XII. Tod dem Hofzauberer
Arthur ist gerade in ein Gespräch mit Lady Odilia und Geoffrey vertieft, als die Türen der Ratshalle geöffnet werden und Lady Trudith hereinkommt. Die Wachen haben den Befehl bekommen, dass die Sitzung des Rates nicht gestört werden darf, aber da Lady Trudith Uthers Vertraute ist, stellt sie eine Ausnahme dar.
Es ist nunmehr der dritte Tag, den der Rat damit verbringt an dem neuen Gesetz für die friedliche Verwendung von Magie zu arbeiten und Arthur ist zuversichtlich, dass sie es geschafft haben, sämtliche geäußerten Bedenken zu berücksichtigen. Er ist sehr zufrieden mit den Mitgliedern seines Rates, denn sie haben neben der Ausarbeitung des Gesetzes mehrere gute Vorschläge vorgebracht, wie man die Verwendung von Magie und das Wissen darüber zum Wohle Camelots regulieren kann. Welche dieser Vorschläge tatsächlich umsetzbar sind, wurde von Merlin beurteilt, der die ganze Zeit über bei ihnen in der Ratshalle gewesen ist. Zwar sind die Ratsmitglieder immer noch zurückhaltend in seiner Gegenwart, aber sie werfen ihm nur noch vereinzelt argwöhnische Blicke zu. Morgen Nachmittag wird Arthur dann seine Ansprache im Schlosshof halten und verkünden, dass der friedliche Einsatz von Magie nicht mehr länger unter Strafe steht und Merlin zum Hofzauberer ernannt wird.
Lady Trudith durchquert die Ratshalle und kommt zielstrebig auf Arthur zu. Schließlich bleibt sie näher bei Arthur, Lady Odilia und Geoffrey stehen, als es die Höflichkeit gebieten und sieht Artur ungeduldig an, während sie ihre Hände vor dem Körper verschränkt. Arthur beobachtet sie aus den Augenwinkeln und in ihrer ganzen Haltung liegt etwas Aufforderndes und Anmaßendes, das Arthur noch nie bei ihr gesehen hat.
„Ich stimme Lady Odilia zu, dass wir zusätzlich zu den Aushängen in den größeren Dörfern außerdem Ausrufer in die kleineren Dörfer Camelots und auch in die angrenzenden Königreiche schicken sollten," sagt Arthur schließlich, nachdem Lady Odilia ausgeführt hat, weshalb sie solche Maßnahmen für notwendig hält.
Geoffrey scheint derselben Meinung zu sein, denn er nickt zustimmend und Arthur unterbricht das Gespräch mit einer Geste, bevor er sich an Lady Trudith wendet.
„Lady Trudith, was kann ich für Euch tun?", fragt er.
„Euer Vater möchte Euch sehen, Sire", antwortet Lady Trudith. „Er würde gerne mit Euch reden."
Arthur nickt. „Vielen Dank. Ich werde ihn heute nach dem Abendessen besuchen", verspricht er und wendet sich dann wieder seinem Gespräch mit Geoffrey und Lady Odilia zu. „Wie Lady Odilia zuvor gesagt, sollten wir außerdem sicherstellen, dass…"
Doch bevor Arthur seinen Satz beenden kann, wird er von Lady Trudith unterbrochen. „Euer Vater besteht darauf, dass Ihr sofort zu ihm kommt, Sire."
Arthur hält einen Moment lang inne und er sieht Lady Trudith dabei bewusst nicht an.
„Wir werden das später weiter besprechen", sagt Arthur zu Geoffrey und Lady Odilia und die beiden tauschen einen kurzen Blick, bevor sie sich verbeugen und sich dann entfernen.
Schließlich dreht Arthur sich zu Lady Trudith um und fasst sie scharf ins Auge. Die Blicke der ganzen Halle sind auf sie gerichtet und Arthur weiß, dass sein Vater jemanden für solch eine dreiste Unterbrechung sofort hätte in den Kerker werfen lassen. Aber Arthur ist nicht sein Vater und er hat kein Verlangen danach Lady Trudith vor den Mitgliedern seines Rates zu Recht zu weisen.
„Nun, wenn mein Vater darauf besteht", sagt Arthur betont freundlich, „dann werde ich ihn nicht warten lassen." Er bedeutet Lady Trudith mit einer Handbewegung voranzugehen, und folgt ihr dann aus der Ratshalle hinaus.
Auf dem Weg durch das Schloss reden sie kein Wort miteinander und schließlich öffnet Lady Trudith die Tür zu Uthers Gemächern und Arthur tritt hinter ihr ein. Sein Vater sitzt auf einem Stuhl neben dem Tisch und er steht auf, als Arthur hereinkommt.
„Arthur, es freut mich, dass du kommen konntest. Wie geht es dir?", fragt Uther mit echtem Interesse in seiner Stimme.
Lady Trudith schließt derweil die Tür und stellt sich dann neben Uther.
Arthur mustert seinen Vater kurz und ganz wie er erwartet hat, hätte sein Vater kein Problem damit gehabt, wenn er erst heute Abend zu ihm gekommen wäre. Lady Trudith ist diejenige, die darauf bestanden hat, dass Arthur sich sofort Zeit dafür nahm.
„Es geht mir gut, Vater. Danke der Nachfrage", antwortet Arthur mit einem freundlichen Lächeln. „Lady Trudith hat gesagt, dass du mit mir reden möchtest. Worum geht es denn?"
Uthers unbekümmerte Miene verblasst ein wenig und er nickt zögerlich. „Ja, das stimmt." Dann wirft er einen unsicheren Blick zu Lady Trudith hinüber, die ihm daraufhin aufmunternd zunickt. Schließlich wendet sich Uther wieder an Arthur und holt tief Luft. „Geoffrey war heute Morgen hier und er hat mir gesagt, dass du das Gesetz über Magie ändern willst. Er hat gesagt, dass Magie in Camelot schon bald wieder erlaubt sein soll."
Nun versteht Arthur, warum es hier geht und er unterdrückt einen Fluch, während er versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Es gefällt ihm nicht, dass Geoffrey seinem Vater eigenmächtig von der Änderung des Gesetzes erzählt hat, aber Arthur kann ihm nicht wirklich einen Vorwurf machen, denn er selbst hat diese Aufgabe bisher vor sich hergeschoben und früher oder später hätte Uther es ohnehin erfahren.
„Ja, das stimmt", antwortet Arthur schließlich.
„Du machst einen Fehler", sagt Uther mit rauer Stimme und ein gequälter Ausdruck tritt auf sein Gesicht.
Es scheint Uther seine ganze Überwindung zu kosten, diese Worte zu sagen und Arthur weiß das zu schätzen. Er wollte nicht, dass sein Vater jeglichen freien Willen einbüßt, denn das hätte ihn zu nicht mehr als einer leeren Hülle gemacht. Dennoch ist es für Uther nicht einfach, an einem Gedanken festzuhalten, ohne dass dieser Gedanke schon nach kurzer Zeit wieder an Bedeutung verliert. Es überrascht Arthur dabei nicht im Geringsten, dass es gerade dieser Gedanke ist, an den sich der Verstand seines Vaters klammert. Uthers Hass auf Magie ist jahrelang das Einzige gewesen, das ihn davor bewahrt hat, an seinem Schmerz und seiner Trauer über Ygraines Tod zu zerbrechen. Seitdem Merlin ihn mit dem Zauber belegt hat, der Uthers Wahrnehmung beeinträchtig, hat Arthur seinen Vater glücklicher gesehen als je zuvor und er bedauert es, dass die Änderung des Gesetzes Uther nun wieder mit der schmerzlichen Vergangenheit konfrontiert.
„Nein Vater, ich korrigieren einen Fehler, denn du vor vielen Jahren gemacht hast", antwortet Arthur sanft.
Uther schüttelt verbissen den Kopf. „Magie ist gefährlich."
„Dessen bin ich mir bewusst. Aber ein Schwert ist ebenso gefährlich", gibt Arthur zu bedenken. „Es kann benutzt werden, um andere zu beschützen oder aber um zu töten, um Gold oder Macht zu erlangen."
„Aber du kannst Magie nicht kontrollieren", erwidert Uther.
„Nein, ich kann es nicht. Aber mein neuer Hofzauberer kann es", sagt Arthur ruhig. „Er wird dafür sorgen, dass Magie zum Wohle der Menschen verwendet wird, und nicht dazu, jemandem zu schaden."
Verzweiflung tritt in Uthers Blick, als er Arthur mit einem flehentlichen Blick ansieht. „Du kannst einem Zauberer nicht vertrauen!"
„Doch das kann ich, denn Merlin hat sich dieses Vertrauen verdient", entgegnet Arthur.
Uther stockt daraufhin und begegnet Arthur mit einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht. „Merlin? Dein Diener?", fragt er und schüttelt dann den Kopf. „Was hat er damit zu tun?"
Jetzt ist es an Arthur seinen Vater verwirrt anzusehen. „Hat Geoffrey dir das nicht erzählt?"
„Hat er mir was nicht erzählt?"
Arthur schnaubt leise, als ihm bewusst wird, dass Geoffrey seinem Vater anscheinend gesagt hat, dass er das Gesetz ändern und einen Hofzauberer ernennen wird, aber nicht, dass Merlin dieser Hofzauberer sein wird.
„Es ist Merlin, Vater", sagt Arthur mit sanfter Stimme. „Er besitzt Magie, er wurde damit geboren und er wird mein Hofzauberer sein."
„Aber er ist…" setzt sein Vater an, aber Arthur weiß bereits, was Uther sagen will und ein harter Blick tritt in seine Augen.
„Was?", unterbricht Arthur seinen Vater. „Ein Bürgerlicher, ein Bauer?"
„Er ist nur ein Junge", sagt Uther jedoch schwach.
Arthur lässt die Luft entweichen, die er angehalten hat und sein Gesichtsausdruck wird wieder weicher. „Er ist mein Freund", sagt er eindringlich. „Und ich vertrau ihm mit meinem Leben."
