Die Sonne ging gerade auf, als Ahsoka sich zur Meditation auf den Anleger gesetzt hat. Warme Strahlen berührten ihr Gesicht und fühlten sich an wie die Hand von Lux am vorigen Tag.
Sie schaffte es zwar nicht, erneut Meister Yoda oder einen anderen Jedi zu erreichen, dennoch war sie tief genug versunken, um den Frieden der Gegend in sich aufzunehmen.
"Ahsoka?" Katooni stand hinter ihr.
"Setz' dich." Ahsoka zeigte auf das Kissen neben sich. "Wie vertraut bist du mit der Meditation?"
Katooni setzte sich und schaute auf den See.
"Etwas. Meiner Meisterin war es nicht so wichtig, mir die friedlichen Aspekte der Jedi beizubringen, weißt du. Wir waren viel an der Front."
"So wie ich. Anakin hat nur selten meditiert, daher musste ich mir vieles selber beibringen. Deine Aufgabe wird es sein, sich von der Macht treiben zu lassen. Dringe in immer tiefere Ebenen deines Geistes vor und finde einen Punkt, an welchem du deine Mitte findest."
Katooni schloss ihre Augen.
"Ich hatte gehofft, dass wir den Schwertkampf trainieren...", sagte sie enttäuscht.
"Katooni, sei dir einer Sache bewusst: Die Jedi waren Hüter des Friedens, bevor die Klonkriege begannen. Erst seit dem Beginn des Krieges waren sie gezwungen, einzuschreiten und Truppen zu führen. Doch das ist kein Maßstab. Der Kampf wird noch kommen. Doch vorher musst du lernen, in Zeiten des Friedens deine Kraft zu finden. Nur das macht dich stark und bereitet dich auf alle Gefahren vor, die da draußen lauern."
Katooni verstand und beide meditierten eine Weile.
Zur gleichen Zeit kontaktierte Lux in seinem Arbeitszimmer Saw und berichtete ihm von dem Vorfall auf Onderon.
"Ich kann dir sofort Hilfe schicken.", sagte er, nachdem er alles gehört hat.
"Das ist nicht nötig, ich habe Unterstützung.", antwortete Lux lächelnd, und war froh, dass durch die Verschlüsselungen nur seine Stimme übertragen wurde. Er hatte noch keine Lust darauf, zu erklären, dass er inzwischen zwei ehemalige Jedi als Begleitung hatte.
Saw hätte es eh nicht verstanden. Er hatte zwar auch Respekt vor den Jedi, doch nicht in dem gleichen Maß wie Lux. Immerhin ist trotz Ahsokas Hilfe seine Schwester bei der Rebellion vor einem Jahr gestorben und darüber war er immer noch nicht hinweggekommen. Daher konnte Lux mit gutem Gewissen sagen, dass es die richtige Wahl war, ihm noch nicht von seiner Begleitung zu erzählen.
"Saw, ich konnte vor meiner Flucht nicht mehr alles verstauen können und habe nur Blaster im Schiff. Hast du noch ein paar Vibro-Klingen, die ich mir borgen kann?"
"Sicher, ich kann sie dir bis morgen bringen lassen. Aber wozu brauchst du sie?", fragte Saw neugierig.
Lux versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Ein Lichtschwert für Ahsoka zu besorgen, war unmöglich. Aber Vibro-Klingen vom Imperium waren leicht zu beschaffen, besonders für Saw. Und das sollte Ahsoka auch genügen.
"Ich möchte mich einfach ausrüsten. Das hat keinen bestimmten Grund."
Saw war scheinbar zufrieden mit der Antwort.
"Okay, dann schicke ich dir jemanden, der die Ausrüstung über deinem Standort abwirft. Wir sprechen uns wieder!"
Lux deaktivierte den Kommunikator und schaute zu den beiden Jedi, die auf dem Anlieger saßen.
„Noch einmal." Ahsoka hielt Katooni die Klinge an ihren Hals.
"Konzentriere dich und fühle die Umgebung. Achte auf jede Erschütterung. Jedes Lebewesen, jede Pflanze, alles wird von der Macht auf einzigartige Weise durchströmt. Erst wenn du deine Umgebung kennst, weißt du, wenn etwas nicht stimmt."
"Aber es ist schwer. Meine Meisterin hat mir so etwas nie beigebracht." Katooni ließ die Schultern hängen.
