12. Dezember: Partylaune
Mit der Zeit wurde es einfacher. Kurz vor seinem ersten Geburtstag lernte Teddy laufen und nichts im Haus war mehr sicher vor seinen Patschhändchen. Harry kam vorbei, um ihr zu helfen, das Haus Kindersicher zu machen und Gitter an den Treppen zu installieren und sie stellten fest, dass er handwerklich ziemlich unbegabt war. Am Ende musste Molly vorbeikommen, die alles mit ein paar Schwüngen ihres Zauberstabs erledigte.
„Ich hab sieben Kinder großgezogen", sagte sie schulterzuckend. „Diese Sprüche kann ich im Schlaf." Sie tätschelte Teddy den Kopf, der grinsend durchs Zimmer gewankt kam und sich an ihren Beinen festklammerte. „Wo ich schon mal da bin, Dromeda, willst du einen Kuchen für Teddys Geburtstagsparty backen oder soll ich? Ich hab erst vor kurzem ein neues Rezept ausprobiert, das wäre ein wunderbarer Geburtstagskuchen."
Andromeda schaute Molly überrascht an. „Party? Was für eine Party?"
Molly schnappte entsetzt nach Luft. „Du willst doch hoffentlich eine Party feiern! Seine Geburt ist letztes Jahr schon so geheim gehalten worden, dass wir gar nicht zusammen feiern konnten, er verdient einen großen Tag."
„Aber er weiß doch gar nicht, was das bedeutet", widersprach Andromeda.
Molly zuckte mit den Schultern. „Na und? Dann machst du eben einen Haufen Fotos, wie immer, dann hat er später was, das er sich anschauen kann. Und du verdienst auch einen großen Tag mit der Familie. Wir können auch gerne im Fuchsbau feiern, wenn du das ganze Haus nicht voller Leute möchtest …" Andromeda gab sich geschlagen und nickte schließlich. Wenn Molly so war, ließ man sie besser einfach machen und passte sich dementsprechend an.
„Danke, dass du bei der Party mitmachst", sagte Harry später beim Mittagessen. Molly war wieder nach Hause appariert, aber Harry hatte an dem Tag nichts vor und wollte noch etwas Zeit mit Teddy verbringen, der auf Harrys Schoß saß und sich von ihm füttern ließ.
Andromeda zuckte mit den Schultern. „Um ehrlich zu sein hab ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich finde Partys für Kinder, die noch nicht mal wissen, was ein Geburtstag ist, eigentlich unnötig."
Harry lachte. „Ja, in den ersten Jahren ist das wohl mehr was für die Eltern als die Kinder. Hermine glaubt, dass es Molly vor allem darum geht, sich von Freds Todestag abzulenken." Andromeda nickte. Der Tag schwebte wie ein dunkler Schatten über ihr. Teds war schon verstrichen, auch wenn sie nicht mal wusste, an welchem Tag er überhaupt gestorben war. Sie zählte ab dem Tag, an dem Remus ihr von seinem Tod erzählt hatte. Aber an dem Tag hatte Teddy schreckliche Bauchschmerzen gehabt und die Sorge um ihren Enkel hatte sie so sehr abgelenkt, dass sie kaum an Ted gedacht hatte. Hermine hatte vermutlich ganz recht mit ihrer Vermutung, dass Molly sich um jeden Preis ablenken wollte.
Harry wischte Teddy mit einer Serviette den Babybrei ab, der auf seiner Wange gelandet war und küsste ihn auf seine jetzt pechschwarzen Haare. „Aber es ist trotzdem schön, seinen Geburtstag zu feiern. Letztes Jahr ging das alles so schnell, dass sich keiner richtig freuen konnte. Wir waren mitten in unseren Planungen zum Einbruch in Gringotts und ich hab mich wie der schrecklichste Pate auf der Welt gefühlt."
Andromeda lachte. „Ich muss zugeben, ich hab mich gewundert, dass Remus ausgerechnet dich wollte."
„Was, nur weil ich siebzehn war, auf der Flucht, und ein gesuchter Schwerverbrecher?", erwiderte Harry grinsend. „Sein eigener Sirius, was?"