„Aber er ist ein Zauberer", antwortet Uther mit gequälter Stimme.
Arthur mustert seinen Vater traurig, bevor er nickt. „Ja, das ist er, aber er ist bereits seit Monaten hier in Camelot und er hat nie versucht mir oder irgendjemand anderem Schaden zuzufügen. Vielmehr hat er uns beschützt. Öfter als ich zählen kann. Das erste Mal ist er gerade erst in Camelot angekommen gewesen und er hat uns alle vor der Frau gerettet, die sich als Lady Helen ausgegeben hat und die Rache dafür wollte, dass du ihren Sohn hast hinrichten lassen. Der Kronleuchter, der auf sie gestürzt ist, als sie uns verzaubern wollte, das war Merlin. Und als sie den Dolch nach mir geworfen hat, hat Merlin die Zeit verlangsamt, um mich aus dem Weg ziehen zu können. Ohne Magie wäre er nicht schnell genug gewesen und der Dolch hätte mich mitten ins Herz getroffen."
Uther sieht zu Boden und es fällt Arthur schwer, seinen starken und stolzen Vater so verloren und verletzlich zu sehen. Er geht auf ihn und zu legt Uther sanft eine Hand auf den Arm.
„Du kennst Merlin, Vater. Er ist immer nett zu allen und hilfsbereit und er ist loyal und manchmal ein bisschen tollpatschig. Du hast all das in ihm gesehen, als du ihn zu meinem persönlichen Diener gemacht hast", sagt Arthur mit einem Lächeln. „Ich muss zugeben, dass er ein fürchterlicher Diener ist, aber er ist ein hervorragender Zauberer und er hat mir sein Leben und seine Magie zu Füßen gelegt, um mir zu dienen, aus keinem anderen Grund, als dass er Camelot zu einem Ort machen will, an dem alle in Frieden und Freiheit leben können."
Uthers Blick ist starr zu Boden gerichtet und er presst die Lippen fest aufeinander. „Magie verdirbt Menschen", sagt er nach einem Moment, aber es klingt, als ob er versuchen würde sich selbst mit seinen Worten zu überzeugen.
„Macht verdirbt Menschen, aber nur diejenigen, die einen schwachen Geist und ein schwaches Herz haben", antwortet Arthur. „Und Merlin ist kein solcher Mensch."
Uther hebt den Blick wieder und er sieht Arthur für einen langen Moment einfach nur an. „Aber wie kannst du dir da sicher sein?", fragt er schließlich mit leiser Stimme.
Arthur lächelt schmal. „Weil es unser Schicksal ist Seite an Seite dafür zu sorgen, dass Magie wieder Einzug in dieses Land hält und dass Albion eine goldene Zukunft haben wird. Merlin und ich sind zwei Seiten derselben Münze. Ich weiß, wer er ist, und ich kenne sein Herz, weil ihn mit jeder Faser meines Seins liebe und das werde ich immer tun."
Arthur sieht seinen Vater an und wartet. Vermutlich hätte er einen besseren Zeitpunkt wählen sollen, um seinem Vater von ihm und Merlin zu erzählen, aber ganz gleich wie sein Vater reagieren wird, Arthur ist froh darüber, dass er es hinter sich gebracht hat.
Es dauert einen Augenblick, bis Uther bewusst wird, was sein Sohn gerade gesagt hat. Er starrt Arthur verständnislos an, bevor ein Ausdruck ungläubiger Verwunderung auf sein Gesicht tritt. Dann verändert sich sein Gesichtsausdruck ein weiteres Mal und Arthur kann tiefe Verzweiflung in Uthers Augen sehen.
„Aber was wird aus Camelot?", fragt er kaum hörbar.
„Mach dir darüber keine Sorgen, Vater", antwortet Arthur beschwichtigend. „Merlin und ich sind uns meiner Verantwortung Camelot gegenüber sehr wohl bewusst. Ich werde eine gute Königin für Camelot wählen und die Linie der Pendragons wird fortgesetzt."
Arthur weiß, dass das nicht die Antwort auf Uthers Frage gewesen ist, denn der Umstand, dass Arthur neben seiner Königin einen Liebhaber haben wird, ist nichts Besonderes. Viele Könige haben einen Liebhaber oder eine Liebhaberin, da Ehen in Herrscherfamilien beinahe immer arrangierte Ehen sind. Was Uther Angst macht, ist die Tatsache, dass der Liebhaber seines Sohnes ein Zauberer ist und dass diesem Zauberer damit sehr große Macht zu Teil wird. Macht, von der Uther sich sicher ist, dass sie missbraucht werden wird.
Uther öffnet den Mund, um zu erneut zu versuchen Arthur umzustimmen, aber Arthur kommt ihm zuvor.
„Meine Entscheidung ist getroffen, Vater. Sowohl was Merlin angeht, als auch in Bezug auf das Gesetz über Magie und nichts, was du sagst, könnte mich umstimmen", sagt Arthur entschieden. „Camelot hat lange genug in der Vergangenheit gelebt. Es ist Zeit, in die Zukunft zu blicken. Ich weiß, dass du das nie konntest, aber ich kann es."
Uther richtet seinen Blick zu Boden, bevor er sich von Arthur anwendet und zum Fenster hinübergeht. Dort bleibt er wieder stehen und verschränkt die Arme vor dem Körper, wie um sich selbst Halt zu geben.
Arthur mustert seinen Vater für einige lange Augenblicke und er hat Mitleid mit ihm. Er sieht wie der Schmerz über den Tod von Ygraine und Uthers eigene Schwäche, sich nicht eingestehen zu können, dass er selbst und nicht Magie Schuld daran gewesen ist, schwer auf ihm lastet. Arthur hofft jedoch, dass Merlins Zauber einen Teil des Schmerzes von seinem Vater nehmen kann und dass Uther es dadurch schafft die Tatsache, dass Magie wieder Einzug in Camelot hält, weitestgehend zu ignorieren.
Schließlich atmet Arthur tief durch und dreht sich dann um. Es gibt nichts, was er für Uther tun kann, aber es gibt eine andere Sache, um die er sich kümmern muss.
„Lady Trudith, wenn Ihr mich bitte begleiten würdet", sagt Arthur und er sieht sie nicht an, noch wartet er auf eine Reaktion von ihr, als er ins Vorzimmer des Raumes geht.
Schritte auf dem Boden sagen Arthur, dass Lady Trudith ihm folgt. Schließlich bleibt er vor der Tür außer Hörweite seines Vaters stehen und als Lady Trudith vor ihn tritt, betrachtet er sie mit einem durchdringenden Blick.
„Ich respektiere und bewundere Eure Loyalität zu meinem Vater", sagt Arthur mit leiser Stimme. „Aber wenn Ihr mir gegenüber noch einmal ein solches Verhalten an den Tag legt, dann verspreche ich Euch, dass ich nicht so nachsichtig mit Euch sein werde. Habt Ihr das verstanden?"
Lady Trudith hat den Blick gesenkt und sieht mit einem starren und beschämten Ausdruck auf dem Gesicht zu Boden. „Ja, Sire."
Arthur weiß, dass Lady Trudith seinen Vater in ihrer kurzen Zeit hier in Camelot bereits tief ins Herz geschlossen hat und Uther scheint es nicht anders zu gehen. Nur aus diesem Grund und weil sie geglaubt hat, zu Uthers Bestem zu handeln, ist Arthur bereit über ihr Verhalten hinweg zu sehen.
Schließlich öffnet Arthur die Tür und verlässt die Räume seines Vaters, um sich auf den Weg zurück in die Ratshalle zu machen.
Am Nachmittag des nächsten Tages verkündet Arthur von der großen Treppe im Schlosshof aus, dass es in Camelot von diesem Tag an nicht mehr verboten ist Magie zu besitzen oder zu verwenden, es sei denn, magische Fähigkeiten werden in böser Absicht dazu benutzt, einen anderen Menschen zu bestehlen, zu betrügen, zu verletzen oder zu töten.
Nach Arthurs ersten Worten wird es im Schlosshof still und als er eine Pause macht und seinen Blick über die versammelten Menschen wandern lässt, könnte man eine Nadel auf dem Pflaster fallen hören. Selbst die großen Banner, die sich hinter Arthur zu beiden Seiten der Tore an der Schlossmauer befinden und auf denen der goldene Drache Camelots im Sonnenschein glitzert, hängen vollkommen reglos ohne zu flattern herunter.
Links neben Arthur steht Morgana und es bedeutet Arthur sehr viel, dass seine Schwester an diesem historischen Tag an seiner Seite ist. Die Mitglieder des Rates stehen zu beiden Seiten der Treppe an der Brüstung und am Fuße der Treppe hat Arthur nur für alle Fälle ein Dutzend seiner treuesten Ritter Stellung beziehen lassen.
Arthur fährt fort und sagt den Menschen, dass er die Vergangenheit bereut, und dass es an der Zeit ist, in die Zukunft zu blicken. Magie ist ein Teil dieses Landes und Arthur wird diese Tatsache nicht länger verleugnen. Es wird immer Einzelne geben, die ihre magischen Kräfte missbrauchen, um anderen Schaden zuzufügen und diese Zauberer werden weiterhin nach den Gesetzen Camelots ihre gerechte Strafe für ihre Verbrechen erhalten. Dafür wird Camelots neuer Hofzauberer Lord Emrys sorgen, der in Erfüllung einer alten Prophezeiung als mächtigster Zauberer aller Zeiten über Camelot wachen wird.
