieser Aufgabe wird er von Emrys unterstützt, dem mächtigsten Zauberer aller Zeiten, der Seite an Seite mit dem Einstigen und Künftigen König eine neue Ära einläuten wird."

Für einen Moment herrscht Stille in der Ratshalle, während Gaius' Worte förmlich nachhallen, bis Sir Bors sich an Geoffrey wendet. „Gibt es Belege für diese Prophezeiung?"

Geoffrey nickt. „Es gibt Aufzeichnungen über diese Prophezeiung in alten Texten der Druiden sowie in verschiedenen anderen Quellen."

Lord Willard schnaubt verächtlich, aber als Arthur in die Gesichter von Sir Bors, Lord Allendale, Lady Evaine und Lady Odilia blickt, sieht er, dass sie nach Geoffreys Bestätigung sehr wohl an die Existenz der Prophezeiung glauben. Auch wenn Magie in Camelot seit nunmehr zwanzig Jahren verboten ist und gefürchtet wird, lässt es sich nicht leugnen, dass sie existiert. Die alte Religion und die Prophezeiungen, die ihre Priesterinnen ausgesprochen haben, sind immer noch in den Köpfen den Menschen präsent und verdienen Beachtung.

„Und Ihr sagt, dass dieser Emrys seit Monaten hier in Camelot ist?", fragt Lord Allendale schließlich misstrauisch. „Woher wisst Ihr, dass er tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt?"

„Ich weiß es, weil ich seine Magie gesehen habe und sie liegt außerhalb jeder Vorstellungskraft", antwortet Arthur voller Überzeugung.

Lord Allendale betrachtet Arthur nach wie vor zweifelnd und anscheinend beginnt er an Arthurs Geisteszustand zu zweifeln. Schließlich sieht er Arthur auffordernd an. „Nun denn, wo ist er?"

Arthur spürt die Blicke jedes einzelnen am Tisch auf sich und er atmet noch einmal tief durch in dem Wissen, dass seine nächsten Worte alles verändern werden.

„Er ist hier und das war er die ganze Zeit über."

Das Geräusch von Schritten ertönt auf dem Steinboden, als Merlin nach vorne tritt. Die Mitglieder des Rates werfen sich verwirrte Blicke zu, außerstande zu begreifen, was das bedeuten soll. Arthur dreht den Kopf und sieht Merlin an, der sich rechts neben Arthurs Thron gestellt hat. Seine Haltung ist aufrecht und selbstbewusst und in diesem Moment er hat keine Ähnlichkeit mehr mit Arthurs tollpatschigem Diener.

Nach einem Augenblick leuchten Merlins Augen golden auf und schließlich hebt er langsam die Hände mit den Handflächen nach oben an. Mit einem Mal wird es in der Halle finster, so als ob ein Teil des Tageslichts von draußen verschluckt worden wäre, und eine schwarze Wolke bildet sich über ihren Köpfen an der Decke. Arthur hört, wie jemand nach Luft schnappt, als ein scharfer Wind aufzieht, der die Fahnen über dem Tisch wütend hin und her flattern lässt. Dann ertönt ein tiefes Donnergrollen und ein Blitz zuckt aus den Wolken, ohne allerdings irgendwo einschlagen. Die Luft im Raum ist von einer unheimlichen Spannung erfüllt und das Knistern der Magie ist beinahe greifbar.

Arthur stellt es die Nackenhaare auf und ein Schauer läuft ihm den Rücken hinunter. Er zwingt sich, seinen Blick von der Decke abzuwenden, um seine Ratsmitglieder anzusehen, und er kann die Angst auf ihren Gesichtern sehen. Lord Allendale und Lady Odilia sind von ihren Stühlen aufgestanden, einen entsetzten Ausdruck auf dem Gesicht, während Lady Evaine die Armlehnen ihres Stuhles umklammert hält.

Einen Moment später löst sich die Wolke über ihren Köpfen wieder auf und das Tageslicht kehrt zurück. Die Sonne wirft helle Strahlen durch das große Fenster hinter Arthurs Thron, obwohl der Tag zuvor trüb und grau gewesen ist. Wo die Sonnenstrahlen den Tisch berühren, beginnen einen Augenblick darauf Hunderte von Rosenknospen aus dem Holz zu wachsen und sich auszubreiten. An den Stängeln bilden sich grüne Blätter und als sich die roten Blüten öffnen, fliegen kleine bunte Schmetterlinge in allen Farben des Regenbogens aus jeder einzelnen Rose und flattern über dem Tisch in die Höhe. Bei jedem Flügelschlag verteilen sie glitzernden Staub auf den Rosen und die tiefroten Blütenblätter scheinen von innen heraus zu funkeln.

Sämtliche Blicke in der Ratshalle sind wie gebannt auf das prächtige Schauspiel gerichtet und die leuchtenden Farben sehen aus, wie aus einer anderen Welt. Dann verschwinden die Schmetterlinge einer nach dem anderen und die Rosen schließen ihre Blätter, bevor sie sich in das Holz des Tisches zurückziehen. Das Glitzern in der Luft verblasst und schließlich bleiben nur die Sonnenstrahlen zurück, die durch die hohen Fenster auf die Tischplatte fallen.

Aus den Augenwinkeln sieht Arthur, wie Merlin seine Hände wieder sinken lässt, während in der Halle vollkommene Stille herrscht und alle Anwesenden die Luft anhalten. Der Moment dauert jedoch nicht lange an und wird jäh unterbrochen.

„Der Diener des Königs besitzt Magie! Er ist ein Zauberer!", ruft Lord Willard plötzlich entsetzt aus und springt von seinem Stuhl auf, sodass dieser mit einem lauten Krachen nach hinten auf den Boden fällt.

Lady Evaine zuckt dabei zusammen und Bors' Hand wandert unwillkürlich zum Griff seines Schwertes.

Merlin lässt sich jedoch nicht beirren. Arthur sieht, dass er die Hände hinter dem Rücken verschränkt hat und sich bemüht so harmlos wie möglich neben dem Thron zu stehen. „Ich bin Magie selbst", antwortet er mit ruhiger Stimme. „Ich wurde mit meinen Fähigkeiten geboren."

„Das - das verstößt gegen das Gesetz!", stößt Lord Willard entrüstet hervor.

„Ein Gesetz, das ab dem heutigen Tag keine Gültigkeit mehr hat, wie ich zuvor bereits deutlich gemacht habe", entgegnet Arthur entschieden, aber Lord Willard hört ihm nicht zu und die Worte sprudeln einfach weiter aus seinem Mund.