Sie lächelte. „Ja, schon. Außerdem schien es eine unnötige Belastung für dich zu sein. Aber Remus gingen seine Freunde immer über alles und jetzt, wo sie alle weg waren, warst du wahrscheinlich der nächst Beste, wenn er Sirius oder James nicht haben konnte. Und er hat gesagt, dass es dir zu verdanken war, dass er wieder zu Dora zurückgekommen ist."
Harry seufzte und kratzte sich verlegen am Kopf. „Ja, wahrscheinlich schon. Er hat uns damals seine Hilfe angeboten und versteh mich nicht falsch, wir hätten sie bestimmt gut gebrauchen können, aber der Gedanke, dass er sein Kind einfach verlässt, obwohl er nicht muss … Mein Dad hat sein Leben für Mum und mich geopfert, und dass er sein Kind aus Angst im Stich lässt, ich kann mir nicht vorstellen, dass er das gutgeheißen hätte … Und gerade Remus! Als damals die Dementoren in Hogwarts waren, um uns vor Sirius zu schützen, hat er mir so viel dabei geholfen, mich gegen sie zu wehren. Und ohne ihn hätte ich wahrscheinlich überhaupt keine Chance gegen die Todesser im Ministerium gehabt. Er war der beste Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, den ich je hatte, und der Gedanke, dass Teddy ihn nicht auch so sehen würde …" Er schüttelte den Kopf. „Es ist so unfair, dass er sich trotz allem nie an Remus erinnern wird. Ich hasse das."
„Ich auch", erwiderte Andromeda. „Aber trotzdem. Remus war hier während der Schwangerschaft und hat sich mit Dora zusammen auf Teddy gefreut. Ich möchte nicht wissen, wie diese Monate für sie gewesen wären, wenn er nicht wiedergekommen wäre. Und er war so glücklich nach der Geburt."
Harry lächelte. „Ich weiß. Er ist damals bei Bill und Fleur reingeplatzt und hat so gestrahlt, so hab ich ihn noch nie gesehen. Nach allem, was passiert ist … es war schön, eine gute Nachricht zu bekommen. Und es wird schön sein, diese Nachricht jedes Jahr zu feiern."
„Jedes Jahr?"
„Ja natürlich", sagte Harry selbstverständlich. „Die erste Geburtstagsfeier die ich hatte, war bei meinem siebzehnten Geburtstag im Fuchsbau. Ich möchte, dass Teddy ein paar schöne frühere Erinnerungen an seinen Geburtstag hat."
„Wirklich?", fragte Andromeda schockiert. „Du hast erst mit siebzehn gefeiert?" Sie hatten vielleicht nie die größten Partys veranstaltet, aber ein Geburtstag war immer etwas Besonderes gewesen.
Harry seufzte. „Meine Verwandten haben meinen Geburtstag immer ignoriert. Und als ich dann endlich Freunde hatte in Hogwarts, waren das auch meistens unglückliche Umstände, weil ich in den Ferien bei meinen Verwandten festgesteckt habe. Und dann nach Voldemorts Wiederauferstehung und Sirius' Tod war mir nicht sonderlich nach Feiern zumute. Wahrscheinlich hätte ich auch den siebzehnten sausen lassen, wenn Molly nicht unbedingt ein großes Essen hätte geben wollen und sowieso alle wegen Bills und Fleurs Hochzeit dagewesen wären."
„Ja, Molly feiert gerne."
„Tja, sie haben nicht viel Geld und bei so vielen Familienmitgliedern ist Aufmerksamkeit an ihrem Geburtstag wahrscheinlich das größte Geschenk, was sie ihnen machen können. Und Georges Geburtstag wollte dieses Jahr keiner feiern, weil das auch Freds Geburtstag ist, und da ist Teddys wahrscheinlich eine willkommene Gelegenheit."
Andromeda schaute zu Teddy, der mittlerweile mit dem Salzstreuer spielte. Es war schön zu wissen, dass sich so viele Menschen über seinen Geburtstag freuten.