Als Arthur seine Ansprache beendet hat, herrscht gebannte Stille im Schlosshof und zwei Wachen, die hinter Arthur stehen, öffnen die Türen, die ins Innere des Schlosses führen. Merlin tritt hindurch und stellt sich auf Arthurs rechte Seite. Er trägt eine dunkelblaue ärmellose Robe, die bis zum Boden reicht und aus einem schweren Stoff gefertigt ist. An den Armausschnitten und dem Saum ist sie mit einer golddurchsetzten Borte verziert und wird vorne von einem breiten, zur Zierde beschlagenen schwarzen Gürtel zusammengehalten. Darunter trägt Merlin ein weites beiges Hemd eine schwarze Hose sowie neue, schwarze Stiefel. Arthur hat drei Schneiderinnen zwei Tage lang beinahe ununterbrochen daran arbeiten lassen, damit die Robe, das Hemd und die Hose rechtzeitig fertig wurden.
Leises Getuschel erhebt sich, als einige unter den versammelten Menschen Merlin trotz seiner prächtigen Kleider und den nach hinten gelegten Haaren als Arthurs persönlichen Diener erkennen, aber Arthur gibt ihnen keine Zeit sich lange darüber zu wundern. Auf ein Kopfnicken von ihm ertönen die Klänge mehrerer Fanfaren zu einem Tusch und Merlin breitet in einer bedeutungsvollen Geste seine Arme aus. Arthur sieht nicht wie Merlins Augen golden aufleuchten, denn er beobachtet die Menschen im Schlosshof, die erschrocken aufkeuchen, als zu beiden Seiten der Treppe Ranken an den Schlossmauern emporwachsen. Die Ranken klettern bis zu den oberen Fenstern hinauf und verzweigen sich innerhalb weniger Augenblicke unzählige Male, bevor grüne Blätter und Hunderte roter Rosen entlang jeder Ranke erblühen. Im nächsten Moment erwachen die Embleme der goldenen Drachen auf den beiden roten Flaggen Camelots zum Leben und die Drachen richten sich auf die Hinterbeine auf, bevor sie je eine kleine Flammenzunge aus schimmernder Magie auf ihren Flaggen nach oben spucken. Wieder hört man vereinzelte erschrockene Rufe und ein Raunen geht durch die Menge, während alle Blicke auf Merlins gerichtet sind. Merlin lässt seine Arme wieder sinken und die Feuerzungen der Drachen auf den Fahnen versiegen, bevor sie sich wieder in ihre ursprüngliche Haltung begeben und dort erstarren.
Im Schlosshof herrscht ein weiteres Mal an diesem Tag vollkommenes Schweigen. Es dauert mehrere Momente, doch schließlich beginnt jemand in der Menge Beifall zu klatschen. Arthur lässt seinen Blick suchend über die Menschen wandern und nach einem Augenblick sieht er, dass es Gwen ist, die applaudiert. Weitere Menschen stimmen nach einem Augenblick zögerlich in den Applaus mit ein und auch wenn der Beifall verhalten bleibt und keine Jubelrufe ertönen, erscheint ein glückliches Lächeln auf Arthurs Lippen.
Nach der Ansprache im Schlosshof werden die Boten, die sich in die Dörfer aufmachen, um die Kunde zu verbreiten, dass Magie von nun an in Camelot wieder willkommen ist, in einem feierlichen Zug vom Schloss durch die Stadt bis zu den südlichen Toren begleitet. Arthur, Merlin und Morgana reiten an der Spitze des Zuges gefolgt den Mitgliedern des Rates und einem Dutzend Ritter.
Merlin sitzt auf Sir Rupert und die Menschen, die sich in den Straßen drängen, um einen Blick auf ihn zu werfen, mustern ihn neugierig, aber auch mit sichtbarer Zurückhaltung. Merlin lässt an den Rändern der Straßen und an den Ecken der Häuer wunderschöne, rote Rosen aus der Erde wachsen, die sich bis zu den Dächern hinauf ranken, und obwohl die Menschen jedes Mal einen Schritt zurücktreten, sehen sie die Blüten mit unverhohlenem Erstaunen und Bewunderung an. Merlin tut währenddessen sein Bestes den Menschen mit einem freundlichen Lächeln zu begegnen, aber Arthur kann spüren, dass die meisten von ihnen trotz allem Angst vor Merlin haben. Viele haben Uther all die Jahre über geglaubt, als er ihnen erzählt hat, dass Zauberer die Ausgeburt des Bösen und allesamt durchtriebene und abscheuliche Monster seien. Es wird einige Zeit dauern, bis die Menschen ihre Frucht vor Magie ablegen können, aber Arthur ist zuversichtlich, dass Magie wieder willkommen geheißen wird, sobald sich die Geschichte von der Prophezeiung unter den Menschen verbreitet.
Nun, am Abend findet im Schloss ein Bankett zur Feier des Beginns einer neuen Ära statt und Arthur kann sehen, wie Merlin versucht die zögerlichen und verunsicherten Blicke vereinzelter Ritter, mehrerer Adliger und einiger Diener so gut er kann zu ignorieren.
Den Rittern hat Arthur bereits am Tag zuvor anvertraut, dass Camelot ein Umbruch bevorsteht. Nicht alle nahmen diese Nachricht gut auf, aber keiner der Ritter wagte es den König infrage zu stellen. Schon gar nicht, solange Merlin anwesend war. Während des darauffolgenden Trainings stellte Arthur Merlin in die Mitte des Trainingsfeldes und forderte seine Ritter auf Merlin anzugreifen. Lancelot war der Erste, der sich in Bewegung setzte, und die anderen Ritter folgten seinem Beispiel zuerst zögerlich, doch nach kurzer Zeit unter Aufgebot all ihrer Kräfte. Keiner von ihnen schaffte es bis auf fünf Meter an Merlin heranzukommen, ganz gleich was sie auch versuchten und Merlin rührte dabei kaum mehr als einen Finger, während die Ritter gegen unsichtbare Mauern prallten, mit einem Mal das Gleichgewicht verloren, ihre Füße nicht mehr vom Boden wegbewegen konnten, oder ihre Schwerter mit einem Mal ein Eigenleben entwickelten und ihnen aus der Hand glitten. Merlin bemühte sich dabei, so ungefährlich wie möglich auszusehen. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, lächelte er jedes Mal entschuldigend, wenn er einen Angriff abwehrte und der jeweilige Ritter kurz darauf aufgab.
Am Ende des Trainings zweifelt keiner der Ritter mehr daran, dass Merlin Camelot ohne Weiteres unterwerfen könnte, wenn er es denn wollen würde und die Tatsache, dass Merlin eben das bisher nicht getan hat, zeigte ihnen auf welcher Seite Merlin steht. Die Ritter von Camelot haben unzählige Male gegen Zauberer gekämpft, um Camelot zu verteidigen, aber sie sind niemals zuvor einem Zauberer begegnet, der so mächtig ist wie Merlin. Arthur konnte sehen, dass es einigen sehr schwer fiel zu akzeptieren, dass sie gegen Magie wie diese vollkommen hilflos sind. Letztendlich war es wohl nur der Umstand, dass es gerade Arthurs zuvorkommender und tollpatschiger persönlich Diener ist, der diese Macht besitzt, der die Ritter dazu gebracht hat, Merlin nicht als Bedrohung für das Leben ihres Königs anzusehen. Immerhin hätte Merlin während der letzten Monate unzählige Male die Gelegenheit gehabt Camelot zu schaden oder sogar Arthur oder Uther umzubringen und sich selbst zum König zu krönen.
Als das Essen im Thronsaal schließlich abgeräumt wird und Merlin bis dahin keinerlei Anstalten gemacht hat, die versammelten Edelleute und Ritter zu töten, entspannt sich die Stimmung in der Halle zusehends. Für den Moment scheinen die Adligen an den Tischen zu beiden Seiten der Halle sogar beinahe vergessen zu haben, dass der neue Hofzauberer neben ihrem König an der hohen Tafel sitzt und nur gelegentlich wirft noch jemand einen verstohlenen Blick zu Merlin.
„Ich verstehe allerdings immer noch nicht, warum ich von nun an jeden Tag meine neuen Roben tragen muss", beschwert Merlin sich zum wiederholten Mal an diesem Abend. „Du trägst deine Krone schließlich auch nicht immer."
Arthur stöhnt und rollt mit den Augen, während Morgana, die zusammen mit Uther auf Arthurs linker Seite sitzt, zu lachen beginnt. Arthur ist froh darüber, dass Morgana ihre Zurückhaltung Merlin gegenüber schnell abgelegen konnte, nachdem sie erkannt hat, dass Merlin nicht etwa die ganze Zeit über eine Rolle gespielt hat, sondern tatsächlich der liebenswürdige, zuvorkommende und manchmal etwas tollpatschige junge Mann ist, den sie als Arthurs Diener kennengelernt hat. Außerdem hat Morgana keine Angst vor Magie, und die unbekümmerte Art, mit der sie Merlin behandelt, zeigt den anderen bei Hof, dass es keinen Grund gibt, Merlin zu fürchten.
„Ich muss meine Krone auch nicht immer tragen, weil die Menschen wissen, dass ich ihr König bin", antwortet Arthur nach einem Moment. „Gib ihnen ein paar Wochen Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass du kein Diener mehr bist, sondern von jetzt an der Hofzauberer von Camelot, dann kannst du die Robe von mir aus nur noch zu offiziellen Anlässen tragen."
Merlin macht den Mund auf, um weiter zu reden, Arthur sieht ihn jedoch herausfordernd an und Merlin gibt sich geschlagen.
„Na gut, von mir aus", sagt er schließlich.
Morgana wirft Merlin einen aufmunternden Blick zu. „Ich finde, du solltest die Roben immer tragen. Du siehst sehr gut darin aus, Merlin. Und ich bin nicht die Einzige, die das denkt. Ein paar der Dienerinnen werfen dir schon den ganzen Abend über Blicke zu."
Merlin wird rot im Gesicht und Morgana nimmt das zum Anlass erneut zu lachen.
Arthur dagegen zieht die Augenbrauen zusammen. „Welche Dienerinnen?", fragt er argwöhnisch.
„Das war ein Scherz, Arthur", entgegnet Morgana und schüttelt mit einem nachsichtigen Lächeln den Kopf. „Niemand hier würde es wagen Merlin ungeziemende Blick zuzuwerfen. Es muss das am besten bekannteste Geheimnis in ganz Camelot sein, dass Merlin jede Nacht dein Bett teilt."