„Ich werde das nicht hinnehmen! Ich will, dass diese Abscheulichkeit hingerichtet wird, sofort! Vermutlich hat er König Uthers Unfall zu verschulden, damit Arthur König werden und Camelot unter seine Kontrolle bringen konnte!"

Arthur schließt die Augen, während Lord Willard weiter wüste Beschimpfungen ausstößt. Der junge Lord ahnt vermutlich selbst nicht, wie nah er mit dieser Vermutung der Wahrheit kommt, aber dank des manischen Gesichtsausdrucks auf Lord Willards Gesicht, wird ihn niemand ernst nehmen. Trotzdem ist es für einen Moment sehr verlockend Excalibur zu ziehen und Lord Willard seines Kopfes zu entledigen, aber Arthur unterdrückt den Impuls.

„Merlin, kannst du ihn bitte zum Schweigen bringen?", sagt er stattdessen und Lord Willard bleibt mitten in seinem nächsten Satz die Stimme weg.

Der junge Lord fasst sich an den Hals und seine Augen treten beinahe aus ihren Höhlen, als er beginnt wild mit den Händen herum zu gestikulieren. Im nächsten Moment will er auf Arthur zugehen, aber Leon erhebt von seinem Stuhl rechts neben Arthur und baut sich drohend vor Lord Willard auf. Lord Willard macht eilig wieder einen Schritt rückwärts, wobei er gegen Bors stößt, der ebenfalls aufgestanden ist und sich hinter ihn gestellt hat. Leon stellt Lord Willards Stuhl wieder auf und Bors legt dem jungen Lord eine Hand auf die Schulter, bevor er ihn wieder zu seinem Platz führt und ihm zu verstehen gibt, dass er sich wieder hinsetzen soll. Lord Willard schluckt schwer und setzt sich, während Bors und Leon neben ihm stehen bleiben.

Arthur atmet tief durch und beobachtet die Mitglieder seines Rates aufmerksam. Er sieht Besorgnis in ihren Gesichtern, zumindest bei allen außer Gaius und Leon. Diese Besorgnis gilt jedoch der Tatsache, dass Merlin ein Zauberer ist und nicht den abstrusen Anschuldigungen, die Lord Willard vorgebracht hat. Bors beobachtet Merlin wachsam, denn obwohl er Lord Willard gerade daran gehindert hat, Arthur womöglich anzugreifen, sieht er in Merlin die eigentliche Gefahr für seinen König. Merlin hat ihm jedoch bisher keinen Anlass gegeben, etwas zu unternehmen, und so wartet er für den Augenblick ab.

Lord Allendale setzt sich einen Moment darauf wieder hin und Lady Odilia folgt seinem Beispiel, aber jede ihrer Bewegungen sind langsam und vorsichtig.

„Ich weiß, was ihr jetzt denkt", sagt Arthur schließlich. „Ihr denkt, dass Merlin mich unter einen Zauber gestellt haben muss, und dass er meine Handlungen kontrolliert. Ich weiß auch, dass nichts was ich sage, euch davon überzeugen kann, dass dem nicht so ist. Gaius, mein Vater hat ein Paar magische Handschellen in seinen Besitz gebracht, die verwendet wurden, um während der Großen Säuberung mächtige Zauberer hinrichten zu können. Soweit ich weiß, sind sie in der Schatzkammer. Bitte geht und holt sie."

Gaius zieht eine Augenbraue hoch und presst missbilligend die Lippen zusammen. Er steht jedoch von seinem Stuhl auf und nickt. „Sire", sagt er, bevor er zur Tür der Halle geht.

Nachdem die Tür hinter Gaius wieder ins Schloss gefallen ist, ist Morgana die Erste, die das Wort ergreift.

„Wie lange weißt du schon, dass Merlin Magie besitzt?", fragt sie, aber der Ton in ihrer Stimme sagt Arthur, dass sie die Antwort auf diese Frage bereits kennt.

Arthur lächelt schmal. „Seit dem vierten Tag nach seiner Ankunft in Camelot."

„Warum…", beginnt Lady Evaine, ihren Blick auf Merlin gerichtet, aber ihre Stimme zittert und sie bricht ab. Sie nimmt aber all ihren Mut zusammen und beginnt ihren Satz dann noch einmal und Arthur rechnet es ihr hoch an, dass Sie als erste eine Frage an Merlin stellt. „Warum bist du nach Camelot gekommen, wenn Magie hier mit dem Tod bestraft wird?"

„Um die Prophezeiung zu erfüllen", antwortet Merlin ihr freundlich und ein Lächeln umspielt dabei seine Mundwinkel. „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um Camelot zu beschützen und Arthur dabei zu helfen, Frieden in ganz Albion zu schaffen."

Die Anspannung in der Halle ist immer noch beinahe greifbar, aber nach Merlins Antwort, scheinen sich die Mitglieder des Rates wieder ein wenig zu entspannen. Nach der Demonstration seiner Fähigkeiten ist ihnen allen bewusst, dass Merlin sie mit Leichtigkeit töten könnte und obwohl er bis jetzt keinerlei Anstalten gemacht hat, sie anzugreifen, fürchten sie sich vor ihm.

„Warum?", fragt Lady Odilia zaghaft.

„Weil es mein Schicksal ist", antwortet Merlin. „Und weil Arthur ein guter Mensch ist, mit einem reinen Herzen und weil jeder es verdient ein Leben in Frieden und Freiheit ohne Angst und Unterdrückung zu führen."

„Wer hat dir beigebracht Magie zu verwenden?", will Lord Allendale als Nächstes wissen, während er Merlin misstrauisch mustert.

Merlin sieht Lord Allendale mit einem Kopfschütteln an. „Niemand. Ich habe Euch schon gesagt, dass ich mit Magie geboren wurde. Ich konnte Dinge von einem Ort zum anderen bewegen, ohne ein einziges Wort oder einen Zauberspruch zu sprechen, noch bevor ich laufen konnte."

„Das ist nicht möglich", sagt Lady Odilia vollkommen erstaunt.

„Doch das ist es, Lady Odilia. Aber es ist sehr selten", erklärt Merlin. „Normalerweise kann jemand, der mit Magie geboren wird, seine Kräfte erst benutzen, wenn er erwachsen wird, und lernt sie einzusetzen."