Und Molly hatte wirklich keine Mühen gescheut. Für April war sehr schönes und sonniges Wetter, sodass sie im Garten feiern konnten. Die Torte war riesig und alle waren voll des Lobes, auch wenn Teddy nach einem halben Stück durch den Zuckerschock fast durchdrehte und übermütig von einem zum anderen durch den Garten krabbelte. Andromeda war froh, dass sie ihm seine grüne Latzhose angezogen hatte, auf der sah man den Dreck kaum.
„Ach, er ist so süß", seufzte Fleur verzückt. Sie saß neben Andromeda und verfolgte, wie Teddy erst zu Harry krabbelte und sich dann an Georges Bein hochzog und seine Arme ausstreckte, weil er auf den Arm genommen werden wollte. George lachte und hob ihn hoch. Teddy klammerte sich in Georges Pullover fest und starrte fasziniert auf die Stelle, wo früher sein Ohr gewesen war. Er zog die Nase kraus und einen Moment später verschwand sein Ohr.
Fleur lachte. „Er ist wirklisch genau wie seine Mutter, nischt wahr?" Sie warf ihre langen blonden Haare über die Schulter. „Isch wäre viel lieber ein Metamorphmagus als ein Teil Veela."
„Ach ja?", fragte Andromeda überrascht. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie oft Molly sich darüber aufgeregt hatte, dass Fleur ihr Aussehen so wichtig und sie so oberflächlich war. Als Andromeda sie bei den Beerdigungen endlich kennen gelernt hatte, war sie überrascht gewesen, wie schön Fleur wirklich war, aber sie war ihr nie oberflächlich vorgekommen.
„Oh ja. Isch meine, es ist toll, so 'übsch su sein und isch bin es nischt anders gewohnt, aber es ist auch alles, was die Leute sehen, wenn sie misch kennen lernen. Isch bin eine gute und intelligente 'exe, aber kaum jemand nimmt das wirklisch war. Isch fand es immer sehr beeindruckend, dass Tonks so 'übsch sein konnte, wie sie wollte. Aber es war ihr egal und sie war immer einfach nur sie selbst."
Andromeda lächelte. Ja, das war sie wirklich gewesen.
„Beel und isch überlegen, auch ein Baby su bekommen", fuhr Fleur nach einer Weile fort. „Wir sind bald swei Jahre ver'eiratet und wir 'aben einen Krieg überlebt. Isch 'offe, wir sind so weit."
„Ich glaube nicht, dass ich mich damals bereit gefühlt habe, als ich schwanger wurde", erwiderte Andromeda nachdenklich. „Es war überhaupt nicht geplant und dann hat Ted mir sofort einen Antrag gemacht und meine Familie hat mich rausgeschmissen und im Nachhinein war ich so froh, dass das alles so gekommen ist. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals wirklich bereit für ein Baby gefühlt hätte, besonders im Krieg. Und Teddy war auch nicht geplant."
„Aber es ist so schön, dass er da ist, nischt wahr?", versicherte Fleur sich besorgt.
Andromeda nickte. „Jeden Tag. Und wenn ihr üben wollt, dann könnt ihr Teddy euch gerne mal ein Wochenende ausleihen. Auch wenn er schon viel pflegeleichter ist als ein Neugeborenes, er schläft jede Nacht durch und muss nicht mehr um drei Uhr nachts ein Fläschchen kriegen." Das vermisste sie wirklich nicht, jede Nacht durch Babygeschrei aus dem Schlaf gerissen zu werden.
„Oh, das wäre wunderbar", erwiderte Fleur strahlend. Sie winkte Bill zu sich, um ihm gleich davon zu erzählen, auch wenn der weniger begeistert zu sein schien, sein Wochenende für ein Baby opfern zu müssen. Aber gegen Fleur hatte er keine Chance und so verbrachte Teddy in der nächsten Zeit mehr als ein Wochenende in Shell Cottage. Und er schien sie nicht abzuschrecken, denn am Ende von Harrys Geburtstagsfeier im Fuchsbau verkündeten sie strahlend, dass sie ein Baby bekamen. Molly brach glücklich in Tränen aus und umarmte die beiden abwechselnd und auch Teddy stimmte in den Applaus der anderen mit seinen Patschhändchen ein.