"Wäre es einfach, wärst du keine Jedi."
Ahsoka und Katooni nutzten den Wald seit Stunden, um diese Lektion zu üben. Immer wieder versteckte sich Ahsoka, damit Katooni sie findet, bevor Ahsoka sie angreifen konnte. Katooni war eine gute Schülerin mit einem großen Potenzial, doch war sie sich auch unsicher über ihre Fähigkeiten. Das erinnerte Ahsoka an sich selbst, weswegen sie genau wusste, wo sie bei dem Unterricht ansetzen musste.
"Du zweifelst zu viel an dir selbst. Vertraue dir und deinem Gefühl. Dann wirst du spüren, wenn ich mich nähere. Auch wenn du Angst hast, lass' sie dich nicht führen. Nutze sie als Schutz."
"Aber Jedi haben keine Angst. Wir dürfen so etwas nicht fühlen." Aus Katooni sprach der alte, in vielen Stunden auswendig gelernte Kodex der Jedi. Ahsoka schüttelte ihren Kopf.
"Genau das ist der Grund, weswegen es die Jedi nicht mehr gibt. Gefühle sind wichtig. Ansonsten wären wir nicht besser als Droiden. Du darfst Angst haben, du darfst Ärger fühlen. Alles, solange es nicht dein Urteilsvermögen beeinflusst. Hast du deine Emotionen im Griff, ohne sie zu unterdrücken, kannst du es schaffen."
"Dann hattest du also auch schon einmal Angst vor einem Kampf?"
"Ich habe vor jedem Kampf Angst. Als ihr mich damals vor den Piraten gerettet habt, hatte ich Angst um euch. Als Grievous mich angegriffen hat, hatte ich Angst. Auch als ich gegen Maul und die Klone gekämpft habe. Aber ich habe mich davon nicht ablenken lassen. Wut, Trauer und Angst sind wichtig. Nur ihnen nachzugeben wäre der Weg zur dunklen Seite. Lerne daher mit deinen Gefühlen umzugehen und sie als Verbündete zu betrachten." Ahsoka legte ihr aufmunternd eine Hand auf ihre Schulter. „Du schaffst das."
"Okay, dann noch einmal." Katooni und Ahsoka trennten sich und liefen weit voreinander weg. Ahsoka sprang auf einen Baum und schloss die Augen.
Sie konnte Katooni noch nicht spüren, weswegen sie nicht in der Nähe sein konnte. Sie erinnerte sich, wie Anakin ihr in den Trainingsräumen des Ordens beibrachte, sich auf seine Gefühle zu verlassen. Schon damals vertrat er andere, radikalere Ansichten als der Rat, was Ahsoka nicht wunderte. Immerhin war er seit dem Beginn des Krieges mit Padmé zusammen, und alleine das waren schon so viele Verstöße gegen den Kodex, dass es ein Wunder war, dass niemand ihm auf die Schliche gekommen ist. Auch wenn sie selber nie jemanden geliebt hat, so war es Ahsoka bewusst, dass es einen enormen Aufwand brauchte, um diese Fassade zu jeder Zeit aufrecht zu halten. Doch für Anakin war es möglich. Er war in guten wie in schlechten Momenten immer auch für sie da, wenn sie Hilfe brauchte. Sie unterstützten sich gegenseitig, wann sie nur konnten. Und dennoch war es Ahsoka nicht mehr vergönnt gewesen, ihm zu sagen, dass sie ihm für alles dankbar war, was er ihr beigebracht hat und dass er ihr wichtiger war als jeder andere.
Plötzlich wurde sie durch eine Erschütterung aus den Gedanken gerissen. Unter ihr schlich Katooni durch das Laub. Ahsoka ließ sich leise fallen und ging Schritt für Schritt auf Katooni zu. „Sie konzentriert sich immer noch nicht genug.", dachte sich Ahsoka und setzte zum Schlag an.
Ohne Vorwarnung aktivierte Katooni jedoch ihr Lichtschwert und drehte sich um die eigene Achse. Ahsoka kam zu spät und die Klinge stoppte direkt vor ihrem Gesicht. Sie selbst war noch zu weit entfernt für einen Angriff. Beide verharrten einen Moment lang in ihrer Haltung, ehe sich Katoonis Miene auflockerte. Sie begann zu lachen und auch Ahsoka war erleichtert. Katooni hat sie aufgespürt und sie selbst hat nicht gemerkt, dass ihre Schülerin sie angreifen würde.