Wieder herrscht Stille in der Halle und Arthur sieht, wie jeder seiner Berater über Merlins Worte nachdenkt. Uther hat immer behauptet, dass Magie die Seele eines Menschen verderben würde, aber wenn ein Kind, das unschuldig auf diese Welt kommt, Magie wirken kann, bevor es in der Lage ist überhaupt zu laufen, dann kann das nicht richtig sein. Arthur sagt nichts und überlässt es jedem seiner Ratsmitglieder selbst zu dieser Einsicht zu gelangen und als schließlich die Tür wieder aufgeht und Gaius hereinkommt, drehen alle beinahe erschrocken die Köpfe in seine Richtung.

Gaius hält eine braune Holzkiste mit silbernen Beschlägen in den Händen und trägt sie durch die Halle nach vorne. Er bleibt neben Arthur stehen und stellt die Kiste vor ihm auf dem Tisch ab. Dann öffnet er den Deckel und nimmt ein paar schwarze Eisenfesseln verbunden mit einer schweren Kette, und einen Schlüssel, mit einem grünen Kristall im Kopf, heraus. Beides legt er vor Arthur auf den Tisch.

Arthur betrachtet die Fesseln einen Moment lang. Er weiß, dass sie sehr alt sein müssen, aber das Metall ist beinahe vollkommen glatt und auf der Oberfläche ist kein einziger Rostfleck zu sehen.

„Diese Fesseln können die Magie eines Zauberers blockieren?", fragt Arthur schließlich, damit die Mitglieder seines Rates erfahren, wie die magischen Fesseln funktionieren.

Gaius nickt knapp und seine Lippen sind zu einem dünnen Strich verzogen. „Ja, Sire. Sie wurden vor vielen Jahren auf der Insel des Gesegneten geschmiedet. Die Hohepriesterinnen der Alten Religion haben sie verwendet, um die Kräfte mächtiger Zauberer zu bannen, während sie für begangene Verbrechen verurteilt wurden."

„Wenn Merlin mich mit einem Zauber kontrolliert, dann könnte er diesen Zauber nicht länger aufrechterhalten, sobald er diese Fesseln angelegt bekommt, trifft das zu?"

Gaius nickt erneut. „Ja Sire, außer er hat ein Objekt verzaubert, das Ihr auf der Haut tragt."

Arthur nickt unbeirrt und zieht den Ring, den er trägt, von seinem linken Zeigefinger. Dann legt er seine Kette ab und zum Schluss den Armreif, der um sein rechtes Handgelenk liegt. Zum Schluss zieht er seine Wildlederjacke aus und legt sie auf den Tisch.

„Sir Leon, würdet Ihr bitte sicherstellen, dass ich nichts, außer meiner Kleidung mehr bei mir trage, das verzaubert sein könnte?"

Leon, der immer noch ein Auge auf Lord Willards hat, überlässt diese Aufgabe nun Bors alleine und geht um Gaius herum zu Arthur. Dann tastet er ihn kurz, aber gründlich ab, bevor er schließlich nickt. „Da ist nichts mehr."

Arthur greift nach dem Schlüssel mit dem grünen Kristall und hält ihn Leon entgegen. Leons Augen weiten sich erstaunt, aber als Arthur auffordernd nickt, nimmt Leon den Schlüsseln an sich.

Merlin ist währenddessen nach vorne getreten und er hält Gaius ohne Aufforderung seine Hände entgegen. Gaius mustert ihn einen Moment lang eindringlich, und erst, nachdem Merlin lächelt und aufmunternd nickt, schließt Gaius erst eine Schelle und dann die andere um Merlins Handgelenke. In dem Moment, als die zweite Schelle jedoch einrastet, verdreht Merlin jedoch plötzlich die Augen und als ob man die Stricke an einer Puppe durchgeschnitten hätte, sackt Merlin mit einem Mal in sich zusammen. Arthur reagiert instinktiv und fängt ihn auf, bevor er zu Boden fallen kann.

„Merlin?!", entfährt es Arthur erstickt, während kalte Angst von ihm Besitz ergreift.

Merlin mit beiden Armen umklammernd, lässt Arthur sich mit ihm zusammen auf den Boden sinken und Gaius kniet sich augenblicklich neben sie und fühlt Merlins Puls. Seine Augen weiten sich alarmiert.

„Sie bringen ihn um! Merlin ist Magie selbst, die Fesseln schneiden ihn davon ab. Wir müssen sie sofort öffnen!"

„Na los!", ruft Arthur verzweifelt, außerstande mehr zu tun, als Merlin festzuhalten, und plötzlich ist Leon neben ihm und schließt beide Schellen mit dem Schlüssel eilig wieder auf.

Nachdem er die erste Schelle geöffnet hat, schnappt Merlin nach Luft, ohne jedoch die Augen zu öffnen, und erst als Leon beide Handschellen beide entfernt hat, wird Arthur bewusst, dass Merlin zuvor nicht geatmet hat. Jetzt geht sein Atem wieder gleichmäßig und seine Brust hebt und senkt sich wieder. Arthur seufzt erleichtert und hält Merlin fest, während er seinen Blick über ihn wandern lässt. An den Stellen, an der das Metall der Handschellen Merlins Haut berührt hat, ist die Haut rot und aufgeplatzt und es sieht aus, wie schwere Verbrennungen.

„Merlin, bitte wach auf", sagt Arthur mit erstickter Stimme und streicht Merlin mit einer Hand über die Wange.

Es dauert einen Moment, aber dann öffnet Merlin langsam die Augen.

Arthur lächelt erleichtert. „Geht es dir gut?", fragt er leise.

Merlin sieht ihn verwirrt an. „Was ist passiert?"

„Ich habe dich fast umgebracht", flüstert Arthur und lehnt seine Stirn gegen Merlins Schulter, als seine Gefühle drohen ihn zu überwältigen.

Merlins Blick wandert währenddessen verständnislos zu Gaius hinüber.

„Die Fesseln haben dich von deiner Magie abgeschnitten, aber da du Magie selbst bist, hätten sie dich dabei fast umgebracht. Ein paar Augenblicke länger und wir hätten dich verloren", erklärt Gaius.

Arthur hebt den Kopf wieder. „Es tut mir so leid."

„Nein", antwortet Merlin jedoch. „Du konntest nicht wissen, was passieren würde."

Arthur nickt schwach und schluckt schwer, während er Merlin weiter festhält, unfähig ihn loszulassen. Mit einem Mal fühlt er sich wieder daran erinnert, wie Merlin erst vor wenigen Wochen in Sir Ruperts Box zusammengebrochen ist und beinahe gestorben wäre. Und genauso wie damals ist es wieder Arthurs Schuld gewesen.