„Bald hast du jemanden zum Spielen, wenn du Bill und Fleur besuchst, das wird toll werden", versprach Andromeda ihm, woraufhin ihr Enkel sie nur unbeeindruckt anschaute und sich ein Stück Kuchen in den Mund schob.
Aber sobald Victoire Isabelle Weasley nächsten Mai geboren war, war er fasziniert von der Kleinen. Fleurs Geburtstermin war eigentlich Teddys Geburtstag gewesen und Andromeda war sehr froh, dass Victoire sich noch zwei Wochen Zeit gelassen hatte, damit die Geburtstage nicht auf den gleichen Tag fielen. Jetzt fiel ihr Geburtstag allerdings mit dem Todestag von Nymphadora, Remus und Fred zusammen, was noch merkwürdiger war. Aber wenigstens würden sie alle ab diesem Tag immer etwas haben, worüber sie sich freuen konnten. Und die kleine Victoire hatte sofort alle um den Finger gewickelt, da stand sie Fleur in ihrem Charme in nichts nach. Molly weigerte sich beinahe, sie überhaupt wieder herzugeben und Teddy bettelte andauernd, sie sehen zu dürfen, auch wenn er es nicht mochte, wenn sie anfing zu schreien. Und schreien konnte die Kleine. Andromeda war in diesen Momenten wirklich dankbar, dass Teddy langsam Sprechen lernte und längst nicht so ein lautes Temperament hatte wie Victoire.
Wie laut sie schreien konnte zeigte sich schon kurz nach ihrer Geburt bei Ron und Hermines Hochzeit, als sie mitten im Jawort anfing zu brüllen und nicht mehr aufhören wollte. Fleur verschwand zwar schnell im Haus, aber man konnte Victoire trotzdem so gut hören, dass Ron und Hermine sich richtiggehend anschreien mussten. Eine halbe Stunde später schlief Victoire wie ein kleiner Engel in ihrem Kinderwagen und Ron musste sich dauernd räuspern, weil er ganz heiser geworden war.
„Macht nichts", sagte er grinsend zu Fleur, die sich ununterbrochen entschuldigte. „Hermine und ich haben uns so häufig angeschrien in Hogwarts, das war irgendwie passend, dass das heute auch so war." Er strahlte Hermine an, die sich gerade bemühte, ihre Mutter aus Arthurs Fängen zu befreien, der sie offensichtlich wegen irgendeiner Muggelsache auszufragen versuchte.
„Trotzdem", beharrte Fleur. „Es war so peinlisch. Und Teddy war so ein braver kleiner Junge." Sie strich Teddy über den Kopf, während er mit verzogenem Gesicht an der Fliege zerrte, die Andromeda ihm aufgezwungen hatte.
„Ich bitte dich, Fleur, hier wissen doch alle, wie Babys sind", erwiderte Andromeda beruhigend. „Und Victoire ist so ein süßes Baby, ihr kann keiner lange böse sein."
Fleur seufzte. „Das 'abe isch auch gedacht, bevor sie mich jede Nacht aufweckt. Du 'ast wirklisch untertrieben, wie anstrengend das ist."
Sie zuckte mit den Schultern. „Wird alles besser werden in den nächsten Monaten. Und beim zweiten Baby hast du dann schon Übung."
Fleur seufzte noch stärker. „Isch weiß nischt, ob isch mir diese Folter noch einmal antun werde. Wenn man ein perfektes Baby 'at, das reischt doch." Sie schaute an sich herunter. „Außerdem wird es ewig dauern, bis isch meine Figur wieder'abe." Andromeda konnte ehrlich gesagt keinen Unterschied zu vor ihrer Schwangerschaft sehen, aber sie wusste auch, wie fremd sich der eigene Körper nach einer Geburt anfühlen konnte.
Sie wurden von Ginny unterbrochen, die Teddy lachend hochhob und mit ihm auf die Tanzfläche eilte, wo Lovegoods Tochter schon auf sie wartete. „Harry will nicht tanzen", rief sie zur Erklärung und fing an, mit Teddy herumzuhüpfen, dessen lautes Lachen die umstehenden Gäste begeisterte.
