Auf der Hutt-Welt Ylesia – Drei Monate und eine Woche nach Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong im Jahre 25 nach der Schlacht von Yavin
„Eure Stunde ist gekommen. Es ist so weit", verkündete Pedric Cuf und führte den Haufen Menschen, Rodianer und anderer Nichtmenschen in das Gebäude, welches ihm Grabbus der Hutt freundlicherweise zugeeignet hatte.
Pedric Cuf war ein mittelgroßer, dunkelblonder Mensch mit blauen Augen, von denen eines unbeweglich war. Er war früh aufgestanden, um seine Männer und auch einige Frauen am Raumhafen in Kolonie Eins, der Hauptstadt von Ylesia, abzuholen. Dem war eine diskrete Werbekampagne vorausgegangen, in deren Verlauf in berüchtigten Cantinas und Tapcafés Flugblätter verteilt, in den Tageszeitungen einschlägig bekannter Welten lokale Anzeigen geschaltet worden waren, wie im Ylesia-Tageblatt, dessen heutige Ausgabe sich Pedric Cuf gekauft hatte, auch, um stichprobenartig die Zuverlässigkeit der Annoncenabteilung des Schmierenblattes zu kontrollieren.
In jenem Ylesia-Tageblatt also stand groß und breit auf der letzten Seite:
„Sie haben Erfahrung im militärischen und logistischen Bereich, aber keine Lust, offiziellen Behörden oder Einheiten zu dienen? Sie wollen einen guten Sold, Aufstiegsmöglichkeiten und die Galaxis kennenlernen? Dann schließen Sie Ihr persönliches Bündnis mit denen, die gekommen sind, um diese Galaxis auf den Wahren Weg zu bringen.
Kommen Sie zur Friedensbrigade! Wir warten auf Sie!"
„Sie also sind Lesmo", sagte Pedric Cuf zu einem Rodianer, den er wiedererkannt hatte.
„Sie kennen mich?", fragte der Angesprochene.
Pedric Cuf lächelte verschlagen. „Ich war ein guter Freund von Yomin Carr gewesen. Er hatte mir von Ihnen erzählt."
„Schade, was mit ihm passiert ist." Lesmos grüne Schnauze verzog sich verächtlich. „Und das nur, weil die dumme Jedi aufgetaucht ist. Yomin Carr war ein Ehrenmann und ich werde ihn nicht vergessen."
„Die Friedensbrigade ist genau das Richtige, um sein Andenken zu ehren", meinte Pedric Cuf.
Die mit ungefähr hundertfünfzig Mann recht ansehnliche Schar verließ den Raumhafen und folgte Pedric Cuf in das Gebäude, was ihnen Grabbus der Hutt zugewiesen hatte. Die Halle war so schmucklos und rechteckig, wie Pedric Cuf es erwartet hatte. Lediglich ein paar blaue Girlanden mit ebenso blau gefärbten Blumen dazwischen hatte der Majordomus Ent'less aufhängen lassen, um zumindest etwas Festlichkeit in die nüchtern-karge Atmosphäre der Halle zu bringen.
Direkt hinter dem Halleneingang war aus leichten Brettern und Pfählen ein Stand aufgebaut, hinter dessen Tresen eine blaue Twi'lek stand. Pedric Cuf hatte es äußerst passend gefunden, dass die Frau eine ähnliche Hautfarbe hatte wie die Materialfarbe der Westen, welche sie an die Ankömmlinge ausgab – die von Harmonie und Gelassenheit kündende Corporate Identity der Friedensbrigade. Es dauerte eine Weile, doch nach etwa zehn Standardminuten trug jeder Brigadist eine passende Weste über seiner Kleidung. Was Pedric Cuf im weiteren Verlauf der Zeremonie störte, war die Tatsache, dass die sich auf den blauen Stuhlreihen niederlassenden Friedensbrigadisten die Sitzkapazität der großen Halle gerademal zur Hälfte ausfüllten. Aber auch das würde sich im weiteren Verlauf der Ereignisse zum Positiven ändern … wenn er keine Fehler machte.
Auf dem Podium am anderen Ende der Halle fläzte sich Grabbus der Hutt, flankiert von einem Trupp Yuuzhan Vong-Krieger, deren Kommandant zu Pedric Cufs Verwunderung im Gesicht überhaupt keine Narben oder sonstigen Verstümmelungen aufwies. Stattdessen zogen sich zwei Netze von je roten und schwarzen Tätowierungen über sein ebenmäßiges Gesicht, um es optisch noch mehr in die Länge zu ziehen und ihm eine eigenartig verschachtelt-räumliche Tiefe zu verleihen, die es normalerweise in Yuuzhan Vong-Gesichtern nicht gab.
„Ich bin Kommandant Maal Lah und Kriegsmeister Tsavong Lah entbietet der Friedensbrigade seinen Gruß", sagte der Kommandant in akzentfreiem Basic, wofür Pedric Cufs Meinung nach der Tizowyrm in dessen Ohr verantwortlich zeichnete.
„Ich grüße Sie, Maal von der Domäne Lah, im Namen der Friedensbrigade", gab Pedric Cuf den Gruß förmlich zurück. „Wir fühlen uns durch dieses Zeichen der Unterstützung durch den Kriegsmeister geehrt. Möge die Verständigung zwischen unseren Völkern sich vertiefen und in einem ewigen Frieden münden."
„Ewiger Friede", deklamierte Maal Lah und reckte die bekrallte Faust in die Höhe.
Pedric Cuf schmunzelte. So, wie der Kommandant das eben auf Basic gesagt hatte, mochte es sich für die Friedensbrigadisten unterhalb des Podiums, so diese abgebrühten Männer und Frauen überhaupt an so etwas glaubten, wahr anhören. Er jedoch hatte das Gefühl, dass Maal Lahs gerümpfte unversehrte Nase vor Sarkasmus geradezu troff. Es gab kein Wort für Frieden in der Yuuzhan Vong-Sprache. Nur eines für Unterwerfung. Wie gut, dass man auf Basic zwei Wörter für ein und dieselbe Sache gebrauchen konnte, je nachdem, wie es gerade passte.
„Das eine kommt, das andere geht", hörte er Maal Lah weiterreden. „Und deshalb braucht Ylesia einen neuen Herrscher, einen, der die Friedensbrigade gut unterstützen kann und uns die Neue Republik effektiv vom Halse hält."
Alle im Raum nickten beifällig, während Pedric Cuf ein ungutes Gefühl beschlich. Grabbus' gelbe Augen blinzelten argwöhnisch in Richtung Kommandant und da erkannte auch der Mensch, dass der Hutt ebenso wenig eingeweiht war wie er selbst.
„Es wird also einen neuen Präsidenten geben", verkündete Maal Lah und gab seinen Kriegern ein Zeichen.
Vier Krieger umringten Grabbus und noch eh der verwirrte Hutt die kleinen Hände hochreißen konnte, hatten ihn zwei Stäbe in den Hals und in die flache, breite Nase gestochen. Die zwei anderen Stäbe bissen mit ihren Kopfenden herzhaft in seine dicke, grüne Haut, bevor sie sich drehten und mit dem anderen Ende ebenso zustachen.
Grabbus' gelbe Augen fixierten Pedric Cuf und ihm war, als würde dieses anklagende Starren niemals enden. Er zuckte hilflos mit den Schultern. Das ist nicht meine Schuld. Das habe ich nicht gewollt. Grabbus fiel nicht um, dazu war er einfach zu massig. Sein Oberkörper sackte einfach auf seinen um vieles massigeren Unterkörper und blieb dort eingesunken liegen, während die gelben Augen brachen.
„Sie da!" Maal Lahs bekrallter Zeigefinger zeigte auf den gelben Twi'lek, der bereits auf Belkadan als Majordomus von Grabbus dem Hutt gedient hatte.
„Ja, Herr."
Die Anrede erfolgte demütig genug, dass Maal Lahs kehlige Stimme etwas sanfter wurde. „Sie werden neuer Präsident von Ylesia sein, bis wir einen neuen bestimmen werden."
Ent'less' blaue Augen wurden ein Stück größer. Pedric Cuf war sich ziemlich sicher, dass der Twi'lek gerade angestrengt überlegte, nach welchem Prozedere diese Neubestimmung eines Präsidenten wohl erfolgen würde.