Schließlich versucht Merlin, sich aufzurichten und Arthur hilft ihm dabei sich wieder auf die Beine zu stellen, obwohl Arthur ihm keine große Hilfe dabei ist, da seine Hände selbst immer noch zittern. Noch etwas wackelig, bleibt Merlin an Arthur gelehnt neben ihm stehen, während Arthur seine Hand umklammert und sich nur langsam wieder seiner Berater um den Tisch herum bewusst wird.

Lady Odilia sieht noch bleicher aus als sonst und Lady Evaine hat immer noch eine Hand vor den Mund geschlagen. Lord Allendale dagegen hat die Stirn besorgt in Falten gelegt und Bors beobachtet Merlin wachsam, so als ob er befürchtet, Merlin könnte Arthur jeden Moment angreifen, um Vergeltung zu üben.

Arthur holt einmal tief Luft und obwohl er sich nicht dazu bringen kann Merlins Hand loszulassen, nimmt er seine ganze Stärke zusammen und zwingt sich dazu sich zusammen zu reißen.

„Genügt euch das, als Beweis?", fragt Arthur und sieht mit einem harten Blick in die Runde seines Rates. „Dafür, dass Merlin nicht hier ist, um jemandem zu schaden? Nicht einmal mir, obwohl ich gerade beinahe seinen Tod herbeigeführt hätte?"

Arthurs Stimme bricht bei seinen letzten Worten beinahe ab und auch wenn Merlin ihm nicht die Schuld an dem gibt, was eben passiert ist, weiß er, dass es seine Gedankenlosigkeit gewesen ist, die Merlin beinahe erneut das Leben gekostet hätte.

„Wir glauben Euch, Sire", sagt Lord Allendale nach einem Moment leise.

Lady Evaine nickt und Geoffrey ebenfalls, während Lady Odilias Blick auf den Tisch gerichtet ist.

Lord Willard scheint in diesem Moment seine Stimme wieder gefunden zu haben, da Merlins Zauber wohl nachgelassen hat, als seine Magie von den Fesseln abgeschnitten worden war.

„Ich… ich werde nicht danebenstehen und zusehen, wie Camelot durch das Übel der Magie zugrunde gerichtet wird", stößt Lord Willard hervor und springt wieder von seinem Stuhl auf. „Der Zauberer muss einen anderen Weg gefunden haben den König zu kontrollieren, seht ihr das denn nicht?!"

Arthur funkelt Lord Willard wütend an, unfähig an seiner bisher gezeigten Zurückhaltung noch länger festzuhalten. „Ich werde mir Eure verräterischen Worte nicht einen Moment länger anhören! Ihr wart ein Mitglied des Rates meines Vaters, genauso wie Euer Vater vor Euch, aber Ihr werdet kein Mitglied meines Rates mehr sein. In Camelot ist kein Platz für blinden Hass und haltlose Anschuldigungen. Sir Bors, Sir Leon, begleitet Lord Willard aus dem Schloss hinaus und sorgt dafür, dass er nicht wieder zurückkommt!"

Lord Willard reißt erschrocken die Augen auf, als er das hört, aber bevor er reagieren kann, hat Leon ihn bereits am Arm gepackt. Bors schiebt den Stuhl bei Seite und ergreift Lord Willards anderen Arm. Zusammen ziehen die Ritter Lord Willard mit sich, der versucht sich mit vor Entsetzen geweiteten Augen gegen Leon und Bors zu wehren, als sie ihn mit sich schleifen.

„Das könnt Ihr nicht tun!", stottert er schließlich empört. „Ich bin ein Lord, ich bin ein Mitglied dieses Rates! Ihr könnt mich nicht einfach so aus dem Schloss werfen. Ich verspreche Euch Arthur, ich werde…"

Doch was Lord Willard tun wird, kann Arthur nicht mehr hören, denn die Wachen draußen vor der Tür schließen einen Moment darauf die schweren Türen der Ratshalle hinter ihm und den Rittern wieder.

Arthur sieht auf die geschlossene Tür und nimmt einen tiefen Atemzug, während Stille in der Halle herrscht.

„Bei den Göttern, er hat mir Kopfschmerzen bereitet", sagt Morgana schließlich leise und legt eine Hand an ihren Kopf, woraufhin Arthur unweigerlich schmunzeln muss. Morgana lässt ihre Hand wieder sinken und lächelt warmherzig.

Wieder herrscht Stille in der Halle, aber dieses Mal hat Arthur nicht mehr das Gefühl, dass alle vor Angst die Luft anhalten.

Schließlich richtet Lord Allendale das Wort an Gaius. „Ihr wusstet, dass Euer Lehrling Magie besitzt, nicht wahr, Gaius?"

Gaius sieht Lord Allendale mit zusammengepressten Lippen an, doch bevor er etwas erwidern kann, antwortet Arthur an seiner Stelle.

„Gaius wusste von Merlins Magie. Er hat sich dazu entschlossen es meinem Vater nicht zu erzählen, denn obwohl Gaius stets loyal zu Camelot gestanden hat, wusste er, dass mein Vater Merlin sofort hinrichten lassen würde und die goldene Zukunft, die die Prophezeiung vorhersagt, wäre für immer verloren gewesen. Ich verurteile Gaius nicht dafür, dass er das Schicksal von Camelot und allen Königreichen in Albion über seine Loyalität zu meinem Vater gestellt hat, denn es war die richtige Entscheidung."

Arthur sieht die Mitglieder seines Rates der Reihe nach eindringlich an und jeder von ihnen neigt den Kopf, zum Zeichen, dass niemand erneut Gaius' Loyalität infrage stellen wird.

„Was gedenkt Ihr jetzt zu tun, Sire?", fragt Lady Evaine einen Moment darauf zögernd.

Arthur holt ein weiteres Mal tief Luft. Er hat immer noch Merlins Hand umklammert und alles in ihm verlangt danach, seine ganze Aufmerksamkeit Merlin zu widmen und ihn nie wieder loszulassen. Arthur zwingt sich jedoch, sich noch ein wenig länger zusammenzureißen.