Arthur ärgert sich augenblicklich, dass er auf ihren Trick hereingefallen ist, aber Morgana ignoriert ihn und wendet sich an Merlin.
„Du bist jetzt Hofzauberer, Merlin. Du musst entsprechend gekleidet sein, sonst nehmen die Leute dich nicht ernst."
Merlin zuckt mit den Schultern. „Ja, ich weiß. Es ist nur so, dass… na ja ich vermisse wirklich mein Halstuch."
Arthur schnaubt. „Natürlich ist es gerade das, was du vermisst."
„Ich habe einen sehr empfindlichen Hals und ich verkühle mich schnell", informiert Merlin ihn trotzig.
Morgana prustet los und auch Arthur kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Er versucht, sich jedoch zu beherrschen, als Merlin ihn entrüstet ansieht.
„Ich bin sicher, wir können eine Lösung dafür finden", meint er diplomatisch. „Vielleicht ein Hemd mit einem hohen Kragen?"
„Ich glaube das würde zusammen mit der Robe noch eindrucksvoller aussehen", stimmt Morgana zu, während sie breit grinst.
Merlin mustert die beiden skeptisch. „Mmh. Vielleicht könnte ich mich daran gewöhnen."
Arthur nickt entschieden. „Das ist die richtige Einstellung, Merlin. Darauf trinken wir."
Er hebt seinen Becher und Merlin und Morgana folgen seiner Aufforderung sie und stoßen gemeinsam an.
Als Arthur seinen Becher wieder auf den Tisch zurückstellt, sieht er aus den Augenwinkeln, wie die Tür der großen Halle geöffnet wird und Sir Galahad hereinkommt. Der junge Ritter hat an diesem Abend die Aufsicht über die Wachen im Schlosshof und Arthur fragt sich, ob etwas vorgefallen ist, da Galahad hinter den Tischen vorbei in seine Richtung kommt, anstatt Sir Leon Meldung zu machen. Schließlich bleibt Galahad hinter Arthur stehen und beugt sich zu ihm hinunter.
„Sire, eine Frau ist gerade in den Schlosshof geritten. Sie sagt, ihr Name ist Nimueh und dass Ihr sie erwartet."
Arthur zieht überrascht die Augenbrauen nach oben und wirft dann einen Blick zu Merlin hinüber, der ebenfalls gehört hat, was Galahad gesagt hat.
„Was willst du tun?", fragt Merlin in Gedanken und Arthur überlegt einen Moment lang. Währenddessen berührt er mit den Fingern unauffällig Merlins Hand, die auf dem Tisch liegt, damit er ihm antworten kann.
„Ich glaube nicht, dass sie hier ist, um uns anzugreifen. Sie ist immerhin mitten in den Schlosshof geritten. Wenn sie uns angreifen oder für Aufruhr sorgen wollte, dann hätte sie einfach im Thronsaal erscheinen können."
Merlin brummt leise. „Vielleicht ist sie hier, um uns zu sagen, dass sie uns nun glaubt. Wir haben den Drachen befreit und du hast die Gesetze geändert. Vielleicht will sie sogar hierbleiben und uns helfen Albions Zukunft zu gestalten."
„Das werden wir gleich herausfinden", meint Arthur, bevor er sich an Galahad wendet, der während ihrer lautlosen Unterhaltung, die nur wenige Augenblicke dauert, gewartet hat.
„Bringt sie bitte in die Ratshalle, Sir Galahad."
Galahad nickt und verbeugt sich kurz, bevor er sich wieder auf den Weg nach draußen macht.
Morgana wirft Arthur währenddessen einen neugierigen Blick zu. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass du heute noch jemanden erwartest."
Arthur schüttelt den Kopf. „Das tue ich auch nicht. Ich wusste nicht, dass sie heute hierherkommen würde."
Morgana sieht ihn abwartend an, aber als Arthur nicht weiterredet, macht sie eine auffordernde Geste. „Nun, wer ist sie?"
Arthur überlegt einen Moment, wie viel er Morgana erzählen soll, aber es ist an der Zeit sie einzuweihen. „Sie ist eines der Geheimnisse, von denen ich versprochen habe dir zu erzählen, wenn der richtige Moment gekommen ist."
Morgana zieht die Augenbraue nach oben und sieht Arthur spöttisch an. „Eine geheime Frau? Na, so etwas, Arthur. Du solltest aufpassen, dass dein Hofzauberer nicht eifersüchtig wird."
Merlin schnaubt leise und Arthur lächelt unweigerlich, bevor er den Kopf schüttelt. „Es gibt für Merlin keinen Grund eifersüchtig zu sein, das versichere ich dir und nachdem ich die erzählt habe, wer diese Frau ist, wirst du auch verstehen warum. Aber diese Unterhaltung sollten wir nicht hier führen."
Arthur erhebt sich von seinem Stuhl und sieht Morgana auffordern an, die daraufhin ebenfalls aufsteht und zusammen mit Arthur und Merlin die Halle verlässt.
Der Korridor zur Ratshalle wird nur von einigen Fackeln erhellt und die Ratshalle selbst liegt vollkommen im Dunkeln. Mit einer Handbewegung entzündet Merlin die Fackeln an den Wänden und Arthur schließt die Tür hinter ihnen.
Morgana bleibt vor dem schlichten hölzernen Thron stehen und verschränkt die Arme vor der Brust.
„Also gut, wer ist diese mysteriöse Frau?", fragt sie und mustert Arthur und Merlin mit ernster Miene.
„Ihr Name ist Nimueh und sie ist eine Zauberin und die letzte Hohepriesterin der Dreifaltigen Göttin", sagt Arthur. „Erinnerst du dich noch daran, wie ich dir in deinen Räumen den Grund dafür erzählt habe, warum Uther Magie so sehr hasst?", fragt er und als Morgana nickt, fährt er fort. „Sie ist die Hohepriesterin, die den Zauber gewirkt hat, durch den meine Mutter schwanger werden konnte."
Morgana zieht die Augenbrauen zusammen und schüttelt den Kopf. „Aber das ist kein Geheimnis für mich. Davon hast du mir schon erzählt."
„Ich habe dir erzählt, was vor meiner Geburt passiert ist", antwortet Arthur. „Aber vor ein paar Monaten ist Nimueh nach Camelot gekommen, verkleidet als eine von Bayards Dienerinnen. Ihr Plan war es den zeremoniellen Kelch, der während des Festes für mich bestimmt gewesen ist, zu vergiften und uns dann zu warnen, dass Bayard es getan hätte. Damit hätte sie einen weiteren Krieg mit Mercia heraufbeschworen. Ihr Ziel war es, ganz Camelot für das bezahlen zu lassen, was Uther ihren Schwestern und allen Zauberern angetan hat."
„Ich habe Nimueh davon abgehalten den Kelch gegen ein vergiftetes Duplikat auszutauschen", sagt Merlin. „Und ich habe ihr gesagt, dass ich Emrys bin, dass Arthur der Einstige und Künftige König ist und dass wir unser Schicksal annehmen und die Prophezeiung erfüllen werden."
Morgana sieht zuerst Merlin und dann Arthur zweifelnd an. „Und sie hat ihre Rachepläne daraufhin einfach so aufgegeben?"
Merlin legt den Kopf schief. „Ich habe ihr keine große Wahl gelassen", entgegnet er ungerührt.
Morgana starrt Merlin daraufhin vollkommen entgeistert an. Zwar hat sie Merlins Demonstration während der Sitzung des Rates und während des Trainings mit den Rittern miterlebt, aber weder das, noch Merlins neue Roben, sind wirklich in der Lage, ihr klar zu machen, wozu Merlin tatsächlich fähig ist. In ihren Augen ist er trotz seiner Magie immer noch der junge Mann, der stets freundlich und gut gelaunt ist und zuweilen über seine eigenen Füße stolpert. Arthur kann Morgana diesbezüglich gut verstehen, denn ihm ist es vor nicht allzu langer Zeit noch genauso gegangen.
„Wir konnten Nimueh dazu bringen uns zuzuhören, und ich habe ihr gesagt, dass ich die Gesetze ändern werde, sobald ich kann und dass Magie von da an in Camelot wieder willkommen sein wird", erklärt Arthur weiter. „Sie hat jedoch verlangt, dass wir einen Beweis dafür erbringen, dass wir es ernst meinen und dass ich mein Versprechen auch halten würde."
Morgana schürzt die Lippen. „Lass mich raten, dieser Beweis hat etwas mit dem Mann zu tun, den Merlin und Leon an diesem einen Abend ins Schloss gebracht haben."
Arthur wirft einen kurzen Blick zu Merlin, bevor er antwortet. „Ja. Nimueh wollte, dass wir einen Gefangenen befreien, den Uther unter dem Schloss eingesperrt hat und wir brauchten Balinor, um uns dabei zu helfen."
„Balinor ist mein Vater", wirft Merlin ein und Arthur holt tief Luft, bevor er Morgana das eigentliche Geheimnis erzählt.
„Und der Gefangene war der letzte noch lebende Drache."
Morganas Augen weiten sich und sie starrt Arthur und Merlin einen Moment lang ungläubig an.
„Ein Drache? Eingesperrt unter dem Schloss?", fragt sie schließlich. „Das soll doch wohl ein Scherz sein!"
Arthur schüttelt mit einem freudlosen Lächeln den Kopf. „Leider nicht. Uther hat Kilgharrah – das ist der Name des Drachen - in den letzten Tagen der Großen Säuberung hereingelegt und ihn tief unter dem Schloss angekettet. Balinor ist der letzte Drachenmeister und wir brauchten ihn, um dafür zu sorgen, dass Kilgharrah keine Vergeltung üben würde, sobald wir ihn befreien, denn ein Drache muss den Befehlen eines Drachenmeisters gehorchen. Nachdem Balinor ihm befohlen hat, Camelot nicht anzugreifen, haben wir Kilgharrah freigelassen und Nimueh damit bewiesen, dass ich zu meinem Wort stehe."