„Mit Verlaub, Kommandant", begann Ent'less, „darf ich Sie darauf hinweisen, dass Grabbus nicht der Präsident, sondern lediglich ein inoffizieller Herrscher bestimmter Bereiche der Gesellschaft von Ylesia war?"
Maal Lah grinste schelmisch. „Natürlich weiß ich das, Mr. Präsident. Ihr Amtsvorgänger starb bereits vor einer guten Stunde. Aber Tsavong Lah wollte die Sache – wie sagen Sie doch gleich auf Basic – so richtig rund machen."
Pedric Cufs gutes Auge wurde so groß wie seine Prothese in der linken Augenhöhle. Dass Tsavong Lah keine halben Sachen machte, war bekannt, aber dass der Kriegsmeister gleich doppelt … Eigentlich hatte er bislang gut mit Grabbus zusammengearbeitet. Eigentlich fand er es wichtig, dass gute Verbündete gehegt und bei der Stange gehalten wurden, bis sie sich als unfähig, unzuverlässig oder beides entpuppten. Was hatte sich Grabbus zuschulden kommen lassen? Nichts ihm gegenüber, soviel stand fest. Er überlegte, wie eigentlich der frühere Präsident von Ylesia geheißen hatte. Es wollte ihm nicht einfallen – hatte ihn, wenn er ehrlich war, bislang auch nie sonderlich interessiert. Er würde es ohnehin am nächsten Tag aus dem Ylesia-Tageblatt erfahren, falls er denn überhaupt die Credits dafür erübrigen würde.
Er sah dabei zu, wie acht Krieger von Maal Lah damit beschäftigt waren, Grabbus' Leiche aus dem Saal zu ziehen. Eine ausreichend große und breite Repulsortrage oder ein Dovin Basal-Äquivalent wäre jetzt hilfreich, dachte Pedric Cuf amüsiert ob der sich sichtlich abmühenden Krieger.
Lesmos schrilles Pfeifen riss ihn aus seiner Kontemplation.
Ein dunkelhaariger, gefährlich aussehender Mensch, der einen halben Kopf größer war als Pedric Cuf, kam heran, gefolgt von einem Rodianer, der ebenso grün war wie Lesmo.
„Das ist Reck Desh", stellte Lesmo Pedric Cuf mit seiner heiseren Reptilienstimme den Menschen vor. „Er hat früher für Macus Kayniph bei der Schwarzen Sonne gearbeitet."
„Sie haben miterlebt, wie Kayniph getötet wurde?", fragte Pedric Cuf.
„Ich bin erst zwei Jahre später dazu gekommen, also vor elf Jahren", sagte Reck Desh, „aber Grappa hat verdient, was er damals bekommen hat. Und überhaupt", er wies zum Ausgang, wohin der leblose Körper bewegt wurde, „es ist immer wieder schön, einen toten Hutt zu sehen."
Lesmo lachte dazu. „Und mein Speziesgenosse hier heißt Salkeli. Er wohnt auf Nar Shaddaa."
Pedric Cuf lächelte gewinnend. „Es freut mich, Freunde von Lesmo hier zu sehen."
Er winkte einem Kellner, der gerade zur Bar ging, und gab eine Bestellung auf. Als der Kellner wieder zurückkehrte, hatten Pedric Cuf, Lesmo, Reck Desh und Salkeli je ein Glas blauen Coradiser in der Hand.
Pedric Cuf war der Erste, der sein Glas erhob und der andere Mensch und die beiden Rodianer zogen nach.
„Willkommen bei der Friedensbrigade!", toastete Pedric Cuf laut, so dass sich alle anderen frischgebackenen Friedensbrigadisten nach ihnen umsahen. „Auf den Frieden zwischen den Völker dieser Galaxis und den Yuuzhan Vong!"
Einige Jubelschreie ertönten, aber zumeist war zustimmendes oder belustigtes Gemurmel zu hören. Pedric Cuf nutzte die Redepause und gab Ent'less einen Zettel, den er gerade schnell vollgekliert hatte. Eigentlich war das Grabbus' Redebeitrag nach seinem, Pedrics, Toast gewesen, aber nun …
Der gelbe Twi'lek schritt zum Podium und legte den Zettel so auf das Rednerpult, dass ihn nicht mehr jeder sehen konnte.
„Meine verehrten Friedensbrigadisten. Heute ist der Tag, an dem die Welt Ylesia in ein neues Zeitalter schreitet – ein Zeitalter des Wohlstandes und des Friedens. Und deshalb, als neuer Präsident, erkläre ich die Umbenennung der Hauptstadt. Sie wird ab sofort nicht mehr die nüchterne Bezeichnung Kolonie Eins tragen – eh nur ein Provisorium, sondern …" seine blauen Augen schauten angespannt in die Runde, einfach weil es sich vor bedeutungsschweren Worten so gehörte, wie Pedric Cuf wusste, „… Peace City!"
Jetzt brach wirklich Jubel aus. Dass diesem Haufen von Söldnern und anderen zwielichtigen Gestalten zu Ehren eine ganze Stadt umbenannt wurde, schien diese raubeinigen Gesellen wahrhaft zu rühren.
Ein Lächeln schlich sich auf Pedric Cufs schmalen Mund. Er schaute in die Runde der Versammelten. Fast alles war so verlaufen, wie es geplant war. Er hatte die Friedensbrigade aus der Taufe gehoben, eine neue Stütze seiner Macht. Und doch war er nicht zufrieden. Denn Tsavong Lah hatte sich eingemischt und das in einer nicht nur überraschenden, sondern auch ziemlich unangenehmen Art und Weise. Er sah zu, wie die Krieger Grabbus' Leichnam aus der Tür und damit aus seinem Sichtbereich schleiften.
Eigentlich hätte ich dir schon gerne etwas Y'luubi mitgebracht, wie ich es vorgehabt hatte. Lebe wohl, Grabbus. Es war lustig mit dir gewesen.
Bisher war er allein es, der sich in dieser Galaxis seine Verbündeten aussuchte, nachdem er sie eingeschätzt hatte. Wollte der Kriegsmeister ihn mit dieser Aktion nur prüfen, oder ihn gar stärker an die Kandare nehmen? Er beschloss, später darüber nachzudenken und wandte sich seinen neuen Untergebenen zu.
„Ihr da …", sagte er zu einer Achtergruppe, „ihr werdet euch nach Tynna begeben und neue Waffenlager anlegen sowie neue Rekruten anwerben. Lesmo hier wird euch anleiten." Er wandte sich einer Fünfergruppe zu. „Und ihr werdet nach Corellia gehen …"
Interimspräsident Ent'less kam zögerlich bis devot an ihn heran.
„Brauchen Sie vielleicht sonst noch etwas, Mr. Cuf?"
„Halten Sie sich bereit, mir in einer Stunde die private Flotte von Grabbus zu zeigen, so dass ich mir ein neues Schiff aussuchen kann, welches ein Shuttle von der Größe aufnehmen kann, mit dem ich gekommen bin."
Der gelbe Twi'lek verbeugte sich knapp. „Es wird geschehen, Mr. Cuf."
Cuf nickte jovial. Er hatte ohnehin nie viel für die politischen Entscheidungsträger in dieser Galaxis übrig gehabt. Aber seit diesem Tag hatte der Titel Präsident für ihn einen geradezu lächerlichen Beigeschmack bekommen und er bezweifelte, dass sich das mit den Jahren ändern würde.
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Finn Galfridian stand zusammen mit Luke Skywalker und Jaina Solo am Krankenbett von Yuledan – oder war es gar eine Leichenbahre?
„Ich habe mit Meisterin Cilghal einen Gehirnscan auf molekularer Ebene durchgeführt", sagte die kleine Chadra-Fan namens Tekli traurig. „Aber wir konnten nichts mehr finden – zumindest nichts, was auf eine eigenständige Persönlichkeit Yuledans schließen lassen könnte."
„Sie haben seine Erinnerungen ausradiert?", fragte Finn besorgt.
Tekli schüttelte den kleinen Kopf und ihre hasenartigen Ohren wackelten. „Sie haben ihm Teile des Gehirns entfernt und durch fremdes Gewebe ersetzt."
Finn runzelte die Stirn. „Sklavenimplantate?"