„Ich werde mich davon überzeugen, dass Camelots neuer Hofzauberer keine ernsthaften Verletzungen davongetragen hat und ihr werdet in der Zwischenzeit damit beginnen neue Gesetze ausarbeiten. Die Benutzung von Magie wird nicht länger verboten oder unter Strafe gestellt, es sei denn Magie wird verwendet, um einer anderen Person oder deren Besitz in böser Absicht Schaden zuzufügen. Lasst nach Sir Lancelot schicken, ich will, dass er ein Mitglied dieses Rates wird, und den freigewordenen Platz besetzt. In drei Tagen werde ich die neuen Gesetze verlautbaren und Merlin offiziell zum Hofzauberer ernennen."

Mit einem letzten Blick auf die Mitglieder seines Rates, zieht Arthur Merlin mit sich und verlässt mit ihm zusammen die Halle.

Auf dem Weg durch das Schloss sagt weder Arthur noch Merlin ein Wort und erst als Merlin die Tür zur Arthurs Räumen hinter ihnen wieder geschlossen hat, gibt Arthur seine eiserne Kontrolle auf und drückt Merlin gegen die Wand neben der Tür, bevor er seine Lippen auf Merlins presst. Der Kuss ist hart und stürmisch und Arthur klammert sich an Merlin wie ein Ertrinkender, als all die Verzweiflung, die er gefühlt hat, als Merlin vor seinen Augen zusammengebrochen ist, ihn überwältigt.

Als Arthur den Kuss schließlich wieder löst, schnappt er erstickt nach Luft und schließt die Augen, während er seine Stirn gegen Merlins legt. „Ich hätte dich fast verloren. Und wieder ist es meine Schuld gewesen", sagt er mit erstickter Stimme.

Merlin streicht Arthur mit einer Hand sanft über die Haare. „Nein Arthur, sag das nicht. Es war nicht deine Schuld, genauso wie es beim letzten Mal nicht deine Schuld gewesen ist."

Arthur öffnet die Augen wieder und sieht Merlin hilflos an. „Ich habe dich darum gebeten mit dem Pferd zu reden und ich habe Gaius angewiesen die Fesseln um deine Handgelenke zu schließen."

„Ja, aber ich war damit einverstanden", antwortet Merlin unbeirrt. „Und ich habe dir gesagt, wenn jemand die Schuld an dem trägt, was mit Sir Rupert passiert ist, dann bin ich es. Du musst aufhören dich für alles allein verantwortlich zu fühlen."

Arthur schluckt schwer, bringt aber auf Merlins eindringlichen Blick hin ein knappes Nicken zustande. Trotzdem fühlt er sich immer noch, als würde ihm etwas die Luft abschnüren.

„Ich kann… ich kann dich nur einfach nicht verlieren", flüstert er schließlich.

„Das wirst du nicht", versichert Merlin ihm mit fester Stimme, bevor er Arthur zu sich heranzieht und sich ihre Lippen erneut treffen. Der Kuss ist sanfter als der vorherige, aber nicht minder intensiv.

Nach einer kleinen Ewigkeit trennen sie sich wieder voneinander und Arthur tritt schließlich einen Schritt zurück. Er weiß nicht wie lange sie einfach nur dagestanden haben, während er versucht hat, sich davon zu überzeugen, dass Merlin bei ihm ist, aber er weiß, dass sie sich nicht für immer hier verstecken könne, obwohl Arthur nichts lieber tun würde. Sein Blick fällt einen Moment darauf auf Merlins Handgelenke und die von blasen übersäte, verbrannte Haut.

Arthur schluckt schwer, während es ihm erneut die Kehle zuschnürt. „Es tut mir leid. Ich hätte Gaius zuerst anweisen sollen, sich um deine Verletzungen zu kümmern."

Merlin schüttelt mit einem sanften Lächeln den Kopf. Dann fährt er mit der rechten Handfläche über sein linkes Handgelenk und anders herum, während seine Augen golden aufleuchten. Die Verbrennungen und die Blasen auf seiner Haut verblassen und verschwinden schließlich vollkommen, bis nichts mehr von den Verletzungen durch die Handschellen zu sehen ist.

„Alles in Ordnung, siehst du?", sagt er und hält seine Handgelenke in die Höhe, damit Arthur sie betrachten kann.

Arthur versucht Merlins Lächeln zu erwidern, scheitert aber kläglich und Merlin macht wieder einen Schritt nach vorne und zieht Arthur erneut an sich. Arthur vergräbt sein Gesicht in Merlins Halsbeuge und hält ihn fest an sich gepresst.

„Ich werde dich niemals verlassen. Ich verspreche es", sagt Merlin leise neben Arthurs Ohr. „Für den Rest unseres Lebens."

Arthur weiß, dass Merlin ein Versprechen wie dieses unmöglich geben kann, aber er muss diesen Worten einfach Glauben schenken, denn er ist sich sicher, dass er sonst auf der Stelle den Verstand verlieren würde.

Als Merlin an Arthurs Seite am nächsten Morgen die Ratshalle betritt, ist die Sonne gerade aufgegangen und wirft zaghaft die ersten hellen Strahlen durch die hohen Fenster an der langen Seite der Halle.

Morgana erwartet sie bereits von ihrem Platz an der langen Seite des Tisches, links neben dem Thron an der Stirnseite, und einige Diener, darunter auch Gwen, stellen die letzten Platten und Krüge für das Frühstück bereit. Während Arthur und Merlin die Halle durchqueren, lässt Morgana Merlin keinen Moment lang aus den Augen. Die Diener würdigen Merlin hingegen keines Blickes, denn obwohl es sich bereits wie ein Lauffeuer im Schloss verbreitet hat, dass irgendetwas im Gange ist und dass Arthur zwei Druiden eingeladen hat, um als seine Gäste eine Nacht im Schloss zu verbringen, haben die Gespräche des Rates hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Einzig die Mitglieder des Rates wissen bisher, dass Merlin ein Zauberer ist und das wird auch so bleiben, bis Arthur in zwei Tagen verkündet, dass der friedliche Einsatz von Magie in Camelot nicht länger unter Strafe steht und anschließend Merlin zum Hofzauberer ernennen wird.

Arthur entlässt die Diener mit einer Handbewegung und nachdem sie die Halle verlassen haben, setzt er sich auf seinen Thron, während Merlin zu seiner Rechten Morgana gegenüber am Tisch Platz nimmt. Während Arthur seiner Schwester einen guten Morgen wünscht und Morgana die Begrüßung erwidert, ruht ihr Blick jedoch weiterhin auf Merlin.

Merlin kann es ihr nicht verdenken und er erwidert ihren Blick mit einem freundlichen Lächeln, ohne jedoch, wie er es in der Vergangenheit getan hätte, seinen Blick zu senken. „Guten Morgen, Lady Morgana."