„Und jetzt hat Arthur die Gesetze geändert und Magie ist in Camelot wieder willkommen", fügt Merlin hinzu. „Wir wissen nicht, warum Nimueh gerade heute gekommen ist, aber wir hoffen, dass sie sich uns als Verbündete anschließen wird."
Morgana hat die Stirn in Falten gelegt, während sie über all das nachdenkt, was Arthur und Merlin ihr gerade erzählt haben und Arthur überlässt sie ihren Gedanken, bis die Tür der Ratshalle geöffnet wird und Sir Galahad gefolgt von Nimueh die Halle betritt.
Nimueh trägt ein langes, dunkelgrünes Kleid mit silbernen Verzierungen und langen Ärmeln unter einem weiten, schwarzen Umhang. Ihre Haltung ist stolz und sie folgt Galahad mit gemessenen Schritten. Arthur sieht, wie ihr Blick kurz zu Merlin wandert, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn richtet. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht verrät jedoch nicht das Geringste.
„Willkommen in Camelot, Lady Nimueh", sagt Arthur schließlich, als Nimueh vor ihnen stehen bleibt. „Darf ich Euch meine Schwester vorstellen, Prinzessin Morgana."
Morgana und Nimueh tauschen eine höfliche Verbeugung aus, während Arthur Galahad mit einem Nicken entlässt. Der junge Ritter verlässt daraufhin die Ratshalle und schließt die Tür hinter sich.
„Ihr seid eher hier, als ich erwartet hatte", gibt Arthur zu und Nimueh betrachtet zuerst ihn und dann Merlin mit einem wohlwollenden Lächeln auf den Lippen.
„Ihr habt getan, was ich von Euch verlangt habe. Es hat ganz den Anschein, als ob Ihr tatsächlich den Wunsch habt, die Fehler Eures Vaters wieder gut zu machen und die Prophezeiung zu erfüllen. Albion steht eine vielversprechende Zukunft bevor und ich möchte diese Zukunft mit eigenen Augen sehen und nicht nur durch einen magischen Spiegel."
„Dann darf ich annehmen, dass Ihr vorhabt hierzubleiben?", fragt Arthur und Nimueh nickt gönnerhaft.
„Das ist meine Absicht, ja."
Arthur mustert sie aufmerksam, aber er kann nicht sagen, ob sie es tatsächlich ernst meint oder ob sich hinter ihrer Absicht im Schloss zu bleiben noch mehr verbirgt. Merlin scheint es ähnlich zu gehen, denn nach einem Moment richtet er das Wort an Nimueh.
„Versprichst du, dass du niemandem in Camelot ein Leid zufügen wirst und dass du nicht versuchen wirst uns zu hintergehen?"
Nimueh mustert Merlin kurz, bevor sie nickt, als ob das auf der Hand liegen würde. „Ja, ich verspreche es. Solange ihr versprecht, dass ihr alles in eurer Macht stehende tun werdet, um Magie zurück in dieses Land zu bringen und die alten Wege, die Uther zerstören wollte, wieder aufleben zu lassen."
„Wir werden alles tun, damit Magie wieder ein Teil von Camelot wird", antwortet Merlin mit einem Nicken, bevor er Nimueh jedoch eindringlich ansieht. „Aber ich werde nicht erlauben, dass Camelot zu der magischen Ordnung zurückkehrt, die vor der Großen Säuberung geherrscht hat. Die Zeit der Neun Hohepriesterinnen der Dreifaltigen Göttin, die über alle Zauberer gerichtet haben, ist vorbei. Du bist die Letzte der Neun und du wirst die Letzte von ihnen bleiben."
Nimuehs Blick verdüstert sich und ihr Mundwinkel zuckt kaum merklich, als Merlin geendet hat, doch nach einem Moment, entspannen sich ihre Züge wieder. „So soll es sein", antwortet sie schließlich mit einem Nicken.
Arthur glaubt jedoch nicht, dass Nimueh tatsächlich bereit ist, die Vergangenheit in diesem Punkt ruhen zu lassen und er sieht Merlin an, dass er es ebenfalls nicht glaubt. Merlin sagt jedoch nichts und Arthur beschließt das Thema jetzt nicht weiter zu vertiefen. Für den Moment muss er sich mit den Auswirkungen beschäftigen, die Nimuehs Anwesenheit bei Hofe haben wird.
Arthur wendet sich an Morgana, die dem Gespräch bisher nur zugehört hat. „Morgana, würdest du bitte unseren Vater holen?"
Morgana mustert Arthur einen Moment lang zweifelnd, aber schließlich nickt sie. „Natürlich."
Als Morgana die Halle verlässt, sieht Nimueh ihr nach und nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, dreht sie sich wieder zu Arthur und Merlin um. Ein süffisantes Lächeln erscheint auf ihren Lippen, während sie den Kopf schüttelt.
„Ich muss schon sagen, ich war erstaunt, als ich gehört habe, dass Morgana Uthers Tochter ist. Ich hätte es mir allerdings denken sollen. Uther hat sich schon immer das genommen, was er wollte, ohne an die Konsequenzen zu denken."
Arthur geht daraufhin ein paar Schritte auf Nimueh zu, bis er direkt vor ihr steht. Er sieht, wie Merlin sich dabei unwillkürlich anspannt, aber Arthur ignoriert ihn und fasst Nimueh mit einem scharfen Blick ins Auge.
„Ich werde das nur ein Mal sagen", beginnt Arthur mit leiser Stimme. „Mein Vater ist nicht mehr der Mann, der er einst war, und ich werde es nicht dulden, dass Ihr ihn mit der Vergangenheit quält. Was geschehen ist, hat ihm und allen in Camelot bereits genug Schmerz und Leid gebracht. Wenn Ihr unsere Verbündete sein wollt, dann werdet Ihr das respektieren und meinem Vater aus dem Weg gehen, so gut Ihr könnt. Außerdem werdet Ihr mit niemandem darüber sprechen, welche Umstände zu dem veränderten Geisteszustand meines Vaters geführt haben. Ist das klar?"
Arthur sieht, wie sich Nimuehs Kiefermuskeln anspannen, als sie die Zähne zusammenbeißt, aber schließlich lässt sie sich zu einem Nicken herab.
Arthur gibt sich damit zufrieden und tritt wieder zurück, ohne Nimueh aus den Augen zu lassen. Kurz darauf wird die Tür wieder geöffnet, und Morgana betritt zusammen mit Uther die Ratshalle.
Nimueh dreht sich um und es dauert einen Moment, bis Uther sie erkennt, doch als er es tut, bleibt er wie angewurzelt stehen und starrt sie an.
„Nimueh", sagt Uther kaum hörbar und es dauert einige Augenblicke, bis er in der Lage ist weiter zu reden. „Was tust du hier?", fragt er schließlich mit tonloser Stimme.
Nimueh schenkt Uther ein breites, unechtes Lächeln. „Dein Sohn hat mich eingeladen."
Uther dreht den Kopf zu Arthur, die Augen vor Entsetzen geweitet. „Wie konntest du das tun? Weißt du, wer sie ist?"
Tränen treten in Uthers Augen und Arthur wirft Nimueh einen warnenden Blick zu, bevor er zu seinem Vater geht und ihm die Hände auf die Arme legt.
„Ja, ich weiß, wer sie ist", sagt Arthur sanft. „Aber sie trifft keine Schuld am Tod meiner Mutter. Sie hat das Leben, das genommen wurde, nicht ausgewählt. Sie wusste nicht, dass es Ygraine sein würde. Es war Schicksal, ein grausames Schicksal, aber ein Schicksal, das niemand vorhersehen konnte. Sie war genauso wenig verantwortlich für das, was passiert ist, wie du es warst."
Uther sieht zu Boden und ein erstickter Laut dringt aus seiner Kehle, als er es nicht länger schafft die Tränen zurückzuhalten. Arthur zieht seinen Vater in eine Umarmung und drückt ihn fest an sich.
„Ich gebe dir nicht die Schuld am Tod meiner Mutter", flüstert er. „Und ich bin sicher, das würde sie auch nicht tun. Du musst aufhören, dich selbst dafür zu hassen."
Uther antwortet nicht, während er sich an Arthur festhält und Arthur streicht seinem Vater über den Rücken, bevor er ihn schließlich wieder loslässt.
„Ich werde ihn zurück in seine Gemächer bringen", bietet Morgana an und als Arthur den Kopf zu ihr dreht, sieht er den saften Blick, mit dem sie Uther betrachtet.
Arthur nickt dankbar und Morgana lächelt schwach, bevor sie Uther sanft am Arm nimmt und ihn aus der Halle hinausbegleitet. Arthur sieht ihr und ihrem Vater noch einen Moment lang nach und er glaubt, dass Morgana die Kraft finden kann, Uther nicht für das zu hassen, was er getan hat, nicht um Uthers Willen, sondern um ihrer selbst Willen. Schließlich wendet er sich wieder an Nimueh.
„Ich denke, es ist das Beste, wenn Ihr uns in den Thronsaal begleitet und uns für die Feierlichkeiten Gesellschaft leistet. Auf diese Weise kann ich Euch meinem Hof als Zauberin vorstellen. Ich möchte Euch allerdings bitten, Euch während der nächsten Wochen mit der Verwendung von Magie zurückzuhalten. Die Menschen von Camelot sind immer noch argwöhnisch Magie gegenüber und Ihr seid eine Fremde."
Nimueh gibt mit einem Nicken zu verstehen, dass sie sich daran halten wird und das genügt Arthur für den Moment. Schließlich verlassen Merlin und Arthur mit ihr zusammen die Ratshalle, um zurück zum Fest im Thronsaal zu gehen. Als sie eintreten, verstummen nach und nach die Gespräche in der Halle, und sämtliche Blicke richten sich auf Nimueh.