„Nein", zirpte die Chadra-Fan. „Es sieht eher aus wie normales Hirngewebe, nur eben von einer anderen Spezies, von der ich keinerlei Vergleichsproben finden kann."
Die Tür zu dem gemütlich eingerichteten Raum ging auf und Cilghal trat ein, flankiert von Mara Jade, die so blass und kränklich aussah wie eh und je. „Es gibt Vergleichsproben", sagte die Mon Calamari. „Ich komme mit Mara direkt von der Auswertung zurück. Und zwar haben wir jetzt genügend gefallene Yuuzhan Vong-Krieger obduzieren können, um festzustellen, dass man Yuledan einen Teil eines Yuuzhan Vong-Hirns implantiert hat."
„Das ist abscheulich", sagte Luke. „Dann trägt er zwei Persönlichkeiten in sich."
„Noch nicht einmal das", sagte Tekli. „Diese Yuuzhan Vong-Anteile steuern lediglich Kriegerwissen und bestimmte Instinkte. Sie enthalten keinerlei Wissen um Herkunft, Familie oder andere Bindungen. Genauso wenig wie der Teil, der ihm noch von seinem Ferroanerhirn geblieben ist. All das Persönliche fehlt. Yuledan wurde komplett zu einer ferngesteuerten Marionette umgestaltet, wie Finn es beschrieben hat."
„Wie eine Maschine!", schnaubte Jaina. „Und das haben ihm Leute angetan, die Maschinen und Droiden hassen. Wie pervers!"
Finn legte Yuledan mitfühlend die Hand auf die hellblaue Stirn. „Dann ist jede Hilfe für dich nutzlos."
„Willst du ihn erlösen?", fragte Luke.
Finns blaue Augen füllten sich mit Entsetzen. „Erlösen?"
„Er befindet sich im Koma", erklärte Cilghal. „Nur die, die ihn so gestaltet hatte, war in der Lage, ihn aufzuwecken und ihn Dinge tun zu lassen. Ansonsten hat er wohl nur im Labor gelegen und wurde intravenös ernährt und man hat seine Muskeln bewegt, damit sie nicht verkümmern. Aber es gibt kein Zurück mehr für ihn ins normale Leben. Entweder ich unterbreche die Nahrungszufuhr oder die Luftzufuhr. Letzteres ist schneller. Ob er Schmerzen empfinden wird, vermag ich nicht mit Gewissheit zu sagen, so komatös, wie Yuledan jetzt ist."
Alle sahen Finn an. „Dann lasst es uns beenden", sagte der junge Jedi mit belegter Stimme. „Vielleicht ein Kissen und wir halten es alle gemeinsam."
Luke nickte traurig. Langsam ergriff Finn das Kissen, zog es unter Yuledans Kopf hervor und nahm einen Zipfel. Jaina, Mara und Luke ergriffen die restlichen drei und dann ließen sie das Kissen langsam auf Yuledans Kopf herabgleiten. Sie sahen noch ein letztes Mal die geschlossenen Augen, die einst golden geglänzt hatten.
„Mögest du in der Macht deinen Frieden finden, mein Freund", sagte Finn leise.
Luke Skywalkers blaue Augen wurden feucht. „Mach's gut, Yuledan – möge die Macht dich nehmen und besser zur Ruhe betten, als wir es können."
Das Kissen berührte Yuledans Kopf, umhüllte ihn, presste ihn auf die Matratze. Die Zuckungen des Komapatienten waren wesentlich schwächer, als die Jedi angenommen hatten. Keiner wandte den Blick ab und als es nach ein, zwei Minuten vorbei war, hatten alle Beteiligten Tränen in den Augen.
Luke sah Mara in die grünen Augen, die ihn fragten: Werde ich die nächste sein?
Er schüttelte den Kopf: Nein, das wirst du nicht! Niemand wird irgendwelche Teile aus dir herausschneiden und durch andere ersetzen!
Mara lächelte wehmütig und schaute an sich herab. Es reicht schon, dass ich Fremdkörper in mir trage.
Nicht mehr lange, dachte er zurück. „Nicht mehr lange, Schatz", murmelte er leise.
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Welk schlug seine braunen Augen auf. Leere erfüllte den Raum um ihn herum, wie geschäftig auch die vielen Yuuzhan Vong um ihn herum auch hin und her eilen mochten. Die braunen, schrundigen Wände des runden Raumes, die Apparaturen, selbst die bläulich-weiße Kunstsonne hoch oben am offenbar ebenso künstlichen Himmel – alles lächerlich leer, so sehr er seine Machtsinne auch anstrengte, bis auf …
Er schaute nach links, bewegte seine Glieder, aber das war schwer unter dem weißen, festen Netz.
„Ich nehme an, sie haben uns unsere Waffen abgenommen", sagte er zu Lomi Plo. „Wie geht es dir?"
„Wie soll es einem schon gehen, wenn man gefangen ist an einem Ort, den man überhaupt nicht einschätzen kann?", gab Lomi unwirsch zurück.
„Du hast einen Käfer im Gesicht", sagte Welk.
„Er hält meine Wunde zusammen, die man mir auf Dathomir verpasst hat. Er sondert irgendetwas ab, aber es heilt auch unwahrscheinlich schnell. Ich schätze, Mutter Talzin hätten diese Käfer gefallen."
„Das sind Neathlat-Käfer", sagte ein alter Mann auf Basic zu ihnen, und Lomi zuckte zusammen.
Sie hätte nicht gedacht, dass auch nur einer der Leute hier Basic verstand, aber natürlich konnte man das nie wissen. Der Alte trug einen ausladenden Kopfputz, der aussah, als würde ein Heer von Schlangen seinen Kopf bewohnen. „Die Neathlats heilen in der Tat schnell Wunden und schließen sie."
Er sagte etwas in der gutturalen Sprache der Yuuzhan Vong zu einer ausgesprochen hässlichen Frau. Die Frau eilte davon und kam mit einem Gestell zurück, an dessen vier Enden lange Tentakel hingen, deren Enden aussahen wie gelbe Lampen. Die Tentakel fuhren aus und rissen Welk mit unmöglich erscheinender Kraft aus dem weißen Netz.
Lomi Plo sah dabei zu, wie ihr Gefährte von zwei Tentakeln der seltsamen Kreatur gegen die vertikale Stange des Gestells gepresst wurde, während die beiden anderen seine Arme am Querbalken in Halshöhe fixierten. Welks Augen traten aus den Höhlen, als die Tentakel sich enger um Welks Körper wanden, während die gelben Leuchten an ihren Enden ihm unbarmherzig ins Gesicht schienen.
Der Alte sagte erneut etwas zu der jungen Frau und sie hub auf Basic an, Lomi Plo zu verhören.
„Wo ist die Hauptbasis der Jedi derzeit?"
„Woher soll ich das wissen?"
„Du hast mit den Jedi geredet. Wir haben es beobachtet."
„Wie beobachtet?"
Die Gestalterin verpasste Lomi Plo eine Ohrfeige, während Welk in dem Gestell ächzte und stöhnte. „Er kann auch sterben, wenn du das möchtest."
„Hier geht es nicht darum, was ich möchte, sondern darum, was das Beste für uns ist", gab Lomi trotzig zurück.
„Wenn du den Wahren Weg der Yuuzhan Vong kennenlernst, wird dir diese Erkenntnissuche wesentlich leichter fallen", sagte die Gestalterin.
„Ich weiß noch nicht einmal, wer Sie sind", zischte Lomi, „aber wenn Sie das nachgeholt haben, können Sie es mir gern erklären."
„Also gut", hub die Frau an. „Ich bin Gestalteradeptin Qelah von der Domäne Kwaad. Ich werde euch untersuchen und ein paar Tests mit euch anstellen. Und in der Zwischenzeit werde ich dir gerne den Wahren Weg erklären. Dann wirst du vielleicht erkennen, dass deinem Freund hier gerade eine ganz besondere Ehre zuteilwird – die Erhöhung im Schmerz."
„Das hört sich sehr interessant an", murmelte Lomi.
Sie strengte sich an und es gelang ihr tatsächlich, eine Machtwelle zu generieren, um Welks Schmerzen in dem Gestell nebenan zu vermindern. Aber die Tentakel drückten umso doller zu. Lomi erkannte, dass sie, anstatt ihm zu helfen, lediglich die Dosis der Qual für Welk erhöht hatte. Das Ding passte sich offenbar an.