"Hervorragend. Das war genau richtig.", sagte Ahsoka anerkennend. „Noch einmal."
Am Abend hatte Lux wieder gekocht und erneut war es einfach perfekt. Er war amüsiert, wie die beiden Frauen nahezu ausgehungert über das Essen herfielen. Katooni konnte gar nicht aufhören, von der Übung im Wald zu sprechen. Nach dem ersten Erfolg ist es ihr in weiteren fünf Situationen gelungen, Ahsoka zu besiegen. Und das, obwohl Ahsoka es ihr jedes Mal schwerer gemacht hat.
Nach dem Essen saßen sie gemeinsam auf der Veranda und spielten ein Spiel. Jeder musste eine Behauptung über sich aufstellen, welche wahr oder falsch sein konnte. Die Ratenden hatten die Aufgabe, zu erraten, ob es eine Lüge oder die Wahrheit war. Gewann das Rateteam, musste sich der Geschlagene einer Prüfung unterziehen. Lag das Rateteam jedoch falsch, mussten sie eine Wahrheit über sich preisgeben.
Lux bestand darauf, dass Ahsoka nicht die Macht einsetzte, um zu mogeln, was sie natürlich lachend akzeptierte. Dennoch wurden seine Behauptungen immer korrekt von den beiden Frauen enttarnt.
Nun war Ahsoka wieder am Zug. Sie überlegte kurz. „Ich bin schon einmal gestorben."
"Nicht möglich!", sagte Katooni sofort, doch Lux schaute Ahsoka nur in die Augen. Es war seltsam. Sie konnte jeden auf die falsche Fährte locken, doch bei Lux war es schwieriger. Sie fühlte sich wie ein offenes Buch, wenn er sie so ansah.
"Es ist wahr.", sagte er schließlich überzeugt.
"Woher...", begann Ahsoka gerade ihre Frage.
„Nicht nur ein Jedi kann spüren, wann jemand lügt und wann nicht.", sagte er mit einem Augenzwinkern. Ahsoka erzählte ihnen daraufhin von Mortis und wie sie durch Anakin und die Lebenskraft der Schwester den Weg zurück zu den Lebenden gefunden hat.
"Wow." Katooni stand der Mund offen.
"Das habe ich nicht erwartet, aber es überrascht mich nicht. Das erklärt, warum du so freundlich und warmherzig bist. Du opferst dich für jeden, der Hilfe braucht. Das mag zwar dein Charakter sein, aber dieses Ereignis hatte sicherlich auch seinen Anteil daran, ob du es selber weißt oder nicht.", sagte Lux. Ahsoka wusste nicht, was sie darauf sagen sollte. Er hatte sicher auf eine gewisse Weise recht. Die Tochter hatte ihr ihre Lebenskraft gegeben, somit war sie theoretisch nun die helle Seite der Macht in Person. Doch diese Bürde wollte Ahsoka nicht tragen, jedenfalls noch nicht. Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, beendete Lux den stillen Moment.
"Aber nun zu deiner Prüfung: Du springst in den See und schwimmst einmal zum gegenüberliegenden Ufer und hierher zurück."
"Wie anstrengend.", erwiderte Ahsoka demonstrativ mit herausgestreckter Zunge, bevor sie aufstand, Anlauf nahm und ins Wasser sprang. Sie war zwar nicht so geübt wie Meister Fisto oder ein Mon Calamari, aber schnell genug, um mit wenigen Zügen zum Ufer und wieder zurück zu schwimmen. Mit einem Sprung kam sie aus dem Wasser und landete vor Lux und Katooni.
"Zufrieden? Immerhin ist das Wasser nicht gerade warm."
"Ganz und gar. Du bist schnell.", sagte Lux. Er sah, dass Ahsoka fror und gab ihr seine Jacke. Danach ging das Spiel noch eine ganze Zeit weiter.
"Wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich mich jetzt verabschieden. Ich bin wirklich kaputt.", sagte Ahsoka dann und verschwand in ihrem Zimmer.
Auch Katooni und Lux gingen danach auf ihre Zimmer und recht schnell waren alle Bewohner tief eingeschlafen.