Arthur bleibt vor der Stirnseite der Tafel stehen und dreht sich zu den Anwesenden um, woraufhin die Instrumente der Musiker verstummen. „Das ist Lady Nimueh. Sie ist eine Zauberin, die meiner Einladung nach Camelot gefolgt ist", erklärt Arthur. „Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an sie aus der Zeit vor meiner Geburt. Jetzt ist sie erneut an Camelots Hof, um unseren neuen Hofzauberer Lord Emrys dabei zu unterstützen Magie zurück nach Camelot zu bringen."
In der Halle herrscht für einen Moment lang Stille, bis vereinzeltes Klatschen ertönt. Arthur gibt den Musikern in der vorderen Ecke ein Zeichen weiter zu spielen und führt Nimueh dann um die Tafel herum, wo er einem der Diener ein Zeichen gibt, der daraufhin einen weiteren Stuhl neben Merlin an das Ende der Tafel stellt. Sofern die Mitglieder seines Hofes sich gefragt haben, wie viel Vertrauen Arthur in diesen neuen Gast setzt, so hat er ihnen eine deutliche Antwort gegeben, indem er Nimueh zu ihm an die Tafel setzt.
Während Arthur, Merlin und Nimueh Platz nehmen, wirft Arthur einen Blick zu Gaius und Geoffrey hinüber, und ganz wie er erwartet hat, betrachten beide ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen. Gerade als Arthur sich hingesetzt hat, erhebt sich Gaius von seinem Platz und kommt hinter dem Tisch auf ihn zu. Als er Arthur erreicht hat, bleibt er hinter ihm stehen und beugt sich zu Arthur hinunter.
„Sire, kann ich Euch für einen Moment sprechen?", fragt er eindringlich.
Arthur weiß genau, worüber Gaius mit ihm reden möchte und er nickt. Gaius ist einer seiner loyalsten Berater und er hat eine Erklärung verdient.
„Ich bin gleich zurück", sagt Arthur zu Nimueh und Merlin, bevor er wieder von seinem Platz aufsteht.
Dann geht er mit Gaius in den hinteren Teil des Thronraums und obwohl sie außer Hörweite der anderen sind, stellt Gaius sich dicht neben Arthur und spricht betont leise.
„Sire, ich nehme an, Ihr wisst, welche Rolle Nimueh bei Eurer Geburt gespielt hat?"
Arthur nickt. „Ja, das weiß ich."
„Ihr solltet aber auch wissen, dass sie die Krankheit, die Camelot diesen Frühling heimgesucht hat, zu verantworten hatte. Das Ei, aus dem der Afanc geschlüpft ist, trug ihr Zeichen."
Gaius betrachtet Arthur mit einem vielsagenden Blick und Arthur nickt.
„Auch das weiß ich, Gaius", antwortet er unbeeindruckt. „Aber Nimueh hat Camelot nur deswegen angegriffen, weil sie Rache an meinem Vater nehmen wollte und weil sie dachte, dass es keinen anderen Weg gäbe, um Magie zurückzubringen. Was Ihr jedoch nicht wisst, ist, dass Nimueh zu den Feierlichkeiten anlässlich der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Mercia nach Camelot gekommen ist, verkleidet als eine von Bayards Dienerinnen und ihr Plan war es Zwietracht zwischen mir und Bayard zu sähen, um einen erneuten Krieg zu provozieren. Merlin hat sie davon abhalten können und nachdem ich mit ihr geredet habe, hat sie eingesehen, dass ich nicht ihr Feind bin. Jetzt, nachdem ich mein Versprechen gehalten habe und Magie wieder frei ist, ist sie nach Camelot zurückgekommen und ich werde nicht länger an die Vergangenheit denken, sondern in die Zukunft blicken, weil Nimueh eine wertvolle Verbündete für Camelot sein wird. Aus diesem Grund möchte ich Euch bitten, niemandem zu erzählen, dass Nimueh für die Krankheit diesen Frühling verantwortlich war. Seid versichert, dass ich ihr nicht blind vertrauen werde und ich weiß es zu schätzen, dass Ihr mich warnen wolltet. Merlin wird sie im Auge behalten und wenn sie noch einmal versuchen sollte, jemandem in Camelot zu schaden, dann wird sie den Preis dafür bezahlen, das verspreche ich Euch."
Gaius hat die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst. „Uther wird das nicht gefallen", sagt er schließlich.
Arthur lächelt schmal. „Und aus dem Grund weiß er es bereits. Er ruht sich aus und wird vermutlich nicht zurück zu den Feierlichkeiten kommen. Ich werde dafür sorgen, dass er und Nimueh sich so selten wir möglich über den Weg laufen."
Gaius erkennt, dass das Gespräch damit beendet ist, und verbeugt sich. „Sire."
Dann geht Gaius wieder auf seinen Platz zurück und Arthur tut es ihm gleich.
Als er sich wieder auf seinen Thron gesetzt hat, mustert ihn Nimueh mit einer erhobenen Augenbraue.
„Ich nehme an, Gaius hat Euch gerade vor mir gewarnt?"
„Ja, das hat er", entgegnet Arthur. „Aber ich habe ihm gesagt, dass es dafür keinen Grund gibt."
Nimueh antwortet nicht, sondern zieht lediglich eine Augenbraue nach oben und nickt anerkennend.
Ein Diener kommt in diesem Moment mit einem Krug mit Met und einem Becher für Nimueh an ihren Tisch. Als er Merlins Becher gefüllt hat, bedankt Merlin sich bei dem Mann, woraufhin dieser eilig den Blick auf den Boden senkt und sich dann schnell wieder entfernt. Obwohl Merlin versucht, sich nichts anmerken zu lassen, sieht Arthur, dass Merlin die Augenbrauen zusammenzieht und Arthur greift nach seinem Becher und hebt ihn an.
„Auf neue Verbündete", sagt er, um Merlin von seinen trüben Gedanken abzulenken.
Merlin hebt ebenfalls seinen Becher und Nimueh sieht zuerst Arthur und dann Merlin nacheinander an, bevor sie ihren Becher ebenfalls anhebt.
„Auf neue Verbündete", sagt sie, doch dann lässt sie ihren Becher wieder sinken und legt eine Hand auf Merlins Arm, mit dem er gerade seinen Becher an die Lippen führen wollte. „Die Ihr offensichtlich dringend nötig habt."
Arthur lässt seinen Becher sinken, bevor er einen Schluck daraus getrunken hat, während er die Stirn runzelt und genau wie Merlin Nimueh verwirrt ansieht. Nimueh tut jedoch so, als ob sie Arthur und Merlin nicht beachtet, und senkt ihre Stimme, während sie ihren Blick scheinbar ziellos durch die Halle wandern lässt.
„Versuch dir nichts anmerken zu lassen Merlin, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Met in deinem Becher vergiftet wurde. Der Diener, der ihn eingeschenkt hat, hat etwas hineingeschüttet, als niemand von euch hingesehen hat."
Arthur starrt Nimueh entsetzt an, bevor er sich zusammenreißen kann. Aus den Augenwinkeln sieht er wie Merlins Augen sich ebenfalls kurz weiten und er dann geistesgegenwärtig einen Hustenanfall vortäuscht, während er seinen Becher zurück auf den Tisch stellt.
Arthur wirft unwillkürlich einen Blick in seinen eigenen Becher, aber Nimueh schüttelt kaum merklich den Kopf.
„Euren Met hat er nicht vergiftet, nur den von Merlin."
„Bist du sicher?", fragt Merlin leise und Arthur sieht, wie er dem Drang widersteht dem Diener, der mit dem Krug weitergegangen ist, hinterher zu sehen.
Nimueh sieht Merlin wieder an und nickt herablassend. „Natürlich bin ich das."
Merlin zieht die Augenbrauen zusammen. „Aber warum sollte jemand versuchen mich zu töten und nicht Arthur?"
Arthur schüttelt den Kopf und sieht Merlin verständnislos an. „Nun ja, Merlin, du bist jetzt der Hofzauberer von Camelot, und das macht dich zu einer Zielscheibe. Außerdem gibt es hier immer noch genug Leute, die Uthers Ansicht, dass Magie böse ist und jeder Zauberer vernichtet werden muss, aus vollster Überzeugung teilen, auch wenn ich wünschte, es wäre nicht so."
Arthur flucht innerlich. Ihm hätte klar sein müssen, dass so etwas passieren würde. Nachdem Merlin bei seinem Kampf mit den Rittern auf dem Trainingsfeld eindrucksvoll bewiesen hat, dass ein Angriff mit Waffen auf ihn vollkommen aussichtslos ist, blieb nur die Möglichkeit ihn hinterrücks zu vergiften. Und die Feierlichkeiten boten den geeigneten Anlass für solch ein Vorhaben.
Merlin hat den Blick nachdenklich auf den Tisch vor sich gerichtet, während er den vergifteten Becker mit Met betrachtet. „Und was tun wir jetzt?"
„Nun das kommt ganz darauf an, ob ihr wisst, wer Camelots neuen Hofzauberer umbringen will oder nicht", meint Nimueh leichthin.
Arthur kommt sofort ein Name in den Sinn und dieses Mal unterdrückt er seinen Fluch nicht. „Dieser miese kleine Drecksack! Ich hätte ihn umbringen sollen, als ich die Chance dazu hatte, anstatt ihn nur aus Camelot zu verbannen."
„Dann wisst ihr es also", bemerkt Nimueh amüsiert.
„Ja", antwortet Arthur düster. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Lord Willard dahinter steckt."
Nimueh zieht eine Augenbraue hoch. „Einer der Lords? Wie unerwartet. Es scheint sogar noch mehr Intrigen am Hof von Camelot zu geben, als beim letzten Mal, als ich hier war."
Arthur ignoriert sie, während er seinen Blick unauffällig durch die Halle schweifen lässt und dabei den Diener streift, der gerade die leeren Becher einiger Ritter füllt. Vermutlich hat er gewartet, bis nach dem Essen der Met ausgeschenkt wurde, denn die Süße des Getränks würde viele Gifte überdecken.