„Unser oberster Gott Yun-Yuuzhan erschuf das Universum und die anderen Götter, indem er Teile seiner selbst opferte. Er gab seiner Tochter Yun-Harla die List, seinem Sohn Yun-Yammka die Stärke und die Kriegslust, den Zwillingen Yun-Txiin und Yun-Q'ah die Liebe und den Hass, und dann gibt es noch Yun-Ne'Shel, die all das Wissen und die Kunstfertigkeit birgt, die unsere Gestalterkaste so eifrig nutzt. Und dann gibt es noch Yun-Shuno, die sich um all jene kümmert, die es nicht wert sind, den obengenannten Göttern zu dienen …
Lomi Plo nickte zustimmend. Sollte die Gestalterin doch reden, solange sie wollte. Jede Ruhepause, die sie sich und Welk verschaffen konnte, wäre vielleicht das Zeitfenster, das reichen würde, damit Jaina und die anderen zurückkommen und sie retten würden.
Sie werden zurückkommen und uns retten, sandte sie Welk eine Botschaft durch die Macht.
Welk lächelte ihr zu. Solange du nicht die Basis unserer Retter verrätst.
Ich? Wieso ich?
Der alte Gestalter trat auf Lomi zu. In der Hand hielt er ein rochenartiges Tier, das er an ihren Rücken brachte. Ein beißender Schmerz bohrte sich in Lomis Körper, als sich der Rochen einen Weg verschaffte und sich an ihren Rückenmarksbahnen festkrallte. Der Alte sagte etwas zu Qelah Kwaad in dieser fremden, bösartig klingenden Sprache und Lomi spürte, wie ihre Augen feucht wurden. Sie sah nach unten, da spürte sie eine Welle der Macht von der Seite zu ihr herüberwabern. Welk gab ihr die Kraft, die sie vorhin ihm geben wollte.
Sie spürte den Rochen nicht mehr ganz so schmerzhaft, aber jetzt hatte der Alte mit dem Schlangenkopfputz einen braunen Ball in seiner Hand und schaute sich dort etwas an. Welks Kopf war dort auf dem Ball zu sehen und in dem Moment erkannte Lomi, dass der verdammte Rochen ihre Gedanken und Gefühle aufzeichnete und weiterleitete.
Sie hätte am liebsten aufgejault vor Ohnmacht, aber diese Genugtuung über ihre Selbsterniedrigung würde sie den Yuuzhan Vong nicht gewähren. Sie sah, wie Qelah Kwaad den ranghöheren Gestalter angrinste. Offenbar waren auch diese ihre Gefühle weiter übermittelt worden. Sie fiel zurück in den Zustand einer abgrundtiefen Leere, so wie sie es damals an der Schattenakademie gelernt hatte. Sollte der Rochen doch versuchen, den Sinn und Zweck dieser inneren Leere zu ergründen!
Ach wenn doch nur Jaina mit den anderen zurückkommen würde.
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Eine Woche später – dreieinhalb Monate seit Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin – über Concord Dawn im Mandalore Sektor
Boba Fett saß an Bord der Slave I und wertete Daten aus. Es hatte zwei Kontakte zwischen Mando-Schiffen und denen der Neuen Republik gegeben und beide Male waren die Mandalorianer wie Feinde behandelt und demgemäß beschossen worden. Die Mandalorianer hatten immer noch den Schein gewahrt und auf die X- und Y-Wings geschossen, einen davon gar zerstört. Der Mand'alor fragte sich, wie lange die Feindschaft der Mandalorianer gegenüber der Neuen Republik noch reine Fassade bleiben konnte, wenn dieser Staat das nun gar zweimalige Angebot der Mandalorianer, ihnen geheime Informationen zu beschaffen, weiterhin geflissentlich ignorierte – und sie weiterhin wie Feinde behandelte – wie echte Feinde wohlgemerkt.
Dafür konnte er sich auf seine Leute verlassen. Mittlerweile wusste so gut wie jeder Mandalorianer, was es mit der anfänglichen Zusammenarbeit ihres Anführers mit den Invasoren wirklich auf sich gehabt hatte. Und sie hielten die Klappe, bereiteten sich auf Guerillakrieg vor, bunkerten Vorräte und legten Verstecke an, während der Rest der Galaxis, zumindest der, der von der Invasion Kenntnis erhalten hatte, nach wie vor glaubte, dass die Mandalorianer Bündnispartner der Yuuzhan Vong seien. Nach Briika Jebans Tod vor über drei Monaten auf Neu-Holgha war dieses Zweckbündnis Geschichte geworden, doch hatte sich Goran Beviins Einschätzung damals als korrekt erwiesen. Der Feind hatte noch nicht die ausreichenden Mittel und Wege, um Mandalore anzugreifen. Aber selbst, wenn die Vongese das wirklich wagen würden – nichts und niemand würde Mandalore auslöschen, schon gar keine dahergelaufenen Krabbenbengel.
Fett wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ihm die Konsole der Slave I einen sich nähernden X-Wing anzeigte. Unter beiden Schiffen schwebte der Mond Concord Dawn, wo sich geheime Basen der Mandalorianer befanden, die noch aus den Zeiten der Klonkriege herrührten. Niemand würde die Spuren zurückverfolgen können, wäre er gezwungen, auch diesen Abgesandten der Neuen Republik zu neutralisieren. Zumal sich dieses Schiff noch nicht einmal in seiner Datenbank befand, auch nicht in den externen Datenspeichern dieser Galaxis, auf die er mit seinem HUD zugreifen konnte. Weder war die Thermalsignatur irgendwo registriert, noch das elektromagnetische Profil. Das Schiff war wirklich unbekannt – nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, wie Boba Fett fand.
Der X-Wing hielt mit hoher Geschwindigkeit auf die Slave I zu und Boba Fett überflog die Verteidigungssysteme – alle einsatzbereit. Er drosselte die Geschwindigkeit seines Schiffs, um die Reaktion des ankommenden Schiffs zu testen. Als er bis auf eintausend Kilometer an die Slave I herangekommen war, wurde auch der X-Wing langsamer – und dann summte die Kom-Konsole.
Aha. Die Nachricht kam über einen der Knotenpunkte herein, die er auf dem Datenchip mit den Geheimdienstinformationen gespeichert hatte. Fett drückte auf den Knopf und nahm das Gespräch an.
„Zielübungen oder hast du vor, zu reden?"
Die Stimme kannte er. Allerdings hätte er nie zugegeben, dass er erleichtert war, sie zu hören. „Hier spricht Kubariet", sprach der Pilot. „Ich würde niemals auf einen Verbündeten feuern."
„Betrachte dich einfach als Feind meines Feindes."
„Das genügt mir. Treffpunkt?"
Boba Fett dachte kurz nach. „Flieg weiter und folge mir nach Vorpa'ya."
„Concord Dawn liegt doch viel näher", wunderte sich der Jedi.
„Dorthin kann ich nicht zurückkehren", lehnte Fett ab. „Du brauchst nicht zu wissen, warum."
„Ist schon in Ordnung, Fett, denn das tue ich bereits. Ich arbeite mit dem Geheimdienst der Neuen Republik zusammen."
„Und trotzdem hast du den Weg hierher gefunden. Alle Achtung."
Kubariet folgte der Slave I bis nach Vorpa'ya, einer ausgewiesenen Müllhalde, welche durch schlechte Bewirtschaftung und Überweidung durch Nerfzucht die besten Voraussetzungen hatte, das nächste Tatooine zu werden. Die beiden Schiffe landeten mit gehörigem Sicherheitsabstand auf einer durch Nerfs kahlgefressenen Ebene, von welcher Wolken grobkörnigen Staubes aufstiegen. Fett verließ als erster die Slave I und sah zu, wie der Jedi gleichermaßen sein Schiff verließ – nicht in Jeditracht, sondern im Pilotenoverall.
„Wir sind im Geschäft", eröffnete Kubariet die Konversation von Angesicht zu Angesicht und Fett konnte sich nicht erinnern, einen Jedi jemals so reden gehört zu haben.
„Wurde auch Zeit. Was hast du vor zwei Wochen eigentlich auf Neu-Holgha gemacht, Jedi?"