Morgana mustert Merlin unverwandt und es ist unschwer zu erkennen, dass sie nicht weiß, wie sie sich ihm gegenüber nun verhalten soll. Sie kennt Merlin nur als Arthurs liebenswürdigen und tollpatschigen Diener und nun muss sie versuchen dieses Bild von Merlin mit dem mächtigen Zauberer, den sie gestern gesehen hat, in Einklang zu bringen.

„Guten Morgen, Merlin", sagt Morgana schließlich verhalten, aber nach einem Moment schenkt sie ihm dennoch ein schmales Lächeln.

Merlin erwidert das Lächeln und er ist froh darüber, dass Morgana ihm nicht mit offenem Misstrauen begegnet, auch wenn sie im Moment ihm gegenüber noch zurückhaltend ist. Er weiß, dass es noch etwas dauern wird, bis Morgana erkennt, dass Merlin trotz seiner Magie immer noch Merlin ist, und er hofft, dass sie dann Freunde werden können. Solange Merlin nur ein Diener gewesen ist, war ihnen das nicht vergönnt, auch wenn Morgana genau wie Arthur nie viel auf Standesunterschiede gegeben hat.

Merlin sieht aus den Augenwinkeln wie Arthur ihn und Morgana einen Moment lang beobachtet, bevor er nach einem Stück Käse und einer Scheibe Brot greift. Morgana und Merlin tun es ihm gleich und während sie Frühstücken, herrscht Schweigen am Tisch. Es ist jedoch kein unangenehmes oder angespanntes Schweigen, sondern jeder von ihnen nutzt vielmehr die Gelegenheit, um sich langsam mit der veränderten Situation anzufreunden.

Als kurze Zeit später die Türen der Ratshalle geöffnet werden, dreht Merlin den Kopf und sieht einen Moment darauf, wie Lancelot gefolgt von Mordred und Cerdan die Halle betritt. Cerdan hat Mordred an der Hand und der Junge sieht immer ein wenig eingeschüchtert aus, während Cerdan bemüht ist, sich sein eigenes Unbehagen nicht anmerken zu lassen. Merlin kann es ihnen nicht verdenken. Camelot ist seit zwanzig Jahren ein Ort gewesen, an dem die Druiden nichts als Hass und Tod erwartet hat und nun stehen sie beide im Herzen Camelots und sehen sich schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit dem König gegenüber. Dass dieser König nicht Uther Pendragon ist, sondern sein Sohn Arthur, spielt dabei keine Rolle. Auch Arthur ist als Prinz von Camelot lange Zeit jemand gewesen, den die Druiden fürchten mussten.

Merlin wirft Mordred und Cerdan ein freundliches Lächeln zu und zu seiner großen Freude sieht er, wie Mordred einen Moment darauf ebenfalls ein Lächeln zustande bringt, während er und Cerdan die Ratshalle durchqueren.

„Viele Dank, Sir Lancelot", sagt Arthur, nachdem Lancelot die beiden Druiden nach vorne gebracht hat.

Lancelot nickt respektvoll und wirft Mordred und Cerdan noch einmal einen aufmunternden Blick zu, bevor er sich umdreht und die Halle wieder verlässt.

Arthur macht währenddessen eine einladende Handbewegung. „Guten Morgen. Bitte setzt euch und frühstückt mit uns. Ihr erinnert euch an meine Schwester, Prinzessin Morgana?"

Cerdan zögert einen Moment lang, dann nickt er. „Ja, Sire. Gute Morgen, Milady", erwidert er höflich und Morgana wirft ihm und Mordred über den Tisch hinweg ein freundliches Lächeln zu.

Schließlich geht Cerdan auf Merlins Seite des Tisches und zieht den schweren Holzstuhl neben Merlin für Mordred ein Stück vom Tisch weg, damit sich der Junge darauf setzen kann. Anschließend nimmt er neben Mordred auf einem weiteren Stuhl Platz. Sein Blick wandert einen Moment darauf zu Merlin, der neben Arthur am Tisch sitzt, aber bevor Merlin etwas sagen kann, fängt Arthur bereits an zu erklären.

„Eure Ankunft in Camelot gestern war Anlass für einige Veränderungen. Ich versichere euch, dass ihr nichts zu befürchten habt, weder weil ihr Druiden seid, noch, weil ihr Magie besitzt. Ich werde in zwei Tagen bekannt geben, dass ich das Gesetz ändere und von da an wird der friedliche Einsatz von Magie in Camelot wieder willkommen sein."

Cerdan sieht Arthur überrascht an. Anscheinend hat er trotz allem nicht erwartet, dass es so schnell gehen würde.

„Das sind sehr gute Nachrichten, Sire, für alle Druiden und für alle Zauberer in Camelot", sagt er schließlich. Dann wirft er jedoch einen unsicheren Blick zu Merlin hinüber.

Arthur lächelt, als er den Blick bemerkt. „Um diese Änderung vornehmen zu können, musste ich meinem Rat versichern, dass Camelot in der Lage sein wird, den Gebrauch von Magie zu kontrollieren, damit niemand sie für böse Zwecke einsetzt. Merlin hat sich als Emrys zu erkennen gegeben und ich werde ihn zum Hofzauberer von Camelot ernennen."

Bei diesen Worten tritt ein glückliches Lächeln auf Cerdans Gesicht und er wirft einen kurzen Blick zu Mordred, der ebenfalls breit lächelt. Die beiden Druiden sehen sich einen Moment lang an und Merlin kann nicht umhin zu bemerken, wie Morgana die beiden mit einem glücklichen Ausdruck in ihren Augen betrachtet.

„Ihr seid sein Vater, nehme ich an?", fragt sie nach einem Moment, doch bevor Cerdan antworten kann, atmet Morgana überrascht ein und ihr Blick richtet sich mit großen Augen auf Mordred.

„Mordred!", sagt Cerdan daraufhin tadelnd, als ihm klar wird, dass Mordred Morgana in Gedanken eine Antwort gegeben haben muss.

Morgana braucht nur einen Augenblick, um sich wieder zu fangen, und dann lächelt sie und schüttelt den Kopf. „Nein, nein, schon in Ordnung. Ich war nur überrascht. Unterhalten sich alle Druiden so?"

Cerdan nickt. „Die meiste Zeit über tun wird das, Milady. Unsere Siedlungen sind klein und wir haben keine Geheimnisse voreinander."