„Das ist eine gute Idee", sagte Fleur. „Kannst du ein Auge auf Victore 'aben, isch würde gerne Beel suchen."
Andromeda machte das gerne, denn Victoire war wirklich herzallerliebst, aber sie war auch froh, dass ihr eigener Enkel mittlerweile kein Baby mehr war.
„Ist sie nicht wunderbar?", fragte Molly sie, die unbemerkt an sie herangetreten war. „Gut, vom Aussehen kommt sie ganz nach Fleur, aber ich hoffe, dass sie wenigstens ein paar Charakterzüge von Bill hat."
„Dora sah keinem von uns wirklich ähnlich nach der Geburt", erwiderte Andromeda. „Aber bei einem Metamorphmagus ist das auch nicht verwunderlich. Und Remus war ganz begeistert, dass Teddy nach Dora kam." Insgeheim war sie froh, dass Nymphadora ihr nicht sonderlich ähnlich gesehen hatte. Es hatte ihr schon gereicht, dass sie Bellatrix in der Schule von weitem so ähnlich gesehen hatte, dass sie andauernd verwechselt wurden. Im Laufe der Zeit wurde das immer weniger und jetzt war allgemein bekannt, dass Bellatrix tot war, aber Harrys Reaktion, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte, würde sie dennoch nie vergessen. Das hatte sie oft genug erlebt.
„Das ist wohl der Vor- und Nachteil bei einem Metamorphmagus. Sie sehen allen und keinem wirklich ähnlich", murmelte Molly nachdenklich und warf dann einen prüfenden Blick in den Kinderwagen, um sich zu vergewissern, dass Victoire noch schlief. „Na ja, ich hoffe, dass die Weasley-Gene beim nächsten Enkel mehr durchschlagen."
Andromeda lächelte. „Ich glaube, du wirst noch genug Enkel haben." Es war bestimmt nur noch eine Frage der Zeit, bis Harry und Ginny heiraten würden und auch wenn Percy und George im Moment nicht den Anschein erweckten, dass sie Interesse an einer Beziehung hatten, konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie auf Dauer allein bleiben würden. Charlie stand da auf einem anderen Blatt, der war schon als kleiner Junge eher ein Freigeist gewesen, der auch sehr gut ohne seine Familie auskam.
Selbst Narcissa schien von dem Thema völlig besessen zu sein. Bei ihren Teestunden sprach sie kaum noch von etwas anderem. „Ich verstehe Draco nicht", sagte sie kopfschüttelnd und rührte ihren Tee um. „Ich habe ihm schon so viele nette Mädchen vorgestellt, aber er scheint kein Interesse zu haben."
„Ach ja?", seufzte Andromeda genervt, denn das Thema hatten sie mittlerweile wirklich zur Genüge durchgekaut. „Er ist doch erst zwanzig, er hat mehr als genug Zeit, jemanden zum Heiraten zu finden."
„Na und?", empörte Narcissa sich. „Ich habe damals mit neunzehn geheiratet, und du doch auch. Das gehört sich in unserer Familie einfach so, wir haben alle früh geheiratet."
„Dora war fünfundzwanzig, als sie geheiratet hat", warf Andromeda ein, nur um ihre Schwester zu nerven und zu sehen, wie sie sich da jetzt herauswinden würde. Die Blacks waren wirklich die letzten, die mit Familientradition argumentieren sollten.
Narcissa verzog das Gesicht. „Das zählt nicht."
Andromeda verschränkte die Arme vor der Brust. „Und warum nicht? Weil sie einen Werwolf geheiratet hat!?"
Narcissa verschluckte sich an ihrem Tee und übertrieb es Andromedas Ansicht nach ganz schön mit ihrem Hustenanfall, um nicht antworten zu müssen. Aber Andromeda schaute sie wartend mit hochgezogenen Augenbrauen an und Narcissa seufzte.
„Ich meinte eigentlich nur, dass euch die Tradition zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu kümmern schien, ganz egal, wen deine Tochter am Ende geheiratet hat."