„Ich komme eigentlich von Pedd IV und spürte eine große Erschütterung in der Macht auf Birgis, der ich nachgehen wollte."
„Das heißt, du wohnst schon lange hier draußen im Äußeren Rand?", wunderte sich Fett erneut.
Kubariet lächelte. „Nicht alle Jedi pauken eifrig auf Yavin IV die Macht und den Lichtschwertkampf, Fett. Schau dir Meister Kyp Durron an. Der ist die meiste Zeit in eigener Mission unterwegs und er ist nicht der einzige und war es nie. Einige Jedi lebten auf ihren Heimatwelten oder anderswo, wo sie Außenposten des Jeditempels errichteten, so wie ich auf Pedd IV. Das war schon immer so. Und wenn wir schon davon sprechen: Ich habe mich noch gar nicht bei euch dafür bedankt, dass ihr der Neuen Republik die Information über einen Angriff der Vong auf Pedd IV zugespielt habt. Irgendetwas hat die Yuuzhan Vong daraufhin bewogen, von einem Angriff auf meine Heimat abzusehen."
„Beschrei es nicht, Jedi", erwiderte Fett. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."
„Sei es drum. Das waren nützliche Informationen. Es tut mir leid, dass wir nicht sofort darauf reagiert haben."
Der Helm des Mand'alor neigte sich um eine Winzigkeit. „Ist schon in Ordnung. Manche Dinge brauchen ihre Zeit."
„Und sie haben ihren Preis", fügte Kubariet hinzu. „Also … was ist dein Preis?"
Boba Fett zuckte nicht zusammen, erstarrte jedoch für einen kurzen Moment bei der Frage, bevor er antwortete. „Ich will eure Credits nicht. Bloß noch mehr Vong töten. Bis sie aufgeben – oder allesamt draufgehen."
„Es tut mir leid, das wird nicht möglich sein. Aber zumindest können wir euch jetzt unsere Flotte aus dem Rücken halten und sie gegen die Vong ins Spiel bringen."
Fett hob hinter dem Helm eine vernarbte Braue. „Nein."
„Aber …"
„Hör zu, unser Bündnis mit den Vong ist passé, aber davon darf die Neue Republik noch nichts wissen. Das muss so bleiben, damit unser Plan aufgeht."
„Unser Plan oder eurer? Ihr kämpft gleichzeitig für die Neue Republik und setzt euch gleichzeitig gegen uns zur Wehr. Wie lange soll das gut gehen?"
„Damit kommen wir klar."
„Zu stolz, zuzugeben, dass ihr unsere Verbündeten seid?"
„Nein, misstrauisch gegenüber Lecks in eurer Organisation, die unsere Tarnung auffliegen lassen könnten", widersprach Fett. „Nom Anor war ganze sechsundzwanzig Jahre hier, ohne dass wir ihm auf die Schliche gekommen sind. Und wir sind nicht auf eurer Seite. Wir sind auf unserer Seite. Aber je länger die Vong denken, dass wir immer noch Feinde der Neuen Republik und der Jedi sind, desto mehr Zeit verschaffe ich Mandalore."
„Am Ende werden sie auch zu euch kommen."
„Wir werden sie erwarten", erwiderte Fett und Kubariet zweifelte keine Sekunde an diesen Worten. „Wir werden ihnen zeigen, wozu Mando'ade wirklich imstande sind."
„Kann ich dich bitten, eine Sache zu überdenken, Fett?"
„Worum geht es?"
„Dein Vater hat eine Gruppe ausgebildeter Soldaten für die Kommandostreitkräfte der Alten Republik rekrutiert – die Cuy'val Dar. Vielleicht könnten wir einige euer erfahrenen Kommandos einsetzen, um die Planetenmilizen für den Kampf gegen die Yuuzhan Vong zu trainieren."
Boba Fett erinnerte sich. Er war auf Kamino inmitten solcher Cuy'val Dar-Kämpfer aufgewachsen. „Der Multiplikatoreffekt – nicht schlecht." Er bemühte sich, nicht allzu viel Euphorie angesichts dieses Wiedererweckens alter Erinnerungen an den Tag zu legen. „Ich werde sehen, wer interessiert ist."
Kubariet griff in seinen Pilotenoverall und holte einen Datenchip hervor. „Benutz das, um sichere Verbindungen von deinem Komlinksystem zu meinem zu konfigurieren. Ich bin sozusagen euer Sprachrohr. Niemand weiß, dass das von euch kommt."
„Lass uns tauschen", sagte Fett. „Ich hab einen Beutel mit Vong-Teilen im Konservator, falls ihr sie gebrauchen könnt."
„Ich nehme, was immer du hast." Kubariet schien drauf und dran, Fetts Hand zu ergreifen oder ihm auf die Schulter zu klopfen, dann besann er sich eines Besseren. „Fett, macht es dir gar nichts aus, dass all diese Leute euch als Verräter verachten, währen ihr euren Hals für uns riskiert?"
„Wir werden es überleben."
In den braunen Augen des Jedi blitzte etwas auf. „Wenn dir irgendetwas einfällt, das ich tun kann, um euch das Leben einfacher zu machen, dann lass es mich wissen, in Ordnung?"
Das wäre mal was ganz neues von Seiten der Neuen Republik, dachte Fett, nun ja, von einer ganz kleinen Seite von ihr. Er drehte sich um, um zurück zur Slave I zu gehen, den versprochenen Beutel mit Vong-Zeugs zu holen. Ihm fiel nichts ein, was er im Gegenzug für die Informationsbeschaffung verlangen, erbitten könnte. Was auch? Wichtig war, den Auftrag zu erfüllen – ohne sentimentale Anwandlungen oder gar echte Gefühle – genauso wie es Jango Fett Zeit seines Lebens getan hatte. Zeit seines Lebens? Wie konnte er das überhaupt wissen? Vielleicht war genau das der springende Punkt bei der Sache.
Er drehte sich wieder zu Kubariet um. „Jedi, es gibt eine Sache, die du tun kannst."
Glanz trat in Kubariets braune Augen. „In Ordnung. Raus damit."
„Sorg dafür, dass jedermann erfährt, dass eine Mandalorianerin namens Briika Jeban bei dem Versuch starb, einen Bürger der Neuen Republik zu retten."
Kubariet nickte eifrig. „Natürlich. Wer war sie? Kannst du mir mehr darüber erzählen? Wen hat sie gerettet?"
Fett legte den Kopf jetzt deutlicher zur Seite, dann ging er weiter auf sein Schiff zu.
„Dich, Jedi", sagte er. „Dich."
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Nom Anor saß an Bord des protzigen Hutt-Shuttles, dessen Chip-Karte er sich von Interimspräsident Ent'less hatte aushändigen lassen. Das Schiff war wesentlich komfortabler als das Shuttle, mit dem Senator Elegos A'Kla unterwegs gewesen war. Er ärgerte sich darüber, später wieder den Umweg über die Erbe der Qual machen zu müssen, um das Senatorenschiff wie gewünscht zurückzubringen. Die automatische Ansage kündigte den Sprung aus dem Hyperraum an und er schnallte sich im Sitz fest. Er wunderte sich, wie wenig das Schiff beim Austritt in den Realraum ruckelte … und sah die Kugel von Osarian unter sich.
Als er landete, wartete bereits sein Getreuer Shok Tinoktin auf dem Landefeld. Shunta Osarian Dhargg, der frühere Präsident von Osarian, hatte sich erst vor zwei Wochen das Leben genommen. Auf seinem Abschiedsbrief stand als Begründung, dass er die Unterdrückung und Ausplünderung durch die Nachbarwelt Rhommamool nicht mehr ausgehalten habe. Sein Nachfolger Breshto Biretha war sogar noch unauffälliger als der bereits unscheinbare Shok Tinoktin und Nom Anor hoffte, dass der neue nominelle Machthaber Osarians genauso willfährig war, wie der dünne, blonde Mann mit den schmalen Schultern auf den Fotos aussah, die Shok ihm hatte zukommen lassen.
Menschen, Sullustaner und andere Spezies säumten den Weg zur Residenz, die Shok während seiner Aufenthalte auf Rhommamools Schwesternwelt bewohnte. Sie hielten Transparente in die Höhe, worauf stand:
Fort mit dir, Shok Tinoktin!