„Glaubst du, er hat es alleine geplant?", fragt Merlin nachdenklich.
Arthur zuckt mit den Schultern, während er überlegt.
„Meiner Erfahrung nach sind Mordversuche nur selten das Werk einer einzelnen Person", sagt Nimueh und trinkt seelenruhig einen Schluck Met aus ihrem Becher. Sie scheint die ganze Sache ungemein unterhaltsam zu finden, aber sie hat Merlin gerade davor bewahrt vergiftet zu werden und daher ist Arthur bereit darüber hinweg zu sehen.
„Das werden wir bald herausfinden", antwortet er grimmig, bevor er Leon zu sich heranwinkt.
Leon steht augenblicklich von seinem Platz auf und zu ihnen herüberkommt, wo er sich zu Arthur hinunterbeugt. „Sire."
„Leon, bitte dreh dich nicht um, aber ein Diener mit braunen Haaren und einer ziemlich krummen Nase ist gerade dabei die Becher von Sir Bedivere und Sir Lamorak zu füllen", sagt Arthur leise.
„Er heißt Marik", ergänzt Merlin.
„Ich will, dass du und Lancelot ihn festnehmt, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, und dann in den Kerker bringt", befiehlt Arthur. „Wartet dort, bis ich und Merlin zu euch kommen."
„Ja, Sire", sagt Leon, doch sieht er Arthur neugierig an. „Was er getan hat?"
Als Arthur nicht sofort antwortet, senkt Leon eilig den Blick. „Es tut mir Leid Sire, ich hätte nicht…", beginnt er, aber Arthur unterbricht ihn.
„Nein, schon in Ordnung. Er hat etwas in Merlins Met getan. Wir vermuten, dass es Gift war, aber unser Gast hier hat es rechtzeitig bemerkt."
Leon stockt kurz und sein Blick wandert zu Nimueh, die ihm eines ihrer bezaubernden Lächeln schenkt. Nach einem Moment wird Leons Blick ernst und er nickt knapp, bevor er sich entfernt und zu Lancelot hinübergeht. Er setzt sich wieder auf seinen Platz neben ihn an den Tisch und beugt sich dann zu ihm hinüber, um leise mit ihm zu reden.
Arthur sieht, wie sich Lancelots Augen kurz weiten, aber er dreht nicht den Kopf, um Marik anzusehen und ihn dadurch womöglich aufzuschrecken. Schließlich warten die beiden Ritter, bis Marik den Krug mit Met geleert hat und die Halle verlässt, bevor sie aufstehen und ihm folgen.
Nachdem der Abend so weit vorangeschritten ist, dass der König und sein neu ernannter Hofzauberer das Fest verlassen können, machen sich Arthur und Merlin auf den Weg hinunter in den Kerker.
Sie haben Nimueh in eines der Gästezimmer im Südturm bringen lassen und Arthur hätte nur zu gerne zwei Ritter vor ihre Tür gestellt. Er weiß, dass es vollkommen sinnlos ist, Nimueh von jemand anderem als Merlin bewachen zu lassen, aber er fühlt sich dennoch unbehaglich bei dem Gedanken, dass er nicht genau weiß, wo Nimueh sich im Schloss aufhält. Wenn er sie jedoch als Verbündete haben will, kann er sie nicht in ihren Räumen einsperren und er muss zumindest versuchen, ihr zu vertrauen.
Als Arthur und Merlin die Treppe zum Kerker hinunterkommen, sitzen Lancelot und Leon an dem kleinen Tisch, der für die Wachen vorbehalten ist und vertreiben sich die Zeit mit einem Würfelspiel. Mehrere Fackeln brennen in den Halterungen an den Wänden und werfen Schatten an die niedrige Gewölbedecke. Zu allen Seiten des Raumes führen schwere Holztüren in die Räume, die den Adligen als Zellen vorbehalten sind. Die übrigen Zellen befinden sich zu beiden Seiten der Gänge, die an den gegenüberliegenden Seite des Raumes in den hinteren Teil des Kerkers führen und diese Zellen sind nur mit eisernen Gitterstäben voneinander getrennt.
Leon und Lancelot unterbrechen ihr Würfelspiel, als sie Arthur und Merlin bemerken und Leon steht von seinem Stuhl auf. Er deutet auf die Zelle direkt hinter dem Tisch und nimmt einen Schlüsselbund von seinem Gürtel.
„Wir haben ihn hier eingesperrt, um ihn besser bewachen zu können, und er hat uns keine Schwierigkeiten gemacht, als wir ihn mitgenommen haben", berichtet Leon.
„Und niemand ist bis jetzt hier heruntergekommen", fügt Lancelot hinzu.
Arthur nickt und wirft Leon und Lancelot dann ein entschuldigendes Lächeln zu. „Es tut mir leid, dass ihr den Rest des Festes verpasst habt, aber ich wollte, dass er von jemandem bewacht wird, dem ich ohne Vorbehalte vertrauen kann."
Lancelot zuckt mit den Schultern. „Das Essen war ohnehin schon serviert und ich bin sicher, dass es noch viele Feste geben wird."
Arthur lächelt amüsiert, während Leon mit ihnen zu Mariks Zelle geht und die Tür aufschließt. Er lässt Merlin und Arthur eintreten, bevor er die Tür hinter ihnen wieder schließt.
Marik sitzt im hinteren Teil der Zelle auf etwas Stroh und als Arthur und Merlin hereinkommen, springt er auf die Füße und wirft sich vor Arthur auf den Boden.
„Mein König, bitte! Es tut mir so leid, was ich getan habe. Bitte, Ihr müsst mir glauben, ich wollte das nicht tun, ich schwöre es! Lord Mulgrave hat mich dazu gezwungen. Er hat gesagt, wenn ich es nicht tue, dann würde er Sir Brennis erzählen, dass ich eine Affäre mit seiner Frau hatte und dann hätte ich meine Stelle im Schloss verloren. Bitte Sire, ich habe zwei kleine Töchter, die ich alleine großziehe, seit meine Frau gestorben ist. Ich brauche das Geld! Wenn ich meine Anstellung als Diener verloren hätte, wäre ich nicht mehr in der Lage gewesen für meine Töchter zu sorgen! Bitte Sire, bitte habt erbarmen. Wenn Ihr mich hinrichten lasst, dann müssen meine beiden Mädchen auf der Straße leben!" Mariks Stimme bricht ab und der Mann fängt an zu schluchzen und vergräbt das Gesicht in den Händen.
Merlin und Arthur tauschen einen kurzen überraschten Blick. Lord Mulgrave war Camelots Hofmarschall, bevor Arthur ihn entlassen und das Amt Lady Evaine übertragen hat. Der fette Mann kennt die Geheimnisse vieler Leute bei Hof und obwohl er sein Wissen immer dazu benutzt hat, seine eigenen Taschen mit Gold zu füllen, ist er ein riesengroßer Feigling. Arthur hat nicht erwartet seinen Namen im Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf Merlin zu hören, zumal er davon ausgegangen ist, dass Lord Willard dafür verantwortlich wäre.
„Lord Mulgrave hat dir aufgetragen den Met zu vergiften?", fragt Arthur nach und Marik nickt, den Blick weiterhin auf den Steinboden vor ihm gerichtet.
„Ja, Sire. Das hat er. Er hat heute Morgen mit mir geredet. Er wusste, dass ich während des Festes bedienen würde. Er hat gesagt, dass ich, sobald der Met serviert wird, den Inhalt einer kleinen Phiole in Merlins… Lord Emrys' Becher schütten sollte. Ich glaube, er hat mich ausgesucht, weil ich früher ein talentierter Taschenspieler gewesen bin, aber so etwas mache ich nicht mehr, seit ich meine Frau kennengelernt hatte und meine Töchter geboren wurden. Bitte, Sire, meine beiden Mädchen sind alles, was ich habe. Ich würde alles für sie tun. Bitte, habt Erbarmen!" Marik beginnt erneut zu schluchzen und sein ganzer Körper zittert unkontrolliert.
Merlin wirft einen Blick zu Arthur hinüber. „Ich denke, er sagt die Wahrheit. Ich kenne seine Töchter von früher. Sie bedeuten ihm alles."
Bevor Arthur etwas erwidern kann, geht Merlin neben Marik in die Hocke und legt ihm eine Hand auf die Schulter. Der Mann zuckt zusammen und sieht erschrocken auf.
„Marik, sieh mich an", sagt Merlin sanft und der Diener sieht mit verquollen Augen zu Merlin auf. „Es wird alles gut", versichert Merlin ihm. „Du wirst nicht hingerichtet, das verspreche ich."
Der Mann sieht erwartungsvoll zu Arthur, der daraufhin die Zähne zusammenbeißt. Was mit Marik geschieht, ist nicht Merlins Entscheidung, und auf den versuchten Mord an einem Mitglied des Hofes steht als Hochverrat die Todesstrafe. Merlin weiß das, aber Arthur weiß auch, dass Merlin immer das Gute in den Menschen sieht und ihnen ihre Fehler schnell verzeiht. Marik hinrichten zu lassen, würde außerdem nicht das geringste bringen, denn er ist bei diesem Anschlag nur das Werkzeug gewesen. Zwar hätte er Arthur bereits heute Morgen von Lord Mulgraves Verrat berichten können, aber wenn Arthur ihn aus diesem Grund hinrichtet, erzeugt er nur Angst und Misstrauen unter der Dienerschaft. Wenn er Marik dagegen am Leben lässt und ihn lediglich hart bestraft, sichert er sich seine Loyalität und seine ewige Dankbarkeit.
„Lord Emrys hat recht. Du wirst nicht hingerichtet", sagt Arthur schließlich. „Ich werde deinen Töchtern nicht den Vater nehmen."
Erleichterung tritt auf Mariks Gesicht und er senkt den Kopf bis er mit der Stirn den Boden berührt. „Ich danke Euch, Sire. Viele Dank! Danke! Danke!"
