C-3PO läuft mit einem Tablett um den ovalen Sitzungstisch und Tsavong Lahs Augen blitzen böse auf.

„Möchte einer der Anwesenden Blaue Milch oder eisgekühltes Wasser?", fragt der goldene Protokolldroide mit seiner blechernen Stimme.

Ostentativ dreht sich Tsavong Lah weg. Genau so etwas habe ich befürchtet.

„Das ist nur der Protokolldroide, der die Sitzung aufzeichnet und gelegentlich Erfrischungen serviert", beruhigt Kyp Durron den Kriegsmeister. „Glauben Sie mir, dieser Droide hat noch niemandem ein Leid zugefügt." Er grinst. „Nicht, dass ich annehmen würde, Sie würden sich vor Leiden oder Schmerzen fürchten."

„Nein, ich habe jetzt keinen Durst", presst Tsavong Lah grimmig hervor.

Kyp Durrons und anderer Ratsmitglieder Züge entspannen sich. Für den Kriegsmeister der Yuuzhan Vong ist dies eine höchst diplomatische Antwort gewesen.

Man hatte Tsavong Lah als dreizehntes Mitglied des Hohen Rates der Neuen Republik zwischen Releqy A'Kla, der Senatorin für den Planeten Caamas, und Kyp Durron platziert. Vor jedem der dreizehn Ratsmitglieder steht ein bauchiges Glas, welches auf einem langen, dünnen Stiel mit breitem Sockel ruht, wobei der Sockel genauso breit ist wie das Glas oberhalb des Stiels. In dem Glas selbst ruht eine golden glitzernde Flüssigkeit.

„Was ist das?", fragt Tsavong Lah Kyp Durron.

„Das ist Wein, ein alkoholisches Getränk."

Tsavong Lah nippt daran. Es schmeckt wesentlich besser als der Wookiee-Wango, den ihm Jaina vorhin auf dem Dach kredenzt hat. Trotzdem brennt das Getränk in der Kehle. „Das hebe ich mir lieber für das Ende der Sitzung auf", beschließt der Kriegsmeister.

„Vielleicht können Sie sich ja noch an Releqy A'Klas Vater, Senator Elegos A'Kla erinnern, der vor anderthalb Jahren aufbrach, um die Yuuzhan Vong kennenzulernen und zu verstehen", stellt Kyp Durron dem Kriegsmeister die Frau mit dem goldfarbenen Fell zu Tsavong Lahs anderer Seite vor.

„Ja, ich habe von dieser Sache gehört", sagt Tsavong Lah zu der jungen Caamasi. „Für das Schicksal Ihres Vaters war damals Kommandant Shedao Shai verantwortlich, dessen fanatische Art ohnehin nicht von mir befürwortet wurde."

„Ein Yuuzhan Vong, der noch fanatischer ist als Sie? Das kann ich mir gar nicht so recht vorstellen", mischt sich Ta'laam Ranth, in das Gespräch ein.

Tsavong Lah weiß, dass es jener Gotal-Senator gewesen ist, dessen Anhängerschaft letztendlich dafür gesorgt hat, dass der Alderaaner Cal Omas neuer Staatschef und somit auch Oberhaupt des Hohen Rates geworden ist.

„Doch, da gibt es so einige", antwortet Tsavong Lah, während er den gehörnten Gotal mit dem Ziegenbärtchen mustert, dann wendet er sich wieder der Caamasi zu. „Wenn Sie anstelle Ihres Vaters also irgendwelche Fragen über die Yuuzhan Vong haben, dann wenden Sie sich bitte jederzeit an mich."

Releqys lilane Augen schauen verlegen zur Seite. „Ich werde es mir merken, Kriegsmeister."

Ein liebliches Läuten ertönt.

„Ich habe alle Anwesenden zu diesem ersten Treffen des Hohen Rates einberufen, auf dass dieses Gremium ab sofort als gemeinsame Klammer und Bindeglied zwischen den Jedi, der Regierung, dem Militär und anderen wichtigen Gruppen innerhalb der Neuen Republik fungieren möge", eröffnet Staatschef Cal Omas die Sitzung. „Und da wir mit dem Wichtigsten beginnen wollen, so soll uns Kyp Durron doch bitte von Kashyyyk berichten."