Andromeda seufzte. „Um ehrlich zu sein, Sissy, die einzige, die sich jemals um diese bescheuerten Traditionen geschert hast, warst du. Bella hat nur geheiratet, um nicht mehr unter der Fuchtel von Vater zu stehen und Lestrange hat sie offensichtlich alles machen lassen, was sie wollte, und ist ihr blind gefolgt. Und Ted und ich haben nur so früh geheiratet, weil ich schwanger war."
„Wirklich?", fragte Narcissa überrascht.
Andromeda schnaubte. „Was hast du denn gedacht? Ohne das Baby hätten wir uns viel mehr Zeit gelassen." Schon allein, um Ted nicht zu einer größeren Zielscheibe für Bellatrix zu machen.
„Ich dachte, du wolltest unseren Eltern nur an den Kopf werfen, wie wenig wichtig dir unsere Werte sind", erwiderte Narcissa schulterzuckend.
„Weißt du, eigentlich wollte ich nur Ted", erwiderte Andromeda wehmütig. „Ich wollte mich nie so gegen unsere Familie auflehnen, wie ihr das immer gesehen habt. Ich wollte nur meinen eigenen Weg gehen mit dem Mann, den ich liebe. Nicht mehr und nicht weniger. Es waren Mutter und Vater, die das so auf die Spitze getrieben haben."
„Mutter und Vater waren immer überzeugt, dass du damals absichtlich schwanger geworden bist, damit sie dir Ted nicht mehr ausreden können."
Andromeda lachte humorlos. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten sie noch jahrelang nichts von ihm erfahren. Die Schwangerschaft war das Letzte, was ich geplant hatte." Aber damals hatte es kaum einen guten und einfach zu bekommenden Verhütungstrank gegeben und sie hatten sich auf einen Spruch verlassen müssen, an den sie sich offensichtlich nicht immer erinnert hatten. „Und als er dann davon erfahren hat, wollte er unbedingt heiraten und ich hatte nichts dagegen." Sie lächelte. „Letzten Endes wäre es sowieso darauf hinausgelaufen, aber geplant hatte ich es so eigentlich nicht."
Narcissa seufzte. „Lucius und ich hatten es immer so geplant. Ich hätte nur nicht gedacht, dass ich so lange brauchen würde, schwanger zu werden."
„Ach ja?"
„Oh ja. Eigentlich wollte ich direkt nach der Hochzeit ein Baby, aber am Ende hat es fünf Jahre gedauert. Ich hätte auch gerne mehr als eins gehabt, aber bei den Malfoys ist es Tradition, nach dem ersten Sohn aufzuhören, damit es später keinen Streit ums Erbe gibt. Mädchen kann man davor bekommen, so viel man will, denn die kann man ja leicht verheiraten. Ich hatte so auf ein Mädchen gehofft, bevor ich Draco bekommen habe. Aber wer weiß, ob ich überhaupt noch einmal schwanger geworden wäre."
Andromeda biss sich auf die Lippe und schüttelte nur stumm den Kopf. Es gab in den reinblütigen Familien viele bescheuerte Traditionen, aber die klang bescheuerter als die meisten, von denen sie je gehört hatte. Und wenn sie mehr als ein Kind hätte haben wollen, hätte sie sich von so einer Tradition nie abhalten lassen.
„Und ihr wolltet nur eure Tochter?", fragte Narcissa nach einer Weile, in der sie sich nur angeschwiegen hatten.
Andromeda zuckte mit den Schultern. „Es hat sich irgendwie nie ergeben, noch ein zweites Baby zu bekommen. Auf keinen Fall im Krieg. Und Dora war anstrengend genug für Ted und mich. Und dann haben wir beide gearbeitet und da war einfach kein Platz mehr für ein zweites Baby. Wir hatten aber auch nie das Gefühl, das uns oder ihr was fehlte." Nymphadora hatte genug Kinder gehabt, mit denen sie hatte spielen können, da war ein Geschwisterchen nicht notwendig gewesen. Und keiner von ihnen war damals bereit gewesen, für ein Baby zurückzustecken, nachdem sie nach dem Krieg endlich ihre Karrieren gehabt hatten. Sie waren zu dritt vollauf zufrieden gewesen.