Geh, wo Nom Anor ist, hin!
„Und so etwas duldet der neue Präsident?", fragte Nom Anor in nur mäßig verhaltenem Unmut.
„Wie die Zeitungen bereits schreiben: Breshto Biretha ist schwach. Er sagt, er lässt die Massen demonstrieren, damit sie zumindest ein Ventil haben."
„Hören Sie doch auf, diese Leute auch noch zu entschuldigen! Oder Breshto Biretha! Ich verlange, dass das aufhört!"
„Er sagt, er braucht vielleicht noch ein paar Wochen", versicherte Shok Tinoktin.
„Vielleicht?", höhnte Nom Anor.
Shok Tinoktin zuckte hilflos mit den Schultern und Nom Anor entschied, dass dieses Problem fürs Erste nicht gelöst werden mochte.
Sie erreichten die komfortable Villa – ein schneeweißer Quader mit einem repräsentativen Säulenportal an der Frontseite, über dem die Fahne Osarians hing – ein grünes Rechteck mit zwei hellblauen Streifen oben und unten.
„Wie sieht es mit den Einnahmen der Zentralbank aus?", fragte Nom Anor, nachdem sie hineingegangen waren.
„Die sind seit der Gründung der Friedensbrigade um ein Drittel geschrumpft", berichtete Shok.
„Ein Drittel ist ein akzeptabler Verlust", sagte Nom Anor und strich über das gewundene, sorgfältig gearbeitete und mit vielen floralen Ornamenten versehene Geländer, das nach oben in eine Art Atrium führte.
Sie stiegen die Treppe ins Atrium hinauf und erreichten einen lichtdurchfluteten Dachraum mit blauen Sitzmöbeln, deren Farbe im Licht des Sterns Osarians und Rhommamools einladend leuchtete.
„Gemütlich hast du es hier, Shok", sagte Nom Anor freundlich, aber Shok Tinoktin zuckte zusammen.
„Die Villa in Rhommamool ist nicht ganz so protzig, aber hier muss ich etwas hermachen, um repräsentieren zu können. Schon bald werde ich Breshto Birethas Schwester heiraten."
„Eine von hier?", wunderte sich Nom Anor.
„Dachtest du etwa an eine von deinem Volk?"
Nom Anor dachte über die Wahl seines Stellvertreters nach. „Ich will sie sehen", verlangte er.
„So setz dich doch. Sie kommt gleich, um Tee zu servieren." Mit diesen Worten setzte sich Shok Tinoktin auf einen der blauen Sessel.
Auch Nom Anor setzte sich. „Ich wäre gerne vorher über solche Entwicklungen informiert."
„Ich habe sie auch erst vor drei Wochen kennengelernt", entschuldigte sich Shok Tinoktin.
„Dann ist es umso nötiger", belehrte ihn Nom Anor.
Shok Tinoktins dunkle Augen begannen zu strahlen, als seine Verlobte die Treppe hinaufgeschritten kam. Die Schwester des derzeitigen Machthabers war genauso blond wie Breshto Biretha, jedoch kräftiger und ihre Augen waren nicht blau, sondern grün, so grün wie die Augen von Mara Jade.
„Sie also sind Pedric Cuf", sagte sie zuvorkommend und schenkte ihm Tee ein, bevor sie auch eine Tasse für Ihren Verlobten füllte. „Woher kennen Sie sich denn?"
„Wir hatten auf Rhommamool geschäftlich miteinander zu tun. So nehmen Sie sich doch auch eine Tasse und leisten Sie uns Gesellschaft", ermunterte sie der dunkelblonde Gast.
Sie ging zurück, um eine dritte Tasse zu holen. Nom Anor nutzte die Pause, während welcher sein Stellvertreter im Begriff war, sich umzudrehen, um seiner Verlobten hinterher zu schauen. So konnte Shok Tinoktin nicht genau sehen, wie er die Teetasse an den Mund führte, ohne den Inhalt auch nur zu berühren.
„Ich kann ja verstehen, dass Sie die Schönheit menschlicher Frauen nicht einschätzen können, aber ich bin verliebt wie nie zuvor", schwärmte Shok Tinoktin, als sie außer Hörweite war.
Nervös schaute sich Nom Anor um. „Was, wenn sie besser hört, als du annimmst, Shok?"
„Entschuldige … Pedric. Aber hier ist auch alles abhörsicher. Ich habe das nach deinen Vorgaben genau geprüft."
„Die Friedensbrigade wird sich erheblich vergrößern und also brauchen wir in Zukunft zwei Drittel der osarianischen Einnahmen, um meine Organisation galaxisweit bekannt zu machen und noch besser auszurüsten."
„Das wird für Unmut sorgen", gab Shok zu bedenken.
„Wir werden die Schulden Rhommamools dafür verpfänden", beschloss Nom Anor.
„Aber dann gerät Rhommamool ja noch tiefer in Osarians Abhängigkeit", sagte Shok Tinoktin gepresst.
Nom Anor breitete die Arme aus. „Und umgekehrt, mein lieber Shok. Rhommamool und Osarian sind doch Schwesternwelten! Eine muss für die andere einstehen. Das war schon immer so."
Shok Tinoktin seufzte. „Aber irgendwann muss es doch wieder einen Einnahmenüberschuss geben – in beiden Welten."
„Ich und die Friedensbrigade werden dafür sorgen, dass aus den Welten, die sich gegen die Natürlichkeit des Lebens versündigen, Abgaben nach Rhommamool fließen …"
Er wandte sich der zurückkommenden Verlobten mit ihrer dritten Tasse zu. „ … und selbstredend auch nach Osarian."
„Wenn wir dann irgendwann auch so ein protziges Schiff fliegen wie Sie, dann soll's uns recht sein", flötete die blonde Frau, setzte sich und nippte an ihrer Tasse Tee.
„Pedric Cuf hat mir schon auf Rhommamool viel geholfen. Und er wird uns auch jetzt helfen."
Sie lächelte breit. „Da wird sich mein Bruder ja freuen."
Nom Anor war sich nicht ganz sicher, ob da nicht eine Spur Sarkasmus in ihrer Stimme zu hören gewesen war. Er nippte noch einmal an seinem Tee, auch dieses Mal, ohne wirklich zu trinken, auch wenn er wirklich Durst hatte. Zu Ende ihres zweistündigen Gesprächs kam er immerhin zu der Ansicht, dass höchstwahrscheinlich doch nicht die Gefahr bestanden hätte, durch den Tee vergiftet zu werden, aber ein Restrisiko wollte er dennoch nicht ausschließen.
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Danni Quee ging zum Meer. Das Meer des Pazik-Ozeans war blau wie der Himmel und es hatte gerade geregnet. Die Luft roch nach frisch gemähtem Gras, gemischt mit einer holzigen Note. Und über allem hing als Kopfnote der belebende Salzgeruch des Meerwassers. Danni konnte es kaum erwarten, in das kühle Nass einzutauchen.
„Du bleibst aber nicht lange weg", sagte Jacen, der mit seiner Zwillingsschwester in der Abendsonne am Strand Sabacc spielte.
„Soll ich euch was mitbringen?", fragte Danni, als sie an den Zwillingsgeschwistern vorbei zum Wasser ging.
Jacen verzog spöttisch den Mund. „Was willst du uns denn von dort mitbringen, Danni? Korallen?"
„Dort hinten gibt es eine Sandbank", erwiderte sie. „Man muss nur aufpassen, dass einem die Korallen nicht die Haut abschürfen, sonst lockt man unter Wasser beißwütige Fische an."
„Also ich weiß nicht", sagte Jaina und ließ ihr verdecktes Sabaccblatt auf die Picknickdecke sinken. „Korallen gehören ins Meer. Warum also eine von einer Korallenbank abbrechen?"
Danni erhob beschwichtigend eine Hand. „War ja nur eine Frage."
Die Wellen waren ganz durchsichtig über dem hellgelben Sand. Es war angenehm, wie Sand und Wasser ihre nackten Füße umspielten. Danni ging ein paar Schritte weiter. Schon bald würde sie ihre Füße nicht mehr sehen und ihr Körper vollends in Blau getaucht sein. Von hinten fühlte sie Jacens und Jainas Blicke auf sich ruhen. Waren die beiden Mitjedi beunruhigt? Es war doch nur – ein Bad im Meer.