„Wir haben in der Tat die Technik der Yuuzhan Vong noch besser erforscht", sagt der Mittdreißiger.

Tsavong Lah verzieht das Gesicht. Dass die biologischen Errungenschaften seines Volkes als Technik bezeichnet werden, stößt ihm sauer auf. Aber auch das ist eine der Sachen, mit denen er jetzt leben muss. Wichtig ist, dass diese unentbehrlichen Helfer seines Volkes immer noch organischer Natur sind, egal, wie die Ungläubigen sie auch nennen mögen.

„Tsavong Lah hier zu meiner Rechten hat uns noch viel mehr Informationen darüber geben können als seinerzeit Vergere", hört er Kyp Durron tönen, „und so sind unsere Streitkräfte jetzt in der Lage, Schiffe des Feindes aus dem Hyperraum zu ziehen so wie es die Yuuzhan Vong immer mit uns gemacht haben."

„Diese Errungenschaft würde zweifellos gut in Admiral Ackbars Plan passen", meldet sich Admiral Sien Sovv zu Wort, „nur ist Ackbars Plan aufgrund der neuen Entwicklung etwas überdimensioniert, falls man ihn nicht abändert."

„Wieso abändern?", widerspricht Dif Scaur, der Leiter des militärischen Geheimdienstes.

Man sieht dem hageren Menschen an, dass er höchst unglücklich über die neue Entwicklung ist, von der Sovv gerade gesprochen hat. Noch unglücklicher ist er über die Anwesenheit Tsavong Lahs im Hohen Rat. Jeder im Raum sieht, dass Scaur es geflissentlich vermeidet, den Kriegsmeister auch nur anzuschauen so wie dieser C-3PO.

„Liegt das nicht auf der Hand?", gibt die Jedi-Heilerin Cilghal zurück.

Scaur schaut der Mon Calamari starr in die gelben, hervorstehenden Augen. „Wir können den Plan genauso gut gegen Shimrra und seine Leute einsetzen, wenn sich Admiral Ackbar schon die ganze Mühe gemacht hat, ihn auszuarbeiten."

„Wir alle machen uns gelegentlich Mühe, die später umsonst war", kontert Kyp Durron. „Aber so ist es immer noch besser als umgekehrt."

„Für eine solche Abänderung wird es auch höchste Zeit", sagt Luke Skywalker. „Meine Schwester und ihr Ehemann haben dem Restimperium einen Besuch abgestattet und wir bekamen dort den Eindruck, dass Großadmiral Gilad Pellaeon nicht der mögliche Bündnispartner ist, den wir uns im Kampf gegen die Yuuzhan Vong gewünscht hätten. Mehr noch, es gab deutliche Hinweise darauf, dass Pellaeon versucht, die Neue Republik und die Yuuzhan Vong gegeneinander auszuspielen, um so als Lachender Dritter zu profitieren. Er schlug allen Ernstes vor, dass die Neue Republik sich ein Bündnis mit dem Restimperium durch das Abtreten ganzer Planeten erkaufen solle."

Abfälliges Gemurmel breitet sich im Raum aus und erneut ertönt das liebliche Geläut, um die Anwesende zur Ruhe zu bewegen.

„Das war für gewöhnlich unsere Strategie", stellt Tsavong Lah fest. „Tatsache ist, dass Overlord Shimrra mit den Resttruppen meines Volkes nur noch eine geringe Gefahr für die Neue Republik darstellt. Wir können es uns also aussuchen, ob wir zunächst Coruscant rückerobern oder das Restimperium für seine Wankelmütigkeit bestrafen wollen."

Geheimdienstchef Dif Scaur meldet sich zu Wort. „Ich kann Luke Skywalkers Bericht nur zustimmen. Wie mein Informant mir mitteilte, hat Overlord Shimrra einen Unterhändler nach Bastion entsandt, um dort mit Großadmiral Pellaeon zu verhandeln."