Morgana nickt und sie sieht erstaunt aus, während Arthur eine Handbewegung in Richtung der Speisen auf dem Tisch macht. „Bitte, esst", fordert er Cerdan und Mordred auf und Cerdan greift nach einer Scheibe Brot und einem Stück Käse, zuerst für Mordred und dann für sich selbst.

Mordred sieht derweil zu Morgana und er scheint anscheinend immer noch mit ihr zu reden, denn ihr Lächeln verändert sich immer wieder, bis sie schließlich ein wenig rot im Gesicht wird. „Oh, vielen Dank."

„Was hat er gesagt?", will Arthur wissen.

„Ich habe ihr gesagt, dass ihre Haare sehr schön sind", antwortet Mordred und Arthur nickt mit einem betont ernsthaften Blick.

„Nun, sie ist eine der schönsten Frauen in Camelot und ihre Dienerin Guinevere gibt sich besonders viel Mühe, damit sie jeden Tag umwerfend aussieht."

Morgana schaut ein wenig verlegen drein, aber Mordred lächelt Arthur vorsichtig an.

Merlin gestattet sich ein zufriedenes Grinsen, bevor er sich dann an Cerdan wendet. „Cerdan, wir haben gehofft, dass du etwas für uns tun könntest, wenn du und Mordred wieder zurück in eurer Siedlung seid. Bevor ihr aufbrecht, wird Sir Lancelot euch natürlich in die Stadt begleiten und ihr könnt die Vorräte einkaufen, wegen denen ihr nach Camelot gekommen seid."

Cerdan nickt ohne zu zögern. „Natürlich, Emrys. Was immer du willst."

„Es ist nur eine kleine Aufgabe", sagt Arthur. „Wir wollen lediglich, dass du dem Oberhaupt eurer Siedlung sagst, dass Magie und damit auch die Druiden in Camelot nicht länger verfolgt werden. Ich werde Boten in alle Dörfer Camelots schicken, um die Kunde zu verbreiten, aber ich denke die Druiden werden so einer Nachricht mehr Glauben schenken, wenn einer von ihnen sie überbringt. Ich würde Merlin mit euch schicken, aber ich brauche ihn hier. Außerdem möchten wir die Oberhäupter der Druiden zu Friedensgesprächen nach Camelot einladen. Die Druiden haben in den vergangenen zwanzig Jahren sehr viel Leid erdulden müssen, vielleicht mehr als alle anderen Bewohner Camelots. Ich möchte versuchen, wieder gut zu machen, was mein Vater getan hat. Bitte richtet Aglain, Iseldir und Rhiannon daher aus, dass wir uns darauf freuen, sie im Schloss zu begrüßen, und dass Emrys und ich alles in unserer Macht Stehende tun werden, damit sich die Druiden wieder als Teil von Camelot fühlen können."

Cerdan sieht überrascht aus, dass Arthur die Namen der drei Anführer der Druiden kennt, aber einen Moment später nickt er. „Ich werde tun, worum Ihr mich bittet, mein König", sagt er und neigt den Kopf, wobei sein Blick allerdings von Arthur zu Merlin wandert.

Merlin sieht, dass Morgana das Ganze mit einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht verfolgt. Sie sagt jedoch nichts und der Grund dafür ist wohl, dass Arthur nicht überrascht aussieht.

Merlin nickt schließlich dankbar. „Ich danke dir, Cerdan."

Er hat lange genug bei den Druiden gelebt, um sie besser zu verstehen, als Arthur es jemals könnte und er hat sein Bestes getan, um Arthur zu erklären, dass Arthur zwar der König von Camelot ist, aber dass Emrys immer der König der Druiden sein wird. Die Druiden wählen ihren Anführer nach der Stärke seine Magie und seiner Weisheit, und Emrys ist in ihren Augen in beidem unübertroffen. Arthur ist bereit, das zu akzeptieren, denn er und Merlin sind zwei Seiten derselben Münze und in seinen Augen macht es keinen Unterschied, wem von ihnen die Druiden ihre Treue schwören.

Spät an diesem Abend klopft Arthur an die Tür zu Morganas Räumen und es dauert einen Moment, bis Guinevere ihm öffnet.

„Sire", sagt sie überrascht, als sie Arthur entdeckt, doch dann neigt sie eilig den Kopf und lässt Arthur eintreten.

Morgana sitzt bereits in ihrem weißen Nachthemd im Bett, die Decke über ihre Beine gezogen. Als sie Arthur sieht, legt sie den Kopf schief und seufzt schwer. „Arthur. Was immer es ist, kann es nicht bis morgen warten? Es war ein langer Tag und ich bin müde."

Guinevere hat die Tür hinter Arthur wieder geschlossen und tritt zu Morgana ans Bett, um eine weitere Decke am Fußende auszubreiten und glatt zu streichen.

Arthur verzieht entschuldigend das Gesicht und schüttelt den Kopf. Er weiß, dass Morgana von dem Tag, der hinter ihnen liegt, genauso erschöpft ist wie er selbst, aber bevor er in zwei Tagen verkünden wird, dass das Gesetz, das Magie unter Strafe stellt, mit sofortiger Wirkung abgeschafft wird, will Arthur, dass sie versteht, warum es vor zwanzig Jahren eingeführt worden ist.

„Es kann nicht warten, entschuldige bitte", antwortet er. „Aber ich verspreche dir, dass es nicht lange dauern wird."

Morgana seufzt ein weiteres Mal, fügt sich aber ihrem Schicksal. „Also schön. Warum geht es?"

Arthur antwortet ihr jedoch nicht, sondern wendet sich an Guinevere. „Guinevere, würdest du uns bitte alleine lassen?"

Gwen hebt erstaunt den Kopf, richtet sich dann aber auf und nickt. „Sehr wohl, Sire. Braucht Ihr noch irgendetwas, Milady?"

Morgana lächelt und schüttelt den Kopf. „Nein. Danke, Gwen. Ich wünsche dir eine gute Nacht."

„Euch ebenfalls eine gute Nacht, Milady. Sire", verabschiedet sich Guinevere mit einer kleinen Verbeugung, bevor sie Morganas Räume verlässt und die Tür hinter sich ins Schloss zieht.

Arthur sieht Guinevere kurz nach und als er seinen Blick wieder auf Morgana richtet, sieht sie ihn mit einem missbilligenden Blick an.

„Du hättest sie nicht wegschicken müssen, weißt du. Ich habe ihr bereits erzählt, dass Magie in zwei Tagen wieder erlaubt sein wird."