Danni Quee stand das Wasser bis zum Hals, aber ihr Stand auf dem Meeresgrund war sicher. Sie war eine Weile geschwommen, bis sie die Sandbank erreicht hatte, die sie kannte. Hier, in etwa zweihundert Metern Entfernung, konnte sie ihren Freunden am Ufer zuwinken, dann drehte sie sich wieder zur untergehenden Sonne um. Das Meer war warm und weich und Danni ging in die Hocke. Das Blau um sie herum war jetzt sehr intensiv, aber durch das Restsonnenlicht von oben konnte sie noch den Boden unter sich sehen. Ja, da waren in der Tat Korallen – ein vielfingriger Teppich aus Pastellfarben, der einladender aussah, als er tatsächlich sein würde.
Sie streckte die Hand nach einem gelblichen Korallenfinger aus. Sollte sie oder sollte sie nicht? Was kann schon passieren? Sie legte ihren rosafarbenen Finger um den gelben und zog daran. Der gelbe Finger krümmte sich ihrem Finger entgegen und Danni fragte sich, um wieviel er mehr Tier war als die anderen Korallen. Oder waren die anderen auch so?
Danni knickte die gelbe Koralle um und sie brach. Eine schwarze Wolke quoll aus dem Loch empor und nahm Danni die Sicht. Sie federte mit den Knien und schoss mit dem Korallenstück nach oben aus dem Wasser. Vom Ufer her hörte sie Jacen und Jaina nach ihr rufen. Und dann waren da die Regentropfen, die ihr auf den Kopf prasselten. Sie schaute nach oben und sah die dicken, schwarzen Regenwolken. Wie kam das? Vorher war da keine einzige Wolke am Himmel gewesen. Hatte das abgebrochene Korallenstück womöglich auch den Himmel geschwärzt? Hatte Jaina Recht gehabt?
Mit ihrer Beute zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, schwamm Danni zum Ufer zurück. Sie würde das Stück Koralle ins Labor mitnehmen, dessen Spezies bestimmen und es untersuchen.
Sie kam aus dem Wasser und sah Jainas vorwurfsvollen Blick. „Du hast es doch getan, Danni."
„Was ist schon so schlimm daran, Schwesterchen?", neckte Jacen sie und wandte sich gleich wieder Danni zu. „Gib doch mal her!"
Sie reichte ihm das Stück Koralle und setzte sich zu den beiden auf die Picknickdecke. „Gefällt es dir?"
Jacen nickte und seine Gedanken schienen in dem Stück Koralle zu versinken. Er murmelte irgendetwas, das Danni nicht verstehen konnte.
Jaina schaute besorgt zum immer dunkler werdenden Himmel. „Wir müssen hier weg."
Jacen machte eine abtuende Handbewegung. „Wegen dem bisschen Regen? Außerdem schuldest du mir noch was."
Jaina zog die feinen Brauen zusammen. „Wir müssen hier weg."
„Hast du etwa die Sabacc-Partie verloren?", frotzelte Danni.
Jainas Miene wurde hart. „Das ist kein Spiel und du weißt das."
Ein greller Blitz schlug neben ihnen ein und das Echo des dazugehörigen Donners gellte in Dannis Ohren. Sie schoss von der Decke hoch und blinzelte. Da war immer noch dieser frische Salzhauch in der Luft, vermischt mit dem Duft frisch geschnittenen Grases. Aber eine neue Note war hinzugekommen, etwas metallisches, das nichts mit Pflanzen oder toten Mineralien wie Salz zu tun hatte.
Ein Summen ertönte und Danni Quee schoss nach oben. Die blonde Wissenschaftlerin saß aufrecht in ihrem Bett und blinzelte den Traum fort. Es summte erneut. Vollends wach geworden, schaute die junge Frau aus dem Fenster. Hier in ihrer kleinen Wohnung, die sie seit dem Verlassen Belkadans bewohnte, sollte sie eigentlich relativ sicher sein. Sie lächelte. Zumindest so sicher, wie man auf dem brodelnden Hauptstadtplaneten Coruscant eben sein konnte.
Ein drittes Summen brachte sie endlich dazu, an ihr Komlink zu gehen. Sie sah ein vertrautes Gesicht darüber schweben.
„Hallo Jacen."
„Hallo Danni, ich bin gerade von meiner Mission mit Corran Horn von Garqi zurückgekommen. Wir haben einige Proben mitgenommen, die ihr im Labor für Exo-Biologie untersuchen könnt."
„Gib mir eine Stunde, bis ich dort bin."
Danni entschied sich, Dr. Terklik anzurufen, der die Abteilung Exo-Biologie im Hauptinstitut der ExGal-Gesellschaft auf Coruscant aufgebaut hatte. Es überraschte sie nicht, dass er in jener Stunde Zeit für sie und Jacen hatte. Also wusch sie sich, zog sich an und lief dann schnellen Schrittes zum nahegelegenen Bahnhof der Maglev-Bahn, die sie durch Coruscants Untergrund direkt bis vor ihr Institut brachte.
Jacen stand bereits vor dem Eingangsportal. In der Hand hielt der junge Jedi einen großen Koffer, in der anderen Hand einen Sack, der sehr organisch aussah.
„Wie war eigentlich die Königin von Artorias?", fragte Jacen nach der Begrüßung. „Du bist ihr auf Duro doch begegnet."
„Nur kurz", gab Danni zurück. „Sie wollte ja vor allem ihre Familie wiedersehen, von der sie lange getrennt war."
„Du studierst hier tote Hinterlassenschaften von Yuuzhan Vong und wenn dir mal ein lebendes Exemplar über den Weg läuft, das uns nicht gleich töten will, dann lässt du als Wissenschaftlerin dir das entgehen?"
Danni hob abwehrend eine Hand. „Es hat einfach nicht gepasst in der Zeit", würgte sie das Thema ab. „Komm jetzt."
Dr. Terklik stand in jenem Raum, wo Danni damals auch Yomin Carr obduziert hatte. Sie begrüßten sich und Jacen stellte seine Fundstücke vor. Der geöffnete Koffer enthielt ein paar verzogene und verfärbte Vonduun-Krabbenrüstungen und ein gelbliches Pulver, das Danni nicht kannte.
„Diese Vonduun-Krabbenrüstungen starben auf Garqi und zwar in einem Wäldchen von Bafforbäumen, wie man sie normalerweise nur auf der Welt Ithor findet. Garqis System liegt nicht weit von Ithor entfernt", erklärte Jacen, dann wies er auf das gelbliche Pulver. „Bafforpollen scheinen die Schöpfungen der Yuuzhan Vong anzugreifen, möglicherweise die Spezies selbst."
„Dann haben die Schöpfungen der Yuuzhan Vong hier in der Galaxis ganz natürliche Feinde", sinnierte Terklik.
„Dies ist der erste Fall, dass uns das untergekommen ist", sagte Jacen. „Aber vielleicht können wir es nutzen."
Der ältere Wissenschaftler nickte bedächtig. „Wissen unsere Feinde denn bereits davon."
Danni schaute zu Jacen und dieser schüttelte den Kopf. „Ich hoffe nicht, denn ich und Corran haben das Wäldchen niedergebrannt, bevor der Feind Verstärkung holen konnte."
Terkliks Züge entspannten sich und seine blauen Augen lächelten Jacen an. „Ihr Jedi seid so umsichtig. Das könnte die Kriegswende bringen."
Jacen runzelte die Stirn. „Wenn wir Ithor halten. Und der Feind bis dahin in Unkenntnis bleibt."
„Und diese Pollen sind ansonsten absolut ungefährlich?", hakte Danni nach.
„Bis jetzt sind höchstens die üblichen allergischen Reaktionen wie gegenüber anderen Pollen bei Menschen und anderen Spezies bekannt, in der Regel nichts Lebensbedrohliches."
„Ich habe da noch etwas", kam Jacen zu einem anderen Thema. „Hier sind noch Proben des Behältnisses, worin wir die Überreste von Senator Elegos A'Kla gefunden haben. Plus zweier Villips mit Videobotschaften des Senators und seines Mörders. Der Senat leiht Ihnen diese beiden Villips für eine Woche zur Untersuchung aus."