„Es wäre doch lustig, wenn wir zunächst Coruscant zurückerobern, so dass dem Unterhändler Shimrras die Verhandlungsbasis im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen weggezogen werden würde, nicht wahr?", meint Kyp Durron.

„Ich würde mich bereiterklären, diese Operation zu leiten und hernach den Wiederaufbau des Planeten zu garantieren", sagt Tsavong Lah, „es sei denn natürlich, das vong-geformte Coruscant gefällt der Neuen Republik."

„Dann sind Sie aber der Kommandant der Landung, während Traest Kre'fey die Truppen vom Kommandoschiff aus befehligt", sagt Sien Sovv, der sullustanische Admiral. „Sie und Jaina Solo haben uns ja genügend Jedi für das Kampfgeflecht mitgegeben, so dass Sie auch keine Angst haben müssen, genauso draufzugehen wie Ihr Kommandant der Landung – damals bei Ihrer ersten Eroberung Coruscants."

„Romm Zqar", ergänzt Tsavong Lah.

„Es ehrt Sie, dass Sie immerhin noch die Namen Ihrer wichtigsten Gefallenen kennen", sagt Sovv und seine gelben Wangenlappen schaukeln dabei.

Der Wookiee-Senator Triebakk heult und C-3PO übersetzt. „Auch ich bin ich der Ansicht, dass eine direkte Rückeroberung Coruscants zum jetzigen Zeitpunkt viel besser an die jetzige Situation angepasst ist als Admiral Ackbars ambitionierter Plan."

Der Tammarianer Ayddar Nylykerka meldet sich zu Wort und seine Luftsäcke, die es ihm ermöglichen, für kurze Zeit im Vakuum zu überleben, beben dabei. „Da kann ich als Leiter des Flottengeheimdienstes nur zustimmen."

Luke Skywalker hebt seine echte Hand. „Ich bin bereit, jedem Jedi meinen Segen dazu zu geben, bei der Rückeroberung des Hauptstadtplaneten mitzuwirken, vorausgesetzt, es geht ausschließlich gegen militärische Ziele."

„Mit Verlaub, Meister Skywalker", wirft die Jedi-Heilerin Cilghal ein. „Ihr selbst habt uns während des gesamten Krieges immer wieder vor der Gefahr durch Aggression gewarnt. Aber nun schickt Ihr Jedi aus, um unter einem Kommandanten zu dienen, der sie aggressiv und möglicherweise ohne Rücksicht auf Verluste von Leben einsetzen will? Seid Ihr inzwischen anderer Ansicht über diese Dinge?"

Luke schaut in die großen, gelben Augen der Mon Calamari-Heilerin. „Ich habe meine Haltung geändert, ja. Und außerdem wird Tsavong Lah während der Rückeroberung von Jaina Solo begleitet werden."

Alle Anwesenden – mit oder ohne Jedikräfte – spüren, wie sich Cilghals Reserviertheit in optimistische Gelassenheit verwandelt.

Kyp Durrons Augen blitzen. „Ihr hättet uns viel Ärger ersparen können, wenn Ihr meine Aktionen in dieser Richtung bereits vor Jahren unterstützt oder wenigstens befürwortet hättet, Meister Skywalker!"

Tsavong Lah berührt freundschaftlich Kyps Oberarm. „Und ich habe mich soeben bereit erklärt, das Ergebnis meines eigenen Angriffs auf Coruscant zu revidieren. Glauben Sie denn, so etwas ist leicht?"

Kyp lächelt gequält und schaut in die Runde. „Bin ich denn der Einzige hier, der diesen Beiden hier am liebsten eines auf die Nase geben würde?"

Luke Skywalker steht auf, geht zu Kyp herüber und hielt dem jüngeren Jedi ostentativ das Gesicht hin. „Nur zu, Kyp Durron, schaffen wir diese Sache ein für alle Mal aus der Welt."