„Darum geht es nicht", entgegnet Arthur und schüttelt den Kopf. Er weiß, dass Guinevere immer loyal zu Camelot gestanden hat und dass er ihr vertrauen kann, wie niemandem sonst, aber was er zu sagen hat, ist nur für Morganas Ohren bestimmt.

Morgana macht eine auffordernde Handbewegung. „Na dann los, spuck es aus, damit wir beiden noch ein paar Stunden Schlaf bekommen können."

Arthur antwortet nicht sofort, sondern geht zum Bett hinüber und setzt sich seitlich neben Morgana auf die Matratze.

„Hast du dich je gefragt, warum unser Vater Magie so sehr hasst?", fragt er nach seinem Moment.

Morgana hebt überrascht eine Augenbraue. „Ich habe immer gedacht, dass etwas vorgefallen sein muss, das ihn hat glauben lassen, dass Magie böse ist. Aber er hat nie darüber geredet."

Arthur nickt knapp. „Etwas ist vorgefallen. Der Grund, warum er die Große Säuberung begonnen hat, war meine Geburt und der Tod meiner Mutter."

„Was hat das mit Magie zu tun?", fragt Morgana und zieht die Augenbrauen nach oben.

Arthur lächelt schwach. „Alles. Aber lass mich am Anfang beginnen. Magie ist seit Jahrhunderten ein Teil von Camelot und als Uther König wurde, hat er die alten Wege zunächst respektiert und ist ihren Traditionen gefolgt. Als sich herausgestellt hat, dass meine Mutter nicht schwanger werden konnte, hat Uther eine der Neun Hohepriesterinnen der Dreifaltigen Göttin um Hilfe gebeten."

„In Ordnung", antwortet Morgana langsam, skeptisch, worauf Arthur hinauswill.

„Die Hohepriesterinnen hat ihm gesagt, dass es einen Weg gäbe, ein Leben mit Magie zu erschaffen und ihm den Erben zu schenken, den er sich so sehr gewünscht hat. Aber um ein Leben zu erschaffen, muss ein Leben genommen werden, um das Gleichgewicht in der Welt zu erhalten", erzählt Arthur weiter. „Die Hohepriesterin und Gaius haben meinen Vater gewarnt, dass es zu gefährlich sei, da es keine Möglichkeit gäbe, vorherzusagen, welches Leben genommen werden würde. Aber Uther hat nicht auf sie gehört. Er hat meine Mutter geliebt und er wollte ihr geben, was sie sich wünschte und was sein Königreich so dringend brauchte. Er befahl der Hohepriesterin den Zauber zu wirken und hat ihr und Gaius verboten mit meiner Mutter über den Preis dafür zu reden. Und als ich geboren wurde, starb meine Mutter. Es war ihr Leben, das als Gegenleistung verlangt wurde."

Morgana hat die Stirn in Falten gelegt und schließlich schüttelt sie betroffen den Kopf. „Ich hatte keine Ahnung."

Sie mustert Arthur aufmerksam, aber Arthur versucht sich nicht anmerken zu lassen, wie schwer es für ihn ist, ihr all das zu erzählen.

„Niemand außer Gaius und der Hohepriesterin wussten davon", fährt er nach einem Moment fort. „Unser Vater hat Gaius schwören lassen nie darüber zu sprechen und er hat die Hohepriesterin kurz nach meiner Geburt aus Camelot verbannt. Er hat um meine Mutter getrauert, aber der Schmerz über seine eigene Schuld wurde übermächtig und so hat er die Hohepriesterin und schließlich Magie selbst für den Tod meiner Mutter verantwortlich gemacht. All seine Schuldgefühle und sein Schmerz verwandelten sich in Hass. Er redete sich ein, dass Magie böse sei, weil sie seine Frau getötet hat, und er schwor sich jeden einzelnen Zauberer im ganzen Land zu vernichten."

Morgana schüttelt ungläubig den Kopf und mustert Arthur eindringlich. „Woher weißt du das alles?"

„Ich habe Gaius befohlen, es mir zu sagen, nachdem unser Vater nach seinem Unfall ein paar Andeutungen gemacht hat", lügt Arthur ohne zu zögern.

„Und warum erzählst du es mir jetzt?"

Arthur zuckt mit den Schultern, als ob das eigentlich offensichtlich sein sollte. „Weil du Uthers Tochter bist und weil ich will, dass du weißt, warum er getan hat, was er getan hat. Als meine Mutter starb, ist etwas in ihm zerbrochen und er wurde besessen von seinem Hass auf Magie, weil es der einzige Weg war, wie er mit seinem Schmerz leben konnte. Ich versuche nicht zu entschuldigen, was er getan hat, denn er hat schreckliche Dinge getan und ich verlange auch nicht von dir, dass du ihm vergibst. Aber ich möchte, dass du verstehst, warum er all diese Menschen getötet hat und dass er geglaubt hat, das Richtige zu tun."

Morgana sieht Arthur mit einem harten Ausdruck in ihren Augen an. „Das macht es nicht besser."

„Nein. Nein, das tut es nicht", stimmt Arthur zu, bevor er nach Morganas Hand greift und sie sanft drückt. „Aber ich will nicht, dass du ihn hasst, weil es nichts ändern würde. Es würde dich nur verbittert werden lassen. Und ich brauche dich an meiner Seite. Ich brauch meine wundervolle Schwester an meiner Seite, um Camelot in eine neue Ära zu führen."

Morgana sieht Arthur gequält an und schüttelt dann mit einem verzweifelten Ausdruck auf dem Gesicht den Kopf. „Ich weiß nicht, ob ich das kann", sagt sie leise.

Arthur drückt ihre Hand ein weiteres Mal. „Nimm dir alle Zeit, die du brauchst. Ich weiß, dass du ein guter Mensch bist. Und ich liebe dich, vergiss das nie."

Morgana hat die Lippen aufeinandergepresst und Arthur wartet, bis sie ein knappes Nicken zustande bringt. Dann lächelt er aufmunternd, bevor er ihre Hand wieder loslässt und aufsteht, um zurück zu seinen Räumen zu gehen.

Er weiß, dass Morgana etwas Zeit brauchen wird, um zu verarbeiten, was er ihr gerade erzählt hat, aber Arthur ist zuversichtlich. Morgana hat ein großes Herz und er hofft, dass sie Uther vergeben kann, nicht um ihres Vaters Willen, sondern um ihrer selbst willen.