Terkliks blaue Augen blickten betroffen drein. „Ich habe von der Geschichte gehört. Elegos A'Kla war in der Tat ein aufrechter Mann. Schade, dass seine Mission scheiterte."
„Können wir die Botschaft des Mörders hören?", fragte Danni. „Die wurde im Holonet nämlich nicht übertragen."
Jacen streichelte über den zweiten braunen Ball.
„Ich bin Shedao Shai", sagte das vernarbte Gesicht. „Du warst auf Bimmiel. Du hast zwei Mitglieder meiner Familie erschlagen und sie dem Ungeziefer dort überlassen."
„Er meint Corran Horn damit", kommentierte Jacen.
„Und du hast die Knochen eines meiner Ahnen gestohlen." Shedao Shais Stimme wurde etwas milder. „Ich schenke dir diese Knochen, damit du in Zukunft weißt, wie man gefallene Yuuzhan Vong-Krieger ehrt. Es tut mir leid, dass mich deine Handlungsweise gezwungen hat, Elegos zu töten. Du sollst wissen, dass ich es selbst getan habe. Mit meinen bloßen Händen. Als ich ihn erdrosselte, las ich in seinen Augen das Wort Verrat, aber nur am Anfang. Bevor Elegos A'Kla starb, hat er die Unausweichlichkeit seines Todes eingesehen. Auch du musst das verstehen." Shedao Shais schwarze Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Wir und unsere Streitkräfte werden einander bei der Welt, die ihr Ithor nennt, begegnen. Wenn du auch nur über einen Funken Ehre verfügst – und Elegos hat mir versichert, dass dem so ist -, wirst du mir die Knochen meines Ahnen zurückgeben. Wenn nicht, bist du derjenige, der den Tod unseres gemeinsamen Freundes seines Sinnes beraubt."
„Das ist es wieder", sagte Danni. „Einerseits begehen die Yuuzhan Vong grausame Verbrechen. Und dann wieder schwingen sie solche glorreichen Reden, dass man beinahe geneigt ist, sie zu verstehen oder ihnen gar Recht zu geben." Sie seufzte. „Selbst Elegos A'Kla hat sich dieser Argumentation nicht entzogen."
„Hatte er denn eine Wahl?", fragte Jacen sie scharf.
Danni schaute auf den Villip und nestelte dabei an einer Haarsträhne herum. „Sagen wir, er hat in seiner Situation das Beste daraus gemacht."
Terklik nickte zustimmend. „Auch wenn ich es makaber finde: der Kommandant war immerhin so korrekt, Senator A'Klas Gebeine mitsamt dem Shuttle zurückzuschicken, in dem er zu ihm gereist war. Und es ist sogar noch flugtauglich."
Jacen schüttelte sich. „Wer will in dem Ding schon noch fliegen, nachdem das passierte?"
Als Jacen und Danni den Untersuchungsraum mit erheblich weniger Gepäck verließen, kam ihnen die hellblaue Twi'lek entgegen, die Danni bereits von ihrem Besuch bei Yomin Carrs Leiche her kannte.
„Sie sind Jacen Solo!", rief die junge Frau aus. „Sie sind doch der berühmte Jedi, der auf Helska IV Danni befreit hat, bevor der Planet in die Luft ging."
Jacen lächelte. „Ja, der bin ich."
„Ich bin Trisku. Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?" Danni sah, wie Trisku Jacen anhimmelte. „Ich bin noch nie einem Jedi begegnet."
Danni überlegte. Ihr offizieller Arbeitsbeginn im Institut war erst in einer Stunde. Und eine dritte Person, die den Jedi zudem noch derart wohlgesonnen war, könnte diese Stunde gewiss angenehm auflockern. „Wir wollten gerade ein kleines Frühstück einnehmen. Wenn du willst, kannst du gerne mitkommen."
Sie schaute zu Jacen und sah ein Lächeln, von dem sie nicht so recht einschätzen konnte, ob es wirklich vorbehaltlos echt war.
„Aber gerne", sagte Jacen freundlich zu Trisku und Danni ging sogleich die Möglichkeiten der nächstgelegenen Bistros und Cantinas durch.
Während sie zu einem Café namens Framm's Bar gingen, dachte Danni über Jacens Bemerkung zu Anfang ihres Treffens nach. Ja, Nina Galfridian hatte auf Duro hauptsächlich ihre Familie treffen wollen. Und doch, wenn sie es genauer bedachte, wäre doch etwas Zeit geblieben, sich mit der Yuuzhan Vong zu unterhalten. Die Wahrheit war, dass Danni gezögert hatte – gezögert aus Gründen, die vollkommen irrational waren – solange, bis wirklich keine Zeit mehr übriggeblieben war.
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Kaye Galfridian war aufgewacht. Sie fühlte sich benommen von der Narkose, aber als sie in die grünen Augen ihrer Mutter sah, wusste sie, dass die Operation geglückt war.
„Danke, Mom, jetzt bin ich es endlich los."
„Du bist gerade zur rechten Zeit aufgewacht, mein Kind. Wir werden bald auf Bandomeer landen."
„Wo liegt das?", fragte Kaye.
„Genau am Schnittpunkt zwischen der Hydianischen Handelsstraße und der Braxant-Strecke", erklärte ihre Mutter. „Bandomeer liegt strategisch sehr günstig – leider auch für die Yuuzhan Vong. Aber bis sie dorthin kommen, können wir vielleicht eine Verteidigung und mehr Logistik organisieren."
Eine Krankenschwester kam in den organischen Raum der Herz von Artorias, der als Operationsraum diente, um das Frühstück zu bringen. „Wie fühlen Sie sich, Prinzessin?", fragte die junge Frau.
„Besser als gestern", erwiderte Kaye.
„Jetzt haben wir auch endlich ordentliche medizinische Gerätschaften an Bord", sagte die junge Schwester. „Anästhetika und andere Sachen, die es in Bburru-City gab."
„Bedanken Sie sich bei Leia Organa-Solo, die das so unkompliziert organisiert hat", erwiderte die Königin. „Ohne ihre Hilfe hätten die Duros keine einzige Pille herausgerückt, da bin ich mir sicher."
Die Krankenschwester schenkte Kaye etwas zu trinken ein. „Sie mögen Duros nicht besonders, Königin, warum?"
„Die, die ich kennengelernt hatte, waren nicht besonders nett, aber jetzt haben wir Duro ja wieder verlassen", würgte Nina das unangenehme Gespräch ab.
„Wann kann ich wieder aufstehen?", fragte Kaye.
Nina lächelte. „Wenn du dich gut fühlst, sofort."
„Sie dürfen drei Wochen lang nicht baden und sollten in dieser Zeit auch möglichst keinen Geschlechtsverkehr haben", mahnte die Schwester.
Kaye lachte gehässig. „Danke, aber diese Frage stellt sich erst mal eh nicht."
Nina berührte ihre Tochter an der Schulter. „Ich bin gleich wieder bei dir."
„Lass dir Zeit, ich komm zurecht."
Nina Galfridian lächelte. Das war wieder ganz die Kaye, die sie kannte. Immer bemüht, die Last zu tragen, wie schwer sie auch sein mochte. Sie verließ den Raum und ging nebenan, wo Zoria lag. Ihre Zofe schlief tief und friedlich, aber auf dem Monitor sah Nina den gleichmäßigen Herzschlag ihrer Vertrauten – und einen Bildschirm weiter den wesentlich schnelleren vom ungeborenen Kind ihrer Tochter, ihrem Enkelkind.
Note der Autorin: Dieses Kapitel enthält Ereignisse und Zitate aus dem Roman „Das Verderben", dem dritten Roman der Buchreihe „Das Erbe der Jediritter" von Michael Stackpole von 2002.
Dieses Kapitel enthält außerdem den letzten Teil der Kurzgeschichte „Boba Fett – Ein Pragmatiker" von Karen Traviss, die in ihrer deutschsprachigen Ausgabe dem Roman „Opfer" von derselben Autorin, dem fünften Band der Buchreihe „Wächter der Macht" (2007) als Anhang beigefügt wurde. Mit diesem Kapitel ist der Mandalore-Arc dieser meiner Geschichte, welcher auf Karin Traviss' Kurzgeschichte basiert, abgeschlossen.