„Wie dem auch sei, du wirst für das, was du getan hast, bestraft werden", fährt Arthur fort.
Merlin zieht die Augenbrauen zusammen, als er Arthur ansieht, aber Arthur ignoriert ihn.
Der Mann auf dem Boden nickt währenddessen. „Natürlich, Sire. Ich verstehe", sagt er mit tonloser Stimme.
„Du wirst nicht länger als Diener im Schloss arbeiten", erklärt Arthur. „Von jetzt an bist du der Gehilfe des Gerbers am Rande von Camelot. Du wirst die nächsten zwei Nächte hier verbringen und dann mit deiner neuen Arbeit beginnen."
Marik schluckt schwer, nickt aber. „Ja, Sire. Danke, Sire."
Arthur wirft Merlinen einen entschiedenen Blick zu und Merlin steht wieder auf, bevor sie die Zelle verlassen. Leon, der vor der Tür gewartet hat, sperrt die Zellentür hinter Arthur und Merlin wieder zu.
„Du hättest ihn stattdessen auspeitschen lassen können", sagt Merlin leise, als sie gefolgt von Leon zurück zum Tisch gehen.
Arthur schüttelt den Kopf und wirft Merlin einen harten Blick zu. „Nein, das hätte ich nicht, denn wenn seine Wunden zu tief gewesen wären, hättest du ihn geheilt und alle hätten davon erfahren. Und versuch nicht es abzustreiten."
Merlin antwortet nicht und er weicht Arthurs Blick aus. Die Arbeit als Gerber ist eine der härtesten Tätigkeiten, die es gibt. Mariks Töchter können ihren Vater behalten, und er kann weiterhin für sie sorgen, aber er wird aller Voraussicht nach in diesem Beruf nicht sehr alt werden.
„Ich nehme an, Merlin zu vergiften war nicht Mariks Idee?", vermutet Lancelot, als Arthur, Merlin und Leon um den Tisch herum stehen bleiben.
Arthur seufzt und schüttelt den Kopf. „Nein, Lord Mulgrave hat ihn erpresst", antwortet er.
Leon zieht überrascht die Augenbrauen nach oben. „Lord Mulgrave?"
„Ja", bestätigt Arthur grimmig. „Das hatte ich auch nicht erwartet. Ich will, dass er gefunden wird. Nimm ein paar Ritter, denen du vertrauen kannst, und durchsucht das Schloss und die Stadt. Und ich will zwei Wachen vor dieser Zelle Tag und Nacht."
Leon nickt und will sich in Bewegung setzen, aber Merlin hält ihn auf. „Ich glaube, ich kann Lord Mulgrave schneller finden."
Arthur sieht ihn skeptisch an. „Wie?"
Ein schmales Grinsen erscheint auf Merlins Gesicht. „Mit Magie. Ich habe dir schon mal davon erzählt. Ich kann einen magischen Spiegel auf einer Wasseroberfläche erschaffen, durch den man eine Person beobachten kann. Es würde uns genau zeigen, wo Lord Mulgrave gerade ist."
„Das ist genial", sagt Leon staunend und Merlins Grinsen wird noch ein wenig breiter.
„Alles was ich dazu brauche, ist eine Schüssel oder einen Teller und etwas Wasser."
Lancelot nickt. „Ich bin gleich wieder da."
Er verschwindet den Gang entlang zu den einfacheren Zellen und kommt kurz darauf mit einem leeren Eimer wieder, den er auf den Tisch stellt.
„Wird das gehen?", fragt er und Merlin nickt.
Dann greift Merlin nach dem Krug mit Wasser, der auf dem Tisch steht und gießt das Wasser in den Eimer, bis es den Boden ein paar Finger hoch bedeckt. Als Nächstes hält er eine Hand über das Wasser und Arthur tritt näher an Tisch heran, während er beobachtet wie Merlins Augen golden aufleuchten. Die Oberfläche des Wassers beginnt sich zu kräuseln, bevor sie sich einen Moment darauf wieder beruhigt und schließlich ein klares Bild entsteht.
Arthur erkennt Lord Mulgrave, der auf einem Stuhl sitzt und mit seinen fleischigen Fingern nervös auf die Tischplatte vor sich trommelt. Der Stuhl ist unter seinem massigen Körper kaum zu sehen und der Raum ist nur spärlich eingerichtet. Durch das Fenster hinter ihm sieht Arthur mehrere Gebäude und an einem von Ihnen hängt ein Schild mit einer gelben Sonne auf blauem Grund auf dem The Rising Sun steht.
„Ich weiß genau, wo das ist", sagt Leon. „Man kann dieses Schild außer von der Straße, nur von einem der Räume im oberen Stockwerk der Taverne aus sehen."
Merlin sieht ihn überrascht an. „Woher wisst Ihr das?"
Leon wird daraufhin rot im Gesicht und Arthur lacht leise.
„Nun ja Merlin, nicht jeder hier in Camelot genießt den Vorteil ein eigenes Zimmer zu haben oder einen Bettgespielen, der sein eigenes Zimmer hat."
Leon sieht aus, als würde er am liebsten im Erdboden versinken, aber nach einem Moment räuspert er sich. „Ich werde Sir Galahad und Sir Bors mitnehmen, um Lord Mulgrave festzunehmen. Wir werden sofort aufbrechen."
Damit verbeugt Leon sich hastig und geht mit eiligen Schritten zur Treppe, während sich Lancelot, Merlin und Arthur ein Grinsen nicht verkneifen können.
„Ich bleibe hier und warte bis Leon zurückkommt. Ihr solltet noch ein paar Stunden schlafen", sagt Lancelot schließlich und Arthur nickt dankbar.
Merlin macht eine Handbewegung und das Bild von Sir Mulgrave verschwindet von der Wasseroberfläche, bevor er und Arthur den Kerker verlassen, um Lancelots Rat zu befolgen.
Arthur wird durch ein lautes Klopfen an der Tür unsanft aus dem Schlaf gerissen und öffnet die Augen. Im Zimmer ist es stockdunkel, da die schweren Vorhänge vor den Fenstern kein Licht hindurch lassen, aber Arthur glaubt, dass es immer noch mitten in der Nacht sein muss und dass er kaum mehr als ein paar Stunden geschlafen hat. Es klopft erneut und Arthur streckt eine Hand aus um Merlin neben sich wachzurütteln.
Merlin gibt ein missmutiges Brummen von sich, ohne sich jedoch zu bewegen.
„Da ist jemand an der Tür", sagt Arthur, während er selbst ebenfalls keine Anstalten macht aufzustehen.
„Dann geh und mach sie auf. Ich bin nicht mehr deiner Diener und wer auch immer es ist, will sowieso mit dir sprechen", murmelt Merlin und zieht die Decke enger um sich.
Arthur stöhnt und rollt mit den Augen. „Kannst du mir wenigstens ein bisschen Licht machen, damit ich mir nicht den Hals breche, Lord Hofzauberer?"
Die Decke neben Arthur bewegt sich und einen Moment darauf flackern die Kerzen in ihren Wandhalterungen auf und tauchen das Zimmer in ein schwaches Licht. Arthur sieht gerade noch, wie Merlin seine Hand wieder zurück unter die Decke zieht, bevor er sich mitsamt der Decke umdreht.
Arthur fügt sich seinem Schicksal und klettert aus dem Bett. Er macht sich jedoch nicht die Mühe nach einem Hemd zu greifen, sondern geht mit nacktem Oberkörper zur Tür und öffnet sie.
Draußen auf dem Korridor, der nur von ein paar Fackeln in ihren Wandhalterungen erhellt wird, steht Sir Leon mit zwei Wachen hinter sich. Als Leon Arthur sieht, verbeugt er sich mit einer knappen Bewegung.
„Sire, es tut mir leid Euch zu stören, aber ich dachte mir, dass Ihr das sofort hören wollt."
Arthur sieht ihn auffordernd an und Leon spricht weiter.
„Wir haben Lord Mulgrave in der Rising Sun gefunden, aber er war bereits tot, als wir eingetroffen sind. Jemand hat ihm die Kehle durchgeschnitten."
Arthur stöhnt leise und fährt sich mit einer Hand übers Gesicht, als er das hört. Das verkompliziert die Dinge. „Hat irgendjemand etwas gesehen?"
„Das versuchen wir noch herauszufinden", antwortet Leon. „Ich wollte Euch nur bereits davon unterrichten, auch wenn ich nicht glaube, dass wir im Moment etwas tun können. Ich habe angeordnet, den Leichnam ins Schloss bringen zu lassen."
Arthur nickt. „Danke, Leon. Du solltest versuchen, auch noch ein paar Stunden zu schlafen. Wir werden uns morgen Früh weiter darum kümmern."
Leon nickt, bevor er sich umdreht und mit den Wachen den Korridor entlang davongeht.
Arthur schließt die Tür hinter sich und macht sich auf den Weg zurück zum Bett. Merlin hat sich aufgesetzt und er hat die Unterhaltung anscheinend verfolgt, denn er mustert Arthur mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Er muss umgebracht worden sein, kurz nachdem ich den Spiegelzauber beendet habe", sagt Merlin nachdenklich.
Arthur seufzt. „Das war Pech. Ein paar Augenblicke länger und wir hätten den Angreifer gesehen."
Merlin nickt nachdenklich. „Vermutlich war es einer seiner Komplizen. Ich vermute, sie haben beschlossen ihn zu töten, nachdem wir Marik eingesperrt haben. Sie müssen gewusst haben, dass Marik uns Lord Mulgraves Namen verraten würde."
Arthur hält das durchaus für möglich und zuckt mit den Schultern, während er wieder ins Bett steigt. „Wahrscheinlich. Lass uns weiterschlafen. Leon hat recht, jetzt können wir ohnehin nichts tun."
Arthur schiebt seine Füße wieder unter die Decke und zieht sie über sich, bevor er sich an Merlin kuschelt. Als er die Augen schließt, sieht er gerade noch wie die Kerzen im Raum alle gleichzeitig wieder erlöschen.