„Ich hätte gerne mehr Kinder gehabt. Auch wenn er es nie sagen würden, ich glaube, Draco war schon sehr einsam als Kind. Wir hatten damals wenigstens uns. Als Bella damals nach Askaban bei uns gewohnt hat …" Sie erschauderte. „Draco war und ist immer das Wichtigste für mich, und sie hätte ihn ohne Nachzudenken für den Dunklen Lord geopfert."
„Was du nicht sagst", erwiderte Andromeda unbeeindruckt. Das hatte Narcissa sich wirklich selbst eingebrockt und dafür würde sie von Andromeda niemals Mitleid bekommen. „Wenigstens hast du dein Kind noch."
Narcissa wandte den Blick seufzend ab. Wenn sie an diesem Punkt angekommen waren, dann war ihr Treffen meistens schnell zu Ende. Keine von ihnen hatte besonders große Lust, sich die Vorhaltungen der anderen anzuhören.
„Wie dem auch sei, Sissy, wenn du meine Meinung hören willst, dann lass deinem Sohn Zeit. Wen interessiert schon die Tradition, wenn er niemanden gefunden hat, den er heiraten will?", sagte sie schließlich.
„Es gibt mehr als genug geeignete Mädchen", protestierte Narcissa erneut, während Andromeda laut stöhnte und genervt die Augen verdrehte, weil sie schon wieder bei diesem Punkt im Gespräch angekommen waren. Aber Narcissa war einfach so stur und wollte absolut nicht zuhören. „Soweit ich weiß, hatte er in Hogwarts eine sehr gute Freundin. Pansy Parkinson. Du erinnerst dich doch noch an die Parkinsons, sehr gute Familie."
Andromeda verdrehte erneut die Augen. Sie hatte die Parkinsons nie gemocht. Und nach dem Krieg war ihr Ansehen sehr gefallen, auch wenn sie, wenn Andromeda richtig informiert war, keine aktiven Todesser gewesen waren, sondern nur mit Voldemort und seinem Gefolge sympathisiert hatten.
„Oder die Bullstrodes. Die sind eine der reinblütigsten Familien, die es im Land noch gibt, die haben auch eine Tochter in Dracos Alter, soweit ich gehört habe." Die Bullstrodes waren noch schlimmer als die Parkinsons, und nicht unbedingt die hellsten Kerzen auf der Torte. Andromeda konnte es ihrem Neffen nicht verübeln, dass er an ihnen kein Interesse hatte.
„Du kannst ihn nicht zwingen, Sissy. Er wird schon noch die Richtige finden."
„Er hätte sie schon längst haben können", murmelte Narcissa missmutig. „Ich meine, hat nicht der jüngste Sohn der Weasleys dieses Schlammblut geheiratet, über das Draco sich immer so aufgeregt hat? Er hat gesagt, sie hat ihn sogar geschlagen, kannst du dir das vorstellen?"
„Bildlich", zischte Andromeda. Eigentlich hätte sie Hermine so etwas nie zugetraut, aber bei der Hochzeit hatte Ron die Geschichte mindestens fünf Mal zum Besten gegeben und so wie es klang, hatte Draco es mehr als verdient. Andromeda seufzte und stand auf. „Sissy, du kannst gehen. Sofort! Du weißt, dass ich diese Ausdrücke unter meinem Dach nicht hören will und wenn du darauf bestehst, sie zu benutzen, dann musst du nicht wiederkommen!"
Narcissa verdrehte die Augen. „Es tut mir leid, Dromeda, ich hab's vergessen."
Andromeda verschränkte erneut die Arme vor der Brust. Manchmal fragte sie sich wirklich, warum sie sich das jeden Monat antat. „Danke. Du kannst trotzdem jetzt gehen."
Seufzend stand ihre kleine Schwester auf und ging zum Kamin. Sie entzündete die Flammen und warf Flohpulver hinein, bevor sie sich umdrehte. „Nächsten Monat wieder um die gleiche Zeit?"
Andromeda nickte. „Bis dann." Vielleicht konnten sie ja nächstes Mal nur über das Wetter reden. Da fühlten sie sich nie beleidigt.
TBC…