Kyp Durron holt aus und verpasst Luke eine saftige Ohrfeige, die auch seine Nase touchiert. Luke blinzelt, dann lächelt er. „Immerhin habe ich kein Nasenbluten bekommen."

„Und jetzt ich", schließt sich Tsavong Lah an.

„Sie haben zwar gar keine Nase mehr, aber ich schätze mal, Sie genießen das auch noch." Mit diesen Worten haut Kyp Durron ziemlich kräftig zu und ein Rinnsal schwarzen Blutes rinnt aus Tsavong Lahs herzförmigem Loch, wo einst vor vielen Jahren seine Nase gesessen hat.

Der Kriegsmeister fährt seine Zunge aus und leckt sich das Blut aus dem Gesicht, bevor er den angewiderten Ausdruck in den Gesichtern einiger Anwesenden, vor allem von Dif Scaur, bemerkt und sich ein organisches Tuch aus einer Tasche seines Umhangs holt, um die Blutung auf andere Weise zu stillen.

„Das nenne ich mal eine Blutstaufe für dieses einzigartige Gremium", sagt Ta'laam Ranth.

„Nicht nur dafür." Cal Omas greift nach seinem Weinglas. „Also gut. Tsavong Lah, Sie werden unter Admiral Traest Kre'fey Coruscant für die Neue Republik zurückerobern – mit einer Jedi an Ihrer Seite, wie ich soeben hörte."

Der Alderaaner steht auf und reckt sein Weinglas in die Runde. „Auf die Rückeroberung von Coruscant!"

Alle übrigen zwölf Ratsmitglieder stehen auf schließen sich dem Trinkspruch mit ihren Weingläsern an. „Auf die Rückeroberung von Coruscant!"

Die zwölf Ratsmitglieder setzen sich wieder hin, aber Cal Omas bleibt stehen. „Ich habe mich mit Meister Skywalker und andern Leuten unterhalten und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass jetzt, wo sich Tsavong Lah mit seinen Truppen der Neuen Republik angeschlossen hat, nicht nur die Zeit für einen Hohen Rat gekommen ist, der die Arbeit des Senats, der Jedi und der Geheimdienste miteinander abstimmt … nein … es ist auch so, dass die Neue Republik als solche schon wieder sehr veraltet ist."

Der Blick von Releqy A'Klas lilanen Augen wandert von Kyp Durron zu Tsavong Lah und weiter über die anderen Ratsmitglieder. Tsavong Lah erkennt, dass die Caamasi versucht, herauszufinden, welche der Ratsmitglieder bereits Bescheid wissen und welche überrascht sind so wie sie.

„Und um ein Zeichen zu setzen an die Yuuzhan Vong, die noch immer unter Shimrras Knute leiden müssen, um eine Botschaft an das Restimperium zu senden, das immer noch glaubt, inmitten dieses Krieges sein eigenes Süppchen zu kochen", Cal Omas holt Luft und erhebt erneut sein Weinglas, „und um allen in der Neuen Republik zu zeigen, dass angesichts dieser Herausforderungen ab jetzt ein neuer Geist des Aufbruchs und der Einigkeit herrscht, schlage ich vor, die Neue Republik in etwas noch Neueres umzubenennen, auf dass in ihr alle bisherigen Spezies und auch die Yuuzhan Vong ihren Platz haben mögen. Ich schlage hiermit die Umbenennung der Neuen Republik vor und zwar in Galaktische Allianz Freier Systeme!"

Erneut stehen alle Ratsmitglieder auf und erheben ihre Gläser. „Auf die Galaktische Allianz Freier Systeme!"

Jeder stößt mit seinem Nachbarn an, während C-3PO neben dem Tisch symbolisch ein unberührtes Glas in die Höhe hält.

An uns Droiden denkt wieder einmal niemand", murmelt der goldene Protokolldroide in das laute Geklatsche hinein, sich bewusst, dass niemand seine Worte verstehen wird. Und das ist auch gut so, ist doch ein Todfeind, ein Yuuzhan Vong, anwesend.